Schuldig?

Was wäre ein Königreich ohne die Männer und Frauen, welche es beschützen und für Recht und Ordnung sorgen? In Jorsans Kaserne werden nicht nur Soldaten, sondern auch die Stadtwachen ausgebildet.
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Areana Vandefur
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Re: Schuldig?

Beitrag von Areana Vandefur » Dienstag 13. November 2012, 19:28

Areana wand sich unruhig auf dem harten Stuhl. Die groben Möbel, die stickige Dunkelheit und findstere Stimmung des Raumes erinnerten sie einfach zu sehr an die alten Weinkeller. Die Tür ist nicht abgesperrt. Du bist nicht eingesperrt. Sie wiederholte die Worte wieder und wieder in ihren Gedanken und kämpfte die aufkommende Übelkeit nieder. Doch das Echo der Vergangenheit hatte sich tief in ihren Verstand eingebrannt und die Angst ließ sie nicht los, sondern hielt sie umklammert wie eine verzweifelte Umarmung.
Jetzt werd´ nicht melodramatisch!, tadelte sie sich selbst, unterdrückte das Bedürfnis weiterzuzappeln und straffte die Schultern.

Sie würde auf ihre Unschuld pochen! Mit aller Behaarlichkeit und bis zum bitteren Ende.
Möglichst unauffällig linste die junge Diebin in den Krug, der vor ihr stand: Selbstverständlich war er leer... vielleicht handelte es sich dabei um eine ganz eigene Art von Folter - oder war es eine Wahrnung? Ein Vorgeschmack, auf das, was Areana erwarten würde? Die dunkelhaarige schluckte.

Als sie das letzte Mal beim Stehlen erwischt worden war, war Areana noch ein Kind gewesen. Wie alt war sie damals? Vielleicht zwölf? Ein wildes kleines Gör, dass ihr Herz auf der Zunge getragen hatte, mit wild zerzausten Zöpfen und ohne eine Spur von Respekt im Leib. Dafür aber mit schrecklicker Angst vor dunklen, geschlossenen Räumen.

Wie viel hatte sich verändert? Jetzt war sie eine erwachsene Frau, die wusste wie man sich in allen Gesellschaftsschichten nahezu unsichtbar bewegte, sie wusste nun, wann man etwas sagen durfte und wann man besser schwieg. Die zerzausten Zöpfe waren einem schwarzen Schleier gewichen und sie respektierte die, die es verdienten.... nur die Angst war geblieben und sie spürte das erste Mal seit Jahren wieder das Kind, das sie einst gewesen war. Wann war die Diebin nur erwachsen geworden? War sie überhaupt erwachsen?

Areana verlor den Faden ihrer eigenen Gedanken. Wie lange saß sie hier bereits? Eine Stunde oder doch einen ganzen Tag? Vielleicht auch nur einige Minuten - sie konnte es nicht sagen.

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Re: Schuldig?

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. November 2012, 19:28

Der Wachmann hatte keineswegs eine böse Absicht gehegt, als er die junge Frau in dieses Zimmer begleitet hatte, geschweige denn, dass er etwas von ihrer Vergangenheit hätte erahnen können. Es war schlichtweg das Protokoll, das er befolgte, und es standen keine komfortableren Räumlichkeiten zur Verfügung für das eher einfachere Volk. Würde sie zur privilegierteren Schicht gehören, hätte sie sich anders gekleidet und auf ihren Namen gepocht.
Somit waren ihm die Hände gebunden und Areana fand sich in jenen vier Wänden wieder, in denen schon viele einfache Bürger gesessen und gezittert hatten. Danach machte er sich auf den Weg, um den Ankläger ausfindig zu machen, sollte er sich hier gemeldet haben.

