Wo alles beginnt...

Verschiedene Baustile finden sich in Jorsan. Vom einfachen Fachwerkhaus über einstöckige, kastenförmige bis hin zu kleinen Nobelhäusern ist hier alles anzutreffen. Jorsaner Architekten wollen scheinbar jede Kultur zum Teil ihrer Stadt werden lassen.
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Delilah
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Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Montag 18. Juni 2012, 23:18

[EInstiegspost]

Mit angewinkelten Beinen saß Delilah auf den abgetretenden Treppenstufen vor ihrer Haustür und beobachtete das Treiben auf der Straße. Dicht an dicht drängten sich die Häuser zu beiden Seiten. Manche sahen schon so windschief aus, so dass Delilah ganz froh war, dass die anderen Häuser neben ihnen standen und sie stützten. In ihrer Straße herrschte ein kunterbuntes Gemisch an Kulturen, Stilen, Sprachen und Farben. Herrlich! Es war früher Morgen und langsam begannen sich die Leute auf den Weg zu ihrer Arbeitsstätte zu machen.
Etwas war anders als sonst. Und irgendwie war doch alles wie immer. Die Leute grüßten sie und Delilah lächelte freundlich zurück. Delilah kannte hier alles, jeden Stock und jeden Stein. Dahinten verließ gerade die alte Reyna ihr Haus um wie jeden Morgen zum Friedhof zu gehen, dort drüben machten die Zwillinge, die schon 17 waren, sich kichernd auf den Weg zur Schule ... und in wenigen Augenblicken würde Rebecka kommen, rennend um die Ecke geschossen, wenn man es genau nahm, damit sie zusammen zur Schule gehen konnten. Hier in dieser Straße war sie aufgewachsen, hatte ihr gesamtes Leben verbracht. Diese Straße könnte ihr Leben erzählen, hatte alles beobachtet. DIe schönen und die traurigen Momente. EIn merkwürdiges Gefühl, die Straße als Begleiter zu sehen. Alleine die Treppe hier vor ihrer schweren Holztür. Was hier alles passiert war. Deliah grinste, als sie den Kopf auf einer Hand abstützte. Sie mochte ihr Haus, es war klein und gemütlich, strahlte in hellen Farben und sie mochte es, dass man von draußen die Holzbalken in der Wand sehen konnte. Und hier auf diesen Treppenstufen, an die eisenbeschlagene Holztür gelehnt, saß sie jeden Tag und wartete auf Rebecka, ihre beste Freundin. Hier auf diesen Treppenstufen hatte sie als kleines Mädchen freudestrahlend ihren Vater begrüßt, wenn er nach Hause kam, hier auf diesen Treppenstufen war ihre Mutter zusammengebrochen, hier auf diesen Treppenstufen... Da wurde Delilah aus ihren ungewöhnlich trübsinnigen Gedanken gerissen, denn Rebecka kam um die Ecke gefegt, wie immer ein bisschen zu spät. Lachend sprang Delilah auf und nahm ihre Freundin bei der Hand. Schon rannten die beiden weiter. Rebecka war viel größer als sie, strohblond, blauäugig, dürr und hatte die Fähigkeit immer zu spät zu kommen. Sie trug ein wenig abgewetzte Kleider, ihre Familie hatte nicht so viel Geld. "Was war diesesmal los?" Grinsend lief Delilah voran durch die Straßen, ihre braunen Augen blitzten belustigt, als Becki erwiderte: "Das Übliche; verschwundene Schuhe, schwanzwedelnde Nachbarshunde und kleine Schwestern." Rebecka hatte zwei kleine Schwestern und einen großen Bruder, der zum Kunstschmied ausgebildet wurde. Bei ihr war immer etwas los. Delilah war oft bei ihr und sie war gerne dort, doch sie genoß es auch wieder in ihr ruhiges Heim zurück zu kehren. Die beiden liefen noch eine Weile in erhötem Tempo, bis sie die anderen Schüler endlich eingeholt hatten. Lachend und schwatzend gingen sie nun etwas langsamer, sie würden schon nicht zu spät kommen.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Montag 16. Juli 2012, 02:44

Der Morgen, hatte wie so viele zuvor auch begonnen und zum Glück, war heute recht gutes Wetter. Dies und ihre strahlende Freundin, vertrieben ihre anfänglich düsteren Gedanken.
Delilah hatte absolut kein Problem damit, den anderen Kindern zu folgen, immerhin kannte sie diese Wege wie ihre eigene Westentasche. Plappernd und versunken in Tagträume, brachten sie den Weg zur Schule viel zu schnell hinter sich. Obwohl sie wissbegierig und lernfreudig war, so mochte sie es nicht sonderlich, auf der Bank in der Schule still zu sitzen und den Lehrern zu zuhören, wie sie meistens Monologe führten und das Wissen von den Schülern abfragten.
Der heutige Unterricht begann wirklich mehr als langweilig, es stand Lesen und Schreiben … wie gern würde sie jetzt mit Becki zusammen, draußen auf dem Schulhof toben. Aber wie immer, vergingen die Stunden bis zur Pause nicht schnell genug. Denn danach, stand noch schwierigeres Rechnen auf dem Stundenplan. Dass sie beide das Privileg bekamen, überhaupt zur Schule gehen zu können und zu dürfen, war ihnen natürlich nicht bewusst, aber das waren auch keine Gedanken, deren Kinder sich bewusst sein sollten.
Es fühlte sich wirklich wie eine Ewigkeit an, aber danach, hatten sie es geschafft. Die Pause rief die ganzen Klassen nach draußen, auf den großen Hof. Die Schule selber, lag eher im eine Randbezirk der Stadt, damit genügend Platz für alle war, denn Jorsa war keine kleine Stadt. In diese Schule ging immerhin viele Kinder, es gab hier mindestens vier Klassen, in denen aber auch durchaus ältere und Jüngere Kinder zusammenlernten. Das hatte zumindest den Vorteil, dass die Älteren den Jüngeren helfen konnte, was manchmal viel besser war, wie dem Lehrer aufmerksam zuhören zu müssen.
Das Außengelände war abgegrenzt durch einen halbhohen Holzzaun, der meist mit hübschen Blumenranken bewuchert war. Im Gegensatz zum Rest des Viertels, in dem die Mittelschicht der jorsaner Bürger lebte, standen hier auch verhältnismäßig viele Bäume. Es gab einen Bolzplatz für die Jungs, kleine hölzerne Häuschen für die Mädchen, einen Bereich mit Sand, meist von den Jüngsten genutzt und des Öfteren standen hier und dort Sträucher, die prima zum Verstecken genutzt werden konnten. Zweckmäßig wurde das Gelände durchaus auch genutzt. Um die Kosten für den Schulalltag mit decken zu decken zu können, wurde ein Teil dafür verwendet, dort einen Nutzgarten anzulegen, in dem die Schüler mithelfen mussten. Zudem gab es auch noch einen See und beides konnte wunderbar in den Unterricht mit eingebunden werden.
Nach der Pause stand nämlich auch Naturkunde an, so konnte Delilahs Klasse auch gleich draußen bleiben. Nachdem sie schon die letzten Zehntage kennen gelernt hatte, welche Pflanzen an und im Wasser wuchsen, waren nun die Tiere dran. Dieses Mal durften sie sogar in kleinen Grüppchen zuerst selber den Teich und die Ufer erkunden, welche Tiere sie hier entdecken konnten.
Üblicherweise gingen die Schulstunden viel zu schnell vorbei.
Als Letztes, war für heute ihre Klasse dran gewesen, sich um den Garten zu kümmern. Dies war eine verantwortungsvolle Aufgabe, der im Allgemeinen alle gerne nachkamen … ja, sie waren alle stolz auf den Garten und die guten Ergebnisse, so schmeckte übrigens auch das Essen gleich viel besser.
Nach der Schule, sollte Delilah auf direktem Wege nachhause kommen, denn ihre Großmutter hatte noch eine Überraschung für sie.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Montag 16. Juli 2012, 03:47

Ja, Jorsan legte viel Wert auf die Ausbildung seiner Jugend und das Schulsystem war einzigartig in Celcia. Ein Jeder konnte die Schule besuchen, dafür war nur ein kleiner Beitrag im Jahr nötig, der keine Familie in eine finanzielle Krise ziehen würde. Nächstes Jahr würde Delilah die Pflichtjahre beendet haben, junge Jorsaner ab dem 15 Lebensjahr konnten sich dann bereits dafür entscheiden, die Schule zu verlassen und einen Beruf zu erlernen. Viele ergriffen diese Chance um im familieren Geschäft zu arbeiten. Wer wollte konnte noch zwei weitere Jahre lernen, die Zwillinge also waren einige der ältesten Schüler, die sogar in manchen Grundkentnissen einiger Magiearten unterwiesen wurden, hauptsächlich in die der Lichtmagie. Ein Kind sollte sich glücklich schätzen in einem Land wie diesem aufzuwachsen und die Chance zu bekommen lernen zu dürfen.
Aber Delilah tat das im Moment ganz und gar nicht. Ihr war langweilig. Todlangweilig. Sie sollten einen Aufsatz über ein geschichtliches Ereignis Celcias schreiben. Die Schüler waren alle erstaunlich gut informiert, denn der Schule wurden die Bücher der Bibliothek häufig zu Lehrzwecken ausgeliehen. Becki, die neben ihr saß, schrieb über den Fluch Belfas, über die Wüsten- und Waldseite dieser Insel. Lilah musste nicht lange überlegen, wenn sie über etwas Bescheid wusste, dann war es die Geschichte über den Eisdrachen. Sie hatte in ihrer schönsten Schrift alles aufgeschrieben und war lange vor den meisten fertig, kannte sie den Wortlaut der Legende doch fast auswendig. Nun blickte sie sehnsüchtig nach draußen, aber nachher würde sie ja eine Weile dort verbringen, im schuleigenen Garten.
Mit etwas das nach einem Freudenschrei klang stürzte Delilah in das kleine Eckchen des Hofes in dem die Pflanzen gediehen. Kohlrabi, Petersilie, Karotten, Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Blumenkohl - alles was für eine schöne Mahlzeit nötig war wuchs prächtig. Manch ein Kind, wie Rebecka, deren Eltern nicht ganz so viel einnahmen und deren Speiseplan nun etwas eintöniger aussah, schielten sehnsüchtig hinüber. Aber bei Lilah und Becki war es ja schon seit Menschengedenken Tradition, dass Becka einmal die Woche zum Mittagessen kam. Das war wieder übermorgen, Oma Resa würde bestimmt wieder etwas besonders Leckeres zubereiten. Ja, Delilah verlebte eine sorglose Kindheit.
Während die ersten Stunden sich zu dehnen und zu strecken schienen, dass man die Zeit unter der Last zu ächzen hören glaubte, verflog sie nun wie im Fluge. Scherzend und lachend, mit den Händen in der Erde und den Eimern voll Wasser machte dieser Teil der Schule den Schülern am meisten Freude. Das sie der Schule damit halfen, war nur ein schöner Nebeneffekt. DIe Expedition zum Schulteich entpuppte sich als das reinste Abenteuer, ein Mädchen schrie wie am Spieß als ein Junge ihr einen Frosch in die Hand drückte und der Junge fiel in den Schulteich als der Frosch ihm im Nacken landete. Es bedarfte strenger Worte der sonst so liebreizenden alten Lehrerin, alle setzten brav die reuevollen Minen auf und lachten umso mehr als sie sich auf den Nachhauseweg machten.
Es war wieder so ein Tag an dem Delilah mit funkelnden Augen die heimische Tür erreichte. Mit einem strahlenden Gesicht betrat sie - bereits barfuß - die Wohnstube. Sie hatte sich sofort auf den Heimweg gemacht, nicht getrödelt und Rebecka nur schnell ein "Auf Wiedersehen" zu gerufen. Nun klang ihre fröhliche Stimme durchs Haus. "Ich bin da! Ach, Oma, es war ein so schöner Tag!"
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Gestalt » Dienstag 21. August 2012, 05:56

Wie immer hatten sich Langeweile und Freude mit Neugier und Wissensdurst abgewechselt. Zum Glück war heute einer der Tage gewesen, an denen es Spaß machte, zur Schule zu gehen. So hatte sie viele Eindrücke gesammelt und konnte ihrer Großmutter umso mehr davon berichten und, sie hatte noch etwas, was sie ihr mitbringen konnte, ein tolles Rezept.
Dank das schuleigenen Gartens und dem frischen Gemüse, was geerntet werden konnte, gab es mindestens einmal in der Woche auch ein neues Rezept, welches eine Klasse nachkochte und somit den anderen Schülern servierte. Da dies unter Aufsicht geschah, gab es selten Aussetzer, wenn gleich diese meist sehr abenteuerlich waren oder lustig, wenn die Scherzkekse einer jeden Klasse geschickt genug waren. Die Rezepte waren einfach, aber sehr lecker, so dass jeder Schüler dies alleine nachkochen konnte. Heute hatte es Rahmkohlrabi mit Muskatnuss an Erdäpfeln gegeben.
Ein weiteres Blatt also, um die kleine Kiste zu füllen, in der Delilah zusammen mit ihrer Oma alle Rezepte aufbewahrten, derer sie habhaft werden konnten. Besonders an regnerischen Tagen, war dies ein netter Zeitvertreib, wenn beide zusammen am Tisch saßen und aus einem banalen Stück Papier eine wundervoller Erinnerung wurde … dafür kaufte ihre Großmutter sogar immer extra ein Blatt Pergament, so viel musste sein.
Kaum hatte Delilah das kleine Gatter, welches zum Vorgarten einlud, hinter sich ins Schloss geschmissen, schon waren die Schuhe aus, irgendwohin ins Grün geworfen und nackte Füße flogen über die runden, abgeschliffenen Kiesel, durch die hier und da wieder das Gras lugte. Wie fast immer, musste sie doch noch mal zurück zum Gatter laufen, weil es nicht im Schloss blieb. Leider hatte sie noch nicht heraus finden können, weswegen es mal verschlossen blieb und mal wieder heraussprang. Beiläufig huschte der Gedanke durch ihren Kopf, dass es bald wieder Zeit werden würde, den Garten auf Vordermann zu bringen. Keine unbedingt bevorzugte Aufgabe, aber was sein muss, musste sein.
Noch bevor sie die Haustür erreichte, versperrte ihr der gutmütige ältere Hund den Weg, wie immer an jedem Tag, an dem seine Freundin aus der Schule kam und wie jeden Tag, musste sie sich Mühe geben, nicht über ihren vierbeinigen Freund zu stolpern. Er nahm sich einfach das Recht heraus, als erster begrüßt und gestreichelt zu werden, erst dann gab er Ruhe und war vorerst glücklich. Die Ruhe hielt meist nur ungefähr zwei Stunden an, bis Delilah mit ihm spielen musste und die beiden Stunden waren schon eine kleine Qual für ihn, aber Hausaufgaben und ein wenig Hausarbeit gingen vor.
Wie ein Wirbelwind ins Haus gestürmt, begrüßte sie voller Freude ihre Granny, die sich aber weder bei der Kochstelle, noch im Wohnraum aufhielt, beides befand sich ebenerdig und war recht gemütlich eingerichtet, etwas urig, aber das machte den Charme des Ganzen aus. Über dem Kochfeuer hing wie jeden tag um die dieselbe Zeit ein kleiner Teekessel, der gerade pfiff und damit kundtat, dass das Wasser am Kochen war. Oft hatte Delilah sich gefragt, wie ihre Großmutter dies hinbekam.
Auf dem großzügigen, alten Holztisch, der viele Geschichten zu erzählen hatte, stand ein bisschen Gemüse, welches hübsch angerichtet mit ein paar Kräutern und einem Kräuterquark dazu einlud, verspeist zu werden. Die nächste warme Mahlzeit gab es erst wieder am frühen Abend, da Delilah schließlich ein warmes Mittagsmahl in der Schule bekam.
Die Räume hier unten dufteten ganz wunderbar, da ihre Großmutter frische Kräuter zum Trocknen aufgehängt hatte. Jedes Jahr wiederkehrend, dachte ihre Granny frühzeitig an die kalte Jahreszeit und was es dafür im Vorfeld zu erledigen gab.
Vom Kochbereich gingen noch eine Vorratskammer und der Waschraum ab, in dem sogar ein Badezuber stand. Das hatte den großen Vorteil, dass Delilah nicht so weit laufen musste, um diesen mit warmen Wasser zu füllen, gerade auch in der kalten Jahreszeit, ein ungemeiner Luxus.
Von oben erschallte die freudige Begrüßung zurück. Vermutlich legte sie gerade Wäsche zusammen oder putzte ein wenig die Zimmer oder dekorierte oder tat, was sonst halt getan werden musste. Denn ihre Granny hatte stets den Satz auf den Lippen ‘Jeder noch so lästigen Arbeit, lässt sich etwas Gutes und Spaß abgewinnen, man muss es nur richtig anpacken’.
Delilahs Großmutter war noch lange nicht an einem Punkt angekommen, an dem sie gedachten, kürzer zu treten, aber warum auch, mit ihren 59 Herbsten, war sie noch außerordentlich fit. Dafür hatte sie ihre eigenen kleinen Hausmittelchen, Rituale und kleinen sportlichen Betätigungen. Trotz all’ der Dinge, die im Haus und drum herum erledigt werden mussten, stand immer pünktlich das Essen auf dem Tisch und Zeit für ihre Enkelin hatte sie natürlich auch.
“Liebes, iss schnell, dann zieh dich um und dann machen wir uns auf den Weg”, drang die warme Stimme an ihr Ohr. “… und bevor du fragst …das wird eine Überraschung.” Sie konnte ja so gemein sein.
Eine Etage höher wurde eine Tür geschlossen, leise Schritte waren auf dem Flur zu hören und dann das vertraute Geräusch der knarrenden Holztreppe.
“Bevor ich es vergessen, Hände weg vom Kuchen…”, ermahnend hatte sie den Zeigefinger erhoben, denn sie wusste nur zu gut, wie gerne ihre Enkelin vom Kuchen naschte. “… den gibt es erst morgen, wenn Rebeka kommt.”
Sie schritt an Delilah vorbei und setzte frischen Kräutertee auf, den sie dann zur Zwischenmahlzeit reichte. Dann setzte sie sich.
“Aber nun erzähl’, wie war es heute? … wie ich deinem Strahlen entnehmen kann, lief es wohl ganz ausgezeichnet?!”
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Freitag 31. August 2012, 20:41

