Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Auf dem Marktplatz tummeln sich fast ebenso viele Händler wie Kaufwillige. Manches ehemalige Wohnhaus an diesem Platz wurde schon zum zweistöckigen Laden umfunktioniert. Jorsans Markt bildet einen wichtigen Treffpunkt in der Stadt.
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Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. September 2012, 11:54

(Omniel kommt von: Die Schenke zur Hoffnung- Der seltsame Fremde)

Es war früher Nachmittag und der Marktplatz quoll über vor Eindrücken, die alle Sinne forderten. Das Stimmengewirr rauschte in den Ohren und nur ab und an durchschnitt ein hohes helles Lachen das Gemurmel. Marktschreier priesen lautstark ihre Waren an und lieferten sich regelrechte Gefechte um die zahlungskräftige Kundschaft. Gesichter aus fast ganz Celcia waren zu sehen. Die unterschiedlichsten Farben und Modestiele mischten sich zu einem bunten Haufen. Jung und Alt versammelte sich an diesem Platz um Ware gegen Geld und Geld gegen Ware einzutauschen. Es gab kleine Stände am Rand die sich dicht aneinander schmiegten und kleine Gassen bildeten, genauso wie große im Zentrum, die mit wehenden Fahnen lockten und Wahren aus weiter Ferne feil boten. Gerüche von frischen Kräutern, Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch hingen in der Luft und vermischten sich zu einer undefinierbaren Duftkomposition. Um das bunte treiben herum waren die festen Läden angesiedelt. Schmieden boten auf offenen Auslagen ihre Schwerter und Rüstungen an, vor einem Bäcker hatte sich eine Schlange aus Menschen gebildet, da er heute besonders süße kleine Brötchen anbot. Es gab Läden mit aufgeklappten Fenstern, die kleine Speisen für die Hand anboten, damit die Besucher des Marktes länger blieben. Stoffläden und Schneider teilten sich eine Ecke des Platzes, sowie in einer anderen das Vieh feil geboten wurde. Der Himmel, der den ganzen Tag grau gewesen war, klärte gerade ein wenig auf und ließ kurze Streifen Sonnenschein die Zeltplanen der Stände in bunten Farben aufleuchten. Die Luft war kühl und kündete von der Zeit des Übergangs. Die Stimmung war friedlich und die Händler mitteilsam.

Dies war ein Ort, perfekt um unter zu tauchen. Omniel hörte hinter sich leise noch die Stimmen der Wächter.
„Los! Hinterher! … Meldung!“
„Ein Mann, ungefähr 1,80 groß, trainiert, braune Haare, braune Lederkleidung und ich glaube er hatte einen Wappenrock an.“

Das restliche Gespräch wollte sich Omniel sicher nicht anhören, denn er musste schnell weg von hier. Der Spurt bis zum Rand des Marktplatzes war schnell getan und als er sich umsah, kam gerade ein Wächter auf dem Boden der Seitengasse an. Omniel sah noch den wütenden Blick des Mannes, dann tauchte in das Meer von Menschen ein. Die ersten Meter lief er noch sehr schnell, was hier und da ein wenig unwilliges Gemurmel aufkommen ließ, doch dann passte er sich an die Geschwindigkeit seiner Umgebung an. Er lief zwischen Gemüseständen umher, schob sich an Kundschaft vorbei die die Ware begutachteten und hielt sich dort wo am meisten Menschen waren. Er war Soldat, kein Dieb und doch fühlte er sich, als hätte er die Seiten gewechselt. Die Wächter hatten ihn gesehen, einer hatte seine Kleidung dem Hauptmann beschrieben. Er wusste welchen nächsten Befehl er geben würde. „Ausschwärmen!“ Sie würden ihn suchen und sie waren in der Überzahl. Noch hatte Omniel einen kleinen Vorsprung, doch er würde sich nicht ewig zwischen den vielen Menschen verstecken können. Früher oder später würden sie ihn an seiner Kleidung erkennen.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Omniel » Sonntag 30. September 2012, 20:45

„Los! Hinterher! … Meldung!“
„Ein Mann, ungefähr 1,80 groß, trainiert, braune Haare, braune Lederkleidung und ich glaube er hatte einen Wappenrock an.“

Die näherkommenden Rufe hinter der Mauer ignorierend, rannte Omniel auf den Markteingang zu, an dem sich schon die Bewohner Jorsas um die Stände und Zelte der Händler aus allen vier Ecken Celcias drängten. Ein lahmer Bettler, an dem er blindlings vorbeistürmte, sah ihn entgeistert nach und zuckte dann zusammen als sich die Gasse weiter unten mehrere Mitglieder der Stadtwache schwerfällig über eine Mauer hangelten. Sein Blick schoss wieder zurück zu dem jungen Mann, der gerade eben wie vom Teufel gehetzt an ihm vorbeigelaufen war, doch hatte er ihn schon zwischen den Marktbesuchern aus den Augen verloren.

" Verzeihung...tut mir leid...ich muss hier durch " Während er sich hektisch zwischen den Menschenpulks durchdrängte, warf er schnell eine Blick zurück und sah wie die ersten Soldaten schon auf den Markt zustürmten. Es waren vielleicht ein halbes Dutzend Männer - er zweifelte nicht daran, dass weitere das Dutzend voll machen würden. Auch war er nicht so dumm um zu glauben, dass dies die einzigen Soldaten waren die im Moment nach ihn suchten.
Vereinzelt verärgerte Blicke auf sich ziehend, wenn er jemanden anrempelte oder auf jemandes Fuß trat, entfernte er sich vom Eingang des Platzes und sah sich um. Erst jetzt wurde er sich dem Geruch bewusst, der ihm schon aufgefallen war, als er den Markt betreten hatte. Es war ein Duft, der sich aus mehreren anderen zusammensetzte, wie ein Mosaik, dessen einzeln zusammengesetzte Facetten erst die Besonderheit des Bildes ausmachte. Der feine Geruch von frischen Lebensmitteln mischte sich mit dem bitteren Gestank von gegerbten Fellen und dem würzigen Duft von den verschiedensten Kräutern. Als er diesen Geruch das letzte Mal in der Nase gehabt hatte, war er noch ein kleiner Junge gewesen. Seine Mutter hatte ihn alle paar Tage zum Einkauf mitgenommen und er war ganz stolz darauf gewesen den Korb mit den gekauften Waren danach ganz alleine nach Hause zu tragen.
Doch seit damals hatte sich der Markt verändert. Es waren nun deutlich weniger Stände und Zelte, die sich auf den Platz scharten und auch deren Auswahl beschränkte sich eher auf Lebensmitteln und Nutzgegenstände - Dinge die aus dem Reich selbst oder der näheren Umgebung zu stammen schienen. Das angespannte Verhältniss mit Grandessa hatte Jorsa nicht gut getan.
Er wurde unsanft aus seinen Gedankengängen gerissen als nur wenige Schritte vor ihm ein Trupp Soldaten um die Ecke bog. Er blieb abrupt stehen und erntete dabei mehrere empörte Zurechtweisungen, als die Menschen die hinter ihm gegangen waren in ihn hineingelaufen waren. Er beachtete sie nicht sondern sah zu den Soldaten hinüber, die sich kurz absprachen und dann getrennt und mit umherstreifendem Blick auf die Menge zutraten. Omniel wusste natürlich nach wen sie suchten - doch als ehemaliger Soldat, wusste er auch wie sie suchten. Sie erwarteten nicht ihn in der Menschenmenge von selbst ausfindig zu machen, sie warteten darauf bis er sich verraten würde. Ein Versuch zu fliehen, ein kleines Handgemenge - ein gehetzter Blick oder eine Hand vor dem Gesicht waren schon Beweis genug um als verdächtigt zu gelten. Er wusste wie dieses Spiel lief, er selbst hatte es unzählige Male gespielt und man konnte nicht sagen, dass er schlecht darin gewesen war. Nur war er dabei immer auf der anderen Seite gewesen - der guten Seite, wie er es im noch kindlich gestrickten Teil seines Gehirns nannte. Erst jetzt wurde ihm so richtig bewusst, dass er nun endgültig die Armee verlassen hatte. Irgendwo in ihm hatte es da immer noch die leise Stimme gegeben, die ihn in den wenigen Tagen, in denen er nun in Jorsa war, davon überzeugen wollte, dass es immer noch ein Zurück gab. Doch nun, so schien es, war sie endgültig verstummt.
Er atmete tief ein und löste sich aus seiner Erstarrung. Sogleich legte sich eine gelangweilte Miene auf sein Gesicht und er schritt mit einem lässigen Gang die Stände entlang. Als der Soldat der in seine Richtung kam nur noch wenige Meter vor ihm war, tat er so als hätte die Ware eines nahen Goldschmieds seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mit gespieltem Interesse betrachtete er die verschiedenen Schmuckstücke, obwohl er sie ihn Wahrheit garnicht sah. Unter seiner gespielten Ruhe und Unbefangenheit waren seine Nerven zum zerreissen gespannt. Er fürchtete fast, dass die Wache seinen rasenden Herzschlag durch das Geschnatter der Kunden und den einladenden Rufen der Händler hören konnte, was natürlich unsinnig war.
Der Soldat war nun direkt hinter ihm. Wenn er den Kopf nur etwas nach links bewegen würde und die Menschentraube die dort versammelt stand auch nur wenige Sekunden musterte, würde er den jungen Mann im ledernen Wappenrock ohne Zweifel bemerken. Vielleicht würde sein Blick auch auf das Schwert an dessen Seite fallen - und auf die Hand, die sich fest um den Griff ballte.

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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Montag 1. Oktober 2012, 20:16

Die erste Hürde war genommen. Omniel bewegte sich mit gespielter, noch etwas ungewohnter Lässigkeit durch die Menschenmenge tiefer ins Zentrum des Gewühls. Er musste an vergangene Tage denken, in denen er auf der Suche nach Dieben gewesen war, die sich in diesem Getümmel zu verstecken versuchten. Der Markt in Jersa, wo er lange stationiert gewesen war, war zwar kleiner, aber das Prinzip war hier wie dort das Gleiche. Plötzlich war alles anders herum. Er war der Gesuchte und die aufmerksamen Augen galten seiner Person. Auch wenn er den Markt seiner Kindheit voller in Erinnerung hatte, war auch jetzt noch genügend Deckung, Geräusche und vor allem Ablenkungen vorhanden, sodass man unbemerkt verschwinden konnte, stellte man sich nicht ganz dumm an. Noch nie hatte Omniel sich auf der „anderen Seite“ gesehen. Noch vor wenigen Tagen war er gemeinsam mit...
Dunkle Gedanken wollten sich kurz seiner bemächtigen, doch er schüttelte sie ab. Er musste sich konzentrieren und Schauspielerei war nicht einer seiner Paradedisziplinen. Sein Herz schlug so laut, dass man es bis zu den Stadtmauern hören musste. Das der Wächter, der gerade an ihm vorbei schritt, es nicht hörte, grenzte an ein Wunder. Aus dem Augenwinkel beobachtete Omniel die Bahn des Mannes. Er war älter als er, bestimmt schon in den Vierzigern, also ein erfahrener Krieger, der sich nicht so leicht täuschen lassen würde. Sein Blick wanderte gerade in seine Richtung als zwei junge Frauen mit wallenden blonden Haaren lachend an ihm vorüber zogen. Für eine Sekunde war er abgelenkt, doch es reichte um Omniel einen kleinen Aufschub zu gewähren. Ein Ehepaar war ebenfalls an den Stand des Goldschmieds getreten und beiden sah man einen gewissen Reichtum an. Der Mann war groß, hager und trug einen wallenden Umhang, der Omniel genau in dem Moment Deckung bot, als der Wächter den Stand musterte. Alles war in Bewegung und Omniel spürte das Adrenalin in seinen Adern pulsieren. Diese Art von Aufregung hatte etwas. Seine Haut begann unwillkürlich leicht zu prickeln, als er sich genau im „Schatten“ des großen Mannes befand und mit gespieltem Interesse zu einer kleinen Schatulle hinüber griff. Dabei kam er der Frau des Mannes recht nah und kurz trafen sich die Blicke. Omniel fiel sofort der verklärte Gesichtsausdruck auf, doch sein Interesse galt mehr dem Wächter, als dass er diese Frau weiter betrachten wollte. Also wartete er noch eine Sekunde, um sich dann zu vergewissern, dass sein Versteckspiel von Erfolg gekrönt war. Zu seiner Beruhigung war es das. Der Wächter war weiter gezogen und verfolgte gerade einen Mann in brauner Lederkleidung, der jedoch viel längeres Haar als Omniel hatte, deutlich breiter war und einen leichten Bauchansatz stolz vor sich her trug. Omniel konnte erst einmal wieder durch atmen. Der Händler unterhielt sich gerade mit dem großen Mann neben ihm und versuchte ihn für ein paar Ohrringe für seine Frau Gemahlin zu gewinnen, als Omniels Blick erneut auf die Frau fiel. Die Art wie ihr Mann sie am Arm hielt, hatte etwas seltsames an sich. Es wirkte einfach nicht entspannt. Er sah hinauf zu ihrem Gesicht und zuckte unwillkürlich leicht zusammen, da sie ihn noch immer anstarrte. Ihre zuvor fast glasigen Augen, hatten an ungewöhnlich starker Intensität zugenommen. Ihr Arm hob sich langsam in Höhe seines Gesichts und ihre Stimme traf ihn wie ein Schlag:
„Er ist es! Er hat mein Kind sterben lassen!“
Ihr Mann drehte sich ruckartig zu ihr um und ein leises:
„Was …?“
entkam seiner Kehle.
„Er ist es! Ich erkenne ihn! Er hat zugelassen, das mein Mädchen …!“
Der Mann sah Omniel an. Die schrille Stimme seiner Frau hatte sich in den letzten Worten überschlagen und war dann vor Grauen erstickt abgebrochen. Die Situation kippte von einer Sekunde zur anderen. Umstehende Leute schauten von der Frau zu Omniel und zurück. Omniel sah das Entsetzen in den Augen der Frau, die vom Alter her seine Mutter sein könnte. Er kannte sie nicht! Oder doch? Er hatte dieses Gesicht noch nie gesehen! Plötzlich wurde die Stimme der Frau heiser und rau, senkte sich zu einem hasserfüllten Flüstern:
„Er hat sie mit seiner Liebe getötet! Er hat sie ...“
Der Mann sah verwirrt seine Frau an und hielt sie fest an den Schultern.
„Alenora, reiß dich zusammen! ...“
Er schüttelte sie leicht und wandte sich mit fast flehendem, zu tiefst peinlich berührtem Blick Omniel zu.
„Entschuldigen sie, meine Frau ist...“
Das Schütteln schien seine Wirkung nicht zu verfehlen. Vielleicht war es auch die Stimme ihres Mannes, denn plötzlich verdrehte sie die Augen nach hinten, taumelte und klammerte sich an seinen Arm.
„Mir ist so schlecht …!“
Der große Mann kam gerade noch dazu seine Frau neben den Stand des Goldschmieds zu führen, damit sie sich dort in einen kunstvoll verzierten Kessel erbrechen konnte. Die ganze Situation hatte nur wenige Sekunden gedauert, aber doch einige Aufmerksamkeit in ihre Richtung gelenkt. Omniel konnte zwar noch keine Wachen sehen, aber es würde sicher nicht lange dauern, bis sie auftauchen würden. Der neugierige Mob, der sich schnell bildete, bot zwar gute Deckung, würde aber eine erneute Flucht jedoch auch schwieriger machen.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Omniel » Mittwoch 3. Oktober 2012, 18:05

Erleichtert atmete Omniel auf, als er die Wache aus den Augenwinkeln den Mann mit dem Bierbauch verfolgen sah. Die Hand, schon weiß geworden da alles Blut aus ihr gewichen war als er den Schwertgriff gepackt hatte, entspannte sich wieder. Dennoch blieb sie dort wo sie war. Er hatte vielleicht Zeit gewonnen, aber in Sicherheit war er noch lange nicht. Er hatte noch vor etwas am Stand zu bleiben, abzuwarten und auf die nächstbese Gelegenheit zu passen, aus den Suchgebiet der patrouillierenden Soldaten fliehen zu können. Sein Blick schwenkte wieder auf Stand vor sich. Schnell legte er die schmuckvoll verzierte Schatulle wieder zurück auf den Warentisch, bevor der Händler noch den Eindruck bekam, er wolle ihn bestehlen. Nicht dass seine Situation ohnehin schon auswegslos genug war...
Als er wieder aufsah, bemerkte er, dass die Frau von vorhin noch immer da stand und ihn scheinbar von der Seite betrachtete. Er hatte sie zuvor nicht allzu sehr beachtet, doch war sie ihm merkwürdig vorgekommen, irgendwie entrückt. Der Mann neben ihr, ihr Ehemann wie es schien, hielt ihren Arm fest umschlungen, fast so als würde er ihr Halt geben. Die schmeichelnden Empfehlungen und preiswerten Angebote an Schmuck und Geschmeide, die ihr von dem pausbäckigen Goldschmied gemacht wurden ignorierte sie und überließ es so ihren Mann, sie dankend auszuschlagen. Mit leicht gerunzelter Stirn hob Omniel den Kopf um ihr direkt ins Gesicht zu sehen.
Er erschrak, als er ihre tiefblauen Augen sah, die sich direkt durch seine eigenen und weiter, tief hinein in sein Innerstes bohrten. Es kam ihm so vor als würde sie mit ihnen direkt in seine Seele sehen können. Er öffnete den Mund, noch nicht klar was er sagen wollte, doch da hatte die Frau schon ihren Arm erhoben. Ihre Hand, die zitternd die Luft durchschnitt, ballte sich langsam zur Faust, allein ihr Zeigefinger war auf Omniel gerichtet. Anklagend, drohend, mahnend deute sie auf ihn. Ihre Lippen bebten und ihre Nasenflügel weiteten sich. Ihr Gesicht, gerade noch ausdruckslos, hatte sich in eine grässliche Grimasse verwandelt. Die Frau schien in eine Art Ekstase verfallen zu sein und ehe Omniel reagieren konnte, schrie sie ihn an, die Stimme in Hysterie verzerrt.
" Er ist es! Er hat mein Kind sterben lassen! "
Die Menschen in ihrer direkten Umgebung drehten sich sogleich neugierig zu ihnen um und sogar einige wenige Händler unterbrachen die Lobpreisungen ihrer Waren. Die Wachen mussten ebenfalls den abrupten Stimmungswechsel wahrgenommen haben, doch waren sie noch nicht zur Stelle. Obwohl es nicht mehr lange dauern würde, bis sie den Kreis aus Schaulustigen bemerken würden, der sich um Omniel, die Frau und ihren Mann gebildet hatte.
Omniel stand immer noch mit leicht geöffnetem Mund da, wie versteinert, die Arme in einer abwehrenden Haltung erstarrt. Er kannte die Frau nicht, hatte sie noch nie zuvor gesehen. Der Hass und die Verzweiflung in ihrer Stimme war jedoch so immens, so greifbar und ohne Zweifel direkt an ihn gerichtet.
" Er ist es! Ich erkenne ihn! Er hat zugelassen, das mein Mädchen …! "
Nun endlich griff ihr Mann in das Geschehen ein, versuchte seine Frau zu beruhigen. Entschuldigend wandte er sich an Omniel, der sich noch immer nicht aus seiner Erstarrung befreit hatte. Eine dunkle Vorahnung schlich sich in seinen Verstand, bemächtigte sich ihm und ließ sein Herz verkrampfen. Es war unmöglich. Sie konnte nicht wissen...konnte nicht ahnen was passiert war. Sie war verwirrt, hatte vermutlich vor einigen Tagen ihre Tochter verloren. Sie war verwirrt und fertig mit den Nerven, reagierte über weil er sie am Stand gestriffen hatte. Es konnte einfach keinen Zusammenhang...keine Verbindung zwischen ihr und...zwischen...
" Er hat sie mit seiner Liebe getötet! "
Nichts von alledem was sie hätte sagen können, hätte Omniel so schwer getroffen wie diese Worte. Nichts hätte tiefer gehen können - keine Beleidigungen, keine Verwünschungen, keine Drohungen. Doch nun traten seine Erinnerungen, die für den Moment der Flucht verdrängt waren, wieder aus seinem Unterbewusstsein hervor. Verschlangen ihn - nahmen Besitz von ihn und ließen ihn den von Menschen überfüllten Marktplatz verlassen. Sie zogen ihn zurück zu der Lichtung - zu dieser gottverdammten, blutroten Lichtung. Um ihn herum lagen wieder die Leichen seiner Kameraden, neben ihnen die erschlagenen Feinde. Blut war überall, sickerte aus ihren Wunden, die so wie es schien nicht durch Menschenhand verursacht worden waren. Er saß mitten zwischen ihnen, sein Schwert war neben ihm und jemand lag aufseinem Schoß. Er schloss die Augen, wollte den Alptraum, der ihn seit drei Tagen jede Nacht aus den Schlaf gerissen hatte nicht erneut durchleben. Doch etwas zwang ihn den Blick auf den leblosen Körper unter sich zu richten, auf die blutbesudelten goldenen Locken, auf das bleiche Gesicht und auf die klaffende Wunde an ihrem Bauch. Sie war tot - und er war daran schuld.
" Alenora, reiß dich zusammen! Entschuldigen sie, meine Frau ist... "
Die Stimme des Mannes rief ihn zurück aus seinen Erinnerungen. Er atmete schnell und unregelmäßig und brauchte einen Moment um sich wieder klar zu werden, dass er immer noch am jorsanischen Markt war, dass er gesucht wurde - und dass er jeden Augenblick entdeckt werden würde. Er sah sich hektisch um, meinte mehrere Helme hinter der Menschenmenge vor sich in ihre Richtung kommen zu sehen.
Plötzlich ertönte ein unapetitliches Spritzen, gefolgt von dem empörten Keifen des Goldschmieds. Der Mann mit dem Umhang kümmerte sich besorgt um seiner Frau. Es blieb nicht viel Zeit. Aber einfach so gehen konnte er nicht...
" Was...ist mit eurer Tochter geschehen? "
Er war sich sicher dass seine zitternde Stimme unter den Würgegeräuschen, die durch den Kessel umso heftiger verstärkt wurden und den bestürzten Aufrufen der Menge untergegangen waren, doch der Mann wandte sich ihm zu.

