Gibt es Geister wirklich...?

Auf Grandeas Friedhof werden das einfach Volk und der Adel zu gleichen Teilen beigesetzt. Nun gut, der Adel erhält wundervoll gestaltete Grufthäuser, der Rest wird einfach in Erdlöcher geworfen oder erhält vielleicht noch einen kleinen Grabstein.
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Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Samstag 20. April 2013, 10:06

Feder kommt von: Von Schatten und Musik

Es war mehr als finster in den Gassen und nirgends konnte sie einen Anhaltspunkt ausmachen, wo sie sich überhaupt befand. Sogar der Himmel hatte sich gegen jedwedes Licht verschworen, da sich die Sterne von Wolken hatten verhüllen lassen müssen. So konnten selbst die geschulten Augen der jungen Frau kaum erkennen, wohin ihre Beine sie überhaupt trugen.
Solange, bis sie an einer Mauer ankam, an der sie entlang bis zu einem Tor gelangte. War das schon das Stadttor? Ein bisschen klein dafür, oder?
Andererseits… vielleicht ein Nebenzugang? Das wäre natürlich ideal, denn es wäre hier kaum einer der Wachen zugegen, um die Ausgangssperre durchzusetzen, die inzwischen herrschte. Oder war der Zugang mit einem Vorhängeschloss versperrt? Dem sollte Feder auf den Grund gehen. Außerdem waren die Häuser ein bisschen zurück gewichen, sodass sie mehr Platz hatte, sich zu bewegen.
Ein schmiedeeisernes Tor tauchte zu ihrer Rechten auf und lud dazu ein, es behutsam zu öffnen und hindurch zu schreiten. Hoffentlich nur würde es nicht zu laut quietschen. Wie weit der Lärm zu dieser Stunde getragen werden konnte, hatte sie schließlich zuvor gehört bei dem Säugling.
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Samstag 20. April 2013, 16:33

Behutsam setze Feder einen Fuß vor den anderen, darauf bedacht nicht auf das zu treten, was diesen bestialischen Gestank verursachte. Es war wirklich Zeit die Stadt zu verlassen. So irrte sie von einer Gasse in die nächste, die ihr alle das Gefühl gaben irgendwie gleich auszusehen. Dass jene auch nicht geradlinig verliefen, trug nicht gerade zur Orientierung bei. Immerhin war es dunkel, was ihr ein gewisses Gefühl von Sicherheit verlieh.
Zumindest solange bis ein lauter Schrei aus dem Haus direkt neben ihr ertönte. Ihr Herz beschleunigte seinen Takt ebenso wie ihre Schritte. Es klang nach einem Baby, aber was es auch immer in diesem Haus verloren hatte, sie wollte es gar nicht wissen. Vielleicht war es mit seinen Eltern dort, da sie sich keine andere Unterkunft leisten konnten. Vielleicht wollte aber auch jemand ein Kind los werden. Wie schon gesagt, sie wollte es gar nicht wissen. Immerhin war auch sie selbst von ihren Eltern verlassen worden. Sie biss sich nervös auf die Lippe. Oder aber sie waren gezwungen sie zu verlassen. Ein müßiges Rätsel, da es keinerlei Anhaltspunkte gab.

Sie ging und ging und ging und ging, dabei schien das ganze kein Ende zu nehmen. Frustriert kickte sie ein kleines Steinchen aus dem Weg, der klackend gegen eine Mauer flog. Endlich eine Veränderung im Stadtbild. War dies schon die Stadtmauer? Sich an der Mauer orientierend, setzte sie ihren Weg fort, beschwingter nun, durch die Aussicht dem Ganzen bald entkommen zu sein. Nach einiger Zeit wichen die Häuser dann zurück und gaben den Blick auf ein kleines schmiedeeisernes Tor frei. Ein solches eignete sich ja wohl kaum als Stadttor? Dennoch wollte Feder es sich genauer ansehen. Denn im Nachhinein zu merken, man hatte den Ausgang verpasst, weil man an die Vernunft von Menschen geglaubt hatte, wäre mehr als ärgerlich. Vorsichtig näherte sie sich nun dem Tor, während sie das Auge des Mondes wirkte. Einer der simpelsten Zauber der Schattenmagie, den sie schon ganz zu Beginn gelernt hatte. Dennoch war er einer der Nützlichsten, konnte man mit ihm doch auch in absoluter Finsternis sehen. Er würde seine ganze Wirkung zwar nur in geschlossenen Räumen entfalten können, aber um ein Tor direkt vor sich zu betrachten sollte er mehr als ausreichen. Und vielleicht konnte man auch einen Blick durch die Gitterstäbe erhaschen?
Sie warf noch einen kurzen Blick über die Schulter, ehe sie das Tor genauer untersuchte. Sie würde erst versuchen es zu öffnen, nachdem sie versucht hatte, etwas durch die Gitterstäbe zu erkennen.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. April 2013, 11:40

Städte waren generell Orte, an die man sich gewöhnen musste, war man darin nicht aufgewachsen. Sobald man einmal Gefallen an der Weite oder die wohltuenden Düfte der Natur gewöhnt hatte, fiel es einem schwer, wieder in diesen Mief zurück zu kehren. Denn der Wind konnte hier kaum etwas ausrichten, zwischen all den Häusern.
Hinzu kam, dass sich die junge Frau in einem der ärmsten Teile des Armenviertels bewegte. Da kümmerte sich niemand um den Zustand, wusste auch keiner um die Gesundheit gefährdenden Faktoren, sondern alle waren schon froh genug, wenn sie den nächsten Tag erleben konnten. Der ein oder andere hingegen würde vermutlich sogar das Gegenteil erreichen wollen und wäre froh, wenn auch ihn endlich eine der unsagbar vielen tödlichen Krankheiten treffen würde, die in diesen Häusern die Runde machten.
So war es kein Wunder, dass Feder Wege einschlug, deren Beschaffenheit sie gar nicht wissen wollte, und dass sich ihre Nase gegen all die Gerüche sträubte. Wobei sie noch Glück hatte, die frische Brise machte es eine Winzigkeit erträglicher, als wenn gerade die stickigste, heißeste Saison wäre.
Die Nacht war unheimlich an einem Ort wie diesem und trotzdem konnte sie sich relativ sicher fühlen. Weniger deswegen, weil sie sich bei solchen Bedingungen regelrecht unsichtbar machen konnte, sondern einfach aus dem Grund, dass sich hierher nur in den allerseltensten Fällen das diebische Gesinde verirrte.
Dazu war es in diesem Bereich nicht lohnend genug, denn die meisten hatten ohnehin nichts, viele nicht mal einen richtigen letzten Fetzen am Leib. Und die Frauen waren allesamt zu schmutzig, hatten zu schlechte Zähne und verschiedenste Krankheiten, als dass sich Männer damit konfrontieren wollten.
Trotzdem gab es hier Leben und ein Beispiel davon schrie gerade krähend in einem der dunklen Gebäude, sodass es klang, als wolle es die gesamte Stadt aufwecken. Was natürlich nicht geschehen würde, aber es konnte einem schon einen gehörigen Schrecken einjagen.
Die junge Frau verfolgte ihren Weg weiterhin, was anderes blieb ihr auch nicht übrig. Es dauerte scheinbar ewig, bis sich etwas an ihrer Umgebung änderte. Wirklich zu sehen war es nicht, dazu war die Nacht zu finster.
Allerdings fand Feder es auf eine andere Art und Weise heraus, indem sie ein Steinchen mit dem Fuß wegschoss und es zufällig die Mauer traf. Die Frage war lediglich… welche Art Mauer war das?
Sie konnte es nicht so recht erkennen, denn sie endete mehr als zwei Köpfe über ihr und es war kein Übergang zur Nacht auszumachen, sodass sie noch höher hätte sein können. Immerhin, sie sah und hörte keinen Wachmann oder entdeckte ein Feuer, sodass sie womöglich unerkannt verschwinden könnte.
Und ein Tor kam ebenfalls in Reichweite, kaum auszumachen und trotzdem eindeutig genug, weil die Düsternis sich ein bisschen aufgehellt hatte durch den durchfallenden Schein. Viel half es ihr nicht, eben außer zu erkennen, dass es hier einen Durchgang gab.
Ob das ein Seitentor der Stadtmauer war? Eine Schwachstelle in der Verteidigung? Möglich wäre es, denn es war allgemein bekannt, dass der König sich seiner selbst viel zu sicher war. Aber die junge Frau wollte es natürlich genauer wissen und hatte den Vorteil auf ihrer Seite, dass sie eine Begabung für die Schattenmagie besaß.
Die setzte sie auch ein, um wenigstens das Tor absuchen zu können. Es besaß ein rostiges Schloss an einer noch rostigeren Kette, sodass dies kaum ein Hindernis darstellen würde, sollte sie hindurch schlüpfen wollen. Wahrscheinlich würde es auch quietschen.
Jedoch dahinter… befand sich eine offene Fläche. Genaueres konnte sie nicht erkennen, dazu war die Nacht trotz allem auch weiterhin zu finster. Anscheinend hatte sie allerdings einen Ausgang gefunden.
Was sonst sollte eine freie Fläche mitten in einem Wohnviertel bieten? An einen Friedhof zu denken, wie es der Wahrheit entsprach, lag fern, denn diese wurden eigentlich außerhalb der Mauern angelegt. Dass dies im Fall der Adeligen sogar zutraf, denn zwischen deren und dem hiesigen Viertel gab es ja eine steinerne Abgrenzung, war ein anderes Thema.
Die junge Frau konnte ihre Gabe nicht so weit konzentrieren, dass sie bis zu den ersten Grabsteinen das Gebiet hätte erkennen können. So gab es für sie hier lediglich ein Tor und danach nichts, was mit weiteren Häusern verbaut wäre. Also eigentlich der Ausgang, den sie suchte…
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Mittwoch 1. Mai 2013, 12:58