Kaum hatte Delilah die heimischen Hallen betreten, umhüllte sie der köstliche Geruch von Omas selbstgebackenem Kuchen.
Tief sog sie den Duft ein und ärgerte sich, dass sie ihn erst morgen probieren würde dürfen, wenn Becky zum Mittagessen kam.
Die gewohnten Gerüche, Geräusche und Räume empfingen sie. In der Küche pfiff der Tee, der wie von Zauberhand immer pünktlich fertig wurde, im Wohnzimmer stand eine Kleinigkeit zu essen und von oben erschallte die so geliebte Stimme der Großmutter.
Delilah umgab eine Aura reinster Zufrieden- und Geborgenheit und sie liebte alles in diesem Haus.
Vom obersten Dachboden in dem die Katzen ihre Jungen bekamen über die knirschenden Stufen, die Granny gerade nutzte, bis hin zum gut gepflegten Garten gab es nicht was sie hätte ändern wollen.
"Aber Granny!", gab Delihs bestürzte Antwort, die bereits seit dem gestrigen Abend die Neugier quälte.
Kurz darauf wäre beinahe der selbe Satz ertönt, als sie erneut aufgefordert wurde nicht vom Kuchen zu naschen.
Stattdessen steckte sich das Mädchen flink ein Stück Karotte mit Quark in den Mund.
Je eher sie fertig wurde, desto schneller würde sie von ihrer Neugier befreit!
Doch der "Ärger" über die nagende Neugier war schnell vergessen,
als Delilah lachend von ihrem Schultag erzählte und der Teller mit dem Gemüse sich rasant leerte.
Mit einem "Und dann fiel er in den Teich!" verschwand die letzte Gurkenscheibe in ihrem Mund.
Schnell wurden Teller und Tassen abgespült und einer blondgelockter Wirbelwind verschwand die Treppe hinauf.
In ihrem Zimmer hielt sie kurz inne.
In ihrem Kämmerchen schien von morgens bis abends die Sonne und erhellte so ihr liebevoll eingerichtetes Reich.
Ein Bett aus stabilem dunklen Holz mit weichem Kissen und warmer Decke standen rechts neben dem Fenster, es war wie immer frisch gemacht.
Am Fußende stand eine kleine Komode in dem sich ein wenig frische Wäsche und Delilahs Kostbarkeiten, drei eigene Bücher und allerlei Krimskrams, befanden. Darauf lag ein gehäkeltes Zierdeckchen, Delilahs erster Versuch vor einigen Jahren, es sah grauenhaft aus, gehörte aber seit diesem Tag fest zum Möbiliar dazu. Unter dem Fenster gab es einen kleinen Tisch auf dem eine kleine Kerze stand, während noch ein aufgeschlagenes Buch und eine Zeichnung auf Papier herumlagen, und dem dazugehörigem Stuhl. Darüber hing bereits Delilahs gutes Kleid, eines aus festem hellroten Leinenstoff. DIe Ärmel waren über den Schultern etwas weiter, doch darunter befanden sich engere bis zum Handgelenk laufende weiße Ärmel, der Ausschnitt ließ dem Hals genug Freiraum und war mit, wie der Rocksaum, mit einer weißen Borte verziehrt.
Es hatte vor kurzem angeschafft werden müssen, denn aus dem Alten war Delilah rausgewachsen, als sie "endlich" in die Höhe schoß, während sich auch andere Körperteile weiterentwickelten, was die Jungs ihrer Schule auf den Lockenkopf aufmerksam machte.
Flink schlüpfte sie in das Kleid, das wie angegossen passte und stürmte die Treppen hinunter.
"Können wir los, Granny? Bitte?" Die Neugier machte sie noch zappeliger als sie es sonst schon war.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. September 2012, 06:23

Nachdem alles gesäubert und aufgewaschen war, machte Delilah sich ans Umziehen, denn die Schulkleidung war schließlich nur dafür bestimmt, da kannte Granny nichts. In gewissen Dingen musste alles seine Ordnung haben.
Während des Umziehens, konnte sie bemerken, dass ihre Großmutter ihr neue Blumen ins Zimmer, auf ihren Nachtschrank gestellt hatte. Ein schöner Strauß Schnittblumen, aus dem Garten, mit den schönsten Farben, die die Jahreszeit zu bieten hatte … besonders schön in im Sonnenschein zu betrachten, da die goldenen Strahlen die Farben erst richtig zur Geltung und damit zum Strahlen brachten und der Duft erst, der ihr Zimmer erfüllte.
Beide Fenster waren weit geöffnet und die herrlichen Düfte des Gartens erfüllten seit den frühen Morgenstunden schon ihr Zimmer. Zahlreiche Topfblumen standen auf der Fensterbank und reckten ihre zarten Blütenköpfe ich Richtung Sonne. Wenn sie es recht bedachte, das beste Zimmer in der ganzen Stadt, natürlich neben dem ihrer Großmutter, diese hatte es nur gern etwas schattiger, weswegen eine große Weide vor ihrem Fenster stand. Vielleicht ward as auch nur ein Vorwand dafür, um all die lieblichen Singvögel in ihrer Nähe zu haben, denn Granny sang für ihr Leben gern.
Hastig hatte Delilah ihr recht neues Kleid über geworfen und war wieder die knarrende Treppe hinunter gerannt. Eine Antwort auf ihre Frage erschallte aus dem Aufenthaltsraum.
“Ich bin gleich soweit … nun Hetz doch nicht so, wir haben noch genügend Zeit.” Sprach die überaus geduldige ältere Dame und packte in Seelenruhe weiter ihren Korb.
Anscheinend hatte sie vor, ein wenig Gemüse, Obst und sogar ein paar Eier zu verkaufen. Oben auf kamen jedenfalls noch mehrere, zu Sträußen gebundene, Blumen.
Ihre Großmutter kam gemäßigten Schrittes hinein und drapierte ihr Tuch im ihre Schultern, ein Blich auf Delilah und mit einem Lächeln deutete sie zur Tür hinaus.
“Gehen wir …”, sie schloss die Tür sorgfältig zu und verstaute den Schlüssel am Mieder, da war er bestens aufgehoben. Überhaupt konnte Frau so allerlei an der Unterwäsche befestige und oder verstauen.
Der Weg, den beiden nahmen, führte sie aus dem idyllischen Eckchen des Viertels, hinaus auf die belebten Hauptstraßen der Stadt. Es war gerade nachmittags und überall herrschte geschäftiges Treiben.
Viele Händler bevölkerten, in ihren durchaus bunten Gewändern, die Stadt. Hier und a sah man Boten, die emsig wie Ameisen, ihren Aufträgen nachkamen. Bereichert wurde die Masse noch durch unzählige Arbeiter, in braunen Kitteln, Landarbeiter und Bauern, mit Karren voller Säcke und kleineren Herden von Nutztieren, die allesamt zum Markt pendelten. Hier und da sichtete man ebenfalls Abenteurer, kleine Gruppen von Gelehrten, Priestern, Heilern und natürlich, nicht zu vergessen, die allgegenwärtigen kleineren Gruppen der Miliz, die für Recht und Ordnung sorgten.
Auf dem Markt angekommen, orientierte sich Granny und steuerte dann zielstrebig, auf er echten Seite des Marktes entlang, auf kleinere Krämer zu, die ihren Sitz fest in den Läden hatten. Sie war dort schon Zeit ihres Lebens bekannt und seit ihrer Kindheit, verkaufte sie dort Selbstproduziertes, so dass genügend Geld in den Haushalt kam. Seitdem Delilah so langsam auf das Ende der Schulzeit zuging, verkaufte sie dort immer mehr, aber so hatte ihre Großmutte3r wenigstens genügend zutun und musste sich nicht langweilen … obwohl das so, auch noch nie vorgekommen war. Sie hatte Delilah schon früh als Kind vermittelt, dass es auch mal gut war, nichts zu tun, das brauchte der Mensch nämlich genauso, wie das Arbeiten und so kam es, dass die beiden zusammen sehr gerne draußen im Garten unter den im Licht schimmernden Bäumen oder drinnen auf Fellen vor dem Kamin lagen und die Ruhe genossen oder sich gegenseitig Geschichten erzählten.
Es dauerte etwas, aber die ‘Dinge’ aus dem Hause waren schnell verkauft. Immerhin wussten die Händler, was sie dort eigentlich kauften und die Qualität wussten alle zu schätzen … ja, die Waren waren immer schnell vergriffen.
Delilah wusste immer noch nicht so recht, wo ihre Großmutter sie eigentlich hinführte und was die Überraschung war … ihre Neugierde wuchs schon fast ins Unermesslich, was ihrer Granny nicht verborgen blieb. Schmunzelnd zog sie ihre Enkelin quer über den Markt, vorbei an allerlei Ständen, Karren, Händler, Einkaufenden, und, und, und. Es war wie immer, ein lauter und bunter Markt, auf dem es tatsächlich so allerhand zu entdecken und aufzustöbern gab.
Ungefähr bei der Mitte, die sie schon über den Markt zurückgelegt hatten, blieb ihre Großmutter plötzlich stehen und drehte sich zu Delilah um.
“Schließ die Auge Liebes, … und nicht schummeln … es ist ja eine Überraschung.”
Wenn Delilah nun als endlich wissen wollte, was es war, so musste sie das wohl oder übel, über sich ergehen lassen. Vermutlich tat sie ihrer Großmutter gerne den Gefallen.
Es dauerte gefühlt eine Ewigkeit, bis sie anscheinend am Ziel waren, aber die Erlaubnis bekam sie noch nicht, ihre Augen öffnen zu dürfen. Sie konnte hören, wie eine Tür geöffnet wurde, dann feine Glöckchen erklangen und ihre Schritte auf hölzernem Boden erklangen. Wenige Schritte wurde sie noch weiter geführt, ehe sie angehalten wurde.
“Nun darfst du deine Augen aufmachen…”, voller Erwartung blickte ihre Großmutter sie an.
Wenn Delilah sich umsah, wurde ihr sofort klar, dass sie zum Stoffhändler geführt worden war.
An allen Wänden stapelten sich die Ballen bis zur Decke und in der Mitte des Raumes, standen mehrer Tische, auf denen kleine Ballen, Reste und Besonderheiten ausgelegt waren.
Noch ehe sie reagieren konnte, fiel ihre Granny ihr ins Wort.
“Ja, du ahnst richtig … du darfst dir Stoff aussuchen, für ein weiteres Kleid.” Mit einer weit ausladenden Geste, zeigt sie ins Geschäft.
“Sieh’ dich ruhig um und wähle, was dir gefällt, alles ´Weitere, schauen wir dann.”
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Donnerstag 27. September 2012, 21:49

