'Mortimers Nadelkunst'

Auf dem Marktplatz tummeln sich fast ebenso viele Händler wie Kaufwillige. Manches ehemalige Wohnhaus an diesem Platz wurde schon zum zweistöckigen Laden umfunktioniert. Jorsans Markt bildet einen wichtigen Treffpunkt in der Stadt.
Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: 'Mortimers Nadelkunst'

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. August 2017, 16:25

Delilahs Miene verriet viele ihrer Emotionen, doch nicht den Zusammenhang. Ob sie sich nun vor der Offenbarung fürchtete, dass ein Dunkelelf im Laden Mortimers stand, oder doch die Erinnerungen an die grausamen Geschichten, die sie als Kind gehört hatte, man konnte es nicht erkennen. Leider bekam Chasin auch nichts von ihren Gedanken oder jene ihres Freundes Zanfar mit, denn sie war durch die Knappin abgelenkt. So entging ihr auch die emotionale Reaktion ihres Freundes, der durchaus betroffen wirkte.

Aber auch Leon runzelte die Stirn und fixierte die verhüllte Gestalt noch einmal mir einer anderen anderen Sicht auf die Dinge. Dann nickte er aber Zanfar zu, so wie man es eben mit einem Verbündeten tat und hieß ihn damit in für seinen Teil willkommen in ihrer kleinen Gemeinschaft. Wenn ein jorsanischer Lichtmagus das konnte, dann gab es vielleicht noch Hoffnung, dass diese Geschichte gut ausgehen konnte.
Andererseits war Leon auch nicht nur Lichtmagus, sondern auch Erbe einer anderen schweren Bürde und somit wahrscheinlich offener Veränderungen gegenüber, da er selbst in seinen eigenen Problemen steckte. Aber wie es nun mal manchmal das Schicksal so wollte, überschlugen sich gerade die Ereignisse und vieles was vor Stunden noch wichtig gewesen war, war jetzt gerade in den Hintergrund gerückt. Vielleicht würde auch einiges vergessen werden, aber das wäre auch nur zu menschlich.

Darna und Chasin waren noch vertieft in ihr Gespräch gewesen, doch die junge Knappin überschlug sich langsam so sehr in Gedanken und Worten, dass die Tha'Roon ihr nicht mehr recht folgte. Zum einen war es eine Mischung aus übereilten Schlussfolgerungen, zum anderen ausufernde Forderungen an die Diplomatin, die Chasin leicht die brauen Zusammen ziehen ließen. Was für die Knappin nur ein grübelnder Gesichtsausdruck sein dürfte, war für Zanfar ein sicheres Zeichen, dass Chasin langsam eine gewisse Form des Wiederwillens entwickelte, wie wenn sie zu lange zu viel erklären musste und die Menschen um sie herum vom Hundertsten uns Tausendste gerieten und sich nicht zufrieden gaben, mit dem was ihnen das Schicksal gab. Zu häufig hatte Chasin das schon erlebt. Immer wenn sie hilfreich mit ihrem Wissen und Rat zur Seite stand, gab es jene, die sie gnadenlos wie einen Schwamm ausquetschten und sie danach sogar manchmal noch böse anstarrten, wenn sie nicht auf alles sofort eine zufriedenstellende Antwort hatte. Auch ihr Wissen war begrenzt und sie selbst litt am meisten darunter, da sie nicht mehr die Verbindung zu ihrem Volk hatte. Wenn die Menschen sie dann auch noch an diese Grenzen erinnerten, dann wurde sie manches mal sogar depressiv und verschloss sich dann, meist beginnend mit diesem Gesichtsausdruck.
Als nun Darna mit ihren Zwischenfragen begann, wie:
"Aber warum habt nur Ihr dieses Geräusch gehört?"
bemerkte ausschließlich Zanfar, wie kurz ihre Kiefer malmten. Die Knappin reagierte wie jedes Wesen, dass sich mit einer Gefahr konfrontiert sah und begann unbewusst auszuteilen und das leider auf einer Ebene, die ausschließlich diejenige traf, die ihr zur Zeit am meisten helfen konnte. Wenigstens unterbrach sie sie nicht bei den Ausführungen über den „Sündenstern“, wie sie die Zeichnung getauft hatten. Dann begann die Knappin mit sich zu ringen und natürlich gab es noch etwas hinzuzufügen:
"Ich stimme Euch zu, soweit ich es selber überhaupt beurteilen darf."
, nahm sie innerlich Anlauf und suchte nach einer verbalen Einleitung,
"Aber …“
Zanfar konnte fast körperlich die leise Änderung in Chasins Haltung fühlen. Wie hatte sie einmal gesagt? Alles was vor einem Aber kam, wird ins Gegenteil verkehrt.
„Ihr solltet dennoch wissen, was ich vorhin bereits angedeutet habe: ..."
Anscheinend entschied sich die Knappin ihren Bericht nur vervollständigen zu wollen. Entwarnung! Chasin entspannte sich wieder und lauschte Darnas Worten.
"Es kam zu einem Kontakt, während das Stichwort 'Angst' an der Reihe war. Ich beginne von vorn: In dem Versuch, mich in die gewünschte Angst hinein zu steigern, erinnerte ich mich also an die Ereignisse in Pets Hütte zurück und wunderte mich etwas darüber, dass ich vor dieser Präsenz in Pet mehr Angst hatte, als später vor dem Untoten."
Die Knappin klang wieder ziemlich sachlich, die Hände wanderten auf den Rücken und Chasin entwickelte sogar ein entspanntes Lächeln, da sie die sachliche Ader an dieser Frau sehr zu schätzen wusste.
"Dabei stolperte ich plötzlich darüber, dass bei all den Heilungen mithilfe der Seelenrose der Hauch immer zu Asche zerfallen ist - als wäre er verbrannt worden... Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass Florencia eine Krankheit ausgerechnet verbrennt, und plötzlich schienen sich lauter... Bruchstücke von Informationen zusammen zu fügen, ich erinnerte mich, dass Leon mich als 'kleines goldenes Leuchten, umhüllt von Grün' beschrieben hatte und fragte mich, warum er mich überhaupt als 'Leuchten' wahr nahm, ob das bei Basil..ius auch so gewesen wäre?"
Sie sah für einen Moment Leon an - ob er ihr gleich sagen würde, dass sie einem Irrtum unterlegen war. Dass diese Wahrnehmung nichts weiter bedeuten würde. Doch so, wie sie nach Antworten jagte, kam auch er nicht dazu mit einer entsprechenden Reaktion sie zufrieden zu stellen und zuckte nur unbedeutend mit den Schultern.
"Und es kam mir völlig abwegig vor, dass Florencia die Kraft eines Dämons benutzt hätte, um eine Krankheit zu heilen"
, führte sie weiter aus - es klang rechtfertigend, die distanzierte Selbstsicherheit schwand.
Chasin beobachtete die arme Frau wie sie sich immer tiefer in den Sumpf ihrer Schlussfolgerungen verrannte und es tat ihr fast leid, dass sie sie durch ihre Erinnerungen geführt hatte. Notwendig war es gewesen, doch der Verstand des Mädchens schien sich immer mehr in Details zu verlieren.
So ist das, wenn man seine eigenen Schlussfolgerungen als Wahrheiten deklariert und sich nicht an die Fakten hält. Es ist ihre Empfindung gewesen, ihre Deutung, dass es „völlig abwegig“ sei...kein Fakt. Sie interpretiert. Ob ihr Urteil nun richtig oder falsch ist, ist für mich nicht relevant. Aber... SIE möchte wissen, was mit ihr passiert. Sie hat Angst... nur kann ich ihr da nicht helfen. Wenn sie das begreift wird ihr Herz sich gegen mich wenden, ...wie es immer geschieht. Ich würde ihr so gerne ...
"Plötzlich... schien sich in meinen Erinnerungen und Gedanken alles nur noch um Feuer zu drehen. Und was es mit mir zu tun hat - haben könnte. Bis... ich es endlich wagte, mich an die Verbrennung zurück zu erinnern. Die auf dem Marktplatz.“
Als sie Kind war.
„Und mir fiel etwas wieder ein, was ich, glaube ich, verdrängt oder vergessen habe: Ich fand das Feuer damals unglaublich faszinierend. Ich sah die ganzen Farben und erinnerte mich daran, dass der Körper des Magiers kurz vor dem völligen Verbrennen vollständig von rein blauen Flammen umhüllt worden war."
Das war dieses dämonische Feuer, nicht? Die Verbrennung hat überhaupt nicht bewirkt, was die Inquisition hatte erreichen wollen. Nichts mit 'Läuterung', reinigender Flamme... Sie haben ihn verloren.
, glaubte die Knappin nebenher zu begreifen.
Mutmaßungen... selbst wenn sie eine gewissen Anteil an Realismus haben. Sollte ich sie unterbrechen? Nein, das würde sie als unhöflich oder als Arroganz meinerseits interpretieren.
Chasin schien es fast, als suche die Knappin bei jeder ihrer Äußerungen bei ihr nach Bestätigung. Etwas das sie ihr unmöglich geben konnte. Und dies war ein Umstand der sie mehr und mehr frustrierte.
"Und was dann passierte, war eine Flut von Eindrücken, eine ganze Szenerie, aber es schien im Hier und Jetzt kaum ein paar Lidschläge gedauert zu haben."
Aha, jetzt kommen also die neuen Erkenntnisse.
Wieder ging ein fragender Blick in die Runde und die Knappin hob angedeutet die Schultern.
"Ich schien... den 'Raum' zu wechseln, ich kann es schlecht beschreiben. Es war, als wäre ich mit meinen Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes woanders: bei ihm - dem Dämon. Beziehungsweise, in einer Art Raum, der eine Grenze darzustellen schien. Ich auf der einen, er auf der anderen Seite... Alles wirkte düster, und an meiner Seite war zunächst einer dieser dämonischen Hunde."
Rakh Fauthar...
"Er... sah mich an, und vermittelte den Eindruck, mir absolut treu ergeben zu sein."
Interessant.
Nun hatte sie wieder Chasins ungeteilte Aufmerksamkeit, doch ihre Gefühle dominierten gleich wieder ihre Aura, so dass es der Tha'Roon schwer fiel alle Informationen für sich zu sichten und in sich aufzunehmen. Erste Anzeichen der Anstrengung machten sich wieder bei ihr bemerkbar, während sich Darna innerlich bei dieser Schilderung vor Scham, Schuldgefühl, Wohlgefühl und Faszination und sogar Verlangen wand.
War das überhaupt ich? Oder kann ER meine Gefühle ändern - fälschen? Nein... das war ich, irgendwie, aber... ich WILL es nicht.
Konzentriere dich. Bleib beim Wesentlichen!
"Immer wieder war dieses fremdartige Blau zu sehen, dieses seltsame 'Feuer', es war kühl, nicht heiß. Vor einer Art düsterem Spiegel hing es wie ein Vorhang, und ER... war auf der anderen Seite. Unsere Bewegungen schienen synchron, ich konnte ihn sehen - und er sah mich. Er... ist ein Kriegsfürst, er trug eine schwarze Rüstung mit verwirrenden Verzierungen, er trägt einen furchtbar großen Zweihänder, einen Helm mit schwarzem Haarbusch, einen zerfetzt aussehenden Umhang aus diesem speziellem Blau, wie Seide, einen Helm, unter dem sein Gesicht nicht zu sehen war, und er...
er..."