Nachdenklich betrachtete Feder die von rotem Rost zerfressene Kette. Sie könnte das Schloss natürlich auch mit einem Schlüssel aus Zwielicht öffnen, aber das würde vermutlich mehr als eine gefühlte Ewigkeit dauern und im Moment konnte es ihr kaum schnell genug gehen. Mit etwas Glück hatte der Zahn der Zeit die Kette soweit bearbeite, dass sie zerspringen würde, sobald sie versuchte die Flügel des Tors aufzustemmen.
Bei der ganzen Sache bereitete ihr aber vor allem die Tatsache, dass die Scharniere wohl schon seit einer Weile nicht mehr geölt worden waren, einige Sorgen. Ihre Aktion dürfte eine Menge Lärm verursachen. Sollte dann das Tor nicht aufgehen, hatte sie ein echtes Problem.
Ein weiteres Mal schaute Feder sich um, konnte aber weit und breit keine Menschenseele entdecken. Nun gut. Mit aller Kraft drückte sie gegen das Tor, welches augenblicklich ein erbarmungswürdiges Kreischen von sich gab. Die Flügel schwangen einige Zentimeter auf, ehe sie von der Kette gehalten, mit einem Ruck zum stehen kamen. Verflucht. Ein weiteres mal drückte Feder die Flügel auseinander so gut sie konnte. Jeder einzelne Muskel war angespannt. Aber die Kette wollte nicht bersten.
Was für eine Blöde Idee! Gehetzt sah sie sich um. Niemand zu sehen. Noch nicht zumindest. Sie wollte sich gar nicht vorstellen was geschehen würde, sollte man sie erwischen.
Hektisch zog sie aus ihrem Gürtel einen der Dolche hervor und begann mit dem Knauf auf das schon stark beschädigte Schloss einzuschlagen. Sollte es ihrer Gewalt nachgeben, würde sie schnellstmöglich durch das Tor schlüpfen und so viel Abstand zwischen sich und das Tor bringen wie nur möglich.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 8. Mai 2013, 14:19

Eigentlich sollte das Tor besser gesichert sein, denn, was dahinter lag, war Eigentum der gesamten Stadt und somit auch der Elite. Allerdings hatte diese eigene Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Außerdem befand sich Feder an einem der Seiteneingänge, ohne es zu wissen, sodass hier erst recht keiner wirklich auf die Instandhaltung der Kette und des Schlosses geachtet hatte. Wobei… letzteres war vermutlich derart vom Rost zerfressen, dass es sowieso nicht mehr mit dem Schlüssel zu öffnen wäre aufgrund der Rückstände im Getriebe.
Und da durch dieses Tor lediglich der Zugang für die Bewohner dieses Armenviertels gedacht war, herrschte noch weniger Interesse an der Wartung. Von daher würde es kaum jemanden stören, wenn die junge Frau tat, worauf viele insgeheim schon warteten. Großartigen Lärm würde es vermutlich auch nicht verursachen, wenn sie die Glieder der Kette auseinander zog, bis diese zerbröselten. Sie könnte sich die Mühe eines aufwendigen Zaubers also sparen.
Mehr Aufmerksamkeit würde da schon das Tor selbst auf sich ziehen, zwangsläufig, denn die Scharnieren waren bestimmt seit Ewigkeiten nicht mehr geölt worden. Wenn überhaupt, seitdem dieses Tor gefertigt worden war.
Es würde quietschen und dieses Geräusch würde sich weit durch die Nacht tragen. Aber wenn Feder da hindurch wollte, musste sie das nun einmal in Kauf nehmen. Wenngleich vermutlich kaum jemand nachsehen kommen würde, wer da um diese Uhrzeit noch diesen Weg einschlug. Die Bewohner hier hatten ganz eigene Sorgen und kümmerten sich nur äußerst selten um Dinge, die sie nichts angingen, sogar dann, wenn sie dessen Zeugen wurden.
Und tatsächlich, so wie das Tor aussah, klang es auch, denn es protestierte kräftig gegen die Bewegung. Noch hielt die Kette obendrein. Doch selbst, als Feder in die Nacht hinein lauschte und wartete, rührte sich nicht viel mehr als das heisere Kläffen eines weit entfernt lebenden Hundes, der gegen diese Störung seines Schlafes damit angehen wollte. Auch der Säugling war inzwischen entweder verstummt oder greinte nur noch so leise, dass dessen Plärren nicht mehr bis zu ihr vordringen konnte.
Dafür rührte sich etwas lautlos auf der anderen Seite des Tores, etwas, das sie weder ausmachen, noch sonst wie erkennen konnte und das sie gewarnt hätte, vielleicht ihren Plan lieber aufzugeben.
Somit gab es nichts, das die junge Frau aufhalten konnte, als diese ihre Waffe zog und mit zwei kurzen, gezielten Schlägen dafür sorgte, dass sie Kettenglieder endgültig zerfielen und das Schloss vor ihren Füßen auf den Untergrund aufschlug. Dort blieb es unbeachtet liegen und sie konnte das Tor soweit aufdrücken, nach einem kurzen Widerstand seitens der verrosteten, verkrusteten Scharnieren, dass sie hindurch schlüpfen konnte.
Dahinter erwartete sie eine scheinbar freie Fläche, die so wirkte, als hätte sie tatsächlich ein Schlupfloch durch die Stadtmauer entdeckt. Allerdings war der Himmel nun gänzlich Wolken verhangen und selbst eine angehende Schattenmagierin wie Feder konnte die Hand vor Augen nicht mehr erkennen. Trotzdem kam sie voran, langsam, aber doch, auf einem Weg, den wohl schon viele vor ihr benutzt hatten.
Plötzlich jedoch war ein Gegenstand vor ihren Beinen und da sie nichts sehen konnte, stolperte sie direkt dagegen und musste prompt um ihr Gleichgewicht kämpfen. Während sie damit noch beschäftigt war, um nicht zu hart auf ihren vier Buchstaben zu landen, riss die Wolkendecke flüchtig auf und bot ihr ausreichend Licht um zu erkennen, was ihr da Widerstand geboten hatte.
Es war… ein Stein? Eine rechteckige Platte, in den Boden eingelassen und unbeschriftet, nur leicht erhöht in dem wuchernden Gras. Was hatte das denn nun wieder zu bedeuten? Bedauerlicherweise schloss sich der Himmel zu rasch wieder, als dass es ihr möglich gewesen wäre, einen Blick in die Runde zu erhaschen.
Ob es hier noch mehrere solcher Platten gab? Und wenn ja, warum? Ein Hindernis für all diejenigen, die sich nachts in die Stadt rein- oder rausschleichen wollten, damit sie sich zuvor alle Zehen brachen? Wäre da ein Graben nicht viel sinnvoller?
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Donnerstag 9. Mai 2013, 20:50

