Die Gemächer der roten Dame

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.
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Darna von Eibenau
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 17. Juli 2018, 13:13

Fiddatan stütze die Ellenbogen auf die Knie und hob seine Hände in Brusthöhe an um sie ineinander wie zum Gebet zu verschränken. Dann streckte und beugte er seine Finger ein paar Mal. Die Knappin sah mit gefurchter Stirn auf die Geste und versuchte es mit seiner rethorisch anmutenden Frage in Einklang zu bringen.
Es gab eigentlich nur eine Antwort, auch wenn ihre Vernunft sich mal wieder gerne dagegen gesperrt hätte.
Fliegen??? Ernsthaft?! Und das... mit mehreren Personen? Auf einem Drachen!
Konnte er ernsthaft diese menschliche Hülle verlassen - nein... wechseln? - um sich in den ganzen Drachen zu verwandeln, der er war? Wahnsinn!
Ein merkwürdiges Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit: Aufregung.

Sie würde auf einem Drachen fliegen, wirklich? Die Verrücktheiten ihrer Erlebnisse nahmen kein Ende, wie sie befremdet feststellte; aber das hatte sie schon häufiger in den letzten Tagen gedacht und der Widerwille diesem Umstand gegenüber nahm ab. Irgendwann werde ich wohl aufwachen und feststellen, dass das alles nur ein kruder Traum war, dachte sie kopfschüttelnd und bernsteinfarbene Melancholie wehte für einen Moment durch ihre Aura, ehe Gelb in ihr emporstieg und sich ausdehnen wollte: Ich will aber gar nicht aufwachen!
"Was fällt, fällt und wird nicht wieder geholt."
Uhm. Das schloss auf ihm Sitzende mit ein...?
Das Gelb war schneller verschwunden, als es hätte aufwallen können und stürzte in Petrol und Blau.
'Gepäck am Leib'. 'Ihr werdet frieren'. Das waren Aussagen, die Anweisungen enthielten und mit dem üblichen Pflichtbewusstsein (und auch, um sich abzulenken) begann sie, in Gedanken durchzuplanen, was dies in der Umsetzung bedeuten würde:

Also keine Zelte. Aber Decken, wenn es geht. Eine Rolle kann man am Rücken festschnallen, darunter warme Kleidung. Aber wo kriegen wir die jetzt her? Immerhin wird das aber wohl leichter zu beschaffen sein, als Pferde, Waffen, Rüstung...
Wir können fast die gesamte Ausrüstung von Herrn Bromer zurück geben. Die brauchen wir nicht. Einen kleinen Topf vielleicht.
Hm, das heißt, wir könnten Frau Tesséras bitten, die geliehenen Sachen zusammen mit einer kurzen Nachricht zu Herrn Bromers Bruder zu bringen. Öh, wie hieß der noch gleich...? ... Verflixt! Ach, aber bei den Sachen lag ja ein Brief an ihn bei. Da steht der Name drin, dann weiß Frau Tesséras bescheid.
Und was machen wir mit dem Schlachtross?

Darnas Blick wanderte zu dem Zimmer, wo Delilah lag. Das wird ihr überhaupt nicht gefallen, sich schon wieder ohne Treffen von ihrer Frau Großmutter zu verabschieden? Und das Schlachtross... Hrm. Das muss sie selber wissen. Blinzelnd konzentrierte sich Darna darauf, nur die Dinge zu planen, die sie selber bestimmen konnte:
Kleidung, warme. Vielleicht können wir nochmal zu diesem Schneider. Dann können wir leicht Frau Tesséras bescheid geben und ein paar Kleinigkeiten der Ausrüstung mitnehmen.
Ich brauche: eine Nachricht an General von Pappelhain, eine an - oh, apropos!


Die Knappin schien plötzlich aus ihren Gedanken wieder aufzutauchen und sah wieder zu Fiddatan von Weißenfels:
"Verzeiht: Habt Ihr jetzt eigentlich seit Eurem Eintreffen im Schloss irgendwen darüber informieren können, wie denn nun die Lage in Rugta genau aussieht?"
Von Rugta hierher für einen Drachen, das war... vermutlich eine kurios kurze Strecke? Plötzlich weiteten sich in einem Gedankenblitz ihre Augen, als sie dabei an Leons Zuhause dachte:
"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?" Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Und dort alles .. regeln. Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite, aber sie sah vornehmlich den Grafendrachen an.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Mittwoch 18. Juli 2018, 23:18

Zanfar verarztete Leon, während er Darnas Rapport lauschte und das ungute Gefühl in seiner Magengegend wurde schlimmer. Gerade als sich ETWAS im Raum zu bewegen begann. Etwas gigantisch großes Mächtiges, das jeden Anwesenden im Raum in Windeseile Vernichten konnte.

Außer vielleicht Delilah … hat er nicht gerade- und auch zuvor - gesagt, sie könne ihm gefährlich werden? Aber sicher nicht in ihrem geschwächten Zustand.

Er fixierte den Verband und trat zu Chasin. Wenn es in seiner Macht lag, würde er sie beschützen.
Als seine Freundin dann als Stimme für den Drachen fungierte fuhr es ihm ein weiteres Mal kalt über den Rücken. Er wollte sie nicht in vorderster Reihe sehen – selbst, wenn die Funktion in ihrer Rolle als Diplomatin durchaus passte. Es war einfach verdammt gefährlich, gerade wenn sie dem Drachen so nahe kam indem sie seine Gedanken las. Wer wusste schon, wie viel sie mitbekam, das sie eigentlich nicht wissen sollte! Er hielt den Körperkontakt zu seiner Freundin und stand absichtlich näher und ein Stück abschirmend neben ihr.

Die Optionen, die der Drache Darna gab waren finster. Etwa wie Pest und Cholera! Zanfar konnte sich nicht vorstellen, wie er an ihrer Stelle reagiert hätte – aber er konnte sich auch nicht vorstellen, keinen Humor zu haben und einen kleinen Dämon im Ohr sitzen zu haben – also war seine ‚Lösung‘: Keins von Beidem! Auch nicht gerade valide.
So oder so blieb es an Darna und er hätte nicht um alle Macht auf der Welt mit ihr Tauschen wollen! Nun – Macht würde sie bekommen, so oder so. Sie müsste vermutlich nur die Kontrolle abgeben.
Ihm schauderte.

Es war seltsam, wie unterschiedlich die Beiden jungen Frauen in ihren Schicksalen waren. Delilah, ein Geschöpf des Lichts und der Reinheit, ein wahrer Sonnenschein und eine friedliebende Heilerin. Darna zwar eine ehrenvolle Kämpferin aber ebenso ein Kind geweiht in Dunkelheit, grimm und gebunden an einen Dämon.

Licht und Schatten. Und es schien so, als würden sie Beide in halsbrecherischem Tempo in einen Strudel aus Mächten, denen sie nicht gewachsen waren, gesogen!
Ha, und trotzdem sind sie noch sicherer als wir und unsere Selbstmordmission …
Er verlor den Faden, während er sich in seinen Gedanken verlor.

Ein Klopfen an der Türe riss ihn zurück ins hier und jetzt und er war froh, das Chasin aufmerksamer war, als er, entsprechende Anweisungen an den Boten gab und dann ein Kouvert aufhob.
„Wir müssen uns unterhalten.“
Sagte die Tha‘Roon leise.
Neugierig sah Zanfar auf den Brief in ihren Händen und hob dann fragend den Blick. Als dann die Geräusche Bewaffneter vor ihrer Türe wahrzunehmen waren, verengte er die Augen unter der Maske. Das Verhalten der Gerüsteten ließ auf Wachen schließen, also war er nicht allzu beunruhigt.

Nur mit halbem Ohr Darna, Chasin und Fiddatan lauschend ließ ihn Chasins seltsame Reaktionen stocken. Irgendetwas beschäftigte sie – etwas, das mit dem Drachen zu tun haben musste. Etwas das sie mit ihm besprechen wollte!
Er überflog den gereichten Brief und seine Augen wurden erneut schmaler.
Alleine? Was auch immer das zu bedeuten hat … Himmel, hier wollte noch nie jemand alleine mit mir sprechen!
Ob dieser bizarren Erkenntnis legte er den Zettel zusammen und schob ihn unter den Gürtel.
„Wenn ihr uns entschuldigt.“
Leierte er die Floskel herunter und lenkte Chasin, ohne Antwort abzuwarten, sachte in Richtung des Bades (ihre Räumlichkeiten waren schließlich scherbenübersät). Dabei warf er einen Blick auf ihre Füße und blieb starr stehen.
Hühnerfüße?! Hat sie die schon die ganze Zeit an?
Ungläubig schüttelte er den Kopf und sah die Tha’Roon zweifelnd an.
Wie konnte mir dieses Detail entgehen?! Das ist …
Er unterdrückte ein Lachen und stellte Fest.
„Schöne Schuhe.“
Dann betraten sie das Bad und der Nichtgenannte verschloss die Türe. Aller Humor war wieder aus seiner Stimme gewichen als er fragte.
„Worüber müssen wir reden?“

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Dienstag 24. Juli 2018, 10:37

Mit dem üblichen Pflichtbewusstsein begann Darna in Gedanken durchzuplanen, was sie alles noch zu tun hatten. Leon stand an ihrer Seite und betrachtete ihr Profil. Ihre Fähigkeit selbst in den verwirrendsten Situationen einen klaren Kopf zu behalten, hatte ihm schon immer imponiert. Doch er wusste auch, dass sie sich oft ein bisschen zu vie in Details verrannte. So drückte er nach ein paar Sekunden Stille im Raum, in denen Darnas Geist tausend Sachen wälzte, ihre Hand und holte sie damit ins Hier und Jetzt zurück. Sie sah ihn an und dann wieder zu Fiddatan von Weißenfels:
"Verzeiht: Habt Ihr jetzt eigentlich seit Eurem Eintreffen im Schloss irgendwen darüber informieren können, wie denn nun die Lage in Rugta genau aussieht?"
Fiddatan nickte und meinte nur:
„Der Dachs weiß bescheid.“
Darna erinnerte sich vielleicht schleierhaft, dass sie auf dem Fest der Masken einen Herren im Dachskostüm vom König haben kommen sehen, als sie ihn besuchten. Damals vermutete sie Niklas San Walsing unter dem Kostüm. Wenn der Meisterspion über alles bescheid wusste, dann war zumindest dieser Punkt ihrer Gedankenliste abgearbeitet. Plötzlich weiteten sich in einem Gedankenblitz ihre Augen, als sie an Leons Zuhause dachte:
"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?"
Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite. Leon starrte sie an, als verstünde er ihre Begeisterung nicht. Seine Hand die eben noch so kraftvoll ihre gehalten hatte lockerte ihren Griff und glitt aus ihrer. Sein Mund klappte auf und schloss sich wieder, bevor er schluckte, versuchte wieder normal zu schauen und dann zu ihr sprach:
„Du willst nicht, dass ich dich begleite? Du meintest doch, wir sollten alle Last gemeinsam tragen und nun willst du mich „Zuhause“ absetzten und deine Probleme alleine meistern? Und... und selbst wenn ich gehen und dich allein das durchstehen lassen würde... vergisst du nicht, dass du meine und Delilahs Anwesenheit brauchst?“
Irgendwie hatte sein Gesicht kurz so ausgesehen, als ob er Schmerzen hätte. Hatte sie ihn versehentlich verletzt? Hatte er Recht? Maß sie hier mit zweierlei Maß? Galt das, was sie ihm gesagt hatte nicht auf für sie? Wollte sie vielleicht nur die große Kriegerin sein, die stark und hilfsbereit war, aber selbst nicht hilfsbedürftig und schwach? Vielleicht... es war immer schwerer seinen eigenen Schwächen zu stellen. Sicher war es leichter für Andere stark zu sein. Hilfe geben war leichter als Hilfe zu empfangen. Es war sicher für eine Darna von Eibenau nicht leicht. Immer hatte sie gekämpft, sich behauptet. In dem sie ihn „nach Hause“ schickte, sprach sie ihm auch die Möglichkeit ab, für sie zum Held zu werden.
„Darna, ich kann nicht alleine nach Hause.“
Leon sah ernst zu Boden.
„Es ist kompliziert. … „
„So kompliziert auch wieder nicht.“
, schaltete sich unversehens der Drachengeist ein und Leon sah etwas genervt auf.
„Es ist denkbar einfach. Der Erste Weißenfels der Weißenfels betritt wird auch den Geist empfangen, also werde ich mich diesem Ort tunlichst fern halten, da ich diesen Körper noch brauche! Wenn das aber mein „Sohn“ sein sollte, dann wird er der neue Herr der Quelle sein und euer Plan ihn vor diesem Schicksal zu bewahren wäre gescheitert. Ach, und außerdem fragte er sich gerade, ob er dich mit dem vergessenen Kind im Leib noch lieben wird.“
Leon ballte die Fäuste und sie zitterten leicht an seinen Seiten. Seine größte Furcht so offen ausgesprochen zu hören ließ ihn leiden. Auch wenn der Drache sicher die Wahrheit sprach, so war es doch mehr als unhöflich so etwas laut auszusprechen, gerade wenn es um so etwas zartes wie junge Liebe ging. Die Muskeln seiner Unterarme arbeiteten, aber dann streckte er die Finger atmete tief durch und wandte seinen glühenden Blick von Verano ab und nahm Darna bei den Schultern:
„Es... es ist wahr. Ich kann erst nach Weißenfels zurück kehren, wenn wir Verano von diesem Drachengeist befreit haben.“
Eine gewisse Gereiztheit und Ablehnung in seiner Stimme war deutlich hörbar, aber der Graf lächelte nur.
„ Ansonsten ...nun ja, sonst werde ich der nächste Hüter von Weißenfels. Und du brauchst auch die Nähe eines Lichtmagiers und wenn wir zu zweit sind...“
damit sah er zu Delilah.
„...dann ist die Chance größer, dass es gelingt die Stimme fern zu halten. Und... vielleicht möchtest du dich ja auch nicht „immer“ in meiner direkten Umgebung befinden.“
Bei der letzten Anspielung sah er in Richtung Badezimmer, wo gerade die Diplomatin mit ihrem Begleiter entschwanden. Es gab Dinge, die machte man lieber alleine oder eben nur in Anwesenheit einer anderen Frau.
„Aber Delilah möchte oder kann vielleicht auch nicht immer mit uns zusammen sein, also ist es besser wenn wir zu zweit dich „im Licht“ halten, damit die Stimme schweigt.“
Seine Sorge um sie stand ihm nun wieder deutlich ins Gesicht geschrieben und er streichelte sanft mit den Daumen ihre Schultern hinauf. Ihr verräterischer Körper antwortete mit einer leichten Gänsehaut die sich in ihrem Nacken kräuselte.
„Ich komme mit, Darna. Ich lass dich nicht allein. Mein Schicksal kann ruhig noch ein bisschen auf mich warten.“
Der schöne Moment, der sicher gerade auszubreiten begann wurde wieder von der geisterhaften Echse zerstört:
„Fein! Da das nun geklärt ist, will vielleicht jemand noch mitkommen, oder eben nicht?“

