In der Kaserne

Hier wurden einst Soldaten und Wächter der Hauptstadt ausgebildet. Nun dient die Kaserne als Sklabenunterkunft und Richtplatz.
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Stadtwache
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Stadtwache » Sonntag 25. Mai 2008, 17:26

Elenas Blick zeigte Staunen und Gefreiter Schiefer bedachte sie mit fürsorglichem Verhalten. "Stimmt etwas nicht?", fragte er zuvorkommend. Sie schaute wirklich überrascht. Der junge Soldat vermutete, dass es an seinem Angebot lag, ihr die Kaserne zu zeigen, schließlich offerierte man dieser Frau sicher nicht oft eine solche Gelegenheit. Dabei sollten viel mehr Bürger wissen, wie es in der Kaserne zuging. Das Militär anpreisen und ein wenig werben konnte sicher nicht schaden, so sah es jedenfalls Schiefer. Aber wer war er schon, dass er solche Gedanken hegte? Die Vorgesetzten entschieden letztendlich und er hatte nichts zu melden. Jedenfalls nicht, solange er sich nicht auch auf einen höheren Posten gearbeitet hatte.

<i>"Stallungen kenne ich wahrlich genug. Ich habe mich schon so oft in welchen herumgetrieben."</i> Der Gefreite hob eine Augenbraue und musterte Elena. Wie meinte sie dies? War sie vielleicht eine Zureiterin und wenn ja: im eigentlichen oder speziellen Sinne? Ihm wurde warm, er begann zu schwitzen.

Diese Frau zählte eindeutig zur interessanten und besonderen Sorte – immerhin wünschte sie, die Kerker zu sehen. Welche Frau bat schon darum, durch die Reihen der Verbrecher zu gehen. Gefreiter Schiefer schmunzelte, als sie meinte, er wäre ja da, um sie im Falle einer Ohnmacht aufzufangen. War das der Grund? Forderte sie eben jenes Szenario heraus, nur um ihm näher zu kommen? Die Ohren des Gefreiten glühten und auf seinen dicken Backen glänzte der Schweiß. Ihm war furchtbar warm.

"Dann ... chrchrmm ... zeige ich Euch die Kerker", räusperte er sich und stapfte im Gleichschritt voraus. Er versuchte, mit geschwellter Brust zu gehen. Dieses Kunststück misslang, aber dennoch sah man ihm gewisse erste disziplinare Maßnahmen an. Der Ausbilder musste ein kompetenter Mann sein.

Gefreiter Schiefer marschierte voraus, winkte Elena zu, sie solle ihm folgen und führte sie in ein Nebengebäude. Dort ging es steile Steinstufen hinab in die unteren Kerkerräume. Hier roch es muffig, die Luft war abgestanden. Laternen hingen von der Decke, doch ihre Gläser waren bereits verstaubt und mit Spinnweben verhangen.
Der Soldat griff sich eine Laterne, führte Elena weiter. "Wir haben mehrere Bereiche je nach Strafmaß des Inhaftierten. Die schlimmsten Fälle befinden sich ganz hinten in den Zellen. Das sind diejenigen, die kaum noch auf ein Freiheitsurteil hoffen können oder Spione, denen der Foltermeister Valrock Molsag die Zungen lockert. Hört ihr das?"

Er hielt kurz inne und hob theatralisch die Laterne. Schreie drangen aus den hinteren Kerkergängen bis zu ihnen herüber. Sie waren dumpf, aber man konnte das gequälte Klagen heraus hören.

<i>„NEIIN! VERDAMMT! NEIIN! DU ELENDIGER BASTARD! KOMM HER! KOMM HER!!!!“</i> Die Stimme verlor immer mehr an Kraft, klang heiser und erschöpft. Aber Elena erkannte vielleicht, wer hier gerade schrie ... ob Valrock Darak bereits quälte?

"Nur eine sitzt hier in der falschen Zelle. Diese dicke Heilerin. Ulma oder so ähnlich. Die wartet auf ihre Anhörung und darf sich gleichzeitig um ihren Komplizen kümmern, der ist aber für Valrock reserviert. Hehe. Schwerverbrecher, meine Kollegen haben ihn bis nach Eldar verfolgt und erwischt. Für den wird's nichtmal mehr ein Urteil geben."

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Erzähler
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. Mai 2008, 15:28

Pelgarische Kerker machten einen deutlich ... unangenehmeren Eindruck als jene in Andunie. Das lag jedoch keineswegs an der Qualität – beide Kerker waren gleichermaßen "gepflegt" –, sondern vielmehr daran, dass in Pelgar eine Atmosphäre des Unwohlseins entstand. Die Gitter sahen stabil aus, die Luft war muffig und feucht, Sonnenlicht drang nicht bis hierher hinunter, obwohl es zwischen den einzelnen Zellen kleine Gitterfenster gab. Ab und an huschte dort ein Schatten vorbei, wenn ein Soldat über den Kasernenhof, auf den die winzigen Fenster ausgerichtet waren, marschierte.

Ratten lugten aus ihren Löchern, erinnerten Elena an ihren kurzen und mehr als Ekel erregenden Besuch im <i>ausgelassenen Streuner</i> und auch an Bronko, der irgendwo in Rotspechts kleinem Büro gerade verhört wurde. Hoffentlich ging die Sache gut aus, aber nach Elenas Wunsch konnte es ruhig noch etwas länger dauern. Vielleicht erhielt sie nämlich so die Möglichkeit, einen Blick auf Darak zu erhaschen oder sogar das Wort an ihn zu richten.
Diese Hoffnung fiel in sich zusammen, als sie die Schreie aus der nahe gelegenen Folterkammer hörte. Natürlich kannte sie denjenigen, der sich da bis in die Heiserkeit brüllte.

Elena trat an Schiefer vorbei und einen Schritt nach vorn. Sie stand nun nahe der Kerkerzelle, in der Darak kurz zuvor noch gewesen war, was sie jedoch nicht wissen konnte. Alma hockte dort, schaute auf, als Elena näher trat. Aber die beiden Frauen kannten sich nicht und so blieb dieser Koloss von Frau, welcher hier auf dem Stroh hockte, still. Und was für eine Frau sie war. So viel Masse ... so überaus viel. Konnte sie auf ihren kurzen Beinen überhaupt stehen?
Das Haar hing ihr fettig ins Gesicht und sie zog eine überaus mürrische Miene, sicherlich kein Wunder an einem Ort wie diesem. Aber sie trug Kleidung in den Farben anerkannter Heiler. Elena vermutete, dass es sich um Alma handelte. Es war also ihre Tasche, die sie vor den Flöhen und schlimmeren Folgen bewahrt hatte. Diese Frau sollte Darak beigestanden haben? Die ganze Zeit? Da konnte man nur hoffen, dass er nicht plattgedrückt worden war. Seinen Schreien nach zu urteilen durchlebte er im Augenblick allerdings wesentlich Schrecklicheres.