Nachdem Feder es endlich geschafft hatte das störrische Schloss zu zerstören, öffnete sie die Torflügel, soweit der Rost es zuließ. Nach wie vor war sie nervös, fürchtete sie doch auf den letzten Metern noch in irgendeine unangenehme Situation zu geraten.
Umso zügiger schritt sie deshalb aus, im Glauben Grandea hinter sich zu lassen.
Aufgrund ihrer Eile schmerzte es fürchterlich, als ihre Zehen plötzlich auf Widerstand trafen. Sie zischte laut und begann Flüche vor sich hin zu murmeln. Für einen Augenblick erbarmte sich dann der Mond und erleuchtete ihr Hindernis. Eine Steinplatte. Im nächsten Moment kuschelte er sich aber schon wieder in seine dunkle Wolkendecke. So konnte sie sich keinen Reim darauf machen, was eine Steinplatte mitten auf freiem Feld zu suchen haben könnte. Wie konnte es nur so verflucht dunkel sein? Vielleicht würde es ihr einleuchten wenn sie mehr sehen könnte. Doch im Moment gab es nichts zu tun als einfach weiter zu irren. Sie schaute sich um und sah absolut überhaupt nichts. Sie war sich nicht einmal mehr sicher in welche Richtung sie zu gehen hatte? War sie dort her gekommen? Vorsichtiger nun, um sich bloß nicht wieder anzuschlagen, tastete Feder sich Schritt für Schritt durch die Dunkelheit, nicht mehr ganz so sicher, ob ihr überhasteter Aufbruch die beste Idee gewesen war.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 16. Mai 2013, 10:14

Während die junge Frau auf den Friedhof trat und nichts, absolut gar nichts sehen konnte, nicht einmal bemerkte, an welchem Ort sie sich unabsichtlich begeben hatte, blieb ihr Eindringen dennoch nicht unbemerkt. Denn es gab durchaus Wesen, die auch zu dieser Uhrzeit bei dieser Witterung etwas erkennen konnten.
Vielleicht nicht unbedingt mit den Augen, dazu war das Licht definitiv zu schlecht. Aber es gab noch andere, ausgeprägte Sinne, welche diese beiden Wesen aufscheuchten und dazu brachten, sich langsam anzuschleichen. Da arbeiteten feuchte Nasen und da zuckten die empfindlichen Ohren, um jeglichen Geruch und sämtliche Geräusche, die nicht in ihren Alltag passten, aufnehmen zu können.
Und als der Mond für einen kurzen Moment zum Vorschein kam, konnten sie mit ihren Augen ebenfalls ausmachen, was die anderen Sinne bereits erkannt hatten. Hier gab es einen Eindringling! Sie selbst hingegen blieben regelrecht unsichtbar, denn sie hatten es gelernt, sich zu ducken, sobald sich auch nur eine winzige Kleinigkeit in der Umgebung änderte.
Lautlos, ohne sich verständigen zu müssen, dazu waren sie ein zu gut eingespieltes Team und hatten ihre Instinkte, trennten die Beiden sich und kreisten somit Feder ein, die davon nichts mitbekommen konnte. Das hier war ihr Revier, sie kannten jeden Millimeter und so passierte es auch nicht, dass das wuchernde Unkraut unbeabsichtigt raschelte oder ein Steinchen gekickt wurde, was ein warnendes Geräusch verursacht hätte. Absolut rein gar nichts verriet diejenigen, welche die Witterung aufgenommen hatten und sich deswegen nun anschlichen.
In der Zwischenzeit war es längst wieder finster geworden und so mussten sich die Beiden erneut auf ihre anderen Sinne konzentrieren. Trotzdem konnten sie sich nähern und gleichzeitig der jungen Frau folgen, als diese sich ihren Weg weiter voran tastete, um nicht erneut einen Zehenbruch zu riskieren.
Und schließlich, als sie nahe genug an ihr dran waren und lediglich auf eine falsche Bewegung, so klein wie ein Zucken, warteten, erschien der Mond erneut hinter der Wolkendecke. Nicht so hell wie zuvor, denn einige Schlieren blieben vor der abnehmenden Scheibe, aber ausreichend, um etwas erkennen zu können.
Nun konnten und wollten die Wesen sich nicht mehr verstecken, sondern zum Angriff übergehen. Oder eher dafür zu sorgen, dass der Eindringling rasch wieder verschwand.
Als Feder ausmachen konnte, dass sie nicht völlig alleine war, wussten auch die Zwei, dass die Zeit des Versteckens in dieser Situation vorüber war. Rechts von der jungen Frau erklang ein warnendes Knurren und links funkelten gelbliche Augen besonders nah.
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Donnerstag 30. Mai 2013, 00:11

