Ein Geheimquartier

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.
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Ein Geheimquartier

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. Oktober 2018, 22:56

(Zanfar kommt von: Jorsas Palast > Gelber Saal - "Es ist Krieg!" )


Sein Unterbewusstsein musste ihm wohl gemeldet haben, dass es an Geräuschen auch etwas zu hören gab, denn kaum gab er sich dieser Tätigkeit bewusst hin, waren die leichten Schritte verbunden im Gang vor der Tür zu 'seinem' Zimmer angelangt.
Es gab einen kurzen Augenblick der Stille und dann wurde die Klinke betätigt wie von jemandem, der wusste, dass offen war - und richtig, es war Franceska. Sie trug einen großen Korb, in dem sich mehrere Sachen befanden, Zanfars Rucksack auf dem Rücken, was irgendwie kurios wirkte und machte einen schwer beladenen Eindruck.
Sie schob sich in das Zimmer, schloss als erstes die Tür und lud dann - gern mit der Hilfe des Nichtgenannten - auf dem kleinen Tisch und den Stühlen diese ganzen Sachen ab:
Sie schien alles, wirklich alles aus seinen Gemächern geholt zu haben, was er an Eigentum hier besaß. Selbst das Lehrbuch in Celcianisch für Garmisch, in dem er in den letzten Tagen immer mal wieder gelesen hatte. Zwei weitere Bücher: eine ausführliche Sammlung von Reiseberichten über Grandessa und einen Trivialroman, zu dem Franceska ihm aber auf ihrer Tafel erklären konnte, dass die Geschichte viel über die 'typischen' Grandessaner und ihre Lebens- und Denkweise verriet. Zudem legte sie ein kleines Säckchen auf den Tisch (Chasins Geschenk) und einen Brief, der von der jungen Lichtmagierin stammte.
Von seiner Flöte bis zu seinen Wechselsachen... alles war vorhanden. Was sich Zanfar nicht gleich erschloss, war, warum sie auch einen nicht unbeachtlichen Stapel Papier, Tinte und Feder offensichtlich für ihn mitgebracht hatte. Sie hatte sogar weitere Verköstigung besorgt, die fürs Erste reichen würde, sofern es ihm nicht nach warmem Essen verlangte.

'Ja. Es kann sein, dass Ihr fürs Erste hier bleiben sollt - bitte', schrieb die Assistentin,
'Walsing bittet Euch inständig, auf ihn zu warten.
Aber oben geht es schlimmer zu, als in einem Taubenschlag.
Es wird dauern. Wohl bis morgen.
Er'

Sie zögerte kurz, kaum merklich,
... 'sagte, ich soll Euch die Zeit hier so
angenehm wie möglich machen.'


War da ein unterdrücktes Schmunzeln in ihrem Mundwinkel? Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr.

Aber sie wurde rasch wieder ernster, wenn Zanfar die Mimik überhaupt richtig gedeutet hatte, denn es schien weitere Informationen zu geben; immer wieder verschwanden die paar Zeilen Kreide unter einem energisch geführten Lappen.
'Ich weiß nicht, ob Walsing preis geben musste,
zu welchem Volk Ihr gehört'

Ihr Blick huschte einmal irgendwie nervös zu ihm und sie wischte diese paar Worte sofort wieder gründlich weg, obwohl noch Platz gewesen wäre, dann schrieb sie weiter:
'aber er konnte die Inquis. davon überzeugen,
dass Ihr noch gebraucht werdet und das
Vertrauen des Königs genießt.'

Sie warf ihm einen bedeutsamen Blick zu,
'aber sie forderten trotzdem, dass Ihr
etwas sozusagen als "Pfand", als
"Vertrauensbeweis" hier lasst.'
Sie wedelte bei dem Wort 'Vertrauensbeweis' unbestimmt mit der Hand, als hätte sie gerade keine besseren Worte dafür. Dann tippte sie auf den Stapel Papier und schrieb weiter auf die Tafel:
'Ihr sollt'
Sie wischte die zwei Worte weg.
'Sie "bitten" Euch, ALLES über die Dunkelelfen, ihre Verbündeten,
ihre Kriegskniffe und Strategien aufzuschreiben, was Ihr wisst,
damit diese Unterlagen hier genutzt werden können, auch wenn Ihr
nach Grandessa geht'
Sie schien kurz flüssig weiter schreiben zu wollen, setzte dann aber einen Punkt dahinter, das Stocken war kaum zu merken.
'Ich soll Euch helfen. Ein paar Sachen hat Walsing mir genannt.'

Sie hielt inne und sah ihn an. Vorsichtig, wachsam - und etwas bedauernd? Was auch immer es zu bedeuten hatte - ihr schien klar zu sein, dass das harter Tobak war und es schien ihr diesmal ein wenig unangenehm zu sein, Überbringerin einer solchen Botschaft zu sein.
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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Sonntag 11. November 2018, 23:36

Es gab einen kurzen Augenblick der Stille und dann wurde die Klinke betätigt wie von jemandem, der wusste, dass offen war - und richtig, es war Franceska. Sie trug einen großen Korb, in dem sich mehrere Sachen befanden, Zanfars Rucksack auf dem Rücken, was irgendwie kurios wirkte und machte einen schwer beladenen Eindruck.
Sie schob sich in das Zimmer,
und der Nichtgenannte stand in flüssiger Bewegung auf. Wenn es sie erschreckte, dass er direkt hinter der Tür erschien, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie hatte gerade mit dem Ellenbogen die Türe geschlossen, da nahmen ihr flinken Hände mit einem Freundlichen:
„Wenn ihr erlaubt.“,
den schweren Korb aus den Händen.

Der Inhalt des Korbes und der Große Rucksack, der auch auf dem Tisch landete, wurden kritisch beäugt.
Sie schien alles, wirklich alles aus seinen Gemächern geholt zu haben, was er an Eigentum hier besaß. Selbst das Lehrbuch in Celcianisch für Garmisch, in dem er in den letzten Tagen immer mal wieder gelesen hatte. Zwei weitere Bücher: eine ausführliche Sammlung von Reiseberichten über Grandessa und einen Trivialroman, zu dem Franceska ihm aber auf ihrer Tafel erklären konnte, dass die Geschichte viel über die 'typischen' Grandessaner und ihre Lebens- und Denkweise verriet. Zudem legte sie ein kleines Säckchen auf den Tisch (Chasins Geschenk) und einen Brief, der von der jungen Lichtmagierin stammte.
Von seiner Flöte bis zu seinen Wechselsachen... alles war vorhanden. Was sich Zanfar nicht gleich erschloss, war, warum sie auch einen nicht unbeachtlichen Stapel Papier, Tinte und Feder offensichtlich für ihn mitgebracht hatte. Sie hatte sogar weitere Verköstigung besorgt, die fürs Erste reichen würde, sofern es ihm nicht nach warmem Essen verlangte.


Überrascht hob er die Augenbrauen unter der Maske.
Bin ich gerade umgezogen worden?
Einige Fragen erwartend schrieb Franceska.

