Die Gemächer der roten Dame

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Montag 16. April 2018, 22:51

Darna lag neben Leon und ergötzte sich an seiner Betrachtung. Ein mal produzierte ihre „Nicht-Berührung“ ihm eine Gänsehaut auf den Arm, dann seufzte er ein anderes Mal leise, als würde er ihre Nähe spüren. Derweil ließ es sich hervorragend nachdenken und in Darnas Kopf machte es plötzlich klick. Fast hätte sie laut aufgelacht, als die Erkenntnis einrastete, dass Gernot wohl jetzt Stockschläge erwarten würde, wenn er den Röcken der Damen hinterher schauen würde. Es war aber auch wirklich zum lachen. Trotzdem kam kein Laut über ihre Lippen, denn sie war nicht gehässig. Gernot würde sein Leben leben und sie ihres. Vielleicht konnte sie ihn und seine dummen Kommentare nun aus ihrem Hirn vertreiben, jetzt da sie etwas anderes vor sich hatte, das nur darauf wartete den vergeudeten Platz ihn ihren Gedanken zu belegen. - Leon!
Als sie nah an seine Seite rückte und seine Wärme sie so umfangen konnte, da war die Welt in Ordnung. Es war still in ihren Gedanken und die Müdigkeit und Erschöpfung des Tages legten sich gemütlich über sie, wie die warme Decke unter die sie sich gekuschelt hatte. Ihr letzter Blick war der auf Leons entspanntes Gesicht.

...

...einige Zeit später im Wohnzimmer:

Fiddatan hatte sich gerade mit ausgestreckten Beinen auf dem Sofa lang gemacht und rieb sich abwechselnd die Ohren.
„Hörst du das auch, Spitzohr? Irgendwas klingelt hier...“
Er rieb noch einmal und schüttelte leicht den Kopf. Dann lauschte er erneut und das Geräusch, was er vernommen hatte, schien abgeklungen zu sein. Zanfar hatte kein Klingeln vernommen und schüttelte nur müde den Kopf nachdem er etwas aufgeräumt hatte und während der Drache es sich bequem machte. Seine Präsenz war nicht mehr so unkontrolliert erdrückend, wie kurz nachdem er aus der Narkose erwacht war, aber für feinsinnige Wesen war seine Gegenwart immernoch etwas, dass das Unterbewusstsein nicht einfach ignorieren konnte. Tiere würden vermutlich instinktiv das Weite suchen, willige naive Frauen vielleicht das Abenteuer, und mutige dumme Kämpfer einen Kräftemessen. Es war schon merkwürdig mit diesem Mann/Geist in einem Raum zu sein und zu wissen, dass der Geist viel größer und gefährlicher war als das Bild, welches man sah. Den Menschen konnte man vermutlich sogar recht einfach erledigen, wenn der Drache einmal unaufmerksam war, aber genau dies galt es zu verhindern, wenn sie ihren Plan umsetzen wollten. Blieb nur zu hoffen, dass der Drache bis dahin nicht al zu großen Unfug anstellen würde, wie sich noch einmal so schwer zu verletzen. Zur Zeit lagen Mann und Geist einfach nur dösend auf dem Sofa und studierten eingehend den fein berüschten Rocksaum eines der vielen Unterröcke, die die Damen hier liegen gelassen hatten. Dann deckte sich Fiddatan mit einem Satinmeerschweinchen-rosafarbenen Leibchen zu, dass so groß war, dass es ein Mann tragen könnte und murmelte etwas von:
„...noch ein bisschen Ruhe... verschieben wir es auf morgen.“
Sollte er über den Grafen wachen? Aber das war eigentlich nicht Zanfars Problem. Er hatte eine ganz andere Aufgabe zu erledigen und einen Auftrag des hiesigen Königs erhalten. Irgendwann mussten er und Chasin zu diesen Aufgaben zurückkehren. Obwohl er sich doch sehr um seine Freundin bei diesem Gedanken sorgte. Ihre geistige Kraft war unbestreitbar, aber ein Abenteuer zwischen Feinden? Als Sklavin getarnt? So richtig gefiel ihm der Gedanke immernoch nicht. Seine Aufgabe war in diesem Plan ganz klar und er würde seine Rolle gut verkaufen können, aber Chasin? Sie war so zerbrechlich, fragil und wenn sie verletzt werden würde, würde sie bluten, bis sie starb. Der Tod drohte bei diesem Volk ein ständiger Begleiter zu sein. Hier im Palast war sie zweifelsohne sicher. Aber da draußen? Auf geheimer Mission um eine Prinzessin zu befreien?
Vielleicht war das ganze doch so keine gute Idee und vielleicht sagte Zanfars Bauch, dass er seine Freundin lieber nicht in dieser Gefahr aussetzten wollte, aber Chasin erhoffte sich eine Zusammenarbeit und Schutz für ihr Volk, dass sie quasi verstoßen hatte. Ja, sie wäre sicher eine große Spionin hinter feindlichen Linien. Allein ihre Fähigkeit die Gedanken zu belauschen wäre enorm hilfreich, aber nur ein Schubser, ein Schlag und das ganze Unternehmen wäre gefährdet. Da half auch nicht der friedliche Blick in den Schlosshof Jorsas. Zanfar sah die ganzen Risiken die der Kontakt mit seinem Volk mit sich bringen würde einfach viel zu klar. Das konnte sich Chasin einfach nicht vorstellen oder nicht mit einberechnen in ihren Überlegungen. Und was seine paranoide Stimmung noch nährte war, dass es ja nicht nur die bösen Dunkelelfen waren, vor denen er sie beschützen müsste, sondern auch die Handlanger des dunkeln Volkes, ihre Krieger, die groben ORKS! Die Chancen, dass die Tha'Roon einen Kontakt mit einem Ork überstehen würde, waren verschwindend gering. Dafür brauchte Zanfar nicht viel nachdenken. Sein Blick wanderte zu dem schlafenden Grafen. Dabei fiel ihm ein, dass eben jenes Volk, dem Chasin angehörte, ja in den Nebellanden verborgen lebte. Eben jenem Land in dem auch die Zwergensiedlung Rugta lag und von der der Graf gerade schwer verwundet zu ihnen gekommen war. Ob er dort auch Tha'Roon gesehen hatte? Was genau war dort eigentlich geschehen? Wie viel wussten sie über die politische Lage vor Ort? Hatte es viele Opfer gegeben? Es gab so viel über das man sich Sorgen machen konnte... aber Morgen war auch noch ein Tag. Zanfar döste halb sitzend ein und vertraute darauf, dass seine geschulten Sinne ihn bei jeder Gefahr wecken würden.



Die Sonne schien durch das Fenster und legte ihre Strahlen auf sein Gesicht. Warm und deutlich stärker fühlte er sich von Lysanthors Segen geweckt. Leon atmete einmal tief und bemerkte dabei, dass etwas an seine Brust lag. Der sanfte Gegendruck, der Duft ihrer Haare, das leise Geräusch ihres Atems verrieten ihm, dass der gestrige Abend doch kein Traum gewesen war. In Teilbereichen hätte er sich sicher gerne souveräner verhalten, aber das Ergebnis überzeugte trotzdem. Er lächelte und ließ seinen Arm noch ein wenig länger dort liegen wo er war, locker auf ihrer Taille, die Hand auf ihrem Bauch. Auch wenn der Stoff der Decke sie voneinander trennten, so war es doch ein überaus angenehmes Gefühl Darna im Arm zu halten. Dann wurde ihm leider klar, dass er mit einer jungen adeligen Frau in einem Bett lag, die nicht sein Weib war! Wenn ein Dienstbote davon etwas mitbekam, wäre Darnas Ruf ruiniert. Also hob er vorsichtig seine Hand und hätte am liebsten bedauernd gestöhnt. Das hier musste jedoch sein. Er war an seine Ehre gebunden und er würde ihre nicht beschmutzen! Und so wie die Sonne stand, war es nur noch eine Frage von Sekunden, bis eine Magd erscheinen könnte um aufzuräumen oder das Frühstück der Diplomatin zu bringen... Was aßen Tha'Roon eigentlich? Er hatte keine Ahnung. So oder so, es wurde Zeit aufzustehen!
Er schälte sich vorsichtig aus dem Bett und hätte fast wieder geseufzt. Der Anblick ihrer zerzausten kurzen Haare war einfach zu süß. Gern hätte er die kurzen Stoppeln an der Seite berührt nur um zu fühlen, ob sie seine Hand kitzelten. Das er stattdessen hier neben dem Bett stand und es nicht tat, war eine Glanzleistung. Er klopfte sich innerlich auf die Schulter und räusperte sich leise.
„Darna...“

Weiche Lippen, fordernde Küsse, heiße Blicke... Ach, träumen konnte so schön sein! Wenn doch nicht immer irgendwann der Morgen kommen würde! Nur dieses Mal war es tatsächlich der gleiche Mann, die gleiche Stimme, die sanft ihren Namen flüsterte:
„Darna...“
Die Knappin erwachte und fand sich allein im Bett, aber doch gefangen in Leons lächelndem Blick wieder. Er sah vom Rand des Bettes auf sie nieder und hatte noch die gleiche Kleidung an, wie am Abend zuvor. Das Hemd war nicht geschlossen und enthüllte seinen glatten schönen Oberkörper bis zum Bund der tief sitzenden Hose. Ja, so konnte man doch gern geweckt werden.



Zanfar döste eh nur halb, als er erste Bewegungen im Schlafzimmer seiner Freundin ausmachte. Für einen kurzen Moment wollte er vielleicht sogar zu ihr eilen, aber dann fiel ihm alles wieder ein. Chasin weilte hinter einer anderen Tür. Hinter seiner und sie war auch nicht allein. Er teilte sich ebenfalls den Raum mit einer anderen Person und diese schlief noch tief und fest. Der Graf lag in seiner ganzen Stattlichkeit unter einem Hauch von Rosa begraben und sein Atem ging gleichmäßig.



Delilah erwachte in den Armen einer gänzlich unerwarteten Person!
Lange schlanke Glieder hielten sie umschlungen und wenn sie ihre Augen öffnete, so sah sie rot! Rot im Sinne von langen wirren Haaren die sich mit ihren eigenen goldenen Locken vermischt hatten und sich ein Kissen teilten. Das Bett war geräumig und weich und die Tha'Roon hatte einen Arm schützend über ihre Brust gelegt und ein Bein an ihren Schenkel. Es war eine warme Geste, ein bisschen wie eine Schwester oder Freundin. Vielleicht ein bisschen auch wie eine Mutter, aber doch nicht ganz. Das Gesicht war sehr nah, so dass sie sich wohl einen Atem teilten. Die Diplomatin sah ihm Schlaf genauso höflich aus, wie auch sonst. Sie lächelte sogar ein bisschen. Dann fiel Delilah aber etwas anderes auf. Die Tha'Roon war anscheinend nackt unter der Decke. Sie sah sich um und fand das Kostüm vom Vorabend fein säuberlich zusammengelegt über einem Stuhl. Als hätte die Diplomatin ihre aufkommende Unruhe gespürt, zuckte sie kurz und öffnete dann das Auge.
„Guten Morgen, Zan...Delilah?“
Ihr Auge weitete sich ein wenig und rutsche von der jungen Lichtmagi ab.
„Merkwürdig...“
Das war ihr einziger Kommentar und damit setzte sie sich auf. Delilah bekam so eine gute Aussicht auf einen etwas knochigen Rücken.
„Ah ja... Gestern Abend war mein Gemach nicht bewohnbar, also habe ich mich für diese Schlafstätte entschieden. Dich habe ich jedoch nicht erwartet als erstes zu sehen. Wo mein Begleiter wohl steckt?“
Das sie Zanfar oft als ihren Begleiter bezeichnete, war nichts was ihre Freundschaft und Zuneigung zu ihm minderte, es war nur der Tatsache geschuldet, dass sie eben nicht immer seinen Namen benutzen konnte. Sie sah sich um und Delilahs Blick folgte automatisch. Das dieses Zimmer sonst von einem Mann bewohnt wurde, wurde schnell klar und betrachtete man die Dinge genauer, dann wurde auch klar, wer hier sonst schlief. Sie lagen in Zanfars Bett. Chasin blickte zum Fenster.
„Wir müssen uns erheben. Das Personal beginnt sein Tagwerk und ich sollte mich ankleiden.“
Sie stand auf, ließ die Decke im Bett und streckte sich kurz zu ihrer vollen beeindruckenden Größe von 2,11m. Dann nahm sie sich einen von Zanfars langen Wickelschals und schlang ihn sich um den Leib.
„Notdürftig.“
Barfuß und zielstrebig ging sie auf die Wohnzimmertür zu.

Zanfar hatte auch durch geschlossene Türen jedes Wort gut hören können und sah nun auch, dass der Graf dabei war ebenfalls zu erwachen. Die leisen Schritte seiner Freundin verrieten ihre nackten Füße und wenn er den Worten gelauscht hatte, dann wusste er, dass sich eventuell gerade eine mindere Katastrophe anbahnen könnte. Das viel größere Problem, was er aber ausmachte, war nicht die Tatsache, dass Chasin gleich vermutlich „notdürftig“ bekleidet den Raum betreten könnte, sondern eher der Umstand, dass er die Schritte von drei Mägden auf dem Flur hörte, die sich rasant näherten. Auch diese tuschelten leise:
„Hast du gestern gesehen, was sie sich ausgesucht hatte?“
„Jaja, skandalös! Viel zu viel Bein! Aber sie kann das machen. Es würde sie ohnehin kein Mann anrühren! So lang und dürr und vor allem größer als jeder Mann bei Hof!“
„Jaja, denn welche Mann will schon beim Küssen aufschauen! Hast dir das mal vorgestellt?“
Der Rest ging in unreifem Gekicher unter. Leises Klirren verriet, dass wohl ebenfalls ein Tablett mit ihrem Frühstück gebracht wurde, was üblicher Weise dann von ihm allein gegessen werden musste, da Chasin nichts zu sich nahm außer Tee und Rauch. Er hatte noch vielleicht ein paar Sekunden zum Handeln, dann würden die Mädchen an die Tür klopfen. Noch weniger Zeit würde es dauern, bis Chasin an der Tür war und durch ihre Gemächer zu ihren Räumen wandern würde. Fiddatan schlug just in diesem Moment die Augen auf.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Dienstag 17. April 2018, 00:00

Viele düstere Gedanken jagten dem Dunkelelfen während der Nacht durch den Kopf – und einiges wundern über das seltsamen Klingeln, das nur der Drache wahrzunehmen schien. Wenn er Pech hatte, war das Darnas Dämon … oder schlimmeres.
Als Zanfar Geräusche aus Chasins Zimmer hörte, wollte er schon aufspringen, aber dann erinnerte er sich daran, dass Darna und Leon darin lagen. Dafür war er danach wach genug, um Chasin und Delilah zu hören.

„Guten Morgen, Zan...Delilah?“

Es tut mir Leid, Chasin. Ich hätte es lieber gehabt, wenn du neben mir erwachst, aber Delilah war erschöpft … und scheinbar macht das Exil aus mir einen Gentlemen.
Ging es ihm durch den Kopf.

„Merkwürdig...“
Rascheln.
„Ah ja... Gestern Abend war mein Gemach nicht bewohnbar, also habe ich mich für diese Schlafstätte entschieden. Dich habe ich jedoch nicht erwartet als erstes zu sehen. Wo mein Begleiter wohl steckt?“
Weiteres Rascheln.
„Wir müssen uns erheben. Das Personal beginnt sein Tagwerk und ich sollte mich ankleiden.“
„Notdürftig.“
Weiteres rascheln und Schritte in richtung Türe.
Zanfar hatte auch durch geschlossene Türen jedes Wort gut hören können und sah nun auch, dass der Graf dabei war ebenfalls zu erwachen. Die leisen Schritte seiner Freundin verrieten ihre nackten Füße und wenn er den Worten gelauscht hatte, dann wusste er, dass sich eventuell gerade eine mindere Katastrophe anbahnen könnte. Das viel größere Problem, was er aber ausmachte, war nicht die Tatsache, dass Chasin gleich vermutlich „notdürftig“ bekleidet den Raum betreten könnte, sondern eher der Umstand, dass er die Schritte von drei Mägden auf dem Flur hörte, die sich rasant näherten. Auch diese tuschelten leise:
„Hast du gestern gesehen, was sie sich ausgesucht hatte?“
„Jaja, skandalös! Viel zu viel Bein! Aber sie kann das machen. Es würde sie ohnehin kein Mann anrühren! So lang und dürr und vor allem größer als jeder Mann bei Hof!“
„Jaja, denn welche Mann will schon beim Küssen aufschauen! Hast dir das mal vorgestellt?“
Der Rest ging in unreifem Gekicher unter.


Ahnungslose Kinder … Chasin hat mehr Klasse und Format, als ihr euch je erträumen könntet!

Leises Klirren verriet, dass wohl ebenfalls ein Tablett mit ihrem Frühstück gebracht wurde, was üblicher Weise dann von ihm allein gegessen werden musste, da Chasin nichts zu sich nahm außer Tee und Rauch. Er hatte noch vielleicht ein paar Sekunden zum Handeln, dann würden die Mädchen an die Tür klopfen. Noch weniger Zeit würde es dauern, bis Chasin an der Tür war und durch ihre Gemächer zu ihren Räumen wandern würde. Fiddatan schlug just in diesem Moment die Augen auf.

„Guten Morgen, Chasin. Fiddatan und ich sind im Salon.“
Sagte Zanfar gut hörbar und zog im laufen seinen Mantel aus und schleuderte ihn zu seiner Tür. Ihm waren die nackten violetten Schultern und der Schlanke Hals noch gut in Erinnerung geblieben, als die Tha'Roon in seinem Bett lag - und er plante nicht, Fiddatan das Vergnügen von mehr Haut zu gönnen.
„Mein Mantel liegt vor der Türe. Warte einen Moment, bis du ihn holst.“
Dann schlang er sich seinen Roten Schal um Hals und Kopf und öffnete die Türe. Eine der Mägde hatte just in diesem Moment nach der Klinke greifen wollen und zuckte ein klein wenig zurück. Seine Präsenz und die Höflichkeit der jungen Mädchen ausnutzend trat er einen Schritt vor und drängte so die Menschen etwas zurück um die Türe hinter sich zu schließen.
„Guten Morgen, die Damen. Wie überaus Aufmerksam von Euch, Frühstück zu bringen.“
Er wusste, dass die Geste der Mädchen nichts mit ‚Aufmerksamkeit‘ zu tun hatte, vielmehr mit Pflichten, aber er hielt es gerade lieber höflich. Forschend sah er auf das Tablett.
„Würde es Euch etwas ausmachen, heute etwas mehr zu bringen? Wir erwarten Gäste – vier an der Zahl.“
Er sah auf die jungen Frauen und deren Last.
„Um das hier kann ich mich derweil kümmern.“
Er deutete auf das Frühstück.
Die jungen Frauen würden den Raum nicht allzu schnell betreten, dafür würde er sorgen – auch wenn es ihm lieb gewesen wäre, wenn sie das Chaos beseitigt hätten. Später.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Dienstag 1. Mai 2018, 06:37

Gnädig legte sich der Schleier des Schlafes über Delilah, ein sanftes Geschenk der Göttin der Nacht. Ein ruhiges Lächeln schmückte die Lippen der Schlafenden. Schön war die dunkle Schwester, auf ihre ganz eigene geheimnisvolle, nebelumwogende Art. Und in diese Schleier, in dieses Spiel aus Nacht und Nebel, Schönheit und Mysterium, war auch der Traum gekleidet den die Mondgöttin dem Sonnenkind gewährte.

Ein dunkler Ritter kämpfte mit einem Drachen. Sie tanzten umeinander. Sie selbst stand auf einem hohen Berg und blickte auf einen weiten kreisrunden Krater hinab. Staub aus Milliarden Diamanten erfüllte ihn und verbarg den Blick in das tiefere Innere. Es war als hätten die Sterne sich hier zu Ruhe gelegt. Doch auf dieser Ruhestätte tobte der Kampf. In ihrer Mitte tanzten die beiden Wesen miteinander und der dunkle Krieger gewann. Delilahs Mund öffnete sich zu einer stummen Warnung. Sein Schwert, das ihr dunkel und grausam erschien, traf tief die Brust des Drachen. Delilahs ausgestreckte Hand sank herab und als der erste Tropfen Blut den Krater berührte fiel die Lichtmagierin geschlagen auf die Knie. Etwas Schreckliches war hier geschehen. Das Blut des Drachen fiel wie Rubine auf die weite funkelnde Fläche. Ihre Hände lagen vor ihrer Brust und versuchten das schmerzende Herz zu beruhigen. Der Schmerz des Wesens ließ sie leiden und ihre Tränen rollten gleich den Diamanten, die schon gefallen waren, den Hang hinab in den Krater zu den anderen. Ihr Mitleid erfüllte das Meer aus Lichterfunken und berührte das Herz des Kraters tief im Innern. Ein tiefes Seufzen erklang, voller Sehnsucht und Leid. So viele Tränen waren schon vergossen worden. Tränen für einen sterbenden Drachen. Ein bisschen verwirrt war sie über den Klang, der sich aus der Tiefe zu erheben schien. Es war wie tiefer Gesang aus vielen Stimmen. Da waren noch mehr Stimmen in der Tiefe und nicht die eines einzelnen Wesens, eines einzelnen Drachen, jenem den sie sah. Sein Leib hatte sich zusammen gerollt und sein Körper nahm den letzten Atem. Sie konnte ihren Blick, in dem noch immer ihre Tränen funkelten, nicht abwenden. Der Drache tat ihr leid, doch als er starb löste er sich in hunderte kleiner Lichtfunken auf und stieg zum Himmel. Ihr Herz schien ihm folgen zu wollen, sich verabschieden zu wollen. Sie wusste, seine Seele gesellte sich zu den Sternen, den Seelen der anderen Könige unter dem Himmel. All der Schrecken dieser Szene trug eine dunkle Schönheit mit sich, die das Menschenherz faszinierte. Wie konnte man in diesem Augenblick der äußersten Gewalt so einen tiefen Frieden emfinden? Ihr Blick löste sich nur schwer von den funkelnden Sternen über ihrem Antlitz und ihr Blick wollte sich gerade wieder senken, als…

Sie die Augen öffnete und von der Farbe Rot umgeben war. Drachenblut? Rubine die auf einen See aus Sternen fielen? Nein… Haar. Hmmm. Über Delilahs zarte Haut wanderte ein erhabener Schauer. Die Sterne aus ihren Träumen spiegelten sich noch in ihren Augen, die Nacht lag noch über ihr. Sie hatte den Tod eines Drachen mitangesehen. War es Vision? Vergangenheit? Zukunft? Symbol oder Wahrheit? Alles davon? Nichts?

Nichts… nichts war es sicherlich nicht. Nicht bei dem Gefühl, das Delilah noch in den Knochen steckte, die Stimmen aus der Tiefe, die tiefe Ergriffenheit, die Trauer und Faszination. Ihr Körper war es schließlich, der den Geist langsam aus den Schleiern des Traumes befreite. Ein Arm über ihrer Brust, ein Bein an ihrem Schenkel. Ein fremdes Gesicht vor ihren Augen. Ein sanftes Lächeln. Nackte violette Schultern unter einem Laken. Delilah blinzelte. Wo war sie? Ein watteweiches Bett. War sie wieder auf Weißenfels? Irgendwie behagte ihr der Gedanke nicht. Doch dann fügte sich alles langsam wieder zusammen, als der Morgen ihr langsam die Klarheit schenkte. Chasin. Sie war im Königsschloss. Aber wie war sie in das Bett der Botschafterin gekommen? Delilah versuchte sich zu erinnern. Der Ball. Der Drache. Sie hatten Fiddatan geheilt! Und dann, dann war da… oh bei Ventas frischem Atem… Bilder von dunkler Haut und roten Augen huschten durch ihren Kopf, das Gefühl fordernder Lippen auf ihren. War das Erschöpfungstraum oder Wirklichkeit gewesen? Delilah war sich gerade nicht mehr sicher. Zanfar musste sie hergebracht haben. Nein, dann hatte sie das andere sicherlich nur geträumt.

Hmm, war Chasin etwa komplett nackt unter der Decke? Das war nun schon der zweite Tag, an dem Delilah mit einer anderen Frau im Bett aufwachte. Schön war sie ja. Wirklich schön. Und sie sah so friedlich aus im Schlaf, sanfter, und doch höflich wie immer. Delilah musste schmunzeln, dann drehte sie den Kopf und tatsächlich; fein säuberlich lag das Phönixkostüm zusammengelegt auf einem Stuhl. Hmm. Ein interessantes Erwachen nach einer interessanten Nacht. Dieser Traum, wieder huschte das Bild des Sternenkraters in ihrem inneren Geiste vorbei. Diamanten, Rubine, ein dunkler Ritter und ein sterbender Drache. Ein Anblick, den sie so schnell nicht vergessen wüde. Klingt nach den Geschichten, die du als Kind gelesen hast, Delilah., dachte sie innerlich mit sich selbst redend, als sich vor ihr ein Auge öffnete.

„Guten Morgen, Zan...Delilah?“ Die Lichtnovizin lächelte die eigene Schüchternheit weg. „Guten Morgen!“ Das Auge der Diplomatin weitete sich ein wenig und der sanfte Frieden des Morgens zerplatzte leise. „Merkwürdig.“, war der einzige Kommentar der Roten Dame. „Ich war auch …überrascht.“, entgegnete Delilah, das letzte Wort etwas holprig, als sich vor ihren Augen ein nackter, schlanker, etwas knochiger Rücken streckte. „Ah ja... Gestern Abend war mein Gemach nicht bewohnbar, also habe ich mich für diese Schlafstätte entschieden. Dich habe ich jedoch nicht erwartet als erstes zu sehen. Wo mein Begleiter wohl steckt?“ Chasin sah sich im Raum um und Delilah folgte ihrem Blick. Hmmm, Zanfars Zimmer. Eindeutig. Jetzt erkannte sie auch den Duft des Dunkelelfen wieder aus ihrem… Traum? Vielleicht doch kein Traum…

„Wir müssen uns erheben. Das Personal beginnt sein Tagwerk und ich sollte mich ankleiden.“, erklärte Chasin und unterbrach damit Delilahs Gedanken. Sie stand auf, ließ die Decke im Bett und streckte sich kurz zu ihrer vollen beeindruckenden Größe von 2,11m. Delilah blinzelte kurz verwirrt. Dann nahm die Rote Dame sich einen von Zanfars langen Wickelschals und schlang ihn sich um den Leib. „Notdürftig.“ Allerdings! „Äh…“, kurz wollte Delilah Protest einlegen, so konnte sie doch sicher nicht hinaus zu den Herren treten, selbst der ungezwungenen Delilah war das klar… doch die Diplomatin handelte so selbstverständlich, so zielstrebig, dass die Lichtmagi keinen Widerspruch einlegte. Woher sollte sie wissen, wie hier am Königshof damit umgegangen wurde? Nach dem, was sie gestern auf dem Fest gesehen hatte…

„Guten Morgen, Chasin. Fiddatan und ich sind im Salon.“
War Zanfars Stimme gut hörbar von der anderen Seite der Tür zu vernehmen. Ein leises Geräusch folgte, als wenn etwas gegen die Tür geworfen worden war. „Mein Mantel liegt vor der Türe. Warte einen Moment, bis du ihn holst.“ Hmmm… also war es doch nicht üblich. Gut zu wissen. Also war der Diplomatin doch nicht zu 100 Prozent zu vertrauen, zumindest wenn es um Etikette ging.

Währenddessen schwang auch Delilah die Beine aus dem Bett, auch wenn sie gerne noch in den weichen Kissen verblieben wäre und besah sich ihre Garderobe. Das Kleid von gestern, keine Schuhe. Ein Bild huschte ihr wieder durch den Kopf, wie ein paar dunkle Hände ihr die Schuhe von den Füßen löste und dann sanft an ihren Beinen hochfuhr. Uff. Delilah schüttelte den Lockenkopf. Kein Traum. Sowas hatte sie noch nie geträumt, sowas konnte sie sich gar nicht ausdenken. Also barfuß. Nun gut, kein Problem. Delilah fühlte die Erholung des Schlafes, doch etwas wacklig war ihr noch. Ein Frühstück käme ihr jetzt gerade recht, bevor der Tag sie wieder mit neuen Aufgaben und Herausforderungen beschenkte. Die junge Jorsanerin konnte sich ein leises Gähnen nicht verkneifen, während sie ans Fenster trat um den Morgen mit seinen Sonnenstrahlen zu begrüßen.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 9. Mai 2018, 22:57

„Darna...“ Leon wisperte heiser ihren Namen und seine Hände fuhren immer begehrender über ihren Körper. Ihre Lippen bewegten sich weich und träge unter den fordernden Küssen und ihre Arme umschlangen inniger das Kissen und einen Teil ihrer Decke. Ihr Bein winkelte sich an und schob sich höher, während ein zutiefst wohliges Brummen leise von ihr zu hören war.
„Darna...“
Die Stimme war klarer und irgend etwas stimmte an dem Tonfall nicht. Auch die Quelle des Geräusches schien seltsam weit weg, statt dicht bei ihrem Gesicht zu sein. Blinzelnd öffnete sie die Augen und Konturen des Schlafzimmers verdrängten die angenehme Helligkeit, in der sie sich bis eben gewähnt hatte.
Wobei, hell war es ja... oh.
Da stand Leon, sah vom Rand des Bettes auf sie nieder und hatte noch die gleiche Kleidung an, wie am Abend zuvor. Das Hemd war nicht geschlossen und enthüllte seinen glatten schönen Oberkörper bis zum Bund der tief sitzenden Hose. Ihr Blick hing ein paar Momente noch merklich verschlafen an ihm, vor allem an seinem Brustbereich. Ihre Vorstellung malte eine breite Narbe von seiner rechten Schulter bis zum Hosenbund...
Zu glatt.
Bist du verrückt, jetzt DARAN zu denken?! Und auch noch an ihm herum zu mäkeln?
Nein, er sieht ja gut aus! Keine Frage!
Aber er hat nie gekämpft, oder?
Hallo, er ist Heilmagier! Selbst wenn er Verletzungen gehabt hätte, hätte er Narben vermeiden können!
Hat er gekämpft?
Das weißt du doch gar nicht... Er kann es bestimmt.
Wann soll er das denn gelernt - ach ja.