Nach wie vor hielt Mutter Nacht die Szene in ihrem schwarzen Griff und machte es Feder unmöglich etwas zu erkennen. Nervös biss sie sich auf der Unterlippe herum, um den Schmerz, der in ihren Zehen pochte, zu unterdrücken. Mit dem Geruch von toter Erde stieg ein unangenehmes Gefühl ihn ihr empor. Hatte hier vor den Toren eine Schlacht stattgefunden, bei der viele Menschen gestorben waren? Wie hätte sie so etwas verpassen können? Die Sekunden zogen sich lang, zäh und gummiartig, wie das letzte Stuck Brot das sie gegessen hatte, dahin. Könnte der verfluchte Mond nicht endlich wieder zum Vorschein kommen, damit sie sich orientieren könnte? Natürlich hatte sie schon darüber nachgedacht sich einfach hinzusetzen, bis der Morgen Hand in Hand mit dem Licht kam. Aber irgendetwas stimmte hier nicht, nach wie vor hielt sie ein ungutes Gefühl fest gepackt.
Und während sie sich so vorsichtig ihren Weg suchte, schlichen sich die Kreaturen immer näher an die junge Frau heran. Dann, endlich, erfüllte der Mond Feders Wunsch und tauchte die Erde in fahles, verlorenes Zwielicht. Nicht hell, aber dennoch genug um das Meer an Grabsteinen zu erkennen, in dem sie gestrandet war. Doch bevor sie überhaupt weiter darüber nachdenken konnte, erklang ein gefährliches Knurren von Links und Rechts.
Abscheuliche eitergelbe Augen starrten sie an, deren Grässlichkeit nur noch von einer Vielzahl messerscharfer Zähne überboten wurde.
Sie hätte einfach im Bett bleiben sollen. Dies war einer der wenigen Momente, in denen Feder sich ein eigenes Haus oder eine Heimat wünschte. Denn wenn es ihr Bett gewesen wäre, hätte sie dort auch ohne Probleme den ganzen Tag liegen können.
Während ihr Herz seinen Rhythmus beschleunigte, dachte sie fieberhaft über einen Ausweg nach. Ihre Magie würde ihr jetzt nicht großartig helfen, da sie schon entdeckt wurde und ihre Fähigkeiten sie hauptsächlich davor schützen sollten. Ein weiterer Beweis dafür, dass sie unbedingt ihre Ausbildung unter professioneller Anleitung fortsetzen sollte. So tat sie das Einzige, das ihr sinnvoll schien. Mit zitternden Händen nestelte sie die Dolche aus ihrem Gürtel, um dann einen auf jede der Kreaturen zu richten. Auch wenn ihre Haltung eindeutig linkisch war, so hoffte sie dennoch, diese Wesen damit abschrecken zu können. Wenn auch grausam, so sahen sie nicht gerade intelligent genug aus um ihren Bluff durchschauen zu können. Sie musste nur selbstbewusst genug wirken. Augenblicklich straffte sich ihre Körperhaltung, der Kopf streckte sich und mit der herausgestreckten Brust, strahlte sie eine Selbstsicherheit aus, die sie definitiv nicht besaß. Langsam begannen die Kreaturen Kreise um Feder zu ziehen, vermutlich um ihre spärliche Verteidigung zu unterlaufen. Feder folgte den Bewegungen der Kreaturen, wurde aber zusehends unruhiger. Ihr war bewusst, dass diese nur auf die nächsten Wolken warteten. Da sie sich scheinbar sehr gut in der Dunkelheit zurechtfanden, war es also nur eine Frage der Zeit, bis Feder wieder hilflos auf dem Präsentierteller stand. Aber bei aller Anstrengung fiel ihr einfach kein Ausweg ein.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Freitag 31. Mai 2013, 12:07

Die Natur war nicht gerade ein Freund der jungen Frau und die Nacht seit neuestem auch nicht. Durch ihre magische Begabung konnte sie zwar mehr sehen als gewöhnliche Vertreter ihrer Rasse, allerdings war auch ihren Sinnen hier eine Grenze gesetzt worden. Eventuell hätte sie sich lieber eine der kleinen, schwachen Kerzen aufheben und mitnehmen sollen? Das hätte ihr jetzt definitiv geholfen!
Doch es half alles nichts, entweder sie würde warten, bis sich die Wolken verzogen oder es dämmern würde, oder sie würde sich weiter blind voran tasten müssen. Aber sie hatte Glück, wenigstens in einem Punkt, da die Wolkendecke sich noch einmal erbarmte und ein wenig aufriss, sodass fahles Licht sie erreichte. Für viele wäre es nicht mehr wert als die absolute Düsternis bisher, jedoch konnte Feder dank ihrer Gabe ausreichend erkennen, um sich endlich ein wenig zurecht finden zu können.
Wenngleich sie darauf vielleicht hätte verzichten können… Denn wer fand sich schon gern auf einem Friedhof wieder, den man nicht hatte ansteuern wollen? Und als wäre es damit nicht schon genug des Üblen, gab es auch Wesen, die sich von diesem Eindringling gestört fühlten!
Sie knurrten leise und warnend, hatten ihr Opfer allerdings schon deutlich eingekreist. Was waren das denn für Viecher? Überdimensionierte Hunde?! Denn Wölfe gab es bei einer Stadt nicht… oder? Würden sie angreifen? Würden sie die junge Frau fressen wollen? Keine Situation, in welcher man bleiben und fragen wollte, wenn diese Tiere hätten sprechen können.
Stattdessen wäre es wohl vorteilhaft, Fersengeld zu geben… schleunigst!
Geduckt, mit gesträubtem Nackenfell kamen sie langsam näher, schlichen sich an, obwohl sie den Blickkontakt erfasst und auch begriffen hatten, und wirkten ganz so, als würden sie gleich angreifen.
Die Dolche ließen sie zwar einen Moment lang inne halten, weil sie mit dieser Art Waffen nur bedingt etwas anfangen und mit Gefahr verbinden konnten, ehe sie sich weiter heran wagten. Auch das vorgegaukelte Selbstbewusstsein beeindruckte sie nicht, da sie die Angst nur umso deutlicher riechen konnten. Ganz zu schweigen davon, dass das hier ihr Revier war und sie gegen jeden nächtlichen Ankömmling vorgehen würden, der unvorsichtig genug war, ohne Licht an diesem Ort zu erscheinen. Einer der vielen Gründen, warum der Friedhof gerade nachts nicht über Besucherandrang klagen konnte.
Immer enger zogen die Räuber ihren Kreis und begannen nun ihrerseits zu zeigen, dass auch sie bluffen konnten. Einer der Beiden, seine gelblich wirkenden Augen waren in Wahrheit grün, doch das ließen die Lichtverhältnisse derzeit nicht erkennen, sprang hervor und entlockte dem Opfer einen instinktiven, spitzen Schrei.
Durchdringend und weit tragend an einem Ort wie diesem, so weit sogar, dass er ein weiteres Wesen erreichte, das sich in seinem Versteck rührte.
Von dem anderen Angreifer kam ein erneutes Knurren, eher missbilligend darüber, dass so großer Lärm gemacht worden war. Doch das bedeutete nicht, dass die Beiden von ihrer Beute abgelassen hätten.
Sie wäre auch nicht die Erste gewesen, die auf dem Friedhof bei Nacht spurlos verschwunden wäre. Ein Glück wohl, dass die junge Frau das nicht zu genau wusste…
Allmählich wurde es wirklich brenzlig, denn die Wolkendecke konnte sich jeden Moment wieder zu ziehen, und es würde auch nicht mehr lange dauern, bis der Kreis eng genug war, dass Feder einen Angreifer zwangsläufig im Rücken hatte und somit nicht mehr würde entkommen können.
Was sollte sie tun? Wie konnte sie dieser Gefahr noch entgehen? Würde sie ihr überhaupt entkommen? So, wie diese Räuber wirkten, wäre es ihr wohl kaum möglich. Sie müsste eine viel ausdauerndere Läuferin sein als diese Vierbeiner und sich in einem für sie unbekannten Gelände mit fast keinem Licht besser zurecht finden.
Welcher Weg also blieb ihr? Beten und hoffen, dass dieser Kelch an ihr vorüber gehen würde? Kaum möglich…
Sich ausmalen, wie das Jenseits wäre? Ob der Sensenmann freundlich zu ihr wäre, weil sie es im Leben nie leicht gehabt hatte…? Vielleicht wäre auch…
In diesem Moment sprang einer der Jäger mit gefletschten Zähnen ab, direkt auf sie zu… und schnappte lediglich in die Luft, als ein durchdringender Pfiff ertönte. Hinter der jungen Frau erklang ein unwilliges Knurren, doch die beiden Tiere zogen sich zumindest auf einen halben Schritt zurück und behielten sie nur noch lauernd im Auge. Aber sie warteten, taten sonst nichts mehr und schienen darauf zu harren, wie die nächste Anweisung für sie lauten würde.
In dieser Zeit näherte sich ein weiteres Wesen, diesmal auf zwei Beinen. Mehr jedoch konnte Feder vorerst leider nicht erkennen… Blödes Nachtlicht!
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Samstag 1. Juni 2013, 13:05