ER...???
Geduld ist wahrlich heute nicht meine größte Stärke.
Er war mir ähnlich. Ich ihm. Ich hatte... Wie sag ich das?
In seinen körperlichen Merkmalen? So wie bei einem nahen Verwandtschaftsgrad?
"Ich hatte den Eindruck, als würde er... etwas in mir sehen, das seiner würdig wäre. Nicht körperlich."
Also nicht...
Wirklich nicht?
Jetzt verwirrt sie mich. Ich dachte sein Gesicht war nicht zu sehen?!
Schon wieder färbte Scham ihre Aura und Chasin musste sich arg konzentrieren um nicht von den ständigen Wechseln und der Intensität abgelenkt zu werden.
"Sondern ich hatte... das Gefühl von Macht. Und es tut mir wirklich leid! - ich kann, konnte nicht auseinander halten, ob das seine Macht war, die er mich spüren ließ, sie... fühlte sich an, wie meine. Als ich an mir herunter sah, trug ich eine schwarze Rüstung, die seiner glich... Ich will das nicht.“
Hmhmm... genau. Und ein Mensch ist noch nie in Versuchung geraten bei dem Gefühl von Macht! ...hui, ich bin sarkastisch! Ha! Wenn Zanfar das doch hören könnte. Er wäre so stolz auf mich. Ich mache Fortschritte.
Fast hätte die Tha'Roon an vollkommen deplatzierter Stelle gelächelt, aber die Knappin fuhr zum Glück für sie nahtlos fort.
„Ich weiß noch, dass sich endlich Widerwille regte, dass ich.. nicht mehr nur Zuschauer war, als träume ich von mir selbst. Ich will keine Schreckensgestalt sein."
Ich war sie schon für Pepe. In einer verdammten schwarzen Rüstung!
, dachte sie mit einem Anflug tiefer Melancholie und Traurigkeit.
Was hat sie nur gegen Schwarz. Steht ihr doch ausgezeichnet. Es ist ein hübscher Kontrast zu ihren hellen Haa...
"Er wandte sich ab. Ging wieder weg von dem Vorhang. Ich blieb zurück, eingehüllt in diese blaue Seide.“
Also dann keine Rüstung mehr. Ein Kleid? Ein Umhang? Eine Tunika?
„Ich habe nicht gehört, wie und wann der Hund mich verlassen hat, ich hörte nur ein Knurren und hatte gesehen, wie der Vorhang sich bewegt hat. Ich begriff, dass er mir nicht dient, höchstens mit der gleichen Loyalität, wie ich Ritter Hagen diente, ohne dass der Graf deswegen weniger mein Herr gewesen wäre."
Eine Beschreibung, die sicher kaum jemand außer Basil verstand, und ihn sah sie auch in diesem Moment an, blickte dann wieder zu Chasin.
Ah, ein Detail, dass nur dieser junge Mann versteht und hoffentlich nicht zu wichtig ist.
"Ich kehrte ins Hier und Jetzt zurück, und Ihr nanntet das nächste Stichwort, als wäre nichts gewesen. Aber Ihr versteht jetzt vielleicht, was mich verunsichert, wenn Ihr meint: 'Das Feuer mache mich stärker' - wenn Ihr diesen Eindruck in genau dem Moment gewonnen habt, in dem ich die Macht des Dämons in mir zu spüren glaubte, wurde in mir womöglich gar nichts stärker, sondern Ihr wurdet getäuscht. Wenn Ihr sagt: 'Das Feuer mache mich stärker', frage ich mich gerade...: wessen Feuer?"
, warnte sie eindringlich und trotzdem irritierend sachlich im Ton, befremdend erwachsen.
Wortklauberei! Ihr Feuer...sein Feuer... als wenn das etwas ausmachen würde.
Und trotzdem muss da irgend etwas sein...Warum war er so selbstverständlich überzeugt davon, ich könne Pet besiegen? Warum war er erst so wütend auf mich und sieht mich nun so... anders an?
Darna erinnerte sich der Worte des Dämons:
WAS ICH VON DIR WILL ...VON DIR?... NICHTS!!! ICH WOLLTE NIE ETWAS VON DIR!
Es scheint, als hätte er seine Pläne geändert? Oder doch gelogen. Irgend etwas stimmt hier nicht, irgend etwas passt hier nicht. Warum hätte er Ravingers Körper haben wollen? War das wirklich das, was er gemeint hat?
Chasin war versucht den Kopf zu schütteln über so viel unsinnige Gedankenfetzen. Sie hatte eindeutig das junge Menschenkind überfordert, so „schlussfolgerte“ sie zumindest in diesem Moment. Sie hatte zwar selbst eine tief in ihr aufsteigende Vermutung zu dem unschlüssig formulierten Geschehen, aber diese würde sie tunlichst unterlassen zu äußern! Schließlich brauchte sie die Knappin noch, bzw. sie sie um den König über die drohenden Gefahren zu informieren. DANACH könnte sie Darna ganz vielleicht noch einen kleinen Gedankenstoß in eine spezielle Richtung geben, aber nicht vorher!
Und plötzlich setzte diese an einer völlig anderen Stelle wieder an:
"Er ist ein Kriegsfürst, und er erwähnte bereits etwas von anderen Dämonen, die seine Widersacher seien, aber ich weiß nicht, wofür oder auf wessen Seite er kämpft - wenn das überhaupt eine Rolle spielt"
, dozierte sie noch eine Spur nüchterner.
"Und er scheint so etwas wie ein 'Gefolge' zu haben, einen Teil davon hat vermutlich Basilius bei dem Kampf auf dem Feld gesehen: Diese Hunde gehören dazu. Ich vermute, dieser erwähnte 'Dämon mit einem Teller' hielt kei.." ..n Küchengeschirr "..keinen Teller, sondern das könnte ein Schild gewesen sein. Ich will das Wort in diesem Zusammenhang eigentlich nicht in den Mund nehmen, aber er wirkte auf.. dämonisch verdrehte Weise wie eine Art... Ritter?"

Basilius sah gerade nicht glücklich aus und zuckte nur mit den Schultern und sprach leise:
„Für mich sah es aus wie ein großer Teller... aber ja, er kämpfte auch damit.“
Manchmal lobe ich mir seine einfachen Gedankengänge.
, sinnierte Chasin, als sie ihn betrachtete und dabei auch keine weiteren Gedanken zu hörte. Dann sah sie wieder zu Darna zurück.

