In der Kaserne

Hier wurden einst Soldaten und Wächter der Hauptstadt ausgebildet. Nun dient die Kaserne als Sklabenunterkunft und Richtplatz.
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Stadtwache
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Stadtwache » Sonntag 25. Mai 2008, 17:26

Elenas Blick zeigte Staunen und Gefreiter Schiefer bedachte sie mit fürsorglichem Verhalten. "Stimmt etwas nicht?", fragte er zuvorkommend. Sie schaute wirklich überrascht. Der junge Soldat vermutete, dass es an seinem Angebot lag, ihr die Kaserne zu zeigen, schließlich offerierte man dieser Frau sicher nicht oft eine solche Gelegenheit. Dabei sollten viel mehr Bürger wissen, wie es in der Kaserne zuging. Das Militär anpreisen und ein wenig werben konnte sicher nicht schaden, so sah es jedenfalls Schiefer. Aber wer war er schon, dass er solche Gedanken hegte? Die Vorgesetzten entschieden letztendlich und er hatte nichts zu melden. Jedenfalls nicht, solange er sich nicht auch auf einen höheren Posten gearbeitet hatte.

<i>"Stallungen kenne ich wahrlich genug. Ich habe mich schon so oft in welchen herumgetrieben."</i> Der Gefreite hob eine Augenbraue und musterte Elena. Wie meinte sie dies? War sie vielleicht eine Zureiterin und wenn ja: im eigentlichen oder speziellen Sinne? Ihm wurde warm, er begann zu schwitzen.

Diese Frau zählte eindeutig zur interessanten und besonderen Sorte – immerhin wünschte sie, die Kerker zu sehen. Welche Frau bat schon darum, durch die Reihen der Verbrecher zu gehen. Gefreiter Schiefer schmunzelte, als sie meinte, er wäre ja da, um sie im Falle einer Ohnmacht aufzufangen. War das der Grund? Forderte sie eben jenes Szenario heraus, nur um ihm näher zu kommen? Die Ohren des Gefreiten glühten und auf seinen dicken Backen glänzte der Schweiß. Ihm war furchtbar warm.

"Dann ... chrchrmm ... zeige ich Euch die Kerker", räusperte er sich und stapfte im Gleichschritt voraus. Er versuchte, mit geschwellter Brust zu gehen. Dieses Kunststück misslang, aber dennoch sah man ihm gewisse erste disziplinare Maßnahmen an. Der Ausbilder musste ein kompetenter Mann sein.

Gefreiter Schiefer marschierte voraus, winkte Elena zu, sie solle ihm folgen und führte sie in ein Nebengebäude. Dort ging es steile Steinstufen hinab in die unteren Kerkerräume. Hier roch es muffig, die Luft war abgestanden. Laternen hingen von der Decke, doch ihre Gläser waren bereits verstaubt und mit Spinnweben verhangen.
Der Soldat griff sich eine Laterne, führte Elena weiter. "Wir haben mehrere Bereiche je nach Strafmaß des Inhaftierten. Die schlimmsten Fälle befinden sich ganz hinten in den Zellen. Das sind diejenigen, die kaum noch auf ein Freiheitsurteil hoffen können oder Spione, denen der Foltermeister Valrock Molsag die Zungen lockert. Hört ihr das?"

Er hielt kurz inne und hob theatralisch die Laterne. Schreie drangen aus den hinteren Kerkergängen bis zu ihnen herüber. Sie waren dumpf, aber man konnte das gequälte Klagen heraus hören.

<i>„NEIIN! VERDAMMT! NEIIN! DU ELENDIGER BASTARD! KOMM HER! KOMM HER!!!!“</i> Die Stimme verlor immer mehr an Kraft, klang heiser und erschöpft. Aber Elena erkannte vielleicht, wer hier gerade schrie ... ob Valrock Darak bereits quälte?

"Nur eine sitzt hier in der falschen Zelle. Diese dicke Heilerin. Ulma oder so ähnlich. Die wartet auf ihre Anhörung und darf sich gleichzeitig um ihren Komplizen kümmern, der ist aber für Valrock reserviert. Hehe. Schwerverbrecher, meine Kollegen haben ihn bis nach Eldar verfolgt und erwischt. Für den wird's nichtmal mehr ein Urteil geben."

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Erzähler
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. Mai 2008, 15:28

Pelgarische Kerker machten einen deutlich ... unangenehmeren Eindruck als jene in Andunie. Das lag jedoch keineswegs an der Qualität – beide Kerker waren gleichermaßen "gepflegt" –, sondern vielmehr daran, dass in Pelgar eine Atmosphäre des Unwohlseins entstand. Die Gitter sahen stabil aus, die Luft war muffig und feucht, Sonnenlicht drang nicht bis hierher hinunter, obwohl es zwischen den einzelnen Zellen kleine Gitterfenster gab. Ab und an huschte dort ein Schatten vorbei, wenn ein Soldat über den Kasernenhof, auf den die winzigen Fenster ausgerichtet waren, marschierte.

Ratten lugten aus ihren Löchern, erinnerten Elena an ihren kurzen und mehr als Ekel erregenden Besuch im <i>ausgelassenen Streuner</i> und auch an Bronko, der irgendwo in Rotspechts kleinem Büro gerade verhört wurde. Hoffentlich ging die Sache gut aus, aber nach Elenas Wunsch konnte es ruhig noch etwas länger dauern. Vielleicht erhielt sie nämlich so die Möglichkeit, einen Blick auf Darak zu erhaschen oder sogar das Wort an ihn zu richten.
Diese Hoffnung fiel in sich zusammen, als sie die Schreie aus der nahe gelegenen Folterkammer hörte. Natürlich kannte sie denjenigen, der sich da bis in die Heiserkeit brüllte.

Elena trat an Schiefer vorbei und einen Schritt nach vorn. Sie stand nun nahe der Kerkerzelle, in der Darak kurz zuvor noch gewesen war, was sie jedoch nicht wissen konnte. Alma hockte dort, schaute auf, als Elena näher trat. Aber die beiden Frauen kannten sich nicht und so blieb dieser Koloss von Frau, welcher hier auf dem Stroh hockte, still. Und was für eine Frau sie war. So viel Masse ... so überaus viel. Konnte sie auf ihren kurzen Beinen überhaupt stehen?
Das Haar hing ihr fettig ins Gesicht und sie zog eine überaus mürrische Miene, sicherlich kein Wunder an einem Ort wie diesem. Aber sie trug Kleidung in den Farben anerkannter Heiler. Elena vermutete, dass es sich um Alma handelte. Es war also ihre Tasche, die sie vor den Flöhen und schlimmeren Folgen bewahrt hatte. Diese Frau sollte Darak beigestanden haben? Die ganze Zeit? Da konnte man nur hoffen, dass er nicht plattgedrückt worden war. Seinen Schreien nach zu urteilen durchlebte er im Augenblick allerdings wesentlich Schrecklicheres.

In Elena wuchs der dringende Wunsch, beiden zu helfen. Sie musste etwas tun, aber was?
Lächelnd drehte sie sich zum Gefreiten Schiefer um, der ihr Lächeln mit verwirrtem Gesichtsausdruck erwiderte. Oh, sie konnte förmlich seine Blicke auf ihrem Körper spüren. Scheu waren sie zwar, aber vorhanden. Als Elena sich ihm näherte, perlte der Schweiß auf des Soldaten Stirn. Seine Wangen färbten sich dunkelrot, ihm war die Hitze gleichermaßen wie die Nervosität anzusehen.
Typisch Soldat. Mit Frauen hatten diese Herren wenig zu tun, aber in der Schlacht waren sie Fachmänner.

Schiefer keuchte auf, als Elena ihm ins Ohrläppchen biss. Beinahe hätte er die Laterne fallen lassen und auch wenn es ihm gefiel, so stammelte er ihr entgegen: "D-das ist ... Beamtenbel-lästigung, meine Dame."
<i>„Kannst du mich nicht zu dem Gefangenen bringen? Ich würde zu gerne nur einmal einen Blick darauf werfen wie er gefoltert wird. Ich liebe die Gefahr, dann beginnt mein Blut immer zu kochen. Bitte, nur kurz. Und wenn es mir doch zu viel werden sollte bist du doch da und fängst mich auf!“</i>

"Also, ich ... in die Folterkammer dürfen keine Besucher rein." So leicht ließ sich Elena nicht abbringen. Sie schmeichelte ihm und versuchte es weiter. Der Gefreite stieß zischend die Luft aus. Elena war ihm nah, so nah. Ihm war unendlich heiß und doch rief eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf, er solle sich beherrschen.
"W-wollt Ihr mich etwa bestechen?!"

Oh, selbst wenn er bereits Stielaugen bekam und sehnlichst unter Elenas Annäherungsversuchen dahinschmolz, so hatte sein Ausbilder doch gute Arbeit geleistet. Aber er würde nicht antworten müssen. Soeben wurde die Szene im wahrsten Sinne des Wortes unterbrochen, als die Tür beinahe unter dem Fausthieb des Foltergehilfen Torok aus den Angeln sprang.

Torok war ebenso wie Alma ein wahrer Koloss von Mensch. Nur wo es bei der Heilerin Speckringe waren, so packten sich über seinen Körper stahlharte, teils vernarbte Muskeln, die derzeit im eigenen Schweiße glänzten. Er trug eine Augenklappe, besaß eine Glatze und ein normalerweise grimmiges Äußeres, das jeden noch so wackeren Mann einschüchtern konnte. Jetzt aber stand Sorge in seinem nicht verhüllten Auge und gehetzt blickte er sich in den Kerkerräumen um.
Über seiner Schulter hing eine Elfe – bewusstlos, schön und ... blutend. Sie besaß mehrere kleine Schnitte am freigelegten Bauch und der kostbare Lebenssaft strömte über Toroks Muskeln.

<img src="http://celcia.bplaced.net/www/Bilder/Be ... _torok.jpg">

"ALMAAAAA!!!", brüllte er durch die Kerkerhalle. Die Heilerin sprang auf und klammerte sich ans Gitter. "TOROK!", keifte sie ihm entgegen. "Was ist? Was ist mit Darak Luthrokar?!"
Torok antwortete nicht, brüllte nur erneut ihren und stürmte an ihre Zelle. "ALMA, ich lass nicht zu, dass sie dir wehtun! Du bist viel zu ... viel ... zu ..." Und da verließ dieses Monstrum von Kerl einfach so der Mut. Mit rosa Wangen und schüchterner Haltung stand er am Gitter, druckste herum.

Aus der Folterkammer drangen weitere Schreie, Gepolter. Schiefer stellte die Lampe ab, schob Elena ein Stück weit zur Seite und legte die Hand auf sein Schwert. "Torok, was geht hier vor?"
"Keine Frau sollte gefoltert werden und erst recht nicht ALMA!", brummte er nur zurück. Die Heilerin griff durch die Stäbe hindurch und tätschelte diesen Koloss, der wie ein kleiner Junge dastand, noch immer die fremde Elfe auf den Schultern trug.

"Ich muss nachsehen, was da los ist", meinte Schiefer zu Elena und starrte sie aus ernsten Augen heraus an. "Ihr rührt Euch keinen Millimeter von hier fort. Wenn der Gefangene sich befreien konnte, dann gnade uns Lysanthor." Mit diesen Worten eilte Gefreiter Scheifer schwertziehend in den Folterraum.

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Kazel Tenebrée
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 28. Mai 2008, 16:57

Du kannst in "Daraks Zelle" weiterposten <img src="http://images.rapidforum.com/images/i23.gif" border="0">
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Roderick von Tanduras
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Freitag 29. Januar 2010, 23:03