Sie konnte sich nicht erinnern, sich jemals so hilflos gefühlt zu haben. Rennen hätte keinen Zweck, innerhalb kurzer Zeit wären die Biester schon bei ihr. Hätte sie sich doch nur angestrengt bei den Lektionen im Dolchkampf. Aber wenn man irgendwo in Ruhe und Frieden sitzt, ist es ja auch einfach zu behaupten, dass man sowieso niemals Waffen benutzen wolle. Jetzt hingegen wäre eine solide Technik wohl Gold wert. Ob sie vielleicht genug Abstand gewinnen könnte, um es mit einem komplexeren Zauber zu versuchen? Unwahrscheinlich, sie war viel zu aufgeregt um sich anständig konzentrieren zu können.
Ständig huschten Feders Augen von der einen Kreatur zur anderen, damit sie bloß keine aus den Augen verlor. Angstschweiß perlte ihren Rücken hinab. Wirklich? So sollte es also enden? Wie lange es wohl dauern würde, bis der Mond wieder zuzog?
Doch ihre Angreifer machten sich nicht mal die Mühe solange zu warten. Schon sprang der erste auf sie zu, was zu einem unwillkürlichen Schrei führte. Wie ein kleines Mädchen! Das einzige was man damit erreichen kann, ist vermutlich noch mehr von diesen Biestern anzulocken. Was vermutlich auch keinen allzu großen unterschied mehr machen würde. Immer verzweifelter versuchte sie einen Ausweg zu finden. Doch ihre Angreifer waren mittlerweile deutlich zu nahe. Heiße Tränen stiegen in ihr auf. Was für blöde Mistviecher!
Und schon sprangen die Kreaturen wieder aus sie zu. Widerlicher Atem schlug ihr entgegen, doch bevor sich die Zähne tief in ihr weiches Fleisch graben konnten, schnitt ein Pfiff durch die Nacht, wie eine Messer durch Butter. Sichtlich unbegeistert, von etwas das Feder für ein Kommando hielt, zogen sich die Wesen eine Winzigkeit zurück. Doch schon zeichneten sich die Umrisse einer weiteren Gestalt in der Dunkelheit ab. Langsam, schemenhaft kam sie näher. Unausweichlich wie der Mann im schwarzen Gewandt.
Aber da Feder endgültig genug von diesem Nerven zerreißenden Spiel hatte, schwor sie sich ihren Dolch mindestens einem von den Dreien, in eine wirklich unangenehme Stelle zu rammen. So leicht würde sie es ihnen nicht machen. Sie atmete tief durch, versuchte ihr Gleichgewicht wieder herzustellen. Es war eindeutig, dass sie nicht mehr entkommen würde. Sie musste sich damit abfinden und das Beste aus ihrer Situation machen. Verflucht sollte sie sein, wenn sie wie ein Schatten verschwinden würde, der nie eine Spur im Leben hinterlassen hatte. Einer der Drei sollte sich Ewig an sie erinnern. Ihre Händen hörten allmählich auf zu zittern, der Strom an Tränen versiegte und sie blinzelte sich ihre Sicht frei. Die Gestalt war nun schon ganz nah. Das schien ihr Anführer zu sein. Dabei wies er gar keine große Ähnlichkeit mit den Anderen auf. Auch egal. Ein trauriges Lächeln umspielte ihren Mund. Einen Schritt noch, komm einen Schritt näher. Was für eine traurige Nacht.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. Juni 2013, 17:57

Es war zu spät, sich Gedanken darüber zu machen, was wäre wenn gewesen. Ja, vielleicht hätte sie eine bessere Chance gehabt, wenn sie im Dolchkampf geschulter wäre, zumindest ein Tier hätte sie dadurch bewusst verletzen können. Allerdings gegen zwei solche Räuber? Nein, da hätte selbst jemand Talentierteres für den Nahkampf seine Probleme gehabt, eine ungeübte Schattenmagierin in Ausbildung erst recht.
Somit blieb ihr nur noch abzuwarten, die Augen zusammen zu kneifen und zu beten, dass es möglichst schnell vorbei wäre, sich die Schmerzen in Grenzen halten würden.
Indes hatten diese überdimensionierten Hunde keine Ahnung und auch kein Interesse daran, was in ihrer Beute vorgehen mochte. Für sie war die junge Frau lediglich ein unerwünschter Eindringling, den es galt, unschädlich zu machen. Dafür waren sie hier, wurden an diesem Ort gehalten und versorgt.
Denn in dem spärlichen Licht war klar, dass sie keine ausgehungerten Räuber waren, die vom Hunger auf diesen Friedhof getrieben worden waren. Ihr Fell war nicht zu bestimmen, ob es gepflegt oder voller Flöhe und strohig wäre. Aber bei ihnen stachen keine Knochen hervor, ihr Atem war, nüchtern betrachtet, nicht so übelriechend vor Fäulnis wie bei Menschen in diesen Vierteln und auch ihre Augen wirkten klar. Somit hätten sie es eigentlich gar nicht nötig, Feder fressen zu wollen... sofern sie das überhaupt wollten und nicht allein darauf aus wären, sie zu töten.
Und das wollten sie nun auch tun... wären sie nicht mitten in der Aktion durch einen scharfen Pfiff gestoppt worden. Denn, auch wenn sie sich wie ein kleines, schreckhaftes Mädchen angehört hatte, der Schrei würde ihr letzten Endes das Leben retten.
Knurrend und widerwillig zogen sich die Tiere eine Spur weit zurück, würden jedoch jederzeit wieder angreifen und zuschlagen können, sollte ihr Besitzer dieser Meinung sein. Was vorerst nicht der Fall war, stattdessen näherte er sich und die junge Frau hatte noch weiterhin Glück. Die Wolken schoben sich nicht soweit wieder vor den Mond, dass sie nichts mehr hätte erkennen können.
So sah sie, dass neben dem Vierbeiner, der sie zuletzt angesprungen hatte, die Person stehen blieb und flüchtig den Kopf kraulte, der sich ihm entgegen reckte, ohne Feder aus den Augen zu lassen.
Danach richtete der Neuzugang sich wieder auf und verschränkte die muskulösen Arme, denn er hatte sein Gegenüber an der Stimme erkannt und auch den Dolch ausgemacht. Er war nicht lebensmüde, sodass er in dem Abstand blieb, teilweise auch, um den Räuber, der ungeduldigere der Beiden, eher zurückhalten zu können.
"Was wird das? Verfolgst du mich jetzt oder wie?", murrte Simon, nicht gerade erfreut über diesen Besuch.
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Montag 10. Juni 2013, 17:57