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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Samstag 6. Oktober 2012, 13:01

Der Mann hielt mit einer Hand seine Frau an den Schultern, mit der Anderen hielt er ihre Haare aus ihrem Gesicht, damit sie sich nicht beschmutzte. Als Omniel fragte, was mit ihrer Tochter geschehen sei, sahen beide ihn an. Ein unterdrücktes Röcheln kam über die schwarz gefärbten Lippen der Frau und sie fauchte leise:
„Sie wird wieder kommen!“
Die hohen Töne in den wenigen Worten trafen wie Peitschenhiebe und klangen wie eine Drohung aus ihrem Mund. Dann verließ der letzte Rest dunklen Mageninhalt ihren Körper und sie sackte zusammen. Ihr Mann hielt sie und schüttelte in nackter Verzweiflung kurz den Kopf. Dann sah er über seine Schulter hinweg in Omniels Gesicht und der Ausdruck in seinen Augen würde Omniel nicht so schnell vergessen. Er sprach von unendlicher Trauer, Pein aber auch von Sorge um seine Frau. Tiefe Schatten unter den schweren Lieder verrieten seine Gedanken noch bevor er sie ausgesprochen hatte.
„Unser Kind … mein kleines Mädchen … sie ist vor vielen Jahren gestorben. Sie hat nie die Freuden der Jugend erreicht und meine Frau ist an diesem Schmerz zerbrochen. Seit dem ist sie ein Schatten ihrer selbst. Ich muss mich für diesen Ausbruch entschuldigen. Ihr müsst sie an etwas oder jemanden aus dieser Zeit erinnern. Es ist … ungewöhnlich. Sie hat sich lange nicht mehr so aufgeregt. Bitte entschuldigt, ich ...“
Die wütende Stimme des Goldschmiedes, der um seinen kunstvollen Kupferkessel bangte, schnitt das Gespräch ab. Ein paar schnelle Worte wurden gewechselt. Mit mürrischer Miene bezahlte der Mann den Kessel und nahm ihm am Henkel an sich. Ein paar Schwarze Flecke hatten den schönen Glanz verschandelt, aber es war kein Schaden entstanden, der nicht mit ein wenig Seife zu beheben gewesen wäre. Der Feinschmied hingegen, tat gerade so, als wäre sein Besitz nie wieder zu gebrauchen, was leise Stimmen in der Menge erklingen ließ, die sein Mitgefühl der armen Frau gegenüber stark in Frage stellten. Diese hing mehr schlaff als wach in den Armen ihres Gatten und atmete leise röchelnd. Ihre Augen waren fast geschlossen als sie leise flüsterte:
„Liebling bring mich nach Hause. Ich bin so müde.“
Das alles rauschte jedoch an Omniel vorbei. Seit dem seine Liebe gestorben war, hatte er keine Nacht durchgeschlafen und war regelmäßig Schweiß gebadet aufgeschreckt. Der Albtraum seines eigenen Leidenswegs war noch zu nah und der anklagende Blick aus den Augen dieser fremden Frau würde ihm sicher noch weitere schlaflose Nächte bescheren. Jetzt da sie erschöpft gerade so auf den Beinen hielt, war jede Feindseligkeit aus ihrem Gesicht gewichen.
„Natürlich. Lehne dich am mich.“
Es war rührend zu sehen, wie sehr sich dieser Mann um seine Frau sorgte. Er hob den Arm weit sichtbar über die Menge, winkte und rief laut nach den Wachen. Das war das Signal für Omniel schnell zu verschwinden. Wenigstens würden sie jetzt auf jemand anderes konzentriert sein, als nach ihm zu suchen. Nur nicht zu hastig tat er ein paar langsame Schritte in die glotzende Menge, als zeitgleich der erste von drei Wächtern in den kleinen Kreis um den Adeligen trat. Er stand schon fast hinter einem breiten Schaulustigen, als eine besonders neugierige, ausgesprochen kleine, uralte Frau sich mit den Ellenbogen vor ihn schob. Sie knuffte und schubste und verdeckte letztendlich so seinen Wappenrock. Es wurde Zeit sich eine neue Hülle zuzulegen. Seine Kleidung war einfach zu auffällig. Er musste sie entweder los werden, oder schnell etwas finden, was ihn verhüllte. Rückwärts entfernte sich Omniel langsam aus dem Geschehen. Nicht weit von hier kannte er einen guten und auch günstigen Stoffhändler und Schneider, der auch immer ein paar Alltagskleidungsstücke parat hatte. Er müsste inzwischen schon ganz schön in die Jahre gekommen sein, da Omniel noch ein Kind gewesen war, als er zuletzt mit seiner Mutter ihn besucht hatte um eine feinere Hose für ein Fest schneidern zu lassen. Zumindest war es in seiner Kindheit so gewesen. Ein paar früher Erinnerungen lenkten ihn von den letzten vergangenen Minuten ab, während er so durch die Stadt lief. Der Marktplatz hatte weite Ausläufer, die immer wieder Sichtschutz oder Deckung gegen die Wachen boten. Er kannte die Wege gut und wieder kam ihm sein Wissen um die Stadt zugute. Der Laden den er suchte lag genau auf der Grenze zum Wohnviertel, aber immer noch nahe am Marktplatz.

(weiter bei: Jorsas Wohnviertel – Wo alles beginnt … )
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 25. Oktober 2012, 10:45

Auf dem Marktplatz, ein paar Stunden später:

(Zwischensequenz von: Wo alles beginnt...)

Hier also, zwischen all den fleißigen Menschen Jorsas, hatte sich die Spur verloren. Der Mann in dem langen grauen Mantel fiel kaum auf, während er langsam durch die Stände spazierte und die Ohren und Augen offen hielt. Er verhielt sich wie ein normaler Bürger und zog sich den Mantel enger um die breiten Schultern. Die Kälte der dunklen Tage hatte Jorsa fest in seinem Griff und es roch nach Regen auch wenn der Himmel noch klar war. Der Abend war schön und die Pflanzen trugen ihre buntesten Kleider. In dieser Nacht könnten sie vielleicht schon den ersten Graupelschauer erwarten, so kalt wie es war. Noch vier oder fünf Grad weniger und es würde schneien. Die Händler hielten sich warm, indem sie wild gestikulierend sich in Bewegung hielten. Die Passanten taten es, in dem sie warme Getränke sich an kleinen Ständen kauften. Sie Stimmung war trotz des unangenehmen Wetters gut und harmonisch, wie an vielen Tagen in der schönen Hauptstadt ihres Reiches. Der Templer schritt zwischen den Menschen hindurch, die langsam immer weniger wurden. Der Tag neigte sich dem Ende zu und erste Händler begannen einzupacken und ihre Bestände zu sortieren. Es war eine gute Zeit für Nachforschungen, da alle es eilig hatten nach Hause zu kommen und gezielte Fragen schnell und ohne Schnörkel beantwortet wurden. Es dauerte nicht lange, da hörte er einen Feinschmied mit seinem Standnachbarn reden. Sie unterhielten sich über ihre Verkäufe und der feiste Händler erzählte eine derbe Geschichte über einen Kupferkessel, dem er einem feinen Herrn für viel Geld aufgeschwatzt hatte, da seine Frau sich in ihn übergeben hatte. Erst wollte der Templer schon weiter gehen, als der Mann berichtete:
„ … und das alles geschah nach einem Streit, zwischen ihr und einem jungen Mann. War schon ein bisschen seltsam. Sie beschuldigte ihn irgendeines Vergehens wegen ihrer Tochter, glaub ich. Dann hat der feine Herr sich bei dem jungen Mann entschuldigt und mir den Kessel abgekauft. Die Dame war aber schon ein wenig irre! Hahaha ...“
Der Templer blieb stehen und lauschte noch dem restlichen Gespräch. Als der Feinschmied mit einem seiner Helfer dann den Platz verließ, folgte er ihm. Ein Stück abseits stellte er ihn zur Rede. Kaum hatte er sein Abzeichen präsentiert, sprudelten auch schon die Details aus ihm hinaus. Manches war sicher hemmungslos übertrieben, aber der Templer hatte im Laufe seiner Ermittlungsjahre gelernt den wahren Teil heraus zu hören. Den jungen Mann konnte er zu mindestens so weit beschreiben, dass er als der Flüchtige der Tavernenschlägerei gelten könnte, doch zu dem Adeligen war er sehr viel gesprächiger. Ihn fiel der Name des Adeligen zwar nicht ein, aber er hatte ihm schon einmal etwas angefertigt und nach Hause liefern lassen. Der Templer begleitete ihn zu seinem Laden, wo er in seinen Unterlagen den Namen herausfinden sollte. Die neugierigen Fragen des Händlers ignorierte er, bis dieser begann die wildesten Vermutungen über dunkle Mächte laut hinaus zu posaunen.
„ … ja, wenn die Inquisition schon im Haus eines Adeligen Nachforschungen anstellt, dann sollte ich meine Türen und Fenster in diesen dunklen Zeiten besser verbarrikadieren!“
„Guter Mann, wir sorgen uns um alle unsere Bürger gleichermaßen.“

antwortete der Mann im grauen Mantel. Er musste diesen vorlauten Händler zum Schweigen bringen und er wusste nur zu gut, wie er dies erreichen konnte. Mit gespielter Neugierde wandte er sich ihm zu und fuhr fort:
"Lysantor hält seine schützende Hand über euch, oder meint ihr euer Laden sollte auch von mir durchsucht werden? Habt ihr die Dunkelheit in euer Handelsreich gelassen?“
Der Händler zuckte zusammen. Sein erschrockener Blick ließ ihn wie ein verängstigtes Kaninchen aussehen.
„Nein, nein! Ganz sicher nicht! Ich bin ein treuer Anhänger des Lichts! Ich gehe einmal die Woche in den Tempel! Ich meine, ich werde in Zukunft noch häufiger gehen! Ganz sicher!“
„Daran tut ihr wohl, Feinschmied! Die Dunkelheit der Sünde versteckt sich oft hinter der Nachlässigkeit im Glauben.“

Der Händler schluckte und schweigend erreichen sie seinen Laden. Eilig suche er in seinen Listen den verlangten Namen und übergab ihn dem Templer. Dieser bedankte sich und atmete erleichtert auf, als der Mann im grauen Mantel verschwunden war. Die Templer waren zwar beliebt im Volk, da sie für Licht und Lysantors Seegen standen, doch niemand wollte in eine Ermittlung der Inquisition hinein gezogen werden. Der Mann im grauen Mantel hatten an diesem Abend noch einen Besuch zu erledigen. Die Spur des Trägers war zwar erkaltet, aber genauso wichtig war es die Folgen seines Wirkens zu beseitigen. Seine Schritte lenkten ihn fort vom Marktplatz, tiefer in das Wohnviertel der Stadt, wo er heute Abend noch eine Befragung zu tätigen hatte.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. Januar 2013, 19:55

(Ein neuer Tag)

(Omniel und Delilah kommen von: Wo alles beginnt ... )

Der Morgen war noch jung und der sanfte Schneefall hatte noch nicht die Macht Leute und Händler vom Markt zu vertreiben. Auch die Luft war noch recht mild und so war der Weg bis zum nahen Markt schnell vergangen. Schon die ersten Stimmen mischten sich mit den winterlichen Gerüchen von Gewürzen und einigen Tierlauten die zum Markt getrieben wurden. Omniels geschulte Sinne eines Soldaten erfassten sofort alle Einzelheiten. Ein Junge rannte an Delilah und Omniel vorbei, auf der Jagd nach einer entlaufenden Gans. Das protestierende Geschnatter war meilenweit zu hören. Die Stände hatten schon geöffnet und luden mit allerlei Dingen zum Stöbern ein. Ein drei Wachmänner standen am Rand in der Nähe eines Fleischverkäufers und schienen über etwas zu debattieren, während nur einer den Markt beobachtete. Ihre Wappenröcke waren auf den Schultern mit kleinen Schneehauben bedeckt und ihre Stiefel versanken im Matsch. Eine Frau wurde von einem quengelnden Mädchen an der Hand durch die Gegend gezogen, dass immer wieder nach etwas Süßem verlangte. Das Gesicht der vermutlichen Amme oder Mutter sah äußerst genervt aus, aber sie ließ es über sich ergehen. Das Kind wirkte von der Kleidung her wohlhabender als die Frau und so war es wahrscheinlich, dass sie ihre Anstellung nicht für einen Streit verlieren wollte. Ein gewaltiger Mann, den man auf den ersten Blick für einen mächtigen Krieger halten konnte, stand hinter einem Bollerwagen und verkaufte filigrane, handgeschnitzte Figuren und kleinere Möbelstücke. Alles normale Abläufe, aber da gab es auch die zwielichtigen Töne in der Melodie des Gesamtbildes, die den Wächtern wie auch Omniel nicht verborgen blieben. Da war eine Frau in den mittleren Jahren, dessen Mann von ihrer nervigen Stimme ununterbrochen terrorisiert wurde. Ein klassischer Fall von drohendem Familienstreit, aber auch subtilere Schatten trieben sich auf dem Markt herum. Ein Mann stand, vermutlich mit seiner Tochter, an einem Stand, der kandierte Früchte feil bot und wartete gerade darauf, dass der Händler dem Kind den süßen Apfel überreichte. Beim Zugreifen rutschte die Kapuze vom Haupt des Mädchens und fiel nach hinten. Ein rotblonder Schopf wurde sichtbar. Es war ein normales Bild, bis auf den kurzen Moment, in dem er seine Hand in ihren bloßen Nacken legte und ihn zu zärtlich für einen Vater streichelte. Die steifen Glieder des Kindes verrieten dessen Anspannung, als der Mann ihr die Kapuze wieder aufsetzte. Omniel wusste um die Grausamkeiten des Lebens. Oft hatte er in seiner Dienstzeit mit den schlimmsten Verbrechern zu tun gehabt, doch diese …
**Oooooh, na da hätten wir doch mal jemanden, der das Blut in Wallung bringt!**
°°Und sie dir die Kleine an, wie sie zittert!°°
**Na? Soll ich unserem Großen mal zeigen, was im Kopf von dem Kerl so vorgeht, wenn er sie so ansieht?**
Delilahs Finger krallten sich in Omniels und die Stimmen verstummten wieder.

Delilahs Aufmerksamkeit war mehr vom Anblick der Stadtwache gefangen, seit dem sie den Markt betreten hatten und ein seltsam aufregendes Prickeln stahl sich langsam unter ihre Haut. Das alles war ein Abenteuer. Mit den Augen eines unschuldigen Wesens betrachtetet sie die Szenerie und lächelte den einen aufmerksamen Wächter breit an, als dieser in ihre Richtung seinen Blick schweifen ließ, während sie an ihnen vorüber gingen. Dieser grüßte höflich, in dem er vor der jungen „Dame“ seine Kopfbedeckung berührte und beobachtete dann weiter das bunte Treiben. Delilah musste nicht nur innerlich grinsen, dass ihr offensives Lachen immernoch so leicht Wirkung zeigte. Ein leicht euphorisches Gefühl von Stolz über ihren guten Einfall mitzukommen wollte sich gerade in ihr ausbreiten, als sie durch eine Gasse, die die Stände bildeten, einen Mann auf sie zu kommen sah. Er hatte noch nicht aufgesehen, aber sie erkannte seinen grauen Mantel. Sie hatte ihn schon einmal gesehen und das war noch nicht lange her. Er trug einen Gegenstand in seiner Hand auf den er unentwegt starrte und kam zielstrebig auf sie zu. Sie wollte gerade Omniel auf ihn aufmerksam machen, doch dieser schien gerade von etwas Anderem abgelenkt zu sein. Ihre Finger pressten seine, damit er ihr endlich Aufmerksamkeit schenkte, während der Mann in Grau immer näher kam.

Das Artefakt hatte ihn auf den Markt geführt und er hasste diesen Ort. Nicht wegen der Händler, der Menschen an sich, der Gerüche oder dem Stimmengewirr. Es war vielmehr das Potenzial an Dingen die schief gehen konnten, was proportional mit jeder Seele anstieg, wenn man einen Ort mit so vielen verschiedenen Menschen betrat. Das Böse konnte in einer Menge rasant zuschlagen und genauso schnell wieder untertauchen. Ihm blieb nicht anders übrig, als sich auf seine Instinkte und dieses Ding zu verlassen, welches ihm der Inquisitor Faust gegeben hatte. Langsam und jeden Schritt mit Bedacht setzend ging er zwischen den Ständen entlang. Bis eben hatte die Viole immer in eine Richtung gewiesen, doch plötzlich bewegte sie sich. Er blieb stehen und schaute auf. Der Marktplatz lag mit seinen vielen Seelen vor ihm. Frauen, Männer, Kinder und eine Gans die mitten hindurch rannte. Er machte einen Schritt in die eine Richtung, dann in die andere, aber die Viole unter dem Glasdeckel rotierte unentwegt, bis er einen Schritt zurück machte. Etwas störte seine Jagd und seine Zähne pressten sich frustriert aufeinander. Er ging weiter gerade aus und beobachtete die Menschen um sich herum, ob irgendjemand sich auffällig verhalten würde. Sein Ziel war nah, das wusste er, doch es verbarg sich. Ein Mädchen zerrte seine Amme seinen Weg kreuzend an ihm vorüber, ein junges Paar stand etwas abseits Händchen haltend in der Nähe eines reisenden Schreiners, ein Fleischhändler grölte lautstark seine Waren anpreisend über den Markt und ein Vater kaufte seinem Kind einen kandierten Apfel. Ein älteres Ehepaar erregte vermehrt seine Aufmerksamkeit, da sie ihm lautstark vorwarf er sei ein Geizhals und sie sich immernoch fragte, wie sie damals in die Heirat einwilligen konnte, wo doch den Sohn des Bürgermeisters hätte haben können. Das Gesicht des Mannes färbte sich gerade in ein ungesundes Purpur mit Violetten Flecken.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Omniel » Sonntag 27. Januar 2013, 17:26

