Die Gemächer der roten Dame

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.

Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Darna von Eibenau » Dienstag 17. Juli 2018, 13:13

Fiddatan stütze die Ellenbogen auf die Knie und hob seine Hände in Brusthöhe an um sie ineinander wie zum Gebet zu verschränken. Dann streckte und beugte er seine Finger ein paar Mal. Die Knappin sah mit gefurchter Stirn auf die Geste und versuchte es mit seiner rethorisch anmutenden Frage in Einklang zu bringen.
Es gab eigentlich nur eine Antwort, auch wenn ihre Vernunft sich mal wieder gerne dagegen gesperrt hätte.
Fliegen??? Ernsthaft?! Und das... mit mehreren Personen? Auf einem Drachen!
Konnte er ernsthaft diese menschliche Hülle verlassen - nein... wechseln? - um sich in den ganzen Drachen zu verwandeln, der er war? Wahnsinn!
Ein merkwürdiges Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit: Aufregung.

Sie würde auf einem Drachen fliegen, wirklich? Die Verrücktheiten ihrer Erlebnisse nahmen kein Ende, wie sie befremdet feststellte; aber das hatte sie schon häufiger in den letzten Tagen gedacht und der Widerwille diesem Umstand gegenüber nahm ab. Irgendwann werde ich wohl aufwachen und feststellen, dass das alles nur ein kruder Traum war, dachte sie kopfschüttelnd und bernsteinfarbene Melancholie wehte für einen Moment durch ihre Aura, ehe Gelb in ihr emporstieg und sich ausdehnen wollte: Ich will aber gar nicht aufwachen!
"Was fällt, fällt und wird nicht wieder geholt."
Uhm. Das schloss auf ihm Sitzende mit ein...?
Das Gelb war schneller verschwunden, als es hätte aufwallen können und stürzte in Petrol und Blau.
'Gepäck am Leib'. 'Ihr werdet frieren'. Das waren Aussagen, die Anweisungen enthielten und mit dem üblichen Pflichtbewusstsein (und auch, um sich abzulenken) begann sie, in Gedanken durchzuplanen, was dies in der Umsetzung bedeuten würde:

Also keine Zelte. Aber Decken, wenn es geht. Eine Rolle kann man am Rücken festschnallen, darunter warme Kleidung. Aber wo kriegen wir die jetzt her? Immerhin wird das aber wohl leichter zu beschaffen sein, als Pferde, Waffen, Rüstung...
Wir können fast die gesamte Ausrüstung von Herrn Bromer zurück geben. Die brauchen wir nicht. Einen kleinen Topf vielleicht.
Hm, das heißt, wir könnten Frau Tesséras bitten, die geliehenen Sachen zusammen mit einer kurzen Nachricht zu Herrn Bromers Bruder zu bringen. Öh, wie hieß der noch gleich...? ... Verflixt! Ach, aber bei den Sachen lag ja ein Brief an ihn bei. Da steht der Name drin, dann weiß Frau Tesséras bescheid.
Und was machen wir mit dem Schlachtross?

Darnas Blick wanderte zu dem Zimmer, wo Delilah lag. Das wird ihr überhaupt nicht gefallen, sich schon wieder ohne Treffen von ihrer Frau Großmutter zu verabschieden? Und das Schlachtross... Hrm. Das muss sie selber wissen. Blinzelnd konzentrierte sich Darna darauf, nur die Dinge zu planen, die sie selber bestimmen konnte:
Kleidung, warme. Vielleicht können wir nochmal zu diesem Schneider. Dann können wir leicht Frau Tesséras bescheid geben und ein paar Kleinigkeiten der Ausrüstung mitnehmen.
Ich brauche: eine Nachricht an General von Pappelhain, eine an - oh, apropos!


Die Knappin schien plötzlich aus ihren Gedanken wieder aufzutauchen und sah wieder zu Fiddatan von Weißenfels:
"Verzeiht: Habt Ihr jetzt eigentlich seit Eurem Eintreffen im Schloss irgendwen darüber informieren können, wie denn nun die Lage in Rugta genau aussieht?"
Von Rugta hierher für einen Drachen, das war... vermutlich eine kurios kurze Strecke? Plötzlich weiteten sich in einem Gedankenblitz ihre Augen, als sie dabei an Leons Zuhause dachte:
"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?" Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Und dort alles .. regeln. Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite, aber sie sah vornehmlich den Grafendrachen an.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Zanfar Aval'athil » Mittwoch 18. Juli 2018, 23:18

Zanfar verarztete Leon, während er Darnas Rapport lauschte und das ungute Gefühl in seiner Magengegend wurde schlimmer. Gerade als sich ETWAS im Raum zu bewegen begann. Etwas gigantisch großes Mächtiges, das jeden Anwesenden im Raum in Windeseile Vernichten konnte.

Außer vielleicht Delilah … hat er nicht gerade- und auch zuvor - gesagt, sie könne ihm gefährlich werden? Aber sicher nicht in ihrem geschwächten Zustand.

Er fixierte den Verband und trat zu Chasin. Wenn es in seiner Macht lag, würde er sie beschützen.
Als seine Freundin dann als Stimme für den Drachen fungierte fuhr es ihm ein weiteres Mal kalt über den Rücken. Er wollte sie nicht in vorderster Reihe sehen – selbst, wenn die Funktion in ihrer Rolle als Diplomatin durchaus passte. Es war einfach verdammt gefährlich, gerade wenn sie dem Drachen so nahe kam indem sie seine Gedanken las. Wer wusste schon, wie viel sie mitbekam, das sie eigentlich nicht wissen sollte! Er hielt den Körperkontakt zu seiner Freundin und stand absichtlich näher und ein Stück abschirmend neben ihr.

Die Optionen, die der Drache Darna gab waren finster. Etwa wie Pest und Cholera! Zanfar konnte sich nicht vorstellen, wie er an ihrer Stelle reagiert hätte – aber er konnte sich auch nicht vorstellen, keinen Humor zu haben und einen kleinen Dämon im Ohr sitzen zu haben – also war seine ‚Lösung‘: Keins von Beidem! Auch nicht gerade valide.
So oder so blieb es an Darna und er hätte nicht um alle Macht auf der Welt mit ihr Tauschen wollen! Nun – Macht würde sie bekommen, so oder so. Sie müsste vermutlich nur die Kontrolle abgeben.
Ihm schauderte.

Es war seltsam, wie unterschiedlich die Beiden jungen Frauen in ihren Schicksalen waren. Delilah, ein Geschöpf des Lichts und der Reinheit, ein wahrer Sonnenschein und eine friedliebende Heilerin. Darna zwar eine ehrenvolle Kämpferin aber ebenso ein Kind geweiht in Dunkelheit, grimm und gebunden an einen Dämon.

Licht und Schatten. Und es schien so, als würden sie Beide in halsbrecherischem Tempo in einen Strudel aus Mächten, denen sie nicht gewachsen waren, gesogen!
Ha, und trotzdem sind sie noch sicherer als wir und unsere Selbstmordmission …
Er verlor den Faden, während er sich in seinen Gedanken verlor.

Ein Klopfen an der Türe riss ihn zurück ins hier und jetzt und er war froh, das Chasin aufmerksamer war, als er, entsprechende Anweisungen an den Boten gab und dann ein Kouvert aufhob.
„Wir müssen uns unterhalten.“
Sagte die Tha‘Roon leise.
Neugierig sah Zanfar auf den Brief in ihren Händen und hob dann fragend den Blick. Als dann die Geräusche Bewaffneter vor ihrer Türe wahrzunehmen waren, verengte er die Augen unter der Maske. Das Verhalten der Gerüsteten ließ auf Wachen schließen, also war er nicht allzu beunruhigt.

Nur mit halbem Ohr Darna, Chasin und Fiddatan lauschend ließ ihn Chasins seltsame Reaktionen stocken. Irgendetwas beschäftigte sie – etwas, das mit dem Drachen zu tun haben musste. Etwas das sie mit ihm besprechen wollte!
Er überflog den gereichten Brief und seine Augen wurden erneut schmaler.
Alleine? Was auch immer das zu bedeuten hat … Himmel, hier wollte noch nie jemand alleine mit mir sprechen!
Ob dieser bizarren Erkenntnis legte er den Zettel zusammen und schob ihn unter den Gürtel.
„Wenn ihr uns entschuldigt.“
Leierte er die Floskel herunter und lenkte Chasin, ohne Antwort abzuwarten, sachte in Richtung des Bades (ihre Räumlichkeiten waren schließlich scherbenübersät). Dabei warf er einen Blick auf ihre Füße und blieb starr stehen.
Hühnerfüße?! Hat sie die schon die ganze Zeit an?
Ungläubig schüttelte er den Kopf und sah die Tha’Roon zweifelnd an.
Wie konnte mir dieses Detail entgehen?! Das ist …
Er unterdrückte ein Lachen und stellte Fest.
„Schöne Schuhe.“
Dann betraten sie das Bad und der Nichtgenannte verschloss die Türe. Aller Humor war wieder aus seiner Stimme gewichen als er fragte.
„Worüber müssen wir reden?“
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Erzähler » Dienstag 24. Juli 2018, 10:37

Mit dem üblichen Pflichtbewusstsein begann Darna in Gedanken durchzuplanen, was sie alles noch zu tun hatten. Leon stand an ihrer Seite und betrachtete ihr Profil. Ihre Fähigkeit selbst in den verwirrendsten Situationen einen klaren Kopf zu behalten, hatte ihm schon immer imponiert. Doch er wusste auch, dass sie sich oft ein bisschen zu vie in Details verrannte. So drückte er nach ein paar Sekunden Stille im Raum, in denen Darnas Geist tausend Sachen wälzte, ihre Hand und holte sie damit ins Hier und Jetzt zurück. Sie sah ihn an und dann wieder zu Fiddatan von Weißenfels:
"Verzeiht: Habt Ihr jetzt eigentlich seit Eurem Eintreffen im Schloss irgendwen darüber informieren können, wie denn nun die Lage in Rugta genau aussieht?"
Fiddatan nickte und meinte nur:
„Der Dachs weiß bescheid.“
Darna erinnerte sich vielleicht schleierhaft, dass sie auf dem Fest der Masken einen Herren im Dachskostüm vom König haben kommen sehen, als sie ihn besuchten. Damals vermutete sie Niklas San Walsing unter dem Kostüm. Wenn der Meisterspion über alles bescheid wusste, dann war zumindest dieser Punkt ihrer Gedankenliste abgearbeitet. Plötzlich weiteten sich in einem Gedankenblitz ihre Augen, als sie an Leons Zuhause dachte:
"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?"
Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite. Leon starrte sie an, als verstünde er ihre Begeisterung nicht. Seine Hand die eben noch so kraftvoll ihre gehalten hatte lockerte ihren Griff und glitt aus ihrer. Sein Mund klappte auf und schloss sich wieder, bevor er schluckte, versuchte wieder normal zu schauen und dann zu ihr sprach:
„Du willst nicht, dass ich dich begleite? Du meintest doch, wir sollten alle Last gemeinsam tragen und nun willst du mich „Zuhause“ absetzten und deine Probleme alleine meistern? Und... und selbst wenn ich gehen und dich allein das durchstehen lassen würde... vergisst du nicht, dass du meine und Delilahs Anwesenheit brauchst?“
Irgendwie hatte sein Gesicht kurz so ausgesehen, als ob er Schmerzen hätte. Hatte sie ihn versehentlich verletzt? Hatte er Recht? Maß sie hier mit zweierlei Maß? Galt das, was sie ihm gesagt hatte nicht auf für sie? Wollte sie vielleicht nur die große Kriegerin sein, die stark und hilfsbereit war, aber selbst nicht hilfsbedürftig und schwach? Vielleicht... es war immer schwerer seinen eigenen Schwächen zu stellen. Sicher war es leichter für Andere stark zu sein. Hilfe geben war leichter als Hilfe zu empfangen. Es war sicher für eine Darna von Eibenau nicht leicht. Immer hatte sie gekämpft, sich behauptet. In dem sie ihn „nach Hause“ schickte, sprach sie ihm auch die Möglichkeit ab, für sie zum Held zu werden.
„Darna, ich kann nicht alleine nach Hause.“
Leon sah ernst zu Boden.
„Es ist kompliziert. … „
„So kompliziert auch wieder nicht.“
, schaltete sich unversehens der Drachengeist ein und Leon sah etwas genervt auf.
„Es ist denkbar einfach. Der Erste Weißenfels der Weißenfels betritt wird auch den Geist empfangen, also werde ich mich diesem Ort tunlichst fern halten, da ich diesen Körper noch brauche! Wenn das aber mein „Sohn“ sein sollte, dann wird er der neue Herr der Quelle sein und euer Plan ihn vor diesem Schicksal zu bewahren wäre gescheitert. Ach, und außerdem fragte er sich gerade, ob er dich mit dem vergessenen Kind im Leib noch lieben wird.“
Leon ballte die Fäuste und sie zitterten leicht an seinen Seiten. Seine größte Furcht so offen ausgesprochen zu hören ließ ihn leiden. Auch wenn der Drache sicher die Wahrheit sprach, so war es doch mehr als unhöflich so etwas laut auszusprechen, gerade wenn es um so etwas zartes wie junge Liebe ging. Die Muskeln seiner Unterarme arbeiteten, aber dann streckte er die Finger atmete tief durch und wandte seinen glühenden Blick von Verano ab und nahm Darna bei den Schultern:
„Es... es ist wahr. Ich kann erst nach Weißenfels zurück kehren, wenn wir Verano von diesem Drachengeist befreit haben.“
Eine gewisse Gereiztheit und Ablehnung in seiner Stimme war deutlich hörbar, aber der Graf lächelte nur.
„ Ansonsten ...nun ja, sonst werde ich der nächste Hüter von Weißenfels. Und du brauchst auch die Nähe eines Lichtmagiers und wenn wir zu zweit sind...“
damit sah er zu Delilah.
„...dann ist die Chance größer, dass es gelingt die Stimme fern zu halten. Und... vielleicht möchtest du dich ja auch nicht „immer“ in meiner direkten Umgebung befinden.“
Bei der letzten Anspielung sah er in Richtung Badezimmer, wo gerade die Diplomatin mit ihrem Begleiter entschwanden. Es gab Dinge, die machte man lieber alleine oder eben nur in Anwesenheit einer anderen Frau.
„Aber Delilah möchte oder kann vielleicht auch nicht immer mit uns zusammen sein, also ist es besser wenn wir zu zweit dich „im Licht“ halten, damit die Stimme schweigt.“
Seine Sorge um sie stand ihm nun wieder deutlich ins Gesicht geschrieben und er streichelte sanft mit den Daumen ihre Schultern hinauf. Ihr verräterischer Körper antwortete mit einer leichten Gänsehaut die sich in ihrem Nacken kräuselte.
„Ich komme mit, Darna. Ich lass dich nicht allein. Mein Schicksal kann ruhig noch ein bisschen auf mich warten.“
Der schöne Moment, der sicher gerade auszubreiten begann wurde wieder von der geisterhaften Echse zerstört:
„Fein! Da das nun geklärt ist, will vielleicht jemand noch mitkommen, oder eben nicht?“