Die Biester hatten von ihr abgelassen, dafür stand zwischen ihnen jetzt ein weiterer Schatten. Tief atmete sie ein. Er war noch zu weit weg. Feder war sich überhaupt nicht sicher ob man ihn würde verwunden können, dennoch würde sie es versuchen. Was gab es schon noch zu verlieren? Ihre widerspenstigen Haare halfen nicht gerade dabei, den Finsteren genauer zu betrachten, wild fielen einzelne Strähnen in ihr Gesicht, vor ihre Augen und eine sogar bis hinab zu ihrem Mundwinkel. Der Dritte begann eines der Viecher zu streicheln. Wie war sie nur hier rein geraten? Nervös kaute sie die Strähne um sich zu beruhigen.
Dann ertönte eine vertraute Stimme: "Was wird das? Verfolgst du mich jetzt oder wie?"
Simon? War das Simon? Was sollte er Nachts auf einem Friedhof machen, in Begleitung zweier Bestien? War das nicht eher ein Trick? Vielleicht wollte das Ding noch mit ihr spielen, ihren Verstand zermahlen wie eine Mühle das Korn. Vielleicht hatte sie sich auch nur verhört, vielleicht wollte sie so sehr eine bekannte Stimme hören, dass sie sich einfach eine einbildete. Oder der Mann mit der Sense erlaubte sich einen perversen Spaß, Simon war der Stein, der alles ins Rollen brachte und mit ihm sollte es nun auch Enden.
Machte das Sinn? Diese Möglichkeiten schienen ihr ebenso unwahrscheinlich, wie die Tatsache, dass dort Simon vor ihr stehen sollte.
Er könnte hier natürlich sein Versteck haben. Immer noch mit Haaren im Mund versuchte sie die anderen aus ihrem Gesicht zu pusten. Vielleicht erhaschte sie doch einen besserer Blick. Der Mond hatte sich bisher noch nicht dazu entschieden wieder zu verschwinden. Immerhin etwas. Aber der Schatten blieb ein Rätsel. Wie konnte sie herausfinden ob das Ding Simon war? Wie viel wusste das Ding über sie?
Was konnte niemand außer Simon wissen?
„Ich wollte mich entschuldigen wegen vorhin...“ erwiderte sie unsicher und machte dabei einen vorsichtigen Schritt zurück. Feder hielt den Atem an. Wie würde es reagieren und wollte sie das überhaupt wissen? Am liebsten würde sie einfach verschwinden, ganz klein werden, ganz wenig werden, damit niemand sie jemals finden konnte, niemand sie jemals sehen konnte. Ein Staubkorn in der Nacht.
Fest hielt sie die Dolche umklammert, als wären sie ihr einziger Halt in dieser gespenstischen Welt.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Montag 1. Juli 2013, 20:02

Die Tiere gehorchten, sie waren dressiert und auch auf ihren Herrn fixiert, den sie hier beschützt hatten. So griffen sie zwar nicht mehr an, blieben allerdings lauernd in Reichweite. Einer der beiden Jäger war in diesem Fall an der Seite des Mannes, der andere verharrte in Feders Rücken und behielt sie im Blick, ohne, dass sie es ebenfalls tun konnte.
Dass die junge Frau diesen Angriff überhaupt überlebt hatte, war, paradoxerweise, ihrem Schrei zu verdanken, für den sie sich zuvor noch verflucht hatte. Denn der Besitzer war erst durch die Stimme aufmerksam geworden und eingeschritten, weil sie ihm bekannt vorgekommen war. Was er bestätigt sah, sodass er seine Tiere zurück gepfiffen hatte. Vorerst zumindest...
Denn wütend und in seinem männlichen Stolz gekränkt war er noch immer und so fiel seine Begrüßung alles andere als freundlich aus. Hätte er allerdings geahnt, dass sie an seiner Identität zweifelte, er hätte abfällig gelacht und wäre beinahe darüber amüsiert gewesen. Schließlich war er es tatsächlich und hatte diese beiden Wölfe nicht nur aus reiner Tierliebe aufgezogen sowie dressiert.
Nein, auf dem Friedhof befand sich eines seiner bestgehütetsten Verstecke, die er in der Stadt besaß. Deswegen diese Vorsichtsmaßnahmen, und seine noch zusätzlich dazu geschmälerte Freundlichkeit, da es ihm verständlicherweise absolut nicht gefiel, sobald ihm jemand hinterher schlich. Er hatte viel zu viel zu verlieren, wenn er aufspürbar wurde.
Und dann reagierte Feder, nach quälend langen Sekunden des Schweigens gab sie ihm eine Antwort, die ihn abfällig schnauben und die muskulösen Arme verschränken ließ. Noch bevor er darauf jedoch etwas erwidern konnte, knurrte das Tier hinter Feder warnend, da diese einen Schritt zurück gemacht hatte.
"Vorsicht. Munin mag es nicht, wenn man ihm auf die Pelle rückt.", bemerkte Simon trocken und mit einem freudlosen Grinsen im Mundwinkel. Seine Finger waren noch immer in dem Fell des anderen Jägers vergraben, um ihn zurück zu halten. Denn Hugin, der Bruder von Munin, war nicht der Geduldigste, während der andere mehr der Taktierer und, so vermutete dessen Herr, der Klügere von beiden war.
"Du wolltest dich also entschuldigen? Wie kommt's? Oder hat dich der Wirt rausgeworfen, weil du ihm auch so deutlich gesagt hast, wie wenig anziehend er ist?", fuhr er dann fort und ahnte nicht, dass er mit diesen Worten Feder einige Anhaltspunkte zur Klärung seiner Identität gab. Für ihn war nur klar, dass er ihr zeigte, dass er ihr keineswegs so einfach vergeben würde, nur weil sie ihn vielleicht aufsuchte.
Was ihn zu seiner anfänglichen Frage führte. "Bist du mir nachgeschlichen?" Sein Tonfall senkte sich ein wenig und wurde grollender, fast so wie die Laute, die seine Wachwölfe von sich gaben. Denn dieser Punkt war ihm am wichtigsten zu klären, noch vor einer vielleicht ehrlich gemeinten Entschuldigung seiner Freundin aus Kindertagen.
Sollte es so sein, dass sie sein Versteck kannte oder dessen Vorhandensein erahnte, würde er es aufgeben müssen... und dafür sorgen, dass sie ihn kein zweites Mal aufspüren könnte. Was das bedeuten könnte, wollte er sich lieber noch nicht ausmalen.
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Freitag 13. September 2013, 21:27