Chasin straffte die Schultern und versuchte noch einmal das Thema zu einer taktischen Unterbrechung zu führen.
„Wie dem auch sei, ich bin nun der Ansicht, dass wir euch helfen können.“
„… es sind Spiegel.“

Sagte Zanfar leise, noch halb in den unangenehmen Erinnerungen gefangen und sie wandte ihm den Kopf zu. Seine während des Berichts angewachsene Sorge umwölkte seine Gestalt.
Kann es sein …
Sein Blick schweifte zu den beiden Lichtmagiern. Unweigerlich sah er Delilah an und musterte ihre schlanke Gestalt. Sie wirkte ein wenig grauer. Zanfars Nachdenklichkeit ließ Chasin aufhorchen und ebenfalls genauer hinsehen.
Habe ich etwas übersehen?
Das Gefühl von Macht und Zugehörigkeit … der Dämon hatte schweres Geschütz aufgezogen. Wer dürstete insgeheim denn nicht nach mindestens einem der zwei Dinge? Es waren keine auformulierten Gedanken, aber sie kannte ihren Freund gut genug um auch in seiner Haltun lesen zu können, dass ihn etwas beschäftigte. Fragend sah sie ihn an.
Kluger Zug … die Moralpredigt kann ich mir wohl sparen … du weißt, wie gefährlich und unklug es wäre, dem Dämon nach zu geben.
Chasin verstand nur Bruchstücke der Gedanken in seiner Heimatsprache, aber irgendwie schien Zanfar dem Dämon oder Knappin Respekt zu zollen. Als Darna das Gespräch auf die „Ritterschaft“ der Harax-Kreaturen gelenkt hatte hatte Zanfar nur einmal zynisch gelacht. Nun aber kommentierte er seine Reaktion:
„Ein niederer Dämon wäre ja auch langweilig gewesen, oder? Ich bin in der Rangfolge der Dämonen nicht sehr bewandert, aber Eure Theorie klingt Schlüssig.“
Oh jeh... ist das ansteckend?
Chasin war schon fast geneigt zu intervenieren, doch Zanfars Meinung war ihr zu wichtig und sie vertraute seiner einschätzenden Erfahrung mehr als allen anderen, wenn er etwas über das Böse in der Welt zu sagen gab. ...selbst wenn es Mutmaßungen beinhaltete.
„Und das Feuer, das ihr beschreibt, kenne ich auch aus Erzählungen. Dämonenfeuer – ich schätze, wenn ihr in der Lage wärt, das Feuer herauf zu beschwören, würden wir leicht sehen können, ob es Eures oder seines ist. Aber vielleicht besser nicht hier im Laden.“
Chasin ließ die schultern hängen, schnaufte leise, was fast einem bockigen Kind glich und nicht wirklich zu ihrem sonstigen Auftreten passte. Offensichtlich gefiel ihr etwas ganz und gar nicht. Trotzdem unterbrach sie ihn nicht und Zanfar legte den Kopf etwas schräg und verschränkte erneut die Arme vor der Brust.
„Und ich denke es waren Spiegel, die da im „Stern der Sünden“ zu sehen waren. Mächtige Dämonenbeschwörer können damit die Ebenen wechseln. Sicher können sie auch als Brücke zwischen den Dimensionen dienen.“
Oh... natürlich!
Schon war sie wieder Feuer und Flamme. Zanfar musterte nochmals Delilah und Leon.
„Ihr seht beide erschöpft aus … ist dieser Zustand für Euch Normal, oder seid ihr angestrengter als ihr solltet? Der Rakh Fauthar kann bei direkter Berührung Magie unterbinden, aber seine bloße Anwesenheit kann dafür sorgen, dass Wirker mehr Kraft verbrauchen, als sie es für gewöhnlich täten. Nach Knappin Darnas Ausführungen könnte es sein, dass er von der anderen Ebene hier herüber reichte ...“
Oder womöglich hier ist?
Oh...!!!

Chasin erstarrte in der Bewegung. Eben hatte sie noch etwas sagen wollen, doch jetzt überflutete sie ihre eigene Emotionalität. Wenn einer dieser Jäger aus der Dunkelheit hier wäre...
Aber dann müssten die Lichtmagier ihn doch irgendwie wahrnehmen?! Außer... Spiegelbilder...natürlich.
„Spiegelbilder...“
, flüsterte sie nachdenklich und blinzelte ein paar Mal.
„Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen!“
Die Tha'Roon schüttelte über sich selbst den Kopf und strich sich mit beiden Händen die Haare aus dem Gesicht. Bevor ihr leuchtend rotes Haar gleich wieder zurück fiel und damit ihre Gesichtshälfte verdecken konnte, war aber gut die grässlich dicke und wulstige Narbe über ihrem linken geschlossenem Auge zu sehen. Dann begann sie auf und ab zu gehen, leider zum Leidwesen ihrer Verbündeten, behielt sie ihre Erkenntnisse jedoch noch ein paar zähe lange Momente für sich. Für Ungeduldige war dieses Verhalten fast unerträglich, aber dessen war sich Chasin gerade nicht bewusst. Sie musste die Puzzleteile zusammenfügen und brauchte dafür halt ihre Zeit. Nach gefühlten Stunden, aber eigentlich nur wenigen Minuten blieb sie stehen und meinte, als würde man sie selbstverständlich sofort verstehen:
„Spiegel!“
Sie sah in fragende Gesichter und wiederholte:
„Spiegel! Das würde erklären, warum Darna nie auffällig geworden ist, oder auch Lichtmagier in ihrer Umgebung keinerlei Anzeichen für Dämonische Aktivitäten wahrnehmen, oder ich sein Knistern nur ihn ihrem Geist hören kann. Es wäre alles nur in Darnas Kopf. – auch der Hund.“
„Ein Spiegelbild ihrer Vorstellung. … Also, ein Spiegelbild hat nur wenig eigene Präsenz... gar keine um genau zu sein. Die Wesenheit, die in ihrer Kindheit an sie gebunden wurde könnte eine Art Spiegelwesen sein. Etwas, dass die Portale zwischen den Ebenen bewacht oder zumindest Macht darüber besitzt....oder beides. Wenn wir schon die ganze Zeit theoretisieren, dann tu ich das jetzt auch!!“
Sie wirkte fast verärgert über ihre letzte Aussage, wedelte fahrig mit den Händen durch die Luft, aber fuhr sofort weiter zu sinnieren, auch wenn sie gereizt klang.
„Also wenn wir es hier mit einer Art „Portal/Wächter/Dämon“ zu tun haben, der an ein Kind dieser Welt gebunden wurde, wohl ohne dass er es wollte, vorausgesetzt dass er in diesem Punkt die Wahrheit sagte und „Nichts von Darna wollte“...dann würde das erklären, warum die anderen „Sündenfürsten“ sich Darna bemächtigen oder zerstören oder was auch immer mit ihr anstellen wollen. Dies würde ein durchaus mächtiges Potenzial beinhalten, dass sicher einige gierige Gemüter vermutlich sogar auf beiden Seiten erregen dürfte, habe ich Recht mein Freund?“
Sie sah kurz zu Zanfar und fuhr aber schon fort zu sprechen:
„Wenn Dämonen nicht freiwillig ihre Dimension verlassen, stellt so ein Kind für sie eine echte Gefahr dar, da sie durch Darna vielleicht sogar Kontrolle über jenen „Spiegelfürsten“ erlangen könnten....theoretisch gesprochen! Kein Wunder also, dass er versucht sie zu schützen.“
Dann schien sie kurz den sprichwörtlichen Faden zu verlieren und sah Daran eindringlich an. Sie tippten ein paar mal mit dem Zeigefingern in der Luft herum.
„Frage: Habt ihr Darna von Eibenau jemals „EIGENES“ Feuer besessen? Habt ihr jemals eine eigene Form der Magie gewirkt oder irgendwelche Anzeichen dafür in euch beobachtet? Nein. - Nach euren bisherigen Aussagen ist dem nicht so. Also gehen wir mal davon aus, dass dem auch wirklich so ist, sollte jegliches Feuer das aus euch heraus wirkt, seinen Ursprung in IHM haben, ABER durch die „Spiegel“ in unserer Welt für euch transformiert werden. Quasi von blau zu rot. Von links nach rechts, von hell nach dunkel, von kalt zu heiß. Somit sollte die Frage nach eurem oder seinem Feuer geklärt sein, denn beides ist das selbe eben nur ein verkehrtes Bild von einander.“
Genervt verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah zu Boden, was sonst nicht ihre Art war, vor allem wenn sie die Gedanken von Anwesenden auffangen wollte. Man merkte eben langsam doch, dass sie an ihre Grenzen geriet.
„Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. Ich bin bereit euch zu helfen und sehe keine akute Gefahr. Ich - bin – nicht - in der Lage alle Fragen zu eurer Zufriedenheit zu beantworten.“
Dieses Geständnis schien ihr fast körperlich weh zu tun.
„Ich würde das hier gern zu einem Abschluss bringen, denn der Tag schreitet voran und wenn ihr eine Audienz bei seiner Majestät haben wollt, dann sollten wir bald aufbrechen.“
Am liebsten hätte sie noch pampig wie eine der Hofdamen, die sie deutlich zu oft beobachtete hatte hinzugefügt, dass sie „ja sonst nichts besseres zu tun hätte“, aber das erschien ihr dann doch nicht richtig und Sarkasmus war ihr noch nicht so sehr zu eigen. Nervös tippte ihr Zeigefinger auf ihrem linken Ellenbogen auf und ab und mit einem tiefen Atemzug versuchte sie sich wieder zu zentrieren. Die ganze Emotionalität der letzten Stunde hatte sie aufgewühlt und dünnhäutig gemacht, wie man wohl sagen würde. Seltsamer Weise sehnte sie sich gerade nach einem kleinen Löffel Honig. Damals hatte sie so viel schneller denken können. Das würde ihr im Moment zu Gute kommen, aber Honig war gerade nicht greifbar.