Unter der dunklen Kapuze verborgen - doch das Gesicht so weit entblößt um dennoch keine Aufmerksamkeit zu erregen - erreichte Omniel mit Delilah nach einer gefühlten Ewigkeit den Markt. Obwohl Mortimers Schneiderei nur wenige Gassen vom Markt entfernt war, hatten sich die Minuten doch stark in die Länge gezogen, was nicht nur an der morgendlichen Kälte und den verschneiten Wegen lag. Die ganze Zeit über hatte Omniel damit gerechnet, dass Delilah und er nur wenige Schritte nach der Türe von der Stadtwache aufgehalten werden würde. Wie konnten sie ihn noch nicht ausfindig gemacht haben? Doch wer war er, sein unfassbares Glück in Frage zu stellen? Er hatte genügend andere Probleme, um die er sich zurzeit Sorgen machen musste.
Was gerade eben noch im Laden geschehen war, hatte er immer noch nicht so richtig verdaut. Die Bilder waren zu schnell wieder verschwunden um sich an sie erinnern zu können, doch hatten sie fühlbar tiefe Spuren in seinem Geist hinterlassen. Er hatte gespürt wie etwas in ihm sich erhoben hatte, etwas großes und mächtiges, doch auch unsagbar dunkel und böses. Er war kurz davor gewesen die Kontrolle zu verlieren. Wie damals...auf der Lichtung.
Der junge Mann sah zu seiner Seite auf das Mädchen hinab. Wie selbstverständlich hielt sie seine Hand während sie gingen und gab ihm so das Gefühl alles wäre in Ordnung. Fast so als würden sie tatsächlich nur einen kleinen Abstecher zum Markt machen, wie alle anderen Menschen auch. Er hob den Kopf und sah in den Himmel hinauf. Feine weiße Schneeflocken tanzten im schwachen Licht der Sonne und schwebten langsam zu Boden. Sie kümmerten sich nicht wohin sie fielen, auf einen der Karren der Händler oder ein Häuserdach, auf den schmutzigen Stein unter den Füßen der Menschen oder die teils teuren Waren, die am Markt feil geboten wurden. Das so friedliche Bild ließ ihn nachdenklich werden und so blieb er in Gedanken versunken und schwieg, während sie dem Markt immer näher kamen.
Dass das blonde Mädchen nun doch an seiner Seite war störte ihn gar nicht mehr. Natürlich machte er sich immer noch Sorgen um sie und stand zu seinen Bedenken von zuvor - an seiner Seite war es gefährlich. Doch hatte er sie nicht schlussendlich selbst mitgenommen? Irgendwie hatte er im Laden gemerkt, dass es wohl besser wäre. Hatte er aus Angst gehandelt? Vermutlich. Aus Angst vor was? Das konnte er nicht sagen... Er wusste nur, dass er sie jetzt brauchte, ihre Nähe ihm half mit sich und seinem Gedanken klar zu kommen - zumindest für den Augenblick.
Als Omniel und Delillah in die Menge der frühmorgendlichen Marktbesucher eindrangen und sich unter sie mischten, begann der junge Mann langsam wieder aufzutauen und zu erwachen - sich endlich wieder auf das wesentliche zu konzentrieren: dem Selbstschutz. Wie er es damals gelernt hatte ließ er unauffällig seinen Blick umherwandern und sah dabei so aus, als würde er die Ware und Stände nach interessanten Angeboten durchsuchen. In Wirklichkeit fasste er jedoch alle Informationen und Hinweise zusammen, die ihm die einzelnen Gesichter, die vielen Gesprächsfetzen und die von allen Seiten kommenden Gerüchte und Düfte zusammen. Doch dieses Mal verwendete er sie nicht um jemanden ausfindig zu machen oder um mögliche Muster die zu Unruhen jeglicher Art heranwachsen konnten vorherzusehen - dieses Mal war er es, der unbemerkt bleiben musste.
Er gab Delilah ein Zeichen und sie beide stellten sich zu einem der Warentische, Delilah direkt vor ihm, er ein wenig Abseits. Welche Waren hier angeboten wurden beachtete er gar nicht sondern tat so, als würde er auf das Mädchen warten. Doch in der Zwischenzeit konnte er sich ein genaues Bild von den umstehenden Leuten machen.
Der Mann und das Kind fielen ihm erst beim zweiten Blick auf und das auch nur, weil er sich der Ähnlichkeit von sich und Delilah und den zweien Bewusst war. Der verschleierte Ausdruck als der Mann mit besitzergreifender Geste nach dem Mädchen griff. Das Zusammenzucken und der ängstliche Blick eben jenes. Einen Moment erstarrte er und sah zu den beiden hinüber.
**Oooooh, na da hätten wir doch mal jemanden, der das Blut in Wallung bringt!**
°°Und sie dir die Kleine an, wie sie zittert!°°
**Na? Soll ich unserem Großen mal zeigen, was im Kopf von dem Kerl so vorgeht, wenn er sie so ansieht?**
Langsam glitt Omniels Hand unter den Mantel und schlang sich um den Griff seines Schwertes. Er sah das Mädchen blutend und weinend am Boden liegen, der Mann breitbeinig und mit lüsternen Blick über ihr, die Hände gierig nach ihr ausgestreckt. Gerade wandten sich die Beiden von dem Stand des Obsthändlers ab um womöglich den Markt zu verlassen. Omniel tat einen Schritt nach vorne und wusste nicht was er tun würde, doch wusste er, dass er etwas tun musste. er war keine Wache mehr, und doch konnte er nicht zulassen...er sollte ihn zu Rechenschaft ziehen, diesen Kinderschänder und Schläger. Töten sollte er ihn, die Klinge in seinen Leib stoßen, ihm die Leiste zertrümmern und dafür Sorgen, das er nie wieder...
Er blinzelte. Dann sah er hinab auf seine Hand, die immer noch Delilah festhielt. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an die dann zu etwas außerhalb seines Blickfelds huschten. Er folgte ihnen und handelte dann instinktiv. Er tat einen raschen Schritt und machte einen Schwenk in Richtung der anderen Straßenseite, Delilah - die nun er führte - mit sich. Als er knapp an dem Mann im grauen Mantel vorbeischritt konnte er einen schnellen Blick auf sein Gesicht erhaschen sowie auf den Gegenstand, den er in Händen hatte und wie eine Art Kompass oder Karte vor sich hielt. Dann war er schon an ihnen vorbeigegangen - genau dort, wo sie gerade noch gestanden hatten. Die Stirn des Mannes runzelte sich und Omniel meinte zu verstehen. Er suchte sie.
"Was darf es sein mein Herr?" Überrascht von den offensichtlich an ihn gerichteten Worten sah er auf und realisierte erst jetzt den Händler vor sich, der ihn nun als seinen nächsten Kunden ansah. Es war ein drahtiger Mann mit kunstvoll gezwirbeltem Schnurrbart und einer zwar freundlichen, doch zweifellos geschäftlichen Miene. Schnell spähte Omniel auf den Tisch und versuchte aus den dort liegenden Gegenständen schlau zu werden, um welche Art von Waren es sich hier handelte. Die Augenbraue des Händlers wanderte schon nach oben als Omniel den Zusammenhang zwischen dem Aussehen des Mannes und den Produkten die er verkaufte erkannte. "Ein Rasiermesser" Der Mann nickte und machte sich daran in einen der Kisten hinter sich zu kramen. Omniel atmete innerlich auf und sah kurz über die Schulter. Er konnte den vermeintlichen Verfolger nicht mehr sehen. War er in der Menge untergetaucht? "Du hast ihn erkannt oder?" Aus den Mundwinkeln flüsterte er Delilah neben sich zu. "Hast du ihn schon mal gesehen?"

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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Delilah » Mittwoch 30. Januar 2013, 11:06

Delilah sah ihre Großmutter an und für einen Augenblick strömte all die Liebe in sie ein, die die beiden teilten. Die Vertrautheit und das Glück, dass sie einander hatten, dass ihre Moma all die Jahre auf sie Acht gegeben hatte. Sie liebte dieses gutmütige Gesicht, die blauen Augen die immer Trost wussten, die Stimme der immer ein Lächeln anhaftete, wenn sie miteinander sprachen. „Pass auf ihn auf!“ Die schlanken Ärmchen schlangen sich um den Hals der alten Frau. „Mach ich, Moma. Versprochen.“ Ihre Augen strahlten und ließen das Lächeln auf ihren Lippen noch heller erscheinen. „Ich hab dich lieb, bis später!“ Mit dem vertrauten Geruch der getrockneten Blumen, die immer im Schrank ihrer Großmutter lagen, verließ Delilah den Schneidersladen.

Transcendence Street Jam: Live Music- Lindsey Stirling


Draußen empfing sie die erfrischende Kälte eines Wintermorgens. Die Schneeflocken tanzten ihren sanften Reigen und umhüllten die Welt mit ihrem tröstenden Weiß. Sie verbargen das Schlechte der Welt, bedeckten es mit funkelnden Kristallen, die das Licht der Sonne brachen und den Menschen Hoffnung ins Herz pflanzten. Sie selbst spürte wenig vom beißenden Wind, der in Gesicht und Hände stach. Sie sah nur die Schönheit dieses ersten Schneetages, spürte den Widerschein des Lichtes und die Wärme ihres Mantels. Schnell waren die goldenen Locken des Mädchens mit vielen Eiskristallen bedeckt und ließen ihr Haar noch kräftiger in der Sonne schimmern, ehe sie schmolzen und als Wassertropfen auf ihre Schulter trafen.
Doch nicht nur die Kälte rötete Delilahs Wangen. Es war auch die naive Aufregung ob dieses kleinen Abenteuers, das sie zum Marktplatz führte.
Sie wurden empfangen vom typischen Bild eines Morgens, der hier statt fand. Süße Düfte, verlockende Kinkerlitzchen, Menschen und Tiere. Manche sahen gestresst aus, andere missmutig, doch es gab auch jene die fröhlich durch die Stände schritten.
Doch es waren Andere die Delilahs Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Wachen waren es, die ihren Blick gefangen hielten. Würde man sie entdecken? Es war schwer für sie, umgeben von den flatternden und tanzenden weißen Sternen, an die Gefahr zu glauben in der sie schwebten. Sie unterhielten sich, mit den Stiefeln versunken im dreckigen Schnee, doch einer blickte zu ihr hinüber. Im Vorbeigehen bekam er eine Kostprobe ihres strahlendsten Lächelns. Und das zeigte, wie fast immer, seine volle Wirkung. Ein leicht verwirrter Blick, der sich zu einem freundlichen wandelte und ein höflicher Gruß. Gab es eine bessere Tarnung für Omniel, als das kleine lächelnde Wesen neben ihm? Vielleicht. Aber nicht im Moment.
Sie steckte ihre Hände in ihren Mantel und ihre Fingerspitzen stießen auf etwas, das sie dort nicht erwartet hätte. Sie zog den schweren Umschlag aus ihrer Tasche. Es war Mortimers Gutschein. Ein glockenhelles Lachen erklang und erregte doch nur wenig Aufmerksamkeit. Ihre Moma würde ihre Neugier noch eine kleine Weile zügeln müssen, außer sie zwang den armen Mortimer dazu, ihr das Geheimnis zu verraten. Zu verraten, was der Brief verbarg der an ihre Enkeltochter adressiert war. Delilah wusste selbst wie schrecklich aufregend solche Neugier sein konnte, dies war ein weiterer Charakterzug den sie von ihrer Großmutter geerbt hatte.
Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen steckte sie den Umschlag zurück an seinen Platz und sah sich wieder um im morgendlichen Treiben. Eine entflohene Gans rannte gerade an einem Stand mit Töpfereien vorbei und ein gehetzter Junge folgte ihr, stieß dabei gegen die Auslage. Die Verkäuferin fluchte, doch es war nichts beschädigt. Der fallende Krug war vom Schnee aufgehalten worden.
Omniel manövrierte sie vor einen Stand um sich einen Überblick zur Lage zu machen, wie sie glaubte. Kleine verzierte Figürchen und Kunstwerke aus Holz waren ausgestellt. Der Verkäufer war hingegen so groß und breitschultrig, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass seine großen Hände zu solch geschmackvollen Kleinarbeiten fähig waren. Mit leuchtenden Augen betrachtete sie die Stücke und lächelte dann den Schreiner schüchtern an. Sie hatte nicht genug Geld um es für solch Nebensächlichkeiten auszugeben, aber sie fand sie sehr schön. Doch sie wandte sich wieder ab und stellte sich neben ihren Begleiter.
Delilahs Blick glitt weiter und blieb an einem grauen Mantel hängen. War das nicht der Mann den sie gestern zur späten Stunde durch den Schnee hatte stapfen sehen? Ihre Blicke hatten sich nur kurz gekreuzt, aber sie war sich sicher, dass es die selbe Person war. Er kam direkt auf sie zu, auch wenn er sie nicht ansah. Weshalb? Delilah runzelte leicht die Stirn. War das ein Kompass den er dort in den Händen hielt? Er... er wich nicht von seinem Weg! Sie mussten gehen...! Das Mädchen blickte den Soldaten neben sich an, doch er schenkte ihr gerade keine Aufmerksamkeit. „Omniel...?“, flüsterte sie leise. Sein Blick war abweisend und wütend... wo sah er denn nur hin? Überall hin nur nicht dorthin wo die mögliche Gefahr lauerte! Sie streckte die Finger nach seiner Hand aus und umklammerte sie. Jetzt blickte er sie wieder an und ihr erschrockener Blick huschte erneut zu der Gestalt. Dann ging alles schnell. Mit vom Schnee knirschenden Schritten zog Omniel sie ein Stück weiter, ganz nah vorbei an der Gestalt in Grau. Ja, es war wirklich der Mann von gestern. Aber noch immer begriff Delilah nicht, was er dort in den Händen hielt. Sie sah nur, dass er verwirrt stehen blieb und nun das erste Mal aufschaute. Delilah hielt Omniels Hand ganz fest, als sie nun vor einem Stand mit Messern hielten. Sie war noch zu erschrocken um das Gespräch zwischen Omniel und dem Herrn mit dem merkwürdigen Schnurrbart völlig zu realisieren, doch als "ihr" Soldat sie ansprach sah sie ihn aufmerksam an. „Du hast ihn erkannt, oder?“, fragte er mit Sorge in der Stimme. Sie nickte und legte ihr leises Lächeln wieder auf. Sorge auf dem Gesicht wäre doch sicher zuu auffällig jetzt und hier, oder? „Ja, gestern... vor dem Laden, als ich die Vorhänge geschlossen habe. Er schien es eilig zu haben.“ Auch in ihrer Stimme schwamm die Sorge mit, doch noch immer lag ihre zarte Hand in seiner. Es beruhigte sie ihn nahe bei sich zu wissen.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 31. Januar 2013, 09:26

Zwischensequenz

Frustration machte sich in seinem Herzen breit. Das alte Ehepaar stritt, der Vater und das Mädchen machten sich anscheinend auf den Heimweg und das junge Pärchen, welches händchenhaltend seinen Weg kreuzte, änderte auch nichts an der Rotation der Viole. Alle verhielten sich normal und gingen ihren alltäglichen Handlungen nach, doch er wusste, irgendwann würde das Böse einen Fehler machen und dann würde er da sein! Langsam schritt er weiter über den Marktplatz.

Aus der Nähe hatte der Mann unter dem grauen Mantel richtig gefährlich ausgesehen. Nicht weil er hässlich, vernarbt oder vielleicht besonders böse drein schaute, nein. Genau genommen hatte er nichts davon. Resa hätte ihn wohl möglich als interessant und charismatisch bezeichnet. Es war viel mehr der scharfe Blick, der alles in sich aufnahm und in jedes noch zu kleine Detail zerlegte. Seine Augen hatten das stählerne Grau des Himmels, vor einem Sturm und sicher schon über 40, fast schon 50 Menschenjahre gesehen. Seine Nase war leicht gebogen, wie der Schnabel eines Falken und seine schmalen Lippen, über dem energischen breiten Kinn, lächelten sicher selten. Delilah wusste sofort, dass er der Jäger war, der ihnen gefährlich werden konnte. Omniel hatte sie an ihm so nah vorbei gezogen, dass ihr Blick kurz den Gegenstand in seiner behandschuhten Hand erfassen konnte. Es war eine kleine Schale aus Metall in der eine winzige Viole schwamm. Ein Ende hatte leicht geleuchtet und das Andere war pechschwarz gewesen. Es war unter einem Glasdeckel geschützt und hatte sich gedreht, so hatte es zumindest, für den kurzen Moment in dem sie hinschauen konnte, ausgesehen.

Auch Omniel hatte einen kurzen Blick darauf werfen können und trotz Delilahs Hand in seiner, ein leises frustriertes Aufstöhnen in seinem Innern vernommen. Jeglicher Kommentar blieb jedoch aus. Doch viel mehr war sein Geist noch von den Eindrücken gefangen, die die Stimmen ihm suggestiert hatten. Das Verbrechen, dass sie in seine Vorstellung malten, war mehr als nur verwerflich! Es ließ die Flammen des gerechten Zorns in dem Soldaten höher schlagen. Für diese Art von Verbrechen gab es einfach nicht genug Strafe und selbst der Tod war häufig noch zu milde. Omniel kochte und spürte kaum, wie seine Knöchel immernoch den Griff seines Schwertes umklammerten, als ihn der Händler ansprach:
"Was darf es sein mein Herr?"
Es dauerte einen Moment, bis er zurück in die Wirklichkeit fand und die Situation erfassen konnte, doch sein suchender Blick nach Erkenntnis, war gut als suchender Blick nach passender Wahre getarnt.
"Ein Rasiermesser"
Der Händler kramte einen Moment hinter der Auslage.
"Du hast ihn erkannt oder? Hast du ihn schon mal gesehen?"
, raunte Omniel Delilah schnell zu. Leise antwortete sie:
„Ja, gestern... vor dem Laden, als ich die Vorhänge geschlossen habe. Er schien es eilig zu haben.“
Auch in ihrer Stimme schwamm die Sorge mit, doch noch immer lag ihre zarte Hand in seiner.
Der Händler hob einen zweiten Kasten auf die Arbeitsfläche und öffnete ihn. Gut 20 unterschiedliche Rasiermesser, von unterschiedlichster Qualität und Kostbarkeit wurden dem Soldaten präsentiert. Von einfach, glattem Griff, über mit filigranen Schnitzereien verzierte Horngriffe, bis hin zu eingelassenen kleinen Edelsteinen in feinstes Metall. Von zwei Fuchsmünzen, bis 20 pries er die Einfachen an, da er seinen Kunden anhand seiner Kleidung einschätzte,nicht den gefülltesten Geldbeutel zu haben. Die aufmerksamen Augen des Händlers, sowie die seines recht stattlichen Gehilfen beobachteten Omniel aufmerksam. In der heutigen Zeit musste man sich stets vor Dieben schützen, auch wenn es in Jorsa noch nicht all zu sehr Überhand mit ihnen genommen hatte. Die Händler und Handwerker verdienten schon schwer genug ihr Geld durch das Handelsembargo der verfeindeten Nachbarschaft, da rückten viele etwas enger zusammen und man half sich stärker untereinander.
Noch während sich ein alltägliches Gespräch zwischen Angebot und Nachfrage entwickelte und gefeilscht wurde, verschwand der Mann in Grau wieder zwischen den Ständen.

Was für ein unzuverlässiges Ding hatte man ihm da gegeben? Mal zeigte es ein eine Richtung, mal rotierte es einfach nur.
Ich weiß, dass du hier bist!
Er bog um eine Ecke und verfolgte ein kurzes Stück einen Mann, auf den die Beschreibung ganz gut passte. Er trug eine gut gefüllte Tasche bei sich in der vermutlich all sein Hab und Gut verstaut war und wirkte gehetzt, aber als dieser dann von seiner jungen Frau mit einem Säugling auf dem Arm, am Rand des Marktplatzes, empfangen wurde, ließ er von ihm ab. Das Böse scheute solch glücklichen Momente, die dem heimkehrenden Soldaten ein strahlendes Lächeln auf sein Gesicht zauberten. Die junge Familie fiel sich in die Arme und er drehte sich wieder um. Irgendetwas störte seine Jagd. Jetzt wieder aus der Ferne zeigte sein Artefakt wieder deutlich auf den Marktplatz, also hielt sich das Böse immernoch dort verborgen, aber näherte er sich zu weit, begann die Viole sich wieder zu drehen. Es war zum Mäusemelken! Doch so leicht würde er nicht aufgeben. Sein Verstand ratterte und er drehte sich abermals um. Sein Blick wanderte den Turm des Rathauses hinauf und ein schmales Lächeln stahl sich auf die ernsten Lippen. Seine Hand wanderte an seine Seite, wo er deutlich unter seinem Mantel die Wölbung seines Fernrohrs tastete. Von einem erhöhten Punkt konnte er die Stördistanz ausschließen und vielleicht wenigstens einen Blick aus der Ferne auf sein Ziel werfen. Am Tor des Rathauses zeigte er den Wächtern das Zeichen der Templer und sofort wurde ihm Einlass gewährt.

Omniel und Delilah wanderten derweil weiter über den Marktplatz und konnten ihrer Einkäufe erledigen. Solange sie sich bei den Händen hielten, geschah nichts ungewöhnliches, selbst in dieser Menschenmenge in der Omniels dunkles Geheimnis sicher einige Opfer gefunden hätten. Es gab kurze Momente, in denen sie ihren Kontakt, z. B. Beim Bezahlen der Wahren die der Soldat besorgen wollte, lösen mussten, doch blieben sie dann immer eng beieinander. Nur einmal wollte das Schicksal sie herausfordern, als ein Mann durch die Menge wankte und versehentlich gegen Omniels Schulter stieß. Sein Blick verfinsterte sich so schnell, dass Delilah nur noch Sekunden blieben um sich als Puffer zwischen die beiden zu schieben. Ein verblüffter Blick des Mannes in ihr strahlendes Gesicht, dass sich so flink vor das Ziel seines Hasses geschoben hatte, genügte um die Verbindung der schwarzen Schlieren zu lösen, die von Omniel auf den leicht betrunkenen Mann übergegangen waren. Er kämpfte mit der Übelkeit und entschuldigte sich eilig um schnell weg zu kommen. Omniel sah ihm grade durch die Gasse der Stände nach, hatte sich für kaum mehr als 10 Sekunden von Delilah gelöst um ihre andere Hand nun auf seiner linken Seite zu ergreifen, als er an deren Ende noch einmal kurz den Vater mit der Tochter erblickte, wie dieser gerade mit ihr den Markt in Richtung einem dunklen Seitenweg zwischen zwei nah stehenden Häusern verließ. Das Mädchen trug immernoch den unangerührten kandierten Apfel in der Hand, die schlaff an ihrem Körper herab hing. Ein Kind, das einer solchen Süßigkeit keine Beachtung schenkte, war an sich schon ungewöhnlich und Omniel fühlte eine Empfindung in sich stärker werden. RACHE! Rache für ein unschuldiges Kind, dass sich nicht selbst wehren konnte.
**Du könntest mich frei lassen.
Ich könnte ihm geben was er verdient und …
du müsstest noch nicht mal dein Schwert ziehen!
Die kleine Hexe könnte das Balg ablenken …
Lass mich einfach machen.
Lass mich frei!**
, raunte nur eine Stimme in seinem Innern ihm zu. Die Stelle war günstig, denn die Stände reichten nah an die Gasse heran und verbargen sie fast vollständig. Der Vater bog dort ein, wo ein paar Getreidesäcke gestapelt lagen und die Sicht versperrten. Sein Blick über die Schulter, als er das Mädchen vor sich her schob, ob er beobachtete wurde, ließ Omniels Phantasie verrückt spielen.