Baderaum
Chasin die eben gerade hinter Zanfar das Badezimmer betreten hatte, machte noch einen Schritt zurück in den Wohnraum und meinte leise:
„Ich werde mitkommen.“
Dann wandte sie sich um und schloss hinter sich die Tür. Mit dem Rücken zu Zanfar stand sie an den Rahmen gelehnt da und fürchtete sich vor dem Moment ihn anzusehen. Würde er ihre Entscheidung verstehen? Langsam drehte sie sich um und heftete ihre Augen auf den Boden um ihn in seinen Gedanken die nötige Distanz zu geben. Sie strich sich über die Arme, als würde sie sich selbst umarmen.
Dann sah sie langsam in ihm hinauf, als würde sie sein Bild ein letztes Mal bewusst in sich aufnehmen wollen. Auf Höhe seines Herzens begann sie dann leise zu sprechen, damit man sie nicht belauschen konnte:
„Zanfar, ich werde mit nach Drachma gehen.“
Das war dann wohl der Kern der Problematik und Chasin war niemand der drum herum redete.
„Ich werde den König überzeugen, dass es eine gute Entscheidung ist, mich gehen zu lassen um bei den Drachen ggf. Unterstützung für die freien Völker Valencias zu ersuchen. Die Aufgabe die er uns gestellt hat, wirst du gewiss auch ohne mich übernehmen können. In dir hat er einen wertvollen Verbündeten, wenn du es denn so willst. Diese Menschen brauchen dich hier. Ich hingegen... Ich habe … so viel Wissen im Geist des Drachen gefunden und … eine Möglichkeit für mich, wieder „ganz“ zu sein.“
„Ganz“ zu sein, bzw. dass Chasin sich selbst als „kaputt“ empfand lag an der Trennung zu ihrem Volk, zu dem kollektiven Bewusstsein. Zanfar wusste, dass sie das immer belastete.
„Auch habe ich deine Sorge gelesen, mich in Gefahr zu bringen. Ich will, dass du mich in Sicherheit weißt. Und ich weiß jetzt, dass es keinen sichereren Ort für mich gibt, als die Drachenstadt. Ich werde dort eine Aufgabe haben die mich jetzt schon mit Vorfreude erfüllt und die keine andere Tha'Roon erfüllen könnte.“
Sie lächelte und ihr Blick wechselte einen kurzen Moment lang in eine unbestimmte Ferne. Dann sah sie Zanfar in die Augen und trat näher. Ihre langen schlanken Finger befreiten sein Gesicht und sie sah sich jedes Detail noch einmal an. Das hier fühlte sich nach ihren ganz persönlichem Abschied an. Mit den Fingern strich sie sanft seine Konturen nach und legte ihre Handflächen an seine Wangen, bevor sie sich langsam zu ihm hinab beugte und einen Kuss auf seine Lippen hauchte, so leicht wie ein Schmetterling. Ja, das hier war ein Abschied, aber als sie sich wieder von ihm löste, lächelte sie.
„Ich hätte mich gerne mit dir verpaartnert. Es wäre sicher eine interessante Erfahrung gewesen.“
Was? Meinte sie gerade das was es bedeutete? Chasins Lächeln wurde schelmischer. Ja, sie hatte einige Dinge gelernt, die sonst keine Tha'Roon wusste! Und das hier war gerade wohl „necken“.
„Ich hätte mir keinen besseren Mann dafür vorstellen können!“
Jetzt gluckste sie sogar einmal leise und glücklich und fuhr gleich fort:
„Ich werde deine elfenbein-farbene Aura vermissen, dein gelb, dein orange, grün und weiß, aber auch alle anderen Farben! Ich werde unsere Freundschaft vermissen. Unsere Wege trennen sich hier, aber wer weiß … vielleicht wird das Schicksal uns eines Tages wieder zusammen führen, oder du wirst unsere Freundschaft in einer anderen Person wieder finden. Die Welt liegt im Wandel. Ich weiß nicht, wann wir den letzten gemeinsamen Moment für uns haben werden, aber ich wollte dir noch sagen, dass ich dich liebe! Ich liebe dich, Zanfar und ich werde dich nie vergessen!“
Sie lehnte ihre Stirn an seine und ihr diamantenes Auge sandte ihm ihre Liebe, gerade so viel, dass er wusste, dass es die Wahrheit war und sie selbst nicht das Gefühl verlor. Langsam schmiegte sie sich in seine Arme und ließ sich von ihm halten. Ein kleiner Diamant löste sich von den Regenbogenfarbenen Funkeln ihres Auges, sprang über die rote Brücke ihrer Wimpern und rollte langsam ihre Wange hinab. Mit ein bisschen Verwunderung, richtete sie sich auf, strich sie sich über die Wange und musterte die Träne auf ihrem Finger. Eine weitere Träne folgte dem vorgegebenen Fluss und landete auf ihren Lippen.
„Jetzt habe ich sogar gelernt zu weinen. Ist das nicht erstaunlich?!“

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Aber dann lächelte sie. Chasin war schon erstaunlich. Selbst ihre Trauer war für sie etwas willkommenes, wenn sie dabei etwas lernen konnte.


Derweil im Wohnzimmer
„Ich schlage vor ihr macht euch Gedanken... oder eine Liste, was ihr unbedingt mitnehmen wollt, organisiert es, verabschiedet euch von jenen die euch am Herzen liegen … und so weiter. Ich werde noch ein bisschen Spaß mit diesem Körper haben und wir treffen uns dann zum Sonnenuntergang wieder hier. Die Zeit bis dahin sollte für eure Vorbereitungen reichen.“
Damit erhob sich der Graf, strich seine Gewandung glatt und schritt zur Tür. Gerade in dem Moment wo er sie öffnen wollte, waren von draußen gedämpfte Stimmen zu hören, also zögerte er nicht und ließ die neuerliche Störung ein.
Ein Botenjunge versuchte gerade den beiden Wächtern vor der Tür begreiflich zu machen, dass er eine Darna von Eibenau suchte und ihm gesagt wurde, sie könnte hier sein. Verano deutete nur mit dem Daumen hinter sich auf die Knappin und meinte:
„Jene da.“
und ging hinaus.
„Bis später.“
Der Bote drückte sich an ihm vorbei und reichte Darna einen Brief. So schnell er konnte machte er sich auch wieder von Dannen. Darnas heraldische Kenntnisse verrieten ihr sofort von wem das Schreiben kam und zu wem das Siegel gehörte. Basilius hatte ihr geschrieben:

Basil Brief an Darna:

Liebste Freundin Darna von Eibenau.

Ich entschuldige mich hiermit in aller Form mich so ungebührend von euch und den Anderen davon gestohlen zu haben, ohne einen Gruß oder eine Erklärung. Meine Motive mögen gewiss verständlich sein, doch schmälert es mein Verschulden nicht, mich nicht von euch verabschiedet zu haben. Es tut mir aufrichtig leid und ich hoffe, ihr verzeiht mir. Zu meinen Gunsten, ihr versteht sicher, dass das Auftauchen meiner Schwester auf dem Ball und die damit verbundenen Pflichten als ihr Bruder, als ihr Familienangehöriger meine ganze Aufmerksamkeit verlangten. Damit verbundene dringende Angelegenheiten führen mich nach Hause. Seine Durchlaucht General von Pappelhain ist informiert. Wenn wir uns hoffentlich in Bälde wiedersehen, erkläre ich euch gern die näheren Umstände, sofern ihr es wünscht.

Bis dahin verbleibe ich als ihr treuer Freund,
Basilius von Gudenberg
Schriftrolle Fuss


Der Tag hatte mit viel Leidenschaft begonnen, kochte schon zur frühen Mittagszeit und versprach noch aufregender zum Abend hin zu werden. Viele Emotionen hingen im Raum und vermischten sich zu einer farbenfrohen Symphonie des Lebens. Als der Drache gegangen war und auch seine Geisterhafte Präsens den Raum verlassen hatte, konnten alle ein wenig aufatmen. Sie hatten alle zu viel zu tun, als dass sie auf den Grafen im Schloss aufpassen könnten, aber was konnte der in knapp 10 Stunden bis Sonnenuntergang schon anstellen...
10 Stunden bis „Abflug“ in ein neues Kapitel. Es war ein bisschen als würde das Schicksal mit jeder neuen Seite langsam herunter zählen.
10 Stunden...
9 Stunden, 45 Minuten …

Manchmal lief einem die Zeit regelrecht davon.

((ooc: Macht bitte eine Liste von Dingen, die ihr an eure Körper binden wollt, ich guck dann was davon geht, oder was ggf. nicht mehr zu besorgen ging. Briefe und Mitteilungen können gern geschrieben werden. Besorgungen würde ich gern zusammen fassen. Wenn Deli sich noch persönlich verabschieden möchte, kann sie gern eine Zusammenfassung schreiben. Der Schneider Mortimer steht als Ausrüster für Kleidung zur Verfügung. Boten stehen euch im Schloss bereit.))
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Zanfar Aval'athil » Dienstag 24. Juli 2018, 22:48

Chasin die eben gerade hinter Zanfar das Badezimmer betreten hatte, machte noch einen Schritt zurück in den Wohnraum und meinte leise:
„Ich werde mitkommen.“


Mitkommen?
Ungläubig sah er die Tha’Roon an und wollte seinen Ohren nicht glauben.
Das hat sie nicht gesagt, oder?!

Dann wandte sie sich um und schloss hinter sich die Tür. Mit dem Rücken zu Zanfar stand sie an den Rahmen gelehnt da und fürchtete sich vor dem Moment ihn anzusehen. Würde er ihre Entscheidung verstehen?

Der Magen des Dunkelelfen zog sich zusammen. Er schluckte schwer, sein Mund fühlte sich trocken an.
Sicher ist das ein Missverständnis.

Langsam drehte sie sich um und heftete ihre Augen auf den Boden um ihn in seinen Gedanken die nötige Distanz zu geben. Sie strich sich über die Arme, als würde sie sich selbst umarmen.
Dann sah sie langsam in ihm hinauf, als würde sie sein Bild ein letztes Mal bewusst in sich aufnehmen wollen.


Zanfars Herz begann wie wild gegen seine Brust zu schlagen, während er seine einzige Freundin wie erstarrt ansah. Verabschiedete sie sich gerade?

