Der rote Salon

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.
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Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. September 2017, 20:10

(Delilah, Darna und Zanfar, nebst ihrer NPC's kommen von: 'Mortimers Nadelkunst')

Weder Darna noch Delilah waren in ihrem jungen Leben in diesen majestätischen Mauern empfangen worden, aber wenn die Gesellschaft einer Diplomatin etwas gutes hatte, dann dass sich für sie Tor und Türen öffneten, die einem normal „Sterblichen“ verschlossen blieben. Allein die Fahrt zum Hauptgebäude gestaltete sich vollkommen komplikationslos. Sobald man die Kutsche mit dem Wappen des Königs, oder spätestens das Gesicht der roten Dame sah, wurden die Tore geöffnet. Jorsas Palast stand ihnen offen.
Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll erhob er sich über den Dächern. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen. Nachdem sie die äußere Palastmauer überwunden hatten, änderte sich tatsächlich nicht all zu viel. Die Gebäude waren sauber und gepflegte, aber das waren sie überall in der Stadt. Die Gartenanlagen waren eben nun 'etwas' gepflegter, etwas reicher, etwas ausgefallener. Die Mauern waren mit dezentem Zierwerk versehen und überall summten Diener umher, wie es in einem Beinenstaat halt üblich war. Sobald die Kutsche auf einem der Innenhöfe hielt, wurde den Damen heraus geholfen und man war so professionell nicht einmal eine Baue über die teils merkwürdige Kleidung zu heben. Die Diplomatin erkundigete sich mit fester Stimme, ob derzeit der 'rote Salon' frei für eine Besprechung wäre und in kürzester Zeit wurde ihr eine Nachricht vom Haushofmeister in Form einer Bestätigung überbracht. Nun hatten sie also ein Zimmer ...einen Salon!... wo sie ich noch auf ihr Treffen ein wenig mental vorbereiten konnten, wärend Chasin und Zanfar vorsprachen um eine Audienz zu erwirken. Kurz trennte sich also die Gruppe, aber nicht für lange.

...

Chasin stand aufrecht auf dem langen Flur zu den Gemächern, wo der König sich gerade aufhielt. Sie mussten das Ende eines seiner Termine abwarten um ihn dann ihre kurze Bitte um eine Audienz außerhalb der Reihe vortragen zu können. Chasin wirkte tatsächlich etwas angespannt und sah Zanfar nachdenklich an. Plötzlich und unvermittelt fragte sie:
"Du magst sie, oder?"
Leider offenbarte sie nicht wen sie genau meinte, aber vielleicht kam Zanfar auch so dahinter. Sicher hatte sie den ein oder anderen Blick bemerkt und nun konnte er sich zusammen reimen, von wem sie glaubte, dass sie seine Aufmerksamkeit erregt hätte.

...

Darna, Delilah, Leon und Basilius weilten derweil in besagtem roten Salon, der seinen Namen nicht von ungefähr hatte. Dicke dunkle Teppiche in burgunder und helleren Tönen dämpften ihrer Schritte. Ein langer Tisch mit hohen Stühlen, die mit blutrotem Brokat bezogen waren stand zentriert vor einer Fensterreihe mit langen dunkelroten Vorhängen. Ein Balkon grenzte an, aber die Türen waren aufgrund der immernoch kühlen Witterung verschlossen. Zwei Kamine beheizten den großen Raum, in den Resas beschauliches Heim komplett hinein gepasst hätte. Diener brachten Wasser, Wein, und was die Gäste der Tha'Roon noch so wünschten. Leon bedankte sich höflich und mit einer gewissen aristrokatischen Gelassenheit, könnte man meinen. Wer ihn besser kannte, wusste, er war einfach nur müde. Basilius lief im Raum auf und ab, schaute auch mal hier und da hinter einen Wandteppich und entschied, dass sie wohl ganz allein waren.

((ooc: Inspirationsmusik zum Antworten. ;) ))
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Dienstag 26. September 2017, 21:57

Die kleine Gemeinschaft brach zielstrebig auf, wobei jeder Einzelne von ihnen mit ganz unterschiedlichen Gefühlen Mortimers Nadelkunst verließ.

Was als unschuldiger Einkaufsbummel begonnen hatte – oder als einfacher Botengang für die Großmutter – hatte sich zu einem brisanten Informationsaustausch entwickelt. Und zum Teil zu lebensverändern Erkenntnissen.
Zum Glück vergaß Delilah, trotz der entscheidenden Vorgänge, den kleinen Mann – und ihren Gastgeber – Mortimer nicht. So blieb der Laden nicht unbewacht und ihre Aufgaben nicht unerledigt.

Zanfar übte sich in Schweigen innerhalb der Kutsche. Selbst auf seiner Verhältnismäßig leeren Bank war es ihm entschieden zu eng in dem kleinen Raum. Er behielt die jungen Menschen, die eigentlich schon bewiesen hatten, dass sie nichts Böses im Schilde führten, genau im Auge.

Die Ankunft im Palast und der Reibungslose Ablauf dort waren ihm demensprechend höchst willkommen um die Kutsche schnell verlassen zu können – aber nicht bevor er den Jugendlichen noch einen mahnenden Blick, sich zu benehmen, zu warf.

Nachdem sich die Gruppen trennten, und er zusammen mit Chasin vor den Aufenthaltsräumen des Königs abwartete, wollte er die Tha’Roon gerade fragen, woher ihre Anspannung kam, da erwischte ihn ihre Frage kalt.

"Du magst sie, oder?"

Er blinzelte ein paar Mal und fragte sich, wen die Tha’Roon wohl gemeint haben könnte. Es blieben eigentlich nur zwei Frauen über. Darna oder Delilah. Er überlegte, ob er ihrer Frage einfach mit gespieltem Unwissen ausweichen konnte, entschied sich aber dagegen.

Er war mit Darna hart ins Gericht gegangen, da war es unwahrscheinlich, dass er sie mochte. Auch wenn er das unter anderen Umständen sicher getan hätte.
Zum einen führte man eine Gedankenleserin nur schlecht an der Nase herum und zum anderen war sie seine Freundin – und zum Glück mit Begriffen der ‚Eifersucht‘ völlig unvertraut.

„Ja.“
Beantwortete er ihre Frage einsilbig. Er betrachtete einen Moment die hübsche Wandverzierung, dann fügte er hinzu.
„Sie ist … faszinierend. So unschuldig und … rein. Wie die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling.“

Er sinnierte darüber, warum ihn das junge blonde Mädchen so faszinierte. Sie war noch zu jung und unerfahren um wirklich Interessant zu sein, aber er ahnte schon, dass wenn sie ihre Schüchternheit und Zurückhaltung etwas ablegte – und sich erlaubte, andere zu verärgern – zu einer vielschichtigen und spannenden Persönlichkeit werden würde.

Aber das war es nicht alleine. Dieses Lächeln, dass so ansteckend war und die Loyalität und Freundlichkeit in ihren Augen zogen ihn an wie die Motte zum Licht. Solche Augen hatten das schon immer getan.
Er faltete die Arme vor der Brust und versuchte erfolglos die dunklen Erinnerungen an seinen liebsten ‚Sport‘ in Morgheria zu verdrängen.

An die jungen Sklavinnen, die er sich gekauft hatte … die unschuldigsten und verängstigtsten. Diejenigen, die als erstes unter der Grausamkeit der Dunkelelfen zugrunde gehen würden, weil ihre Herzen zu gut und zu Mitfühlend waren, um das Leid zu ertragen.

Wie er sich als Retter aufgespielt hatte, sie beschützt und gehegt – und verführt – hatte. Der Rausch, wenn diese Frauen ihn mit Hoffnung und Hingabe ansahen, so als wäre er gut, jemand, den sie brauchten und liebten. Bis sie es irgendwann begriffen. Dass er nicht der Ritter in strahlender Rüstung war, sondern nur ein weiterer Dunkelelf der sie für seine Spiele benutzte, ohne dass sie jemals wirklich eine Chance auf Rettung hatten. Die, die es begriffen, wurde er irgendwann los – weil sie sein Geheimnis, das er unbedingt vor sich selbst verstecken wollte, erkannt hatten. Dass er nicht Bewunderns- sondern Bemitleidenswert war. Oder Ulyne wurde Eifersüchtig und zerstörte sie – vielleicht hatte sie es ja auch gar nicht aus Eifersucht getan. Vielleicht hatte sie auf ihre Art versucht ihn vor dieser Wahrheit zu Schützen.

Fylidra war die einzige gewesen, die er trotzdem behalten hatte. Weil sie ihn von Anfang an durchschaut hatte und ihn nicht verurteilte.
‚Ein Dunkelelf, der sich einredet, etwas Gutes zu tun, ist nur eine Tat davon entfernt, tatsächlich etwas Gutes zu tun.‘
Nur dass er ihre Hoffnung niemals erfüllt hatte – zumindest nicht um ihr zu helfen.

Einige Momente stand der Dunkelelf nur sinnierend im Raum und starrte auf die verzierte Wandvertäfelung. Dann blickte er seine Freundin wieder an.

„Es wäre schön, wenn ein so ehrliches freundliches Lächeln mir gelten würde. Aber ich bin kein Narr, selbst wenn es mir gelingen würde … sie für mich zu gewinnen, es würde IHR nicht guttun.“

Wenn er recht darüber nachdachte. Von all den Frauen, die er gesehen hatte, hatte keine es mit dem strahlen Delilahs aufnehmen können. Dieses Mädchen war etwas Besonderes! Und sie war nicht hilflos, auch wenn er sich gerade anderes einzureden versuchte.

Naja, es würde sie davor retten, ein paar ganz grauenhafte Erfahrungen mit der ‚ersten Liebe‘ zu machen … oder sie über ein paar grauenhafte Erfahrungen hinwegtrösten. Aber ich wette, sie ist noch Jungfrau.

Fast hätte er sich selbst auf die Finger gehauen und wandte beschämt den Blick ab. Gerade deswegen war es eine schlechte Idee. Weil es für ihn – trotz allem - ein Spiel war.

„War es so offensichtlich?“

[ooc: Chasin kann gerne (nur wenn du möchtest) auch von seinen Erinnerungen etwas mitbekommen haben. War mir nur zu anstrengend das alles als Gedanken zu formulieren.]

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Mittwoch 27. September 2017, 17:26

Ja, das Schicksal war ein zwiespältiges Geschwisterpaar. Das Leben war voller Dunkelheit, die an jeder Ecke lauern konnte, hinterhältig, verborgen… oder offen mit dem todbringenden Messer in der Hand. Doch der Bruder der Schwärze war das Licht und nur durch seine dunkle Schwester war seine Schönheit greifbar. In die Nächte aus Zweifel und Angst pflanzte er sanften Kerzenschein und geflüsterte Geschichten, die Bilder von Liebe, Wahrheit und Familie in die Luft malten. Selbst im endlosen Schwarz des Nachthimmels spendeten unzählige Sterne Trost und Zuversicht.

Delilah hielt sich nah bei Leon, nachdem sie Chasin das Wasser gebracht hatte. Sie verspürte den Drang, ihm irgendwie beistehen zu wollen. Sie fühlte sich hilflos, weil sie ihm bei seinem Weg nicht helfen konnte. Sein Blick verdüsterte sich immer wieder, seine Gedanken waren weit fort, wanderten zu den Dingen die kommen würden. Einmal griff sie nach seiner Hand, weil sie den Ausdruck in seinen Augen nicht mehr ertragen konnte, weil sie die grauen Wolken darin durch etwas anderes ersetzen wollte. Als er den Blick hob, drückte sie seine Finger etwas fester, und schenkte ihm ein sachtes Lächeln, ehe sie seine Hand wieder entließ. Ein kleines >Ich bin für dich da.< zwischen all den Vorbereitungen und letzten gewechselten Worten vor dem Aufbruch, nach all dem Fokus, der auf Darna gelegen hatte.

Es waren die Momente, gewebt aus Sonnenschein, Vogelgezwitscher, Lachen und Singen, die man sich bewahren sollte, festhalten im Herzen, auf dass sie einen durch die schwersten Zeiten begleiten konnten. Delilah hatte vieler solcher strahlender Momente gehabt, doch hatte sie sich auch schon in den Schatten verirrt und wusste nun besser als früher, wie man sich an diesem Faden aus Licht zurück ins Leben holen konnte.

Sie wollte die Schatten nicht wiederbeleben, wollte ihrer Moma nicht erneut den Schmerz der Trennung und das Ungewisse zurücklassen. Ein Haus voll schreiender Stille und leeren Betten. Was wäre da besser als Mortimer mit einer Nachricht, seinem herzlichen Lachen und den zwinkernden Augen zu ihr zu schicken. Delilah trat ans Fenster und sah den alten Schneider am Ende der Gasse mit zwei Frauen schäkern. Der Anblick verscheuchte die leichten Schatten der Sorge von ihrem Gesicht und ein amüsiertes Lächeln breitete sich stattdessen darauf aus. Einige Dinge schienen sich nie zu ändern. Und das machte Delilah Mut. Es waren die kleinen Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnte, für die es sich lohnte jeden Tag weiterzumachen.

Es waren diese Dinge, die sie in der Welt behüten wollte. Das Lächeln der Leute, das Pfeifen und Singen in den Straßen, das fröhliche Gerede auf dem Marktplatz. Kleine Gesten, die einen ganzen Tag zum leuchten bringen konnten.

Das Ladenglöckchen läutete den Aufbruch ein. Delilah informierte Mortimer, dass sie ihre Freunde in den Palast begleiten würde und er bitte nach seinem Feierabend noch einmal bei Resa vorbei schauen sollte, falls sie bis dahin nun vielleicht doch nicht zurück sein sollte um ihr zu berichten. Woher sollte sie auch wissen, wie lange ihr Vorhaben andauern würde, also war es besser ihn zu schicken. Natürlich erklärte er sich sofort dazu bereit und schien wirklich gerne die Pflicht mit dem Angenehmen zu verbinden. Er betrachtete die Herren und auch die seltsam große Dame noch einmal und flüstere Delilah ins Ohr: „Mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich um alles. Ich pass schon auf mein Mädchen auf.“ Sie traten hinaus in die kühle Luft und der alte Schneider rief ihr noch hinterher: „Lass dir Zeit!“

Delilahs gelöstes Lachen schallte durch das Gässchen hinauf zu einem wunderschönen, leuchtend blauen Himmel. Sie drehte sich noch einmal um und winkte dem Schneider zum Abschied. „Wie du willst!“

Die Fahrt zum Palast hatte für die junge Jorsanerin etwas Unwirkliches an sich. Hier saß sie, in einer gepolsterten Kutsche, dicht an dicht mit einem Dunkelelfen, einer Tha’Roon und drei Adeligen und befand sich auf dem Weg zum König. Einer der drei jungen Leute, die da vor ihr saßen, würde bald sein Erbe als Wirtskörper eines uralten Tha'Roon-Geistes antreten und die junge Dame daneben war vermutlich mit einem Spiegeldämonen verbunden. Abstrus. Als würde sie träumen und gleich in der Akademie oder dem Häuschen ihrer Moma wieder erwachen. Holpernd ging die Fahrt Richtung Palast und Delilah stieß immer wieder gegen Zanfar, woran sie sich nicht ansatzweise zu stören schien, war doch das herannahende Ziel um einiges interessanter. Aber trotzdem… irgendwann wollte sie sich noch in Ruhe mit ihm unterhalten. Ob er ihr erzählen würde, wie er soweit fort von seiner Heimat gelandet war? Warum er sich von den dunklen Wegen seines Volkes getrennt hatte und nun offensichtlich andern Zielen folgte, als die Bewohner und Armeen Morgerias? Aber vielleicht sollten solche Dinge auch besser in der Vergangenheit ruhen. Man war heute nicht mehr die Person, die man gestern gewesen war. Auch sie selbst wusste das. Dennoch… der Elf und die Dinge, die er erzählen könnte…seine Sicht auf die Welt… sie interessierten die junge Jorsanerin. Ein, zwei neugierige Seitenblickte trafen den Elfen während der Fahrt zum Palast. Sie näherten sich dem Zentrum ihres Reiches.

Delilah staunte, wie reibungslos sich Tore und Türen vor ihnen öffneten, die ihr in ihrem bisherigen Leben wie unüberwindbare Bastionen erschienen waren. Niemals in ihrem Leben hatte sie je gedacht, dass sie eine Tages über diese Schwellen treten würde. Warum auch? Sie war ein einfaches Mädchen aus der Stadt. Doch nun öffnete sich vor ihr eine Stadt in der Stadt. Überall waren Diener und Mägde unterwegs, alles wirkte wie ein einstudierter Tanz. Als sie die Kutsche verließen, bereute Delilah es für den Bruchteil eines Augenblicks das kostbare Kleid von Verano gegen ihre üblichen Sachen eingetauscht zu haben, doch der Gedanke war schnell vergessen. Es gab so viel zu sehen!!

Bald waren sie in dem großen Saal angelangt, in dem sie warten sollten. Der „rote Salon“. Delilahs staunende Augen wussten nicht, was sie sich zuerst begutachten sollten. Selbst Veranos edles Heim war hiermit nicht zu vergleichen. Die junge Jorsanerin nahm dankend einen Becher Wasser entgegen und strahlte den Diener an, der ihr den wertvollen Becher reichte, als hätte er ihr ein großes Geschenk gemacht. Als die Diener gegangen waren, konnte sich Delilah den Ausruf „Momas ganzes Haus würde hier reinpassen!“ nicht verkneifen und warf Leon einen begeisterten Blick zu. Sie lief ebenso wie Basilius im Raum umher, aber im Gegensatz zu ihm nicht, um sich nach heimlichen Lauschern umzusehen, sondern um sich die Stickereien des Wandteppichs zu besehen. Und den Brokat auf den Stühlen. Und die Teppiche am Boden. Und den Ausblick aus dem Fenster. Klare Glasfenster! Trotz des düsteren Anliegens aus dem sie hier waren, konnte Delilah ihre Begeisterung beim Anblick all dieser schönen Dinge kaum in Zaum halten. Also eigentlich gar nicht.

Irgendwann ließ sie sich wie erschlagen neben Leon plumpsen. „Ich träume, oder?“, fragte sie ihn grinsend. Und dann nach einem Moment etwas vorsichtiger in die Runde. „Wie muss man sich eigentlich nachher verhalten?“ Die drei anwesenden hatten sicher eine bessere Vorstellung davon, als sie selbst. Sie hatte sich mit ihrer natürlichen, höflichen Art bisher (hoffentlich) wenigstens vor den Adeligen nicht blamiert, denen sie begegnet war… aber ein König war eine vollkommen andere Geschichte. Es gab Etikette und derlei Dinge, von denen sie nichts wusste. Als Bürgerliche hatte sie nur gelernt, dass man den Kopf zu senken hatte, wenn jemand von Rang an einem vorbei ritt. Sie kam sich mit ihrem einfachen Kleid, ihrer einfachen Frisur und ihrem einfachen Leben plötzlich sehr deplatziert in dem prächtigen Raum vor.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 30. September 2017, 17:30

War da nun dieser Harax-Hund bei ihr, oder nicht? Delilahs Kommentar deutete darauf hin, und auch wieder nicht. Leon fand bei expliziter Suche danach nichts. 'Alles nur in Darnas Kopf' - vielleicht half es also, wenn sie nicht so sehr dauernd an ihn dachte?
Unter normalen Umständen hätte sie sich strikt geweigert, auch nur bei dem leisesten Verdacht auf die Möglichkeit, dass sie - ausgerechnet sie! - etwas wie eine dämonische Präsenz in den Palast bringen könnte, eben jenen zu betreten.
Aber es waren keine normalen Umstände, sondern sie waren in einer Notlage. Sie hätte auch die anderen gehen lassen und wäre selber hier oder bei Frau Resa geblieben oder hätte sich in einem Kellerloch versteckt, aber die Diplomatin schien sie definitiv dabei haben zu wollen. Ihrer wiederholten Einschätzung der Lage zu widersprechen, wäre grob unhöflich gewesen. Und die Tha'roon war ein unglaublicher Glücksfall; einer, den Darna auf keinen Fall verprellen wollte. Es war selten, dass sie nach einer glücklichen Chance griff, statt auf ihre Zweifel zu hören... aber Leon hatte nichts gefunden.
Er mochte jung sein, aber er war trotzdem ein fähiger Lichtmagier, davon war Darna überzeugt. Und er hatte danach gesucht in dem Wissen, wonach er Ausschau halten sollte und trotzdem nichts gefunden. Umstände, die die Knappin ausreichend überzeugend vermuten ließen, dass dann auch die magischen Wachen seiner Majestät nichts finden würden.
Hoffentlich.
Trotzdem blieb ein mulmiges Gefühl zurück, aber das war eben Darna. Sie schwamm nun mit dem Strom, um nicht weiterhin nur wie ein Klotz am Bein alles zu behindern. Es war für sie ein furchtbarer Zustand, dass sie alle Aufmerksamkeit auf sich zog, weil sie ein Problem darstellte!

Die Enge in der Kutsche behagte ihr aus ähnlichen Gründen nicht. Es hätte wirklich schlechtere Plätze geben können, als so dicht zwischen Leon und Basil... für einen Moment entspannte sie sogar, weil sie sich zwischen den Beiden sicher, ja sogar wohl fühlte, was sich in einem leisen Ausatmen und dem Fallenlassen ihrer inneren Anspannung äußerte. Aber ihr war klar, dass diese Form von Kutschen für kleinere Ausflüge in die Stadt und eigentlich auf die Bequemlichkeit von zwei Personen ausgelegt war. Sie alle waren schlank und keiner trug ausladende Kleidung, sonst hätten sie gar nicht hier herein gepasst. Wenn vier Leute ausstiegen, liefe das noch unter dem Kommentar: "Oh wie freundlich, sie hat die beiden mit einsteigen lassen..." - aber sechs?! Das würde von irgendwem erstaunte Blicke, also prompt auch sicher irgendwelches Getuschel oder Geläster geben.
Und schon war die innere Anspannung wieder da.
"Wenn der Kutscher etwas langsamer fährt, kann ich Euch draußen begleiten, dann ist es hier drin nicht so eng", bot sie höflich an.

So oder so öffnete die Diplomatin Türen, wie es sonst nur der Graf der Wehr vermochte. Selten hatte sie tatsächlich dabei sein dürfen, aber es war für sie (und Basil) wenigstens nicht das allererste Mal, dass sie den Bereich des Palastes betraten.
Die Anspannung stieg, je näher sie ihrem Ziel kamen, gleichzeitig kehrte in der Umgebung eine gewisse Routine zurück: wie sie zu schauen, sich zu bewegen und sich zu halten hatte; da war das Grafenschloss nicht so viel anders als der Palast, nur etwas militärischer. Unwillkürlich ließ Darna den Blick schweifen, ob bekannte Gestalten zu sehen waren. Immerhin hatte Graf von Aarenhorst ausgezeichnete Kontakte zu diversen Rittern und Angehörigen des Militärs. Und diverse Vertreter des Adels hatte man als Knappe aus gutem Hause einfach zu kennen!
So kam trotz der unpassenden Kleidung die 'alte Darna' wieder zum Vorschein: die Haltung tadellos gerade, die Hände auf dem Rücken, wenn sie stand, die Mimik nichtssagend, der Blick aufmerksam.
„Momas ganzes Haus würde hier reinpassen!“ - Darna nickte auf den Ausruf hin nur knapp, ohne Wertung. Dies hier war ja auch kein Privathaus. Dies hier war der Palast, das Herz des ganzen Königreiches. Ein Objekt, das der Repräsentation diente. Natürlich waren die Dinge, die hier standen und die man betrachten konnte, schön und Darna konnte die Ästhetik des Prunks genießen, aber sie persönlich hegte kein Verlangen nach diesen Dingen oder dergleichen. Eher hatte ihr der Atem bei dem Anblick von edler Ausrüstung gestockt, wenn sie an einem der Ritter oder höher gestellten Wachen vorbei gekommen waren.

Als sie bemerkte, wie Basil den Raum überprüfte, verfinsterte sich kurz ihr Blick. Sie selber hätte das vermutlich nicht ohne Weiteres getan, dafür war sie zu höflich-defensiv, aber sie begriff sofort, was er tat und warum - und war ihm dankbar dafür. Irgendwie ist er gerade unser 'Wachhund', huschte es ihr anerkennend, aber nüchtern durch den Sinn. Und wieder drohte sie an den 'Blinden Fleck' bei ihren Beinen zu denken... - Beeindruckendes Gemälde. Wer das wohl ist? Königsfamilie? Die Nase sieht eher nach der Familie derer von Sturmhag aus, versuchte sie sich prompt abzulenken.
Ein Blick zu Leon zeigte seine Müdigkeit, und sie bedauerte, dass er nicht mehr Zeit fand, sich in Ruhe zu erholen, wie es eigentlich not getan hätte. Aber dann hätte er auch mehr Zeit, nachzudenken, stellte sie kritisch fest, Vielleicht ist es also sogar besser so...
Wie konnte sie ihm nur beistehen? Sie beobachtete, wie Deli sich neben ihn plumpsen ließ und ihn mit ihrer Art einfach anstrahlte.
Indem du sie gewähren lässt, kroch es ihr dumpf durch den Kopf in dem Bemühen, sachlich zu bleiben, Sie kann das wesentlich besser und eher als du.
Sie wandte sich ab, um den Sims von einem der Kamine zu betrachten und geistesabwesend strich ihr Finger wischend darüber, wurde beiläufig geprüft: natürlich kein Staub. Es bot ihr hauptsächlich Gelegenheit, die plötzlich heftig emporsteigende Traurigkeit darüber im Griff zu behalten, dass sie Leon nicht besser helfen konnte. Dass sie für alle ein Klotz am Bein war. Eine Gefahr. Sie hatte Leon seinen Schutzgeist gekostet. Und sie verstand nicht einmal, was eigentlich wirklich los war. Sie stand vor einem Wust an teils unverifizierten Informationen und sah den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Wäre sie alleine gewesen, hätte sie sich einfach mit dem Rücken an der Kaminmauer herabsinken lassen und ihren Tränen freien Lauf gelassen, aber sie hätte hier dann schon wieder jegliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen und wollte das auf gar keinen Fall; also zog sie sich einfach nur in eine unauffällige Position zurück, so gut das irgend ging.

Dabei geriet sie eher in die Nähe von Basil und beobachtete, wie seine wachsame Anspannung beruhigter etwas nachließ. Sie waren bei gedämpften Stimmen vermutlich außerhalb der Hörweite von Delilah und Leon, als Darna plötzlich auf einen völlig anderen Gedanken kam:
"Basilius?", fragte sie leise nach seiner Aufmerksamkeit und fragte ihn dann zögernd, weil sie behutsam mit dem Thema sein wollte: "Wenn ich fragen darf... Was war denn eigentlich mit deiner Fräulein Schwester, dass du so erleichtert wirkstest, als es hieß, es gehe ihr gut?"
Ihre Haltung wirkte defensiv, dass Basil allen Raum hatte, sich dieses Eindringen in seine Privatsphäre zu verbitten. Darna hatte den Worten der Diplomatin entnommen, dass Basils Schwester irgendwie in der 'Gesellschaft' von Gernots Vater zu sein schien, was das Thema auch ohne jede weitere Information empfindlich genug machte. Aber so langsam wollte sie doch mehr über den Menschen Basilius von Gudenberg wissen, den sie unter normalen Umständen eigentlich längst besser hätte kennen müssen.
(Und ein schonungsloser Analytiker hätte ihr vorhalten können, dass es natürlich eine vielversprechende Taktik war, andere in den Fokus zu schieben, wenn man von seinen eigenen Problemen ablenken wollte...)

Doch in den Pausen, die sich während des Wartens ergaben, summten ihre Gedanken trotzdem wie eine in einem Glas gefangene Fliege umher:
Wie war die Diplomatin auf diese Sache gekommen, dass es 'eine Art Portaldämon' sein sollte? Wie konnte man so etwas an einen Menschen binden und was hätte Ravinger damit bezwecken wollen? Was bedeutete das? Sie hatte in der letzten Vision erst geglaubt, ihn selber endlich genauer einmal zu sehen, aber das hinter dem blauen Feuer-Vorhang war er also gar nicht gewesen, ja? Hatte sie auf die falschen Dinge geachtet? Das Objekt vor ihr hatte wie eine Art dunkler Spiegel gewirkt - aber war es ein Spiegel gewesen?
In der Realität, die Darna kannte, bewegten sich Spiegelbilder aber nicht unabhängig von dem, was sie reflektierten! Ihr Verstand drängte damit energisch den Verdacht zurück, dass sie eine Art Abbild von sich selbst gesehen haben könnte, auch wenn es durch einige Worte der Tha'roon in den Bereich des Möglichen gerückt zu sein schien:
'...Quasi von blau zu rot. Von links nach rechts, von hell nach dunkel, von kalt zu heiß. Somit sollte die Frage nach eurem oder seinem Feuer geklärt sein, denn beides ist das selbe eben nur ein verkehrtes Bild von einander.'
Ein verkehrtes - ein pervertiertes - Bild von ihr selbst? Die Intensität, mit der sie sich von der Gestalt angezogen gefühlt hatte, wurde so ja schon bereits von ihrem Verstand und ihrer Wohlerzogenheit zutiefst verurteilt, aber wenn sie quasi sich selbst gesehen hatte, gewänne der Begriff 'selbstverliebt' wohl eine völlig neue Tragweite! Eine, die sie entsetzlich beschämte. Sie fühlte sich elend, sobald sie auch nur anfing, darüber nachzudenken und schob es immer wieder beiseite. Aber was hätte sie stattdessen gesehen gehabt? Irgend einen Dämon? Eine Zufallsbegegnung? Wohl kaum. Das führte auch nicht weiter. Nichts schien weiter zu führen. Warum war der Hund auf ihrer Seite des Spiegels - Portals - was auch immer gewesen? War das wichtig? Ja! Nein! Nein, nicht dran denken! Wenn alles 'nur in ihrem Kopf' war... nicht denken.
Sie lehnte für den Moment an einer der Kaminwände und sah wieder rüber zu Leon und Delilah, als diese fragte: „Wie muss man sich eigentlich nachher verhalten?“

Leon und Basil konnten ihr genauso gut antworten, aber Darna fühlte sich verpflichtet, die für Frauen zu berücksichtigenden Details einzustreuen, also zeigte sie Deli unter anderem, wie ein anständiger Knicks auszusehen hatte. "Ihr seid sogar ein wenig im Vorteil, dass Ihr wenigstens eine Robe anhabt", kommentierte sie dabei, "In Hosen sieht das wirklich seltsam aus." Darna trug ja gerade selber welche. Nur wirkte es bei ihr so derart förmlich und dabei wie aus dem Schullehrbuch perfekt, dass es egal zu sein schien, ob sie dabei Hosen, ein Ballkleid, eine Plattenrüstung oder gar nichts getragen hätte, es wäre jedes Mal lediglich eine formelle Geste gewesen. Darna vermied es, die Verbeugung der Herren zu übernehmen, wenn sie nicht sicher sein konnte, dass man sie dadurch nicht mit einem Jungen verwechselte. Und jetzt, wo ihre Haare noch kürzer waren als sowieso schon...
"Ich weiß nicht, ob Dame de Mondragil tatsächlich in so kurzer Zeit eine Audienz direkt bei seiner Majestät arangieren kann. Wenn ja, verharrt Ihr mindestens so lange im Knicks, bis man uns anweist, uns zu erheben oder er deutlich an Euch vorbei gegangen ist. Das einfachste ist, Ihr orientiert Euch an unseren Handlungen", führte sie sachlich in einem recht ruhigen Ton weiter aus.
"Wir sprechen nur, wenn wir direkt dazu aufgefordert werden oder man uns nach der Bitte ausdrücklich die Erlaubnis dazu erteilt hat", erklärte die Knappin leidenschaftslos, die Hände mal wieder auf dem Rücken. "Die Anrede lautet 'Eu-er Majestät'. Sagt bitte nicht 'Eu-re Majestät', das wäre die weibliche Form, also für eine Königin!" Die Knappin blinzelte ein mal irritiert bei der Erinnerung daran, wie vielen Leuten dieses Detail nicht bekannt war.
"Sollte es doch nicht zu einer Anhörung vor seiner Majestät kommen, macht Ihr vorerst keinen Fehler, wenn Ihr 'hoher Herr' oder 'hohe Dame' sagt, aber auch hier solltet Ihr am besten vorher aufschnappen, welche Anrede wir gebrauchen."
Je nachdem, wie wissbegierig Delilah wirkte, konnte Darna ihr nahezu alles mühelos vorbeten, was zur Etikette Jorsans gehörte - und schien sich dabei auch noch wohl zu fühlen! Je länger die Knappin sich in dieser Thematik ergehen konnte, desto in sich selbst ruhender wirkte sie.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Montag 2. Oktober 2017, 20:21

(im roten Salon)

"Basilius?"
, verlangte Darna leise nach seiner Aufmerksamkeit und fragte ihn dann zögernd, weil sie behutsam mit dem Thema sein wollte:
"Wenn ich fragen darf... Was war denn eigentlich mit deiner Fräulein Schwester, dass du so erleichtert wirktest, als es hieß, es gehe ihr gut?"
Basilius ernster Blick, mit dem er sich noch immer umschaute geriet etwas schief, als sie ihn ansprach und sein linker Mundwinkel hob sich wie von selbst.
„Darfst du.“
Trotz des Lächelns zögerte er und ein Schatten aus Zorn legte sich leider wieder schnell über seine Augen.
„Ich … es würde etwas länger dauern die Einzelheiten der Täuschung zu erklären, der ich aufgesessen bin, und wenn ich damit beginne, möchte ich nicht unterbrochen werden. Ich werde dir gern alles detailliert berichten, nur jetzt nicht, da meine Sorgen anderen gelten.“
Damit sah er ihr kurz tief in die Augen und nickte leicht. Sie war diejenige um die er sich sorgte. Es war ein kleines Zeichen seiner Treue zu ihr, ein Bündnis, dass er ihr beistehen würde, egal was kam und dafür auch gern sein eigenes Glück in den Hintergrund rückte. Er war etwas aufgeregt, denn sooo häufig waren sie auch noch nicht in diesen Mauern gewesen! Vor allem nicht in diesem Flügel des Palastes und er konnte sich in dieser Umgebung nicht wirklich entspannen, zumal sie bei Zeiten, sprich jeden Moment oder auch erst in Stunden, die Diplomatin und seine Majestät zurück erwarteten.
„Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben! Erinnere mich daran, wenn wir mehr Zeit haben, ja?!“
Aber nicht nur er schien aufgeregt.