Baderaum
Chasin die eben gerade hinter Zanfar das Badezimmer betreten hatte, machte noch einen Schritt zurück in den Wohnraum und meinte leise:
„Ich werde mitkommen.“
Dann wandte sie sich um und schloss hinter sich die Tür. Mit dem Rücken zu Zanfar stand sie an den Rahmen gelehnt da und fürchtete sich vor dem Moment ihn anzusehen. Würde er ihre Entscheidung verstehen? Langsam drehte sie sich um und heftete ihre Augen auf den Boden um ihn in seinen Gedanken die nötige Distanz zu geben. Sie strich sich über die Arme, als würde sie sich selbst umarmen.
Dann sah sie langsam in ihm hinauf, als würde sie sein Bild ein letztes Mal bewusst in sich aufnehmen wollen. Auf Höhe seines Herzens begann sie dann leise zu sprechen, damit man sie nicht belauschen konnte:
„Zanfar, ich werde mit nach Drachma gehen.“
Das war dann wohl der Kern der Problematik und Chasin war niemand der drum herum redete.
„Ich werde den König überzeugen, dass es eine gute Entscheidung ist, mich gehen zu lassen um bei den Drachen ggf. Unterstützung für die freien Völker Valencias zu ersuchen. Die Aufgabe die er uns gestellt hat, wirst du gewiss auch ohne mich übernehmen können. In dir hat er einen wertvollen Verbündeten, wenn du es denn so willst. Diese Menschen brauchen dich hier. Ich hingegen... Ich habe … so viel Wissen im Geist des Drachen gefunden und … eine Möglichkeit für mich, wieder „ganz“ zu sein.“
„Ganz“ zu sein, bzw. dass Chasin sich selbst als „kaputt“ empfand lag an der Trennung zu ihrem Volk, zu dem kollektiven Bewusstsein. Zanfar wusste, dass sie das immer belastete.
„Auch habe ich deine Sorge gelesen, mich in Gefahr zu bringen. Ich will, dass du mich in Sicherheit weißt. Und ich weiß jetzt, dass es keinen sichereren Ort für mich gibt, als die Drachenstadt. Ich werde dort eine Aufgabe haben die mich jetzt schon mit Vorfreude erfüllt und die keine andere Tha'Roon erfüllen könnte.“
Sie lächelte und ihr Blick wechselte einen kurzen Moment lang in eine unbestimmte Ferne. Dann sah sie Zanfar in die Augen und trat näher. Ihre langen schlanken Finger befreiten sein Gesicht und sie sah sich jedes Detail noch einmal an. Das hier fühlte sich nach ihren ganz persönlichem Abschied an. Mit den Fingern strich sie sanft seine Konturen nach und legte ihre Handflächen an seine Wangen, bevor sie sich langsam zu ihm hinab beugte und einen Kuss auf seine Lippen hauchte, so leicht wie ein Schmetterling. Ja, das hier war ein Abschied, aber als sie sich wieder von ihm löste, lächelte sie.
„Ich hätte mich gerne mit dir verpaartnert. Es wäre sicher eine interessante Erfahrung gewesen.“
Was? Meinte sie gerade das was es bedeutete? Chasins Lächeln wurde schelmischer. Ja, sie hatte einige Dinge gelernt, die sonst keine Tha'Roon wusste! Und das hier war gerade wohl „necken“.
„Ich hätte mir keinen besseren Mann dafür vorstellen können!“
Jetzt gluckste sie sogar einmal leise und glücklich und fuhr gleich fort:
„Ich werde deine elfenbein-farbene Aura vermissen, dein gelb, dein orange, grün und weiß, aber auch alle anderen Farben! Ich werde unsere Freundschaft vermissen. Unsere Wege trennen sich hier, aber wer weiß … vielleicht wird das Schicksal uns eines Tages wieder zusammen führen, oder du wirst unsere Freundschaft in einer anderen Person wieder finden. Die Welt liegt im Wandel. Ich weiß nicht, wann wir den letzten gemeinsamen Moment für uns haben werden, aber ich wollte dir noch sagen, dass ich dich liebe! Ich liebe dich, Zanfar und ich werde dich nie vergessen!“
Sie lehnte ihre Stirn an seine und ihr diamantenes Auge sandte ihm ihre Liebe, gerade so viel, dass er wusste, dass es die Wahrheit war und sie selbst nicht das Gefühl verlor. Langsam schmiegte sie sich in seine Arme und ließ sich von ihm halten. Ein kleiner Diamant löste sich von den Regenbogenfarbenen Funkeln ihres Auges, sprang über die rote Brücke ihrer Wimpern und rollte langsam ihre Wange hinab. Mit ein bisschen Verwunderung, richtete sie sich auf, strich sie sich über die Wange und musterte die Träne auf ihrem Finger. Eine weitere Träne folgte dem vorgegebenen Fluss und landete auf ihren Lippen.
„Jetzt habe ich sogar gelernt zu weinen. Ist das nicht erstaunlich?!“

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Aber dann lächelte sie. Chasin war schon erstaunlich. Selbst ihre Trauer war für sie etwas willkommenes, wenn sie dabei etwas lernen konnte.


Derweil im Wohnzimmer
„Ich schlage vor ihr macht euch Gedanken... oder eine Liste, was ihr unbedingt mitnehmen wollt, organisiert es, verabschiedet euch von jenen die euch am Herzen liegen … und so weiter. Ich werde noch ein bisschen Spaß mit diesem Körper haben und wir treffen uns dann zum Sonnenuntergang wieder hier. Die Zeit bis dahin sollte für eure Vorbereitungen reichen.“
Damit erhob sich der Graf, strich seine Gewandung glatt und schritt zur Tür. Gerade in dem Moment wo er sie öffnen wollte, waren von draußen gedämpfte Stimmen zu hören, also zögerte er nicht und ließ die neuerliche Störung ein.
Ein Botenjunge versuchte gerade den beiden Wächtern vor der Tür begreiflich zu machen, dass er eine Darna von Eibenau suchte und ihm gesagt wurde, sie könnte hier sein. Verano deutete nur mit dem Daumen hinter sich auf die Knappin und meinte:
„Jene da.“
und ging hinaus.
„Bis später.“
Der Bote drückte sich an ihm vorbei und reichte Darna einen Brief. So schnell er konnte machte er sich auch wieder von Dannen. Darnas heraldische Kenntnisse verrieten ihr sofort von wem das Schreiben kam und zu wem das Siegel gehörte. Basilius hatte ihr geschrieben:

Basil Brief an Darna:

Liebste Freundin Darna von Eibenau.

Ich entschuldige mich hiermit in aller Form mich so ungebührend von euch und den Anderen davon gestohlen zu haben, ohne einen Gruß oder eine Erklärung. Meine Motive mögen gewiss verständlich sein, doch schmälert es mein Verschulden nicht, mich nicht von euch verabschiedet zu haben. Es tut mir aufrichtig leid und ich hoffe, ihr verzeiht mir. Zu meinen Gunsten, ihr versteht sicher, dass das Auftauchen meiner Schwester auf dem Ball und die damit verbundenen Pflichten als ihr Bruder, als ihr Familienangehöriger meine ganze Aufmerksamkeit verlangten. Damit verbundene dringende Angelegenheiten führen mich nach Hause. Seine Durchlaucht General von Pappelhain ist informiert. Wenn wir uns hoffentlich in Bälde wiedersehen, erkläre ich euch gern die näheren Umstände, sofern ihr es wünscht.

Bis dahin verbleibe ich als ihr treuer Freund,
Basilius von Gudenberg
Schriftrolle Fuss
Der Tag hatte mit viel Leidenschaft begonnen, kochte schon zur frühen Mittagszeit und versprach noch aufregender zum Abend hin zu werden. Viele Emotionen hingen im Raum und vermischten sich zu einer farbenfrohen Symphonie des Lebens. Als der Drache gegangen war und auch seine Geisterhafte Präsens den Raum verlassen hatte, konnten alle ein wenig aufatmen. Sie hatten alle zu viel zu tun, als dass sie auf den Grafen im Schloss aufpassen könnten, aber was konnte der in knapp 10 Stunden bis Sonnenuntergang schon anstellen...
10 Stunden bis „Abflug“ in ein neues Kapitel. Es war ein bisschen als würde das Schicksal mit jeder neuen Seite langsam herunter zählen.
10 Stunden...
9 Stunden, 45 Minuten …

Manchmal lief einem die Zeit regelrecht davon.

((ooc: Macht bitte eine Liste von Dingen, die ihr an eure Körper binden wollt, ich guck dann was davon geht, oder was ggf. nicht mehr zu besorgen ging. Briefe und Mitteilungen können gern geschrieben werden. Besorgungen würde ich gern zusammen fassen. Wenn Deli sich noch persönlich verabschieden möchte, kann sie gern eine Zusammenfassung schreiben. Der Schneider Mortimer steht als Ausrüster für Kleidung zur Verfügung. Boten stehen euch im Schloss bereit.))
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Dienstag 24. Juli 2018, 22:48

Chasin die eben gerade hinter Zanfar das Badezimmer betreten hatte, machte noch einen Schritt zurück in den Wohnraum und meinte leise:
„Ich werde mitkommen.“


Mitkommen?
Ungläubig sah er die Tha’Roon an und wollte seinen Ohren nicht glauben.
Das hat sie nicht gesagt, oder?!

Dann wandte sie sich um und schloss hinter sich die Tür. Mit dem Rücken zu Zanfar stand sie an den Rahmen gelehnt da und fürchtete sich vor dem Moment ihn anzusehen. Würde er ihre Entscheidung verstehen?

Der Magen des Dunkelelfen zog sich zusammen. Er schluckte schwer, sein Mund fühlte sich trocken an.
Sicher ist das ein Missverständnis.

Langsam drehte sie sich um und heftete ihre Augen auf den Boden um ihn in seinen Gedanken die nötige Distanz zu geben. Sie strich sich über die Arme, als würde sie sich selbst umarmen.
Dann sah sie langsam in ihm hinauf, als würde sie sein Bild ein letztes Mal bewusst in sich aufnehmen wollen.


Zanfars Herz begann wie wild gegen seine Brust zu schlagen, während er seine einzige Freundin wie erstarrt ansah. Verabschiedete sie sich gerade?

Auf Höhe seines Herzens begann sie dann leise zu sprechen, damit man sie nicht belauschen konnte:
„Zanfar, ich werde mit nach Drachma gehen.“
Das war dann wohl der Kern der Problematik und Chasin war niemand der drum herum redete.
„Ich werde den König überzeugen, dass es eine gute Entscheidung ist, mich gehen zu lassen um bei den Drachen ggf. Unterstützung für die freien Völker Valencias zu ersuchen. Die Aufgabe die er uns gestellt hat, wirst du gewiss auch ohne mich übernehmen können. In dir hat er einen wertvollen Verbündeten, wenn du es denn so willst. Diese Menschen brauchen dich hier. Ich hingegen... Ich habe … so viel Wissen im Geist des Drachen gefunden und … eine Möglichkeit für mich, wieder „ganz“ zu sein.“
„Ganz“ zu sein, bzw. dass Chasin sich selbst als „kaputt“ empfand lag an der Trennung zu ihrem Volk, zu dem kollektiven Bewusstsein. Zanfar wusste, dass sie das immer belastete.
„Auch habe ich deine Sorge gelesen, mich in Gefahr zu bringen. Ich will, dass du mich in Sicherheit weißt. Und ich weiß jetzt, dass es keinen sichereren Ort für mich gibt, als die Drachenstadt. Ich werde dort eine Aufgabe haben die mich jetzt schon mit Vorfreude erfüllt und die keine andere Tha'Roon erfüllen könnte.“
Sie lächelte und ihr Blick wechselte einen kurzen Moment lang in eine unbestimmte Ferne. Dann sah sie Zanfar in die Augen und trat näher.