Ihr Kopf legte sich schief.
"Sag mal, wie alt bist du eigentlich?", fragte sie plötzlich scheinbar völlig unvermittelt.

Das ist doch völlig nebensächlich!
Interessiert mich aber trotzdem. Und darf ich langsam wohl auch mal fragen.

"Achso, Verzeihung: Und einen Guten Morgen wünsche ich" Sie schlug die Decke zurück und stand nun selber auf. Zufrieden stellte sie fest, dass sie sich bestens ausgeruht fühlte, gut gelaunt und voller Tatendrang war.
"Ich hoffe, du hast auch gut geschlafen?", fragte sie mit sanfterer Stimme, einem freundlich-fürsorglichen Tonfall.
Das sollte ich zur Gewohnheit machen, neben einem Lichtmagier zu schlafen. Das waren die beiden erholsamsten Nächte seit langem!
Was für ein Anspruch. Als stünde immer ein Lichtmagier bereit, nur damit du gut schlafen kannst...

Ihr Gedankenkarussell kaute für einen Moment auf dem Wörtchen 'immer' herum. Hatte Leon ihr gestern tatsächlich seine Absicht erklärt, um sie werben zu wollen? So richtig? Richtig ernsthaft? Darna atmete tiefer durch, während sie neben einem Gespräch versuchte, ihre eigenen Sachen, also die Hose, Bluse, Mieder und Stiefel in dem Chaos wiederzufinden.
Ja, das hatte er. Ansonsten würde man(n) wohl kaum eine bereits bestehende Verlobung auflösen wollen.
Und sie hatte nichts dagegen gehabt. Im Gegenteil. Ihre Haut kribbelte ja jetzt schon wieder, nur weil sie noch einmal an den Kuss dachte.
Sie, Leons Frau? Gemahlin? Da konnte einem schon schwindelig werden.
Sollte sie in diese Richtung wirklich weiter denken?
Neben dem Freudentaumel, den so ein Gedanke auszulösen vermochte, regte sich sogleich genauso Protest, sich mit Dingen wie Ehe, Heim, ... Kindern? auch nur ansatzweise zu befassen. Sie wollte raus! Die Welt erleben!
Zukunftsspinnerei, holte Ratio sie diesmal entschieden zügig zurück auf den Teppich, Solange du nicht mal den Dämon los bist, brauchst du über gar nichts Weiteres nachzudenken!

Prompt wurde sie ernster und nahm einen der losen Fäden auf, an die sie gestern vor dem Einschlafen noch gedacht hatte: Fiddatan und die Frage, ob der Drache sich für ihr Problem interessieren würde.
Es war nicht so, dass sie Leon mit Fragen bombardierte, aber sie streute sie im Rahmen einer trotz allem möglichst ungezwungenen Konversation ein, während sie sich bereit machte, das Zimmer möglichst geordnet zu verlassen:
"Leon, hast eigentlich du diese Zeichnung von dem Stern bei dir, die du mit Basil angefertigt hast, oder hat Basil die?"

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Montag 14. Mai 2018, 05:45

"Sag mal, wie alt bist du eigentlich?"
, fragte Darna und musterte noch ein bisschen Leons halb nackten Oberkörper und stellte sich ein paar Narben mehr vor, als er wirklich hatte. Das Bild des Dämons hatte wohl doch Eindruck bei ihr hinterlassen. Ihre Frage jedoch, die bewirkte das Leon kurz die Brauen hob.
„Dreiundzwanzig...“
….und das schon wie lange? Also, ich glaub ihm das nicht. Dafür ist seine Seele viel zu... ach egal. Interessiert dich ja eh nicht, was ich so zu sagen habe. Ich lass dich dann mal deinen kleinen Dingen so nachgehen. Ich hab zu tun.
War ja klar, dass auch DER wieder wach war und seinen Senf dazu gab, sie dann mit mehr Fragen im Kopf zurück ließ als vorher und sich dann davon stahl.
"Achso, Verzeihung: Und einen Guten Morgen wünsche ich"
Sie schlug die Decke zurück und stand nun selber auf. Zufrieden stellte sie fest, dass sie sich bestens ausgeruht fühlte, gut gelaunt und voller Tatendrang war....zumindest bis eben.
"Ich hoffe, du hast auch gut geschlafen?"
, fragte sie mit sanfterer Stimme, einem freundlich-fürsorglichen Tonfall und Leon nickte. Dabei wanderten seine Augen kurz über das zerwühlte Bett und seine Gedanken schienen genauso abzudriften wie ihre. Leon hatte Darna gestern tatsächlich seine Absicht erklärt, um sie werben zu wollen. Sie atmete tiefer durch, während sie neben einem Gespräch versuchte, ihre eigenen Sachen, also die Hose, Bluse, Mieder und Stiefel in dem Chaos wiederzufinden. Als sie sie hatte drehte Leon ihr den Rücken zu, damit sie sich in Ruhe umziehen konnte. Hatte er ein bisschen gerötete Ohren? Auch ihn schienen die Erinnerungen vom Vorabend nicht kalt zu lassen.
"Leon, hast eigentlich du diese Zeichnung von dem Stern bei dir, die du mit Basil angefertigt hast, oder hat Basil die?"
„Sie müsste drüben bei meinen Sachen liegen. Ich gehe nachschauen solange du dich ankleidest.“
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen hörte man vor der Tür leises Gemurmel. Leon trat zur Tür und öffnete sie einen kleinen Spalt. Zanfars Stimme klang leise zu ihnen herein.
„... vor der Türe. Warte einen Moment, bis du ihn holst.“
Man hörte das Öffnen einer Türe ein paar leise erschrickte Laute und dann das Schließen der Tür.

Derweil rettete der Dunkelelf den Morgen indem er die neugierigen Blicke des Schlosspersonals auf sich zog.
„Guten Morgen, die Damen. Wie überaus aufmerksam von Euch, Frühstück zu bringen.“
Er wusste, dass die Geste der Mädchen nichts mit ‚Aufmerksamkeit‘ zu tun hatte, vielmehr mit Pflichten, aber er hielt es gerade lieber höflich. Forschend sah er auf das Tablett.
„Würde es Euch etwas ausmachen, heute etwas mehr zu bringen? Wir haben Gäste – vier an der Zahl.“
Er sah auf die jungen Frauen und deren Last.
„Um das hier kann ich mich derweil kümmern.“
Er deutete auf das Frühstück. Die jungen Frauen würden den Raum nicht allzu schnell betreten, dafür würde er sorgen – auch wenn es ihm lieb gewesen wäre, wenn sie das Chaos beseitigt hätten. Später. Tatsächlich hatte eines der Mädchen die Dreistigkeit besessen und kurz an ihm vorbei in den Raum geschielt und sich dabei fast den Hals verrenkt. Jetzt wich sie jedoch vor ihm zurück und starrte den roten Schal um seinen Kopf an. Die ganze Situation war schon merkwürdig, aber sie schien recht angstfrei. Was sollte er auch tun? Er ein harmloser Bediensteter der Diplomatin, immer ihr Schatten, er würde sie ja wohl kaum auf dem Flur nieder schlagen, oder? Na gut, sie war jung und etwas dümmlich, aber sie war wenigstens fleißig.
„Sehr wohl. Wir bringen Frühstück für vier Personen.“
Damit überreichte sie ihm das Tablett und zupfte ihre Kollegin am Ärmel. Eilig huschten sie davon und Zanfar konnte vorerst wieder in die Gemächer zurück kehren.

Nur wenige Sekunden zuvor hatte Zanfars Stimme die rote Dame in der Bewegung erstarren lassen.
„Guten Morgen, Chasin. Fiddatan und ich sind im Salon.“
War Zanfars Stimme gut hörbar von der anderen Seite der Tür zu vernehmen. Ein leises Geräusch folgte, als wenn etwas gegen die Tür geworfen worden war.
„Mein Mantel liegt vor der Türe. Warte einen Moment, bis du ihn holst.“
Auch eine Diplomatin mir Gedankenleserischen Fähigkeiten konnte nicht wissen, dass über Nacht im Nachbarraum zwei Männer aufgetaucht waren, genau sowenig wie die junge Lichtmagi die noch im Bett des Dunkelelfen lag. Chasin war davon ausgegangen, dass sie noch alleine gewesen waren und zögerte nun vor der zu einem schmalen Spalt geöffneten Tür, als sie die Stimme ihres Begleiters vernahm. Währenddessen schwang auch Delilah die Beine aus dem Bett, auch wenn sie gerne noch in den weichen Kissen verblieben wäre und besah sich ihre Garderobe. Sie trug das Kleid von gestern, keine Schuhe. Delilah schüttelte den Lockenkopf. Die junge Jorsanerin konnte sich ein leises Gähnen nicht verkneifen, während sie ans Fenster trat um den Morgen mit seinen Sonnenstrahlen zu begrüßen. Der Blick über die erwachende Stadt war bezaubernd. Lysanthor meinte es heute gut mit ihnen und schickte seine wärmenden Strahlen hinab auf die Erde. Vor ihr schimmerten die Dächer in der Morgensonne und hinter ihr raschelte die Tha'Roon mit ihren Gewändern. Chasin ging in die Knie und zog den Mantel durch den Türspalt um sich darin einzuhüllen, wie geraten. Sie wartete noch einen Moment, bis Zanfar wieder den Raum, nun mit einem Tablett betrat und ging dann hinaus.

Fiddatan, oder der Graf von Weißenfels saß schweigend auf dem Sofa und hatte die Beine lang vor sich ausgestreckt übereinander geschlagen. Seine Arme ruhten weit ausgebreitet links und rechts auf der Rücklehne und er wirkte entspannt. Seine silbernen Augen musterten neugierig das morgendliche Treiben. Dann betrat sein „Sohn“ von der anderen Seite das Zimmer und sein Lächeln wurde breiter. Seine „Nüstern“ bebten, dann ließ er jedoch seinen Blick zum Tablett in Zanfars Händen wandern.
„Frühstück! Sehr gut! Ich könnte ein ganzes Königreich verschlingen.“
Das diese Aussage nicht gerade witzig war, schien ihm nicht aufzufallen. Zumindest schien es ihm besser zu gehen als am Vorabend und auf seiner Brust war kaum noch etwas von der schweren Verletzung zu sehen.
Chasin durchquerte mit gezielten Schritten den Raum, stoppte kurz vor dem Zettel an der Tür zu ihrem Zimmer und sah auf ihre nackten Füße. Leon trat an ihre Seite und meinte.
„Gestern Abend ist in eurem Zimmer der Spiegel zu Bruch gegangen. Bitte schützt eure Füße.“
Chasin sah sich um und entdeckte ein paar niedrige Stiefel die zu einem der Kostüme gehörten und wie Hühnerfüße aussahen. Pragmatismus ging gerade vor, also zog sie sie an und betrat ihr Zimmer. Darna hatte sich inzwischen erhoben und sah den fragenden Blick der Diplomatin die den leeren Rahmen des Spiegels musterte. Ihr Augen wanderten umher und suchten gewarnt nach Verletzungsmöglichkeiten, die es zu vermeiden galt. Darna hatte gute Vorarbeit geleistet, aber Chasin wollte gewiss nicht sich doch aus Versehen in eine Scherbe setzen. Kurzer Hand ging sie also zu einem Schrank und holte hinter den verschlossenen Türen ein Gewand hervor, dass frei von Splittern sein sollte. Dann begann sie sich umzukleiden.

Derweil konnte Zanfar sich vielleicht kurz in sein Zimmer zurück ziehen, sofern Delilah es frei gegeben hatte und sich neu ankleiden. Auch Delilah vermutete ihr eigentliche Kleidung im Schlafgemach der Diplomatin, also war es naheliegend, dass sich dort die Damen trafen, frisch machten und umkleideten. Genauso taten es die Herren draußen und alsbald klopften die Zofen mit dem georderten größeren Frühstück an der Tür. Zanfar ließ sie ein und sie servierten mit verstohlenen Blicken auf den Grafen, Leon und Zanfar die Leckereien auf einem Beistelltisch. Leon bat die jungen Mädchen zur Mittagszeit wieder zu kommen um aufzuräumen und wies auch gleich darauf hin, dass Scherben zu entfernen seien. Tuschelnd hörte Zanfar sie dann den Flur hinab gehen.
„... drei so schmucke Herren und hast du gesehen... JA! Ob sie wohl...“
Der Rest ging in den Geräuschen des erwachenden Schlosses unter.

(aktuell Zanfar, Leon und Fiddatan im Wohnzimmer; Darna, Delilah und Chasin im Schlafgemach der Diplomatin. Könnt euch zum Frühstück gern alle im Wohnzimmer wieder treffen.)
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Darna von Eibenau
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Montag 14. Mai 2018, 12:08

„Dreiundzwanzig...“
Dreiundzwanzig? Sie stutzte über diese Zahl, und ihre Brauen zogen sich zusammen. Sie musste wieder an das Zeugnis von ihm denken, in das sie einen Blick geworfen hatte. Der Eindruck, den sie von ihm und von dem, was er wohl alles konnte, gewonnen hatte, passte nur mit großer Mühe zu einer solchen Zahl.
...und das schon wie lange? Der Untermieter spürte ihr innerliches zustimmendes Nicken. Ja, so konnte man das natürlich auch treffend formulieren. Kurz regten sich Wut und beleidigt-sein über den Umstand, dass Leon sie also anlog, aber es wurde genau so schnell beschwichtigt, ohne dass sie genauer darüber nachdachte.
Also, ich glaub ihm das nicht. Dafür ist seine Seele viel zu...
Reif?, vermutete die Knappin.
Leon konnte derweil sehen, dass seine Gesprächspartnerin ihm die Aussage nicht abkaufte. Die Brauen blieben für den Moment schwach zusammen gezogen, ansonsten war es aber eher ausgerechnet dieser stumpfe, ernüchterte Blick, der ihm stumm ein 'Erzähl das deiner Großmutter' vermittelte.
ach egal. Interessiert dich ja eh nicht, was ich so zu sagen habe.
Interessiert mich schon, ich höre nur grundsätzlich am besten nicht drauf..., kommentierte sie beiläufig und erstaunlich gelassen, dass sie sich für einen kurzen Moment sogar selbst über diese Souveränität wunderte. Lag es an ihrem ausgeruhten Zustand? Vielleicht.
Ich lass dich dann mal deinen kleinen Dingen so nachgehen. Ich hab zu tun.
Darnas Blick schweifte ziellos durch den Raum, als ihre Gemütslage dem Dämon klar ein betont gleichgültiges bis abweisendes 'Dann geh doch' vermittelte..
und ihm kurz darauf neugierig hinterher linste: Was hast du denn so zu tun...?
Aber sie pfiff sich selber zurück: was sie jetzt nicht gebrauchen konnte, waren sie unvorbereitet treffende Eindrücke aus dem Harax, sollte diese ungesunde Neugier von ihr etwa auch noch erhört werden.
Lieber Belangloseres: "Ich hoffe, du hast auch gut geschlafen?"
Ihre Mimik hellte sich auf, als Leon erklärte, dass die Zeichnung hier sein müsste; sehr gut. Und draußen waren Geräusche, die vermuten ließen, dass auch die anderen wieder anwesend und ebenfalls wach waren. Sehr schön!

Zügig schlüpfte sie in die Hose, warf die weite Bluse über, überlegte dabei, ob sie ihr Morgengebet noch hier im Zimmer im Kegel der einfallenden Sonnenstrahlen erledigen sollte und begann sich gerade das Mieder anzulegen, als Chasin den Raum betrat.
Um zu einer korrekten Verbeugung anzusetzen, musste die Knappin das Mieder für den Moment wieder loslassen und beiseite legen. Sie sah den fragenden Blick der Diplomatin, die den leeren Rahmen des Spiegels musterte und ihr Schuldgefühl, das wertvolle Möbelstück kaputt gemacht zu haben, schwappte prompt hoch.
"Guten Morgen, hohe Dame. Die lichten Götter mit..."
Ihr Blick glitt mit der Verneigung an der ernst dreinschauenden Chasin herunter: über den weißen Überwurf, den sie eigentlich vom Leibwächter kannte - nanu? -, die fliederfarbenen, überlangen, schlanken, eleganten Schienbeine, die in...

"Pffhhhhhhh!", kam ein prustendes Geräusch von der jungen Frau, und die Verneigung bekam etwas Gekrümmtes, als die Haltung sich unvermittelt versteifte.
"Ha hahaha ha ha ha!",
brach es aus der Knappin bei diesem Anblick raus, den sie in einer million Jahren nicht erwartet hätte.

Du... lachst die DIPLOMATIN aus...!
Erschrocken schlug sie sich die linke Hand vor den Mund. Sie bringt dich noch um! Erst machst du den Spiegel kaputt, und jetzt machst du dich auch noch über ihr Schuhwerk lustig?!
Ein betont ernster Vorwurf, gepaart mit echtem Schrecken und neuem aufkommendem Schuldbewusstsein, während sie sich aufrichtete. Ihr Schuhwerk...? Hoffentlich trägt sie das nicht im... Es trat nur ein noch größeres Fiasko los, als sich in ihre Gedanken eine bildliche Vorstellung vom Thronsaal schob, alle in würdevoller Robe, und unter diversen Kleidersäumen diese... Hühnerpuschen...
Sie kniff die Lippen zusammen und hielt die Luft an, zwang die Hände nach hinten und versuchte verzweifelt, irgendwie Haltung zu bewahren.
Die Knappin bekam binnen Sekunden einen immer roteren Kopf und sah aus, als würde sie gleich platzen.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Donnerstag 24. Mai 2018, 22:13

Die junge Jorsanerin konnte sich ein leises Gähnen nicht verkneifen, während sie ans Fenster trat um den Morgen mit seinen Sonnenstrahlen zu begrüßen. Der Blick über die erwachende Stadt war bezaubernd. Lysanthor meinte es heute gut mit ihnen und schickte seine wärmenden Strahlen hinab auf die Erde. Vor ihr schimmerten die Dächer in der Morgensonne und hinter ihr raschelte die Tha'Roon mit ihren Gewändern.

Delilah sog den Anblick ihrer Heimatstadt in sich auf, die sich heute von ihrer besten Seite zeigte. Die Lichtmagi öffnete das Fenster, um die frische Morgenluft hinein zu lassen und das muntere Gezwitscher der Spatzen auf dem Dach. Einen Moment lang lehnte sie einfach am Fensterrahmen und lächelte liebevoll. Ein warmes Gefühl breitete sich von ihrem Herzen bis in die Finger- und Zehenspitzen aus, trotz der kühleren Brise die ihr um die Nase strich. Zuhause. Sie hatte Jorsa noch nie von so weit oben gesehen und auch noch nicht von dieser Seite der Stadt. Ein ganz neuer Blickwinkel. Das Leben war wirklich bemerkenswert und die Pfade, auf die ihres sie inzwischen gelenkt hatte waren es erst recht.

Immer noch erfüllt von der Freude und Liebe, die ihr die ersten Sonnenstrahlen über den Dächern der noch etwas schläfrigen Stadt geschenkt hatten, betrat sie mit einem Lächeln den Wohnraum der Diplomatin. „Guten Morgen!“ Sie ließ ihren Blick über die drei anwesenden Männer schweifen. „Schläft Basilius noch?“

Sie ging recht zielstrebig auf den Drachen zu und warf nochmal aus der Nähe einen Blick auf das Wunderwerk, dass Zanfar, der Alchemist und sie gestern bewältigt hatten. Es schien gut verheilt zu sein. „Wie fühlst du dich?“, fragte sie den Grafen und ging wieder etwas auf Abstand. Es war immer noch… merkwürdig Veranos Gesicht mit so fremder Mimik zu sehen. Aber was sie noch mehr bewegte war wie unterschiedlich sie sprachen. Sie hatte Veranos Gesicht nur wenige Male gesehen, aber seine Stimme… seine Stimme war es gewesen, die sie sich hatte ans Leben klammern lassen, die sie aus den Tiefen ihres eigenen Körpers wieder ans Tageslicht gezogen hatte. Doch jetzt… der Tonfall, die Betonung, die Sprechart… alles war anders. Als sie sich auf dem Tanzparkett begegnet waren und er sie zwischen den ganzen Tanzenden gesucht hatte… seine ersten Worte… ihr Name, eine leise Bitte… das hatte so schmerzhaft nach Verano geklungen, doch danach war der Schatten des Vergangenen immer mehr verblasst und der Drache hatte sich immer deutlicher gezeigt.

„Wo sind eigentlich meine Tanzschuhe?“, murmelte sie leise vor sich hin und ihr Blick glitt kurz zu Zanfar, während sie ihr eigenes Kleid und ihre anderen Sachen aus der Ecke holte, in die sie sie fein säuberlich gelegt hatte, um sie später wiederzufinden. Kurzentschlossen schlüpfte sie in ihre eigenen Reiseschuhe und folgte der Diplomatin in ihr Zimmer um sich umzuziehen. Der Ball war vorbei.

Sie öffnete die Tür zum Schlafgemach just in dem Moment, als aus dem Inneren ein ungewohnter Klang drang.

"Ha hahaha ha ha ha!",

brach es aus der Knappin raus, den Blick auf die Rote Dame geheftet. Delilah blieb wie von Venthas Donner gerührt in der halboffenen Tür stehen und starrte einen Moment vollkommen überrascht die Lachende an. Erschrocken schlug Darna sich die linke Hand vor den Mund. Sie kniff die Lippen zusammen und hielt die Luft an, zwang die Hände nach hinten und versuchte verzweifelt, irgendwie Haltung zu bewahren. Die Knappin bekam binnen Sekunden einen immer roteren Kopf und sah aus, als würde sie gleich platzen.

„Davon würd ich gerne ein Bild malen!“, entfuhr es der jungen Lichtmagi und ein Lächeln so breit und so hell lag auf ihrem Gesicht, dass es einen fast blenden konnte. „Darna mit lachendem Gesicht und die hochverehrte Diplomatin mit den Hühnerschuhen. Wun-der-schön! Den Moment müsste man einfangen!“ Und sich bewahren. Wie verändert Darna ausgesehen hatte! Bemerkenswert. Die Kraft des Lächelns.. Delilah trat nun gänzlich in den Raum hinein. „Wir sollten uns umziehen.“
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Dienstag 12. Juni 2018, 23:11

"Guten Morgen, hohe Dame. Die lichten Götter mit..."
Darnas Blick glitt mit der Verneigung an der ernst dreinschauenden Chasin herunter: über den weißen Überwurf, den sie eigentlich vom Leibwächter kannte, der auf ihrem dünnen Körper sich fast wie ein Federkleid auf bauschte, die fliederfarbenen, überlangen, schlanken, eleganten Schienbeine, die in knall orangefarbenen, flauschigen Hühnerfüßen endeten.
"Pffhhhhhhh!“
, kam ein prustendes Geräusch von der jungen Frau, und die Verneigung bekam etwas Gekrümmtes, als die Haltung sich unvermittelt versteifte.
"Ha hahaha ha ha ha!"
, brach es aus der Knappin bei diesem Anblick raus, den sie in einer Million Jahren nicht erwartet hätte.
Du... lachst die DIPLOMATIN aus...!
, kam ihr der ein oder andere Gedanke. Erschrocken schlug sie sich die linke Hand vor den Mund. Sie kniff die Lippen zusammen und hielt die Luft an, zwang die Hände nach hinten und versuchte verzweifelt, irgendwie Haltung zu bewahren. Die Knappin bekam binnen Sekunden einen immer hoch roten Kopf und sah aus, als würde sie gleich platzen. ...

Kurz zuvor:
Delilah fragte im Vorbeigehen:
„Schläft Basilius noch?“
und erntete nur fragende Blicke, bevor sie das Gemach der Diplomatin betrat. Dort angekommen traf sie auf eine lachende Knappin und eine Tha'Roon die sich auf dem Weg durch das Wohnzimmer in ein Huhn verwandelt hatte. Delilah blieb wie von Venthas Donner gerührt in der halboffenen Tür stehen und starrte einen Moment vollkommen überrascht die Lachende an. Erschrocken schlug Darna sich die linke Hand vor den Mund. Sie kniff die Lippen zusammen und hielt die Luft an. Sie sah aus, als würde sie gleich platzen.
„Davon würd ich gerne ein Bild malen!“
, entfuhr es der jungen Lichtmagi und ein Lächeln so breit und so hell lag auf ihrem Gesicht, dass es einen fast blenden konnte.
„Darna mit lachendem Gesicht und die hochverehrte Diplomatin mit den Hühnerschuhen. Wun-der-schön! Den Moment müsste man einfangen!“
Wie verändert Darna ausgesehen hatte! Bemerkenswert. Die Kraft des Lächelns. Delilah trat nun gänzlich in den Raum hinein. Die Szenerie war wirklich wunderschön! Darnas Gesicht hatte sich im Lachen so verändert, dass es fast so schien, als leuchte sie von innen heraus. Delilahs Herz erkannte in ihr sofort eine vertraute Seele, die bisher hinter einem dicken Panzer aus Disziplin versteckt gehalten hatte. Das war also das wahre Gesicht der Knappin? Vielleicht war es doch kein Wunder, das Leon sich in sie verliebt hatte. Ein solches Lachen konnte heilen, konnte die Stimmung in einem Raum wandeln, konnte die Welt verändern. Und dafür war nichts weiter notwendig gewesen, dass sich eine Stock steife Tha'Roon zum Huhn machte. Delilahs Lächeln war erfüllt von Glück und strahlte hell und warm wie Sonnenstrahlen in den Raum hinein. Ein flüchtiger Moment reinen Glücks, ja reiner Freude erfüllte die Herzen der drei Frauen. Ja sogar Chasin lächelte und genoss den Moment. Sie sahen einander an und wussten, dass das hier gut war. Vielleicht war sogar ein Hauch von Lysanthors Wirken in diesem Moment zu spüren, denn ein Sonnenstrahl fiel durch das Fenster und ließ Staubkörnchen in der Luft tanzen.
„Wir sollten uns umziehen.“
, sprach Delilah.

Chasin hatte auf Darnas Ausbruch nur leicht fragend die Brauen gehoben, schaute dann von ihr an sich hinunter auf die erstbesten Schuhe, die sie gegriffen hatte um sich vor etwaigen Scherben zu schützen, dann wanderte ihr Blick weiter zu der jungen Lichtmagi hinter ihr. Hinter Delilahs strahlendem Antlitz prangerte noch die offen stehende Tür und Chasin ging mit ihren Hühnerpunschen zu eben jener und wollte sie gerade schließen...

Leon hatte sich zuvor zurück ins Wohnzimmer zu den anderen Herren gesellt, als vom Schlafzimmer der denkbar ungewohnte Laut erklang:
"Ha hahaha ha ha ha!"
Im ersten Moment klang das Lachen warm und hell in seiner Seele wieder, doch als sein Geist erkannte wer da lachte, mischte sich plötzlich Sorge in seine Gedanken.
Was wenn …

Plötzlich ging alles sehr schnell.
Darna konnte es nicht sehen, aber spürte wie sich ihr unsichtbarer Begleiter schützend vor sie schob und verhinderte, dass sie nach vorne stürmte. Als ihre Hand seine warme Schuppenhaut berührte, drang ein einfaches aber klares Bild in ihren Geist. Ihr vierbeiniger Wächter kannte den Feind und schickte ihr eine Vorstellung davon in ihren Geist, was sie erwarten würde. Der Schock darüber ließ Darna zögern.
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Hellbunny
Das Bild in ihrem Kopf war so groß wie ein Mann, bullig mit weißem Fell und blutigen Klauen und Zähnen... und langen Ohren... Darna konnte es vor ihrem inneren Auge deutlich sehen, aber vor allem spürte sie die Gefahr, die ihr Wächter vermittelte. Er würde eher für sie sterben, als dieses Ding an sie heran zu lassen! Denn das war seine Aufgabe! Er war ihr Beschützer!
Delilah hingegen konnte es sehen, wenn sie herum wirbelte. Chasin stand am Türrahmen hinter ihr und sah es ebenfalls. Zanfar weilte an der gegenüberliegenden Seite des Wohnzimmers und hatte gerade sein Zimmer betreten wollen um sich anzukleiden, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung unter dem Kostümhaufen ausmachte. Instinktiv glitt sein Arm an sein Schwert... das nicht da war. Seit dem Fest hatte er seine Waffen nicht wieder angelegt. Verdammt!
Stoffbahnen wölbten sich, als würde sich darunter etwas lautlos aus dem Boden erheben. Ein Gewand, das vermutlich zu einem Biberkostüm gehörte, hob sich und rutschte fast vollkommen lautlos zur Seite, als wenn es von einem großen Körper abglitt. Zanfars feine Sinne hatten es vernommen und seinen Blick gelenkt. Doch als das Kostüm zur Erde glitt, war darunter nichts zu sehen!!! Trotzdem wusste er mit all seinen Sinnen, dass dort etwas war! Ein unsichtbarer Feind erhob sich. Zanfars Sinne waren so geschärft und trainiert, dass er jedes noch so kleine Detail sofort erkannte, was ihn die Situation besser einschätzen ließ als alle anderen. Er hatte sich die Konturen eingeprägt, den Winkel, wie das Biberfell zu Boden gerutscht war und dabei sich eine grobe Gestalt in seinem Kopf berechnet. Der Feind war etwas über 2 Schritt groß und hatte einen runden Rücken. Die Haltung ähnelte der eines gedungenen Orks, doch verwirrten ihn mehrere Kleinigkeiten, die nicht ins Bild passten. Der Feind musste auf zwei Beinen stehen, oder in etwa die Figur eines aufrecht stehenden Bären haben. Dort wo der Stoff an der linken Körperseite abgeglitten war, hatte er sich an einem Unterarm verfangen, der kurz so etwas wie Klauen hatte vermuten lassen. Und das schlimmste war, bis jetzt hatte anscheinend außer ihm niemand die Gefahr bemerkt!
Leon stand kaum zwei Schritt entfernt mit dem Rücken zu dem unsichtbaren Wesen und reagierte noch nicht einmal. Nur der Graf schien ebenfalls etwas bemerkt zu haben, denn sein Körper hob sich ebenfalls merkwürdig schwebend von der Couch, als würde er in etwas schwimmen und Auftrieb bekommen. Der Drache erhob sich! Die Luft begann zu flimmern und durchsichtige Schuppen waren zu erahnen. Zanfar sah es nicht direkt, aber seine Sinne setzten im Kopf die fehlenden Informationen blitzschnell zusammen. Er handelte ohne nachzudenken, denn das Bild, was sich ihm bot, ließ nichts anderes zu. Auch wenn der Drache mächtig war, so war er zu langsam! Zanfar stand Leon am nächsten und der Feind war in seinem Rücken und griff an. Er sprang!