Tjaja, die Jugend hatte es halt eilig, ihr war wohl nicht bewusst wie viel Zeit sie noch hatte.
Hibbelig stand Delilah neben ihrer geliebten Großmutter. Sie liebte einfach alles an ihr; vom weißen immer nach Lavendel duftenden Haar über die warmen, verständnissvollen blauen Augen bis hin zu ihrer Stimme. Jede einzelne Falte, die sich langsam in Grannys Gesicht schlichen, gehörte zum vertrauen Bild.
Ein warmes, wohliges Gefühl breitete sich in Delilahs Brust aus. Zuhause war es halt immer am schönsten.
Schon etwas ruhiger betrachtete sie die ältere Frau, ihr Blick fiel kurz auf den bis oben gefüllten Korb. Sie wollte also die Haushaltskasse auf dem Markt wieder auffrischen. Granny war dort schon bekannt dafür, dass ihre Ware immer ohne Mängel und mit Sorgfalt ausgewählt war.
Als endlich "das Zeichen zum Aufbruch" gegeben war, konnte sie wieder gar nicht schnell genug am Gartentor sein.
Doch als sie schließlich die Straßen entlang hinein ins Stadtzentrum liefen, passte sich das Mädchen ohne ein Wort des Klagens dem Schritt ihrer Großmutter an.
Es war recht kühl draußen, Delilah hatte sich ein Tuch um die Schultern gelegt, und der leichte Wind verwirbelte ihr blondgelocktes Haar.
Und doch waren die Straßen wie immer gut gefüllt. Händler, Handwerker, Bauern, Heiler und Millitär brachten dem geschäftigen Bild den passenden Ton.
Sie liebte es zusammen mit ihrer Großmutter so durch die Straßen zu laufen, überall traf sie Freunde und Bekannte, auch unter den Händlern und Arbeitern, denn schon als kleines Kind hatte ihre Granny sie oft mitgenommen, aber Delilah hatte sich auch selbst viele Freunde mit ihrer offnenen, fröhlichen Art gemacht.
Endlich erreichten sie den Markt und liefen die gewohnte Route, sie hatten bereits Stammkunden die immer gerne auf Grannys Waren zurück griffen.
Bei jedem Stand und jedem Händler an dem sie stoppten, fragte sich Delilah wo denn nun ihr Ziel lag.
Die Ungeduld in ihr wuchs und als es wohl gar nicht mehr schlimmer werden konnte, verlangte ihre Großmutter auch noch von ihr die Augen zu schließen!
Beinahe entsetzt blickte sie die alte Dame aus großen Rehaugen an.
Doch dann senkten sich ihre Lider mit den dichten Wimpern über ihnen und hüllten sie in quälende Unwissenheit.
Von der Hand ihrer Großmutter geführt, spürte Delilah nun intensiver die kühle Brise auf der Haut und in ihrem Haar, das abgetretende Kopfsteinpflaster unter ihren Füßen und hörte auch öfters einige Ausrufe aus der Masse der Verkäufer und Käufer heraus.
Schließlich erklang das Knarren einer Tür und darauf das klare Klingen eines Glöckchens, das Delilah jedesmal das Bild von kleinen Feen ins Gedächtnis rief die spielend durch eine Wiese aus Schneeglöckchen flogen. Endlich durfte sie die Augen wieder öffnen und der Anblick ergänzte den Geruch, den Delilah nur schwer definieren konnte. Sie waren beim Stoffhändler. Aber warum? Durfte sie etwa...?
Fragend blickte sie ihre Großmutter an, die auch sogleich antwortete. Tatsächlich!
Sie durfte aussuchen! Sie würde ein neues Kleid bekommen! Das war eine gelungene Überraschung.
Strahlend umarmte Delilah ihre Granny. "Danke!"
Und -Schwubbs- schon war sie zwischen den schwerbeladenen Tischen verschwunden.
Andächtig lief sie durch den Laden, betrachtete lächelnd die vielen Stoffen.
Rot, grün, blau, gelb... mit Mustern und ohne, mit Stickereien... mit allem was das Herz begehrte.
Manche Stoffe schienen so leicht, dass man nicht umhin konnte sich bereits in einem Kleid daraus tanzend umherwirbeln zu sehen.
Andere schienen eher für schwere Vorhänge gemacht, die besser in das große Schloß passten.
Im Geiste sah Delilah die hohen Herrschaften im Winter, das knisternde Feuer im Rücken,
neben eben jenen Vorhängen stehen, während sie auf die beleuchtete Stadt hinunter blickten.
Aber welcher Stoff würde zu ihr passen? Rot oder gelb, ihre Lieblingsfarben?
Oder doch mal etwas ganz anderes?
Gedankenverloren sah sich Delilah weiter um, betrachtete auch die vielen Zierknöpfe in der Auslage.
Doch noch hatte sie keinen Stoff gefunden, der sie besonders ansprach... oder eher... es gab zu viele schöne Stoffe um sich für einen zu entscheiden!
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Samstag 6. Oktober 2012, 13:05

(Omniel kommt von: Der Marktplatz Jorsas – Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke)

Das feine Glöckchen klingelte, als ein weiterer Gast den Stoffladen betrat und sich umsah.
Omniel sah als erstes eine ältere Dame, die sich angeregt, aber leise, über den großen Tresen hinweg mit einem noch älteren Mann unterhielt. Das Möbelstück auf dem er seine Hände stütze war gewaltig und perfekt um Meterware darauf zuzuschneiden. Das Holz war alt und wurmstichig, aber es war noch das gleiche, dass er schon in seiner Kindheit hier gesehen hatte. Er erinnerte sich an die schönen gedrechselten Ornamente an den Ecken und wusste, dass man sich herrlich darunter, wie in einer Höhle, verstecken konnte. Der Händler war alt geworden, wie er es vermutet hatte. Sicher würde er sich nicht mehr an den Jungen erinnern, der vor einer gefühlten Ewigkeit hier eingekauft hatte. Seine Ärmel waren umgekrempelt und er nickte, ohne kaum aufzusehen, in Omniels Richtung, machte eine Handbewegung die ihm bedeutete, dass er sich gleich um ihn kümmern würde und sprach leise mit der Dame weiter. Regale mit Stoffballen, vergitterte Schränke gefüllt mit Samt und Seide, bestickte kostbare Bänder unter gläsernen Auslagen und eine blondgelockte junge Frau, das fast noch mehr ein Mädchen war, was vor einer Auslage mit Knöpfen stand.

(Am besten ihr beschreibt eure Charaktere noch mal, wie sie aussehen und auf den Betrachter von außen wirken und die derzeitige innere emotionale Verfassung ist für uns Mod's wichtig. Wenn ihr noch unsicher sein solltet, was die Regeln betrifft, lest euch den Abschnitt „Zwischenspiel“ auf der Homepage noch mal durch oder stellt uns eure Fragen direkt. Ansonsten wünschen wir viel Spaß beim Zwischenspiel und viele schöne Stunden.)
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Samstag 6. Oktober 2012, 21:20

Wie lange war es nun her, seit er das letzte Mal diesen Laden betreten hatte? Einige Jahre, vielleicht 15, vielleicht mehr. Dennoch, zielstrebig hatten ihn seine Schritte hierher geführt, vorbei an den Marktständen, an den Menschenmengen und - etwas vorsichtiger - vorbei an den vereinzelten Gruppen von Wachen, die immer noch auf der Suche nach ihm waren. Es war ein merkwürdiges Gefühl, die kleine hölzerne Treppe, die er damals stets an der Hand seiner Mutter erklommen hatte, nun erneut zu besteigen - allein und gleich zwei Stufen auf einmal nehmend. Einen kurzen Moment verblieb seine Hand auf der kupfernen Türklinke, strich über die abgeblätterte Fläche. Vorsichtig, fast andächtig drückte er sie hinunter und öffnete sie. Er wartete auf die zwei Geräusche, die noch irgendwo tief in seinem Kopf mit diesem Laden so verbunden waren, wie seine Jugend und das Schwerttraining. Omniel wurde nicht enttäuscht. Das alte Holz der Tür gab ein knauerndes Knarzen von sich, immer lauter werdend bis es schließlich von dem hellen " Ping " einer kleinen Glocke abgelöst wurde, die über seinem Kopf hing und an einem unscheinbaren Seilzug mit der Tür befestigt war.
Nachdem er die Tür behutsam hinter sich zuzog, wandte er sich wieder dem Ladenraum zu, von dem ihm gleichermaßen Erinnerungen wie auch Empfindungen entgegen flogen. Seine Augen strichen über die vielen Regale und Schränke die bis oben mit den verschiedensten Stoffen in den unterschiedlichsten Farben gefüllt waren, den Kästen in denen feine Tücher und Schale lagen und den Tischen, mit bereits fertig geschneiderten Stücken.
Eine Bewegung an dem Tresen in der Ecke erregte seine Aufmerksamkeit und er wandte ihr den Blick zu. Sofort erkannte er den Schneidermeister wieder. Alt war er geworden, alt und grau, doch seine Art sich über den Tresen zu lehnen, war noch die selbe und Omniel bezweifelte, dass die Geschicklichkeit seiner Hände nachgelassen hatte. Einen Moment hatte er Angst, der Alte würde ihn wiedererkennen, doch dann verwarf er den Gedanken sofort. So einen großen Eindruck hatte er wohl nicht hinterlassen, immerhin waren er und seine Mutter damals nur alle paar Monate hier gewesen. Außerdem hatte er sich verändert.
Aus dem kleinen Jungen an der Hand seiner Mutter war nun ein erwachsener Mann geworden, großgewachsen, trainiert und - obwohl er es sich meist nicht bewusst war - durchaus anziehend für das weibliche Geschlecht. Auch hatte er das letzte Mal kein Schwert an seiner Seite. Doch obwohl sich vieles an ihm in der langen Zeit verändert hatte, waren einige Dinge gleich geblieben. Sein kastanienbraunes Haar war nach wie vor widerspenstig und hing ihm an der Stirn ins Gesicht, auch seine Augen waren immer noch die selben, braun wie seine Haare, mit diesem Funkeln dass selbst er sich manchmal nicht erklären konnte. Vielleicht - nur vielleicht, würde ihn der Schneider an seinem Lächeln erkennen können, doch konnte sich Omniel selbst nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal dazu imstande gewesen war zu lächeln. Vermutlich in einem früheren Leben, in einem Leben indem es noch Gründe dafür gegeben hatte, indem er noch nicht der Stadtwache aus dem Weg gehen musste. Eine Leben in der Aleen noch bei ihm war...
Er fühlte wie er wieder in Erinnerungen zu versinken drohte und richtete seine Aufmerksamkeit fast schon aus Selbstschutz auf die beiden anderen Kundeninnen, die außer ihm die einzigen im Laden waren und scheinbar zusammengehörten. Die Frau, die mit dem Schneider leise plauderte, war wohl ungefähr im selben Alter wie ihr Gesprächspartner. Sie hatte schlohweißes Haar und - typisch für eine Jorsanerin - tiefblaue Augen. Sie machte einen gütigen Eindruck und Omniel konnte nicht anders als sie symphatisch zu finden.
Die andere Kundin war zweifellos der lebhaftere Part. Sie war noch sehr jung, doch zweifellos schon in einem Alter, in dem man sie nicht mehr als Kind bezeichnen konnte. Ihre Haare waren gelockt, goldig blond und hingen ihr ins Gesicht, so wie sie sich gerade über die Auslage beugte. Überhaupt schien sie ein wenig aufgeregt zu sein. Omniel vermutete, dass da jemand ein neues Kleid bekommen würde...
Sein Blick fiel auf dem Tisch mit den Kleidungsstücken, direkt neben dem blonden Mädchen. Er ging darauf zu und begann nach einem passenden Gewand zu suchen.

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Samstag 6. Oktober 2012, 23:12

Ach, was für wunderbare Dinge gab es zu bestaunen! Reichverzierte Broschen, Fibeln und Knöpfe. Hinter Delilah erklang erneut der reine Ton des Glöckchens, doch sie war zu vertieft in die Betrachtung eines besonders schönen Stückes um dem allzu viel Beachtung zu schenken. Es war heute einer dieser Tage, die perfekt zu werden versprachen. Sowas begann meistens schon am Morgen: Das goldgelockte Haar ließ sich zähmen ohne große Schwierigkeiten zu bereiten, die Vögel zwitscherten allerliebst vorm heimischen Fenster und selbst das Frühstück schien noch besser zu schmecken, als es das sonst schon tat. Delilah war mit sich und der Welt im Reinen und das spürte man sofort. Die lockere Körperhaltung, das fröhliche Lächeln und das Strahlen in den Augen standen im krassen Gegensatz zu der Ausstrahlung die von dem jungen Mann ausging, der nun die Auslage neben ihr nach einem passenden Stück durchsah; ihn schien irgendetwas schwer zu bedrücken. Nun hatte auch Delih ihn bemerkt und schenkte ihm ein freundliches Lächeln. Dem Mädchen fielen zuerst die braunen Haare, sowie die ebenfals braunen Augen auf -Delilah selbst wünschte sich bereits das ein um andere mal die für Jorsan typischen und den ihrer Großmutter gleichenden blauen Augen, doch sie war mit warmen Rehaugen beschenkt worden und glich so eher dem Fremden-dann bemerkte sie den abgewetzten Wappenrock und das Schwert. Er war wohl ein Soldat, vielleicht auf Urlaub? Jedenfals sah er nett aus, auch wenn seine Augen etwas Gequältes in sich trugen. Delilah erinnerte der Blick leicht an den ihrer Mutter nachdem sie vom Tod ihres Vaters erfahren hatte. Noch ein neugieriger Blick streifte den Soldaten, dann schien Ruhe in dem Mädchen einzukehren. Falsch gedacht. "Euch würde sicher der Blauton hier wunderbar stehen. " , meinte das Mädchen mit glockenklarer Stimme und einem Lächeln, während sie ein einfacheres Stück von weiter unten aus einem Stapel zog. Sie fächerte es auseinander und hielt es vor dem jungen Mann in die Höhe. Es schien die richtige Größe für ihn haben zu können.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Sonntag 7. Oktober 2012, 11:46

Erinnerungen an vergangene Tage empfingen Omniel mit leisem Klingen der Glocke. Er badete regelrecht in dem anheimelnden Gefühl, dass dieser Laden ausstrahlte. Er hatte sich verändert, das Geschäft hatte sich verändert und doch war es ein schönes Gefühl hier zu sein. Würde sich jetzt vielleicht doch noch etwas Gutes ereignen?
Der Tag hatte schlechter nicht beginnen können. Omniel war in eine Schlägerei geraten, hatte sich dadurch bei der Stadtwache unbeliebt gemacht und hatte sich von einer wildfremden Frau übelste Vorwürfe anhören müssen. Er beobachtete kurz die beiden plaudernden Alten und gesellte sich dann zu dem Mädchen an die Auslage. Seine düsteren Gedanken begleiteten ihn, doch kaum, dass er das Glöckchen hatte erklingen hören, zogen sich die dunklen Schatten von ihm zurück. Vielleicht war es auch das Strahlen, was von diesem Mädchen ausging? Gehörte sie vielleicht doch nicht zu der älteren Dame, sondern war eine Angestellte des Schneiders? Sie hielt ihm ungefragt ein dunkelblaues Hemd mit braunen Lederbändern als Schnürung an Armen und Halsausschnitt entgegen. Ihre Augen leuchteten und sie schenkte ihm ein Lächeln, dass mit dem Sonnenschein konkurrieren konnte. Allein schon wegen diesem Lächeln würden viele ihr einiges abkaufen. Außerdem hatte sie keinerlei Berührungsängste. So aus der Nähe betrachtet, wirkte sie wie 14 oder 15 Jahre, auch wenn gleich sie recht klein war. Omniel überragte sie um fast 20 Zentimeter. Ihre goldenen Locken ringelten sich lustig auf ihrer Stirn. Unwillkürlich musste sich Omniel fragen, wie man an einem solchen Tag so unanständig gute Laune haben konnte!