Dieser war noch immer wie erstarrt, lauschte ihren Worten ohne eine Reaktion. Seine Aura war eine Korona aus dunklem braun, durchzogen von blauen Schlieren, unterbrochen von einzelnen Punkten aus weiß.

Ihre langen schlanken Finger befreiten sein Gesicht und sie sah sich jedes Detail noch einmal an. Das hier fühlte sich nach ihren ganz persönlichem Abschied an. Mit den Fingern strich sie sanft seine Konturen nach…

Er hatte die Augen einen kurzen Augenblick geschlossen, als Chasin die Maske von seinem Gesicht löste und ließ sie auch geschlossen, als sie sein Gesicht streichelte, eine tiefe falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet.
Sie wird gehen … ich verliere sie. Ich verliere die einzige Person, der ich je wirklich etwas bedeutete habe – und die MIR so viel bedeutet. Hätte ich es nur gewusst … hätte ich mich nur nicht ablenken lassen …

…und legte ihre Handflächen an seine Wangen, bevor sie sich langsam zu ihm hinab beugte und einen Kuss auf seine Lippen hauchte, so leicht wie ein Schmetterling.

Chasins Lippen waren schon dabei, sich von Zanfars zu lösen, da brach er seine Starre und hielt ihr Gesicht an Ort und Stelle. Einem ertrinkenden gleich erwiderte ihren Kuss stürmisch. Er löste sich erst, als ihrer beider Zähne aneinanderstießen und der Dunkelelf fürchtete, dass er sie verletzen könnte.

Ja, das hier war ein Abschied, aber als sie sich wieder von ihm löste, lächelte sie.
„Ich hätte mich gerne mit dir verpaartnert. Es wäre sicher eine interessante Erfahrung gewesen.“
Was? Meinte sie gerade das was es bedeutete? Chasins Lächeln wurde schelmischer. Ja, sie hatte einige Dinge gelernt, die sonst keine Tha'Roon wusste! Und das hier war gerade wohl „necken“.


Zanfars schnauben klang halb amüsiert, halb bitter.

„Ich hätte mir keinen besseren Mann dafür vorstellen können!“
Jetzt gluckste sie sogar einmal leise und glücklich und fuhr gleich fort:
„Ich werde deine elfenbein-farbene Aura vermissen, dein gelb, dein orange, grün und weiß, aber auch alle anderen Farben! Ich werde unsere Freundschaft vermissen. Unsere Wege trennen sich hier, aber wer weiß … vielleicht wird das Schicksal uns eines Tages wieder zusammen führen, oder du wirst unsere Freundschaft in einer anderen Person wieder finden. Die Welt liegt im Wandel. Ich weiß nicht, wann wir den letzten gemeinsamen Moment für uns haben werden, aber ich wollte dir noch sagen, dass ich dich liebe! Ich liebe dich, Zanfar und ich werde dich nie vergessen!“


Die Augen des Dunkelelfen begannen zu brennen und er kämpfte um seine Fassung, bis ihm Aufging, dass sie ohnehin in hinein sah und er Schluckte schwer.
Ich vergesse dich auch nicht, Chasin!

Sie lehnte ihre Stirn an seine und ihr diamantenes Auge sandte ihm ihre Liebe, gerade so viel, dass er wusste, dass es die Wahrheit war und sie selbst nicht das Gefühl verlor. Langsam schmiegte sie sich in seine Arme und ließ sich von ihm halten.

Der Kiefer des Nichtgenannten hatte sich verkrampft und sein Atem ging unregelmäßig, während er sie festhielt, als wäre sie der letzte Halt, der ihm vorm untergehen bewahrte.

Ein kleiner Diamant löste sich von den Regenbogenfarbenen Funkeln ihres Auges, sprang über die rote Brücke ihrer Wimpern und rollte langsam ihre Wange hinab. Mit ein bisschen Verwunderung, richtete sie sich auf, strich sie sich über die Wange und musterte die Träne auf ihrem Finger. Eine weitere Träne folgte dem vorgegebenen Fluss und landete auf ihren Lippen.
„Jetzt habe ich sogar gelernt zu weinen. Ist das nicht erstaunlich?!“
Aber dann lächelte sie. Chasin war schon erstaunlich. Selbst ihre Trauer war für sie etwas willkommenes, wenn sie dabei etwas lernen konnte.


Die Augen des Dunkelelfen waren feucht und zwei Rinnsale rannen ihm die Augenwinkel herab.
„Erstaunlich ja … wirklich erstaunlich.“
Sagte er leise mit belegter Stimme und küsste sie auf die Stirn.
„Ich … ich liebe dich auch, Chasin.“
Hilflos starrte er zur Decke und rang um Worte. Wie konnte er ihr Sagen was sie ihm bedeutete?! Oder wusste sie es? Ihre Offenbarung drohte ihm den Boden unter den Füßen weg zu reißen – und gleichzeitig spürte er Erleichterung. Sie würde sicher sein. Er würde nicht ihr Leben riskieren müssen! Und hoffentlich wurde sie so glücklich, wie sie erwartete.

Einen Moment war der Gedanke, sie zu verlieren, so überwältigend, dass er sie am liebsten angefleht hätte, ihn mit zu nehmen.
Er könnte weiter ihr Leibwächter sein, ein stiller Schatten, der in ihrem Licht badete, selig und unbehelligt. Ihr wundervoller Geist würde sich entfalten und ihr Herz zusammen mit ihren Gefühlen wachsen und offenbaren, was er wusste. Dass sie eine wundervolle Person war – ihr innerer Moral-Kompass brauchte ab und zu nur etwas Hilfe zur Richtungsfindung, aber das würde sie schnell lernen.
Und dann würde sie begreifen, dass sie einer Raupe gleich zum Schmetterling geworden war und ihr Freund der schweigsame Schatten blieb. Irgendwann würde sie begreifen, dass er bei weitem nicht so interessant und beeindruckend war, wie sie dachte. (wenn sie es denn dachte)
Dass die besten Zeiten des Zanfar Aval’Athil längst Vergangenheit waren – wenn es sie denn je gegeben hatte.

Er strich durch ihr langes rotes Haar und sog ihren Duft ein. Das Herz schmerzte ihm in der Brust.
Wenn ich je mehr sein möchte, als ich jetzt bin, muss ich meinen eigenen Weg finden, statt ihrem zu folgen.
„Ich wünsche mir nichts mehr, als dich Glücklich und in Sicherheit zu sehen, Chasin. Wenn das bedeutet, dass sich unser Beider Wege trennen, so …“
Er holte tief Luft und rang den Schmerz nieder, der sich in seiner Brust regte.
„ … dann muss ich damit Leben. Ich hoffe, der König ist weiterhin bereit, den Handel aufrecht zu halten, selbst wenn nur ich das Versprechen halte. Ich hoffe, dass hier ist kein Abschied auf immer – nur ein ‚Auf Wiedersehen‘, dass seine Zeit braucht. Unser Beider Völker haben eine lange Lebenspanne vor sich und selbst wenn es Jahrzehnte oder Jahrhunderte sind, wir werden uns wiedersehen.“
Er musterte Chasin und ließ seine Aura aussprechen, was seine Stimme ihm versagte. Er würde sie vermissen, so unendlich vermissen. Braun und Weiß bildeten ein verschlungenes Muster um ihn herum.

„Und ich hoffe, du wirst nicht allzu häufig deine neu gewonnene Fähigkeit des Weinens nutzen müssen und findest das Glück und die ‚Ganzheit‘ die du ersehnst!“
Er strich über ihre Wange und balancierte ihre Träne auf der Fingerspitze.
Sie hat mir ein kleines Wunder zum Abschied geschenkt … und wohl auch sich selbst. Oh Chasin, was soll aus mir ohne dich werden?
„Ich befürchte, San Walsing wird ungern noch länger auf mich warten wollen … und … und ich weiß nicht, ob ich mich ein zweites Mal von dir verabschieden kann … aber … warte hier.“
Er wollte schon unmaskiert aus dem Raum stürmen, da erinnerte er sich und legte die Maske an, bevor er kurz das Zimmer verließ.

Den Raum wie mit Scheuklappen durchschreitend ging er zu seinem Zimmer und hielt einen Moment bei Anblick der ruhenden Delilah inne. Er hatte nicht vor, vor Sonnenuntergang zurück zu kehren.
So viel, was hätte sein können … ich hoffe, dein Weg bringt dich an ein glückliches Ziel.
Er riss sich von ihrem Anblick los und kehrte zurück zu Chasin. Seine Schwerter in den Händen. Eines davon wanderte zusammen mit der Maske in seinen Gürtel, das Andere hielt er feierlich vor die Tha’Roon.
„Dich gehen zu lassen ist, als würde … würde …“
Ich mir einen Arm abschneiden? Mir das Herz aus der Brust reißen? Himmel, an mir ist ein Drama Darsteller verloren gegangen.
Zanfar schüttelte den Kopf.
„Ich weiß, du kannst nichts mit einer Waffe anfangen … aber es gibt nichts persönlicheres als meine Schwerter für mich und ich möchte, dass du eines davon mit dir nimmst. Als … Erinnerung.“
Er lachte auf.
„Ich weiß, du brauchst keine Gedächtnisstütze. Ich würde mich besser fühlen, wenn du es bei dir trügest.“
Um ihr die Möglichkeit zu nehmen, die Gabe wirklich abzulehnen, drückte er eines der Wakizashi in ihre Hand (natürlich noch in der Schwertscheide) und einen Kuss auf ihren Mund.
„Auf Wiedersehen geliebte Chasin.“
Flüsterte er, trat einen Schritt zurück, zog die Maske über sein Gesicht und ging schnellen Schrittes aus dem Bad und verließ wortlos die Gemächer. Zu aufgewühlt um auch nur ein paar nette Worte an die Helden im Raum zu verlieren. Erst einige Flure später klärte sich sein Kopf genug, um zu realisieren wie unhöflich er da gerade war. Aber wie viel bedeutete es schon?

Es war besser, wenn Delilah ihn vergaß und für Darna und Leon würde er schon bald zu einer Randnotiz verblassen. Von Fiddatan wollte er gar nicht sprechen.
Wichtiger war wohl, dass er sie alle kennen gelernt hatte, denn wenn sie die aufkommenden Turbulenzen überstehen würden, rechnete er mit großen Heldentaten von ihnen Allen!
San Walsings anliegen würde eine willkommene Abwechslung von der sich öffnenden Leere in seiner Brust bieten. Nun musste er sich nur auf dem Weg zu ihm überlegen, ob er Chasins Neuigkeit erst einmal lieber für sich behielt.

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Darna von Eibenau
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 26. Juli 2018, 12:42

"Und Ihr könnt Leon nach Hause bringen? Geht das?"
Begeisterte Hoffnung schlug in ihrem Ton durch. Das schien plötzlich so einfach! Er musste doch nach Weißenfels, und das so schnell wie möglich! Ihre Begeisterung erhielt einen Dämpfer, als ihr ebenso schwante, dass er vermutlich nicht weiter würde mitkommen können und ihr Blick huschte bedauernd und besorgt kurz zur Seite. Leon starrte sie an, als verstünde er ihre Begeisterung nicht. Seine Hand die eben noch so kraftvoll ihre gehalten hatte lockerte ihren Griff und glitt aus ihrer. Sein Mund klappte auf und schloss sich wieder, bevor er schluckte, versuchte wieder normal zu schauen und dann zu ihr sprach:
„Du willst nicht, dass ich dich begleite?"

Ihre Lippen öffneten sich, als hätte sie etwas direkt zu erwidern, aber es kam keine Silbe heraus. Äh, doch, aber...
"Du meintest doch, wir sollten alle Last gemeinsam tragen und nun willst du mich „Zuhause“ absetzten und deine Probleme alleine meistern?"
Diese verbale Faust kam offen von vorne, ohne Finte, und krachte ohne jede Gegenwehr mitten in ihr Gesicht. Eben war die Knappin noch irgendwie 'in Fahrt' gewesen und von einer Idee angetrieben, die sie gedankenlos herausgeplappert hatte; und diese Vorhaltung von Leon jetzt traf sie unvermittelt und effektiv. Schon dieser eine Satz hätte gereicht, denn das Schlimme war ja: er hatte recht.
Überrumpelt starrte ihn Darna einfach nur an.
"..vergisst du nicht, dass du meine und Delilahs Anwesenheit brauchst?“
Ja, aber...
„Darna, ich kann nicht alleine nach Hause.“
Bekümmert wirkend hob sie die Brauen. Für einen Moment ging sie davon aus, dass er in Weißenfels es ohne Hilfe nicht schaffen würde, und sie stand gedanklich vor der Ahnung und damit vor dem Dilemma, dass Fiddatan dort kaum lange verweilen wollen würde, damit sie ihm helfen könnte?
Aber würde sie ihn wirklich allein, im Stich lassen?!