In Elena wuchs der dringende Wunsch, beiden zu helfen. Sie musste etwas tun, aber was?
Lächelnd drehte sie sich zum Gefreiten Schiefer um, der ihr Lächeln mit verwirrtem Gesichtsausdruck erwiderte. Oh, sie konnte förmlich seine Blicke auf ihrem Körper spüren. Scheu waren sie zwar, aber vorhanden. Als Elena sich ihm näherte, perlte der Schweiß auf des Soldaten Stirn. Seine Wangen färbten sich dunkelrot, ihm war die Hitze gleichermaßen wie die Nervosität anzusehen.
Typisch Soldat. Mit Frauen hatten diese Herren wenig zu tun, aber in der Schlacht waren sie Fachmänner.

Schiefer keuchte auf, als Elena ihm ins Ohrläppchen biss. Beinahe hätte er die Laterne fallen lassen und auch wenn es ihm gefiel, so stammelte er ihr entgegen: "D-das ist ... Beamtenbel-lästigung, meine Dame."
<i>„Kannst du mich nicht zu dem Gefangenen bringen? Ich würde zu gerne nur einmal einen Blick darauf werfen wie er gefoltert wird. Ich liebe die Gefahr, dann beginnt mein Blut immer zu kochen. Bitte, nur kurz. Und wenn es mir doch zu viel werden sollte bist du doch da und fängst mich auf!“</i>

"Also, ich ... in die Folterkammer dürfen keine Besucher rein." So leicht ließ sich Elena nicht abbringen. Sie schmeichelte ihm und versuchte es weiter. Der Gefreite stieß zischend die Luft aus. Elena war ihm nah, so nah. Ihm war unendlich heiß und doch rief eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf, er solle sich beherrschen.
"W-wollt Ihr mich etwa bestechen?!"

Oh, selbst wenn er bereits Stielaugen bekam und sehnlichst unter Elenas Annäherungsversuchen dahinschmolz, so hatte sein Ausbilder doch gute Arbeit geleistet. Aber er würde nicht antworten müssen. Soeben wurde die Szene im wahrsten Sinne des Wortes unterbrochen, als die Tür beinahe unter dem Fausthieb des Foltergehilfen Torok aus den Angeln sprang.

Torok war ebenso wie Alma ein wahrer Koloss von Mensch. Nur wo es bei der Heilerin Speckringe waren, so packten sich über seinen Körper stahlharte, teils vernarbte Muskeln, die derzeit im eigenen Schweiße glänzten. Er trug eine Augenklappe, besaß eine Glatze und ein normalerweise grimmiges Äußeres, das jeden noch so wackeren Mann einschüchtern konnte. Jetzt aber stand Sorge in seinem nicht verhüllten Auge und gehetzt blickte er sich in den Kerkerräumen um.
Über seiner Schulter hing eine Elfe – bewusstlos, schön und ... blutend. Sie besaß mehrere kleine Schnitte am freigelegten Bauch und der kostbare Lebenssaft strömte über Toroks Muskeln.

<img src="http://celcia.bplaced.net/www/Bilder/Be ... _torok.jpg">

"ALMAAAAA!!!", brüllte er durch die Kerkerhalle. Die Heilerin sprang auf und klammerte sich ans Gitter. "TOROK!", keifte sie ihm entgegen. "Was ist? Was ist mit Darak Luthrokar?!"
Torok antwortete nicht, brüllte nur erneut ihren und stürmte an ihre Zelle. "ALMA, ich lass nicht zu, dass sie dir wehtun! Du bist viel zu ... viel ... zu ..." Und da verließ dieses Monstrum von Kerl einfach so der Mut. Mit rosa Wangen und schüchterner Haltung stand er am Gitter, druckste herum.

Aus der Folterkammer drangen weitere Schreie, Gepolter. Schiefer stellte die Lampe ab, schob Elena ein Stück weit zur Seite und legte die Hand auf sein Schwert. "Torok, was geht hier vor?"
"Keine Frau sollte gefoltert werden und erst recht nicht ALMA!", brummte er nur zurück. Die Heilerin griff durch die Stäbe hindurch und tätschelte diesen Koloss, der wie ein kleiner Junge dastand, noch immer die fremde Elfe auf den Schultern trug.

"Ich muss nachsehen, was da los ist", meinte Schiefer zu Elena und starrte sie aus ernsten Augen heraus an. "Ihr rührt Euch keinen Millimeter von hier fort. Wenn der Gefangene sich befreien konnte, dann gnade uns Lysanthor." Mit diesen Worten eilte Gefreiter Scheifer schwertziehend in den Folterraum.

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Kazel Tenebrée
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 28. Mai 2008, 16:57

Du kannst in "Daraks Zelle" weiterposten <img src="http://images.rapidforum.com/images/i23.gif" border="0">
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Roderick von Tanduras
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Freitag 29. Januar 2010, 23:03