Noch etwas benommen strich Roderick sich über die Augen. Einen Moment lang dachte er, alles wäre nur ein schlechter Traum gewesen, aber da fiel sein Blick auf das Langschwert neben seinem Bett. Und nun hörte er auch die Geräusche einer erwachenden Kaserne, in der sich die Männer nicht für Übungen, sondern für den Kampf bereit machten. Viele behaupteten, in den Geräusche gäbe es keinen Unterschied, aber Roderick hörte die Feinheiten. Es waren Kleinigkeiten, wie das Klirren der Kettenrüstungen und der Plattenpanzer.
Eigentlich hatte er keine große Lust aufzustehen. Auch wenn er es sich nicht gern eingestand, aber er war verägert darüber, dass die Weihe so schnell und ohne Feier abgehalten werden musste. Er war zwar nun ein Ritter, aber das Gefühl hatte er sich anders vorgestellt. Irgendwie berauschender, nicht so deprimierend. Normalerweise sollte es ein besonderer Moment im Leben eines Ritters sein, die Weihe zu erhalten. Er betete die Nacht hindurch und erhielt dann am nächsten Tag den Ritterschlag und seine Weiheklinge. Ein freudiges Ereignis, welches groß gefeiert wurde. Im Kreis der Familie und Freunde.
Bei dem Gedanken an seine Geschwister und seine Eltern zog sich sein Magen leicht zusammen. Er hatte zu lange nichts von ihnen gehört und machte sich mittlerweile Sorgen, dass er es auch nie wieder würde.
Mit geschürzten Lippen strich er sich durchs Haar, länger konnte er das Unvermeidliche nicht weiter hinauszögern. Seufzend schwang er die Beine über den Bettrand und blieb dann noch einen Moment sitzen. Sich gegenüber sah er nun die Plattenrüstung, mit Helm und Plattenzeug, sowie den Zweihänder, den Langdolch und den Holzschild. Die Sachen schienen ihn anzugrinsen und zu verhöhnen. Das Langschwert lehnte neben dem Bett an der Wand, wo er es am gestrigen Abend mehr oder weniger achtlos abgelegt hatte.
Roderick atmete noch einmal aus und stand dann endgültig auf, um sich das Gesicht zu waschen und seine Ausrüstung anzulegen. Ab heute war er ein Teil der Soldaten von Pelgar und musste helfen, das dunkle Volk vor den Toren zu besiegen. Richtig wohl war ihm dabei nicht, aber zögern durfte er nicht.
Nachdem er sich mit ein wenig Wasser den letzten Schlaf aus den Augen gewaschen hatte, kämmte er seine Haare mit den Fingern durch und strich sie mit der nassen Handfläche nach hinten. Erst dann legte er die gepolsterte Schutzkleidung und die Plattenrüstung an. Routiniert befestigte er die Waffen an seinem Gürtel und auf seinem Rücken, danach legte er den Schild an und klemmte sich den Helm unter den Arm.
Bevor er die Tür durchschritt, hielt er noch einen Moment inne und atmete tief durch. Erst dann verließ er sein Quartier um in den Speisesaal zu gehen und zu frühstücken. Seine Schritte fühlten sich merkwürdig federnd an und die Rüstung erschien ihm beinahe zu leicht, war er doch die viel schwerere Übungsrüstung gewöhnt. Dadurch stellte sich bei ihm ein unwirkliches Gefühl ein und er erwartete jeden Moment Theorat zu sehen, der ihn aufforderte, dem neuen Knappen einen Handgriff zu zeigen oder wie er eine Rüstung richtig putzte.
Aber nichts geschah und Roderick kam unbehelligt im Speisesaal an. Er war einer der letzten. Am gestrigen Abend waren noch andere Knappen zum Ritter geschlagen worden. Sie hatten sich wie ein kleines Rudel um einen Tisch geschart. Für Roderick rückten sofort zwei etwas beiseite und luden ihn ein, zwischen ihnen zu sitzen. Das Frühstück war nichts besonderes, es machte satt und gab Kraft. Die Stimmung am Tisch war etwas gedämpft, viele waren noch jünger als Roderick und fürchteten sich etwas vor den Kämpfen, die ihnen nun bevorstanden. Richtig ausgelassen oder fröhlich war keiner, ein paar in seinem Alter hatten die Köpfe zusammengesteckt und diskutierten, was ihnen wohl bevorstand.
Roderick hätte sie am liebsten zum Schweigen aufgefordert, da sie die jüngeren nur noch mehr einschüchterten. Ihm selbst war zwar auch alles andere als wohl bei dem Gedanken, was ihm noch bevorstand, aber es machte ihm keine richtige Angst. Den jüngeren schon.
Kurze Zeit nachdem Roderick zu den anderen Jungrittern gestoßen war, trat ein älterer Ritter zu dem Tisch und teilte ihnen mit, zu welcher Truppe sie nun gehörten und wo sie sich nach dem Frühstück einzufinden hatten. Es waren zwar fast alles Reservetrupps, aber Roderick und zwei der anderen in seinem Alter wurden einem aktiven Trupp zugeordnet, der auf Streife gehen würde. Diese Nachricht trug nicht gerade dazu bei, seine Laune zu heben, aber was regte er sich denn auf? Das war das, was er sich immer gewünscht hatte, also würde er es tun und kämpfen.
Bald danach machten sich die ersten auf den Weg und auch Roderick konnte nicht mehr sitzen. Besser, er dachte nicht mehr zu viel nach und tat einfach, wozu er ausgebildet war. Zum Kämpfen.
Trotzdem war ihm äußerst mulmig zumute, als er nach draußen in den kalten Morgen trat, um seinen Truppenführer zu suchen. Der Eisregen machte den Boden ziemlich rutschig. Roderick war völlig durchgefroren, als er die andere Seite des Hofes erreicht hatte. Hätte es nicht jedenfalls trocken sein können?

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Samstag 30. Januar 2010, 22:09

Einer der Beiden, die mit Roderick in die Gruppe gesteckt worden war, war äußerst nervös. Er kaute ständig auf seiner Unterlippe herum und zuckte jedes Mal leicht zusammen, als er sich zu stark aufriss und danach Blut schmeckte.
"Heb dir deine Verletzungen für den Kampf auf.", brummte der andere missmutig.
Ihm gefiel es gar nicht, dass er nicht bei den Reservetruppen war, und das sah man ihm auch an. Aber er hatte keine Angst. Was hatte er auch schon zu verlieren? Sein Leben war bisher nicht so verlaufen, als dass er sehr daran hing. Somit würde er sein Bestes geben und mehr konnte er auch nicht tun.
"Warum wir? Warum haben sie nicht jemanden genommen, der schon mehr Erfahrung hat? Da gibt es sicher noch genug, die nicht zur Reserve passen!", maulte der Verschüchterte.
Er war vom Aussehen her zwar eindeutig kein Junge mehr, dazu passte weder die Narbe auf seiner Wange, noch das kantige Äußere. Innerlich jedoch war er alles andere als reif genug gewesen, schon jetzt die Weihe zu empfangen.
Und genau das war es, was ihm im Kampf vermutlich am ehesten zum Verhängnis werden würde. Seine Angst vor dem Tod, die ihn behindern würde, frei und so geschickt mit dem Schwert umzugehen, wie er es gelernt hatte.
Der andere schnaubte nur und funkelte ihn an. "Am besten schicken sie auch noch die Kinder zuerst, damit nur du ja deinen Arsch im Trockenen behalten kannst, wie? Wenn du solchen Schiss hast, warum hast du dich dann überhaupt als Knappe gemeldet?", knurrte er.
Und erntete dafür beleidigtes, trotziges Schweigen. Also sah er sich wieder nach ihrem Truppenführer um oder eher nach jemanden, den sie danach fragen könnten, um nicht ziel- und nutzlos herum zu irren.
Diesmal allerdings kamen sie nicht wegen dem Gemaule des Ängstlichen nicht weit, sondern weil sich in dem Gedränge um sie herum plötzlich eine nicht dazu passende Bewegung abzeichnete. Da wurde mit einem Mal geflucht, geschubst und immer wieder gerufen, dass jemand durch müsste und wen suche.
"Ja, deine Mutter, du Baby!", spottete ein anderer und ein paar lachten derb darauf.
Doch der Typ ließ sich davon nicht abhalten und da er inzwischen näher gekommen war, konnte die kleine Dreiergruppe auch hören, nach wen er suchte. "Roderick... Raderick... oder irgendsojemand! Ist er hier?!"
"Wenn, dann nicht mehr lang in einem Stück!", rief wieder einer von den Kriegern dazwischen und erntete weiteres Gelächter.
Der Mann... oder eher der Junge drängte sich weiter durch die Menge und kam endlich durch. Es war nicht viel Platz, aber ausreichend, dass er erst einmal Atem schöpfen konnte.
Er hatte blondes Haar, viele Sommersprossen und war noch weit davon entfernt, ein ganzer Mann zu werden. Seine Figur war schlaksig und das Kettenhemd hätte eindeutig zwei oder mehr Nummern kleiner gehört, um ihm zu passen.
Als er endlich wieder etwas mehr Luft in seine Lungen füllen konnte, rief er erneut:"Ist ein Raderick... oder Roderick hier? Es ist dringend!"
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Roderick von Tanduras
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Samstag 30. Januar 2010, 22:47

Das Gemaule der Narbenwange ging Roderick fürchterlich auf die Nerven, aber er sagte nichts und sah sich selber weiter um. Im Grunde ging es ihm ja ähnlich, aber im Gegensatz zu seinem Kameraden ertrug er sein Schicksal schweigend. Um sie herum standen fast nur Ältere, die bereits Erfahrung im Kampf hatten. Ihre Blicke wirkten beinahe mitleidig, als sie auf die drei Frischlinge trafen. Bei der Narbenwange verwandelten sie sich allerdings eher in eine leichte Abneigung. Roderick konnte es ihnen nicht einmal verübeln. In einer Truppe musste sich ein Mann auf den anderen verlassen können und niemand legte gern sein Schicksal in die Hände eines unerfahrenen Neulings. Außerdem waren sie häufig die ersten, die im Kampf fielen.
Natürlich hoffte Roderick, dass seine und die Fähigkeiten der beiden anderen ausreichen würden, um zu überleben. Theorat hatte ihm erzählt, dass der erste Kampf auf Leben und Tod der schlimmste war, danach würde es einfacher werden. Was immer einfacher auch bedeuten mochte. Wurde es einfacher, einen Gegner zu töten? Oder wurde die Angst geringer, sodas es einfacher war in den Kampf zu gehen? Sein Lehrmeister hatte die Aussage nie präzisiert, aber Roderick hatte das dumpfe Gefühl, dass es nur leere Worte gewesen waren, um ihm Mut zu machen.
Zum ersten Mal in seinem Leben kamen ihm Zweifel, ob sein Wunsch der richtige war. Sofort schalt er sich in Gedanken einen Narren und verbannte diese Gefühle in den hintersten Teil seines Kopfes. Leider lauerten sie dort und bissen immer wieder in sein Denken um es zu vergiften. Energisch schüttelte Roderick den Kopf und fuhr sich mit der behandschuhten Hand übers Haar. Die feuchten Haare klebten dadurch noch dichter, aber sie würden auch hinten bleiben und ihm nicht in die Augen fallen.
Gerade als Roderick meinte, einen Truppenführer zu sehen, bemerkte er die Unruhe in den Kriegern um ihn herum. Durch sie hindurch schob sich jemand und rief....er rief seinen Namen. Jedenfalls meinte Roderick, dass es sein Name war. Die Person wusste ihn augenscheinlich nicht genau, immerhin rief er nicht explizit nach Roderick. Auf die herben Scherze der anderen Krieger reagierte Roderick überhaupt nicht. Das war normal vor einem Kampf, hatte er sich erzählen lassen. Die Männer gingen so mit ihrer eigenen Nervosität um.
Neugierig und abschätzend musterte er den Jungen, der nun fast vor ihm stand und wieder nach ihm rief. In seiner Brust breitete sich ein mulmiges Gefühl aus Ob etwas passiert ist? Naja, es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.
Er trat auf den Jungen zu.
"Der Name ist Roderick und nicht anders. Warum suchst du mich? Ist etwas passiert?" Auf seinem Gesicht zeichnete sich eine leichte Besorgnis ab, als er diese Fragen stellte. Hoffentlich gab es keine Probleme wegen seiner Weihe oder mit seiner Familie.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Sonntag 31. Januar 2010, 21:14

Der Junge keuchte, lächelte jedoch erleichtert, als er endlich angesprochen wurde. Hoffentlich war das auch der richtige Roderick!
Zwar brauchte er noch ein paar Atemzüge, die er japsend ausführte, bevor er seine Botschaft übermitteln konnte, aber wenigstens war er an seinem Ziel. Zumindest seinem derzeitigen.
Als er genügend Luft hatte, um zwei verständliche Wörter hintereinander hervor bringen zu können, begann er mit seiner Nachricht. "Theo..." Und sofort musste er inne halten und sich verbessern.
Was ihm schon irgendwie peinlich war, denn seine Wangen färbten sich leicht rot. Schon oft hatte er leichte Klapse bekommen, weil er seinen Onkel ständig aus Gewohnheit beim Vornamen nannte, anstatt brav seinen Familiennamen zu sagen.
Jetzt war ihm das in seiner Aufregung natürlich schon wieder passiert und er schenkte Roderick ein entschuldigendes Lächeln.
Daraufhin straffte er seinen ganzen Körper und fuhr viel offizieller fort:"Ritter von Arganez wünscht sofort, Euch zu sehen. Folgt mir bitte!" Damit drehte er sich um und hoffte, dass nicht gleich zu viele Fragen auf ihn einprasseln würden.
Denn er hatte ja selbst keine Ahnung, warum sein Onkel diesen Mann unbedingt sehen wollte so dicht vor dem ersten Einsatz. Wie auch immer, es schien irgendwas dringendes zu sein und somit hatte er sich bemüht, rasch zu sein.
Jetzt blieb ihm also nur noch zu hoffen, dass dieser Roderick darauf bauen würde, dass er die Wahrheit sagte und er ihn in dem Gewühl aus Rüstungen nicht verlor.
Denn zu viel Zeit durfte er sich trotz allem auch nicht lassen, da er noch selbst einiges zu erledigen hatte, bevor alles los ging.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Montag 1. Februar 2010, 14:03

Verwirrt eilte Roderick dem Jungen hinterher. Das gestaltete sich nicht ganz einfach, da sein Führer durch seine geringere Größe einfach durch schmale Lücken schlüpfte und der Jungritter sich diese Lücken erst einmal schaffen musste. Seine Stirn lag dabei die ganze Zeit in tiefen Falten und er dachte fieberhaft nach, was sein jetzt ehemaliger Lehrmeister von ihm wollte. Und warum es so wichtig war.
Mehrmals musste Roderick sich ziemlich unsanft Platz schaffen um den Jungen nicht aus den Augen zu verlieren. Er schob und drängelte sich hindurch und rief die ganze Zeit dabei: "Tut mir Leid, ich muss hier durch. Entschuldigung. Tut mir wirklich Leid." Endlich standen die Krieger nicht mehr ganz so dicht gedrängt, aber Rodericks Führer war schon ein ganzes Stück voraus. Um nicht den Anschluss zu verlieren, musste er rennen, was sich bei dem glatten Boden als ziemlich schwierig herausstellte. Mehr schlitternd als laufend holte er den Jungen endlich ein und lief dann dicht hinter ihm.
Immerhin wusste er nicht, wo Theorat sich aufhielt und wenn er seinen kleinen Führer verlor konnte das ziemlich Ärger geben. Besonders für den Jungen und das wollte Roderick eigentlich vermeiden. Der hektischen Art nach hatte dieser sowieso noch jede Menge zu tun. Und so folgte der junge Ritter weiter seinem Führer und zermarterte sich das Hirn, warum Theorat ihn sprechen wollte.
Ist vielleicht irgendetwas nicht richtig gelaufen? Oder habe ich einen Fehler gemacht? Der neue Knappe weiß eigentlich alles, was ich ihm hätte beibringen können und meine letzten Aufgaben habe ich auch alle ausgeführt, so wie Theorat es wollte. Das wäre aber auch nie Grund genug, einen Jungritter kurz vor dem Kampf wegzuholen. Oder hat es etwas damit zu tun? Kann aber eigentlich auch nicht sein. Anweisungen erhalte ich ja jetzt von meinem Truppenführer und Theorat kann mir, da ich jetzt selber Ritter bin, keine Anweisungen mehr geben. Er ist ja auch nur ein Ritter. Außer er hat wegen der Kämpfe einen anderen Rang erhalten. Aber was sollte er dann von mir wollen? Will er mich aus den Kämpfen heraushalten oder soll ich vielleicht etwas für ihn erledigen? Das wäre nicht das erste Mal und einige Botengänge hat er lieber mir als dem neuen Knappen überlassen. Hmm, ob wir wohl bald da sind?