Zum Glück brauchte sie sich mit diesem hypothetischen Problem nicht wirklich befassen. Der Drache mischte sich ein und lieferte wieder wichtige Puzzelstücke zu ihrem Verständnis:
"Wenn das aber mein „Sohn“ sein sollte, dann wird er der neue Herr der Quelle sein und euer Plan ihn vor diesem Schicksal zu bewahren wäre gescheitert."
Gescheitert. Dieser Geist kann dann auch nicht 'nachträglich' den Körper wechseln? Hrrs, schlussfolgerte sie aus den endgültig klingenden Worten frustriert. Ich sollte mich von dieser Idee, dass sowas geht, endlich verabschieden, murrte ihr Hinterstübchen. Geister konnten wohl nicht so einfach von bereitwilligem Körper zu bereitwilligem Körper hüpfen.
Eigentlich wäre das auch ein ziemlich beunruhigender Gedanke, aber so weit schweifte gerade nicht einmal Darna ab. Zumal Fiddatans nächster Satz keine Überraschung mehr war, aber die peinliche Berührtheit teilten Leon und sie dann doch.
Leon nahm sie bei den Schultern und sie sah ihm aufmerksam, aber nahezu ausdruckslos, innerlich noch erschüttert und betäubt, entgegen. „Es... es ist wahr. Ich kann erst nach Weißenfels zurück kehren, wenn wir Verano von diesem Drachengeist befreit haben.“
Weitere Argumente folgten.
Ja, natürlich ist die Chance dann größer.
...
Nun ja, eigentlich schon. Wobei...
...
Ja, natürlich.

Hätte Chasin es betrachten können, wäre es für sie vielleicht interessant oder sogar amüsierend gewesen, wie sich in der Aura der Knappin fast nur orange Zustimmung und auch weiß finden ließen, aber so ein petrolfarbener Sorgenfleck immer wieder auftauchte, als wäre es magische Tinte, die man nicht wegwischen können sollte; und immer wieder an der gleichen Stelle.
„Ich komme mit, Darna." Erleichterung. "Ich lass dich nicht allein. Mein Schicksal kann ruhig noch ein bisschen auf mich warten.“ Stille Freude, ein kurzes Gelb und dann einfach nur weiß pinselten noch einmal gründlich über den Fleck.
"... Danke." Nur ein Wispern, denn mehr bekam sie gerade nicht heraus. In seinen Augen versunken hob sie ihre rechte Hand zwischen seinen Armen hoch, um ihre Fingerkuppen leicht an seine Wange zu legen. Erklär ich es dir später. Doch, ha! Da war der Fleck wieder! Aber ich bin froh, dass du mit kommst! Und noch mal Gelb drüber! Naja, eher weißgelb. Sonnenweiß!
Ihre Lippen waren leicht geöffnet und in ihren Augen lag ein Ausdruck, der geradezu hypnotisierend signalisierte, wie gern sie ihn küssen würde, geküsst werden wollte... Die Gänsehaut kräuselte sich nicht nur in ihrem Nacken, sondern alles zog sie kribbelnd zu ihm. Zwischen ihren Gesichtern entstand ein Flimmern, das man gemeinhin mit 'es knistert zwischen den beiden' umschrieb. Und wie!
Ein schöner Moment, der vielleicht ja sogar absichtlich von der geisterhaften Echse zerstört wurde?

„Fein! Da das nun geklärt ist, will vielleicht jemand noch mitkommen, oder eben nicht?“
„Ich werde mitkommen“, hörte Darna eine Stimme, die sie nicht so wirklich erwartet hatte. Doch es reichte zuerst nicht einmal, um sie mit der gewohnten Abruptheit wieder völlig in die Sachlichkeit zurück zu reißen. Für vier lange Sekunden blieb sie noch an Leons Augen hängen, und registrieren müssend, dass sie gerade nicht allein waren, geriet etwas in Darnas Ausdruck, was völlig neu war: ein stummes 'Ich will dich', das ihren Blick hungrig werden ließ. Sehr hungrig. Die grauen Augen schienen ihm ein Bild zu malen, wie er irgendwo in einer dunklen Ecke an die Wand gedrückt und... heftig geküsst wurde!
Sie blinzelte.
"Basil", wehten zwei Silben abgelenkt mit einer rauen Stimme in den Raum, ehe sie sich räusperte und etwas von Leon abrückte, bevor sie nochmal neu ansetzte: "Ich ähm... äh, schätze, Basilius wird mitkommen wollen. Glaube ich."
Götter, was stammel ich da gerade? Sie räusperte sich nochmal und zog den unteren Saum des Mieders ordnend nach unten.

"Doch nicht", kommentierte sie nüchtern mit unfreiwilligem Humor, nachdem sie den Brief gelesen hatte und reichte ihn an Leon, bei Bedarf auch an Delilah oder Chasin, damit sie ebenfalls bescheid wussten. Sie schaute auf, aber der Grafendrache hatte schon den Raum verlassen. Nun ja. Dass Basil nicht mitkommen würde, ersparte vermutlich etwas organisatorischen Aufwand, und außerdem hatte Darna schon angefangen, sich leise zu fragen, ab wie vielen Personen es eigentlich voll auf einem Drachen würde?
Aber es tat ihr auch leid, dass er nicht mit kam. Ehrlich leid. Die Worte 'Liebste Freundin' gingen ihr noch mehrmals durch den Kopf, während sie zum wiederholten Mal verwundert registrierte, wie schnell sich ihre Beziehung zueinander verändert hatte. "Ich wünsch dir Glück!", wisperte sie fast lautlos, während sie unfixiert zum Fenster in den Sonnenschein sah...
Ich hätte dir so gern geholfen und will es immer noch. Der König hatte versprochen, er mache uns alle zu Rittern, wenn das mit den Drachen irgendwas Gutes für uns wird!
Aber ob das so eine gute Idee war? Wenn Basil nicht einmal dabei wäre, wäre er dann nicht bloß 'Ritter zweiter Klasse' in den Augen von jedem, der davon wusste? Sie kannte die fiese Gerüchteküche. 'Von eines Mädchens Gnaden...' würden sie sicher lästern. Pah! Sie schüttelte kaum merklich den Kopf und ballte unbewusst die rechte Hand zur Faust. Du hast selber die Kraft dazu, Basil! Ich weiß es! Und du wirst es auch noch selber beweisen!
Sie sah auf die feinen Staubpartikel, die im Sonnenschein tanzten und trat direkt ans Fenster, schloss die Augen, spürte die Wärme auf dem Gesicht.
Du hast jetzt Platz, dich zu entfalten, Basil. Gernots Schatten ist weg. Verdammt, wieso rannen ihr jetzt Tränen aus den Augen?! Mach was draus, ich wünsch dir Glück! Und Lysanthors Segen! Du hättest beides verdient.

Es galt, einiges zu organisieren. Auch, oder eben gerade weil sie selber nicht allzu viel Ausrüstung hatten. Und Geld war auch so eine Sache; zumindest für Darna, wenn man es genau durch rechnete. Als sie merkte, dass Delilah erwacht war, kümmerte die Knappin sich darum, dass die Lichtmagierin über die neuen Wendungen und Herausforderungen informiert wurde. Selber nahm sie etwas verblüfft zur Kenntnis, dass Chasin ohne ihren Leibwächter nach Drachma wollte?! Aber nun gut... wer war sie, das zu hinterfragen?
Ihr ging schnell auf, dass damit die einzige mit weltlichen Waffen ausgestattete Person der Gruppe weg fiel. Ein Dunkelelf zudem... Sie hätte sehr gerne gewusst, wie die kämpften! Also, als freundlich gesinnte Kontrahenten! Das war wohl eine Chance, die sie nie wieder erhalten würde. Nun, es war ja nicht so, dass sie schutzlos wären: Ein Drache, zwei Magiere, eine Frau, die Absichten erkannte, bevor sie ausgesprochen wurden und eine Figur, die Dämonen anlockte wie ein Pferdeapfel die Fliegen... nichts, was selbst Darna als 'wehrlos' bezeichnet hätte. Aber die Konstellation verstärkte doch ihren Wunsch, endlich irgendwie an etwas wie eine grundlegendste Rüstung und schnöden Stahl zu kommen! Und die leise Wahrheit war wohl, dass ohne diese Dinge sie sich wehrlos fühlte.

Mehrere Nachrichten waren zu schreiben, auch wenn zwei davon eher nichtssagende Abmeldungen ganz im Stil von Basilius' Nachricht wurden: eine an ihren vormaligen Dienstherren, den Grafen der Wehr Widumar von Aarenhorst. Direkt dort vorstellig zu werden, würde nur Zeit kosten und sicher unangenehme Fragen aufwerfen, weswegen sie lediglich ein Lebenszeichen von sich gab. Geschliffenst höflich bedankte sie sich für die Lehrjahre und all die Fürsorge und wandte sich mit wenigen Zeilen auch direkt an ihren Ausbilder Meister Roderich, an seine Gnaden Talarion und 'ihren' Ritter, Hagen von Weilenscheidt. Nichtsdestotrotz wurde ihr beim Verfassen der Nachricht das Herz schwer. Ihr neues Reiseziel hielt sie bewusst mehr als vage und erwähnte nur General von Pappelhain, der von der Unternehmung wisse.
Gleiches galt... für ihre Familie. Es bereitete Darna großen Kummer, dass sie ihre Familie so lange sträflich vernachlässigte, aber es ging nicht anders. Sie bemühte sich, persönlicher zu werden und betonte, dass es ihr gut ging. Ihrer Frau Mutter zuliebe erwähnte sie sogar, dass sie "einen interessanten und wohlerzogenen jungen Herrn, einen Schüler der hiesigen Lichtakademie, kennengelernt" hatte, aber es wurde im Grunde ähnlich nichtssagendes Blahblah mit eindringlichen Bitten um Nachsicht und Verständnis.
Langsam versteh ich Basils Brief, dachte sie frustriert, Was ihn wohl tatsächlich bewegt und fort treibt? Sie atmete durch und verschloss auch den zweiten Brief.

Kürzer, aber in ihren Augen wichtiger wurde eine Nachricht an den Tempel, "zu Händen von Mutter Ferra Seramisondra, Hohepriesterin in Diensten Florencias", als Absender stand außen ein "Darna von Eibenau, Trägerin der Seelenrose":
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Florencias gedeihen lassenden Segen mit Euch, Mutter Seramis!

Ich hätte Euch gerne persönlich aufgesucht, um mich nach dem Schicksal der Kerne zu erkundigen, doch die Umstände lassen es nicht zu; neue Dringlichkeiten zwingen mich, schon heute Abend die Stadt wieder zu verlassen. Sollte ein Bote bis dahin noch Kunde ins Schloss bringen können, würde ich mich über eine Nachricht, die Kerne und ihr Schicksal betreffend, sehr freuen.
Wichtiger ist mir aber, Euch noch gesondert darauf hinzuweisen, dass die Seelenrose nicht auf direktem Wege zu mir fand:
In Serna lebt in der Herberge "Roseneck" die vielleicht fünf Sommer zählende Elli Bromer.
Sie war es, die durch nächtlichen Traum von der blühenden Göttin auf das zu uns gesandte 'Samenkorn' aufmerksam gemacht wurde, es zielsicher im Garten fand und vor meinen Augen offensichtlich als Medium diente, um wunderschön in allen Grüntönen strahlende Kraft in die Pflanze zu lenken und sie so zu einem stark beschleunigtem Wachstum zu bringen. Während dieses Ereignisses schützte die Göttin sie sogar vor einer möglichen Ansteckung mit Morgerias Hauch. Elli war somit die erste Person, die uns vor dem Hauch gerettet hat, auch wenn unser Dank Florencia gilt.
Elli wurde mit einer, wie man es laienhaft nennen muss, 'Entstellung' im Gesicht geboren, die ihre Haut wie borkige Rinde wirken ließ. Ihr ganzes Wesen ist herzlich, aufgeschlossen und gut, und ich möchte Euch dringendst nahe legen, dieses Kind selber in Augenschein zu nehmen! Ich würde mich dafür verbürgen, dass Elli in hohem Maße die Gunst Florencias genießt.

Wenn sich dieses bewahrheitet und sie für den Dienst an der Göttin zu gewinnen sein sollte, muss ich etwas Persönlicheres anmerken:
Ich lernte Elli zunächst dadurch kennen, dass sie sich mit kindlichem Eifer wünschte, Ritter zu werden, und mich - als weibliche Knappin - für die Zeit als Vorbild bewunderte. Noch ohne von ihrer Gabe zu wissen, unterwies ich sie in einigen grundlegendsten Dingen und befeuerte somit ihren Wunsch. Ich bin mir bewusst, dass es als kindisch angesehen werden mag, diesen Wunsch ernst zu nehmen und dass er schon morgen vergessen sein könnte. Doch ich habe Elli trotz der kurzen Zeit sehr lieb gewonnen, und sollte ihr Wunsch länger Bestand haben, täte es mir in der Seele weh, wenn Elli sich ausgerechnet von mir durch den obigen Hinweis 'verraten' fühlen würde. Ich hoffe, Ihr könnt mir meine hoffentlich unnötige Sorge verstehen und mir nachsehen.
Sollte sich Elli je in dieser Richtung äußern, bevor ich sie wieder treffen konnte, richtet ihr bitte von mir aus, dass dies keineswegs meine Absicht war, sondern ich mich nur bemühe, ihr auf dem Weg zu ihrer Bestimmung zu helfen, wenn es diese denn sein sollte. Ich bin mir sicher und möchte es auch, dass sie glücklich wird, egal was sie letztlich als ihr Schicksal betrachtet.
Wenn sie den Traum vom Rittertum weiter träumt, sagt ihr bitte