Ausgerechnet Leon war es in diesem Moment, der sich langsam erhob und mit langen Schritten sich der Tha'Roon näherte. Er blieb vor ihr stehen und schien zu warten, dass sie ihn ansehen würde, was aber nicht geschah. Also legte er seine Hand auf ihre Hand mit dem zuckenden Finger und Chasin kam zurück ins hier und Jetzt. Irgendwie waren in diesem Augenblick doch ein paar Ähnlichkeiten zwischen den beiden bemerkbar. Beide waren groß und hager, feingliedrig und „kopflastig“. Leon führte die Diplomatin zu einem der Sessel und sprach dann zu den Anderen:
„Sie hat Recht. Auch wenn dies hier alles sehr wichtig ist zu hinterfragen, so haben wir doch nur diese eine Chance seine Majestät zu informieren und das sollte Vorrang haben. Wenn später noch Zeit sein sollte, wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir noch eine Weile zusammen über die Problematiken diskutieren könnten. Vielleicht bei einem Becher Wein?“
, versuchte er wie immer zu vermitteln. Auch wenn er müde aussah und seine Augenringe wieder an Dunkelheit gewonnen hatten, hielt er sich aufrecht und ging mit gutem Beispiel voran. Er wandte sich Zanfar zu und reichte ihm seine Hand.
„Ich wäre für eure Hilfe sehr dankbar.“
Es war offensichtlich, dass er eben nicht nur die Diplomatin als Entscheidungsträger in dieser Sache für wichtig hielt. Es war ihm wohl klar geworden, dass Chasin Halona de Mondragil, so selbstsicher sie die meiste Zeit wirkte, ohne ihren Begleiter keinen einzigen Schritt unternehmen würde. Hoffend und abwartend stand er vor dem vermummten Dunkelelfen und hielt ihm die Hand hin.

Basilius stand zurückhaltend im Hintergrund und beobachtete die Szenerie. Darna hatte noch immer das Gefühl nicht ganz so allein zu sein, wie es sein sollte und Delilah fühlte sich durch das Verhalten der Tha'Roon gerade an eine Nachbarin ihrer Moma erinnert, die kurz darauf einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.
Bild

Benutzeravatar
Zanfar Aval'athil
Moderator
Moderator
Beiträge: 226
Registriert: Samstag 27. September 2014, 14:43
Moderator des Spielers: Darna
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelf
Sprachen: Lerium, Kr'zner
Beruf: Nichtgenannter
Fähigkeiten: Weg des Schmerzwandlers: gut
Schwertkampf: durchschnittlich
Unbewaffneter Nahkampf: gut
Energiemagie: rudemintär
Lebensenergie: [le]unverletzt[/le]
Lebensenergie:
Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: Ausrüstungsliste gibt's im Steckbrief. Die Liste macht meine Posts immer so lang.
Zum Vorzeigen: Bild[/URL]
Zanfar by zan
Zanfar vom Wichtel (der höchstwahrscheinlich Brovi ist)

Re: 'Mortimers Nadelkunst'

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Sonntag 27. August 2017, 14:33

Seitdem Zanfar Chasin kannte, versuchte er, ihre emotionale Seite zu stärken und hervor zu locken. Das hatte er natürlich nur versucht, weil sie selbst schon damit begonnen hatte, ansonsten wären sie einander wohl nie so nahegekommen.
Und trotzdem vergaß er manchmal, was dies alles für sie Bedeutete. Viele mochten die Rote Dame wohl als zerbrechlich wahrnehmen, weil sie Körperlich sehr angreifbar war, aber er hatte ihren Geist kennen gelernt und war von ihrer Stärke überzeugt.

Aber selbst ein so großartiger Geist wie der Chasins kannte Grenzen und langsam legte der stetige Druck, der auf ihr lastete, ihre Nerven bloß. Wäre sie ganz und gar die nüchterne Tha’Roon hätte sie wohl schlichtweg aufgehört zu Reden und den Raum verlassen, aber jetzt zeigte sich, wie sehr es der schlanken Rothaarigen am Herzen lag, zu helfen – selbst wenn sie am Ende ihrer Kräfte war.
Aber es bedeutete auch, dass die dünne Schicht aus Emotionen, die sie besaß, ihre unangenehmen Seiten zeigte.
Da sie eben sie war, bemerkte kaum jemand etwas, aber erkannte den Trotz und den Wiederwillen in ihren filigranen Zügen. Der Großteil dieser Gefühle spielte sich nur in ihrem Innersten ab und würde sich niemals für Außenstehende zeigen, aber es würde ihr trotzdem zu schaffen machen. Mit Sorge hoffte er, dass es wie für jeden Menschen sein würde und sie sich mit genug Ruhe und abstand besser fühlte, aber es konnte auch sein, dass sie es länger mit sich herumtragen würde.
Wenn er letzteres bemerkte, würde er mit ihr reden, aber erst einmal hoffte er auf das Beste.

„Spiegel!“
Sie sah in fragende Gesichter und wiederholte:
„Spiegel! Das würde erklären, warum Darna nie auffällig geworden ist, oder auch Lichtmagier in ihrer Umgebung keinerlei Anzeichen für Dämonische Aktivitäten wahrnehmen, oder ich sein Knistern nur ihn ihrem Geist hören kann. Es wäre alles nur in Darnas Kopf. – auch der Hund.“
„Ein Spiegelbild ihrer Vorstellung. … Also, ein Spiegelbild hat nur wenig eigene Präsenz... gar keine um genau zu sein. Die Wesenheit, die in ihrer Kindheit an sie gebunden wurde könnte eine Art Spiegelwesen sein. Etwas, dass die Portale zwischen den Ebenen bewacht oder zumindest Macht darüber besitzt....oder beides. Wenn wir schon die ganze Zeit theoretisieren, dann tu ich das jetzt auch!!“
Sie wirkte fast verärgert über ihre letzte Aussage, wedelte fahrig mit den Händen durch die Luft, aber fuhr sofort weiter zu sinnieren, auch wenn sie gereizt klang.


Schon allein bei dem Gedanken an das, was Chasin beschrieb drehte sich Zanfar der Kopf. So viel er auch von Dämonen in Morgheria erfahren hatte, dass Spiegel solche Möglichkeiten eröffneten, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er hatte auch nicht Jahrzehntelang die Magie erforscht, so wie die Tha’Roon es getan hatte. So sehr es sie ärgerte, nichts 100% fundiertes zu formulieren, so dankbar war er auch dafür, dass sie es aussprach. Wenn jemand hier eine halbwegs zutreffende Idee haben konnte, dann sie.