Das Geräusch von reißendem Stoff erfüllte das Wohnzimmer und etwas scharfes schnitt durch seine Haut am Rücken. Er konnte nicht aufschreien denn während des gleichen Atemzugs traf Leon etwas hart in die Seite, presste ihm die Luft aus den Lungen und schleuderte ihn beiseite. Unsanft landete er zwischen dem Sofa und der Wand. Irgendetwas schepperte. Dann bebte plötzlich der Boden und riss alle von ihren Füßen! Glas klirrte, Holz knarrte und Stein knirschte. Eine Druckwelle ließ alle losen umher liegenden Dinge kurz ein Stück in die Luft springen und dann geräuschvoll wieder herunter krachen. So fühlte es sich also an, wenn ein Drache mit der Pranke zu schlug. ...

Als Staub und Kleider sich wieder gelegt hatten stand einzig Verano aufrecht mitten im Raum und starrte auf ein Stück Papier, dass leicht zerknittert am Boden lag. Er beugte sich nach vorne und hob es auf. Dann ging er eilig zum Kamin und verbrannte die Zeichnung, die Basilius von dem Ritual angefertigt hatte. Die anderen Personen rappelten sich inzwischen auf. Verano sah seinen „Sohn“ an und schüttelte leicht den Kopf, als müsse er seine Gedanken sortieren, während er das kurz aufwallende Feuer im Auge behielt.
„Wer. Hat. Das. gemacht?“
Seine Stimme war dunkel und von unterdrückter Wut gefärbt. Sein ausgestreckter Arm zeigte auf das schnell vergehende Bildnis des Hexagramms, welches Basilius so mühevoll aus der Erinnerung angefertigt hatte.

Bevor er jedoch eine Antwort erhalten konnte, hörte man im Palast einige Schreie und Klagelaute. Sicher war die Erschütterung nicht unbemerkt geblieben. Bald würden sicher Wachen auftauchen und der König würde erfahren wollen, was vorgefallen war, sofern man den Ursprung des Bebens überhaupt ermitteln konnte. Der „Ursprung“ stand am Kamin und schüttelte seine rechte Pranke/Hand als ob er sich ekelte. Unbewusst wischte er sich immer wieder die Finger an seinem Hosenbein ab, obwohl dort nichts zu sehen war. Zeitgleich erhob sich Zanfar mit einem unterdrückt stöhnendem Leon hinter der Couch und Delilah und Chasin betraten das Wohnzimmer. Nur Darna brauchte einen kleinen Moment länger, da sich ihr unsichtbarer Wächter wieder mit einem warmen Handlecken von ihr verabschiedete und ihr das Gefühl vermittelte, dass das seltsame Monster tot sei. Er verschwand wieder in die Zwischenwelt... vermutlich um seinem Herrn auf seine Art Bericht zu erstatten, was soeben geschehen war, oder eben einfach nur weil er dem Drachengeist nicht zu nah kommen wollte.

Darnas Gedanken rasten sicherlich. Irgendetwas war eben ganz und gar falsch gelaufen. Etwas fühlte sich in ihr merkwürdig an und vielleicht ahnte sie auch was es war. Das erste Mal, als sie sich gefreut hatte, da hatte der Fluch ausgelöst und eine Art Portal geöffnet. Dieses Mal hatte sie gelacht. Es war in der Zwischenzeit viel passiert und einige Faktoren hatten sich geändert. So ganz schlau wurde sie vielleicht nicht daraus, aber nun hatten sie einen Drachengeist UND einen dämonischen Wächter, der die Wesen, die an sie ran wollten bekämpfen konnten. Leons und Delilahs Magie schreckten sie ebenfalls ab, hielten sie fern, aber eben nur auf einen begrenzten Radius und ihr Fluch versuchte immer noch Schlupflöcher zu finden, um ihr das Leben schwer zu machen. Das Bild des grauenvollen Monsters mit dem weißen Fell und den wuscheligen langen Ohren prangerte immernoch albtraumhaft in ihrem Geist. Vielleicht war es ganz gut gewesen, dass ihr Wächter sie nicht hatte näher heran gelassen. Eines wusste sie aber ganz genau:
Freude und Lachen waren immernoch Faktoren die etwas dunkles in ihr auslösten, die den Fluch aktivierten, wenn sie allein war. All die Jahre hatte sie keinen Grund gehabt zu lachen oder sich zu freuen, aber nun hatte sie Freunde, jemand der sie liebte, Menschen die sich um sie sorgten. All das war wie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stärkte es sie, aber andererseits machte es sie auch verletzlich wie noch nie.

Delilah hatte hatte in dem ganzen Chaos noch ein winziges Detail mehr wahrgenommen, als die anderen; ...winzig, aber überaus einprägsam! SIE SAH die schwarze Schmiere an Veranos Hand, die er versuchte los zu werden. Wie feine Rinnsale die aber aufwärts flossen, versuchten die kleinen Tropfen immer wieder von seiner Hand seinen Arm hinauf zu fließen. Er schien es irgendwie zu spüren, aber war gerade viel zu aufgebracht um es wirklich wahrzunehmen. Und Delilah kannte sich aus mit diesem schwarzem Zeug. Die Erinnerungen an Omniel und an den Schneiderladen kehrten in ihren Geist zurück. Da half kein Wischen oder Rubbeln, da musste LICHT ran!

Zanfar hatte Leon aufgeholfen. Das leise Stöhnen war ihm nicht entgangen, auch wenn der junge Lichtmagus sich wieder steif erhob und scheinbar unbeeindruckt gerade hin stellte. Vielleicht ein bisschen zu gerade? Zanfar kannte die Zeichen. Da waren ein paar winzige Schweißperlen auf Leons Oberlippe. Er hatte Schmerzen, aber er ließ sich nichts anmerken. Idiot.
Leon stand mit dem Rücken zur Wand und beobachtete seinen „Vater“.
„Die Zeichnung, die du gerade verbrannt hast, war unsere einzige Spur um etwas sehr wichtiges heraus zu finden.“
Auch in seiner Stimme klang Zorn mit, wenn gleicht nicht so beeindruckend mehrstimmig wie es sich bei dem Drachen anhörte.
„Ein guter Freund hat sie angefertigt, damit wir hoffentlich irgendwann verstehen, was hier eigentlich vor sich geht und etwas dagegen tun können!“
Verano hatte zugehört und zog nun die Brauen hoch. Knurrend antwortete er:
„Ihr wollt verstehen was diese Zeichen zu bedeuten haben?“
Seine Hand ballte sich.
„Ihr habt ein tragbares Portal in den Harax erschaffen und mit euch herum getragen, das nur darauf wartete aktiviert zu werden! DAS geht hier vor sich! Ihr habt Dämonen eine Einladungskarte gemalt.“
Er knurrte noch einmal und streckte wieder die Finger, rieb sie am Hosenbein und fuhr etwas milder gestimmt fort:
„Ihr hattet keine Ahnung und habt mit Mächten herum gespielt, die alles auf dieser Welt vernichten würden, wenn ihr sie hinüber holt. Ihr hattet ….*schnauf*.... verdammtes Glück!“
Er atmete tief durch und warf einen letzten Blick auf die verglühende Asche der Zeichnung. Dann ging er zurück zum Sofa und ließ sich darauf fallen. Leiser und fast zu sich selbst sprechend murmelte er mürrisch weiter:
„Es ist...war... ein „Zwei-Komponenten-Portal-Zeichen“. Zum einen muss ein starker Auslöser in der Nähe sein, zum anderen ein Dämon, der die Spur auslegt. ...diese Mistviecher wittern einander! Mache helfen sich sogar, andere bekriegen sich, aber einmal ausgelöst ist der Auslöser wie ein Magnet, der sie anzieht. Wenn es aktiviert wird, ist es wie eine „Essensglocke“ die geläutet wird und sie herbei ruft. Dämonenbeschwörer nutzen so etwas um Dämonen einzufangen und binden sie dann an sich oder an ein Opfer. Der Dämon wird angelockt und ist verständlicher Weise dann nicht sehr begeistert, wenn er begreift, dass es sich nicht um Futter, also Seelen handelt, sondern dass er in eine Falle gegangen ist. ...Also... Wie kommt ihr zu so einer Zeichnung? Ich bin sehr gespannt auf diese Geschichte!“

Knock Knock
Irgendetwas in Darnas Hinterstübchen klopfte leise an. Doch mehr würde es wohl nicht werden, solange sie den Drachen ansah. Sie musste sich entscheiden, ob sie jetzt lieber erst mit dem Drachengeist unterhalten wollte, oder eben erst mit ihrem Untermieter.

Knock Knock
, machte es zeitgleich an der Tür und alle sahen auf als das Huhn diese einen Spalt öffnete und einem Wächter davor schlicht sagte:
„Es ist alles in Ordnung in diesen Gemächern. Hier ist niemand den ihr sucht.“
Zanfar stand in einem günstigen Winkel zu Chasin und bemerkte das kurze Funkeln unter ihren Haaren. Der Wächter nickte nur und sprach zu seinem Begleiter:
„Hier ist alles in Ordnung. Keiner da.“
Dann ging er weg. Chasin sah ihm einen Moment hinterher, schloss die Tür und lehnte sich dann an die Innenseite. Zu Zanfar gewandt zuckte sie nur entschuldigend mit den Schultern, denn an seinem Blick konnte sie sofort erkennen, dass er sie quasi in flagrante gerade erwischt hatte, dass sie ihre Macht eingesetzt hatte. Tonlos wisperte sie ihm zu:
„Ich glaube, das war gerade nötig.“
, so dass nur er es verstand.
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Rasse: Mensch (Jorsan)
Sprachen: Garmisch
Beruf: Knappin
Fähigkeiten: *
Rapier: gut
Rapier & Buckler: überdurchschnittlich
Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
Jagdbogen: durchschnittlich
Lebensenergie:

Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
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* Kinderholzschwert von Elli
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 13. Juni 2018, 22:55

„Davon würd ich gerne ein Bild malen!“
Warum? Um meinen furchtbaren Fauxpas auf ewig festzuhalten? Es war nur ein kümmerliches Stimmchen, ein Echo von Darnas Gewohnheit, denn Delilahs Gesicht, ihre ganze Ausstrahlung im wahrsten Sinn des Wortes, passten einfach nicht zu dieser schwarzmalerischen Auslegung. Die Knappin sah und begriff, dass sogar die Diplomatin selber den Moment genoss. Sie sahen einander an und wussten, dass das hier gut war.
War das mit der Freude doch alles ein Irrtum gewesen? Es fühlte sich gerade so an.
"Dein Kleid war im Weg und … du hast gelacht, ich habe gelacht ...alles war so leicht und einfach..."
Ihr Untermieter hatte etwas zur Erklärung erwähnt, aber die Knappin hatte es leider nicht so ganz verstanden. Ein Fluch, der sich durch Alkohol umgehen ließ? Das klang mehr als nur ein bisschen absurd.
War alles einfach nur ein Irrtum?
Und sie konnte... frei sein? So wie jetzt? Sie schob einen Fuß auf dieses dünne Eis, denn es fühlte sich so viel besser und so richtig an.
Hinter Delilahs strahlendem Antlitz prangerte noch die offen stehende Tür und Chasin ging mit ihren Hühnerpunschen zu eben jener und wollte sie gerade schließen...

Plötzlich ging alles sehr schnell.
Darna konnte es nicht sehen, aber spürte wie sich ihr unsichtbarer Begleiter schützend vor sie schob und verhinderte, dass sie nach vorne stürmte.

Huch, er war noch da? Nach den Eindrücken gestern Abend hatte sie wirklich gedacht, dass er fort wäre, was ja auch besser so gewesen wäre. Aber für den Bruchteil einer Sekunde war da sogar Wiedersehensfreude, als ihre Hand seine warme Schuppenhaut berührte.
Dann 'sah' sie das Monster. Ein... eine Art Kaninchen? Ernsthaft? Ein Fitzel ihrer Gedanken schüttelte ungläubig den Kopf, dass etwas so absurdes, scheinbar harmloses derart ins Groteske verdreht wurde. Aber die Tödlichkeit, die der Anblick vermittelte, die Angst, die war echt. Ihre Mimik erstarrte mit geweiteten Augen. Vor allem spürte sie die Gefahr, die ihr Wächter vermittelte. Er würde eher für sie sterben, als dieses Ding an sie heran zu lassen! Denn das war seine Aufgabe! Er war ihr Beschützer!
Ihr Überlebensinstinkt verkrümelte sich hinter den Rakh Fauthar und ließ ihm gerne den Vortritt. Hund gegen Kaninchen, das war eine herverragende Sache, konnte man so durchgehen lassen!

Aber er war ja noch gar nicht hier. Er war im Nebenraum.
Bei...

"Leooooon!!!" Nach der Schrecksekunde kam das Begreifen, dass alle anderen dort vor ihr allein aus räumlichen Gründen eindeutig eher in Gefahr waren als sie selber und ihr eigener Beschützerinstinkt meldete sich entscheidend verzögert wieder zur Stelle. Ihr Körper spannte sich und strebte nach vorne, der Hund stand im Weg, aber alles an Darna vermittelte ihm in diesem Moment, dass er mit ihr nach vorne würde stürmen müssen, um sie zu beschützen, oder dass er sie aktiv daran hindern musste, eine riesen Dummheit zu begehen. Brauchte er einen nonverbalen Befehl, einzugreifen, so hatte er ihn in klarster Deutlichkeit!
Aber der Dunkelelf, der neben Leon stand, war selbstverständlich schneller. Darna hatte nicht mal einen Meter überbrückt und stand direkt schräg hinter Chasin, da riss die Druckwelle der Drachenpranke sie von den Füßen. Auch die fragile Tha'roon verlor das Gleichgewicht und wurde von der Knappin glücklicherweise abgefangen, bevor Chasin unsanft gegen die Eckkante einer Kommode taumeln oder unkontrolliert auf den Boden hätte prallen können. So bekam die Diplomatin höchstens ein oder zwei blaue Flecke.

Als Staub und Kleider sich wieder gelegt hatten stand einzig Verano aufrecht mitten im Raum und starrte auf ein Stück Papier, dass leicht zerknittert am Boden lag.
<...>
„Wer. Hat. Das. gemacht?“
Seine Stimme war dunkel und von unterdrückter Wut gefärbt.

Ich.
Darnas Aura schlug in das klassischste Purpur um, das Schuldgefühl verursachen konnte, und die Farbe gewann schnell an Intensität. Sie mochte die Zeichnung nicht gemalt haben, aber sie hatte sich anhand der Bewegungen im Nebenzimmer denken können, was genau da im Kamin gelandet war, und sie wusste, warum es diese Zeichnung gab. 'Wer das gemacht hatte', wörtlichst genommen.
Ihr wurde klar, dass es ein Fehler gewesen war, das Erlebnis von gestern Nacht, wo sie den anderen unsichtbaren Dämon registriert hatte, als abgehakt zu betrachten. Schon das Auftauchen von einem Dämon war eigentlich keine Nebensächlichkeit, um die man sich später kümmern könnte, aber es war erschreckend bis interessant - je nach Blickwinkel - wie schnell sich die Knappin an solche Phänomene gewöhnte. Auch ihr selber wurde das in diesem Moment klar, und die Purpur-Aura wuchs.
Delilah und Chasin betraten das Wohnzimmer. Nur Darna brauchte einen kleinen Moment länger, da sich ihr unsichtbarer Wächter wieder mit einem warmen Handlecken von ihr verabschiedete und ihr das Gefühl vermittelte, dass das seltsame Monster tot sei.

Was genau war das gestern Abend... Nacht?, widmete sie ihm einen Herzschlag lang Aufmerksamkeit, nahm seinen Kopf zwischen beide Hände und versuchte ein gedankliches Bild von ihm einzufordern, so wie er ihr das Bild von dem Blutkaninchen 'gezeigt' hatte.
Wie sie ihn berührte... auch hier ließe sich feststellen, wie bemerkenswert schnell sie seit dem Schneiderladen nun die Scheu vor dieser Kreatur verlor. Sie schien akzeptiert zu haben, dass der Harax-Hund auf ihrer Seite stand.

Darnas Gedanken rasten. Das bloße Wissen um das Aussehen des gestrigen Dämons brächte ihr nicht viel, aber sie versuchte zumindest, Gemeinsamkeiten festzustellen.
Aber zwei Dämonen waren kein Zufall mehr.
Vier, erhöhte eine kritische Stimme nüchtern die Zahl um ihren Untermieter und den Hund. Götter, sie war hier eine wahre Ansammlung von...
Darnas Wangen wurden blass, rote Flecken darin, das Purpur wuchs fröhlich weiter.
Nun, zwei Dämonen, die hier nicht her gehörten und eine akute Bedrohung für die anderen dargestellt hatten. Sie hätte gerne glauben wollen, dass an ihrem Lachen doch nichts so schlimm war, aber dieses dünne Eis war also noch vor einer nennenswerten Belastung zerbrochen, genau genommen hatte es nie existiert. Das Bild des grauenvollen Monsters mit dem weißen Fell und den wuscheligen langen Ohren prangerte immernoch albtraumhaft in ihrem Geist.
Ich bin schuld. Ein kurzer Atemstoß wurde abgehackt in die Lungen gezogen.
Hatte der Kaninchendämon nebenan etwa auch noch jemanden verletzt? Es wirkte auf die Entfernung für sie zunächst nicht so, aber Sorge blieb - vor allem Sorge, dass sich das früher oder später ändern würde.

„Die Zeichnung, die du gerade verbrannt hast, war unsere einzige Spur um etwas sehr wichtiges heraus zu finden“, erwiderte Leon ebenfalls mit unterdrücktem Zorn in der Stimme, wenn gleicht nicht so beeindruckend mehrstimmig wie es sich bei dem Drachen anhörte. „Ein guter Freund hat sie angefertigt, damit wir hoffentlich irgendwann verstehen, was hier eigentlich vor sich geht und etwas dagegen tun können!“
Verano hatte zugehört und zog nun die Brauen hoch. Knurrend antwortete er:
„Ihr wollt verstehen was diese Zeichen zu bedeuten haben?“ Seine Hand ballte sich. „Ihr habt ein tragbares Portal in den Harax erschaffen und mit euch herum getragen, das nur darauf wartete aktiviert zu werden! DAS geht hier vor sich! Ihr habt Dämonen eine Einladungskarte gemalt.“

Nebenan stand Darna, die Augen so weit aufgerissen, dass Tränen sich zu sammeln begannen.
Ins Schloss?! Ein Krächzen wollte sich in ihrer Kehle bilden, aber sie bekam schon keinen Laut mehr heraus.
Sie hatte nicht nur ihre Freunde in Gefahr gebracht - das war schon schlimm genug. Bisher schien es eine Gefahr gewesen zu sein, die sie kalkulierend in Kauf genommen hatten, eben um sie zu bekämpfen. Aber da stand nun auch ein Mensch zwischen, an dem sie gerade entdeckte, was Liebe bedeutete. Und... sie hatten in ihrer Unwissenheit eine Gefahr ins Schloss gebracht, die...
ins Schloss!
In den Inbegriff dessen, was sie schon immer zu schützen geschworen hatte! Ausgerechnet sie!
„Ihr hattet keine Ahnung und habt mit Mächten herum gespielt, die alles auf dieser Welt vernichten würden, wenn ihr sie hinüber holt."
Ihre Zähne klapperten.

"VERSTEHST DU ES JETZT, DARNA? DU WIRST NIEMALS WIEDER LACHEN...!"
Hättest du nicht besser 'Du solltest besser niemals wieder lachen' sagen können?, ballte sich Verzweiflung in ihr zusammen, denn sie begann zu ahnen, was das hieß, was das bedeutete.

„Es ist...war... ein „Zwei-Komponenten-Portal-Zeichen“. Zum einen muss ein starker Auslöser in der Nähe sein, zum anderen ein Dämon, der die Spur auslegt. ...
Sie hörte die Worte seltsam entfernt, aber sie machten endlich Sinn.
Der Auslöser bin ich. Mein Lachen, fügte sie die Puzzlestücke ein, als Fiddatan ihr sozusagen zeigte, wo sie hin gehörten. ER ist derjenige, den sie wittern.
"Mache helfen sich sogar, andere bekriegen sich.."
In diesem Fall bekriegen sie sich..., analysierte sie nüchtern mit, begann mehr und mehr, neben sich zu stehen und sich über sich selbst zu wundern.
".. aber einmal ausgelöst ist der Auslöser wie ein Magnet, der sie anzieht."
Wir haben es ausgelöst. Draußen auf dem Feld. Interessant. Aber wieso war das erste Portal auf dem Feld so riesengroß? ... Weil es das erste Mal war?
Egal.
Tja.
Ich darf mich also nicht mehr freuen...
Jahrelang hab ich das als selbstverständlich empfunden, wär das kein Problem gewesen, und jetzt...?

Wenn sie ehrlich war, schnürte ihr die Angst, dass sie das nicht mehr wie früher konnte - auch weil sie es nicht mehr wollte - die Kehle zu. Aber die Welt untergehen zu lassen, nur weil sie sich freute? ... Nein. Nicht, wenn sie es verhindern konnte.
"Dämonenbeschwörer nutzen so etwas um Dämonen einzufangen und binden sie dann an sich oder an ein Opfer. Der Dämon wird angelockt und ist verständlicher Weise dann nicht sehr begeistert, wenn er begreift, dass es sich nicht um Futter, also Seelen handelt, sondern dass er in eine Falle gegangen ist."
Ein leichtes Stirnfurchen zeigte sich noch in der erstarrten Mimik.
'An ein Opfer gebunden'? Mich? Aber er stand doch die ganze Zeit gefesselt da oben auf dem Scheiterhaufen... - wie soll er das gemacht haben?
Achso. Ja, 'vererbt', sagte der Dämon ja. Er hat den Dämon gar nicht in mich gebunden, sondern wollte ihn an sich binden, und ich hab das Ritual gestört, ja? Und durch seinen Hass beim Verbrennen ist das unfertige 'Produkt' an mir hängen geblieben und der ganze gestörte Vorgang hat einen neuen Auslöser erhalten: meine Freude
, schlussfolgerte die Knappin, wobei sie sich natürlich in gewissen Dingen mal wieder irren konnte, aber ihr Verstand ratterte halt gerade so vor sich hin.
"...Also... Wie kommt ihr zu so einer Zeichnung? Ich bin sehr gespannt auf diese Geschichte!“
Och nö, seufzte sie angesichts des Umstandes, dass sie schon wieder eine Menge hätte erklären müssen, Schon wieder?
Aber immerhin scheint er also gegen Dämonen an sich etwas zu haben, hilft uns also vielleicht aus eigenem Antrieb heraus...


Knock Knock, klopfte es leise in ihrem Hinterstübchen, während Darna ahnte, dass sie wohl zu lange keine Luft mehr geholt hatte? Die schwarzen Ascheflöckchen waren wieder da, sammelten sich, nahmen ihr die Sicht und ließen ihren Körper unkontrolliert zu Boden sinken.
Das ist jetzt unpassend, in keinster Weise konstruktiv und außerdem bin ich noch nie in Ohnmacht gefallen! Also, nicht selbstverschuldet jedenfalls, schüttelte sie noch über sich selbst den Kopf, aber das brachte nun auch nichts mehr.
Der letzte Rest Bewusstsein wandte sich dem Dämon zu, in der Erwartung, dass sie dann ja wenigstens kurz reden konnten...?

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 14. Juni 2018, 09:12

Darna sank kaum dass sie das Wohnzimmer betreten hatte und der Drache seine Fragen gestellt hatte zu Boden und fiel in eine tiefe Ohnmacht.

(Darnas Innenleben)
Knock Knock...
hatte es gemacht und sie hatte sich noch geärgert, dass ausgerechnet jetzt sie ihre Sinne verließen. Warum? Vielleicht waren ihre Erkenntnisse einfach zu viel gewesen, die Schuldgefühle auf denen sie herum kaute, oder ihre Sorge hatte sich einfach ein bisschen zu sehr um ihr Herz gezogen. Die fremden Erinnerung an das Verbrennen kehrten zurück und tauchten ihre Welt in Dunkelheit.
Knock Knock...
...und dann waren da zwei starke Arme, die sie seltsam tröstend hielten. Eine Hand lag sanft an ihrem Hinterkopf und hielt ihr Haupt an seine glatte harte Haut gedrückt. Der andere Arm hielt ihren Körper umfangen und beschützten sie. Auch wenn er ein Dämon war so vermittelte die Geste doch wenigstens ganz kurz das Gefühl von Geborgenheit. Doch bevor Darna recht darüber nachdenken konnte, da löste er sich auch schon von ihr und hielt sie an den Schultern von sich. Der Mann, der Dämon, der Leons dunkler Zwilling sein könnte, er stand nun eine Armeslänge vor ihr und sah ihr fest in die Augen. Das Feuer darin tobte und sie erkannte Sorge und.. Wut. Auch wenn seine aufeinander gepressten Lippen sich nicht bewegten, so hörte sie doch seine Stimme in ihrem Kopf.
„Wir haben nicht viel Zeit. Das hier ist ...anstrengend!“
Er sah wirklich etwas gequält aus und seine Erscheinung schien immer wieder nach hinten weg zu driften, wie wenn Bilder seines Körpers übereinander lagen und einzelne Seiten davon flogen. Vielleicht war es die Anwesenheit des Drachen, der ihm zusetzte? Oder die der Lichtmagier? Vielleicht war es beides, aber in ihrer Ohnmacht hatte Darna ihm zumindest einen halbwegs stabilen Kanal zu ihm geöffnet.
„Meine Feinde haben dich gefunden und jagen uns jetzt. Du musst in der direkten Nähe von einem der drei bleiben. Am besten wäre Körperkontakt. Entferne dich nicht weiter als fünf Schritt von ihnen.“
Mit „drei“ meinte er gewiss Leon, Delilah oder Verano. Er runzelte kurz die Stirn und sein Blick wanderte ein bisschen tiefer. Starrte er ihr gerade wirklich in diesem echt unpassenden Augenblick auf ihre Brüste? Ja, tat er! Und natürlich war sie nackt... wozu auch Kleidung im Unterbewusstsein tragen! Beim letzten Mal hatte sie doch etwas an gehabt... oder? ...Moment! Er war auch nackt, was seine blanke Brust deutlich zeigte! Also nicht runter sehen!
„Ich werde sie eine Weile ablenken und von dir weg locken, aber du musst in Bewegung bleiben. Ich weiß, du willst mich los werden und ich dich auch, mein kleiner Funke. Dafür gibt es zwei Wege. Entweder den gesamten Fluch aufzuheben indem die alle Artefakte findest und unsere Seelen wieder trennst, was ziemlich umständlich werden würde, oder du gehst den einfacheren Weg und ...ersetzt mich durch „Etwas“ anderes.“
Sein Mundwinkel zog sich schelmisch leicht in die Höhe, sehr ähnlich wie Leon, wenn er an amüsantes dachte. Seine Finger auf ihrer Haut waren wie Eis, aber taten nicht weh. Sein Daumen malte kleine Kreise auf ihre Schlüsselbein. Irgendwo im Hintergrund hörte Darna Kampflärm, der aber so anders, so bestialisch klang, dass er nicht aus ihrer Welt stammen konnte. Ihr „Untermieter“ riss seine Augen von ihrer Weiblichkeit und fixierte sie wieder ernst.
„Die zweite Möglichkeit mich und den Fluch los zu werden … wäre … dass du einen Drachen in dich auf nimmst.“
Die Doppeldeutigkeit erschloss sich dabei Darna vielleicht nicht gleich und ohne das Wissen, dass eben jene Aussage mehrere Bedeutungen haben könnte, war es wahrscheinlich, dass sie sie vielleicht fehl interpretierte. So oder so, IHM war es ernst mit seiner Aussage. Nun musste sie sehen, was sie mit dieser Information anfing, denn zu mehr Gespräch kam es wahrscheinlich nicht. Die dunkle Welt um sie wurde erschüttert, er knurrte leise und strich ihr über die Wange. Dann trat er von ihr zurück. Sein Körper wuchs und Schuppen bildeten sich auf seiner Haut. Bevor sie jedoch mehr erkennen konnte, zu was er sich verwandelte, verblasste das Bild immer mehr. Vielleicht konnte sie ihm noch etwas hinterher rufen... vielleicht konnte er ihr noch eine kurze Antwort geben... Vielleicht auch nicht.