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 4. Februar 2010, 12:02

Es kam dem Jungen so vor, als würde es ewig dauern, bis sie endlich durch das Gewühl durch waren. Dabei konnte er auch keine Rücksicht auf seinen Begleiter nehmen, denn er hatte nicht so viel Zeit.
Die ersten Kämpfe würden bald stattfinden und davor hätte er bestimmt noch viel zu tun. Also musste er sich beeilen und das tat er auch.
Als er endlich seinen Onkel erreicht hatte, deutete er keuchend eine kleine Verbeugung an und lief dann weiter zu seiner nächsten Aufgabe.
Theorat, der schon in seiner Rüstung auf seinem Hengst saß, der in Erwartung bereits unruhig tänzelte, drehte den Kopf und atmete sichtlich auf, als er Roderick sehen konnte.
Die ganze Zeit über hielt er schon ein Schreiben in seiner Hand, über die er den Handschuh noch nicht gestreift hatte. Dabei befand er sich unter einem Vordach, sodass das Material nicht nass werden konnte.
Er bedeutete seinem ehemaligen Knappen, dicht an ihn heran zu treten, und reichte ihm den Brief.
Ernst sah er Roderick an.
"Ich fürchte, ich muss dich bitten, nicht in den Kampf zu reiten. Aber lies es selbst. Es steht alles hier drinnen. Dein Pferd habe ich schon satteln lassen und es steht bereit, damit du sofort losreiten kannst. Um Konsequenten musst du dich nicht kümmern, das werde ich erledigen.", sprach er unaufgefordert, nickte dem anderen zu und ließ sich den zweiten Handschuh überstülpen.
Dann beugte er sich zur Seite und legte Roderick die Hand auf die Schulter. "Pass auf dich auf, Junge."
Daraufhin gab er seinem Tier einen leichten Druck in die Flanken, sodass es sich in Bewegung setzte und er seinen ehemaligen Knappen mit der Botschaft in krakeliger Schrift allein ließ.
In dieser stand zu lesen:

Brauche deine Hilfe! Ich kann nicht mehr. Komm nach Santros und finde mich. Schnell! Ribella

Zu mehr war seine Schwester nicht gekommen und das würde er sich wohl auch denken können, denn diese kurzen Sätze waren nicht ihr Stil. Auch ihre Schrift war viel zu unruhig, als dass sie Ruhe und Zeit für diese Nachricht gehabt hätte.
Was war nur geschehen?
Und was sollte er tun? Sollte er sofort nach Santros reiten und sie suchen oder sollte er das tun, was von ihm als Ritter gerade erwartet wurde, in den Kampf gegen die dunkle Armee ziehen?
Theorat hatte versprochen, er würde sich darum kümmern, aber... konnte er das denn trotzdem? Würde er seinen raschen Aufbruch vor sich selbst rechtfertigen können?
Roderick musste sich entscheiden und das innerhalb der nächsten Minuten, bevor es zu spät wäre.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Donnerstag 4. Februar 2010, 15:13

War Roderick anfangs nur leicht verwundert und etwas neugierig, zog sich sein Herz zusammen, als Theorat ihn darum bat, nicht in den Kampf zu ziehen. Erst dachte er, etwas wäre nicht richtig gelaufen oder seine Weihe war trotz allem nicht anerkannt worden. Nachdem Theorat ihm dann aber mitgeteilt hatte, dass er sein Pferd schon hatte satteln lassen, war Roderick einfach nur noch verwirrt. Die Verwirrung wurde nur noch schlimmer, als Theorat ihm versprach, dass ihm keine Konsequenzen drohten und ihm dann noch väterlich die Hand auf die Schulter legte. Mit dem Brief in der Hand stand der junge Ritter erst einmal völlig verwirrt und fassungslos da, bis er endlich auf die Idee kam, das Schreiben zu lesen.
Sein Augen weiteten sich ungläubig und ihm wurde eiskalt. Die Verwirrung verwandelte sich in nackte Angst um seine Schwester und sein Herz schlug nur noch träge, langsam. Als wenn jeder Schlag zu viel Kraft kosten würde. Er starrte auf das Papier ohne die Worte zu sehen. Keine Konsequenzen. Falls er ging. Falls? Es ging um seine Schwester. Roderick konnte die Angst förmlich riechen, wie sie von dem Schreiben emporstieg. Was immer auch passiert war, Ribella war in ernsthaften Schwierigkeiten und brauchte Hilfe. Nur konnte er es wirklich verantworten? Einfach vor den Kämpfen verschwinden und seine Kameraden zurück lassen?
Er war ein Ritter, er hatte eine Verpflichtung. Aber er war auch ein Bruder. Was wog schwerer? Die Verantworung eines Ritters oder eines Bruders? Einen Ritter konnte man ersetzen. Aber einen Bruder?
Er hob den Blick schließlich und sah die versammelten Krieger an, keiner kümmerte sich um ihn. Ein paar Schritte weiter stand ein Stalljunge mit der schlammbraunen Stute, die Roderick immer ritt. Der Junge hielt möglichst viel Abstand zu dem Pferd, was nicht verwunderlich war. Die Jungen nannten sie Biest, Roderick Fjalada. Ausnahmsweise stand Fjalada ganz ruhig da, die Ohren nach vorne. Aufmerksam blickte sie dem jungen Ritter ins Gesicht, als wenn sie fragen würde, worauf er noch wartete. Ihr war seine Entscheidung egal. Sie würde ihm folgen, überallhin.
Nur wohin sollte sie ihm folgen? Ins ferne Santros? Oder hier in Pelgar in den Kampf?
Rodericks Herz wurde schwer, als er die folgenschwere Entscheidung traf. Langsam steckte er den Brief ein, trat zu Fjalada und wuchtete sich in den Sattel. Die Stute tänzelte aufgeregt und der Stalljunge machte einen Riesensatz weg von ihr. Roderick starrte traurig auf die Krieger und entschuldigte sich in Gedanken bei ihnen dafür, dass er sie nun im Stich ließ. Aber mit der Angst, die er nun um Ribella hatte, wäre er für die anderen eine Belastung, ja vielleicht sogar eine Gefahr. Traurig stülpte er sich den Topfhelm über und suchte sich einen Weg zum Tor, um hinausgelassen zu werden. Sein Magen brannte vor Scham und er schaffte es nicht, gerade auf der tänzelnden Stute zu sitzen.
Bei dem Gedanken an das, was ihn noch erwartete, drehte sich sein Magen endgültig um und ihm war fürchterlich übel. Erst einmal musste er aus der Stadt hinaus, dann noch mehrere Tagesreisen über Land und durch Wälder, erst dann würde er in Santros ankommen. Wenn er ankam. Immerhin musste er sich alleine durchschlagen, ihm blieb nichts mehr, als einfach zu hoffen, dass sein Lehrmeister ihm genug beigebracht hatte und dass Lysanthor seine schützende Hand über ihn hielt. Falls er ihn überhaupt noch als schützenswert erachtete.
Beim Tor angekommen wandte er sich an eine der Torwachen, die das Tor öffneten und verschlossen. Nur mühsam brachte er die Worte heraus: "Ich werde in dringender Angelegenheit in Santros erwartet." Mehr konnte er nicht mehr sagen.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Februar 2010, 11:59

Theorat hatte alles veranlasst und auch dafür gesorgt, dass sein ehemaliger Knappe einigen Vorrat an Essen in den Satteltaschen hatte, um die Reise zu überstehen.
Da er den Brief gelesen hatte aus Verwunderung, wusste er auch, wohin Roderick würde reiten müssen. Entsprechend waren die Vorbereitungen gewesen, wenngleich der andere dies wohl noch nicht wusste und erst später feststellen würde.
Selbst die Torwachen waren instruiert, dass jemand kommen würde und hinaus wollte, um nach Santros zu gelangen. Und da er dieses Ziek sofort erwähnte, mussten die beiden Männer nicht mehr nachhaken. Es wunderte sie zwar, dass jemand, noch dazu ein Ritter, jetzt so direkt vor dem Kampf weg musste.
Andererseits könnte er Verstärkungen in Santros organisieren oder sonst wie deswegen zum Schutz der Stadt beitragen. Sie wussten es nicht, aber sie waren gehorsam und sträubten sich nicht dagegen.
Dadurch hatte Roderick keine Schwierigkeiten mehr, die Kaserne zu verlassen. Wobei er durchaus noch andere Probleme bekommen könnte.
Die Menschen draußen waren inzwischen der Panik anheim gefallen und würden die Straßen durchaus verstopfen. Zusätzlich war da noch das Pflaster der Straßen, das verhinderte, dass sein Tier sofort los galoppieren könnte.
Mehrmals musste er sich instinktiv ducken, da der Drache über der Stadt markerschütternde Schreie ausstieß, die selbst die panischen Laute der Leute um ihn herum übertönten.
Doch irgendwann schaffte er es bis zum Stadttor.
Jetzt musste er nur noch an der dunklen Armee vorbei kommen, dann könnte er seinem Pferd die Sporen geben und auf nach Santros reiten.


Roderick reitet weiter nach: Auf dem Weg
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Montag 25. Oktober 2010, 10:22

[Sarion kommt von: Die Hauptstadt Pelgar --> Das Stadttor Pelgars --> Eine sichere Zuflucht? (Seite 1)]

Während des ganzen Weges zur Kaserne sprach die ganze Gruppe nicht sonderlich viel. Alle schienen mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein, Ariana zum Beispiel grübelte bereits darüber nach, wie sie die Stadt verlassen konnten, Godara dachte darüber nach, wie es weiter gehen sollte und Sarion war mit den Ereignissen beschäftigt, welche sich derzeit zu trugen. Es war eine stille Reise, welche sie gerade zurück legten und es wurde ihnen noch stärker bewusst, als sie kurz vor dem Marktplatz abbogen. Hier war für gewöhnlich eine regelrechte Menschenansammlung, welche eine gewisse Geräuschkulisse produzierte. Nun jedoch herrschte eiserne Stille, welche sowohl bedrückend, als auch angsteinflößend sein konnte.

„Sind wohl alle in der Kaserne oder in den Tempeln, vielleicht sogar zu Hause im Keller.“, meinte der Geschichtenerzähler plötzlich, wobei seine Stimme allerdings einen deutlichen Unterton von Resignation aufwies. „Ein Glück, dass die Untoten auch nicht mehr da sind.“
Ariana wandte sich zu ihm um, was der kleine Goblin natürlich nicht sehen konnte, aber sie stimme ihm zu. Die Straßen der Stadt waren wie ausgestorben, gerade so, als wären alle Anwohner geflohen oder aber gestorben. Nur dass sie Untoten völlig verschwunden waren, dass glaubte sie nicht - dafür waren es einfach zu viele gewesen. "Die Stadt wirkt richtig unheimlich und verlassen.", sagte sie als Antwort zu Sarion. "Ich habe kein gutes Gefühl..."
Godara stimmte ihnen ebenfalls zu, wobei er nur ein dafür passendes Brumm-Geräusch von sich gab.

So gingen sie weiter und kamen schließlich an ihrem Ziel an. Die Kaserne lag groß und beeindruckend vor ihnen. Umringt wurde das Gebäude und ein großer Platz davor - welcher wohl zu Trainingszwecken diente - von einem breiten Gitterzaun, der aus unzähligen Eisenstäben bestand, die durch Querverstrebungen zusammen gehalten wurde. Eine große Menschenmenge befand sich auf dem Übungsplatz, dass konnte sogar ein Blinder durch die Geräusche, Gerüche und übrigen Sinneseindrücke erkennen. Die meisten der dort Anwesenden waren allerdings keine Soldaten, sondern einfache Bürger und nur wenige der voll ausgebildeten Wächter waren zu sehen. Ein paar standen an dem Eingang zur Kaserne, andere waren einzeln um die Menge verstreut. Auch wenige Kadetten waren zu sehen, die etwas abseits standen und auf irgendetwas zu warten schienen.

Ariana und Godara konnten erkennen, dass eine weitere in Rüstung gehüllte Gestalt etwas erhöht - wohl auf einem Podium - stand und wild gestikulierend versuchte, die Aufmerksamkeit der versammelten Menschen zu erlangen. "Das er wohl sein muss.", gab Godara leise von sich und zeigte auf den erhöht stehenden Mann. "Mann, der da oben stehen." Ariana wirkte zwar skeptisch, was auch an ihrer Stimme zu hören war, aber doch stimmte sie ihrem Neuzugang bei. "Er scheint eine Ansprache halten zu wollen.", berichtete sie dem Geschichtenerzähler und machte bereits weitere Schritte auf den Eingang zum Platz. Buff schnüffelte und hechelte mit heraushängender Zunge, schloss sich aber der Elfe an. So marschierten sie weiter und kamen schließlich zu den beiden Wächter, die an dem Tor Wache hielten.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Sarion » Donnerstag 4. November 2010, 21:53

Es gab einen Haufen Dinge, die Sarion beunruhigten, und eines dieser Dinge war Stille. Und für jemanden, dem bereits ein Sinn fehlte, war es schlimm wenn der zweitwichtigste Sinn auch verloren ging. Dann fühlte er nur noch den Boden unter den Füßen, roch vielleicht einen Duft oder mehrere und schmeckte die letzte Mahlzeit noch leicht auf den Zähnen. Wäre da nicht das rhythmische Klopfen der Schritte und der eigene Herzschlag, dann hätte ihn die Panik ergriffen. Es war nämlich sein schlimmster Alptraum, eines Tages ohne Gehör aufzuwachen, es hätte seine Verbindung zur Welt dann soweit gekappt, dass nicht mehr viel fehlte, dass er einfach in einen tiefen Abgrund fiel.