In der Zwischenzeit bekam die junge Frau ausreichend Gelegenheit, um sich den Kopf über sich selbst und diesen Ort zu zerbrechen. Es war beengend, wenngleich bei weitem nicht derart düster wie jenes Gefängnis, dessen Erinnerung ihr gerade zu schaffen machte.
Dennoch war es hier kein Zimmer, in dem sie gedachte, lange zu bleiben oder sich gar wohlfühlen zu können. Nicht einmal Wasser hatte sie... obwohl, das änderte sich rasch.
Nach einigen Minuten... oder waren es doch Stunden gewesen? Auf jeden Fall tat sich etwas. Auf dem Gang waren Schritte zu hören und nach einem zögerlichen, dezenten Klopfen gegen die Tür, würde diese von einem schlaksigen Jungen mit deutlichen Hautproblemen geöffnet.
Er steckte mitten in der Phase zum Erwachsenwerden und man merkte an seinem verlegenen Lächeln, dass er nicht gerade selbstbewusst war. Dafür hatte er ein Tablett in der Hand mit einem Holzbecher, einem Tonkrug und einem Tonteller darauf, der mit einem geviertelten Laib Brot und einen Stück Hartkäse gefüllt war.
Er trat ein und stellte das Mitgebrachte auf den Tisch, ehe er sich rasch wieder zu der Tür zurück zog. "Ähm... ich... ich soll Euch das bringen... es... wird gewiss nicht mehr lange dauern, werte Dame.", stammelte er mit seiner kicksenden Stimme, die gerade mitten im Umbruch steckte.
Mehr Informationen hatte er auch nicht und eigentlich sollte er nach der Erledigung seiner Aufgabe gleich wieder verschwinden. Nur... er bekam so selten Frauen zu Gesicht und wenn, dann waren diese meist alt, hässlich und fett.
Aber die hier... die war schön, jung und... gehörte nicht hierher! Mehr als genug Gründe sie ein wenig entgeistert anzusehen und kaum glauben zu können, so jemandem an solch einem Ort zu begegnen.
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Re: Schuldig?

Beitrag von Areana Vandefur » Dienstag 27. November 2012, 21:46

Areana atmete bebend aus und kämpfte noch immer gegen ihre Furcht an.
Als sich die Tür öffnete, hob sie ruckartig den Kopf. Würde sie nun verhört werden? Was erwartete sie jetzt? Ihre Augen verengten sich misstrauisch zu Schlitzen. Allzu einfach würde die Diebin es ihm - wer immer auch den Raum betreten mochte - jedenfalls nicht machen!
Im Türrahmen stand ein Junge, Areana schätze ihn auf etwa fünfzehn oder vierzehn Jahre, vielleicht sogar noch jünger. Einen winzigen Moment war sie sichtlich überrascht. Na dieser Grünschnabel würde sie mit Sicherheit nicht verhören! Er betrat den Raum, stellte ein kleines Paket auf dem klobigen Tisch ab und trat zurück, bis seine mageren Schulterblätter die Holztür berührten.
"Ähm... ich... ich soll Euch das bringen... es... wird gewiss nicht mehr lange dauern, werte Dame." murmelte er, mit beinahe lächerlich hoher Stimme.
Die Diebin unterdrückte ein Schmunzeln. Der Kleine sah sie an, als hätte er noch nie ein weibliches Wesen gesehen
"Warum schaust du mich so an?", fragte sie amüsiert, neigte leicht den Kopf zur Seite, wobei ihr schwarzer Haarschleier ihrer Bewegung folgte, und betrachtete den Jungen mit funkelnden Augen. "Ich gehöre wohl nicht zum üblichen... Klientel in diesen Räumen, oder?"

Ob er sich vielleicht vor ihr fürchtete? Hielt er sie für ein männerfressendes Ungetüm? Ein Lächeln kräuselte sich über die Lippen der jungen Frau. "Wie heißt du?" fragte sie, ohne auf eine Antwort auf ihre zuvor gestellte Frage zu warten.
"Mein Name ist...", einen Moment war sie versucht, ihren richtigen Namen zu nennen. Doch dann überlegte Areana es sich anders. "... Marise."

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Re: Schuldig?