(ooc: Darna kann im Moment unabhängig von den Anderen antworten.)
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 16. Juni 2018, 08:17

Sie 'wachte' auf, von zwei wundervollen Armen gehalten, in die sie sich für einen flüchtigen Moment gern mehr geschmiegt hätte - aber er war ein Dämon. Bei der Erwartung, ihm wieder zu begegnen, hatte sie sich noch vorgenommen, ihm das nächste Mal auf die Flossen zu hauen, wenn er sie wieder so frech berühren würde, aber etwas war... gerade anders.
Ihr Verstand war klar und fokussiert, sie wusste diesmal, 'wo' sie war und dieser Zustand der Zwischenwelt, oder wie immer sie das nennen sollte, hatte viel von seinem Schrecken verloren; vor allem schien dieses erdrückende Gefühl der Einsamkeit nicht mehr da zu sein.
ER war da, ihr 'dunkler Leon', und bevor Darna recht darüber nachdenken konnte, da löste er sich auch schon von ihr und hielt sie an den Schultern von sich. Er sah ihr fest in die Augen, und sie erwiderte den Blick. Ungerührter als er zunächst, lustigerweise. Aber dass ER besorgt war, färbte schnell auf sie ab. Wenn ER sich Sorgen machte, gab es ganz sicher auch schwerwiegenden Grund zur Sorge, und sie konnte sich denken, welchen.
„Wir haben nicht viel Zeit. Das hier ist ...anstrengend!“
Er sah wirklich etwas gequält aus und seine Erscheinung schien immer wieder nach hinten weg zu driften, wie wenn Bilder seines Körpers übereinander lagen und einzelne Seiten davon flogen. Vielleicht war es die Anwesenheit des Drachen, der ihm zusetzte? Oder die der Lichtmagier?

Ausgerechnet jetzt ist es 'Fluch und Segen zugleich'. Wie... kurios, bewertete sie beiläufig im Hinterstübchen die Lage. Jetzt, wo sie ihn brauchte, um sich gegen die feindlichen Dämonen zu wehren und ihr Umfeld vor ihnen zu schützen, verhinderten diejenigen Freunde und Kräfte, die ihr ebenfalls helfen wollten, dass sie wirklich in Kontakt mit ihm treten konnte.
Andererseits gab sie sich keinen Illusionen hin: Der Dämon half ihr, Probleme zu lösen, die sie ohne ihn nicht hätte. Und er ohne mich offensichtlich auch nicht. Es wird dringendst Zeit, das hier zu beenden!
Sie sah ihn aufmerksam an.

„Meine Feinde haben dich gefunden und jagen uns jetzt. Du musst in der direkten Nähe von einem der drei bleiben. Am besten wäre Körperkontakt. Entferne dich nicht weiter als fünf Schritt von ihnen.“
Sie stellte ausnahmsweise gerade nicht viele Fragen und nickte fest, auch wenn sich bei 'nicht weiter als fünf Schritt' flüchtig ihre Stirn furchte: das war wirklich wenig, vor allem, wenn dieser Status länger dauern sollte. Ein Missgeschick, und es mochte überschritten werden. Nicht, dass ihr die Notwendigkeit zur Nähe gerade im Fall von Leon unangenehm wäre, aber... oh. Wobei: doch, es wäre ihr unangenehm. Unangenehm, weil sie ahnte, dass bei Leon auch die Gefahr am höchsten war, dass sie... lächelte, oder mehr. Tief durchatmen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich.
Er runzelte kurz die Stirn und sein Blick wanderte ein bisschen tiefer. Starrte er ihr gerade wirklich in diesem echt unpassenden Augenblick auf ihre Brüste? Ja, tat er! Ihre rechte Braue wanderte kritisch höher. Kaum merklich prüfte sie selber ihre Erscheinungsform, vor allem über das, was sie an sich (nicht) fühlte, und diesmal, gerade unter seinem Blick, wurde ihr ihre Nacktheit unangenehm bewusst.
Wie vor dem Spiegel. Da hatte er ihr etwas zum Anziehen...
- Ihre Gedanken gerieten ins Stottern, als sie wieder Zusammenhänge suchten, wo womöglich gar keine waren. -
gegeben. Aber sie hatte es nicht gewollt. Nur, weil es von ihm, einem Dämon, kam. Hatte es ausdrücklich verbrannt. Er war auch nackt, was seine blanke Brust deutlich zeigte! Also nicht runter sehen! Das fiel ihr diesmal sogar relativ leicht. Zum Einen wollte sie diese Ablenkung nicht, wo es jetzt gerade um ernstere Themen ging, und zum anderen erachtete sie es als unfair Leon gegenüber: sie bemäkelte Dinge an ihrem hübschen Lichtmagus, wo es nichts zu bemäkeln gab. Das Aussehen, mit dem der Dämon auftrat, war einfach unfair, also erklärte sie es für 'außer Konkurrenz' - wer sollte diesem Anblick schon gerecht werden? Also mied sie ihn.
Und weil er ein Dämon war.
Aber...
ER hatte ihr etwas zum Anziehen geben. Das kostete ihn vermutlich nur einen Gedanken daran, nicht wahr?
Aber dies hier waren ihre Gedanken!
Könnte sie etwa...? Natürlich konnte sie. Flüchtig huschte das Bild von der Gestalt aus ihrem Traum durch ihren Kopf, die ins Lagerfeuer gegriffen und sich einen Umhang aus den Flammen um die Schultern gelegt hatte. Aber es war nur eine Assoziation, auf die sie sich nicht tiefer einließ. Sie brauchte gerade kein Feuer. Ihre Vorstellung malte ihr einfach etwas, um ihren Körper zu bedecken, fertig.
Rot geflammter Stoff. Keine Flammen aus Stoff, wie bei dem Phönix-Kostüm der Diplomatin, sondern nur eine Maserung und Farbe. Ein Kleid, aus einem Stück, der Einfachheit halber in schlichter Nachahmung dessen, was der Dämon ihr als machbar sozusagen vorgelegt hatte, und weil sie sich in der Kürze der Zeit nicht mit weibisch eitlen Überlegungen ablenken wollte, was für ein Schnittmuster sie denn gerne hätte.
Kurz gingen ihre Gedanken ansatzweise in die Richtung, ob sie etwa seinen Körper auch bedecken sollte, aber ließen sofort davon ab: selbst wenn das klappen könnte, wollte er vermutlich genau so wenig etwas von ihr an haben, wie sie von ihm. Und sie hatte ihm den Respekt voraus, dergleichen nicht ungefragt zu tun.

Sie verschränkte die Arme vor sich und sah ihn an.
„Ich werde sie eine Weile ablenken und von dir weg locken, aber du musst in Bewegung bleiben. Ich weiß, du willst mich los werden und ich dich auch, mein kleiner Funke."
Die Worte versetzten ihr irgendwie einen Stich. Sie klangen so nach: "Lauft ohne mich weiter, ich halte sie auf!"
Sie klangen so nach Abschied.
Es würde zuende gehen, so oder so, das war ihr plötzlich schmerzlich bewusst. Die Arme blieben verschränkt, aber in die Mimik der jungen Frau schlichen sich ein bitterer Zug und... Bedauern. Und ihre Brauen zuckten ein weiteres Mal, als sie mal wieder über so ein komisches Detail stolperte:
'kleiner Funke'?
Aber nicht mal in Gedanken kam sie gerade dazu, hier weiter nachzuhaken. Er sprach nahtlos weiter:
"Dafür gibt es zwei Wege. Entweder den gesamten Fluch aufzuheben indem du alle Artefakte findest und unsere Seelen wieder trennst, was ziemlich umständlich werden würde, oder du gehst den einfacheren Weg und ...ersetzt mich durch „Etwas“ anderes.“
Ihre rechte Braue kletterte noch weiter nach oben, als sie sein seltsames Lächeln sah. Was kam jetzt?
„Die zweite Möglichkeit mich und den Fluch los zu werden … wäre … dass du einen Drachen in dich auf nimmst.“
Ihre Mimik zuckte nicht einmal. Schien ausdruckslos nicht auf das zu reagieren, was er da gerade sagte.

Leise hatte ein Teil von ihr das geahnt.
'Oha' hatte der Dämon nur gesagt und sich prompt verkrümelt, nur weil der Drache mit ihr tanzte.
Die Problematik, die ihr geschwant hatte, aber zu der sie bislang nicht recht nach einer Lösung hatte suchen können und wollen, war doch die Frage, wie Veranos Körper unversehrt wieder nach Weißenfels gelangen sollte, wenn Fiddatan in ihm nach 'Drachma' wollte? Wo immer dieser Ort lag, Darna vermutete, dass es nicht ganz zufälligerweise in den Dunsthügeln war.
Leon brauchte den Körper seines Vaters.
Aber der Drache würde ein Gefäß für die Reise verlangen, dieses war ihm ja auch versprochen worden, war Teil der Abmachung gewesen.
Und sie wurde den Dämon los.
Wie praktisch..., dachte sie leise und zähflüssig, und man konnte dem Gedanken nur eine Spur Sarkasmus unterstellen. Alles schien zusammen zu passen. Das Schicksal war ein seltsames Miststück mit krudem Humor. Denn was dabei mit ihr passierte?
Egal.
Sie schob es weg.
Selbst, wenn der Drache sie aufgrund seiner Machtfülle aus ihrem Körper kegeln würde, beabsichtigt oder nicht, sie wäre den Dämon los. Das drohende Portal in den Harax abgewendet. Das alleine war es schon wert, dass Darna alles andere zurückstellte und bloß schluckte.
Sie sah ihrem Untermieter in die Augen. IHM war es ernst mit seiner Aussage.
"Also gut", entgegnete sie mit rauher Stimme und ebenso ernst.

Die dunkle Welt um sie wurde erschüttert, er knurrte leise und strich ihr über die Wange. Die Knappin nahm die Berührungen hin, auch wenn sie ihm keinen Vorwand lieferte, mehr von ihr nehmen zu wollen - sein Verhalten hatte gerade eine andere Qualität, eine, die sie zumindest zuließ. Sie ahnte, dass der Abschied nahte. Sie hätte ihm so viele Fragen stellen wollen, aber sie wirkten nun alle irgendwie unwichtig:
Was genau er nun für ein Dämon war, welchem Zweck er diente? - Sie glaubte im Schneiderladen doch eigentlich, einen recht genauen Eindruck davon erhalten zu haben, musste sie wirklich noch fragen?
Was genau er mit 'Du beginnst, meine Macht anzuzapfen' gemeint hatte? War es sein Feuer? Ihres? - Spielte es eine Rolle? Wenn er fort wäre und sie konnte mit Feuer nicht mehr anfangen, als sich daran die Finger zu verbrennen, dann würde die Frage schon abschließend geklärt sein.
Was er ihr beibringen konnte? - Eine verlockende Frage. Aber wozu, wenn ihre Antwort immer ein Nein sein würde, nur weil er ein Dämon war?

Sie beobachtete, wie er von ihr zurück trat und die Verschränkung ihrer Arme löste sich. Sein Körper wuchs und Schuppen bildeten sich auf seiner Haut. Bevor sie jedoch mehr erkennen konnte, zu was er sich verwandelte, verblasste das Bild immer mehr.
Sie hörte den Kampflärm, dem sie besser nicht zu detailliert lauschte und schluckte, schob den Unterkiefer vor.
Kann ich dir irgendwie helfen?, lag ihr für einen Moment auf der Zunge, aber das war Blödsinn. DAGEGEN konnte sie ihm nicht helfen! Das musste er selber schaffen.
Ich hätte es wirklich schlechter mit ihm treffen können, akzeptierte sie einen Umstand, gegen den ihr religiös-moralischer Zeigefinger gern zornig wedelte, aber es war nun einmal so.
Aber anders konnte sie ihm helfen, das war ihr nun auch klar: sie konnte dafür sorgen, dass diese unselige Teilung von ihm endlich ein Ende hatte!

"Weißt du: Wärst du kein Dämon, es hätte... interessant mit uns werden können!", zwang sie ein Eingeständnis aus sich heraus und gab ihm wenigstens von ihrer in sich selbst gerade wachsenden Entschlossenheit etwas mit auf den Weg, sie feuerte ihn an:

"Mach sie fertig!!"

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Juni 2018, 11:29

Darna:
Sie 'wachte' auf, von zwei wundervollen Armen gehalten, in die sie sich für einen flüchtigen Moment gern mehr geschmiegt hätte - aber er war ihr Dämon. Seine kühle Haut, seine starken Arme die sich schützend und beruhigend um ihren entflammten Geist legten, fühlten sich einfach zu gut an. Er sprach mit ihr und löste den Kontakt so weit, dass es „angemessen“ schien. Nun ja, er war nackt, sie war nackt und sie hatten wichtigeres zu besprechen, als ihre Nacktheit. Andererseits gab sie sich keinen Illusionen hin: Der Dämon half ihr, Probleme zu lösen, die sie ohne ihn nicht hätte.
Und er ohne mich offensichtlich auch nicht. Es wird dringendst Zeit, das hier zu beenden!
Ein Gefühl der Einigkeit schwappte zu ihr hinüber.
Sie sah ihn aufmerksam an. Ihre rechte Braue wanderte kritisch höher. Kaum merklich prüfte sie selber ihre Erscheinungsform, vor allem über das, was sie an sich (nicht) fühlte, und diesmal, gerade unter seinem Blick, wurde ihr ihre Nacktheit unangenehm bewusst. Das alles war sehr verworren und auch wenn sie manchmal die Seele einer erwachsenen, vielleicht sogar etwas altklugen Frau zu haben schien, so war sie doch nur eine junge Frau, die gerade ihre Weiblichkeit entdeckt und erblühte. Ihr Körper schien nur ein Wort zu kennen: nackt, nackt, nackt, aber ihr Geist ratterte und versuchte Logik in etwas zu bringen, dass nicht von dieser Welt war. Ihre Gedanken gerieten ins Stottern, als sie wieder Zusammenhänge suchten, wo womöglich gar keine waren.
Das Aussehen, mit dem der Dämon auftrat und sie ablenkte, war einfach unfair, also erklärte sie es für 'außer Konkurrenz' - wer sollte diesem Anblick schon gerecht werden? Also mied sie ihn.
Und weil er ein Dämon war.
Aber...
ER hatte ihr etwas zum Anziehen geben. Das kostete ihn vermutlich nur einen Gedanken daran... Aber dies hier waren ihre Gedanken! Könnte sie etwa...? Natürlich konnte sie. Ihre Vorstellung malte ihr einfach etwas, um ihren Körper zu bedecken, fertig. Tatsächlich, es klappte! Für den Bruchteil einer Sekunde sah ihr „dunkler Leon“ verwundert an ihr hinab und lächelte dann so von ihr hingerissen, dass ihr Körper gleich noch ein bisschen wärmer wurde – Verräter!
Sie blickte ebenfalls an sich hinunter und wie vorgestellt hatte sich rot geflammter Stoff um ihren Leib gewickelt. Ein Kleid, aus einem Stück, der Einfachheit halber in schlichter Nachahmung dessen, was der Dämon ihr als machbar sozusagen vorgelegt hatte.
Kurz gingen ihre Gedanken ansatzweise in die Richtung, ob sie etwa seinen Körper auch bedecken sollte, aber ließen sofort davon ab: selbst wenn das klappen könnte, wollte er vermutlich genau so wenig etwas von ihr an haben, wie sie von ihm. Und sie hatte ihm den Respekt voraus, dergleichen nicht ungefragt zu tun.
Dass sie mit ihrer Annahme einmal mehr seine Motive, Absichten und Gedanken voraus nahm, ihm Dinge unterstellte, von denen sie dann auch noch gleich auf seine Reaktion schloss... - ...nun ja. So war sie eben. Vielleicht wollte ihr Unterbewusstsein ihn auch nur einfach weiter nackt sehen und produzierte deshalb diese kleinen Gemeinheiten. Auch wenn er eben noch ihr Kleid bewundert hatte … Ja, tatsächlich, da war Bewunderung in seinem Blick gewesen, so sprach er doch nun flüssig weiter und führte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die wichtigen Dinge zurück. Seine Worte versetzten ihr einen Stich, denn sie klangen nach Abschied. Es würde zu Ende gehen, so oder so, das war ihr plötzlich schmerzlich bewusst. Die Arme blieben verschränkt, aber in die Mimik der jungen Frau schlichen sich ein bitterer Zug und... Bedauern. Ihr Gegenüber neigte den Kopf seitlich, als ob er ihre Regung gespürt hätte und schien sich darüber zu wundern. Er sprach schnell weiter, aber da war ein winziges Lächeln um seine Mundwinkel. Als er ihr dann ihre Möglichkeiten offenbarte:
„... … dass du einen Drachen in dich auf nimmst.“
zuckte ihre Mimik nicht einmal.
Wie praktisch...
, dachte sie leise und zähflüssig, und man konnte dem Gedanken nur eine Spur Sarkasmus unterstellen. Alles schien zusammen zu passen. Das Schicksal war ein seltsames Miststück mit krudem Humor. Denn was dabei mit ihr passierte?
Egal.
Sie schob es weg.
Selbst, wenn der Drache sie aufgrund seiner Machtfülle aus ihrem Körper kegeln würde, beabsichtigt oder nicht, sie wäre den Dämon los. Das drohende Portal in den Harax abgewendet. Das alleine war es schon wert, dass Darna alles andere zurückstellte und bloß schluckte.
Sie sah ihrem Untermieter in die Augen. IHM war es ernst mit seiner Aussage.
"Also gut"
, entgegnete sie mit rauer Stimme und ebenso ernst. Seine Brauen wanderten in die Höhe, als hätte er mehr Widerstand erwartet... Zetern, Widerwillen, Herumgemotze... alles, nur kein fast ergebenes „Also gut.“ Dann wurde plötzlich die dunkle Welt um sie erschüttert. Er knurrte leise und strich ihr sanft über die Wange. Die Knappin nahm die Berührungen hin, auch wenn sie ihm keinen Vorwand lieferte, mehr von ihr nehmen zu wollen - sein Verhalten hatte gerade eine andere Qualität, eine, die sie zumindest zuließ. Sie ahnte, dass der Abschied nahte. Sie hätte ihm so viele Fragen stellen wollen, aber sie wirkten nun alle irgendwie unwichtig.
Sie beobachtete, wie er von ihr zurück trat und die Verschränkung ihrer Arme löste sich. Sein Körper wuchs und Schuppen bildeten sich auf seiner Haut. Bevor sie jedoch mehr erkennen konnte, zu was er sich verwandelte, verblasste das Bild immer mehr.
Sie hörte noch den Kampflärm, dem sie besser nicht zu detailliert lauschte und schluckte, schob den Unterkiefer vor. Ihre Intension ihm zu helfen, stieß auf die Mauer seines Geistes, die er zu ihrem Schutz gerade hoch fuhr. Aber sie konnte ihm anders helfen, das war ihr nun auch klar: sie konnte dafür sorgen, dass diese unselige Teilung von ihm endlich ein Ende hatte!
"Weißt du: Wärst du kein Dämon, es hätte... interessant mit uns werden können!"
, zwang sie ein Eingeständnis aus sich heraus und gab ihm wenigstens von ihrer in sich selbst gerade wachsenden Entschlossenheit etwas mit auf den Weg. Ein Laut, wie wenn etwas sehr großes, vor Verwunderung scharf den Atem ein zog und dann die Luft an hielt war zu hören. Dann feuerte sie ihn an:
"Mach sie fertig!!"
Ein monströses abgehacktes Geräusch erklang und sie fühlte mehr seine Emotionen als Antwort, als dass sie die Laute in dem donnerndem Lachen erkannte. Sie fühlte seine Zuversicht, seine Kampflust, gestärkt durch ihre kleine Aufforderung anschwellen wie eine Flutwelle, die er nun über seine Feinde herein brechen lassen würde. Sie wusste einfach, dass er dieser Bitte nur zu gerne nach kam und sich aus ihrer tatsächlich einmal einstimmigen Intension und ihrer Entschlossenheit Kraft nahm.

Kaum war Darna ohnmächtig geworden hatte Leon reagiert. Auch wenn er stöhnte, so drängte er sich an Zanfar vorbei nach vorne und lies sich hart auf seine Knie fallen um ihren Oberkörper zu stützen. Sein Atem ging gepresst:
„Ich bin da...!“
Er hielt sie und Zanfar sah von seiner Position nun auch die vier langen Risse auf seinem Rücken, dort wo der unsichtbare Feind ihn getroffen hatte. Die Striemen waren durch sein Einwirken nicht all zu tief. Hätte er nicht gehandelt wäre nicht nur Haut und Muskeln sondern auch Knochen und sein Rückgrat zerteilt worden.

Dejavu?
Darna 'wachte' auf, von zwei wundervollen Armen gehalten, in die sie sich für einen flüchtigen Moment gern mehr geschmiegt hätte - aber er war ihr Dämon... oder doch nicht? Irgendetwas war anderes. Sie drehte den Kopf und stellte fest, dass sie auf dem Boden lag und Leon sie im Arm hielt. Er war ein bisschen blass um die Nase und auf seiner Oberlippe glitzerten ein paar kleine Schweißperlen zwischen dem beginnenden Bartschatten.
„Geht es dir gut?“
Seine Stimme war irgendwie anders. Er wartete ihr Nicken ab, denn ihr ging es super. Irgendwie, als wenn ihr anderer Seelenteil gerade mächtig Spaß hatte. Merkwürdig...
Dann ließ er sie los und schloss die Augen. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm und vielleicht war es auch Zanfars Haltung, der hinter ihm stand, der ihr Grund zur Sorge bereitete. Leon ließ den Kopf nach vorne fallen und flüsterte leise Delilahs Namen.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Dienstag 26. Juni 2018, 21:15

Interessant.
Dachte der Dunkelelf bei sich, als sich langsam sein Adrenalinspiegel zu senken begann. Er verstand ungefähr gar nichts von dem, was hier passierte. Aber das Drache tat es. Praktisch!
Die Kinder sollten bei ihm bleiben, solange Darna dieses Dämonen Problem hat.

Er warf der Jedi Mei… ähhh … der Tha’Roon nochmals einen leicht mahnenden Blick zu. Zugegeben, der kleine Trick war gerade äußerst praktisch gewesen. Aber man sollte Chasin auch nicht zu sehr in dieser Hinsicht ermuntern.
Besorgt musterte er Leon. Wenn er mit einer solchen Wunde noch zu Darna stürzte, waren definitiv ein paar große Gefühle im Spiel. Oder unterschätzte der Elf die Tollheit der Jugend bei Menschen?
Die ‚holde Maid‘ in Leons Armen erwachte langsam und sogleich lösten sich Leons Arme von Darna und sein Kopf sank vor Schmerz oder Schwäche auf seine Brust.
Leise flüsterte dieser Delilahs Namen.

Zanfar warf einen Blick zu der noch immer etwas erschütterten Heilerin. Sie erholte sich schnell und schon sah er ihren warmen brauen Augen an, dass sie alles Geschehene verarbeitete.
Wenn ich schnell genug bin, können wir wieder gemeinsam Heilen – und ich darf ihre wunderschöne Magie sehen!
Etwas bedauernd rieselte die Gewissheit ein, dass sich der Rest ihres ‚Heilabenteuers‘ des gestrigen Abends wohl nicht wiederholen würde.
Pff … ich hätte jetzt gern einen aufgekratzten Rücken um mich von Delilah versorgen zu lassen!
Er stockte und runzelte die Stirn unter der Maske. Was für ein wahnsinniger Gedanke…

Prüfend sah er auf Leon und dessen schlimme Wunde.
Ha, er fragt nach dem hübschen Mädchen und bekommt den Dunkelelfen!
Das Beste wäre, wenn er gleich jetzt versorgt würde. Er sah sich um und erkor den sorgfältig aufgeräumten Schreibtisch als Behandlungsunterlage. Nun aufgeräumt bis auf zwei Masken und einen Schuh, aber die waren schnell weggefegt – genauso wie der Rest. Chasin würde sicher noch ein paar Worte darüber verlieren.

Dann ging Zanfar zurück zu Leon, dessen Lebenssaft seinen Weg nun in nicht zu unterschätzender Menge den Teppich zu tränken begann.
Noch bevor Darna ihr Bewusstsein so richtig wieder finden konnte – und gar in Sorge um den geliebten Menschen ausbrach. (Wobei die Chancen auch gut Standen, dass ihre Knappenausbildung sie vor zu irrationalen dummen Ideen rettete). Beugte sich Zanfar zu Leon herab und sagte.

„Du hast ein paar Kratzer abbekommen. Nichts das dich umbringt, aber ich hätte dich gern in einer günstigeren Position als auf dem Teppich.“
Das ‚wenn du aus den latschen Kippst.‘ Sparte er sich. Zum einen war Leon ganz sicher Heiler genug, um dies selbst in Betracht zu ziehen, und zum anderen wollte er den Stolz des Kriegers ungern verletzten. Immerhin war seine Herzensdame anwesend.

Er ging auf ein Knie, hob einen Arm Leons an und legte ihn um seine eigene Schulter, dann wies er ihn an.
„Hilf mir ein bisschen. Und keine Sorge, ich kann dich halten.“
Dann stand er mit einem leisen ächzen aus den Knien heraus auf und ging mit dem Jungen Mann in Richtung des auserkorenen ‚Operationstisches‘. Dabei fiel ihm unangenehm deutlich auf, dass der ‚Junge‘ einige Zentimeter größer als er war und trotz der schlankeren Gestalt nur aus Muskeln zu bestehen schien. Jedenfalls fühlte sich sein Gewicht danach an.

Währenddessen suchte er Chasins Blick und dachte:
Chasin, könntest du meine Feldarzt Besteck aus der Tasche in meinem Zimmer holen? Darin sollten auch ein paar Verbände sein, die ich vielleicht gebrauchen kann, bis Delilah ihr kleines Wunder gewirkt hat.
Bruchteile nachdem der Gedanke ‚ausgesprochen‘ war, sagte er in den Raum:
„Ich brauche etwas Wasser und saubere Tücher – und geht nicht davon aus, dass sie es danach noch sind. Am besten auch etwas, das gut Flüssigkeit aufnimmt, eines der sauberen Handtücher aus dem Bad wäre perfekt.“

Mit etwas Sorge fragte er sich, was so ein Dämonengriff wohl noch an Schaden anrichten konnte, den Zanfar weder sehen noch behandeln konnte. Möglicherweise hatte Leon aus mehr als nur einem Grund nach Delilah gerufen.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Mittwoch 27. Juni 2018, 15:12

Chaos zerriss den kleinen Moment des Glücks, wie ein Klauenhieb der brutal einen unsichtbaren Schleier durchtrennte. Oder ein unsichtbares Monster. Alles ging viel zu schnell und noch ehe Delilah der Gedanke an ihre Kinderaugen durch den Kopf ging, fand sie sich nach Klirren und Bersten und Brechen am Boden wieder, spürend wie sich Kleinstscherben des Spiegels in die Haut ihrer Hände drückten. Die Welt schwankte. Besorgt um die anderen rappelte sie sich auf und ignorierte einen dumpfen Schmerz in ihrer Schulter, den ihr die unsanfte Begegnung mit dem Türrahmen beschert hatte.

„Wer. Hat. Das. gemacht?“

Eine dunkle, wutdurchtränkte Stimme erklang aus dem Nebenraum, die vom Zorn des Drachen sprach. Hinter Veranos vertrautem Ton schwang etwas Anderes mit, dass Delilah die Nackenhaare aufstellte. Ein verärgerter Drache war eine gefährliche Sache. Was war gerade passiert?! Chasin und die Heilerin betraten den Hauptraum und besahen sich das Chaos. Alles war wild durcheinandergewirbelt, diverse Dinge waren zerstört und zerbrochen, doch Zanfar und Leon rappelten sich gerade auf. Delilah atmete erleichtert auf.
Der Drache stand in Veranos Gestalt am Kamin und die Wut blitzte heiß in den grauen Augen, als sein Blick angeekelt nach unten huschte und er sich mit den Fingern über die Hose wischte. Auch in Delilah stieg die Galle hoch, als sie die Spuren dämonischer Kräfte an seinen Fingern sah, die sie die Schatten getauft hatte. Ob sie den Soldaten Omniel nach seiner Flucht damals ganz übernommen hatten? Diesmal klebten sie an der Hand des Drachen und versuchten wie feine Rinnsale hinauf den Arm entlang zu fließen… zum Herzen, zum Verstand. Fiddatan schien es irgendwie zu spüren, aber war gerade viel zu aufgebracht um es wirklich wahrzunehmen. Da half kein Wischen oder Rubbeln, da musste LICHT ran!