Nach wie vor wurde Feder von den Wölfen argwöhnisch belauert. Und auch wenn ihre Anspannung nicht weichen wollte, so war das unmittelbare Gefühl von Bedrohung verschwunden. Munin knurrte hässlich hinter ihr, doch Simon würde ihr nichts zustoßen lassen. Er war vielleicht verletzt, aber doch nicht grausam. Hoffte sie zumindest. Trotzdem passte es ihr gar nicht, dass sie die Zwei nicht gleichzeitig im Auge behalten konnte. Es würde zwar ziemlich sicher sowieso nichts ändern, sollten sie sich für einen Angriff entscheiden und dennoch würde Feder es doch lieber kommen sehen. Vielleicht wäre sie dann noch in der Lage ihrem Freund eine derbe Beleidigung an den Kopf zu werfen. Verhalten begann sie sich auf der Lippe herum zu beissen.
Immerhin war sie sich sicher, dass es ihr Freund aus Kindheitstagen war, so schnippisch wie er antwortete. Bei der letzten Frage hingegen lag etwas Kaltes in seiner Stimme. Etwas das ihr zeigte, besser eine gute Antwort parat zu haben. Sie hatte ihn ja wirklich nicht verfolgt. Warum sollte sie auch? Sie sah den Fehler nach wie vor nicht bei sich! Da hatte sie sich ja in etwas reingeredet....
„Ich wollte mich bei dir entschuldigen, sobald ich dir über den Weg laufe, was nicht heißt, dass ich dir nachgelaufen wäre. Dann hätte ich ja wohl kaum meine ganzen Habseligkeiten dabei?“, dabei sah sie ihm herausfordernd in die Augen. Auf die Frage warum sie das Gasthaus verlassen hatte, ging sie nicht ein. Es war einfach keine gute Situation ihm zu erklären, dass sein Verhalten ihre schlechte Meinung über andere Menschen mal wieder bestätigt hatte, weswegen sie dem Wirt lieber nicht mehr unter die Augen kommen wollte.
„Und warum ich mich entschuldige ist ja wohl meine Sache. Vielleicht wollte ich so eine lächerliche Kleinigkeit nicht unser Wiedersehen verderben lassen!“. Es war ihr bewusst, dass sie es sich mit ihrer forschen Art nicht gerade leichter machte. Auf der anderen Seite hatten seine Monster sie fast in Stücke gerissen, weswegen ihr auch so gar nicht nach nett sein zumute war. „Was machst du hier auch mitten in der Nacht? Mit deinen Wölfen den Mond anheulen?“, dabei schaute sie wieder misstrauisch zu den Tieren. Immerhin schienen sie sich für den Moment auf das Lauern zu beschränken. Doch so ganz traute sie der Sache nicht. Wölfe waren nach wie vor wilde Tiere, wer weiß wie lange er sie überhaupt im Griff hatte. Schützend hielt sie ihren Beutel mit der Harfe vor sich umklammert.
Langsam wurde ihr Kalt und eigentlich würde sie sich gerne einfach nur fallen lassen. Gänsehaut breitete sich über ihren Rücken aus. Sie war ja nach wie vor auf einem Friedhof. Irgendwie schon unheimlich. Hätte sie nicht einfach den Ausgang aus der Stadt finden können? Ein unterdrückter Seufzer entfuhr ihr, löste sich im selben Moment auf wie der Gedanke. Hoffentlich würde das hier nicht doch noch eine unangenehme Wendung nehmen. Feder fand, sie hätte nun aber auch echt mal ein wenig Glück verdient.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 15. September 2013, 11:24

Die Tiere waren und würden immer wild bleiben, denn sie entschieden selbst, ob sie an diesem Ort verweilten und ihre Freundschaft schenkten oder nicht. Dessen war sich auch der junge Mann bewusst und froh drum, einen guten Zugang zu den Beiden zu haben. Sonst hätte es wirklich übel ausgehen können, dass sich Feder so einfach hier eingeschlichen hatte, noch dazu nachts.
Dann, wenn Hugin und Munin aktiv wurden und auf zusätzliche Beute lauerten. Die er ihnen nicht bieten wollte, indem er seine ehemalige Freundin opferte. Auch sonst versuchte er, das Schlimmste zu vermeiden unter seinesgleichen, oder wenigstens abwesend zu sein, um nichts davon sehen zu müssen.
Trotzdem lauerte er mit seinen beiden Bewachern auf ihre Bewegungen und ihre Antworten, misstraute ihr, weil er jederzeit um seine Entdeckung fürchten musste. So gut er in seinem Metier auch war, so viele Verstecke er auch hatte, vor Verrat war er dadurch erst recht nicht gefeit.
Dadurch ließ sich auch seine Reaktion auf ihre Erwiderung hin erklären, denn er schnaubte abfällig, gab seine abwehrende Haltung mit den verschränkten, muskulösen Armen nicht auf. "Oh, natürlich, um solch eine Uhrzeit machst du mit all deinen Habseligkeiten einen Spaziergang auf den Friedhof der Stadt, um mir zufällig über den Weg zu laufen? Mach dich nicht lächerlich! All die Jahre können deine Intelligenz nicht so weggeblasen haben!", schoss er kalt zurück, was der Wolf neben ihm mit einem leisen, warnenden Knurren unterstrich, als wäre er derselben Meinung.
Simon tätschelte ihm lieber den pelzigen Kopf, um ihn vor einer vorschnellen Reaktion abzuhalten. Sein Bruder hingegen verhielt sich ruhig, wartete ab und schien beinahe schon interessiert an dieser Auseinandersetzung.
Dass sie weiterhin forsch, regelrecht angriffslustig war, verdüsterte jedoch seine Miene und machte ihn nicht gerade zugänglicher. Oder ihre Worte in seinen Ohren glaubwürdiger. Am Ende deutete er sogar eine spöttische Verbeugung an. "Oh, natürlich, edle Frau, dem niederen Volk hat man ja selbstverständlich nichts zu erklären!", gab er sarkastisch von sich, sodass Munin wie zustimmend hinter ihr bellte.
Von Hugin indes kam ein abfälliges Schnauben, als die Sache mit dem Mond zur Sprache kam, ganz so, als würde er das auch verstehen. Der junge Mann hingegen verdrehte die Augen.
"Anscheinend hat die edle Dame schon vergessen, woher wir uns kennen. Oder hat sie einen Schlag auf den Kopf bekommen, weil sie den Wirten mit ihren Worten gekränkt hat? Oder vernebelt die Angst ihre Sinne? Aber ich bin so gnädig und werde es Ihr verraten. Unsereins bevorzugt die Nacht, denn sie schirmt uns von neugierigen Blicken ab!" Mit jedem Wort wurde wohl klarer, dass Feder, sollte sie sich ernsthaft wieder mit ihm versöhnen wollen, besser eine andere Strategie verfolgen sollte, um ihn versöhnlicher zu stimmen.
Denn so, wie er im Moment sich verhielt, war er alles andere als zugänglich dafür. Noch dazu, da er weiterhin befürchtete, dass sie ihm gefolgt war und er eines seiner besten Verstecke deswegen aufgeben müsste, um sich zu schützen.
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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Feder » Dienstag 17. September 2013, 23:14