„Wie muss man sich eigentlich nachher verhalten?“
, fragte Delilah und Darna fühlte sich prompt ganz in ihrer Rolle, als sie ihrer Gefährtin einen Schnellkurs in höfischer Etikette herunter ratterte, vom Knicks bis zur korrekten Anrede:
"Ihr seid sogar ein wenig im Vorteil, dass Ihr wenigstens eine Robe anhabt. In Hosen sieht das wirklich seltsam aus. Ich weiß nicht, ob Dame de Mondragil tatsächlich in so kurzer Zeit eine Audienz direkt bei seiner Majestät arrangieren kann. Wenn ja, verharrt Ihr mindestens so lange im Knicks, bis man uns anweist, uns zu erheben oder er deutlich an Euch vorbei gegangen ist. Das einfachste ist, Ihr orientiert Euch an unseren Handlungen. Wir sprechen nur, wenn wir direkt dazu aufgefordert werden oder man uns nach der Bitte ausdrücklich die Erlaubnis dazu erteilt hat"
, erklärte die Knappin leidenschaftslos, die Hände mal wieder auf dem Rücken.
"Die Anrede lautet 'Eu-er Majestät'. Sagt bitte nicht 'Eu-re Majestät', das wäre die weibliche Form, also für eine Königin!"
Die Knappin blinzelte ein mal irritiert bei der Erinnerung daran, wie vielen Leuten dieses Detail nicht bekannt war.
"Sollte es doch nicht zu einer Anhörung vor seiner Majestät kommen, macht Ihr vorerst keinen Fehler, wenn Ihr 'hoher Herr' oder 'hohe Dame' sagt, aber auch hier solltet Ihr am besten vorher aufschnappen, welche Anrede wir gebrauchen."
Darna fühlte sich jede Minute wohler. Je länger sie sich in dieser Thematik ergehen konnte, desto in sich selbst ruhender wirkte sie. Für Delilah war das alles vielleicht ein bisschen viel, aber sie vertraute auf ihre Freunde, dass sie sie vor den schlimmsten Fettnäpfchen bewahren würden. Auch Leon nickte den beiden Damen aufmunternd zu und nickte an manchen Stellen zustimmend oder bestätigend. Sonst hielt er sich eher im Hintergrund, oder starrte aus dem Fenster in eine unbestimmte Ferne, die sicher nichts mit dem tatsächlichen Bild zu tun hatte.
Unterhalb der Palastmauern, über die man hier eine hervorragende Aussicht hatte, ergoss sich Jorsa mit seinen Straßen, Wegen und Gassen. Die vielen großen und kleinen Dächer schmiegten sich aneinander und bildeten von hier oben ein harmonisches und friedliches Bild. Nur wie lange würde dieser Frieden noch währen, wenn die dunklen Mächte von allen Seiten auf das friedliebende Volk eindrangen? Die Grenze zu ihren streitsüchtigen Nachbarn verschob sich jeden Tag um einige Meter, mal zur einen, mal zur anderen Seite. Und nun kamen auch noch die fiesen Tricks der Dunkelelfen hinzu und der Feind im Westen, der noch verborgen im Nebel lauerte. So viel gab es zu beachten, so viel zu bedenken, aber eines war vor allen den Knappen klar. Es lag nicht in ihrer Macht politische Entscheidungen zu treffen. Dafür gab es Könige und Heerführer, Generäle und Ratgeber die sich ihre Köpfe zerbrechen würden, sobald sie die nötigen Informationen erhalten hatten. Jetzt …

...jetzt da sie schwere Schritte näher kommen hörten, galt es einen kühlen Kopf zu bewahren und Haltung anzunehmen. Leon, Basilius, Darna und Delilah starrten die hohe doppelflüglige Tür an, hinter der sie das Geräusch ausgemacht hatten. Schwungvoll wurde diese von außen, von zwei Dienern geöffnet und eine kleine Gruppe Personen betrat zügig den Raum. Voran betraten zwei Ritter in voller Pracht den Raum sicherten, was vor allem Darna leise schlucken ließ. Sie Trugen die Wappenröcke in Rot und Gold. Die Farben vereint unter der Krone Jorsans und als Wappentier der stolze Adler mittig auf ihren glänzenden Harnischen. So präsentierten sich das aufstrebende Königreich. Die Krone auf jedem gehörnten Helmen eines jeden Gardisten, aber auch die Rüstungen der stolzen Ritter zollten der Ehre, Stolz und Ritterlichkeit Respekt. Darna wusste, ein klassischer Ritter Jorsans kämpfte stehts mit dem Rapier, um schnell und tödlich zustechen zu könne. Doch diese, besser ausgebildete Einheiten, waren mit dem Paladinschwert zu ausgerüstet. Sie gehörten zur direkten Königsgarde und waren die höchsten ihres Ranges. Unbestechlich, treu bis in den Tod und ehrenhaft wurden sie allseits beschrieben und auch wenn von ihren Gesichtern so viel wie bei Zanfar zu sehen war, nählich einzig die Schatten ihrer Augen, so wirkte ihre Presenz doch einschüchternd bis ins Mark. Dies waren zwei Elitekämpfer, jene die das Leben von Richard dem III., König von Jorsan, schützten. Kaum hatten die beiden Ritter den Raum betreten und einen Raum zwischen sich geschaffen, da folgte auch gleich jene königliche Gestalt und ließ so manch Herz (aus unterschiedlichen Gründen) scheller schlagen.

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Richard war ein gut aussehender Mann. Das Schulterlange leicht gewellte Haar war golden und seine Augen strahlten Blau wie der Himmel im Frühling. Seine aristokratischen Züge verliehen ihm eine durchaus anziehende männliche Eleganz. Mit seinen 28 Jahren war er erstaunlich jung und so weit man den kursierenden Gerüchten glauben schenken durfte, so war er auch noch immer ledig und vor allem ungebunden, ohne irgendwelche Präferenzen. Sein Kinn zierte ein neckisches Grübchen und sein Blick glitt mehr über die einzelnen Personen im Raum, die da warteten und sich nun rasch verbeugten. Halb hinter ihm lief ein älterer Mann in Vollrüstung, den manche gewiss als seinen General erkannten und dann folgte Chasin mit Zanfar.

Wie die Tha'Roon es bewerkstelligt hatte, den König von seinen Aufgaben los zu eisen und von der Dringlichkeit einer Audienz zu überzeugen, sollte in den Schatten der Geschichte verweilen, aber dass er nicht ganz so begeistert war, lag deutlich sichtbar auf seinen königlichen Zügen, wenngleich auch eine gewisse Neugierde ihr inne wohnte. Seine durchaus angenehme Stimme erklang schon beim Eintreten:
„...kurzfristig und unkonventionell, in der Tat. Ich bin gespannt.“
Damit schritt er an den meisten gesenkten Gesichtern vorbei und sein General rückte ihm und kurzerhand sich selbst einen Stuhl an der Tafel zurecht so dass sie in den Raum zeigten. Die Ritter positionierten sich neu und die Diener schlossen auf einen Fingerzeig die Türen. Dann wedelte er mit der Hand und sprach:
„Erhebt euch.“
Damit sah er dann in die Gesichter jedes einzelnen und lächelte sogar ihnen aufmunternd zu. Das er ins Celcianisch gewechselt war, schien anscheinend den Anwesenden geschuldet, damit auch alle dem Gesprochenem flüssig folgen konnten.
„Die hohe Dame de Mondragil, Gesandte des Friedens und der Weisheit, Diplomatin der Tha'Roon hat mich gebeten, euch anzuhören. Sie sagte, die Wahrheiten, die ihr zu berichten habt, wären wichtig genug um mich aus meinen Abläufen zu reißen. Also bitte... berichtet und ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht.“
Sein Blick wanderte über die Gesichter und blieb ausgerechnet an Delilahs Gesicht hängen. Für einen Herzschlag lang, sah es so aus, als würde er sie bestimmen, als erste zu berichten, doch da räusperte sich der General an seiner Seite und beugte sich zu dem Ohr seiner Majestät. Sein nur für Elfenohren hörbarer Einwurf, dass die junge Dame auf der linken Seite, zu Ahrenhorst gehören würde und sich bereits vorteilhaft heraus getan hätte, bekräftigte wohl den König doch eher der Knappin den Vortritt zu lassen. Seine Handfläche wies geöffnet auf Darna und er eröffnete das Gespräch mit den Worten:
„Aufgrund der Dringlichkeit und der kurzen Zeit, die ich euch nur gewähren kann, bitte ich euch kurz zu fassen. Ein weiterer Termin wartet auf mich. Sprecht frei und zügig. Entscheidet selbst wer beginnen soll.“
Auch wenn er die Entscheidung frei gestellt hatte, so sah er doch abwartend Darna von Eibenau an, als weilte sie im Prüfstand. Ein Blick zu der Tha'Roon verriet, dass sie ihren möglichen Teil wohl erledigt hatte. Zanfar stand unweit von ihr und hatte wieder die Postion ihres Begleiters eingenommen, doch von beiden ging sicher eine aufmunternde kleine Geste aus.

Wieder einmal lag es als erstes an Darna ihre Fähigkeiten nun vor dem König zu beweisen und glücklicher Weise, fand dies nicht im Thronsaal vor Publikum statt, sondern in einer unkonventionellen und kurzfristig einberufenen kleinen Zusammenführung, die deutlich mehr Spielraum für Freiheiten in den Grenzen der Etikette versprach.
Danach könnten Delilah, Zanfar, vielleicht Chasin selbst, oder Leon und Basilius noch ihre Kommentare abgeben. Das eigentliche Kunststück war es jetzt wohl, zu entscheiden, welche Informationen für seine Majestät wichtig waren und welche nicht berichtet werden mussten.

(ooc: Bitte neue Reihenfolge beachten, wie unterstrichen angezeigt.)
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 4. Oktober 2017, 14:46

"...Ich werde dir gern alles detailliert berichten, nur jetzt nicht, da meine Sorgen anderen gelten.“ Sie nickte ernst, signalisierte ihr Verstehen. Doch so sehr das erneute Signal seiner Treue zu ihr sie warm im Innern rührte, es bekümmerte sie auch - denn sie wollte kein Grund für Sorge sein und wollte noch weniger das Glück anderer in den Hintergrund rücken oder mindern. Es war Leon bereits passiert, was ihr im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich leid tat.
Aber wie er wollte: sie würde auf das Thema zurück kommen.

Schwere Schritte näherten sich der Tür. Darna nahm Haltung an und half Deli, sich so zu positionieren, dass sie gleich niemandem im Weg stehen würden, aber sie rechnete mit irgend einem Militär, irgend einem seiner Berater und Vertreter. Wie viele Menschen warteten schließlich manchmal wochenlang auf eine Audienz...
Nur, bei den Göttern, er war es wirklich!
Schon, als die beiden Ritter der Königsgarde den Raum betraten, fiel ihr das Herz erst tief in die Eingeweide und hämmerte dann machtvoll bis zum Hals. Es war seine Majestät! Beim Lichtherrn! Die Personifizierung Jorsans, dem ihre patriotische Hingabe galt und die Bündelung aller hohen Werte und Tugenden, die sie so verherrlichte! Hätte Lysanthors heiliges Licht ihn in Glanz und Glorie umhüllt, er hätte kaum mehr Eindruck auf sie gemacht als jetzt schon. Er war es in Persona!
Sie hatte gar nicht gemerkt, wie sie in den tiefen Knicks gegangen war, sie registrierte nach zwei Atemzügen nur, dass sie auf den Teppich starrte, als es "Erhebt euch" hieß.
Für einen winzigen Moment wurde ihr etwas schwindelig, als sie hoch kam, aber sie ignorierte es und nahm Haltung an.
„Die hohe Dame de Mondragil, Gesandte des Friedens und der Weisheit, Diplomatin der Tha'Roon hat mich gebeten, euch anzuhören."
Sie musste Wunder wirken können. "Also bitte... berichtet und ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht.“ Prompt lag in ihrer Magengrube ein Klumpen Eis. Mit bangem Abwarten schwante ihr, dass ausgerechnet Deli als unerfahrenste scheinbar angewiesen würde, zu sprechen, als der General Einfluss auf seine Majestät zu nehmen schien - und danach sie selber das zweifelhafte Vergnügen hatte.
Seine Handfläche wies geöffnet auf Darna und er eröffnete das Gespräch mit den Worten:
„Aufgrund der Dringlichkeit und der kurzen Zeit, die ich euch nur gewähren kann, bitte ich euch kurz zu fassen. Ein weiterer Termin wartet auf mich. Sprecht frei und zügig. Entscheidet selbst wer beginnen soll.“ Auch wenn er die Entscheidung frei gestellt hatte, so sah er doch abwartend Darna von Eibenau an, als weilte sie im Prüfstand.


Die Knappin verneigte sich zum Zeichen, dass sie seiner Anweisung nachkommen würde - und um sich eine Sekunde mehr zu erschleichen, ihre Aufregung in den Griff zu kriegen.
Es war seine Majestät! Sie hatte Jahre darin investiert, einen Moment wie diesen zu erleben, sich darauf vorbereitet, wieso war sie jetzt so aufgeregt?!
"Ein weiterer Termin wartet auf mich", hatte er gesagt. Los jetzt!!
Sie trat einen halben Schritt vor zum Zeichen, dass sie sprechen würde und ihr Gesicht glühte vor Aufregung bis über beide Ohren.
"Wie Ihr wünscht, Euer Majestät. Danke, dass Ihr uns.." - sie brach ihre auch zu schnell gesprochenen Worte ab, weil sie merkte, dass sie nur unverstehbar krächzte! Ihre Ohren wurden noch roter, sie wünschte sich gerade in ein Loch im Boden und räusperte sich. "Verzeihung" Oh Götter! Reiß dich zusammen! Sie mied es, in die Gesichter umstehender Personen zu blicken und versuchte es neu, wobei sie auch schnell korrigierte, dass sie zuvor Garmisch gesprochen hatte:
"Danke, dass Ihr uns Eure Zeit schenkt, Euer Majestät", begann sie neu, vorsichtiger und sprach noch nicht gleich mit klarer Stimme, aber wenigstens verstehbar.
"Wir können Euch vermelden, dass Morgerias Hauch besiegt und vernichtet ist, haben aber auch schlimme Kunde aus Rugta", leitete sie ein und traute sich vorsichtig, nun die Reaktionen auszuloten.

"Fräulein Delilah Tesséras, Schülerin der Lichtakademie", wies sie kurz vorstellend auf Deli, "wurde wegen eines Falls von Morgerias Hauch zu einer Familie nahe der Dunsthügel geschickt. Dort heilte sie aus eigener Kraft ein Mädchen von dem Hauch und gelangte über Umwege tiefer in die Dunsthügel."
Darna hatte sich entschlossen, zuerst auf Rugta aufmerksam zu machen - das andere Problem war schließlich gelöst, aber auf Rugta musste und wollte man womöglich so schnell reagieren, wie es ging. "Sie traf dort auf einen Inquisitor aus Pelgar namens Gunther Brockhardt und weitere Personen, die ihr aus erster Hand mitteilten konnten, dass Rugta bereits seit längerer Zeit an Dunkelelfen und Orks gefallen ist!"
Die Knappin hatte nun beim Ernst der Lage ihre Stimme im Griff und konnte konzentrierter berichten. "Man vernahm von dort wohl noch nicht viel, weil sie die Stadt bislang nur als Stützpunkt benutzen. Viele Zwerge sollen verschleppt worden sein, um bei der Eroberung weiterer Orte zu helfen. Leider wissen wir nichts Genaueres über diese Pläne."

Sie ließ diese Information zunächst sacken und wartete Reaktionen ab. Vielleicht sollte Delilah weiteres berichten, vielleicht kamen Gegenfragen. Sie hatte Morgerias Hauch zumindest erwähnt, falls man darüber mehr wissen wollte. Jedenfalls überließ sie es dem König und seinen Beratern, nun näher zu entscheiden, in welche Richtung die Berichte gehen sollten.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Donnerstag 5. Oktober 2017, 15:55

Delilah war sehr dankbar für Darnas Hilfestellungen und auch für die helfende Hand, die sie an die rechte Stelle rückte, als die schweren Schritte erklangen. Sie hoffte, dass ihre Freunde ihr auch bei den anderen Hürden der Etikette würden helfen können, die sie alleine sonst sicher… einfach umrennen würde, weil sie nicht wusste, dass es sie gab. Die Augen der jungen Jorsanerin hefteten sich nun auf die Tür hinter der man die sich nähernden Schritte hören konnte. Wer sie jetzt wohl empfangen würde? Vielleicht zuerst irgendein Berater oder…

Da schwangen die Türen auf und zwei Ritter in ihrer ganzen Pracht betraten den Raum. Sie trugen Wappenröcke in Rot und Gold und für einen verrückten Moment schoss ihr durch den Kopf, dass dies mal ihre Lieblingsfarben gewesen waren… Die beiden hatten eine beeindruckende Ausstrahlung und hinter ihnen kam…der König.

Ihre Augen glitten über seine hohe Gestalt, die aristokratischen Züge, die blonden Haare und blauen Augen und für einen Moment war ihr, als wenn ihr das Herz stehen blieb. Das war er ... höchstpersönlich. Der Kopf und das Herz ihres Landes. Das passierte gerade nicht wirklich, oder? Delilah musste sich erst wieder mit Gewalt aus ihrer Überraschung reißen und sank so einen Hauch später als die anderen in einen (hoffentlich angemessenen) Knicks. Ihr Herz schlug ihr nun bis zum Hals, als wolle es den Aussetzer von eben wieder gut machen. Sie stand im Palast, in einem alten hellblauen Kleid ihrer Mutter, und knickste vor dem König Jorsans. Fast wäre ihr zum Lachen zumute gewesen, ob der Absurdität dieser Situation.

Der König selbst hatte nicht ganz so begeistert über die Störung ausgesehen, auch wenn Delilah sich sicher war, einen Hauch von Neugier in seinen Augen gesehen zu haben. Chasin musste einen großen Einfluss auf ihn haben, wenn sie ihn so schnell von der Dringlichkeit eines direkten Gesprächs hatte überzeugen können. Delilahs Respekt vor der roten Dame wuchs noch mehr.

„...kurzfristig und unkonventionell, in der Tat. Ich bin gespannt.“ Seine Stimme klang angenehm, stellte sie fest, während ihr Blick weiter zu Boden gerichtet war. Schritte liefen an ihnen vorbei, ein paar davon waren unverkennbar dem Vollgerüsteten zuzuordnen, der dem König gefolgt war. Ein General vielleicht? Auf jeden Fall Militär.
„Erhebt euch.“
Er hatte ins Celcianische gewechselt, wohl damit ihn auch wirklich alle verstanden. Delilah löste sich aus ihrer ungewohnten Haltung, die langsam unangenehm geworden war. Sie hatte äußert selten in ihrem Leben vor jemandem knicksen müssen. Sie konnte sich nicht erinnern, wann das letzte Mal war. Sie war immer unter Gleichgestellten gewesen… oder war zumindest immer so behandelt worden, wenn man an ihre jetzige Begleitung dachte.

Richard III. sah jedem einzelnen von ihnen ins Gesicht und schenkte ihnen sogar so etwas wie ein aufmunterndes Lächeln. Delilah konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern, als der Blick ihrer rehbraunen und seiner himmelblauen Augen sich kreuzten. Das sind wirklich schöne Augen!, huschte es ihr durch den Kopf. Das typische jorsanische Blau, das sie sich so oft für sich selbst gewünscht hatte. Einen Wimpernschlag lang fragte sich Delilah, ob sie ihn vielleicht etwas zu offen anblickte und ob sie besser den Blick senken sollte oder dergleichen, da erhob er erneut die Stimme.
„Die hohe Dame de Mondragil, Gesandte des Friedens und der Weisheit, Diplomatin der Tha'Roon hat mich gebeten, euch anzuhören. Sie sagte, die Wahrheiten, die ihr zu berichten habt, wären wichtig genug um mich aus meinen Abläufen zu reißen. Also bitte... berichtet und ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht.“ Delilahs Herz sank ein wenig. Das hoffte sie auch.

Sein Blick wanderte wieder über die Gesichter, auf der Suche nach demjenigen, den er als erstes sprechen lassen wollte und einen Herzschlag lang sah es so aus, als wolle er sie bestimmen. Sie schluckte und wappnete sich innerlich dafür, zu sprechen, als sich der Mann an der Seite des Königs räusperte und ihm etwas zuflüsterte. Sehr erleichtert stellte Delilah fest, dass ihr König daraufhin wohl doch anders entschied und nun mit der offenen Hand auf Darna deutete.
„Aufgrund der Dringlichkeit und der kurzen Zeit, die ich euch nur gewähren kann, bitte ich euch kurz zu fassen. Ein weiterer Termin wartet auf mich. Sprecht frei und zügig. Entscheidet selbst wer beginnen soll.“ Auch wenn er die Entscheidung frei gestellt hatte, so sah er doch abwartend Darna von Eibenau an, als weilte sie im Prüfstand. Delilah fragte sich, was der General wohl geflüstert hatte. Etwas Positives über Darna? … oder etwas Negatives über sie? Letzteres kam ihr eher unwahrscheinlich vor, niemand hier kannte sie.

Darna setzte an zu sprechen … auf Garmisch. Und dann versagten ihr auch noch die Worte. Delilahs Herz verzog sich mitfühlend, sie verstand die Aufregung der Knappin. Doch dann riss sie die junge Adelige doch noch zusammen und fasste kurz und knapp die Geschehnisse zusammen.
"Wir können Euch vermelden, dass Morgerias Hauch besiegt und vernichtet ist, haben aber auch schlimme Kunde aus Rugta", leitete sie vorsichtig ein. Delilah entglitten die feinen Gesichtszüge. So konnte man das aber nicht sagen!! Die drei hatten die Quelle des Hauchs besiegt, das hatten sie gesagt und das war auch sicher richtig. Aber wussten sie sicher, dass damit die Krankheit auch ausgemerzt war? Was war mit jenen, die sich bereits angesteckt hatten?! Jetzt so etwas zu sagen, war nicht klug! Wenn man jetzt die Vorsichtsmaßnahmen abbaute, konnte das verheerende Folgen haben und die Krankheit sich dennoch weiter ausbreiten!

"Fräulein Delilah Tesséras, Schülerin der Lichtakademie", wies sie kurz vorstellend auf Deli, die gerade noch dabei war ihre Mimik wieder in den Griff zu bekommen, "wurde wegen eines Falls von Morgerias Hauch zu einer Familie nahe der Dunsthügel geschickt. Dort heilte sie aus eigener Kraft ein Mädchen von dem Hauch und gelangte über Umwege tiefer in die Dunsthügel." Gut formuliert. Das musste sie sich merken. "Sie traf dort auf einen Inquisitor aus Pelgar namens Gunther Brockhardt und weitere Personen, die ihr aus erster Hand mitteilten konnten, dass Rugta bereits seit längerer Zeit an Dunkelelfen und Orks gefallen ist! Man vernahm von dort wohl noch nicht viel, weil sie die Stadt bislang nur als Stützpunkt benutzen. Viele Zwerge sollen verschleppt worden sein, um bei der Eroberung weiterer Orte zu helfen. Leider wissen wir nichts Genaueres über diese Pläne."

Darna schien nun abzuwarten, was die anderen taten, also machte Delilah es der Knappin von vorhin nach und trat einen halben Schritt vor. Sie blickte kurz Darna an und wandte dann den Blick wieder Richard III zu. Als sie sprach konnte sie eine gewisse Dringlichkeit in ihrer Stimme nicht verbergen. „Ich kann soweit alles bestätigen, was Fräulein von Eibenau gesagt hat, Euer Majestät. Die zwei Zwerge berichteten davon, dass Rugta besetzt wurde und dort schreckliche Dinge mit den Einwohnern geschehen und viele als Sklaven weggeschafft wurden.“ Sie holte kurz Luft. „Ich halte es aber noch wichtig zwei Dinge bezüglich Morgerias Hauch zu sagen. Die Quelle der Krankheit wurde ausgelöscht, trotz allem sollten die Sicherheitsmaßnahmen bestehen bleiben, da ungewiss ist, wie weit sich der Hauch bereits dadurch ausgebreitet hat. Jetzt die Vorsicht sinken zu lassen, könnte verheerende Folgen haben.“ Sie blickte erneut zu Darna. „Des Weiteren sei gesagt … Euer Majestät, dass sich der Ursprung des Hauchs bei der Leiche eines Dunkelelfen an der grandessanischen Grenze fand.“ Sie ließ die Information sinken und konnte sich einen kurzen Seitenblick zu Chasin und vor allem Zanfar nicht verkneifen. „Und der Quell wohl dämonischen Ursprungs war.“

Das war reichlich viel Information auf einmal und Delilah hoffte, ihre Kompetenzen nicht überschritten zu haben oder irgendwie unschicklich gehandelt zu haben mit ihrem Wortfluss. Aber es war wichtig zu wissen, dass der Hauch als Krankheit noch immer eine Gefahr darstellte, dass man einen toten Dunkelelfen an der grandessanischen Grenze gefunden hatte (wo einer war, mochten noch mehr sein und was hatten diese Dunkelelfen mit den Grandessanern zu schaffen?) und dass der Ursprung des Hauchs dem Harax entsprungen war, war auch wichtig zu wissen. Wenn Delilahs Vermutung richtig war und sich die dämonischen Aktivitäten aus der Richtung Grandessas häuften, dann sollte das bekannt werden. Die Inquisition wusste von Omniels Fall, nun war der Zusammenhang zwischen Dämonen und dem Hauch auch bekannt… dass Darna auch eine Verbindung hatte… das verschwieg man jedoch momentan besser.

Nun da sie sich vom Herzen geredet hatte, was sie für wichtig fand, trat sie etwas eingeschüchtert den halben Schritt zurück und strich sich etwas fahrig eine blonde Strähne aus der Stirn, die sich während ihrer Worte aus ihrer Frisur gelöst hatte. Sie blickte in die Runde und wartete auf die Reaktionen der anderen.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 9. Oktober 2017, 22:21

Wie immer beeindruck davon, was Chasin bewirken konnte, wenn es notwendig war, folgte er der Prozession mit zufriedenem Lächeln, das zum Glück niemand erkannte. Ob ihr Richard wohl dafür das Versprechen abverlangt hatte, nicht durch seine Gedanken zu geistern? Bei ihrem Treffen zuvor war er übervorsichtig gewesen, aber das war bis jetzt die einzige Gelegenheit, bei der er ihr mit so viel Misstrauen begegnete.

Irgendwie hatte er sich noch immer nicht ganz an Richards Anblick gewöhnt. Der Mann sah einfach zu gut für seine Position aus. Vermutlich hätte ihm da der gesamte weibliche Hofstaat lauthals widersprochen, aber er kannte die Nachteile nur zu gut.
Ein Mann mit einem so hübschen Gesicht - wenn auch weniger als eine Frau – wurde gern auf nur dieses eine Attribut reduziert. Das war ein Vorteil, wenn man gerne damit spielte unterschätzt zu werden, aber meistens bedeutete es nur, dass man ständig beweisen musste, dass hinter der schönen Fassade Kompetenz und ein helles Köpfchen steckten.
In Richards fall konnte man wohl eher von einem etwas impulsiven Idealisten sprechen, aber trotz allem war der Mann kompetent und nicht untalentiert.

Der König machte es den Jugendlichen nicht gerade einfach. Aber vermutlich hätte er es an Richards Stelle nicht anders gemacht. Die Zeit eines Monarchen war kostbar und sollte nicht verschwendet werden.
Schweigsam und zurück in seiner komfortabel passiven Rolle als Leibwächter Beobachtete er Darna und Delilah, wie sie dem Herrscher ihres Landes gegenübertraten.
Die Knappin war, wie nicht anders zu erwarten, tadellos in ihrer Etikette. Fast hätte er gewettet, dass das junge Mädchen es trotz der hohen Gesellschaft schaffte, völlig gelassen zu bleiben, aber dann verriet sie ihre Nervosität doch.
Und wie niedlich sie war, wenn sie nervös wurde und aus dem Takt kam! Fast war es schade, dass sie sich so schnell wieder fing, aber er ahnte, dass Darna niemals lange die Haltung verlor. Sie hätte sicher eine glorreiche Zukunft vor sich gehabt, wenn da nicht der Spiegeldämon gewesen wäre. Er unterdrückte ein enttäuschtes Schnalzen.
Schade schade, dabei wärst du so ein vorbildlicher Ritter geworden.

Kompetent und auf den Punkt berichtete die Knappin und leitete an Delilah weiter.
Der Sonnenschein, auf den auch Richard ein Auge geworfen zu haben schien. Zanfar konnte es durchaus nachvollziehen. Auch wenn ihr Knicks noch ungeschliffen schien, ihre vor Aufregung leicht geröteten Wangen und ihre großen leuchtenden Augen hatten etwas Fesselndes.
Und sie ist weit unter deinem Stand. Hoffentlich besitzt du genug Anstand, nicht jedes Röschen vom Straßenrand zu pflücken, dass dir gefällt, Richard.
Dachte er verstimmt und warf dem Monarchen einen unauffälligen Seitenblick zu.

Auch Delilah bestätigte Darnas Bericht und ergänzte ihn mithilfe ihres Wissens. Dabei betonte sie, was ihm auch durch den Kopf gegangen war. Auch wenn Darna großartiges mit der Heilung der Infizierten und der Zerstörung der Maske vollbracht hatte, gab es keine Möglichkeit auszuschließen, dass vielleicht doch jemand infiziert war.
Und noch etwas schwante ihm … der kleine Schnipsel Informationen, der seit geraumer Zeit in seinen Händen lag, fehlte noch, um das Bild abzurunden.
Aber war jetzt wirklich der rechte Zeitpunkt, damit heraus zu platzen? Würde er nicht eher mehr verwirren? Wenn er die Information jetzt einstreute, würde es den König womöglich zu den falschen Schlüssen verführen … vielleicht sogar dazu, den Nichtgenannten eine Teilschuld zu geben! Er grub in seinen Gedanken nach einer Möglichkeit zu helfen, ohne zu viel Aufmerksamkeit auf die Nichtgenannten oder sich zu richten. Letzteres wäre wohl unmöglich, würde er jetzt die Stimme erheben, aber zumindest ersteres vielleicht machbar…

Er trat aus dem Schatten der Roten hervor und verbeugte sich der Etikette gerade so angemessen in Richtung Richards.
„Verzeiht die Unterbrechung des Berichts, Euer Majestät. Ich denke, ich könnte noch eine nützliche Information hinzufügen, wenn Ihr erlaubt.“
Er wartete eine Bestätigung Richards ab und fuhr dann fort.
„Ich glaube, dem Dunkelelfen – oder zumindest dem ursprünglichen Träger des Gegenstandes, der als Überträger missbraucht wurde – schon einmal begegnet zu sein.“
Im Orden der Nichtgenannten … und ich befürchte es sind ein und dieselbe Person.
Er hielt einen kurzen Moment Inne und rang mit sich darum, zu verraten woher genau er ihn kannte, entschied sich aber dann dagegen.
„Das letzte, dass ich über ihn wusste, war, dass er sich in der Gesellschaft eines Mannes Namens Esrakim Tausendtod befand.“
Um seinetwillen wäre es schön, wenn er in der Hoffnung seinen Bruder zu retten dort war und nicht um die Grundsätze der Nichtgenannten zu brechen.
„Dieser ist ein Mitglied der Familie Tausendtod, der auch Raxtian angehört. Bedenkt man die Wirkung des Hauchs und seine grausame Wirkung, ist es möglich, dass der Nekromant Raxtian Tausendtod seinen Anteil an der Erschaffung dieser Maske hatte. Meinen veralteten Quellen zufolge experimentierte besagter Nekromant mit Krankheiten, Untoten und allerlei Grauen, dass der Seele die Kraft raubt. Natürlich ist die Verbindung zwischen Nekromant und Gegenstand eine Mutmaßung meinerseits und keine Tatsache, aber es scheint mir doch ein seltsamer Zufall zu sein.“
Er trat einen halben Schritt zurück um zu zeigen, dass er beigetragen hatte, was er beizutragen vorhatte. Natürlich konnte er sich – allein aus Gründen der Höflichkeit und Etikette – weitere Nachfragen nicht entziehen. Aber es wäre ihm rechter gewesen, gleich wieder im Hintergrund zu verschwinden – je weniger die Nichtgenannten involviert waren, desto besser.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. Oktober 2017, 19:14

Während der folgenden Berichte sah Chasin immer denjenigen an, der sprach. Der ältere Mann, den die drei Adeligen als „Seine Durchlaucht General von Pappelhain“ erkannten, machte sich derweil Notizen.