Noch etwas benommen strich Roderick sich über die Augen. Einen Moment lang dachte er, alles wäre nur ein schlechter Traum gewesen, aber da fiel sein Blick auf das Langschwert neben seinem Bett. Und nun hörte er auch die Geräusche einer erwachenden Kaserne, in der sich die Männer nicht für Übungen, sondern für den Kampf bereit machten. Viele behaupteten, in den Geräusche gäbe es keinen Unterschied, aber Roderick hörte die Feinheiten. Es waren Kleinigkeiten, wie das Klirren der Kettenrüstungen und der Plattenpanzer.
Eigentlich hatte er keine große Lust aufzustehen. Auch wenn er es sich nicht gern eingestand, aber er war verägert darüber, dass die Weihe so schnell und ohne Feier abgehalten werden musste. Er war zwar nun ein Ritter, aber das Gefühl hatte er sich anders vorgestellt. Irgendwie berauschender, nicht so deprimierend. Normalerweise sollte es ein besonderer Moment im Leben eines Ritters sein, die Weihe zu erhalten. Er betete die Nacht hindurch und erhielt dann am nächsten Tag den Ritterschlag und seine Weiheklinge. Ein freudiges Ereignis, welches groß gefeiert wurde. Im Kreis der Familie und Freunde.
Bei dem Gedanken an seine Geschwister und seine Eltern zog sich sein Magen leicht zusammen. Er hatte zu lange nichts von ihnen gehört und machte sich mittlerweile Sorgen, dass er es auch nie wieder würde.
Mit geschürzten Lippen strich er sich durchs Haar, länger konnte er das Unvermeidliche nicht weiter hinauszögern. Seufzend schwang er die Beine über den Bettrand und blieb dann noch einen Moment sitzen. Sich gegenüber sah er nun die Plattenrüstung, mit Helm und Plattenzeug, sowie den Zweihänder, den Langdolch und den Holzschild. Die Sachen schienen ihn anzugrinsen und zu verhöhnen. Das Langschwert lehnte neben dem Bett an der Wand, wo er es am gestrigen Abend mehr oder weniger achtlos abgelegt hatte.
Roderick atmete noch einmal aus und stand dann endgültig auf, um sich das Gesicht zu waschen und seine Ausrüstung anzulegen. Ab heute war er ein Teil der Soldaten von Pelgar und musste helfen, das dunkle Volk vor den Toren zu besiegen. Richtig wohl war ihm dabei nicht, aber zögern durfte er nicht.
Nachdem er sich mit ein wenig Wasser den letzten Schlaf aus den Augen gewaschen hatte, kämmte er seine Haare mit den Fingern durch und strich sie mit der nassen Handfläche nach hinten. Erst dann legte er die gepolsterte Schutzkleidung und die Plattenrüstung an. Routiniert befestigte er die Waffen an seinem Gürtel und auf seinem Rücken, danach legte er den Schild an und klemmte sich den Helm unter den Arm.
Bevor er die Tür durchschritt, hielt er noch einen Moment inne und atmete tief durch. Erst dann verließ er sein Quartier um in den Speisesaal zu gehen und zu frühstücken. Seine Schritte fühlten sich merkwürdig federnd an und die Rüstung erschien ihm beinahe zu leicht, war er doch die viel schwerere Übungsrüstung gewöhnt. Dadurch stellte sich bei ihm ein unwirkliches Gefühl ein und er erwartete jeden Moment Theorat zu sehen, der ihn aufforderte, dem neuen Knappen einen Handgriff zu zeigen oder wie er eine Rüstung richtig putzte.
Aber nichts geschah und Roderick kam unbehelligt im Speisesaal an. Er war einer der letzten. Am gestrigen Abend waren noch andere Knappen zum Ritter geschlagen worden. Sie hatten sich wie ein kleines Rudel um einen Tisch geschart. Für Roderick rückten sofort zwei etwas beiseite und luden ihn ein, zwischen ihnen zu sitzen. Das Frühstück war nichts besonderes, es machte satt und gab Kraft. Die Stimmung am Tisch war etwas gedämpft, viele waren noch jünger als Roderick und fürchteten sich etwas vor den Kämpfen, die ihnen nun bevorstanden. Richtig ausgelassen oder fröhlich war keiner, ein paar in seinem Alter hatten die Köpfe zusammengesteckt und diskutierten, was ihnen wohl bevorstand.
Roderick hätte sie am liebsten zum Schweigen aufgefordert, da sie die jüngeren nur noch mehr einschüchterten. Ihm selbst war zwar auch alles andere als wohl bei dem Gedanken, was ihm noch bevorstand, aber es machte ihm keine richtige Angst. Den jüngeren schon.
Kurze Zeit nachdem Roderick zu den anderen Jungrittern gestoßen war, trat ein älterer Ritter zu dem Tisch und teilte ihnen mit, zu welcher Truppe sie nun gehörten und wo sie sich nach dem Frühstück einzufinden hatten. Es waren zwar fast alles Reservetrupps, aber Roderick und zwei der anderen in seinem Alter wurden einem aktiven Trupp zugeordnet, der auf Streife gehen würde. Diese Nachricht trug nicht gerade dazu bei, seine Laune zu heben, aber was regte er sich denn auf? Das war das, was er sich immer gewünscht hatte, also würde er es tun und kämpfen.
Bald danach machten sich die ersten auf den Weg und auch Roderick konnte nicht mehr sitzen. Besser, er dachte nicht mehr zu viel nach und tat einfach, wozu er ausgebildet war. Zum Kämpfen.
Trotzdem war ihm äußerst mulmig zumute, als er nach draußen in den kalten Morgen trat, um seinen Truppenführer zu suchen. Der Eisregen machte den Boden ziemlich rutschig. Roderick war völlig durchgefroren, als er die andere Seite des Hofes erreicht hatte. Hätte es nicht jedenfalls trocken sein können?

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Samstag 30. Januar 2010, 22:09

Einer der Beiden, die mit Roderick in die Gruppe gesteckt worden war, war äußerst nervös. Er kaute ständig auf seiner Unterlippe herum und zuckte jedes Mal leicht zusammen, als er sich zu stark aufriss und danach Blut schmeckte.
"Heb dir deine Verletzungen für den Kampf auf.", brummte der andere missmutig.
Ihm gefiel es gar nicht, dass er nicht bei den Reservetruppen war, und das sah man ihm auch an. Aber er hatte keine Angst. Was hatte er auch schon zu verlieren? Sein Leben war bisher nicht so verlaufen, als dass er sehr daran hing. Somit würde er sein Bestes geben und mehr konnte er auch nicht tun.
"Warum wir? Warum haben sie nicht jemanden genommen, der schon mehr Erfahrung hat? Da gibt es sicher noch genug, die nicht zur Reserve passen!", maulte der Verschüchterte.
Er war vom Aussehen her zwar eindeutig kein Junge mehr, dazu passte weder die Narbe auf seiner Wange, noch das kantige Äußere. Innerlich jedoch war er alles andere als reif genug gewesen, schon jetzt die Weihe zu empfangen.
Und genau das war es, was ihm im Kampf vermutlich am ehesten zum Verhängnis werden würde. Seine Angst vor dem Tod, die ihn behindern würde, frei und so geschickt mit dem Schwert umzugehen, wie er es gelernt hatte.
Der andere schnaubte nur und funkelte ihn an. "Am besten schicken sie auch noch die Kinder zuerst, damit nur du ja deinen Arsch im Trockenen behalten kannst, wie? Wenn du solchen Schiss hast, warum hast du dich dann überhaupt als Knappe gemeldet?", knurrte er.
Und erntete dafür beleidigtes, trotziges Schweigen. Also sah er sich wieder nach ihrem Truppenführer um oder eher nach jemanden, den sie danach fragen könnten, um nicht ziel- und nutzlos herum zu irren.
Diesmal allerdings kamen sie nicht wegen dem Gemaule des Ängstlichen nicht weit, sondern weil sich in dem Gedränge um sie herum plötzlich eine nicht dazu passende Bewegung abzeichnete. Da wurde mit einem Mal geflucht, geschubst und immer wieder gerufen, dass jemand durch müsste und wen suche.
"Ja, deine Mutter, du Baby!", spottete ein anderer und ein paar lachten derb darauf.
Doch der Typ ließ sich davon nicht abhalten und da er inzwischen näher gekommen war, konnte die kleine Dreiergruppe auch hören, nach wen er suchte. "Roderick... Raderick... oder irgendsojemand! Ist er hier?!"
"Wenn, dann nicht mehr lang in einem Stück!", rief wieder einer von den Kriegern dazwischen und erntete weiteres Gelächter.
Der Mann... oder eher der Junge drängte sich weiter durch die Menge und kam endlich durch. Es war nicht viel Platz, aber ausreichend, dass er erst einmal Atem schöpfen konnte.
Er hatte blondes Haar, viele Sommersprossen und war noch weit davon entfernt, ein ganzer Mann zu werden. Seine Figur war schlaksig und das Kettenhemd hätte eindeutig zwei oder mehr Nummern kleiner gehört, um ihm zu passen.
Als er endlich wieder etwas mehr Luft in seine Lungen füllen konnte, rief er erneut:"Ist ein Raderick... oder Roderick hier? Es ist dringend!"
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Roderick von Tanduras
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Samstag 30. Januar 2010, 22:47