„Also wenn wir es hier mit einer Art „Portal/Wächter/Dämon“ zu tun haben, der an ein Kind dieser Welt gebunden wurde, wohl ohne dass er es wollte, vorausgesetzt dass er in diesem Punkt die Wahrheit sagte und „Nichts von Darna wollte“...dann würde das erklären, warum die anderen „Sündenfürsten“ sich Darna bemächtigen oder zerstören oder was auch immer mit ihr anstellen wollen. Dies würde ein durchaus mächtiges Potenzial beinhalten, dass sicher einige gierige Gemüter vermutlich sogar auf beiden Seiten erregen dürfte, habe ich Recht mein Freund?“
Sie sah kurz zu Zanfar und fuhr aber schon fort zu sprechen:
„Wenn Dämonen nicht freiwillig ihre Dimension verlassen, stellt so ein Kind für sie eine echte Gefahr dar, da sie durch Darna vielleicht sogar Kontrolle über jenen „Spiegelfürsten“ erlangen könnten....theoretisch gesprochen! Kein Wunder also, dass er versucht sie zu schützen.“


Zanfar nickte.
„Wenn das Stimmt, dann ist es ein gänzlich anderer Schlamassel, als wir erwarteten … aber ein noch Schlimmerer als Gedacht … denn dann ist der ‚Wächter‘ bei weitem nicht das einzige Problem – sondern vielmehr diejenigen, die seine Schwachstelle ausnutzten oder ausmerzen wollen.“

Dann schien sie kurz den sprichwörtlichen Faden zu verlieren und sah Daran eindringlich an. Sie tippten ein paar mal mit dem Zeigefingern in der Luft herum.
„Frage: Habt ihr Darna von Eibenau jemals „EIGENES“ Feuer besessen? Habt ihr jemals eine eigene Form der Magie gewirkt oder irgendwelche Anzeichen dafür in euch beobachtet? Nein. - Nach euren bisherigen Aussagen ist dem nicht so. Also gehen wir mal davon aus, dass dem auch wirklich so ist, sollte jegliches Feuer das aus euch heraus wirkt, seinen Ursprung in IHM haben, ABER durch die „Spiegel“ in unserer Welt für euch transformiert werden. Quasi von blau zu rot. Von links nach rechts, von hell nach dunkel, von kalt zu heiß. Somit sollte die Frage nach eurem oder seinem Feuer geklärt sein, denn beides ist das selbe eben nur ein verkehrtes Bild von einander.“
Genervt verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah zu Boden, was sonst nicht ihre Art war, vor allem wenn sie die Gedanken von Anwesenden auffangen wollte. Man merkte eben langsam doch, dass sie an ihre Grenzen geriet.


Diese Geste beruhigte Zanfar, denn es bedeutete, dass Chasin, bewusst, oder unbewusst, auf sich selbst konzentrierte und ihre Kräfte nicht länger schwächte indem sie sich auf alles im Raum konzentrierte.

„Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. Ich bin bereit euch zu helfen und sehe keine akute Gefahr. Ich - bin – nicht - in der Lage alle Fragen zu eurer Zufriedenheit zu beantworten.“
Dieses Geständnis schien ihr fast körperlich weh zu tun.
„Ich würde das hier gern zu einem Abschluss bringen, denn der Tag schreitet voran und wenn ihr eine Audienz bei seiner Majestät haben wollt, dann sollten wir bald aufbrechen.“
Am liebsten hätte sie noch pampig wie eine der Hofdamen, die sie deutlich zu oft beobachtete hatte hinzugefügt, dass sie „ja sonst nichts besseres zu tun hätte“, aber das erschien ihr dann doch nicht richtig und Sarkasmus war ihr noch nicht so sehr zu eigen. Nervös tippte ihr Zeigefinger auf ihrem linken Ellenbogen auf und ab und mit einem tiefen Atemzug versuchte sie sich wieder zu zentrieren. Die ganze Emotionalität der letzten Stunde hatte sie aufgewühlt und dünnhäutig gemacht, wie man wohl sagen würde. Seltsamer Weise sehnte sie sich gerade nach einem kleinen Löffel Honig. Damals hatte sie so viel schneller denken können. Das würde ihr im Moment zu Gute kommen, aber Honig war gerade nicht greifbar.


Unter der Maske zogen sich Zanfars Augenbrauen zusammen. Jetzt gerade würde er die Tha’Roon gerne schützend in die Arme nehmen und sie weit weg von allen äußeren Einflüssen bringen, wie nur möglich. Aber wenn sie die Audienz beim König wollten, mussten sie aufbrechen.
Sie hat ihr Versprechen gehalten, sie gibt auf sich acht und zieht Grenzen! Und vermutlich wäre aus unserer Diskussion nicht viel mehr als wilde Theorien entwachsen … aber es gibt noch so viel, dass ich den Kindern auf den Weg mit geben muss … aber später. Sie hat schon Recht, wir müssen den König warnen.

Ausgerechnet Leon war es in diesem Moment, der sich langsam erhob und mit langen Schritten sich der Tha'Roon näherte. Er blieb vor ihr stehen und schien zu warten, dass sie ihn ansehen würde, was aber nicht geschah. Also legte er seine Hand auf ihre Hand mit dem zuckenden Finger und Chasin kam zurück ins hier und Jetzt. Irgendwie waren in diesem Augenblick doch ein paar Ähnlichkeiten zwischen den beiden bemerkbar. Beide waren groß und hager, feingliedrig und „kopflastig“. Leon führte die Diplomatin zu einem der Sessel und sprach dann zu den Anderen:
„Sie hat Recht. Auch wenn dies hier alles sehr wichtig ist zu hinterfragen, so haben wir doch nur diese eine Chance seine Majestät zu informieren und das sollte Vorrang haben. Wenn später noch Zeit sein sollte, wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir noch eine Weile zusammen über die Problematiken diskutieren könnten. Vielleicht bei einem Becher Wein?“
, versuchte er wie immer zu vermitteln. Auch wenn er müde aussah und seine Augenringe wieder an Dunkelheit gewonnen hatten, hielt er sich aufrecht und ging mit gutem Beispiel voran. Er wandte sich Zanfar zu und reichte ihm seine Hand.
„Ich wäre für eure Hilfe sehr dankbar.“


Einen Moment lang sah Zanfar auf die ihm gereichte Hand hinab. Diese Geste bedeutete ihm viel – vermutlich um einiges mehr, als der junge Lichtmagier ahnte. Es bedeutete, dass jemand über seine Rasse hinweg seine Person anerkannte – und ihm eine Chance gab, sich selbst zu beweisen. Nun ja, eigentlich bedeutete es nur, dass der junge ihm die Hand reichte, obwohl er wusste, dass Zanfar ein Dunkelelf war.
Die dramatisch hoffnungsvolle Interpretation hatte sich wohl der einsiedlerische Nichtgenannte dazu Gedichtet.
Er ergriff die dargebotene Hand und Schlug ein. Nicht zu fest, da der junge vor ihm aussah, als würde er gleich in Ohnmacht fallen, aber doch entschlossen.
„Ihr könnt darauf zählen, Leon Milagros, genauso wie Eure Freunde.“
Er ließ den Blick über die Anwesenden schweifen.
„Es ist sicher nicht einfach, das hier so abprubt zu unterbrechen, aber die Dame Halona De Mondragil hat recht, diese Informationen müssen so schnell wie möglich von der richtigen Instanzen gehört werden und ich schließe mich an, fürs erste scheint ihr keine Gefahr für den König dar zu stellen, Darna von Eibenau.“
Er löste sich von Leon und stellte sich wieder hinter seiner Schutzbefohlenen auf, wobei er ihr stützend eine Hand auf den Rücken legte. Er war bereit zum Aufbruch.

Benutzeravatar
Darna von Eibenau
Moderator
Moderator
Beiträge: 494
Registriert: Donnerstag 4. September 2014, 16:18
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Schloss, Jorsa
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie: [le]unverletzt[/le]
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring und -schreiben Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner. Eigentlich.)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: 'Mortimers Nadelkunst'

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 2. September 2017, 00:15

Keine Antworten. "Aber warum habt nur Ihr dieses Geräusch gehört?" - was Chasins langsam überanstrengten Sinne unterbewusst als 'austeilen' klassifizierten, war tatsächlich noch einer fast wissenschaftlichen Neugier geschuldet gewesen, die sich darum bemühte, die Phänomene um sich herum zu verstehen und einzusortieren. Aber die Knappin überschritt mit ihrem Fragenhagel die Grenze, bis zu der man gewillt oder auch nur fähig war, ihr Antworten zu geben... so gut man es eben vermochte. Und so kippte Darna selber guten Willens all ihre Informationen in den Raum und hinterließ einen Heuhaufen, in dem der eine so und der andere so nach Körnern scharrte.
Die Tha'roon schätzte die sachliche Art der Knappin, doch in anderen Belangen der Denkweise unterschieden sie sich vollkommen und vermutlich auch unvereinbar: Darna war keine Wissenschaftlerin, die ihre Erkenntnisse auf wenige Fakten zu stützen vermochte. Darna neigte dazu, absolut alles zu zerzweifeln und in Frage zu stellen. Aber wäre dies alleine das gewesen, was sie lenkte, wäre die Knappin absolut unfähig gewesen, Entscheidungen zu treffen. Sie hätte dann im wahrsten Sinne des Wortes 'ver-zweifelt' nur noch gelähmt in einer Ecke gesessen. Stattdessen akzeptierte sie leicht Hierarchien und Leute, die sie als Vorgesetzte betrachtete, denn sie nahmen ihr Entscheidungen ab.
Und sie brauchte das Gefühl, dass um sie herum alles erklärbar und damit gewissermaßen 'seine Ordnung' hatte, und so suchte sie zwar wahrheitsliebend nach Gesetzmäßigkeiten und belastbaren Fakten, hatte sich aber genau so sehr angewöhnt, sich den Rest irgendwie zusammen zu reimen - darauf verließ sie sich selten in vollem Umfang und formulierte es für gewöhnlich auch erst recht nicht als 'Wahrheit', sondern wenn überhaupt, eben als ihre Vermutung, aber es gab ihr das Gefühl, dass also alles erklärbare Gründe haben konnte.
Das half ihr, Entscheidungen zu treffen - auch wenn sie dann falsch waren... wie bei Pet.