Unwillkürlich begannen Delilahs Finger leicht zu glühen, als sie den ersten Schritt auf den Drachen zumachte. Ah, konzentrieren! Unkontrollierte Magie konnte sie jetzt nicht gebrauchen. „Die Zeichnung, die du gerade verbrannt hast, war unsere einzige Spur um etwas sehr wichtiges heraus zu finden.“, antwortete Leon auf die Frage, die von den Schatten schon wieder aus Delilahs Bewusstsein verdrängt worden war. Zeichnung? Welche Zeichnung? „Ein guter Freund hat sie angefertigt, damit wir hoffentlich irgendwann verstehen, was hier eigentlich vor sich geht und etwas dagegen tun können!“ … Basils Zeichnung? Die hatten sie noch dabei gehabt?

„Ihr wollt verstehen was diese Zeichen zu bedeuten haben?“ Ein Knurren begleitete seine Worte, während er die Hand auf die Delilahs Blick noch immer fixiert war ballte. Beeinflussten die Schatten und sein Gemüt schon? Sie erinnerte sich an Mortimers Anfall und wollte sich gar nicht ausmalen, wie ein Drache in so einem Zustand handeln würde. Der vergangene Moment, samt Krallenhieb und grollendem Zorn, banden ihre Füße für den Moment an Ort und Stelle. Ihr Respekt vor dem Drachen war gestiegen und nun von einem Tropfen Furcht getränkt.
„Ihr habt ein tragbares Portal in den Harax erschaffen und mit euch herum getragen, das nur darauf wartete aktiviert zu werden! DAS geht hier vor sich! Ihr habt Dämonen eine Einladungskarte gemalt.“
Ein WAS? Ein Portal in den Harax? Oh weh. Sie mussten wirklich vorsichtiger mit diesen Dingen werden! Er knurrte noch einmal und streckte wieder die Finger, rieb sie am Hosenbein und fuhr etwas milder gestimmt fort: „Ihr hattet keine Ahnung und habt mit Mächten herum gespielt, die alles auf dieser Welt vernichten würden, wenn ihr sie hinüber holt. Ihr hattet ….*schnauf*.... verdammtes Glück!“
Er atmete tief durch und warf einen letzten Blick auf die verglühende Asche der Zeichnung. Dann ging er zurück zum Sofa und ließ sich darauf fallen.
Damit war er näher bei ihr und schien um einiges entspannter. Gut. Sehr gut. In dieser Stimmung war es leichter, wieder an ihn heranzutreten. Leiser und fast zu sich selbst sprechend murmelte er mürrisch weiter:
„Es ist...war... ein „Zwei-Komponenten-Portal-Zeichen“. Zum einen muss ein starker Auslöser in der Nähe sein, zum anderen ein Dämon, der die Spur auslegt. ...diese Mistviecher wittern einander! Mache helfen sich sogar, andere bekriegen sich, aber einmal ausgelöst ist der Auslöser wie ein Magnet, der sie anzieht. Wenn es aktiviert wird, ist es wie eine „Essensglocke“ die geläutet wird und sie herbei ruft. Dämonenbeschwörer nutzen so etwas um Dämonen einzufangen und binden sie dann an sich oder an ein Opfer. Der Dämon wird angelockt und ist verständlicher Weise dann nicht sehr begeistert, wenn er begreift, dass es sich nicht um Futter, also Seelen handelt, sondern dass er in eine Falle gegangen ist. ...Also... Wie kommt ihr zu so einer Zeichnung? Ich bin sehr gespannt auf diese Geschichte!“


Doch erst einmal stand Delilah nun neben ihm und blickte ihm in die silbernen Augen. „Deine Hand.“, sagte sie, während sie ihre eigenen zwei in erwartungsvoller Geste ausgestreckt hatte. Sie begannen wieder sanft zu leuchten. Bei Omniel hatte ihre bloße Berührung gereicht, aber sie wollte kein Risiko eingehen. Die „Sonnenaura“ vertrieb lichtscheue Kreaturen und diese konzentrierte kleine Variante des unterstützenden Zaubers würde hoffentlich auch hier verstärkend wirken. Als der Drache nicht gleich reagierte, wiederholte sie etwas dringlicher. „Reich mir bitte deine Hand.“ Es war kein Heilzauber, eher nichts, was negativ auf den Drachen in dem Körper wirken könnte.

.
.
.

Delilah bemerkte nicht, was hinter ihr geschah, während sie die Hand des Drachen reinigte und als sie sich wieder umdrehte, weil sie ihren Namen gehört hatte (aus Leons Mund? Oder doch Darnas?), huschte ihr Blick erst abgelenkt durch den Raum auf der Suche nach weiteren Spuren der schwarzen Schlieren… dieses Blatt hatte eine ganze Weile hier gelegen, ob man den ganzen Raum reinigen musste?

Ihr Blick blieb an einem Paar roter Augen hängen, die sie zurück in die Situation holten. Was war los? Der Dunkelelf handelte bereits, als Delilah noch die Situation erfasste. Leon und Darna am Boden, in Umarmung? Leon vornübergebeugt, Darnas besorgter Blick. Blut? Blut! „Leon?!“ Leon war verletzt! Schwer anscheinend! Panik wollte in ihr aufsteigen... aber war er vorhin nicht noch…? Argh, er hatte es mal wieder runtergespielt!! Am liebsten hätte Delilah ihm eine Ohrfeige verpasst, aber das sollte sie wohl lieber auf einen Zeitpunkt NACH der Heilung verlegen. Sie musste kurz durchatmen, um in die gewohnte Heiler-Professionalität zu finden, doch dann fand sie endlich ihre Mitte wieder.

Sie eilte zu dem Schreibtisch und warf nur einen kurzen Blick auf den blutgetränkten Stoff seines Hemdes, ehe sie sich kurz suchend umsah und dann beherzt nach einer Schere griff, die vermutlich von den Mägden gestern zusammen mit den Kostümansammlungen mitgebracht worden war. Mit gezielten Schnitten trennte Delilah den Stoff von Leons Rücken, um die Wunde freizulegen. Ihre Augen forschten nicht nur nach der Wunde selbst, sondern sahen sich auch nach schwarzen Schlieren um. Diese Kratzer waren von der Haraxbrut und sicher war sicher. Am besten suchte sie wirklich nachher den Raum ab. Alles verbrennen, schoss es ihr durch den Kopf.

Erst einmal die Wunde reinigen, gegebenenfalls mit Zanfars Hilfe, auch um überhaupt erstmal einen Überblick bekommen zu können. Nun lag innerhalb weniger Stunden bereits der zweite von Weißenfels unter ihren heilenden Händen. War Leon noch ansprechbar? Überprüfen. Argh, diese weißenfelsschen Männer! Sie hatte zwar ein paar Stunden geschlafen, aber nach dem gestrigen Kraftakt… sie würde später definitiv etwas mehr Ruhe brauchen. Zanfars Unterstützung und beherrschtes Handeln gab ihr gerade viel Halt. Ihre Gedanken rasten. Wie gestern war für die Wunde selbst kein Analysezauber von Nöten, das Problem lag klar auf der Hand. Aber dies war eine dämonische Wunde, also wäre so etwas wie eine Nachuntersuchung nach der Erstversorgung sicherlich keine schlechte Idee. In der Theorie war es jedoch eigentlich jetzt erst einmal das gleiche Spiel wie gestern; Sonnenaura und Fluss des Lichts um die Wunde zu schließen. Aber sie hatte nicht so viel Zeit wie gestern und die Umgebung war zu unruhig, um bei ihrem Übungsgrad die Sonnenaura gefahrlos anwenden zu können. Die Unruhe draußen vor der Tür und die anderen Anwesenden im Raum … die Gefahr einer Ablenkung oder Unterbrechung mit schwerwiegenden Folgen war zu groß. Dabei wäre sie gerade jetzt bei möglichen Schattenrückständen sehr hilfreich. Das Problem, falls eines aus diesem Umstand entstand, musste sie dann gegebenenfalls danach angehen. Also ein reiner Fluss des Lichts. Nun gut. Delilah atmete tief ein und stieß dann die Luft aus.

„Zanfar… die unterstützende >Sonnenaura< ist gerade zu riskant, also werde ich nur mit dem >Fluss des Lichts< heilen, nicht wie gestern. Es wird viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“ Sie sprach schnell, vergewisserte sich aber trotzdem mit einem Blick nochmal, ob der Dunkelelf verstanden hatte. Dann machte sie sich ans Werk.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 27. Juni 2018, 22:58

„Geht es dir gut?“ Seine Stimme war irgendwie anders. Er wartete ihr Nicken ab, denn ihr ging es super. Ihr Dämon schien gerade mächtig Spaß zu haben, und die gute Laune drohte auf sie abzufärben. Oder war da mehr? In einer ruhigeren Minute müsste sie sich eingestehen, dass sie die Reaktionen des Dämons auf sie genossen hatte: seinen bewundernden Blick nach der Sache mit dem Kleid; selbst der Umstand, dass sie ihn hatte überraschen können, füllte sie mit - nicht mal bissig gemeinter - Genugtuung, und dass das Anfeuern ihm so viel bedeutet zu haben schien...
Fast hätte sie gekichert bei der Vorstellung, wie ihr Dämon nun seinen Gegnern im wahrsten Sinne des Wortes den Harax heiß machen mochte. Ich glaube, wir gewinnen gerade etwas Zeit, dachte sie noch zufrieden und nickte auf Leons Frage, während das Registrieren ihrer eigenen Heiterkeit eben diese auch schon ins Stocken brachte. Gleichzeitig sah sie, spürte sie, hörte sie, dass es Leon nicht gut ging.
"Delilah...", flüsterte er und Darnas Augen weiteten sich, sie zog die Luft scharf ein. Leon!
Was war passiert?
Wie lange war sie 'weg' gewesen? War noch ein weiterer Dämon aufgetaucht und hatte ihn doch verletzt? Ein Teil ihres Verstandes sagte ihr, dass das zeitlich kaum passen konnte, während sie sich aufrappelte und ihrerseits nach ihm greifen wollte, um ihn zu stützen.
"Delilah!", wiederholte sie die Silben, allerdings lauter und alarmiert.

Ein Schatten schob sich in ihr Blickfeld: der Dunkelelf.
"Du hast ein paar Kratzer abbekommen. Nichts das dich umbringt, aber ich hätte dich gern in einer günstigeren Position als auf dem Teppich."
Die Knappin überließ es dem Nichtgenannten, Leon auf die Füße zu kriegen, denn sie war selbst damit beschäftigt, wieder auf ihren eigenen zu stehen. Trotzdem blieb sie in der Nähe, fasste stützend zu, wo es ihr angebracht schien. Auf eventuellen Stolz Leons schien sie zu pfeifen, dafür war die Sorge in ihrem Blick zu deutlich.
Als sie die Striemen an seinem Rücken sah, wurden ihre Pupillen größer.
Verdammtes Karnickel!
Du!
, rief sie gedanklich ihrem Dämon zu:
Wenn sich dieses Kaninchen bei dir rumtreibt, dann ZIEH IHM DAS FELL AB!
Es war für Darna dabei zweitrangig, ob er sie gerade hören mochte oder nicht - und in welchem Sinne dieser Monsterhase nach dem Drachenprankenhieb nun tatsächlich 'tot' war oder nicht. Im schlimmsten Fall, und das war das, was Darna sich gerade vorstellte, war der Hase eben noch von einer Drachenpranke zermatscht worden, zurück in den Harax geschleudert, und wurde nun von ihrem unfreiwilligen Verbündeten in seiner Schnetzelwut 'empfangen'...
Es verschaffte zumindest ihrer Wut ein Ventil, um klarer denken zu können.

Kaum hatte sie alle sieben Sinne zusammen, da half sie, Zanfar die gewünschten Sachen zu besorgen: Wasser und saubere Tücher. Ihr bisheriges Lebensumfeld half ihr wenigstens dabei, nun auch in fremden Gemächern sich schnell zurecht zu finden. Tücher waren für gewöhnlich im Schränkchen unter der Waschschüssel, daneben stand die Karaffe mit Wasser, das war irgendwie immer das Gleiche, also her damit.
Delilah war zum Schreibtisch geeilt und besah sich bereits Leons Wunden. Darna stellte das Wasser ab. Die Knappin schaute kurz auf das Wasser und furchte die Stirn. "Braucht ihr heißes?", fragte sie nebenher, wobei sie schon zögerte, noch während sie die Worte aussprach. Sie wollte mehr tun und wartete noch aufgewühlt.
Aber sie war keine Heilerin.
Delilah war die Heilerin, und stand an Ort und Stelle, also...
mühsam durchatmen.
Auch ihr ging beim Anblick der Striemen die Frage durch den Kopf, ob Leon nun dämonisch 'infiziert' war, ähnlich wie bei den am Hauch Erkrankten? Ihre Finger bewegten sich näher zu seinem Körper, als sie einem Impuls folgend den Wunsch verspürte, einmal mehr in Leons Substanz vorzudringen und alles Schwarze, was dort wäre, zu unschädlicher Asche zu verbrennen.
Das war doch sie gewesen, nicht wahr? Sie hegte diesen Verdacht, der manchmal zur Gewissheit wachsen wollte, ohne dass sie es rational hätte begründen können. Die Seelenrose hatte geheilt. Und sie hatte... verbrannt.
'Mein kleiner Funke'.
'Du bist dabei zu reifen, dabei an deine Grenzen zu gehen und ganz nebenbei... meine Macht anzuzapfen!'

Hatte sie den Hauch verbrannt? Der Dämon? Spielte das eine Rolle, vor allem, wenn sie Leon helfen wollte?

Aber ohne Seelenrose?
Und Delilah stand direkt hier, würde das tausend Mal besser können...
Darnas Finger senkten sich, ihr Blick während der Sekunden des Zweifels starr auf Leon geheftet.
Delilah atmete tief ein und stieß dann die Luft aus.
„Zanfar… die unterstützende >Sonnenaura< ist gerade zu riskant, also werde ich nur mit dem >Fluss des Lichts< heilen, nicht wie gestern. Es wird viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“

Die Stirn der Knappin furchte sich. Das klang einerseits gut, andererseits waren da Einschränkungen in den Formulierungen, die ihr Sorgen machten. Und leider hatte sie vor allem keine Ahnung, was das eigentlich bedeutete, was die Lichtmagierin da redete!
"Dieser .. 'Fluss des Lichts', der heilt auch dämonische Einflüsse?", fragte sie leise und in einem vermutenden Tonfall, der von Sorge durchtränkt war.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 28. Juni 2018, 20:04

Delilah:
Schwarze schnodderige zähe Flüssigkeit, die wie losgelöst und fern jeder Realität die Finger des Grafen umspülte... Diesmal klebten sie an der Hand des Drachen und versuchten wie feine Rinnsale hinauf den Arm entlang zu fließen… zum Herzen, zum Verstand. Delilah floss es bei diesem Anblick kalt den Rücken hinunter. Sie hatte so etwas schon zuvor gesehen. Fiddatan schien es auch irgendwie zu spüren, aber war gerade viel zu aufgebracht um es wirklich wahrzunehmen. Da half kein Wischen oder Rubbeln, da musste LICHT ran! Unwillkürlich begannen Delilahs Finger leicht an zu glühen, als sie den ersten Schritt auf den Drachen zumachte und sie sich selbst zur Kontrolle zwang, während der Drache weiter grollend seine Sicht der Dinge schilderte.
Basils Zeichnung hatte irgendetwas damit zu tun gehabt.
„Ihr wollt verstehen was diese Zeichen zu bedeuten haben?“
Ein Knurren begleitete seine Worte, während er die Hand auf die Delilahs Blick noch immer fixiert war ballte. Beeinflussten die Schatten und sein Gemüt schon? Sie erinnerte sich an Mortimers Anfall und wollte sich gar nicht ausmalen, wie ein Drache in so einem Zustand handeln würde. Allein die Vorstellung daran, was geschehen würde, wenn... Nackte Angst wolle sie lähmen.
Der vergangene Moment, samt Krallenhieb und grollendem Zorn, banden ihre Füße für den Moment an Ort und Stelle. Ihr Respekt vor dem Drachen war gestiegen und nun von Furcht getränkt. Chasins Kopf wanderte in ihre Richtung und ihre Augen weiteten sich merklich, während der Drache weiter sprach.
„Ihr habt ein tragbares Portal in den Harax erschaffen und mit euch herum getragen, das nur darauf wartete aktiviert zu werden! DAS geht hier vor sich! Ihr habt Dämonen eine Einladungskarte gemalt.“
Ein WAS? Ein Portal in den Harax? Oh weh. Sie mussten wirklich vorsichtiger mit diesen Dingen werden! Er knurrte noch einmal und streckte wieder die Finger, rieb sie am Hosenbein und fuhr etwas milder gestimmt fort:
„Ihr hattet keine Ahnung und habt mit Mächten herum gespielt, die alles auf dieser Welt vernichten würden, wenn ihr sie hinüber holt. Ihr hattet ….*schnauf*.... verdammtes Glück!“
Er atmete tief durch und warf einen letzten Blick auf die verglühende Asche der Zeichnung. Dann ging er zurück zum Sofa und ließ sich darauf fallen um den jungen Menschen im Raum seine Meinung mitzuteilen. Damit war er näher bei Delilah und schien um einiges entspannter. Gut. Sehr gut. In dieser Stimmung war es leichter, wieder an ihn heranzutreten. Auch Chasin behielt den Drachen im Auge, aber im gleichen Maß wie Delilah sich wieder beruhigte und die Situation richtig einschätzte, so wurde auch sie wieder gelassener. Lag es an Delilahs Gegenwart, dass er sich entspannte? Chasin musterte die junge Lichtnovizin eingehend. Doch erst einmal stand Delilah nun neben ihm und blickte ihm in die silbernen Augen.
„Deine Hand.“
, sagte sie, während sie ihre eigenen zwei in erwartungsvoller Geste ausgestreckt hatte. Sie begannen wieder sanft zu leuchten. Bei Omniel hatte ihre bloße Berührung gereicht, aber sie wollte kein Risiko eingehen. Die „Sonnenaura“ vertrieb lichtscheue Kreaturen und diese konzentrierte kleine Variante des unterstützenden Zaubers würde hoffentlich auch hier verstärkend wirken. Als der Drache nicht gleich reagierte, wiederholte sie etwas dringlicher.
„Reich mir bitte deine Hand.“
Der Graf sah etwas irritiert auf, als hätte er sie nicht gehört und dann trafen sich ihre Blicke. Gold und Silber, spiegelten sich im jeweils anderen, flossen ineinander und Verano atmete einmal lang aus. Seine Hand hob sich zu ihren Fingern und er legte sie vertrauensvoll in ihre kleinen Hände. Wie lebendige Schlangen zuckte die Finsternis vor dem Licht zurück, fand jedoch nirgends sonst Halt und zerfaserte dann wie Nebelschwaden. Veranos Kopf neigte sich leicht und sein Blick war ernst auf das junge Mädchen gerichtet. Dankbarkeit sprach aus seinen Augen und... Anerkennung.
Was derweil in ihrem Rücken geschah bemerkten die beiden nicht.

Zanfar:
Er sah sich um und erkor den sorgfältig aufgeräumten Schreibtisch als Behandlungsunterlage. Nun aufgeräumt bis auf zwei Masken und einen Schuh, aber die waren schnell weggefegt – genauso wie der Rest. Chasin hörte das leise Rumpeln ihrer Unterlagen, als sie unsanft mit den anderen Sachen auf dem Boden verteilt wurden und der letzte Rest Ordnung in ihrem Leben sich damit auflöste. Seufzend stand sie da und bekam kurz einen sehr sehr resignierten Blick. Dann ging Zanfar zurück zu Leon.
„Du hast ein paar Kratzer abbekommen. Nichts das dich umbringt, aber ich hätte dich gern in einer günstigeren Position als auf dem Teppich.“
Er ging auf ein Knie, hob einen Arm Leons an und legte ihn um seine eigene Schulter, dann wies er ihn an.
„Hilf mir ein bisschen. Und keine Sorge, ich kann dich halten.“
Dann stand er mit einem leisen Ächzen aus den Knien heraus auf und ging mit dem jungen Mann in Richtung des auserkorenen ‚Operationstisches‘. Dabei fiel ihm unangenehm deutlich auf, dass der ‚Junge‘ einige Zentimeter größer als er war und trotz der schlankeren Gestalt nur aus Muskeln zu bestehen schien. Jedenfalls fühlte sich sein Gewicht danach an. Wenigstens gab sich Leon alle Mühe nicht auf ihm zusammen zu brechen. Währenddessen suchte Zanfar Chasins Blick und dachte:
Chasin, könntest du meine Feldarzt Besteck aus der Tasche in meinem Zimmer holen? Darin sollten auch ein paar Verbände sein, die ich vielleicht gebrauchen kann, bis Delilah ihr kleines Wunder gewirkt hat.
Bruchteile nachdem der Gedanke ‚ausgesprochen‘ war, setzte sich Chasin auch schon in Bewegung und verschwand im Nebenraum und er fügte in Worten hinzu:
„Ich brauche etwas Wasser und saubere Tücher – und geht nicht davon aus, dass sie es danach noch sind. Am besten auch etwas, das gut Flüssigkeit aufnimmt, eines der sauberen Handtücher aus dem Bad wäre perfekt.“

Delilah:
Auch Darna rief plötzlich nach ihr und am liebsten hätte Delilah Leon eine Ohrfeige verpasst, aber das sollte sie wohl lieber auf einen Zeitpunkt NACH der Heilung verlegen. Sie musste kurz durchatmen, um in die gewohnte Heiler-Professionalität zu finden, doch dann fand sie endlich ihre Mitte wieder. Sie eilte zu dem Schreibtisch und warf nur einen kurzen Blick auf den blutgetränkten Stoff seines Hemdes, ehe sie sich kurz suchend umsah und dann beherzt nach einer Schere griff, die vermutlich von den Mägden gestern zusammen mit den Kostümansammlungen mitgebracht worden war. Mit gezielten Schnitten trennte Delilah den Stoff von Leons Rücken, um die Wunde freizulegen. Ihre Augen forschten nicht nur nach der Wunde selbst, sondern sahen sich auch nach schwarzen Schlieren um. Für die Umstehenden war es vielleicht interessant zu beobachten, wie dabei ihre Augen golden schimmerten, so wie es Leons bloß in Silber manchmal taten. Delilah selbst betrachtete sich eingehend die Krallenspuren und natürlich hatten sich kleine schwarze Schattenschlangen in den Wunden eingenistet und fraßen sich nun an Leons Lebenssaft satt.
Erst einmal galt es die Wunde zu reinigen. Zanfars half und irgendwie hatte das Abenteuer des Vortags auch sein gutes gehabt, denn nun waren sie bereits ein eingespieltes Gespann. Leon war noch ansprechbar und stöhnte ab und zu leise.
Deli hatte zwar ein paar Stunden geschlafen, aber nach dem gestrigen Kraftakt… sie würde später definitiv etwas mehr Ruhe brauchen. Zanfars Unterstützung und beherrschtes Handeln gab ihr gerade viel Halt, denn ihre Gedanken rasten. Wie gestern war für die Wunde selbst kein Analysezauber von Nöten, denn ihre „Kinderaugen“ zeigten ihr mehr als deutlich die zuckenden schleimigen Schlieren. Das Problem lag klar auf der Hand. Delilah atmete tief ein und stieß dann die Luft aus.
„Zanfar… die Sonnenaura (in dem Außmaß wie sie sie jetzt gerade sonst bräuchte) ist gerade zu riskant, also werde ich mit dem >Fluss des Lichts< heilen, so wie gestern. Es wird aber viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“
Sie sprach schnell, vergewisserte sich aber trotzdem mit einem Blick nochmal, ob der Dunkelelf verstanden hatte. Dann machte sie sich ans Werk.

Darna:
Als sie die Striemen an Leons Rücken sah, wurden ihre Pupillen größer.
Verdammtes Karnickel!
Du!

, rief sie gedanklich ihrem Dämon zu:
Wenn sich dieses Kaninchen bei dir rumtreibt, dann ZIEH IHM DAS FELL AB!
Irgendwo in einem entfernten Winkel ihres Seins hörte sie sein donnerndes Lachen und Kampflärm.
Kaum hatte sie alle sieben Sinne zusammen, da half sie, Zanfar die gewünschten Sachen zu besorgen: Wasser und saubere Tücher. Delilah war zum Schreibtisch geeilt und besah sich bereits Leons Wunden. Darna stellte das Wasser ab. Die Knappin schaute kurz auf das Wasser und furchte die Stirn.
"Braucht ihr heißes?"
, fragte sie nebenher, wobei sie schon zögerte, noch während sie die Worte aussprach. Irgendwie zuckte es in ihren Fingern und sie fühlten sich heiß an. Sie wollte mehr tun und wartete noch aufgewühlt. Sie war keine Heilerin und die Ohnmacht untätig daneben zu stehen, fraß sich durch ihre Eingeweide. Delilah war die Heilerin, und stand an Ort und Stelle, also...
mühsam durchatmen. Auch ihr ging beim Anblick der Striemen die Frage durch den Kopf, ob Leon nun dämonisch 'infiziert' war, ähnlich wie bei den am Hauch Erkrankten? Ihre Finger bewegten sich näher zu seinem Körper, als sie einem Impuls folgend den Wunsch verspürte, einmal mehr in Leons Substanz vorzudringen und alles Schwarze, was dort wäre, zu unschädlicher Asche zu verbrennen.
Das war doch sie gewesen, nicht wahr? Sie hegte diesen Verdacht, der manchmal zur Gewissheit wachsen wollte, ohne dass sie es rational hätte begründen können. Die Seelenrose hatte geheilt. Und sie hatte... verbrannt.
'Mein kleiner Funke'. 'Du bist dabei zu reifen, dabei an deine Grenzen zu gehen und ganz nebenbei... meine Macht anzuzapfen!'
Hatte sie den Hauch verbrannt? Der Dämon? Spielte das eine Rolle, vor allem, wenn sie Leon helfen wollte? Sie sah auf ihre Hände, doch um so näher sie an Leons Leib heran wanderten, um so kälter wurden sie. Mist! Bei jedem andern hätte sie jetzt vielleicht etwas in der Art, was ihre gerade durch den Kopf gegangen war einfach ausprobiert, aber bei einem Lichtmagier kollidierten da die Mächte! Mist, Mist, Mist! ...und außerdem … würde sie sich damit nicht dämonischen Mächten bedienen? Ob das so gut war?
Und Delilah stand direkt hier, würde das tausend Mal besser können! Darnas Finger senkten sich, ihr Blick während der Sekunden des Zweifels starr auf Leon geheftet. Delilah atmete tief ein und stieß dann die Luft aus.
„Zanfar… die unterstützende >Sonnenaura< ist gerade zu riskant, also werde ich nur mit dem >Fluss des Lichts< heilen, nicht wie gestern. Es wird viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“
Die Stirn der Knappin furchte sich. Das klang einerseits gut, andererseits waren da Einschränkungen in den Formulierungen, die ihr Sorgen machten. Und leider hatte sie vor allem keine Ahnung, was das eigentlich bedeutete, was die Lichtmagierin da redete!
"Dieser .. 'Fluss des Lichts', der heilt auch dämonische Einflüsse?"
, fragte sie leise und in einem vermutenden Tonfall, der von Sorge durchtränkt war. Es war nicht Delilah die antwortete, aber nichts desto Trotz war es die Wahrheit:
„Sie hofft es.“
Chasin stand neben Darna und reichte Zanfar ungefragt irgendwelche Instrumente aus einer Tasche. Manchmal war es wirklich praktisch Gedanken lesen zu können. Delilah, Zanfar und Chasin zusammen waren wirklich ein klasse Heiler-Team. Zanfar kannte sich mit dem Fleisch aus, Delilah mit der Magie und Chasin mit dem emotionalen Zustand des Patienten.

Das gemeine und leider auch somit der Unterschied zwischen den beiden Weißenfellsschen Männern wurde nun leider ersichtlich. Leon hatte keinen Drachengeist in sich und auch sonst keinen irgendwie gearteten Schutz mehr. Der schwarze Schmodder, wie ihn Delilah sah, hatte sich an seine Lebensenergie angedockt wie ein kleiner Schmarotzer. Wo bei Verano die Schattenschlangen nur außerhalb des Körpers ihn genervt hatten, da versuchten sie bei Leon sich mit ihm zu verbinden. Die mehr oder weniger „kleine konzentrierte Sonnenaura“ die Delilah noch kurz zuvor bei Verano gewirkt hatte, war tatsächlich mehr ihren Instinkten als ihrem Wissen um ihren Mächte zuzuschreiben. Es war fast mehr ein Spiel der kleinen Lichter gewesen, die sie nachts unter ihrer Bettdecke so gerne zum Lesen ihrer Geschichten um Ritter und Drachen gewirkt hatte. Aber es hatte gewirkt. Eine richtige Sonnenaura brauchte viel mehr Energie und vor allem absolute Ruhe, die hier nicht gegeben war. Allein Darnas Nachfrage hätte sie aus ihrer Konzentration reißen können. So war die junge Lichtmagi verständlicher Weise etwas unsicher. Das Auswaschen der Wunde half nur bedingt, aber der Fluss des Lichts spendete Licht, aber nicht mit der gleichen Macht, wie der der Sonnenaura. Doch beides in Kombination, die mechanische Reinigung Zanfars und Delilahs Magie trieben die dämonischen Rückstände aus den Wunden. Zanfar musste nur gen Ende Delilah aufhalten, da sie immer blasser wurde und sich zu übernehmen drohte. Die Wunden waren zwar geschlossen, aber noch nicht ganz verheilt. Irgendwie war sogar der Drachengeist noch ein kleines Bisschen mit involviert, denn gen Ende, als Zanfar den letzten hässlichen Riss vernähte, stand Verano kurz neben seinem Sohn, griff in die Luft über der Wunde und schloss um etwas unsichtbares die Hand. Er zerrieb es zwischen den Fingern und setzte sich dann wieder auf das Sofa. Er murmelte nur etwas von einem „Verbindungsfaden“ und betrachtete dann geistesabwesend einen Dachskopf, der nahe neben seinem linken Fuß lag.
„Die Tücher solltet ihr im Kamin verbrennen.“
, meinte er fast gelangweilt und sowohl Delilah als auch Darna mussten ihm da instinktiv zustimmen. Deli, weil sie Spuren der Dunkelheit in den blutigen Flecken sah und Darna, weil sie es eher weniger als Bedrohung, sondern mehr als irritierend „leckere Kaninchensoße“ empfand. Also machte sie sich nützlich und schaffte alles vorsichtig zum Kamin, legte Feuerholz nach und verbrannte die besudelten Laken. Der Blick in die Flammen war für ihre Phantasie anscheinend äußerst anregend, denn für einen Moment, sah sie aus einer erhöhten Perspektive Monster durch die Flammen jagen … auf der Flucht … vor ihr … Ihm.