*ihre Hand schwebte lange Momente zitternd über dem Papier*

dass man vor Lysanthor vor allem im Herzen Ritter ist. Egal, welchen Berufes Kleidung man trägt.
Schriftrolle Fuss
Wer immer sich gerade in der Nähe der Knappin befand, er oder sie würde merken können, dass Darna einige Tränen nicht zurück halten konnte und sie verschämt wegwischte. Elli hatte, was sie bei Kindern nicht für so leicht möglich gehalten hätte, ihr Herz im Sturm erobert. Das lag längst nicht nur an dem Gefühl, dass Elli ihr durch ihr Eingreifen das Leben gerettet hatte. Ein kleines Kind...
Wieder musste die Knappin Tränen weg kämpfen, als sich ihr ein Gedanke aufdrängte:
Sollte dich je ein Idiot dafür auslachen oder dir das absprechen wollen, lass dir ja nichts von ihm einreden, Elli!!
Ja, der eigentliche Grund lag wohl darin, dass Darna sich viel zu sehr in dem kleinen Mädchen wieder zu finden glaubte. Und jetzt brachte ausgerechnet sie womöglich Prozesse in Gang, die Elli den Traum vom Ritter sein verbauten...?
Und was war mit ihr selbst? Sie hatte sich vorgenommen, nur Schritt für Schritt weiter zu denken, aber es klappte in diesem Moment nicht. Ihre eigene Zukunft lag mal wieder - oder immer noch - ungewiss vor ihr. Ihr Weg führte sie weg von Jorsa, fort aus dem Schloss, und damit weg von ihrem Traum. Schlimmer noch, sie hatte sich selbst den Ritterschlag verbeten, selber ihren eigenen Plan vereitelt! Wie bescheuert musste man sein?! Ob sie wirklich jemals eine zweite Chance erhielte? Sie hatte keinen Schimmer, was dieses 'mit einem Drachen verbinden' bedeutete und was es für Konsequenzen haben würde. Wenn es überhaupt klappte. Im Moment ordnete sie alles, absolut alles der Notwendigkeit unter, dass sie dieses drohende Portal in den Harax los werden musste.
Aber dass ihr Traum an Geschehnissen zerbrechen mochte, die sie komplett weder aufhalten noch steuern konnte, tat gerade einfach nur weh! Würde sie sich etwa auch damit begnügen müssen, 'Ritter im Herzen' zu bleiben?
Schreib ich ihr hier nur irgendwelchen halbgaren Mist, den ich mir selber nicht abkaufen würde?
Sie widerstand mit steinerner Miene der Versuchung, in einem Impuls das Schreiben einfach nur zu zerknüllen, zu zerreißen und an die Wand zu feuern.
Aber nein. Nein. Alle haben es mich gelehrt, dass das die erste Voraussetzung ist: 'Ritter wird man nicht, sondern es wird zum Ritter geschlagen, wer Ritter ist.'
Durchatmen.
Sie wusste selber, dass das eine Illusion war, die so manches Mal nicht den Tatsachen der harten Realität entsprach. Aber das war nicht ihr Maßstab, und sollte es auch nie sein. Ich kann Elli nur beibringen, was ich selber glaube. Und dass der Ritter wird, der zur richtigen Zeit die richtigen Leute besticht, soll Gernot ruhig glauben... aber nicht ich!
Durchatmen. Sie hätte fast ihre Unterschrift vergessen, aber schließlich landete das Schreiben doch auf dem Stapel, der einige der Boten beschäftigen würde.
Zudem würde sie darum bitten: sollte Basilius von Gudenberg noch ähnlich wie sie im Aufbruch befindlich anzufinden sein, möge man ihm bitte ausrichten, dass alles in Ordnung sei, man ihm viel Glück wünsche und wirklich auf ein baldiges Wiedertreffen hoffe.

Ausrüstung.
Ein Kettenhemd und ein Rapier? Sollte sie deswegen tatsächlich seine Durchlaucht von Pappelhain belästigen? Das schien Irrsinn, denn für einen Mann seines Standes wäre allein das Vortragen ihrer Bitte glatte Verschwendung seiner kostbaren Zeit. Würde Darna diese Dinge aber aus eigener Tasche bezahlen, wäre sie danach so gut wie pleite. Ein Rapier war mit gut drei Lysanthemern noch machbar, aber schon ein anständiges Kettenhemd kostete locker neun bis zehn Lysanthemer. Wenn diese Preise noch stimmten... Schon in Serna hatte Darna anderes erlebt, und es war Krieg.
Es nützte nichts, dieses unangenehme Thema 'Geld' musste mit den anderen besprochen werden. Da Chasin ohnehin seine Majestät vom Sinn der Unternehmung überzeugen wollte, konnte sie vielleicht um derartige Unterstützung bitten?
Wenigstens erwies sich Darna als begabt, was die Zusammenstellung und sinnvolle Verteilung an Ausrüstung betraf. Sie empfahl jedem einen Rucksack, wobei sie auf Chasins Befindlichkeiten gesondert Rücksicht nähme, dass die Tha'roon schon dafür womöglich zu zerbrechlich war. Dann mussten die der anderen halt reichen. Aber zum Schlafen unter ungemütlichen Bedingungen war es empfehlenswert, nicht nur eine Wolldecke, sondern auch eine (dünne) Matte aus Filz als Unterlage mitzunehmen. Beides ließe sich ineinander gelegt zu einer Rolle formen, die man dann in eine gewachste Plane einschlug. Damit konnte man zeltähnliche Unterstände improvisieren. Die Rolle wurde über dem Rucksack befestigt und auf den Rücken geschnallt.
Ein kleiner Kochtopf, Feuerstein und Zunder, ein scharfes Messer, eine Rolle feste Schnur. Wichtigste Gebrauchsgegenstände stellte die Knappin zusammen und verteilte sie auf den vorhandenen Platz, reduzierte auf das Nötigste. (#siehe PN) Dabei hatte sie nicht viel echte Wildniserfahrung vorzuweisen - aber bei den wenigen Ausflügen mit Sir Hagen die Liste von Dingen auswendig gelernt.

Als es Zeit war, Frau Tesséras und Herrn Mortimer aufzusuchen, holte Darna ihre eigenen paar Habseligkeiten. Viel war es nicht. Nach etwas Zögern schien sie aber tatsächlich darauf zu bestehen, auch ausgerechnet das Stockschwert mit in ihren Gürtel zu stecken, das Elli ihr geschenkt hatte! Sie hatte bisher kaum Zeit gehabt, es sich überhaupt auch nur anzusehen, was sie endlich nachholte. Vielleicht wussten Delilah oder Leon, was das für eine gebogene Wurzel war? Das andere Stück Holz war wohl Birke. Nachdenklich betrachtete sie das kleine Geschenk. Es erinnerte sie unweigerlich unangenehm an das Gefühl, zu verbrennen, aber das wollte sie nicht Elli und diesem Ding anlasten. Sie prüfte sogar, ob die Stöcker fest genug aneinander gebunden waren und wenn es irgend ging, nahm sie es mit.
Die Pferde und überschüssigen Ausrüstungsgegenstände, die von dem Paket von Herrn Bromer zurück blieben, überprüfte sie auf ihren Zustand, verstaute alles sorgsam und übergab Frau Tesséras den Brief von Ewald Bromer an seinen Bruder, zusammen mit einer Erklärung, was zu den Dingen vereinbart worden war. Darna schätzte die Kosten der Dinge ab, die sie heraus genommen hatte und legte entsprechend Geld als Entschädigung dazu.
Auch bei Mortimer blieb sie bescheiden, aber praktisch veranlagt.
Nur einen Luxusgegenstand versuchte sie zu organisieren, wenn nicht die Diplomatin selber etwas derartiges mitnahm. Auch wenn ihr die Thematik ausgesprochen unangenehm zu sein schien:
einen Handspiegel...?

Insgesamt schien Darna der relativ frei gestaltbare Tag mitsamt sinnvoller Beschäftigung wirklich gut zu tun. Sie holte es bei nächster Gelegenheit so früh wie möglich am Tag nach, ihr übliches Gebet an Lysanthor zu richten, wobei sie einige stille Minuten danach dazu nutzte, an all die Menschen zu denken, die ihr am Herzen lagen und des Lichtherrn Schutz für sie zu erbitten.
Es drängte sie danach, sich zu bewegen, was man manchem Wippen auf den Fußballen oder kurzem Lauf anmerkte - aber die Notwendigkeit, in direkter Nähe von Delilah oder Leon zu bleiben, schränkte sie tatsächlich ein. "Dabei hatte ich sogar schon überlegt, ob ich Basil nach einem Übungskampf frage", merkte sie ein mal etwas bedauernd sehnsüchtig an.
Aber was Leon betraf, nutzte sie die Zeit nach einem irgendwie organisierten Mittagessen, um mit ihm ein mal unter vier Augen zu sprechen, denn ihr lag noch etwas auf dem Herzen:
"Leon?
Ich wollte dich um Entschuldigung dafür bitten, dass ich bei der Idee, dich nach Weißenfels zu bringen, so unbedacht losgeplappert habe." Sie hatte zu Beginn mal wieder die Hände auf den Rücken geschoben und senkte bei der Entschuldigung den Blick.
"Es geht mir keineswegs darum, dass ich dich 'loswerden' oder allein lassen wollen würde, wirklich nicht! Ich mache mir nur die ganze Zeit Sorgen. Sorgen um Weißenfels. Wenn Rugta befreit worden ist, gehe ich fest davon aus, dass in dem Gebiet versprengte Reste, wenn nicht sogar erhebliche Mengen an Orks und Dunkelelfen herum laufen."
Sie sah ihn besorgt an. Machte sie sich wirklich so viele Gedanken um sein Zuhause?! Es schien so. Sie wurde leiser:
"Und in Weißenfels ist... nur Neroli? Ich meine..." Darna atmete durch und schien sich rechtfertigen zu wollen: "Ich kann mir denken, dass Weißenfels nicht ohne Schutz ist, weiß ja aber nicht, wie der aussieht. Denkst du, es wird reichen? Ohne... Verano?"
Je mehr sie redete, desto mehr bekam Darna Schuldgefühle, in Leon womöglich doch noch Gewissensbisse oder gar Zweifel zu wecken. Aber eher hoffte sie eigentlich darauf, dass er sie beruhigen konnte. Unbeholfen griff sie nach seinen Händen und kam näher. "Es tut mir leid", wisperte sie. "Wenn es um meine Wünsche ginge, wärest du der letzte Mensch, den ich nicht um mich herum haben wollen würde. Ich wünsche mir niemanden sehnlicher in meiner Nähe als dich."
'Aber'.
Dieses verdammte 'aber' schwang selbst unausgesprochen immer noch bei ihr mit. Denn was ihre eigenen Wünsche wären, das schien auf ihrer Prioritätenliste irgendwo ganz unten zu stehen. Auf der Rückseite.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 26. Juli 2018, 23:04

(gepostet von Zanfars Moderator)

Zanfar ging schnellen Schrittes aus dem Bad und verließ wortlos die Gemächer. Zu aufgewühlt um auch nur ein paar nette Worte an die Helden im Raum zu verlieren. Erst einige Flure später klärte sich sein Kopf genug, um zu realisieren wie unhöflich er da gerade war. Aber wie viel bedeutete es schon?
San Walsings anliegen würde eine willkommene Abwechslung von der sich öffnenden Leere in seiner Brust bieten. Nun musste er sich nur auf dem Weg zu ihm überlegen, ob er Chasins Neuigkeit erst einmal lieber für sich behielt.


'Auf dem Weg zu ihm'... und wo war er? Ups. In seiner Aufgewühltheit hatte Zanfar überhaupt nicht beachtet, wo genau er eigentlich hin musste. Da hatte in der Nachricht nichts von gestanden, oder? War da nicht von einem Boten die Rede gewesen...?
Als der Nichtgenannte sich zwangsläufig umdrehte, um sich überhaupt ein mal zu orientieren, registrierte er einen leicht abgehetzt wirkenden Bediensteten, der sich mehrere Schritt entfernt fast am anderen Ende des Flures befand und ihn mit fragendem Blick ansah und die Hand leicht hob, als gehöre er zu ihm.
"Wenn Ihr mir folgen wollt, der Herr..?", fragte er hörbar verunsichert, aber höflich, als sie einander näher kamen, "Oder soll ich Herrn san Walsing ausrichten, dass Ihr der Einladung nicht folgen wollt?"
Der Bote musste ihm gefolgt sein, teils gar gelaufen. Und er hatte es nicht mal bemerkt!


(weiter bei: Jorsans Palast -> Gelber Saal - "Es ist Krieg!" )
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Dienstag 31. Juli 2018, 03:35

Ein Traum, das konnte also nur ein Traum sein. Natürlich jetzt ergab alles Sinn. Oder eher, der fehlende Sinn erklärte sich nun hier. Ein Dämonenkaninchen, wer dachte sich denn sowas aus? Lächerlich. Denn nun kniete Darna auch noch vor ihr und alle sahen sie vollkommen verschreckt an. Oder verzückt? Was sich der erschöpfte Geist am Ende eines langes Tages so alles ausdachte… Ja, das konnte nur ein Traum sein. Das würde auch erklären, warum das Bild nun vor ihren Augen verschwamm. Ein Paar vertrauter Arme fing sie auf und dann flog sie flügellos. Zumindest berührten ihre Füße nicht mehr den Boden. Erschöpft und erleichtert schmiegte sich Delilah an den Dunkelelfen, als gäbe es keinen sicheren Ort auf der Welt. Und dann lag sie in watteweichen Wolken, dort wo nichts zwischen ihr und dem blauen Himmel stand. Herrlich. Delilah lächelte im Schlaf und träumte vom Fliegen und der Sonne.