"Wie Ihr wünscht, Euer Majestät. Danke, dass Ihr uns.."
Darna brach ihre auch zu schnell gesprochenen Worte ab. Hatte ihre Stimme gequietscht? Nein, oder?
"Verzeihung."
Lysanthor sandte in diesem Moment seinen funkelnden Sonnenschein durch ein Fenster, der amüsiert manch einen Mundwinkel kitzelte. Darna wirkte in ihrer aufgelösten Art, aber auch zu süß.
Reiß dich zusammen!
Sie mied es, in die Gesichter umstehender Personen zu blicken und versuchte es neu, wobei sie auch schnell korrigierte, dass sie zuvor Garmisch gesprochen hatte:
"Danke, dass Ihr uns Eure Zeit schenkt, Euer Majestät"
, begann sie neu, vorsichtiger und sprach noch nicht gleich mit klarer Stimme, aber wenigstens verstehbar. Darna hatte ihre Nervosität schnell überwunden.
"Wir können Euch vermelden, dass Morgerias Hauch besiegt und vernichtet ist, haben aber auch schlimme Kunde aus Rugta. Fräulein Delilah Tesséras, Schülerin der Lichtakademie wurde wegen eines Falls von Morgerias Hauch zu einer Familie nahe der Dunsthügel geschickt. Dort heilte sie aus eigener Kraft ein Mädchen von dem Hauch und gelangte über Umwege tiefer in die Dunsthügel. Sie traf dort auf einen Inquisitor aus Pelgar namens Gunther Brockhardt und weitere Personen, die ihr aus erster Hand mitteilten konnten, dass Rugta bereits seit längerer Zeit an Dunkelelfen und Orks gefallen ist! Man vernahm von dort wohl noch nicht viel, weil sie die Stadt bislang nur als Stützpunkt benutzen. Viele Zwerge sollen verschleppt worden sein, um bei der Eroberung weiterer Orte zu helfen. Leider wissen wir nichts Genaueres über diese Pläne."

Delilah trat vor und ahmte die Bewegungen und Haltung der Knappin unterbewusst ein wenig nach.
„Ich kann soweit alles bestätigen, was Fräulein von Eibenau gesagt hat, Euer Majestät. Die zwei Zwerge berichteten davon, dass Rugta besetzt wurde und dort schreckliche Dinge mit den Einwohnern geschehen und viele als Sklaven weggeschafft wurden. Ich halte es aber noch wichtig zwei Dinge bezüglich Morgerias Hauch zu sagen. Die Quelle der Krankheit wurde ausgelöscht, trotz allem sollten die Sicherheitsmaßnahmen bestehen bleiben, da ungewiss ist, wie weit sich der Hauch bereits dadurch ausgebreitet hat. Jetzt die Vorsicht sinken zu lassen, könnte verheerende Folgen haben. Des Weiteren sei gesagt … Euer Majestät, dass sich der Ursprung des Hauchs bei der Leiche eines Dunkelelfen an der grandessanischen Grenze fand und der Quell wohl dämonischen Ursprungs war.“

Zanfar trat in diesem Moment vor.
„Verzeiht die Unterbrechung des Berichts, Euer Majestät. Ich denke, ich könnte noch eine nützliche Information hinzufügen, wenn Ihr erlaubt.“
Richard mache eine kleine Handbewegung die Zanfar aufforderte weiter zu sprechen.
„Ich glaube, dem Dunkelelfen – oder zumindest dem ursprünglichen Träger des Gegenstandes, der als Überträger missbraucht wurde – schon einmal begegnet zu sein. Das letzte, dass ich über ihn wusste, war, dass er sich in der Gesellschaft eines Mannes Namens Esrakim Tausendtod befand. Dieser ist ein Mitglied der Familie Tausendtod, der auch Raxtian angehört. Bedenkt man die Wirkung des Hauchs und seine grausame Wirkung, ist es möglich, dass der Nekromant Raxtian Tausendtod seinen Anteil an der Erschaffung dieser Maske hatte. Meinen veralteten Quellen zufolge experimentierte besagter Nekromant mit Krankheiten, Untoten und allerlei Grauen, dass der Seele die Kraft raubt. Natürlich ist die Verbindung zwischen Nekromant und Gegenstand eine Mutmaßung meinerseits und keine Tatsache, aber es scheint mir doch ein seltsamer Zufall zu sein.“
Richard sah man weiterhin keine Reaktion an, nur sein General erschien grimmiger und schrieb schneller. Just indem Moment wo der Name „Tausendtod“ fiel, brach der Stift und der General nahm sich eilig einen neuen.

Nachdem Zanfar zurück getreten war, machte nun Basilius einen Schritt nach vorne.
„Euer Majestät.“
Er verbeugte sich und fuhr leicht stockend fort:
„Mein Name ist Basilius von Gudenberg, ... Knappe im Hause Ahrenhorst...“
In diesem Moment dämmerte es vermutlich Darna, dass sie tatsächlich versäumt hatte sich zu Beginn namentlich vorzustellen...!
Sie hatte zwar Delilah in ihrer Rede vorgestellt, aber sich selbst? Sie war von Delilah als Fräulein Eibenau betitelt worden und auch der Nichtgenannte hatte es vermutlich seiner Namensgebung nach nicht für nötig befunden sich vorzustellen, zumal er sicher hier bekannt war, doch der Etikette entsprach das alles wirklich nicht! Wie hatte ihr dieser Fehler nur unterlaufen können?!?
Vielleicht weil der General dem König etwas unhörbar zugeflüstert hatte und dieser sich deswegen für sie entschieden hatte? War sie deswegen davon ausgegangen, dass Seine Majestät der König ihren Namen kannte und sie deswegen eine Vorstellung unter den Tisch fallen lassen dürfte? Plötzlich schnürte sich Darnas Kehle zu und je mehr sie über dieses Detail nachdachte um so mehr Panik breitete sich in ihr aus. Vorsichtig musterte sie die Miene ihres freundlichen Herrschers, aber fand wie zu erwarten darin keine Regung. Fast hätte sie überhört, dass Basil weiter sprach:
„... Auch ich kann bezeugen, dass der Ursprung des morgerischen Hauchs vernichtet wurde... Eine Ausbreitung über die umliegenden Dörfer konnte verhindert werden.“
Kurz stockte er und wer ihn gut kannte, wusste, dass es in seinem Kopf arbeitete. Er war manchmal nicht der Schnellste. Hatte er vor noch mehr zu sagen? Würde er dem König wahrheitsgemäß berichten was unweit von hier tatsächlich geschehen war? Dachte er gerade an die Dämonen, die in diese Welt hatten kommen wollen um sich Darnas zu bemächtigen? Hatte er das Bild, wie sie geschützt im Kreis aus blauem Feuer stand just in diesem Augenblick im Kopf? Dachte er vielleicht an den Kampf, den er siegreich gefochten hatte und sich hier nun seine Lorbeeren holen konnte? Gernot würde es tun! Gernot würde Darna verraten, nur um einen eigenen Vorteil zu erringen, selbst wenn die dafür brennen würde! Basilius schüttelte leicht den Kopf, verbeugte sich abermals kurz und trat zurück.
Eventuell war dem ein oder anderen nicht entgangen, dass Chasin ebenfalls leicht mit dem Kopf geschüttelt hatte. Vielleicht hatte sie in ihm gelesen und die Bewegung war ein „Bitte tu es nicht.“ gewesen? So oder so, Basilius hatte sie nicht angesehen, sondern den König. Er hatte für sich entschieden, dass dies nicht der Zweitpunkt war um den Lohn für sein Handeln einzufordern. Manche Heldentaten, manch ritterliches Verhalten keimte im Verborgenen besser als im Glanz der wahrheitsliebenden Sonne. Aber verzichtete er damit nicht sogar auf seinen Ritterschlag? ...für Darna?
Hier an diesem Ort, in diesem Moment, hier hatte er die Möglichkeit alles offen zu legen und er tat es nicht, denn was wäre er dann für ein Ritter?! Was wäre er für ein Freund?

Nun nutzte Leon die Gelegenheit um vorzutreten.
„Euer Majestät!“
Auch er verbeugte sich in angemessener Form und seine Bewegungen waren perfekt ausbalanciert, wie bei einem Tanz. Nichts deutete darauf hin, dass es ihm nicht all zu gut ging. Seine Haltung überspielte jede noch so kleine Schwäche. Einzig die Schatten unter seinen Augen ließen vielleicht auf einige schwere Nächte schließen.
„Mein Name ist Leon Milagros, Adept der Lichtmagie eures Reiches. Mein Vater ist...war Verano Milagros, der Erste, Graf von Weißenfels zu Rugta. Erbe des weißen Ritters.“
Bei der letzten beiden Worten schaute der General auf. Sein stechender Blick musterte Leon und seine Brauen hatten sich minimal erhoben. Erkenntnis lag in seinem Blick, aber auch Unglauben. Er tauschte mit der Diplomatin einen kurzen Blick und lauschte dann wieder aufmerksam. Wo sich Erstaunen auf seinem Gesicht ausbreitete, da war beim König nichts zu sehen. Er wirkte eher etwas irritiert über die plötzliche Wandlung seines Generals, der sich interessiert nach vorne beugte und seine Notizen liegen ließ. Leon fuhr unbeteiligt fort:
„Ich war zugegen, als Darna von Eibenau gegen den Ursprung des Übels dieser furchtbaren Krankheit kämpfte und obsiegte. Ohne ihr Zutun wäre ich gewiss und viele weiter Menschen eures Reiches in große Gefahr geraten. Sie und mein Vorredner sind euch treue Diener. Durch mein Wissen, einiges Glück und die wohlwollende Hand Florencias ist es uns gelungen eine Seelenrose hier her zu bringen und sie in die Obhut des Tempels zu übergeben. Sie stellt eine wichtige Waffe im Kampf gegen den Hauch dar.“
Der König nickte einmal langsam, als hörte er dies gerne und als wäre es eine willkommene Hilfe. Nun lag es also in seiner Entscheidung, wie er weiter mit den Folgen des Hauchs umgehen würde. Dieses Thema schien nun beendet.
„Des weiteren trete ich hier als Leumund für das Fräulein Delilah Tesséras auf, die wie ich, die Akademie besucht und stehe für ihren guten Ruf, ihr Ansehen und die Richtigkeit ihrer Worte über die politische Lage in Rugta ein.“
Das Delilah nicht die Wahrheit gesagt hatte, wurde gewiss nicht bezweifelt, aber in adeligen Kreisen hatte ihr Wort einfach nicht so viel Gewicht, wenn sie keinen Leumund vorweisen konnte. Das Leon dies übernommen hatte, wurde mit leicht gehobenen Augen zur Kenntnis genommen und vom General notiert.
„Sobald es meine Aufgaben erlauben, würde ich gerne in die Dunsthügel reisen und dort meine Pflichten übernehmen.“
Der General hob kurz die Hand und Richard nickte ihm zu, erteilte ihm somit kurz das Wort.
„Hört, hört. Das lob' ich mir. Doch eine Frage hätte ich....“
Der General rutschte noch etwas weiter nach vorne, so dass man fast fürchten könnte, er fiele gleich von seinem Stuhl.
„Euer Wappen... Es zeigt einen weißen Felsen auf weißem Grund, nicht wahr?“
„... So ist es.“
Der alte Mann nickte nachsinnend.
„Dann besteht das alte Bündnis zwischen den Häusern noch! Wisst ihr davon? Seid ihr in Kenntnis davon, dass eure Familie einst dem alten König, Richards Vater, Treue schwor, die Grenzen des Nebelreiches gegen unsere Feinde zu schützen? Ihr wisst vom „Schwur des weißen Ritters“?“
Dieses mal war es an Leon zu nickten.
„So steht es in den Büchern unserer Ahnen. Dies ist meine Pflicht. Der Nebel schützt Jorsa im Westen.“
„Gewiss.“
Der alte Mann nickte zufrieden runzelte dann aber plötzlich die Stirn. Chasin reagierte auf irgendetwas indem sie plötzlich die Hände an die Brust drückte und sehr erstaunt drein schaute.
„Eines noch... Ihr benutztet vorhin die Vergangenheitsform, bei eurer Vorstellung. Ist euer Vater verstorben?“
Zanfar bemerkte, dass Chasin zitterte.
„So ist es mir berichtet worden.“
„Das ist seltsam, denn ich erhielt vor einigen Stunden Nachricht, dass ein Verano Milagros, Graf von Weißenfels eine Audienz beim König wünscht. Meines Wissens nach wartet er im blauen Salon mit ein paar anderen Bittstellern seines Ranges. Also sagt mir, wer ist dann der Mann, der vor gibt, euer Vater zu sein?!“
Leon war tatsächlich weißer als die Wand geworden, in dessen Nähe er stand. Er griff nach der Lehne eines Stuhls und hielt sich daran fest. Sich immer noch aufrecht haltend hielt er dem Blick des Generals stand und auch dem des sichtlich verwirrten Königs.
„Nun... das wüste ich auch gerne, aber ich habe da so eine Vermutung, auch wenn es in euren Ohren sicher sehr 'mystisch' klingen mag.“
Er atmete einmal tief durch und vielleicht ahnte manch emotionale Seele im Raum, dass es für den jungen Mann sicher nicht einfach war diese Nachricht zu verdauen. Erst hieß es, sein Vater wäre tot, jetzt wieder nicht?!? Das Schicksal schien es wirklich übel mit Leon zu meinen.
„Mein Vater ist...war ein meisterlicher Geistermagier, der die Nebel seiner Grafschaft befehligt. Dies tat er auch zum Schutz eures Reiches. Er ist häufig in Kontakt mit mächtigen Geistern gewesen... Ich bin mir sicher, dass die Nachricht seines Todes der Wahrheit entspricht, doch wenn sein Leib hier aufgetaucht ist... dann wird es nicht sein Geist sein.“
Ein Moment Stille trat ein und Chasin nickte nur auf die unausgesprochene Frage des Königs, der sie ein ums andere Mal ansah. Damit erhob er auch wieder das Wort und sah dabei seinen General an.
„Ihr werdet euch dieser Sache annehmen und mit berichten. Ich möchte wissen, mit wem ich nun ein Bündnis habe, von dem ich bis eben nichts wusste. Wir werden noch darüber sprechen, von Pappelhain!“
Richard war verstimmt! Der alte General hatte ihm wohl in Sachen Heraldik doch noch einiges beizubringen. Aber mit 28 Jahren konnte gewiss auch ein König nicht alles wissen, zumal es wohl auch lang verschollenes Wissen war. Wofür hatte man schließlich Berater, die auf solche Details achteten.
„Ihr...“
Damit wies er auf Leon.
„... ihr werdet dem General Rede und Antwort stehen. Und ich möchte einen ausführlichen Bericht, was das mit diesem Schwur und dem „weißen Ritter“ auf sich hat. Es muss doch Aufzeichnungen über all das geben.... Kommen wir zu dieser schrecklichen Krankheit...“
Damit wandte er sich an Darna und seine Miene wurde wieder etwas offizieller.
„Ihr wurdet wiederholt lobend erwähnt und seid schon eine Weile Knappin im Dienste Ahrenhorsts. Ich werde euren Ritterschlag in Erwägung ziehen und euch informieren lassen. Eure Taten sollen gewürdigt werden. “
Sein Blick wanderte zu Zanfar.
„Ich möchte, dass ihr jedes noch so kleine Detail schriftlich nieder legt, was diesen „Tausendtod“ betrifft. Wir werden dieser Spur nachgehen, denn sie offenbart uns, dass Grandessa inzwischen zu mehr als fragwürdigen Mitteln greift um uns zu schaden.“
Sorge, Abneigung und auch eine Spur Hass lag in diesem Moment in seinen Augen. Die Fehde mit dem Nachbarn ging schon zu lange, als dass sie nicht auch bei dem jungen König seine Spuren hinterlassen hätte. Hass war etwas womit sich Zanfar auskannte und der selten zu etwas gutem fühlte...eigentlich nie, aber hier nachzuforschen war wichtig und notwendig, vor allem wenn der Feind zu solch schmutzigen Tricks wie dem „Hauch von Morgeria“ griff und ihn so unter den Menschen verbreitete. Die Frage, ob Grandessas König davon wusste oder die Dunkelelfen hier die Triebfeder in den Händen hielten, war sicher auch wichtig für die Zukunft des Reiches.
Richard atmete einmal schwer und strich sich durch sein blondes Haar. Wer hätte gedacht, dass ein paar „Kinder, nicht viel jünger als er, an diesem Tag ihm so viele Informationen zutragen würden. Lag hier die Zukunft seines Landes? Manch ein alter Ratgeber, nicht der General, aber manch anderer würde ihm raten nicht zu viel auf diese Quellen zu geben, aber andererseits... Er sah zu der Tha'Roon und sie wirkte erschöpft wie er selbst, von all den Informationen. Sie hatte schon oft bewiesen, dass man ihr vertrauen konnte. Nun in Sachen seiner eigenen Familie, besonders seiner Schwester, ging es ihm besonders nahe und da hatte er gewiss zu Recht Vorsicht walten lassen. Doch in diesem Fall, hier und jetzt wusste er, dass sie ihm nur die Wahrheit präsentiert hatte. Jetzt musste er nachdenken. Etwas durchatmen, einen Schluck trinken und...
Damit sah er Delilah an und augenblicklich war seine leicht gereizte Stimmung verfolgen. Diese Wirkung hatte sie nun einmal - selbst auf einen König. Er lächelte sanft und wandte sich ihr zu:
„Fräulein Delilah, wenn ihr und eure Freunde gewillt seid, den Abend hier zu verbringen und mit uns zu feiern, dann seid ihr herzlich eingeladen. Vielleicht ergibt sich noch die Möglichkeit ein Wort zu wechseln.“
Eine solche Einladung durfte man natürlich nicht ausschlagen, dass wusste selbst Delilah.
„Ich werde mich zur Beratung zurück ziehen, aber hoffe, ihr beglückt diese zu weil fahlen Mauern mit eurem Lachen. Es wäre mir eine Freude.“
Hatte da der König ein Auge auf die blutjunge Frau geworfen? Nun ja, Richard stand nicht gerade in dem Ruf als keuscher Eremit zu leben. Bisher war er der wohl beliebteste Junggeselle weit und breit. So einige der schönsten Frauen hatten schon sein Bett geteilt und keine hatte sich beschwert. Ob er Appetit auf etwas neues hatte, auf etwas frisches junges Blut? Oder genoss er einfach nur Delilahs strahlendes unschuldiges Lächeln, dem keinerlei Arglist inne wohnte und noch unschuldig in die Welt blickte. Sicher war sein Ansinnen redlich und unschuldig, wie seine Worte. Nur dunkle Neider konnten auf solch eine Idee kommen!

Chasin hatte es tunlichst vermieden Seine Majestät anzusehen, außer wenn er den Kopf direkt in ihre Richtung wandte und ihre Meinung wollte. Erst jetzt als er Anstalten machte zu gehen, erhob sie sich auch und nickte ihm noch einmal zu. Dann verließ der König mit seinen Gardisten den Raum und zurück blieb General von Pappelhain. Er rückte Papier und Stifte zurecht und gebot mit einer ausladenden Handbewegung, den Anwesenden Platz zu nehmen und ihre Berichte zu Papier zu bringen. Wenn es noch eine Möglichkeit gab, etwas hinzuzufügen, dann war es jetzt.
„Bitte. Schreibt auf, was ihr berichtet habt. Seine Majestät und meine Wenigkeit werden später noch weiter darüber beraten und gegebenen Falls auf den ein oder anderen Punkt zurück kommen. Deshalb ist seine Einladung auch unbedingt anzunehmen. Euch werden Räumlichkeiten und angemessene Garderobe gestellt, sofern ihr wünscht, aber es geht heute etwas legerer zu. Wir haben ein paar fahrende Leute im Palast die die Regeln der Etikette etwas zu lockern vermochten. Es gibt ein kleines Fest mit Verkleidungen, Masken und natürlich einer erlesenen Auswahl an Köstlichkeiten. Es wird erwartet, dass ihr erscheint.“
Damit sah er zu Leon.
„Und es ist eine gute Möglichkeit für euch, herauszufinden, wer den Körper eures Vaters 'spazieren' führt“
Der junge Lichtmagus sah nicht auf und nickte nur, während er seine Feder führte.
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 14. Oktober 2017, 01:18

Delilah hielt es für möglich, dass die Krankheit durch vorausgegangene Ansteckungen doch noch existieren könnte? Innerlich wollte sich sofort Widerspruch in der Knappin regen. Delilah hatte nicht die Hütte gesehen - wie sie anders gewirkt hatte. Nicht den Funkenflug gesehen und nicht Leons Gewissheit gehört, dass es vorbei war. Darna war ja selber anfangs mehr als skeptisch gewesen, dem Frieden zu trauen, und dann... hatte es sich einfach doch richtig angefühlt, gewirkt.
Ach. Sie, Darna von Eibenau, drohte sich schon wieder auf ihr Bauchgefühl zu verlassen, nicht wahr? Wie dumm.
Delilah tat gut daran, auf das Beibehalten der Sicherheitsmaßnahmen zu drängen. Was, wenn sie - Darna und Leon - sich doch irrten? Wozu bräuchte es sonst noch die Kerne im Tempel, zwei potentielle neue Pflanzen? Ein Gedanke irrlichterte in Richtung einer anderen Idee, aber sie verdängte diesen Gedanken sofort, noch bevor er wirklich Form annehmen konnte. Und trotzdem beruhigte sich der innere Widerspruch nicht so recht, aber sie schwieg vorerst dazu. Es wäre vollkommen unhöflich gewesen, Deli offen zu widersprechen, und es hätte den Wert ihrer aller Worte geschmälert, wenn sie sich nicht einmal untereinander einig zeigten.

Die Knappin hörte den Ergänzungen ihrer Kameraden und des Dunkelelfen aufmerksam zu und war dankbar für die fast nahtlosen Übergänge, für die sinnvollen Beiträge. Auch wenn sich bei der Erwähnung dieses Nekromanten namens Tausendtod ein kalter Schauer über ihren Rücken schlich. War der Name ein Spaß? Wohl kaum. So etwas wie eine Art Wappenname? Ein gruseliger Gedanke. Hm. Wie der Dunkelelf wohl hieß, der hier mit in diesem Raum stand? Zanfar... - und weiter? Ihre Gedanken irrlichterten ein bisschen und sie fand es für einen flüchtigen Moment kurios, dass sie scheinbar gerne Namen 'nachjagte'? Dem von Eisenfaust, jetzt dem des - ha ha - "Nicht-Genannten"... Wobei sie dem nicht wirklich nachjagen würde. Das erschien ihr so sinnlos wie unhöflich. Es ergab sich durch die Beiträge aber ein stimmiges Gesamtbild und in ihr regte sich etwas wie warmer zufriedener Stolz: sie war stolz, zu diesen Menschen zu gehören. Mit ihnen hier zu stehen und von etwas berichten zu können, was sie alle zusammen geleistet hatten, selbst unabhängig voneinander.
Umso widersprüchlicher schien es, dass sie trotzdem auch unruhiger wurde. Ihre üblichen Zweifel versuchten vehement, nicht einmal den Zustand von Zufriedenheit lange gelten zu lassen.
Hatte sie sich zu kurz gefasst?
War es doch unhöflich gewesen, sich nicht selbst vorzustellen? Ja, ihr Name schien bereits bekannt zu sein, was sie ungemein ehrte und so hatte sie zugunsten eines zügigen Berichtes auf eine also unnötige Floskel verzichtet. Warum also trotzdem diese zunehmende Unsicherheit? Ihr Kiefer verschob sich ein mal und sie schluckte trocken, während sie zuhörte, ansonsten ließ sie sich äußerlich nichts anmerken. Es galt, Ruhe zu bewahren!
"...Eine Ausbreitung über die umliegenden Dörfer konnte verhindert werden.“
Und dann hörte sie Basils Stocken förmlich, ohne dass sie sein Gesicht sehen musste. Im Unterricht folgten meist Momente, in denen er jetzt irgend einen gedanklichen Anschubser brauchte, um nicht doch den Faden zu verlieren und Dinge zu vergessen, aber dieses Mal glaubte Darna den Grund besser einschätzen zu können:
Sollte er die Hergänge in Serna weiter ausbreiten und sich damit in ein besseres Licht rücken? Sein Ritterschlag konnte davon abhängen und so überraschte es Darna fast etwas, dass den Worten gar nichts folgte.
Ihr Blick glitt während der Sprechpause durch den Raum, um die Reaktionen einzuschätzen. Hatte... die Diplomatin da gerade leicht den Kopf geschüttelt? Erst diese Sekunde später begriff Darna in größerem Ausmaß, was für sie gerade doch auf dem Spiel stehen könnte - sie hatte die Angst, dass Basil von den Dämonen erzählen könnte, für sich bereits abgehakt gehabt. Jemand, der sie eindringlich davor gewarnt hatte, sich selbst an die Inquisition zu verraten, konnte sie dann doch nicht hier vor dem König bloßstellen, ans Messer liefern!
Dass jemand von Gernots Schlag exakt so agieren könnte, um seinen eigenen Ruhm nur im richtigen Moment und vor den richtigen Leuten zu mehren, dafür war sie nicht einmal theoretisch durchtrieben genug.
Aber Basil schwieg.
Egal, was er hatte sagen wollen, er schwieg.
Und seine Kameradin fand es einfach nur ungerecht, dass sein eigener Beitrag zur Heldentat damit so blass blieb, gerade hier, gerade jetzt...

Leon begann, seinen Anteil zur Audienz beizutragen und machte dabei eine tadellose Figur, trotz seiner Erschöpfung. Ein Anblick, der Darnas Blick wieder eine gewisse Wärme, ihrer Aura zartes Weiß verlieh. Doch die Worte, die seine Lippen verließen, führten den Bericht schnell in eine unerwartete Richtung und offenbarten mal wieder Informationen, die ihr völlig neu waren. 'Erbe des weißen Ritters'? Was war das nun wieder? Etwas, was dem General mehr zu sagen schien als seiner Majestät. Seine Worte hoben ihre und Basils Verdienste derart lobend hervor, dass es ihr schmeichelte, und sie war erleichtert, dass nun doch die Seelenrose direkt zur Sprache kam. Das Interesse des Königs schien vollkommen ausreichend befriedigt, dass die Erklärungen gerechtfertigt waren und sie hatte dafür nicht wieder einen Berichtmonolog halten müssen. Perfekt.
Sie furchte nur flüchtig irritiert die Stirn, als Leon sich für Delilahs Aussage verbürgte. Hatte er wirklich so viel politisches Gewicht, dass das eine ernstzunehmende Äußerung war? Es schien irgendwie so.
Dieser Junge - Mann - faszinierte und irritierte sie immer wieder gleichermaßen. Für Momente wirkte er ihr so nah, so ähnlich, und dann... wieder irgendwie so seltsam fremd, unbekannt. Wie aus einer anderen Welt.
Nun ja, eigentlich entsprach das ja auch durchaus den Tatsachen, bemerkte ihre Stimme aus dem Hinterstübchen nüchtern.
Umso aufmerksamer hörte sie dem General zu, als er anfing, ein Bündnis zwischen Jorsa und Leons Familie zu erwähnen. Chasin reagierte... irgendwie seltsam.
„Das ist seltsam, denn ich erhielt vor einigen Stunden Nachricht, dass ein Verano Milagros, Graf von Weißenfels eine Audienz beim König wünscht. Meines Wissens nach wartet er im blauen Salon mit ein paar anderen Bittstellern seines Ranges. Also sagt mir, wer ist dann der Mann, der vor gibt, euer Vater zu sein?!“
... Was?! ...
Ihre Augen weiteten sich aufs Maximum. Sie wurde nicht weiß, aber ihr war klar, was diese Aussage an Leons Fassung hämmern musste! Leon griff nach der Lehne eines Stuhls und Darna folgte unwillkürlich seiner Bewegung, stand quasi sofort direkt daneben und hätte ihn gestützt, hätte ihn die Nachricht wortwörtliches von den Füßen gerissen. Aber er hielt sich. Bei den Göttern, er hielt sich! Aus weiterhin großen Augen beobachtete sie ihn, während er tief durchatmete und seine Vermutung äußerte:
"Er ist häufig in Kontakt mit mächtigen Geistern gewesen... Ich bin mir sicher, dass die Nachricht seines Todes der Wahrheit entspricht, doch wenn sein Leib hier aufgetaucht ist... dann wird es nicht sein Geist sein.“
Ihre Stirn furchte sich langsam. 'Nicht sein Geist'...?, betrat eine neue düstere Ahnung ihr Gedankenhaus und machte es sich bequem. Argwohn regte sich prompt: Deli hat doch erzählt, Verano sei mit irgendwelchen dieser anderen Begleiter nach Rugta aufgebrochen - und später habe er ihr - in einem Traum? - zu verstehen gegeben, dass er tot sei? Wenn er an... bei... Rugta gescheitert ist... Bei den Dunkelelfen... Konnte es sein, dass der Feind von Veranos Körper Besitz ergriffen hatte - und jetzt im Schloss war?!

„Ihr werdet euch dieser Sache annehmen und mit berichten. Ich möchte wissen, mit wem ich nun ein Bündnis habe, von dem ich bis eben nichts wusste. Wir werden noch darüber sprechen, von Pappelhain!“
Richard war verstimmt!

Und Darna irritiert! Regte sich seine Majestät gerade ernsthaft bloß über mangelhafte Kenntnis irgendwelcher Bündnisse auf? Ach nein, er wusste ja nicht... Oh! War von Pappelhain klar, was...? Oh, verdammt!
Die Gedanken der Knappin hüpften mal wieder im Dreieck und bölkten 'ALARM! ALARM! ALARM!' Das Schloss wurde von einem durch die Dunkelelfen nekromantisch beseelten Spion im Grafenrang unterwandert! Was sollte das heißen, der saß da auch noch mit weiteren 'Bittstellern seines Ranges'?!
Sie musste...
"Kommen wir zu dieser schrecklichen Krankheit...“
Damit wandte er sich Richard an Darna und seine Miene wurde wieder etwas offizieller.

...stillstehen! Augen zum König! Haltung!
„Ihr wurdet wiederholt lobend erwähnt und seid schon eine Weile Knappin im Dienste Aarenhorsts. Ich werde euren Ritterschlag in Erwägung ziehen und euch informieren lassen. Eure Taten sollen gewürdigt werden.“
Gesichtsfarbe vom Boden aufsammeln! Nicht ohnmächtig werden!
Der Blick seiner Majestät wanderte zu Zanfar. Und ihr Blick starrte noch ein zwei Momente geradeaus, während die weiteren Worte für eine Weile hinter einem Vorhang aus Rauschen verblieben. Er hatte 'Ritterschlag' gesagt? 'In Erwägung ziehen'... Ihr wurde schwindelig und einzig ihre Erziehung verhinderte, dass ihre Knie nachgaben, während das emotionale Chaos über ihr zusammenschlug. Was sie befürchtet hatte, war eingetreten - oder kurz davor. Es war gut, dass sie sich gedanklich bis zu einem gewissen Grad für diesen Moment bereits gewappnet hatte, denn es half ihr, hier jetzt nicht völlig planlos den Kopf zu verlieren, aber...
Verdammtundbeiallentiefendesharaxverflucht, da kam ihr Traum in greifbare Nähe. Ihr Traum, seit sie als kleines Mädchen vor einer ehrwürdig einstaubenden, einfachen Ritterrüstung gestanden hatte.
Und sie musste...
einen kühlen Kopf bewahren. Jetzt war sie es, die tief durchatmete und ihr Blick stumpfte ab, ihre Aufmerksamkeit gelangte wieder in Hier und Jetzt:
Einladung. Feiern? Jetzt? Ihr war überhaupt nicht nach feiern zumute.
Na gut, das war ihr eigentlich nie, aber... jetzt??
Der Krieg tritt gegen Jorsans Türen, und sie .. feiern?
Ist das sowas wie eine Henkersmahlzeit?
, ging es ihr überkritisch durch den Kopf.