Beitrag von Erzähler » Montag 10. Dezember 2012, 11:13

Der Junge hatte das schon öfters erlebt. Es wurde jemand hergebracht und warten gelassen, sodass er dann das ein oder andere zu bringen hatte, egal, ob eine Botschaft oder ein Tablett zur Stärkung. Das geschah meistens dann, wenn der Zeuge für unschuldig gehalten wurde und somit etwas besser versorgt werden sollte als die üblichen Verbrecher.
Und es war auch fast immer so, dass diese Leute erschraken, sobald er auftauchte, weil sie mit jemand ganz anderes rechneten. So auch die junge, hübsche Frau, die wiederum er nicht erwartet hatte.
Normalerweise begegnete er solchen Personen nicht, da die meisten einfach Bürger aus dem Volk viel zu verdreckt und ungepflegt oder eben schon zu alt waren, um noch anziehend zu wirken. Wirklich junge, saubere und attraktive Personen verliefen sich äußerst selten so, dass sie in die Kaserne gebracht wurden. Oder sie waren zu privilegiert, als dass er sie zu Gesicht bekäme, da sie in ganz anderen Räumlichkeiten zu warten hätten.
Und trotz ihrer eher abweisenden Mimik, versuchte der Junge Freundlichkeit und Beruhigung auszustrahlen, da er nicht gehört hatte, er solle unhöflich zu ihr sein oder würde ihr die Henkersmahlzeit bringen.
Also wählte er diese Worte und merkte selbst, wie verlegen er dabei klang. Aber was sollte er auch dagegen tun? Immerhin war es für ihn eine kleine Premiere und er steckte mitten im Übergang zum Erwachsenwerden. Da wurde ihm schon mal die Kehle eng bei solch einem Anblick und blieb ihm obendrein die Spucke weg, sodass es ihm schwer fiel, flüssig zu sprechen.
Ihre Frage trieb ihm dann natürlich auch die Röte in die blassen Wangen mit den Sommersprossen und anderen Hautverunreinigungen, die sich nicht vermeiden ließen in dem Alter, und er senkte hastig den Blick. „Tu… tut mir leid, wenn… wenn ich Euch beleidigt habe…“, murmelte er verlegen und es war ihm anzusehen, dass er am liebsten auf der Stelle herum gezappelt hätte in seiner Stimmung. Dass er es nicht tat, lag an dem, was ihm eingebläut worden war und was er sich zu merken hatte, wollte er weiterhin eine Chance in der Kaserne haben.
Ihre weiteren Worte ließen ihn den Kopf schütteln. „Ihr… Ihr habt bestimmt nichts zu befürchten… sicher alles nur ein Missverständnis…“, gab er stammelnd zurück und konnte sich alles andere nicht vorstellen. Er wollte es auch gar nicht, dazu war diese Frau viel zu schön.
Dass sie anscheinend mit ihm plaudern wollte, war ebenfalls nicht ungewöhnlich. Und obwohl man ihm eingebläut hatte, dass es das nicht geben sollte… war er viel zu unerfahren, um das abzulehnen, da ihre Worte viel zu harmlos klangen. Außerdem stand er ja brav in der Tür, sodass sie an ihm nicht vorbei und verschwinden könnte, weil er zu unaufmerksam war. Also konnte er sich das ja erlauben… so, ein oder zwei Minuten, damit ihn niemand dabei erwischte.
Endlich fand er den Mut wieder, sie anzusehen und auch freundlich zu lächeln, während seine Wangen vor Röte regelrecht brannten. „Mikan, werte Dame. Ich heiße Mikan.“, erwiderte er, ehe sein Lächeln um eine Spur verbreiterte und seine Augen aufleuchteten.
„Ihr tragt… einen sehr schönen Namen.“ Worte, die er einmal aufgeschnappt hatte und die bei anderen, erfahreneren Männern sicherlich überzeugender geklungen hätten. Dafür war bei ihm offenkundig, dass er das auch so meinte, wie er es sagte.
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Re: Schuldig?