Wenn er allein auf Reisen war und es zu still war, dann machte der Goblin sich daran, alte Lieder auf Terkin zu singen oder auch das ein oder andere in Gemeinsprache. Oder er pfiff oder schnipste mit den Fingern. Aber im Moment war er einfach nicht in der Stimmung dafür.
Bald war es mit der Ruhe aus und sie hörten die Geräusche von Kampfübungen, gerufenen Befehlen – zusammen mit diversen Erniedrigungen – und Ächzen und Stöhnen einiger Erschöpfter.
Sarion stellte laut eine Vermutung auf: „Klingt so, als rekrutieren sie eine Miliz, um die Stadtwachen zu verstärken.“ Zu bewerten war das wie die Anstrengungen auf der Mauer: Es zeigte, dass die Lage so ziemlich im Eimer war, aber vollkommen war die Stadt Pelgar auch nicht verloren.

Ariana wies darauf hin, dass jemand versuchte eine Ansprache zu halten. Sarion runzelte die Stirn und fragte: „Der Kommandant?“ Das verblüffte ihn. „Wenn ein militärischer Befehlshaber eine Rede hält, dann sollte das eigentlich anders klingen…“
Ja, wenn ein General aus den alten Epen die Stimme erhob, dann sollte die Erde beben und seine Worte sollten von den Bergen widerhallen. Die Männer mussten aufrecht wie Bäume stehen und von den Worten hypnotisiert die Waffen gen Himmel strecken.
Natürlich war das alles ausgemachter Unsinn und maßlose Übertreibung, aber dass die Leute einfach weiter übten und man vom Vorplatz nicht einmal die Stimme des Mannes hörte, dann ging da definitiv etwas schief.

Während sie am Zaun entlang liefen, streckte Sarion den Zeigefinger seiner Hand aus und zog ihn an den Eisenstäben entlang, wie es kleine Kinder mit Stöckchen taten. Er dachte darüber nach, dem Hauptmann zu erklären, wie wichtig es war, seine Autorität mit starker Stimme Ausdruck zu verleihen, denn der Ausgang dieser Krise hing nicht nur von Muskeln und Stahl ab. Zwar war Sarion kein Stratege und vom Pläneschmieden hatte er keine Ahnung, aber was nützten die besten Pläne, wenn niemand auf den hörte, der sie hatte?
Aber Sarion verwarf diese Idee, denn er würde doch sowieso nur auf Ablehnung stoßen. Allein schon als Goblin als Bote aufzutreten, war riskant genug. In der jetzigen Situation könnte die Anschuldigung entstehen, dass er ein Saboteur war, der Unsicherheit und Unklarheit verbreite.

Sie erreichten den Eingang zum Vorhof und wurden aufgehalten. Sarion ergriff das Wort: „Werte Herren, wir suchen Unterkunft in dieser unsicheren Zeit. Wir waren Besucher des Turniers und kommen nicht aus der Stadt. Unser langer Irrweg führte uns bis zur Stadtmauer, wo man uns in der Lage der Not eine wichtige Nachricht für den Kommandanten Carmara mit auf den Weg gegeben hat. Sie stammt von Hauptmann Höppke.“

Der Geschichtenerzähler fragte sich, ob er jetzt schon die Botschaft wiedergeben musste, damit der Wächter sie weitergab oder ob die Gruppe tatsächlich beim Kommandant persönlich aufwarten würde.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Dienstag 14. Dezember 2010, 07:25

Endlich hatten sie die Kaserne erreicht. Es musste Sarion wie eine kleine Ewigkeit vorgekommen sein, vor allem da sie kaum ein Wort miteinander gewechselt hatte. Stillschweigend hatte sie den Weg hinter sich gebracht und jeder hatte seinen eigenen Gedanken nachgehangen. Keiner seiner Begleiter hatte auch nur im entferntesten daran gedacht, dass es für den blinden Goblin wohl noch eine größere Qual war wenn er nichts hören konnte. Zudem war es in ihrer unmittelbaren Umgebung ebenfalls ziemlich ruhig gewesen, denn die Bewohner der sie umgebenden Häuser hatten sich versteckt, waren geflohen oder hatten sich in ihrem Eigentum verschanzt, sodass niemand - außer der kleinen Gruppe selbst - unterwegs gewesen war. Doch nun waren sie an der Kaserne und der Geschichtenerzähler konnte die dortigen Geräusche vernehmen. Er hörte wie Leute stöhnten und ächzten, gerade so als würden sie schwerste körperliche Arbeit verrichten, wie sich andere einfach nur unterhielten oder wie wiederum andere trainierten.

Ariana und Godara berichteten ihm, wie sie eine weitere Gestalt, etwas erhöht stand und offenbar versuchte eine Rede zu halten, dann erreichten sie auch schon das Tor zum Kasernenplatz, welches von zwei Wächtern gesäumt wurde.
„Werte Herren, wir suchen Unterkunft in dieser unsicheren Zeit. Wir waren Besucher des Turniers und kommen nicht aus der Stadt. Unser langer Irrweg führte uns bis zur Stadtmauer, wo man uns in der Lage der Not eine wichtige Nachricht für den Kommandanten Carmara mit auf den Weg gegeben hat. Sie stammt von Hauptmann Höppke.“, berichtete er den Männern, als diese sie aufgehalten hatten.
Die Soldaten schauten sich an.
"Woher sollen wir wissen, dass du nicht ein Spitzel der dunklen Armee bist, die uns belagert?", fragte der eine mit sicherer und fester Stimme.
"Wobei, wenn du eine Nachricht für den Kommandanten hast...", merkte der andere an.
"Trotzdem kann er ein Spion oder Saboteur sein. Er braucht seine Rolle nur gut spielen.", erwiderte der erste.
"Aber er kennt den Namen des Befehlshabers am Stadttor!", meinte der Zweite und fügte noch an: "Und außerdem wird er von einer Waldelfe begleitet. Die helfen wohl kaum der dunklen Armee!"

Nachdenklich legte der erste Soldat seine Hand an sein Kinn. Offenbar dachte er über die Argumentation seines Kollegen nach. Für die Sehenden der kleinen Gruppe hatte es den Anschein, als wäre er hin und her gerissen und als wüsste er nicht, was er machen sollte.
"Nun, werte Soldaten, ich kann Euch versichern, dass wir nichts mit der Armee vor den Toren zu schaffen haben und dass mein Freund hier die Wahrheit bezüglich der Nachricht von Befehlshaber Höppke gesagt hat.", mischte sich nun auch Ariana ein. Die Blicke der beiden Soldaten wanderten von Sarion zu ihr, aber doch zeigten sich Zweifel bei dem ersten Wächter. "Ich bürge für meine beiden goblinischen Begleiter!", fügte die Elfe noch an und nickte den Wächtern freundlich zu.
"Mhhh... nagut.", meinte der Erste und machte den Weg zum inneren Hof frei. "Tretet ein, aber sollte uns auch nur die kleinste Kleinigkeit bei Euch auffallen, dann seht Ihr euch im Kerker wieder."

Das nächste Hindernis schien überwunden zu sein und so betraten sie den vollen Hof der Kaserne. Hier hatten sich viele Menschen zusammen gefunden, einfache Bürger, welche Angst hatten, Soldaten der Stadtwache und des pelgarischen Heeres, welche trainierten oder bereits ihre Aufmerksamkeit zu ihrem Hauptmann gerichtet hatten. Auch Händler und andere Turnierteilnehmen hatten sich hier eingefunden, um ihre Hilfe anzubieten. Kurzum der Hof war ziemlich überfüllt, aber doch konnte man sich noch bewegen. Viele der hier Anwesenden standen dicht gedrängt in der Mitte und schienen darauf zu warten, dass Hauptmann Carmara etwas sagte und schon konnten Sarion, Godara und Ariana seine tiefe, feste, laute, aber doch beruhigende Stimme vernehmen, als er zu sprechen begann. Augenblicklich legte sich eine Stille über die Anwesenden, als hätte ein zyranischer Mager eine Stillezone über die Menschen gelegt. Alle hielten mit dem inne, was sie gerade taten und wandten sich dem erhöht stehenden Mann zu.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Sarion » Dienstag 28. Dezember 2010, 16:20

Sie hatten zwar die Kaserne erreicht, aber die zwei Wächter ließen sie vorerst nicht durch. Der wortgewandte Sarion beschloss daher zu schweigen und die Vorwürfe des zweiten Soldaten einfach über sich ergehen zu lassen. Sollte er sich einmischen, an die Vernunft der Soldaten appellieren oder die Wichtigkeit der Botschaft betonen, machte ihn das nur noch verdächtiger. Während er stoisch da stand überlegte er sich Alternativen, falls ihnen wirklich der Zutritt verwehrt wurde. Reinschleichen? Unmöglich. Bestechung? Er hatte zwar jetzt zwei Drachmen, aber es würde ihn - sofern die Gier der Wächter nicht überwiegte - als tatsächlichen Spion brandmarken. Er suchte in Gedanken nach irgendetwas anderes als den Namen des Hauptmannes, das die Männer überzeugen könnte.
Zum Glück griff Arianna ein. Als Waldelfe war sie weitaus vertrauenserweckender und als sie als Bürge für die beiden Goblins eintrat, mussten die beiden Wächter einfach nachgeben.

Sie betraten den Vorhof der Kaserne. Es hatte sich eine große Menschenmenge hier versammelt. Viele Bürger der Stadt wollten sich bewaffnen und die Stadt verteidigen. Männer und Frauen trainierten den Umgang mit Waffen und andere unterhielten sich über Strategien, um die Stadt zu verteidigen, andere wiederum über die Versorgung mit Lebensmitteln, Feuerholz und Wasser und die Entsorgung der Untoten und ähnlichem, denn die Stadt war ja von der Außenwelt abgegrenzt und der Belagerungsring war, wie der Goblin erfuhr, vollkommen dicht.
Wenn Sarion das überlebte, so würde er die Geschichte der tapferen Bewohner Pelgars verbreiten. Aber vorerst mussten sie bis zum Kommandanten Carmara vorstoßen. Und vermutlich ebenso die Leibwache dieses Mannes davon überzeugen, dass sie nichts Böses wollten. Vielleicht war es ratsam, Arianna alleine vorzuschicken?
Aber bevor er Gedanken in diese Richtung äußern konnte, da wurde auf einmal alles still. Er versuchte die Ursache davon herauszuhören und stellte fest, dass doch jemand damit anfing, eine Rede zu halten. Scheinbar hatte Sarion die Fähigkeiten des Kommandanten als Orator doch ein wenig unterschätzt.
Er besaß zumindest die Fähigkeit, die Leute zur Ruhe zu bringen. Gespannt wartete der Goblin darauf, was er den Leuten vermitteln wollte und wie er dabei vorging. Er flüsterte zu Ariana und Godara: „Ich glaube, nach der Rede wird er sich gleich wieder seinen übrigen Aufgaben widmen. Wir müssen ihn also vorher abfangen, wenn wir ihm die Nachricht zügig überbringen wollen.“

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 24. März 2021, 13:16

Eleyna wird hergeführt von: Ehrensache


Jeder Schritt war für den Jüngling eine Qual und das sah man seiner immer gebeugteren Haltung sowie den immer schleppender werdenden Bewegungen auch an. Dennoch kämpfte er darum, sich auf den Beinen zu halten und sich keine weitere Blöße zu geben. Er hatte diesen Auftrag und er würde ihn erfüllen, selbst, wenn er danach bewusstlos zusammenklappen würde! Alles andere wäre ohnehin reiner Selbstmord gewesen, weswegen ihm auch keine andere Wahl blieb.
Schließlich, nach einer für ihn gefühlten Ewigkeit, in Wahrheit lediglich gut zehn Minuten, erreichten sie ihr Ziel, die ehemalige Kaserne von Pelgar. Ein trutziger Bau, in dem früher die besten Soldaten der Stadt ausgebildet und auf den Kampf vorbereitet worden waren. Nun hatte sich hier einiges geändert, so wie in der gesamten Stadt. Dennoch gab es noch immer einen Bereich des Areals, der weiterhin dem Militär vorbehalten blieb. Und zu diesem wurde sie nun geführt.
Zuerst durch das äußerste Tor, an dem die Wachen sie problemlos vorbei ließen hin zu einem linkerhand gelegenen, kleineren. Dort mussten sie anhalten und der Bursche hatte mit der Luft zu kämpfen, um sich verständlich machen zu können.
Das brachte ihm ein offensichtlich schadenfrohes Grinsen eines der beiden Kämpen ein, der es an der Disziplin der Stadttorwachen missen ließ. Denn seine gesamte Haltung war viel lässiger und er schien vor Selbstüberschätzung nur zu strotzen. Endlich schaffte der Junge es, den Namen des Mannes zu keuchen, zu dem sie wollten.
Der Soldat hielt sich die freie Hand ans Ohr und meinte feixend:"Häh? Schnauf etwas weniger, Kleiner, dann bist du vielleicht zu verstehen!"
Sein Kumpan lachte kurz, winkte dann aber ab. "Lass mal, den hab ich vorhin erst gesehen. Ich weiß, was los ist." Er sah zu dem Laufburschen und machte eine wedelnde Handbewegung. "Los, verzieh dich und komm erstmal wieder zu Kräften. Ich erledige den Rest."
Damit blickte er zu der Reisenden hin und nickte ihr knapp zu. "Ich zeig Euch den Stall, dort könnt Ihr Euer Pferd unterstellen, dann bring ich Euch rein. Stellt Euch aber auf eine Wartezeit ein, der Kommandant hat noch zu tun.", warnte er sie vor, ehe er sich in Bewegung setzte.
Der Laufbursche indes war schon verschwunden, sodass der zurückbleibende Wächter eine beleidigte Miene zog, weil er sich um sein Opfer betrogen sah.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Freitag 26. März 2021, 11:57

Es war schon fast amüsant, wie der schlaksige Dunkelelf ihr begegnete, als sie sich seinen Waren näherte. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie behaupten, dass dies nicht sein Stand wäre und er tatsächlich kein Interesse daran hatte, Geld zu verdienen. Eleyna nickte dem Elf nur wortlos zu, ehe sie sich dann auf die Ware konzentrierte. Beim näheren Hinschauen, konnte einem übel werden. Hier war gar nichts mehr frisch und saftig, lediglich die Maden und Würmer im Innern der Nahrungsmittel. Ebenso stank das Wasser in den Kübeln und die Dunkle hatte keine Ambitionen das ihrem Tier zu geben. Vermutlich würde sie einen sehr teuren Preis bezahlen, wenn sie ihr Pferd hier zum Stallmeister brachte, damit dieser es pflegte aufgrund von Koliken. Die eisblauen Augen richteten sich auf den Elf. Sie hätte gerne etwas erwidert und ihm erzählt, was sie von seinem Auftreten und seinen Waren hielt, doch riskierte sie dafür sicher nicht Ärger. Die Torwachen warteten sicher nur darauf, dass sie sich falsch benahm denn zurzeit passierte auch nicht so viel anderes, was Aufmerksamkeit bedurfte. Also biss Eleyna die Zähne zusammen, schüttelte bloß den Kopf und hielt das nach vorne strebende Tier im Zaum. „Komm, wir finden etwas anderes.“, murmelte sie beim Umdrehen und sah dann zu, dass sie sich wieder abseits stellte. Danach dauerte es kaum noch 10 Minuten, bis der Jüngling wieder auftauchte. Die Spionin richtete sich auf, folgte dann dem Pfiff der Wachen und trat näher heran. Die gebellte Anweisung, sie solle den Weg nicht verlassen, quittierte sie mit stoischem Schweigen. Sie würde das tun was sie für richtig hielt, das wiederum musste sie aber den Wachen nicht auf die Nase binden. Also schaute sie skeptisch zum Jüngling und wartete darauf, ihm folgen zu können.