Auch Delilah bemerkte, dass Omniel abermals abgelenkt wurde und seine Augen sich in Dunkelheit hüllten. Dieses Mal sah sie auch, wenn auch nur kurz das Mädchen und den Vater, als sie grade verschwanden. Warum sah Omniel den Mann so voller Hass an? Das Mädchen kam ihr vertraut vor. Vielleicht besuchten sie die gleiche Schule, nur dass sie ein paar Lerngruppen unter ihr war. Sie war vielleicht sieben oder höchstens acht Jahre alt. Delilah erinnerte sich sie mal in einer Pause gesehen zu haben, wie sie still und einsam in einer Ecke ihr Pausenbrot gegessen hatte. Sie war nicht sehr gesprächig gewesen, aber war wenigstens nicht gleich weg gegangen wie sie es sonst bei den anderen Kindern tat. Vielleicht fiel ihr ja der Name wieder ein?
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Omniel » Dienstag 19. Februar 2013, 18:02

Die Schatulle, die ihm der Händler vorhielt gar nicht richtig wahrnehmend, deutete Omniel wage auf eine der Klingen weiter links, aus der niedrigeren Preisklasse. In seinem Kopf spielte es sich im Moment ziemlich ab, jegliche Ruhe und Gelassenheit die er durch sein betont unbekümmertes Äußeres ausstrahlte, fehlte vollkommen in seinem Inneren. Hier tobte das Chaos, gegen das die unüberschaubare Menge am Marktplatz schon fast ordentlich wirkte.
Der Mann im grauen Mantel war gestern Abend vor der Schneiderei gewesen - das hatte Delilah ihm gerade zugeflüstert. Für Omniel bestand kein Zweifel, dass dies kein Zufall war. Nicht nach dem Blick, den er für einen kurzen Augenblick auf den Fremden hatte werfen können. Er suchte ihn. Dieses Gerät, was auch immer es war - es zeigte dem Mann den Weg zu ihm. Doch wie konnte das möglich sein? Auf was schlug das Ding aus? War es magisch? Und warum hatte der Verfolger sie beide gerade vorher nicht aufgespürt als sie haarscharf an ihm vorbeigegangen waren?
"Das macht 5 Füchse."
Erneut schreckte ihn die Stimme des Klingenverkäufers aus seinen Gedanken, welcher ihm ein einfaches Rasiermesser mit hölzernem Griff entgegenhielt. Omniel griff rasch in den Geldbeutel an seiner Seite und legte fünf kupferrote Münzen in die Hand des Händlers, dann nahm er die Rasierklinge entgegen. Er hatte eigentlich nicht vorgehabt sein ohnehin schon bescheidenes Restgeld für Kosmetikartikel auszugeben - obwohl die dichten Stoppeln an Wange und Kinn den sonst glattrasierten Soldaten bereits ein wenig kratzten. Doch nun war es schon zu spät. Er war schon dabei das Messer in eine seiner Gürteltaschen zu verstauen, als er es sich im letzten Moment anders überlegte. Während er sich wieder vom Stand abwandte, ließ er die kleine Klinge zwischen der Borte seines inneren rechten Mantellärmels verschwinden. Wer weiß - vielleicht würde er sie noch früher brauchen als angenommen.
Omniel beugte sich leicht zu dem Mädchen an seiner Seite hinunter und tat so als würde er ihr eine harmlose Frage stellen. Er nutzte die kurze Gelegenheit, um sich unauffällig nach ihrem Verfolger umzusehen. Ein grauer Kragen stach mehrere Meter weiter aus der Menge und bewegte sich glücklicherweise gerade von ihnen fort. Nun wandte der junge Mann sich wirklich an Delilah. "Ich weiß nicht wer er ist, aber er gehört bestimmt nicht zur Stadtwache. Die würden selbst in Zivil in kleineren Gruppen bleiben..." Er lugte noch einmal über ihren blonden Haarschopf hinweg, dann sah er ihr wieder in die schimmernden rehbraune Augen. "Hab ein Auge auf ihn, ja? Jetzt den Markt zu verlassen wäre ein Fehler - an den Eingängen warten vielleicht noch mehr von seiner Sorte. Außerdem brauch ich noch einiges..." Er hielt inne, lächelte dann trotz aller Umstände einigermaßen und gab ihr einen leichten Klaps auf die Schulter, so wie es ein großer Bruder machen würde, der für einen Tag auf seine kleine Schwester aufpassen musste. "Du hattest übrigens Recht was die Tarnung anbelangt. Wenn wir nicht gerade jemanden in die Arme laufen, wird keiner Verdacht schöpfen" Er zwinkerte ihr noch einmal zu, gar nicht mehr wissend ob er es nun bewusst oder ebenfalls der Rolle des Bruders wegen tat. Dann stand er auf und sah sich mit ihr nach dem nächsten Stand um.
Etwa eine halbe, nervenaufreibende Stunde später war der ehemalige Soldat mit seiner geistigen Liste fertig und um einige Gegenstände reicher - jedoch fühlte sich der Münzbeutel nun schon bedrohlich leicht an, sodass er ihn schon wortwörtlich enger schnallen musste. An seinem Rücken umgeschnallt hing nun ein lederner Rucksack, der ihm am Tisch eines Waidmanns ins Auge gefallen war. 16 Fuchsmünzen hatte er für ihn bezahlt und war nach eigenem Ermessen damit noch ziemlich gut davongekommen. Der Rucksack war schmal und leicht, behinderte ihn nicht, bot jedoch zur gleichen Zeit auch Platz für seine weitren Einkäufe. Darauf festgezurrt lag eine Bastmatte - 5 Fuchsmünzen - die er nicht aus Bequemlichkeit sondern aus der einfachen Tatsache erstanden hatte, dass er auf der Flucht wohl nicht langer überleben würde, wenn er sich jede Nacht im Schnee betten würde. Aus der einzigen Seitentasche lugte eine bauchige Feldflasche aus Bronze, die ihn etwas an die der Soldaten aus Jersa erinnerte. 8 Fuchsmünzen waren für sie nicht wirklich viel verlangt - Omniel hoffte nur, dass er auch regelmäßig zu einer Wasserquelle kommen würde, wo er die Flasche auffüllen konnte, sollte er Hals über Kopf fliehen und die Zivilisation meiden müssen. Im inneren des ledernen Rucksacks verstaut befanden sich einige Lebensmittel - Brot, Käse und ein ranken Hartwurst, der gar nicht einmal so alt war. Dieser Proviant allein, der - wenn er sparsam damit umging - für maximal eine Woche reichen würde, hatte ihn 28 Füchse gekostet. Man merkte schon langsam, wie die Händler die Preise für Brot und andere, überlebenswichtige Preise in die Höhe trieben - und Omniel konnte es ihnen nicht verdenken. Durch die Seeblockade Grandessa's, waren viele von ihnen selbst in den Ruin getrieben worden.
Er hatte gerade mit verdrießlicher Miene die wenigen übrig gebliebenen kupferfarbenen Münzen in seinem Beutelchen gezählt - es wurden einfach nicht mehr! - als ihn ein bärtiger, nach Alkohol stinkender Mann seitlich anrempelte. Sofort ballte sich seine Faust reflexartig um den Geldbeutel und sein Blick flog nach oben, den potentiellen Dieb mit einer herausfordernden Grimasse zu verscheuchen. Doch die Augen des Mannes starrten ihn nur gebannt an und in seinen Pupillen konnte Omniel sich selbst sehen. Der Moment verging zu schnell um etwas genaues erkennen zu können. Für einen Augenblick glaubte der junge Soldat aber, dass sich ein dunkler Schatten in den Augen des Mannes sammelte, der direkt von ihm auszugehen schien. Er wich einen Schritt zurück und hielt den Atem an, drückte unwirklich Delilahs Hand als die Erscheinung verschwand. Hatte er sich getäuscht?
Der Mann blinzelte und brabbelte etwas Unverständliches - dann trat er hastig an den beiden vorbei. Omniel sah ihm nach wie er kurz darauf seine Schritte beschleunigte. Ein Bild von einer klebrigen teerähnlichen Flüssigkeit die sich auf den schmutzigen Straßenstein einer Seitengasse ergoss, schoss ihm durch den Kopf und von irgendwo schien ein schrilles Lachen her zu kommen. Als er sich jedoch vergewisserte, ob Delilah neben ihm noch da war, war er sich gar nicht mehr sicher, ob er sich alles nicht nur eingebildet hatte.
"So...ich habe alles. Auch wenn ich hoffe, dass ich..." Die an Delilah gewandten Worte brachen ab, als Omniel erneut das kleine Mädchen an der starken Hand des Vaters erblickte, diesmal an einem der eher stilleren Ausgänge des Marktplatzes. Sie wirkte so unsicher, so in sich gekehrt... so verloren. Sie war auf dem Weg nach Hause, gemeinsam mit diesem großen, autoritären Mann der ihr gedankenverloren durchs Haar strich und im Geiste schon ganz wo anders war. Was würde dort geschehen?

**Du könntest mich frei lassen.
Ich könnte ihm geben was er verdient und …
du müsstest noch nicht mal dein Schwert ziehen!
Die kleine Hexe könnte das Balg ablenken …
Lass mich einfach machen.
Lass mich frei!**


Für einen Moment war er so weit. Beinahe hätte er das Angebot der Stimme angenommen, wie dubios und rätselhaft es auch war. Er wusste nicht was passiert wäre, wenn er ihr nachgegeben hätte. Ein Teil von ihm wollte es, der leidenschaftliche Teil seiner Seele der gerade brannte, unter Qualen aufschrie als er sich ausmalte, was dieses Mädchen wohl in Bälde durchstehen musste. Es war der Teil, der ihn schlussendlich dazu gebracht hatte, in die Armee einzutreten. Und gleichsam auch der Teil, der ihn einige Zeit zuvor ohne zögern das Schwert hätte zücken lassen und den Mann vor den Augen aller niederstrecken lassen.
Doch er besann sich. Knapp und im letzten Augenblick gelang es ihm, die innere Ruhe zu behalten - auch wenn er immer noch unter Strom stand und sich seine Finger um en versteckten Schwertknauf ballten.
Wie hypnotisiert setzte er sich in Bewegung und folgte dem Mann mit dem Kind. Er wusste gar nicht, was er zu Delilah sagte. Alles was tat, tat er instinktiv, seiner eigenen, schwachen leitenden Stimme folgend, die zwischen dem Geschrei der Kreatur in ihm kaum zu vernehmen war. In der Gasse, wenige Schritte hinter den beiden, griff seine Linke erneut in den Geldbeutel an seiner Seite und zog eine der Münzen hervor. Die Rechte tastete in dem Innenfutter seiner Ärmeln nach dem dünnen Stiel der Rasierklinge. Delilah, die nun etwas hinter ihm stand bedeutete er mit einer Armbewegung hinter ihm zu bleiben, sodass sie noch zu sehen war aber ein deutlicher Abstand zwischen ihr und dem Mann bestand.
"Mein Herr!" Es war ein Wunder, dass die Anspannung in seinen Gliedern sich nicht auf seine Stimme übertrug. Der Mann wandte sich um, die Hand immer noch um die Kleine gelegt. Omniels Finger glitten leicht über den Schaft der Rasierklinge. Seine Augen ruhten zuerst auf dem verwirrten Gesicht des Mannes - dann wichen sie zu dem Mädchen und versuchten eine Regung in ihren Augen zu erkennen. Nicht irgendetwas. Die Wahrheit.
"Die muss Euch zuvor aus der Tasche gefallen sein, als Ihr Eurer Tochter den Apfel gekauft habt." Er streckte die Handfläche aus, auf der die kleine Kupfermünze lag. So wie er es gelernt hatte - sowohl durch Lehrmeister, als auch die Erfahrung auf den Straßen Jersas - achtete er auf jede kleinste Bewegung seines Gegenübers, die ihm etwas über es erzählen konnte. Er stand still, wartete auf eine Reaktion. In seinem Kopf, lockend und lauernd wartete noch immer die Stimme darauf, endlich entfesselt zu werden.



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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Delilah » Sonntag 7. April 2013, 01:36

Die Gefahr.
Mit auf den merkwürdigen Kompass gesenktem Blick strich sie nicht einmal eine Armlänge entfernt an dem jungen Mädchen vorbei. Diese noch unbekannte Bedrohung unbekannten Ausmaßes. Was würde geschehen, wenn sie diesem Mann in die Hände fielen? Was würden sie mit Omniel machen, wie würden sie mit ihr verfahren? Trotz dieser Gedanken schien Delilah das alles noch nicht real, eher war ihr als wäre sie in eines ihrer Abenteuerbücher geschlüpft und hätte die Haut einer Figur übergestreift. Wie oft hatte sie von Abenteuern dieser Art gelesen? Von der Aufregung, der Spannung, der Gefahr? Viele Male! Doch immer war die Angst, das Leid im Netz der Seiten verblieben und hatte sich nicht herausgeschlichen, hatte nicht von ihrem unschuldigen Herzen Besitz ergriffen.
Und auch jetzt schützte sie die trügerische Erfahrung, dass Abenteuergeschichten immer gut ausgingen. Ihr Unterbewusstsein nahm das ganze Geschehen nicht als wahr an und so war sie auch während sie über den Markt schlenderten frei von Angst.
Der Schnee knirschte unter ihren Füßen und die Kälte kroch in ihre Zehen, während der Rest ihres Körpers warm gehalten wurde. Ihre Hand hatte sie in Omniels verschränkt, während er alles Nötige besorgte und auch Delilah sich den ein oder anderen möglicherweise wichtigen Gegenstand besorgte. Ab und zu warf sie ihrem Begleiter einem unsicheren Blick zu, doch er komentierte ihre Einkäufe nicht weiter. Er schien anderweitig beschäftigt. Sie nahm einige der Dinge, die auch er sich besorgte, während sie überlegte ob sie sich auch Vorräte anlegen sollte oder ob es ihr möglich sein würde nocheinmal nach Hause zurück zu kehren und von dort Lebensmittel mit auf die Reise nehemen zu können? Schließlich kam sie nicht mehr dazu sie ebenfalls Essen zu besorgen... sie vergaß den Gedanken einfach und wurde von anderen Dingen abgelenkt.
Bastmatte - (5F) Feldflasche ( Bronze) - (8F)
Auf ihrem Bummel über den Markt geschah kaum etwas Erwähnenswertes mehr. Die Schatten schienen sich ruhig zu verhalten, trotzdem blickte Delilah sich mit offenen Augen, Ohren und Herzem um. Von etwas Banalem abgelenkt stolperte das Mädchen über eine Schneewehe und geistesgegenwärtig fing Omniel sie mit seinen starken Armen auf. Bei ihm fühlte sie sich wirklich sicher. Sie lächelte zu ihm hinauf. Sie war immer noch ein wenig stolz darauf, dass er ihre Idee mit der Bruder-Schwester-Tarnung als gut befunden hatte. Und so wie er sie hatte auffangen müssen, bewahrte sie ihn wenig später vor einer Unannehmlichkeit. Im stärker werden Getümmel taumelte Omniel mit einem Fremden aneinander, just in einem Moment in dem sich ihre Finger nicht ineinander verflochten hatten und ein Schwarm spitzer Nadelschatten flog auf den betrunkenen Mann zu, dessen Blick sich sofort verfinsterte. Mit einem glockenhellen Lachen, schob Delilah ihre Finger wieder zwischen Omniels, stellte sich mitten in die Nadelwand die an ihr zu erlöschen schien, strahlte den Fremden an und sah auch die Wut in seinen Augen erlöschen wie ein Feuer unter einem heftigen Regenguss.
Delilah verstand das ganze Ausmaß der Situation einfach noch nicht. Die Prophezeiung dieser fremden Freundin ihrer Großmutter, ihr Dasein als gesegnetes Kind, der Mann in Grau, der Soldat mit den traurigen Augen an ihrer Hand... dies alles schien ihr noch so unwirklich wie ein Traum, eine Geschichte.
Ganz sicher würde sie irgendwann heute nach Hause gehen, sich schlafen legen und morgen spätestens übermorgen wäre doch alles wieder beim Alten, oder?! Sie würde auf den Stufen ihres Hauses auf Rebecka warten, die sich über ihre nervigen Brüder beschwerte, sie würde in die Schule gehen und den Kindern etwas von ihrem Pausenbrot abgeben. Anders war ihre Welt noch nie gewesen und warum sollte sich gerade heute, an diesem doch eigentlich ebenso gewöhnlichen Tag etwas daran ändern? Das konnte doch gar nicht sein, das passte nicht in das tägliche Muster, dass so gleichmäßig und schön gewebt schien seit sie denken konnte! Es war alles so merkwürdig und auch Omniel nächste Handlung trug nicht gerade dazu bei, dass Delilah das neue Muster verstehen konnte, das sich vor ihr aufzeigte.
Was wollte er denn von diesem Mann und seiner... heey! Das war doch Cilia! Ein breites Lächeln zog sich über Delilahs Gesicht. Mit ein paar tänzelnden Schritten stand sie neben dem Mädchen. "Hallo, Cilia!" Sie kannte den Rotblonden Schopf auf der Schule, hatte sie öfter alleine am Rand stehen sehen und ihr das ein um andere Mal ein Lächeln aufs traurige Gesicht zaubern wollen, was ihr sogar manchmal gelungen war. Angeregt hatte sie begonnen auf das Mädchen einzureden, freundlich ignorierend dass diese schwieg, während sie ihr Süßes von zuhause anbot. Über Bücher hatte sie mit der Jüngeren geredet, sie hatte erzählt und geplappert, bis auch Cilia manchmal zögernd Antworten gab.
Doch jetzt sah sie sogar noch angespannter aus, als es so oft in der Schule der Fall war. Sie warf ihrem Vater einen ängstlichen Blick zu und auch Delilah blickte nun prüfend zu den beiden Männern hinüber.
Sie hatten doch gar keine Münze gefunden, warum also log Omniel? Prüfend blickte sie in seine Augen, doch in ihnen lag nicht die Schwärze der Schatten, sie konnte nur das ihnen anbestimmte Braun entdecken, auch wenn die Wärme darin nicht echt war. Also bestimmte nur er über seine Taten. Auch wenn Delilah der Sinn seines Handelns unklar blieb, war sie um einiges beruhigter und wollte ihn walten lassen.
Sanft aber bestimmt griff sie mit beiden Händen nach denen ihrer ... nunja Freundin würde sie es ja fast nennen und zog sie ein wenig von den Älteren fort. Dabei entdeckte sie den kandierten Apfel in der Hand des jüngeren Mädchens. Dass sie den noch nicht gegessen hatte!! Erstaunlich! Aber nebensächlich, denn es gab weitaus Wichtigeres zu besprechen!!
"Sag Cilia, hast du das Buch gelesen von dem ich dir erzählt habe?? Es ist wundervoll nicht wahr?!"
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. April 2013, 10:45