'Ja. Es kann sein, dass Ihr fürs Erste hier bleiben sollt - bitte', schrieb die Assistentin,
'Walsing bittet Euch inständig, auf ihn zu warten.
Aber oben geht es schlimmer zu, als in einem Taubenschlag.
Es wird dauern. Wohl bis morgen.
Er'
Sie zögerte kurz, kaum merklich,
... 'sagte, ich soll Euch die Zeit hier so
angenehm wie möglich machen.'

War da ein unterdrücktes Schmunzeln in ihrem Mundwinkel? Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr.

Unter der Maske hob sich eine Augenbraue des Nichtgenannten. Ich bin mir nicht ganz sicher was du und er damit meinten … und ob wir dabei dieselben Ideen haben …
Aber sie wurde rasch wieder ernster, wenn Zanfar die Mimik überhaupt richtig gedeutet hatte, denn es schien weitere Informationen zu geben; immer wieder verschwanden die paar Zeilen Kreide unter einem energisch geführten Lappen.
'Ich weiß nicht, ob Walsing preis geben musste,
zu welchem Volk Ihr gehört'


Er erstarrte bewegungslos und war froh, die Nachricht in so einem entspannten Zustand zu hören. Trotzdem las sein Verstand den Satz zuerst ohne ‚ich weis nicht‘ und ‚ob‘. Erst nach einem zweiten Blick wurde ihm klar, dass sie nicht geschrieben hatte DAS Walsing sein Volk preisgegeben hatte, sondern, dass sie unsicher darüber war, ob. Aber allein die Möglichkeit ließ ihn kurz dir Türe beäugen und seine Chancen auf Flucht abzuschätzen.

Ihr Blick huschte einmal irgendwie nervös zu ihm und sie wischte diese paar Worte sofort wieder gründlich weg, obwohl noch Platz gewesen wäre, dann schrieb sie weiter:
'aber er konnte die Inquis. davon überzeugen,
dass Ihr noch gebraucht werdet und das
Vertrauen des Königs genießt.'
Sie warf ihm einen bedeutsamen Blick zu,
'aber sie forderten trotzdem, dass Ihr
etwas sozusagen als "Pfand", als
"Vertrauensbeweis" hier lasst.' Sie wedelte bei dem Wort 'Vertrauensbeweis' unbestimmt mit der Hand, als hätte sie gerade keine besseren Worte dafür. Dann tippte sie auf den Stapel Papier und schrieb weiter auf die Tafel:
'Ihr sollt'
Sie wischte die zwei Worte weg.
'Sie "bitten" Euch, ALLES über die Dunkelelfen, ihre Verbündeten,
ihre Kriegskniffe und Strategien aufzuschreiben, was Ihr wisst,
damit diese Unterlagen hier genutzt werden können, auch wenn Ihr
nach Grandessa geht' Sie schien kurz flüssig weiter schreiben zu wollen, setzte dann aber einen Punkt dahinter, das Stocken war kaum zu merken.
'Ich soll Euch helfen. Ein paar Sachen hat Walsing mir genannt.'

Sie hielt inne und sah ihn an. Vorsichtig, wachsam - und etwas bedauernd? Was auch immer es zu bedeuten hatte - ihr schien klar zu sein, dass das harter Tobak war und es schien ihr diesmal ein wenig unangenehm zu sein, Überbringerin einer solchen Botschaft zu sein.


Er hatte weiterhin bewegungslos verharrt und sich gezwungen, jeden ihrer Sätze konzentriert zu lesen. Das Obst drohte ihm aus den Tiefen seines Magens einen säuerlichen Gruß zu ‚übergeben‘. Er schluckte, schloss die Augen und beschwor das Bild langsam fallender Kirschblüten im Sonnenschein vor sein inneres Auge.
Fallende Kirschblüten … ein sehr maskuliner Beruhigungsansatz.
Er räusperte sich und wollte eine Frage stellen, hielt aber mit offenem Mund inne, weil ihm die Frage sofort wieder entfiel. Zum Glück war der offene Mund unter der bronzenen Maske nicht zu sehen. Er räusperte sich ein weiteres Mal und sagte:
„Verstehe.“
Nichts … ich verstehe nichts! Kann er mir überhaupt die Inquisition vom Leib halten?! Klingt so, als wäre er selbst tief im Dreck … und was heißt, dass er vielleicht die Identität meines Volkes verraten musste?! Musste er oder musste er nicht?!
Unangenehmes und angespanntes Schweigen machte sich breit, während er sich mit Gewalt zurück in einen annähernd ruhigen Zustand brachte. Fallende Kirschblüten könnten dabei eine tragende Rolle gespielt haben.

„Wie schade, dass ich Eure reizende Gesellschaft aus einem so unangenehmen Grund genießen ‚darf‘.“
Seine Stimme klang schärfer, als er beabsichtigt hatte. Franceska traf schließlich überhaupt keine Schuld. Er lehnte sich mit der Schulter gegen eine Wand, Arme und Beine verschränkt, was die eigentlich lässige Pose zu einer offensichtlichen Lüge machte – zumindest für diejenigen, die in der Kunst bewandert waren, Körpersprache zu lesen.
Der Dunkelelf war sich sicher das die junge Frau diese vortrefflich beherrschte, aber konnte sich nicht dazu zwingen, eine gelassene Pose einzunehmen.

Er hatte den Brief von Delilah und das Schatzkästchen von Chasin gesehen und ein Teil von ihm wollte nichts lieber, als beide sofort zu öffnen. Aber er wusste auch, dass Beide das Potential hatten, ihn aus der Bahn zu werfen, also ließ er sie fürs erste wo sie waren. Auch wenn er eine Ablenkung gerade gut gebraucht hätte.

„Es ist bedauerlich, dass ihr nicht wisst, ob er mein Volk verraten musste. Ich wüsste zu gern, ob ich bei den angeforderten Informationen noch darauf achten muss, dass man nicht herausliest, was ich bin.“
Er holte tief Luft und stieß sich von der Wand ab. Dann wanderte er zu seinen Sachen und griff nach der Flöte. Gedankenverloren musterte er die winzigen präzisen Zeichen, die auf das rötliche lackierte Holz gezeichnet waren. Er zog beiden Handschuhe aus, steckte sie in seinen Gürtel und testete den Griff der Flöte. Währenddessen fuhr er fort.
„Nicht das ich nicht ein ausgesprochenes Talent dafür hätte, meine Gruben selbst zu graben … aber diese hier scheint mir schon Tief genug, als das ich meine eigenen Spatenstiche hinzufüge.“
Das Geschenk ist eine Querflöte. Interessant.
Stellte er fest. Für gewöhnlich hatte er eine einfache Hirtenflöte bei sich, aber er hatte durchaus auch andere Flöten zu spielen gelernt, auch wenn er nie eine selbst besessen hatte.
„Die Informationen, die ein dunkelelfischer adliger Spross über das Militär und die Strategien der Dunkelelfen hat und die, die ein Sklave – selbst mit höherem Rang, hat, sind doch äußerst unterschiedlich.“
Er zuckte mit den Schultern und ließ seine Finger in einer imaginären Tonleiter über die Grifflöcher tanzen.
Fasst sich gut an.
„Was natürlich nur jemand erkennt, der halbwegs informiert über die dunkelelfische Gesellschaft ist.“
Er sah von der Flöte auf und musterte Franceska.
„Mit welchem Informationsstand darf ich da ungefähr rechnen?“

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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Erzähler » Montag 26. November 2018, 09:51

Zanfar erfuhr über Franceska von den "Verhandlungen", die Walsing mit der Inquisition über ihn geführt zu haben schien. Schon allein die Möglichkeit, dass seine Herkunft verraten worden sein könnte, ließ ihn kurz die Türe beäugen und seine Chancen auf Flucht abschätzen.
Hier unten? Da waren die Chancen fantastisch, so bald er sich in den Gängen befand und so lange er gegen jemanden antrat, der sich hier genau so wenig auskannte wie er. Andernfalls brauchte der Nichtgenannte eine gehörige Portion Glück oder er würde selber hoffnungslos ausmanövriert werden.