Auf Höhe seines Herzens begann sie dann leise zu sprechen, damit man sie nicht belauschen konnte:
„Zanfar, ich werde mit nach Drachma gehen.“
Das war dann wohl der Kern der Problematik und Chasin war niemand der drum herum redete.
„Ich werde den König überzeugen, dass es eine gute Entscheidung ist, mich gehen zu lassen um bei den Drachen ggf. Unterstützung für die freien Völker Valencias zu ersuchen. Die Aufgabe die er uns gestellt hat, wirst du gewiss auch ohne mich übernehmen können. In dir hat er einen wertvollen Verbündeten, wenn du es denn so willst. Diese Menschen brauchen dich hier. Ich hingegen... Ich habe … so viel Wissen im Geist des Drachen gefunden und … eine Möglichkeit für mich, wieder „ganz“ zu sein.“
„Ganz“ zu sein, bzw. dass Chasin sich selbst als „kaputt“ empfand lag an der Trennung zu ihrem Volk, zu dem kollektiven Bewusstsein. Zanfar wusste, dass sie das immer belastete.
„Auch habe ich deine Sorge gelesen, mich in Gefahr zu bringen. Ich will, dass du mich in Sicherheit weißt. Und ich weiß jetzt, dass es keinen sichereren Ort für mich gibt, als die Drachenstadt. Ich werde dort eine Aufgabe haben die mich jetzt schon mit Vorfreude erfüllt und die keine andere Tha'Roon erfüllen könnte.“
Sie lächelte und ihr Blick wechselte einen kurzen Moment lang in eine unbestimmte Ferne. Dann sah sie Zanfar in die Augen und trat näher.


Dieser war noch immer wie erstarrt, lauschte ihren Worten ohne eine Reaktion. Seine Aura war eine Korona aus dunklem braun, durchzogen von blauen Schlieren, unterbrochen von einzelnen Punkten aus weiß.

Ihre langen schlanken Finger befreiten sein Gesicht und sie sah sich jedes Detail noch einmal an. Das hier fühlte sich nach ihren ganz persönlichem Abschied an. Mit den Fingern strich sie sanft seine Konturen nach…

Er hatte die Augen einen kurzen Augenblick geschlossen, als Chasin die Maske von seinem Gesicht löste und ließ sie auch geschlossen, als sie sein Gesicht streichelte, eine tiefe falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet.
Sie wird gehen … ich verliere sie. Ich verliere die einzige Person, der ich je wirklich etwas bedeutete habe – und die MIR so viel bedeutet. Hätte ich es nur gewusst … hätte ich mich nur nicht ablenken lassen …

…und legte ihre Handflächen an seine Wangen, bevor sie sich langsam zu ihm hinab beugte und einen Kuss auf seine Lippen hauchte, so leicht wie ein Schmetterling.

Chasins Lippen waren schon dabei, sich von Zanfars zu lösen, da brach er seine Starre und hielt ihr Gesicht an Ort und Stelle. Einem ertrinkenden gleich erwiderte ihren Kuss stürmisch. Er löste sich erst, als ihrer beider Zähne aneinanderstießen und der Dunkelelf fürchtete, dass er sie verletzen könnte.

Ja, das hier war ein Abschied, aber als sie sich wieder von ihm löste, lächelte sie.
„Ich hätte mich gerne mit dir verpaartnert. Es wäre sicher eine interessante Erfahrung gewesen.“
Was? Meinte sie gerade das was es bedeutete? Chasins Lächeln wurde schelmischer. Ja, sie hatte einige Dinge gelernt, die sonst keine Tha'Roon wusste! Und das hier war gerade wohl „necken“.


Zanfars schnauben klang halb amüsiert, halb bitter.

„Ich hätte mir keinen besseren Mann dafür vorstellen können!“
Jetzt gluckste sie sogar einmal leise und glücklich und fuhr gleich fort:
„Ich werde deine elfenbein-farbene Aura vermissen, dein gelb, dein orange, grün und weiß, aber auch alle anderen Farben! Ich werde unsere Freundschaft vermissen. Unsere Wege trennen sich hier, aber wer weiß … vielleicht wird das Schicksal uns eines Tages wieder zusammen führen, oder du wirst unsere Freundschaft in einer anderen Person wieder finden. Die Welt liegt im Wandel. Ich weiß nicht, wann wir den letzten gemeinsamen Moment für uns haben werden, aber ich wollte dir noch sagen, dass ich dich liebe! Ich liebe dich, Zanfar und ich werde dich nie vergessen!“


Die Augen des Dunkelelfen begannen zu brennen und er kämpfte um seine Fassung, bis ihm Aufging, dass sie ohnehin in hinein sah und er Schluckte schwer.
Ich vergesse dich auch nicht, Chasin!

Sie lehnte ihre Stirn an seine und ihr diamantenes Auge sandte ihm ihre Liebe, gerade so viel, dass er wusste, dass es die Wahrheit war und sie selbst nicht das Gefühl verlor. Langsam schmiegte sie sich in seine Arme und ließ sich von ihm halten.

Der Kiefer des Nichtgenannten hatte sich verkrampft und sein Atem ging unregelmäßig, während er sie festhielt, als wäre sie der letzte Halt, der ihm vorm untergehen bewahrte.

Ein kleiner Diamant löste sich von den Regenbogenfarbenen Funkeln ihres Auges, sprang über die rote Brücke ihrer Wimpern und rollte langsam ihre Wange hinab. Mit ein bisschen Verwunderung, richtete sie sich auf, strich sie sich über die Wange und musterte die Träne auf ihrem Finger. Eine weitere Träne folgte dem vorgegebenen Fluss und landete auf ihren Lippen.
„Jetzt habe ich sogar gelernt zu weinen. Ist das nicht erstaunlich?!“
Aber dann lächelte sie. Chasin war schon erstaunlich. Selbst ihre Trauer war für sie etwas willkommenes, wenn sie dabei etwas lernen konnte.


Die Augen des Dunkelelfen waren feucht und zwei Rinnsale rannen ihm die Augenwinkel herab.
„Erstaunlich ja … wirklich erstaunlich.“
Sagte er leise mit belegter Stimme und küsste sie auf die Stirn.
„Ich … ich liebe dich auch, Chasin.“
Hilflos starrte er zur Decke und rang um Worte. Wie konnte er ihr Sagen was sie ihm bedeutete?! Oder wusste sie es? Ihre Offenbarung drohte ihm den Boden unter den Füßen weg zu reißen – und gleichzeitig spürte er Erleichterung. Sie würde sicher sein. Er würde nicht ihr Leben riskieren müssen! Und hoffentlich wurde sie so glücklich, wie sie erwartete.

Einen Moment war der Gedanke, sie zu verlieren, so überwältigend, dass er sie am liebsten angefleht hätte, ihn mit zu nehmen.
Er könnte weiter ihr Leibwächter sein, ein stiller Schatten, der in ihrem Licht badete, selig und unbehelligt. Ihr wundervoller Geist würde sich entfalten und ihr Herz zusammen mit ihren Gefühlen wachsen und offenbaren, was er wusste. Dass sie eine wundervolle Person war – ihr innerer Moral-Kompass brauchte ab und zu nur etwas Hilfe zur Richtungsfindung, aber das würde sie schnell lernen.
Und dann würde sie begreifen, dass sie einer Raupe gleich zum Schmetterling geworden war und ihr Freund der schweigsame Schatten blieb. Irgendwann würde sie begreifen, dass er bei weitem nicht so interessant und beeindruckend war, wie sie dachte. (wenn sie es denn dachte)
Dass die besten Zeiten des Zanfar Aval’Athil längst Vergangenheit waren – wenn es sie denn je gegeben hatte.

Er strich durch ihr langes rotes Haar und sog ihren Duft ein. Das Herz schmerzte ihm in der Brust.
Wenn ich je mehr sein möchte, als ich jetzt bin, muss ich meinen eigenen Weg finden, statt ihrem zu folgen.
„Ich wünsche mir nichts mehr, als dich Glücklich und in Sicherheit zu sehen, Chasin. Wenn das bedeutet, dass sich unser Beider Wege trennen, so …“
Er holte tief Luft und rang den Schmerz nieder, der sich in seiner Brust regte.
„ … dann muss ich damit Leben. Ich hoffe, der König ist weiterhin bereit, den Handel aufrecht zu halten, selbst wenn nur ich das Versprechen halte. Ich hoffe, dass hier ist kein Abschied auf immer – nur ein ‚Auf Wiedersehen‘, dass seine Zeit braucht. Unser Beider Völker haben eine lange Lebenspanne vor sich und selbst wenn es Jahrzehnte oder Jahrhunderte sind, wir werden uns wiedersehen.“
Er musterte Chasin und ließ seine Aura aussprechen, was seine Stimme ihm versagte. Er würde sie vermissen, so unendlich vermissen. Braun und Weiß bildeten ein verschlungenes Muster um ihn herum.

„Und ich hoffe, du wirst nicht allzu häufig deine neu gewonnene Fähigkeit des Weinens nutzen müssen und findest das Glück und die ‚Ganzheit‘ die du ersehnst!“
Er strich über ihre Wange und balancierte ihre Träne auf der Fingerspitze.
Sie hat mir ein kleines Wunder zum Abschied geschenkt … und wohl auch sich selbst. Oh Chasin, was soll aus mir ohne dich werden?
„Ich befürchte, San Walsing wird ungern noch länger auf mich warten wollen … und … und ich weiß nicht, ob ich mich ein zweites Mal von dir verabschieden kann … aber … warte hier.“
Er wollte schon unmaskiert aus dem Raum stürmen, da erinnerte er sich und legte die Maske an, bevor er kurz das Zimmer verließ.

Den Raum wie mit Scheuklappen durchschreitend ging er zu seinem Zimmer und hielt einen Moment bei Anblick der ruhenden Delilah inne. Er hatte nicht vor, vor Sonnenuntergang zurück zu kehren.
So viel, was hätte sein können … ich hoffe, dein Weg bringt dich an ein glückliches Ziel.
Er riss sich von ihrem Anblick los und kehrte zurück zu Chasin. Seine Schwerter in den Händen. Eines davon wanderte zusammen mit der Maske in seinen Gürtel, das Andere hielt er feierlich vor die Tha’Roon.
„Dich gehen zu lassen ist, als würde … würde …“
Ich mir einen Arm abschneiden? Mir das Herz aus der Brust reißen? Himmel, an mir ist ein Drama Darsteller verloren gegangen.
Zanfar schüttelte den Kopf.
„Ich weiß, du kannst nichts mit einer Waffe anfangen … aber es gibt nichts persönlicheres als meine Schwerter für mich und ich möchte, dass du eines davon mit dir nimmst. Als … Erinnerung.“
Er lachte auf.
„Ich weiß, du brauchst keine Gedächtnisstütze. Ich würde mich besser fühlen, wenn du es bei dir trügest.“
Um ihr die Möglichkeit zu nehmen, die Gabe wirklich abzulehnen, drückte er eines der Wakizashi in ihre Hand (natürlich noch in der Schwertscheide) und einen Kuss auf ihren Mund.
„Auf Wiedersehen geliebte Chasin.“
Flüsterte er, trat einen Schritt zurück, zog die Maske über sein Gesicht und ging schnellen Schrittes aus dem Bad und verließ wortlos die Gemächer. Zu aufgewühlt um auch nur ein paar nette Worte an die Helden im Raum zu verlieren. Erst einige Flure später klärte sich sein Kopf genug, um zu realisieren wie unhöflich er da gerade war. Aber wie viel bedeutete es schon?

Es war besser, wenn Delilah ihn vergaß und für Darna und Leon würde er schon bald zu einer Randnotiz verblassen. Von Fiddatan wollte er gar nicht sprechen.
Wichtiger war wohl, dass er sie alle kennen gelernt hatte, denn wenn sie die aufkommenden Turbulenzen überstehen würden, rechnete er mit großen Heldentaten von ihnen Allen!
San Walsings anliegen würde eine willkommene Abwechslung von der sich öffnenden Leere in seiner Brust bieten. Nun musste er sich nur auf dem Weg zu ihm überlegen, ob er Chasins Neuigkeit erst einmal lieber für sich behielt.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Darna von Eibenau » Donnerstag 26. Juli 2018, 12:42

"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?"
Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite. Leon starrte sie an, als verstünde er ihre Begeisterung nicht. Seine Hand die eben noch so kraftvoll ihre gehalten hatte lockerte ihren Griff und glitt aus ihrer. Sein Mund klappte auf und schloss sich wieder, bevor er schluckte, versuchte wieder normal zu schauen und dann zu ihr sprach:
„Du willst nicht, dass ich dich begleite?"