Sie verneigte sich protokollgemäß, als seine Majestät den Raum verließ und war danach regelrecht dankbar, als ihnen Papier und Schreibutensilien ausgehändigt wurden. Man zog nicht sofort los, um den Körper von Leons Vater zu stellen, Pappelhain blieb noch hier und seine Majestät schien erst recht nicht jetzt direkt da hin zu wollen - gut! Das mochte theoretisch gefährlich für diejenigen sein, die sich nun in Veranos Nähe aufhielten, aber wenn er auf eine Audienz wartete, würde er kaum schon vorher irgendwelche Massaker anrichten.
Hoffentlich.
Berichte?! Wie sollte sie sich jetzt auf Berichte konzentrieren? Sie griff zur Feder. Berichte. Doch, Berichte waren gut! Schriftliches zwang sie, ihre Gedanken zu fokussieren, und nach kurzen Besinnungsmomenten flog die Feder über die weiße Seite, als gelte es, mit der Tinte als Waffe die Leere dort zu besiegen. Eine angenehm leicht lesbare, für eine Frau vielleicht etwas zu schnörkellose Schrift begann, Zeile um Zeile zu fertigen. Sie hatte das Geschehen mehrfach berichtet, sie hatte sich sogar schon erste Gedanken darum gemacht, wie sie Details weglassen konnte, ohne zu lügen... "Seine Majestät und meine Wenigkeit werden später noch weiter darüber beraten und gegebenen Falls auf den ein oder anderen Punkt zurück kommen." - ja, genau deswegen! Der Bericht durfte keine Fragen offen lassen, die dem Nachvollziehen der Hergänge dienten und durfte... auch am besten gar keine Fragen dort aufwerfen, wo es sonst zu pikanten Details gekommen wäre.
"Deshalb ist seine Einladung auch unbedingt anzunehmen.", fuhr von Pappelhain fort und sie schenkte dem General die gebotene Aufmerksamkeit, "Euch werden Räumlichkeiten und angemessene Garderobe gestellt, sofern ihr wünscht, aber es geht heute etwas legerer zu."
Darnas Stirn furchte sich leicht und sie sah skeptisch an ihrer eigenen Kleidung herunter. Egal, ob leger oder nicht, sie fühlte sich letztlich unwohl in diesen Sachen - bis auf die Stiefel.
Wir haben ein paar fahrende Leute im Palast die die Regeln der Etikette etwas zu lockern vermochten. Es gibt ein kleines Fest mit Verkleidungen, Masken und natürlich einer erlesenen Auswahl an Köstlichkeiten. Es wird erwartet, dass ihr erscheint.“
Damit sah er zu Leon. „Und es ist eine gute Möglichkeit für euch, herauszufinden, wer den Körper eures Vaters 'spazieren' führt“. Der junge Lichtmagus sah nicht auf und nickte nur, während er seine Feder führte.


Darna nutzte die Chance, um mit etwas eher Belanglosem das Wort zu ergreifen:
"Wir danken euch sehr für die Einladung, Euer Erlaucht. Wo Ihr die Garderobe erwähnt: Im Laufe der Ereignisse wurden wir fast alle genötigt, einen Gutteil unserer Ausstattung zu verbrennen und uns anderweitig zu behelfen. Herr von Gudenberg und ich hatten bisher nicht einmal Gelegenheit, am Grafenhof vorstellig zu werden und uns zurück zu melden. Wäre es vielleicht möglich, jemanden dorthin zu entsenden, um von uns Nachricht zu überbringen und einige Sachen von uns mitzunehmen oder herschicken zu lassen? Sofern es die Zeit zulässt, könnten wir natürlich auch selber gehen" - der letzte Satz war lediglich der Höflichkeit halber angefügt, um klarzustellen, dass sie und Basil natürlich nicht zu faul waren, um selber zu gehen. Aber die bisherigen Äußerungen hatten eigentlich genügend nach einem 'Ihr bleibt erstmal hier!' geklungen, und das von höchster Stelle. Was Darna betraf, wusste sie aber wenigstens, dass am Hof des Grafen der Wehr noch genügend Kleidung von ihr liegen müsste. Hosen, die ihr passten, ohne Männerschnürung am Schritt! Und unter anderem auch Blusen und eine längere livreeartige Weste in ihren Familienfarben, die weder zu protzig noch zu bieder war - und in der sie sich hier wesentlich wohler fühlen würde.

Sollte sie jetzt wegen Leons Vater...? Nein. Nachher schmiss das alles wieder um und sie hätte hierfür schon wieder keine Zeit! Sie konzentrierte sich nun verbissen auf die Berichte und sah zu, dass alles fertig wurde.
Ein
Bericht zur Nachverfolgung und Bekämpfung des "Hauch Morgerias"
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Maßgeblich Beteiligte:
Leon Milagros, Adept der Lichtakademie unter Magus Quaturus
Basilius Wolff von Gudenberg, Knappe des Grafen der Wehr Widumar von Aarenhorst
Darna von Eibenau, Knappin des Grafen der Wehr Widumar von Aarenhorst
Elli Bromer, Tochter der Besitzer der Herberge "Roseneck" in Serna

Nach Beendigung der Knappenprüfung an Bord der "Niemand" finden die drei genannten Personen in Serna Quartier im Gasthaus "Roseneck", das von Familie Bromer betrieben wird. Im Verlauf des Abends begibt sich Knappin von Eibenau von akutem Unwohlsein (nicht durch den Hauch bedingt) geplagt vor die Tür. Ein dort zufällig anwesender Fischräucherer namens Harri bietet ihr gegen den galligen Geschmack im Mund einen Schluck Rum aus seinem Trinkbehälter an, den die Knappin annimmt.
Knappe Basilius folgt nach draußen und wird ebenfalls Zeuge, wie der Fischräucherer aufgrund eines drohenden Missverständnisses vor beiden zurück-/ausweicht und in einen Stapel Kisten stürzt.

Auch Leon Milagros betritt den Ort des Geschehens und hält die Knappin davon ab, dem Räucherer aufzuhelfen: er entdeckt schwarze beulenartige Geschwüre und diagnostiziert Morgerias Hauch. Unverzüglich stellt er die Seitengasse und die Taverne unter Quarantäne, veranlasst die Errichtung eines behelfsmässigen Lazaretts und eine Befragung der Gäste.
Beide Knappen werden ebenfalls unter Quarantäne gestellt, da Knappin von Eibenau den Trinkschlauch, um dem Räucherer zu helfen, Knappe von Gudenberg in die Hand drückte und somit beide damit in Berührung kamen.
Nach dem ersten Schock formuliert Knappe von Gudenberg als erster den Entschluss, die Spur der Krankheit zurückverfolgen zu wollen, sollte man das Ganze hier überleben und packt tatkräftig beim Aufbau des Lazaretts und allen weiteren nötigen Tätigkeiten mit an.
Nach einer ersten Operation des Fischräucherers durch Herrn Milagros übernimmt von Eibenau die Nachtwache und beobachtet eine Sternschnuppe. In dem volkstümlichen Glauben, sich etwas wünschen zu können, formuliert die Knappin im Stillen: "Ich wünsche mir, dass diese Krankheit möglichst bald für alle ein gutes Ende nimmt und ganz aufhört!"

Der Fischräucherer erwacht und wird von der Knappin nach seinem vorigen Aufenthalt und Kontakt zu anderen Personen befragt. Es lässt sich anhand seiner Angaben zurück verfolgen, dass er sich bei einem Jungen fragwürdiger Herkunft(*) eine halbe Tagesreise vor Serna in Richtung Troman angesteckt haben dürfte. Bedauerlicherweise schickte der Räucherer den Jungen, der eine seltsame Kupfermaske tragen soll, zu einem befreundeten dort lebenden Landarbeiter, um ihm zu einer warmen Mahlzeit zu verhelfen. Seitdem hatte er glücklicherweise mit niemand anderem Kontakt, doch drei durch ihn danach hergestellte Kisten Sprotten sind mit Sicherheit verseucht und im Umlauf.

In derselben Nacht beobachtet die Knappin, wie die etwa vier Jahre alte Tochter der Bromers in den Garten herab klettert, um dort, wie sie selber mitteilt, nach einem Stern zu suchen. Zielgerichtet findet das Kind ein unregelmäßig geformtes dickliches Objekt, das sie wie ein Samenkorn behandelt. Sie gibt einen Kuss darauf, pflanzt es in einen Blumentopf mit Erde und scheint von dem Gebilde eine Botschaft zu erhalten: sie richtet der Knappin aus, sie solle die Pflanze nach Jorsa bringen und sich um Elli keine Sorgen machen, ihr werde es gut gehen.
Danach lässt das Kind offensichtlich eine große Menge magische oder göttliche Kraft in den Blumentopf fließen, die sich durch grünes Licht äußert und fällt danach in tiefen Schlaf.
Die Knappin weckt Herrn Milagros, um über das Geschehene zu berichten. Sie übergeben das Mädchen wieder seiner Familie, davon ausgehend, dass sie durch Florencia geschützt nicht infiziert sein wird. Aus dem Samenkorn entwickelt sich mit immenser Geschwindigkeit ein Gewächs, das Adept Milagros als "Seelenrose" identifiziert, eine Pflanze von wundertätiger Heilkraft. Die Seelenrose reagiert positiv auf Milagros und von Eibenau, was sich zum Beispiel darin äußert, dass die Blätter sich um einen berührenden Finger legen und sich ihnen der Blütenkopf zuwendet. Einer Eingebung folgend wirkt der Adept einen einfachen Lichtzauber, der der Pflanze sichtlich gut zu tun scheint.

In Selbstversuchen lernen Milagros und von Eibenau die Eigenschaften der Pflanze besser kennen: Die Seelenrose heilt von sich aus undifferenziert alles, von verheilten Narben oder schweren Organleiden bis hin zum Hauch. Im ersten Versuch an Knappin von Eibenau gibt die Pflanze der Knappin zu verstehen, dass eine Anomalie an ihrem Herzen existiert, deren Heilung die Seelenrose zur Gänze aufbrauchen würde. Die Knappin lehnt ab.
Es lässt sich nachverfolgen, dass die Pflanze zwanzig Kerne besitzt, die mit jeder Heilung in einen abgestorbenen Zustand wechseln. Die reguläre Heilung eines Patienten verbraucht dabei im Schnitt einen ganzen Kern.
Es wird in der Folge festgestellt, dass die Knappin in der Lage ist, durch Berührung der Pflanze den Heilprozess mit zu verfolgen und der Rose dabei Anweisungen zu geben, was geheilt werden soll und was nicht. Angesichts des scheinbar erfüllten Wunsches an die Sternschnuppe werden die Heilungen auf die gezielte Bekämpfung des Hauchs reduziert.
Auch der Fischräucherer Harri und Knappe von Gudenberg werden von diesem geheilt und der örtliche Ausbruch der Krankheit damit beendet.
Unter Anleitung von Adept Milagros werden sämtliche eventuell verseuchten Gegenstände durch Feuer vernichtet, die Quarantäne aufgehoben.

Basilius von Gudenberg erklärt sich bereit, in Serna nach den infizierten Fischkisten zu suchen und die notwendigen Stellen über die Geschehnisse zu informieren. Ihm gelingt es, sich der Unterstützung des Bürgermeisters zu versichern und schafft es, selbst eine bereits an Bord eines Schiffes verladene Kiste noch rechtzeitig zu bergen und auch die anderen beiden Kisten unschädlich zu machen. Da das Schiff bereits zum Auslaufen bereit gemacht wurde und der Fisch als Proviant vorgesehen war, ist davon auszugehen, dass diese Maßnahme der gesamten Mannschaft das Leben gerettet hat.

Währenddessen befinden sich Adept Milagros und Knappin von Eibenau bereits auf dem Weg zu besagtem Landarbeiter Pederto Dopulus, genannt "Pet", um die Spur der Krankheit zurück zu verfolgen und den infizierten Menschen zu helfen. Durch Herrn Bromer bekommen sie dafür alle benötigte Ausrüstung kostenfrei gestellt.
Mit Knappe von Gudenberg wurde vereinbart, dass er ihnen folgt, was auch passiert.

Beim Landarbeiter angekommen, stellt sich heraus, dass Herr Dopulus bereits schwerst erkrankt darniederliegt und von seiner Verlobten, einer Winzerstochter namens Rosa Burgund, gepflegt wird. Auch sie zeigt, wesentlich schwächer ausgeprägt, Anzeichen der Krankheit.
Beim Versuch, Herrn Pet aus der Hütte zu tragen, erblickt Knappin von Eibenau, dass der eigentlich Bewusstlose sie plötzlich mit den milchig weißen Augen eines Toten anstarrt und sie von ihm ein "Verschwinde" nur in ihrem Kopf hört. Der Erkrankte verfällt draußen in eine Starre, die ihm die Luft abzuwürgen droht und ein sofortiges Handeln erzwingt.
Im Innern des Landarbeiters sieht sich Knappin von Eibenau, die Rose begleitend, mit einer massiven Präsenz der Krankheit konfrontiert, die sich in Schwärmen von schwarzen Käfern in Ohrenkneifern ähnlicher Erscheinungsform äußert und eine Art bösartige Intelligenz aufzuweisen scheint.
Morgerias Hauch scheint in Pet derart stark auftreten zu können, weil der Landarbeiter anhand einer Schädigung in seinem Gehirn ohnehin dem Tode nahe zu sein scheint. Es gelingt unter großen Mühen, bei denen auch Adept Milagros einen Großteil seiner Magiekraft beisteuert, Herrn Dopulus sowohl vom Hauch als auch der Hirnschädigung zu heilen.
Dabei findet auch ein Vorgang statt, bei dem Knappin von Eibenau die zuvor unabsichtlich geheilten Narben in ihrem Gesicht wieder in Kauf nimmt, um der Seelenrose diesen Teil ihrer Kraft zurück zu geben und auch damit zur vollständigen Heilung des Landarbeiters beizutragen.

Bereits deutlich ermüdet nimmt die Knappin danach auch die Heilung von Fräulein Burgund vor, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu verhindern. Gänzlich erschöpft versäumt die Knappin es danach, sich um Dinge wie Wacheinteilungen zu kümmern, welche durch den Zustand der vorhandenen Personen auch kaum zu leisten gewesen wären.
Im Schlaf wird die Knappin über Traumbilder erneut mit dem unnatürlichen, als dämonisch erkennbaren Einfluss der Krankheit konfrontiert, als sich der infizierte Junge nähert und ihr die Seelenrose entwendet. Durch den Vorgang erwachend, weckt sie den Adepten, setzt dem Dieb nach und stellt ihn auf einem nahegelegenen Feld.
Der Junge gibt zunächst vor, die Seelenrose für seine eigene Heilung entwendet zu haben, trägt sie aber nicht bei sich. Er zeigt sich äußerst misstrauisch und aggressiv und zwingt die Knappin in einen Nahkampf. Dabei stellt sich heraus, dass Teile seines Körpers bereits bis auf den Knochen verfault sind und der Junge eigentlich nicht mehr unter den Lebenden weilt. Hinter der kupfernen Maske, die er trägt, sind die Augen weiß wie zuvor bei Pet.

Die Knappin gewinnt nach einem kurzen, aber heftigen Kampf, in dem der dämonisch besessene Untote alles daran setzt, sie erneut zu infizieren.
Adept Milagros findet die Seelenrose, die irreparable Schädigungen aufweist und nur noch zwei verbliebene, heile Kerne besitzt.
Die völlig mit schwarzem Schmodder besudelten oder im Kampf zerstörten Ausrüstungsteile der Knappin werden zusammen mit dem Leichnam des Jungen und allem, was noch infiziert sein könnte, in einem großen Feuer verbrannt. Die Kupfermaske, die der Junge trug, wies im Inneren seltsame Linien auf, der schwarze Schleim darin versuchte bei näherer Betrachtung aber sogar, den Adepten 'anzuspringen'. Eine Mitnahme des Objektes schien unmachbar und unverantwortlich, weshalb sie mit verbrannt wurde. Im Feuer schmilzt das Material schneller als für Kupfer üblich und vergeht umgeben von grünem Rauch vollständig.
Von Eibenau spricht während der Verbrennung ein Gebet an Lysanthor und die gnädigen Götter, sie mögen sich der Seele des Jungen annehmen, worauf sich aus dem Feuer goldene Funken lösen und sich entgegen üblicher Beobachtungen von Funkenflug in alle Himmelsrichtungen verteilen.
Adept Milagros erhält während dieses Geschehens Einblicke, die ihm Zuversicht geben, dass der Hauch endgültig besiegt ist.

Noch in der Nacht trifft Knappe von Gudenberg am Ort des Geschehens ein und berichtet, dass er sämtliche Kisten aufspüren konnte und in Serna alle wohlauf seien.
Die Gruppe kehrt zurück nach Jorsa und bringt die sterbende Seelenrose in den Tempel zur leitenden Priesterin Florencias, Mutter Ferra Seramisondra. Die verbliebenen zwei Kerne können von ihr in ihre Obhut genommen werden.

(*) - Durch Fräulein Delilah Tesséras kann später ermittelnd die Verbindung gezogen werden, dass es sich bei dem Jungen um einen Bauerssohn namens Pepe handelte, dessen Vater die Kupfermaske auf einem Schlachtfeld fand, daran erkrankte und so in die Lichtakademie gelangte.
Darna setzte ihre Unterschrift unter den Bericht und holte aus ihrer Gürteltasche das Beurteilungsschreiben von der Niemand, das inzwischen zwar etwas plattgedrückt und geknittert, aber so sorgfältig wie möglich behandelt worden war und legte es weiterhin geschlossen dazu. Mit steinerner Mimik schaute sie noch einmal auf das nachträglich angebrachte Kreuz auf der Außenseite.
Und begann auf eine weitere Seite zu schreiben, während ihre Lippen immer schmaler wurden. Manchmal setzte sie die Feder ab und massierte sich mit verkrampften Fingern der Linken die Stirn, rang mit sich um die Worte.
Versteckt:Versteckten Text anzeigen

Euer königliche Majestät,

Eure Ankündigung, meinen Ritterschlag in Erwägung ziehen zu wollen, versetzt mein Herz in helle Aufruhr und ewig werde ich Euch schon allein für die kostbare Zeit, in der Ihr uns Eure Aufmerksamkeit geschenkt habt, dankbar sein.
Es ist stolze Tradition meiner Familie seit meinem ehrenwerten Herrn Großvater Leonbrand von Eibenau, als Ritter Jorsan und seinen Königen zu dienen und nichts wünsche ich mir seit meiner frühesten Kindheit sehnlicher, als dieser Tradition ebenfalls zu folgen, aus Liebe zu unserem Vaterland und voller Stolz, einen solch edlen König wie Euch über uns wissen zu dürfen.

Egal, wie Euer Urteil ausfällt, es wird richtig sein. So Ihr befindet, dass es noch nicht für mich an der Zeit sei, werde ich dies in Demut hinnehmen und weiter an mir arbeiten, um es eines Tages wert zu sein, als Ritter in Eure Dienste treten zu dürfen.
Doch sollten die Ereignisse Euch zu dem Urteil gelangen lassen, dass die Zeit für mich schon jetzt gekommen sein mag, muss ich Euch untertänigst bitten, Eurem Ansinnen Aufschub zu gewähren:
Ein Ritter sollte frei von Makeln sein, die man ihm zur Last legen könnte, und ich bin dies leider nicht. Wie ich erst durch den Kontakt mit der Seelenrose und die Geschehnisse um den Hauch erfahren habe, bin ich selbst Opfer finsterer Magie, ohne dass der Grund dafür zuvor aufgefallen wäre. Im Alter von sechs Jahren verriet ich durch eine zufällige Begegnung einen Ritualmagier und Spion aus Grandessa an die Inquisition, welche ihn auf den Scheiterhaufen brachte. Ich wohnte seiner Hinrichtung bei und wurde dabei unbemerkt Opfer eines letzten Fluchs von ihm. Die sichtbaren Folgen (das Fehlen von Freude und Humor) konnten nicht damit in Zusammenhang gebracht werden, woraus ich niemandem einen Vorwurf mache. Doch die Macht dieses grandessanischen Magiers scheint selbst nach seinem Tod nicht letztgültig gebrochen zu sein, und durch den Kontakt mit den magischen Phänomenen in den letzten Tagen haben wir Grund zu der Annahme, dass dem Ganzen komplexere Strukturen zugrundeliegen, deren mögliche Konsequenzen es erst noch zu erforschen gälte.
Da Adeptus Leon von seinem Vater weiß, dass Graf von Weißenfels sich auch mit diverser Bannmagie beschäftigte, war beziehungsweise ist es unser Ansinnen, sein Wissen dazu in Anspruch zu nehmen, sollte nicht bereits die Akademie der Lichtmagie helfen können.

In jedem Fall aber möchte ich es vermeiden, Euren Ruf oder den des ehrenwerten Ritterstandes zu beschmutzen, indem übelwollende Zungen, so sie davon Kenntnis erlangen, behaupten könnten, es sei ein Mädchen zum Ritter geschlagen worden, das unter schwarzmagischem Einfluss stünde!
So bitte ich Euch untertänigst um Gnade, mir Zeit zu gewähren, mich von diesem möglichen Vorwurf reinzuwaschen und diesem unsäglichen Zustand ein Ende zu bereiten.

Ich weiß, ich strapaziere Eure Geduld und werde die Konsequenzen tragen, doch möchte ich, sofern ich es noch anbringen darf, ein gutes Wort für meinen Kameraden Basilius von Gudenberg einlegen: Auch er stand während seiner Zeit am Grafenhof unter schädlichem Einfluss, auch wenn dieser rein weltlicher Natur war. Hätte ich ihn noch zu Beginn der Knappenprüfung eher als meinen Feind denn als meinen Freund betrachtet, würde ich ihm heute mein Leben anvertrauen, ohne mich wankelmütig schimpfen lassen zu müssen.
Er hat sich unter den Strapazen der Ereignisse als unerwartet mutig und geradlinig erwiesen, hat uns treu zur Seite gestanden und in Serna auf sich allein gestellt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Bevölkerung vor weiterer Ansteckung zu bewahren. Danach ist er uns auf einem unzugerittenen Pferd bei Nacht hinterhergeeilt, um uns weiter beistehen zu können.
Bei dem Ausmaß der Geschehnisse könnte drohen, dass seine Taten gering wirken - sie sind es nicht.

In Euch und Jorsan treuester Ergebenheit,

Darna von Eibenau
Schriftrolle Fuss
Hatte sie zwischenzeitlich beim Erklären ihrer eigenen Lage mithilfe ihres Ärmels wischenderweise verhindern müssen, dass Tränen auf das Papier tropften, fasste sie sich am Ende kurz, weil sie emotional nicht mehr konnte und nicht mehr wusste, was sie noch weiter schön hätte formulieren können. Sie legte das Schreiben unter den Bericht und das Beurteilungsschreiben, wissend, dass vor seiner Majestät sowieso von Pappelhain das Papier überfliegen würde. Wäre es nicht angemessen, würde König Richard es ohnehin nicht persönlich vor die Augen bekommen.
Seltsamerweise hatte sie mit dem Beenden des Schreibens und dem Schreiben über Basilius irgendwie halbwegs damit abgeschlossen, dass sie den Ritterschlag also nicht erhalten würde. Wenn sie Glück hatte, würde es nur ein 'Aufgeschoben' sein, kein 'Aufgehoben'. Sie streifte die Tinte von der Feder, streute Löschsand über das Geschriebene und legte ihren Stapel sorgsam beiseite, dass er von anderen entgegengenommen werden konnte.
Wenn... Du meinst, wenn seine Majestät es nicht als Affront ansieht, dass du dir auch nur anmaßt, ihn zu 'vertrösten' und dich nicht einfach abschreibt? Pfh... 'Wenn'...
Egal.
Im Schloss befand sich eine Person, die potentiell gefährlich sein mochte ohne dass man sich dessen scheinbar ausreichend bewusst war?

"Wenn ich noch etwas zu seiner Hochgeboren von Weißenfels anmerken darf...", stellte sie diesmal vorsichtiger ihre Stimme wieder auf die Probe, während sie pendelnd Blickkontakt zu Delilah, Leon und auch dem General suchte, "Fräulein Tesséras, erwähntet Ihr nicht, Graf von Weißenfels habe sich, als Ihr ihn das letzte Mal gesehen hattet, Richtung Rugta begeben?" Nun suchte sie direkt den Blick der lockigen Schönheit und meinte leiser: "Und danach von seinem Ableben erfahren? Wisst Ihr genauer, ob der in Rugta ansässige Feind dafür verantwortlich ist? Könnte sein Körper in die Hände eben dessen geraten sein? Was, wenn er von etwas kontrolliert wird, das abermals von den Dunkelelfen herrührt?"
Sie sah zu Leon und in ihrem Blick stand ein einziges stummes 'Es tut mir leid!' Es musste so schrecklich für ihn sein! Es tat ihr leid, dass sie schon wieder am Herumunken war, aber die Sicherheit der im Schloss befindlichen Personen war ihr wichtiger. Nicht auszudenken, was drohen mochte, wenn ein falscher Graf von Weißenfels bis vor den König oder andere hohe, wichtige Würdenträger gelangte...

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Dienstag 17. Oktober 2017, 00:42

Der König war gereizt! Die Informationen die er erhalten hatte, schienen ihn in vielerlei Hinsicht zu beunruhigen und auch Delilah war geschockt von manchen Dingen, die hier besprochen worden waren. Verano sollte hier aufgetaucht sein? Oder doch nur sein Körper mit einem fremden Geist als Gast? In Gedanken ging sie nochmal ihren Traum durch… hatte sie etwas übersehen? Etwas falsch verstanden? … oder war der Traum am Ende nur ein Traum gewesen? Delilah begann ein wenig zu zweifeln… und zu hoffen. Falls Verano noch lebte, wäre das auf viele Arten wunderbar. Besonders für Leon, der von der Nachricht sehr getroffen zu sein schien. Doch Darna war bereits an seiner Seite, das war gut, denn Delilah war momentan selbst etwas verunsichert. Aber nein… sie war sich ziemlich sicher, was die Nachricht die sie in der Nacht vor zwei Tagen bekommen hatte, bedeutete.

Inzwischen verteilte ihr Herrscher mit nachdrücklicher Stimme Aufträge an die einzelnen Anwesenden und innerlich wappnete sich Delilah darauf, auch gleich Ziel dieses strengen Blickes zu werden, in dem noch die Spuren von Hass lagen, die Grandessa in ihm weckte. Doch als er sich ihr zuwandte, war von Hass und Gereiztheit nichts mehr zu sehen. Delilah konnte den Blick nicht ganz deuten, doch er wurde um einiges weicher und ein Lächeln traf sie.

„Fräulein Delilah, wenn ihr und eure Freunde gewillt seid, den Abend hier zu verbringen und mit uns zu feiern, dann seid ihr herzlich eingeladen. Vielleicht ergibt sich noch die Möglichkeit ein Wort zu wechseln.“

Die junge Jorsanerin blinzelte zweimal verwirrt, während ihr die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Was?! Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit! Ein verwirrtes Lächeln schlich sie auf ihre Lippen.
„Ich werde mich zur Beratung zurückziehen, aber hoffe, ihr beglückt diese zu weil fahlen Mauern mit eurem Lachen. Es wäre mir eine Freude.“
Delilah warf einen kurzen Seitenblick zu ihren Freunden, dann schien sie sich endlich wieder gefangen zu haben. Während sie in einen kurzen Knicks fiel (der übrigens schon etwas besser aussah, als der vorherige), schluckte sie ihre Aufregung runter und antwortete:
„Ich… ich kann nicht für meine Freunde sprechen, euer Majestät, aber … natürlich nehme ich mit Freuden eure Einladung an. Es … es wäre mir eine Ehre!“

Man sah ihr die Überraschung noch immer an, doch die leichte Verwirrtheit auf ihrem Gesicht, wurde von einem breiten Lächeln begleitet, was das Ganze hoffentlich wieder wettmachte. Nach all dem, was die letzte Zeit über geschehen war… ihrer Zeit bei Verano und den Geistern, nach ihren Entdeckungen bezüglich Rugta, der Verfolgung und ihrer Nacht im Nebel und ihrer Rückkehr nach Hause… stand sie nun im Palast und wurde vom König eingeladen, den Abend im Palast zu verbringen. Wann nochmal war sie in ein Märchenbuch geraten?

Kurze Zeit später starrte Delilah auf ihr weißes Blatt Papier. Wo anfangen? Wo aufhören? Sie hatte im Krankenflügel manchmal Berichte über den Krankheitsverlauf von Patienten schreiben müssen, aber das hier war nochmal was anderes. Etwas zögernd setzte Delilah ihre Feder erst deutlich später als die anderen aufs Papier, die aus irgendeinem Grund besser darin zu sein schienen „Bericht zu erstatten“.

Bericht der Lichtakademie-Schülerin Delilah Tesséras zu ihren Erlebnissen an der westlichen Grenze Jorsans
Wichtige Punkte: Ursprung der Ausbreitung von „Morgerias Hauch“ in Jorsan, Besetzung Rugtas durch die Dunkle Armee


Dies stand in großer schnörkeliger Schrift zuoberst auf dem Blatt Papier. So ähnlich hatten sie es mit ihren Krankheitsberichten auch gehalten, also hoffte die Schülerin, dass es hier auch nicht allzu falsch war.

Dann begann Delilah wirklich zu schreiben. Von dem Mann, der mit einem schweren Fall von Zombiefäule die Hilfe bei der Lichtakademie suchte und dann kurz darauf von seinem Leiden erlöst wurde. Davon, dass der Mann vor seinem Ableben davon berichtet hätte, dass er in der Nähe zur grandessanischen Grenze in Jersa leben würde und dort manches Mal leere Schlachtfelder nach brauchbaren Dingen absuchen würde. Dass er dort auf die stark verweste Leiche eines Dunkelelfen gestoßen sei, die eine wertvolle Maske bei sich trug, die dieser Mann an sich dann an sich genommen habe. Dass die Leiche sich bewegt, ihn gebissen und mit der ihm daraufhin bald den Tod bringenden Krankheit angesteckt hätte.
Delilah hielt kurz in ihrem Schreiben inne und fuhr dann fort.
Die Leiche sei daraufhin laut dem Mann zu Staub zerfallen. Nachdem der Patient auf seinen Wunsch hin von seinen Qualen erlöst worden war, sei es ihre Aufgabe gewesen, mit der Nachricht von seinem Tod und einer kleinen Hilfsspende zur Familie des Verstorbenen zu reisen. Sie schrieb auf, dass der Templer Raphael sie auf dieser Reise begleitet habe und wie sie beide auf dem Bauernhof auf das erste Opfer des Hauchs, die Frau des Verstorbenen gestoßen waren. Sie schrieb von den beiden Kindern des Ehepaares; Pepe, dem 8 oder 9-Jährigen, der sich mit der Maske (die der Auslöser der Seuche war und später von Darna von Eibenau und ihren Begleitern vernichtet wurde) davon gemacht hatte und dem 6-Jährigen Mädchen Olia, dass sich bereits mit dem Hauch angesteckt hatte. Raphael habe sich aufgemacht, die Leute vor dem Hauch zu warnen und die Nachricht vom Ausbruch der Krankheit nach Jorsa zu bringen. Sie selbst sei vor Ort geblieben, habe die Leiche der Mutter verbrannt, versucht das Haus rudimentär zu reinigen und damit begonnen das Kind Olia zu behandeln. Durch Zufall seien ein Naturmagier namens Nahaki und Verano von Weißenfels an dem Ort des Geschehens aufgetaucht und hätten ihr bei ihren Maßnahmen geholfen. Bei dem Versuch die kleine Olia vom Hauch zu heilen, habe sie sich dann selbst übernommen und sei daraufhin selbst der Pflege bedürftig gewesen und von Verano von Weißenfels zu seinem Heim in den Dunsthügeln gebracht worden.
Nach ihrer Genesung seien sie auf dem Rückweg nach Jorsa gewesen, als sie im Nebel auf zwei Zwerge trafen, die einige Orks überwältigt hatten. In ihrer Anwesenheit sei einer der Orks verhört worden und habe berichtet, dass Rugta an die Dunkelelfen gefallen sei. Die Stadt sei stark von Dunkelelfen und Orks besetzt und laut den Informationen des Orks, seien bereits andere Städte den Invasionen der Dunkelelfen zum Opfer gefallen. Zwerge aus Rugta würden von Rumdett aus als Sklaven an diese Orte gebracht, jedoch sei Rugta nicht das Hauptaugenmerk der Dunkelelfen. Der Nebel wäre nur Deckung für die Elfen, würde ihnen jedoch auch Probleme bereiten. Sie selbst sei mit einem Begleiter weiter Richtung Jorsa losgezogen, während Verano beschlossen hätte bei den Zwergen zu bleiben, um ihnen bei der Befreiung ihrer Stadt zu helfen. Sie habe für die Rückreise durch den Nebel und das westliche Jorsan mehrere Tage gebraucht und bei ihrer Ankunft in Jorsa am gestrigen Tag sei sie schließlich auf ihren Schulkameraden Leon und seine Begleiter getroffen.