Als sie die Augen öffnete war ihr, als hätte Zanfar sie gerade in seinem Bett abgesetzt. Sein Duft lag noch in der Luft. Hatte sie die Tür klappen hören? Abrupt setzte sie sich auf und ihr drehte sich kurz der Kopf. Der Raum wirkte plötzlich erschreckend leer, aber woran lag das? Die Schwerter… die Schwerter, die vorher wie selbstverständlich hier gelegen hatten, waren fort. Delilah fühlte sich auf einmal sehr allein. Etwas wackelig auf den Beinen begab sich die Lichtmagierin zurück in das Wohnzimmer der Diplomatin, wo Darna sie auf den neusten Stand der Dinge brachte. Die junge Jorsanerin brauchte einen Moment, um die neuen Pläne zu verdauen. Die Aussicht auf einem Drachen zu fliegen war beängstigend und aufregend zu gleich. Fliegen. Wer hatte nicht schon einmal davon geträumt?! Aber das würde kein fröhlicher Ausflug. Das war ein ausgewachsenes Abenteuer weiter fort von ihrer Heimat als jemals zuvor. Kurz atmete Delilah tief durch. „Ich komme mit.“ Natürlich. Als würde sie Leon und Darna alleine lassen. „Aber vorher möchte ich mich von meiner Großmutter verabschieden.“

Delilah überließ gerne Darna die Planung der Reiseausrüstung, da hatte sie kein Wissen anzubieten. Sie gab nur noch kurz zu bedenken, dass sie noch etwas Grundausrüstung bei ihrer Großmutter und Ganbu – dem Streitross – zurückgelassen hatte. Bald saßen Delilah und Darna beieinander und schrieben beide Nachrichten, die sie den königlichen Boten übergeben würden. Die erste Notiz war an Zanfar gerichtet, der laut Darnas Aussage ohne ein Wort der Erklärung aus dem Zimmer gestürmt war, aber wohl nicht mit auf die Reise kommen würde.
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„Lieber Freund,

Die Welt ist voller großer und kleiner Wunder.
Das hat mir die Begegnung mit dir erneut bewiesen.

Egal, was in der Vergangenheit liegt, du kannst stolz sein auf den, der du jetzt und hier bist und auf das, was du erreicht hast. Ich schicke dir meine wärmsten Wünsche auf deinen zukünftigen Weg.

Mögen die Götter dir wohlgesonnen sein, und so sie es wollen, werden wir uns eines Tages wiedersehen.

Herzlichst,
Deine Delilah“
Schriftrolle Fuss
Das Herz war ihr schwer geworden, während sie die wenigen Worte niedergeschrieben hatte, für die sie erstaunlich lange gebraucht hatte. Verstohlen wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr nächster Brief ging an Raphael, den Grauen der Inquisition.

„Raphael,
An einem Tag, der mir nun unendlich weit fort scheint, habt Ihr mir und meinem Schicksal auf den Weg geholfen, als Ihr mich der Akademie anvertraut habt. Und eben jenes Schicksal ist es nun, dass mich in die atemberaubendsten Situationen bringt. Ich verweile leider zu kurz wieder in Jorsan, um Euch persönlich zu besuchen. Mir geht es gut, so viel möchte ich Euch wissen lassen und an meiner Seite stehen Freunde und Vertraute. Mein Vertrauen in die Welt wurde geprüft, doch es ist wieder so stark wie eh und je.

Ich begegnete in den Nebellanden einem Inquisitor der pelgarischen Inquisition, Gunther Brockhardt. Ich hoffe, er ist inzwischen wohlbehalten bei euch eingetroffen. Er überließ mir sein Streitross Ganbu um mir weiterzuhelfen und ich möchte, dass es den Weg zurück zu ihm und zur Inquisition findet. Es befindet sich momentan bei meiner Großmutter und wird dort gut versorgt. Ihr wisst sicherlich am besten, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Ich hoffe, Ihr seid wohl auf und habt die Krise des Hauchs gut überstanden. Dies alles sollte nun beendet sein.
Ich werde nun wieder auf unbestimmte Zeit fortgehen, um an anderer Stelle zu helfen, und weiß nicht, wann ich zurückkehre. Doch ich hoffe, dass dann genug Zeit bleibt, um Euch wiederzusehen. Dann könnt Ihr selbst beurteilen, was aus Eurem Schützling geworden ist.

Ich wünsche Euch von tiefstem Herzen alles Gute dieser Welt,
Delilah Tesséras“
Schriftrolle Fuss
Einen ähnlich vagen Brief schrieb sie an Magi Sixtema.

„Sehr geehrte Magi Sixtema,

Ich, Delilah Tesséras, kann berichten, dass ich wieder wohlauf bin. Körper und Geist hatten die Möglichkeit zu heilen und ich kehrte gestern zurück in die Stadt. Der Quell des Hauchs war dämonischen Ursprungs und wurde von tapferen Streitern, darunter Leon von Weißenfels, ausgelöscht. Dies sollte den Ausbruch hoffentlich leichter kontrollierbar machen. Neue Aufgaben haben sich jedoch aufgezeigt, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, und Leon und ich werden auf unbestimmte Zeit leider weiterhin abwesend sein. Wir werden Jorsan noch heute wieder verlassen. Ich hoffe jedoch, dass ich an einem fernen Tag meine Ausbildung unter Eurer weisen Leitung weiterführen darf.

Mit freundlichen Grüßen,
Delilah Tesséras“
Schriftrolle Fuss
Bald darauf saß sie wieder in der Küche ihrer Moma und atmete tief die Gerüche ihrer Kindheit. Sie hatte Mortimer gebeten, den Gutschein für ein Kleid, den er ihr vor einer Ewigkeit gegeben hatte für warme Reisekleidung nutzen zu dürfen und zurück im heimischen Garten hatte sie sich von Ganbu verabschiedet. Das Pferd war ihr ans Herz gewachsen. Nun saß sie hier und betrachtete sanft lächelnd ihre Moma, die gerade Tee zubereitete. In ihren Händen hielt sie den Brief, den sie zwischen den Sachen in der Satteltasche von Ganbu gefunden hatte. Er war ungelesen seit den Nebellanden mit ihr gereist. Was Verano ihr wohl damals geschrieben hatte? Sich schlug das Papier auf...

„Ich werde wieder fortgehen.“, sagte Deli wenig später mit leicht belegter Stimme. Eigentlich überflüssig. Dieser Blick in Resas Augen, als sie ihrer Enkelin die Tür geöffnet hatte. Ihre Moma hatte gewusst, dass dies ein Abschied werden würde, noch ehe sie die ersten Worte herausgebracht hatte. Dies hier war wichtig, damit Delilah nachher zieltstrebig voraus schauen konnte und nicht zurück. Diesmal wenigstens hatte sie die Möglichkeit Dinge zu erledigen, abzuschließen, sich zu verabschieden. Nicht so wie letztes Mal, wo sie ohne Vorwarnung verschwunden war.
„Ich werde mit Darna, Leon und einer Diplomatin des Königs reisen. Es wird ein spannendes Abenteuer, vielleicht kann ich danach ein eigenes Märchenbuch schreiben.“ Sie lächelte schief, während ihr ein paar Tränen still über die Wangen liefen. „Ich hab dich ganz doll lieb, Moma. Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder verlassen muss.“ Sie schluckte. „Wenn ich wiederkomme… dann…dann nehm ich mir Zeit und… wir können den Garten neu gestalten oder das Vogelhaus bauen, das wir schon so lange basteln wollten…“ Delilah verstummte. Es fühlte sich merkwürdig an, Pläne zu machen, wenn doch so unklar war, was die Zukunft bringen würde und wann und… OB sie zurückkehren würde. Energisch wischte sie sich einige Tränen aus dem Gesicht. Egal wohin sie gehen würde. Dieser Ort und alle seine Erinnerungen wären bei ihr. Immer. Ihre Moma wäre bei ihr. Jorsa wäre bei ihr. All dies hier war ein Teil von ihr. Ihre Moma wusste das sicher und dennoch sprach Delilah ihre Gefühle noch einmal aus. „Du bist die beste Familie, die ich mir wünschen kann und du hast mir das wundervollste Zuhause geschenkt, das ich mir vorstellen kann. Das gibt mir so viel Kraft. Du machst mich stark. Ihr seid ein Teil von mir… aber ich bin auch ein Teil von euch und du wirst mich nie verlieren, egal wohin ich gehe.“ Sie schloss ihre Moma fest in die Arme und flüsterte in die grauen Haare. „Ich bin immer hier und bei dir, komme was wolle.“

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 2. August 2018, 10:56

Ein Tag des Abschieds schritt voran. Viel war zu erledigen und noch mehr zu bedenken, wenn man bewusst sein Heimat verließ um in eine unbestimmte Ferne zu ziehen. Unausgesprochene Fragen schwirrten durch die Köpfe der Freunde und machten sie ruhelos. Wohin ging es? Drachma.... Wie würde es dort sein? Aber die Gedanken schweiften vor allem in die Vergangenheit und zu dem was das Herz schwer machte. Würden sie Jorsa je wieder sehen? Würden lang gehegte Träume sich irgendwann erfüllen oder für immer verfliegen? Würden die Liebsten, die man zurück ließ noch da sein, wenn man eines Tages hoffentlich zurück kehrte?
Wie ein nebulöses Omen schob sich zur Mittagsstunde eine dichte graue Wolkenschicht über den Himmel der Stadt, als wenn die Zukunft sich bewusst verhüllen wollte und keine der Fragen in den Herzen der Menschen beantworten würde.

Die Stunden vergingen mit Fleiß und Tat, mit Tränen und Ängsten, mit Zuversicht und Zusammenhalt. Darna stellte sich einmal mehr als überragend organisiert heraus und erleichterte so den Anderen das Leben. Ihr Wissen um al die kleinen Dinge, die sie benötigen würden vermittelte Sicherheit und Vertrauen. Ein um andere Mal erntete sie einen dankbaren Blick. Ganz selbstverständlich erhielt sie so auch kurz bevor sie die Pläne in die Tat umsetzen konnte, von Chasin einen winzigen Beutel mit einem dazu gehörigem Brief:
„Den gibst du bei dem königlichen Juwelier ab. Verberge ihn gut und lass beides ausschließlich den Meister öffnen. Er wird dir im Austausch dafür eine Summe geben, die du dann zu unserer Ausrüstung frei verwenden kannst.“
Selbstverständlich tat Darna wie geheißen und befolgte auch geflissentlich die Anweisung der Diplomatin, auch wenn es ihr sicherlich vor Neugierde unter den Fingernägeln brannte, was in dem Beutel war. Was auch immer im Beutel sich befand, es war klein, kantig und sie erhielt im Austausch dafür 60 Lysanthemer. So stand ihren Wünschen kaum noch etwas im Wege. Sogar der kleine Handspiegel der Diplomatin fand zu den Sachen, die sie mitzunehmen gedachten.
Dann wurde es Zeit Boten mit Briefen an die lieben Verwandten auszusenden, die Obrigkeit in Kenntnis zu setzen und Freunden Nachrichten zu übermitteln. Als Darna dabei an das Schicksal der kleinen Elli dachte, kamen ihr die Tränen und einmal mehr war es schön Leon in ihrer Nähe zu wissen, der diesen Lebensabschnitt mit ihr geteilt hatte, um ihre Traurigkeit wusste und sie tröstete. Wieder einmal stand die Knappin an einem Kapitelende und die Geschichte trug sie weiter. Doch jetzt und hier war es wichtig noch mit den liegen gebliebenen „Kleinigkeiten“ aufzuräumen...