Hier im Laden hatte Darna eben noch das Gefühl gehabt, nach der Begegnung mit diesem dunklen Kriegsfürsten endlich Erklärungen zu finden. Bruchstücke von Informationen, Gefühlen, verwirrenden Eindrücken hatten endlich scheinbar zueinander gepasst. Sie hatte wieder fußend auf wenigsten Tatsachen eines ihrer mögliche-Erklärungs-Kartenhäuser gebastelt und dadurch so etwas wie Selbstsicherheit gewonnen, auch wenn noch dutzende offene Fragen wie lose Enden in der Gegend herum hingen.
Es reichte sogar, um den Anblick des Maskenträgers zu ertragen, ja sogar zu suchen.
Zanfar lachte einmal zynisch auf.
„Ein niederer Dämon wäre ja auch langweilig gewesen, oder? Ich bin in der Rangfolge der Dämonen nicht sehr bewandert, aber Eure Theorie klingt Schlüssig. Und das Feuer, das ihr beschreibt, kenne ich auch aus Erzählungen. Dämonenfeuer – ich schätze, wenn ihr in der Lage wärt, das Feuer herauf zu beschwören, würden wir leicht sehen können, ob es Eures oder seines ist. Aber vielleicht besser nicht hier im Laden.“

'Eure Theorie klingt schlüssig' - was in Chasin ein innerliches Stöhnen auslöste, war für Darna Balsam auf dieses schmerzende Knäuel lauter ungelöster Fragen, auch wenn sie selber es eigentlich war, die ihn in diese Denkfalle lockte: ihre Vermutungen und Herleitungen klangen meistens 'schlüssig', denn sie hatte Übung darin, sich alles zurecht zu begründen. Und sein fast schon beiläufig klingender Vorschlag, selber zu versuchen, 'Feuer herauf zu beschwören'... war der ernst gemeint? Allein die Vorstellung jagte ihr einen heftigen Schauer über den Rücken.
Die Tha'roon schnaufte leise und der Blick der Knappin huschte kurz irritiert zu ihr, aber sie konnte die Reaktion nicht einordnen.
Als aber Zanfar Delilah und Leon nach dem Grund ihrer Erschöpfung fragte, erstarrte auch sie.

„Spiegelbilder...“, flüsterte Chasin nachdenklich und blinzelte ein paar Mal. „Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen!“
Spiegel.
Da war das Wort schon wieder. Irgendwas schien wichtig daran zu sein. Mit irritiert, gespannt abwartend gefurchter Stirn verfolgte die Knappin die Bewegungen der Diplomatin und Darnas Augen weiteten sich für einen Moment deutlich, als sie die dicke Narbe im Gesicht der blauhäutigen Frau entdeckte. Götter! Das war das also vorhin! Kein Wunder, dass sie sie verdeckt - aber warum hat sie das? Die Tha'roon begann, auf und ab zu gehen, und statt ungeduldig zu werden, beobachtete die Knappin sie abgelenkt und teils mit Anflügen von Mitleid. Das sieht nicht nach einer dünnen Klingenspitze aus... dagegen sind meine ja kleine Kratzer. Ihr linker Mundwinkel verzog sich kurz wie angewidert, aber das Mitleid im Blick blieb. Warum trägt sie keine Augenklappe? Das wär sicherer, wenn das Haar doch mal beiseite rutscht. Ästhetischer? Naja... es sähe wohl verwegener aus.
Gruselig.
Ich kann froh sein, dass er mein Auge nicht wirkl...
Sie senkte den Blick ab, als ihr klar wurde, dass es wieder einmal sein mochte, dass sie der Gedankenleserin ungebeten Dinge mitteilte, auch wenn diese gerade deutlich mit sich selber beschäftigt zu sein schien.
'Dein Wort, Eibenau...' - Mistkerl. Aber nein, ich verrate es nicht.

„Spiegel!“ Chasin sah in fragende Gesichter und wiederholte:
„Spiegel! Das würde erklären, warum Darna nie auffällig geworden ist, oder auch Lichtmagier in ihrer Umgebung keinerlei Anzeichen für Dämonische Aktivitäten wahrnehmen, oder ich sein Knistern nur ihn ihrem Geist hören kann. Es wäre alles nur in Darnas Kopf. – auch der Hund.“

Darnas Gesichtsmuskeln zogen sich, die Mimik verschließend, nach hinten. Was?
„Ein Spiegelbild ihrer Vorstellung. … Also, ein Spiegelbild hat nur wenig eigene Präsenz... gar keine um genau zu sein. Die Wesenheit, die in ihrer Kindheit an sie gebunden wurde könnte eine Art Spiegelwesen sein. Etwas, dass die Portale zwischen den Ebenen bewacht oder zumindest Macht darüber besitzt....oder beides. Wenn wir schon die ganze Zeit theoretisieren, dann tu ich das jetzt auch!!“
Was?! Wie kam die Diplomatin von einem Spiegel-Bild, was Darna noch halbwegs nachvollziehen konnte, darauf, dass es sich bei 'ihrem' Dämon um ein Spiegel-Wesen handelte? Wie kam sie auf einen Portaldämon?? Mit einer fast vollständig grauen Aura, begleitet von ein wenig Ablehnung, hörte die Knappin weiter zu, wie die Tha'roon ihr bisheriges Kartenhaus umschmiss und durcheinander warf:
„Also wenn wir es hier mit einer Art „Portal/Wächter/Dämon“ zu tun haben, der an ein Kind dieser Welt gebunden wurde, wohl ohne dass er es wollte, vorausgesetzt dass er in diesem Punkt die Wahrheit sagte und „Nichts von Darna wollte“...dann würde das erklären, warum die anderen „Sündenfürsten“ sich Darna bemächtigen oder zerstören oder was auch immer mit ihr anstellen wollen. Dies würde ein durchaus mächtiges Potenzial beinhalten, dass sicher einige gierige Gemüter vermutlich sogar auf beiden Seiten erregen dürfte, habe ich Recht mein Freund?“
Sie sah kurz zu Zanfar und fuhr aber schon fort zu sprechen:
„Wenn Dämonen nicht freiwillig ihre Dimension verlassen, stellt so ein Kind für sie eine echte Gefahr dar, da sie durch Darna vielleicht sogar Kontrolle über jenen „Spiegelfürsten“ erlangen könnten....theoretisch gesprochen! Kein Wunder also, dass er versucht sie zu schützen.“

Darnas Brauen wanderten steil in die Höhe. Nun waren es Chasins Worte, die in sich schlüssig klangen, aber wie sie darauf kam, konnte Darna gerade nicht im Mindesten nachvollziehen. Der Dunkelelf schien ihr zuzustimmen, aber sie verstand es immer noch nicht. Und wenn die fremde Frau Recht hatte, sollte es also auch noch schlimmer sein als vorher sowieso schon... und sie verstand nichts. Ganz toll.

„Frage: Habt ihr Darna von Eibenau jemals „EIGENES“ Feuer besessen?" Bei der verhörerischen Direktheit der Frage zuckte die Knappin kurz zusammen und dachte eigentlich tatsächlich gar nichts, war zu überrumpelt. Chasin beantwortete die Frage analytisch auch selbst, und Darna musste ihr zustimmen... in der Sache. Ihr Bauchgefühl versuchte ihr nur gerade immernoch etwas anderes zu sagen, und sie hatte keinen plausiblen Grund dafür.
"Also gehen wir mal davon aus, dass dem auch wirklich so ist, sollte jegliches Feuer das aus euch heraus wirkt, seinen Ursprung in IHM haben, ABER durch die „Spiegel“ in unserer Welt für euch transformiert werden. Quasi von blau zu rot. Von links nach rechts, von hell nach dunkel, von kalt zu heiß. Somit sollte die Frage nach eurem oder seinem Feuer geklärt sein, denn beides ist das selbe eben nur ein verkehrtes Bild von einander.“
Was???
Sie verstand es nicht mehr, und ihr Gesichtsausdruck gewann etwas Gequältes. Die spiegelbildliche Umkehr von Dingen hätte sie noch nachvollziehen können, aber Chasin erklärte etwas für 'dasselbe', was Darna immernoch strikt zu trennen versuchte.
Zudem wirkte die Diplomatin irgendwie... verärgert? Als sie die Arme vor der Brust verschränkte, fühlte Darna sich abgewiesen wie von einem Lehrer, der sie gerade getadelt und für den Moment aufgegeben hatte. In ihren Augen drohten Tränen aufzusteigen. Der Satz:
"Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen" stach zunächst in genau diese Wunde und die Knappin zog sich unter dem Gefühl der Schelte in sich selbst zurück, während sie still weiter zuhörte:
"Ich bin bereit euch zu helfen und sehe keine akute Gefahr. Ich - bin – nicht - in der Lage alle Fragen zu eurer Zufriedenheit zu beantworten.“ Darna konnte nicht nachvollziehen, wie sich die langgliedrige Frau unter ihren eigenen Worten wand, wie sie ihr leid taten. Sie verstand nur, dass die losen Enden lose Enden bleiben würden. Für den Moment hatte sie das Gefühl, eigentlich GAR NICHTS zu wissen. Es war seltsam still in ihr.
„Ich würde das hier gern zu einem Abschluss bringen, denn der Tag schreitet voran und wenn ihr eine Audienz bei seiner Majestät haben wollt, dann sollten wir bald aufbrechen.“