Apropos 'ausmanövriert'...
Was die stille Spionstochter ihm alles mit flinken Kreidestrichen übermittelte, drohte ihm den Magen umzudrehen und forderte seine Übungen zur innerlichen Beruhigung heraus. Er zwang sich, gelassen zu bleiben, was nicht ganz so perfekt wie gewünscht klappte. Sein
„Verstehe.Wie schade, dass ich Eure reizende Gesellschaft aus einem so unangenehmen Grund genießen ‚darf‘.“ geriet schärfer, als er beabsichtigt hätte.
Franceska wandte den Blick direkt zu seinem Gesicht und kurz glaubte Zanfar, ein verstimmtes Kräuseln ihrer Lippen zu beobachten - ob sie sich ärgerte, dass die Maske seine Mimik verbarg? Er lehnte sich mit der Schulter gegen eine Wand, Arme und Beine verschränkt, was die eigentlich lässige Pose zu einer offensichtlichen Lüge machte – zumindest für diejenigen, die in der Kunst bewandert waren, Körpersprache zu lesen. Entsprechend kam es ihm gegenüber der braunhaarigen jungen Frau prompt auch wie eine Lüge vor, aber wenigstens schien sie ziemlich viel Verständnis für ihn übrig zu haben.
„Es ist bedauerlich, dass ihr nicht wisst, ob er mein Volk verraten musste. Ich wüsste zu gern, ob ich bei den angeforderten Informationen noch darauf achten muss, dass man nicht herausliest, was ich bin.“
Ihre Stirn furchte sich. Sie schien kurz nachzudenken und wohl irgendwie einen Einwand gegen diese Worte zu haben, doch behielt sie ihn naturgemäß zunächst für sich. Zanfar wusste selber nur zu gut um die Vorteile, die es haben konnte, wenn man schwieg - und nicht gleich alles aussprach, was man dachte. So beobachtete sie ihn nur und ließ ihm Zeit, sich auf die neue Situation einzulassen.

„Die Informationen, die ein dunkelelfischer adliger Spross über das Militär und die Strategien der Dunkelelfen hat und die, die ein Sklave – selbst mit höherem Rang, hat, sind doch äußerst unterschiedlich. Was natürlich nur jemand erkennt, der halbwegs informiert über die dunkelelfische Gesellschaft ist." Er sah von der Flöte auf und musterte Franceska. "Mit welchem Informationsstand darf ich da ungefähr rechnen?“

"Mit dem der Sklaven."
Franceska hatte kurz gezögert, was danach die geschriebenen Worte umso knapper wirken ließ. Sie sah ihn kurz an und schien die Worte wirken lassen zu wollen, bevor sie schrieb:
"Wenn ich Euch einen Rat geben darf:
Egal, ob man von Euch weiß oder nicht,
Ihr solltet den Bericht einfach so
unpersönlich lassen, wie es geht.
Die Wenigsten werden Verbindungen
zu Euch selbst ziehen können, und diese
kann Walsing aufhalten.
Wir wissen, was Warge sind. Und was sie können.
Aber was sind ihre Schwächen? Haben sie
welche, die man nicht so schnell erkennt?
"
Sie setzte drei Punkte unter die letzte Frage, wohl um zu verdeutlichen, dass sie es als weiterführendes Beispiel meinte.
"Ich weiß, dass Eure Informationen veraltet
sind.
" Sie warf ihm einen vorsichtigen Blick zu.
"Aber Ihr werdet trotzdem Dinge wissen, die im
Krieg für uns von unschätzbarem Wert sein können.
"
Ihre Hand schwebte einen längeren Moment über der Tafel. Dann ließ sie sie sinken.
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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Dienstag 1. Januar 2019, 21:24

Zanfar las ruhig, was Franceska ihm mitteilte und nickte dann. Alles was und wie die ‚Assistentin‘ schrieb fühlte sich danach an, als wären sie – und auch ihr Vater – auf seiner Seite. Er befürchtete, dass dieses Gefühl eher daher rührte, dass er diesen Zustand herbeiwünschte, als dass es aus Tatsachen entsprang.

‚Du vertraust viel zu schnell, kleiner Bruder.‘

Erinnerte er sich an einen liebgewonnen Satz Ulynes, seiner verstorbenen Zwillingsschwester. Er seufzte und legte die Flöte in seinen Händen zurück in ihr Etui.

„Wohlan denn … Zeit …“

Den letzten Nagel in meinen Sarg zu schlagen.

Er schluckte schwer.

„Der Inquisition ein paar Happen zuzuwerfen. Wollen wir hoffen, dass sie helfen, Morgherias vorstoß ein Ende zu setzen und Pelgar zu befreien.“
Sein Magen flatterte.

Hochverrat. Du wirst Hochverrat begehen. Bisher warst du ihnen egal. Wenn sie heraus bekommen, dass du dem Feind Informationen zuspielst, bist du ein toter Mann!

Wesentlich ruhiger als er erwartete, griff er nach einem Bogen Papier und der Feder und begann in Stichpunkten zu notieren, was er für wichtig genug hielt:

Orks – schwächen, stärken
Warge – schwächen, stärken
Dunkelelfen – schwächen, stärken
Gifte – bekannteste/üblichste -> mögli. Gegengifte
Waffen - bekannteste/üblichste
Sklaven
Adelshäuser
Befehlsstruktur

Es rauschte in seinen Ohren und er erinnerte sich kaum, die Punkte notiert zu haben, die ihm auf dem Bogen entgegen starrten.

-

„Schau nur mein Schatz, der Mann hat unseren dunklen Herrscher verraten!“
Seine Mutter legte ihm die Hand auf die Schulter und deutete auf einen abgemagerten Dunkelelfen, der an ein einen Balken gekreuzigt worden war. Alten Narben und neuen Wunden übersäht seinen nackten dürren Körper. Sein Bauchraum war geöffnet worden und die dunkle stinkende Schlingen seiner Gedärme breiteten sich zu seinen Füßen aus. Erstand kurz vor seinem Tod.
„Kurz bevor er stirbt, werden sie ihn heilen. Er verdient keinen schnellen Tod.“
Fuhr die Dunkelelfe fort und deutete auf eine stoische Elfe, die eine der wenigen Lichtmagierinnen in Morgheria war.
Der kleine junge zwang sich dazu, dass grauen ausdruckslos zu Mustern. Er war loyal, er musste so etwas nicht fürchten.
Als der gekreuzigte den Kopf hob, trug er Zanfars Gesicht.