Beitrag von Areana Vandefur » Freitag 11. Januar 2013, 21:14

"Vielen Dank." Areana konnte nicht anders. Sie begann zu lachen. Der Junge war einfach auf gerade zu bezaubernde Weise unbeholfen. Ein wenig erinnerte er sie an Kevan, als dieser etwa in dem Alter des Jungen war. Auch er hatte zwischen dem Kind- und Mannsein gerade zu albern geklungen und ausgesehen, als sei er mit dem Gesicht voran in einen Bienenstock geraten. Erst später, als all die Beulchen abgeklugen waren und seine Stimme tief und angenehm wurde, begannen all die Mädchen, die ihm zuvor keine Beachtung geschenkt haben, sich nach ihm umzudrehen und und rotgesichtig die Köpfe zusammen zustecken, wenn Kevan an ihnen vorbeiging.
Areana hatte keine von Kevans Liebschaften wirklich leiden können. Nicht die Müllerstochter, in deren Kammer er nächtelang verschwand, nicht die Zofe, deren Parfum ewig noch in seiner Kleidung hing und schon gar nicht die schreckliche Tochter des Webers, die an ihm gehangen hatte, wie eine Klette es zu tun pflegte.
Es kam der jungen Diebin vor, als stamme diese Erinnerung aus einem anderen Leben und bei der Vorstellung, ihren besten Freund vielleicht niemals mehr wieder zu sehen, zog ihr sich der Magen zusammen. Der Dunkelhaarigen war das Lachen allzu rasch wieder vergangen.
"Mikan..." sagte sie gedehnt, nachdem sie den Laufburschen eine Weile ausgirbig betrachtet hatte. "Ebenfalls ein sehr schöner Name."
Ob Mikan wohl in ein paar Jahren auch durch das Fenster einer Müllerstochter stieg, oder nach dem Parfum einer Zofe richen würde? Noch würde die junge Diebin ihm das nicht versprechen wollen.
"Was glaubst du, geschieht nun mit mir?" fragte sie leise und versuchte möglichst wie eine ängstliche, besorgte und vor allem unschuldige junge Frau zu wirken. "Werden sie mich hinrichten lassen?" fügte sie mit naivem Ton hinzu.
Im selben Moment wurde ihr klar, dass nicht einmal der junge Grünschnabel, der vor ihr stand, auf dieses Theater hereinfallen würde.
Unpassender Weise brachte diese Tatsache die junge Brünette erneut zum Schmunzeln. "Wir wollen es nicht hoffen, oder? Es währe höchst ärgerlich, wenn man mir mein hübsches Köpfchen abschlagen würde - nicht wahr?"
Areana betrachtete nachdenklich die Wand neben Mikan. "Wann werde ich denn verhört, Mikan? Ich bin eine vielbeschäftigte Frau."

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Re: Schuldig?

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Februar 2013, 13:26

Der Junge wirkte nicht nur unbeholfen, er war es auch in der Tat voll und ganz. Man sah es ihm an, er war kein Schönling und nicht so weit entwickelt, wie der Großteil seiner Altersgenossen. Aber er wusste zu arbeiten und er hatte ein Ziel vor Augen. Zumindest… solange es nur seinen beruflichen Werdegang betraf.
Alles Zwischenmenschliche war da schon ein anderes Kaliber, eines, mit dem er nicht so viel Erfahrung hatte. Entweder er wurde geärgert, gehänselt, oder er wurde schlichtweg ignoriert, meistens von Mädchen und jungen Frauen, die er anhimmeln wollte. Kein einfaches Leben für diesen Jungen, der nun der Zeugin etwas hatte bringen und eigentlich längst wieder verschwinden sollen.
Ihr Lachen ließ ihn zusammen zucken und ihn heftig erröten. Den Blick senkte er und presste die Lippen aufeinander.
Was hatte er denn auch erwartet? Dass sie ihn mögen könnte, einfach nur, weil er nette Dinge sagte? Das klappte bei attraktiven Männern vielleicht, aber nicht bei einem wie ihm. Jetzt wurde es wirklich Zeit zu gehen!
Warum er ihr dennoch seinen Namen verriet, konnte er selbst nicht sagen. Aber er tat es… und wurde von ihrer Reaktion überrascht. Abrupt sah er wieder auf, zuerst erschrocken, ob sie ihn nun auf den Arm nehmen wollte.
Doch als das nicht kam, sie nicht zu lachen begann, ob seiner Dummheit, begannen seine Augen hoffnungsvoll zu funkeln, schlichtweg, weil sie etwas Nettes zu ihm gesagt hatte. „Danke sehr…“, murmelte er lächelnd und störte sich ausnahmsweise einmal nicht an der Röte seiner Wangen, die er dabei nicht vermeiden konnte.
Was ihm insofern rasch wieder verging, als sie ihre Sorgen aussprach. Sofort und heftig entrüstet schüttelte er den Kopf, denn er kaufte ihr diesen Ausbruch ab. Nicht, weil sie eine derart gute Schauspielerin war, sondern weil er ähnliches schon manches Mal erlebt hatte. Und da war es dann wirklich ernst geworden für die Schuldigen…
„Nein, nein, bitte, denkt so etwas doch nicht! Ihr seid lediglich hier, weil man mit Euch reden möchte. Ihr seid schließlich eine wichtige Zeugin, aber doch keine Verbrecherin!“ Nun ja, ganz der Wahrheit entsprach das nicht, obwohl Mikan das nicht wissen konnte. Er glaubte wirklich an das, was er sagte und verstand selbst nicht, warum die Damen so lange warten musste, um wieder gehen zu können.
Vielleicht hatte sie ja einen äußerst wichtigen Namen, einen Bezug zu einer bedeutenden Familie? Oder war sonst jemand von Rang in den Vorgang verwickelt? Der Junge wusste es nicht und wollte auch keine Vermutungen anstellen, die sein Verhalten beeinflussen könnten.
Was für ihn lediglich zweifelsfrei feststand, war, dass solch eine hübsche, zierliche Person gewiss nichts Böses tun könnte. Ein Segen, wer noch solche Ideale hatte…
Ihre weiteren Worte ließen ihn erneut erröten und den Kopf schütteln, unfähig, darauf etwas zu erwidern. Er war nicht sonderlich schlagfertig und schon gar nicht, wenn er vor Scham im Boden zu versinken drohte.
Die daraufhin kommende Frage war besser, obwohl er sie nicht beantworten konnte. Trotzdem versuchte er, Haltung zu bewahren, um zu zeigen, dass er es ehrlich meinte. „Das kann ich Euch leider nicht sagen, werte Dame. Ich weiß nur, dass ich Euch die Verpflegung bringen sollte. Aber ich bin sicher, es dauert nicht mehr lange.“
Nicht gerade das Beste, was er ihr bieten konnte, jedoch hatte er noch eine Idee, wie er sie vielleicht beruhigen könnte. Er rang sich ein Lächeln ab und fuhr fort: „Allerdings, wenn Ihr möchtet, werde ich mich erkundigen und rasch wieder bei Euch melden, sobald ich etwas erfahren habe.“