Bis jetzt war doch alles gut gelaufen! So schien es wenigstens für Omniel. Der Mann vor ihm drehte sein Gesicht dem ehemaligen Soldaten zu und schaute dann etwas irritiert auf das kupferne Glitzern in dessen Hand. Das Blinzeln seiner Augen verriet Omniel, dass er kurz überlegte und dann mehr schlecht als gut eine dankbare Miene aufsetzte.
„Oh! Habt Dank mein Herr! Ich dachte schon ich hätte mich verzählt, oder der Händler hätte mich übers Ohr gehauen, der Halunke! Es ist schön zu wissen, dass es in diesen kargen Zeiten noch ehrliche Menschen gibt.“
Sein Lächeln war breit, falsch und seine schiefen braunen Zähne passten nicht auf einander. Omniel sah aus dem Augenwinkel, wie Delilah mit dem Mädchen, was sie freundschaftlich Cilia nannte, sich ein Stück entfernte. Der Vater folgte der Bewegung der beiden mit eben jenem breiten Lächeln im Gesicht, und seine Hand streckte sich nach der Münze aus. Dann geschah etwas, womit Omniel nicht gerechnet hatte und ihn für ein paar Sekunden erstarren ließ. Der Mann vor ihm nahm die Münze aus seiner Hand, betrachtete die beiden Mädchen und so entging im Omniels Entsetzter Gesichtsausdruck, der unter einer Bilderflut zu leiden hatte, die ihm die Galle in den Rachen trieb.
**Sie durch seine Augen was er getan hat. Fühle was er wünscht.**
So raunte es durch seinen Geist und ein dunkler kleiner Raum ohne Fenster wurde vor ihm sichtbar. Einzig Ritzen zwischen ein paar Ziegeln ließen eine Dachkammer vermuten. Omniel, nein der Träger dieser Erinnerung trat in diesen Raum und schloss die Tür hinter sich ab. Dann wanderte der Blick auf ein kleines Bett und einen Körper verborgen unter Decken. Ein wohliger Schauer, Entzücken und ein Ziehen in den Lenden schnürte Omniel die Kehle zu. Er sah die Hand vor sich, die nicht seine war, wie sie sanft die Decke weg zog und ein schlafendes Gesicht streichelte, dass er kaum fünf Meter von sich neben Delilah stehen sah. Die Augen des Mädchens öffneten sich verschlafen und das Erkennen brachte nacktes Entsetzten in die unschuldigen Züge. Die Hand legte sich über den Mund des Kindes und die andere verschwand unter der Decke. Weit aufgerissene Augen flehten, doch es gab keine Erlösung aus diesem Albtraum!
Omniels eiserner Wille ließ die Verbindung abreißen, als hätte er mit aller Gewalt sein Schwert auf die Hand des Vater nieder fahren lassen. Das Grauen über die lüsternen Empfindungen saß tief in seiner Seele und alles in ihm schrie nach Rache! Rache! Ein Gefühl was er nur zu gut kannte und in ihm eine eigene Persönlichkeit bekommen hatte! Der Bann war gebrochen. Der Teil von ihm, der verflucht war und nach Vergeltung gierte und seine eigene Seele waren endlich einer Meinung! Delilah sah Omniel in die Augen, doch sein eigener Wille hielt die Schatten im Zaum. Berechnend, kalkulierend setzte auch Omniel ein falsches Lächeln auf, dass die Abgründe seines Geistes nicht erreichte. Der Mann neben ihm drehte die Münze zwischen den Fingern und sah zu seiner Tochter und zu Delilah.
„Ist das eure ...Schwester? Eine gewisse Ähnlichkeit erkennt man. Ein wirklich hübsches Mädchen. Die beiden scheinen sich zu kennen.“
Seine Augen wanderten über Delilahs Körper, blieb an den zarten ersten Rundungen hängen und Omniel nutzte seine Abwesenheit um ihn sanft die Hand auf die Schulter zu legen und tief durch zu atmen.
„Ein rechter Sonnenschein, eure Schwester möchte ich meinen. Nicht so schüchtern wie meine Kleine. Meine Cilia muss ich immer zu antreiben mal eine Freundin mit nach Hause zu bringen. Sie ist so scheu wie ein Reh!“
Der Mann sah durch die Berührung auf seiner Schulter zu Omniel und ihm in die Augen.
°°Und nun sieh was du dieser unschuldigen Seele angetan hast, Sünder! Folge deinem Schicksal°°
Die Stimme in Omniels Kopf hatte etwas beschwörendes und er wusste sofort, dass nicht er, sondern der missratene Vater nun all das Leid durchleben musste, was er seiner Tochter angetan hatte. Die stahlgrauen Ringe seiner Iris wurden weit und die endlose Schwärze breitete sich rasend schnell darin aus. Omniel näherte sich dem Ohr des Schänders und flüsterte:
„Komm mit mir.“
Folgsam wie ein Lamm, wie ferngesteuert, ließ sich der Mann an der Schulter von Omniel in die nahe Gasse führen. Ein kurzer Blick zu seiner „Schwester“ zeigte, dass sie angeregt mit dem Mädchen plauderte. Von starker Hand geführt ging es um eine Ecke und kaum hatten sie das Sichtfeld des Marktplatzes verlassen drückte Omniel den Mann fest gegen die Mauer. Seine Hand an dem Rasiermesser gierte nach seinem Blut. Die Stimmen in ihm raunten ihm zu, er solle seiner Gier nachgeben, doch tief in seiner Seele war er immernoch Soldat, ein Streiter der sich an Gesetzte hielt. Doch ein kleiner Teil seiner Menschlichkeit genoss es die Panik in seinen Augen zu sehen, der glaubte sein letztes Stündlein hätte geschlagen, doch sein Wille obsiegte.
„Nein, ich werde dich nicht töten!“
**Spielverderber**
°°Spielverderber°°
**Aber wenn wir nichts tun wird er heute Abend sich wieder an ihr vergehen! Und wenn er könnte auch gleich an deinem Sonnenschein.**
Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht und Omniel drückt noch ein wenig kräftiger seinen Ellenbogen an die Kehle des Mannes der nur noch leise röcheln konnte.
°°Ich werde ihm den Spaß verderben! Ja verderben werd ich ihn!°°
Omniel sah wie sich der Mund des Mannes wie von Zauberhand weit öffnete. Irritiert lockerte er seinen Griff und trotzdem blieb der Körper wo er war. Ein paar Zentimeter über dem Boden schwebend, mit den Füßen zappelnd hing der Vater an der dicken Steinwand und sein Mund wurde immer weiter aufgerissen, bis die Mundwinkel schon erste Risse zeigten. Etwas drang in ihn ein. Der Hals schwoll an und dann wölbte sich der Bauch. Ein gurgelndes Geräusch war zu hören und seine Hände zuckten wahllos umher. Omniel war von ihm zurück getreten und trotzdem hielten ihn zwei unsichtbare Arme wo er war. Eine gewissen Faszination lag in diesem Anblick. Rache konnte sich gut anfühlen und Omniel fühlte wie dem Wesen vor ihm etwas eingepflanzt wurde, dass er mitbestimmen konnte. Ein Saatkorn des Bösen das Gutes bewirken würde, denn jedes Mal wenn dieser Mann in Zukunft ein Mädchen mit dieser Gier betrachten würde, würde es ihm unsagbare Schmerzen und Übelkeit bescheren. Jedes Mal wenn er seine Tochter ansehen würde und der Trieb in ihm erwachen würde sie zu berühren, so würde er leiden müssen. Der Vater würde nie wieder sein eigen Fleisch und Blut, oder das eines Anderen in dieser grausamen Art quälen und misshandeln, dass hatten Schuld und Rache ihm verdorben! Das wusste Omniel, dass wusste auch der Mann vor ihm. Aus seinen Augen schrie blankes Entsetzen, Furcht und Panik über das was mit ihm passierte.
„Es reicht!“
**Noch ein bisschen quälen!**
°°Noch ein bisschen quälen, ja! Er hat's verdient!°°
**Er hat's verdient!**
„Schluss!“
Der Mann rutschte von der Wand und lag wie ein nasser Sack am Boden im Unrat der Seitengasse. Omniel trat auf ihn zu, betrachtet ihn angewidert. Zitternd erhob sich der Cilia's Vater und stützte sich an der Wand ab. Seine Hand ging zu seinem Hals und ängstlich und verstört sah er zu Omniel. Dieser wollte gerade eine letzte Warnung aussprechen, als er irgendwo hinter sich das leise Reiben von Metall hörte, wie wenn jemand ein Schwert aus einer Scheide zog.



Delilah hatte Omniels beschwörenden Blick gesehen, der sie mit Cilia fort schickte. Egal was der Soldat vor hatte, er hatte sich unter Kontrolle und das Mädchen bei ihr brauchte ihre Ablenkung. Die ängstlichen Augen die kurz zu ihrem Vater huschten, verrieten ihr, dass ihre Schüchternheit auf dem Schulgelände nur die Spitze des Eisbergs war. Jetzt gerade konnte sich Delilah des Eindrucks nicht erwehren, dass sie regelrecht verängstigt war. Die Gründe hierfür zu ergründen wäre eine größere Aufgabe, aber vorerst konnte sie ganz einfach helfen in dem sie etwas von ihrem hoffnungsvollen Lächeln dem Mädchen schenkte.
"Hallo, Cilia!"
, plauderte sie munter drauf los.
"Sag Cilia, hast du das Buch gelesen von dem ich dir erzählt habe?? Es ist wundervoll nicht wahr?!"
Der rotblonde Schopf wandte sich ihr zu und wirkte kurz etwas desorientiert, ganz so, als wüsste sie nicht wovon Delilah sprach, doch dann schien sie sich zu erinnern. Ihre Stimme antworte leise und zögerlich:
„Ja … du meinst das von dem heldenhaften Ritter und seiner verlorenen Liebe vergebens suchte, für die er starb und sie sich dann als Geister wieder trafen um endlich zusammen zu sein.“
Ein winziges Lächeln huschte über ihre Lippen. Auch Delilah liebte dieses Buch wie fast alle Mädchen ihrer Schule. Es war voller Abenteuer, Mystik, Romantik, Tragik und hatte doch ein glückliches Ende. Große Gefühle hatte der Autor in leicht verständliche Worte gekleidet und wie ein Lauffeuer hatte es die unteren Klassen erobert. Cilia und Delilah sahen sich kurz in die Augen und beide fühlten das gleiche, die Sehnsucht nach Abenteuer und der ersten großen Liebe. Just in diesem Moment wurde ihre Aufmerksamkeit durch eine Bewegung in der Menge auf sich gezogen. Etwa 50 Meter von ihnen entfernt ritt ein großer Mann auf einem schneeweißen edlem Ross durch die Menge und seine warme Stimme drang bis zu ihnen, wie er freundlich aber bestimmt die Leute bat Platz zu machen. Delilah und Cilia sahen noch verklärt durch die gemeinsame Erinnerung an die Geschichte in ihm den stolzen Ritter der so heldenhaft für seine Liebe kämpfte und tatsächlich war der Mann eine rechte Augenweide. Die Kleidung war elegant und ins silbergrau und edlem Schwarz gehalten. Ein langer Säbel zierte seine Hüfte und ein weiter Mantel lag über dem Rücken des Pferdes. Die Statur des Mannes war sehr hoch gewachsen, weniger muskulös und seine Bewegungen wirkten zielgerichtet und auch ein bisschen gefährlich. Das Gesicht war auf die Entfernung nicht mehr so gut zu erkennen, doch war es so auch faszinierend und schön. Beide Mädchen betrachteten das Getümmel um ihn und dann war der Moment auch schon vorbei. Der Reiter verschwand aus ihrer Sichtlinie und ein synchrones Seufzen gefolgt von einem Kichern löste sich aus ihren Kehlen. Cilia konnte also ein ganz normales Mädchen sein und schmunzelte. Delilah sah sich um entdeckte eine schmale Frau die aus der Menge auf sie zu kam. Sie trug einen dicken Schal um den Kopf gewickelt und steuerte direkt auf sie zu.
„Cilia, hab ich dich gefunden.“
Sie sah sich suchend um.
„Wo ist dein Vater?“
„Er ist mit einem Mann weg gegangen. Er gehörte zu Delilah, Tante.“

Damit sahen beide das Mädchen neben sich an und die Tante lächelte gehetzt.
„Gut … Dann sag bitte meinem Schwager, dass Sophie seine Tochter mit nach Hause genommen hat. Du kommst erst mal mit zu mir.“
Die Frau ergriff Cilia's Hand und das Mädchen lächelte Delilah an.
„Ist schon gut. Wir sehen uns dann in der Schule.“
Tante Sophie sah noch einmal in die Richtung der Gasse und beeilte sich dann mit dem Mädchen davon zu kommen. Etwas in ihrem verhalten ließ darauf schließen, dass sie ihrem Schwager nicht unbedingt begegnen wollte. Delilah stand nur kurz darauf allein am Rand des Marktplatzes und sah sich um, während sie auf Omniel wartete.
Ein paar Minuten vergingen als sie den Mann mit dem grauen Mantel an einem Stand entdeckte. Dann war er auch schon wieder verschwunden. Dann sah sie ihn an einer anderen Stelle und hatte das Gefühl von ihm kurz angesehen worden zu sein. Dann tauchte er seitlich beim Gemüsehändler auf und sie erwischte ihn dabei, wie er auf das Ding in seiner Hand sah und zu ihr. Von drei unterschiedlichen Positionen hatte er sie beobachtet und nun trafen sich ihre Blicke. Das stählerne Grau seiner Iris wirkte zwar kalt, aber nicht unfreundlich. Sein Gesichtsausdruck war grüblerisch, wie er da zwischen Gemüsekisten und einer Hauswand stand. Omniel war nicht weit entfernt hinter ihr in der Gasse verschwunden und nun war sie allein auf sich gestellt. Mit langsamen Schritten kam der Mann näher und musterte immer wieder den Gegenstand in seiner Hand. Seine Schritte waren aber nicht geradlinig, sondern er nahm einen Bogen auf sie zu. Delilah spürte wie die Aufregung ihr Herz schneller schlagen ließ, dann sah sie ihn den Gegenstand in seiner Hand unter seinem Mantel verbergen. Plötzlich wirkte der gestandene Mann sogar etwas unsicher und kam gut zwei Meter von ihr zum Stehen.
„Ich Grüße.“
Dann wand er sich der nahen Auslage zu. Seine Stimme klang hart, scharf und zeugte von Stärke. Und doch war sie tief und wohlwollend warm. Der Händler in ihrer Nähe fühlte sich sofort angesprochen und kam näher, doch der Mann in Grau winkte mit einer Handbewegung ab. Delilah war ihm nun so nah, dass sie unter seinem Mantel eine Kette mit einem goldenen Symbol erkennen konnte. Es lugte kurz aus seinem Versteck hervor, als der Mann sich vorbeugte um desinteressiert ein paar Waren zu begutachten. Aus dem Augenwinkel betrachtete er auch sie und sah dann in die Gasse hinter ihr. Er war auf der Suche und Delilah wusste auch wonach. Auch wenn dieser Mann auf sie selbst nicht im Geringsten gefährlich wirkte, so wäre ein Treffen mit Omniel verhängnisvoll.
Langsam trat er in den Raum zwischen sie und den Stand um hinter sie zu gelangen und fingerte abermals nach dem verborgenen Gegenstand. Delilah hatte vor einiger Zeit einen kurzen Blick darauf werfen können und ahnte dass es sich um ein Hilfsmittel handeln könnte, was Omniel aufspüren könnte, doch das Gesicht des Mannes verriet auch, dass noch etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sie ganz persönlich gelenkt hatte. Als er dann nur knapp zwei Meter an ihr vorbei gegangen war und hinter ihr zum stehen kam und sich umdrehte trafen sich wieder ihre Blicke und er nickte ihr zu:
„Mädchen, pass gut auf dich auf und bewahre dir dein Licht im Herzen.“
Der Gegenstand in seiner Hand wurde wieder sichtbar und die Viole zeigte deutlich, wie fest genagelt mit dem hellen Ende auf sie und mit der dunklen Seite in die Gasse. Seine anderen Hand lag auf dem Heft seines Schwertes und löste den Sicherungsriemen. Ein leises metallisches Geräusch erklang, als er die Klinge aus der Scheide ein Stück anhob und sich kampfbereit machte.
Delilah hatte bis eben wie erstarrt da gestanden, doch diese kleine Handlung machte ihr mit einem Schlag bewusst, wie brenzlig die Situation war.
Vor ihr stand ein erfahrener Krieger und vermutlich ein Templer, wenn das Symbol an der Kette einen Löwen offenbaren würde. Dies waren die Elite-Kämpfer der heiligen Inquisition und ehrenhafte Streiter für Lysantor. Hatte sie das Recht sich in die Geschehnisse einzumischen? Deckte sie das Böse? Delilah spürte, dass sie handeln musste, dass sie sich entscheiden musste. Sie konnte nichts tun und abwarten wie Lysantors langer Arm Gerechtigkeit walten lassen würde, oder aber versuchen die ohnehin schon geteilte Aufmerksamkeit von Omniel fort auf sich zu lenken, damit er fliehen konnte. Fliehen … ohne sie! Omniel war nicht böse, aber er trug die Finsternis in sich und der Mann vor ihr würde sicher nicht verstehen, dass sie nur helfen wollte, dass sie helfen konnte … oder???
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Delilah » Mittwoch 10. April 2013, 12:16

Als wäre der Ritter ihren Erinnerungen an die wundervolle Geschichte entschlüpft, schien es den beiden Mädchen einen Augenblick, während sie den weißen Ritter beobachteten der sich einen Weg durch die Menge bahnte. Als könne er jede Sekunde sein Pferd in ihre Richtung lenken und sie zu sich aufs Pferd heben. Doch als der hochgewachsene Mann mit dem wundervollen Ross aus ihrem Sichtfeld entschwand, verschwand auch diese kurze Illusion.
Zurück blieb dieses leichte Sehnen in der Höhe ihres Herzens. Der Wunsch nach Liebe, und für Cilia wahrscheinlich auch nach Schutz, Geborgenheit und Vertrauen. Delilah waren diese Gefühle so vertraut wie ihr Spiegelbild, die Aura der immer Behüteten umgab sie wie eine zweite Haut. Doch das war auch der Grund warum sie so fröhlich und ohne Angst durchs Leben schreiten konnte. Die Blicke der beiden Mädchen kreuzten sich, braun und blau, doch in beiden lag dieser aufgeregte Blick. Synchron entschlüpfte ihnen ein sehnsüchtiger Seufzer und beide fingen an zu kichern. Delilah legte Cilia die Hände auf die Schultern und sie steckten verschwörerisch die Köpfe zurück, während immer noch ein Lächeln auf ihrer beiden Lippen lag. Die Blondgelockte freute sich das sonst so in sich gekehrte Mädchen lächeln zu sehen. Sie sah gleich viel schöner, glücklicher aus! Wie ein normales Mädchen. "Unglaublich!", hauchte Delilah und Cilia stimmte ihr mit einem Nicken zu, wieder kicherten die beiden Mädchen albern drauf los, als sie plötzlich unterbrochen wurden.
„Cilia, hab ich dich gefunden!“
Beide Mädchen drehten sich um und erblickten eine schmale, blasse Frau, der die Sorgen des Alltags aufs Gesicht geschrieben waren. Sie sah ein wenig abgespannt aus, unter ihren Augen, denen der Glanz fehlte, lagen leichte Schatten. Doch sie lächelte schief um die Jüngere der beiden zu begrüßen. Delilah hatte gesehen wie sich die blauen Augen Cilias aufgehellt hatten, als sie die Fremde erblickte.
„Wo ist dein Vater?“
„Er ist mit einem Mann weg gegangen. Er gehörte zu Delilah, Tante.“