Die beiden Alten sahen vom Tresen her kurz herüber, der alte Schneider hatte einen fragenden Gesichtsausdruck, doch Omniel und Delilah wirkten so wie sie dort standen, als bedürften sie erst einmal keiner Betreuung. Das junge Mädchen kannte der Mann sehr gut und seine Großmutter noch ein wenig besser, wenn auch nicht so gut, wie er es gerne gesehen hätte. Resa, war zu ihrer Blütezeit eine wahre Schönheit gewesen und noch heute hatte sie eine anziehende Austrahlung. Wann immer sie in seinen Laden kam machte es ihm wahre Freude, sie in aller Höflichkeit zu umgarnen, wie es ein Schneider nicht besser konnte. Vor einer Woche war sie in seinen Laden gekommen und hatte eine Anzahlung für ein neues Kleid für ihre Delilah geleistet. Natürlich hatte er ihr einen freundschaftlichen Rabatt eingeräumt, da es ja ein Geschenk für ihren kleinen Sonnenschein sein sollte. Heute sollte sie sich den Stoff aussuchen und neu vermessen werden. Seit ihrer letzten Anprobe war einige Zeit vergangen und in so jungen Jahren veränderte sich ein Körper noch sehr schnell.
„Sie ist noch ein Stück gewachsen oder, meine Liebe?“
Resa schmunzelte wegen der vertraulichen Ansprache.
„Ja das ist sie. Sag mein lieber Mortimer, hast du die Bänder herein bekommen, die du das letzte Mal erwähnt hattest?“
Der Schneider wackelte lustig mit seinen buschigen Augenbrauen und lockte Resa mit der Hand etwas näher zu sich heran. Er öffnete eine Schublade unter dem Tresen und zog eine kleines Stück von einem fein besticken Schmuckband heraus. Filigrane goldene Ornamente schimmerten auf hellem cremefarbenen Untergrund. Es war keine all zu große Rolle, doch für eine Umrandung an den Ärmeln und dem Halsausschnitt sollte es reichen. Er flüsterte:
„Jetzt musst du ihr nur noch einen passenden Grundton empfehlen. Sie wird langsam eine richtige kleine Schönheit, wie jede Frau aus ihrer Familie.“
Er zwinkerte Resa schelmisch zu.
„Sie sollte langsam einen unauffälligeren Ton tragen, sonst rennen dir bald die jungen Männer das Haus ein.“
Resa kicherte leise, denn sie kannte ihre Vorliebe für leuchtend rote Kleider und beide Alten schielten verstohlen zu ihrer Enkelin hinüber.

Delilah stand vor dem seltsamen Fremden und hielt ihm das Hemd entgegen. Der Blauton passte gut zu seiner restlichen Kleidung und wertete das Gesamtbild doch deutlich auf. Ihr Blick fiel auf den Wappenrock einer Stadtwache, aber irgendwie wirkte das Bild darauf nicht ganz passend für Jorsa. Es hatte große Ähnlichkeit, aber war doch in kleinen Details ganz anders. Der sonst rote Adler auf goldenem Grund war in schlichterem Braun gehalten, doch immer noch als dem jorsanischen Reich zugehörig zu erkennen. Der ganze Mann vor ihr wirkte wie ein Soldat oder ein Kämpfer. Seine Haltung, sein durch trainierter Körper verrieten, dass er selten gemütlich irgendwo in einer Schenke saß. Und doch war da etwas, was sie irritierte. Seit dem er den Laden betreten hatte, mussten sich Wolken vor die Sonne geschoben haben. Es war ein wechselhafter Tag, deshalb fiel es ihr nicht gleich auf. Es war jedoch noch genügend Licht vorhanden, dass sie ihre Wahl der Farben treffen konnte, doch sah sie diesen jungen Mann an, war es fast als wirkte seine Traurigkeit verdunkelnd auf seine Umgebung. Manche Menschen hatten diese Wirkung. Sie kannte diesen Blick von ihrer Mutter. Und sie wusste, gegen Traurigkeit half nur Ablenkung und Lachen, also gab sie ihr Bestes und strahlte ihn so offen wie sie nur konnte an.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Sonntag 7. Oktober 2012, 13:52

"Euch würde sicher der Blauton hier wunderbar stehen. "
Überrascht sah Omniel auf, als er das freundliche Stimmchen hörte und wandte sich zu dem Mädchen, dass ihn offen anlächelte. Einen kurzen Moment musterte er ihr Gesicht, das voller kleiner Sommersprossen war und die braunen Augen, die ihn so groß und unschuldig ansahen. Ihr Lächeln verwirrte ihn, war es doch schon etwas länger her, seit ihm eine solch nette Geste zuteil geworden war. Erst jetzt fiel sein Blick auf das Hemd, dass sie ihm hinhielt und nach einem kurzen Zögern streckte er die Hand danach aus. "Darf ich?"
Er nahm das Hemd von ihr entgegen und hielt es, die Arm von sich gestreckt, vor sich. Die Farbe gefiel ihm und auch der Schnitt war kein schlechter. Prüfend hielt er es sich an den Körper. Es passte nicht perfekt aber dank den vielen Lederbändern an Ärmeln und Brust würde es sich ganz gut adjustieren lassen. Kurz strichen seine nachdenklich Finger über den feinen Stoff, dann legte er das Stück jedoch wieder auf den Haufen zurück. Es war ein gutes Hemd und wenn er nicht in dieser Situation gewesen wäre, hätte er es sich vermutlich sogar gekauft. Doch im Moment brauchte er etwas anderes.
Als er wieder zu dem Mädchen sah, zwang er sich selbst, einen etwas gesellschaftsfähigeren Gesichtsausdruck zu wählen, gegen ihre strahlende Miene war es jedoch kein Vergleich. "Danke, aber ich suche etwas eher ...praktischeres"
Er nahm den Tisch vor sich wieder ins Visier und durchsuchte den Stapel, bis eines der Gewänder seine Aufmerksamkeit erregte. Er zog es hervor. Es war ein schwarzer Mantel mit tiefen Seitentaschen und Kapuze. An seiner Vorderseite waren vier Knöpfe befestigt um ihn bei Regen oder Kälte schließen zu können. Der Stoff war leicht aber auch robust und würde wohl nicht allzu schnell verschleißen. Vorsichtig, sich die Blicke des Schneiders bewusst, warf er sich ihn über. Die Ärmel ließ er noch frei, da er bezweifelte, dass seine Arme mitsamt des groben Wappenrocks in ihnen Platz fanden.
Er bemerkte, dass ihn das Mädchen von der Seite immer noch ansah. "Was hältst du davon?" fragte er sie weniger aus ehrlicher Interesse als aus Höflichkeit.

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Sonntag 7. Oktober 2012, 21:04

Delilah betrachtete den Soldaten weiter während er im Stapel nach etwas anderem suchte.
Irgendwas schien ihn doch zu bedrücken, sie spürte die dunkle Wolke die er mit sich herum trug! Sie wollte sich jedoch nicht komplett einmischen und wandte sich wieder der eigenen Stoffsuche zu. Schade eigentlich... er war sehr höflich und schien freundlich zu sein, Delilah hätte ihm zu gerne die Sorgen vom Gesicht gewischt, aber sie kannte den Mann zu wenig um da etwas gegen unternehmen zu können. Sie sah andere Menschen nur ungern besorgt oder bedrückt.
Und gerade dieser Mann erinnerte sie stark an ihre Mutter, auch sie hatte solch eine Wolke mit sich herumgetragen und war schließlich an ihrer Last zerbrochen.
Damals hatte sie nicht helfen können, hatte nicht verstanden was in der Mutter vorging. Und heute... würde sie wieder nicht helfen können.
Delilah seufzte beinahe frustriert, fuhr mit sanften Fingern über einen wundervollen, feinen in efeugrün gehaltenen Stoff und drehte sich wieder dem Fremden zu als hinter ihr seine Stimme erklang. "Was hältst du davon?"
Er hatte sich in einen schwarzen Mantel gekleidet und mit seiner trübsinnigen Miene, dem zerstrubbelten Haar und dem Schwert an der Seite sah er richtig gefährlich aus. Mit einem Schmunzeln berachtete Delilah den jungen Mann kurz.
"Er wird euch sicher vor so manch schlechtem Wetter bewahren können und euch lange Zeit treue Dienste leisten."
Sie sah ihn offen an und in ihren Augen blitzte es schelmisch. Eine ihrer goldenen Locken fiel ihr kess ins Gesicht.
"Aber er betont allzu sehr eure Waffe und eure betrübte Miene, man könnte es vorziehen eure Gesellschaft zu meiden, außer ihr würdet den bösen Blick gegen ein etwas fröhlicheres Exemplar tauschen, das euch sicherlich auch viel besser kleiden würde."
Sie schwieg einen Moment und überlegte ob sie zu offen gesprochen haben könnte und meinte dann entschuldigend:
"Verzeiht, aber ich sehe nur ungern so verbissene Mienen auf Gesichtern denen das Lächeln viel vertrauter zu sein scheint."
Leicht beschämt senkte sie den Blick, da waren wohl doch die Pferde mit ihr durchgegangen.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Sonntag 7. Oktober 2012, 22:14

Das Gesicht verdeckt von dem Mantel, den er sich gerade über den Kopf zog, hörte er die höflichen aber kecken Worte des Mädchens. Er drehte ihr kurz den Rücken zu als er das Kleidungsstück über seinen Arm legte, faltete und glatt strich. Das Mädchen schien das gesagte bereits zu bereuen und starrte peinlich berührt auf den Boden.
"Höflichkeit und Ehrlichkeit. Manchmal passen diese beiden Tugenden einfach nicht zusammen..."Als sie ihn wieder ansah, hatte sich etwas an ihm verändert. Er lächelte leise, es war nicht viel, nur ein leichtes Anheben seiner Mundwinkel. Und doch schien das Gesicht des jungen Mannes mit einem Schlag ein vollkommen anderes zu sein. Ein wärmeres, lebendigeres.
Omniel war dem blonden Lockenkopf nicht böse, auch wenn ihre Worte ziemlich offen waren. Im Gegenteil. Es tat gut nach langer Zeit wieder einmal mit einem Menschen zu reden, der ihm nicht feindselig oder abschätzend ansah - auch wenn es sich dabei um ein noch junges Mädchen handelte, die vermutlich nichts von dem nachvollziehen konnte, was er im Moment durchmachte. Wie auch, war sie doch noch fast ein Kind. Ihre Sorgen drehten sich vermutlich noch um Alltagsangelegenheiten wie die Schule oder die erste Jugendliebe. Auch Omniel war durch diese Phase gegangen und hatte sie erlebt. Wie nichtig sie ihm doch zu seiner jetztigen Situation erschienen.
Nachdenklich strich er mit der Hand über den Stoff des Mantels, während seine Augen auf ihr ruhten. Sein kleines Schmunzeln, fast wie das Auflackern eines unscheinbaren Funkens, verlosch wieder und ließ erneut die ernste Miene an seinen Platz. " Gesichter sind nicht wie diese Kleider hier. Man kann sie nicht nach belieben wechseln - zumindest nicht so, dass sie auch dem Inneren entsprechen..."
Er sah wieder auf den Mantel in seiner Hand hinunter und nickte leicht, fast als müsste er sich selbst davon überzeugen, dass er die richtige Wahl getroffe hatte." Aber ich verstehe natürlich, dass man seine eigenen trüben Gedanken bei sich lassen sollte, wenn man mit einer Frohnatur wie dir zu tun hat. "
Omniel schwieg einen Moment, dann nickte er ihr freundlich zu. "Danke für deine Hilfe" Er legte das blaue Hemd wieder zurück an seinen Platz, dann wandte er sich um, im Begriff zum Tresen zu gehen.

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Montag 8. Oktober 2012, 21:45

Das Hemd wurde beiseite gelegt. Farbe und Schnitt des Mantels waren passender für Omniels Zwecke. Abschreckend genug um sich Leute vom Hals zu halten, die Ärger suchten und vor allem verbarg er seine den Wachen bekannte Kleidung. Der Blick des Mädchens, als er sie nach ihrer Meinung fragte, war ehrlich und ihre Worte waren es ebenso.

Delilah war einfach ein liebes Mädchen, so hatte sie Resa erzogen. Gern hätte sie ihm geholfen die dunklen Wolken zu vertreiben. Als Kind hatte sie es bei ihrer Mutter nicht geschafft, aber jetzt? War sie denn nicht auch reifer geworden und schon fast erwachsen? Die Gedanken an die Vergangenheit vermochten ihr Gemüt nicht zu verdunkeln. Leid konnte verschwinden, wenn man sein Lächeln wieder fand. Diesen Weg war sie selbst gegangen. Sie war mit zwei Rosenblättern über dem Herzen aufgewachsen, anstelle von liebenden Eltern. Sie hatte es geschafft. Nicht allein, sondern an der Hand ihrer Großmutter, aber es war nicht unmöglich!
Und da geschah es auch schon. Hatte sie sich eben noch für ihre Offenheit geschämt, so trat nun ein zaghaftes Lächeln in das Gesicht des fremden Mannes. Und sah er so nicht gleich viel netter aus?

Omniel hatte lange nicht mehr gelächelt, doch das leichte Gespräch über Kleidung und ihre Wirkung, mit diesem Mädchen wirkte wie Sonnenschein auf der Haut und war genauso trivial. Trotzdem vermochte er die die Seele zu wärmen. Es gab keinen Grund um unhöflich zu sein, oder sie verbal fort zu stoßen, warum auch? In ihrer Jugend war sie unverdorben und rein wie das Licht selbst. Ein seltsamer Gedanke. Ihr Offenheit hatte das Beste in ihm zum Vorschein gebracht, auch wenn es von vielen nicht als Höflichkeit angesehen werden würde. Ehrlichkeit und Höflichkeit passten manchmal wirklich nicht zusammen.

Der Schneider flirtete mit Delilah's Oma und machte gerade einen kleinen Scherz, so dass ihr herzliches Kichern im Laden erklang. Dann fragte er Resa nach ihrem Befinden und das Gespräch wanderte von kleineren Gelenkbeschwerden, über wachsender Vergesslichkeit zu zeitweiser Orientierungsschwäche. Der alte Mann klagte darüber, dass er immer häufiger seine Sachen nicht wieder fand und Resa sinnierte über die häufigen zusätzlichen Wege, wenn man vergessen hatte, was man aus der Küche holen wollte. Dann beugte sich Mortimer zu Resa hinüber und sprach leise:
„Schau mal, der Grünton, den sie da in der Hand hält, der würde ganz gut passen.“
Resa verstand den Hinweis und schlenderte sofort in Richtung ihrer Enkelin, während sich Omniel zum Tresen auf machte. In der Mitte des Ladens begegnete man sich und Delilah überkam ein seltsam ungutes Gefühl. Es war als wäre der junge Mann aus dem Licht in den Schatten getreten und irgendwie war sie froh, ihre Großmutter auf sie zu kommen zu sehen.
„Na, fündig geworden? Oh! Der ist ja wunderschön!“
Das letzte Wort wurde von ihr dermaßen überzogen, dass Delilah einen Moment lang vollkommen abgelenkt war und dem jungen Mann nicht mehr hinterher sehen konnte. Resa schmunzelte, als sie sie ansah.
„Ein sehr schöner Grünton und gute Qualität ...wird eine Weile halten. Hast du dir schon über den Schnitt Gedanken gemacht? Ich hab da neulich was gesehen, warte mal ...“
Die alte Dame wuselte noch etwas weiter nach hinten in den Laden wo ein paar fertige Kleider aufgehängt waren und Delilahs Blick wanderte unwillkürlich wieder zu dem jungen Mann.