occ: tut leid, dass es so lang gedauert hat, ich hoff, der teil entschädigt die wartezeit :)
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Re: Schuldig?

Beitrag von Areana Vandefur » Freitag 22. März 2013, 15:35

Areana schenkte ihm ein liebreizendes Lächeln. Er nennt mich "werte Dame"!, dachte sie belustigt. Niemand der sie kannte, würde jemals auf die Idee kommen, die junge Diebin mit "werter Dame" zu betitteln, denn sie war weder sonderlich ehrenwert, noch auffallend Damenhaft - doch das konnte der Laufbursche der Jorsa-Wachen nicht ahnen.
Er war vermutlich niemals aus seinem Heimatland herausgekommen und sah nur ein hübsches, leicht exotisches Gesicht ... wenn er es denn schaffte, seine kindliche Scham abzulegen und sie, statt den Boden, zu betrachten.
"Bitte sag doch Du zu mir, ich kann kaum ein paar Jahre älter sein als du es bist." Die Diebin neigte leicht den Kopf, suchte seinen Blick und lächelte Mikan aufmunternd zu ... Wenn ihr Plan aufging, war der arme verschüchterte Junge ihr Schlüssel in die Freiheit und das einzige womit Mikan zu rechnen hatte, währe eine Standpauke, vielleicht auch eine Tracht Prügel. Doch das war nicht Areanas Problem und jeder musste mal Schläge einstecken - für sie stand jedoch viel mehr auf dem Spiel.
Sollten die Wachmänner Jorsans ihre Arbeit sauber erledigen, wartete der Galgen oder das Schafott auf die Dunkelhaarige... da war ihr eine Ohrfeige, noch dazu eine, die nicht sie selbst betraf, tausendmal lieber - Wenn allerdings etwas schief lief, würde er vermutlich neben ihr am Galgen baumeln.
Kevan würde niemals auf die Idee kommen, derart mit dem Leben eines Kindes zu spielen - aber sie war nicht Kevan und wenn der Einsatz für ihre Freiheit das Wohlbefinden eines Jungen war, dann war dem eben so.

Doch wenn die vollkommen ehrlich zu sich war, so tat ihr die Vorstellung, dass der Junge für ihre Flucht büßen müsse furchtbar leid. Areana war selbst in ihrer Kindheit mindestens ein dutzend mal zu oft geschlagen und eingesprerrt worden, als dass sie derartige Erziehungsmaßnahmen gutheißen könnte.
Aber derartige Gefühle konnte man sich als Dieb - insbesondere als eingesprerrter Dieb - nicht leisten. Und wer sollte Kevan retten, wenn die erst einmal in einem Graben lag und die Krähen ihr die Augen aus dem Kopf piekten und ihr die Haut von den Knochen zerrten?
Bei der Vorstellung unterdrückte sie nur mühsam ein Zaudern und wand sich wieder Mikan zu.
"Das würdest du wirklich tun?" fragte Areana scheinheilig. "Aber ich halte dich sicher von deinem wertvollen Beitrag zur Sicherheit dieser rießigen Stadt ab, du bist immerhin ein sehr viel beschäftigter und tüchtiger Mann." Mit blitzenden Augen wartete sie ab, wie die Anrede "Mann" ihre Wirkung entfaltete.


ot: Kein Problem :)

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Re: Schuldig?