Auch sie wurde nun mit einem gehetzten Lächeln begrüßt und sie antwortete mit einem breiten Lächeln, das das der Frau noch dünner erscheinen ließ.
„Gut … Dann sag bitte meinem Schwager, dass Sophie seine Tochter mit nach Hause genommen hat. Du kommst erst mal mit zu mir.“
Delilah warf Cilia einen Blick zu. Sie wusste zwar nicht warum, aber etwas in ihr sagte, dass die Jüngere bei ihrer Tante besser aufgehoben wäre. Vielleicht lag es daran, dass sie spürte wie ein Teil der Anspannung von dem Mädchen abfiel als ihr klar wurde, dass sie nicht nach Hause musste? Vielleicht an dem verängstigten Blick den sie kurz zuvor ihrem Vater zugeworfen hatte? Vielleicht auch an dem merkwürdigen Blick den dieser ihr zugeworfen hatte, dass Delilah ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen war. Ihre Großmutter hatte ihr von den schlechten Menschen dieser Welt erzählt, doch das Mädchen hatte nie geglaubt, dass es solche hier in ihrer geliebten Heimatstadt gab. Vielleicht irrte sie sich ja auch und der Vater war eigentlich ganz nett... vielleicht hatte Cilia etwas ausgefressen und erwartete zuhause eine Strafe, der sie jetzt entging... aber hätte sie dann einen kandierten Apfel bekommen? Wohl eher nicht...
Das kleinere Mädchen lächelte sie an und es löste ein warmes Gefühl in Delilah aus, das Leuchten in ihren himmelsblauen Augen zu sehen.
„Ist schon gut. Wir sehen uns dann in der Schule.“
Delilah riss sich von ihren Gedanken los und nickte heftig, dass ihre blonden Locken ein wenig umherflogen. "Ja das werden wir! Dann kann ich dir von der neuen Geschichte erzählen, die ich gefunden habe." Sie wurde leiser. "Der Ritter darin sieht fast so aus, wie unser Schönling vorhin auf dem Marktplatz! Wer weiß? Vielleicht reitet er ja bereits zu seinen nächsten Abenteuern hier in Jorsa! Wäre das nicht aufregend?" Wieder kicherte sie leise und warf Cilia einen verschmitzen Blick zu. Sie zwinkerte und umarmte die Jüngere, um sie zu verabschieden.
Hastig verschwand die Tante mit ihrer Freundin in der Menschenmenge. Sie ging Cilias Vater wohl aus dem Weg. Wieder schwankte etwas in Deli. Sie wollte so gern an das Gute in jedem Menschen glauben, aber dieses Mal wollte es ihr nicht so recht gelingen und sie warf einen unsicheren Blick zu der Gasse in der Omniel mit dem Mann verschwunden war. Ob es ihm wohl gut ging? Was tat er dort?
Immer noch unsicher trat Delilah von einem Fuß auf den anderen, während sie darauf wartete dass die beiden Männer zurück kehrten, damit sie ihre Nachricht überbringen konnte und dann mit Omniel wieder fort durfte. Dieser Ort war ihr unangenehm.
Sie hatte eine Weile das Treiben auf dem Markt verfolgt um die Zeit totzuschlagen, als ihr Blick auf den grauen Mantel fiel. Erschrocken trat sie einen Schritt zurück. Sollte sie den Soldaten warnen?! Doch da war der Mann wieder verschwunden. Es hätte wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wenn sie nun hastig davon geeilt wäre, als ihm zu helfen. Außerdem tauchte der Mann dort hinten schon wieder auf... und er sah zu ihr! Wieder hatte er dieses merkwürdige Gerät bei sich... diesen Kompass der ihm wohl bei seiner Suche half. Sollte er ihn zu Omniel führen? Aber... warum sah er dann immer wieder von diesem Ding zu ihr? Spürte es etwa sie auf? Hatte SIE den Mann am Ende etwa zu dem Soldaten geführt?! Aber warum sollte er nach ihr suchen? Man wusste doch nicht, dass sie bei ihm war... woher denn auch? Wieder beobachtete er sie und nun trafen sich ihre Blicke. Kaltes Grau, genau wie gestern Abend. Delilah lächelte halb, unsicher wie sie reagieren sollte. Mit immer schneller schlagendem Herz sah sie wie er auf sie zu kam. In einem Bogen, den Blick immer wieder auf den Kompass geheftet. Ihre Atmung beschleunigte und sie versuchte ihren Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie konnte Omniel nicht warnen, das hätte den Mann erst recht zu ihm geführt! Sie fühlte sich so hilflos ohne den Soldaten an ihrer Seite. Er hätte sicher einen Ausweg gewusst, einen Fluchtweg gefunden oder wüsste wie er zu reagieren hätte...
„Ich Grüße.“ Seine tiefe Stimmte spiegelte die Härte und Willenskraft seines Blickes wieder. Der Mann verbarg das Gerät nun unter dem grauen Mantel, ein wenig von ihr entfernt. Sein Blick war nicht mehr ganz so kalt. Ja, beinahe freundlich, vielleicht sogar ein wenig unsicher. Was brachte ihn so aus dem Konzept?
Delilah deutete einen Knicks an. "Guten Tag!" Sie hatte ein wenig ihrer Fassung zurück erlangt und so lag wieder ein Lächeln auf ihren Lippen, während sie den fremden Mann, beinahe neugierig betrachtete. Was wollte er von ihr? So viele Fragen!
Dieses Symbol... woher kannte sie es nur?
Auch er schien sie zu beobachten und nun glitt sein Blick zu der Gasse, die Delilah sich nicht mehr anzusehen getraut hatte, seit sie ihn gesehen hatte. Um keinen Preis der Welt wollte sie Omniel in Gefahr bringen, doch dieser Mann vor ihr schien bereits zu wissen wo er sich aufhielt! Trat er gar gerade aus dem Gässchen? Delilah wandte sich um, blickte über ihre Schulter, doch der Weg in die Gasse war noch immer leer.
Oh bei Lysanthor und Florencia! Dieser Mann durfte Omniel nicht erwischen! Auch wenn er ihr freundlich begegnete, würde das bei ihm sicher nicht der Fall sein! Wieder dieser Gegendstand, dieser Kompass ... dieses gläserne Ding! Noch nie hatte sie etwas so verflucht. Es schien ihn nicht nur zu Omniel zu führen, sondern den Templer auch irgendwie zu ihr gelenkt zu haben. Er ging. Auf die Gasse zu! Was sollte sie nur tun?!? Einmal noch blieb der Graue, wie das Mädchen ihn innerlich getauft hatte, stehen und sah sich nocheinmal nach ihr um. Sein grauer Blick traf auf Delilahs in dem sich die Sorge um Omniel widerspiegelte.
„Mädchen, pass gut auf dich auf und bewahre dir dein Licht im Herzen.“
Sie öffnete den Mund wollte etwas sagen, als ihr Blick von etwas leuchtendem abgelenkt wurde. Ein Ende dieser... wie hieß das noch gleich... Viole, so wurde es genannt (!), leuchtete... das andere schien wiederum alles Licht zu schlucken, schien Dunkelheit in seiner höchsten Konzentration zu sein. Es erinnerte sie an die Schatten die Omniel verfolgten und dieses dunkle Ende zeigte genau auf die Gasse! Die mit Licht gefüllte Seite jedoch... war auf sie geheftet. Delilahs Herz wurde schwer, die Prophezeiung schirrte durch ihre Gedanken und sie verzweifelte ein Stück weit mehr. Wie erstarrt stand sie da, blickte auf den Mann und den Gegenstand in seiner Hand. Alles in ihr wirbelte durcheinander. Gedanken, Gefühle... es war ein Chaos, doch alles kam mit einem Mal zum Stillstand als sie ein schleifendes Geräusch hörte. Der Graue hatte sein Schwert gezogen. Sie sog erschrocken die Luft ein und taumelte ein Stück zurück.
Dieser Mann war mit Sicherheit ein Templer! Er würde Omniel... aber... Templer waren die Streiter Lysanthors! Sie kämpften für das Gute, für den Gott, der sie angeblich gesegnet hatte. Einen Moment fragte sich Delilah ob sie eingreifen sollte, ob sie es überhaupt durfte! Was wenn SIE das Falsche tat, indem sie Omniel beschützte? Sie war doch noch jung! Was wenn die Templer, die erfahrenen Kämpfer, die richtige Entscheidung getroffen hatten und sie ihnen im Wege stand bei ihrem Weg zu Gerechtigkeit? Sie schüttelte den Kopf, als sie an Omniels gequälten Blick dachte. Er war kein böser Mensch! Er war es wert beschützt zu werden! Vielleicht würde er fliehen können, wenn er mehr Zeit hatte, mehr Zeit die sie ihm beschaffen konnte.
"Bitte nicht!" Delilahs Stimme erklang leise, von Zweifeln durchsetzt. Was tat sie da? So sicher war sich das Mädchen da auch nicht, doch sie begann zu sprechen und die Worte sprudelten aus ihr heraus. Sie tat zwei zögernde Schritte auf den bewaffneten Mann zu. "Was tut ihr da?" Ihre Lippen zitterten. "Ihr wollt ihm doch nichts Böses, oder?" In ihrer Stimme schwang Verzweiflung mit. "Er kämpft dagegen, wisst Ihr?" Warum noch leugnen, dass sie etwas wusste? Der Mann hatte sie längst mit Omniel gesehen. "Bitte... bitte tut ihm nichts. Er hat niemandem wehgetan." Würde der Graue verstehen? "Die Schatten... sie schrecken vor mir zurück, wisst Ihr!? Sie bleiben fort, wenn ich da bin." Sie tat noch einen zögernden Schritt auf ihn zu während ihre ohnehin schon leise Stimme mit einem letzten "Er hat niemandem etwas getan." verstummte.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. April 2013, 18:54

"Bitte nicht!"
"Was tut ihr da?"
"Ihr wollt ihm doch nichts Böses, oder?"
"Er kämpft dagegen, wisst Ihr?"
"Bitte... bitte tut ihm nichts. Er hat niemandem wehgetan."
"Die Schatten... sie schrecken vor mir zurück, wisst Ihr!? Sie bleiben fort, wenn ich da bin."
"Er hat niemandem etwas getan."

Die leise Stimme Delilahs drang an Omniels Ohr und er machte einen leisen Schritt nach hinten um um die Hausecke zu sehen. Dort sah er einen Mann mit dem Rücken zu ihm stehen, der das Mädchen ansah. Den grauen Mantel hätte er unter tausenden erkannt, die Körperhaltung verriet seine Kampfbereitschaft und einen langen Atemzug lang hing sein Blick an Delilahs goldenen Locken, ihren braunen Augen die ihn nicht sahen, an den kleinen Händen die so viel Licht in ihm entfacht hatten. Er wusste, dass er gehen musste. Dieses Mädchen schütze ihn mit ihrem Licht, doch nun schütze sie ihn in dem sie ihm zur Flucht verhalf. All ihre Pläne wurden in einer Sekunde über den Haufen geworfen, denn ein Templer hatte sich an seine Fersen geheftet, sie gefunden und Omniel wusste nur zu gut was das bedeutete. War man reinen Herzens und ein gläubiger Mensch so hatte man vor diesen Männern nichts zu befürchten, aber trug man Dunkelheit in seiner Seele so waren sie diejenigen die das Urteil der heiligen Inquisition gnadenlos vollstreckten. In Jorsa war zwar der Arm der Lysantoranhänger nicht so stark wie in Pelgar, aber auch hier fürchtete und ehrte zu gleichen Teilen die Inquisitoren. Einer hochnotpeinlichen Befragung durch diese wollte er sich in seinem jetzigen Zustand lieber nicht unterziehen lassen, also war die Entscheidung schnell, wenn auch schweren Herzens getroffen. Seinen neuen Mantel enger um sich ziehend, ließ er Cilia's Vater stehen und eilte die Gasse tiefer in die Wohnviertel Jorsas hinein. Er kannte sich hier gut aus und leicht würde er es seinen Verfolgern nicht machen! Wie der Templer sie gefunden hatten spielte keine Rolle mehr. Er musste gehen und das schnell! Der dünne Schnee knirschte leise unter seinen Füßen und Omniel entschwand in den Schatten der Stadt.



(Hintergundmusik)

"Bitte nicht!"
Delilah tat zwei zögernde Schritte auf den bewaffneten Mann zu.
"Was tut ihr da?"
Ihre Lippen zitterten, aber der Graue blieb tatsächlich stehen.
"Ihr wollt ihm doch nichts Böses, oder?"
In ihrer Stimme schwang Verzweiflung mit. Vielleicht auch weil sie spürte wie der Druck der Dunkelheit um sie wich. Sie sah Omniel zwar nicht, aber sie wusste, dass er sie bemerkt hatte und als würden seine Gedanken sie streifen verabschiedeten sich die Schattenspiele von ihr.
"Er kämpft dagegen, wisst Ihr?"
Warum noch leugnen, dass sie etwas wusste? Der Mann hatte sie längst mit Omniel gesehen und ihre Worte verfehlten nicht ihre Wirkung. Der stahlgraue Blick heftete sich ungläubig auf sie und die Miene wurde todernst. Omniel war auf der Flucht und somit hatte sie ihm Zeit verschaffen können. Jetzt lag es allein an ihm seine Dämonen zu bezwingen und trotz dieses Wissen fühlte Delilah eine ungewohnte Traurigkeit in sich. Nicht nur ein Soldat dem sie helfen wollte war gegangen, nein. Ein Freund war verschwunden und sie hatte ihn in der kurzen Zeit so gut kennen gelernt, dass sie wusste er würde nicht zurück kommen, da er sie damit in Gefahr bringen würde.
"Bitte... bitte tut ihm nichts. Er hat niemandem wehgetan."
Trotz Allem sah sie dem Mann vor sich mutig in die Augen. Würde der Graue sie verstehen, geschweige denn auf sie hören?
"Die Schatten... sie schrecken vor mir zurück, wisst Ihr!? Sie bleiben fort, wenn ich da bin."
Sie tat noch einen zögernden Schritt auf ihn zu während ihre ohnehin schon leise Stimme mit einem letzten
"Er hat niemandem etwas getan."
verstummte.
Ein Blick der Steine zum Brechen, Wasser zum Erstarren und Zeit anhalten konnte bohrte sich in ihre Augen. Die Knöchel seiner Hand knirschen im festen Leder seines Griffes.
„Was sagst du da, Kind?“
Sein ungläubiger Blick stach wie tausend kleiner Nadeln in ihren zweifelnden Geist. Er war stehen geblieben und drehte ihr seinen Oberkörper zu, doch sie hatte zumindest erreicht, dass er zögerte. Er schien keine Antwort zu erwarten und trat nun seinerseits einen Schritt auf sie zu, so dass sie nur noch auf Armesslänge voneinander entfernt waren. Eine senkrechte Falte grub sich tief zwischen seine Augenbrauen auf die vom Wetter gegerbte Stirn. Sah er ihre tief verborgene Trauer?
„Mädchen, egal was du glaubst, er hat viele Seelen auf dem Gewissen. Ob es seine Absicht, seine Schuld war oder nicht liegt nicht in meinem Ermessen. Das haben Andere zu entscheiden.“
Delilah sah dem Templer ins Gesicht und wusste tief in sich, das er sie nicht belog, doch wie oft trug ein und die selbe Wahrheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet ein anderes Kleid. Vielleicht wusste dieser Mann mehr über Omniels Vergangenheit als sie. Vielleicht waren ihre zarten Zweifel an dem was sie tat ja auch berechtigt, vielleicht auch nicht. Es war nicht wichtig. Sie spürte nur die Traurigkeit darüber, dass ein Freund gegangen war. Die Stimme des Grauen wurde etwas weicher.
„Was meinst du mit: Sie bleiben fort, wenn ich da bin. ?!“
Seine Lieder zogen sich leicht zusammen, aber auch ein seltsames Funkeln lag in ihnen. Ahnte er etwas? Wusste er etwas was sie noch nicht verstanden hatte? Auf jeden Fall löste sich seine Hand endlich vom Schwert um erneut den seltsamen Kompass hervor zu holen. Bevor er oder sie jedoch etwas sagen konnte, kam Cilia's Vater aus der Gasse gewankt und sah sich suchend um.
„Hey du da! Wo ist meine Tochter! Du warst doch bei ihr! Hat sie sich versteckt das kleine Aas? Sag schon, ich finde das nicht witzig! Raus mit der Sprache.“
Delilahs Blick fiel auf den Kompass während der Graue dem heran stürmenden Mann mit vorgestreckter Hand Einhalt gebot, doch dieser wollte sich anscheinend nicht aufhalten lassen und rempelte unwirsch gegen seine Schulter. Der Kompass entglitt dem Mann und fiel wie in Zeitlupe dem Boden entgegnen. Das Seltsame dabei war, das er sich nicht drehte. Noch immer zeigte eine Seite hartnäckig auf Delilah und die andere … auf Cilia's Vater?
Delilah stand nun plötzlich vor einer kniffligen Wahl. Der Tyrann ihrer Schulkameradin geriet in Verdacht die Finsternis in sich zu tragen und wurde wohl möglich für die Taten eines Anderen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie ihm nicht glaubten. Vielleicht stimmte es ja auch wirklich, oder Omniel hatte irgendwas mit ihm gemacht, dass das Kleinod auf ihn reagierte. Wenn Delilah jetzt schwieg, würde der Templer sicher das wütende Monster vor ihr zur Inquisition schleifen. Doch war das die Wahrheit? Schweigen und einen schrecklichen Menschen weg sperren lassen, darauf vertrauen, dass er Gerechtigkeit für seine Taten erhalten würde oder sprechen und der Wahrheit genüge tun? Der Graue hatte den Mann fest am Kragen gepackt und drehte ihm einen Arm auf den Rücken, so dass dieser überrascht über die Schnelligkeit aufjaulte. Dann fiel sein Blick auf den am Boden liegenden Kompass und sah zu Delilah auf. Ein fragender Blick forderte eine schnelle Reaktion.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Delilah » Mittwoch 10. April 2013, 22:58

Philip Wesley - Far and away

Etwas Pulverschnee rutschte von einem der Häuserdächer über ihnen. Sanft tanzten die gefiederten, klitzekleinen Sternen ihren Reigen und zerstreuten das Sonnenlicht zu winzigen Regenbögen. Und zwischen diesem wunderbaren Schauspiel des Lichts, sah Delilah wie sich die Schatten von ihr verabschiedeten. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie die ganze Zeit von ihnen begleitet worden war. Sicherlich hätte ihr der Gedanke Angst gemacht, doch in diesem Moment war es als verließe sie mit den Schatten auch ein Freund... und mit Sicherheit geschah dies auch gerade. Viel Glück... und Lebe wohl, Omniel., dachte sie während sie weiter mit dem Grauen sprach. Einen kurzen Augenblick noch sah sie die Schatten mit den Schneeflocken spielen ehe sie gänzlich verschwanden. Für den Zeitraum weniger Wimpernschläge, hatte beides friedlich nebeneinander gewirkt und so etwas Wundervolles geschaffen.
Ohne Licht keine Schatten. Ohne Schatten kein Licht.

Mit jedem Satz den sie sprach, jeder Sekunde die sie ihm verschaffte würde er weiter fort von hier sein. Ein Stück mehr Sicherheit. Vielleicht würde sie ihn irgendwann wieder sehen. Hieß es nicht, dass man sich immer zweimal im Leben traf? ... aber vielleicht war es auch ein Abschied für immer, denn so fühlte es sich an. Der Graue war stehen geblieben, hatte sich ihr zugewandt und blickte sie ungläubig an.
„Was sagst du da, Kind?“
Delilah schwieg, blickte ihn nur weiterhin mit Verzweiflung, Trauer und dem Willen ihn aufzuhalten in den Augen an. Sein Blick war stechend und durchdrang sicher auch eine meterdicke Mauer, doch im Moment scherte sich das Mädchen wenig um die einschüchternde Wirkung. Ihr Herz schmerzte und ihre Gedanken suchten nach einem Weg den Fremden noch länger hinhalten zu können. Er trat auf sie zu, seinen eindringlichen Blick auf sie geheftet als er sprach. „Mädchen, egal was du glaubst, er hat viele Seelen auf dem Gewissen. Ob es seine Absicht, seine Schuld war oder nicht liegt nicht in meinem Ermessen. Das haben Andere zu entscheiden.“
Delilah war sich inzwischen sicher, dass er die Wahrheit sprach. Da war etwas in Omniels Vergangenheit von dem sie, natürlich, nicht wusste. Doch sie hatte auch die Schuld in seinen Augen gesehen, die Reue, den Schmerz. Egal was geschehen war... es war nicht aus Böswilligkeit geschehen! Es war nicht Omniel gewesen, der dies getan hatte, sondern das Wesen... die Wesen... die Schatten... was auch immer dort in ihm schlummerte! Omniel jedoch, war ein Mensch von reinem, edelmütigem Herzen und war es wert, beschützt zu werden. Was für ein Mensch wäre sie, wenn sie einer gequälten Seele keinen Schutz versprach?! Im Moment hatte sie nicht den Willen über mögliche Zweifel an dieser Theorie zu spekulieren.
In ihrem Hals saß ein Kloß und in ihrer Brust wand sich ihr Herz unter dem Griff des Schmerzes, der einen ereilt wenn ein Freund entschwindet.
Der Templer schien es zu bemerken. Seine angespannte Haltung ließ minmal nach, die Stimme wurde eine Spur weicher, verlor ihren durchdringenden Charakter jedoch nicht. „Was meinst du mit: Sie bleiben fort, wenn ich da bin. ?!“
Delilah zögerte. Sollte sie ihm davon erzählen? Er war ein Streiter des Lichts, wenn sie ihm berichtete hatte sie doch nichts zu befürchten oder? Außerdem hielt ihn das noch ein wenig auf, denn er griff erneut nach dem Kompass. Sie wollte bereits die Lippen öffnen, ihm erklären wie das Licht sie beschützte, wie die Schatten vor ihr flohen, wie sicher sie sich gefühlt hatte als Lysanthor den Lichtstrahl durch das Fenster des Schneiderladens geschickt hatte. Auch davon, dass die Schatten Omniels Augen verließen, wenn sie seine Hand hielt, dass sich sein Blick entspannte, seine Alpträume von ihrem Gesang verjagt worden waren. All das was sie nicht begriff und doch verstehen wollte. Sie wollte all ihre Fragen stellen und erhoffte sich die Antworten. Er diente schließlich jenem Gott, der sie als sein Kind erwählt hatte. Er oder jemand den er kannte wusste doch sicher, dass wonach ihr Herz fragen wollte!?
Doch ehe auch nur ein Wort ihre Lippen verlassen konnte, drang eine anderen scharf in diesen hoffnungsfollen Moment ein und zerschnitt ihn wie Stoff. Delilah erschrak fürchterlich vor dem herannahendem Mann und sie stolperte zurück als sie den Hass in seinen Augen sah.
„Hey du da! Wo ist meine Tochter! Du warst doch bei ihr! Hat sie sich versteckt das kleine Aas? Sag schon, ich finde das nicht witzig! Raus mit der Sprache.“ Wieder leuchtete etwas in ihrem Augenwinkel und ihr Blick fiel darauf. Es war der Kompass der aus der Hand des Grauen entglitt und sich dem Boden näherte, als dieser Cilias Vater in den Weg trat. Das schwarze zeigte deutlich auf ihn, das mit Licht gefüllte auf sie. Dann landete das Gerät sanft im frisch gefallenen Schnee. Wie sehr hätte sich das Mädchen doch gewünscht, er wäre am Boden zerschellt! Omniel wäre in Sicherheit gewesen und ohne dieses schreckliche Gerät wäre der Templer auch gar nicht erst auf ihre Spur gelenkt worden.
Der Graue sah sie fragend an, wollte anscheinend ein Urteil über den festgehaltenen Mann hören. Delilah lenkte ihren Blick auf die ekelhafte Figur im eisernen Griff des Herrn im grauen Mantel. Wenn sie nun etwas Falsches sagte, dann würde er bestraft... wofür? Sie wusste immer noch nicht was Omniel vorgeworfen wurde. War er nicht vielmehr Opfer als Täter? Man musste ihm helfen, nicht ihn bestrafen. Ganz anders sah es bei dem Mann aus, der nun vor ihr stand. Langsam war sich Delilah sicher. Er hatte Bestrafung verdient, was auch immer er Cilia angetan hatte, es musste schrecklich gewesen sein.
Doch Delilah tat das, was ihrem Wesen entsprach. Sie blieb bei der Wahrheit. "Die Schatten haben ihn. Ich sehe sie in seinen Augen... manchmal scheinen sie Besitz von anderen zu ergreifen. Aber diesen Mann würde ich nicht als ein Opfer bezeichnen." Ihre Stimme war härter als gewohnt, schärfer, als sie sich direkt an Cilias Vater wandte. "Eure Tochter ist überall besser aufgehoben als bei Euch." In ihrem Blick lag Ekel, Angst und sogar ein Hauch von Verachtung. Sie trat einen Schritt zurück um mehr Raum zwischen sich und diesem Mann zu bringen.