Ihre Lippen öffneten sich, als hätte sie etwas direkt zu erwidern, aber es kam keine Silbe heraus. Äh, doch, aber...
"Du meintest doch, wir sollten alle Last gemeinsam tragen und nun willst du mich „Zuhause“ absetzten und deine Probleme alleine meistern?"
Diese verbale Faust kam offen von vorne, ohne Finte, und krachte ohne jede Gegenwehr mitten in ihr Gesicht. Eben war die Knappin noch irgendwie 'in Fahrt' gewesen und von einer Idee angetrieben, die sie gedankenlos herausgeplappert hatte; und diese Vorhaltung von Leon jetzt traf sie unvermittelt und effektiv. Schon dieser eine Satz hätte gereicht, denn das Schlimme war ja: er hatte recht.
Überrumpelt starrte ihn Darna einfach nur an.
"..vergisst du nicht, dass du meine und Delilahs Anwesenheit brauchst?“
Ja, aber...
„Darna, ich kann nicht alleine nach Hause.“
Bekümmert wirkend hob sie die Brauen. Für einen Moment ging sie davon aus, dass er in Weißenfels es ohne Hilfe nicht schaffen würde, und sie stand gedanklich vor der Ahnung und damit vor dem Dilemma, dass Fiddatan dort kaum lange verweilen wollen würde, damit sie ihm helfen könnte?
Aber würde sie ihn wirklich allein, im Stich lassen?!

Zum Glück brauchte sie sich mit diesem hypothetischen Problem nicht wirklich befassen. Der Drache mischte sich ein und lieferte wieder wichtige Puzzelstücke zu ihrem Verständnis:
"Wenn das aber mein „Sohn“ sein sollte, dann wird er der neue Herr der Quelle sein und euer Plan ihn vor diesem Schicksal zu bewahren wäre gescheitert."
Gescheitert. Dieser Geist kann dann auch nicht 'nachträglich' den Körper wechseln? Hrrs, schlussfolgerte sie aus den endgültig klingenden Worten frustriert. Ich sollte mich von dieser Idee, dass sowas geht, endlich verabschieden, murrte ihr Hinterstübchen. Geister konnten wohl nicht so einfach von bereitwilligem Körper zu bereitwilligem Körper hüpfen.
Eigentlich wäre das auch ein ziemlich beunruhigender Gedanke, aber so weit schweifte gerade nicht einmal Darna ab. Zumal Fiddatans nächster Satz keine Überraschung mehr war, aber die peinliche Berührtheit teilten Leon und sie dann doch.
Leon nahm sie bei den Schultern und sie sah ihm aufmerksam, aber nahezu ausdruckslos, innerlich noch erschüttert und betäubt, entgegen. „Es... es ist wahr. Ich kann erst nach Weißenfels zurück kehren, wenn wir Verano von diesem Drachengeist befreit haben.“
Weitere Argumente folgten.
Ja, natürlich ist die Chance dann größer.
...
Nun ja, eigentlich schon. Wobei...
...
Ja, natürlich.

Hätte Chasin es betrachten können, wäre es für sie vielleicht interessant oder sogar amüsierend gewesen, wie sich in der Aura der Knappin fast nur orange Zustimmung und auch weiß finden ließen, aber so ein petrolfarbener Sorgenfleck immer wieder auftauchte, als wäre es magische Tinte, die man nicht wegwischen können sollte; und immer wieder an der gleichen Stelle.
„Ich komme mit, Darna." Erleichterung. "Ich lass dich nicht allein. Mein Schicksal kann ruhig noch ein bisschen auf mich warten.“ Stille Freude, ein kurzes Gelb und dann einfach nur weiß pinselten noch einmal gründlich über den Fleck.
"... Danke." Nur ein Wispern, denn mehr bekam sie gerade nicht heraus. In seinen Augen versunken hob sie ihre rechte Hand zwischen seinen Armen hoch, um ihre Fingerkuppen leicht an seine Wange zu legen. Erklär ich es dir später. Doch, ha! Da war der Fleck wieder! Aber ich bin froh, dass du mit kommst! Und noch mal Gelb drüber! Naja, eher weißgelb. Sonnenweiß!
Ihre Lippen waren leicht geöffnet und in ihren Augen lag ein Ausdruck, der geradezu hypnotisierend signalisierte, wie gern sie ihn küssen würde, geküsst werden wollte... Die Gänsehaut kräuselte sich nicht nur in ihrem Nacken, sondern alles zog sie kribbelnd zu ihm. Zwischen ihren Gesichtern entstand ein Flimmern, das man gemeinhin mit 'es knistert zwischen den beiden' umschrieb. Und wie!
Ein schöner Moment, der vielleicht ja sogar absichtlich von der geisterhaften Echse zerstört wurde?

„Fein! Da das nun geklärt ist, will vielleicht jemand noch mitkommen, oder eben nicht?“
„Ich werde mitkommen“, hörte Darna eine Stimme, die sie nicht so wirklich erwartet hatte. Doch es reichte zuerst nicht einmal, um sie mit der gewohnten Abruptheit wieder völlig in die Sachlichkeit zurück zu reißen. Für vier lange Sekunden blieb sie noch an Leons Augen hängen, und registrieren müssend, dass sie gerade nicht allein waren, geriet etwas in Darnas Ausdruck, was völlig neu war: ein stummes 'Ich will dich', das ihren Blick hungrig werden ließ. Sehr hungrig. Die grauen Augen schienen ihm ein Bild zu malen, wie er irgendwo in einer dunklen Ecke an die Wand gedrückt und... heftig geküsst wurde!
Sie blinzelte.
"Basil", wehten zwei Silben abgelenkt mit einer rauen Stimme in den Raum, ehe sie sich räusperte und etwas von Leon abrückte, bevor sie nochmal neu ansetzte: "Ich ähm... äh, schätze, Basilius wird mitkommen wollen. Glaube ich."
Götter, was stammel ich da gerade? Sie räusperte sich nochmal und zog den unteren Saum des Mieders ordnend nach unten.

"Doch nicht", kommentierte sie nüchtern mit unfreiwilligem Humor, nachdem sie den Brief gelesen hatte und reichte ihn an Leon, bei Bedarf auch an Delilah oder Chasin, damit sie ebenfalls bescheid wussten. Sie schaute auf, aber der Grafendrache hatte schon den Raum verlassen. Nun ja. Dass Basil nicht mitkommen würde, ersparte vermutlich etwas organisatorischen Aufwand, und außerdem hatte Darna schon angefangen, sich leise zu fragen, ab wie vielen Personen es eigentlich voll auf einem Drachen würde?
Aber es tat ihr auch leid, dass er nicht mit kam. Ehrlich leid. Die Worte 'Liebste Freundin' gingen ihr noch mehrmals durch den Kopf, während sie zum wiederholten Mal verwundert registrierte, wie schnell sich ihre Beziehung zueinander verändert hatte. "Ich wünsch dir Glück!", wisperte sie fast lautlos, während sie unfixiert zum Fenster in den Sonnenschein sah...
Ich hätte dir so gern geholfen und will es immer noch. Der König hatte versprochen, er mache uns alle zu Rittern, wenn das mit den Drachen irgendwas Gutes für uns wird!
Aber ob das so eine gute Idee war? Wenn Basil nicht einmal dabei wäre, wäre er dann nicht bloß 'Ritter zweiter Klasse' in den Augen von jedem, der davon wusste? Sie kannte die fiese Gerüchteküche. 'Von eines Mädchens Gnaden...' würden sie sicher lästern. Pah! Sie schüttelte kaum merklich den Kopf und ballte unbewusst die rechte Hand zur Faust. Du hast selber die Kraft dazu, Basil! Ich weiß es! Und du wirst es auch noch selber beweisen!
Sie sah auf die feinen Staubpartikel, die im Sonnenschein tanzten und trat direkt ans Fenster, schloss die Augen, spürte die Wärme auf dem Gesicht.
Du hast jetzt Platz, dich zu entfalten, Basil. Gernots Schatten ist weg. Verdammt, wieso rannen ihr jetzt Tränen aus den Augen?! Mach was draus, ich wünsch dir Glück! Und Lysanthors Segen! Du hättest beides verdient.

Es galt, einiges zu organisieren. Auch, oder eben gerade weil sie selber nicht allzu viel Ausrüstung hatten. Und Geld war auch so eine Sache; zumindest für Darna, wenn man es genau durch rechnete. Als sie merkte, dass Delilah erwacht war, kümmerte die Knappin sich darum, dass die Lichtmagierin über die neuen Wendungen und Herausforderungen informiert wurde. Selber nahm sie etwas verblüfft zur Kenntnis, dass Chasin ohne ihren Leibwächter nach Drachma wollte?! Aber nun gut... wer war sie, das zu hinterfragen?
Ihr ging schnell auf, dass damit die einzige mit weltlichen Waffen ausgestattete Person der Gruppe weg fiel. Ein Dunkelelf zudem... Sie hätte sehr gerne gewusst, wie die kämpften! Also, als freundlich gesinnte Kontrahenten! Das war wohl eine Chance, die sie nie wieder erhalten würde. Nun, es war ja nicht so, dass sie schutzlos wären: Ein Drache, zwei Magiere, eine Frau, die Absichten erkannte, bevor sie ausgesprochen wurden und eine Figur, die Dämonen anlockte wie ein Pferdeapfel die Fliegen... nichts, was selbst Darna als 'wehrlos' bezeichnet hätte. Aber die Konstellation verstärkte doch ihren Wunsch, endlich irgendwie an etwas wie eine grundlegendste Rüstung und schnöden Stahl zu kommen! Und die leise Wahrheit war wohl, dass ohne diese Dinge sie sich wehrlos fühlte.

Mehrere Nachrichten waren zu schreiben, auch wenn zwei davon eher nichtssagende Abmeldungen ganz im Stil von Basilius' Nachricht wurden: eine an ihren vormaligen Dienstherren, den Grafen der Wehr Widumar von Aarenhorst. Direkt dort vorstellig zu werden, würde nur Zeit kosten und sicher unangenehme Fragen aufwerfen, weswegen sie lediglich ein Lebenszeichen von sich gab. Geschliffenst höflich bedankte sie sich für die Lehrjahre und all die Fürsorge und wandte sich mit wenigen Zeilen auch direkt an ihren Ausbilder Meister Roderich, an seine Gnaden Talarion und 'ihren' Ritter, Hagen von Weilenscheidt. Nichtsdestotrotz wurde ihr beim Verfassen der Nachricht das Herz schwer. Ihr neues Reiseziel hielt sie bewusst mehr als vage und erwähnte nur General von Pappelhain, der von der Unternehmung wisse.
Gleiches galt... für ihre Familie. Es bereitete Darna großen Kummer, dass sie ihre Familie so lange sträflich vernachlässigte, aber es ging nicht anders. Sie bemühte sich, persönlicher zu werden und betonte, dass es ihr gut ging. Ihrer Frau Mutter zuliebe erwähnte sie sogar, dass sie "einen interessanten und wohlerzogenen jungen Herrn, einen Schüler der hiesigen Lichtakademie, kennengelernt" hatte, aber es wurde im Grunde ähnlich nichtssagendes Blahblah mit eindringlichen Bitten um Nachsicht und Verständnis.
Langsam versteh ich Basils Brief, dachte sie frustriert, Was ihn wohl tatsächlich bewegt und fort treibt? Sie atmete durch und verschloss auch den zweiten Brief.

Kürzer, aber in ihren Augen wichtiger wurde eine Nachricht an den Tempel, "zu Händen von Mutter Ferra Seramisondra, Hohepriesterin in Diensten Florencias", als Absender stand außen ein "Darna von Eibenau, Trägerin der Seelenrose":
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Florencias gedeihen lassenden Segen mit Euch, Mutter Seramis!

Ich hätte Euch gerne persönlich aufgesucht, um mich nach dem Schicksal der Kerne zu erkundigen, doch die Umstände lassen es nicht zu; neue Dringlichkeiten zwingen mich, schon heute Abend die Stadt wieder zu verlassen. Sollte ein Bote bis dahin noch Kunde ins Schloss bringen können, würde ich mich über eine Nachricht, die Kerne und ihr Schicksal betreffend, sehr freuen.
Wichtiger ist mir aber, Euch noch gesondert darauf hinzuweisen, dass die Seelenrose nicht auf direktem Wege zu mir fand:
In Serna lebt in der Herberge "Roseneck" die vielleicht fünf Sommer zählende Elli Bromer.
Sie war es, die durch nächtlichen Traum von der blühenden Göttin auf das zu uns gesandte 'Samenkorn' aufmerksam gemacht wurde, es zielsicher im Garten fand und vor meinen Augen offensichtlich als Medium diente, um wunderschön in allen Grüntönen strahlende Kraft in die Pflanze zu lenken und sie so zu einem stark beschleunigtem Wachstum zu bringen. Während dieses Ereignisses schützte die Göttin sie sogar vor einer möglichen Ansteckung mit Morgerias Hauch. Elli war somit die erste Person, die uns vor dem Hauch gerettet hat, auch wenn unser Dank Florencia gilt.
Elli wurde mit einer, wie man es laienhaft nennen muss, 'Entstellung' im Gesicht geboren, die ihre Haut wie borkige Rinde wirken ließ. Ihr ganzes Wesen ist herzlich, aufgeschlossen und gut, und ich möchte Euch dringendst nahe legen, dieses Kind selber in Augenschein zu nehmen! Ich würde mich dafür verbürgen, dass Elli in hohem Maße die Gunst Florencias genießt.