-

Ein tropfen Tinte landete auf dem Wort ‚Befehlsstruktur‘. Seine Hand hatte darüber innegehalten und zitterte leicht.
Mit unsicherer Hand strich er die letzten zwei Punkte durch.

Seine Finger waren Tintenbefleckt und er starrte die dunkle glitzernde Flüssigkeit einen Moment an, für einen Augenblick war es fast, als wäre sie rötlich. Er holte tief Luft und wischte sich dann bedächtig die Hände mit einem Tuch ab, so dass er keine weiteren Tintenflecken hinterließ. Geduldig machte er sich zu eigen, was er in der Zeit mit der strukturierten und analytischen Tha’Roon gelernt hatte und schrieb nieder, was er an Stichpunkten notiert hatte. Oder zumindest, dass, von dem er ausging, dass es ein Sklave gewusst hätte. Er schrieb schweigend und konzentriert, die schlanke hochgewachsene Frau vor Augen, die ihm so manches Mal den letzten Nerv gekostet hatte, wie sie bar jeder Emotion Fakten rezitierte und analysierte, egal wie bewegend oder erschreckend sie sein mochten. Jetzt dankte er ihr innerlich für den anderen Ansatz und versuchte mit aller Macht, einen ebensolchen Zustand zu erreichen.

Ein nicht unerheblicher Stapel aus vollgeschriebenen Bögen lag neben ihm. Er hatte seitenweise Text verworfen und neu formuliert, bis jedwede Emotion, jedwede Verbindung zu der Person hinter dem Wissen ausgemerzt war, jedes Wort auf den Punkt traf und in so verständlich wie möglich formuliert war.

Dazu hatte er immer wieder die junge Frau gebeten, seine Texte zu lesen, damit er Wissenslücken schließen konnte, die ihm nicht aufgefallen waren.

Er fühlte sich leer und ausgelaugt. Vor ihm lagen, fein säuberlich mit Sand abgelöscht und auf einzelnen Stapeln organisiert, die Fakten über Warge, wie man sie ablenkte und wie man sie am besten tötete, wo ihre Schwächen lagen und was zu ihren größten Stärken gehörte. Wie man einen Ork am besten Besiegte und welche Tricks man anwandte, wenn man einen Dunkelelfen in die eigene Falle laufen lassen wollte. Wie die Dunkelelfen Sklaven behandelten und wozu und wie sie sie einsetzten. Dass viele der niederen Arbeiten auf ihren Rücken lagen und wie sie das schwächste Glied in der Kette sein konnten.

Alles in allem hätte jeder langjährige Sklave Morgherias ähnliches Wissen sammeln können – sofern er denn genug bei Verstand blieb und an den richtigen Orten eingesetzt wurde. Und sofern er genug Auge fürs Detail und genug Bildung besaß.

Bildung … das konnte er nicht verbergen. Aber es lag auch auf der Hand, nicht wahr? Spätestens nachdem man ihn hatte reden hören, war klar, dass er kein Idiot war.

Müdigkeit ließ seinen Blick verschwommen werden und er wollte nichts weiter, als zu schlafen. Aber da gab es noch Briefe, die er lesen wollte, bevor er ruhe finden konnte. Aber als allererstes musste er seine Notizen loswerden.

Zanfar suchte alle übrig gebliebenen Bögen zusammen und stand müde auf.

„Die hier müssen verbrannt werden.“

Stellte er fest und hoffte, dass es in dem Nebenzimmer einen Kamin gab. Er würde die Papiere auf gar keinen Fall aus der Hand geben, selbst wenn der Großteil mit chaotischen Notizen und Gedankenfetzen gefüllt war. Im Gegensatz zu Chasin war er kein geordneter Geist.

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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Erzähler » Montag 14. Januar 2019, 12:16

Egal, ob Franceska wirklich auf seiner Seite war oder Zanfar Wunschträumen hinterher jagte: sie unterstützte ihn vorbildlich, während er dabei war, endgültig und schwarz auf weiß zum Verräter an seinem Volk zu werden.
Sie blieb die allermeiste Zeit bei ihm, las mit, was er schrieb und schien selber die Informationen dabei hochinteressiert aufzusaugen. Mit kurzen Anmerkungen auf ihrer Tafel, häufig nur Stichworten, half sie ihm, seine Gedanken und Ausführungen in die richtige Bahn zu lenken oder Lücken frühzeitig zu bemerken, die einem unwissenden Leser Probleme bereitet hätten. Sie stellte zwei, drei Fragen, die den Dunkelelfen Dinge erklären ließen, die er sonst für zu selbstverständlich gehalten hätte. Die Hilfe der Assistentin war nicht immer schön, denn sie bat ihn auch, sich über die gängigsten Foltermethoden seines Volkes auszulassen, was seiner Fantasie auf unschöne Art zuträglich war.

Auch bat sie ihn, Namen einflussreicher Dunkelelfen oder Postenträger zu nennen, selbst wenn die Informationen veraltet sein mochten. Hier aber waren weitere Verhandlungen nötig: Franceska musste ihm ausdrücklich versprechen, dass diese delikaten Einblicke nicht an die Inquisition gingen - vor allem, dass sie nicht auf ihn, Zanfar, zurück fielen! - sondern nur für Walsing bestimmt wären. Doch dann füllten sich auch Zeilen mit den Namen der Adelshäuser. Mit den wichtigsten Fehden und Bündnissen und mehrfach der Anmerkung, dass sich sowas schnell ändern konnte und bei Dunkelelfen prinzipiell stets Mittel zum Zweck war, aber einige Konstanten gab es doch, und nicht alles würde sich in fünfzehn Jahren geändert haben... es kam auf Papier.

So groß konnte die Kupfermaske gar nicht sein, um immer zu verbergen, wie er litt. Und wäre er nicht selber eines der Monster gewesen, das er nicht mehr sein wollte, wenn es ihn emotional nicht berührt hätte, was er hier tat? Und wenn es nur Angst vor den möglichen Konsequenzen war...
Irgendwann spürte er, nachdem Franceska dicht neben ihm sitzend wieder mitgelesen hatte, wie sie aufstand, direkt bei ihm bleibend hinter ihn schob.. und dann fühlte er, wie ihre Hände in einer fast tröstlichen Geste über seine Schultern strichen. Sie begann, ihn zu massieren, was bei dem dicken Stoff seines Überwurfs nicht die beste Effiktivität bewies, aber es ging gerade wohl mehr um die Absicht. Zanfar merkte dabei, dass sie durchaus einige Muskelstränge zu lockern gehabt hätte, wenn sie.. direkt an der Haut hätte arbeiten können.
Passierte das wirklich, was sie da gerade tat? Sie massierte einen Dunkelelfen? Das tat sie sicher nicht mit jedem Staatsverräter. Und was sollte das?