Ausgerechnet Leon war es in diesem Moment, der sich langsam erhob und mit langen Schritten sich der Tha'Roon näherte. [...]
„Sie hat Recht. Auch wenn dies hier alles sehr wichtig ist zu hinterfragen, so haben wir doch nur diese eine Chance seine Majestät zu informieren und das sollte Vorrang haben. Wenn später noch Zeit sein sollte, wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir noch eine Weile zusammen über die Problematiken diskutieren könnten. Vielleicht bei einem Becher Wein?“, versuchte er wie immer zu vermitteln. Auch wenn er müde aussah und seine Augenringe wieder an Dunkelheit gewonnen hatten, hielt er sich aufrecht und ging mit gutem Beispiel voran.

Mit weiterhin leergefegtem Kopf und zugeschnürter Brust beobachtete Darna die Szenerie. Alles fühlte sich falsch an, absolut alles. Sie hatte das Gefühl, dass die anderen gerade den Haraxhund doch aus den Augen zu verlieren drohten - aber sie, Darna, bildete ihn sich also gerade nur ein, oder was? 'nur in Darnas Kopf. – auch der Hund.'
Der Blick der Knappin ging zu Boden.
Ich werde also doch verrückt, machte sich Bitterkeit in ihr breit, aber sie versuchte es herunter zu schlucken. Die anderen hatten recht, der König MUSSTE gewarnt werden, und wenn sie also keine Gefahr war, wie Chasin sagte... zumindest keine akute... na schön.
Etwas in ihr brach und begann, wieder wie gewohnt mit dem Strom zu schwimmen. Es war wohl besser so. Dass sie sich auf die Begegnung mit seiner Majestät freute, konnte ihr jetzt wenigstens nicht mehr so schnell passieren.
„Es ist sicher nicht einfach, das hier so abrupt zu unterbrechen, aber die Dame Halona De Mondragil hat recht, diese Informationen müssen so schnell wie möglich von der richtigen Instanzen gehört werden und ich schließe mich an, fürs erste scheint ihr keine Gefahr für den König dar zu stellen, Darna von Eibenau.“
Na immerhin etwas, dachte sie abgestumpft und nickte etwas, den Blick immernoch weitgehend abgesenkt.
"Ich werde tun, was nötig ist und was immer ihr wünscht... Ich danke euch für eure Hilfe", erklärte sie mit gerade so dem nötigen Nachdruck in den letzten Worten, dass die abgestumpften Silben nicht völlig bleiern und bedeutungslos klangen.

Benutzeravatar
Delilah
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 187
Registriert: Freitag 1. Juni 2012, 22:26
Abwesend: kein Internet
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Königreich Jorsan
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mensch (Jorsanerin)
Sprachen: Garmisch (Muttersprache)
Esera (Sehr gut)
Lebensenergie: [le]unverletzt[/le]
Lebensenergie: unverletzt

Re: 'Mortimers Nadelkunst'

Beitrag von Delilah » Sonntag 17. September 2017, 03:20

Auf die Theorien der anderen reagierte Delilah mit einer kleinen Ergänzung, bezüglich ihres Erlebnisses. "Ich hatte vorhin das Gefühl, dass sich etwas bei Darnas Beinen befindet... oder... nicht befindet. Es war wie ein... blinder Fleck? Obwohl es der Ausdruck auch nicht trifft..."

Ausgerechnet Leon war es in diesem Moment, der sich langsam erhob und mit langen Schritten sich der Tha'Roon näherte. „Sie hat Recht. Auch wenn dies hier alles sehr wichtig ist zu hinterfragen, so haben wir doch nur diese eine Chance seine Majestät zu informieren und das sollte Vorrang haben. Wenn später noch Zeit sein sollte, wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir noch eine Weile zusammen über die Problematiken diskutieren könnten. Vielleicht bei einem Becher Wein?“ Auch wenn er müde aussah und seine Augenringe wieder an Dunkelheit gewonnen hatten, hielt er sich aufrecht und ging mit gutem Beispiel voran. Über ihm war heute eine Welt zusammengebrochen, doch beugen tat ihn das nicht. Delilah bewunderte seine Stärke über alle Maßen. Woher zog er die Kraft, die ihn weitergehen ließ, trotz all der Verantwortung und der Last seines Erbes?

In ihr selbst lebte wieder die Zuversicht ungezählter sonniger Tage, das Lächeln der Menschen dieser Stadt und das Wissen, dass sie eine Heimat hatte und Menschen, die sie liebten und geliebt hatten. Sie trug die Gewissheit der Jugend, die daran glaubte, dass es überall und in jedem etwas Gutes gab, alles irgendwie ein gutes Ende fand und man die Welt zu einem besseren Ort machen konnte, wenn man das nur wollte. All das begleitete sie bei jedem Schritt, gab ihr Kraft und Zuversicht und Stärke und Freude. Sie spürte diese Sicherheit und diese Bilder wie ein warmes, wohliges Gefühl in ihrer Brust, das sie nie ganz verließ und sie stets daran erinnerte, wie schön das Leben sein konnte. Auch jetzt, trotz all der Dunkelheit, verließ sie die unbestimmte Sicherheit nicht, dass am Ende alles gut werden würde... gut werden musste! Darnas Spiegeldämon und der Einfluss den er auf sie und sie auf ihn hatte ... Leons Zukunft, Basils Schwester ... der Hauch, die Dunkelelfen, Rugta... sie würden Wege finden.

Ihr Blick wanderte auch über die Tha’Roon und ein besorgter Ausdruck fand seinen Weg in ihre braunen Augen. Etwas unbeschwingter als sonst, noch erschöpft von ihrer Magie erhob sich Delilah um der Diplomatin einen Becher Wasser zu holen. Der Krug musste ja von vorher noch in der Nähe sein. Delilah war sich unsicher wie ein Beruhigungstee auf die rote Dame wirken würde, auch wenn so einer jetzt ihre erste Maßnahme bei jedem anderen gewesen wäre. Die hohe Dame sah aus, als stünde sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch! Leon wandte sich derweil Zanfar zu und reichte ihm seine Hand. „Ich wäre für eure Hilfe sehr dankbar.“ Der Dunkelelf schlug ein. „Ihr könnt darauf zählen, Leon Milagros, genauso wie Eure Freunde.“ Der Nichtgenannte ließ den Blick über die Anwesenden schweifen. Delilah schob gerade vorsichtig den Wasserbecher auf das kleine Beistelltischchen neben Chasin. „Es ist sicher nicht einfach, das hier so abrupt zu unterbrechen, aber die Dame Halona De Mondragil hat recht, diese Informationen müssen so schnell wie möglich von der richtigen Instanzen gehört werden und ich schließe mich an, fürs erste scheint ihr keine Gefahr für den König dar zu stellen, Darna von Eibenau.“

„Gut. Dann sollten wir uns möglichst bald auf den Weg machen. Ich wäre nur froh, wenn wir vorher noch eine Möglichkeit fänden, uns um den Wagen und Mortimer kümmern zu können. Er sollte ja bald wieder da sein...“ Dann könnte sie ihn auch gleich darum bitten, ihrer Großmutter Bescheid zu geben. Delilah wollte kein zweites Mal einfach so spurlos aus dem Leben ihrer Moma verschwinden.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4182
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: 'Mortimers Nadelkunst'

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. September 2017, 20:13

Unter der Maske zogen sich Zanfars Augenbrauen zusammen. Jetzt gerade würde er die Tha’Roon gerne schützend in die Arme nehmen und sie weit weg von allen äußeren Einflüssen bringen, wie nur möglich. Aber wenn sie die Audienz beim König wollten, mussten sie aufbrechen und das hier zu Ende bringen. Nachdenklich verfolgte er das Geschehen und sah seine Schutzbefohlene an.
Sie hat ihr Versprechen gehalten, sie gibt auf sich acht und zieht Grenzen! Und vermutlich wäre aus unserer Diskussion nicht viel mehr als wilde Theorien entwachsen … aber es gibt noch so viel, dass ich den Kindern auf den Weg mit geben muss … aber später. Sie hat schon Recht, wir müssen den König warnen.
Auch wenn seine Gedanken nicht direkt an sie gerichtet waren, so huschte doch Chasins Blick über seine Augen und nickte kurz. Seine Wortwahl ließ sie kurz schmunzeln. Sie selbst nannte die Menschen auch häufig „Kinder“ da sie so wenig Zeit für ihr Leben hatten. Gleichzeitig überraschten eben diese Menschenkinder sie immer wieder durch die Intensität mit der sie das Leben anpackten. Sie lächelte ihren besten und einzigen Freund in dieser Welt warm entgegen. Sie verstand seine Sorge um sie und riss sich zusammen. Gemeinsam beobachten sie die Reaktionen der anderen.