"Leon?“
Sein apartes Gesicht hob sich von einigen Zeilen die auch er zu schreiben hatte und er sah sie aufmerksam an.
„Ich wollte dich um Entschuldigung dafür bitten, dass ich bei der Idee, dich nach Weißenfels zu bringen, so unbedacht los geplappert habe."
Sie hatte zu Beginn mal wieder die Hände auf den Rücken geschoben und senkte bei der Entschuldigung den Blick. So entging ihr vorerst seine Mimik.
"Es geht mir keineswegs darum, dass ich dich 'loswerden' oder allein lassen wollen würde, wirklich nicht! Ich mache mir nur die ganze Zeit Sorgen. Sorgen um Weißenfels. Wenn Rugta befreit worden ist, gehe ich fest davon aus, dass in dem Gebiet versprengte Reste, wenn nicht sogar erhebliche Mengen an Orks und Dunkelelfen herum laufen."
Sie sah ihn besorgt an. Machte sie sich wirklich so viele Gedanken um sein Zuhause?! Es schien so. Vielleicht war es so, weil - wenn alles gut lief - es irgendwann auch IHR Zuhause sein würde?
Sie wurde leiser:
"Und in Weißenfels ist... nur Neroli? Ich meine..."
Darna atmete durch und schien sich rechtfertigen zu wollen:
"Ich kann mir denken, dass Weißenfels nicht ohne Schutz ist, weiß ja aber nicht, wie der aussieht. Denkst du, es wird reichen? Ohne... Verano?"
Je mehr sie redete, desto mehr bekam Darna Schuldgefühle, in Leon womöglich doch noch Gewissensbisse oder gar Zweifel zu wecken. Aber eher hoffte sie eigentlich darauf, dass er sie beruhigen konnte. Unbeholfen griff sie nach seinen Händen und kam näher.
"Es tut mir leid."
, wisperte sie und zeitgleich wurde ihr Kinn sanft von seiner Hand gehoben, sodass sie gezwungen war in seine schönen Augen zu sehen. Schimmerten sie wieder? Tatsächlich! Aber das taten sie schon eine Weile... seit... seit... sie konnte es nicht genau bestimmen.
"Wenn es um meine Wünsche ginge, wärest du der letzte Mensch, den ich nicht um mich herum haben wollen würde. Ich wünsche mir niemanden sehnlicher in meiner Nähe als dich."
'Aber' -
Dieses verdammte 'aber' schwang selbst unausgesprochen immer noch bei ihr mit. Denn was ihre eigenen Wünsche wären, das schien auf ihrer Prioritätenliste irgendwo ganz unten zu stehen. Auf der Rückseite der Geschichten, der Romane, die sie einst über ihre Abenteuer schreiben könnten. Doch in diesem Augenblick war das alles egal! Einzig die Anwesenheit der Anderen hielt Leon ab sich das zu nehmen was er begehrte. Ihr Worte hatten etwas entzündet. Sein Blick brannte auf ihren Lippen so heiß, dass die Vorstellung von ihm grob gegen eine Wand gepresst zu werden, dagegen wie ein träge dahin schmelzender Eiszapfen in der Mittagsstunde wirkte. In seinen Augen lag eine Dringlichkeit, ein Bedürfnis, dass noch viel mehr war, als bloßes Verlangen. Das hier war ...Liebe?!
Darna konnte das Pulsieren einer Ader an seinem Hals wahrnehmen, die Hitze die von seinen Händen an ihren Schultern ausging. Er berührte sie immer nur flüchtig und doch war es, als würde er sie jedes Mal in Brand setzen. Ihre Haut kribbelte dort, wo er sie streichelte, brannte und hungerte nach einem unbestimmten „mehr“! Leon schluckte schwer und presste einen Moment zu Augen zu. Mehr als nur ungern löste er sich und schaute sich verstohlen im Raum um. Ja, hier waren definitiv zu viele Leute. Wären sie allein gewesen, wer weiß was dann geschehen wäre. Doch öffentliche zur Schau Stellung von Zärtlichkeiten oder Verlangen, war schlicht unschicklich und er zu gut erzogen. So blieb für einen Atemzug nur die vage Vorstellung von „mehr“ und das Bedauern zurück. Ein vorausschauender Geist hätte in diesem Moment unken können, dass Darna und Leon eine schwere Zeit der Prüfungen bevor stand, Prüfungen ihrer Selbstbeherrschung, ihrer Kontrolle, ihrer Disziplin, ihrer Geduld, ihrer Standhaftigkeit und vielleicht sogar ihrer Moralvorstellungen. Er hatte dann wohl ihre Entschuldigung angenommen. Er nickte langsam und sprach ruhig und leise:
„Weißenfels muss sich diese Tage um sich selbst kümmern und mir tut jeder leid, der sich dort hin verirren sollte.“

...

Derweil saß Delilah wieder in der Küche ihrer Moma und atmete tief die Gerüche ihrer Kindheit ein. Sie hatte den Schneider Mortimer am Nachmittag mit Darna zusammen besucht und gebeten, den Gutschein für ein Kleid, den er ihr vor einer Ewigkeit gegeben hatte für warme Reisekleidung nutzen zu dürfen. Dieser hatte nur lächelnd abgelehnt und ihr nur zu gern gegen einen winzigen und völlig zu niedrig angesetzten Preis alles nötige überlassen. Die Gelder der der Knappin hatten an dieser Stelle sich kaum vermindert und zurück im heimischen Garten hatte Delilah sich von Ganbu verabschiedet. Das Pferd war ihr ans Herz gewachsen und der Hengst schien ebenfalls von dem Abschied zu spüren, denn er lehnte seine breite Stirn fest gegen ihren Leib, bevor sie wieder zu ihrer Moma ins Haus ging. Darna war ins Schloss zurück gekehrt um dort Kettenhemden und Waffen zu organisieren.
Nun saß die junge Lichtnovizin hier und betrachtete sanft lächelnd ihre Moma, die gerade Tee zubereitete. In ihren Händen hielt sie den Brief, den sie zwischen den Sachen in der Satteltasche von Ganbu gefunden hatte. Er war ungelesen seit den Nebellanden mit ihr gereist. Was Verano ihr wohl damals geschrieben hatte? Sich schlug das Papier auf...
Im ersten Augenblick war das Pergament leer, dann … fing eine unsichtbare Feder an zu schreiben und sie beobachtete voller Staunen, wie von „Geisterhand“ geführt die Worte entstanden:
Versteckt:Versteckten Text anzeigen

**Verehrtes Fräulein Delilah,

ich freue mich sehr, dass sie meine Zeilen zu lesen, wenn gleich es auch bedeutet, dass ich verschieden bin. Schauen sie nicht so überrascht drein. Ja, ich bin es. Ihr verbundener Freund und Helfer. Genauer gesagt, ist es ein Teil meines Geistes, den ich hier in dieses Pergament gebannt habe. Magie ist schon etwas erstaunliches. Doch nichts ist so erstaunlich wie das Leben selbst.
Es stimmt mich traurig, dass wir uns trennen mussten, doch ich befürchtete schon, dass mein Leben bald einen gänzlich endgültigen Weg nehmen würde, welchen genau, blieb auch mir verschlossen. Bitte verzeihen sie mir mein Schweigen dazu. Vieles was die Geister mir zuflüstern ist oft schädlich für die Lebenden. Sie haben ja selbst meine treue Rukulla kennen gelernt. Sie lässt übrings schön grüßen. Aber ich will sie nicht weiter verwirren. Warum ich ihnen dieses Schreiben vermache ist denkbar einfach.
Ich habe in ihnen ein Licht gesehen, dass auf jeden Fall meine und vielleicht auch die Welt an sich verändern könnte. Ich möchte ihnen als Geist mit Rat auf ihrem Weg zur Seite stehen, denn ich hatte sie in der Zeit meines Leben sehr lieb gewonnen. Vielleicht haben sie Freude an einer Brieffreundschaft mit einem Geist, wenn auch es nur dieser kleiner Teil von mir ist. Wann immer sie eine Frage an mich stellen möchten, so schreiben sie ihre Worte mit einer farbigen Flüssigkeit auf das Pergament und ich werde über Nacht antworten. Ich freue mich auf ihre Berichte aus dem Leben und unsere Korrespondenz und verbleibe bis dahin

Ihr Freund
V. **
Schriftrolle Fuss
Auf der untersten Zeile entstand ein Wasserzeichen, dass Delilah so gut kannte. Es war das Wappen der Weißenfels. Dann verblasste alles. So oft sie das Blatt auch wendete, die Zeilen blieben verschwunden.
-
Veranos Geist!
-
...ein Teil davon!
-
Warum hatte sie nur nicht schon früher an das Geschenk des Grafen gedacht?! Seine Zeilen klangen tatsächlich so, als würde er sehr aktuell mit ihr „sprechen“ doch nichts, von der derweil verronnenen Zeit wissen. Und er würde ihr „über Nacht“ antworten, wenn sie mit farbiger Flüssigkeit an ihn schrieb. Himmel, was für ein Geschenk! Was für ein Vermächtnis! Und das hatte sie die ganze Zeit bei sich getragen?! Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn sie es verloren hätte?! Verano war noch immer bei ihr! ...in den Satteltaschen eines Pferdes, aber er hatte sie nicht gänzlich verlassen. Und gerade jetzt entdeckte sie ihn wieder, jetzt wo sie schon fast geglaubt hatte diesen Teil der Geschichte hinter sich gelassen zu haben und weiter ziehen zu müssen. So viel neues wartete auf sie und hier war er nun. Der Geist der Vergangenheit.

„Ich werde wieder fortgehen.“
, sagte Deli wenig später mit leicht belegter Stimme. Eigentlich überflüssig. Ihre Moma hatte gewusst, dass dies ein Abschied werden würde, noch ehe sie die ersten Worte herausgebracht hatte. Alles fühlte sich nach Abschied an. Doch dies hier war wichtig, damit Delilah nachher zielstrebig voraus schauen konnte und nicht zurück. Diesmal wenigstens hatte sie die Möglichkeit Dinge zu erledigen, abzuschließen, sich zu verabschieden. Nicht so wie letztes Mal, wo sie ohne Vorwarnung verschwunden war... durch Verano.
„Ich werde mit Darna, Leon und einer Diplomatin des Königs reisen. Es wird ein spannendes Abenteuer, vielleicht kann ich danach ein eigenes Märchenbuch schreiben.“
Sie lächelte schief, während ihr ein paar Tränen still über die Wangen liefen, die ihre Großmutter mit ihren rauen Händen trocknete.
„Ich hab dich ganz doll lieb, Moma. Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder verlassen muss.“
Sie schluckte.
„Wenn ich wiederkomme… dann…dann nehme ich mir Zeit und… wir können den Garten neu gestalten oder das Vogelhaus bauen, das wir schon so lange basteln wollten… Du bist die beste Familie, die ich mir wünschen kann und du hast mir das wundervollste Zuhause geschenkt, das ich mir vorstellen kann. Das gibt mir so viel Kraft. Du machst mich stark. Ihr seid ein Teil von mir… aber ich bin auch ein Teil von euch und du wirst mich nie verlieren, egal wohin ich gehe.“
Sie schloss ihre Moma fest in die Arme und flüsterte in die grauen Haare die nach Salbei und Holunder aus der Küche rochen.
„Ich bin immer hier und bei dir, komme was wolle.“
„Das bist du, mein Sonnenschein!“

Delilah wurde gedrückt, geherzt, geliebt! Wie viele Menschen hatten das alles nicht. Sie hatte eine schöne Kindheit gehabt, trotz ihres frühen Verlustes. Es hatte ihr nie an Liebe gemangelt. Die alte Frau, die sie nun fest im Arm hielt und ihr Haar streichelte, war lange Zeit der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen. Nun würde sie weiter ziehen und es war fraglich, ob sie sie noch einmal wieder sehen würde. Resa war alt. Sie war gesund, aber hatte ihr Leben schon fast hinter sich. In ihrem Alter konnte jeder Abschied der letzte sein und das wusste auch ihre Enkelin. Um so schmerzhafter war die bloße Ahnung davon, dass sie wohl für eine Weile sehr weit fort ihrer Heimat sein würde. Noch schmerzvoller war es, wenn man liebe Menschen zurück ließ.
„Ich bin so unendlich stolz auf dich, meine Kleine! Du wirst mich immer stolz machen, egal wo du bist. Ich habe dich gut erzogen und du bist zu einer ganz besonderen Frau heran gewachsen. ...Der Garten wird auf dich warten und das Vogelhäuschen auch. Ich werde dich vermissen, mein kleiner Sonnenschein.“
Delilah wurde fest umarmt und auch Resa strich sich die ein oder andere Träne aus den Augenwinkeln. Sie schniefte hörbar und drückte sie dann beherzt von sich, als es Zeit wurde zu gehen. Sie hatte Delilah ein Päckchen ihrer Lieblingskekse eingepackt. An der Tür strich sie ihr wieder und wieder über die Wangen und Tränen glitzerten in ihren Augen.
„Pass gut auf dich auf! Zieh immer warme Sachen an! Iss genügend und ...“
Der dicker werdende Klos ließ die Aufzählung an guten Ratschlägen stoppen und sie flüsterte nur noch einmal heiser:
„Ich liebe dich.“
Dann schob sie Delilah zum Tor hinaus. Lange sah sie ihrer Enkelin hinterher und wann immer sich Delilah umblickte war da ihre Moma, die ihr zum Abschied lächelnd zu winkte.



Darna gab am späteren Nachmittag, nach ihren Besorgungen, das Restgeld der Diplomatin zurück. Kurz darauf erhielt sie durch einen Boten eine versiegelte Röhre mit dem Siegel des Königs und eine weitere schriftliche Anweisung, diese an die Obrigkeit der Drachen, sofern vorhanden, weiter zu leiten. Sie wurde in dem gleichen Begleitschreiben als Gesandte von Jorsa betitelt und erhielt einen Siegelring, der sie in ihrer neuen Stellung „adelte“. Dies war kein Ritterschlag, aber doch mit großen Ehren verbunden. Obwohl sie noch so jung war, hatte der König von Jorsa so viel Vertrauen in sie, um sie mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Glückwünsche für die Reise beendeten das Schreiben als sie es gelesen hatte, trat die Tha'Roon an ihre Seite und beglückwünschte sie zu ihrer neuen Stellung.
„... und nun werdet ihr in diplomatischer Mission in ferne Lande reisen.“
Chasin lächelte versonnen.
„Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde meine Aufgabe weiter gereicht, während ich in einer unbekannten Heimat entgegen blicke. ...ein Neuanfang, das ist es für mich.“
Ihr Lächeln zeigte auch eine Spur Traurigkeit, da sie auch einen lieben Elfen zurück ließ, der ihr viel bedeutete. Sie legte Darna in vertrauter und beruhigender Geste die schlanke Hand auf die Schulter.
„Also, verehrte Diplomatin. Letzte Anweisungen für die Reisegruppe?“

Von Basilius kam keine weitere Nachricht und auch aus dem Tempel erreichte sie nichts. Diese Fäden des Schicksalsteppich fanden hier ihr eigenes Muster, ihren eigenen Weg. Elli würde sicherlich ihren Weg machen. Zanfar würde seinen eigenen Abenteuer bestreiten und hoffentlich glücklich werden. Viele weitere Gesichter die man bis hier hin kennen gelernt hatte, würden irgendwann in Vergessenheit geraten.

Leon hatte noch einige Dinge alleine in der Stadt zu erledigen und besuchte die Akademie, sowie ein kleines Stadthaus mit Angestellten seines Vaters um sich dort für längere Zeit zu verabschieden. Die Nachricht, dass der Graf verblichen war und nun sein Sohn die allgemeinen Geschäfte übernehmen würde, hatte sich noch nicht verbreitet. Es auch für ihn gab einiges zu organisieren.