Nicht, dass ihre Aufmerksamkeiten nicht angenehm gewesen wären: Sie verschwand ab und zu kurz, um ihm etwas zu trinken zu bringen. Als es Zeit war, etwas anständiges zu essen gebrauchen zu können, erkundigte sie sich, was er haben wollte und kam selbst, wenn er bekundete, dass ihm das gleich wäre, mit einem Gericht zurück, von dem bekannt gewesen wäre, dass es als Verköstigung für die Diplomatin - also eigentlich ihn - beliebt gewesen war.
Er kannte von Chasin dieses Gefühl, dass es keine Geheimnisse gab, die man lange für sich behalten konnte, aber das hier war... gewöhnungsbedürftig. Oder vielleicht auch nicht. In Morgheria gehörte sowas zu den normalsten Dingen der Welt. Menschen, selbst "die Guten" konnten das aber wohl auch.

Ein nicht unerheblicher Stapel aus vollgeschriebenen Bögen lag neben ihm. Er hatte seitenweise Text verworfen und neu formuliert, bis jedwede Emotion, jedwede Verbindung zu der Person hinter dem Wissen ausgemerzt war, jedes Wort auf den Punkt traf und so verständlich wie möglich formuliert war.
"Hilft es Euch, wenn ich Euch sage, dass Eure Worte Leben retten werden?", schrieb Franceska auf ihre Tafel und schenkte ihm ein schiefes tröstliches Lächeln - sie wusste selber, dass es hier nicht viel schön zu reden gab und er nicht so naiv war, sich jetzt wie ein Held zu fühlen.
Aber sie nickte verstehend, als er forderte, die Notizen zu verbrennen und verschwand ein mal mehr in dem angrenzenden Zimmer. Was Zanfar bisher durch den Türspalt an Einblicken erhascht hatte, war, dass dahinter ein wohnlicherer Bereich als dieses Zimmer hier zu liegen schien, aber der Zweck, was das nun war, war bisher bestenfalls Vermutung.
Die Assistentin kam mit einem Gestell zurück, das mithilfe einer Öllampe mit drei Flammen und einem dünnwandigen Topf dazu verwendet werden konnte, sich etwas Wasser zu kochen, für Tee oder anderes. Das war recht langwierig, aber funktionierte. Jetzt aber sollte der Topf offenbar als Feuerschale herhalten, denn nach und nach zerriss Franceska in seinem Beisein die benannten Notizpapiere, zündete sie an einer Kerze an und ließ sie im Topf verbrennen. Was übrig blieb, verkohlte das Feuer unter dem Topf bis zur Unkenntlichkeit. Das war immerhin sicherer als ein Kamin, in dem Fragmente des Papieres unverbrannt liegen bleiben oder weg geweht werden könnten, auch wenn es Geduld erforderte. Franceska tat das offensichtlich nicht zum ersten Mal.

Als Zanfar alles erledigt hatte, was er noch für notwendig hielt, sah er, wie Franceska mit ihrem Gesäß auf die Tischkante gestützt lehnte und mal wieder etwas auf ihre Tafel schrieb.
Ihre Haltung hatte sich während der vergangenen Stunden geändert, auch wenn es nur subtil war: sie wirkte inzwischen wesentlich entspannter. Mit einer dienstlichen Haltung hatte das hier jedenfalls nichts mehr zu tun. Erst recht nicht ihr Blick und das verhaltene wie kesse Schmunzeln in ihrem linken Mundwinkel, als sie ihm das Geschriebene hin hielt:
"Und was soll Euer Lohn sein,
Nichtgenannter?
Was können wir für Euch Gutes tun,
nachdem Ihr uns so geholfen habt?
Kann ich Euch irgendwie entgegen kommen?
"

'Entgegen kommen'... Meinte sie das ernst?! Sein Hormonhaushalt ließ einen Teil seiner Müdigkeit verfliegen, als seine Leistengegend da eine Bedeutung hinein interpretieren wollte, die körperliche statt geistige Arbeit erfordern würde.
Selbst, wenn er es nicht glauben wollte oder sich dagegen entschied: Sollte die Assistentin gerade nicht beabsichtigen, mit ihm mindestens zu flirten, konnte er seine jahrzehntelange Erfahrung und Ausbildung im Deuten von Körpersprache für gescheitert und vergessen erklären!
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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 21. Januar 2019, 21:00

Mit jedem Wort, jeder aus dem Gedächtnis gekramten Information tauchte ein Stück ungewollter Erinnerung aus der Tiefe auf. Zuerst hatte der Nichtgenannte mit aufsteigender Panik gekämpft, als er sich bewusst machte, dass er jetzt völlig zum Verräter wurde, aber schon bald trat die Angst in den Hintergrund.

Mit jedem Detail, an das er sich Erinnerte tauchten Bilder in seinem Inneren auf. Bilder, die er dereinst mit anderem Blick gesehen hatte und die ihm jetzt grausige Wahrheiten offenbarten. Er hatte sich immer gefragt, ob der vermeidende Umgang der Nichtgenannten mit der Vergangenheit vielleicht ein Fehler war … ob es nicht besser war, sich selbst mit seinen Taten zu konfrontieren.

Trotz dieser bedenken hatte er den Schritt dazu nie gewagt. Ganz offenbar aus gutem Grund!

Denn während er mehr ins Detail ging und mit Franceska scheinbar sachlich über Sklaverei, Folter und dunkelelfische Politik sprach, da begrüßten ihn zwei alte Freunde, die er vergessen hatte.

Selbsthass und Abscheu.

Ihm wurde Schlecht und einige Mal musste er den Instinkt niederkämpfen, zu fliehen und das alles hinter sich zu lassen. Dass die junge Frau dabei niemals vor ihm zurückschreckte, sich sogar vertraut mit ihm über das Dokument beugte und ihm schließlich freundlich über den Rücken strich half ihm, Haltung zu wahren – aber es löste auch einige Verwirrung über ihr Verhalten aus.

Dabei meldete sich nicht einmal sein Stolz, der sicher für gewöhnlich Einwände dagegen gehabt hätte, dass sie seine Schwäche erkannte.
Am liebsten hätte er seinen Überwurf ausgezogen und statt sich die Finger wund zu schreiben von Franceska massieren zu lassen. Aber er war nicht hier, um sich verwöhnen zu lassen und die Assistentin des Spionage Meisters war nicht hier, um ihm zu Gefallen.

Sie sorgt nur dafür, dass ich bei der Stange bleibe und brav alles an Informationen niederschreibe, was ich kann. Ich bin ein Werkzeug, nichts weiter.

Und doch … sie war einfühlsam … oder sah man ihm einfach so sehr an, wie sehr ihm das alles zu schaffen machte? Aber dass sie ihn sogar berührte, sich entspannte … konnte sie so gut Schauspielern? Musste sie das, damit er weiter machte? Seine Gedanken drehten sich im Kreis.