Das Gemaule der Narbenwange ging Roderick fürchterlich auf die Nerven, aber er sagte nichts und sah sich selber weiter um. Im Grunde ging es ihm ja ähnlich, aber im Gegensatz zu seinem Kameraden ertrug er sein Schicksal schweigend. Um sie herum standen fast nur Ältere, die bereits Erfahrung im Kampf hatten. Ihre Blicke wirkten beinahe mitleidig, als sie auf die drei Frischlinge trafen. Bei der Narbenwange verwandelten sie sich allerdings eher in eine leichte Abneigung. Roderick konnte es ihnen nicht einmal verübeln. In einer Truppe musste sich ein Mann auf den anderen verlassen können und niemand legte gern sein Schicksal in die Hände eines unerfahrenen Neulings. Außerdem waren sie häufig die ersten, die im Kampf fielen.
Natürlich hoffte Roderick, dass seine und die Fähigkeiten der beiden anderen ausreichen würden, um zu überleben. Theorat hatte ihm erzählt, dass der erste Kampf auf Leben und Tod der schlimmste war, danach würde es einfacher werden. Was immer einfacher auch bedeuten mochte. Wurde es einfacher, einen Gegner zu töten? Oder wurde die Angst geringer, sodas es einfacher war in den Kampf zu gehen? Sein Lehrmeister hatte die Aussage nie präzisiert, aber Roderick hatte das dumpfe Gefühl, dass es nur leere Worte gewesen waren, um ihm Mut zu machen.
Zum ersten Mal in seinem Leben kamen ihm Zweifel, ob sein Wunsch der richtige war. Sofort schalt er sich in Gedanken einen Narren und verbannte diese Gefühle in den hintersten Teil seines Kopfes. Leider lauerten sie dort und bissen immer wieder in sein Denken um es zu vergiften. Energisch schüttelte Roderick den Kopf und fuhr sich mit der behandschuhten Hand übers Haar. Die feuchten Haare klebten dadurch noch dichter, aber sie würden auch hinten bleiben und ihm nicht in die Augen fallen.
Gerade als Roderick meinte, einen Truppenführer zu sehen, bemerkte er die Unruhe in den Kriegern um ihn herum. Durch sie hindurch schob sich jemand und rief....er rief seinen Namen. Jedenfalls meinte Roderick, dass es sein Name war. Die Person wusste ihn augenscheinlich nicht genau, immerhin rief er nicht explizit nach Roderick. Auf die herben Scherze der anderen Krieger reagierte Roderick überhaupt nicht. Das war normal vor einem Kampf, hatte er sich erzählen lassen. Die Männer gingen so mit ihrer eigenen Nervosität um.
Neugierig und abschätzend musterte er den Jungen, der nun fast vor ihm stand und wieder nach ihm rief. In seiner Brust breitete sich ein mulmiges Gefühl aus Ob etwas passiert ist? Naja, es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.
Er trat auf den Jungen zu.
"Der Name ist Roderick und nicht anders. Warum suchst du mich? Ist etwas passiert?" Auf seinem Gesicht zeichnete sich eine leichte Besorgnis ab, als er diese Fragen stellte. Hoffentlich gab es keine Probleme wegen seiner Weihe oder mit seiner Familie.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Sonntag 31. Januar 2010, 21:14

Der Junge keuchte, lächelte jedoch erleichtert, als er endlich angesprochen wurde. Hoffentlich war das auch der richtige Roderick!
Zwar brauchte er noch ein paar Atemzüge, die er japsend ausführte, bevor er seine Botschaft übermitteln konnte, aber wenigstens war er an seinem Ziel. Zumindest seinem derzeitigen.
Als er genügend Luft hatte, um zwei verständliche Wörter hintereinander hervor bringen zu können, begann er mit seiner Nachricht. "Theo..." Und sofort musste er inne halten und sich verbessern.
Was ihm schon irgendwie peinlich war, denn seine Wangen färbten sich leicht rot. Schon oft hatte er leichte Klapse bekommen, weil er seinen Onkel ständig aus Gewohnheit beim Vornamen nannte, anstatt brav seinen Familiennamen zu sagen.
Jetzt war ihm das in seiner Aufregung natürlich schon wieder passiert und er schenkte Roderick ein entschuldigendes Lächeln.
Daraufhin straffte er seinen ganzen Körper und fuhr viel offizieller fort:"Ritter von Arganez wünscht sofort, Euch zu sehen. Folgt mir bitte!" Damit drehte er sich um und hoffte, dass nicht gleich zu viele Fragen auf ihn einprasseln würden.
Denn er hatte ja selbst keine Ahnung, warum sein Onkel diesen Mann unbedingt sehen wollte so dicht vor dem ersten Einsatz. Wie auch immer, es schien irgendwas dringendes zu sein und somit hatte er sich bemüht, rasch zu sein.
Jetzt blieb ihm also nur noch zu hoffen, dass dieser Roderick darauf bauen würde, dass er die Wahrheit sagte und er ihn in dem Gewühl aus Rüstungen nicht verlor.
Denn zu viel Zeit durfte er sich trotz allem auch nicht lassen, da er noch selbst einiges zu erledigen hatte, bevor alles los ging.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Montag 1. Februar 2010, 14:03