Während Eleyna hinter dem Jungen herging, hatte sie das Bedürfnis ihm Wasser, oder ihr Pferd anzubieten. Er wirkte tatsächlich ziemlich erschöpft und die junge Frau wusste, wie schwer es war für junge Elfen in einem Volk wie das der Dunklen zu bestehen. Schwäche gab es nicht. Sie existierte nicht für das Volk der Dunkelelfen und wenn sie bei jemandem gefunden wurde, wurde sie ausgemerzt auf grausame Art und Weise, oder aber das Leben des armen Tropfes wurde wegrationalisiert. So oder so, war es kein Leben für Liebhaber der Kunst, des Schönen, oder Zartbesaitete, die sich vielleicht der Lyrik widmen wollten, oder eben anderen Aspekten des Lebens die es durchaus auch unter ihnen gab. Eleyna hing ihren Gedanken nach, während sie dem Schnaufenden folgte. Sie fragte sich, was er für ein Dunkelelf war? Was er sich wünschte und wollte und, ob es tatsächlich der Weg war den er frei gegangen wäre, wenn er denn hätte entscheiden dürfen. Dann jedoch richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf das was sie im Innern der zerstörten Stadtmauern Pelgars sehen konnte. Die massiven Tore knarzten und kreischten hinter ihr, als sie ins Schloss gedrückt wurden und sie gefangen nahmen im Elend des Krieges. Die Spionin konnte nicht umhin kurz Schwäche walten zu lassen, als sie sehen konnte, wie der Krieg hier gewütete hatte. Sie schluckte einen Kloß herunter, um sich dann wieder zu fangen und die Dunkelelfe zu mimen die man in ihr sah. Hier herrschte, trotz des Chaos, auch inzwischen eine gewisse Struktur. Sie konnte erkennen, dass es Menschen kaum bis gar nicht mehr gab, oder sie in Reih‘ und Glied aneinander festgebunden, an ihr vorbeigeführt wurden. Ihren Blicken begegnete sie kalt und regungslos. Sie musste sich den Gepflogenheiten hier anpassen. Sie gehörte zum Volk der Sieger und sie würde sich so geben. Auch wenn sie ganz weit unten in ihrem Herzen völlig anders empfand. Entsetzt war sie über das was sie sehen konnte. Aber das hatte hier nichts zu suchen. In den letzten 20 Jahren ihres Spion-Daseins musste sie immer wieder ihre eigenen, echten Emotionen unterdrücken. Es war inzwischen erschreckend einfach geworden und manchmal fragte sie sich, ob sie jemals auf eine Situation normal würde reagieren können. So wie sie diese wirklich empfand.

Nach den 10 Minuten, die sie vom Tor zum Ort des Begehrens gebraucht hatten, und sie sich beide etwas Zeit ließen, führte Eleyna den schwarzen Rappen in den Innenhof der Kaserne. Sie hatte Mühe gehabt, das Tier von den widerlichen Vorräten des schlaksigen Dunkelelfen fern zu halten und dann, dass das Tier sich nicht, wegen des Gerölls auf den Straßen, welches teilweise noch herumlag, die Beine brach. Jetzt jedoch war sie erleichtert, als sie sah, dass sie ihr Pferd hier würde unterstellen können. Hier wirkte das Ganze wenigstens etwas vernünftiger. Auch die Pferde des Volkes würde man sicher nicht mit schimmeliger Nahrung vergiften wollen. Sie wurden als Lasten- oder Reittiere für Späher und ähnliches, sicher gebraucht. Die Schikane, die dem führenden Jüngling zuteil wurde, hörte Eleyna nur mit einem der spitzen Ohren zu. Ihre Augen wanderten über die kleine Bauweise der Kaserne und in ihr wachten Erinnerungen auf, die 15 Jahre zurück lagen: Damals war sie Mitte 30 gewesen, hatte gerade vom Verrat ihrer Mutter erfahren und war zum Schluss gekommen, sich nicht länger als Marionette benutzen zu lassen. Sie erinnerte sich gut daran, wie sie, unter Argusaugen, hier hereingeführt wurde, um sich als Spionin zu stellen und als Doppelagentin anzubieten. Sie verbrachte Monate hinter diesen Mauern, bis man ihr das nötige Vertrauen entgegen brachte, um es mit ihr zu versuchen. 15 Jahre… Es ist so viel passiert.., dachte sie, ehe das Gespräch der drei Elfenmänner sich ihr zuwandte. Eleyna tauchte aus dem Sumpf ihrer Erinnerung auf und musterte den Sprecher. „Ich danke Euch.“, gab sie zurück, ohne, dass man hätte erkennen können, dass sie dem vorangegangenen Gespräch nicht gefolgt war. Sobald sie den Stall erreicht hatten, band sie ihr Tier endlich an einen Pfahl und klopfte ihm noch mal gegen den Hals, bevor sie dann ihre Satteltasche nahm und diese schulterte. Zunderschwamm, Wasserschlauch und Kapuzenumhang befanden sich darin und sie hatte keine Lust hier erstmal neues Equipment einzukaufen, nur weil sie unachtsam glaubte, hier würde nicht gestohlen werden. Danach war sie bereit, um zum Kommandanten gebracht zu werden. Sobald ihr der Soldat das Zeichen dafür gab, folgte sie ihm und trat in das Dunkle des Inneren der Kaserne. Sie nickte kurz dem Sprecher zu: „Ich werde warten.“. Dann schaute sie sich um, auf der Suche nach Vertrautem, nach Hinweisen, nach Möglichkeiten die ihr in Zukunft weiterhelfen könnten. Es brannte ihr unter den Nägeln, dem Soldaten Fragen zu stellen, doch vorerst durfte sie sich nicht auf’s Glatteis führen lassen. Sie brauchte Ruhe. Den richtigen Moment. Sie musste erst mit dem Kommandanten sprechen, hören, mit welcher Aufgabe sie betraut würde und erst dann, konnte sie herumlaufen und Fragen stellen. Also lehnte sie sich geduldig gegen die Wand, und wartete.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Freitag 2. April 2021, 11:05

Sie hatte eine Hürde genommen, doch weitere würden folgen, davon konnte sie genauso ausgehen wie von der Tatsache, dass am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgehen würde, nachdem sie am heutigen Tage versunken wäre. Doch sie konnte auch auf viele solcher Etappen zurück blieben und davon zehren, dass sie diese genommen hatte. Somit würde sie auch die nächsten bewältigen, irgendwie.
Ob das der Laufbursche ebenfalls schaffen würde... Nun ja, sie war nicht verantwortlich für ihn und solange er sie bis zur Kaserne bringen würde, brauchte sie sich keine weiteren Gedanken über ihn machen. So hart es auch klang, das war seine Aufgabe und seine Angelegenheit, ob er diese überleben würde oder nicht.
Nachdem sie den Weg durch die teilweise zerstörte und nun auch umzubauende Stadt bewältigt hatten, ohne gröbere Zwischenfälle, und allesamt noch auf den eigenen Beinen stehend, erreichten sie die Kaserne. Dort war der Empfang für den Laufburschen alles andere als ermutigend, dafür erfuhr die Reisende beinahe schon so etwas wie... Freundlichkeit? War so etwas überhaupt möglich unter ihrem Volk? Steckte da ein Trick dahinter? Sehr wahrscheinlich und trotzdem, es war eine wohl angenehme Abwechslung zu dem Verhalten der Torwächter.
Der junge Dunkelelf verschwand, nicht ohne ihm nachgerufene, weitere spöttische Bemerkungen ertragen zu müssen, während die Angekommene mit ihrem Pferd zu den Stallungen geführt wurde. Der ausgesprochene Dank sorgte dafür, dass er kurz über die Schulter hinweg zu ihr zurück sah und dann mit eben jenen zuckte, als Ausdruck dafür, dass es nichts zu danken gäbe. Oder es ihn nicht kümmerte.
Wie auch immer, er ließ sie mit ihrem Tier in die Stallgasse treten und, als die Hufe ihn nicht mehr würden erreichen können, stieß er einen kurzen Pfiff aus. Anscheinend kommunizierte man an diesem Ort bevorzugt auf diese Weise. Zumindest konnte dieser Eindruck entstehen, wollte man hinter dem schrillen, plötzlichen Laut nicht auch eine kleine Gemeinheit sehen.
Denn während am Ende der Gasse aus einer Box ein Stallbursche auftauchte, erschrak sich der Rappe dermaßen, dass er leise wieherte und Anstalten machte, steigen zu wollen, um sich loszureißen. In den einzelnen Boxen indes, sofern diese belegt waren, tat sich recht wenig. Einzig eine Stute drehte sich und sah heraus, als wolle sie nachsehen, wer ihre Ruhe hier störte. Und als sie den Neuankömmling entdeckte, schnaubte sie, als wolle sie sagen: Stell dich nicht so an, du bist ein Kerl! Wäre sie kein Tier, sondern ein menschliches oder elfisches Wesen, könnte man sich auch ein Augenverdrehen gut passend dazu vorstellen.
Indes erreichte der Stallbursche den Ort des Geschehens, löste den Zügel sofort wieder und sah fragend zwischen der Fremden und dem Soldaten hin und her. "Verpflegung, wie immer.", bekam er lediglich kurz zu hören und nickte dazu, als bräuchte es auch nicht mehr. Dennoch wartete er, bis die Besitzerin zurück trat und führte dann mit einem leisen, auffordernden Zungenschnalzen das Reittier weg, um seiner Aufgabe nachzukommen.
Der Soldat indes bedeutete der Frau, ihm zu folgen. Bei deren Versicherung zu warten, zuckte er erneut mit den Schultern, während er sie über den Hof zurück und an seinem Kompagnon vorbei in das Gebäude führte. Was auch sollte er dazu sagen? Ihr blieb nichts anderes übrig, sie wollte schließlich etwas von Hjórvaldr und nicht umgekehrt. Und selbst wenn, hätte dieser sie vermutlich, allein schon um seine höhere Position zu demonstrieren, warten lassen.
So lief das nun einmal und er war nicht so dumm, sich dagegen aufzulehnen, auch wenn er sich durchaus schon darüber gerärgert hatte. Aber er befand sich nicht an der untersten Position der Hierarchie, also ließ es sich damit leben.
Nachdem er die Reisende den Gang entlang und um zwei Ecken geführt hatten, öffnete er rechterhand eine Tür, die zu einem kleinen und dennoch sauberen Raum führte. Er ließ sie eintreten und nickte ihr grüßend zu. Trotzdem sah er sich bemüßigt, ihr mitzuteilen:"Ich sehe nach, ob es noch etwas Verpflegung gibt für die Wartezeit."
Damit war für ihn alles gesagt und er schloss die Tür, um seiner Aussage nachzukommen und daraufhin Hjórvaldr Bescheid zu geben, ehe er seinen Posten wieder annähme. Die Reisende hatte indes Zeit... viel Zeit, um sich umzusehen und zur Ruhe zu kommen.
Wobei dieser Raum in seiner Schlichtheit dem Auge nicht viel bot. Ein Tisch mit einer Handvoll Stühlen befand sich in der Mitte, links der Tür gab es noch eine Sitzbank, auf der man es vermutlich nur mit Sitzkissen längere Zeit aushalten würde. Der Tür gegenüber gab es ein Fenster mit Blick in den Hof und rechts davon ein hohes Regal, in dem sich derzeit nicht mehr als ein Handlicht befand.
Wie lange würde sie hier ihre Zeit wohl verbringen müssen? Ungewiss. Bekäme sie tatsächlich Verpflegung? Nun, schaden würde es nicht, aber hohe Erwartungen sollte sie ebenfalls keine haben.
Tatsächlich hielt der Dunkelelf Wort und nach einer gefühlten Ewigkeit, in Wahrheit in etwa einer halben Stunde, klopfte es leise. Eine Dienerin, die zwar elfischen Ursprungs, aber viel zu hell für das dunkle Volk und somit wohl kaum freiwillig hier war, brachte mit gesenktem Blick ein Tablett herein und stellte es wortlos auf den Tisch, um danach wieder hinaus zu huschen, sollte das Wort nicht an sie gerichtet werden.
Ihre Gaben waren äußerst sporadisch, aber doch viel besser als nichts. In dem Zinnbecher befand sich lauwarmes, wenngleich sauberes Wasser und der Kanten Brot war auch nicht der Frischeste, dafür schimmelfrei. Und das Eck Käse roch zwar schon deutlich, allerdings nicht überreif.