Hätte es die junge Frau nicht gegeben, Zanfar hätte nichts gegessen und seine Antwort auf einen Essenswunsch war verneinend. Das Essen schmeckte – dafür dass er es eigentlich wirklich mochte – fast fade und er wusste, dass es nicht am Koch lag. Die Tatsache, dass sie so gut Informiert war, hätte ihn sicher zu einem anderen Zeitpunkt überrascht, aber gerade war es ihm gleichgültig.

Als das letzte Blatt abgelöscht war und die Feder auf dem Tisch zum liegen kam, sah Franceska ihn an und sagte:
"Hilft es Euch, wenn ich Euch sage, dass Eure Worte Leben retten werden?", schrieb Franceska auf ihre Tafel und schenkte ihm ein schiefes tröstliches Lächeln - sie wusste selber, dass es hier nicht viel schön zu reden gab und er nicht so naiv war, sich jetzt wie ein Held zu fühlen.
Unter der Maske erwiderte er ihr Lächeln müde. Im Moment waren die Worte ein bitterer Trost – aber nicht, dass jemand um sein Wohlergehen besorgt war und ihn aufmuntern wollte. Das half.

Als Franceska ohne wiederworte Gerätschaften organisierte, um die Papiere zu verbrennen, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Ein kleiner Teil von ihm hatte befürchtet, dass sie ihm den Wunsch versagen würde. Und ehrlichgesagt war da gerade nicht mehr genug Widerstand in ihm, um mit ihr darüber zu streiten. Stattdessen baute sie den Topf auf und zerriss fein säuberlich alle Notizen für Zanfar. Er sah dem Papier dabei zu, wie es schnell zu schwarzer Asche verbrannte und ein Stück der Anspannung fiel von ihm ab.

Vorbei, es ist vorbei. Für mindestens die nächsten Stunden muss ich nicht mehr darüber nachdenken …

Das Verbrennen erinnerte an ein Ritual und es war hypnotisierend den schlanken geübten Händen der Spionin dabei zuzusehen. Zanfar nutzte die Momente des Nichtstun um seinen Verstand zur Ruhe zu bringen.

Als alles getan und aufgeräumt war, lehnte sich die junge Frau an den Tisch und schrieb ein paar Zeilen auf ihre Tafel.

Ihre Haltung hatte sich während der vergangenen Stunden geändert, auch wenn es nur subtil war: sie wirkte inzwischen wesentlich entspannter. Mit einer dienstlichen Haltung hatte das hier jedenfalls nichts mehr zu tun. Erst recht nicht ihr Blick und das verhaltene wie kesse Schmunzeln in ihrem linken Mundwinkel, als sie ihm das Geschriebene hin hielt:
"Und was soll Euer Lohn sein,
Nichtgenannter?
Was können wir für Euch Gutes tun,
nachdem Ihr uns so geholfen habt?
Kann ich Euch irgendwie entgegen kommen?"

'Entgegen kommen'... Meinte sie das ernst?! Sein Hormonhaushalt ließ einen Teil seiner Müdigkeit verfliegen, als seine Leistengegend da eine Bedeutung hinein interpretieren wollte, die körperliche statt geistige Arbeit erfordern würde.
Selbst, wenn er es nicht glauben wollte oder sich dagegen entschied: Sollte die Assistentin gerade nicht beabsichtigen, mit ihm mindestens zu flirten, konnte er seine jahrzehntelange Erfahrung und Ausbildung im Deuten von Körpersprache für gescheitert und vergessen erklären!


Er hätte es selbst nicht für möglich gehalten, aber diese kecke Frage ließ doch wieder Energie durch seine müden Glieder jagen. Fast wäre er sofort auf ihre Anfrage angesprungen, aber dann meldete sich sein Misstrauen.

Was können wir Euch Gutes tun … wir. Hat Wahlsing sie tatsächlich angewiesen, mich SO zu unterhalten? Aber im Moment ist es nur eine Andeutung … allerdings hat sie mich gerade auch äußerst vertraut berührt … und die Art wie sie sich gibt … ist dass die Spionin, die mich fragt, oder die Frau?

Ungläubig musterte er die Zeilen, die sie niedergeschrieben hatte und bemerkte einige Momente nicht, dass er sie misstrauisch musterte.

Uh aus der Übung … ich bin so etwas von aus der Übung … aber vielleicht ist es besser Misstrauisch zu sein.

Der äußerst vernachlässigte recht körperlich orientierte Teil seiner selbst, der die letzten fünf Jahre auf der Ersatzbank verbracht hatte, stieß ein kleines wimmern aus.

„Wenn mich die Assistentin des Spionage Meisters fragt, was mein Lohn sein soll, so ist die Antwort: Ich bin mir sicher, dass ich in der Zukunft den ein oder anderen Gefallen gebrauchen werden kann.“
Antwortete er nüchtern und bereute zugleich, die junge Frau so hart abblitzen zu lassen. ER mochte sie, mochte die Wärme die sie ausstrahlte und ihren wachen klugen Geist.

Er lehnte sich neben sie an den Tisch und bemerkte zum wiederholten Male, dass die Jorsaner ein wirklich hochgewachsenes Volk waren. Er war noch immer etwas größer als sie, aber nicht viel. Zwischen ihrer beider Schultern hätte kaum ein Bogen Papier gepasst.

„Wenn Franceska mich fragt was sie tun kann, damit ich auf andere Gedanken komme, dann würde meine Antwort vermutlich anders ausfallen.“
Stellte er in vertrauterem Ton etwas Vager fest und sah sie aus dem Augenwinkel an.

Er hätte sie gern gefragt, wie um Himmelswillen es passieren konnte, dass sie sich bei dem ‚Gesprächsthema‘ der letzten Stunden in seiner Anwesenheit hatte entspannen können. Sie musste doch Ahnen, dass viele der Informationen aus Erfahrung und Erlebtem kamen … und dass er nicht zu den Opfern gehört hatte. Und in Morgheria bedeutete das, dass man Täter war.

Hatte sie sich entspannt, weil er Kooperierte? Weil er ihr Leid tat?
Er wurde nicht aus ihr Schlau, was ihn zögerlich und unsicher machte. Und DAS durfte er sie auf gar keinen Fall merken lassen. Man bekam das Mädchen doch nicht, weil man das schüchterne Mauerblümchen spielte! Auch wenn er vermutlich sogar damit glücklich gewesen wäre, sich einfach nur mit ihr zu Unterhalten und mehr über sie zu Erfahren.
Ugh … wie soll ich jemals zurück in die Mentalität eines Dunkelelfen finden? Ulyne hätte mich schallend ausgelacht und mir dann den Gnadenstoß verpasst!