Wenn sich dieses bewahrheitet und sie für den Dienst an der Göttin zu gewinnen sein sollte, muss ich etwas Persönlicheres anmerken:
Ich lernte Elli zunächst dadurch kennen, dass sie sich mit kindlichem Eifer wünschte, Ritter zu werden, und mich - als weibliche Knappin - für die Zeit als Vorbild bewunderte. Noch ohne von ihrer Gabe zu wissen, unterwies ich sie in einigen grundlegendsten Dingen und befeuerte somit ihren Wunsch. Ich bin mir bewusst, dass es als kindisch angesehen werden mag, diesen Wunsch ernst zu nehmen und dass er schon morgen vergessen sein könnte. Doch ich habe Elli trotz der kurzen Zeit sehr lieb gewonnen, und sollte ihr Wunsch länger Bestand haben, täte es mir in der Seele weh, wenn Elli sich ausgerechnet von mir durch den obigen Hinweis 'verraten' fühlen würde. Ich hoffe, Ihr könnt mir meine hoffentlich unnötige Sorge verstehen und mir nachsehen.
Sollte sich Elli je in dieser Richtung äußern, bevor ich sie wieder treffen konnte, richtet ihr bitte von mir aus, dass dies keineswegs meine Absicht war, sondern ich mich nur bemühe, ihr auf dem Weg zu ihrer Bestimmung zu helfen, wenn es diese denn sein sollte. Ich bin mir sicher und möchte es auch, dass sie glücklich wird, egal was sie letztlich als ihr Schicksal betrachtet.
Wenn sie den Traum vom Rittertum weiter träumt, sagt ihr bitte


*ihre Hand schwebte lange Momente zitternd über dem Papier*

dass man vor Lysanthor vor allem im Herzen Ritter ist. Egal, welchen Berufes Kleidung man trägt.
Schriftrolle Fuss

Wer immer sich gerade in der Nähe der Knappin befand, er oder sie würde merken können, dass Darna einige Tränen nicht zurück halten konnte und sie verschämt wegwischte. Elli hatte, was sie bei Kindern nicht für so leicht möglich gehalten hätte, ihr Herz im Sturm erobert. Das lag längst nicht nur an dem Gefühl, dass Elli ihr durch ihr Eingreifen das Leben gerettet hatte. Ein kleines Kind...
Wieder musste die Knappin Tränen weg kämpfen, als sich ihr ein Gedanke aufdrängte:
Sollte dich je ein Idiot dafür auslachen oder dir das absprechen wollen, lass dir ja nichts von ihm einreden, Elli!!
Ja, der eigentliche Grund lag wohl darin, dass Darna sich viel zu sehr in dem kleinen Mädchen wieder zu finden glaubte. Und jetzt brachte ausgerechnet sie womöglich Prozesse in Gang, die Elli den Traum vom Ritter sein verbauten...?
Und was war mit ihr selbst? Sie hatte sich vorgenommen, nur Schritt für Schritt weiter zu denken, aber es klappte in diesem Moment nicht. Ihre eigene Zukunft lag mal wieder - oder immer noch - ungewiss vor ihr. Ihr Weg führte sie weg von Jorsa, fort aus dem Schloss, und damit weg von ihrem Traum. Schlimmer noch, sie hatte sich selbst den Ritterschlag verbeten, selber ihren eigenen Plan vereitelt! Wie bescheuert musste man sein?! Ob sie wirklich jemals eine zweite Chance erhielte? Sie hatte keinen Schimmer, was dieses 'mit einem Drachen verbinden' bedeutete und was es für Konsequenzen haben würde. Wenn es überhaupt klappte. Im Moment ordnete sie alles, absolut alles der Notwendigkeit unter, dass sie dieses drohende Portal in den Harax los werden musste.
Aber dass ihr Traum an Geschehnissen zerbrechen mochte, die sie komplett weder aufhalten noch steuern konnte, tat gerade einfach nur weh! Würde sie sich etwa auch damit begnügen müssen, 'Ritter im Herzen' zu bleiben?
Schreib ich ihr hier nur irgendwelchen halbgaren Mist, den ich mir selber nicht abkaufen würde?
Sie widerstand mit steinerner Miene der Versuchung, in einem Impuls das Schreiben einfach nur zu zerknüllen, zu zerreißen und an die Wand zu feuern.
Aber nein. Nein. Alle haben es mich gelehrt, dass das die erste Voraussetzung ist: 'Ritter wird man nicht, sondern es wird zum Ritter geschlagen, wer Ritter ist.'
Durchatmen.
Sie wusste selber, dass das eine Illusion war, die so manches Mal nicht den Tatsachen der harten Realität entsprach. Aber das war nicht ihr Maßstab, und sollte es auch nie sein. Ich kann Elli nur beibringen, was ich selber glaube. Und dass der Ritter wird, der zur richtigen Zeit die richtigen Leute besticht, soll Gernot ruhig glauben... aber nicht ich!
Durchatmen. Sie hätte fast ihre Unterschrift vergessen, aber schließlich landete das Schreiben doch auf dem Stapel, der einige der Boten beschäftigen würde.
Zudem würde sie darum bitten: sollte Basilius von Gudenberg noch ähnlich wie sie im Aufbruch befindlich anzufinden sein, möge man ihm bitte ausrichten, dass alles in Ordnung sei, man ihm viel Glück wünsche und wirklich auf ein baldiges Wiedertreffen hoffe.

Ausrüstung.
Ein Kettenhemd und ein Rapier? Sollte sie deswegen tatsächlich seine Durchlaucht von Pappelhain belästigen? Das schien Irrsinn, denn für einen Mann seines Standes wäre allein das Vortragen ihrer Bitte glatte Verschwendung seiner kostbaren Zeit. Würde Darna diese Dinge aber aus eigener Tasche bezahlen, wäre sie danach so gut wie pleite. Ein Rapier war mit gut drei Lysanthemern noch machbar, aber schon ein anständiges Kettenhemd kostete locker neun bis zehn Lysanthemer. Wenn diese Preise noch stimmten... Schon in Serna hatte Darna anderes erlebt, und es war Krieg.
Es nützte nichts, dieses unangenehme Thema 'Geld' musste mit den anderen besprochen werden. Da Chasin ohnehin seine Majestät vom Sinn der Unternehmung überzeugen wollte, konnte sie vielleicht um derartige Unterstützung bitten?
Wenigstens erwies sich Darna als begabt, was die Zusammenstellung und sinnvolle Verteilung an Ausrüstung betraf. Sie empfahl jedem einen Rucksack, wobei sie auf Chasins Befindlichkeiten gesondert Rücksicht nähme, dass die Tha'roon schon dafür womöglich zu zerbrechlich war. Dann mussten die der anderen halt reichen. Aber zum Schlafen unter ungemütlichen Bedingungen war es empfehlenswert, nicht nur eine Wolldecke, sondern auch eine (dünne) Matte aus Filz als Unterlage mitzunehmen. Beides ließe sich ineinander gelegt zu einer Rolle formen, die man dann in eine gewachste Plane einschlug. Damit konnte man zeltähnliche Unterstände improvisieren. Die Rolle wurde über dem Rucksack befestigt und auf den Rücken geschnallt.
Ein kleiner Kochtopf, Feuerstein und Zunder, ein scharfes Messer, eine Rolle feste Schnur. Wichtigste Gebrauchsgegenstände stellte die Knappin zusammen und verteilte sie auf den vorhandenen Platz, reduzierte auf das Nötigste. (#siehe PN) Dabei hatte sie nicht viel echte Wildniserfahrung vorzuweisen - aber bei den wenigen Ausflügen mit Sir Hagen die Liste von Dingen auswendig gelernt.

Als es Zeit war, Frau Tesséras und Herrn Mortimer aufzusuchen, holte Darna ihre eigenen paar Habseligkeiten. Viel war es nicht. Nach etwas Zögern schien sie aber tatsächlich darauf zu bestehen, auch ausgerechnet das Stockschwert mit in ihren Gürtel zu stecken, das Elli ihr geschenkt hatte! Sie hatte bisher kaum Zeit gehabt, es sich überhaupt auch nur anzusehen, was sie endlich nachholte. Vielleicht wussten Delilah oder Leon, was das für eine gebogene Wurzel war? Das andere Stück Holz war wohl Birke. Nachdenklich betrachtete sie das kleine Geschenk. Es erinnerte sie unweigerlich unangenehm an das Gefühl, zu verbrennen, aber das wollte sie nicht Elli und diesem Ding anlasten. Sie prüfte sogar, ob die Stöcker fest genug aneinander gebunden waren und wenn es irgend ging, nahm sie es mit.
Die Pferde und überschüssigen Ausrüstungsgegenstände, die von dem Paket von Herrn Bromer zurück blieben, überprüfte sie auf ihren Zustand, verstaute alles sorgsam und übergab Frau Tesséras den Brief von Ewald Bromer an seinen Bruder, zusammen mit einer Erklärung, was zu den Dingen vereinbart worden war. Darna schätzte die Kosten der Dinge ab, die sie heraus genommen hatte und legte entsprechend Geld als Entschädigung dazu.
Auch bei Mortimer blieb sie bescheiden, aber praktisch veranlagt.
Nur einen Luxusgegenstand versuchte sie zu organisieren, wenn nicht die Diplomatin selber etwas derartiges mitnahm. Auch wenn ihr die Thematik ausgesprochen unangenehm zu sein schien:
einen Handspiegel...?

Insgesamt schien Darna der relativ frei gestaltbare Tag mitsamt sinnvoller Beschäftigung wirklich gut zu tun. Sie holte es bei nächster Gelegenheit so früh wie möglich am Tag nach, ihr übliches Gebet an Lysanthor zu richten, wobei sie einige stille Minuten danach dazu nutzte, an all die Menschen zu denken, die ihr am Herzen lagen und des Lichtherrn Schutz für sie zu erbitten.
Es drängte sie danach, sich zu bewegen, was man manchem Wippen auf den Fußballen oder kurzem Lauf anmerkte - aber die Notwendigkeit, in direkter Nähe von Delilah oder Leon zu bleiben, schränkte sie tatsächlich ein. "Dabei hatte ich sogar schon überlegt, ob ich Basil nach einem Übungskampf frage", merkte sie ein mal etwas bedauernd sehnsüchtig an.
Aber was Leon betraf, nutzte sie die Zeit nach einem irgendwie organisierten Mittagessen, um mit ihm ein mal unter vier Augen zu sprechen, denn ihr lag noch etwas auf dem Herzen:
"Leon?
Ich wollte dich um Entschuldigung dafür bitten, dass ich bei der Idee, dich nach Weißenfels zu bringen, so unbedacht losgeplappert habe." Sie hatte zu Beginn mal wieder die Hände auf den Rücken geschoben und senkte bei der Entschuldigung den Blick.
"Es geht mir keineswegs darum, dass ich dich 'loswerden' oder allein lassen wollen würde, wirklich nicht! Ich mache mir nur die ganze Zeit Sorgen. Sorgen um Weißenfels. Wenn Rugta befreit worden ist, gehe ich fest davon aus, dass in dem Gebiet versprengte Reste, wenn nicht sogar erhebliche Mengen an Orks und Dunkelelfen herum laufen."
Sie sah ihn besorgt an. Machte sie sich wirklich so viele Gedanken um sein Zuhause?! Es schien so. Sie wurde leiser:
"Und in Weißenfels ist... nur Neroli? Ich meine..." Darna atmete durch und schien sich rechtfertigen zu wollen: "Ich kann mir denken, dass Weißenfels nicht ohne Schutz ist, weiß ja aber nicht, wie der aussieht. Denkst du, es wird reichen? Ohne... Verano?"
Je mehr sie redete, desto mehr bekam Darna Schuldgefühle, in Leon womöglich doch noch Gewissensbisse oder gar Zweifel zu wecken. Aber eher hoffte sie eigentlich darauf, dass er sie beruhigen konnte. Unbeholfen griff sie nach seinen Händen und kam näher. "Es tut mir leid", wisperte sie. "Wenn es um meine Wünsche ginge, wärest du der letzte Mensch, den ich nicht um mich herum haben wollen würde. Ich wünsche mir niemanden sehnlicher in meiner Nähe als dich."
'Aber'.
Dieses verdammte 'aber' schwang selbst unausgesprochen immer noch bei ihr mit. Denn was ihre eigenen Wünsche wären, das schien auf ihrer Prioritätenliste irgendwo ganz unten zu stehen. Auf der Rückseite.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 26. Juli 2018, 23:04

(gepostet von Zanfars Moderator)

Zanfar ging schnellen Schrittes aus dem Bad und verließ wortlos die Gemächer. Zu aufgewühlt um auch nur ein paar nette Worte an die Helden im Raum zu verlieren. Erst einige Flure später klärte sich sein Kopf genug, um zu realisieren wie unhöflich er da gerade war. Aber wie viel bedeutete es schon?
San Walsings anliegen würde eine willkommene Abwechslung von der sich öffnenden Leere in seiner Brust bieten. Nun musste er sich nur auf dem Weg zu ihm überlegen, ob er Chasins Neuigkeit erst einmal lieber für sich behielt.