Delilah blickte etwas missmutig auf ihre Bögen Papier. Viel war geschehen in den letzten Tagen. Sie unterschrieb den Bericht. Delilah Tesséras. Keine Titel, kein blaues Blut. Ein einfaches Mädchen dieses Landes, dieser Stadt, dem das Schicksal eine besondere Rolle zugespielt hatte.

Das war doch alles vollkommen verrückt. Und irgendwie aufregend und schön. Zwischen all dem Dunklen und Beängstigenden sollte es ein Fest geben, mit Gauklern und allem! Das war eine wundervolle Idee um den Schrecken da draußen die Stirn zu bieten und zu zeigen, dass man sich nicht unterkriegen ließ, dass das Leben weiterging und die Angst nicht gesiegt hatte! Wenn die Dunkelheit nahte, dann entzündete man ein Licht!

Sie hatte ihren Bericht beendet und sah ihren Freunden beim Schreiben zu. Darna schien an noch etwas anderem zu arbeiten, und das was sie schrieb, schien sie sehr zu bedrücken. Was es wohl war? Arme Darna… freute sie sich nicht, dass der König ihren Ritterschlag in Erwägung zog? War das nicht ihr großer Traum gewesen? Basilius sah besorgt, aber halbwegs in Ordnung aus, während Leon noch immer sehr mitgenommen wirkte. Auf seinen Schultern lastete aber auch immer mehr Gewicht, es gab immer mehr negative Nachrichten die auf ihn einprasselten. Er hatte seinen Schutzgeist verloren, den Hauch bekämpft, hatte Darna heil nach Jorsa zurückgebracht und hier vom Tod seines Vaters erfahren, war mit der Last seines Erbes in Form der Roten Dame konfrontiert worden und stand nun kurz vor einer Begegnung mit dem Leib seines Vater, in dem wahrscheinlich ein fremder Geist wohnte. Der arme Kerl hatte sehr viel auf einmal zu schlucken.

Da erhob Darna das Wort. "Wenn ich noch etwas zu seiner Hochgeboren von Weißenfels anmerken darf...", meinte sie zögernd, während sie abwechselnd Augenkontakt zu Leon, dem General und ihr suchte. „Fräulein Tesséras, erwähntet Ihr nicht, Graf von Weißenfels habe sich, als Ihr ihn das letzte Mal gesehen hattet, Richtung Rugta begeben?" Nun suchte direkt ihren Blick und meinte etwas leiser: "Und danach von seinem Ableben erfahren? Wisst Ihr genauer, ob der in Rugta ansässige Feind dafür verantwortlich ist? Könnte sein Körper in die Hände eben dessen geraten sein? Was, wenn er von etwas kontrolliert wird, das abermals von den Dunkelelfen herrührt?"

Delilah sah sie einen Moment verwirrt an. Der Gedanke war ihr gar nicht gekommen. Sie erinnerte sich wieder an ihren Traum, an dieses Gefühl von Wandel und Veränderung und dem ruhigen Abschied Veranos, da war keine Warnung gewesen, keine Angst, keine Dunkelheit. „Nein.“, sagte sie fest. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das was auch immer dort geschehen ist, seine Entscheidung war und kein Übergriff des Feindes.“ Sie blickte kurz zu Leon hinüber. „Wie Leon bereits gesagt hat, war Verano in Kontakt mit vielen Geistern. Vielleicht war er der Meinung, dass einer von ihnen besser dazu geeignet war, im Kampf um Rugta zu helfen und hat ihm deshalb seinen Platz überlassen? … ich weiß leider nicht genau, was passiert ist…“ Sie sah etwas entschuldigend Darna und Leon an.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Mittwoch 18. Oktober 2017, 20:14

Fasziniert lauschte Zanfar Basils Bericht, oder besser der Pause, in der so viel Unausgesprochenes lag. Der Knappe verzichtete darauf, seine heroischen Taten im Kampf gegen Dämonen anzupreisen – für seine Kameradin Darna. Oder war sie mehr für ihn? Die Dynamik zwischen den vier Jugendlichen war schon die ganze Zeit über ein interessantes Wechselspiel. Und das spannendste daran war, dass deren Mittelpunkt die ernste und (gezwungenermaßen) humorlose Darna von Eibenau war. Ganz objektiv gesehen – wenn man diesen Begriff überhaupt auf etwas so subjektives anwenden konnte – war die Knappin mit ihrem schmalen Gesicht und den eindringlichen grauen Augen durchaus ansehnlich. Gerade wenn man bedachte, dass die zornig roten Narben in ihrem Gesicht auch irgendwann abebben würden. Aber ihr durchtrainierter Körper und ihre nüchterne Art waren nicht gerade dass, was für gewöhnlich die Männer Scharenweise anzog. Und Leon und Basil waren durchaus in der Position wählen zu können. Was also war es, dass sie so anziehend für die beiden jungen Männer machte?
Vielleicht sind sie einfach nicht so oberflächlich wie ich …
Kam ihm ein durchaus zutreffender Gedanke. Vielleicht war es die Stärke und Integrität, die sie ausstrahlte. Zusammen mit der Verletzlichkeit, die sie mit sich trug. Es waren nur kleine Anzeichen, denn sie war gut darin, ihren Schutzpanzer zu tragen, aber jemand, der Jahrzehnte damit zugebracht hatte, Schwachpunkte an Anderen zu erkennen, wusste die Hinweise zu deuten.
Was es auch war - Darna würde vermutlich nicht lange genug leben, um von der Aufmerksamkeit wirklich zu profitieren. Wenigstens hatte sie das Zeug zu einem betrauerten Heldentod.

Leons Bericht schaffte es doch tatsächlich, ein paar weitere Fragezeichen aufzuwerfen. Das zusammen mit der Erkenntnis, dass irgendjemand mit dem Körper seines Vaters herum lief setzte dem Ganzen die Krone auf!
Und trotzdem hielt sich der junge Mann noch recht wacker. War er so gut ausgebildet worden, dass ihn selbst das nicht umwarf, oder war er einfach zu erschöpft, um das alles gänzlich zu begreifen? Aber er hatte reagiert, also musste wohl ersteres zutreffen.
Offenbar war von Pappelhain besser als der König informiert – und dieser nicht unüberraschend verärgert. Es wäre interessant zu beobachten, wie diese Geschichte weiterging. Seltsam, wie man Jahrelang nur mit Hofklatsch gelangweilt wurde und dann überschlugen sich die spannenden haarsträubenden Ereignisse…

Der Blick des Königs wanderte zu Zanfar.
„Ich möchte, dass ihr jedes noch so kleine Detail schriftlich nieder legt, was diesen „Tausendtod“ betrifft. Wir werden dieser Spur nachgehen, denn sie offenbart uns, dass Grandessa inzwischen zu mehr als fragwürdigen Mitteln greift um uns zu schaden.“
Sorge, Abneigung und auch eine Spur Hass lag in diesem Moment in seinen Augen.


Zanfar neigte den Kopf zur Bestätigung. Alle Details um Tausendtod notierte er gerne, auch wenn er leider nicht sehr viel zum Thema beizutragen hatte.
Es blieb nur zu hoffen, dass die Impulsivität des Königs ihn (und sein Volk) nicht in den Ruin trieb.

Damit sah Richard Delilah an und augenblicklich war seine leicht gereizte Stimmung verfolgen. Diese Wirkung hatte sie nun einmal - selbst auf einen König. Er lächelte sanft und wandte sich ihr zu:
„Fräulein Delilah, wenn ihr und eure Freunde gewillt seid, den Abend hier zu verbringen und mit uns zu feiern, dann seid ihr herzlich eingeladen. Vielleicht ergibt sich noch die Möglichkeit ein Wort zu wechseln.“
Eine solche Einladung durfte man natürlich nicht ausschlagen, dass wusste selbst Delilah.
„Ich werde mich zur Beratung zurück ziehen, aber hoffe, ihr beglückt diese zu weil fahlen Mauern mit eurem Lachen. Es wäre mir eine Freude.“
Delilah warf einen kurzen Seitenblick zu ihren Freunden, dann schien sie sich endlich wieder gefangen zu haben. Während sie in einen kurzen Knicks fiel (der übrigens schon etwas besser aussah, als der vorherige), schluckte sie ihre Aufregung runter und antwortete:
„Ich… ich kann nicht für meine Freunde sprechen, euer Majestät, aber … natürlich nehme ich mit Freuden eure Einladung an. Es … es wäre mir eine Ehre!“
Man sah ihr die Überraschung noch immer an, doch die leichte Verwirrtheit auf ihrem Gesicht, wurde von einem breiten Lächeln begleitet, was das Ganze hoffentlich wieder wettmachte.


Aufmerksame Horcher konnten ein Zähneknirschen hinter der bronzenen Maske hören.
Also doch … verdammter …
Selbst in seinen Gedanken versagte er sich, seine Majestät zu beleidigen. Aber seine Fingerknöchel wurden weiß, als sich seine Hände hinter dem Rücken zu Fäusten ballten. So schnell es ging, lockerte er seine Pose wieder, in der Gewissheit, dass seine Körpersprache ihn verraten – oder schlimmer – für Missverständnisse sorgen würde.
Großartig, einfach nur Großartig. Der König konnte nicht an dem hübschen Blümchen vorbei gehen, ja?! Dabei war der Maskenball einfach perfekt um der hübschen Delilah näher zu kommen. Aber nicht dann, wenn mein Konkurrent der vermaledeite König ist!
Der politisch kluge Zug wäre es, sich spätestens jetzt zurück zu ziehen und dem jungen König seine Spielwiese zu überlassen. Zanfar forderte ohnehin schon sein Glück heraus, indem er hier war, da musste er nicht auch noch dem Monarchen auf die Füße treten, weil man ihm das Spielzeug wegnahm.
Spielzeug? Sie ist ein Mensch. Eine vielversprechende talentierte Lichtmagierin.
Hatte der Monarch das noch im Blick oder sah er nur unterhaltsame Kurzweil in der jungen Frau? Der Gedanke, Richard könne aus Freundlichkeit und Sympathie und ohne Hintergedanke handeln, kam Zanfar gar nicht.
Gut, dann gilt es wohl, etwas subtiler vor zu gehen. Aber den Schwanz einziehen werde ich ganz sicher nicht.
Und zumindest ihrer Reaktion nach zu urteilen war Delilah noch nicht an dem König interessiert und einfach nur überrascht.
Zanfar hatte sie wenigstens schon etwas kennen gelernt. Und in der Kutsche hatte sie sich völlig entspannt neben ihn gesetzt, so als würde sie ihm vertrauen. Offenbar hatte Deliah seine Herkunft doch nicht so erschreckt wie befürchtet.

Mit Gewalt riss er sich aus seinen Gedanken los und machte sich daran, den verlangen Bericht zu Schreiben.
So ordentlich wie möglich notierte er die Geschichte der Brüder, deren Namen er bedauerlicherweise nicht kannte. Dabei ließ er bewusst jedes Detail aus, dass darauf hinwies, dass einer der Beiden ein Nichtgenannter gewesen war und ließ auch das Auftauchen seines Bruders vor den Toren des Tempels der Nichtgenannten so vage wie möglich. Dafür bemühte er sich, das ganze Zeitlich genau zu fassen und fügte noch am Ende des Berichts einiges Wissen hinzu, dass er selbst über Tausendtod hatte. Mit dem deutlichen Hinweis, dass diese Information schon über 15 Jahre alt war.
Etwas enttäuscht beäugte er seine Zeilen und stellte unbefriedigt fest, dass er selbst mit dem herausgelassenen Details des Ordens der Nichtgenannten nicht sonderlich viel beizutragen hatte.

Er hatte sich voll und ganz auf das Verfassen des Berichts konzentriert und so schrieb auch Delilah als er aufblickte schon.
Darna brütete derweil über einem Bogen Papier. Dabei schien das geschriebene ihr immer näher zu gehen, bis sie sich schließlich hastig die Tränen aus den Augen rieb.
Sie wird sich doch nicht selbst enttarnen?! Nicht, nachdem Basilus wenigstens den Mund gehalten hat…
Schoss es ihm durch den Kopf.
Aber das ist nicht meine Sache und auch nicht meine Entscheidung…
Mitleidig betrachtete er die junge Frau, deren Trauer so dicht an der Oberfläche lauerte und erinnerte sich daran, dass sie wohl kaum während ihres Leidens beobachtet werden wollte. Schnell konzentrierte er sich also auf seine Angelegenheiten. Er überflog seinen Text ein weiteres Mal und händigte ihn dann ununterschrieben aus. Die Überschrift, die Datum und Thematik des Berichts beinhaltete, musste reichen. Er würde kein Zeichen seines Ordens innerhalb eines Schriftstücks hinterlassen, genauso wenig wie seinen Namen.

Da erhob Darna das Wort. "Wenn ich noch etwas zu seiner Hochgeboren von Weißenfels anmerken darf...", meinte sie zögernd, während sie abwechselnd Augenkontakt zu Leon, dem General und ihr suchte. „Fräulein Tesséras, erwähntet Ihr nicht, Graf von Weißenfels habe sich, als Ihr ihn das letzte Mal gesehen hattet, Richtung Rugta begeben?" Nun suchte direkt ihren Blick und meinte etwas leiser: "Und danach von seinem Ableben erfahren? Wisst Ihr genauer, ob der in Rugta ansässige Feind dafür verantwortlich ist? Könnte sein Körper in die Hände eben dessen geraten sein? Was, wenn er von etwas kontrolliert wird, das abermals von den Dunkelelfen herrührt?"
„Nein.“, sagte Delilah fest. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das was auch immer dort geschehen ist, seine Entscheidung war und kein Übergriff des Feindes.“ Sie blickte kurz zu Leon hinüber. „Wie Leon bereits gesagt hat, war Verano in Kontakt mit vielen Geistern. Vielleicht war er der Meinung, dass einer von ihnen besser dazu geeignet war, im Kampf um Rugta zu helfen und hat ihm deshalb seinen Platz überlassen? … ich weiß leider nicht genau, was passiert ist…“ Sie sah etwas entschuldigend Darna und Leon an.


Zanfars Augenbrauen wanderten unter seiner Maske in die Höhe. Auch ihm hätte ein ähnlicher Gedanken kommen können wie Darna. Aber die Überzeugung, mit der Delilah ihre Worte vortrug beruhigte ihn. Früher oder später würde er sich dann selbst ein Bild von dem mysteriösen Verano von Weißenfels machen – oder besser, von seinem Körper und dem Geist, welcher auch immer in ihm wohnte.
Er hatte sich inzwischen wieder an Chasins Seite begeben und betrachtete seine Freundin besorgt. Ein Party war jetzt vielleicht nicht die Beste Idee. Lieber hätte er sie in ihre Räumlichkeiten gebracht, wo sie sich die sicher dringend benötigte Ruhe gönnte.
Allerdings würde es auch bedeuten, dass er nicht Teilhaben konnte und ihm war sehr danach, sein Unwesen dort zu treiben. Ausnahmsweise wäre er nur einer unter vielen. Sofern er seine Maske gegen eine andere tauschte.
Apropos … was wohl der Fundus des Königs her gab? Und wann die beiden jungen Frauen wohl auf die Idee kämen, dass sie sich verkleiden mussten … wobei, Darna schien wenig erquickt über die Einladung. Was verständlich war, bedachte man ihre Unfähigkeit Freude zu empfinden zusammen mit ihrem Diensteifer. Wahrscheinlich machte man ihr eher eine … nunja Freude wohl nicht, aber das was dem am nächsten kam … mit Trainingsstunden oder Exerzieren oder etwas Ähnlichem.
Zugegeben, gegen einen Trainingskampf hätte er selber nichts.
Er sah zu Chasin und suchte ihren Blick.
Meinst du, du hältst einen Maskenball durch? Ansonsten bin ich sicher, wir können uns so schnell als möglich wieder davonschleichen. Ich weiß, das war ein anstrengender Tag für dich.
Besorgt sah er sie an. Er wollte gerne zum Ball, aber er würde seine Wünsche nicht über ihr Wohlergehen stellen. Zur Not konnte er immer noch ohne sie eine kurze Weile dort sein.
Jedenfalls mussten sie sich Gedanken um ein Kostüm machen, sollten sie dort Teilnehmen.

Er drehte sich zu Delilah und sah sie verschmitzt an.
„Dann solltet ihr Euch wohl alsbald um eine Garderobe bemühen, junge Herrschaften. Einen Maskenball ohne Maske zu betreten würde ich nicht anraten – die Aufmerksamkeit, die ihr dabei auf Euch ziehen würdet, wäre sicher nicht in Eurem Sinne.“
Auch wenn sein Satz an alle Anwesenden adressiert war, konnte er es sich nehmen, Delilahs hübsche Züge etwas länger als höflich zu mustern. Etwas verspätet ließ er seinen Blick über die anwesenden Jugendlichen gleiten.
Es war recht unsensibel, sie nach den Schrecken der letzten Tage und Wochen gleich in ein Haifischbecken (aka Maskenball) zu werfen. Aber vielleicht blieb ihnen die Hofintrige ob ihrer ‚Unwichtigkeit‘ erspart und sie konnten wenigstens etwas ausspannen.
Wobei, weder Darna noch Leon sahen so aus, als hätten sie große Chancen das Ganze als etwas anderes als weitere Anstrengung anzusehen.
Umso wichtiger war es, dass wenigstens Delilah etwas Freude hatte. Worum er sich natürlich gerne persönlich kümmern wollte … ach ja, Basil konnte natürlich auch Spaß haben … aber am liebsten ohne Zanfar.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 19. Oktober 2017, 19:34

Chasin versuchte hier und da ein paar Gedanken aufzuschnappen, aber im Allgemeinen hielt sie sich zurück. Ihre Aufgabe war nun beendet. Jetzt lag es an den Menschenkindern ihre Berichte abzugeben und am König zu entscheiden, was er mit diesem Wissen anfing. Einiges würde sicher Handlungen nach sich ziehen, anderes würde gewiss weniger seine Aufmerksamkeit erregen. Die Tha'Roon lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, während die anderen noch schrieben und schloss ein paar Minuten die Augen um in sich zu gehen. Die Stille ihrer Gedankenbibliothek empfing sie und spendete ihrem aufgewühlten Innenleben Frieden. Nach nur wenigen Augenblicken siegte jedoch wieder ihr Wissensdurst und ihre Neugierde. Chasin beobachtete ihren Freund müde und blinzelte ab und an, wodurch sie manch einen Wortlaut verpasste.
Spielzeug? Sie ist … vielversprechende … Lichtmagierin.
Ah es geht um Delilah, aber warum Spielzeug?

Manchmal konnte auch sie nicht jedem gedachten Detail folgen.
Gut...subtiler ...Schwanz einziehen ... nicht.
Schwanz? Einziehen? Wie...? Habe ich was verpasst? Delilah... Was sollte sie mit deinem Schwanz...Oh!...Darum geht es?? Mal wieder das Thema Fortpflanzung... aber... Willst du deinen Schwanz als ihr Spielzeug bereitstellen, oder ist sie das Spielzeug uns sie soll deinen Schwanz einziehen? ... das ist bestimmt wieder so irgendeine eine Metapher.

Zumindest Delilahs Reaktion nach zu urteilen war Delilah noch nicht an dem König interessiert und auch nicht an Zanfar, aber das ließe sich gegeben falls schnell ändern. Zanfar hatte sie wenigstens schon etwas kennen gelernt. Und in der Kutsche hatte sie sich völlig entspannt neben ihn gesetzt, so als würde sie ihm vertrauen. Offenbar hatte Delilah seine Herkunft doch nicht so erschreckt wie befürchtet, was schon mal ein guter Anfang war. Interesse sollte also gegeben sein und darauf konnte man aufbauen.
Das leise Schaben und Kratzen der Federn lullte Chasin wieder ein, sie schloss ihr Auge wieder und beschloss den Dingen vorerst ihren Lauf zu lassen. Eine Einmischung ihrerseits war hier und jetzt nicht von Nöten.

Da erhob Darna das Wort und riss sie aus der Stille:
"Wenn ich noch etwas zu seiner Hochgeboren von Weißenfels anmerken darf... Fräulein Tesséras, erwähntet Ihr nicht, Graf von Weißenfels habe sich, als Ihr ihn das letzte Mal gesehen hattet, Richtung Rugta begeben?...Und danach von seinem Ableben erfahren? Wisst Ihr genauer, ob der in Rugta ansässige Feind dafür verantwortlich ist? Könnte sein Körper in die Hände eben dessen geraten sein? Was, wenn er von etwas kontrolliert wird, das abermals von den Dunkelelfen herrührt?"
„Nein.“

, sagte die junge Lichtmagi fest und Chasin zollte einmal mehr dem Menschenkind Respekt, dass sie in so jungen Jahren schon so eine Selbstsicherheit ausstrahlte.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass das was auch immer dort geschehen ist, seine Entscheidung war und kein Übergriff des Feindes...Wie Leon bereits gesagt hat, war Verano in Kontakt mit vielen Geistern. Vielleicht war er der Meinung, dass einer von ihnen besser dazu geeignet war, im Kampf um Rugta zu helfen und hat ihm deshalb seinen Platz überlassen? … ich weiß leider nicht genau, was passiert ist…“
Zanfar hatte sich inzwischen wieder an Chasins Seite begeben und betrachtete seine Freundin besorgt und gleichzeitig schienen seine Gedanken sich mit dem bevorstehenden Fest zu beschäftigen. Solche meist Fröhlichen Zusammenkünfte gab es hier häufiger und waren somit nichts besonders. Auch war es kein großer Ball, sondern mehr ein kleines beschauliches Beisammensein des Hofstaates, wo keine zusätzlichen Gäste geladen waren. Sie würden den Fundus des Königs für eine angemessene Verkleidung benutzen um sich unter die Leute zu mischen. Darna schien wenig erquickt über die Einladung. Was verständlich war, bedachte man ihre Unfähigkeit Freude zu empfinden zusammen mit ihrem Diensteifer.
Zanfar sah zu Chasin und suchte ihren Blick.
Meinst du, du hältst einen Maskenball durch? Ansonsten bin ich sicher, wir können uns so schnell als möglich wieder davonschleichen. Ich weiß, das war ein anstrengender Tag für dich.
Besorgt sah er sie an und seine Sorge rührte sie. Er wollte gerne zum Ball, aber er würde seine Wünsche nicht über ihr Wohlergehen stellen, deshalb liebte sie ihn ja auch so sehr...
Huch, wo kam den jetzt dieser Gedanke her?
Schnell winkte sie ab und flüstere eilig:
„Mir geht es gut. Ich werde mich zurückhalten und meine Anstrengungen nicht weiter intensivieren.“
Langsam wurde es auch Zeit sich Gedanken um ein Kostüm zu machen.
„Dann solltet ihr Euch wohl alsbald um eine Garderobe bemühen, junge Herrschaften. Einen Maskenball ohne Maske zu betreten würde ich nicht anraten – die Aufmerksamkeit, die ihr dabei auf Euch ziehen würdet, wäre sicher nicht in Eurem Sinne.“
Zanfar, konnte er es sich nehmen lassen, Delilahs hübsche Züge etwas länger als höflich zu mustern. Etwas verspätet ließ er seinen Blick über die anwesenden Jugendlichen gleiten. Chasin fügte erklärend in sachlichem Tonfall hinzu:
„Die Festivität der Masken verlangt ein gewisses Maß an Flexibilität in der Etikette. Es ist für den Hofstaat und auch für seine Majestät eine willkommen Möglichkeit sich unerkannt den starren Reglement zu entziehen, legerer aufzutreten und sich mit Personen zu unterhalten, die sonst nicht geduldet werden würden oder zu Gesprächsstoff werden würden. Kleinere Fehler werden nicht geahndet, da man ja „nicht wusste“, wem man gegenüber stand. Die Verkleidungen dienen dem Zweck den guten Ruf zu wahren und gegebenen Falls seine Familienwappen nicht zu brüskieren. In der Regel wird lockere Kleidung getragen und das Augenmerk liegt bevorzugt auf Tiermasken. Seine Majestät trägt meistens eine goldene Einhornmaske. Es wird erwartet sich dementsprechend unwissend zu verhalten.“
Der General nickte ein paar mal, doch m Ende der Ausführungen der Diplomatin zuckte kurz sein Mundwinkel. Verspätet antwortete er auf Darnas Frage:
„Sicher könnt ihr Boten schicken um eure persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Alles weitere überlasse ich den kundigen Händen der Dame de Mondragil... Ach, und ihr werdet mich als Stier erkennen. Auf bald.“
Er machte eine höfliche Verbeugung und entfernte sich. Die Tür schloss sich und sie waren allein.
Chasin sah zu Zanfar und stellte damit fest:
„Also werde auch ich teilnehmen.“ ...müssen.
Damit war dann auch die unausgesprochene Frage beantwortet, ob Zanfar alleine auf das Fest ging und Chasin Zeit fand sich auszuruhen. Geschäftig wandte sich die Tha'Roon wieder den anderen zu:
„Der Fundus des Königs ist durchaus als gewaltig zu betiteln. Wenn ihr Vorstellungen oder Wünsche äußert, wird dem gewiss entsprochen werden können. Im Laufe der Zeit hat seine Familie einen enormen Vorrat an Verkleidungen und Masken angelegt um dieser ablenkenden Tätigkeit nachzugehen. Für einen König ist dies die einzige Möglichkeit sich seinen Untertanen auf einer Ebene zu nähern. Wir sollten uns nun eilen und zeitig umziehen. Die Damen werden üblicherweise etwas länger brauchen. Ich stelle meine Gemächer zur Verfügung und bitte euch mir nun zu folgen.“
Damit verließ dann auch bald die kleine Gruppe den Salon und begannen sich für das Fest vorzubereiten.

(weiter bei: Die Gemächer der roten Dame)
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Samstag 17. Februar 2018, 17:45

(Delilah und Zanfar kommen von: Das Fest der Masken)

Zanfar führte Delilah, den vergeistigten Grafen und den jungen Alchimisten zum Salon. Der Raum war frei und Drache, Löwin und Dachs traten ein. Der Dachs sah sich um, wanderte durch die Gegend und wurde seinerseits betrachtet. Er griff sich an seine Maske, die den ganzen Kopf wie einen Helm umspannte und nahm sie ab. Darunter kam eine wischmoppartige Frisur zum Vorschein und ein paar dunkle fast petrolfarbene Augen. Er mochte vielleicht gerade 19 oder 20 Sommer gesehen haben, aber seine Augen funkelten intelligent und neugierig.

(Inspiration)

„Ähm... Ulrich... Ich bin Ulrich ... Lichtenstein. Aber nennt mich nur Ulrich, wenn ich helfen soll, bitte. Ich bin das erste Mal bei Hof und hoffe ihr verzeiht mir meine Manieren. Habt ihr was dagegen wenn ich rauche?“
, fragte er und kramte in seiner Gewandung nach einem Beutel Tabak. Ein paar schnelle Handgriffe später verließ schon würzig duftender, schwerer Rauch seine Lungen und erfüllte den Raum. Verano trat zu ihm und hielt ihm die Hand hin.
„Darf ich?“
Der Alchimist grinste schief, nickte und hielt dem Grafen sein Rauchwerk hin.
„Äh... Klar Mann.“
Beide Männer lehnten sich lässig an den großen Versammlungstisch und qualmten vor sich hin. Verano hustete einmal, aber schien das neue Geschmackserlebnis durchaus zu genießen. Seine Freude an allem neuen war einfach offensichtlich. Etwas entspannter wirkend sah der Drache dann die Löwin an, öffnete sein Hemd etwas weiter und fragte:
„Und womit willst du nun beginnen, Sonnenkind?“
Zanfar hatte ebenfalls den Alchimisten gemustert und alles an ihm schrie „Apotheker“. Solche Männer kannte er gut und meistens waren sie auch gut in dem was sie taten, nur ab und an... waren sie schlicht unzuverlässig. In Morgeria halfen da für gewöhnlich ein paar Drohungen und schon sputeten sie sich. Der junge Mann schien durchaus nett und hilfsbereit, doch auch ein wenig zu lässig. Es galt heraus zu finden, was der Kerl über die Vergiftung wusste und ob er ihnen helfen konnte. Würde er überhaupt begreifen, was sie brauchten? Irgendwie musste man ihm ja die Dringlichkeit der Situation verdeutlichen, damit er zügig handelte. Mit dem Grafen ganz offensichtlich irgendwelche Drogen zu rauchen, war da sicher nicht förderlich für die Arbeitsmoral.
„Guter Stoff.“
„Stoff?“
„Gutes Gras.“
„Gras?“
Die Naivität des Drachengeistes brach durch. Sein verdutzter Ausdruck, wie er das Rauchwerk betrachtete war nicht mit Gold aufzuwiegen. Bevor die beiden sich noch weiter miteinander anfreundeten und gemeinsam auf die Weide gingen, sollte man wohl doch das Thema wieder auf wesentliche Dinge bringen.
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Sonntag 18. Februar 2018, 05:43

„Mir wurde angetragen, dass ihr vielleicht meine Hilfe benötigt? Ich bin Alchimist und... Wie kann ich helfen?“ Die Lichtnovizin sah ihn einen Moment verwirrt an. Wer hatte ihn denn zu ihnen geschickt? Hmmm… aber nachdem ihr Leon aus verschiedenen Gründen nicht in der geeigneten Verfassung erschienen war, dass sie ihn um Hilfe bitten wollte, war Unterstützung anderer Art vielleicht keine schlechte Idee. Fiddatan nickte nur und meinte kurzerhand: „Indem ihr uns folgt...“
Dann sah er zu Zanfar, als hoffe er auf eine Bestätigung. „Ist doch so?“
Delilah antwortete stattdessen: „Ja, am besten folgt Ihr uns einfach.“

Der rote Salon war wirklich gut geeignet, obwohl eine Liegemöglichkeit noch besser wäre, aber auf jeden Fall war er leer. Delilah nahm die Maske vom Gesicht und legte sie auf der langen Tafel ab. Sie nahm den Kranz vom Kopf und legte ihn daneben. Dann zog sie ein Haarband aus ihrer Frisur und band sich die Haare nach hinten, desweiteren entfernte sie das lange Cape von ihren Schultern um sich besser bewegen zu können. Die enganliegenden Ärmel des Kleides waren wenigstens nicht im Weg. Zum Glück hatte sie keine langen ausgefallenen Ärmel an ihrem Kleid, dafür lagen ihr Hals und Nacken durch das fehlende Cape nun noch offener als zuvor. Während sie sich so auf ihre Arbeit vorbereitete, glitten ihre "Kinderaugen" einmal prüfend über den Neuankömmling in ihrer Runde.

„Ähm... Ulrich... Ich bin Ulrich ... Lichtenstein. Aber nennt mich nur Ulrich, wenn ich helfen soll, bitte. Ich bin das erste Mal bei Hof und hoffe ihr verzeiht mir meine Manieren. Habt ihr was dagegen wenn ich rauche?“

Die Heilerin schüttelte den Kopf. „Nein, überhaupt nicht.“ Sie war in Gedanken schon beim Behandlungsprozess, auch wenn sie gerade wahrnahm, dass der Alchemistenschüler einen sympathischen Eindruck machte, nicht viel älter war als sie und eine ausgesprochen interessante Augenfarbe hatte. Sie nickte ihm freundlich zu und schenkte ihm ein schnelles Lächeln.

„Es freut mich sehr Ulrich, ich bin Delilah, Schülerin der Lichtakademie. Dies hier“ – Sie deutete mit der offenen Hand auf Fiddatan. „Ist … Graf Verano von Weißenfels. Er hat sich bei einem Kampf eine Vergiftung mit dem Gift der tanzenden Knochen zugezogen. Kennt Ihr das Gift vielleicht? Was wisst ihr über Behandlungsmethoden? Gegengifte? Er hat die Wunde kauterisiert, aber das hat nicht alles entfernt. Ich möchte mich diesen Problem annehmen und kann Unterstützung vermutlich gut gebrauchen.“

Sie drehte sich zum Nichtgenannten um. „Was kannst du mir über das Gift sagen? Welche Maßnahmen werden in diesem Fall normalerweise ergriffen? Ich denke nicht, dass wir hier mit feiner Kohle irgendetwas ausrichten würden ...“, murmelte sie den letzten Satz leise vor sich hin, während sie vorher deutlich gesprochen hatte, damit auch Ulrich es hörte, und dies auch nun wieder tat. „Weißt du ob es tierischer oder pflanzlicher Herkunft ist, Z-ähm-zuufälligerweise…?“ Delilah biss sich auf die Lippe. Ihr wäre in ihrem Redefluss beinahe der Name über die Lippen gekommen, den sie durch eine Bemerkung der Roten Dame mit dem Dunkelelfen verbunden hatte… er hatte sich selbst stets als „Nichtgenannter“ vorgestellt und auch sonst war sein Name nicht noch einmal erwähnt worden. Delilah wusste zwar nicht warum, aber sie wollte nichts Unhöfliches tun und dem Elfen nicht die Macht über seinen Namen nehmen.