Verwirrt eilte Roderick dem Jungen hinterher. Das gestaltete sich nicht ganz einfach, da sein Führer durch seine geringere Größe einfach durch schmale Lücken schlüpfte und der Jungritter sich diese Lücken erst einmal schaffen musste. Seine Stirn lag dabei die ganze Zeit in tiefen Falten und er dachte fieberhaft nach, was sein jetzt ehemaliger Lehrmeister von ihm wollte. Und warum es so wichtig war.
Mehrmals musste Roderick sich ziemlich unsanft Platz schaffen um den Jungen nicht aus den Augen zu verlieren. Er schob und drängelte sich hindurch und rief die ganze Zeit dabei: "Tut mir Leid, ich muss hier durch. Entschuldigung. Tut mir wirklich Leid." Endlich standen die Krieger nicht mehr ganz so dicht gedrängt, aber Rodericks Führer war schon ein ganzes Stück voraus. Um nicht den Anschluss zu verlieren, musste er rennen, was sich bei dem glatten Boden als ziemlich schwierig herausstellte. Mehr schlitternd als laufend holte er den Jungen endlich ein und lief dann dicht hinter ihm.
Immerhin wusste er nicht, wo Theorat sich aufhielt und wenn er seinen kleinen Führer verlor konnte das ziemlich Ärger geben. Besonders für den Jungen und das wollte Roderick eigentlich vermeiden. Der hektischen Art nach hatte dieser sowieso noch jede Menge zu tun. Und so folgte der junge Ritter weiter seinem Führer und zermarterte sich das Hirn, warum Theorat ihn sprechen wollte.
Ist vielleicht irgendetwas nicht richtig gelaufen? Oder habe ich einen Fehler gemacht? Der neue Knappe weiß eigentlich alles, was ich ihm hätte beibringen können und meine letzten Aufgaben habe ich auch alle ausgeführt, so wie Theorat es wollte. Das wäre aber auch nie Grund genug, einen Jungritter kurz vor dem Kampf wegzuholen. Oder hat es etwas damit zu tun? Kann aber eigentlich auch nicht sein. Anweisungen erhalte ich ja jetzt von meinem Truppenführer und Theorat kann mir, da ich jetzt selber Ritter bin, keine Anweisungen mehr geben. Er ist ja auch nur ein Ritter. Außer er hat wegen der Kämpfe einen anderen Rang erhalten. Aber was sollte er dann von mir wollen? Will er mich aus den Kämpfen heraushalten oder soll ich vielleicht etwas für ihn erledigen? Das wäre nicht das erste Mal und einige Botengänge hat er lieber mir als dem neuen Knappen überlassen. Hmm, ob wir wohl bald da sind?

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 4. Februar 2010, 12:02

Es kam dem Jungen so vor, als würde es ewig dauern, bis sie endlich durch das Gewühl durch waren. Dabei konnte er auch keine Rücksicht auf seinen Begleiter nehmen, denn er hatte nicht so viel Zeit.
Die ersten Kämpfe würden bald stattfinden und davor hätte er bestimmt noch viel zu tun. Also musste er sich beeilen und das tat er auch.
Als er endlich seinen Onkel erreicht hatte, deutete er keuchend eine kleine Verbeugung an und lief dann weiter zu seiner nächsten Aufgabe.
Theorat, der schon in seiner Rüstung auf seinem Hengst saß, der in Erwartung bereits unruhig tänzelte, drehte den Kopf und atmete sichtlich auf, als er Roderick sehen konnte.
Die ganze Zeit über hielt er schon ein Schreiben in seiner Hand, über die er den Handschuh noch nicht gestreift hatte. Dabei befand er sich unter einem Vordach, sodass das Material nicht nass werden konnte.
Er bedeutete seinem ehemaligen Knappen, dicht an ihn heran zu treten, und reichte ihm den Brief.
Ernst sah er Roderick an.
"Ich fürchte, ich muss dich bitten, nicht in den Kampf zu reiten. Aber lies es selbst. Es steht alles hier drinnen. Dein Pferd habe ich schon satteln lassen und es steht bereit, damit du sofort losreiten kannst. Um Konsequenten musst du dich nicht kümmern, das werde ich erledigen.", sprach er unaufgefordert, nickte dem anderen zu und ließ sich den zweiten Handschuh überstülpen.
Dann beugte er sich zur Seite und legte Roderick die Hand auf die Schulter. "Pass auf dich auf, Junge."
Daraufhin gab er seinem Tier einen leichten Druck in die Flanken, sodass es sich in Bewegung setzte und er seinen ehemaligen Knappen mit der Botschaft in krakeliger Schrift allein ließ.
In dieser stand zu lesen:

Brauche deine Hilfe! Ich kann nicht mehr. Komm nach Santros und finde mich. Schnell! Ribella

Zu mehr war seine Schwester nicht gekommen und das würde er sich wohl auch denken können, denn diese kurzen Sätze waren nicht ihr Stil. Auch ihre Schrift war viel zu unruhig, als dass sie Ruhe und Zeit für diese Nachricht gehabt hätte.
Was war nur geschehen?
Und was sollte er tun? Sollte er sofort nach Santros reiten und sie suchen oder sollte er das tun, was von ihm als Ritter gerade erwartet wurde, in den Kampf gegen die dunkle Armee ziehen?
Theorat hatte versprochen, er würde sich darum kümmern, aber... konnte er das denn trotzdem? Würde er seinen raschen Aufbruch vor sich selbst rechtfertigen können?
Roderick musste sich entscheiden und das innerhalb der nächsten Minuten, bevor es zu spät wäre.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Roderick von Tanduras » Donnerstag 4. Februar 2010, 15:13