Sie ging in die Hocke und nahm den Kompass in ihre schmalen Hände, richtete sich wieder auf. Gedankenverloren strich sie darüber, dachte an Omniel und spielte mit dem Gedanken ihn vollends zu zerstören in dem sie ihn zu Boden warf, als der kleine Tropfen Licht der noch immer beharrlich auf sie gerichtet war, noch stärker zu strahlen begann und das gläserne Gefäß in einen sanften Schimmer hüllte. Wieder brach sie das Licht darin, wie kurz zuvor im fallenden Schnee und das Konzentrat der Dunkelheit drückte sich gequält in die letzte Ecke der Viole aus der es kein Entrinnen gab. Delilah blinzelte überrascht, wie jedes Mal wenn sie ein solchen Phänomen auslöste und hätte beinahe den Kompass fallen gelassen. Der Lichtstrahl verkleinerte sich, schien sich aber immer noch von ihr zu nähren und verdrängte beharrlich seinen dunklen Bruder.
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. April 2013, 16:23

Dieser Mann hatte Bestrafung verdient, was auch immer er Cilia angetan hatte, es musste schrecklich gewesen sein, doch Delilah tat das, was ihrem Wesen entsprach, auch wenn die dunklen Stränge, willkürlich wie Würmer, aus seinem Bauch nach allen Seiten griffen und die Finsternis aus seinen Augen sprach. Sie blieb bei der Wahrheit und der Graue hörte aufmerksam zu.
"Die Schatten haben ihn. Ich sehe sie in seinen Augen... manchmal scheinen sie Besitz von anderen zu ergreifen. Aber diesen Mann würde ich nicht als ein Opfer bezeichnen."
Ihre Stimme war härter als gewohnt, schärfer, als sie sich direkt an Cilia's Vater wandte.
"Eure Tochter ist überall besser aufgehoben als bei Euch."
In ihrem Blick lag Ekel, Angst und sogar ein Hauch von Verachtung. Sie trat einen Schritt zurück um mehr Raum zwischen sich und diesem Mann zu bringen, was auch gut war. Die Wut des Mannes schien sich noch zu steigern.
„Die dreckiges kleines Flittchen! Hat sie wieder Lügen erzählt! Meine Tochter geht dich gar nichts an! Was erlaubst du … ich sollte dir den Hintern versohlen! Warte nur, wenn ich dich ...aahhhrg.“
Cilia's Vater hatte nach vorne stürmen wollen und mit der freien Hand seinen Gürtel schon wie gewohnt gelöst um seinen Worten Taten folgen zu lassen, doch anscheinend hatte er in seiner Wut vollkommen vergessen, das sein anderer Arm gefährlich verdreht im Griff des Templers weilte und nun mit kontrolliertem Druck nach oben gebogen wurde. Der Oberkörper kippte folgsam nach vorne und verbeugte sich so vor dem Mädchen, doch die schwarzen Augen funkelten immer noch voller Hass Delilah an, die noch nie in ihrem Leben einen solchen Blick hatte erfahren müssen. Ängstlich wich wie weiter zurück, dann ging sie in die Hocke um den Kompass aufzuheben, den der Graue verloren hatte. Jener packte Cilia's Vater nun auch an der Kehle und nahm ihm so jeden Bewegungsfreiraum. Einzig ein Bein versuchte immernoch nach dem Mädchen zu treten. Die Schmerzen die sein Gezappel auslösen musste, ignorierte er geflissentlich, grunzte seltsam und spuckte in Delilahs Richtung.
„Dreckstück!“
Der dreckige Rotzklumpen mit den schwarzen teerigen Fäden darin traf Delilah's Schulter und rann zäh an ihrem Umhang herab. Schmutzig! Besudelt! Höchster Ekel verklebte sofort ihre Kehle. Der Schatten hatte sie direkt angegriffen und ohne die Kontrolle von Omniel war er in dieser bösen Seele um einiges stärker!
„Es reicht!“
Der Graue hatte anscheinend genug von dem Mann und lockert eine kleines Stück seinen Griff nur um mit einem gezielten Schlag auf dessen Hinterkopf ihn endlich auszuschalten. Während Delilah den Mann zu Boden gehen sah und gedankenverloren über das Kleinod in ihrer Hand strich, hatten in der direkten Umgebung einige Marktbesucher den Tumult mitbekommen und beobachteten sie neugierig. Cilia's Vater war auch nicht gerade leise gewesen und so waren schon gut fünf Passanten stehen geblieben um zu sehen, was hier vor sich ging. Delilah jedoch sah nur den Gegenstand auf ihrer Handfläche ruhen. Kaum hatte sie ihn aufgenommen, konnte sie sich drehen und wenden wohin sie wollte, die Dunkelheit floh vor ihr. Das Licht in der Viole funkelte, wie kurz zuvor im fallenden Schnee und das Konzentrat der Dunkelheit drückte sich gequält in die letzte Ecke aus der es kein Entrinnen gab. Delilah blinzelte überrascht, wie jedes Mal wenn sie ein solches Phänomen auslöste und hätte beinahe den Kompass fallen gelassen. Ihre Hand zitterte leicht, doch sie konnte nicht weg sehen. Der Lichtstrahl verkleinerte sich erst, schien sich aber immer noch von ihr zu nähren und verdrängte beharrlich seinen dunklen Bruder. Dann, als hätte er Luft geholt, sich von ihrer Energie ernährt begann er heller und heller zu leuchten. Die Köpfe der Umstehenden wandten sich fort von dem am Boden liegenden Mann zu ihr und fragten sich sicher was für ein Licht das Mädchen entzündet hatte, das innerhalb von wenigen Sekunden gut drei Stände weit jeden Schatten vertrieb und alles blendete. Delilah bekam von den Leuten, die ihre arme schützend vor die Augen hoben, um sich herum nichts mit. Einzig ein unbestimmtes Gefühl, dass sie etwas mit diesem Licht tun konnte, dass sie etwas auslösen konnte, trieb sie voran. Der Graue sah zu ihr auf und seine Augen weiteten sich. Dieses mal war es die Sorge um sie, die seine Stirn in falten legte und ihn aufspringen ließ. Mit einem Hechtsprung wollte er ihr den Kompass aus der Hand schlagen, doch erreichte seine Hand die ihre einen Hauch zu spät.
Nur ein Zentimeter fehlte und alles um Delilah herum wurde in gleißendes weißes Licht getauft.

Delilah schlug die Augen auf.
Sie stand in einem Meer aus goldgelben Flammen doch sie verbrannten sie nicht. Sie sah sich um und fühlte sich seltsam geborgen und fremd zugleich. Die flammenden Wogen leckten an ihren blanken Füßen empor und spendeten ihrem Körper wohlige Wärme. Delilah sah eine Bewegungen in den Flammen und wie sich daraus ein Löwe bildete, der auf sie zu kam. Das gewaltige Tier schaute ihr auf gleicher Höhe in die braunen Augen und rieb seine brennende Mähne an ihr.
„FOLGE MIR, SCHWESTER!“
Dann wandte er sich ab und achtete beim Gehen darauf das ihre Hand in seinem Fell ruhte. Gemeinsam gingen sie ein Stück bis Delilah schwindlig wurde und die Welt zu schaukeln begann.

Delilah schlug die Augen auf, doch die Welt schaukelte immernoch.
Langsam schoben sich die Doppelbilder wieder ineinander und begannen wieder Sinn zu geben. Sie schaute auf in ein nach vorne gerichtetes Gesicht das starr sein Ziel verfolgte. Die stählernen Augen brachten die Erinnerung zurück. Der Graue trug sie auf seinen Armen und sie spürte seine eiligen Bewegungen unter sich. Dann schwappte die Erschöpfung wie eine erdrückende Welle über ihr zusammen.

Delilah:
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Das Mädchen in seinen Armen war kurz wach geworden, doch kaum da ihr Blick sich fokussiert hatte, da war sie auch schon wieder ohnmächtig geworden. Innerlich fluchend eilte der Templer durch den Schnee und trug das kleine Geschöpf mit größter Vorsicht auf seinen Armen. Sie brauchte schnelle Hilfe, denn …
Alles war so schnell gegangen. Er hatte gerade noch den Mann ausgeschaltet, da begann das Mädchen aufzuleuchten. Erst war es nur der Kompass gewesen, doch eins kam zum anderen und …
Wie genau die Magier des Lichts das anstellten, wusste er nicht. Er wusste nur, das irgendwas gewaltig schief gegangen war. Dieses Kind war keine Novizin, keine Schülerin des Lichts. Sie war ein unentdeckter Quell der Reinheit und er musste sie beschützen. Aus irgend einem unerfindlichen Grund hatte sie sich der Dunkelheit genähert, sie sogar in Schutz genommen und tausend Fragen spukten durch seine Gedanken, doch dafür würde später noch Zeit sein, wenn er …
Er hatte schon den Weg zur Inquisition eingeschlagen, da er ins stocken geriet. Er blieb kurz stehen um auf das halbe Kind in seinen Armen zu blicken. Halb Frau, halb Mädchenhafte Gestalt lag in seinen Armen und er sollte entscheiden, welchen Weg ihr Schicksal nehmen sollte? Nein! Hin un hergerissen überlegte er was er tun sollte. Brachte er sie zur Inquisition, so würde er sie vermutlich erst in vielen Monaten oder Jahren wieder sehen, vermutlich als Graue Dame. Aus einem einzelnen egoistischen Gedanken heraus, dass er sie schließlich gefunden hatte, dass er sich für sie verantwortlich fühlte, tauchten andere Ideen in seinem Kopf auf. Die Templer zogen ebenfalls Kinder zu mächtigen Kriegern auf, aber dieses zarte Geschöpft wirkte nicht wie ein Krieger. Als letztes fiel ihm die Akademie des Lichts ein, wo Magier wie Priester ihre Bestimmung fanden.
Kurz dachte er noch daran, sie zu dem Schneider zu bringen, wo er sie das erste Mal gesehen hatte, aber er wusste nicht, ob sie dort auch die nötige Hilfe erhalten würde, ob er sie überhaupt kannte, also wandte er seine Schritte und steuerte sicher auf den Weg Lichts zu. Fackeln säumten den Aufstieg zur Akademie und zeigen sofort, dass das Licht hier vorherrschte. Symbolisch nach außen hin in dunklem Stein gehalten, zeigten seit je her die Magier, dass magisches Licht nur im Innern ihrer Bauten zu finden sein sollte. Hier würde Delilah sicher Heilung und Schutz erfahren können.

(weiter bei: Akademie des Lichts – Ein Funke in der Dunkelheit )
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Montag 17. Oktober 2016, 19:57

(Darna und Delilah kommen von: Kontrolle!)

Das Gemurmel um sie herum wurde lauter und wie immer in dieser lebendigen und brummenden Stadt war auch noch am Abend viel los auf dem Marktplatz. Hier tummelten sich stets fast ebenso viele Händler wie Kaufwillige und das Stimmengewirr war zu einer lebendigen Masse angewachsen. So manches ehemalige Wohnhaus an diesem Platz wurde schon zum zweistöckigen Laden umfunktioniert. Jorsans Markt bildete einen wichtigen Treffpunkt in der Stadt und hier summte das Leben. Hier kamen Waren aus vielen Ländern zusammen, auch wenn der Krieg mit ihren Nachbarn das einstige vielfältige Angebot von früher deutlich beschnitten hatte. Trotzdem hungerte in Jorsa nur selten jemand. Das Land war reich und fruchtbar und jetzt am Abend standen die Bauern noch zusammen und redeten über ihren Ertrag, trafen sich Freunde und schwatzten über ihre Frauen, oder tratschten Frauen über ihre Männer und wiegten müde Kinder auf ihren Armen. Das Abendgeschäft war ruhiger, denn jetzt begann sich das Volk in die Tavernen oder nach Hause zu begeben.
Basil steuerte den Wagen langsam, aber zielstrebig über den Marktplatz. Nicht weit von hier sah man schon die dunklen Mauern der Lichtakademie mit ihren von weiten sichbaren, immer brennenden Fakeln, die den Eindruck vermittelten, dass das Licht hier nur im Innern ihrer magischen Bauten zu finden war.
Aber von hier aus ging es auch zum Kottenhaus, wo die Kranken unter dem Segen der großen Florencia und des edlen Phaun gepflegt und in diesem Gemäuern einem jeden Hilfe gewährt wurde, der nach Heilung suchte. Dies stand auch weithin sichtbar auf einer Platte am Eingang. "Jedem soll Heilung gewährt werden."
Nicht weit von diesen beiden Gebäuden entfernt stand ein kleiner Trupp Templer und ein einzelner hagerere Mann, der auf den Stufen zum Hauptquartier der heiligen Inquisition stand. Eines der Gesichter unter den Reitern kam Delilah vielleicht noch bekannt vor. Raphael Cinzento sprach dort gerade mit dem Inquitor und sein grauer Mantel hob sich deutlich von den anderen ab. Es war schon lange her, dass Delilah hier an diesem Ort gestanden hatte und ihre letzten Erinnerungen an diese Zeit brachen wieder hervor. Was, wenn Raphael damals, nach ihrerm Ausbruch anders entschieden hätte und sie statt zur Lichtakademie, in sein Hauptquartier gebracht hätte. Wie anders wäre dann ihr Leben verlaufen? Würde sie dann vielleicht einem anderen "Löwen" folgen? Sie sah Leon an und folgte seinem nachdenklich Blick, der auf den Tempel gerichtet war.
Jorsan achtete stets ein Gleichgewicht zwischen den Göttern, weshalb jeden Tag ein anderer Gott in stetigem Wechsel von einem der Priester angepriesen wurde.
Weiter Straßen führten ins Wohnviertel, zur Bibliothek, zur Kaserne oder der Badeanlage der Stadt. Und über allem ragten die beinahe schlichten, hellen Türme des Palastes auf.
Basil wandte sich noch einmal zu seinen Fahrgästen um und fragte etwas lauter um den allegemeinen Geräuschpegel zu übertönen:
"Wohin?"
Leon wirkte einen Moment unschlüssig und sah in Richtung der Templer und des Inquisitors.
Delilah war ihm durch das Gedängel in den Straßen noch eine Antwort schuldig geblieben und Darna gewann von Minute zu Minute mehr an Konzentration zurück. Leider wollte ihre Stimme nicht im gleichen Tempo mitmachen, weshalb die Laute die sie von sich gab, immernoch sehr leise waren. Langsam wurden sie aber auch etwas verständlicher. Und Durst hatte sie auch!
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Delilah » Montag 17. Oktober 2016, 23:25

Delilahs erster Versuch die junge Frau auf Leons Schoß zu einer positiven Reaktion zu bringen, scheiterte, aber so leicht ließ sie sich nicht entmutigen und sie unternahm einen weiteren Versuch:
„Deine Eltern sind beides wirklich freundliche, edle Menschen. „Adel kommt von edel“ ist bei euch wirklich nicht einfach nur daher gesagt.“
Delilah freute sich sichtlich, als sie damit eine deutlich positivere Reaktion hervor rief. Das Motto ihrer Familie erkannte Darna scheinbar sofort und ein Teil der kritischen Anspannung in ihrer Mimik schien sich zu legen, sogar so etwas wie Glück schien ihr Innerstes von diesem Gedanken an zu wärmen. Hier hatte sie einen guten Ansatzpunkt gefunden. Die junge Frau war wohl sehr stolz auf ihre Familie. Ehre und Pflichtgefühl war dieser Familie sehr wichtig, das hatte sie bereits bei ihrer Mutter und ihrem Vater bemerkt. Ihr Angebot Leon mit der Knappin zu helfen, nahm er zwar auf aber er zögerte noch es auch anzunehmen. So recht konnte er sich anscheinend aus der sie beschützenden Position noch nicht lösen.

Delilah lächelte, ob dieser Beobachtung. Sie schien ihm wirklich wichtig zu sein. „Streng dich bitte nicht an. Du brauchst deine Kraft.“ Wie sanft er sie hielt… und sie ihm den Kopf zuwandte, trotz aller Anstrengung. Es wärmte ihr das Herz.

„Es hat in der Tat etwas mit dem „Hauch“ zu tun, aber das erzähle ich dir lieber in einer ruhigen Minute...nicht hier... Aber was ist mir dir?? Ich dachte... Himmel, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, standest du dem Reich der Toten näher als dem Reich der Lebenden! Er wusste nicht, ob du ...Und jetzt ...du strahlst regelrecht von innen heraus...“
„Ich freu mich auch, dich wiederzusehen, Leon. Wir haben sicher beide viel zu erzählen.“, sagte sie mit einem Lächeln, doch die zweite Haut aus Glück, die Delilah getragen hatte, seitdem sie ihre Heimatstadt betreten hatte, bekam Risse. Sie blinzelte, als die Erinnerungen vor ihrem inneren Auge vorbeihuschten. Leon bemerkte, dass er gerade etwas über das Ziel hinaus schoss und räuspere sich leise.

„Ich hab euch gehört, als du da warst. Aber ja.. Er… hat nicht aufgegeben.“ Sie lächelte leise, während ihr Blick auf ihre im Schoß gefalteten Hände gesenkt war. „Und es dann tatsächlich geschafft, mich zurückzuholen. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, wieder hier sein zu können.“ Ihr Herz stach, während sie an Verano dachte.

„Leon… Es ist einiges geschehen, was ich dir noch erzählen möchte.“ Ihre Stimme war angespannt. „Später.“ Sie löste ihre verkrampften Hände von einander und strich sich das Kleid zurecht, wie um die dunklen Gedanken fort zu streichen, dann hob sie wieder ihren Blick.

„Er … er hat dich wohl tatsächlich wieder hinbekommen. Du siehst ...gut aus! ...Ach ja... Brit hatte soweit ich weiß als letzte die Aufgabe übernommen, dir deine Aufgaben zum Nacharbeiten zusammen zu halten. Du wirst sicher einiges aufholen wollen. Magi Sixtema wird dich aber sicher zuerst sehen wollen. Ich hatte die Anweisung, den Andern gegenüber zu schweigen und sie hatte deiner Großmutter gesagt, du wärst auf einem Außeneinsatz.“

Sie war dankbar dafür, dass er das Thema wechselte und tatsächlich wurden ihre Wangen warm, als er erwähnte, dass sie gut aussah. Dummes Mädchen!, schalt sie sich selbst in Gedanken. Du weißt genau, dass er es nicht >so< gemeint hat. Im Vergleich zum letzten Mal würdest du selbst als Vogelscheuche noch besser aussehen…

„Ich freue mich auf‘s Lernen und Arbeiten, es hat mir schrecklich gefehlt.“, gestand sie ihm. „Das Nichts-Tun bekommt mir nicht.“ Ihre Miene wurde ernst und sie sah ihn einen Moment lang einfach an, während ihr ein schweres Gewicht auf der Brust lastete. Es kostete unendlich viel Kraft die nächsten Worte auszusprechen. „… waren sie… waren sie sehr enttäuscht von mir?“ Der jungen Frau fiel das Sprechen schwer. „Ich fühl mich so schrecklich dumm… Ich hab nicht nur mein Leben in Gefahr gebracht, sondern auch Menschen enttäuscht mit meinem Versagen…“ Sie dachte an Raphael, an Magi Sixtema, die sie beide gefördert hatten und an ihre Großmutter… was wenn sie nicht zurückgekehrt wäre? Der Gedanke an ihre Moma, allein in dem Haus, das für eine ganze Familie gedacht war, zerstach ihr schon jetzt das Herz.
"Ich will hart arbeiten, um meinen Fehler wieder gut zu machen."