Wie lange es im Endeffekt dauerte, bis man sich ihrer erinnerte, konnte die Reisende am Ende nicht sagen. Es war nur deutlich, aufgrund des Fensters, dass es längst dunkel geworden war draußen und das Handlicht zumindest eine kleine, restliche Lichtquelle darstellen konnte.
War sie in der Zwischenzeit eingenickt oder hatte sie lediglich nachgedacht? Wie auch immer, das fordernde Klopfen an der Tür hatte nichts mit dem zaghaften Laut der Dienerin vor gefühlten Ewigkeiten zu tun, genauso wenig wie die Erscheinung eines weiteren Soldaten, der unaufgefordert öffnete.
Er gab ihr mit einem Nicken zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte, danach drehte er sich zackig um und ging mit weit ausholenden Schritten voraus, tiefer in das Gebäude hinein. Zuerst ging es zu einer Treppe, die in das obere Stockwerk führte und dort um mehrere Ecken, die man von außen in diesem Haus wohl kaum vermutet hätte.
Schließlich blieb er vor einer Tür stehen und klopfte zweimal langsam und dreimal schnell, wahrscheinlich ein verabredetes Zeichen. "Herein!", erklang von drinnen eine tiefe, erstaunlich warm klingende Stimme, die man einem höheren Soldaten wohl kaum zutrauen würde. Vielmehr klang es nach einem Adeligen oder sehr reichen Händler, der es gewohnt war, auch mal nett sein zu dürfen.
Der Dunkelelf indes zeigte mit keiner Regung, was er darüber dachte, sondern öffnete lediglich die Tür, um die Frau einzulassen, ohne ihr zu folgen. In dem Raum, der mindestens dreimal so groß war wie derjenige, in dem sie hatte warten sollen, befanden sich zwei Personen. Die eine stand am Tisch, über eine Karte gebeugt und wirkte höchst konzentriert, während die ein oder andere Figurengruppe zeitweise herum geschoben wurde. Kein Blick zeugte davon, ob dieser Dunkelelf sie überhaupt bemerkt hatte. Doch auch der andere, der sich im Hintergrund hielt, auf der gegenüberliegenden Seite der Tür, wirkte nicht so, als hätte er auch nur ein Quäntchen an Interesse daran, wer nun eintrat.
Sie wurde somit weder angesehen, noch angesprochen, während hinter ihr das Türblatt zurück ins Schloss gezogen wurde. Würde sie von sich aus das Wort ergreifen? Oder zog sie es vor zu schweigen und sich stattdessen umzusehen in jenem Raum, in dem durch einige Kerzen mehr Schatten als Licht herrschte, sodass die Einrichtung lediglich schemenhaft erkennbar war?
Auch hier waren die Möbel schlicht gehalten und dennoch aus teurem Holz hergestellt worden, das Fenster war größer, allerdings von Vorhängen verdeckt, sodass niemand von draußen hinein spähen könnte. Im hinteren Bereich gab es eine gut verborgene Tür, die nur auffiel, weil sie im Moment von keinem Stuhl verstellt wurde. Ansonsten gab es noch ein vollgestopftes Regal und ein Pult, an dem geschrieben werden konnte, wie das Tintenfass und die bereitgelegte Feder bezeugten.
Und nun...?
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Dienstag 6. April 2021, 21:55

Die Freundlichkeiten die ausgetauscht wurden, waren nichts weiter als fadenscheinige Floskeln, das wusste Eleyna. Sie hatte das Pech gehabt, die meiste Zeit den morgerianischen Gepflogenheiten ausgesetzt gewesen zu sein und das hatte ihre Sicht auf die Dinge nachhaltig geprägt. Es fiel ihr schwer, hinter einem Lächeln nicht das Messer zu vermuten, dass derjenige hinter dem Rücken hielt oder hinter einer vermeintlich netten Geste, einen Komplott zu vermuten. Nichtsdestotrotz trat sie hier als diejenige auf, die etwas wollte. Es wäre nicht klug, die zickige Elfe zu mimen, die sie im Grunde auch gar nicht war. Natürlich schlüpfte sie im Laufe ihres Auftrages, ihres Lebens, in verschiedenste Rollen und alle beherrschte sie für die Zeit, die sie nötig waren, doch die wahrhaftige Eleyna war friedlich und ruhig. Und es tat gut, dass diese Seite heute mal angebrachter war, als alle andere. Sie musste – noch – nicht viel reden, musste keinen Schautanz aufführen, um die Dinge zu erreichen die sie wollte, sie konnte höflich bleiben, abwarten und ihre Kräfte sammeln für das Gespräch mit dem Kommandanten der Kaserne. Adeon Hjórvaldr- in ihrem Hirn klingelte nichts Nützliches. Sie kannte den Namen, als man ihn als Kommandanten einsetzte, doch mehr gab es auch nicht, was Eleyna wusste. Sie war gespannt auf den Mann hinter den Namen, wollte wissen, wie er auftrat und was er für Pläne haben würde. Ein Mann in seiner Position hatte Ziele, soviel stand wohl fest. Welche das waren, würde sie ganz vielleicht erfahren, auch wenn das nicht das Hauptziel ihrer Versetzung sein sollte.

Nachdem die Spionin die Stallgasse betreten hatte, fiel ihr Blick nur flüchtig auf die Stute die missbilligend zu ihrem Rappen schaute und während Eleyna ihre Satteltasche abnahm, grinste sie etwas. Sie strich dem Tier über den Hals, klopfte kurz, um ihn zu beruhigen, und nickte dem Stallburschen zu: „Am besten nicht neben die Stute. Er ist schüchtern.“ Sie grinste offen, wusste selber nicht, wieso sie an einem Ort, mit Individuen wie diesen, zu Scherzen aufgelegt war. Doch manchmal tat es gut, sich etwas offener zu geben, auch wenn ihre Ernsthaftigkeit binnen Sekunden zurückgekehrt war und sie den Stall, ohne zurück zu blicken, verließ. Die Satteltasche hing auf ihrer Schulter und sie musterte die Gänge, denen sie ohne weitere Worte, oder Pausen, folgte. In diesem Teil war sie indes nie gewesen. Sie hatte so wenig wie nötig zu sehen bekommen, damals, als man sie rekrutierte. Wenn sie verlegt wurde, dann nur mit Augenbinde und ohne die Chance zu bekommen, doch noch für die Dunklen zu spionieren. Es war im Grunde auch egal. Sie wusste, dass die Menschen aus Pelgar vertrieben oder in Ketten gelegt wurden und Andunie ebenso. Die Menschen mussten sich sammeln, sie mussten sich neu formieren und das würde eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bevor man auch nur daran denken konnte, sich über Lagepläne innerhalb einer Kaserne, in einer von Dunkelelfen besetzten Hauptstadt, herzumachen. Eleyna trat kurze Zeit später in das karge Zimmer ein, in dem sie warten sollte. Nun war es an ihr, dem Dunkelelfen mit einem schlichten Nicken zu quittieren, dass sie ihn, in Bezug auf die Verpflegung, verstanden hatte. Nachdem die Tür ins Schloss fiel, fiel gleichzeitig auch etwas Anspannung von der Elfe ab. Sie atmete aus, als hätte sie einen zu engen Gürtel gelockert und musterte das spärliche Inventar. Die Bank neben der Tür sah tatsächlich nicht einladend aus, auch aufgrund des Standortes im Zimmer. Wer würde schon gerne neben der Tür warten, bis man ihn holte? Eleyna ließ sie hinter sich und schritt gemächlich durch den Raum. Er war klein, karg, muffig. Er sollte reichen, sie hatte schon schlimmer gewohnt und machte sich aus solchen Dingen nicht viel. Man sollte, als Viel-Reisende die sie war, keine Ansprüche haben. Das hatte sie gelernt. Die Dunkle blieb neben dem Regal stehen, wischte mit dem Finger darüber und schürzte die Lippen. Das Zimmer wurde nicht häufig benutzt, oder zumindest nicht häufig genug, als das man es regelmäßig säuberte. Sie legte dennoch ihre Satteltasche in das Regal und wähnte es hier, weitestgehend, in Sicherheit. Dann wandte sie sich um, strich sich einmal, mit beiden Händen, über die Hüfte, um die Reise-Müdigkeit wegzustreichen. Sie unterdrückte ein Gähnen und spürte, während sie zum Fenster ging, wie langsam aber sicher, die Reise ihre Auswirkungen aufkommen ließ. Ihre grau-blauen Augen, die nicht sehr typisch für Dunkelelfen waren, versuchten irgendetwas Interessantes durch das Fenster zum Hof zu erspähen, bevor sie unterbrochen wurde, als die Tür geöffnet wurde. Beim Anblick der hellen Elfe mit dem Tablett, knurrte Eleyna’s Magen. Sie hatte Hunger, was ihr erst jetzt bewusst wurde. Bevor die Elfe verschwinden konnte, setzte sie ein „Wie heißt du?“ auf celcianisch hinter her. Namen waren wichtig. Trotzdem war sie sich bewusst, dass sie die Dunkelelfe war, die keine Gespräche mit Untergebenen führen musste. Sie wusste, dass sie aufpassen musste, wie viel sie redete und was, doch hier unterstrich sie ihre Frage mit einem Recken des Kinns, sodass sie einen hochmütigen Ausdruck bekam. Sobald die Elfe geantwortet hatte, würde sie nicken und sie mit einem Kopfrucken in Richtung Tür, davon schicken. Wer wusste schon, wozu es gut sein würde, ein paar der Namen zu kennen, vielleicht ergab sich später noch die Gelegenheit, der Elfe ein paar mehr Fragen zu stellen.

Die nächsten Stunden, die man sie warten ließ, überbrückte Eleyna damit, ein wenig zu ruhen. Sie hatte sich auf einem Stuhl, in der Mitte des Raumes, niedergelassen, einen zweiten herangeschoben, und ihre Füße darauf gelegt. Mit dem Arm, stützte sie ihren Kopf, während ihre Augen schwer wurden. Eleyna döste leicht, während vor ihrem inneren Auge immer wieder Erinnerungsfetzen aufzuckten, die sie in die Verhörräume der menschlichen Kaserne führten. Hier war sie Arrond zum ersten Mal begegnet, später wurde er dann ein enger Vertrauter und Freund. Sie erinnerte sich, dass er ihr nicht für eine Sekunde über den Weg getraut hatte. Es war ein langer Prozess gewesen, bis sie sein Vertrauen erhalten hatte und sie hatte es nie enttäuscht. Auch jetzt, sollte er leben und das Vertrauen in sie haben, würde sie ihn nicht enttäuschen. Auch ihr würde es gut tun, nach all den Hiobsbotschaften der letzten Wochen, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Eleyna schreckte auf, als das Klopfen an der Tür vehement danach verlangte. Sie blickte in das Gesicht eines Soldaten und erhob sich prompt, um diesem zu folgen. Hellwach waren ihre Sinne- keine Spur von Müdigkeit oder Erinnerungs-Blues. Jetzt musste sie aufmerksam und kompetent sein. Der Weg, tiefer hinein ins Gebäude, kam ihr in Teilen bekannt vor, aber nicht so, als dass sie ihn hätte zuordnen können. Nachdem sie dann allerdings eine Etage höher gingen, staunte sie nicht schlecht. Diese Räume kannte sie tatsächlich nicht und hätte auch aufgrund der äußeren Bauweise, kein weiteres Stockwerk vermutet. Dann blieb ihr Führer stehen und sie hielt, Abstand haltend, ebenfalls an. Zweimal langsam, dreimal schnell, dachte sie noch, als auch schon die Tür geöffnet wurde und sie eintreten sollte.

Das warme Timbre der Einlass-gebietenden Stimme, erinnerte die Dunkle an einen Edelmann. Sie hätte nicht vermutet, dass es sich dabei um einen Soldaten handelte, wenn sie es nicht gewusst hätte. Eleyna betrat das deutlich größere Zimmer und wartete einen Moment ab. Sie ließ das Bild, welches sich ihr bot, auf sich wirken. Sie registrierte, dass sich keiner der beiden Männer sonderlich für sie interessierte, was ihr einen Moment gab, sich umzusehen. Schnell erfassten die geschulten Augen, dass der Mann am Schreibtisch ganz offensichtlich über Schlachtplänen brütete. Er schob hier und dort einige Figuren über eine Landkarte und versetzte Truppen an andere Stellen. Wohin, konnte sie von ihrer Position jedenfalls nicht sehen, weshalb sie ihren Blick auf den zweiten Mann im Raum richtete. Seine Funktion war nicht erkennbar. Auch er ignorierte sie, auch er widmete sich anderem, doch darüber hinaus, fragte sich Eleyna, wer nun Adeon Hjórvaldr war. Nur, weil der eine am Tisch mit der Karte stand, hieß es nicht zwangsläufig, dass er der Kommandant war. Eleyna suchte nach Hinweisen, über den zweiten Befehlshaber dieser Kaserne. Rist Throck, der General seit die Dunklen einmarschiert waren, hatte gewiss ganz andere Dinge zu tun. Diesem Namen konnte sie zumindest ein Gesicht zuordnen. Eleyna wartete noch einen Moment, nahm weitere Details in sich auf und blickte dann zurück zu den beiden Männern. Kurz streifte ihr Blick die verborgene Tür und irgendwo in ihrem Hinterkopf, wollte sie wissen, was sich dahinter verbarg, doch kam sie zurück zu dem eigentlichen Grund, ihres Erscheinens: „Eleyna d’Yaincre, Herr. Ich melde mich aus Morgeria in Euren Dienst. Es ehrt mich, dass Ihr Zeit findet.“ Ihre Stimme war klar, präzise und ihre Haltung fest. Sie wirkte weder unsicher, noch dass sie vor einigen Minuten noch im Dämmerschlaf gewesen war. Ihre Augen ruhten gelassen auf den Mann am Schreibtisch, den sie jetzt auserkoren hatte, als ihren Ansprechpartner. Sie hätte sich bedanken können, doch für ihr Empfinden, war sie bereits höflich genug. Sie war immer noch unter Dunkelelfen und sie wusste nur zu gut, was diese von Schwäche, von Plauderei, von Unvermögen hielten. Also hielt sie ihre Ansprache so knapp wie möglich und ehrfürchtig wie nötig.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 7. April 2021, 13:21

Auch unter den Dunkelelfen konnte es ab und zu jemanden geben, der tatsächlich eine freundlichere Ader hatte. Gäbe es schließlich nichts außer Mord und Totschlag unter ihnen, hätten sie sich längst selbst ausgerottet, anstatt ganz Celcia sich untertan zu machen. Dennoch war es nur vernünftig, stets ein gesundes Maß an Misstrauen beizubehalten.
Das merkte man auch dem Stallburschen an, als er von der Reisenden angesprochen wurde und ihr einen zweifelnden Blick zuwarf. Dann jedoch sah er zu der Stute, die schnaubend den Kopf schüttelte und zuckte mit den Schultern. Neben ihr war die Box ohnehin nicht frei und die andere nicht für einen Gast hergerichtet. Nein, er hatte schon eine andere im Sinn gehabt und würde das Tier dorthin führen. Wortlos deutete er ein Nicken an und führte das Tier weg, um seine Arbeit zu machen.
Der Soldat hingegen grinste leicht, als die Fremde sich wieder in seine Richtung drehte, um sich führen zu lassen. "Er tut gut daran, bei ihr schüchtern zu bleiben. Sie hat... einen starken Willen.", bemerkte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen, ohne dabei Näheres zu erwähnen. Selbst, sollte er nach dem Besitzer des kostbaren Tieres gefragt werden, würde er dazu schweigen. Es gab schließlich Informationen, die waren nicht für jedes Elfenohr bestimmt. Trotzdem war diese kurze Begebenheit erheiternd für ihn in seinem sonst recht tristen Alltag.
Danach führte er sie zu dem Warteraum, wo sie die nächste Zeit verbringen sollte, ehe er sie allein ließ und auf seinen Posten zurück kehrte. Dass dort sein Kamerad ein kleines, spöttisches Grinsen zeigte, ließ ihn nur die Augen verdrehen. Im Stillen gab er diesem allerdings recht, diese Reisende hatte eine ansehnliche Kehrseite.