„Das soll es also werden? Oh ja, ein gutes Stück. Sehen sie? Doppelte Nähte, der wird lange halten und der Stoff ist widerstandsfähig. Wenn sie es wünschen könnte ich ihn auch noch bis morgen … ähm … ich könnte, ...“
Mortimer geriet ins Stocken.
„ ...könnte ihn wetterfest machen … gegen Regen ... „
Er starrte Omniel an, seine Brauen zogen sich zusammen und seine Augen verengten sich.
„Das würde aber mehr kosten und ich bin mir nicht sicher, ob so jemand wie sie sich ein solches Stück dann noch leisten kann.“
Die Stimmung kippte merklich. Plötzlich triefte jedes Wort vor Verachtung und der alte Schneider fixierte den Wappenrock und dann das Soldatenschwert an Omniels Seite. Die nächste Bemerkung ließ Omniel einen Schauer über den Rücken laufen.
„Nicht ein bisschen weit weg von der Heimatgarnison, Junge?“
Der Schneider hatte anscheinend die Insignien von Jersa erkannt und eins und eins zusammengezählt. Aber wieso ging er nicht einfach davon aus, dass Omniel auf Heimaturlaub war, oder ein Bote, sondern steckte in gleich in die Schublade für Deserteure? Kam es Omniel nur so vor, oder war er jetzt schon paranoid geworden? Der Schneider beugte sich ein wenig vor und flüsterte:
„Keine schlechte Idee sich im Schatten der Krone zu verstecken, aber irgendwann wird dein Beutelchen leer sein und dann ...“
Spätestens jetzt war klar, dass der Alte definitiv zu viel wusste! Plötzlich wurde er laut und brüllte fast zu den Damen hinüber:
„Resa Süße! Hast du eine Ahnung welche Strafe zur Zeit auf Fahnenflucht steht?“

Alles im Laden schien sich für einen Moment zu bewegen, zumindest fühlte es sich für Delilah so an. Die Dunkelheit schien in Richtung des Tresens zu krauchen. Ein Bild was sie an zähen Teer erinnerte und ihr kalte Schauer durch die Glieder jagte.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Mittwoch 10. Oktober 2012, 00:54

Delilah hielt den Blick gesenkt. Manchmal sprudelte es einfach so aus ihr heraus.... und auch wenn es ihr die Leute selten übelnahmen, ärgerte sich das Mädchen über ihre eigene Unhöflichkeit. Einige wilde Locken fielen ihr ins Gesicht und verbargen so die Wandlung ihres Gegenüber vor ihrem Blick doch dann erklang seine Stimme und Delilah hob erstaunt den Blick.
"Höflichkeit und Ehrlichkeit. Manchmal passen diese beiden Tugenden einfach nicht zusammen..."
Sie hatte sich also nicht geirrt! In seiner Stimme hatte wirklich ein leichtes Lächeln gelegen und dies spiegelte sich nun auf seinem Gesicht wider.
Es war ein Nichts im Vergleich zu dem, das sich nun bei dem Mädchen bildete und doch veränderte es den Menschen der vor ihr stand um einiges.
Wie sie es sich gedacht hatte, schien das Gesicht des jungen Mannes viel eher dem Lächeln zugetan als der finsteren Miene die es vorher getragen hatte.
Der Eindruck, er könne gefährlich sein, verflog trotz Waffe und schwarzem Mantel. Außerdem schienen für einen kurzen, flüchtigen Moment die dunklen Wolken von dem Soldaten zu weichen. Ich wette, wenn er richtig lächelt... Delilah musste bei dem Gedanken schmunzeln. ... hihi... Rebecka wäre ihm sofort verfallen.

" Gesichter sind nicht wie diese Kleider hier. Man kann sie nicht nach belieben wechseln - zumindest nicht so, dass sie auch dem Inneren entsprechen..." Fort war das angedeutete Lächeln und zurück war die Dunkelheit auf dem Gesicht des armen Mannes. Sie konnte den Drang nicht unterdrücken, wenigstens zu versuchen ihn weiter aufzumuntern. "Aber man kann doch versuchen, Risse und Sprünge zu kitten, Wolken zu vertreiben und Fröhlichkeit herzustellen, so dass..." Delilah verstummte, seine Stimme trug etwas in sich, das ihr die Hoffnung nahm seine Wolken vertreiben zu können, während ihr Gegenüber sich schließlich höflich bei ihr bedankte und Richtung Thresen ging.

Betrübt sah das Mädchen ihm hinterher und entdeckte zeitgleich, dass ihre Großmutter auf sie zukam. Ein scheues, beinahe dankbares Lächeln schlich sich auf Delilahs Lippen. Ihre Granny hatte bisher noch alle Sorgen vertreiben können, jedoch nur die ihrer Enkelin. Es war das immer noch kindliche Vertrauen, wonach einem beim Elternteil oder in Delilahs Fall bei ihrer Großmutter nichts Schlimmes passieren konnte. „Na, fündig geworden? Oh! Der ist ja wunderschön!“ Während Delilah beinahe ungewohnte Stimmungen eingeholt hatten -nämlich schlechte-, war Oma Resa wie eh und je fröhlich, wie es auch bei dem Mädchen normalerweise der Fall war. Und diese Vertrautheit wirkte sehr beruhigend auf Delilah. Aber... wieso übertrieb sie beim Sprechen so und... wie...? Delilah hatte völlig vergessen, dass ihre Hand noch immer auf dem efeugrünem Stoffballen lag. Beinahe erschrocken zog sie die Hand zurück, ihr Blick huschte zurück zu dem Soldaten, dann wieder zu ihrer Großmutter. „Ein sehr schöner Grünton und gute Qualität ...wird eine Weile halten. Hast du dir schon über den Schnitt Gedanken gemacht? Ich hab da neulich was gesehen, warte mal ...“ Delilah blinzelte immer noch völlig abgelenkt... Schnitt? Achja! Sie bekam ja ein neues Kleid! Kurz kehrte das Strahlen in ihre Augen zurück, sie folgten ihrer Granny, wie sie im hinteren Teil des Ladens verschwand, auf der Suche nach den Schnitten die sie im Sinn hatte.

Neugierig wandte sich das braune Augenpaar wieder der Szene am Thresen zu. Was war geschehen? Verwirrt zog Delilah die Augenbrauen zusammen. Schien das Gespräch bis eben noch ein normales Kunde-Händler-Gemurmel gewesen zu sein, so erschien nun statt der sonst immer freundlichen Miene "Mortimers" eine voller Hass, Verachtung und Abscheu. Er flüsterte dem erschrockenen jungen Mann etwas zu und brüllte dann beinahe in den Laden hinein:
„Resa Süße! Hast du eine Ahnung welche Strafe zur Zeit auf Fahnenflucht steht?“
Delilah zuckte verschreckt zusammen, war sie diese Stimme doch nur freundlich und leise gewohnt. Diese Kälte und Härte die ihr nun innewohnte, ließ des Schneiders Stimme beinahe fremd klingen. Zuerst erschrocken über den Tonfall des Schneiders - und seine Lautstärke-, begriff das Mädchen nun langsam was er gesagt hatte. Fahnenflucht? ... deswegen das ihr unbekannte Wappen...? Aber...

Das Mädchen sog scharf die Luft ein, ihre Hände krallten sich erschrocken in den grünen Stoff und sie sah sich hilfesuchend nach ihrer Großmutter um... Was passierte hier? Eklig langsam, zäh und klebrig bewegte sich die Dunkelheit, die vorhin überraschend eingetreten war und von der Delilah gedacht hatte ein paar Wolken hätten sie ausgeläst, auf den Thresen und den fremden Mann zu! Ein Blick nach draußen zeigte ihr, dass dort nach wie vor die Sonne schien. Warum war ihr das nicht früher aufgefallen? "Vorsicht!", kam es ihr panisch über die Lippen. Sie hatte Angst um den jungen Mann, selbst wenn er Deserteur war, sie hatte das Leid in seinen Augen gesehen und war sich sicher, dass er seine Gründe hatte. Angst lähmte ihre Glieder während sie auf die kriechende Finsternis starrte. Doch wovor sollte er sich in Acht nehmen? Wie sich davor verstecken? Wie sie bekämpfen?
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Mittwoch 10. Oktober 2012, 19:02

Omniel hielt den Mantel vor seiner Brust, als er quer durch den Laden auf den Tresen zusteuerte. Er war zufrieden mit seiner Wahl, auch wenn der dunkle Stoff – wie hatte das blonde Mädchen noch gesagt - „ seine betrübte Miene und seine Waffe allzu sehr betonte “. Nun, sie hatte recht, doch konnte er beides gleichwohl mit Kapuze und Saum bedecken. Ihr Versuch, ihn davon zu überzeugen etwas fröhlicher zu sein belustigte Omniel zwar, doch konnte er nicht ohnehin das Mädchen für ihren Mut und ihre zuversichtliche Lebensweise zu bewundern. Er hoffte, dass er ihr mit seiner Anwesenheit nicht ihre gute Laune verdorben hatte, doch hatte er keinen Zweifel daran, dass sie ihn schon bald wieder vergessen hatte. Und das war auch gut so.
Als er schon fast am Tresen angekommen war, drehte sich die ältere Frau, die zuvor in sehr vertrautem Ton mit dem Schneider geschäkert hatte um und trippelte an ihm vorbei zu dem Mädchen, dass ihre Enkelin zu sein schien. Während Omniel sie höflich vorbeiließ, warf sie ihm einen kurzen Blick zu. Omniel erwiderte ihn nicht sonder sah zur Seite. Zu viele hatten heute schon sein Gesicht gesehen und solange die Stadtwache immer noch auf der Suche nach ihm war, hatte er nicht vor es noch bereitwillig anderen Menschen zu zeigen.
Er legte den Reisemantel auf den Tresen und schob ihn dem Schneider zu, der ihn hochhob und kurz unter die Lupe nahm. Während er das tat, griff er zu dem ledernen Geldbeutel an seiner Seite und wog ihn kurz prüfend. In ihm war all das Geld was er besaß, zwar nur Füchse, - wie hätte er auch an Lysanthemen, geschweige denn Dukaten kommen sollen? – doch war es immerhin etwas. Einiges war für Kost und Logis in der Schenke draufgegangen, doch hoffte er, dass er genug Münzen hatte um den Schneider bezahlen zu können. Mit Wehmut dachte er an die Ersparnisse die er unter dem Bett im Hause seines Vaters aufbewahrt hatte. Es war nicht weniger als der Sold für acht Jahre Dienst – das Geld, dass er all die Jahre gespart hatte für das Leben nach der Armee, das Leben das er dann mit Aleen zu führen geplant hatte.
„Das soll es also werden? Oh ja, ein gutes Stück. Sehen sie? Doppelte Nähte, der wird lange halten und der Stoff ist widerstandsfähig. Wenn sie es wünschen könnte ich ihn auch noch bis morgen … ähm … ich könnte, ...ihn wetterfest machen...gegen Regen “Die plötzliche Veränderung der Stimme des Schneiders ließ ihn aufsehen und als er dessen Miene sah, erstarrte er. Das väterliche Lächeln von vorhin war verschwunden und an seiner Stell war ein Ausdruck von Abscheu.
„Das würde aber mehr kosten und ich bin mir nicht sicher, ob so jemand wie sie sich ein solches Stück dann noch leisten kann.“ Als er ihn abschätzig musterte, warf Omniel einen raschen Blick zu dem Mädchen und der Alten hinüber. Er merkte, dass sie sie beobachteten.
„Keine schlechte Idee sich im Schatten der Krone zu verstecken, aber irgendwann wird dein Beutelchen leer sein und dann ...“Der junge Mann schwieg, während er die hassgetränkten Worte des Schneiders über sich ergehen ließ. Dann, langsam beugte er sich vor, so als hätte er eine Frage über den Stoff. „ Tut es nicht.“ zischte er leise, während seine Hand vom Geldbeutel weiter nach links tastete, zu seinem Schwert. „Zieht sie nicht in die Sache mit hinein.“
Einen Moment starrten sich beide an, Auge in Auge, wartend bis das jeweilige Gegenüber handeln würde. Dann öffnete der Schneider weit den Mund und Omniel verfluchte ihn in Gedanken, den Narr, der nicht nur Omniel, sondern auch sich selbst und seine beiden Kunden in Gefahr brachte. Denn nach wie vor war er nicht bereit sich zu stellen.
„Resa Süße! Hast du eine Ahnung welche Strafe zur Zeit auf Fahnenflucht steht?“
Noch nie hatte Omniel sein Langschwert so ungern gezogen, so sehr gewünscht er könnte es in der Scheide ruhen lassen. Doch allzusehr er es auch hasste es zu tun, so wusste er auch, dass er es nun brauchte. Er trat einen Schritt zurück und seine Hand fand wie von allein den mit Lederbändern umwickelten Griff. Er zog es blank und drehte seine Hand, sodaß die Spitze nach oben zeigte.
All dies geschah im Bruchteil einer Sekunde und mit geschickter Hand, hatte er es doch schon so oft getan. Doch dieses Mal war es etwas vollkommen anderes. Das erste Mal richtete er die Waffe auf einen unbewaffneten, unschuldigen Mann, der nichts falsch gemacht hatte, außer einen Kriminellen in seinen Laden gelassen zu haben.
Ein Krimineller ... Es tat schwer sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Doch spätestens jetzt war er einer.
" Ich will niemanden hier etwas antun! " sagte er laut und deutlich, während er noch einen Schritt vom Tresen zurückwich. Ein Seitenblick zu der alten Dame und dem Mädchen gab ihm einen leichten Stich ins Herz. Er vermied es absichtlich ihnen in die Augen zu sehen, vor allem dem Mädchen, dass ihn zurvor noch so freudestrahlend angestrahltt hatte. Sie schien verängstigt zu sein. An ihre Großmutter geklammert rief sie mit furchtverzerrter Stimme, sodass es durch den Raum schallte.
" Vorsicht!"
Omniel dachte, dass diese Worte für den Schneider bestimmt waren, auf den er das Schwert gerichtet hielt. Obwohl er schon längst ausserhalb seiner Reichweite stand, ging er noch einen Schritt zurück, bis er an den Tisch mit den fertigen Kleidungsstücken stieß.