Beitrag von Erzähler » Dienstag 16. April 2013, 14:03

Er sah das Lächeln dieser armen Person, die hier so schändlich warten musste, und spürte selbst, wie er knallrot anlief. Jede reife Frucht, welche eine rötliche Färbung aufwies, hätte blass neben ihm gewirkt in diesem Moment. Er war es nicht gewohnt, derart viel Aufmerksamkeit zu erhalten, schon gar nicht von Frauen und noch weniger von einer positiven Art, so wie hier.
Kein Wunder also, dass sich seine Verlegenheit derart heftig meldete und ihr wohl nur zu deutlich machen würde, was ohnehin offensichtlich war. Der Junge war niemand, der schon viel Erfahrung damit hatte, mit dem anderen Geschlecht umzugehen, schon gar nicht konnte er unbefangen dabei zu sein.
Hinzu kam, dass er sie für etwas Besseres hielt als sich selbst, als eine Dame von Rang und Namen ansah, sodass er sich noch unbedeutender als sonst vorkam. Mit seinesgleichen oder niedrigeren, den Bettlern und wirklichen Verbrechern, hatte er da weniger Probleme, da er glaubte, ihnen die Schuld und die zahlreichen Laster stets ansehen zu können. Weswegen er sich als besser fühlte, weil er niemals ein Verbrechen zu begehen vorhatte.
Areana hingegen... Nein, die war jung, schön und besaß Haltung! Alles Dinge, die einfach für eine vornehme Herkunft sprechen mussten, wenngleich er es nicht wagte, zwischen reichem Kaufmannshaus und Adelsgeschlecht zu unterscheiden, um keinen Fehler zu begehen. Nicht einmal in Gedanken!
Mikan versuchte, sich durch bewusstes Atmen zu beruhigen und merkte gerade die ersten Anzeichen davon, als sie erneut das Wort ergriff und die Röte noch schlimmer werden lassen zu wollen schien. Ruckartig hob er den Blick und starrte sie einen Atemzug lang beinahe schon entsetzt an, es hätte nicht viel dazu gefehlt und ihm wäre sogar die Kinnlade aufgeklappt.
Dann allerdings schüttelte er entschieden den Kopf und richtete seine Augen wieder gen Boden. "Das kann ich nicht, werte Dame. Das... das wäre unerhört!", gab er leise, wenngleich definitiv entschieden zurück. Schließlich hatte sie einen höheren Stand, da war es unwichtig, ob sie im Alter sich ähnelten oder Jahrzehnte auseinander liegen würden.
Er ahnte ja nicht im Geringsten, wen er in Wirklichkeit vor sich hatte, welchen Schlag von Frau, und dass sie ihn würde benutzen wollen. Stattdessen machte er ihr einen Vorschlag, wagte sich ein wenig vor, und hoffte, keinen Schritt zu viel getan zu haben.
Bei ihrem Nachhaken nickte er bekräftigend. "Natürlich, es wird auch nicht lange dauern, das versichere ich Euch!", erwiderte er erstaunlich rasch, ehe er noch ihr Fortfahren zu hören bekam.
Dieses war des Guten zuviel gewesen, denn diesmal hob er den Kopf und sah sie verständnislos an, schlichen sich die ersten Fragen in seinen Geist, was das zu bedeuten haben könnte. Es war ihm anzusehen, dass er nichts weiter als ein junger Bengel war, am unteren Ende der Hierarchie und zwar viel beschäftigt, allerdings bei weitem nicht so ein echter, erwachsener Mann.
Mikan blinzelte und Misstrauen flackerte in seinem Blick auf, obwohl er diesen noch nicht so recht begreifen konnte. "Ich fürchte,... ich verstehe Euch nicht.", gab er langsam, zögerlich von sich und machte unwillkürlich einen halben Schritt zurück.
Ihm wurde wieder bewusst, was eigentlich seine Aufgabe gewesen war, sodass er sich selbst einen Narren schalt. Er hatte sich schon viel zu lange hier aufgehalten und würde Ärger deswegen bekommen. Trotzdem würde er für Areana nachfragen, jedoch danach musste er sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und konnte somit nicht länger vor Ort bleiben.
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