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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 28. Februar 2019, 23:19

„Wenn mich die Assistentin des Spionage Meisters fragt, was mein Lohn sein soll, so ist die Antwort: Ich bin mir sicher, dass ich in der Zukunft den ein oder anderen Gefallen gebrauchen werden kann.“
Für einen Moment wurde Zanfars Gegenüber fast schlagartig ernst und sie betrachtete ihr für einen ebenso kurzen Moment forschend. Ihre Hand langte wieder nach ihrer Tafel und sie blieb entspannt, als er sich neben sie lehnte. Oder? Ein ganz leiser Sinn in ihm meldete dem Dunkelelfen, dass das nicht ganz die echte Art von vertrauter Gelassenheit war, die Chasin gezeigt hätte. Bevor er die Tha'roon als Vertraute gewonnen hatte, hätte er den Unterschied aber nicht einmal zu benennen gewusst.
„Wenn Franceska mich fragt was sie tun kann, damit ich auf andere Gedanken komme, dann würde meine Antwort vermutlich anders ausfallen“, stellte er in vertrauterem Ton etwas vager fest und sah sie aus dem Augenwinkel an.
Da kehrte er zurück: der vertiefte Mundwinkel. Zumindest so lange, bis die Kreide wieder über ihre Tafel huschte und weiße Linien hinterließ:

"Die Assistentin versteht Euch gut.
Und gibt Euch einen Rat:
"
Die junge Frau überlegte kurz und strich sich beiläufig eine Haarsträhne hinters Ohr, ehe sie mit ernst gefurchter Stirn weiter schrieb und erneut jede Zeile sofort nach dem Schreiben löschte:
"Walsing ist nicht immer einfach.
Sein Zugriff in Grandessa ist nicht unendlich.
Aber hört NIE auf, ihm zu vertrauen.
"
Sie drehte den Kopf, um die bronzene Maske anzusehen, regelrecht anzustarren, und für einen Augenblick hätte Zanfar vermutlich viel dafür gegeben, wenn er zu dieser Aussage ihren Tonfall hätte hören können! War es eine Mahnung? Eine Warnung? Oder eine Drohung gar? Er wurde aus ihrer starren Mimik in diesem Moment nicht schlau, bis auf Eines: es war ihr ernst. Und schien wichtig zu sein.

Umso irritierender war es, mit welcher Lässigkeit sie sich, kaum dass auch diese Zeile der energische Lappen gelöscht hatte, von dem Dunkelelfen ein Stück weit weg schob, um ihn mit mehr Distanz zu betrachten, ohne sich aus seiner Reichweite zu entfernen. Plötzlich war dieser Anflug von Laszivität wieder da - wie zum Kuckuck machte sie das?!
Himmel, wenn Franceska ihr Interesse an ihm bloß spielte, brauchte sie den Vergleich mit Ulyne nicht zu scheuen! Nahezu abschätzend musterte sie ihn. Sie spielte mit ihm, keine Frage. Aber das Warum blieb ein Rätsel, das änderte auch ihre nächste Notiz nicht:

"Franceska fragt sich, ob Ihr bei Eurer anderen Antwort auch so viel redet."
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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 22. April 2019, 12:11

"Die Assistentin versteht Euch gut.
Und gibt Euch einen Rat:"

Die junge Frau überlegte kurz und strich sich beiläufig eine Haarsträhne hinters Ohr, ehe sie mit ernst gefurchter Stirn weiter schrieb und erneut jede Zeile sofort nach dem Schreiben löschte:
"Walsing ist nicht immer einfach.
Sein Zugriff in Grandessa ist nicht unendlich.
Aber hört NIE auf, ihm zu vertrauen."

Sie drehte den Kopf, um die bronzene Maske anzusehen, regelrecht anzustarren, und für einen Augenblick hätte Zanfar vermutlich viel dafür gegeben, wenn er zu dieser Aussage ihren Tonfall hätte hören können! War es eine Mahnung? Eine Warnung? Oder eine Drohung gar? Er wurde aus ihrer starren Mimik in diesem Moment nicht schlau, bis auf Eines: es war ihr ernst. Und schien wichtig zu sein.


Unter der Maske runzelte Zanfar die Stirn ob der vagen Drohung oder Warnung, was auch immer sie damit beabsichtigte. Ein Eimer kalten Wassers wäre nicht effektiver gewesen.
Nie aufhören ihm zu vertrauen?! Will Walsing mich ‚zur schau‘ verraten und braucht deswegen solche ansagen?!

Umso irritierender war es, mit welcher Lässigkeit sie sich, kaum dass auch diese Zeile der energische Lappen gelöscht hatte, von dem Dunkelelfen ein Stück weit weg schob, um ihn mit mehr Distanz zu betrachten, ohne sich aus seiner Reichweite zu entfernen. Plötzlich war dieser Anflug von Laszivität wieder da - wie zum Kuckuck machte sie das?!
Himmel, wenn Franceska ihr Interesse an ihm bloß spielte, brauchte sie den Vergleich mit Ulyne nicht zu scheuen! Nahezu abschätzend musterte sie ihn. Sie spielte mit ihm, keine Frage. Aber das Warum blieb ein Rätsel, das änderte auch ihre nächste Notiz nicht:

"Franceska fragt sich, ob Ihr bei Eurer anderen Antwort auch so viel redet."


Ärger begann sich in ihm zu regen. Was für ein Spiel gedachte sie da, mit ihm zu spielen? Der Sprung zwischen ernster Warnung und laszivem Flirt ließ ihn zwischen den Stühlen stehen – und das mochte er überhaupt nicht.

Wahrscheinlich war es nicht Franceskas Absicht gewesen, aber Misstrauen regte sich jetzt in dem Dunkelelfen. Zweifel kamen in ihm auf und er fragte sich, wie es sein konnte, dass er so blauäugig an die Sache heran gegangen war…

Warum überhaupt wollte er so viel investieren? Die Zeit mit Chasin hatte ihn weich werden lassen, ließ ihn mit dem törichten Bedürfnis zurück, sich mit seiner Umwelt emotional zu verknüpfen, Vertrauen zu gewinnen.

Aber mit der Tochter des Spionagemeisters?! Welcher Teufel hatte ihn geritten?! Sie war süß, ja, aber sie war auch eine Spionin! Ihr gegenüber Gefühlen zu entwickeln gehört so ziemlich zu den dümmsten Dingen, die er tun konnte.

Das einfachste würde sein, ihr zu geben, was sie scheinbar zu wollen schien (und er unbestreitbar auch) – ohne viel zu investieren. Er wollte gern mehr Details zu dieser ominösen Aussage, dass er nicht aufhören sollte, Walsing zu vertrauen, aber rechnete sich bessere Chancen aus, wenn er sie zu einem späteren Zeitpunkt fragte.

Er stieß sich vom Tisch ab und musterte sie forschend und auf Zeichen achtend, dass sie einen Rückzieher machen wollte. Mit einer flüssigen Bewegung wischte er sich die Kapuze vom Kopf und löste das Band der Maske an seinem Hinterkopf. Nicht ohne ein gewisses Maß an Dramatik hielt er das Metall mit seiner rechten einen Augenblick vor seinem Gesicht, um es dann zur Seite zu bewegen und seine Züge zu enthüllen. Die bronze Maske landete auf dem Tisch und er überwand den Abstand zwischen Franceska und sich.

Die junge Frau sah sich den symmetrischen ebenholzfarbenen Zügen des Dunkelelfen gegenüber, der sie mit einem hungrigen blitzen in den roten Augen musterte. Er stand so nah bei ihr, dass ihrer beider Beine sich berührten und ergriff einen ihrer Arme, um sie näher zu sich zu ziehen. Mit der der freien Hand griff er durch ihr Haar an ihren Hinterkopf und führte ihr Gesicht in richtung des seinen, um ihr eine Eindeutige und Wortlose Antwort zu geben.