Ihr stieg ein vertrauter Duft in die Nase. Ach, so ein Kraut rauchte er. Manchmal wirkte es Wunder bei Schmerzpatienten und anderen Problemen, aber warum der Alchemist es sich selbst zuführte war Delilah nicht ganz klar. Dem Drachen würde es hingehen vielleicht ganz gut tun, obwohl sie ihn lieber in klarem Zustand hätte. Er wirkte um einiges… entspannter. „Und womit willst du nun beginnen, Sonnenkind?“

„Also.“, wandte sie sich den beiden vernebelten Herren zu. „Wir müssen das Gift aufhalten, bevor es die Knochen erreicht, die daraus resultierenden Schmerzen würde ich Euch gerne ersparen.“ Delilahs Stimme war ungewohnt ernst, es war offensichtlich, dass sie sich sehr auf ihre Aufgabe konzentrierte. „Ich werde mit einem Analysezauber beginnen um die Schwere der Wunde festzustellen und später gezielter heilen zu können. Das hilft außerdem mit meinen Kräften zu haushalten. Je nach der Schwere der Vergiftung würde ich danach den Heilungsprozess beginnen und gegebenenfalls mit einer >>Sonnenaura<< verstärken.“ Sie hielt kurz inne. „Alle meine Zauber, aber insbesondere die Analyse und die Sonnenaura bedürfen absoluter Konzentration, ich darf unter keinen Umständen gestört werden, ansonsten könnte das verheerende negative Auswirkungen haben. Ich muss also darum bitten, dass Ihr euch während der Behandlung ruhig verhaltet, Graf, und auch ihr beiden euch still haltet oder den Raum verlasst.“

Sie wandte sich nun wieder direkt an den Alchemisten. „Ulrich, habt ihr etwas, womit ihr den Heilungsprozess unterstützen könnt? Vielleicht etwas gegen das Gift? Ansonsten wäre es sicher auch von großer Hilfe, wenn ihr etwas habt, dass meine Kräfte vor oder nach der Heilung stärken könnte.“ Delilah war wieder in ihrem Element.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 19. Februar 2018, 20:37

Zanfar führte Deliah und Fiddatan in den Roten Salon. Auf dem Weg dorthin nahmen sie gleich noch den Alchemisten Gesellen mit sich, den ein Diener zu ihnen Geführt hatte.

„Mir wurde angetragen, dass ihr vielleicht meine Hilfe benötigt? Ich bin Alchimist und... Wie kann ich helfen?“
Die Lichtnovizin sah ihn einen Moment verwirrt an. Fiddatan nickte nur und meinte kurzerhand:
„Indem ihr uns folgt...“


Ha, gut, ich mag dich zwar nicht, aber deine trockene Art ist gut.
Dann sah er zu Zanfar, als hoffe er auf eine Bestätigung. „Ist doch so?“
Zanfar nickte nur und versuchte, nicht zu lachen.
Delilah antwortete stattdessen: „Ja, am besten folgt Ihr uns einfach.“

Im roten Salon angekommen nahm Delilah die Maske vom Gesicht und legte sie auf der langen Tafel ab. Sie nahm den Kranz vom Kopf und legte ihn daneben. Dann zog sie ein Haarband aus ihrer Frisur und band sich die Haare nach hinten, desweiteren entfernte sie das lange Cape von ihren Schultern um sich besser bewegen zu können. Die enganliegenden Ärmel des Kleides waren wenigstens nicht im Weg. Zum Glück hatte sie keine langen ausgefallenen Ärmel an ihrem Kleid, dafür lagen ihr Hals und Nacken durch das fehlende Cape nun noch offener als zuvor. Während sie sich so auf ihre Arbeit vorbereitete, glitten ihre "Kinderaugen" einmal prüfend über den Neuankömmling in ihrer Runde.

Zanfars Aufmerksamkeit lag ganz auf der schlanken jungen Frau. Ihre Bewegungen waren zweckmäßig und rein praktischer Natur, aber gerade dadurch wurde die junge Frau umso Sinnlicher. Es juckte ihn in den Finger, durch Deliahs langes goldenes Haar zu fahren und die seidige Haut ihres schlanken Halses zu streicheln.
Er schluckte schwer und konzentrierte sich auf den jungen Mann im Raum bevor Delilahs Blick doch noch zufällig den seinen traf.

„Ähm... Ulrich... Ich bin Ulrich ... Lichtenstein. Aber nennt mich nur Ulrich, wenn ich helfen soll, bitte. Ich bin das erste Mal bei Hof und hoffe ihr verzeiht mir meine Manieren. Habt ihr was dagegen wenn ich rauche?“
Die Heilerin schüttelte den Kopf. „Nein, überhaupt nicht.“

Sie schien, als wäre sie mit den Gedanken längst bei der Behandlung des Drachen.
Zanfar ward einen prüfenden Blick zu dem Jüngling. Gerade jetzt zu einem Rauschmittel zu greifen war äußerst unhöflich – vor allem da der Junge die Frage gestellt, aber nicht auf eine Antwort gewartet hatte.

Delilah ergriff wieder das Wort:
„Es freut mich sehr Ulrich, ich bin Delilah, Schülerin der Lichtakademie. Dies hier“ – Sie deutete mit der offenen Hand auf Fiddatan. „Ist … Graf Verano von Weißenfels. Er hat sich bei einem Kampf eine Vergiftung mit dem Gift der tanzenden Knochen zugezogen. Kennt Ihr das Gift vielleicht? Was wisst ihr über Behandlungsmethoden? Gegengifte? Er hat die Wunde kauterisiert, aber das hat nicht alles entfernt. Ich möchte mich diesen Problem annehmen und kann Unterstützung vermutlich gut gebrauchen.“
Nun, wenn das Kerlchen jetzt nicht seine Zigarette aus macht und acht gibt, werde ich ihm ein paar ernste für seine Zukunft mit geben.[/b]

Sie drehte sich zum Nichtgenannten um. „Was kannst du mir über das Gift sagen? Welche Maßnahmen werden in diesem Fall normalerweise ergriffen? Ich denke nicht, dass wir hier mit feiner Kohle irgendetwas ausrichten würden ...“, murmelte sie den letzten Satz leise vor sich hin, während sie vorher deutlich gesprochen hatte, damit auch Ulrich es hörte, und dies auch nun wieder tat. „Weißt du ob es tierischer oder pflanzlicher Herkunft ist, Z-ähm-zuufälligerweise…?“ Delilah biss sich auf die Lippe.
Der Nichtgenannte stockte kurz.
Soviel dazu, ob sie Chasins versprecher nicht mitbekommen hat… ist es seltsam, dass ich sie gern meinen Namen sagen hören würde? Warte … ja ist es.

„Zufälligerweise nein, leider nicht. Ich kenne es unter dem Namen “Gift der tanzenden Knochen“. Was ich dir darüber sagen kann, ist, dass es sehr zähflüssig in seiner Konsistenz ist, was es zu einem beliebten Waffengift macht. Es verursacht schwere Verätzungen auf der Haut und frisst sich durch alle Haut-Schichten sowie Muskel und Fettgewebe bis hinab zum Knochen. Ist man schnell genug, kann man es zusammen mit dem betroffenen Gewebe abtragen und weiteren Schaden vermeiden.
Hat es erst einmal den Knochen erreicht, beginnen diese zu vibrieren und zersetzen sich. Die Schmerzen sind unvorstellbar und nur starke Lichtmagie kann zu diesem Zeitpunkt noch das Leben des betroffenen retten.“

Teilte Zanfar sein Wissen mit den Anwesenden. Unbewusst blickte er auf seine Hand hinab, die damals Betroffen gewesen war. Noch immer war die Narbe gut zu sehen, weil er sich die Haut an den betroffenen Stellen Großzügig hatte entfernen lassen müssen. Seine Handschuhe verbargen die alte Wunde, aber spürte sie umso deutlicher, während er an Ulyne und ihr Werk dachte. Er schloss die Hand einmal, wie um sich daran zu erinnern, dass alles damit in Ordnung und der Schmerz lediglich eine Erinnerung war.

„Die Wunde auszubrennen hat den Prozess verlangsamt, aber ich würde Empfehlen, das Gewebe großzügiger wegzuschneiden, um jeden Rest des Giftes zu entfernen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es ein Gegengift gibt, aber es ist durchaus möglich, dass die Lichtmagie andere, sanftere Methoden kennt, um dem Gift zu begegnen. Meine Expertise in diesem Gebiet ist bestenfalls mangelhaft.“
Gab er eine Empfehlung ab.

„Und womit willst du nun beginnen, Sonnenkind?“
Fragte Fiddatan. Delilahs Antwort folgte auf dem Fuße.
„Also.“, wandte sie sich den beiden vernebelten Herren zu. „Wir müssen das Gift aufhalten, bevor es die Knochen erreicht, die daraus resultierenden Schmerzen würde ich Euch gerne ersparen.“ Delilahs Stimme war ungewohnt ernst, es war offensichtlich, dass sie sich sehr auf ihre Aufgabe konzentrierte. „Ich werde mit einem Analysezauber beginnen um die Schwere der Wunde festzustellen und später gezielter heilen zu können. Das hilft außerdem mit meinen Kräften zu haushalten. Je nach der Schwere der Vergiftung würde ich danach den Heilungsprozess beginnen und gegebenenfalls mit einer >>Sonnenaura<< verstärken.“ Sie hielt kurz inne. „Alle meine Zauber, aber insbesondere die Analyse und die Sonnenaura bedürfen absoluter Konzentration, ich darf unter keinen Umständen gestört werden, ansonsten könnte das verheerende negative Auswirkungen haben. Ich muss also darum bitten, dass Ihr euch während der Behandlung ruhig verhaltet, Graf, und auch ihr beiden euch still haltet oder den Raum verlasst.“

Sie wandte sich nun wieder direkt an den Alchemisten. „Ulrich, habt ihr etwas, womit ihr den Heilungsprozess unterstützen könnt? Vielleicht etwas gegen das Gift? Ansonsten wäre es sicher auch von großer Hilfe, wenn ihr etwas habt, dass meine Kräfte vor oder nach der Heilung stärken könnte.“ Delilah war wieder in ihrem Element.

Und Zanfar genoss die Heilerin in diesem zu beobachten. Von der Zurückhaltung und Schüchternheit, die ihr sonst anzuhaften schien, war nichts zu erkennen. Sie Strahlte in einer Inneren Stärke und ließ keinen Zweifel daran, wer in diesem Raum das Kommando hatte und der Dunkelelf hatte kein Problem damit, ihr eben dieses zu überlassen.
Auch wenn er kein untalentierter Sanitäter war, Deliah spielte, was das Heilen anging, in einer gänzlich anderen Liga und er war erpicht darauf, ihr bei der Arbeit zuzusehen – weswegen er ganz sicher nicht den Raum verlassen würde.
Er warf nochmal einen warnenden Blick in Richtung des Alchemisten.
„Meint ihr nicht auch, dass ihr die Rauschmittel auch später zu euch nehmen könnt, Ulrich Lichtenstein.“
Mahnte er.
Zu Deliah gewandt sagte er.
„Ich würde gerne hier bleiben, vielleicht kannst du doch noch Hilfe gebrauchen. Ansonsten habe ich reichlich Erfahrung damit, Bewegungs und Tonlos in einer Ecke herum zu stehen, ich sollte dich also nicht stören.“

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Dienstag 20. Februar 2018, 09:35

„Es freut mich sehr Ulrich, ich bin Delilah, Schülerin der Lichtakademie. Dies hier...“
Sie deutete mit der offenen Hand auf Fiddatan.
„...ist … Graf Verano von Weißenfels. Er hat sich bei einem Kampf eine Vergiftung mit dem Gift der tanzenden Knochen zugezogen. Kennt Ihr das Gift vielleicht? Was wisst ihr über Behandlungsmethoden? Gegengifte? Er hat die Wunde kauterisiert, aber das hat nicht alles entfernt. Ich möchte mich diesen Problem annehmen und kann Unterstützung vermutlich gut gebrauchen.“
Der junge Alchimist blinzelte ein paar mal und zog an seiner Zigarette. Sein Gehirn schien etwas langsamer als das gewöhnlicher Menschen an zu laufen, also drehte sie sich zum Nichtgenannten um.
„Was kannst du mir über das Gift sagen? Welche Maßnahmen werden in diesem Fall normalerweise ergriffen? ...Ich denke nicht, dass wir hier mit feiner Kohle irgendetwas ausrichten würden ...
, murmelte sie den letzten Satz leise vor sich hin, während sie vorher deutlich gesprochen hatte, damit auch Ulrich es hörte, und dies auch nun wieder tat. Der Junge nickte nur nachdenklich.
„Weißt du ob es tierischer oder pflanzlicher Herkunft ist, Z-ähm-zuufälligerweise…?“
Delilah biss sich auf die Lippe. Der Nichtgenannte stockte kurz. War es seltsam, dass er sich wünschte sie seinen Namen sagen zu hören? … ja war es. Zanfar antwortete flüssig:
„Zufälligerweise nein, leider nicht. Ich kenne es unter dem Namen “Gift der tanzenden Knochen“.“
Ulrich hob nun auch interessiert den Kopf.
„... Was ich dir darüber sagen kann, ist, dass es sehr zähflüssig in seiner Konsistenz ist, was es zu einem beliebten Waffengift macht. Es verursacht schwere Verätzungen auf der Haut und frisst sich durch alle Haut-Schichten sowie Muskel und Fettgewebe bis hinab zum Knochen. Ist man schnell genug, kann man es zusammen mit dem betroffenen Gewebe abtragen und weiteren Schaden vermeiden. Hat es erst einmal den Knochen erreicht, beginnen diese zu vibrieren und zersetzen sich. Die Schmerzen sind unvorstellbar und nur starke Lichtmagie kann zu diesem Zeitpunkt noch das Leben des betroffenen retten.“
Unbewusst blickte er auf seine Hand hinab, die damals Betroffen gewesen war.
„Die Wunde auszubrennen hat den Prozess verlangsamt, aber ich würde empfehlen, das Gewebe großzügiger wegzuschneiden, um jeden Rest des Giftes zu entfernen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es ein Gegengift gibt, aber es ist durchaus möglich, dass die Lichtmagie andere, sanftere Methoden kennt, um dem Gift zu begegnen. Meine Expertise in diesem Gebiet ist bestenfalls mangelhaft.“
Gab er seine Empfehlung ab.
„Und womit willst du nun beginnen, Sonnenkind?“
, fragte Fiddatan. Delilahs Antwort folgte auf dem Fuße:
„Also.“
, wandte sie sich den beiden vernebelten Herren zu.
„Wir müssen das Gift aufhalten, bevor es die Knochen erreicht, die daraus resultierenden Schmerzen würde ich Euch gerne ersparen.“
Delilahs Stimme war ungewohnt ernst, es war offensichtlich, dass sie sich sehr auf ihre Aufgabe konzentrierte.
„Ich werde mit einem Analysezauber beginnen um die Schwere der Wunde festzustellen und später gezielter heilen zu können. Das hilft außerdem mit meinen Kräften zu haushalten. Je nach der Schwere der Vergiftung würde ich danach den Heilungsprozess beginnen und gegebenenfalls mit einer >>Sonnenaura<< verstärken.“
Sie hielt kurz inne.
„Alle meine Zauber, aber insbesondere die Analyse und die Sonnenaura bedürfen absoluter Konzentration, ich darf unter keinen Umständen gestört werden, ansonsten könnte das verheerende negative Auswirkungen haben. Ich muss also darum bitten, dass Ihr euch während der Behandlung ruhig verhaltet, Graf, und auch ihr beiden euch still haltet oder den Raum verlasst.“
Sie wandte sich nun wieder direkt an den Alchemisten der inzwischen mit offenen Mund die Brustwunde des Grafen begaffte.
„Ulrich, habt ihr etwas, womit ihr den Heilungsprozess unterstützen könnt? Vielleicht etwas gegen das Gift? Ansonsten wäre es sicher auch von großer Hilfe, wenn ihr etwas habt, dass meine Kräfte vor oder nach der Heilung stärken könnte.“
Delilah war wieder in ihrem Element und Zanfar genoss die Heilerin in diesem zu beobachten. Von der Zurückhaltung und Schüchternheit, die ihr sonst anzuhaften schien, war nichts zu erkennen. Sie strahlte in einer inneren Stärke und ließ keinen Zweifel daran, wer in diesem Raum das Kommando hatte und der Dunkelelf hatte kein Problem damit, ihr eben dieses zu überlassen, sowie auch jeder andere Mann im Raum. Zanfar warf nochmal einen warnenden Blick in Richtung des Alchemisten, was man vor allem in seiner Haltung als leichte Drohung werten konnte.
„Meint ihr nicht auch, dass ihr die Rauschmittel auch später zu euch nehmen könnt, Ulrich Lichtenstein.“
, mahnte er. Zu Delilah gewandt sagte er:
„Ich würde gerne hier bleiben, vielleicht kannst du doch noch Hilfe gebrauchen. Ansonsten habe ich reichlich Erfahrung damit, bewegungs- und tonlos in einer Ecke herum zu stehen, ich sollte dich also nicht stören.“
Fiddatan fügte noch einen anderen vielleicht wichtigen Punkt hinzu:
„Tonlos in der Ecke stehen wird vielleicht nicht reichen... „
Er wandte sich wieder von Zanfar, Delilah zu.
„... Du meintest, es könnte schlimme Folgen haben, wenn du gestört wirst. Dann sollte auch verhindert werden, dass jemand während des Vorgangs den Raum betritt. Immerhin ist nicht weit von hier ein Fest im Gange.“
Auch wenn Zanfars Sympathien bestimmt nicht dem Grafen galten, so war dies ein nicht ganz abwegiges Argument und anscheinend wollte auch der Drache ebenso wie Zanfar sicher nicht, dass der jungen Lichtmagi etwas geschah. Im ganzen Schloss waren halb oder voll betrunkene feiernde Menschen unterwegs und die Wahrscheinlichkeit, dass sich irgendwer hier her verirrte, war nicht vollkommen unwahrscheinlich. Sie konnten sicher keinen laut singenden Besoffenen gebrauchten, der lautstark an die Tür hämmerte, weil er den Raum in seinem Suff für einen Abort hielt.
Und dann hatte sich auch endlich der Alchimist gefangen und machte tatsächlich seine Zigarette aus. Er wirkte plötzlich sehr geschäftig und seine Augen glitzerten vor Tatendrang. Anscheinend war sein Gehirn nun warm gelaufen.
„Ja! Ja! jemand sollte unbedingt ein Auge auf den Gang draußen haben. Ich habe mal einen Novizen behandelt, der sich bei so was leer gezaubert hatte. Kein schöner Anblick! Der arme Junge hatte sich die Augen ausgebrannt. Die Augäpfel waren verschrumpelt wie Rosinen und hingen nur noch an dünnen Fäden aus den Höhlen.“
Seine viel zu plastische Beschreibung jagte Delilah unwillkürlich einen Schauer über den Rücken. Sie selbst war so einem Schicksal nur knapp entgangen und das auch nur durch die Hilfe des Mannes, der nun vor ihr mit übereinander geschlagenen Beinen lässig am Tisch lehnte, aber eben doch nicht mehr der gleiche war war. Jetzt musste sie sich aber ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren. Ulrich sprach weiter:
„Es gibt tatsächlich einen Trank, der die Regenerationsfähigkeit von Magiern steigert, aber einen gewissen Zeitraum der Ruhe sollte man immer einhalten. Den könnte ich vorbereiten. Ich müsste nur in die Werkstatt meines Meisters und ein paar Sachen her holen. Damit ich euch aber später nicht störe, sollte ich das erst tun, wenn ihr euren ersten Analysezauber gewirkt habt. Vielleicht brauchen wir ja noch etwas anders und es wäre schlecht wenn ich dann häufig hin und her rennen müsste...nicht dass mich das stören würde, aber es könnte Aufmerksamkeit auf mich ziehen ...und die mag ich nicht besonders. Ich bin nicht so der ...“
Ulrich bemerkte, dass er angefangen hatte zu schwafeln und schloss den Mund mit einem unsicherem Lachen. Er griff sich aber schon mal in sein ausladendes Kostüm und holte Grafitstift und ein kleines Heft hervor, in dem er sich Notizen machte. Fiddatan beachtete ihn nicht weiter und wandte sich wieder Delilah zu.
„Soll ich noch irgendetwas machen?“
Die junge Lichtmagi dirigierte selbstsicher und mit kurzen präzisen Anweisungen den großen Mann auf die lange Sitzungstafel, die so zum Krankenbett umfunktioniert wurde. Sie befahl ihm sein Hemd auszuziehen, was Verano mit einem schelmischen Grinsen auch tat. Zanfar fiel bei dieser Gelegenheit auf, dass der Graf einige Kampfnarben auf seinem Leib trug. Die frischeste war wohl die auf seiner Brust, aber dieser Leib hatte mehr als ein dutzend Kämpfe überstanden. Manche Narben konnte er nicht zuordnen, aber die meisten waren durch Klingen hervorgerufen worden, da hatte er Ahnung von. Er sah aber auch einen Biss, vermutlich von einem Wolf, wenn dieser achte lange Reißzähne haben könnte und auch etwas, dass an Peitschenhiebe erinnerte. Verano hätte wohl einige Geschichten erzählen können, wenn er noch hier gewesen wäre.
Während seiner Beobachtung bereitete sich nun Delilah auf ihren ersten Zauber vor. Sie hatte ihn „Lichte Innenschau“ genannt und erklärte den Männern, was nun genau geschehen würde. Sie beschrieb einen Zauber der ein hohes Maß an Konzentration erforderte. Der Zauberer ließe dabei sein eigenes Licht in den zu dem Heilenden fließen, aber behielte es dort unter Kontrolle, bis er die zu behandelnden Stellen vor seinem inneren Auge visualisieren könnte. Erst dann, ließe er seine „Lichtpartikel“ frei, die seiner Heilung dann den Weg weisen würde, um so gezielter und schonender mit seinen eigenen Kräften haushalten zu können. Der Fluss des Lichts würde so in eine ausgewogene Balance gesteuert, benötigte aber einige Zeit an Vorbereitung und innerer Kontemplation. Soweit so gut.
Verano lag mit blanken Oberkörper bereit auf dem Besprechungstisch. Die Stühle drum herum hatten sie weg geräumt und jemand hatte einen Vorhang zu einem Kissen zusammen gerollt. Eilige Handgriffe zur Vorbereitung waren noch möglich, aber dann hob sie die Hand und Ruhe kehrte ein. Delilah trat an Veranos Leib heran und schloss die Augen.



Zähe Minuten später hob sie langsam ihre Hände an ihre Brust und ein strahlendes Licht glomm unter ihre Haut hervor, dass seinen Weg in ihre Hände fand. Es wurde heller im Raum. Langsam streckte sie ihre Hände nach vorne und wollte gerade ihr Licht in Verano fließen lassen als dieser mit einem unterdrückten Schmerzschrei zurück wich und vom Tisch rollte. Sein Gesicht war verzerrt und ein dunkles Grollen erfüllte den Raum. In dem kurzen Moment der Berührung hatte Delilah aber eines erfahren: LEID!
Delilah presste ihr Licht schnell wieder an ihre Brust.
Der Drache sprach gleichzeitig:
„HALT!“
Seine Stimme kam von überall her und Ulrich taumelte nach hinten und setze sich prompt auf seinen Hosenboden. Natürlich brach Delilah ebenfalls den Zauber ab.
„Das was du da tust, dass … dein Licht! Es versuchst mich zu verdrängen! Es stört den Vertrag, das Band in uns. Ich werde diesen Leib nicht verlassen! War das dein Plan? Wolltest du mich doch tief in deinem Herzen austreiben, kleine Magi? Vergisst du nicht, dass dann der Leib sterben wird, ohne meine Hilfe... ohne eine Seele?! Ich habe dir offenbart, dass ich gehen werde. Bist du jetzt doch ungeduldig geworden?“
Ulrich konnte anscheinend nicht an sich halten, als sein lautes:
„Er ist besessen!“
, aus seinem Mund platzte und er den Grafen mit große Augen anstarrte. Fiddatans Blick war ungehalten, schmerzverzerrt aber noch nicht böse, als er zu dem Alchimistenlehrling wanderte uns ein Knurren erfüllte den Raum.
„Ja so ist es und was willst DU dagegen tun?!?“
Ulrich riss die Brauen hoch.
„Ich?... Ich...äh...gar nichts!!!... Ich könnte maximal ...einen Trank brauen, der euch beruhigt und eure Seele heilt! ...“
Er faselte wahrscheinlich schon wieder, was wohl seiner Aufregung geschuldet war.
„Er heißt: Trank des unruhigen Geistes. Er heilt Verletzungen des Geistes und der Seele, Traumata, psychische Krankheiten und so weiter... Er wirkt klärend und beruhigend auf Geist und Seele. Ich bräuchte Baldrian, Lavendel, Lindenblüten und geriebenes Horn eines Einhorns ...Einhornpulver. Ich glaube der Meister hat noch welches da...“
Alle starrten ihn an.



Dann lachte Fiddatan lauthals los. Als sein Lachen langsam verklang und er sich verwundert eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel wischte, sah er wieder Ulrich an:
„Der Kerl gefällt mir!“
Der Graf stellte sich aufrecht hin und stemmte die Hände in die Seiten.
„Wen ihr mich, den Geist beruhigen und heilen könnt, dann würde ich sagen, sputet euch zu der Werkstatt eures Meisters und holt was ihr braucht!“
Ulrich sprang auf und rannte hinaus.
„Und nun zu dir, kleine Delilah!“
Verano kam um den Tisch herum gewandert und Zanfar stand instinktiv zwischen ihr und dem Drachen. Der Graf hob fragend eine Braue.
„Ich werde ihr nichts tun.“
, versuchte er den Dunkelelfen zu beschwichtigen, der sicherheitshalber keinen Zentimeter von der Stelle wich.
„Ich will nur etwas klar stellen.“
Er spähte an Zanfar vorbei.
„Dein Zauber... er benutzt einen Teil deiner eigenen Seele. Deine Seele ist stärker als du vielleicht glaubst, sie ist ...ihr nennt es 'heilig' und sehr rein! Es bereitet mir Schmerzen und Leid, wenn du sie in diesen Körper drückst. Also lass das. Etwas hallte in Delilahs Unterbewusstsein wieder, gleich einer fernen Erinnerung:
...wird erstrahlen im Licht, heilig und rein, ...
...wird Leid erfahren, bis tief ins Gebein, ...

Das Prophezeiungen sich aber auch nie an eine chronologische Reihenfolge halten konnten!
„Vielleicht schafft der kleine Ulrich ja, was er glaubt zu können. Dann betäubt er meinen Geist und ihr könnt in aller Seelenruhe diesen Leib zusammen flicken. Aber wenn ihr mich austreibt, wird euer Freund sein Schicksal wohl erfüllen müssen. Bedenkt dies wohl.“
Er lehnte sich wieder entspannt an die Tischkante. Durch die schnelle Ausweichbewegung war die kauterisierte Narbe an einer kleinen Stelle wieder aufgebrochen und ein kleiner Blutstropfen bahnte sich seinen Weg über seine Brust.
„Der König ist erwacht und ich werde so oder so nach Drachma gelangen. Wenn ihr mir diesen Körper nehmt, dann nehme ich mir einen anderen.“
Ja, der Drachengeist war ungehalten und stellte die Fronten klar. Wer war nicht ungehalten, wenn er Schläge bekam oder Schmerzen hatte. Zanfar konnte dem vielleicht nachfühlen.
„Wollen wir also fortfahren?“
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Freitag 23. Februar 2018, 10:50

Die viel zu plastische Beschreibung des Alchemisten jagte Delilah unwillkürlich einen Schauer über den Rücken. Sie selbst war so einem Schicksal nur knapp entgangen und das auch nur durch die Hilfe des Mannes, der nun vor ihr mit übereinander geschlagenen Beinen lässig am Tisch lehnte, aber eben doch nicht mehr der Gleiche war. Ihr Blick blieb einen Moment an ihm hängen, ein Hauch von Trauer machte sich in ihrem Herzen breit, ehe sie die verkrampften Hände wieder entspannte. Sie musste sich auf ihre Aufgabe konzentrieren.
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.
Sie hatte das Zaubern von Anfang an geliebt. Die Akademie hatte ihr gezeigt wie man das Licht, das sie schon ihr Leben lang in sich gespürt hatte in Bahnen lenken konnte, die dem Menschen helfen konnten. Es war so natürlich, ja geradezu befreiend gewesen, bestimmten Dingen endlich einen Namen geben zu können. Hatte sie die Magie früher unbewusst umgeben, oder sich wild seinen Weg nach draußen geschlagen, so kannte Delilah nun die Techniken um es fließen zu lassen und zu lenken. Die Schwierigkeit war es, das Licht auf diesem Weg zurückzuhalten und zu kontrollieren. Sie war nicht umsonst Nova getauft worden. Ihr Licht war stark, aber zurückgehalten worden, und hatte sich wild entladen. Auch später war Zurückhaltung nicht ihre Stärke gewesen. Als wenn etwas all die Jahre gebunden gewesen war, unfähig die Flügel zu strecken mit heftigen Ausbruchsversuchen. Doch dieses Gefühl war verschwunden und de Jorsanerin damit eine Last vom Herzen genommen worden, von der sie nicht bemerkt hatte, dass es sie gab.

Es wurde heller im Raum. Langsam streckte sie ihre Hände nach vorne und wollte gerade ihr Licht in Verano fließen lassen als dieser mit einem unterdrückten Schmerzschrei zurück wich und vom Tisch rollte. Sein Gesicht war verzerrt und ein dunkles Grollen erfüllte den Raum. In dem kurzen Moment der Berührung hatte Delilah aber eines erfahren: LEID! Sie zuckte zusammen und fuhr erschrocken zurück, während sie ihr Licht schnell wieder an ihre Brust presste. Ihre Hände zitterten. Sie durfte die Kontrolle über ihre Magie nicht verlieren! Aber… aber sie hatte Schmerzen zugefügt?! Die Erkenntnis traf sie wie ein Eimer kaltes Wasser. Wie war das passiert!?! Dazu sollte ihr Zauber gar nicht in der Lage sein!! Die Erinnerung an ihren letzten Fehler griff ihr mit seiner eiskalten Hand an die Kehle. Ihr Schlug das Herz bis zum Hals. Doch was war falsch gelaufen?
„HALT!“
Seine Stimme kam von überall her und Ulrich taumelte nach hinten und setze sich prompt auf seinen Hosenboden. Delilah brach nun kontrolliert den Zauber ab.
„Das was du da tust, dass … dein Licht! Es versuchst mich zu verdrängen! Es stört den Vertrag, das Band in uns. Ich werde diesen Leib nicht verlassen! War das dein Plan? Wolltest du mich doch tief in deinem Herzen austreiben, kleine Magi? Vergisst du nicht, dass dann der Leib sterben wird, ohne meine Hilfe... ohne eine Seele?! Ich habe dir offenbart, dass ich gehen werde. Bist du jetzt doch ungeduldig geworden?“


Delilahs Mund klappte ungläubig auf, während sie den Drachen etwas verständnislos ansah. Plan? Austreiben? Wovon redete er da? Sie hatte an nichts dergleichen auch nur ansatzweise gedacht! Der Schock über die plötzliche Wendung, die Erinnerung an vergangene missglückte Magie und die vielen Fragen in ihrem Kopf ließen ihr Herz noch immer schnell schlagen. Sie lauschte eher abwesend dem Gespräch zwischen dem Alchemisten und dem Drachen, während ihre Gedanken rasten und ihr Blick unter ihrer gerunzelten Stirn ins Nichts gerichtet war. Was war falsch gelaufen?
„…maximal ...einen Trank brauen, der euch beruhigt und eure Seele heilt! ...“ Delilah hob den Kopf, als dieser Satzfetzen bis in ihr Bewusstsein vordrang.
Er faselte wahrscheinlich schon wieder, was wohl seiner Aufregung geschuldet war.
„Er heißt: Trank des unruhigen Geistes. Er heilt Verletzungen des Geistes und der Seele, Traumata, psychische Krankheiten und so weiter... Er wirkt klärend und beruhigend auf Geist und Seele. Ich bräuchte Baldrian, Lavendel, Lindenblüten und geriebenes Horn eines Einhorns ...Einhornpulver. Ich glaube der Meister hat noch welches da...“
Oh, vielleicht könnte der Trank die Wunde des Drachengeistes heilen? Vielleicht sollte sie sich ausgiebiger mit den Möglichkeiten der Alchemie auseinander setzen, wenn sie eine gute Heilerin werden wollte. Im Moment sah sie sich definitiv nicht als solche. …Aber noch stand sie ja am Anfang ihrer Ausbildung. Alle starrten ihn an.