'Auf dem Weg zu ihm'... und wo war er? Ups. In seiner Aufgewühltheit hatte Zanfar überhaupt nicht beachtet, wo genau er eigentlich hin musste. Da hatte in der Nachricht nichts von gestanden, oder? War da nicht von einem Boten die Rede gewesen...?
Als der Nichtgenannte sich zwangsläufig umdrehte, um sich überhaupt ein mal zu orientieren, registrierte er einen leicht abgehetzt wirkenden Bediensteten, der sich mehrere Schritt entfernt fast am anderen Ende des Flures befand und ihn mit fragendem Blick ansah und die Hand leicht hob, als gehöre er zu ihm.
"Wenn Ihr mir folgen wollt, der Herr..?", fragte er hörbar verunsichert, aber höflich, als sie einander näher kamen, "Oder soll ich Herrn san Walsing ausrichten, dass Ihr der Einladung nicht folgen wollt?"
Der Bote musste ihm gefolgt sein, teils gar gelaufen. Und er hatte es nicht mal bemerkt!


(weiter bei: Jorsans Palast -> Gelber Saal - "Es ist Krieg!" )
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Delilah » Dienstag 31. Juli 2018, 03:35

Ein Traum, das konnte also nur ein Traum sein. Natürlich jetzt ergab alles Sinn. Oder eher, der fehlende Sinn erklärte sich nun hier. Ein Dämonenkaninchen, wer dachte sich denn sowas aus? Lächerlich. Denn nun kniete Darna auch noch vor ihr und alle sahen sie vollkommen verschreckt an. Oder verzückt? Was sich der erschöpfte Geist am Ende eines langes Tages so alles ausdachte… Ja, das konnte nur ein Traum sein. Das würde auch erklären, warum das Bild nun vor ihren Augen verschwamm. Ein Paar vertrauter Arme fing sie auf und dann flog sie flügellos. Zumindest berührten ihre Füße nicht mehr den Boden. Erschöpft und erleichtert schmiegte sich Delilah an den Dunkelelfen, als gäbe es keinen sicheren Ort auf der Welt. Und dann lag sie in watteweichen Wolken, dort wo nichts zwischen ihr und dem blauen Himmel stand. Herrlich. Delilah lächelte im Schlaf und träumte vom Fliegen und der Sonne.

Als sie die Augen öffnete war ihr, als hätte Zanfar sie gerade in seinem Bett abgesetzt. Sein Duft lag noch in der Luft. Hatte sie die Tür klappen hören? Abrupt setzte sie sich auf und ihr drehte sich kurz der Kopf. Der Raum wirkte plötzlich erschreckend leer, aber woran lag das? Die Schwerter… die Schwerter, die vorher wie selbstverständlich hier gelegen hatten, waren fort. Delilah fühlte sich auf einmal sehr allein. Etwas wackelig auf den Beinen begab sich die Lichtmagierin zurück in das Wohnzimmer der Diplomatin, wo Darna sie auf den neusten Stand der Dinge brachte. Die junge Jorsanerin brauchte einen Moment, um die neuen Pläne zu verdauen. Die Aussicht auf einem Drachen zu fliegen war beängstigend und aufregend zu gleich. Fliegen. Wer hatte nicht schon einmal davon geträumt?! Aber das würde kein fröhlicher Ausflug. Das war ein ausgewachsenes Abenteuer weiter fort von ihrer Heimat als jemals zuvor. Kurz atmete Delilah tief durch. „Ich komme mit.“ Natürlich. Als würde sie Leon und Darna alleine lassen. „Aber vorher möchte ich mich von meiner Großmutter verabschieden.“

Delilah überließ gerne Darna die Planung der Reiseausrüstung, da hatte sie kein Wissen anzubieten. Sie gab nur noch kurz zu bedenken, dass sie noch etwas Grundausrüstung bei ihrer Großmutter und Ganbu – dem Streitross – zurückgelassen hatte. Bald saßen Delilah und Darna beieinander und schrieben beide Nachrichten, die sie den königlichen Boten übergeben würden. Die erste Notiz war an Zanfar gerichtet, der laut Darnas Aussage ohne ein Wort der Erklärung aus dem Zimmer gestürmt war, aber wohl nicht mit auf die Reise kommen würde.

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„Lieber Freund,

Die Welt ist voller großer und kleiner Wunder.
Das hat mir die Begegnung mit dir erneut bewiesen.

Egal, was in der Vergangenheit liegt, du kannst stolz sein auf den, der du jetzt und hier bist und auf das, was du erreicht hast. Ich schicke dir meine wärmsten Wünsche auf deinen zukünftigen Weg.

Mögen die Götter dir wohlgesonnen sein, und so sie es wollen, werden wir uns eines Tages wiedersehen.

Herzlichst,
Deine Delilah“
Schriftrolle Fuss


Das Herz war ihr schwer geworden, während sie die wenigen Worte niedergeschrieben hatte, für die sie erstaunlich lange gebraucht hatte. Verstohlen wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr nächster Brief ging an Raphael, den Grauen der Inquisition.


„Raphael,
An einem Tag, der mir nun unendlich weit fort scheint, habt Ihr mir und meinem Schicksal auf den Weg geholfen, als Ihr mich der Akademie anvertraut habt. Und eben jenes Schicksal ist es nun, dass mich in die atemberaubendsten Situationen bringt. Ich verweile leider zu kurz wieder in Jorsan, um Euch persönlich zu besuchen. Mir geht es gut, so viel möchte ich Euch wissen lassen und an meiner Seite stehen Freunde und Vertraute. Mein Vertrauen in die Welt wurde geprüft, doch es ist wieder so stark wie eh und je.

Ich begegnete in den Nebellanden einem Inquisitor der pelgarischen Inquisition, Gunther Brockhardt. Ich hoffe, er ist inzwischen wohlbehalten bei euch eingetroffen. Er überließ mir sein Streitross Ganbu um mir weiterzuhelfen und ich möchte, dass es den Weg zurück zu ihm und zur Inquisition findet. Es befindet sich momentan bei meiner Großmutter und wird dort gut versorgt. Ihr wisst sicherlich am besten, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Ich hoffe, Ihr seid wohl auf und habt die Krise des Hauchs gut überstanden. Dies alles sollte nun beendet sein.
Ich werde nun wieder auf unbestimmte Zeit fortgehen, um an anderer Stelle zu helfen, und weiß nicht, wann ich zurückkehre. Doch ich hoffe, dass dann genug Zeit bleibt, um Euch wiederzusehen. Dann könnt Ihr selbst beurteilen, was aus Eurem Schützling geworden ist.

Ich wünsche Euch von tiefstem Herzen alles Gute dieser Welt,
Delilah Tesséras“
Schriftrolle Fuss


Einen ähnlich vagen Brief schrieb sie an Magi Sixtema.


„Sehr geehrte Magi Sixtema,

Ich, Delilah Tesséras, kann berichten, dass ich wieder wohlauf bin. Körper und Geist hatten die Möglichkeit zu heilen und ich kehrte gestern zurück in die Stadt. Der Quell des Hauchs war dämonischen Ursprungs und wurde von tapferen Streitern, darunter Leon von Weißenfels, ausgelöscht. Dies sollte den Ausbruch hoffentlich leichter kontrollierbar machen. Neue Aufgaben haben sich jedoch aufgezeigt, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, und Leon und ich werden auf unbestimmte Zeit leider weiterhin abwesend sein. Wir werden Jorsan noch heute wieder verlassen. Ich hoffe jedoch, dass ich an einem fernen Tag meine Ausbildung unter Eurer weisen Leitung weiterführen darf.

Mit freundlichen Grüßen,
Delilah Tesséras“
Schriftrolle Fuss


Bald darauf saß sie wieder in der Küche ihrer Moma und atmete tief die Gerüche ihrer Kindheit. Sie hatte Mortimer gebeten, den Gutschein für ein Kleid, den er ihr vor einer Ewigkeit gegeben hatte für warme Reisekleidung nutzen zu dürfen und zurück im heimischen Garten hatte sie sich von Ganbu verabschiedet. Das Pferd war ihr ans Herz gewachsen. Nun saß sie hier und betrachtete sanft lächelnd ihre Moma, die gerade Tee zubereitete. In ihren Händen hielt sie den Brief, den sie zwischen den Sachen in der Satteltasche von Ganbu gefunden hatte. Er war ungelesen seit den Nebellanden mit ihr gereist. Was Verano ihr wohl damals geschrieben hatte? Sich schlug das Papier auf...

„Ich werde wieder fortgehen.“, sagte Deli wenig später mit leicht belegter Stimme. Eigentlich überflüssig. Dieser Blick in Resas Augen, als sie ihrer Enkelin die Tür geöffnet hatte. Ihre Moma hatte gewusst, dass dies ein Abschied werden würde, noch ehe sie die ersten Worte herausgebracht hatte. Dies hier war wichtig, damit Delilah nachher zieltstrebig voraus schauen konnte und nicht zurück. Diesmal wenigstens hatte sie die Möglichkeit Dinge zu erledigen, abzuschließen, sich zu verabschieden. Nicht so wie letztes Mal, wo sie ohne Vorwarnung verschwunden war.
„Ich werde mit Darna, Leon und einer Diplomatin des Königs reisen. Es wird ein spannendes Abenteuer, vielleicht kann ich danach ein eigenes Märchenbuch schreiben.“ Sie lächelte schief, während ihr ein paar Tränen still über die Wangen liefen. „Ich hab dich ganz doll lieb, Moma. Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder verlassen muss.“ Sie schluckte. „Wenn ich wiederkomme… dann…dann nehm ich mir Zeit und… wir können den Garten neu gestalten oder das Vogelhaus bauen, das wir schon so lange basteln wollten…“ Delilah verstummte. Es fühlte sich merkwürdig an, Pläne zu machen, wenn doch so unklar war, was die Zukunft bringen würde und wann und… OB sie zurückkehren würde. Energisch wischte sie sich einige Tränen aus dem Gesicht. Egal wohin sie gehen würde. Dieser Ort und alle seine Erinnerungen wären bei ihr. Immer. Ihre Moma wäre bei ihr. Jorsa wäre bei ihr. All dies hier war ein Teil von ihr. Ihre Moma wusste das sicher und dennoch sprach Delilah ihre Gefühle noch einmal aus. „Du bist die beste Familie, die ich mir wünschen kann und du hast mir das wundervollste Zuhause geschenkt, das ich mir vorstellen kann. Das gibt mir so viel Kraft. Du machst mich stark. Ihr seid ein Teil von mir… aber ich bin auch ein Teil von euch und du wirst mich nie verlieren, egal wohin ich gehe.“ Sie schloss ihre Moma fest in die Arme und flüsterte in die grauen Haare. „Ich bin immer hier und bei dir, komme was wolle.“
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 2. August 2018, 10:56

Ein Tag des Abschieds schritt voran. Viel war zu erledigen und noch mehr zu bedenken, wenn man bewusst sein Heimat verließ um in eine unbestimmte Ferne zu ziehen. Unausgesprochene Fragen schwirrten durch die Köpfe der Freunde und machten sie ruhelos. Wohin ging es? Drachma.... Wie würde es dort sein? Aber die Gedanken schweiften vor allem in die Vergangenheit und zu dem was das Herz schwer machte. Würden sie Jorsa je wieder sehen? Würden lang gehegte Träume sich irgendwann erfüllen oder für immer verfliegen? Würden die Liebsten, die man zurück ließ noch da sein, wenn man eines Tages hoffentlich zurück kehrte?
Wie ein nebulöses Omen schob sich zur Mittagsstunde eine dichte graue Wolkenschicht über den Himmel der Stadt, als wenn die Zukunft sich bewusst verhüllen wollte und keine der Fragen in den Herzen der Menschen beantworten würde.