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. Oktober 2012, 20:57

Delilahs Augen waren weit aufgerissen! Was geschah hier nur? So wie sie nicht verstehen konnte, was diese zähe Dunkelheit bedeutete, genauso wenig konnte sie glauben, dass der Hass, der aus dem Schneiders sprach, wirklich einen Grund haben konnte. Sie kannte den lieben alten „Onkel“ und noch nie hatte er in diesem Maße seine Stimmer erhoben oder ihre Oma Resa gewagt „Süße“ zu nennen. „Mein Fräulein Augenstern“ oder „zarteste Blume“, wären passende Worte für ihn gewesen, doch dieses profane „Süße“ passte überhaupt nicht zu ihm. Genauso wie es ihr aufgefallen war, so hatte es auch ihre Großmutter vernommen und stemmt wütend die Hände in die Hüften. Sie wollte schon losstürmen, doch die Stimme ihrer Enkelin, die sich ängstlich an sie schmiegte, gepaart mit ihrem warnend klingenden:
„Vorsicht!“
hielt sie vorerst zurück. Sie fauchte nur:
„WAS FÄLLT DIR EIN!“
Delilah spürte die warme Hand ihrer Oma auf ihrem Arm. Es war ein beruhigendes Gefühl, trotz der Angst, die sich in ihr erheben wollte. Das Bild, dass sich dem jungen Mädchen bot, grub sich tief in ihren Geist. Etwas in ihr bäumte sich dagegen auf, wollte es nicht wahr haben. Sie musste sich in Acht nehmen, ... sich verstecken … oder es bekämpfen!
Fassungslos beobachtete sie einen schwarzen Streifen, der sich gleich einer Schlange neben dem Tresen, genau zwischen dem jungen Mann und dem Schneider aufrichtete. Die Spitze richtete sich auf Mortimers Gesicht. Es sah aus wie der Kopf einer Schlange oder wie eine Hand die an einem lange beweglichen Arm die Fingerspitzen zu einem Punkt zusammen gebracht hatte. Eine weitere Tentakel kroch über die Schulter des Schneiders und wickelte sich, wie ein Schal, um seinen Halsausschnitt.
Der junge Mann wich mit einer schnellen Bewegung ein Stück zurück, sprach laut:
" Ich will niemanden hier etwas antun! "
und hatte fast im gleichen Moment seine Klinge in der Hand. Delilah zuckte zusammen. Das Gesicht des Fremden verriet den Widerwillen mit dem er dies tat und seltsamer Weise glaubte ihm Delilah sofort. Da lag keine Hinterlist, oder böse Absicht in diesen braunen Augen. Nur Qual und Leid. Trotzdem zeigte die glänzende Spitze des Schwertes auf Mortimers Kehle. Doch dieser grinste! War er verrückt geworden? Er raunte mit tiefer Stimme, gefolgt von einem fast weibischen Kichern:
„Ach, jetzt will der Dieb auch noch zum Mörder werden! Hier ist mein Herz! Stoß zu und vergieße unschuldiges Blut! Es genügt ein kurzer Schwertstreich, dann ist es vollbracht.“

Omniel wich zurück, bis der Tisch mit den fertigen Kleidungsstücken seinen Weg ein Ende setzte. Der Alte war definitiv nicht Herr seiner Sinne! Wollte er wirklich sterben? Die vor Hass glänzenden Augen fixierten die seinen. Sein Kiefer war gespannt und störrisch nach vorne geschoben. Sicher hatte der alte Schneider auch schon mal böse drein geschaut in seinem Leben, doch dieser Gesichtsausdruck war fremdartig. Eins war sicher! Omniel wurde provoziert! Der ängstliche Ausruf des Mädchens hatte ihn kurz in ihre Richtung blicken lassen, doch sie sah weder zu ihm noch zu dem irren Alten! Sie sah zwischen ihnen beiden hindurch! Aber was noch seltsamer war, war der Eindruck, als ob sie in der helleren Ecke des Ladens stehen würde. Oder stand sie im Sonnenschein? Dabei war dort hinten doch überhaupt kein Fenster, oder Omniel übersah einfach eine Lampe. Es war nicht wichtig, oder doch? Die ältere Dame nahm ihre Enkelin am Arm und zog sie beschützend ein Stück hinter sich. Gemeinsam manövrierte sie sich mit dem Mädchen am Ausgang vorbei in Richtung des Schneiders. Omniel musste nur warten, bis sie vorbei waren und könnte dann gehen.

Doch plötzlich ertönte wieder die wütende Stimme des Schneiders:
„Alte Schnepfe! Verschwinde und nimm dein halb fertiges Balg mit! Du willst sie doch vor allem beschützen! Lass mich mit diesem Kriminellen ruhig allein. Mit dem werde ich schon fertig!“
Große Töne spuckend fuchtelte er mit den Armen herum und Resa sah ihn die lange Sekunden lang fassungslos an. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Sie hatte den Arm ihre Enkelin los gelassen, war mit ein paar schnellen Schritten auf ihn los gestürmt und schon hatte er schallend, klatschend ihre Hand im Gesicht. Er taumelte nach hinten und hielt sich die sofort rötende Wange. Sowohl Delilah, wie auch Omniel sahen die beiden Alten erstaunt an.

Delilah stand noch immer vor dem Ausgang, dort wo ihrer Großmutter sie hatte stehen lassen und sah wie der Griff der schwarzen Schlange sich unter dem nicht ganz damenhaften Schlag auflöste. Die Dunkelheit zog sich rasend schnell in die Schatten zurück, kroch über die Bodendielen und verschwand dann vollends.

Omniel fühlte die Kante des Tischs an seinem Becken. Ein Reiz, der in seiner ansteigenden Verwirrung, Sicherheit bot. Er hielt sein Schwert noch auf den Schneider gerichtet, doch dieser taumelte durch den Schlag der Oma getroffen nach hinten und stieß dann unsanft gegen ein Regal, aus dem ein paar Rollen Zwirn polterten. Die folgende Stille war einzig erfüllt von dem Geräusch, das diese machten, als sie über den Holzboden kullerten.
Mortimer sah zu Resa auf. Sein Blick war verwirrt und leer.
Dann zuckte der Körper des Schneiders und er brachte gerade noch ein:
„Entschuldigt mich kurz!“
hervor und schon sauste der Alte erstaunlich flott durch eine angelehnte Tür in einen Hinterraum. Von dort waren deutliche Geräusche zu vernehmen, die die Entleerung seines Magens mit sich brachten.
Resa stand hinter dem Tresen und sah mit dem Kopf schüttelnd zu der Tür, die langsam wieder in ihre Ausgangsposition zurück schwang. Delilah stand nach wie vor an der Eingangstür und Omniel an die Tischplatte gelehnt, die die fertigen Kleidungsstücke beherbergte.
„Was war das denn?“
Resas Stimme durchschnitt die Stille.
„Mortimer?“
Aus dem Hinterraum kam ein leises Gemurmel, welches man gegebenenfalls als ein „Moment bitte!“ deuten konnte.
„Geht es dir wieder gut?“
Resa sah zu Delilah und zu Omniel. Der abschätzende Blick auf den jungen Mann wurde durch ein Hochziehen einer Augenbraue noch unterstrichen.
„Ich sollte nach ihm sehen …So hat er sich noch nie ...“
Sie blieb jedoch wo sie war und wartete die Reaktion des bewaffneten Fremden ab. Mit einer Hand winkte sie ihre Enkelin zu sich. Auch wenn sie vorsichtig war, so war kein Hass in ihren Augen. Keine Anklage, kein Nachtragen erfüllte ihren Blick. Das hatte sie wohl mit ihrer Enkelin gemein.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Freitag 12. Oktober 2012, 17:17

Das erhobene Schwert blitzte in der Sonne, wenn sich auch sonst kein Sonnenstrahl zu Omniel zu trauen schien, dieser fand den Weg und blendete Delilah eine kurze Schrecksekunde lang. Selten war Delilah einer so brenzligen Situation so nah gekommen.
Erschrocken griff sie nach dem Arm ihrer Großmutter, die eher von Wut als von Angst geleitet wurde, aber trotzdem ihre Enkelin schützend hinter sich schob. So verborgen musterte das Mädchen das Gesicht des Soldaten. Sie hatte keine Angst vor ihm, war nur erschrocken. Sein Gesicht sprach von Widerwillen und davon, dass er einfach nur schnell von hier fort wollte. Sie glaubte ihm aufs Wort, dass er niemandem hier schaden wollte.
Die Dielen knirschten unter seinen Schritten, als er bis zur Auslage zurückwich, außer Reichweite des Schneiders. Und wirklich fragte sich Delilah, ob sie nicht lieber Furcht vor dem so völlig veränderten Schneider verspüren sollte. Er grinste während die Klinge auf seinen Hals gerichtet war, verhöhnte den gequält dreinblickenden Soldaten und kicherte so hoch und eklig, dass es Delilah Schauer über den Rücken jagte.
Es war der Soldat der ihr Mitgefühl hatte, wer wusste denn schon, was es gewesen war, dass ihn zur Fahnenflucht getrieben hatte? Es musste etwas Schwerwiegendes gewesen sein, man sah es in seinen Augen.
Die Augen des Schneiders hingegen, sprachen von Wahn und Hass, einem Hass der definitiv nicht normal für "Mortimer" war. Hatte er schlechte Erfahrungen mit Deserteuren oder Soldaten? Was brachte ihn so zur Weißglut? War es gar eine Art Anfall? Plötzlich sah Delilah etwas, was ihr die Angst kalt durch die Adern schießen ließ. Das schwarze Gebilde... es verformte sich zu einer Schlange! Es umpfing den Alten um Hals, Arme und Taille... beinahe wie ein Schal den er sich umgeworfen hatte. WAS war das? Und wieso schien es außer ihr noch niemand bemerkt zu haben?? Gebannt von der Szenerie, bekam Delilah kaum mit wie ihre Großmutter den Weg zum Ausgang einschlug, als plötzlich die verzerrte Stimme des Schneiders erklang. Doch... das konnten nicht die Worte des sonst so netten Herrn sein! Nie, niemals würde er so mit ihrer Großmutter reden, zu der er eine höfliche Freundschaft pflegte.
„Alte Schnepfe! Verschwinde und nimm dein halb fertiges Balg mit! Du willst sie doch vor allem beschützen! Lass mich mit diesem Kriminellen ruhig allein. Mit dem werde ich schon fertig!“
Ehe sichs Delilah versah hatte Großmutter Resa den Raum mit ein paar schnellen Schritten durchquert, ließ den Soldaten samt erhobenem Schwert links liegen, und verpasste dem alten Schneider die Ohrfeige seines Lebens. Das Geräusch schallte durch den ganzen Raum, der Schneider taumelte und auf seinem Gesicht standen Verwirrung und Leere. Noch ehe das Geräusch der fallen Zwirnrollen verhallt war, hatte sich die angsteinflößende Finsternis-Substanz in seine Ecken und Ritzen zurück gezogen, schien vielleicht sogar komplett verschwunden zu sein. Delilahs Blick folgte voller Angst einem besonders dicken "Arm" der nun hinter einem Bücherregal verschwand. Ihre Hände waren kalt und ihre Lippen zitterten. Was war das für ein schwarzer Zauber?
Plötzlich entstand ein neuer Tumult, der Schneider verschwand schnell in einem der Hinterzimmer, schien sich übergeben zu müssen und ihre Großmutter folgte nach kurzem zögern. Doch sie erwartete, dass ihre Enkelin folgte, achtsam auf die Reaktion des Bewaffneten bedacht.
Delilah schüttelte kurz den Kopf. Sie lehnte sich den Thresen, immer noch benommen von der Erscheinung die sie gesehen hatte.
Sie sah den jungen Mann mit der noch immer erhobenen Waffe an. "Ihr solltet auf euch Acht geben... Dieses... was war das?" Trotz dieser unglaublichen Situation sprach die Neugier aus ihr. Doch nach einem Moment schüttelte sie gedankenverloren den Kopf.
"Nein... ihr solltet wohl besser gehen. Und meidet die Schatten." Noch immer wollte sich die Umklammerung der Angst nicht von ihrem Herzen lösen. Ihre großen braunen Augen sahen den Soldaten an. Nicht ängstlich, nicht anklagend sondern besorgt... und zwar um ihn.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Gestalt » Samstag 13. Oktober 2012, 19:38

Währenddessen nicht weit von hier in der Taverne zur Hoffung.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Sonntag 14. Oktober 2012, 00:03

„Ach, jetzt will der Dieb auch noch zum Mörder werden! Hier ist mein Herz! Stoß zu und vergieße unschuldiges Blut! Es genügt ein kurzer Schwertstreich, dann ist es vollbracht.“
Immer weiter wich Omniel vor dem keifenden Schneider zurück, der wahrlich wenig mit dem gütigen Mann gleich hatte, den er aus seiner Kindheit kannte. Überhaupt schien sein Gegenüber eine vollkommene Wandlung vollzogen zu haben. Fast wirkte es so als hätte etwas Besitz von ihm ergriffen, seinen Geist gepackt und seinen Körper in Beschlag genommen. Omniel hatte heute schon etwas vergleichbares erlebt. Mark der Holzfäller hatte sich vom betrunkenen Saufkumpan zum Axtschwingenden Berserker gewandelt - und wenn er den Schneidermeister nur einen kurzen Moment in die Augen sah konnte er dieselbe Woge roter Wut in ihr sehen. Wut und noch etwas anderes, etwas dunkles, böses. Was Omniel aber fast noch mehr schockierte war die Tatsache, dass er heute schon mehr als einmal erkannt worden war. Ihn als Soldaten ... ehemaligen Soldaten zu erkennen war nicht schwer, jeder der ein wenig über das jorsanische Militär wusste, konnte ein Armeeschwert erkennen, wenn er es sah. Omniels Waffe war eine der meistverwendetsten - ein Langschwert aus einfachem Stahl, nicht zu vergleichen mit den Gardeschwertern der königlichen Wache, aber dennoch ein gutes und qualitativ hochwertiges Stück Schmiedekunst. Auch sein Wams gab ein wenig Auskunft über den Ort seiner Stationierung, war doch das Wappen Jersas in ihm eingearbeitet. Doch einiges konnten diese Dinge nicht verraten. Seinen Namen zum Beispiel - und dass er ein Deserteur war.
Aus den Augenwinkeln sah er wie die ältere Dame das Mädchen schützend in den Arm nahm und sich vorsichtig von ihm entfernte. Er war dankbar dafür, denn sie und ihre Enkelin konnten nichts für diese Situation, in die sie beide geraten waren. Es war ihm nur recht, dass sie Angst vor ihm hatten, eine Angst die zwar ohne Grund war, doch welche sie wohl auch davon abhielt ein Beispiel an den Gebaren des Schneiders zu nehmen und geifernd und kratzend auf ihn loszugehen. Omniel rechnete schon fast damit, bei seinem Glück hätte es ihn auch nicht mehr gewundert.
„Alte Schnepfe! Verschwinde und nimm dein halb fertiges Balg mit! Du willst sie doch vor allem beschützen! Lass mich mit diesem Kriminellen ruhig allein. Mit dem werde ich schon fertig!“
Auch Mortimer hatte die Vorsichtsmaßnahme der alten Dame bemerkt. Omniel hob überrascht die Brauen. Gerade eben hatten die beiden älteren Herrschaften noch in einem so vertrautem Ton gesprochen, dass man vermuten konnte die beiden würden Gefallen aneinander finden. Der Schneider, zuvor so ein Charmeur und Gentleman der alten Schule, im nächsten Moment ein Rüper der alle Höflichkeiten vergaß?
Bevor Omniel sich weiter wundern konnte, war die Frau schon förmlich auf den alten Mann zugestürmt und gab ihm eine saftige Ohrfeige, die man bestimmt noch ausserhalb des Ladens hören konnte. Der Schlag mit der nackten Handfläche traf den Schneider hart und er verlor beinahe das Gleichgewicht. Als er wieder aufsah, die Hand an der offenbar schmerzenden Wange, blinzelte er und sah so aus als wäre er aus einer tiefen Trance aufgewacht. Er sah sich kurz überrascht um, dann griff er sich an den Magen.
„Entschuldigt mich kurz!“
Dann war er schon im hinteren Teil des Ladens verschwunden. Als merkwürdige Geräusche aus dem Hinteraum kamen, sah ihn die alte Dame, die ihren kleinen Ausbruch wieder gut verkraftet zu haben schien an.
„Ich sollte nach ihm sehen …So hat er sich noch nie ...“
Omniel nickte rasch, noch zu verwirrt um etwas zu sagen. Langsam nahm er das Schwert herunter als sie den Raum verließ um nach dem Schneider zu sehen, der, wenn man die röchelden Geräusche richtig deutete, sich gerade die Seele aus dem Leib zu reiern schien.
"Ihr solltet auf euch Acht geben... Dieses... was war das?"
Die Stimme des Mädchens ließ ihn aufsehen. Sie war nähergekommen und erneut bewunderte er ihren Mut und staunte darüber dass sie immer noch freundlich zu ihm sprach. " Ich weiß es nicht... " Er klang rau und müde, die Geschehnisse und die Anklage des Schneidermeisters hatten ihn sichtlich mitgenommen. " Mir ist sowas heute schon einmal passiert. Menschen haben sich in meiner Gegenwart auf einmal verändert, haben mich direkt angesprochen, schienen mich zu kennen obwohl ich weiß dass sie das nicht können. Ein Holzfäller hat versucht mich zu töten oder... mich zumindest einige Zeit hinzuhalten bis jemand kommen sollte. " Er wusste nicht warum er dem Mädchen all das erzählte, vielleicht brauchte er einfach jemanden den er seine Erlebnisse berichten konnte. Jemand der ihn sagen konnte, dass er nicht verrückt war, obwohl er es selbst schon langsam zu glauben schien.
" Du hast recht " Auf einmal war ihm wieder bewusst, dass er noch immer auf der Flucht war, dass nach ihm gesucht wurde. " Ich sollte gehen "