Dann lachte Fiddatan lauthals los. Als sein Lachen langsam verklang und er sich verwundert eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel wischte, sah er wieder Ulrich an:
„Der Kerl gefällt mir!“
Der Graf stellte sich aufrecht hin und stemmte die Hände in die Seiten.
„Wen ihr mich, den Geist beruhigen und heilen könnt, dann würde ich sagen, sputet euch zu der Werkstatt eures Meisters und holt was ihr braucht!“
Ulrich sprang auf und rannte hinaus.


Währenddessen setzten sich ein paar Teile in Delilahs Kopf zusammen, deren Blick wieder abwesend geworden war. Seele und Geist… vielleicht hatte Verano mehr als einen Grund gehabt, warum er sie nicht bei seinen Verletzungen hatte helfen lassen… der Vertrag wird gestört… ob sie diese Wirkung auch bei ihm und dem Tha’Roon-Geist gehabt hätte…? "… dein Licht würde mich nur verbrennen… " hatte er nicht mal so etwas gesagt. Vielleicht hatte er das nicht nur metaphorisch gemeint… Aber wer wusste das schon?! Er hatte sich immer in seinen Mantel aus Geheimnissen gekleidet, nie hatte sie verstanden, was er ihr eigentlich sagen wollte… jeder Satz hatte eine doppelte… ach was… dreifache Bedeutung gehabt und sie hatte meist nicht einmal die erste davon begriffen. Delilah fühlte sich gerade sehr dumm und unwissend, immer noch schuldig an Fiddatans Schmerz und … frustriert… hieß das jetzt, sie hatte die Möglichkeit Geister auszutreiben? Hätte sie damals den Geist aus Luci verdrängen können? Den Geist des verlorenen Kindes aus Verano? Der Gedanke war irgendwie… beunruhigend.

„Und nun zu dir, kleine Delilah!“
Verano kam um den Tisch herum gewandert und Zanfar stand instinktiv zwischen ihr und dem Drachen
, was ihr gar nicht gefiel. Wenn der Drache nun wirklich aggressiv werden würde, könnte Zanfar nicht viel unternehmen… und dann wollte Deli ihn ganz sicher nicht in der Schusslinie haben! Der Graf hob fragend eine Braue.
„Ich werde ihr nichts tun.“, versuchte er den Dunkelelfen zu beschwichtigen, der sicherheitshalber keinen Zentimeter von der Stelle wich, Delilah legte Zanfar beruhigend eine Hand auf die Schulter und ging einen Schritt zur Seite, sodass sie nun dicht neben dem Elfen stand. Dabei war sie selbst alles andere als ruhig.
„Ich will nur etwas klar stellen.“
Er spähte an Zanfar vorbei.
Deli Linke griff nach Zanfars rechter Hand, aus mehreren Gründen. Um sich selbst ein wenig zu beruhigen, aber auch damit der Dunkelelf nichts Dummes tat. Obwohl sie ihn für sehr vernünftig hielt, hatte sie seine starke Abneigung gegen den Drachen bemerkt. Die Berührung tat auch ihrem aufgewühlten Geist gut, es war also wohl hauptsächlich eigennützig, als sie seine Hand ergriff.
„Dein Zauber... er benutzt einen Teil deiner eigenen Seele. Deine Seele ist stärker als du vielleicht glaubst, sie ist ...ihr nennt es 'heilig' und sehr rein!“ Natürlich… alle Seelen waren heilig und rein! …
.
.
oder etwa nicht?
„Es bereitet mir Schmerzen und Leid, wenn du sie in diesen Körper drückst. Also lass das.“ Delilahs Finger zuckten. Schmerzen. Sie kam noch immer nicht mit dem Gedanken zurecht, dass sie jemandem Schmerzen zugefügt hatte… schon wieder… wie damals auf dem Marktplatz. Sie wollte heilen, helfen! Und keinen Schaden zufügen… Einige Satzfetzen Veranos fielen ihr wieder ein, die darauf hatten schließen lassen, dass er sich nicht für einen … reinen und guten Menschen hielt. Das war kurz bevor er davon gesprochen hatte, dass ihr Licht ihn verbrennen würde… War das der Grund? Aber das war doch der Körper und nicht der Geist der… aber sowas wäre in der Akademie schon früher aufgefallen… oder? ... und was hatte das zu tun mit ....ach, es war doch zum Mäusemelken!
Leise hallte etwas in Delilahs Unterbewusstsein wieder, gleich einer fernen Erinnerung:
...wird erstrahlen im Licht, heilig und rein, ...
...wird Leid erfahren, bis tief ins Gebein, ...

Hmrrpfhf. Und sie hatte geglaubt, DEN Punkt von der Liste schon erledigt zu haben, aber vielleicht war es auch nur ein wiederkehrendes Muster...

Vielleicht schafft der kleine Ulrich ja, was er glaubt zu können. Dann betäubt er meinen Geist und ihr könnt in aller Seelenruhe diesen Leib zusammen flicken. Aber wenn ihr mich austreibt, wird euer Freund sein Schicksal wohl erfüllen müssen. Bedenkt dies wohl.“
Er lehnte sich wieder entspannt an die Tischkante. Durch die schnelle Ausweichbewegung war die kauterisierte Narbe an einer kleinen Stelle wieder aufgebrochen und ein kleiner Blutstropfen bahnte sich seinen Weg über seine Brust.
Delilah sah kurz zur Tür hinter der Ulrich verschwunden war… hoffentlich tat er nicht Unbedachtes und war wirklich nur losgezogen, um die Zutaten für das Mittel zu holen… „Der König ist erwacht und ich werde so oder so nach Drachma gelangen. Wenn ihr mir diesen Körper nehmt, dann nehme ich mir einen anderen.“ König? … irgendein Drachenkönig war erwacht? …vielleicht sollte sie das jetzt beunruhigen.

Ja, der Drachengeist war ungehalten und stellte die Fronten klar. Wer war nicht ungehalten, wenn er Schläge bekam oder Schmerzen hatte. Zanfar konnte dem vielleicht nachfühlen.
„Wollen wir also fortfahren?“

Delilah hatte sich dem Zorn gestellt, auch wenn ihr das Herz bis zum Hals schlug, denn sie konnte ihn verstehen. Sie hatte Heilung versprochen und Schmerzen gebracht und das war etwas, was sie sich selbst nur schwer verzeihen konnte.

„Ich wollte dir nicht schaden.“ Sie begegnete dem Blick des Drachen offen. „Ich hoffe, das weißt du. Du hast mich …gesehen und Verano kannte mich. Ich würde niemals einem Wesen mit Absicht Schmerzen zufügen.“ Sie atmete etwas zittrig aus und schluckte etwas bei dem Gedanken, wieder zuckten die Finger ihrer linken Hand. „Inzwischen glaube ich, das Verano seine Gründe hatte, dass er mich nicht bei seiner Heilung hat helfen lassen… was passiert, wenn man einen Geist heilen will? Oder den Körper in dem ein fremder Geist steckt… solche Dinge behandelt man nicht unbedingt im Basisunterricht der Lichtakademie…“ Delilah senkte schuldbeladen den Blick. „Ich habe einen Fehler gemacht. Es tut mir leid. Vielleicht hätte ich Verano besser zuhören sollen… mit all seinen Geheimnissen habe ich meist nicht viel von dem verstanden, was er gesagt hat. Doch das hier hätte ich mir früher zusammenreimen sollen. Das war dumm von mir.“

Fortfahren… fortfahren womit? Sie und ihre Magie waren hier hilflos. Oder? Die Analysezauber waren auf jeden Fall ungeeignet, aber vielleicht funktionierten ja reine Heilzauber… und wenn das nicht half mussten sie auf mundane Heilung zurückgreifen, aber darin war Delilah nicht stark bewandert. Vielleicht mussten sie dann doch einen anderen Heiler hinzuziehen. Aber selbst WENN ihr Heilzauber funktionierte, ohne ihre Analysezauber war sie quasi … blind und der Gedanke gefiel ihr nicht, ihre Magie wäre nicht zielgerichtet, unglaublich Kräftezehrend und ob sie die gewünschte Wirkung erzielen würde…? Wie sollte sie wissen, ob sie alles erwischt hatte? Dass kein Gift zurückgeblieben war? Und sie wollte Fiddatan wirklich nicht schaden. Sie wollte ihn auf keinen Fall austreiben! Das hätte ausschließlich negative Konsequenzen, nicht nur für den Drachen, aber auch die Person die dann als nächstes einen Vertrag abschloss und nicht zuletzt für Leon. Delilah schloss für einen kurzen Moment die Augen, rieb sich mit ihren Fingern der rechten Hand über Augenbrauen und Nasenrücken und atmete einen Augenblick tief durch.

Sie stieß hörbar Luft aus, dann sah sie wieder auf. „Gut.“ Ihre Stimme klang nicht mehr so enthusiastisch wie zuvor, aber ein Hauch Forscherdrang war zwischen der Müdigkeit doch noch zu entdecken. „Ich würde gerne… etwas ausprobieren.“ Sie löste langsam ihre Finger von Zanfars Hand. „Meinst du ein reiner Heilzauber, der Energie von mir zu deinem Köper fließen lässt, hätte einen ähnlichen Effekt wie eben?“, fragte sie an Fiddatan gewandt. Es war etwas anderes, als sein eigenes Licht oder einen Teil davon in jemand anderen zu setzen, aber ganz hatte Delilah den Ursprung des Problems noch nicht verstanden.
„Ich könnte es an der Schnittverletzung ausprobieren.“, sie deutete auf die blutende Stelle auf seiner Brust. „Ich breche sofort ab, wenn etwas nicht stimmt.“

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 26. Februar 2018, 22:01

Unter der Maske verzog Zanfar den Mund, als er Ulrichs blumiger Umschreibung der Konsequenzen gescheiterter Lichtmagie lauschte. Diplomatie und Taktgefühl schienen dem Jungen wohl gerade abhandengekommen sein.
„Tonlos in der Ecke stehen wird vielleicht nicht reichen... „
Er wandte sich wieder von Zanfar, Delilah zu.
„... Du meintest, es könnte schlimme Folgen haben, wenn du gestört wirst. Dann sollte auch verhindert werden, dass jemand während des Vorgangs den Raum betritt. Immerhin ist nicht weit von hier ein Fest im Gange.“


Derselbe Gedanke war auch dem Elfen gekommen, und dann hatte ihn die hübsche junge Frau im Raum und sein Interesse an ihr abgelenkt.
Ich bin wirklich ein ausgesprochen lausiger Leibwächter.
Er stellte sich vor die Türe und sah Delilah zu, wie sie Fiddatan anwies, Platz zu nehmen und alles vorbereitete.
Ihre jungen Züge wirkten Reifer, wie sie sich konzentrierte und ihre Macht langsam um sie sammelte. Sie schien äußerst konzentriert vor zu gehen und Bewunderung für die Fähigkeiten der Lichtmagi regten sich in dem Dunkelelfen.
Derlei zielgerichtete und lang anhaltende Prozesse wollten ihm bei seiner Magie bei weitem nicht gelingen … er brach ja schon in Schweiß aus, wenn er sie ein paar Sekunden halten sollte. Das hier dagegen ließ ihn voller Verblüffung zurück.
Außerdem konnte er ganz ohne Angst, erwischt zu werden, Delilahs hübsche Züge Mustern.

Es wurde heller im Raum. Langsam streckte sie ihre Hände nach vorne und wollte gerade ihr Licht in Verano fließen lassen als dieser mit einem unterdrückten Schmerzschrei zurück wich und vom Tisch rollte. Sein Gesicht war verzerrt und ein dunkles Grollen erfüllte den Raum.
„HALT!“

Sofort spannte sich Zanfars Körper an und bereitete sich darauf vor, der möglichen Bedrohung zu begegnen. Nur mit Mühe und Not hielt er sich davor zurück, Handgreiflich zu werden.
Verdammt er hatte ganz schönen Respekt vor dem Drachen – genau genommen gehörig zu viel davon. Wenn er seine Angst nicht in den Griff bekam, würde er noch eine Dummheit begehen.
Fiddatans Stimme kam von überall her und Ulrich taumelte nach hinten und setze sich prompt auf seinen Hosenboden. Delilah brach nun kontrolliert den Zauber ab.
„Das was du da tust, dass … dein Licht! Es versuchst mich zu verdrängen! Es stört den Vertrag, das Band in uns. Ich werde diesen Leib nicht verlassen! War das dein Plan? Wolltest du mich doch tief in deinem Herzen austreiben, kleine Magi? Vergisst du nicht, dass dann der Leib sterben wird, ohne meine Hilfe... ohne eine Seele?! Ich habe dir offenbart, dass ich gehen werde. Bist du jetzt doch ungeduldig geworden?“
Delilahs Mund klappte ungläubig auf, während sie den Drachen etwas verständnislos ansah.

Ulrich konnte anscheinend nicht an sich halten, als sein lautes:
„Er ist besessen!“
, aus seinem Mund platzte und er den Grafen mit große Augen anstarrte. Fiddatans Blick war ungehalten, schmerzverzerrt aber noch nicht böse, als er zu dem Alchimistenlehrling wanderte uns ein Knurren erfüllte den Raum.
„Ja so ist es und was willst DU dagegen tun?!?“
Ulrich riss die Brauen hoch.


Offenbar war Zanfar nicht der einzige, dessen Angst ihn verriet. Nur dass er sich noch hatte beherrschen können. Er zog in Betracht, sich vor den Jungen zu werfen, musste sich aber eingestehen, dass er wenig Interesse daran hatte, für die Dummheit eines Fremden zu sterben.
„Ich?... Ich...äh...gar nichts!!!... Ich könnte maximal ...einen Trank brauen, der euch beruhigt und eure Seele heilt! ...“
Delilah hob den Kopf, als dieser Satzfetzen bis in ihr Bewusstsein vordrang.
Er faselte wahrscheinlich schon wieder, was wohl seiner Aufregung geschuldet war.
„Er heißt: Trank des unruhigen Geistes. Er heilt Verletzungen des Geistes und der Seele, Traumata, psychische Krankheiten und so weiter... Er wirkt klärend und beruhigend auf Geist und Seele. Ich bräuchte Baldrian, Lavendel, Lindenblüten und geriebenes Horn eines Einhorns ...Einhornpulver. Ich glaube der Meister hat noch welches da...“



Dann lachte Fiddatan lauthals los. Als sein Lachen langsam verklang und er sich verwundert eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel wischte, sah er wieder Ulrich an:
„Der Kerl gefällt mir!“
Der Graf stellte sich aufrecht hin und stemmte die Hände in die Seiten.
„Wen ihr mich, den Geist beruhigen und heilen könnt, dann würde ich sagen, sputet euch zu der Werkstatt eures Meisters und holt was ihr braucht!“
Ulrich sprang auf und rannte hinaus.[/i]

Zanfar knirschte mit den Zähnen, als sich die Spannung im Raum etwas Löste und der Alchemisten Lehrling überstürzt den Raum verließ. Wenn er Klug war, kam er nicht wieder – aber vermutlich hatte er keine Ahnung in wie großer Gefahr er hier schwebte.
Im Gegensatz zum Drachen war dem Dunkelelfen nicht zum Lachen zumute.
„Und nun zu dir, kleine Delilah!“
WAS?! Nein ganz sicher nicht!
Verano kam um den Tisch herum gewandert und Zanfar stand instinktiv zwischen ihr und dem Drachen. Der Graf hob fragend eine Braue.
Auch der Dunkelelf war einen Augenblick verdattert. Offensichtlich war er wohl durchaus bereit für Delilah in den Tod zu stürzen. Aber die war auch nicht dumm gewesen.
„Ich werde ihr nichts tun.“, versuchte er den Dunkelelfen zu beschwichtigen, der sicherheitshalber keinen Zentimeter von der Stelle wich.
Klar … nur mit ihr ‚reden‘ ja?! Du kannst mich mal … in zwei Teile zerfetzen…oder Grillen …oder fressen…
Er biss die Zähne zusammen und starrte den Drachen Feindselig an.

Eine schlanke Frauenhand legte sich auf Zanfars angespannten Rücken. Sie war warm und strahlte noch von der zuvor gesammelten Lichtmagie. Ruhe vertrieb ein wenig der Spannung aus der Gestalt des Nichtgenannten. Eine Hand auf seiner Schulter ging Delilah einen Schritt zur Seite, sodass sie nun dicht neben dem Elfen stand. Dabei war sie selbst alles andere als ruhig.
„Ich will nur etwas klar stellen.“
Der Drache ignorierte den Dunkelelfen und sah stattdessen die Lichtmagi an. Delis Linke griff nach Zanfars rechter Hand. Sofort schlossen sich die langen schlanken Finger des Dunkelelfen um ihre und er sah zu ihr herunter. Sie war voll auf den Drachengeist vor sich konzentriert und auch wenn er aus ihrer Körpersprache und ihren Zügen Angst las, ließ sie sich nicht Einschüchtern und behielt einen klaren Kopf.
Ein lächeln schlich sich trotz der Situation auf seine Züge und er drückte ihre Hand kurz um ihr Halt zu geben, so wie sie ihm half, sich zu beherrschen.

„Dein Zauber... er benutzt einen Teil deiner eigenen Seele. Deine Seele ist stärker als du vielleicht glaubst, sie ist ...ihr nennt es 'heilig' und sehr rein!
Es bereitet mir Schmerzen und Leid, wenn du sie in diesen Körper drückst. Also lass das.“ Delilahs Finger zuckten.

Es tut dir Leid, ihn verletzt zu haben, nicht wahr? Auch wenn ich nicht über die Mittel des Drachen verfüge, die Zeit, dich mit dir Teilen durfte reichte aus, um zu erkennen dass in dir eine reine starke Seele wohnt.
Er strich mit dem Daumen tröstend über ihren Handrücken und verfluchte die Handschuhe an seinen Händen.
„Vielleicht schafft der kleine Ulrich ja, was er glaubt zu können. Dann betäubt er meinen Geist und ihr könnt in aller Seelenruhe diesen Leib zusammen flicken. Aber wenn ihr mich austreibt, wird euer Freund sein Schicksal wohl erfüllen müssen. Bedenkt dies wohl.“
Er lehnte sich wieder entspannt an die Tischkante. Durch die schnelle Ausweichbewegung war die kauterisierte Narbe an einer kleinen Stelle wieder aufgebrochen und ein kleiner Blutstropfen bahnte sich seinen Weg über seine Brust.
„Der König ist erwacht und ich werde so oder so nach Drachma gelangen. Wenn ihr mir diesen Körper nehmt, dann nehme ich mir einen anderen.“


Tzk… wenn wir Beide dieses Gespräch führten, wäre der Hinweis von Nöten, aber bei Delilah? Aber wen täusche ich da? Wäre ich an seiner Stelle, ich wäre um einiges ungehaltener … möglicherweise.

„Wollen wir also fortfahren?“
„Ich wollte dir nicht schaden.“ Sie begegnete dem Blick des Drachen offen. „Ich hoffe, das weißt du. Du hast mich …gesehen und Verano kannte mich. Ich würde niemals einem Wesen mit Absicht Schmerzen zufügen.“
Sie atmete etwas zittrig aus und schluckte etwas bei dem Gedanken, wieder zuckten die Finger ihrer linken Hand.
Ein beruhigender Händedruck antwortete ihr. „Inzwischen glaube ich, das Verano seine Gründe hatte, dass er mich nicht bei seiner Heilung hat helfen lassen… was passiert, wenn man einen Geist heilen will? Oder den Körper in dem ein fremder Geist steckt… solche Dinge behandelt man nicht unbedingt im Basisunterricht der Lichtakademie…“ Delilah senkte schuldbeladen den Blick. „Ich habe einen Fehler gemacht. Es tut mir leid. Vielleicht hätte ich Verano besser zuhören sollen… mit all seinen Geheimnissen habe ich meist nicht viel von dem verstanden, was er gesagt hat. Doch das hier hätte ich mir früher zusammenreimen sollen. Das war dumm von mir.“

Besorgt sah Zanfar zu der schmalen Gestalt neben sich herab und sah mit Trauer wie sie ihr strahlendes Licht unter einen Vorhang aus Demut stellte.
Ja, du scheinst einen Fehler gemacht zu haben, aber deswegen bist doch nicht gleich dumm! Du wächst gerade über dich hinaus, kleine Lichtmagi! Gestandene Männer würden sich angstvoll vor dem Drachen winden und du bietest ihm die Stirn!
Gerne hätte er dies auch laut ausgesprochen, aber wusste, derlei Unterbrechung war gerade nicht zielführend – und vielleicht, nur ganz vielleicht, waren diese Worte Berechnung.
Delilah schloss für einen kurzen Moment die Augen, rieb sich mit ihren Fingern der rechten Hand über Augenbrauen und Nasenrücken und atmete einen Augenblick tief durch.
Sie stieß hörbar Luft aus, dann sah sie wieder auf. „Gut.“ Ihre Stimme klang nicht mehr so enthusiastisch wie zuvor, aber ein Hauch Forscherdrang war zwischen der Müdigkeit doch noch zu entdecken. „Ich würde gerne… etwas ausprobieren.“ Sie löste langsam ihre Finger von Zanfars Hand.


Schon jetzt vermisste der Dunkelelf die kleine kräftige Hand in der Seinen. Bevor die junge Frau gänzlich von ihm weg trat, ergriff er ihre Schulter und drückte sie aufmunternd.
„Meinst du ein reiner Heilzauber, der Energie von mir zu deinem Köper fließen lässt, hätte einen ähnlichen Effekt wie eben?“, fragte sie an Fiddatan gewandt.
„Ich könnte es an der Schnittverletzung ausprobieren.“, sie deutete auf die blutende Stelle auf seiner Brust. „Ich breche sofort ab, wenn etwas nicht stimmt.“


Die Gefahr schien vorerst abgewandt und mehr als nur wehmütig ging er zurück zu seinem Posten an der Türe. Vielleicht war es an der Zeit, sich Alternativen zu überlegen. Er selbst konnte nur mit grober Metzgerarbeit helfen, denn auch wenn er durchaus manchmal als Feldscher bei den Nichtgenannten hatte her halten müssen, so war dies hier doch eher eine Arbeit für einen Chirurgen. Schließlich schien das Gift noch nicht zum Knochen vor gedrungen, was hieß, das man das infizierte Fleisch großzügig herausschneiden konnte. Nur blieb die Frage, ob man den Körper dann nicht damit tötete. Und Fiddatans Ankündigung, dass er sich dann einen neuen Körper suchen würde, gefiel ihm gar nicht.
Vorerst würde er die Idee jedenfalls für sich behalten.
Wenn er die Wahl zwischen einer reinen, starken Seele, die der Lichtmagie mächtig war, einem schlappen Alchemisten Lehrling und einem kampferprobten Dunkelelfen hatte, hätte er gewusst, wen er nahm… aber er war da auch nicht sonderlich Objektiv. Auf jeden Fall wollte er nicht herausfinden, wen er denn dann nahm!
Aber vielleicht waren es ja auch nur lehre Drohungen und er stirbt mit dem Körper … herausfinden muss ich das jetzt aber nicht.
So oder so, die Bühne würde er weiterhin der klugen Lichtmagi überlassen. Auch wenn deren Aufgabe gerade unweit schwieriger schien, vertraute Zanfar in ihren Einfallsreichtum.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. Februar 2018, 10:02

Ich bin wirklich ein ausgesprochen lausiger Leibwächter
, dachte Zanfar zynisch. Vielleicht sollte er ja lieber umschulen auf „Drachentöter“? Aber er nahm, ganz wie der Leibwächter, der er hier gerade sein musste und Delilah auch sicher gerne gegenüber war seine Stellung ein. „Leibwächter“ bedeutete über einen Leib zu bewahren und Delilahs Leib war wirklich bewahrenswert, also widmete der Dunkelelf sich der angenehmen Aufgabe sie im Auge zu behalten. Sie dabei zu beobachten, wie sie sich konzentriert vorbereitete, war wahrlich eine Augenweide. Dann ging plötzlich etwas schief und die Ereignisse überschlugen sich. Der Graf rollte vom Tisch und reagierte „ungehalten“. Vorwürfe und böse Blicke wurden ausgetauscht, ein Alchimist sprang ins Fettnäpfchen und schwamm darin noch eine Weile herum um dann vorerst sein Heil in einer angeordneten Fluch zu suchen. Aber zu guter letzt beruhigten sich alle halbwegs wieder.

„Ich wollte dir nicht schaden.“
Delilah begegnete dem Blick des Drachen offen.
„Ich hoffe, das weißt du. Du hast mich …gesehen und Verano kannte mich. Ich würde niemals einem Wesen mit Absicht Schmerzen zufügen.“
Sie atmete etwas zittrig aus und schluckte etwas bei dem Gedanken, wieder zuckten die Finger ihrer linken Hand. Ein beruhigender Händedruck seitens des einfühlsamen Dunkelelfens antwortete ihr und der Graf legte nachdenklich den Kopf schief.
„Inzwischen glaube ich, das Verano seine Gründe hatte, dass er mich nicht bei seiner Heilung hat helfen lassen… was passiert, wenn man einen Geist heilen will? Oder den Körper in dem ein fremder Geist steckt… solche Dinge behandelt man nicht unbedingt im Basisunterricht der Lichtakademie…“
Delilah senkte schuldbeladen den Blick, während der Graf leicht fragend die Brauen hob.
„Ich habe einen Fehler gemacht. Es tut mir leid. Vielleicht hätte ich Verano besser zuhören sollen… mit all seinen Geheimnissen habe ich meist nicht viel von dem verstanden, was er gesagt hat. Doch das hier hätte ich mir früher zusammenreimen sollen. Das war dumm von mir.“
Delilahs Ausführungen klangen ehrlich und das waren sie auch, also beruhigte sich auch der Drache wieder.

Zanfar sah besorgt zu der schmalen Gestalt neben sich herab und sah mit Trauer wie sie ihr strahlendes Licht unter einen Vorhang aus Demut stellte.

Delilah schloss für einen kurzen Moment die Augen, rieb sich mit ihren Fingern der rechten Hand über Augenbrauen und Nasenrücken und atmete einen Augenblick tief durch. Sie stieß hörbar Luft aus, dann sah sie wieder auf.
„Gut.“
Ihre Stimme klang nicht mehr so enthusiastisch wie zuvor, aber ein Hauch Forscherdrang war zwischen der Müdigkeit doch noch zu entdecken.
„Ich würde gerne… etwas ausprobieren.“
Sie löste langsam ihre Finger von Zanfars Hand.

Schon jetzt vermisste der Dunkelelf die kleine kräftige Hand in der Seinen. Bevor die junge Frau gänzlich von ihm weg trat, ergriff er ihre Schulter und drückte sie aufmunternd.
„Meinst du ein reiner Heilzauber, der Energie von mir zu deinem Körper fließen lässt, hätte einen ähnlichen Effekt wie eben?“
, fragte sie an Fiddatan gewandt. Der Drache zuckte mit den Schultern, was deutlich machte, dass er es genau sowenig wusste wie sie.
„Ein Versuch wäre es wert...“
Dann schien er kurz in „alten“ Gedanken zu kramen und fügte hinzu:
„Reine Energie sollte kein Problem darstellen. Nur haltet eure Seele zurück.“
„Ich könnte es an der Schnittverletzung ausprobieren.“
, sie deutete auf die blutende Stelle auf seiner Brust. Fiddatan blinzelte etwas verwirrt.
„...ausprobieren... Eine andere Verletzung hat dieser Leib nicht. Oder wollt ihr mir noch eine zur Probe zufügen?“
Delilah schüttelt sofort den Kopf, während Zanfar den Vorschlag vielleicht gar nicht so schlecht fand.
„Ich breche sofort ab, wenn etwas nicht stimmt.“
Delilah begann sich mental auf ihren nächsten Zauber vorzubereiten.

Die Gefahr schien also vorerst abgewandt und mehr als nur wehmütig ging er zurück zu seinem Posten an der Türe. Vielleicht war es an der Zeit, sich Alternativen zu überlegen. Er selbst konnte nur mit grober Metzgerarbeit helfen, denn auch wenn er durchaus manchmal als Feldscher bei den Nichtgenannten hatte her halten müssen, so war dies hier doch eher eine Arbeit für einen Chirurgen. Schließlich schien das Gift noch nicht zum Knochen vor gedrungen, was hieß, das man das infizierte Fleisch großzügig herausschneiden konnte. Nur blieb die Frage, ob man den Körper dann nicht damit tötete. Und Fiddatans Ankündigung, dass er sich dann einen neuen Körper suchen würde, gefiel ihm gar nicht. Vorerst würde er die Idee jedenfalls für sich behalten.
Wenn er die Wahl zwischen einer reinen, starken Seele, die der Lichtmagie mächtig war, einem schlappen Alchemisten Lehrling und einem kampferprobten Dunkelelfen hatte, hätte er gewusst, wen er nahm… aber er war da auch nicht sonderlich Objektiv. Auf jeden Fall wollte er nicht herausfinden, wen er denn dann nahm! Vielleicht gab es hier auch irgendwo einen Leib mit dem der Drache eine Weile „König über Jorsa“ spielen könne?
Aber vielleicht waren es ja auch nur lehre Drohungen und er stirbt mit dem Körper … herausfinden muss ich das jetzt aber nicht.
So oder so, die Bühne würde er weiterhin der klugen Lichtmagi überlassen. Auch wenn deren Aufgabe gerade unweit schwieriger schien, vertraute Zanfar in ihren Einfallsreichtum.