Als dann langsam wieder Ruhe einkehrte und Leon nach einer kleinen Ohnmacht durch die Schmerzen erwachte und fest stellte, dass er auf dem Schreibtisch der Diplomatin lag, setzte Delilah ihm den Finger vor die Brust. ((ooc: in Absprache mit Deli))
„Ich hasse das!“
Ihre Stimme hatte einen ungewohnt schneidenden Ton angenommen, auch wenn sie nicht laut war. „Ständig machst du das! Ständig! Versteckst dich und baust Fassaden auf, um deine Gefühle, Schwächen und Verletzungen zu verbergen. Das geht doch so nicht weiter!“
Sie hob drohend den Finger, als er es wagte den Mund zu öffnen.
„Bei den Göttern, lass mich bitte ausreden!“
Ihre nun wieder braunen Augen funkelten erregt, während sie den älteren Lichtmagus wütend an stierte.
„Du. Musst. Durch. Diese. Dinge. NICHT. ALLEIN. Durch. Du musst dich vor uns nicht verstellen! Schau dich um.“
Sie deutete in die Runde der wild zusammengewürfelten Truppe.
„Ich weiß, du willst nur dich und andere beschützen, aber du bewirkst genau das Gegenteil! Du verletzt damit dich und deine Freunde!“
Ihre Stimme verlor etwas an Schärfe.
„Und Freunde sind wir, ob du es geplant hast oder nicht. Alle hier kennen dein Geheimnis. Und Basil, du und ich, wir lassen Darna nicht allein mit ihren Problemen, also wie kommst du auf den Gedanken, du müsstest durch deine Probleme alleine gehen?“
Sie stieß genervt Luft aus.
„Und klar wird es nicht immer einfach und nicht immer sicher und nicht immer schön. Aber denkst du wirklich, davon würde sich eine Darna von Eibenau abhalten lassen? Oder ich? … Dein Weg muss nicht so einsam sein wie der deines Vaters. Wir sind alle hier. Und nach uns werden andere kommen. Quäle dich und die Deinen doch nicht noch zusätzlich. Ich bitte dich.“
Die letzten Worte hatten nichts mehr von der Schärfe, die ihre anfänglichen Worte getragen hatten. Sie klangen einfach nur noch müde. Sie wandte sich ab und ging einen Schritt zurück. Da hatte sie sich wohl mal wieder um Kopf und Kragen geredet. Egal. Egal. Egal. Sie war erschöpft, einfach nur erschöpft. Nach einer so großen Heilung wie der gestrigen gleich wieder so viel Energie zu nutzen, nagte auch an ihren Kräften. Und auch die Geduld einer Delilah Sonnenschein hatte irgendwo ihre Grenzen. Müde fuhr sich die junge Frau mit der Hand über die Augen.

Als sie die Hand wieder sinken ließ und sie Augen öffnete … schauten sie alle ausnahmslos mit großen, teils blinzelnden Augen an.

Was Delilah bei ihrem kleinen Ausbruch nicht bemerkt hatte, war …
dass sich irgendwie ein Zauber in ihr verselbständigt hatte und ihr nun aus Licht geformte Flügel aus dem Rücken wuchsen. Sie waren einfach wunderschön, filigran wie die der Libellen so zart geädert und ebenso halb durchsichtig, aber geformt wie die eines Vogels. Schimmernden Spektren aus Licht mit zarten Funken die die Farben des Regenbogens auf den Boden unter ihr tropfen ließen, erfüllten den Raum und tauchten alles in ehrfürchtiges Staunen. Keiner der Anwesenden würde sie im Moment auch nur anrühren können. Besonders für Lysanthor-Gläubige Wesenheiten war dieser Anblick etwas überaus erhebendes. Es kam dem Blick in die Sonne gleich, nur ohne geblendet zu werden. Der Effekt würde jedoch nur so lange anhalten, wie ihre Irritation und der Nachhall ihrer Wut in ihr zum Verklingen brauchte. Danach würde sie müde in sich zusammen sacken.

((ooc: Leon stabil, Delilah ausgelaugt, Drache etwas genervt und noch auf eine Antwort wartend, Chasin fängt an ihren Schreibtisch aufzuräumen, sobald Leon von Zanfar einen Verband bekommen hat, da die Wunden zwar geschlossen aber noch zu frisch sind. (nicht komplett geheilt).))
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 29. Juni 2018, 00:52

Sie sah auf ihre Hände, doch um so näher sie an Leons Leib heran wanderten, um so kälter wurden sie. Für einen winzigen Moment hätte sie frustriert schreien können. Diese flüchtige Kraft schwand, weil sie Leon - einem Lichtmagier - näher kam, auf ihn wirken wollte? Die Vermutung lag nahe. Und doch verstand Darna es nicht. Sie hatte Leon doch schon mal geheilt! - tja, aber mithilfe der Seelenrose.
Die Seelenrose wiederum hatte sich nicht daran gestört, dämonische Kraft für ihr Werk zu benutzen? Das war für Darna noch viel unverständlicher und ein Gedanke, auf dem sie bis dato erfolglos herum kaute.
Aber wichtiger war im Augenblick Leon, neben dem sie im wahrsten Sinne des Wortes machtlos stand. Aber Delilah war da. Delilah war da. Sie würde helfen können! Konnte sie doch?
„Sie hofft es“, nahm Chasin der Lichtmagierin ab, antworten zu müssen und Darnas Lippen wurden schmal. Sie hofft es?!, begehrte etwas in ihr auf, aber die Knappin atmete äußerlich nur angespannt tief durch und nickte abgezirkelt. Ihr war klar, dass es ungerecht war, mehr zu verlangen oder zu erwarten. Delilah würde alles tun, was in ihrer Macht stand. Aber es fiel Darna tatsächlich entsetzlich schwer, sich auf andere zu verlassen und selber zur Untätigkeit verdammt zu sein. Bei der erstbesten Gelegenheit zog sie sich zurück, scheinbar um nicht im Weg herum zu stehen, auch wenn sie liebend gern bei Leon geblieben wäre.
Sie beruhigte sich erst, als sie zusah und begriff, dass der Drache den letzten Rest einer möglichen Gefährdung regelrecht zwischen den Fingern zerrieb. Er murmelte nur etwas von einem „Verbindungsfaden“, aber Darnas Augen verengten sich aufmerksam.
Verbindungsfaden?
So etwas wie bei Pepe, nachdem wir ihn verbrannt haben? Ist es das, was mit dem Gebet durchtrennt wurde?
Hm. Mag sein.

„Die Tücher solltet ihr im Kamin verbrennen“, meinte er fast gelangweilt und Darna musste ihm da instinktiv zustimmen. Die 'leckere Kaninchensoße' musste weg. Brr. Irgendwie empfand sie über diesen Eindruck Genugtuung, nämlich dass das Kaninchen klar als Verlierer aus der Sache gegangen war, und etwas Zynismus mischte sich dazu:
Immerhin registriere ich diese Dinge und bin nicht völlig blind. Ja, verbrennen war gut.

Der Blick in die Flammen war für ihre Phantasie anscheinend äußerst anregend, denn für einen Moment, sah sie aus einer erhöhten Perspektive Monster durch die Flammen jagen … auf der Flucht … vor ihr … Ihm.
Darnas Augen verengten sich langsam, ihre Mimik bekam etwas düsteres, wölfisches.
Lauft schneller.
Ihr Kiefer schob sich hin und her und wieder musste sie sich ermahnen, von dem Anblick besser nicht zu gute Laune zu bekommen, sonst wäre die Atempause, die ihr Dämon ihnen verschafft hatte, unnötig schnell dahin.
Zeit für Erklärungen, raffte sie sich innerlich auf und wandte sich zähflüssig zu dem Drachen um. Für einen kurzen Moment zollte sie seiner Geduld Respekt, denn er hatte Antworten verlangt und bisher keine bekommen. Andererseits sah wohl selbst er die Zwänge der bisherigen Verzögerungen ein, aber ewig sollte man seinen Geduldsfaden wohl nicht strapazieren.
Nochmal durchatmen. Augen zu und durch. Du hast das doch jetzt schon ein paar mal geschafft..., trieb sie sich selbst voran und straffte unbewusst ihre Haltung, sondierte mit einem kurzen Blick noch einmal die Lage: Leon lag noch auf dem Tisch, Delilah war direkt bei ihm. Die Diplomatin sah unglücklich über das Chaos und sortierte wohl gedanklich schon mal vor, womit sie am besten das Aufräumen begänne. Der Nichtgenannte schien allgemein einmal mehr den Überblick zu behalten und konnte beobachten, wie sich die Knappin der Gestalt des Grafen unaufdringlich und respektvoll, aber Aufmerksamkeit provozierend näherte.

"Euer Hochgeboren? Ich bedaure: meine Person dürfte der Ursprung der Probleme sein", setzte sie an und wählte zu ihrer eigenen Selbstsicherheit das Format des höfischen Rapports, mitsamt Anrede, auch wenn sie ihr selbst irgendwie falsch erschien. Aber wie sollte sie schon einen Drachen anreden?
Sie rechnete nicht mit einer Impulsivität Fiddatans, auch wenn ein Stimmchen in ihr wisperte, dass das ein ziemlich gefährlicher Einstieg war: ein weiterer Prankenhieb, und der 'Ursprung der Probleme' wäre erledigt?
"Der, wie Ihr sagtet, 'Dämon, der die Spur auslegt', ist in mir gefangen, seit ich als Kind ein Beschwö..."
Delilah war nicht laut, aber den schneidenden Ton solchen Vorwurfs kannte sie - und sie reagierte allergisch darauf, machte sich instinktiv sofort innerlich kleiner. Ihr Rapport stockte und ihr Kopf drehte sich ansatzweise Richtung Schreibtisch, aber ihre Erziehung gebot, dass sie nicht herüber starrte, wenn 'ein Kamerad zurechtgebürstet' wurde. Trotzdem konnte sie nicht weiter sprechen, schaute zum Inventar geworden schräg vor sich zu Boden und rückte damit Delilah und Leon unweigerlich mehr in den Fokus.

Es war nicht höflich, bei sowas zu zu hören.
Sie hörte natürlich trotzdem zu, auch wenn sie bei der Lautstärke nicht wie der Dunkelelf sauber jedes Wort verstand. Und sie erfasste sehr wohl, worum es Delilah ging und was sie Leon inhaltlich vorwarf.
Sie konnte Delilah ja zustimmen.
Sie zuckte trotzdem schuldbewusst zusammen, als die junge Lichtmagierin auch noch lobend ihren Namen hervorhob...
...denn eigentlich hätte sie die Vorwürfe eins zu eins auch selber an den Kopf bekommen können. Lass ihn in Ruhe, verteidigte sie lahm ihren Liebsten - oder sich selbst - aber sie wusste: Delilah hatte recht. In Ansätzen hatte man ihr am Grafenhof wohl manchmal ähnliches zu erklären versucht; aber da hatte sie sich trotz gewogener Mentoren alleine gefühlt, alles gute Zureden nichts genutzt.
Wie lange mochte Leon schon in diesem Zustand leben? Wie lange, bis es zur selbstverständlichsten Sache der Welt geworden war? Dieses Verständnis seiner Lage versetzte ihrem Panzer abermals einen Knacks.
'Ich bin es wie gesagt, nicht gewohnt Freundschaften zu schließen, gelobe aber mich zu bemühen', kamen ihr Formulierungen von Leon aus dem Gespräch gestern Nacht wieder in den Sinn.
Er kann das nicht so einfach an nehmen, Delilah. Aber er muss! Vielleicht geht das alles hier auch einfach nur etwas schnell. ... Aber du hast ja recht.
„Und klar wird es nicht immer einfach und nicht immer sicher und nicht immer schön."
Darna schnappte die Worte auf und sie versetzten ihr einen Stich.
Ich hab ihm gestern eigentlich Gleiches gesagt.
...


'Auch ICH will dir helfen! Wir... wir haben beide mit unserem Schicksal zu kämpfen, aber wir müssen das nicht alleine tun. Ich bin für dich da …'
Sie kniff die Augen zu.
Und er mir.
Ihr sagt beide Dinge... Wir sagen uns einander Dinge, die...

Sie öffnete die Augen und spähte zur Seite, denn irgendwas war in ihrem Rücken, verlangte Aufmerksamkeit, lockte sie wie Wasser einen Verdurstenden.
Da war Licht, und... Darna konnte gar nicht anders, als sich umzudrehen. Da stand das Mädchen mit den goldenen Locken, dem aus Licht geformte Flügel aus dem Rücken wuchsen. Sie waren einfach wunderschön, filigran wie die der Libellen so zart geädert und ebenso halb durchsichtig, aber geformt wie die eines Vogels. Schimmernden Spektren aus Licht mit zarten Funken die die Farben des Regenbogens auf den Boden unter ihr tropfen ließen, erfüllten den Raum und tauchten alles in ehrfürchtiges Staunen.
Darnas Augen wurden offene Scheunentore, durch die das Licht einfiel. Ihre Kinnlade wanderte derweil nach unten. Selbst ihre Nasenflügel waren gebläht, als müsse sie das Licht auch riechen können.
Götter, was IST sie?, hallte es lahm durch ihren leergefegten Geist.
Irgendwas Schönes.
Des Lichtherrn eigen.
So wie Elli in grünes Licht getaucht gewesen war, so offen sichtbar von göttlicher Gnade umspült, so schien Delilah gerade Lysanthors Botschaft an die Menschen zu verkünden.

Auf beide Knie?
Nein, auf eines.
Sie hätte dem zarten Mädchen gerade gerne ihre Klinge zu Füßen gelegt, ihre Hand berührte nur in leerer Geste symbolisch den Boden, denn Delilah holte gerade wieder ihren ältesten aller Träume an die Oberfläche: In diesem Licht ein Streiter zu sein, in Ehre und Vollkommenheit. Diese Reinheit zu beschützen. Andere Menschen zu beschützen.

Feuer. Drachen. Dämonen.
Für einen flüchtigen Moment hatte sie den Eindruck, dass sie sich hatte ablenken lassen von wirklich wichtigen Dingen.
Was war sie schon?
...
...
Sie seufzte selber über die ratlose zögerliche Stille in ihr.
Ich weiß es nicht.

Irgend etwas, was bis über beide Ohren in Problem-Müll vergraben zu sein scheint. Aber was immer ich bin: ich will dir dienen, in deinem Namen helfen. Das immerhin weiß ich.

Ihr Blick fokussierte sich auf Delilah.
Und was immer ich brauche, Du wirst mir helfen können.
Ich danke dir.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Freitag 29. Juni 2018, 21:32

„Zanfar… die unterstützende >Sonnenaura< ist gerade zu riskant, also werde ich nur mit dem >Fluss des Lichts< heilen, nicht wie gestern. Es wird viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“

Gnah … doch nicht den Namen so offen aussprechen. Spätestens hier haben die Wände Ohren! Gerade nach dem Radaul!

Der Dunkelelf zuckte leicht zusammen, nickte aber bestätigend – man wollte den Spionen doch versichern, dass er wirklich Zanfar hieß.
Der Nichtgenannte genoss es, mit der jungen Lichtmagi zusammen zu arbeiten. Auch wenn sie initial etwas durcheinander wirkte, fasste sie sich schnell und agierte wie nur eine wahre Heilerin es tat. Routiniert, gelassen und Sorgfältig – und weil es Delilah war auch sanft.
Schnell flogen ihre Hände über den Verletzen, schnitten das Hemd vom blutigen Rücken ihres Patienten.
Zumindest bei den mundanen Aufgaben konnte der Nichtgenannte ihr helfen und so war Leon in aller Schnelligkeit vorbereitet. Voller Bewunderung betrachtete er dann das Wunder ihrer Magie, wie sich Muskeln und Gefäße Schlossen und Narbenlos zusammenwuchsen. Schweißperlen traten auf ihre Stirn, ihre Haut wurde wächsern und Erschöpfung trat in ihre Haltung. Der Dunkelelf sah auf Leon, dessen Wunden nur noch oberflächliche Schnitte waren. Er legte Vorsichtig die Hand auf ihre Schulter und flüsterte.
„Es ist genug, er ist außer Gefahr. Lass den Rest mich und die Natur erledigen.“
Als das leuchten ihrer Macht erlosch ergriff er sie vorsichtig an den Hüften und schob sie aus dem Weg.
Er nahm das Set, das er vorher mit einem Gedanklichen Danke von seiner Freundin Chasin angenommen hatte und nähte die Schnitte sorgfältig zusammen.
Dabei bemerkte er nur ganz am Rande das Darna mit Fiddatan sprach – und nur deswegen, weil ihre Körpersprache so Defensiv und verschüchtert wirkte. Er hätte nur zu gern gewusst, worum es ging, aber es gab zum gegeben Zeitpunkt wichtigeres.

Zumindest war der Drache gelassen genug als er – was auch immer – tat.

Ob sich Darna wohl in dieser Sache genauso hilflos und Ahnungslos fühlte? Er korrigierte sich innerlich. Vermutlich sogar noch mehr, denn sie konnte nicht einmal dabei helfen die Wunden zu versorgen. Er fühlte mit ihr, er hasste es auch, nichts tun zu können. Dafür war sie – zumindest äußerlich – gelassener als er es vielleicht gewesen wäre.

Als der letzte Stich gesetzt und der Faden verknotet war, erwachte Leon aus seiner Ohnmacht und richtete sich auf, wobei der Dunkelelf ihn stütze. Sicher hätte der Junge das von den Beiden Damen mehr geschätzt, aber Zanfar war eben der, der am nächsten Stand. Und auch wenn er Darna zugetraut hätte, Leon zu halten, so vermutete er, dass Delilah sehr mit dessen Gewicht gekämpft hätte, wäre er denn bewusstlos geworden.

Und dann wurde der Zorn der Lichtmagi auf den erwachten Weißenfels entladen. Der Dunkelelf war nicht weniger erschüttert als Leon – zuerst um der Leidenschaft der jungen Frau willen und dann … um der Flügel?! Unter der Maske stand ihm der Mund offen und eine Gänsehaut ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Zwiegespalten zwischen Ehrfurcht und Angst blieb er einfach stehen und glotzte.

Er war sich nicht sicher, ob Leon bewusst war, welch ein Geschenk die Freundschaft und der Zusammenhalt dieser kleinen Gruppe war. Denn die – zugegeben überzogene – Reaktion der Lichtmagi verrieten so viel Sorge und Zuneigung, das ihm ganz eng um die Brust wurde. Eifersucht wollte in ihm aufflammen aber dann fiel sein Blick auf die schlanke Gestalt der Tha’Roon und ihm wurde bewusst, dass auch ihm dieses Geschenk zuteilgeworden war.
Die vier versuchen alles, um einander zu Retten und ich lasse Chasin in ihren Untergang rennen … was für einen schlechten Freund sie in mir gefunden hat.
Ja, die ehrfurchtgebietenden Engelsschwingen waren eine sehr willkommene Ablenkung.

Darna, die ebenfalls überwältigt schien, fiel auf ein Knie. Gedanken huschten wie Schatten über ihr Gesicht um in einer ergebenen entschlossenen Miene zu enden. Unweigerlich fühlte er sich an das Portrait eines Helden erinnert, wie er in Lysanthors Licht gebadet betete, kurz bevor er zu seiner nächsten Großen Tat aufbrach. Es fühlte sich so real an, dass er fast eine strahlende Silberne Rüstung an der jungen Frau sah und sich ein glänzendes Schwert in ihren Händen vorstellte. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Die Vorstellung war verschwunden, aber der Eindruck nicht. Sie in ihrer ehrlichen eigenen Haut zu sehen fühlte sich sogar noch realer an und er wünschte ihr von ganzem Herzen, dass sie den Dämon irgendwie losbekam.

Die strahlende Licht, das Delilah umgab, wurde immer schwächer und entblößte das göttliche Geschöpf als eine zierliche junge Frau, deren Haut vor Erschöpfung grau geworden war. Sie blinzelte ein paar Mal und begann zu schwanken.
Ohne zu zögern – und dabei seinen Patienten vergessend – fing er die nur wenige Zentimeter entfernt stehende Delilah auf halben Weg ab und ließ sie sanft zu Boden gleiten.
Déja Vu.
Er schluckte schwer und drängte die Erinnerung beiseite. Im Normalfall wäre er glücklich über die Maske gewesen, da sie seine Gefühlswelt verbarg und seinen Mund vor Dummheiten rettete. Aber zumindest der erste Effekt war mit einer Tha’Roon und einem Drachen im Raum wenig hilfreich. Zumindest würde in ihm lesen können wie in einem offenen Buch.
Sachte hob er sie hoch und legte sie zurück ins Bett. Sanft schob er eine ihrer goldenen Strähnen aus ihrem Gesicht und betrachtete sie mit anderen Augen. Dass er sich den Moment des gestrigen Abends hatte stehlen können … sie wirkte nun so unerreichbar! Einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sich eine strähne ihres Haares zu stehlen, doch er wiederstand dem Impuls. Stattdessen stellte er sicher, dass es der jungen Frau bis auf die Erschöpfung gut ging, bevor er den Raum verließ.
Nachdenklich kehrte er zurück um Leon zu verbinden, noch immer völlig überwältigt von dem, was er gesehen hatte. Die Türe zu seinem Gemach ließ er offen, um im Zweifelsfall ein Auge auf Delilah zu haben.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Juni 2018, 12:43

„Zanfar… die unterstützende >Sonnenaura< ist gerade zu riskant, also werde ich nur mit dem >Fluss des Lichts< heilen, nicht wie gestern. Es wird viel Kraft brauchen. Hab ein Auge auf mich, ich darf mich nicht übernehmen. Greif im Notfall bitte ein, ich traue meiner eigenen Beherrschung bei einem Freund nicht unbedingt.“
Gnah … doch nicht den Namen so offen aussprechen. Spätestens hier haben die Wände Ohren! Gerade nach dem Radau!
Der Dunkelelf zuckte leicht zusammen, nickte aber bestätigend – man wollte den Spionen doch versichern, dass er wirklich Zanfar hieß. Der Nichtgenannte genoss es, mit der jungen Lichtmagi zusammen zu arbeiten. Erst als Schweißperlen auf ihre Stirn traten, legte er vorsichtig die Hand auf ihre Schulter und flüsterte.
„Es ist genug, er ist außer Gefahr. Lass den Rest mich und die Natur erledigen.“
Als der letzte Stich gesetzt und der Faden verknotet war, erwachte Leon aus seiner Ohnmacht und richtete sich auf, wobei der Dunkelelf ihn stütze.

Der Blick in die Flammen war für Darnas Phantasie äußerst anregend.
Lauft schneller.
Ihr Kiefer schob sich hin und her und wieder musste sie sich ermahnen, von dem Anblick besser nicht zu gute Laune zu bekommen, sonst wäre die Atempause, die ihr Dämon ihnen verschafft hatte, unnötig schnell dahin. Trotzdem fühlte sie fast das wölfische Glucksen in seiner breiten Brust und riss sich nur um so schneller von dem Anblick los.
Zeit für Erklärungen.
, raffte sie sich innerlich auf und wandte sich zähflüssig zu dem Drachen um. Nochmal durchatmen.
Augen zu und durch. Du hast das doch jetzt schon ein paar mal geschafft...
, trieb sie sich selbst voran und straffte unbewusst ihre Haltung.
"Euer Hochgeboren? Ich bedaure: meine Person dürfte der Ursprung der Probleme sein"
, setzte sie an und wählte zu ihrer eigenen Selbstsicherheit das Format des höfischen Rapports, mitsamt Anrede, auch wenn sie ihr selbst irgendwie falsch erschien. Ein weiterer Prankenhieb, und der 'Ursprung der Probleme' wäre erledigt?
"Der, wie Ihr sagtet, 'Dämon, der die Spur auslegt', ist in mir gefangen, seit ich als Kind ein Beschwö..."
Delilah war nicht laut, aber den schneidenden Ton solchen Vorwurfs kannte sie - und sie reagierte allergisch darauf, machte sich instinktiv sofort innerlich kleiner. Ihr Rapport stockte und ihr Kopf drehte sich ansatzweise Richtung Schreibtisch, aber ihre Erziehung gebot, dass sie nicht herüber starrte, wenn 'ein Kamerad zurechtgebürstet' wurde. Trotzdem konnte sie nicht weiter sprechen, schaute zum Inventar geworden schräg vor sich zu Boden und rückte damit Delilah und Leon unweigerlich mehr in den Fokus. Sogar Verano, der kurz etwas erbost über ihr Stocken war, sah nun aber zu der Lichtmagi hinüber und zog langsam die Bauen hoch, während Darna inzwischen zwischen Zustimmung und der Verteidigung Leons schwankte.
'Ich bin es wie gesagt, nicht gewohnt Freundschaften zu schließen, gelobe aber mich zu bemühen', kamen ihr Formulierungen von Leon aus dem Gespräch gestern Nacht wieder in den Sinn.
Er kann das nicht so einfach an nehmen, Delilah. Aber er muss! Vielleicht geht das alles hier auch einfach nur etwas schnell. ... Aber du hast ja recht.
Die Schimpftirade ging weiter. Darna öffnete die Augen und spähte zur Seite, denn irgendwas war in ihrem Rücken, verlangte Aufmerksamkeit, lockte sie wie Wasser einen Verdurstenden. Da war Licht, und... Darna konnte gar nicht anders, als sich umzudrehen. Da stand das Mädchen mit den goldenen Locken, dem aus Licht geformte Flügel aus dem Rücken wuchsen.
Darnas Augen wurden offene Scheunentore, durch die das Licht einfiel. Ihre Kinnlade wanderte derweil nach unten. Selbst ihre Nasenflügel waren gebläht, als müsse sie das Licht auch riechen können und tatsächlich lag ein Duft im Raum, der an Sonnenlicht erinnerte. Aber wie roch Sonnenlicht? Ozon?
Auf beide Knie?
Nein, auf eines.
Für einen flüchtigen Moment hatte sie den Eindruck, dass sie sich hatte ablenken lassen von wirklich wichtigen Dingen.
Was war sie schon?
...
...
Sie seufzte selber über die ratlose zögerliche Stille in ihr.
Ich weiß es nicht.
...
Irgend etwas, was bis über beide Ohren in Problem-Müll vergraben zu sein scheint. Aber was immer ich bin: ich will dir dienen, in deinem Namen helfen. Das immerhin weiß ich.

Ihr Blick fokussierte sich auf Delilah.
Und was immer ich brauche, Du wirst mir helfen können.
Ich danke dir.

...
Gern ...schehen, und ...inde ich echt nett, dass... mir helfen willst, aber …
ähm... so devot, kenne ich ... gar nicht... mir dienen.

Ach... , du rede... icht mit mir...

Natürlich war es nicht Lysanthor der da durch ein weißen Rauschen in Darnas Kopf hindurch antwortete. Das Rauschen schien eine Art Störung zu sein, weil es gerade wirklich hell im Raum war. Fast hätte sie ihn nicht verstanden. Zusätzlich zu dem weißen Rauschen waren da auch wieder diese Flügelschläge zu hören und in der Geräuschkulisse in Darnas Kopf gingen seine weiteren Worte einfach unter. Er war gerade zu beschäftigt, um sich nebenbei zu unterhalten.
Auch wenn Darnas Worte sicher an eine Andere Stelle gerichtet gewesen waren und ihr Mitbewohner mal wieder den Moment zerstört hatte, so hatte sie sich im Licht, dass Delilah um sich geworfen hatte doch sehr wohl gefühlt. Erst als ihr Licht langsam wieder schwand und auch die Schwingen wieder unsichtbar wurden, hatte der Dämon in ihr geantwortet. Danach verblasste auch diese Stimme in ihrem Kopf im Kampflärm, der aus dem Feuer des Kamins zu kommen schien.