Die Stunden vergingen mit Fleiß und Tat, mit Tränen und Ängsten, mit Zuversicht und Zusammenhalt. Darna stellte sich einmal mehr als überragend organisiert heraus und erleichterte so den Anderen das Leben. Ihr Wissen um al die kleinen Dinge, die sie benötigen würden vermittelte Sicherheit und Vertrauen. Ein um andere Mal erntete sie einen dankbaren Blick. Ganz selbstverständlich erhielt sie so auch kurz bevor sie die Pläne in die Tat umsetzen konnte, von Chasin einen winzigen Beutel mit einem dazu gehörigem Brief:
„Den gibst du bei dem königlichen Juwelier ab. Verberge ihn gut und lass beides ausschließlich den Meister öffnen. Er wird dir im Austausch dafür eine Summe geben, die du dann zu unserer Ausrüstung frei verwenden kannst.“
Selbstverständlich tat Darna wie geheißen und befolgte auch geflissentlich die Anweisung der Diplomatin, auch wenn es ihr sicherlich vor Neugierde unter den Fingernägeln brannte, was in dem Beutel war. Was auch immer im Beutel sich befand, es war klein, kantig und sie erhielt im Austausch dafür 60 Lysanthemer. So stand ihren Wünschen kaum noch etwas im Wege. Sogar der kleine Handspiegel der Diplomatin fand zu den Sachen, die sie mitzunehmen gedachten.
Dann wurde es Zeit Boten mit Briefen an die lieben Verwandten auszusenden, die Obrigkeit in Kenntnis zu setzen und Freunden Nachrichten zu übermitteln. Als Darna dabei an das Schicksal der kleinen Elli dachte, kamen ihr die Tränen und einmal mehr war es schön Leon in ihrer Nähe zu wissen, der diesen Lebensabschnitt mit ihr geteilt hatte, um ihre Traurigkeit wusste und sie tröstete. Wieder einmal stand die Knappin an einem Kapitelende und die Geschichte trug sie weiter. Doch jetzt und hier war es wichtig noch mit den liegen gebliebenen „Kleinigkeiten“ aufzuräumen...

"Leon?“
Sein apartes Gesicht hob sich von einigen Zeilen die auch er zu schreiben hatte und er sah sie aufmerksam an.
„Ich wollte dich um Entschuldigung dafür bitten, dass ich bei der Idee, dich nach Weißenfels zu bringen, so unbedacht los geplappert habe."
Sie hatte zu Beginn mal wieder die Hände auf den Rücken geschoben und senkte bei der Entschuldigung den Blick. So entging ihr vorerst seine Mimik.
"Es geht mir keineswegs darum, dass ich dich 'loswerden' oder allein lassen wollen würde, wirklich nicht! Ich mache mir nur die ganze Zeit Sorgen. Sorgen um Weißenfels. Wenn Rugta befreit worden ist, gehe ich fest davon aus, dass in dem Gebiet versprengte Reste, wenn nicht sogar erhebliche Mengen an Orks und Dunkelelfen herum laufen."
Sie sah ihn besorgt an. Machte sie sich wirklich so viele Gedanken um sein Zuhause?! Es schien so. Vielleicht war es so, weil - wenn alles gut lief - es irgendwann auch IHR Zuhause sein würde?
Sie wurde leiser:
"Und in Weißenfels ist... nur Neroli? Ich meine..."
Darna atmete durch und schien sich rechtfertigen zu wollen:
"Ich kann mir denken, dass Weißenfels nicht ohne Schutz ist, weiß ja aber nicht, wie der aussieht. Denkst du, es wird reichen? Ohne... Verano?"
Je mehr sie redete, desto mehr bekam Darna Schuldgefühle, in Leon womöglich doch noch Gewissensbisse oder gar Zweifel zu wecken. Aber eher hoffte sie eigentlich darauf, dass er sie beruhigen konnte. Unbeholfen griff sie nach seinen Händen und kam näher.
"Es tut mir leid."
, wisperte sie und zeitgleich wurde ihr Kinn sanft von seiner Hand gehoben, sodass sie gezwungen war in seine schönen Augen zu sehen. Schimmerten sie wieder? Tatsächlich! Aber das taten sie schon eine Weile... seit... seit... sie konnte es nicht genau bestimmen.
"Wenn es um meine Wünsche ginge, wärest du der letzte Mensch, den ich nicht um mich herum haben wollen würde. Ich wünsche mir niemanden sehnlicher in meiner Nähe als dich."
'Aber' -
Dieses verdammte 'aber' schwang selbst unausgesprochen immer noch bei ihr mit. Denn was ihre eigenen Wünsche wären, das schien auf ihrer Prioritätenliste irgendwo ganz unten zu stehen. Auf der Rückseite der Geschichten, der Romane, die sie einst über ihre Abenteuer schreiben könnten. Doch in diesem Augenblick war das alles egal! Einzig die Anwesenheit der Anderen hielt Leon ab sich das zu nehmen was er begehrte. Ihr Worte hatten etwas entzündet. Sein Blick brannte auf ihren Lippen so heiß, dass die Vorstellung von ihm grob gegen eine Wand gepresst zu werden, dagegen wie ein träge dahin schmelzender Eiszapfen in der Mittagsstunde wirkte. In seinen Augen lag eine Dringlichkeit, ein Bedürfnis, dass noch viel mehr war, als bloßes Verlangen. Das hier war ...Liebe?!
Darna konnte das Pulsieren einer Ader an seinem Hals wahrnehmen, die Hitze die von seinen Händen an ihren Schultern ausging. Er berührte sie immer nur flüchtig und doch war es, als würde er sie jedes Mal in Brand setzen. Ihre Haut kribbelte dort, wo er sie streichelte, brannte und hungerte nach einem unbestimmten „mehr“! Leon schluckte schwer und presste einen Moment zu Augen zu. Mehr als nur ungern löste er sich und schaute sich verstohlen im Raum um. Ja, hier waren definitiv zu viele Leute. Wären sie allein gewesen, wer weiß was dann geschehen wäre. Doch öffentliche zur Schau Stellung von Zärtlichkeiten oder Verlangen, war schlicht unschicklich und er zu gut erzogen. So blieb für einen Atemzug nur die vage Vorstellung von „mehr“ und das Bedauern zurück. Ein vorausschauender Geist hätte in diesem Moment unken können, dass Darna und Leon eine schwere Zeit der Prüfungen bevor stand, Prüfungen ihrer Selbstbeherrschung, ihrer Kontrolle, ihrer Disziplin, ihrer Geduld, ihrer Standhaftigkeit und vielleicht sogar ihrer Moralvorstellungen. Er hatte dann wohl ihre Entschuldigung angenommen. Er nickte langsam und sprach ruhig und leise:
„Weißenfels muss sich diese Tage um sich selbst kümmern und mir tut jeder leid, der sich dort hin verirren sollte.“

...

Derweil saß Delilah wieder in der Küche ihrer Moma und atmete tief die Gerüche ihrer Kindheit ein. Sie hatte den Schneider Mortimer am Nachmittag mit Darna zusammen besucht und gebeten, den Gutschein für ein Kleid, den er ihr vor einer Ewigkeit gegeben hatte für warme Reisekleidung nutzen zu dürfen. Dieser hatte nur lächelnd abgelehnt und ihr nur zu gern gegen einen winzigen und völlig zu niedrig angesetzten Preis alles nötige überlassen. Die Gelder der der Knappin hatten an dieser Stelle sich kaum vermindert und zurück im heimischen Garten hatte Delilah sich von Ganbu verabschiedet. Das Pferd war ihr ans Herz gewachsen und der Hengst schien ebenfalls von dem Abschied zu spüren, denn er lehnte seine breite Stirn fest gegen ihren Leib, bevor sie wieder zu ihrer Moma ins Haus ging. Darna war ins Schloss zurück gekehrt um dort Kettenhemden und Waffen zu organisieren.
Nun saß die junge Lichtnovizin hier und betrachtete sanft lächelnd ihre Moma, die gerade Tee zubereitete. In ihren Händen hielt sie den Brief, den sie zwischen den Sachen in der Satteltasche von Ganbu gefunden hatte. Er war ungelesen seit den Nebellanden mit ihr gereist. Was Verano ihr wohl damals geschrieben hatte? Sich schlug das Papier auf...
Im ersten Augenblick war das Pergament leer, dann … fing eine unsichtbare Feder an zu schreiben und sie beobachtete voller Staunen, wie von „Geisterhand“ geführt die Worte entstanden:

Versteckt:Versteckten Text anzeigen

**Verehrtes Fräulein Delilah,

ich freue mich sehr, dass sie meine Zeilen zu lesen, wenn gleich es auch bedeutet, dass ich verschieden bin. Schauen sie nicht so überrascht drein. Ja, ich bin es. Ihr verbundener Freund und Helfer. Genauer gesagt, ist es ein Teil meines Geistes, den ich hier in dieses Pergament gebannt habe. Magie ist schon etwas erstaunliches. Doch nichts ist so erstaunlich wie das Leben selbst.
Es stimmt mich traurig, dass wir uns trennen mussten, doch ich befürchtete schon, dass mein Leben bald einen gänzlich endgültigen Weg nehmen würde, welchen genau, blieb auch mir verschlossen. Bitte verzeihen sie mir mein Schweigen dazu. Vieles was die Geister mir zuflüstern ist oft schädlich für die Lebenden. Sie haben ja selbst meine treue Rukulla kennen gelernt. Sie lässt übrings schön grüßen. Aber ich will sie nicht weiter verwirren. Warum ich ihnen dieses Schreiben vermache ist denkbar einfach.
Ich habe in ihnen ein Licht gesehen, dass auf jeden Fall meine und vielleicht auch die Welt an sich verändern könnte. Ich möchte ihnen als Geist mit Rat auf ihrem Weg zur Seite stehen, denn ich hatte sie in der Zeit meines Leben sehr lieb gewonnen. Vielleicht haben sie Freude an einer Brieffreundschaft mit einem Geist, wenn auch es nur dieser kleiner Teil von mir ist. Wann immer sie eine Frage an mich stellen möchten, so schreiben sie ihre Worte mit einer farbigen Flüssigkeit auf das Pergament und ich werde über Nacht antworten. Ich freue mich auf ihre Berichte aus dem Leben und unsere Korrespondenz und verbleibe bis dahin

Ihr Freund
V. **
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Auf der untersten Zeile entstand ein Wasserzeichen, dass Delilah so gut kannte. Es war das Wappen der Weißenfels. Dann verblasste alles. So oft sie das Blatt auch wendete, die Zeilen blieben verschwunden.
-
Veranos Geist!
-
...ein Teil davon!
-
Warum hatte sie nur nicht schon früher an das Geschenk des Grafen gedacht?! Seine Zeilen klangen tatsächlich so, als würde er sehr aktuell mit ihr „sprechen“ doch nichts, von der derweil verronnenen Zeit wissen. Und er würde ihr „über Nacht“ antworten, wenn sie mit farbiger Flüssigkeit an ihn schrieb. Himmel, was für ein Geschenk! Was für ein Vermächtnis! Und das hatte sie die ganze Zeit bei sich getragen?! Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn sie es verloren hätte?! Verano war noch immer bei ihr! ...in den Satteltaschen eines Pferdes, aber er hatte sie nicht gänzlich verlassen. Und gerade jetzt entdeckte sie ihn wieder, jetzt wo sie schon fast geglaubt hatte diesen Teil der Geschichte hinter sich gelassen zu haben und weiter ziehen zu müssen. So viel neues wartete auf sie und hier war er nun. Der Geist der Vergangenheit.