Indes musste die Reisende sich in Geduld üben und damit zufrieden geben, dass sie nicht länger Wind und Wetter ausgesetzt war. Als die Elfe das spärliche Mahl herein brachte und sofort wieder verschwinden wollte, ließen sie die Worte der Dunkelelfe zusammen fahren. Aus großen, schreckgeweiteten Augen starrte sie einen Moment lang hoch, ehe sie hastig wieder zu Boden sah und schluckte. Am liebsten wäre sie einfach weggelaufen, aber die letzte Zeit hatte sie gelehrt, dass sie eine Frage des Dunklen Volkes nicht unbeantwortet lassen durfte. Irgendwem würde es immer nicht passen und es gab genug Wege, um sie trotzdem ausfindig zu machen, um sie zu bestrafen.
Deswegen auch wisperte sie, gerade laut genug, dass Elfenohren sie verstehen konnten:"Lauryn, Herrin." Danach jedoch huschte sie, regelrecht auf der Flucht, aus dem Raum, mit weichen Knien und heftig pochendem Herzen. Somit war die Angekommene wieder allein und hatte Zeit für sich.

Wie viel Zeit verging, bis sie geholt wurde, ließ sich nicht genau bemessen. Allerdings hatte sie gut daran getan, sich auszurasten, denn die eigentliche Aufgabe stand ihr noch bevor. Ohne sich zu verlaufen oder gar überlegen zu müssen nach der ein oder anderen Ecke, führte der Soldat sie bis ans Ziel, klopfte und ließ sie, nach der gehörten Aufforderung, eintreten. Da er jedoch nicht die Befugnis hatte, vertraulichen Gesprächen beiwohnen zu dürfen, schloss er hinter der Reisenden die Tür von außen wieder.
Sie war somit allein mit den beiden Männern, die sie augenscheinlich nicht beachteten. War das Absicht, um sie mürbe zu machen? Schließlich war sie gerufen worden, sodass anzunehmen gewesen wäre, dass der Herr Hjórvaldr nun Zeit für sie hatte. Oder war ihm etwas dazwischen gekommen und er hatte lediglich den Boten nicht mehr erreicht, um ihn zurück zu pfeifen?
Wie auch immer, keiner der Dunkelelfen sah auch nur im Ansatz in ihre Richtung oder erhob das Wort. Stattdessen gab es einen stummen Beobachter und einen, der sich intensiv mit der Karte und irgendwelchen Manövern auseinander setzte. Da war es nur naheliegend, dass er derjenige war, der hier das Sagen hatte. Ohnehin wirkte seine Kleidung aufwendiger als die des anderen, minimal nur und dennoch für jemanden, der das Beobachten geschult hatte, erkennbar.
Beide trugen zwar schwarz, doch glänzte das des Kartenlesers im Kerzenschein leicht, während das des anderen matt und wie von rauerem Stoff wirkte. Der Schnitt des Ersten war modisch, soweit sich das beurteilen ließ, jedoch relativ frei von Zierrat, geeignet, rasch eine Rüstung übergestülpt zu bekommen. Beim anderen hingegen war der Schnitt noch einfacher, eher bequem, denn nach dem neuesten Geschmack und sogar die schwarz gefärbten Stiefel wirkten, als besäßen sie einen gräulichen Stich vom langen Tragen bei jeder Witterung. Dann kam noch die Haltung der beiden Dunkelelfen. Der sich Zurückhaltende wirkte ein wenig entspannt, wie er an der Wand lehnte und die Arme vor der Brust verschränkt hatte, als müsse er ebenfalls warten, während der andere offensichtlich höchst konzentriert war. Von der Hautfarbe indes unterschieden sie sich kaum und auch die Haarfarbe wirkte in dem spärlichen Licht recht ähnlich in ihrem dunklen Ton. Lediglich die Augen ließen sich differenzieren, hatte der Kartenleser einen schwarzen Ton, war beim anderen das Violett im Kerzenschein zu erkennen.
Fast schon fühlte sich die weibliche Stimme, als die Besucherin das Wort ergriff, fehl am Platze an, als würde sie eine Stimmung zerstören, von der nicht klar gewesen war bis dahin, dass es diese gab. Der am Tisch stehende Dunkelelf zischte leise und hob unwirsch die Hand als Geste, sie solle gefälligst schweigen, bis sie gefragt würde.
Der andere hingegen erlaubte sich für den Bruchteil einer Sekunde ein angedeutetes Schmunzeln. Oder war dem gar nicht so gewesen und hatte lediglich eine flackernde Kerze diesen Eindruck erweckt? Wie auch immer, sie wurde weiterhin ignoriert und es änderte sich nicht viel an der Szenerie.
Sekunden verstrichen, dehnten sich aus zu Minuten, bis der Mann endlich den Blick von der Karte hob. Doch er sah nicht zu ihr hin, sondern zu dem Wartenden, der nicht den Eindruck machte, als könne ihn etwas bei dieser Geduldsprobe erschüttern. "Das werde ich melden. Ihr hört von mir!", blaffte er ungehalten und wandte sich dann abrupt der hinteren, verborgenen Tür zu.
Etwas, das er hier soeben erfahren oder erkannt hatte, schien ihn zornig zu machen. Warum? Oder war es generell seine Art, so zu sprechen? Wäre nicht unüblich für das Militär. Passte seine Stimme eigentlich zu derjenigen, die vorhin erklungen war? Sie war ihr ähnlich und doch... wiederum auch nicht. Oder lag es nur an dem Ambiente dieses Raumes und der Tatsache, dass nun kein Türblatt mehr den Klang dämpfte?
Der so rüde Angesprochene reagierte indes lediglich mit den Augen, die den Bewegungen folgten, aber er tat nichts, um sich zu verteidigen oder den Kartenleser aufzuhalten. Wie von Geisterhand wurde die Tür von außen geöffnet und dann war die Reisende mit dem einen Mann allein.
Dieser zeigte weiterhin keine Regung, weder auf den abrupten Abgang des anderen, noch auf sie, die weiterhin warten musste. Nichts gab ein Zeichen dafür, was hinter seiner Stirn vorgehen mochte.
Ob das so gewollt war? War es womöglich ein Test, wie lange ihre Geduld reichen würde? Oder war tatsächlich dieser Hjórvaldr gerade abgerauscht und hatte sie schlichtweg... vergessen?!
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Mittwoch 7. April 2021, 21:10

Humor war sicherlich selten geworden in diesen Tagen und auch wenn es durchaus unter den Dunkelelfen Vertreter des Schabernacks geben konnte, so sah man sie doch sehr selten. Nicht umsonst hatte das Volk ihrer Mutter den Ruf, den jeder in Celcia kannte. Dennoch- so selten wie die Momente des Scherzens waren, so überraschten sie dennoch, wenn sie passierten. Eleyna hatte dem Soldaten, der in ihre Komik einstieg, ein Lächeln geschenkt, bevor sie beide wieder zur Routine übergingen. Selbstverständlich hatte die hübsche Mischlingselfe nicht vergessen wer sie war oder woher sie kam. Und sie vergaß auch nicht die Rolle, die sie spielte, doch besaß sie kein Herz aus Stein. Auch wenn man meinen könnte, die Jahre der Spionage hatten sie verbittern lassen, so war man hier auf dem Holzweg. Eleyna hatte es bis jetzt immer geschafft, sich ein gewisses Maß an Frohmut zu erhalten. Waren die beschrittenen Wege doch sehr viel leichter zu verdauen, wenn man nicht ständig Trübsal blies. Danach jedoch, kehrten beide Elfen sehr schnell zu alten Verhaltensmustern zurück und die Situationskomik im Stall war von dem Moment an passé, als die Tür zu ihrem Warteraum zufiel.

Jetzt, hier in dem Raum mit den beiden Männern, gab es keinen Platz für Komik. Eleyna betrachtete seelenruhig was vor ihr geschah, bevor sie das Wort an den Kartenleser richtete. Sie war sich nach wie vor nicht sicher, wer von den beiden Männern hier der richtige Ansprechpartner war, doch musste sie die Stille brechen und sich Gehör verschaffen. Sie wartete bereits lange und auch wenn ihre Geduld noch einiges länger strapaziert werden konnte, so war es manchmal klug, die Dinge etwas voranzutreiben. Hier allerdings, schienen ihre Worte unangenehm deplatziert. Ihre Stimme durchschnitt die Konzentration im Raum, als wäre diese von festem Bestandteil und die Retourkutsche folgte in Form eines Zischlautes auf dem Fuße. Die Spionin musterte den Kartenleser eingängig, während dieser sich sonst weiter nicht ablenken ließ. Kurz glitt ihr Blick zum Wartenden an der Tür, als dieser kaum merklich lächelte. Eleyna registrierte dies kurzerhand und widmete sich wieder dem Mann am Tisch. Seine Kleidung wirkte edler, als die des Anderen. Sie schimmerte seidig im Zwielicht der Kerzen und auch wenn das schlichte Schwarz und der Pragmatismus dahinter erkennbar waren, hatte sie plötzlich das Gefühl, dass die Kleidung selten eine Rüstung, die man schnell überstülpen könnte, gesehen hatte. Es gab kaum Reibungspunkte an ihr, die das Auf- und Absetzen sichtbar gemacht hätte. Bevor die Dunkle ihre innere Analyse fortführen konnte, polterte der Kartenleser plötzlich los und blaffte den Wartenden an der Tür an. Ihre Augenbrauen hoben sich etwas, während sie dem Mann hinterher blickte. Ihr Instinkt meldete sich und sagte ihr, dass dies nicht Adeon Hjórvaldr sein würde. Ihre erste Intention, dass der Mann mit der Ruhe einer lauernden Katze, sehr viel mehr Führungspotential hatte, schien sich augenblicklich zu bestätigen. Welcher Befehlshaber einer Kaserne würde sich derart aus der Fassung bringen lassen. Für sie war das Gepolter seiner Stimme nicht das Resultat etlicher Ansprachen an das Heer. In ihren Augen wäre etwas mehr Diplomatie von Nöten, um sich um die Geschicke der Schlacht um Celcia zu bemühen.

Eleyna wartete geduldig, bis der Mann mit dem aufbrausenden Wesen den Raum verlassen hatte. Kurz überlegte ihr analytische Verstand, ob er derjenige gewesen war, der sie hinein gebeten hatte, doch auch hier konnte sie nur Ähnlichkeiten ausmachen, nicht aber klar verifizieren, dass er der Sprecher war. Nachdem also der, in ihren Augen, ‚falsche Adeon‘ den Raum verließ, hefteten sich die eisblauen Augen an den Fels in der Brandung. Bisher hatte dieser Kandidat um den Posten des Anführers das meiste Potential, wie sie fand. Er wirkte zumindest wenig beeindruckt von dem Abgang. Demnach war er kein Lakai, dafür hatte er auch eine zu enorme Präsenz im Raum eingenommen. Abwartend musterte sie ihn unverhohlen und erst, als auch der letzte Rest Wut aus dem Zimmer mit dem Kartenleser verraucht war, löste sie etwas ihren Körper aus der geraden Haltung und bewegte sich langsam durch den Raum. Sie war es nun, die ihn etwas warten ließ. Erst als sie dem Kartentisch näher kam und den Blick darauf richtete, meinte sie: „Schlechte Neuigkeiten?“ Sie hatte einen Plauderton angenommen. Sie hatte das Gefühl, dass das Förmliche nicht angemessen war, zumindest nicht in dergestalt, dass sie strammstehen und salutieren musste. Eleyna gab sich offen und entspannt. Solche Gegebenheiten erlebte sie hin und wieder und wenn sie sich jedes Mal aus der Ruhe bringen lassen würde, würde sie ihre Arbeit schlecht machen können. Sie stellte sich auf Situationen ein. So auch hier. Natürlich wahrte sie nach wie vor eine gewisse Distanz, denn zu 100% sicher konnte sie nicht sein mit ihrer Vermutung, sie wäre nun mit Adeon Hjórvaldr in einem Raum alleine. Nachdem sie den Kartentisch etwas näher betrachtet hatte, richtete sich wieder der Blick auf den Mann. Unter ihren schwarzen Strähnen, blitzten die hellen Augen leicht und ein feines Schmunzeln, seinem nicht unähnlich, zierte die roten Lippen. Nun war er dran.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. April 2021, 10:09