War Roderick anfangs nur leicht verwundert und etwas neugierig, zog sich sein Herz zusammen, als Theorat ihn darum bat, nicht in den Kampf zu ziehen. Erst dachte er, etwas wäre nicht richtig gelaufen oder seine Weihe war trotz allem nicht anerkannt worden. Nachdem Theorat ihm dann aber mitgeteilt hatte, dass er sein Pferd schon hatte satteln lassen, war Roderick einfach nur noch verwirrt. Die Verwirrung wurde nur noch schlimmer, als Theorat ihm versprach, dass ihm keine Konsequenzen drohten und ihm dann noch väterlich die Hand auf die Schulter legte. Mit dem Brief in der Hand stand der junge Ritter erst einmal völlig verwirrt und fassungslos da, bis er endlich auf die Idee kam, das Schreiben zu lesen.
Sein Augen weiteten sich ungläubig und ihm wurde eiskalt. Die Verwirrung verwandelte sich in nackte Angst um seine Schwester und sein Herz schlug nur noch träge, langsam. Als wenn jeder Schlag zu viel Kraft kosten würde. Er starrte auf das Papier ohne die Worte zu sehen. Keine Konsequenzen. Falls er ging. Falls? Es ging um seine Schwester. Roderick konnte die Angst förmlich riechen, wie sie von dem Schreiben emporstieg. Was immer auch passiert war, Ribella war in ernsthaften Schwierigkeiten und brauchte Hilfe. Nur konnte er es wirklich verantworten? Einfach vor den Kämpfen verschwinden und seine Kameraden zurück lassen?
Er war ein Ritter, er hatte eine Verpflichtung. Aber er war auch ein Bruder. Was wog schwerer? Die Verantworung eines Ritters oder eines Bruders? Einen Ritter konnte man ersetzen. Aber einen Bruder?
Er hob den Blick schließlich und sah die versammelten Krieger an, keiner kümmerte sich um ihn. Ein paar Schritte weiter stand ein Stalljunge mit der schlammbraunen Stute, die Roderick immer ritt. Der Junge hielt möglichst viel Abstand zu dem Pferd, was nicht verwunderlich war. Die Jungen nannten sie Biest, Roderick Fjalada. Ausnahmsweise stand Fjalada ganz ruhig da, die Ohren nach vorne. Aufmerksam blickte sie dem jungen Ritter ins Gesicht, als wenn sie fragen würde, worauf er noch wartete. Ihr war seine Entscheidung egal. Sie würde ihm folgen, überallhin.
Nur wohin sollte sie ihm folgen? Ins ferne Santros? Oder hier in Pelgar in den Kampf?
Rodericks Herz wurde schwer, als er die folgenschwere Entscheidung traf. Langsam steckte er den Brief ein, trat zu Fjalada und wuchtete sich in den Sattel. Die Stute tänzelte aufgeregt und der Stalljunge machte einen Riesensatz weg von ihr. Roderick starrte traurig auf die Krieger und entschuldigte sich in Gedanken bei ihnen dafür, dass er sie nun im Stich ließ. Aber mit der Angst, die er nun um Ribella hatte, wäre er für die anderen eine Belastung, ja vielleicht sogar eine Gefahr. Traurig stülpte er sich den Topfhelm über und suchte sich einen Weg zum Tor, um hinausgelassen zu werden. Sein Magen brannte vor Scham und er schaffte es nicht, gerade auf der tänzelnden Stute zu sitzen.
Bei dem Gedanken an das, was ihn noch erwartete, drehte sich sein Magen endgültig um und ihm war fürchterlich übel. Erst einmal musste er aus der Stadt hinaus, dann noch mehrere Tagesreisen über Land und durch Wälder, erst dann würde er in Santros ankommen. Wenn er ankam. Immerhin musste er sich alleine durchschlagen, ihm blieb nichts mehr, als einfach zu hoffen, dass sein Lehrmeister ihm genug beigebracht hatte und dass Lysanthor seine schützende Hand über ihn hielt. Falls er ihn überhaupt noch als schützenswert erachtete.
Beim Tor angekommen wandte er sich an eine der Torwachen, die das Tor öffneten und verschlossen. Nur mühsam brachte er die Worte heraus: "Ich werde in dringender Angelegenheit in Santros erwartet." Mehr konnte er nicht mehr sagen.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Februar 2010, 11:59

Theorat hatte alles veranlasst und auch dafür gesorgt, dass sein ehemaliger Knappe einigen Vorrat an Essen in den Satteltaschen hatte, um die Reise zu überstehen.
Da er den Brief gelesen hatte aus Verwunderung, wusste er auch, wohin Roderick würde reiten müssen. Entsprechend waren die Vorbereitungen gewesen, wenngleich der andere dies wohl noch nicht wusste und erst später feststellen würde.
Selbst die Torwachen waren instruiert, dass jemand kommen würde und hinaus wollte, um nach Santros zu gelangen. Und da er dieses Ziek sofort erwähnte, mussten die beiden Männer nicht mehr nachhaken. Es wunderte sie zwar, dass jemand, noch dazu ein Ritter, jetzt so direkt vor dem Kampf weg musste.
Andererseits könnte er Verstärkungen in Santros organisieren oder sonst wie deswegen zum Schutz der Stadt beitragen. Sie wussten es nicht, aber sie waren gehorsam und sträubten sich nicht dagegen.
Dadurch hatte Roderick keine Schwierigkeiten mehr, die Kaserne zu verlassen. Wobei er durchaus noch andere Probleme bekommen könnte.
Die Menschen draußen waren inzwischen der Panik anheim gefallen und würden die Straßen durchaus verstopfen. Zusätzlich war da noch das Pflaster der Straßen, das verhinderte, dass sein Tier sofort los galoppieren könnte.
Mehrmals musste er sich instinktiv ducken, da der Drache über der Stadt markerschütternde Schreie ausstieß, die selbst die panischen Laute der Leute um ihn herum übertönten.
Doch irgendwann schaffte er es bis zum Stadttor.
Jetzt musste er nur noch an der dunklen Armee vorbei kommen, dann könnte er seinem Pferd die Sporen geben und auf nach Santros reiten.


Roderick reitet weiter nach: Auf dem Weg
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Montag 25. Oktober 2010, 10:22

[Sarion kommt von: Die Hauptstadt Pelgar --> Das Stadttor Pelgars --> Eine sichere Zuflucht? (Seite 1)]

Während des ganzen Weges zur Kaserne sprach die ganze Gruppe nicht sonderlich viel. Alle schienen mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein, Ariana zum Beispiel grübelte bereits darüber nach, wie sie die Stadt verlassen konnten, Godara dachte darüber nach, wie es weiter gehen sollte und Sarion war mit den Ereignissen beschäftigt, welche sich derzeit zu trugen. Es war eine stille Reise, welche sie gerade zurück legten und es wurde ihnen noch stärker bewusst, als sie kurz vor dem Marktplatz abbogen. Hier war für gewöhnlich eine regelrechte Menschenansammlung, welche eine gewisse Geräuschkulisse produzierte. Nun jedoch herrschte eiserne Stille, welche sowohl bedrückend, als auch angsteinflößend sein konnte.

„Sind wohl alle in der Kaserne oder in den Tempeln, vielleicht sogar zu Hause im Keller.“, meinte der Geschichtenerzähler plötzlich, wobei seine Stimme allerdings einen deutlichen Unterton von Resignation aufwies. „Ein Glück, dass die Untoten auch nicht mehr da sind.“
Ariana wandte sich zu ihm um, was der kleine Goblin natürlich nicht sehen konnte, aber sie stimme ihm zu. Die Straßen der Stadt waren wie ausgestorben, gerade so, als wären alle Anwohner geflohen oder aber gestorben. Nur dass sie Untoten völlig verschwunden waren, dass glaubte sie nicht - dafür waren es einfach zu viele gewesen. "Die Stadt wirkt richtig unheimlich und verlassen.", sagte sie als Antwort zu Sarion. "Ich habe kein gutes Gefühl..."
Godara stimmte ihnen ebenfalls zu, wobei er nur ein dafür passendes Brumm-Geräusch von sich gab.