„Ich werde wieder fortgehen.“
, sagte Deli wenig später mit leicht belegter Stimme. Eigentlich überflüssig. Ihre Moma hatte gewusst, dass dies ein Abschied werden würde, noch ehe sie die ersten Worte herausgebracht hatte. Alles fühlte sich nach Abschied an. Doch dies hier war wichtig, damit Delilah nachher zielstrebig voraus schauen konnte und nicht zurück. Diesmal wenigstens hatte sie die Möglichkeit Dinge zu erledigen, abzuschließen, sich zu verabschieden. Nicht so wie letztes Mal, wo sie ohne Vorwarnung verschwunden war... durch Verano.
„Ich werde mit Darna, Leon und einer Diplomatin des Königs reisen. Es wird ein spannendes Abenteuer, vielleicht kann ich danach ein eigenes Märchenbuch schreiben.“
Sie lächelte schief, während ihr ein paar Tränen still über die Wangen liefen, die ihre Großmutter mit ihren rauen Händen trocknete.
„Ich hab dich ganz doll lieb, Moma. Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder verlassen muss.“
Sie schluckte.
„Wenn ich wiederkomme… dann…dann nehme ich mir Zeit und… wir können den Garten neu gestalten oder das Vogelhaus bauen, das wir schon so lange basteln wollten… Du bist die beste Familie, die ich mir wünschen kann und du hast mir das wundervollste Zuhause geschenkt, das ich mir vorstellen kann. Das gibt mir so viel Kraft. Du machst mich stark. Ihr seid ein Teil von mir… aber ich bin auch ein Teil von euch und du wirst mich nie verlieren, egal wohin ich gehe.“
Sie schloss ihre Moma fest in die Arme und flüsterte in die grauen Haare die nach Salbei und Holunder aus der Küche rochen.
„Ich bin immer hier und bei dir, komme was wolle.“
„Das bist du, mein Sonnenschein!“

Delilah wurde gedrückt, geherzt, geliebt! Wie viele Menschen hatten das alles nicht. Sie hatte eine schöne Kindheit gehabt, trotz ihres frühen Verlustes. Es hatte ihr nie an Liebe gemangelt. Die alte Frau, die sie nun fest im Arm hielt und ihr Haar streichelte, war lange Zeit der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen. Nun würde sie weiter ziehen und es war fraglich, ob sie sie noch einmal wieder sehen würde. Resa war alt. Sie war gesund, aber hatte ihr Leben schon fast hinter sich. In ihrem Alter konnte jeder Abschied der letzte sein und das wusste auch ihre Enkelin. Um so schmerzhafter war die bloße Ahnung davon, dass sie wohl für eine Weile sehr weit fort ihrer Heimat sein würde. Noch schmerzvoller war es, wenn man liebe Menschen zurück ließ.
„Ich bin so unendlich stolz auf dich, meine Kleine! Du wirst mich immer stolz machen, egal wo du bist. Ich habe dich gut erzogen und du bist zu einer ganz besonderen Frau heran gewachsen. ...Der Garten wird auf dich warten und das Vogelhäuschen auch. Ich werde dich vermissen, mein kleiner Sonnenschein.“
Delilah wurde fest umarmt und auch Resa strich sich die ein oder andere Träne aus den Augenwinkeln. Sie schniefte hörbar und drückte sie dann beherzt von sich, als es Zeit wurde zu gehen. Sie hatte Delilah ein Päckchen ihrer Lieblingskekse eingepackt. An der Tür strich sie ihr wieder und wieder über die Wangen und Tränen glitzerten in ihren Augen.
„Pass gut auf dich auf! Zieh immer warme Sachen an! Iss genügend und ...“
Der dicker werdende Klos ließ die Aufzählung an guten Ratschlägen stoppen und sie flüsterte nur noch einmal heiser:
„Ich liebe dich.“
Dann schob sie Delilah zum Tor hinaus. Lange sah sie ihrer Enkelin hinterher und wann immer sich Delilah umblickte war da ihre Moma, die ihr zum Abschied lächelnd zu winkte.



Darna gab am späteren Nachmittag, nach ihren Besorgungen, das Restgeld der Diplomatin zurück. Kurz darauf erhielt sie durch einen Boten eine versiegelte Röhre mit dem Siegel des Königs und eine weitere schriftliche Anweisung, diese an die Obrigkeit der Drachen, sofern vorhanden, weiter zu leiten. Sie wurde in dem gleichen Begleitschreiben als Gesandte von Jorsa betitelt und erhielt einen Siegelring, der sie in ihrer neuen Stellung „adelte“. Dies war kein Ritterschlag, aber doch mit großen Ehren verbunden. Obwohl sie noch so jung war, hatte der König von Jorsa so viel Vertrauen in sie, um sie mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Glückwünsche für die Reise beendeten das Schreiben als sie es gelesen hatte, trat die Tha'Roon an ihre Seite und beglückwünschte sie zu ihrer neuen Stellung.
„... und nun werdet ihr in diplomatischer Mission in ferne Lande reisen.“
Chasin lächelte versonnen.
„Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde meine Aufgabe weiter gereicht, während ich in einer unbekannten Heimat entgegen blicke. ...ein Neuanfang, das ist es für mich.“
Ihr Lächeln zeigte auch eine Spur Traurigkeit, da sie auch einen lieben Elfen zurück ließ, der ihr viel bedeutete. Sie legte Darna in vertrauter und beruhigender Geste die schlanke Hand auf die Schulter.
„Also, verehrte Diplomatin. Letzte Anweisungen für die Reisegruppe?“

Von Basilius kam keine weitere Nachricht und auch aus dem Tempel erreichte sie nichts. Diese Fäden des Schicksalsteppich fanden hier ihr eigenes Muster, ihren eigenen Weg. Elli würde sicherlich ihren Weg machen. Zanfar würde seinen eigenen Abenteuer bestreiten und hoffentlich glücklich werden. Viele weitere Gesichter die man bis hier hin kennen gelernt hatte, würden irgendwann in Vergessenheit geraten.

Leon hatte noch einige Dinge alleine in der Stadt zu erledigen und besuchte die Akademie, sowie ein kleines Stadthaus mit Angestellten seines Vaters um sich dort für längere Zeit zu verabschieden. Die Nachricht, dass der Graf verblichen war und nun sein Sohn die allgemeinen Geschäfte übernehmen würde, hatte sich noch nicht verbreitet. Es auch für ihn gab einiges zu organisieren.

Gen Abend, als der Himmel sich immer weiter zu zog und verdunkelte, trafen sich alle wieder in den Räumlichkeiten der Tha'Roon wieder. Sie selbst hatte auch eine paar Briefe geschrieben, Boten beschäftigt und sich vom Adel des Schlosses verabschiedet. Einige wenige, die die über die Zeit ihr Vertrauen gewonnen hatten, verabschiedete sie sogar persönlich. Neugierige Fragen, wohin sie nun ginge, beantwortete sie unbestimmt und inhaltslos, doch rhetorisch versiert, so dass sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlte. Sie war nun mal eine Politikerin und vor allem Diplomatin und beugte so einigen unliebsamen Gerüchten vor, die sonst vielleicht nach ihrem Fortgehen entstehen hätten können. Sie wollte vor allem dem König keine Schande bereiten und sorgte so dafür, dass sie als seine Vertraute in hoffentlich guter Erinnerung verblieb. Letzte kleinere Dienste wurden erledigt und Aufgaben neu verteilt.
Zanfar hinterließ sie eine Schatulle, die sie in seinem Zimmer deponierte. Sie selbst wusste, dass sie den Inhalt in Drachma nicht mehr benötigen würde. Es waren nur Übungstücke ihrer Kunst, aber im Reich der Menschen, waren sie wertvoll und würden so vielleicht noch einem guten Zweck dienen können. Vielleicht auch nur dem Zweck, Zanfar in stillen Momenten, an seine Freundin zu erinnern. Ihre geschliffenen Diamanten aus Nebulis, ihr persönlicher Schatz, trug ihre Geschichte in sich. Jeder Stein erinnerte sie an einen Abschnitt ihrer Lehrzeit, an ein Jahr oder Jahrzehnt voller Wissensdrang. Wo den Menschen der Wert am wichtigsten war, da waren es für sie lauter kleine funkelnde Erinnerungen. Ein Diamant war unvergesslich … und unvergesslich war Zanfars Geschichte in Chasins Gedächtnis eingebrannt, abgespeichert in ihrer Gedankenbibliothek, eingemeißelt in ihre Seele, nieder geschrieben in ihr kleines Herz.

Gehüllt und gewandet in dicke warme Kleidung, bestückt mit Rucksäcken voller überlebenswichtiger Dinge, mit Gurten verbundene Planen, Decken und Matten, so fand man sich im inzwischen aufgeräumten Wohnzimmer ein um auf den Grafen zu warten. Der Ausblick aus den Fenstern zeigte, dass es kurz vor Sonnenuntergang war und man war bereit in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen.

Doch der Drache ließ auf sich warten. Gut anderthalb Stunden nach der vereinbarten Zeit wankte er angetrunken in Begleitung zweier Damen in die Gemächer. Die Damen verabschiedeten sich sofort bei den Gesichtern, die ihnen entgegen blickten und der Drachengeist jaulte ihnen fast flehend hinterher, dass sie bleiben mögen.
„Wartet...schöööne Maiden...wird bestimmt luschtig. Da is nen riesiges Bett, was wir einw... Ach menno... jetscht habt ihr sie verscheucht!“
Vorwurfsvoll schaute er mit glasigem Blick in die Runde. Sicher war nicht nur Leons Blick finster wie die voranschreitende Nacht.
„Schaut doch nich so! Isch hatte doch nur meinen Spasss. Himmel, man könnte meinen, ihr hättet nur auf misch jewartet um... ...oh.“
Der Graf schüttelte seinen Kopf und hielt sich die Schläfen. Leon sprach:
„Ja, wir warten auf euch! Wir warten darauf euch nach Drachma zu bringen, damit ihr euer Versprechen erfüllen könnt. Wir warten, dass ihr uns sicher dort hin bringt und jetzt kommt ihr hier … betrunken an?!“
Seine Fäuste waren an seinen Seiten geballt und Wut stand in seinem Blick. Er machte einen schnellen Schritt nach vorne und ohrfeigte den Grafen.
Das laute Klatschen ließ darauf schließen, dass es sich nicht um eine höfische Geste handelte, sondern, dass er sich nicht gerade zurück gehalten hatte. Veranos Kopf flog zur Seite und er taumelt nach hinten. Fast sah es so aus, als ob Leon nachsetzen wollte um seinen ehemaligen Vater einmal gründlich die Visage zu polieren, doch der Graf hob nur abwehrend die Hand und ließ sich seitlich an der Couch herunter sinken. Er hielt sich die Wange und starrte seinen Sohn an.
„So fühlt sich also Schmerz für einen Menschen an.“
, murmelte er und seine Mundwinkel zuckten. Leon bebte vor Wut, aber langsam schien ihm aufzugehen, dass er gerade veräppelt worden war. Die Aussprache des Grafen war wieder klar und deutlich gewesen.
„Nun schau nicht so überrascht. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt. Es traut sich ja keiner hier und nebenbei hab ich auch noch erfahren, dass du für die Sicherheit deiner Liebsten so ziemlich alles riskieren würdest, „SOHN“. Sogar mich zu schlagen. ...Das imponiert mir.“
Er lächelte und verzog dabei die gerötete Wange, was ihn leicht zucken ließ und stand dann wieder ernst werden ließ. Leon stand mit offenem Mund da.
„Das war ein TEST?“
Der Graf zog sich an dem Sitzmobiliar hoch und setzte sich gemütlich hin.
„Natürlich! Ich will schließlich nicht irgendwelche aufgesetzten Sprüche hören oder verfälschten Floskeln, die eure wahren Absichten verschleiern. Ich will die Wahrheit, warum ihr mich begleiten wollt. Auch wenn ich tot bin und nur diese Hülle trage, will ich Drachma schützen. Das ist die erste Aufgabe eines Drachen. Ich werde keine Falschheiten dulden. Also wenn ihr mir noch was zu sagen habt, dann tut es jetzt!“
Leon ließ sich nach hinten auf seinen Hosenboden sinken. Er war mehr als nur erschüttert, das sah man ihm an.
„Du willst die Wahrheit? Hatte ich denn nicht …? Hm...“
Er sackte in sich zusammen und sah grüblerisch aus.
„Scheiße, er hat recht!“
So ein Wort hatte Leon von Weißenfels noch nie in den Mund genommen.
„In Ordnung, also die Wahrheit!“
Er sah Verano ernst an und fuhr fort:
„Ich kann dich nicht leiden! Du bist ein arrogantes Stück Dreck in meinen Augen. Ich hasse es, dir vertrauen zu müssen. Ich hasse es, Darnas Sicherheit in deine Obhut geben zu müssen. Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst und nicht irgendein dahergeflogener Drache! Ich bin eifersüchtig und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben. Ich will den Körper meines Vaters wieder haben und ihm diesen verfluchten Geist einpflanzen, damit ich frei bin. Das ist selbstsüchtig, aber wahr! Zufrieden?“
Ein Moment Stille trat ein und der Drache lächelte. Langsam ließ er den Blick in die Runde gleiten und blieb bei Chasin hängen. Die Tha'Roon nahm dies als Aufforderung zu sprechen:
„Ich bin nur neugierig. Ich sehe eine neue Heimat für mich, wenn ich mitkomme. Ich bin traurig, dass meine erste Liebe mich nicht begleitet, aber ich freue mich auf all das neue und alte, dass ich lernen werde.“
Der Drachengeist nickte abermals zufrieden im Körper des Grafen und wanderte mit seinem Blick zu Darna und Delilah. Jetzt lag es an ihnen ein bisschen Wahrheit aus der tiefe ihrer Seelen zu kramen und ans Licht zu bringen.
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