Sie musste warten, noch immer oder schon wieder, je nachdem, wie man es betrachten wollte. Das hatte weniger etwas mit Vergesslichkeit oder Unhöflichkeit zu tun als vielmehr damit, ihr zu zeigen, welchen Rang sie in der Hierarchie einnahm im Vergleich zu den beiden Männern in dem Raum. Umso weniger schätzte es der Kartenleser, dass ausgerechnet von der Fremden eine Störung kam, die noch dazu in einem falschen Moment erfolgte.
Er war hochkonzentriert und, wie es schien, auch nicht sonderlich erfreut über das, was er zu sehen bekam. Oder doch und wollte es nur nicht zugeben? Wie auch immer, seine Reaktion war eindeutig und danach kehrte erneut Stille ein, in der sich nicht viel tat.
Lediglich ein kleines Schmunzeln erschien flüchtig auf den Lippen des anderen, das allerdings genauso gut auch allein eine Einbildung sein konnte, da durch die kurze Bewegung des Kartenlesers eine Kerzenflamme hauchdünn flackerte. Auf jeden Fall war der Augenblick derart rasch wieder vorbei, dass der Konzentrierte sie wohl kaum mitbekommen hatte und erst recht nicht darauf reagierte. Nein, er versenkte sich wieder auf den Anblick, der vor ihm lag, bis es ihm schließlich reichte.
Mit deutlich erkennbarem Groll sprach er und verschwand im Anschluss daran, ohne auch nur einen Blick auf die Frau zu werfen, die hierher zitiert worden war. Der andere sah ihm reglos nach, nichts zeugte von seinen Gedanken oder Gefühlen, ganz gleich, ob diese positiver oder negativer Art waren. Ja, er schien sogar ebenfalls vergessen oder bewusst entschieden zu haben, dass er nicht allein zurückgeblieben war. Weder das Wort, noch den Blick richtete er in ihre Richtung.
Stattdessen drückte er sich gemächlich von der Wand weg, löste seine Arme und trat seinerseits an den Tisch heran. Nicht an jenen Platz, den der Kartenleser zuvor innegehabt hatte, denn dorthin hatte sich bereits die Reisende begeben. Bemerkte er es? Und wenn ja, was dachte er darüber? Nichts, kein noch so kleines Zucken in seinem Gesicht gab einen Hinweis darauf.
Stattdessen beugte er sich lediglich vor und richtete ein paar Figuren, die der Abwesende zuvor verrückt hatte. Es mochte pedantisch wirken, denn er korrigierte jede noch so winzige Drehung, und dennoch würde es seinen Grund haben. Schließlich handelte es sich bei den Figuren um dargestellte Truppen, deren Bewegungen für einen Angriff sorgfältig geplant werden wollten. Die Karte selbst gab Aufschluss darüber, wo das hier dargestellte Szenario stattfinden sollte, im Westen Celcias, in der Nähe von Santros ebenso wie im Süden, wo sich einige dunkle Figuren mit helleren mischten und in Reichweite von Jorsa standen.
Während seiner Korrekturen erklang auch ein weiteres Mal ihre Stimme, doch dieses Mal wirkte sie nicht ganz so deplatziert. Oder war sie lediglich leiser gehalten, um nicht wieder derart überlaut zu klingen? Der Mann ließ sich davon nicht stören, wie es schien, sondern schob, drehte und stellte weiter zurück.
Hatte er sie überhaupt gehört oder wollte er sie genauso weiterhin ignorieren? Warum war sie dann schon hierher gebracht worden, wenn keine Zeit für sie zur Verfügung stand?!
"Der Herr schätzt seine eigenen Ideen.", kam die Antwort einer angenehm tiefen Stimme, der man die Kraft dahinter anhörte. Es war bei ihr nicht schwer sich vorzustellen, dass sie sowohl ganze Armeen befehligen, als auch verführerisch rau umgarnen könnte.
War das wirklich derjenige, zu dem sie wollte? Doch warum sprach er dann von einem Herrn? Wie viele Personen würde es über ihm in der Hierarchie geben, dass er dennoch Hjórvaldr sein könnte? Auch seine Stimme zeugte nicht eindeutig von jenem Timbre, das sie zuvor vernommen hatte.
Hätte sie womöglich Erkundigungen einholen sollen nach dem Äußeren des Kommandanten? Ja, vielleicht, dann könnte sie jetzt sicherer darüber sein, mit wem sie es zu tun hatte. Aber dafür war es zu spät und sie musste mit dem auskommen, was ihr zur Verfügung stand.
Erneut wurde es ruhig und nun wirkte er ebenfalls konzentriert. Die ein oder andere weitere Minute verstrich, ehe er ein kleines Nicken andeutete und sich langsam aufrichtete. Das erste Mal konnte man seiner Miene ein Gefühl ablesen, nämlich eine gewisse Zufriedenheit mit dem, was er auf der Karte dargestellt hatte.
Es war ein kurzes Aufflackern, nicht mehr und nicht weniger. War das Absicht? Wollte er, dass sie diese Mimik zu sehen bekam, so wie zuvor das feine Schmunzeln, das genauso gut ein Trugbild hatte sein können? Spielte er gerade mit ihr ein Spiel, um sie zu testen? Oder benahm er sich generell so anderen gegenüber?
Immerhin hatte er ihr eine Antwort gegeben, die aussagekräftiger kaum hätte sein können. Etwas, das gewiss ebenfalls kein Zufall gewesen war. So auch der Ausdruck in seinem Gesicht?
Endlich aber schien er gewillt zu sein, sie mit direkter Aufmerksamkeit zu beehren, denn er hob den Blick und sah sie direkt an. Nun deutete ein weiteres Mal nichts darauf hin, was hinter seiner Stirn vorgehen mochte. Der Ausdruck seiner Augen war schlicht und ergreifend neutral, unbeeindruckt scheinbar von ihrer Erscheinung und der Helligkeit ihrer Iriden.
"So, wie viele.", fügte er mit erheblicher Verspätung hinzu, als hätte er nicht mitbekommen, wie viel Zeit seit seiner ersten Bemerkung verstrichen war. Amüsierte er sich insgeheim über derartige Haltungen oder schloss er sich selbst dabei mit ein? Ungewiss.
Ob dieser Mann nicht der Kommandant, sondern ein weiterer Spion war? So undurchsichtig, wie er sich gerade gab, hätte er gewiss das geeignete Potential dazu!
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Eleyna d'Yaincre » Donnerstag 8. April 2021, 12:53

Die Situation innerhalb des Raumes war merkwürdig. Eleyna ahnte, dass es keineswegs so einfach sein würde ihr Anliegen voranzubringen und so ruderte sie gedanklich einen Gang zurück. Sie musste geduldiger sein und sehr viel mehr beobachten, das wurde ihr klar. Das Spielchen, wenn es denn eines war, sie weiterhin warten zu lassen, sie zu ignorieren und sich vorerst anderen Dingen zu widmen, hatte sicherlich den Zweck, sie aus der Reserve zu locken. Anders konnte sie sich dieses Szenario nicht erklären. Immerhin hatte sie bereits gefühlte Ewigkeiten gewartet, bevor man sie hergeholt hatte. Sie hatte das trockene, aber sättigende Mahl zu sich genommen, hatte etwas geruht und wurde dann, als es bereits dunkel war, hierher geführt. Eleyna hatte nicht den Eindruck, dass man sie vergessen hatte, dass man sie falsch bestellt hatte. Nein, hier wurde etwas anderes gespielt und sie war gewillt abzuwarten, worum es dabei ging. Während der erneuten Schweigepause, beobachtete sie nun, wie sich der ruhigere von beiden in Bewegung setzte und seinerseits zum Kartentisch ging. Seine Bewegungen zeugten davon, dass er sich von dem Wutausbruch des Anderen nicht irritieren ließ. Pedantisch zog er Figur um Figur auf der Karte nach, drehte sie in die alte Position zurück und schien dabei fast schon zu entspannen. Eleyna musterte die kleinen Truppen und fragte sich unwillkürlich, ob die Armeen, die dahinter standen, wussten, dass man sie wie Schachfiguren bewegte, kalkulierte, ob sie von Nutzen waren und ob sie sich bewusst waren, dass sie für viele Befehlshaber auch nicht mehr als das waren: Figuren, die zum Spielball größerer Mächte wurden. Auf der anderen Seite stand das wohl ganz oben in der Stellenbeschreibung zum Militärangehörigen. Befehlsempfänger- Kanonenfutter. Eleyna musste nicht weit gucken. Sie selber war – auf eine andere Art – eine Marionette. Nur, dass sie in ihrem Fall wenigstens etwas eigene Entscheidungsgewalt bewiesen hatte, als sie sich entschloss, nicht länger für das Dunkle Volk tätig zu sein.

Für ihren Geschmack, war der Anwesende zu glatt. Sie konnte weder Mimik lesen, noch erkennen, wer er denn nun war. Das Rätsel um Adeon Hjórvaldr ermüdete sie etwas, denn im Grunde sollte sie sich ursprünglich nur bei ihm melden. Ob er auch direkt zuständig war, wusste sie indes gar nicht. Doch sie wäre nicht sie, wenn sie sich das anmerken lassen würde. Vielleicht war der Mann, ihr gegenüber am Tisch, auch nur ein Berater des Befehlshabers. Innerlich zuckte sie die Schultern. Was im Moment sehr viel wichtiger erschien, war die Tatsache, dass die Truppen für das geplante Manöver in der Gegend von Santros und Jorsa plaziert wurden. Kurz durchstöberte Eleyna gedanklich, was sie zu den beiden Landstrichen wusste. Sie kannte die politische Situation dort zu dem Maße, dass sie wusste wer dort das Sagen hatte. Sie wusste auch, dass die Dunklen hier bisher noch nicht tätig geworden sind. Die Menschen dort hatten vielleicht von der Übernahme Pelgars gehört, zumindest Santros musste merken, dass die Schiffe aus Andunie weniger wurden, war die Stadt doch längst den Dunklen zum Opfer gefallen. Es schmerzte Eleyna, dass ihre geheime Heimatstadt dem Volk ausgesetzt war. Eleyna ließ den Blick weiter über das Pergament wandern. In der Nähe von Jorsa, kamen hellere Figuren zum Einsatz. Es war schon komisch, dass man für die Verbündeten der Dunkelelfen, extra helle Figuren anfertigte. Trotzdem beunruhigte Eleyna das was sie sah. Die Menschen mussten gewarnt werden, doch konnte sie das bewerkstelligen? In der Hochburg der Aggressoren? Sie bezweifelte ihre Möglichkeiten, zumindest jetzt zu diesem Zeitpunkt. Während Eleyna weiter warten gelassen wurde, hatte sie Zeit sich zu überlegen, ob es jemanden gab, dem sie eine Nachricht zukommen ließ. Es war zwar nicht gerade klug, an ihrem aller ersten Tag, im schwarzen Pelgar, gleich an Komplott zu denken, doch war sie auch darauf trainiert Informationen zu sammeln, zu verarbeiten und gegebenenfalls weiter zu tragen.

Ein durchdringendes Timbre, riss sie aus den zwielichtigen Gedanken. Hatte er ernsthaft gerade gesprochen? Mit ihr? Oder mit der Karte? Eleyna richtete ihren Blick auf das Gesicht des Mannes. Sie entschied sich, dass es seine Stimme gewesen war, die sie hereingebeten hatte. Sie hatte etwas Einnehmendes und die Spionin wusste, dass Charisma weitaus mächtiger sein konnte, als ein Schwert. So langsam dämmerte es der jungen Elfe, dass sie sich besser hätte vorbereiten müssen. Sie war sich sicher in ihrem Ziel gewesen, hatte nicht damit gerechnet, dass sie einer Scharade ausgesetzt werden würde. Nächstes Mal holte sie sich auf jeden Fall Informationen zu demjenigen ein, den sie zu treffen gedachte. Jetzt aber war es zu spät und sie versank im Sumpf von Zweideutigkeiten, Nichtssagendem und Vermutungen. Sie hätte es besser wissen müssen. Was die Bedeutung seiner Worte anging, hatte Eleyna nur die Information, dass es ‚ein‘ Herr gewesen ist. Nichts deutete darauf hin, dass es ‚sein‘ Herr war. Dann jedoch zeigte ihr Gegenüber endlich etwas Mimik. Eine kurze Zufriedenheit glitt durch das dunkle Gesicht mit den violetten Augen. Ob es nun die Zufriedenheit darüber war, dass er alle Figuren wieder gerichtet hatte oder, ob ihm eine Erkenntnis kam, die ihn zufrieden stimmte, wusste sie indes nicht. Langsam fragte sich die Dunkle, ob der Mann vor ihr nicht weitaus mehr war, als ‚nur‘ Adeon Hjórvaldr. Ihr kam mit einem Mal der Gedanke, ob es sich hier nicht um einen Kollegen ihres Metiers handeln könnte, so undurchsichtig, undurchschaubar und unnahbar er doch war. Allerdings schloss das eine das andere ja nicht zwangsläufig aus.

Das nächste, überraschte sie dann doch: Er sah sie an. Direkt. Na Hallo, Willkommen Eleyna., dachte sie flapsig und erwiderte den Blick. Ungerührtes Violett, traf auf blitzendes Blau. Die Halbelfe ließ sich durch seinen Blick nicht aus der Ruhe bringen und hielt diesem stand. „Wer tut das nicht? Sind die eigenen Ideen doch meist die Besten.“, sie ließ offen, ob sie das ernst meinte, oder nicht, es klang fast beiläufig. Dann lehnte sie sich allerdings etwas vor und stützte ihre Handflächen auf die Ecken der kurzen Seite des Tisches. Sie hielt den Blick auf ihn gerichtet. „Bevor wir allerdings philosophisch werden, wäre es freundlich, wenn Ihr Euch mir vorstellen würdet. Immerhin seid Ihr im Vorteil, mir gegenüber was das Gespräch nicht gleichberechtigt macht.“ Es war eine Feststellung. Nüchtern und nicht beleidigt oder schnippisch formuliert. Sie startete den letzten Versuch zu erfahren, mit wem sie hier Katz-und-Maus spielte. Sollte er nach wie vor gewillt sein auszuweichen, oder sie zu ignorieren, war es so und sie würde sich nicht länger damit beschäftigen. Ihr kam ohnehin der Gedanke, dass es hier viel wichtigeres zu entdecken gab, als den Namen eines Mannes, der ihn nicht mitteilen wollte.

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