Auf die Theorien der anderen reagierte Delilah mit einer kleinen Ergänzung, bezüglich ihres Erlebnisses.
"Ich hatte vorhin das Gefühl, dass sich etwas bei Darnas Beinen befindet... oder... nicht befindet. Es war wie ein... blinder Fleck? Obwohl es der Ausdruck auch nicht trifft..."
Also war das „Schattengespinst“ in Darnas Kopf vielleicht doch nicht ganz nur dort zu Hause?
Auch Leon untersuchte nun mit angestrengter Miene Darnas Beine, aber schüttelte dann nur resignierend den Kopf und zuckte mit den Schultern. Offenbar hatte er nichts gefunden.
Wenn man nicht wusste wonach man suchen musste, würde man es wohl immer übersehen, oder Delilah hatte einfach eine andere Sicht auf ihre Umwelt, so wie Leon es schon angedeutet hatte. Die junge Novizin servierte derweil der aufgebrachten Diplomatin in Wasser, was diese dankbar nickend annahm, während Leon und Zanfar sich nach ihrem Gespräch die Hände reichten.

Darna starrte derweil starr vor sich hin und Chasin lauschte ihren Gedanken.
Na immerhin etwas.
, dachte die Knappin abgestumpft und nickte etwas, den Blick immer noch weitgehend abgesenkt.
Resignation? Wo ist dein Kampfgeist hin!
Am liebsten hätte sie sie geschüttelt... und im gleichen Moment verbat sie sich diese vollkommen unbegründete aufkeimende Wut.
"Ich werde tun, was nötig ist und was immer ihr wünscht... Ich danke euch für eure Hilfe"
, erklärte sie mit gerade so dem nötigen Nachdruck in den letzten Worten, dass die abgestumpften Silben nicht völlig bleiern und bedeutungslos klangen. Chasin runzelte kurz die Stirn und überlegte, ob die Knappin nun „schmollte“ weil sie von ihr nicht ausreichend mit Informationen gefüttert worden war, oder weil sie sich über ihr durchschnittliches Unvermögen ärgerte selbstkritisch Schlussfolgerungen zu ziehen. Es könnte aber auch durchaus sein, dass dieses Menschenkind schlicht überfordert mit der Situation war, wie fast alle hier im Raum. Einzig von ihrem Begleiter Zanfar empfing sie stets diese gelassene Grundstimmung, die sie so sehr beruhigte. Sein Pragmatismus war etwas an ihm, dass sie sehr schätzte....mochte...liebte... Versonnen betrachtete sie ihn und wünschte sich in jene Zeit zurück, als das Wissen um ihre Kräfte und dessen Auswirkungen ihn noch nicht erreicht hatte.
Vielleicht bin ich wirklich nicht für ein Leben in einer Gemeinschaft geschaffen.
, stellte sie sachlich sich selbst die Frage ihrer Daseinsberechtigung. Da war kein Selbstmitleid, kein Bedauern, keine Trauer - nur das reine analytische Abwägen von den Vor- und Nachteilen ihrer Fähigkeiten, die nun mal nicht nur positiv ihr Leben bereichert hatten. Durch ihren Wissensdurst hatte sie ihre Familie, ihr Volk verloren und nun sogar fast Zanfar. Ob der Riss in ihrer Beziehung wieder zu kitten war, war fraglich, aber sie würde wirklich ALLES tun, damit er glücklich wäre! Immer wieder huschte ihr Blick kurz zu ihm und sie glaubte einmal mehr ein gewisses Interesse bei ihm für die anwesenden Personen zu beobachten... Für manche mehr als für andere.

Delilah hob noch einmal ihre zarte Stimme und Chasin sah sie aufmerksam an:
„Gut. Dann sollten wir uns möglichst bald auf den Weg machen. Ich wäre nur froh, wenn wir vorher noch eine Möglichkeit fänden, uns um den Wagen und Mortimer kümmern zu können. Er sollte ja bald wieder da sein...“
Dann könnte sie ihn auch gleich darum bitten, ihrer Großmutter Bescheid zu geben. Delilah wollte kein zweites Mal einfach so spurlos aus dem Leben ihrer Moma verschwinden, auch wenn das sicher nicht von ihr geplant gewesen war. Beim letzten Mal hatte Leon den Informationsboten gespielt, aber dieses Mal war er schließlich selbst involviert. Wenn sie alle plötzlich abberufen würden, dann wollte sie, dass ihre Moma Bescheid wusste, denn manchmal war das Schicksal ein dreckiges Miststück und Delilah hatte es schon von seiner gemeinsten Seite kennen gelernt. Es lauerte hinter jeder Ecke und die Zeit die man in diesem Leben hatte war schließlich begrenzt. Mortimer und ihre Moma waren nicht mehr die Jüngsten und bald würde sie allein zurecht kommen müssen, auch wenn sie solche Gedanken sicher immer weit von sich schob.

Ein Moment des In-Sich-Gehens setzte ein und die einzelnen Personen machten sich bereit für ihren Aufbruch durch die Stadt zum Palast des Königs. Chasin ließ sich von Zanfar helfen ihren Mantel wieder anzulegen, Leon zuckte leicht, als Basilius ihn leicht an der Schulter berührte und ihm seine Jacke reichte. Man sah ihm einfach an, dass er immer wieder seinen düsteren Gedanken nach hing. Als dann alle soweit fertig waren und Delilah auf die kleine Gasse vor der Schneiderei blickte, sah sie Mortimer mit zwei älteren Damen sprechen, die aus seiner Sicht sicherlich junge Hüpfer für ihn waren. Er lächelte charmant und eine brach in schallendes Gelächter aus, was man sogar noch hin drinnen leise hörte. Die andere grinste nur breit und stupste ihrer Freundin verlegen in die Seite. Ihre Wangen waren gerötet vom kalten Wind und dann gingen sie mit einem verabschiedenden Winken weiter. Mortimer sah ihnen hinterher, machte einen Diener und wandte sich dann seinem Landen zu.

Das Ladenglöckchen läutete den Aufbruch ein.
Delilah informierte Mortimer, dass sie ihre Freunde in den Palast begleiten würde und er bitte nach seinem Feierabend noch einmal bei Resa vorbei schauen sollte, falls sie bis dahin nun vielleicht doch nicht zurück sein sollte um ihr zu berichten. Woher sollte sie auch wissen, wie lange ihr vorhaben andauern würde, also war es besser ihn zu schicken. Natürlich erklärte er sich sofort dazu bereit und schien wirklich gerne die Pflicht mit dem Angenehmen zu verbinden. Er betrachtete die Herren und auch die seltsam große Dame noch einmal und flüstere Delilah ins Ohr:
„Mach dir keine Sorgen, ich kümmer mich um alles. Ich pass schon auf mein Mädchen auf.“
Das er damit Resa meinte, war klar. Irgendetwas glitzerte bei seinen Worten in seinen lustigen Augen und Deli ahnte, dass der alte Schneider einen riesigen Schalk im Nacken hatte. Als sie sich dann verabschiedeten und er ihr noch die Worte:
„Lass dir Zeit!“
, hinterher rief, schwante, dass Resa heute Abend eine Überraschung bevor stand. Hoffentlich eine angenehme.

Die Kutsche, die Chasin und Zanfar vom Palast gestellt bekommen hatte, beherbergte nun plötzlich nicht mehr zwei, sondern sechs Personen, womit es etwas kuschelig wurde. Da Zanfar nicht von Chasins Seite wich, saßen die beiden zusammen mit Delilah auf der einen Seite und Leon, Darna und Basilius auf der anderen. Holpernd ging es in Richtung Palast.

(weiter bei: Der rote Salon)
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Marktplatz Jorsas“