Flügel?!
Unter der Maske stand Zanfar der Mund offen und eine Gänsehaut ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Zwiegespalten zwischen Ehrfurcht und Angst blieb er einfach stehen und glotzte.
Er war sich nicht sicher, ob Leon bewusst war, welch ein Geschenk die Freundschaft und der Zusammenhalt dieser kleinen Gruppe war. Denn die – zugegeben überzogene – Reaktion der Lichtmagi verrieten so viel Sorge und Zuneigung, das ihm ganz eng um die Brust wurde. Eifersucht wollte in ihm aufflammen aber dann fiel sein Blick auf die schlanke Gestalt der Tha'Roon, die ebenfalls mit offenem Mund vor sich hin starrte und ihm wurde bewusst, dass auch ihm dieses Geschenk zuteilgeworden war.
Die vier versuchen alles, um einander zu Retten und ich lasse Chasin in ihren Untergang rennen … was für einen schlechten Freund sie in mir gefunden hat.
Ja, die ehrfurchtgebietenden Engelsschwingen waren eine sehr willkommene Ablenkung.
Darna, die ebenfalls überwältigt schien, fiel auf ein Knie. Gedanken huschten wie Schatten über ihr Gesicht um in einer ergebenen entschlossenen Miene zu enden. Unweigerlich fühlte er sich an das Portrait eines Helden erinnert, wie er in Lysanthors Licht gebadet betete, kurz bevor er zu seiner nächsten Großen Tat aufbrach. Es fühlte sich so real an, dass er fast eine strahlende Silberne Rüstung an der jungen Frau sah und sich ein glänzendes Schwert in ihren Händen vorstellte. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Die Vorstellung war verschwunden, aber der Eindruck nicht. Sie in ihrer ehrlichen eigenen Haut zu sehen fühlte sich sogar noch realer an und er wünschte ihr von ganzem Herzen, dass sie den Dämon irgendwie losbekam.
Die strahlende Licht, das Delilah umgab, wurde immer schwächer und entblößte das göttliche Geschöpf als eine zierliche junge Frau, deren Haut vor Erschöpfung grau geworden war. Sie blinzelte ein paar Mal und begann zu schwanken.
Ohne zu zögern – und dabei seinen Patienten vergessend – fing er die nur wenige Zentimeter entfernt stehende Delilah auf halben Weg ab und ließ sie sanft zu Boden gleiten. Sachte hob er sie hoch und trug sie zurück in sein Bett. Sanft schob er eine ihrer goldenen Strähnen aus ihrem Gesicht und betrachtete sie mit anderen Augen. Dass er sich den Moment des gestrigen Abends hatte stehlen können … sie wirkte nun so unerreichbar! Einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sich eine Strähne ihres Haares zu stehlen, doch er widerstand dem Impuls. Stattdessen stellte er sicher, dass es der jungen Frau bis auf die Erschöpfung gut ging, bevor er den Raum verließ. Nachdenklich kehrte er zurück um Leon zu verbinden, noch immer völlig überwältigt von dem, was er gesehen hatte. Die Türe zu seinem Gemach ließ er offen, um im Zweifelsfall ein Auge auf Delilah zu haben. Als er also aus der Tür trat, waren alle Augen auf ihn gerichtet. Sogar Veranos Gesichtsausdruck war unvergleichlich! Der offenstehende Mund klappte zu und er schluckte ein paar Mal um dann mit gerunzelter Stirn leise vor sich hin zu blubbern, für Elfenohren jedoch gut hörbar:
„... mächtiger kleiner Käfer... den möcht ich nicht verschlucken...“
Was auch immer das bei einem Drachen bedeutete... und einen tiefen Atemzug später fügte er hinzu:
„Ein echt mächtiger Zauber!“
Vielleicht könnte Zanfar dem sogar zustimmen, denn wenn man sie richtig einsetzte, zum Beispiel Delilah mit diesem Zauber in das Heer des Feindes werfen würde, wären alle wie gebannt und könnten ihr noch nicht mal etwas tun. Man könnte mit ihr den Rücken des Feindes entblößen und... und … und... Was für ein Ablenkungsmanöver! Genau das war hier gerade passiert! Sie hatten alle Delilah angestarrt und ihre Umwelt vollkommen vergessen, unfähig ihr auch nur ein Haar zu krümmen. Reflektierend hatte er erst seinen Blick abwenden können, als das Licht schon verblasste. Delilah war gewiss keine Kämpferin wie er oder Darna, aber sie konnte unbehelligt durch ein Heer spazieren, wenn sie ihre Kraft zu beherrschen und richtig zu nutzen lernte. Sie war stärker als sie ahnte, auch wenn sie noch zu unkontrollierten Ausbrüchen neigte.
Der winzige Stich Eifersucht, dass sie sich wegen Leon so echauffierte, ließ Zanfar aber auch erkennen, dass er aber ebenso eine Freundschaft hatte; mit Chasin.
Ihr Anblick mit den BEIDEN weit ausgerissenen Augen war auch sehenswert. Auch ihr stand der Mund einen Spalt breit offen und sie rang sichtlich um ihre Fassung. Ihre langen Finger kämpften mit dem Stoff seines Gewandes, dass sie trug. Sie schüttelte ein paar Mal den Kopf und presste dann die Augen zu. Für sie musste die Art der Beeinflussung noch viel intensiver sein, als für die Anderen. Sie war so verletzlich... Und was hatte er vor? Er wollte sie getarnt als Sklavin in Feindessgebiet mitnehmen. Chasin sah auf und ihre Blicke trafen sich. Sofort kehrte Ruhe in ihre Mimik ein. Dann zerstörte Verano den Moment:

„Fräulein von Eibenau?“
Er wartete bis sie sich wieder zu ihm umgewandt hatte.
„Ihr wart noch nicht fertig mit eurer Erklärung.“
Ach ja, da war ja noch etwas...
Hier gab es ja noch einen Drachengeist, der wissen wollte, was es mit den dämonischen Aktivitäten in seiner Umgebung auf sich hatte. Der Graf rieb sich die Knöchel seiner rechten Faust in der Fläche der Handfläche und betrachtete dann, auf den Rapport von Darna wartend, seine gekrümmten Fingernägel.


Zanfar kann ungestört den Verband an Leons Rücken beenden und Leon tritt danach an Darnas Seite. Chasin setzt sich an Ort und Stelle wo sie steht, einfach auf den durch Kleider gepolsterten Boden und hört aufmerksam zu. Dabei wirkt sie ein bisschen wie ein mageres Hühnchen, mit ihren Puschen, dass zum Brüten Platz nimmt.

((Delilah liegt wieder in Zanfars Bett und kann sich etwas ausruhen. Die Tür ist offen, falls sie mithören will und falls sie etwas braucht. - Spieler kann also ggf. noch weiter aussetzten.))
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Sonntag 1. Juli 2018, 14:50

Das Licht und Delilahs Flügel schwanden. Zanfar fing den müden Mädchenkörper sanft auf, als sie erschöpft in sich zusammen sackte. Trotzdem empfand Darna nicht einmal Sorge - sie vermutete Delilah ähnlich geschützt, wie es auch Elli gewesen war. Noch während der Dunkelelf die Lichtmagierin in sein Zimmer trug, hörte Darna wie durch ein Rauschen die Kommentare des Dämons. Sie hatte Mühe, ihn überhaupt zu verstehen, weswegen sich ihre Stirn furchte. Dann schüttelte sie kaum merklich den Kopf. Er schien selber begriffen zu haben, dass ihre Worte als stilles Gebet Lysanthor gegolten hatten. Sie verspürte etwas Ärger über die Situation, aber sie hielt sich trotzdem zurück, den Dämon dafür anzumeckern: er hielt ihnen gerade den Rücken frei, da würde sie sich hüten, ihn zu stören. Eher registrierte sie irritiert, dass das Feuer ihr noch immer Eindrücke von seiner Seite zu vermitteln schien... - oh, hoppla!
Da war doch etwas gewesen, dass sie sich geärgert hatte, dass er zu ihr schauen konnte, sie aber nicht zu ihm? Braucht er etwa einen Spiegel als äh, Verbindung? - Medium? Wie nennt man sowas? Ach, egal. Und bei mir wäre es Feuer?
Beim Gedankenblitz blieb es. Denn eigentlich hatte sie sich von all dem doch gerade wieder in ihrem Glauben gestärkt abwenden wollen, nicht? Sie atmete tief durch und versuchte, diesen inneren Frieden von eben noch etwas nachhallen zu lassen, aber es fiel ihr schwer.

Ihr Blick pendelte von Leon zu Delilah, registrierte die angeschlagenen Zustände. Aber wir müssen hier doch weg!
Fiddatan.
Fiddatan musste erfahren, was los war, und dabei würde sie allen auch erklären können, was der Dämon zuletzt gesagt hatte.
„Fräulein von Eibenau?“
Ja! Prompt drehte sie sich zu ihm um.
„Ihr wart noch nicht fertig mit eurer Erklärung.“ Ja.
Der Graf rieb sich die Knöchel seiner rechten Faust in der Fläche der Handfläche und betrachtete dann, auf den Rapport von Darna wartend, seine gekrümmten Fingernägel. Die Knappin beobachtete die Geste und stellte sich irritiert vor, wie er in Drachengestalt auf seine Klauen schauen mochte... das war irgendwie ein beunruhigendes Bild. Ihre linke Braue zuckte leicht, aber sie kam gerne der Aufforderung nach und automatisch schoben sich wieder ihre Hände auf den Rücken:

"Verzeihung. Ja. Ich bemühe mich, das Wesentliche zusammen zu fassen.
Als kleines Kind störte ich durch einen Zufall das Beschwörungsritual eines Magiers. Ich scheine mich nicht an die ganze Begegnung zu erinnern, was ich mit Leons Hilfe gerne bald ändern würde. Aber soweit ich es noch weiß, machte der Magier einen dummen Scherz, mit dem er mich verjagte. Er hatte den Platz für die Beschwörung bereits vorbereitet, und ich erzählte das, was ich gesehen hatte, daheim einem Laienbruder der Lysanthorkirche. Er verständigte die Inquisition und der Magier wurde gefasst.
Im Verhör gestand er, ein grandessanischer Ritualmagier zu sein, der Jorsan schaden wollte, und er wurde zum Exempel hier in der Stadt öffentlich auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Ich wohnte der Verbrennung bei."
Die Knappin berichtete ziemlich nüchtern und gefasst, was tatsächlich dem Umstand geschuldet war, dass sie nun schon zum wiederholten Mal davon erzählte. Eine gewisse Anspannung entstand trotzdem, die für ungeübte Betrachter angesichts der sowieso steifen Haltung nicht auffiel.
"Ich kann mir nicht alle Hergänge lückenlos erklären, teils auch mangels magischer Kenntnis oder ich muss mich bislang gezwungenermaßen auf die Aussagen des Dämons verlassen:
Der Magier, der sich Friedbert Ravinger nannte, hatte den Dämon durch die Störung nur zur Hälfte in seinen eigenen Körper beschworen. Durch die Verbrennung hätte der Dämon freigesetzt werden sollen, aber Ravinger hatte einen solchen Hass auf mich entwickelt, dass er mich verfluchte, als er mich in der Zuschauermenge entdeckte:
Ich solle nie wieder lachen oder mich freuen können."

Sie sah dem Grafen offen und mit dem bei ihr eigentlich üblichen Ernst ins Gesicht, während sie das erste Mal versuchte, die neuen Puzzlestücke als stimmiges Bild wieder zu geben:
"Dieser Fluch scheint den 'Auslöser' gebildet zu haben, von dem Ihr gesprochen habt und so weit ich es verstehe.
Der Magier starb nicht vollständig, als er verbrannte. Er hatte Teile seiner Macht bereits zuvor an verschiedene Artefakte gebunden, so dass der Fluch nach seinem Tod bis heute aktiv blieb. Und er 'vererbte' durch diese Vorgänge irgendwie auch den Dämon an mich. Er ist an mich gebunden, höchst unfreiwillig, wie er sagt."
Ein seltsames Gemisch an Farben huschte bei dem letzten Satz durch Darnas Aura, die bis dahin weitgehend neutral grau geblieben war, teils mit Andeutungen von allgemeinem Widerwillen. Doch kurz schien sich die Knappin selbst nicht einig darin zu sein, wie sie die Einstellung des Dämon ihr gegenüber bewerten sollte: da waren winzige Fetzen von Schadenfreude, Zustimmung bis Bedauern gleichzeitig? Und nichts davon sauber ausgeprägt.

In ihrem Bericht fuhr sie allerdings nahtlos fort, sofern niemand sie unterbrach:
"Über elf Jahre lang schien es, dass ich mich gar nicht freuen könne. Als wir aber vor einigen Tagen den Ursprung von Morgerias Hauch vernichteten, kam es dazu, dass ich lächelte.
Basil hat dies hauptsächlich beobachtet und auch Leon, denn ich selber empfand nur..."
Nun kam sie doch aus dem Tritt, dass sie ihre Formulierung umzustellen versuchte:
"Also, ich hatte das Gefühl, vollständig zu verbrennen. Und fiel in Ohnmacht. Außen aber hatte mein Körper angefangen, zu glühen und ein siebenzackiger Stern aus Feuer breitete sich aus, wie Ihr ihn auf der Zeichnung gesehen habt. Die Jungs haben ihn im Schneiderladen dann aus der Erinnerung versucht, aufzuzeichnen. Wir wussten nicht, was genau er eigentlich bewirkt, denn von Portal bis eventuell sogar Schutzkreis schien irgendwie mehreres möglich.
Wir hätten ansonsten NIE eine solche Gefahr hier ins Schloss gebracht!", versicherte sie in absolutem Ernst.

"Und auch, ob mein Lächeln wirklich der Auslöser war, war nicht klar zuzuordnen. Nach der Feier gestern hielt ich das sogar für abwegig, denn Leon erzählte, wir - also auch ich - hätten über irgend etwas gelacht.
Der Dämon in mir machte später aber Bemerkungen, dass das am Alkohol gelegen haben könnte." Sie schämte sich kurz dafür, betrunken gewesen zu sein, gleichzeitig huschte ihr der Gedanke durch den Kopf, dass das also helfen mochte? Wenn ich mich betrinke, passiert also nichts, wenn ich mich freue?
Äh, tja. Aber ich kann ja nicht die ganze Zeit besoffen...
- sie schob den Gedanken beiseite.
"Generell hat der Dämon erst während der Konfrontation mit dem Hauch das erste Mal direkten Kontakt zu mir aufgenommen. Bis dahin schwieg er. Er ist, wie gesagt, selber sehr daran interessiert, diesen Zustand zu beenden, weil er geteilt ist, nicht über die Gänze seiner Macht verfügt. Und die Dämonen, die bisher zu uns gelockt wurden, scheinen allesamt zu seinen 'Widersachern', wie er sie nennt, zu gehören. Er hilft selber, sie zu bekämpfen und beschützt mich. Warum, verstehe ich nicht so ganz."
Der Rapport schien persönlicher geworden zu sein, Darnas Blick nachdenklicher und eher nach innen gerichtet. Kurz darauf wurde sie aber schon wieder sachlicher:

"Er gab mir, während ich eben ohnmächtig war, folgende Dinge zu verstehen:
Er sagte, die anderen Dämonen hätten uns nun aufgespürt und ich solle in Bewegung bleiben. Ein zügiger Standortwechsel wäre also anzuraten."
Uh, da schlug wieder ihre militärische Ausbildung durch!
"Aber er empfahl ebenso dringend, dass ich ... - Verzeihung." Sie atmete durch und konzentrierte sich auf das erinnernde Abrufen der jüngsten Informationen, denn das war wichtig! Ihr Ton wurde nun vollkommen unpersönlich und todernst:
"Ich muss in direkter Nähe von euch: Leon, Fräulein Delilah oder Euch, Hochgeboren, bleiben. Am besten in Körperkontakt, aber wenigstens innerhalb einer Entfernung von fünf Schritt.
Die Möglichkeiten, diese unselige Verbindung endlich zu trennen, bestünden entweder darin, die Artefakte zu finden und - ich zitiere: 'unsere Seelen wieder zu trennen, was ziemlich umständlich werden dürfte', oder seine Präsenz durch etwas anderes zu ersetzen, nämlich: 'indem ich einen Drachen in mich aufnähme'." Sie verfiel wieder in ihre überklare Formulierung, die furchtbar förmlich bis gestelzt wirkte, aber wenigstens deutlich den Konjunktiv hervorhob.
Danach schwieg sie. Für einen Moment. Aber ein Zusatz schien ihr dann doch noch wichtig, bevor sie sich Fragen oder ähnlichem stellen würde:
"Es tut mir furchtbar leid, dass ich solche Umstände verursache."

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Dienstag 3. Juli 2018, 19:34

"Verzeihung. Ja. Ich bemühe mich, das Wesentliche zusammen zu fassen. - Als kleines Kind störte ich durch einen Zufall das Beschwörungsritual eines Magiers. Ich scheine mich nicht an die ganze Begegnung zu erinnern, was ich mit Leons Hilfe gerne bald ändern würde. Aber soweit ich es noch weiß, machte der Magier einen dummen Scherz, mit dem er mich verjagte. Er hatte den Platz für die Beschwörung bereits vorbereitet, und ich erzählte das, was ich gesehen hatte, daheim einem Laienbruder der Lysanthorkirche. Er verständigte die Inquisition und der Magier wurde gefasst.
Im Verhör gestand er, ein grandessanischer Ritualmagier zu sein, der Jorsa schaden wollte, und er wurde zum Exempel hier in der Stadt öffentlich auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Ich wohnte der Verbrennung bei. - Ich kann mir nicht alle Hergänge lückenlos erklären, teils auch mangels magischer Kenntnis oder ich muss mich bislang gezwungenermaßen auf die Aussagen des Dämons verlassen: Der Magier, der sich Friedbert Ravinger nannte, hatte den Dämon durch die Störung nur zur Hälfte in seinen eigenen Körper beschworen. Durch die Verbrennung hätte der Dämon freigesetzt werden sollen, aber Ravinger hatte einen solchen Hass auf mich entwickelt, dass er mich verfluchte, als er mich in der Zuschauermenge entdeckte:
Ich solle nie wieder lachen oder mich freuen können."

Alle lauschten ihr gebannt. Darna sah dem Grafen offen und mit dem bei ihr eigentlich üblichen Ernst ins Gesicht, während sie das erste Mal versuchte, die neuen Puzzlestücke als stimmiges Bild wieder zu geben:
"Dieser Fluch scheint den 'Auslöser' gebildet zu haben, von dem Ihr gesprochen habt und so weit ich es verstehe. Der Magier starb nicht vollständig, als er verbrannte. Er hatte Teile seiner Macht bereits zuvor an verschiedene Artefakte gebunden, so dass der Fluch nach seinem Tod bis heute aktiv blieb. Und er 'vererbte' durch diese Vorgänge irgendwie auch den Dämon an mich. Er ist an mich gebunden, höchst unfreiwillig, wie er sagt."
Derweil beobachtete Chasin die Knappin genau und analysierte immer wieder das Gemisch an Farben, das sie umgab.
"Über elf Jahre lang schien es, dass ich mich gar nicht freuen könne. Als wir aber vor einigen Tagen den Ursprung von Morgerias Hauch vernichteten, kam es dazu, dass ich lächelte. Basil hat dies hauptsächlich beobachtet und auch Leon, denn ich selber empfand nur... Also, ich hatte das Gefühl, vollständig zu verbrennen. Und fiel in Ohnmacht. Außen aber hatte mein Körper angefangen, zu glühen und ein siebenzackiger Stern aus Feuer breitete sich aus, wie Ihr ihn auf der Zeichnung gesehen habt. Die Jungs haben ihn im Schneiderladen dann aus der Erinnerung versucht, aufzuzeichnen. Wir wussten nicht, was genau er eigentlich bewirkt, denn von Portal bis eventuell sogar Schutzkreis schien irgendwie mehreres möglich. Wir hätten ansonsten NIE eine solche Gefahr hier ins Schloss gebracht! … Und auch, ob mein Lächeln wirklich der Auslöser war, war nicht klar zuzuordnen. Nach der Feier gestern hielt ich das sogar für abwegig, denn Leon erzählte, wir - also auch ich - hätten über irgend etwas gelacht. Der Dämon in mir machte später aber Bemerkungen, dass das am Alkohol gelegen haben könnte."
Scham durchzuckte ihre Aura, während Chasin die Knappin intensiv beobachtete.
Wenn ich mich betrinke, passiert also nichts, wenn ich mich freue? ...Äh, tja. Aber ich kann ja nicht die ganze Zeit besoffen...
Sie hat da den übergeordneten Begriff noch nicht spezifiziert, der in diesem Fall als Auslöser fungiert.
"Generell hat der Dämon erst während der Konfrontation mit dem Hauch das erste Mal direkten Kontakt zu mir aufgenommen. Bis dahin schwieg er. Er ist, wie gesagt, selber sehr daran interessiert, diesen Zustand zu beenden, weil er geteilt ist, nicht über die Gänze seiner Macht verfügt. Und die Dämonen, die bisher zu uns gelockt wurden, scheinen allesamt zu seinen 'Widersachern', wie er sie nennt, zu gehören. Er hilft selber, sie zu bekämpfen und beschützt mich. Warum, verstehe ich nicht so ganz...“
Angenommen... wenn eine Extraktion der Seele vorliegt, wird auch etwas von ihr in ihm sein. Wenn dann eine Seite Schaden nimmt, könnte das Folgen auf das Gegenstück zurück werden, was im Umkehrschluss ER dann sicher auch verhindern möchte.
Sinnierte Chasin und konzentrierte sich wieder auf den Bericht und auf die Gedanken, die sich der Drachengeist nebenbei so machte.
„...Er gab mir, während ich eben ohnmächtig war, folgende Dinge zu verstehen: Er sagte, die anderen Dämonen hätten uns nun aufgespürt und ich solle in Bewegung bleiben. Ein zügiger Standortwechsel wäre also anzuraten. Aber er empfahl ebenso dringend, dass ich ... - Verzeihung... Ich muss in direkter Nähe von euch: Leon, Fräulein Delilah oder Euch, Hochgeboren, bleiben. Am besten in Körperkontakt, aber wenigstens innerhalb einer Entfernung von fünf Schritt. Die Möglichkeiten, diese unselige Verbindung endlich zu trennen, bestünden entweder darin, die Artefakte zu finden und ich zitiere: 'unsere Seelen wieder zu trennen, was ziemlich umständlich werden dürfte', oder seine Präsenz durch etwas anderes zu ersetzen, nämlich: 'indem ich einen Drachen in mich aufnähme'."
Chasin gab in diesem Moment einen leisen merkwürdig quiekenden Laut von sich. Dann knirschte es leise und obwohl der Graf still auf dem Sofa gesessen hatte, schien Bewegung im Raum zu herrschen. Hier und da verrückte sich minimal ein Möbelstück und einige Kleiderhaufen drückten sich etwas platter. Leon ballte die Fäuste an seinen Seiten, Delilah konnte durch den Türrahmen das goldene Glitzern der sich bewegenden Magie sehen, als der Drachengeist sich Darna zu wandte und Chasin starrte erst etwas blass in die Luft, machte einen kleinen Schritt zurück an die Wand und sah dann wieder Verano an. Alles in allem waren es kleine Reaktionen, aber doch insgesamt so groß, dass man die Bewegung im Raum eben spürte, auch ohne jegliche magischen Fähigkeiten. Zanfar war an Chasins Seite geblieben, da Delilah weit genug weg war. Darna hatte sich ganz auf den Grafen und ihren Rapport konzentriert, so dass sie nicht viel mitbekam. Ein Zusatz schien ihr dann doch noch auf den Lippen zu liegen:
"Es tut mir furchtbar leid, dass ich solche Umstände verursache."
Veranos menschlicher Körper lehnte sich nun auch ein Stück vor und betrachtete die Knappin eingehend. Chasin hielt sich an Zanfars Arm fest. Ihre Fingernägel krallten sich leicht in seine Gewandung als sie einfach drauf los sprach:
„Er hat anfänglich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre Darna zu töten, aber das würde den Fluch und auch den Dämon nicht aus unserer Welt verbannen. Die Verbindung an die Artefakte halten ihn hier, das ist korrekt. Beides würde sich nur einen neuen Wirtskörper suchen... und gerade in diesem Umfeld hier könnte das fatale Folgen haben.“
Der Drache sah nun von Darna weg und funkelte die Tha'Roon mit zusammen gezogenen Brauen an, die eilig weiter sprach:
„Er ...findet es aber interessant durch mich zu sprechen und lässt mich gewähren.“
Chasin zitterte leicht, aber fuhr fort mit ihren eigenen Worten die Gedanken des Drachengeistes wieder zu geben, was vielleicht sogar von Vorteil war, denn dieser drückte sich ja manchmal etwas merkwürdig aus... also noch merkwürdiger als es Chasin ab und an tat.
„Den vorgetragenen Fakten konnte er keinen Hinweis auf eine Lüge seitens des Dämons entnehmen und vieles von dem was Darna berichtete deckt sich mit seinem Wissen und vervollständigt seine Vermutungen. Die Aussage, dass der Dämon höchst unfreiwillig dem allen beiwohnt, stimmt er zu. Dämonen werden durch uns in diese Welt gezwungen. Er gibt nur ungern zu, dass es nicht ihr natürlicher Wille ist uns zu schaden auch wenn unsere Welt dieses Bild von ihnen hat, jedoch haben viele von ihnen uns als Feind akzeptiert, was sie nur um so gefährlicher macht. Würde ein Drache in ihre Welt gezogen, so würde er genauso wüten, wie die Dämonen hier. Das der Fluch in Darna nicht schon früher ausgebrochen ist, liegt seiner Meinung daran, dass erst eine gewisse Reife des Wirtes erreicht werden muss. Ein Kind ist für einen Dämon schwerer zu lenken, als ein Erwachsener, da sie noch keine Angst kennen. In Darnas Fall würde ihre Freude als einer von mehreren Triggerpunkten gesetzt, was ihr mangelndes Lachen in der Jugend erklärt. …“
Ein kurzer Blickwechsel folgte zu Leon und zurück zu Verano, dann sprach sie weiter:
„...Diese Information hat er aus Leons Wissen, dass er durch ein Gespräch mit Basilius erlangte. Jetzt in Bewegung zu bleiben, bis sich eine Lösung gefunden hat, ist ebenfalls von ihm empfehlenswert, da nach dem ersten Öffnen des Portals die Trigger sensibilisiert sind - wie ein Wildwechsel im Wald. Der ersten Spur können andere wie auf einem Trampelpfad folgen. - Andere Einflüsse wie zum Beispiel das Heptagramm, Spiegel, oder das jeweilige magische Element des Dämons können ebenfalls die Barriere dünner werden lassen. Der erste Ausbruch, Darnas erste Freude wurde vermutlich durch einen weiteren Trigger begünstigt, einen in der Nähe befindlichen Dämon, der als Spur für die anderen diente. … der Junge, der mit Morgerias Hauch befallen war.“
, vervollständigte Chasin den letzten Satz, atmete einmal tief und fuhr fort:
„Die erwähnten Faktoren zur Eindämmung von einem Dämon selbst zu erhalten, ist in der Tat ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Die Artefakte zu finden und sie zu zerstören wäre ein sicherer Weg den Fluch aufzuheben, jedoch auch riskant, da Darna sich dafür … NEIN … das will sie sicher nicht! Ja ich sag es. … „
Chasin sah kurz von Verano weg zu Darna und ihr fest in die Augen.
„Um die Artefakte zu finden, müsstest du dich der Führung des Dämons überlassen und … dich ihm mit Leib und Seele hingeben. ...Ich denke, dass dies keine Option für dich ist.“
Damit nickte sie ernst der Knappin zu und sah wieder zu Verano. Nach einem kurzen Sammeln nahm sie wieder ihren Monolog des Drachen auf:
„Der zweite Weg … einen Drachen in sich aufz....“
„Danke, das reicht vorerst.“
, unterbrach der Graf die Diplomatin und Chasin verstummte.
„Dieser Teil beinhaltet Geheimnisse meines Volkes die gewahrt werden müssen und das versteht eure Freundin.“
Chasin nickte, wenn gleich man es ihr ansah, dass sie schwer mit sich beschäftigt war. Sie starrte auf den Boden und ihre Finger wanden sich in inniger Umarmung ineinander. Ihr stummer Blick wanderte zu Zanfar und sie flüsterte:
„Wir müssen uns unterhalten.“
Verano sah zu ihr, aber nickte im Einverständnis, aber mahnte:
„Nur die Dinge, dir EUCH betreffen!“
Chasin nickte abermals und lehnte sich an Zanfars stabile Schulter. Das ganz hatte sie wieder etwas Kraft gekostet und sie sehnte sich sicher nach einer kleinen Pfeife.

Der Drachengeist in Verano richtete sich wieder an Darna die in der Zwischenzeit sich vielleicht etwas sammeln konnte. Leon stand an ihrer Seite und hielt ihre Hand. Verano lächelte bei dem Anblick.
„Euer Dämon hat nicht gelogen, als er euch den Vorschlag machte, einen Drachen in sich aufzunehmen, würde euer Problem lösen. Euch zu erklären, wie das genau funktionieren würde, ist jedoch nicht meine Aufgabe. Hierfür ist weder der rechte Ort, noch der beste Zeitpunkt, aber ich kann versichern, dass es wahr ist. ...einen Drachen in euch zu haben...“
Er grinste mehr als nur anzüglich.
„... Ist auf jeden Fall eine Erfahrung die unvergleichlich ist.“
Leons Griff um Darnas Hand wurde fester und er funkelte wütend seinen „Vater“ an, der sich darauf hin gelassen zurück lehnte. Leon zischte:
„Unterlasst diese Doppeldeutigkeiten.“
Die linke Braue des Grafen wanderte amüsiert in die Höhe.
„Und wenn ich es nicht tue?“
Leons Kiefer spannten sich an und kleine Adern traten auf seinen Schläfen hervor. Eine merkwürdige Stille breitete sich im Raum aus und die beiden starrten sich endlos lange Momente schweigend an.