Delilah schämte sich. Schämte sich, weil sie damals die Kontrolle verloren hatte… Der ganze Kampf um sie aus ihrer Starre zu lösen, sie „wieder hinzubekommen“ wie Leon es genannt hatte… Das alles wäre nicht nötig gewesen, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt den Fluss gestoppt hätte. So, so, so dumm.
„Wie viel weiß Magi Sixtema von deinem Zuhause?“, fragte sie schließlich, mit immer noch belegter Stimme. Plötzlich verdunkelte sich seine Stimmung merklich und er senkte seine Stimme noch weiter, sodass nur noch Delilah und Darna ihn gerade so hören konnten.
„Was meine Familienverhältnisse angeht, kann ich mich da auf deine Verschwiegenheit verlassen? Ich möchte nicht, dass das in der Akademie die Runde macht. Du weißt wie sie da sein können.“

Einen Moment lang, sah sie ihn überrascht an. Hatte er etwa das Gefühl, dass er ihr nicht vertrauen konnte? Das tat weh. „Natürlich.“, erwiderte sie eben so leise wie er. Hatte er es über den Lärm auch gehört? „Deswegen frage ich nach. Ich muss einige Dinge berichten… es sind neue Gefahren aufgetaucht und deshalb wollte ich wissen, wie viel ich Magi Sixtema erzählen darf.“ Glaubte er etwa, sie würde ihre Geschichte unter den Schülern rumposaunen? Wenn es nach ihr ginge, brauchte niemand außer Magi Sixtema und vielleicht Raphael zu erfahren, was wirklich passiert war.

Das Gemurmel um sie herum wurde lauter und wie immer in dieser lebendigen und brummenden Stadt war auch noch am Abend viel los auf dem Marktplatz. Hier tummelten sich stets fast ebenso viele Händler wie Kaufwillige und das Stimmengewirr war zu einer lebendigen Masse angewachsen.
Der Marktplatz. Delilah richtete sich auf und sah sich um.
So viele Erinnerungen hingen an diesem Ort. Da erblickte sie plötzlich eine vertraute Gestalt und ihr war, als hätte sie ihn mit ihren Gedanken gerufen. Der Graue, Raphael. Dort stand er bei einem kleinen Trupp Templern vor dem Hauptquartier der heiligen Inquisition.

Tausend Erinnerungen schossen durch ihren Kopf. Omniel, verfolgt von dunklen Schatten, Dämonen. Die Dunkelheit in ihm war damals vor ihr geflohen, vor dem jungen, naiven, aber reinen Kind, dass sie gewesen war. Der unentdeckte Quell des Lichts, der hier an diesem Ort zu einer Nova herangewachsen war. Kurz wunderte sich Delilah, dass Leon nicht den Namen nutzte, den sie an der Akademie getragen hatte. Doch es war ihr ganz recht. Hier an diesem Marktplatz hatte sie Raphael auf den Weg des Lichts gebracht, als er sie zur Akademie trug. Hatte ihr den Weg des Löwen gezeigt. Lysanthor, dessen Tier Raphael als Abzeichen um den Hals trug... Ob die Schatten heute auch noch vor ihr fliehen würden? Verano hatte gesagt, dass sie etwas verloren hatte... war es die Unschuld, die er meinte?

Raphael Cinzento sprach dort gerade mit dem Inquisitor und sein grauer Mantel hob sich deutlich von den anderen ab. Es war schon lange her, dass Delilah hier an diesem Ort gestanden hatte und ihre letzten Erinnerungen an diese Zeit brachen wieder hervor. Was, wenn Raphael damals, nach ihrem Ausbruch anders entschieden hätte und sie statt zur Lichtakademie, in sein Hauptquartier gebracht hätte. Wie anders wäre dann ihr Leben verlaufen? Würde sie dann vielleicht einem anderen "Löwen" folgen?
Irgendwie fürchtete sie sich ein wenig davor ihm wieder zu begegnen. Die Schuld lastete schwer auf ihrem Herzen, die Angst davor ihn enttäuscht haben zu können. Dass sie ihm die Hilfe und das neue Leben, das er ihr geschenkt auf diese Art gedankt hatte. Sie wandte den Blick von ihm am und sah Leon an, folgte seinem nachdenklichen Blick, der auf den Tempel gerichtet war.

Woran ER wohl dachte an diesem Ort?

Basil wandte sich noch einmal zu seinen Fahrgästen um und fragte etwas lauter um den allgemeinen Geräuschpegel zu übertönen: "Wohin?"
Delilah sah zur Akademie, dann zu Leon. „Zur Akademie?“, fragte sie und deutete auf das dunkle Gebäude. „Oder… hast du ein anderes Ziel, Leon?“
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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 18. Oktober 2016, 00:54

Leon hielt sanft ihren Kopf und wirkte, als ob er sie nicht verstanden hätte.
„Streng dich bitte nicht an. Du brauchst deine Kraft.“

Genervt rollte sie mit den Augen, was man auch als weiteres drohendes Wegsacken deuten konnte - es war eigentlich auch eine Mischung aus beidem, aber sie trat diesmal von der Schwelle zur Ohnmacht zurück und hielt sich hartnäckig. Wofür brauch ich meine Kraft? Was ist los in der Stadt? Ich beiß dich gleich!
Trotz der Wut, beziehungsweise besser gesagt: Frustration in ihren Gedanken drehte sie mühsam den Kopf Richtung Leon. "Was ist passiert?" Ja, das war eine gute Frage. War das Ruß in seinem Gesicht?
Hatte er keine Zeit, sich zu waschen?, dachte sie irritiert und stolperte einmal mehr über ihre Wissenslücke, wieviel Zeit nun schon wieder vergangen sein mochte, seit sie verbra...
ähm, nein. An was anderes denken.
Warum Ruß? Ein Verdacht, der in ihr aufkam, war so vage, dass sie ihn beim besten Willen nicht rational einsortieren konnte, aber er hatte etwas mit einer gewissen Flammengestalt zu tun und schnürte ihr die Kehle enger.
Ich habe nichts angestellt, oder?!

„Es hat in der Tat etwas mit dem „Hauch“ zu tun, aber das erzähle ich dir lieber in einer ruhigen Minute...nicht hier..."
Grrr, das konnte doch nicht wahr sein! Das war ja doch genauso schlimm wie Wolles Herumgedruckse auf dem Schiff nach ihrem Aufwachen! Sie hatte einmal mehr für einen Moment frustriert in den Himmel gestarrt und schnappte dann weitere Gesprächsfetzen auf:
"...als ich dich das letzte Mal gesehen habe, standest du dem Reich der Toten näher als dem Reich der Lebenden! Er wusste nicht, ob du ...Und jetzt ...du strahlst regelrecht von innen heraus...“
Darnas Stirn furchte sich leicht fragend und sie versuchte, zu Delilah zu sehen. 'Du strahlst von innen' sagte man oft zu Schwangeren? Ihre Gedanken schlugen ein paar wirre Purzelbäume, die aber keinen wirklichen Sinn ergaben. Verlobt und schon schwanger? Wie bei Rosa und Pet?
Nein, das passte irgendwie nicht ins Bild - jedenfalls keins, was sie bislang Leon wirklich zugetraut hätte - und passte auch nicht in den Kontext des Gespräches, was die beiden nun zu führen begannen und was für Darna mühsam zu verfolgen war, weil es zu viele unbekannte Sachverhalte enthielt. Aber das Fräulein schien also auch zur Lichtakademie zu gehören und dort Schülerin zu sein. Bei "Magi Sixtema" wollte sich irgend etwas aus ihrer Erinnerung melden, hatte Leon die nicht mal erwähnt?

Es war zu anstrengend und ihre Aufmerksamkeit erschöpfte sich schnell. Darnas Kopf war müde vom Zuhören und sackte gerade zur Seite, als der Wagen durch eine Kurve fuhr. Dabei geriet etwas anderes in ihren Sichtbereich und erinnerte sie daran, dass es tatsächlich noch mehr zu tun gab, als sie gesund zu kriegen. Kurz bevor Leon wieder seine Hand sanft um ihre Wangen legte, sah sie den Blumentopf. Traurig und abgenickt hing die einst so wertvolle Pflanze müde in der Erde und ihr dicker Samenstempel wirkte grau und kränklich.
Und wieder riss es sie von einem drohenden Dämmerschlaf zurück. Die Pflanze! Oh gute Götter, die Kerne! Warum hatte sie kein Licht? Sie stirbt doch! Wieso hat Leon sie nicht versorgt!
Weil er keine Magie dafür über hatte. Verd... - Dreck.
Sie glaubte sich vage an seine Worte zu erinnern, die nicht danach geklungen hatten, als glaube er, an der Rose sei noch etwas zu retten...
Ihr Unterkiefer bebte. Kottenhaus. Kranke. 'Bring sie nach Jorsa', hatte Elli, hatte Florencia gesagt! Und sie drohte komplett damit zu scheitern! Wenn es nicht schon zu spät war. Kerne, sie hatte an die Kerne doch schon gedacht gehabt, wieso hatte sie den Gedanken wieder aus den Augen verloren?!

Der Blick der Knappin huschte so nervös und rasch, wie es ihr Körper zuließ, umher. Dies war 'ihre' Stadt und in gewissem Rahmen wirkte alles angenehm normal und sehr vertraut, aber sie musste sich trotzdem gerade neu orientieren. "Wo... wo sind wir?", versuchte sie sich in das Gespräch zu mischen, aber hatte allein schon gegen das Wagengerumpel keine Chance und erst recht nicht gegen die weiteren Geräusche. Worüber redeten die beiden?
„Ich fühl mich so schrecklich dumm… Ich hab nicht nur mein Leben in Gefahr gebracht, sondern auch Menschen enttäuscht mit meinem Versagen…“
Ich tu mich gleich mit dir zusammen!, kämpfte Darna gedanklich gegen ihre Unfähigkeit an, sich Gehör zu verschaffen, "Tem..pel" würgte sie heraus, was nur in einem Husten ohne Kraft dahinter endete. Für einen Moment erschlaffte ihr Körper.
Ich schaff es nicht. Gleich sagt er mir wieder, ich solle meine Kräfte schonen. Ihr müsst mir zuhören, verflixt!
Jetzt redeten die über irgendwelche Familienverhältnisse!
PFLAN-ZE!, hätte sie gerne von unten dazwischengebrüllt, aber ihr war nun klar, dass sie einen günstigeren Moment abpassen musste.

Der Marktplatz. Das war hier doch der Marktplatz, oder? Das war so schlecht zu erkennen, wenn man flach in einem Wagen lag und fast nur nach schräg oben gucken konnte! Ich muss mir bei Gelegenheit die Häusergiebel besser einprägen, nahm sie sich verzweifelt vor. Doch, das war der Marktplatz. Die Gerüche passten. Die Häuserfronten schienen zu passen. Delilah richtete sich auf und sah sich um. Sie unterhielten sich nicht mehr! In Darnas Augen weiteten sich die Pupillen in der Art eines Jägers, der die Chance zum Zuschlagen witterte.
Basil hielt den Wagen auch noch an, ja! Er fragte etwas lauter um den allgemeinen Geräuschpegel zu übertönen: "Wohin?"
Jetzt!
Sie atmete nochmal knapp aus wie jemand, der von einer Klippe in einen tiefen Teich springen wollte. „Zur Akademie?“, fragte Deli und deutete auf das dunkle Gebäude.
Nein!
Darna drehte den Kopf sehr abrupt seitlich nach links, wo Leons Hände noch immer an ihren Wangen geruht hatten und schnappte zu, nach einem seiner Finger! Ihr ganzer Körper zitterte gerade vor Anspannung. Ihr huschte flüchtig die Sorge durch den Sinn, dass Leon jetzt hoffentlich nicht dachte, dass sie wieder besessen sei und ihn gefährlich beißen wollte... aber so heftig hatte sie gar nicht zugebissen, wollte es ja auch nicht - aber seine Aufmerksamkeit wollte sie! Und wusste sich nicht zuverlässiger zu helfen, als ihn dafür einmal zu erwischen und so spürbar zu zwacken, dass er zu ihr gucken musste.
„Oder… hast du ein anderes Ziel, Leon?“
Notfalls rüttelte sie!

'Ich wusste schon immer, dass Ihr mehr von einem Köter habt, Eibenau...'
Darnas Wangen glühten vor Aufregung. Sie keuchte flach, sobald sie die Zähne wieder öffnete und als sie irgend jemandes Aufmerksamkeit konkreter hatte, hob sie fordernd die Brauen und bewegte demonstrativ die Lippen, dass jeder Depp verstehen musste, dass sie etwas sagen wollte und man dafür näher kommen sollte. Hoffte sie wenigstens. Auch eine gehörige Portion Flehen lag in ihrem Blick.
Dann formulierte sie überdeutlich, egal wie leise sie krächzen mochte:
"K e r - n e.
T e m - p e l.
SO - F O R T!"

Wie viel Authorität konnte ein zerstrubbeltes Gespenst haben, das einem gerade im Heischen nach Aufmerksamkeit in die Hand gebissen hatte wie ein junger Hund und einen an der Schwelle zur Wut fordernd anstarrte?
Und ich tret dich, wenn du es nicht tust! Sobald ich aus dieser DECKE RAUS BIN!, loderte es in ihrem Blick, während ihr Körper immer sichtbarer unter der Anstrengung zitterte.

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Re: Menschen, Waren und täglich neue Eindrücke

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. Oktober 2016, 15:39

„Ich hab euch gehört, als du da warst. Aber ja.. Er… hat nicht aufgegeben.“
Sie lächelte leise, während ihr Blick auf ihre im Schoß gefalteten Hände gesenkt war.
„Und es dann tatsächlich geschafft, mich zurückzuholen. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, wieder hier sein zu können.“
Delilahs Blick bekam etwas leidendes.
„Leon… Es ist einiges geschehen, was ich dir noch erzählen möchte.“
Ihre Stimme war angespannt. Hatte sie etwas zu beichten? Hatte es etwas mit diesem anderen Mann zu tun, der sie anscheinend gerettet hatte? Der geneigte Zuhörer, also Darna, könnte so einiges vermuten. Hatte sie sich vielleicht verliebt und wollte die Verlobung lösen?
„Später.“
Sie löste ihre verkrampften Hände von einander und strich sich das elegante Kleid zurecht, wie um die dunklen Gedanken fort zu streichen, dann hob sie wieder ihren Blick. Leon starrte auf das Kleid, dass Verano ihr geschenkt hatte, dort wo eben noch ihre Hände gelegen hatten. Es war wie Delilah – sanft und kostbar. Was er wohl hinter seiner gefurchten Stirn gerade ausbrütete? Vielleicht erinnerte sich Delilah an Brits Warnung, bezüglich des Verwanden von Leon. Der Ruf des älteren Milagros war da sehr mehrdeutig. Vielleicht vermutete Leon, dass sie sich verliebt hatte und er jetzt bald eine neue Stiefmutter bekam?

Die Pflanze! Oh gute Götter, die Kerne! Warum hatte sie kein Licht?
Sie stirbt doch! Wieso hat Leon sie nicht versorgt!
Weil er keine Magie dafür über hatte. Verd... - Dreck.

Sie glaubte sich vage an seine Worte zu erinnern, die nicht danach geklungen hatten, als glaube er, an der Rose sei noch etwas zu retten... Es stimmte ja auch, aber Darna hatte die bessere Verbindung zu dem Gewächs! Sie wusste mehr, sie sah mehr. Dass die Pflanze sterben würde stand fest, aber die Kerne konnten überleben, wenn sie bald mal etwas Licht bekommen würden!
Ihr Unterkiefer bebte. Kottenhaus. Kranke. 'Bring sie nach Jorsa', hatte Elli, hatte Florencia gesagt! Und sie drohte komplett damit zu scheitern! Wenn es nicht schon zu spät war. Kerne, sie hatte an die Kerne doch schon gedacht gehabt, wieso hatte sie den Gedanken wieder aus den Augen verloren?! Der Blick der Knappin huschte so nervös und rasch, wie es ihr Körper zuließ, umher. Dies war 'ihre' Stadt und in gewissem Rahmen wirkte alles angenehm normal und sehr vertraut, aber sie musste sich trotzdem gerade neu orientieren. Zu allem Überfluss ging auch gerade die Sonne unter!
"Wo... wo sind wir?"
, versuchte sie sich in das Gespräch zu mischen, aber hatte allein schon gegen das Wagengerumpel keine Chance und erst recht nicht gegen die weiteren Geräusche. Worüber redeten die beiden?
„Ich fühl mich so schrecklich dumm… Ich hab nicht nur mein Leben in Gefahr gebracht, sondern auch Menschen enttäuscht mit meinem Versagen…“
Ich tu mich gleich mit dir zusammen!
, kämpfte Darna gedanklich gegen ihre Unfähigkeit an, sich Gehör zu verschaffen,
"Tem..pel"
würgte sie heraus, was nur in einem Husten ohne Kraft dahinter endete. Für einen Moment erschlaffte ihr Körper. Beide Versuche sich Gehör zu verschaffen waren erfolglos gewesen und jedes Beben oder Zappeln ihres Körpers, veranlasste Leon nur dazu, sie noch fester in seine Arme zu schließen.
Ich schaff es nicht. Gleich sagt er mir wieder, ich solle meine Kräfte schonen. Ihr müsst mir zuhören, verflixt!
Sein Daumen strich sanft über ihre Schläfe und ein leises „schhhhhh“ mischte sich in seine beruhigende Stimme, während sie weiter über irgendwelche Familienverhältnisse redeten!
PFLAN-ZE!
, hätte sie gerne von unten dazwischen gebrüllt, aber ihr war nun klar, dass sie einen günstigeren Moment abpassen musste. Bevor der Wagen nicht stand, würde sie niemand hören!
Delilah richtete sich auf und sah sich um. Sie unterhielten sich nicht mehr! In Darnas Augen weiteten sich die Pupillen in der Art eines Jägers, der die Chance zum Zuschlagen witterte.
Basil hielt den Wagen auch noch an, ja! Er fragte etwas lauter um den allgemeinen Geräuschpegel zu übertönen:
"Wohin?"
Jetzt!
Sie atmete nochmal knapp aus wie jemand, der von einer Klippe in einen tiefen Teich springen wollte. Da quatschte diese Delilah ihr wieder dazwischen!
„Zur Akademie?“
Nein!
„Oder… hast du ein anderes Ziel, Leon?“

Darna drehte den Kopf sehr abrupt seitlich nach links, wo Leons Hände noch immer an ihren Wangen geruht hatten und schnappte zu, nach einem seiner Finger! Er zuckte zusammen. Ihr ganzer Körper zitterte gerade vor Anspannung. Darnas Wangen glühten vor Aufregung. Sie keuchte flach, sobald sie die Zähne wieder öffnete und als sie seine Aufmerksamkeit konkreter hatte, hob sie fordernd die Brauen und bewegte demonstrativ die Lippen, dass jeder Depp verstehen musste, dass sie etwas sagen wollte und man dafür näher kommen sollte. Hoffte sie wenigstens. Auch eine gehörige Portion Flehen lag in ihrem Blick. Er hob die Hand und gebot damit den Anderen einen Moment zu schweigen. Dann beugte er sich mit seinem Ohr nahe zu ihren Lippen und schloss konzentriert die Augen. Seine in Unordnung geratenen Haare kitzelten an ihrer Stirn und an den Nasenflügeln. Dann formulierte Darna aber überdeutlich, egal wie leise sie krächzen mochte:
"K e r - n e.
T e m - p e l.
SO - F O R T!"

Und ich tret dich, wenn du es nicht tust! Sobald ich aus dieser DECKE RAUS BIN!
, loderte es in ihrem Blick, während ihr Körper immer sichtbarer unter der Anstrengung zitterte und er sich wieder erhob. Ihre nonverbale Androhung von Gewalt fruchtete anscheinend, denn er sagte:
„Zum Tempel!“
und schaute zu dem kümmerlichen Gewächs, dass nicht weit von ihm in einem Blumentopf vor sich hin starb. Auch Delilah bemerkte nun sicher das merkwürdige Gewächs, aber konnte es nicht einordnen. Ihr Wissen in Kräuterkunde war gut, doch diese Pflanze hatte sie noch nie gesehen. Zumindest nicht im Garten der Akademie und auch sonst nirgends. Hübsch war sie auch nicht sonderlich, mit ihrer dicken Samenstaude, die halb verschimmelt wirkte.
Basil nickte und ließ die Peitsche knallen, was nicht nur die Pferde antrieb, sondern auch den Weg vor ihm frei machte.

(weiter bei: Zu später Stunde im Tempel)
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