Delilah sah sich die Wunde des Grafen also noch einmal ganz genau an. Dabei drückte sie seinen Körper bestimmend zurück auf den Tisch und tastete vorsichtig die Ränder ab. Interessant war, dass der Graf tatsächlich keine Schmerzen zu haben schien. Das musste dann wohl irgendetwas mit der Verbindung zum Geist zu tun haben, denn jedes Mal wenn sie etwas tat, dass ihm eigentlich hätte weh tun müssen, zuckte nicht der Leib des Mannes, sondern der Drachengeist spannte sich um sie herum. Es war ein bisschen wie, wenn die Luft dicker werden würde. Vielleicht ahnte der Drache, dass der Körper still halten musste und nahm ihm die Schmerzen?
Sie sortierte ihre bisherigen Informationen im Kopf. Laut Zanfar musste ALLES Gift heraus geschnitten werden, bevor es die Knochen erreichte. Das war wohl nur zum Teil geschehen. Der Drache hatte sich die Wunde mit einem glühenden Gegenstand ausgebrannt und so nur das Gewebe verödet. Damit hatte er den Prozess verlangsamt, aber nicht das Problem gelöst. Vermutlich hatte die Verbindung zum Drachengeist auch einen Nachteil. Der Geist an sich war ebenso verletzt. Einmal mehr schauderte Delilah, welche böse Macht eine solche Wunde schlagen konnte. Welche Klinge konnte einen Geist verletzten? Sie konnte nur vermuten, dass hier noch viel mehr böses am Werk gewesen war, als sie wusste. Aber selbst wenn sie dem Bösen einen Namen hätte geben könne, so hieß das noch lange nicht, dass sie es auch verstehen würde. Etwas zu betiteln hieß nicht, es zu begreifen und bei manchen Dingen war es manchmal klüger, wenn man sie nicht kannte.
Sie sammelte sich erneut und ging noch einmal ihren Plan durch.
Zauber Nummer eins war nicht zu gebrauchen, da er einen Teil ihrer Seele verwendete. Was hatte sie noch? Sie überlegte:
Der Fluss des Lichts lässt reine Energie von einem Wesen zum anderen fließen. Man kann Kraft geben, anderen aber auch entziehen. Letzteres wird unter Lichtmagiern einzig und allein zur Sterbehilfe eingesetzt. Es ist die reinste Form der Heilung, aber nicht sehr zielgerichtet. Der Zauberer verbraucht immer doppelt so viel Energie wie er geben kann und muss deswegen immer auf der Hut sein, sich nicht zu verausgaben. Die Stärke und Intensität des Zaubers ist abhängig von Grad der Ausbildung. Ein junger Magi vermag so vielleicht nur leichte Schnittverletzungen behandeln, wo ein Meister ganze Gliedmaßen ersetzen kann.
, rezitierte sie ihre Ausbilder an der Akademie in Gedanken. Ohne genau zu wissen, was man heilen sollte, war das immer ein gewisses Risiko, aber hier hatte sie das Problem ja genau vor Augen. Die Wunde des Grafen war keine Krankheit, die sich im Innern des Körpers versteckte, also sollten sich hier die Gefahren in Grenzen halten. Die Lichte Innenschau war vor allem hilfreich bei versteckten Krankheiten, bei denen man sonst lange suchen musste. Blieb also nur noch das Problem des hohen Energieverbrauchs und damit kam sie zur Sonnenaura:
Der Magier umgibt sich mit einer Aura aus Licht, die sogar in der Lage ist, die Umgebung zu erhellen. Lichtscheue Kreaturen fliehen meist, weil sie die Helligkeit nicht ertragen können. Solange der Magier die Sonnenaura aufrecht erhält, ist er in der Lage, seine Heilzauber um eine Stufe zu verstärken, allerdings benötigt er dazu absolute Konzentration. Schon die kleinste Ablenkung kann seine Pläne zum Scheitern verurteilen und sogar Schaden verursachen. Heilung im Zusammenspiel mit der Sonnenaura ist gefährlich und kräftezehrend, doch auch sehr wirksam.
Damit konnte sie sich für kurze Zeit quasi eine „Klasse“ aufsteigen lassen. Ihre Heilenden Fähigkeiten würden sich potenzieren und so hoffentlich ausreichen um die Wunde zu schließen. Das Problem war nur, dass auch hier wieder Licht im Spiel war, dass auch „Kreaturen“ unangenehm wirken könnte. Sie wusste nicht, ob das abermals den Drachengeist schaden würde. Aber was hatte Fiddatan gesagt? Der Alchemist könnte ihn ruhig stellen? Ihn schlafen legen? Vielleicht war das die Möglichkeit den Geist in eine Art Narkose zu legen, damit sie den Körper des Grafen behandeln konnte. Gleichzeitig sollte, nach Aussage von Ulrich, der Trank des ruhigen Geistes, Verletzungen an Seele und Geist heilen. Also war nun die Reihenfolge des ganzen Experiments klar. Delilah war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie leise vor sich hin zu murmeln begann:
„Drachengeist ruhig stellen, vielleicht Alchimist raus schmeißen, damit er nicht störte...
Sonnenaura einschalten,
Wunde ausschneiden und dann
den Fluss des Lichts aktivieren.
Fertig!“


Zanfar wartete derweil an der angelehnten Tür und sah gerade leider ein anderes Problem auf sie zu kommen. Drei angeheiterte... Nein, drei Säufer im Vollrausch, korrigierte er sich sofort innerlich, kamen den Flur herunter gewankt, gerade als der dumme Alchimist von der gegenüberliegenden Seite voll beladen auf ihn zusteuerte. Sie fingen ihn an der Ecke ab und Zanfar hörte auch auf diese Entfernung die verwaschenen Laute, die die Kerle von sich gaben:
„Heeedaaa Kleiner! Wasch machst denn hier scho allein? *hicks*“
„Leide schout doch mal, der hat Flasn dabei! Da is Alk drinnn!“
„Ohhhcch, komm Kleiner jibb unswas ab! Schei nedd zu den nedden Onkls!“
„Tut mir leid die Herren, das ist Wundalkohol. Der ist nur zum behandeln von Verletzungen und zum Mischen von Tränken geeignet.“

Zanfar verstand vielleicht noch nicht jedes Wort, aber das sich da Probleme zusammen brauten, sah auch ein Blinder.
„Würden sie mich bitte durch lassen?“
„Du, der will unsch nischt abjeben! Das ist nisch nedd!“
„Nisch nedd!
„Überhopt nisch nedd!

, äfften die drei und rückten näher an den Tischlerlehrling heran. Der wirkte zusehends unruhiger und die Flaschen, Beutel und andern Utensilien, die an ihm herunter hingen und er auf seinen Amen balancierte, wirkten zunehmend gefährdet. Selbst wenn Zanfar den Jungen für entbehrlich halten würde, seine Fähigkeiten und von allem die Zutaten waren es gewiss nicht. Etwas das „Einhornpulver“ hieß, was sicher nicht leicht zu beschaffen und bestimmt teuer. Wenn diese drei Besoffenen es womöglich zerstörten oder unbrauchbar machten, dann war das ganze Unterfangen gefährdet, oder zumindest sehr erschwert. Er musste schnell handeln.
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Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Sonntag 4. März 2018, 14:29

Zanfar wartete derweil an der angelehnten Tür und sah gerade leider ein anderes Problem auf sie zu kommen. Drei angeheiterte... Nein, drei Säufer im Vollrausch, korrigierte er sich sofort innerlich, kamen den Flur herunter gewankt, gerade als der dumme Alchimist von der gegenüberliegenden Seite voll beladen auf ihn zusteuerte. Sie fingen ihn an der Ecke ab und Zanfar hörte auch auf diese Entfernung die verwaschenen Laute, die die Kerle von sich gaben:
„Heeedaaa Kleiner! Wasch machst denn hier scho allein? *hicks*“
„Leide schout doch mal, der hat Flasn dabei! Da is Alk drinnn!“
„Ohhhcch, komm Kleiner jibb unswas ab! Schei nedd zu den nedden Onkls!“
„Tut mir leid die Herren, das ist Wundalkohol. Der ist nur zum behandeln von Verletzungen und zum Mischen von Tränken geeignet.“

Zanfar verstand vielleicht noch nicht jedes Wort, aber das sich da Probleme zusammen brauten, sah auch ein Blinder.
„Würden sie mich bitte durch lassen?“
„Du, der will unsch nischt abjeben! Das ist nisch nedd!“
„Nisch nedd!
„Überhopt nisch nedd!

, äfften die drei und rückten näher an den Alchimistenlehrling heran. Der wirkte zusehends unruhiger und die Flaschen, Beutel und andern Utensilien, die an ihm herunter hingen und er auf seinen Amen balancierte, wirkten zunehmend gefährdet.


Auch wenn Zanfar sich nicht zwischen den Jungen und einen Drachen geworfen hätte, ihn mit seiner wertvollen Fracht vor drei Betrunkenen zu ‚retten‘ war durchaus etwas, zu dem er bereit war. Etwas das „Einhornpulver“ hieß, was sicher nicht leicht zu beschaffen und bestimmt teuer. Wenn diese drei Besoffenen es womöglich zerstörten oder unbrauchbar machten, dann war das ganze Unterfangen gefährdet, oder zumindest sehr erschwert. Er musste schnell handeln.

Er ließ seinen Blick über den Salon schweifen und blieb an einem Schrank hängen. Womöglich war dieser Raum ja mit ein paar unverderblichen -und flüssigen - Erfrischungen ausgestattet. Nichts lenkte Betrunkene so gut ab, wie das Objekt ihrer Begierde. Aber wenn dort nichts enthalten war, hatte er wertvolle Sekunden verschwendet, in denen Ulrich weiter bedrängt wurde.

Verstimmt grollte der Dunkelelf und hoffte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Etwas hektisch anmutend überwand er die Distanz und wollte die Türe aufreißen. Stattdessen ruckte er nur am Knauf und der Schrank wackelte mit einem klirren.
„Verdammter …“
Fluchte er zwischen zusammen gebissenen Zähnen und entdeckte dann zum Glück den Schlüssel im Schloss.
„..Mist.“
Verfluchte er nun sich selbst und öffnete die Tür mithilfe des Schlüssels. Einige Momente fürchtete er schon, sein gewaltsames rütteln hätte den Inhalt zerbrochen, aber seine Augen erspähten eine unbeschädigte grünliche Flasche. Schnell holte er die schwere Flasche heraus.

Eilig verließ er den Raum, wurde dann aber um einiges ruhiger, auch wenn seine Schritte ausgreifenden blieben. Es gab über den Gang keine Möglichkeit, sich denn Betrunkenen ungesehen zu nähern. Aber das musste er auch nicht, stattdessen wählte er einen gegenteiligen Ansatz. Gerade aufgerichtet flanierte er über den Gang, als gehöre ihm das Schloss.

Leichter getan als gesagt, wenn man die letzten Jahre damit zugebracht hatte, förmlich unsichtbar zu werden. Er grub tiefen in seinem Repertoire und holte den angestaubten Aval’athil Erben aus dem Schrank. Wenn auch etwas unvertraut passte ihm diese Haut doch noch besser als gedacht und als er sich den drei Männern und dem Jungen weit genug genährt hatte, richtete sich doch tatsächlich die Aufmerksamkeit von zweien ganz auf ihn. Lediglich der dritte schien noch damit bemüht, Ulrich eine Tinktur abzuschwatzen.

„Aber aber meine Herren. Sie wollen sich doch nicht mit dem billigen Fusel vergiften lassen!“
Er hob die Flasche an und ins direkte Blickfeld der Männer.
„Ich weiß zufällig, wo es noch mehr davon gibt, wenn sie mir folgen wollen.“
Verkündete er grinsend.
„Nu gib mir die Flasche endlisch!“
Lallte der Betrunkene vor Ulrich verstimmt. Sein Kostüm leuchtete in Blau und Gold Tönen und spannte sich über einen gepflegten Bierbauch. Er trug eine Halbmaske, die Raum für einen blonden Vollbart ließ. Eine tiefrote, leicht knollige Nase ragte darüber hervor.

Besagter griff beherzt aber alles andere als Koordiniert nach Urlichs wertvollem Ballast. Da die Aufmerksamkeit der anderen Beiden nun auf dem Nichtgenannten lag, hatte dieser etwas mehr Raum um behände aus der Reichweite des Anderen zu treten. Nur dass sein Fuß, als er auswich, an dem Bein des zweiten Betrunkenen hängen blieb und aus einem gekonnten Ausweichmanöver ein straucheln wurde.

Eines, dass Urlich hätte abwenden können, hätte er nicht den Arm voller Utensilien. Dem Jungen war zugute zu halten, dass er keinen Augenblick seine Fracht los lies und stattdessen selbst fiel. Zanfar warf die Flasche den Betrunkenen entgegen und glitt, in einem weiten Schritt der mit einem ‚Ritsch‘ seiner engen Hose belohnt wurde, genau in Urlichs Auflschagbereich. Ein Bein in der Hocke, das andere fast im Spagat abgespreizt, landete der Alchemisten Lehrling in den Armen des Dunkelelfen. Mit einem ‚Uff‘ stoppte der Junge und kam dann auf seinem Hintern zu sitzen. Das Gefäß mit Einhorn Staub löste sich aus seinem Griff und segelte schnurstracks zu Boden. Blitzschnell griff Zanfar danach und versuchte es aufzufangen. Er schaffte es, es für einen Moment zu fangen, aber dann glitt es ihm wieder aus der Hand. Aus einem halten wurde ein Jonglieren, bei dem das Glas dem Boden immer näher kam und der Nichtgenannte – und somit auch der Lehrling in seinem Arm - beinahe das Gleichgewicht verloren.

Zanfar verlor den Kampf und mit einem klacken Schlug das Gefäß auf den Steinboden auf, kullerte noch ein paar Zentimeter und blieb dann verschlossen liegen.

Der angehaltene Atem der Beiden verließ in einem Aufatmen ihrer Beider Kehlen. Offenbar hatte irgendjemand genug verstand besessen, das wertvolle Pulver in einem halbwegs dichten, stoßfesten Gefäß zu verstauen.

Während Urlichs und Zanfars Aufmerksamkeit – und auch die des blonden bierbäuchigen Betrunkenen – auf dem stürzenden Lehrling gelegen hatte, waren die Beiden anderen Gäste anderweitig beschäftigt.

Der Wolf, wenn nicht gerade stockbesoffen ein stattliches junges Exemplar des jorsanischen Volkes, hatte die geworfenen Flasche bei dem Versuch, sie zu fangen, gegen den Kopf bekommen. In einem schmerzverzerrten Aufschrei war er zurückgetaumelt. Sein Gefährte, ein ähnlich stattliches Exemplar, das offenbar eine Interpretation von Feuer darstellte, gab dem Wolf einen weiteren Schubs, als er ebenfalls versuchte, die Flasche zu fangen.

Der Wolf landete auf seinem Hosenboden und die Flasche zerscholl auf dem Boden. Beide Männer protestierten verärgert und richteten, nach ein paar räuigen Blicken auf den verschwendeten Alkohol, ihren Blick auf Zanfar und Ulrich.

„Ey… du hasch misch mit der Flasche beschmissen!“

Wurde der Nichtgenannte mit erhobenen Finger beschuldigt.
Entnervt setzte dieser seine Last gänzlich ab und drehte sich in einer flüssigen Drehung zu den Betrunkenen.
Jetzt reichts…ich habe Diplomatisch versucht, wollen wir hoffen, dass die drei nicht allzu wichtig sind … oder wenigstens nicht heraus finden, wer ich bin.
Feuer war so freundlich ihm entgegen zu kommen, das maskuline Kinn, dass durch seine Halbmaske entblößt war, hilfreich nach vorn gestreckt, die Arme an den Seiten.
„Du räuiges Federvieh!“
Grollte er, offensichtlich in dem Versuch, Zanfar einzuschüchtern.
Räudig, wenn ich bitten darf.“
Stellte er fest und folgte der Einladung des Mannes vor ihm. Er versetzte ihm einen Schlag auf sein Kinn. Soweit es Kinnhaken betraf, war dieser Schlag eine wahre Schönheit – aber normalerweise bemühte sich das Ziel auch dazu, auszuweichen oder zumindest zu blocken. In einer fließenden Bewegung aus der Hüfte, den ganzen Körper nutzend schwang die Rechte des Nichtgenannten im eleganten Bogen und traf den Mann mit dem Handballen unter dem Kinn. Sein Kopf schnackte von der Wucht des Schlages nach hinten. Dann fiel das Feuer einem Baumstamm gleich nach hinten um. Erster KO. Meisterleistung dabei: ein garmisches Wort korrigiert und hoffentlich korrekt ausgesprochen.

Während seine Umgebung noch verdattert auf das gefallene Feuer starrte nutzte Zanfar die Zeit, sich einmal auf einem Bein um die eigene Achse zu drehen und dann in einem Roundhouse Kick den großen blonden zu fällen. Der Tritt traf den Mann am Kopf und schleuderte ihn in einer Drehung gegen die Wand. Zum Glück schlug er nur mit der Schulter dagegen und sein ohnehin geschundener Kopf wurde verschont.

Aus dem Augenwinkel sah er einen Schatten auf sich zu kommen. Um dem Schlag noch auszuweichen, lehnte er sich nach hinten. Ein geübter Kämpfer hätte diese Schwäche sofort genutzt, um Zanfar zu Boden zu bringen, aber der Betrunkene führte seinen Schlag einfach weiter. Beim Ausweichen hatte der Dunkelelf nicht bedacht, dass er seine Rabenmaske trug und der Schlag traf auf den Schabel. Das Band, dass die Maske hielt, riss und das schwarze Leder segelte in weitem Bogen von dem Nichtgenannten weg.

Zanfar nutze das Momentum und drehte sich mit dem Schwung, um seine Rückhand mit den Knöcheln der geballten Faust gegen den Kopf des Gegners zu Schlagen.

Die Wolfsmake fing den Großteil der Wucht ab, aber der Betrunkene schwankte trotzdem beträchtlich. Bevor der Andere sein Gleichgewicht völlig zurück hatte attackierte der Nichtgenannte ihn erneut.

Zuerst ließ er seine Faust in die Nieren des Anderen Krachen, was ihn schmerzerfüllt aufstöhnen ließ und dann setzte der Dunkelelf mit einem brutalen Stoß seines Ellenbogens an die Kopfseite des Gegners nach.

Der dritte Betrunkene ging regungslos zu Boden.

Mit leicht beschleunigtem Atem und Adrenalin, das ihm durch die Adern strömte, sah er sich einen Moment enttäuscht nach weiteren Gegnern um. Er war gerade warm geworden und schon war alles vorbei. Dabei juckte es ihn, in den Gingern, weiter zu machen.

Er Schloss einen Moment die Augen und nahm drei tiefe Atemzüge.

Seine Maske lag irgendwo auf dem Gang. Zum Glück saß die Kapuze noch auf seinem Haupt, aber ein paar weiße strähnen hatten sich gelöst und hingen ihm ins Gesicht. Er strich sie zur Seite und zog die Kapuze so tief wie möglich ins Gesicht. Als er danach auf seine Finger blickte, glitzerte rotes Blut auf den Handschuhen. Die Maske musste, als sie ihm vom Kopf gerissen worden war, ein paar tiefere Schürfwunden hinterlassen haben.

Er drehte sich vorsichtig in richtung Ulrichs, darauf bedacht, sein Gesicht im Schatten zu halten. Er musste noch die drei Bewusstlosen irgendwo verstauen – und wenn er gerade dabei war, die Maske wieder aufsetzen! Hoffentlich hatte der Lehrling nicht sein Gesicht gesehen.
„Bring die Sachen zu Delilah und Fiddatan, ich räume hier auf.“
Befahl er dem Jungen, in der Hoffnung, dass er einfach folgen würde, statt Fragen zu stellen, auf die Zanfar lieber keine Antworten geben wollte.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Montag 5. März 2018, 01:22

Delilah war damit beschäftigt in Gedanken eine neue Vorgehensweise aufzubauen. Ihre Finger glitten in gewohnter Manier über die Wundränder, während sie innerlich notierte, dass der Geist des Drachen auf Schmerzen zu reagieren schien, nicht jedoch der Körper des Grafen. Sie spürte immer noch Zanfars aufmunternden Händedruck auf ihrer Schulter. Er hatte ihr wirklich Halt gegeben, als sie sich dem Zorn des Drachen gestellt hatte und dafür war sie ihm sehr dankbar. Aber zurück zu ihrer Aufgabe. Welche Zauber blieben ihr noch zu Verfügung? Sie war zwar immer gerne übervorsichtig und überprüfte Patienten und Wunde mit der Lichten Innenschau, aber hier musste es nun auch ohne funktionieren. Welche weiteren Mittel standen bereit? Delilah ging alles noch einmal in Gedanken durch. Sie war so konzentriert, dass sie leise vor sich hinzumurmeln begann.

„Drachengeist ruhig stellen, vielleicht Alchimisten raus schmeißen, damit er nicht stört...“ Bei dem Gedanken wurde Delilah wie aufs Stichwort von einem Knarzen und Klirren aus ihrer Konzentration gerissen. Ein gemurmelter Fluch folgte in einer Sprache, die Delilah nicht verstand. Samtig düster. Zanfar vermutlich, vielleicht war ja der Alchemistenschüler zurückgekehrt und ihm gleich in die Arme gerannt. Aber erstmal musste sie zu Ende planen… wo war sie gewesen? …ruhiggestellte Alchemisten, störende Drachen… ach nein… Andersherum!! „… Sonnenaura einschalten, Wunde ausschneiden und dann den Fluss des Lichts aktivieren. Fertig!“

Hmm, dann brauchte sie noch eine Klinge. Oh, das hätte sie dem Alchemisten noch mit auf den Weg geben können. Eine Klinge und etwas Alkohol zum Reinigen. Wo blieb er nur? Delilah beendete ihre Untersuchung. „Danke… für deine Hilfe in Rugta. Dadurch hat mein Land vorerst eine Sorge weniger.“ Vielleicht kann ich den König später fragen, ob er Hilfe zu den Zwergen schickt. Das Dorf wird sicher Unterstützung beim Aufbau und der Verteidigung brauchen.
Delilah mied es so weit wie möglich Fiddatan ins Gesicht zu sehen. Das lag nicht an ihrem Respekt vor dem Drachen oder wegen dem Fehler den sie begangen hatte, sondern weil es ihr wehtat Veranos Gesicht mit dem allzu fremden Ausdruck darin zu sehen. Sie teilte eine Geschichte mit ihm und ihn nun … gegangen zu wissen und doch hier vor sich zu haben. Es schmerzte. Da war es leichter sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, die nicht nur dem Drachen half, sondern auf lange Sicht vielleicht auch Leon.
Ein Aufschrei draußen auf dem Gang, gefolgt vom klirrenden Geräusch zerbrechenden Glases ließ Delilahs Kopf herumfahren. Zanfar war nirgends im Raum zu sehen, die Tür war angelehnt. Hatte der Alchemist draußen etwas fallen lassen?! Hoffentlich war nichts Wichtiges darunter gewesen. Undeutliches, zernuscheltes Garmisch klang vom Gang zu ihr herein. „Ich geh kurz nachschauen, was los ist. Bleib ruhig liegen.“ Sie löste sich von ihrem Untersuchungstisch und ging auf die Tür zu.

Kampflärm hatte sich erhoben und Delilahs Schritte wurden schneller. Als sie aus der Tür auf den Gang trat, sah sie gerade wie ein kräftiger Mann ausholte um nach dem Raben zu schlagen, erschrocken schlug die Novizin die Hände vor den Mund. Zwei andere lagen bereits am Boden, zusammen mit dem Alchemisten und seinen Habseligkeiten. Was war hier passiert?! Hatte der Alchemist nun doch „Verstärkung“ geholt, anstatt ihnen zu helfen, so wie er gesagt hatte? Doch sie verwarf den Gedanken gleich wieder, denn dann hätte er seine Utensilien nicht mitgenommen. Delilah konnte nicht anders, als die Gewandtheit des Elfen zu bewundern, als er sich geschickt nach hinten lehnte um dem Schlag des Angreifers auszuweichen. Doch auch, wenn Zanfar der Faust entkommen war, so hatte der offensichtlich betrunkene Gegner trotzdem die Maske getroffen, die nun in weitem Bogen vom Gesicht des Nichtgenannten wegflog, auf dem glatten Boden landete und Delilah fast bis vor die Füße rutschte.

Delilah konnte gar nicht so schnell gucken wie der Wolf zu Boden ging. Die Jorsanerin zuckte bei jedem der gezielten Schläge zusammen, die der Elf seinem Gegner verpasste. Sie taumelte einen Schritt zurück. Das sah schmerzhaft aus! Sie spürte denselben Schrecken wie damals, als einer der Magi der Akademie ihnen erklärt hatte, dass Lichtmagie dazu genutzt werden konnte um Leute zu blenden. Gewalt jeglicher Art war einfach etwas, dass die blonde Soldatentochter kaum ertragen konnte.

Wie ein gespannter Bogen stand Zanfar zwischen seinen (zu Boden) gefallenen Gegnern, auf der Suche nach seinem nächsten Ziel. Doch ein Kämpfer durch und durch, auch wenn er herrlich tanzte und sich allein zum Schrecken der Hackenhunde erklärt hatte. Delilah hatte gerade eine neue Seite von ihm gesehen und ihr war klar, dass dies hier mit Sicherheit nur der Vorgeschmack auf seine Fähigkeiten war. Delilah hob die Maske zu ihren Füßen auf und starrte für einen Moment dem schwarzen Raben in die leeren Augenhöhlen. Als sie sich wieder aufrichtete, sah sie Ulrich auf sich zuhasten, die Arme voller Utensilien. Delilah hielt ihm die Tür weit auf. „Geh schon mal hinein… hast du zufällig eine scharfe Klinge bei dir? … und vielen Dank für deine Hilfe.“ Sie versuchte ihm ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. Irgendwie tat es ihr leid, dass sein Abend sich von Tänzen und Musik zu Drachen und Prügeleien gewandelt hatte... und dass sie für einen Moment geglaubt hatte, er wäre für die Angreifer verantwortlich. Der arme Kerl konnte sich sicherlich immer noch nicht erklären, wie er da hinein geraten war. Aber so ähnlich ging es ihr ja auch schon seit einer ganzen Weile. Und alles hatte in einem Schneiderladen angefangen. Vielleicht begann mit dem heutigen Abend ja Ulrichs Abenteuer.

Delilah schloss die Tür hinter Ulrich und ging mit der Maske in ihren Händen zum Ende des Ganges. Sie hielt ihren Blick gesenkt und sah sich eher die drei am Boden liegenden an… sie wollte überprüfen, wie es den Trunkenbolden ging, auch wenn ihr Zustand momentan nicht allzu bedenklich wirkte. Vermutlich nicht schlimmer als der Kater, den sie sowieso morgen gehabt hätten… aber trotzdem sollte sie die drei nochmal überprüfen. Nicht, dass sie noch ernsthaft verletzt waren… doch erst einmal… streckte sie Zanfar die Maske hin, ihren Fokus auf den Rabenschnabel gelenkt. „Geht es dir gut? Was war los?“ Die junge Frau kämpfte gerade mit dem inneren Verlangen den Blick zu heben und ihrem Gegenüber ins Gesicht zu sehen. Sie hatte sich so wohl in seinen Armen gefühlt und bereits die tiefroten Augen hinter der Maske hatten sie gefesselt… Wie gern wollte sie seine Züge betrachten, es mit ihrem Blick und ihren Fingerspitzen erkunden … aber er verbarg nicht ohne Grund sein Gesicht und sie wollte ihm, ebenso wie bei seinem Namen nicht die Macht darüber nehmen, wem er diese Dinge anvertraute. Auch wenn sie sich irgendwie wünschte, eine dieser Personen zu sein… Sie sollte ihn wirklich einmal fragen, was es mit den „Nichtgenannten“ auf sich hatte.

Sie sah wie seine Hand nach der Maske griff. „Ist das Blut?! Bist du verletzt?!“

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Erzähler » Montag 5. März 2018, 08:39

Der Alchemistenlehrling stolperte, wurde von Zanfar aufgefangen, wohnte einem sehr kurzen aber im höchsten Maße effektiven Kampf bei, staunte sprachlos, sammelte seine Utensilien wieder ein, lief an Delilah vorbei zurück in den roten Salon, nickte dem Grafen auf dem Tisch zu und begann seine Mixtur herzustellen. -
Wahrscheinlich war ihm das wirklich alles ein bisschen viel und so konzentrierte er sich lieber auf Dinge, die er gut konnte. Sobald alles an seinem Platzt stand wirkte er selbstsicher, fokussiert und blendete alles andere aus.

Drei Herren am Boden, ein Elf als Sieger, null zerbrochene Violen!
Das war ein guter Schnitt und Zanfar fühlte das Adrenalin vertraut durch seine Adern pochen. Es war tatsächlich mal wieder ein gutes Gefühl gewesen, einen Gegner zu Boden zu schicken. Vielleicht ein wenig zu gut, denn sein Körper war gerade erst warm geworden. Suchend sah er sich nach dem nächsten Gegner um, aber es stellte sich ihm nur eine vertraute Gestalt in den Weg, die er sicher nicht ins Reich der Bewusstlosigkeit prügeln wollte. Dafür bekam er seine Rabenmaske gereicht und sah auf eine schüchtern gesenkte Stirn hinab unter der blaue Augen vor Neugierde funkelten.

Und vielleicht bahnte sich hier auf dem Flur, zwischen drei reglosen Körpern, Scherben und dem Geruch nach Alkohol, ein kleiner Moment Stille an, der nicht süßer hätte sein können...

((ooc: Ihr seid grad so schön in Fahrt, macht mal weiter :D ))
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Zanfar Aval'athil
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Zanfar vom Wichtel (der höchstwahrscheinlich Brovi ist)

Re: Der rote Salon

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 5. März 2018, 20:32

Zanfar hätte sich um den Lehrling keine Sorgen machen müssen. Offenbar war dessen Bedürfnis, aus dem Schussfeld zu kommen, um einiges größer als seine Neugierde.
Delilah schloss die Tür hinter Ulrich und ging mit der Maske in ihren Händen zum Ende des Ganges. Sie hielt ihren Blick gesenkt und sah sich eher die drei am Boden liegenden an. Bei dem Dunkelelfen ankommend streckte sie ihm die Maske hin, ihren Fokus auf den Rabenschnabel gelenkt.

„Geht es dir gut? Was war los?“
Die junge Frau kämpfte gerade mit dem inneren Verlangen den Blick zu heben und ihrem Gegenüber ins Gesicht zu sehen.

Ihr ringen blieb dem Dunkelelfen nicht verborgen und wieder überraschte es ihn, dass ihn der Gedanke, dass sie ihn sah, nicht störte. Im Gegenteil. Es juckte ihn in den Finger, ihr Kinn zu heben und zu sehen, wie sie auf seinen Maskenlosen Anblick reagierte. Die Vernunft siegt allerdings für den Moment, immerhin standen sie mitten auf einem Flur in Jorsas Palast. Sie sah wie seine Hand nach der Maske griff.
„Ist das Blut?! Bist du verletzt?!“


Er hielt einen Moment inne und liebäugelte mit dem Gedanken, sich von der fürsorglichen jungen Frau versorgen zu lassen und schmunzelte vergnügt bei dem Gedanken. Das Lächeln sprach auch aus seiner Stimme, als er auf den goldenen Scheitel vor sich sah, und Antwortete.
„Verletzt würde ich es nicht nennen. Ich habe eine Schürfwunde, die nicht der Rede wert ist.“
Er drehte die Maske auf die Innenseite und entdeckte die Scharfkantige Stelle, die ihm die Haut aufgerissen haben musste.
„Als mir die Maske vom Gesicht gerissen wurde, hat der Rabe wohl ein Stück von mir kosten wollen.“
Er nahm das gehärtete Leder sanft aus Delilahs Händen, legte die Maske aber noch nicht wieder an. Einem Impuls folgend schlug er vor:
„Du kannst es dir ja selber ansehen, ich bin sicher du stimmst mir zu.“
Verschmitzt lächelnd sah er zu ihr herunter und fragte sich, wie die junge Frau wohl reagieren würde.

Würde sie aufblicken, sah ihr ein scharf geschnittenes, symmetrisches Gesicht entgegen. Zanfars Kinn war recht markant für einen Elfen und war ohne Zweifel auf die typisch elfisch Art attraktiv. Über seine rechte Wange zog sich ein langer Kratzer, der blutige Tränen weinte. Da der Schnitt in Kopfhöhe lag, blutete er entsprechend mehr, war aber, wie er schon festgestellt hatte, nicht gefährlich.

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Re: Der rote Salon

Beitrag von Delilah » Montag 5. März 2018, 21:46

„Du kannst es dir ja selber ansehen, ich bin sicher du stimmst mir zu.“

Der Dunkelelf hatte kaum seinen Satz beendet, da hob sich der braune Blick der Lichtnovizin schon. Dieser traf erst den seinen, ehe sie ihn über seine Züge huschen ließ. Vergessen war die merkwürdige Situation, in der sie sich befanden. Vergessen die drei bewusstlosen Männer, vergessen der Drache, vergessen die Scherben. Pure Neugier sprach aus ihren Augen, vermischt mit einem Hauch Sorge den selbst sein schelmisches Abwinken nicht hatte beruhigen können. Einen Moment sah sie ihn einfach nur an, nahm das Fremde in sich auf.

Sie hatte noch nie einen Dunkelelf gesehen. Wie auch? Jorsa öffnete seine Tore für viele Rassen, doch das dunkle Volk war selbst hier nicht willkommen. Delilah war sich sehr bewusst, was für ein großes Zeichen des Vertrauens diese Geste hier darstellte. Automatisch verglich ihr Geist sein Abbild mit der anderen elfischen Gestalt in ihrem Leben, einer alten Freundin ihrer Moma, einer Eiselfe die sie die Sprache des Schnees gelehrt hatte. Wie Tag und Nacht waren die Unterschiede, auch wenn man die Verwandtschaft der beiden Arten noch entdecken konnte. Dort wo Fanja blass war, war Zanfar dunkel, wo ihr Blick kühl über einen strich, sah man in seinen roten Augen ein gewisses Glühen… und auch wenn man es am besten sah, wenn der Zorn in ihm aufflammte, so war es doch selbst in den sanften Momenten des Dunkelelfen zu sehen. Aber was die beiden besonders gemein hatten, war der Blick eines langen Lebens voller Liebe und Hass, Freude und Schmerz. Egal wie jung Elfen auch wirkten, ihr Blick verriet sie immer.

Momentan jedoch steckte in seinen Augen der Schalk und sein Mund war zu einem verschmitzten Lächeln verzogen, das ihre rosigen Lippen automatisch erwiderten. Er war attraktiv und sehr schön ... aber sie würde sich hüten ihm das zu sagen! Der Ausdruck in ihren braunen Augen wurde sanft und sie streckte die linke Hand nach seinem Gesicht aus, hoffend dass er nicht zurückwich, dass sie die Grenzen dieses Vertrauensbeweises nicht überschritt. Ihre Finger strichen sachte über die ungewohnt dunkle Haut und nach einem kleinen Augenblick konnte der Dunkelelf spüren wie die Wärme ihrer heilenden Magie sich ausbreitete. Der Fluss des Lichts ergoss sich über seine Wange und nahm sich der kleinen Verletzung an.

Delilah beendete den Zauber schnell wieder, es war immerhin nur ein Schnitt, und blinzelte als sie langsam wieder die Situation um sich herum wahrzunehmen begann. Ihr Kopf wollte wieder in den Modus der beschäftigten Heilerin zurückgleiten, sich den Aufgaben zu wenden und dem verletzten Drachen. Langsam löste sie ihre Finger von Zanfars Wange.

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