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Sonntag 14. Oktober 2012, 11:20

Omniel hatte schon immer ein gewisses Talent in Schwierigkeiten zu geraten, doch was das Schicksal an diesem Tag alles mit ihm anstellte, überstieg selbst sein Fassungsvermögen. Nachdem er das Schwert gesenkt hatte, die ältere Dame mit ihrer Enkelin einen langen Blick gewechselt hatte und dann den Ladenbereich durch die angelehnte Tür verlassen hatte, standen er und das Mädchen wieder recht nah beieinander. Ihre unverbrauchte Offenheit, strahlte wieder aus ihr heraus, wie der Sonnenschein, obwohl und trotzdem sie Angst gehabt hatte.
"Ihr solltet auf euch Acht geben... Dieses... was war das?"
Trotz dieser unglaublichen Situation sprach die Neugier aus ihren Augen und aus ihrem Mund. „Dieses“ war ein seltsames Wort im Zusammenhang der Situation. Doch Omniel begriff nicht gleich, was sie meinte.
" Ich weiß es nicht... "
" Mir sowas heute schon einmal passiert. Menschen haben sich in meiner Gegenwart auf einmal verändert, haben mich direkt angesprochen, schienen mich zu kennen obwohl ich weiß dass sie das nicht können. Ein Holzfäller hat versucht mich zu töten oder... mich zumindest einige Zeit hinzuhalten bis jemand kommen sollte. "

Plötzlich ging Omniel auch noch der seltsame Vorfall auf dem Marktplatz durch den Kopf. Auch diese Frau hatte nicht ganz klar gewirkt und sich dann in den Kupferkessel übergeben.
"Nein... ihr solltet wohl besser gehen. Und meidet die Schatten."
Ihre Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Hatte sie eben wirklich von Schatten gesprochen? Sie die ständig im Licht zu stehen schien? Kurze Erinnerungssequenzen durchzuckten sein Gehirn. In ihrer Nähe war alles ein wenig heller, freundlicher und sie hatte nicht mal … Nein, sie hatte tatsächlich nicht ihn angesehen, als der Schneider und er sich gestritten hatten. Sie hatte irgendwo, irgendetwas dazwischen geschaut. Sah sie etwas, was er nicht sehen konnte? Wurde er vielleicht doch nicht wahnsinnig? Letzteres war eine nicht ganz abwegige Annahme, bei allem was er in der jüngsten Vergangenheit erlebt hatte.
" Du hast recht."
Etwas in ihm wollte ihn schnellstmöglich hinaus auf die Straße treiben.
"Ich sollte gehen."
Ihm fiel ein, dass er noch immer wegen der Kneipenschlägerei gesucht wurde, oder schlimmer wegen der Fahnenflucht die er begangen hatte. Am liebsten wäre er sofort hinaus gerannt, doch als sein Blick sich der Ladenfront zu wandte, schritt gerade ein Wächter draußen durch die Seitengasse.
Sofort ging Omniel instinktiv in Deckung. Verborgen zwischen Eingangstür und Fenster konnte er seinen Tun unbemerkt verfolgen. Ein kleines Stück die Gasse hinunter stand eine vermummte kleine Gestalt auf die es der Wächter anscheinend abgesehen hatte. Jetzt hinaus zu gehen, wäre sein sicherer „Untergang“ gewesen. Das Schicksal oder was auch immer wollte ihn anscheinend heute noch sterben lassen. Selbst seine eigenen Ideen schienen ihn verraten zu wollen. Das war grade noch mal gut gegangen. Aus einem schmalen Winkel konnte er sehen, wie die kleine Gestalt ihre Kapuze zurück zog und eine junge Frau darunter zum Vorschein kam. Der Wächter schien auf der Suche nach ihr zu sein, nicht nach ihm.
Auch Delilah trat nun neugierig ans Fenster und sah die Szenerie dort draußen und wie der junge Mann sich hier drinnen versteckte. Doch egal was er verbrochen hatte, das Leid was ihn verfolgte, die Dunkelheit die bei ihm weilte, beides machten ihn sympathisch und zu jemandem der Hilfe brauchte. Wenn er jetzt nach draußen gehen würde, befürchtete Delilah das Schlimmste. Dort war ein Mann mit der Ausbildung zum töten, bewaffnet und gefährlich, eben ein Wächter der Stadt Jorsa. Hier war ein Mann der die Dunkelheit nur so anzog und wie er sagte, die Menschen in seiner Umgebung veränderte. Sie glaubte ihm, warum auch nicht? Es gab keinen Grund einem fremden Mädchen Lügen aufzutischen. Allein, dass er es ihr so freimütig erzählte, ließ ihn in einem wenig kriminellen Licht erscheinen. In was für Schwierigkeiten war er da nur geraten? Sicherheitshalber sollten sie sich vielleicht vom Fenster weg bewegen, damit der Wächter sie nicht doch noch entdeckte. Delilah kannte den Laden gut und wusste, dass es keinen Hinterausgang gab. Eine kleine Treppe führte hinauf in den ersten Stock wo der Inhaber lebte und eine weiter in einen kleinen Keller wo ein Lager war. Der Laden selbst war nicht groß und lag zur ebenen Erde. In einem Hinterzimmer gab es noch eine Nische in der die Anproben stattfanden. Diese hatte ein sehr kleines Oberlicht. Das Fenster wäre fast für ihre schmale Gestalt zu klein um sich hindurch zu zwängen, geschweige denn für einen jungen, trainierten, muskulösen Körper wie der neben ihr. Dachte sie gerade wirklich über eine Fluchthilfe nach? War das wirklich eine gute Idee? Es würde ihm vielleicht kurz helfen, doch nichts an seinem Problem ändern.
Aus dem Hinterzimmer erklang die Stimme des Schneiders:
„Ich soll dich WIE genannt haben?“
Der Rest der Unterhaltung ging in Gemurmel unter. Resa wusch anscheinend gehörig Mortimer den Kopf. Nur wenig später wurde die Tür mit Schwung aufgestoßen und der alte Schneider kam zurück in den Ladenbereich. Sofort steuerte er auf den Tresen zu, sah Omniel, grübelte und griff zu dem Mantel.
„ Mein Herr, ich muss mich für mein Verhalten entschuldigen! ...“
Resa folgte hinter ihm und er sah über seine Schulter zu ihr.
„Mir wurde berichtet, ich hätte mich inkorrekt benommen.“
Resa nickte zufrieden.
„Ich … ich kann mich nicht … anscheinend fehlt mir ein gewisser Zeitraum. Ich soll euch üble Unterstellungen gemacht haben. Ich ...“
Er fingerte sichtlich peinlich berührt an dem schwarzen Stoff des Mantels herum, dann schien er eine Idee zu haben.
„Ihr hattet euch doch für diesen Mantel interessiert, richtig? Ja, ihr wolltet ihn. Ich würde ihn euch gern als Wiedergutmachung schenken. Nehmt ihn bitte an.“
Resa zuckte mit den Schultern und lächelte, da sie so ihren Mortimer kannte. Korrekt, höflich und ein ehrbarer Händler in den besten Jahren, so war er. Er wirkte noch ein bisschen blass, doch sonst schien er wieder ganz der alte zu sein. Etwas geschwächt, stützte er sich auf den Tresen. Omniel spürte ganz leicht den Drang in sich zu ihm zu gehen. Doch vielleicht war dies nicht die beste Idee. Das Mädchen mit den goldenen Locken sah auch noch etwas misstrauisch zu ihm hinüber. Vielleicht sollten sie erst einmal gründlich darüber nachdenken, was genau passiert war. Und da draußen auf der Gasse ein Wächter herum schlich, sollten sie das lieber im Hinterzimmer tun. Die alte Dame sah in Delilahs Gesicht das angestrengte Grübeln und fiel dem Alten ins Wort.
„Mortimer, wenn der junge Mann den Mantel haben möchte, wird er ihn sich schon nehmen, da er jetzt ja ein Geschenk ist. Du siehst müde aus. Ich werde dich mal nach oben bringen und Delilah macht für dich den Laden zu, in Ordnung?“
Mortimer sah zu Resa und zog fast erleichtert die Augenbauen hoch.
„Sicher, meine Perle. Alles was du vorschlägst.“
Resa hakte sich bei ihm unter und sie gingen die Treppe hinauf, die hinter einem dicken samtenen Vorhang verborgen lag. Delilah und Omniel waren vorerst allein und er merkte, dass auch er ein wenig geschafft war. Die Aufregung zehrte an seinen Kräften und ein großer gemütlicher Ohrensessel stand äußerste einladend in der Nähe der Ankleide, für die wartenden edlen Herren bereit, wenn sie auf die Herzensdamen ihrer Wahl in ihrer neuen Garderobe warteten. Auf einem kleinen Tisch daneben stand immer ein Kelch und eine kleine Karaffe mit frischem Wasser.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Delilah » Montag 15. Oktober 2012, 18:48

Delilah war unsicher... der Fremde schien nicht zu wissen was sie meinte... aber konnte sie ihm denn davon erzählen? Von der teerig wirkenden Erscheidung die sie gehabt hatte? Aber es schien ihm schon öfter passiert zu sein... also verfolgte dieses etwas den armen Mann!?
Delilah war etwas unheimlich zu Mute und sie sah sich leicht nervös um. So entdeckte auch sie den Wächter der gerade an der gläsernen Front vorbei ging, instinktiv wollte das Mädchen den Soldaten verbergen um ihn zu schützen, doch das tat der junge Soldat selbst schon gekonnt, der Wächter indes schien bereits jemandem im Blick zu haben. Eine junge Frau unter einem Umhang wurde von ihm kontrolliert. Florencia sei dank, war der Soldat noch nicht aus dem Schneiderladen getreten! Es wäre ihm wohl nicht gut ergangen! Selbst wenn Fahnenflucht als großes Verbrechen, als Verrat am Vaterland, galt so konnte Delilah ihn nicht als Kriminellen sehen sondern als jemand der Hilfe brauchte. Sie hatte sofort das Leid in seinen Augen gesehen, kein Misstrauen, keine Hinterlist. Also würde sie tun so viel sie konnte! Ihr kam nicht der Gedanke, dass er sie anlügen konnte, weshalb auch sollte er? Was würde es ihm für einen Vorteil bringen?
Leider war sie nur ein junges Mädchen, dass wenig würde helfen können. Der Laden besaß keine Fluchtmöglichkeit, höchstens ein paar Ecken wo er sich verstecken würde können... was tat sie denn?! Wurde sie nicht auch zur Landesverräterin, wenn sie ihm half? Würde sie nicht ihren Vater verraten, der für dieses Land gestorben war? Aber... ihr Blick huschte zu den furchtgeweiteten brauen Augen des Mannes. Schnell verwarf sie diese Gedanken. Nein. Hier war jemand, der Hilfe brauchte und wenn er sie wollte, würde Delilah sie ihm nicht verwehren. Inzwischen waren sie ein Stück vom Schaufenster zurück gewichen um dem Wächter draußen nicht die Chance zu geben, sie zu entdecken. Da kam der Schneider aus dem Hinterzimmer und entschuldigte sich wortgewaltig, bot dem Fremden, den er eben noch so wüst beschimpft und beschuldigt hatte, sogar den Mantel als Entschädigung an. Doch Delilah ahnte, dass der alte Schneider nichts für sein Verhalten konnte, dieses schwarze Etwas... dieser Schatten... diese Schattenschlange schien Besitz von ihm ergriffen gehabt zu haben oder etwas Ähnliches. Hatte ihn kontrolliert, wie es Geister oder Dämonen manchmal in Schauergeschichten taten. Befand sie sich womöglich in einem Traum? Einem wunderschönen Traum der plötzlich eine schreckliche Wendung gefunden hatte? Aber nein, dafür war alles viel zu wirklich und auch die Angst saß zu tief. Aber wenn das alles Wirklichkeit war, stellte sich erneut die Frage was es war, dass den gequälten jungen Mann verfolgte und wieso es das tat.
Plötzlich machte ihre Großmutter den Vorschlag Mortimer in seine Wohnräume zu bringen und ihm zu helfen. Schneller als gedacht, fand sich Delih allein mit dem Fremden vor. "Delilah macht für dich den Laden zu." Eine klare Anweisung für das junge Mädchen, aber gleichzeitig schien das Mädchen auch die Mitteilung darin wiederzufinden, dass der junge Mann von den beiden älteren Herrschaften nichts zu befürchten hatte. Das ließ das Mädchen innerlich aufatmen. Mit flinken Bewegungen waren die dicken Samtvorhänge vor Schaufenster und Tür zugeschoben und der steckende Schlüssel umgedreht. So war der Innenraum vor neugierigen Blicken von draußen geschützt. Doch Delilah war die Dunkelheit nicht geheuer, sie fürchtete die Rückkehr der Schatten und so gebot sie dem Soldaten sich ins Ankleidezimmer zu begeben in dem die Sonne durch das Oberfenster einfiel. Außerdem sah er sehr erschöpft aus und würde sich in dem bereitstehenden Sessel ausruhen können. "Setz dich doch." Weiterhin geschäftig wie eine Biene, goss sie ihm Wasser aus der Karaffe in einen Becher und hielt ihm ihn auffordernd hin. Sobald der Soldat sich gesetzt haben würde, begann Delilah zu sprechen. "Du kannst sie nicht sehen, oder?? Als der Schneider so außer sich war, als ich dich warnen wollte, da... " Das Mädchen wusste das Geschehene nicht recht in Worte zu verpacken. Außerdem wusste sie nicht recht, ob sie es ihm sagen wollte. Aber wenn dieses... Etwas ihn wirklich verfolgte, dann hatte er ein Anrecht darauf es zu erfahren! Also versuchte sie noch einmal die merkwürdige Masse zu beschreiben. "Es war wie Teer, schwarz und zäh, und stahl sich von den Schatten auf euch beide zu. Den armen Schneider schien es bald zu umwickeln wie ein Schal... " Sie kaute auf ihrer Lippe herum, setzte sich ungeachtet ihres neuen Kleides auf den Boden und sah grübelnd zu den brauen Augen auf. "Und wenn du sagst, so etwas sei schon öfter geschehen, dann... dann verfolgt es dich wohl." Wieder sah sie sich nervös um.
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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Omniel » Mittwoch 17. Oktober 2012, 22:07