Eingerostet oder nicht, er gedachte all seine Finesse in dem Kuss zu legen, den er ihr gab. Trotzdem gehörten dazu zwei und auch wenn er sich diesen Kuss zu stehlen erlaubt hatte, würde er sich keiner Frau aufdrängen.

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Re: Ein Geheimquartier

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. Juni 2019, 10:01

Franceska beobachtete. Das war ihr Beruf, ihr Leben - und auch ihre Stärke, seit der Verlust des Sprechen könnens sie gezwungen hatte, sich nicht mehr ohne Weiteres an allem zu beteiligen, sondern oft einfach nur daneben zu stehen, zuzuhören und zu beobachten. Im Vergleich zu einem Dunkelelfen war sie blutjung, noch ein halbes Kind, aber Menschen waren anders. Für einen Menschen hatte sie schon viel gesehen, der Spion des Königs hatte sie mindestens ebenso viel gelehrt wie all die Intrigen und Vorgänge bei Hof, und sie hatte seit langem nichts mehr erlebt, was sie wirklich überrascht hätte.

Doch jetzt war sie überrascht. Der Nichtgenannte, der sich über Wochen und Monate hinweg in Schatten und Schweigen gehüllt hatte, der sich hinter einer Frau zu verstecken schien, die nur halb so breit war wie er, stieß sich vom Tisch ab und musterte sie forschend. Ja, manchmal hasste sie Walsing dafür, dass er Dinge sogar verderben konnte, wenn er nicht einmal anwesend war, aber sie konnte nichts dafür, sie mochte den Geheimnisvollen. Sein Schweigen hatte ihn zu einer Art verwandter Seele werden lassen, und fast hatte sie es bedauert, dass er sein Schweigen gegenüber dem König vor Kurzem gebrochen hatte. Ein wenig Neid, dass er es aufgeben konnte. Aber das Schreiben hatte ihn in den letzten Stunden wieder näher zu ihr gebracht. Es ging nicht um das, was die Buchstaben formten, oder nur am Rande; es ging darum, dass er seine Geheimnisse mit ihr teilte, ohne zu sprechen. Er gab sein Wertvollstes: sein Wissen. Also gab sie ihm die beste Warnung mit auf den Weg, die sie bezüglich ihres Vaters jemandem mitgeben konnte und verfluchte insgeheim, dass sie sein Misstrauen damit zu wecken schien.
Würde er einen Rückzieher machen?
Sie beobachtete ihn genau.
Ein sehr flüchtiges Schmunzeln huschte über ihren Mundwinkel, als sie merkte, dass das Beobachten auf Gegenseitigkeit beruhte. Wieder dieses seltsame Gefühl von Nähe. Lass das!, warnte ihre innere Stimme Franceska.

Mit einer flüssigen Bewegung wischte er sich die Kapuze vom Kopf und löste das Band der Maske an seinem Hinterkopf. Nicht ohne ein gewisses Maß an Dramatik hielt er das Metall mit seiner rechten einen Augenblick vor seinem Gesicht, um es dann zur Seite zu bewegen und seine Züge zu enthüllen.
Er tut es tatsächlich! Ja, sie war überrascht. Es kursierten Witze darüber, welche Tätigkeiten man mit einer bis auf die Augen geschlossenen Maske vor dem Gesicht tun konnte, bis es absurd wurde, aber der Nichtgenannte war bisher wirklich konsequent mit dem Verhüllen seines Antlitzes gewesen.
Und jetzt zeigte er es. War darin genauso 'konsequent' wie in seinem Schweigen. Was hat ihn nur verändert?, fragte sie sich beiläufig, doch solche Gedanken störten jetzt nur. Ein Schaudern fuhr über ihre Haut, als sie die roten Augen in dem ebenmäßigen Gesicht sah. Schön, und trotzdem erschreckend. Sie hatte seit einigen Berichten sich schon gefragt, wie ein Dunkelelf in echt aussähe und dass es vermutlich eine ihrer letzten Erfahrungen sein würde, wenn sie das erführe - aber jetzt stand einer vor ihr. Und sie flirtete sogar mit ihm... und er... sah sie mit einem hungrigen Aufblitzen in den Augen an.
Uh oh, da hat jemand was nachzuholen...
Sie spürte mehr Aufregung in sich aufwallen, als sie geplant hätte.

Zanfar merkte, dass er die Initiative hatte, als er den letzten Abstand zwischen sich und der jungen Frau überwand, die Maske auf dem Tisch hinter sich ließ. Er zog sie näher zu sich und sie legte ihre Hand an seinen Arm. Nein, ein Rückzieher hätte anders ausgesehen, aber Zanfars Absicht, ihr Begehren mit einem Kuss zu wecken, drohte schnell zu scheitern: seine Zunge wurde abgewiesen, blieb an beharrlich geschlossenen Zähnen vor der Tür und er merkte, wie sie nur 'keusch' erwiderte und diese Zärtlichkeiten von ihm lieber auf andere Stellen ihres Körpers lenken wollte. Na schön.
Aber an ihrer Halsbeuge, das schien sie zu mögen...

Es waren zunächst nur kleine Gesten, mit denen Franceska ihm zu verstehen gab, dass sie wirklich wollte, was sie angeboten hatte, und er war sich zunächst nicht ganz sicher, von wie viel Erfahrung er bei ihr ausgehen durfte. Teile ihrer Handlungen wirkten unbeholfen. Zum Beispiel, wie man mit dem Knoten an seiner Robe umging. Andererseits schien es ihr sehr zu gefallen, dass man das Revers einfach nur zur Seite zu schieben brauchte, um über seine Brust streichen zu können. Schließlich stellte er fest, dass es einfach nur die Unsicherheit gegenüber seiner Fremdartigkeiten waren, die bei ihr ein Stocken oder staunende Behutsamkeit hervor riefen - in allem anderen war sie deutlich nicht unbeholfen, und sie blieb auch nicht die ganze Zeit passiv, sobald sie merkte, was ihm gefiel.
Im Gegenteil.
Sie wollte ihm nicht einfach nur Erleichterung verschaffen wie vielleicht eine Prostituierte, denn das wäre bei seiner Ausgehungertheit schnell erledigt gewesen. Nein, sie wollte wissen, was 'ein Dunkelelf so konnte', bot ihm alle Gelegenheit dazu und trieb ihn noch zu ein bisschen mehr, als er selbst für genug gehalten hätte.
Eine geraume Weil hätte er gedacht, dass sie überhaupt keine Laute von sich geben könne, aber dem war nicht so. Mit Genugtuung hörte er irgendwann kehlige Geräusche, die seine Vermutung bestärkten, dass 'nur' ihre Zunge fehlte und spürte, wie sich ihr Körper unter seiner Zuwendung völlig entspannte und es nur noch sie beide gab, irgendwo tief unter dem Schloss.
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