Wann war der Junge eigentlich so unausstehlich geworden? Da konnte er so gut aussehen wie er wollte. Meint immer schön austeilen zu müssen, aber wie man gesehen hat, rennt er weg wie ein kleines Mädchen, sobald er mal einstecken muss. Ruhig ganz ruhig. Einfach nachgeben und sich dann nach Möglichkeit schnell absetzen. Denn nach wie vor war er in der eindeutig besseren Position. Mit gewaltiger Willensanstrengung schluckte Feder ihre Verärgerung herunter. Sein weiteres, spöttisches Gerede versuchte sie nach Möglichkeit auszublenden und sie ging auch nicht darauf ein, dass ihr seine Vorliebe für die Dunkelheit durchaus bewusst war, dies aber nicht erklärte, was er auf einem Friedhof zu suchen hatte.
„Ich hatte eigentlich nicht vor auf dem Friedhof zu landen.“Was hatte sie nur alles falsch gemacht, um das verdient zu haben? Da ihr allerdings zu schnell deutlich zu viele Dinge einfielen, verdrängte sie den Gedanken lieber wieder. Von einem Fuß auf den anderen tretend sprach sie leise weiter: „Ich hab mich in dem abartigen Gewirr von Gassen verlaufen und die Dunkelheit hat nicht gerade dabei geholfen, den Weg zu finden. Vor allem da ich es nicht gewohnt bin, mich in Städten zu orientieren.“Jetzt schaute sie ihm nicht mehr in die Augen, sie wollte ihn nicht noch weiter provozieren. Ob das tatsächlich dabei helfen würde, wusste sie zwar nicht. Da ihre bisherige Taktik allerdings nicht gerade erfolgreich war, konnte ein Versuch kaum schaden. Um ihre Kapitulation zu unterstreichen steckte sie auch ihre Dolche zurück in den Gürtel. Nicht mehr als eine Geste, bei ihrem Talent stellten sie sowieso keine wirkliche Bedrohung dar. Mal ganz davon abgesehen, dass sie sowieso niemanden verletzen wollte, egal wie sehr Feder die betreffende Person nun mochte, oder nicht mochte. Ihren Beutel presste sie danach aber wieder an die Brust. Der Ernst der Lage war ihr durchaus bewusst, da wollte sie nun lieber eingeschüchtert wirken. Aber was sollte denn noch passieren?
Vielleicht hätte sie es auch einfach auf die Spitze treiben sollen. Was hätte er schon tun sollen? Sie umbringen? Weil er sie nachts auf einem Friedhof getroffen hat? Jetzt wo die Angst ihren eisigen Griff lockerte und sie klarer darüber nachdenken konnte, schien ihr die ganze Situation sehr merkwürdig. Warum war er überhaupt noch so angespannt? Sie hatte ihn ja wohl hoffentlich nicht beim Plündern von Gräbern gestört. Unruhig ließ sie ihren Blick über die Reihen bleicher, verwitterter Grabsteine schweifen. Nein, die Leute die hier lagen hatten vermutlich kaum etwas wertvolles. Und selbst wenn, warum sollte Simon dann so aggressiv gegen Feder vorgehen? Er glaubte ja wohl nicht, dass sie ihn bei der Stadtwache anschwärzen würde. Das ergab keinen Sinn. Es musste etwas anderes sein. Ehrlich gesagt war es ihr absolut egal. Er konnte seine Geheimnisse für sich behalten. Sie wollte doch nur weg von hier.
„Ich habe keine Ahnung was du hier mitten in der Nacht machst und es geht mich auch nichts an. Willst du mich jetzt hier festhalten weil ich dich beleidigt habe? Es tut mir leid dich verletzt zu haben. Aber glaubst du nicht du überreagierst ein wenig, wenn du mich deswegen mit Wölfen in Schach hältst?“,dabei versuchte sie einen diplomatisch Tonfall anzuschlagen. Sie nach wie vor umstellt zu halten schien ihr einfach überzogen. Zum wiederholten Male fragte Feder sich, was ihr ehemaliger Kindheitsfreund wohl auf dem Friedhof zu verbergen hatte. Sie wollte es gar nicht wissen. Aus manchen Dingen hält man am besten seine Nase raus. Sie wäre ja schon sehr froh, wenn sie mit einer einigermaßen heilen Nase aus der ganzen Geschichte rauskäme.

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Re: Gibt es Geister wirklich...?

Beitrag von Erzähler » Freitag 1. November 2013, 18:20

Sein Leben war hart gewesen und so etwas formte einen Charakter. Außerdem hatte er dank seines Aussehens nur selten Zurückweisung bei der Damenwelt erfahren, egal, wie gerissen er danach für so einige Diebstähle gesorgt hatte. Das hatte ihn ebenfalls geprägt und ihn angreifbar gemacht, sobald er eine andere Reaktion hervorrief. Deswegen hatte er derart empfindlich gehandelt und war regelrecht weggelaufen. Etwas, was er sonst nur selten tat, besonders bei Frauen. Was ihn somit erst recht alles andere als positiv auf Feder zu sprechen brachte.
Dennoch war es maßgeblich für sein derzeitiges Verhalten, wie vehement er dafür sorgen wollte, dass sie den tatsächlichen Grund für seinen Aufenthalt hier nicht herausfinden konnte. Die Freundschaft war früher sehr eng gewesen und gerne hätte er das wieder aufleben lassen. Doch schien sich das Mädchen von damals viel zu sehr dafür verändert zu haben... Denn selbstverständlich hatte er sich nur zum, in seinen Augen, Guten gewandelt in den letzten Jahren.
Obendrein war er sehr misstrauisch und glaubte seinem Gegenüber nicht, sodass er nachhakte, wieso sie hier war.
Ihr zweiter Versuch klang in der Hinsicht schon glaubwürdiger, obwohl er ihr noch immer gedanklich unterstellte, ihn anzuflunkern und ihm eigentlich hinterher spioniert zu haben. Trotzdem gab sie ihm ein paar Punkte, die zum Nachdenken anregten und dafür sorgten, dass er seine Augenbraue anhob. "Aha, du hast also beschlossen, einen Ausflug in der Nacht zu unternehmen, in einer Stadt, die dir als solche in mehrer Hinsicht fremd ist. Wieso hab ich das Gefühl, das ar keine wohlüberlegte Idee, sondern was Spontanes? Es klingt ja fast, als wolltest du bei Dunkelheit und Nebel klammheimlich verschwinden. Warum bloß?", erwiderte er in einem Tonfall, als würde er ernsthaft darüber sinnieren und nicht weiterhin annehmen, sie hätte ihn verfolgen wollen.
Oder hatte sie Ärger bekommen? Weswegen? Es war kein vordergründiges Interesse an ihren Belangen, wie sie bei Freunden auftauchen mochte, aber vollkommen abwegig war es auch nicht. Ganz gleich, ob ihn am meisten sein eigenes Wohl und seine eigene Sicherheit natürlich interessierten.
Währenddessen beleuchtete der Mond, durch eine dünne Wolke hindurch, wie die junge Frau ihre Waffen einsteckte und daraufhin ihren Beutel an die magere Brust presste. Simons Augenbraue wanderte noch mehr in die Höhe. "Glaubst du, ich würde dich bestehlen?", fragte er auch prompt und war sich nicht sicher, ob es ihn amüsieren oder kränken sollte.
Schließlich hatte er ja selbst gesehen, wie wenig Habe Feder bei sich führte, und irgendwie waren sie mal Freunde gewesen. Er hatte weitaus profitablere Opfer in dieser Stadt, bei denen er niemals Gewissensbisse verspüren und die seine Tätigkeiten mit Leichtigkeit verschmerzen würde.
Bei ihren nächsten Worten nickte er zwischendurch knapp. "Stimmt, es geht dich nichts an.", kommentierte er lakonisch und schnaubte schließlich.
Anstatt auf den Rest allerdings zu reagieren, fragte er seinerseits, ohne sich darum zu kümmern, dass es womöglich ihn nichts angehen könnte:"Wo wolltest du hin um diese Uhrzeit?" Er wollte auf diese Weise versuchen, einerseits rauszufinden, ob sein Misstrauen vielleicht etwas zu stark, weil unbegründet war.
Und andererseits, weil er doch irgendwie helfen wollte, da er sich selbstverständlich zu jeder Zeit und bei jedem Licht in dieser Stadt auskannte. Anders konnte man als Straßenkind nicht überleben!
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