Mit einem Ohr lauschte Omniel auf die einseitige Debatte, die sich im Zimmer hinter dem Tresen entwickelt zu haben schien. Der Schneider schien mit Erbrechen fertig zu sein, zumindest waren keine unappetitlichen Spritzgeräusche und kein weiteres heiseres Röcheln zu hören. Seine Stimme, die zunächst unter den aufgebrachten Worten der alten Dame unterging, erholte sich nach einiger Zeit und nun klang sie wie zuvor. Nun, sie war bestürzt und erschrocken über das, was passiert war - ja sogar darüber was er selbst von sich gegeben haben sollte.
„Ich soll dich WIE genannt haben?“
Omniel lief eine leichte Gänsehaut über die Schulter, nicht nur aus Unbehagen wegen der leidigen Situation in der er steckte. Er hatte ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache. Der Schneider konnte sich nicht an das erinnern, was er vor wenigen Sekunden noch erlebt hatte - Omniel konnte sich nicht vorstellen, dass der alte Mann seiner Kundin, die zudem noch eine gute Bekanntschaft zu sein schien, so anlog. Und vor allem, was sollte er damit bezwecken wollen? Das vorher, dieser Mensch der ihn beleidigt und angeschrien hatte, war nicht er gewesen. Das war das Werk eines anderen Mannes, eines Fremden - verändert durch den Einfluss einer Kraft, die dunkler war als Omniel es jäh für möglich hätte halten können. Einer Kraft, die ihn heute schon begegnet war, in der Schenke, auf dem Markt. Dieses Ding...obwohl er es nicht sehen konnte wie das Mädchen behauptete es zu tun, so spürte er es doch, fühlte es ganz in seiner Nähe. Es schien ihn zu verfolgen. Oder schlimmer noch, von ihm selbst auszugehen...
„ Mein Herr, ich muss mich für mein Verhalten entschuldigen! ...“
Mortimer der Schneider trat eilend aus der Kammer heraus, sah sich kurz um und erblickte dann Omniel. Für einen Moment meinte der ihn noch mit den Augen im Laden umherzusuchen zu sehen, fast als würde er sich nicht sicher sein, dass der junge Mann derjenige war mit dem er gesprochen hatte. Er kam auf ihn zu und stützte die Hände auf dem Tresen ab. Vorsichtig, das Schwert wieder in der Scheide doch jederzeit griffbereit, näherte sich Omniel ihm wieder. Er suchte in den alten Augen die Wut und die Bosheit die er zuvor in ihnen gesehen hatte, doch waren sie verschwunden. Vor ihm stand der Schneidermeister, ein Mensch der gerne lachte und tratschte, stolz darauf war sein Handwerk zu beherrschen und immer bemüht seinen Kunden das Beste zu bieten.
„Mir wurde berichtet, ich hätte mich inkorrekt benommen.“
Die Reue und peinliche Berührtheit auf seinem Gesicht war ehrlich, doch war es seine Verwirrung, die Omniel überzeugte. Mark hatte ebenso reagiert, als ihn Omniel mit den Geschehnissen konfrontiert hatte. Die Frau, die ihn zuvor noch geohrfeigt hatte stand nun an der Türschwelle und wirkte zufrieden mit der Sinneswandlung des Mannes. Auch sie wusste nicht was hier los war, doch war Omniel ihr dankbar, dass sie souverän gehandelt hatte. Und natürlich, dass sie keine Fragen stellte, sondern zu meinen schien der Schneider wäre einfach nur außer sich gewesen. Doch wenn sie zuvor seinen Worten keinen Glauben geschenkt hatte, so hatte sie Omniels Reaktion wohl eines besseren belehrt.
„Ich … ich kann mich nicht … anscheinend fehlt mir ein gewisser Zeitraum. Ich soll euch üble Unterstellungen gemacht haben. Ich ...“
Immer noch druckste der Alte herum und versuchte sich für etwas zu entschuldigen, woran er sich selbst nicht mehr erinnerte. Vermutlich dacht er, er hätte Omniel unabsichtlich beleidigt, vielleicht war ihm ja eine kleine abfällige Bemerkung über den schmutzigen und abgewetzten Wappenrock rausgerutscht die der junge Mann falsch verstanden hatte? Auch wenn er wusste, dass er auf solche Dinge immer besonders achtgab. Trotzdem, sein Ruf und vor allem seine Ehre durften nicht verletzt werden. Omniel vermutete, dass teilweise auch die Zurechtweisung der älteren Dame den Ausschlag gegeben hatte.
„Ihr hattet euch doch für diesen Mantel interessiert, richtig? Ja, ihr wolltet ihn. Ich würde ihn euch gern als Wiedergutmachung schenken. Nehmt ihn bitte an.“
Mit diesem großzügigem Angebot hatte Omniel nicht gerechnet. Zuvor wurde ihm von der selben Person gesagt er könne sich diesen Mantel nicht leisten, im nächsten schenkte ihm der Mensch eben diesen Mantel. Früher hätte der junge Mann das Geschenk dankend abgelehnt. Er wusste, dass das Geschäft in Jorsa zurzeit schlecht lief und auch der Schneider war von dieser Krise bestimmt betroffen. Der Mantel war nicht aus kostbarerer Seide und Omniel hätte seinen Wert auf drei, dreieinhalb Lysanthemen gerechnet - dennoch war es alles andere als ein wertloses Geschenk und Omniel war dankbar dafür, dass er nicht den Rest seines Geldes dafür ausgeben musste. Selbst wenn er den Schneider überwältigt und die beiden anderen Kundinnen gefesselt hätte - wie dankbar er doch war, dass keins der beiden Dinge von Nöten war - so hätte er dennoch das Geld für den Mantel auf den Tresen gelegt, bevor er geflohen wäre. Er galt zwar in den Augen des Gesetzes nun als Krimineller, doch trotz allem würde er kein Dieb werden. Nicht solange er genug Geld in den Taschen hatte um über die Runden zu kommen.
Als der Schneider ihn so das Kleidungsstück hinhielt, war er einen Moment versucht ihn zu fragen was geschehen war. Was hatte er gefühlt als es begonnen hatte, als sich seine Miene zur Grimasse gewandelt hatte? Doch sah er auch ein, dass er auf seine Fragen keine zufriedenstellende Antwort bekommen würde. Was da auch immer in den Schneider gefahren war, war nun verschwunden und so wie es aussah hatte es keine Spuren im Geiste des alten Mannes hinterlassen zu haben. Er konnte Omniel nicht helfen, doch der hatte damit schon gar nicht erst gerechnet.
„Ich vergebe euch und danke euch für euer Geschenk. Ihr seid ein großzügiger Mann.“
Er war froh, dass er noch so viel Beherrschung hatte, um den Eindruck zu erwecken es wäre sonst nichts weiter geschehen. Auch wenn sein Geist tobte und hungrig nach Antworten war, so konnte er seiner Stimme noch einen fast versöhnlichen Ton aufzwingen.
Der Schneider nickte nur, noch immer zerstreut aber auch etwas erleichtert, dann wurde er von der Frau neben ihm fürsorglich nach oben geführt. Im Gehen sah sie noch einmal zurück und Omniel nickte ihr kurz dankbar zu. Er wusste nicht wie sie zu ihm stand, aber dass sie im richtigen Moment den Schneider beeinflusst hatte, rechnete er ihr hoch an.
„...Ich werde dich mal nach oben bringen und Delilah macht für dich den Laden zu, in Ordnung?“
Er wandte sich um, vor ihm stand das Mädchen, dass er während dem kurzen Gespräch mit dem erschöpften Schneider fast schon wieder vergessen hatte. Zuvor, als er aus dem Fenster gesehen hatte, jeden Moment bereit den Laden fluchtartig zu verlassen, hatte sie neben ihm gestanden und ebenfalls den vorbeigehenden Wächter gesehen. Sie hätte an das Fensterglas klopfen können, schon wäre der patrouillierende Soldat auf sie aufmerksam geworden. Doch sie hatte nichts dergleichen getan. Es war fast so, als wolle sie ihn ehrlich helfen. Omniel tat sich schwer dabei diesen Gedanken nachzuvollziehen. Er war ein Krimineller, er hatte eine Waffe - sie selbst hatte ihn gesagt er wirke abschreckend auf andere. Sie hatte über dunkle Schatten gesprochen, die Dinge beschrieben die Omniel nur gefühlt hatte. Vielleicht war dieses Mädchen mehr als sie zu sein schien.
„Ich...kann immer noch gehen. Ich verlange nicht von euch dass ihr mir hier Asyl gebt und euch so mitschuldig macht...“
Doch da hatte sie schon die Vorhänge vor die Fenster gezogen und die Tür abgeschlossen. Omniel wartete unsicher bis sie fertig war. Auch er kannte die Schneiderei und wusste um den einzigen Ausgang. Doch war es ohnehin sicherer für ihn einen Moment hier zu bleiben...zumindest bis die Lage draußen sich ein wenig beruhigt hatte. Außerdem spürte er wie sich die Erschöpfung in seinem Körper einnistete und ihren Tribut für die Strapazen des Tages forderte. Er hatte letzte Nacht nicht viel geschlafen. Nicht lange, nicht gut und auch nicht ausreichend.
Er folgte ihr in das Ankleidezimmer, das sich wie der Rest des kleinen Ladens nicht verändert zu haben schien. Er blieb unschlüssig in der Mitte des Raumes stehen.
"Setz dich doch."
Ihrer Aufforderung folgend setzte er sich auf den bereitstehenden Stuhl und spürte wieder die bleierne Müdigkeit in seinen Gliedern, die zuvor durch Adrenalin unterdrückt worden war. Auch bemerkte er wie sie vom formalen Ihr zum freundschaftlichem du übergewechselt war. Er war froh darüber. Er war niemand der sich um Floskeln scherte.
Dankbar nahm er den Becher entgegen und trank in wenigen Zügen leer. Er stellte ihn neben sich auf den Abstelltisch, während er ihren Worten lauschte und die Trägheit ihn mehr und mehr für sich beanspruchte. Als sie geendet hatte, schwieg er einen Moment.
„Ich weiß nicht was du gesehen hast...Delilah, richtig?“ Er sah zu ihr hinunter und verschränkte die Hände ineinander. „Aber was du erzählst...wie du es beschreibst. Genau so fühlt es sich an. Irgendetwas hat den Mann da draußen übernommen, hat ihn für sich beansprucht. Hast du gemerkt wie er deine Großmutter angeschnauzt hat? Es ist vielleicht ein paar Jahre her seit ich das letzte Mal hier war, aber so hat er sich noch nie in der Gegenwart von Kundschaft verhalten.“ Er hielt inne. Seine Miene verfinsterte sich. Kurz sah er Delilah ins Gesicht. „Es stimmt übrigens, was er gesagt hat. Dass ich ein Deserteur bin... ich habe keine Ahnung woher er das weiß.“

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Re: Wo alles beginnt...

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. Oktober 2012, 10:30

Delilah hatte wie gewünscht den Laden schnell geschlossen und die Vorhänge zugezogen. Es herrschte dämmrige Dunkelheit und die Furcht, dass die Finsternis so näher rücken könnte, ließ das Mädchen nicht los. Nachdem er sich gesetzt hatte begann sie zögernd zu erzählen:
"Du kannst sie nicht sehen, oder?? Als der Schneider so außer sich war, als ich dich warnen wollte, da... Es war wie Teer, schwarz und zäh, und stahl sich von den Schatten auf euch beide zu. Den armen Schneider schien es bald zu umwickeln wie ein Schal... "
Man sah ihr ihre Nervosität an.
"Und wenn du sagst, so etwas sei schon öfter geschehen, dann... dann verfolgt es dich wohl."
Die Worte des Mädchens waren erschreckend genug, aber dass ein solch junges Mädchen anscheinend Dinge sah, die anderen verborgen blieben, war ebenso auffällig. Allein, dass Omniel sich in ihrer Gegenwart irgendwie freier fühlte, war ungewöhnlich.
„Ich weiß nicht was du gesehen hast...Delilah, richtig?“
Er sah zu ihr hinunter und verschränkte die Hände ineinander.
„Aber was du erzählst...wie du es beschreibst. Genau so fühlt es sich an. Irgendetwas hat den Mann da draußen übernommen, hat ihn für sich beansprucht. Hast du gemerkt wie er deine Großmutter angeschnauzt hat? Es ist vielleicht ein paar Jahre her seit ich das letzte Mal hier war, aber so hat er sich noch nie in der Gegenwart von Kundschaft verhalten.“
Nun war es ausgesprochen. Beide befürchteten das Schlimmste, aber was sollten sie nun tun? Das Gespräch hatte grade erst begonnen und Delilah wusste jetzt schon, dass sie ihm einfach helfen musste.
„Es stimmt übrigens, was er gesagt hat. Dass ich ein Deserteur bin... ich habe keine Ahnung woher er das weiß.“
Beide sahen einen Moment schweigend an. Überrannt von den Geschehnissen rasten ihre Gedanken. Sie saßen vor einem Rätsel und hielten die ersten Puzzlestücke in den Händen. Die Umstände waren nicht gerade vorteilhaft, aber sie wussten beide, sie müssten eine Lösung finden, denn früher oder später, eher früher, wie Omniel befürchtete, würde sonst noch ein wirkliches Unglück geschehen. Vielleicht half es noch einmal alle Details genauestens zu betrachten? Im Geist des ehemaligen Soldaten rasten Bilder umher und er versuchte sich einen Reim auf das alles zu machen. Das ungute Gefühl, dass dieses ganze Unheil von ihm ausging, wurde immer größer. Noch einem anderen Eindruck konnte er sich kaum erwähnen … Es wurde schlimmer!
Von Vorfall zu Vorfall hatte die „Ausbrüche“ an Intensität zugenommen, wenn gleich sie noch immer leicht zu unterbrechen waren, was die Ohrfeige gezeigt hatte. Doch die Wahl der „Opfer“ begann Omniel ernsthaft Sorgen zu bereiten. Der erste war nur ein einfacher Holzfäller gewesen, der sturzbetrunken sicher leicht zu „übernehmen“ war, wie es selbst formuliert hatte. Die Frau auf dem Marktplatz war verwirrt und voller Trauer gewesen, was auch in gewisser Weise ihre geistige Stabilität beeinflusste. Und jetzt Mortimer! Er war ein freundlicher Mann, einzig ein wenig vergesslich manchmal und er verlegte häufig Dinge, wie Omniel das Gespräch der Alten belauscht hatte, aber sonst war er für sein Alter noch ganz rüstig. Das Gefühl, dass was auch immer an ihn „klebte“ stärker wurde, bestätigte sich um so mehr um so länger er darüber nach dachte.
Delilah grübelte genauso und versuchte aus dem was sie gesehen hatte schlau zu werden. Gerade verfluchte sie vielleicht sogar ein wenig ihre Jugend, da ihr das nötige Wissen einfach fehlte um zu erkennen in was sie da geraten waren. Ihre Oma wusste immer eine Antwort auf alles. Delilah war in ihrer beider kleinen heilen Welt das Talent und sie das Wissen. Gemeinsam hatten sie bisher immer alles geschafft. Vielleicht würde sie Rat wissen, doch durfte sie sie einweihen, jetzt da dieser Fremde ihr sein Herz gerade zaghaft öffnete? Er war allein und sie hatte immer ihre Großmutter gehabt, die ihr zur Seite stand. Sie hatten beide Leid erfahren, aber er war scheinend allein auf dieser kalten Welt, in der die Finsternis sich an kranken Geistern labte. Delilahs Mitgefühl, ihre Hilfsbereitschaft und ihr warmes Wesen spendete ihm auf irgendeine Weise Trost und vielleicht sogar so etwas wie Schutz, doch Omniel befürchtet, sobald er den Laden verlassen würde und seinen Weg alleine fort setzte, so würde die schwarze Macht über ihm erneut hereinbrechen wie die Wellen der vom Sturm gepeitschten See.
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