So gingen sie weiter und kamen schließlich an ihrem Ziel an. Die Kaserne lag groß und beeindruckend vor ihnen. Umringt wurde das Gebäude und ein großer Platz davor - welcher wohl zu Trainingszwecken diente - von einem breiten Gitterzaun, der aus unzähligen Eisenstäben bestand, die durch Querverstrebungen zusammen gehalten wurde. Eine große Menschenmenge befand sich auf dem Übungsplatz, dass konnte sogar ein Blinder durch die Geräusche, Gerüche und übrigen Sinneseindrücke erkennen. Die meisten der dort Anwesenden waren allerdings keine Soldaten, sondern einfache Bürger und nur wenige der voll ausgebildeten Wächter waren zu sehen. Ein paar standen an dem Eingang zur Kaserne, andere waren einzeln um die Menge verstreut. Auch wenige Kadetten waren zu sehen, die etwas abseits standen und auf irgendetwas zu warten schienen.

Ariana und Godara konnten erkennen, dass eine weitere in Rüstung gehüllte Gestalt etwas erhöht - wohl auf einem Podium - stand und wild gestikulierend versuchte, die Aufmerksamkeit der versammelten Menschen zu erlangen. "Das er wohl sein muss.", gab Godara leise von sich und zeigte auf den erhöht stehenden Mann. "Mann, der da oben stehen." Ariana wirkte zwar skeptisch, was auch an ihrer Stimme zu hören war, aber doch stimmte sie ihrem Neuzugang bei. "Er scheint eine Ansprache halten zu wollen.", berichtete sie dem Geschichtenerzähler und machte bereits weitere Schritte auf den Eingang zum Platz. Buff schnüffelte und hechelte mit heraushängender Zunge, schloss sich aber der Elfe an. So marschierten sie weiter und kamen schließlich zu den beiden Wächter, die an dem Tor Wache hielten.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Sarion » Donnerstag 4. November 2010, 21:53

Es gab einen Haufen Dinge, die Sarion beunruhigten, und eines dieser Dinge war Stille. Und für jemanden, dem bereits ein Sinn fehlte, war es schlimm wenn der zweitwichtigste Sinn auch verloren ging. Dann fühlte er nur noch den Boden unter den Füßen, roch vielleicht einen Duft oder mehrere und schmeckte die letzte Mahlzeit noch leicht auf den Zähnen. Wäre da nicht das rhythmische Klopfen der Schritte und der eigene Herzschlag, dann hätte ihn die Panik ergriffen. Es war nämlich sein schlimmster Alptraum, eines Tages ohne Gehör aufzuwachen, es hätte seine Verbindung zur Welt dann soweit gekappt, dass nicht mehr viel fehlte, dass er einfach in einen tiefen Abgrund fiel.

Wenn er allein auf Reisen war und es zu still war, dann machte der Goblin sich daran, alte Lieder auf Terkin zu singen oder auch das ein oder andere in Gemeinsprache. Oder er pfiff oder schnipste mit den Fingern. Aber im Moment war er einfach nicht in der Stimmung dafür.
Bald war es mit der Ruhe aus und sie hörten die Geräusche von Kampfübungen, gerufenen Befehlen – zusammen mit diversen Erniedrigungen – und Ächzen und Stöhnen einiger Erschöpfter.
Sarion stellte laut eine Vermutung auf: „Klingt so, als rekrutieren sie eine Miliz, um die Stadtwachen zu verstärken.“ Zu bewerten war das wie die Anstrengungen auf der Mauer: Es zeigte, dass die Lage so ziemlich im Eimer war, aber vollkommen war die Stadt Pelgar auch nicht verloren.

Ariana wies darauf hin, dass jemand versuchte eine Ansprache zu halten. Sarion runzelte die Stirn und fragte: „Der Kommandant?“ Das verblüffte ihn. „Wenn ein militärischer Befehlshaber eine Rede hält, dann sollte das eigentlich anders klingen…“
Ja, wenn ein General aus den alten Epen die Stimme erhob, dann sollte die Erde beben und seine Worte sollten von den Bergen widerhallen. Die Männer mussten aufrecht wie Bäume stehen und von den Worten hypnotisiert die Waffen gen Himmel strecken.
Natürlich war das alles ausgemachter Unsinn und maßlose Übertreibung, aber dass die Leute einfach weiter übten und man vom Vorplatz nicht einmal die Stimme des Mannes hörte, dann ging da definitiv etwas schief.

Während sie am Zaun entlang liefen, streckte Sarion den Zeigefinger seiner Hand aus und zog ihn an den Eisenstäben entlang, wie es kleine Kinder mit Stöckchen taten. Er dachte darüber nach, dem Hauptmann zu erklären, wie wichtig es war, seine Autorität mit starker Stimme Ausdruck zu verleihen, denn der Ausgang dieser Krise hing nicht nur von Muskeln und Stahl ab. Zwar war Sarion kein Stratege und vom Pläneschmieden hatte er keine Ahnung, aber was nützten die besten Pläne, wenn niemand auf den hörte, der sie hatte?
Aber Sarion verwarf diese Idee, denn er würde doch sowieso nur auf Ablehnung stoßen. Allein schon als Goblin als Bote aufzutreten, war riskant genug. In der jetzigen Situation könnte die Anschuldigung entstehen, dass er ein Saboteur war, der Unsicherheit und Unklarheit verbreite.

Sie erreichten den Eingang zum Vorhof und wurden aufgehalten. Sarion ergriff das Wort: „Werte Herren, wir suchen Unterkunft in dieser unsicheren Zeit. Wir waren Besucher des Turniers und kommen nicht aus der Stadt. Unser langer Irrweg führte uns bis zur Stadtmauer, wo man uns in der Lage der Not eine wichtige Nachricht für den Kommandanten Carmara mit auf den Weg gegeben hat. Sie stammt von Hauptmann Höppke.“

Der Geschichtenerzähler fragte sich, ob er jetzt schon die Botschaft wiedergeben musste, damit der Wächter sie weitergab oder ob die Gruppe tatsächlich beim Kommandant persönlich aufwarten würde.

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Re: In der Kaserne

Beitrag von Gestalt » Dienstag 14. Dezember 2010, 07:25

Endlich hatten sie die Kaserne erreicht. Es musste Sarion wie eine kleine Ewigkeit vorgekommen sein, vor allem da sie kaum ein Wort miteinander gewechselt hatte. Stillschweigend hatte sie den Weg hinter sich gebracht und jeder hatte seinen eigenen Gedanken nachgehangen. Keiner seiner Begleiter hatte auch nur im entferntesten daran gedacht, dass es für den blinden Goblin wohl noch eine größere Qual war wenn er nichts hören konnte. Zudem war es in ihrer unmittelbaren Umgebung ebenfalls ziemlich ruhig gewesen, denn die Bewohner der sie umgebenden Häuser hatten sich versteckt, waren geflohen oder hatten sich in ihrem Eigentum verschanzt, sodass niemand - außer der kleinen Gruppe selbst - unterwegs gewesen war. Doch nun waren sie an der Kaserne und der Geschichtenerzähler konnte die dortigen Geräusche vernehmen. Er hörte wie Leute stöhnten und ächzten, gerade so als würden sie schwerste körperliche Arbeit verrichten, wie sich andere einfach nur unterhielten oder wie wiederum andere trainierten.