Dann klopfte es.
Knock, Knock!
Von draußen erklang eine Stimme:
„Botschaft für die Dame de Mondragil und Begleiter.“
„Schiebt es unter der Tür durch.“
, antwortete die Diplomatin.
Dann raschelte es und ein Kuvert wurde unter der Tür sichtbar. Chasin hob es auf, überflog die Zeilen, die unter einem Siegel verborgen gewesen waren, das sie brach und sah dann Zanfar an um noch einmal leise zu sagen:
„Wir müssen uns unterhalten.“
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Mittwoch 4. Juli 2018, 15:11

Kaum hatte Darna geendet, gab die Diplomatin einen leisen merkwürdig quiekenden Laut von sich. Alles - oder irgend etwas - schien sich zu bewegen, und die Knappin spannte instinktiv ihre Körperhaltung, ohne ihre Position wirklich zu verändern. Ihr Blick huschte irritiert kurz durch den für sie leeren Raum.
Sie entschuldigte sich noch für die Umstände, die sie machte und sah wieder zum Grafen, als Chasin einfach drauf los sprach:
„Er hat anfänglich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre Darna zu töten, aber das würde den Fluch und auch den Dämon nicht aus unserer Welt verbannen. Trotz des sofortigen Widerrufs, sie töten zu wollen, bildete sich doch ein mal ein kalter Klumpen aus Angst in Darnas Bauch. Die Vorstellung, wie das Kaninchen zu enden, war rasch präsent und eindringlich. So oft sie ihren Tod in Gedanken scheinbar in Kauf nahm - ihr Überlebensinstinkt funktionierte doch zuverlässig wie bei jedem anderen Menschen auch.

Chasin sprach weiter, Darna schluckte den Kloß im Hals runter und hörte weiter zu.
"Den vorgetragenen Fakten konnte er keinen Hinweis auf eine Lüge seitens des Dämons entnehmen und vieles von dem was Darna berichtete deckt sich mit seinem Wissen und vervollständigt seine Vermutungen."
Da war er, der entscheidende Punkt. Der Grund, warum es zu der scheinbar so erheblichen Änderung in ihrer Einstellung gegenüber dem Dämon gekommen war: Bislang hatte sie ihm trotz aller anderslautenden Beteuerungen doch unterstellt, sie anzulügen, zu verführen, zu betrügen... was Dämonen eben so taten, wenn man den Priestern glaubte; und Darna von Eibenau glaubte den Vertretern des Lichtgottes ja wohl deutlich mehr als einem Dämon!
Doch durch seine Erklärung, was der Siebenstern darstellte und machte, hatte Fiddatan ohne Kenntnis der näheren Umstände das meiste erklärt und bestätigt, was ihr der Dämon zuvor auch zu vermitteln zu versucht hatte. Er saß tatsächlich unfreiwillig und ungewollt in ihr fest, war regelrecht ein Gefangener.
Damit wurde er kurioserweise zu einer Art Opfer, was in Darnas festem Wertegefüge sogar schon ohne ihr bewusstes Zutun ihren Beschützerinstinkt auslöste: sie würde ihm helfen, solange es nicht gegen ihren Moralkodex verstieß und anderen, die sie schützen wollte, nicht schadete.
Die anderen Dämonen fielen weder unter das eine noch das andere...

'Der Feind meines Feindes ist mein Freund', hieß es häufig für viele Menschen, und im Moment schien das auch für Darna zuzutreffen, doch das stimmte nicht zur Gänze und war auch allgemein kein Motto, das sie freien Herzens unterschriebe. Der Feind ihres Feindes mochte trotzdem ein Feind sein - und bleiben.
Ihr Untermieter war ein Dämon, und spätestens an dieser Grenzlinie endete die Kooperation seitens der Knappin.
"Dämonen werden durch uns in diese Welt gezwungen. Er gibt nur ungern zu, dass es nicht ihr natürlicher Wille ist, uns zu schaden, auch wenn unsere Welt dieses Bild von ihnen hat, jedoch haben viele von ihnen uns als Feind akzeptiert, was sie nur um so gefährlicher macht."
Darnas Augen weiteten sich, als durch diese Aussage ihr bisheriges Weltbild einen kräftigen Stiefeltritt erhielt und einmal erzitterte. Gerade prasselten die Informationen nur so auf sie ein (wie ihre vermutlich zuvor anders herum).
"Würde ein Drache in ihre Welt gezogen, so würde er genauso wüten, wie die Dämonen hier."
Ein Drache, in den Harax gezogen? Was für eine schreckliche Vorstellung! Für wen schrecklich? Für die Dämonen? hrhr.., wisperte ein vorwitziger Gedanke und zeigte ihr erinnernd das eben gesehene Bild, wie dämonische Schreckensgestalten in Panik davonliefen, durch ein Inferno von blauem und rotem Feuer, gejagt von einer großen Gestalt.

Mit Schuppen.

Und Flügeln? 'Ein knallendes Geräusch, wie von ledrigen Schwingen'.
Ich hab noch nie gesehen, wie er wirklich aussieht.

Sie blinzelte, als ihr drohte, dass sie den Faden verlor.
"Das der Fluch in Darna nicht schon früher ausgebrochen ist, liegt seiner Meinung daran, dass erst eine gewisse Reife des Wirtes erreicht werden muss." Was? Wirt? Achso. Ich. "Ein Kind ist für einen Dämon schwerer zu lenken, als ein Erwachsener, da sie noch keine Angst kennen."
Die Miene der Knappin wurde immer irritierter. Aber natürlich kannten Kinder Angst! Völlig unsinnige sogar häufig. "In Darnas Fall würde ihre Freude als einer von mehreren Triggerpunkten gesetzt, was ihr mangelndes Lachen in der Jugend erklärt. …“
...
...
???
Häh? WAS erklärt mein mangelndes Lachen?

Dieser Sachverhalt interessierte sie außerordentlich! Aber sie verstand den Satz nicht. Von den Begriffen her schon nur mit Mühe, aber vor allem erschlossen sich ihr der Sinn nicht und erst recht nicht die daraus herzuleitenden Konsequenzen.
Die Diplomatin legte eine kurze Sprechpause ein, da sie kurz den Blick von Verano zu Leon und zurück pendeln ließ, so dass der leise und höchst verwirrte Kommentar der Knappin zu hören war:
"Verzeihung... Wie bitte? Das.. mit dem Lachen verstehe ich nicht.." - sie hatte den Satz kaum geendet, als der Unterricht offensichtlich noch nicht vorbei war. Na schön. Erstmal weiter.

Der Vergleich mit dem Wildwechsel beunruhigte sie und sie verstand ihn durchaus. Zwei Dämonen hatten nun schon her gefunden. Dass sie den Ort wechselten und ihr Dämon ihnen den Bereich hier sozusagen freikämpfte, schön und gut...
Aber ist es möglich, dass später, wenn wir weg sind, hier trotzdem noch welche auftauchen?? Das mussten sie verhindern! Aber wie? Jemanden warnen?
Und wo sollten sie hin? Zur Akademie? Das schien Vorteile zu haben, erschien Darna aber auch ungünstig: den Magiern würde die Natur Fiddatans sicher nicht verborgen bleiben und schon alleine das unheimlich viele Fragen aufwerfen.
Zum Tempel? Auch sicher nicht das verkehrteste, aber auch dort war es nicht gerade ungestört. Delilah und Leon brauchten Gelegenheiten, sich auszuruhen, aber einen Ort wie das Haus von Frau Tesseras erschien Darnas auch zu gefährlich, aber da waren noch ein Gutteil ihrer Sachen, die Pferde von Herrn Bromer, das Schlachtross...
Wir werden unsere Abreise gut planen müssen!

"...
Die Artefakte zu finden und sie zu zerstören wäre ein sicherer Weg, den Fluch aufzuheben, jedoch auch riskant, da Darna sich dafür … NEIN … das will sie sicher nicht! Ja ich sag es. … „

Fragend pendelte Darnas Blick verwirrt hin und her, bis er an Chasin hängen blieb.
„Um die Artefakte zu finden, müsstest du dich der Führung des Dämons überlassen und … dich ihm mit Leib und Seele hingeben. ...Ich denke, dass dies keine Option für dich ist.“
Darnas Augen wurden größer. Man brauchte das ganze Lila ihrer Aura eigentlich nicht sehen, um ihren Widerwillen allein bei dem Gedanken zu erkennen. Ihre Haltung spannte sich und sie lehnte ihren Oberkörper eine Spur zurück. Gleichzeitig hallte ein Fragment der Aussage in ihr nach: ..dich ihm mit Leib und Seele hingeben?
'Ich denke, dass dies keine Option für dich ist.'
Nein. Nein, auf gar keinen Fall!

Huch? Da in der ganzen Lila-Wolke war... elfenbein?! Tatsächlich. Klein, aber intensiv.
„Der zweite Weg … einen Drachen in sich aufz....“
„Danke, das reicht vorerst“, unterbrach der Graf die Diplomatin und Chasin verstummte. „Dieser Teil beinhaltet Geheimnisse meines Volkes die gewahrt werden müssen und das versteht eure Freundin.“


Irritiert hörte Darna weiter zu und versuchte, die Flut an Informationen erstmal sacken zu lassen. Leon hatte sich neben sie gestellt und ihre Hand genommen. Sie atmete tiefer durch und erwiderte den tröstenden Druck, ließ in Fürsorge ihren Blick ein mal über seine Gestalt huschen, auch wenn sie den Rücken gerade nicht recht sehen konnte.
Verano lächelte bei dem Anblick.
„Euer Dämon hat nicht gelogen, als er euch den Vorschlag machte, einen Drachen in sich aufzunehmen, würde euer Problem lösen. Euch zu erklären, wie das genau funktionieren würde, ist jedoch nicht meine Aufgabe."

Ihre Irritation wuchs wieder. Wie, nicht seine Aufgabe? Er war doch derjenige, um den es ging? Wessen denn dann?
"Hierfür ist weder der rechte Ort, noch der beste Zeitpunkt, aber ich kann versichern, dass es wahr ist. ...einen Drachen in euch zu haben...“ Er grinste mehr als nur anzüglich.
„... Ist auf jeden Fall eine Erfahrung die unvergleichlich ist.“

Die Knappin kippte ihren Kopf irritiert etwas schräg und wollte die Anzüglichkeit kaum wahr haben. So attraktiv der Graf von Weißenfels auch aussah... Allein der Gedanke, dass es theoretisch der Körper ihres künftigen Schwiegervaters sein mochte, zerstörte jeglichen Gedanken in diese Richtung mindestens genauso effektiv wie die Drachenpranke das Dämonkaninchen.
Leons Griff um Darnas Hand wurde fester und er funkelte wütend seinen „Vater“ an, der sich darauf hin gelassen zurück lehnte. Leon zischte: „Unterlasst diese Doppeldeutigkeiten.“
Die linke Braue des Grafen wanderte amüsiert in die Höhe. „Und wenn ich es nicht tue?“

Darnas Lippen wurden schmal, als sie sie zusammen presste.
Leons Kiefer spannten sich an und kleine Adern traten auf seinen Schläfen hervor. Eine merkwürdige Stille breitete sich im Raum aus und die beiden starrten sich endlos lange Momente schweigend an.

Darna wagte nicht, dazwischen zu gehen. Es gehörte sich auch nicht. Sie wandte lediglich nach einem deutlich kürzeren Moment den Blick ab, sowohl um den Drachen nicht auch noch zu provozieren, als auch, um ihr Desinteresse an diesem Thema zu verdeutlichen. Beschwichtigend strich ihr Daumen über Leons Daumenrücken.
Sie wollte gerade versuchen, verbal die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, als es klopfte. Ihr Kopf ruckte herum. Ein Kuvert wurde unter der Tür hindurch geschoben.
Nachrichten.
Sie blinzelte, als sich Ansätze neuer Ideen in ihrem Kopf zu formen begannen. Zumindest begann sie zu hoffen, dass eventuell General von Pappelhain veranlassen könnte, dass ihnen bei Ausrüstungsproblemen geholfen wurde; vorausgesetzt, sie bekam ihn mit Fug und Recht davon überzeugt, dass sie im Sinne seiner Majestät Dinge in Angriff nehmen wollten. Dieser hatte, so meinte sie sich an gestern zu erinnern, etwas von 'Zusammenarbeit mit Drachen' geredet und gewünscht, nicht? Momentan sah es aber eher danach aus, dass es lediglich um die Lösung von Darnas persönlichen Problemen ging. Und, sollte dieses Zimmer gefährdet sein, von weiteren Dämonen besucht zu werden, verursachte sie noch zusätzlich welche!
So oder so würde es keine schlechte Idee sein, Schreibzeug mitzunehmen, um noch Nachrichten an den General, oder auch an den Tempel zu verfassen. Mutter Seramis musste noch von Elli erfahren, Darna hatte sie nicht vergessen.

(in Funktion als Mod von Zanfar):
Für gute Ohren war zu vernehmen, wie erneut schwere Schritte sich mit charakteristischen Klinggeräuschen der Tür näherten: zwei mit Platte und Kette gerüstete Personen. Sie blieben links und rechts von der Tür stehen. Leise, kurze Gesprächsfetzen konnte Zanfar nicht inhaltlich erfassen.
Es hätte mehrere der in den Gemächern befindlichen Personen vermutlich überrascht bis irritiert, hätten sie gewusst, dass da tatsächlich zwei Ritter für das Zimmer der Diplomatin abkommandiert worden waren. Ritter, deren Schwerter durch Weihe oder Magie sogar im Zweifelsfall in der Lage waren, übernatürliche Wesenheiten zu verletzen - Zufall?
(Mod Ende)

"Ich verstehe einzelne Sachverhalte nicht", meldete sich drinnen die Knappin nun doch etwas zurückhaltend zu Wort, "aber nicht alles davon muss unbedingt jetzt geklärt werden, denke ich. Was mich aber beunruhigt, ist der Vergleich mit dem 'Wildwechsel':
Wäre es möglich dass, wenn wir diese Räume bereits verlassen haben, hier trotzdem noch ungebetene 'Gäste' auftauchen? Oder ist das jetzt, wo der Zettel verbrannt ist, unmöglich, sobald ich weg bin?

Wir müssen also zügig planen, wo wir als nächstes hin wollen, allerdings werden Leon und Delilah noch die Möglichkeit brauchen, sich auszuruhen, zu erholen. Hat jemand... Vorschläge? Absichten?", fragte sie vorsichtig in die Runde.

"Und etwas, das mich sehr irritiert, wäre aber vielleicht doch besser jetzt gleich zu klären." Darna musste noch einmal tiefer Luft holen, um den nötigen Mut zu fassen, und mit einem unangenehmen Kribbeln auf den Wangen wandte sie sich erneut an Fiddatan:
"Bei dem Hinweis, dass ich einen Drachen aufnehmen müsse, ging ich davon aus, dass von .. Euch die Rede ist", tastete sie sich vor, denn ihr schwante, dass hier von irgend etwas anderem ausgegangen wurde,
"Aber die Bemerkungen zuletzt schienen nicht davon auszugehen? Irre ich? Ich dachte... Da Leon den Körper seines Vaters braucht, um ihn nach Weißenfels zu bringen, dass... Ihr..."
Ihre Worte gerieten zunehmend ins Stocken, was schon seit der Knappschaft eine unangenehme Eigenart von ihr war. Denn immer, wenn ihr klar war, dass sie sich geirrt hatte, aber diesen Irrtum erklären musste oder wollte, war ihr auch klar, dass sich gleich Hohn, Spott und Gelächter über sie ergießen würden. Ihre Ohren glühten jetzt schon! Trotzdem würgte sie es weiter raus, immer leiser werdend:
"den Körper.. wechseln könntet und.. stattdessen meinen... benutzt?"
Sie verkroch sich. Physisch stand sie immer noch an Ort und Stelle, aber ihre ganze Präsenz hatte sich in die Defensive und in irgend eine Ecke verkrümelt.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 4. Juli 2018, 19:15

Zu Zanfars Beruhigung schien die Situation nicht zu eskalieren, was also ein Einschreiten seinerseits vorerst erübrigte. Leon und Verano beließen es bei ihrem „wer blinzelt zuerst verliert“ Wettstreit bewenden und als Darna weiter sprach, sahen beide gleichzeitig sie an. Unentschieden.

"Ich verstehe einzelne Sachverhalte nicht."
, meldete sich die Knappin nun doch etwas zurückhaltend zu Wort,
"...aber nicht alles davon muss unbedingt jetzt geklärt werden, denke ich. Was mich aber beunruhigt, ist der Vergleich mit dem 'Wildwechsel': Wäre es möglich dass, wenn wir diese Räume bereits verlassen haben, hier trotzdem noch ungebetene 'Gäste' auftauchen? ...“
Der Graf überlegte kurz und schüttelte den Kopf.
„...Oder ist das jetzt, wo der Zettel verbrannt ist, unmöglich, sobald ich weg bin?...“
Er überlegte wieder und machte mit der Hand eine Geste, die ein „unmöglich“ zwar nicht ganz ausschloss, aber antwortete mit einem kurzen:
„Unwahrscheinlich! Wenn dann nicht durch euer Verschulden.“
So brachte er es auf den Punkt. Wenn nach ihnen ausgerechnet hier ein Dämonenbeschwörer seiner finsteren Leidenschaft also frönte, dann hatte es zumindest nichts mehr mit ihr zu tun.
„... Wir müssen also zügig planen, wo wir als nächstes hin wollen, allerdings werden Leon und Delilah noch die Möglichkeit brauchen, sich auszuruhen, zu erholen. Hat jemand... Vorschläge? Absichten?"
, fragte sie vorsichtig in die Runde und Fiddatan hob nachdenklich eine Braue, sagte aber vorerst nichts.
"Und etwas, das mich sehr irritiert, wäre aber vielleicht doch besser jetzt gleich zu klären."
Darna musste noch einmal tiefer Luft holen, um den nötigen Mut zu fassen, und mit einem unangenehmen Kribbeln auf den Wangen wandte sie sich erneut an den Grafen:
"Bei dem Hinweis, dass ich einen Drachen aufnehmen müsse, ging ich davon aus, dass von .. Euch die Rede ist … „
Einen winzigen Moment wirkte Fiddatan überrascht, dann aber eher interessiert.
„...Aber die Bemerkungen zuletzt schienen nicht davon auszugehen? Irre ich? Ich dachte... „
Er rückte in seiner sitzenden Position wieder näher, neugierig was da wohl jetzt kommen mochte.
„...Da Leon den Körper seines Vaters braucht, um ihn nach Weißenfels zu bringen, dass... Ihr..."
Ihre Worte gerieten zunehmend ins Stocken und ihre Ohren glühten jetzt schon! Trotzdem würgte sie es weiter raus, immer leiser werdend:
"den Körper.. wechseln könntet und.. stattdessen meinen... benutzt?"
Sie verkroch sich. Physisch stand sie immer noch an Ort und Stelle, aber ihre ganze Präsenz hatte sich in die Defensive und in irgend eine Ecke verkrümelt. Doch kein Lachen oder sonst irgendeine naheliegende Reaktion trat ein. Verano neigte nur den Kopf ein bisschen zur Seite und betrachtete Daran noch eindringlicher als er es zuvor schon getan hatte. Ein bisschen erinnerte seine Haltung vielleicht an eine Katze die vor zwei Schüsseln Futter saß. Die eine mit frischem Lachs und die andere mit saftigem 'Hähnchen gefüllt. Da war die Entscheidung vielleicht nicht einfach, aber warum nur eines nehmen, wenn man zum doppelten Preis beides haben konnte?
Aber der Drachengeist entschied sich anders.
„Ein interessanter Gedanke. Aber nein, so einfach geht das leider nicht. Verano war ein Geistermagier und eine alte Seele. Ihr seid … zu jung um mich aufzunehmen.“
Damit schien dieses Thema für ihn erledigt.
„Was eure Planungen angeht... die kleinen Dinge die ihr noch so zu erledigen müssen glaubt... Was meint ihr wie lange wird das noch dauern? Ich möchte bald los.“
Sein einer Mundwinkel zuckte leicht nach unten und auch die Nachricht in Chasins Händen wurde missbilligend beäugt, da das irgendwie alles Zeitverzögerungen für ihn bedeuteten.
„Ich werde mich um die Reise kümmern.“
, sprach der Graf und schwieg.

Chasin, die den Grafen wieder beobachtet hatte, gab abermals einen leisen Laut von sich und er sah sie streng an. Sie senkte den Blick und schwieg ebenfalls, drückte aber Zanfar die Nachricht in die Hand auf der stand:

**Hohe Dame de Mondragil,
werter Herr Nichtgenannter,

wir bedürfen dringend der Anwesenheit des Herrn Nichtgenannten. Und zwar stark bevorzugt ausschließlich seine. Wir brauchen seine Expertise und würden aus Respekt vor unserem Besuch den Grad der optischen Befremdung gern möglichst gering halten. Um trotzdem für die Sicherheit der Diplomatin zu bürgen, stellen wir zwei Wachen ab, die vor Eure Gemächer beordert wurden. Auf Euren Wunsch könnt Ihr diese auch hinein bitten.
Der Bote wird warten, um den Herrn Leibwächter zum Besprechungsraum zu bringen.

Mit Dank für Euer Verständnis,

Niklas san Walsing**
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* Kinderholzschwert von Elli
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Tierische Begleiter: (Keiner)
Zum Vorzeigen: Badass Darna (by Zanfar)

Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Freitag 6. Juli 2018, 22:42

Darna fand es bei der Frage nach weiteren womöglich nachfolgenden Dämonen für einen Moment erfrischend, als sie registrierte, dass der Drache gerade irgendwie ähnlich 'seltsam' zu denken schien, wie sie öfters. Das machte ihn ihr ungewohnt sympathisch.
Doch der Effekt hielt nicht lange.
Verano neigte nach ihrer Frage zum Körperwechsel nur den Kopf ein bisschen zur Seite und betrachtete Darna noch eindringlicher als er es zuvor schon getan hatte. Sie meinte teils, diesen Blick zu kennen, zumindest hatte das sichtlich wachsende Interesse während ihrer Erklärung irgendwie vertraut gewirkt: manchmal hatten sie die Erwachsenen sie so angesehen, wenn sie mit Kentnisse, Interessen oder Gedanken offenbarte, die man nicht von ihr erwartet hätte. Doch die Art, wie er sie dann anguckte, wirkte... seltsam. Ein kalter Schauer rann ihr den Rücken herunter, während sie still den Blick aushielt und flach atmete. Es war ein Moment, in dem sie überhaupt nicht einschätzen konnte, ob die Situation gerade wirklich gefährlich war oder sie nur Angst hatte, oder was ihr Gegenüber tatsächlich dachte.
„Ein interessanter Gedanke. Aber nein, so einfach geht das leider nicht. Verano war ein Geistermagier und eine alte Seele. Ihr seid … zu jung um mich aufzunehmen.“
Damit schien dieses Thema für ihn erledigt.


Die Knappin musste die Aussage sacken lassen. Letztlich hieß das, dass sie sich um ihr eigenes Überleben eines solchen Prozesses keine Gedanken machen musste, was doch so gewisse Vorteile hatte? Aber echte Freude darüber wollte sich - zum Glück - nicht einstellen. Verzweiflung auch nicht - denn immerhin schien es offensichtlich Alternativen zu geben, wenn man die Reaktionen Fiddatans recht deutete.
Neben der anzüglichen Deutung schien es...
Ihre Gedanken stockten und die Augen verengten sich irritiert, während sie Fiddatans Frage, wie lange es noch dauern werde, zwar registrierte, auf sein 'Ich möchte bald los' aber nur entgegenkommend nickte - sie hätte keine genaue Antwort geben können, wie lange.
Aber er war anzüglich ihr gegenüber!
Warum eigentlich?
Nun...
er schien, wenn man sein gesamtes bisheriges Verhalten bedachte, ja allem Avancen zu machen, was weiblichen Geschlechts und bevorzugt jungfräulich zu sein schien. Allzu viel durfte sie also wohl nicht darauf geben. Trotzdem irritierte es sie für diesen Moment, dass sie bei diesen Annäherungsversuchen und Anspielungen genauso viel zu gelten schien wie das zarte hübsche Fräulein Delilah oder die exotische und (wenn sie nicht gerade Hühnerpuschen trug) stilvolle Diplomatin.
...
...
Seltsam.
Naja. Aber wer sollte schon einen Drachen verstehen?
Oder war das etwas, was unter diesen Ausruf "Männer!" fiel? Hm. Verwirrend.

Darna wollte sich gerade umwenden, um zum Schreibzeug zu gehen, als Fiddatan noch anmerkte: „Ich werde mich um die Reise kümmern.“ Chasin, die den Grafen wieder beobachtet hatte, gab abermals einen leisen Laut von sich und er sah sie streng an. Sie senkte den Blick und schwieg.
Darnas Brauen zogen sich zusammen. Die Diplomatin hatte eben erst schon mal ähnlich reagiert, nicht? Und da hatte der Drache überlegt, ob er sie, die Knappin, nicht einfach erschlagen sollte. Gewisser Argwohn regte sich also. Und diese Geheimniskrämereien mochte sie auch nicht. Darna schürzte kurz ein Vorgehen überlegend die Lippen und entschied sich für 'diplomatischer Versuch', bevor sie meinte:
"Das ist sehr freundlich von Euch, Euer Hochgeboren. Auf was sollen wir uns denn dabei einstellen?", und fügte nahtlos an, um nicht bloß eine nächste knappe Antwort zu provozieren:
"Denn wir haben bisher beispielsweise leider nur ausgesprochen langsame Pferde zur Verfügung, die uns nicht einmal gehören, ich bedaure. Ich könnte aber versuchen, bei General von Pappelhain um materielle Unterstützung zu bitten.
Was eine der zwei - nein, drei - Verzögerungen wäre. Dazu das Schreiben und Frau Tesseras.
Was brauchen wir?", und ließ ihren Blick dabei pendeln, dass sie mit 'wir' gerade Delilah, Leon und sich selbst meinte - und Basil, was sie jedoch nicht gesondert ansprach.
Mit was ist er denn von Rugta hierher gekommen?, fragte sie sich dabei und konnte sich nur schwer ein Pferd vorstellen, das nicht nervös bei dieser Präsenz wurde, auch wenn es nur nach einem Menschen aussah. Tiere hatten da ein anderes Gespür. Apropos Rugta... Weiß man hier nun von dem Status der Stadt? Hat Deli ihn gefragt?

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Sonntag 8. Juli 2018, 21:48

"Das ist sehr freundlich von Euch, Euer Hochgeboren. Auf was sollen wir uns denn dabei einstellen?... Denn wir haben bisher beispielsweise leider nur ausgesprochen langsame Pferde zur Verfügung, die uns nicht einmal gehören, ich bedaure. Ich könnte aber versuchen, bei General von Pappelhain um materielle Unterstützung zu bitten... Was brauchen wir?"
Darna ließ ihren Blick während ihrer Überlegungen pendeln. Sie konnte sich nur schwer ein Pferd vorstellen, das nicht nervös bei dieser Präsenz wurde, auch wenn es nur nach einem Menschen aussah. Tiere hatten da ein anderes Gespür und dass ein Drache auf einem Pferd ritt, war schier unvorstellbar. Wie war er also her gekommen? Als hätte der Drache ein gutes Gespür für ihre Gedanken, oder vielleicht war es auch einfach nur naheliegend, dass sie im Rahmen der Reisevorbereitungen daran dachte, erwähnte er tatsächlich ihre zuvor gedachte Frage:
„Wie glaubt ihr, bin ich von Rugta hier her gekommen?“
Er grinste äußerst charmant, setzte sich entspannt hin, stütze die Ellenbogen auf die Knie und hob seine Hände in Brusthöhe an um sie ineinander wie zum Gebet zu verschränken. Dann streckte und beugte er seine Finger ein paar Mal, was entfernt wie ein Flügelschlag anmuten konnte.
Fliegen???



Er brauchte es nicht auszusprechen, die Andeutung war klar genug und vielleicht war es bei den „dünnen“ Wänden hier sogar gut, dass er das nicht tat. Deswegen hatte Chasin also gequiekt. Aber wie? Wie sollte das möglich sein? Er war ein Geist... hatte keinen Körper der sie tragen würde... oder doch? Wie hatte er überhaupt im Rugta gekämpft? Wie hatte er sich so verletzen können? War das Magie? Es gab sicher tausend Fragen, die ihnen durch den Kopf gingen, doch wie das nun mal bei jungen Menschen war, sie wussten nicht alles, waren neugierig und ihr Wissensdurst war manchmal größer als ihre Vernunft. Also warum nicht mit einem Drachengeist fliegen? ...vorausgesetzt, seine Andeutung wurde richtig verstanden. Er lehnte sich entspannt zurück und ließ die Hände auf das weiche Polster der Couch sinken, zupfte verspielt an den Bommeln die der Verzierung dienten.
„Ihr werdet keine Pferde brauchen.“
, fuhr er fast abwesend fort.
„Plant an Gepäck nur ein, was ihr fest am Leib tragen könnt. Was fällt, fällt und wird nicht wieder geholt. Ich werde … vermutlich nicht die ganze Strecke mit einem Mal schaffen, deshalb werden wir Rasten... ruhen... ihr werdet schlafen und …Es wird kalt sein.“
Er hob den Blick von der Borte, die das Sitzmobiliar umrundete und sah zu Darna und dann zu allen anderen.
„Ihr werdet frieren. … Darauf könnt ihr euch einstellen.“
Bild

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