Ariana und Godara berichteten ihm, wie sie eine weitere Gestalt, etwas erhöht stand und offenbar versuchte eine Rede zu halten, dann erreichten sie auch schon das Tor zum Kasernenplatz, welches von zwei Wächtern gesäumt wurde.
„Werte Herren, wir suchen Unterkunft in dieser unsicheren Zeit. Wir waren Besucher des Turniers und kommen nicht aus der Stadt. Unser langer Irrweg führte uns bis zur Stadtmauer, wo man uns in der Lage der Not eine wichtige Nachricht für den Kommandanten Carmara mit auf den Weg gegeben hat. Sie stammt von Hauptmann Höppke.“, berichtete er den Männern, als diese sie aufgehalten hatten.
Die Soldaten schauten sich an.
"Woher sollen wir wissen, dass du nicht ein Spitzel der dunklen Armee bist, die uns belagert?", fragte der eine mit sicherer und fester Stimme.
"Wobei, wenn du eine Nachricht für den Kommandanten hast...", merkte der andere an.
"Trotzdem kann er ein Spion oder Saboteur sein. Er braucht seine Rolle nur gut spielen.", erwiderte der erste.
"Aber er kennt den Namen des Befehlshabers am Stadttor!", meinte der Zweite und fügte noch an: "Und außerdem wird er von einer Waldelfe begleitet. Die helfen wohl kaum der dunklen Armee!"

Nachdenklich legte der erste Soldat seine Hand an sein Kinn. Offenbar dachte er über die Argumentation seines Kollegen nach. Für die Sehenden der kleinen Gruppe hatte es den Anschein, als wäre er hin und her gerissen und als wüsste er nicht, was er machen sollte.
"Nun, werte Soldaten, ich kann Euch versichern, dass wir nichts mit der Armee vor den Toren zu schaffen haben und dass mein Freund hier die Wahrheit bezüglich der Nachricht von Befehlshaber Höppke gesagt hat.", mischte sich nun auch Ariana ein. Die Blicke der beiden Soldaten wanderten von Sarion zu ihr, aber doch zeigten sich Zweifel bei dem ersten Wächter. "Ich bürge für meine beiden goblinischen Begleiter!", fügte die Elfe noch an und nickte den Wächtern freundlich zu.
"Mhhh... nagut.", meinte der Erste und machte den Weg zum inneren Hof frei. "Tretet ein, aber sollte uns auch nur die kleinste Kleinigkeit bei Euch auffallen, dann seht Ihr euch im Kerker wieder."

Das nächste Hindernis schien überwunden zu sein und so betraten sie den vollen Hof der Kaserne. Hier hatten sich viele Menschen zusammen gefunden, einfache Bürger, welche Angst hatten, Soldaten der Stadtwache und des pelgarischen Heeres, welche trainierten oder bereits ihre Aufmerksamkeit zu ihrem Hauptmann gerichtet hatten. Auch Händler und andere Turnierteilnehmen hatten sich hier eingefunden, um ihre Hilfe anzubieten. Kurzum der Hof war ziemlich überfüllt, aber doch konnte man sich noch bewegen. Viele der hier Anwesenden standen dicht gedrängt in der Mitte und schienen darauf zu warten, dass Hauptmann Carmara etwas sagte und schon konnten Sarion, Godara und Ariana seine tiefe, feste, laute, aber doch beruhigende Stimme vernehmen, als er zu sprechen begann. Augenblicklich legte sich eine Stille über die Anwesenden, als hätte ein zyranischer Mager eine Stillezone über die Menschen gelegt. Alle hielten mit dem inne, was sie gerade taten und wandten sich dem erhöht stehenden Mann zu.
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Re: In der Kaserne

Beitrag von Sarion » Dienstag 28. Dezember 2010, 16:20

Sie hatten zwar die Kaserne erreicht, aber die zwei Wächter ließen sie vorerst nicht durch. Der wortgewandte Sarion beschloss daher zu schweigen und die Vorwürfe des zweiten Soldaten einfach über sich ergehen zu lassen. Sollte er sich einmischen, an die Vernunft der Soldaten appellieren oder die Wichtigkeit der Botschaft betonen, machte ihn das nur noch verdächtiger. Während er stoisch da stand überlegte er sich Alternativen, falls ihnen wirklich der Zutritt verwehrt wurde. Reinschleichen? Unmöglich. Bestechung? Er hatte zwar jetzt zwei Drachmen, aber es würde ihn - sofern die Gier der Wächter nicht überwiegte - als tatsächlichen Spion brandmarken. Er suchte in Gedanken nach irgendetwas anderes als den Namen des Hauptmannes, das die Männer überzeugen könnte.
Zum Glück griff Arianna ein. Als Waldelfe war sie weitaus vertrauenserweckender und als sie als Bürge für die beiden Goblins eintrat, mussten die beiden Wächter einfach nachgeben.

Sie betraten den Vorhof der Kaserne. Es hatte sich eine große Menschenmenge hier versammelt. Viele Bürger der Stadt wollten sich bewaffnen und die Stadt verteidigen. Männer und Frauen trainierten den Umgang mit Waffen und andere unterhielten sich über Strategien, um die Stadt zu verteidigen, andere wiederum über die Versorgung mit Lebensmitteln, Feuerholz und Wasser und die Entsorgung der Untoten und ähnlichem, denn die Stadt war ja von der Außenwelt abgegrenzt und der Belagerungsring war, wie der Goblin erfuhr, vollkommen dicht.
Wenn Sarion das überlebte, so würde er die Geschichte der tapferen Bewohner Pelgars verbreiten. Aber vorerst mussten sie bis zum Kommandanten Carmara vorstoßen. Und vermutlich ebenso die Leibwache dieses Mannes davon überzeugen, dass sie nichts Böses wollten. Vielleicht war es ratsam, Arianna alleine vorzuschicken?
Aber bevor er Gedanken in diese Richtung äußern konnte, da wurde auf einmal alles still. Er versuchte die Ursache davon herauszuhören und stellte fest, dass doch jemand damit anfing, eine Rede zu halten. Scheinbar hatte Sarion die Fähigkeiten des Kommandanten als Orator doch ein wenig unterschätzt.
Er besaß zumindest die Fähigkeit, die Leute zur Ruhe zu bringen. Gespannt wartete der Goblin darauf, was er den Leuten vermitteln wollte und wie er dabei vorging. Er flüsterte zu Ariana und Godara: „Ich glaube, nach der Rede wird er sich gleich wieder seinen übrigen Aufgaben widmen. Wir müssen ihn also vorher abfangen, wenn wir ihm die Nachricht zügig überbringen wollen.“

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