Gen Abend, als der Himmel sich immer weiter zu zog und verdunkelte, trafen sich alle wieder in den Räumlichkeiten der Tha'Roon wieder. Sie selbst hatte auch eine paar Briefe geschrieben, Boten beschäftigt und sich vom Adel des Schlosses verabschiedet. Einige wenige, die die über die Zeit ihr Vertrauen gewonnen hatten, verabschiedete sie sogar persönlich. Neugierige Fragen, wohin sie nun ginge, beantwortete sie unbestimmt und inhaltslos, doch rhetorisch versiert, so dass sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlte. Sie war nun mal eine Politikerin und vor allem Diplomatin und beugte so einigen unliebsamen Gerüchten vor, die sonst vielleicht nach ihrem Fortgehen entstehen hätten können. Sie wollte vor allem dem König keine Schande bereiten und sorgte so dafür, dass sie als seine Vertraute in hoffentlich guter Erinnerung verblieb. Letzte kleinere Dienste wurden erledigt und Aufgaben neu verteilt.
Zanfar hinterließ sie eine Schatulle, die sie in seinem Zimmer deponierte. Sie selbst wusste, dass sie den Inhalt in Drachma nicht mehr benötigen würde. Es waren nur Übungstücke ihrer Kunst, aber im Reich der Menschen, waren sie wertvoll und würden so vielleicht noch einem guten Zweck dienen können. Vielleicht auch nur dem Zweck, Zanfar in stillen Momenten, an seine Freundin zu erinnern. Ihre geschliffenen Diamanten aus Nebulis, ihr persönlicher Schatz, trug ihre Geschichte in sich. Jeder Stein erinnerte sie an einen Abschnitt ihrer Lehrzeit, an ein Jahr oder Jahrzehnt voller Wissensdrang. Wo den Menschen der Wert am wichtigsten war, da waren es für sie lauter kleine funkelnde Erinnerungen. Ein Diamant war unvergesslich … und unvergesslich war Zanfars Geschichte in Chasins Gedächtnis eingebrannt, abgespeichert in ihrer Gedankenbibliothek, eingemeißelt in ihre Seele, nieder geschrieben in ihr kleines Herz.

Gehüllt und gewandet in dicke warme Kleidung, bestückt mit Rucksäcken voller überlebenswichtiger Dinge, mit Gurten verbundene Planen, Decken und Matten, so fand man sich im inzwischen aufgeräumten Wohnzimmer ein um auf den Grafen zu warten. Der Ausblick aus den Fenstern zeigte, dass es kurz vor Sonnenuntergang war und man war bereit in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen.

Doch der Drache ließ auf sich warten. Gut anderthalb Stunden nach der vereinbarten Zeit wankte er angetrunken in Begleitung zweier Damen in die Gemächer. Die Damen verabschiedeten sich sofort bei den Gesichtern, die ihnen entgegen blickten und der Drachengeist jaulte ihnen fast flehend hinterher, dass sie bleiben mögen.
„Wartet...schöööne Maiden...wird bestimmt luschtig. Da is nen riesiges Bett, was wir einw... Ach menno... jetscht habt ihr sie verscheucht!“
Vorwurfsvoll schaute er mit glasigem Blick in die Runde. Sicher war nicht nur Leons Blick finster wie die voranschreitende Nacht.
„Schaut doch nich so! Isch hatte doch nur meinen Spasss. Himmel, man könnte meinen, ihr hättet nur auf misch jewartet um... ...oh.“
Der Graf schüttelte seinen Kopf und hielt sich die Schläfen. Leon sprach:
„Ja, wir warten auf euch! Wir warten darauf euch nach Drachma zu bringen, damit ihr euer Versprechen erfüllen könnt. Wir warten, dass ihr uns sicher dort hin bringt und jetzt kommt ihr hier … betrunken an?!“
Seine Fäuste waren an seinen Seiten geballt und Wut stand in seinem Blick. Er machte einen schnellen Schritt nach vorne und ohrfeigte den Grafen.
Das laute Klatschen ließ darauf schließen, dass es sich nicht um eine höfische Geste handelte, sondern, dass er sich nicht gerade zurück gehalten hatte. Veranos Kopf flog zur Seite und er taumelt nach hinten. Fast sah es so aus, als ob Leon nachsetzen wollte um seinen ehemaligen Vater einmal gründlich die Visage zu polieren, doch der Graf hob nur abwehrend die Hand und ließ sich seitlich an der Couch herunter sinken. Er hielt sich die Wange und starrte seinen Sohn an.
„So fühlt sich also Schmerz für einen Menschen an.“
, murmelte er und seine Mundwinkel zuckten. Leon bebte vor Wut, aber langsam schien ihm aufzugehen, dass er gerade veräppelt worden war. Die Aussprache des Grafen war wieder klar und deutlich gewesen.
„Nun schau nicht so überrascht. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt. Es traut sich ja keiner hier und nebenbei hab ich auch noch erfahren, dass du für die Sicherheit deiner Liebsten so ziemlich alles riskieren würdest, „SOHN“. Sogar mich zu schlagen. ...Das imponiert mir.“
Er lächelte und verzog dabei die gerötete Wange, was ihn leicht zucken ließ und stand dann wieder ernst werden ließ. Leon stand mit offenem Mund da.
„Das war ein TEST?“
Der Graf zog sich an dem Sitzmobiliar hoch und setzte sich gemütlich hin.
„Natürlich! Ich will schließlich nicht irgendwelche aufgesetzten Sprüche hören oder verfälschten Floskeln, die eure wahren Absichten verschleiern. Ich will die Wahrheit, warum ihr mich begleiten wollt. Auch wenn ich tot bin und nur diese Hülle trage, will ich Drachma schützen. Das ist die erste Aufgabe eines Drachen. Ich werde keine Falschheiten dulden. Also wenn ihr mir noch was zu sagen habt, dann tut es jetzt!“
Leon ließ sich nach hinten auf seinen Hosenboden sinken. Er war mehr als nur erschüttert, das sah man ihm an.
„Du willst die Wahrheit? Hatte ich denn nicht …? Hm...“
Er sackte in sich zusammen und sah grüblerisch aus.
„Scheiße, er hat recht!“
So ein Wort hatte Leon von Weißenfels noch nie in den Mund genommen.
„In Ordnung, also die Wahrheit!“
Er sah Verano ernst an und fuhr fort:
„Ich kann dich nicht leiden! Du bist ein arrogantes Stück Dreck in meinen Augen. Ich hasse es, dir vertrauen zu müssen. Ich hasse es, Darnas Sicherheit in deine Obhut geben zu müssen. Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst und nicht irgendein dahergeflogener Drache! Ich bin eifersüchtig und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben. Ich will den Körper meines Vaters wieder haben und ihm diesen verfluchten Geist einpflanzen, damit ich frei bin. Das ist selbstsüchtig, aber wahr! Zufrieden?“
Ein Moment Stille trat ein und der Drache lächelte. Langsam ließ er den Blick in die Runde gleiten und blieb bei Chasin hängen. Die Tha'Roon nahm dies als Aufforderung zu sprechen:
„Ich bin nur neugierig. Ich sehe eine neue Heimat für mich, wenn ich mitkomme. Ich bin traurig, dass meine erste Liebe mich nicht begleitet, aber ich freue mich auf all das neue und alte, dass ich lernen werde.“
Der Drachengeist nickte abermals zufrieden im Körper des Grafen und wanderte mit seinem Blick zu Darna und Delilah. Jetzt lag es an ihnen ein bisschen Wahrheit aus der tiefe ihrer Seelen zu kramen und ans Licht zu bringen.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Samstag 25. August 2018, 15:08

Auch wenn Darna es am Hof des Grafen der Wehr öfters erlebt hatte, dass diejenigen, die sie kannten, ihr auch größere Summen Geld für Botengänge oder Besorgungen anvertrauten, löste es doch immer wieder ein sehr tiefgreifendes Gefühl von Zufriedenheit aus, wenn sie sich dieses Vertrauens verdient machte - und sich dessen als würdig erwies.
Die Knappin schien während der Besorgungen regelrecht aufzublühen, die Aufgaben ihr gut zu tun. Sie erledigte alles zügig, konzentriert und mit arbeitsamen Ernst, der hier zu ihr zu passen schien, als wäre sie nie anders. Und doch gingen Veränderungen in ihr vor; das merkte vor allem Delilah, so oft sie es näher mit Darna zu tun bekam:
Die Knappin schien aus irgend einem Grund auf Distanz zu der jungen Lichtmagierin zu gehen. Es war nicht so, dass sie sie unfreundlich schnitt, aber der höfliche körperliche Abstand, der binnen der zwei Tage eigentlich kontinuierlich geschrumpft war, war in vollem Umfang wieder da. Darna berührte Delilah nicht, wenn es sich vermeiden ließ. Ihre Kommunikation war anders, unnahbarer.
Es war keine Schroffheit, im Gegenteil... sondern Ehrfurcht.

Und auch Leon bekam zu spüren, wie sehr es Darna veränderte, als sie endlich über ein Kettenhemd und wieder ein Rapier verfügte und beides auch trug: ihr Schritt wurde selbstsicherer, ihre Haltung gerader, ohne unnatürlich zu wirken. Und alles schien ein 'Leuchten' aus Zufriedenheit zu umgeben.
So sah es also aus, wenn Darna sich rundum wohl in ihrer Haut fühlte, ohne deswegen lächeln oder gar grinsen zu müssen... im Gegenteil: das Arangement und die Beschäftigung schienen es ihr leichter zu machen, jenen unverkniffenen Ernst zu bewahren, der ihr seit Jahren zur größten Gewohnheit geworden war.

Aber Leon war es vor allen anderen auch, der diese Selbstsicherheit wieder einreißen konnte - wenn er denn wollen würde. Einzig die Anwesenheit der Anderen hielt Leon zu einem späteres Zeitpunkt, zurück im Schloss, davon ab sich das zu nehmen was er begehrte. Ihr Worte hatten etwas entzündet. Sein Blick brannte auf ihren Lippen so heiß, dass die Vorstellung von ihm grob gegen eine Wand gepresst zu werden, dagegen wie ein träge dahin schmelzender Eiszapfen in der Mittagsstunde wirkte. In seinen Augen lag eine Dringlichkeit, ein Bedürfnis, dass noch viel mehr war, als bloßes Verlangen. Das hier war ...Liebe?!
Darna konnte das Pulsieren einer Ader an seinem Hals wahrnehmen, die Hitze die von seinen Händen an ihren Schultern ausging.
Er (und vermutlich nicht nur er) konnte sehen, wie sie schluckte. Ihr Blick hing an seinem, mit geweiteten Pupillen. Ihre Lippen waren einen Spalt geöffnet und sie stand vor ihm wie das sprichwörtliche hypnotisierte Kaninchen vor der Schlange; nur, dass sie keine Angst hatte. Er berührte sie immer nur flüchtig und doch war es, als würde er sie jedes Mal in Brand setzen. Ihre Haut kribbelte dort, wo er sie streichelte, brannte und hungerte nach einem unbestimmten „mehr“! In ihrem Innern schien ein Strang aus geschmolzenem Gold heiß durch ihre Mitte zu laufen, von ihrem Hals an abwärts, bis es sich irgendwo in ihrem Becken sammelte.
Mehr als nur ungern löste er sich und schaute sich verstohlen im Raum um. Ja, hier waren definitiv zu viele Leute. Auch sie fand ihren Atem wieder, und einige Momente lang irritierte sie das Gefühl, die Gewissheit, dass sie sich nicht einmal gewehrt hätte, selbst wenn er sie jetzt vor allen Leuten geküsst hätte. Dass es ihr wohl hinterher peinlich wäre, ja, aber... der fehlende Protest in ihr ließ sie über sich selbst irritiert blinzeln.
So gesehen war sie ihm dankbar, dass wenigstens er sich an die Etikette hielt.
Während alles andere in ihr nach ihm hungerte! Zum Kuckuck nochmal!
Er nickte langsam und sprach ruhig und leise: „Weißenfels muss sich diese Tage um sich selbst kümmern und mir tut jeder leid, der sich dort hin verirren sollte.“
Darna nickte. Gut.
Wieso sagst du mir das jetzt?
Achso. Äh...
Ach ja! Ja, gut! Gut! Oh mann!
Sie nickte noch mal. Und nochmal. Und zog ihre Kleidung ordnend nach unten. Contenance!

Darna gab am späteren Nachmittag, nach ihren Besorgungen, das Restgeld der Diplomatin zurück. Kurz darauf erhielt sie durch einen Boten eine versiegelte Röhre mit dem Siegel des Königs und eine weitere schriftliche Anweisung, diese an die Obrigkeit der Drachen, sofern vorhanden, weiter zu leiten. Sie wurde in dem gleichen Begleitschreiben als Gesandte von Jorsa betitelt und erhielt einen Siegelring, der sie in ihrer neuen Stellung „adelte“.
Mit fast regloser Miene und nur leicht gefurchter Stirn schaute sie auf das Schreiben und auf den Ring. Dies war kein Ritterschlag, aber doch mit großen Ehren verbunden. Doch es flutete die Knappin ähnlich wenig bis gar nicht mit Stolz und Glück in diesen Momenten, wie das Erlangen der Seelenrose. Sie ließ es ähnlich wenig an sich heran.
Als die Tha'roon an ihre Seite trat und sie zu ihrer neuen Stellung beglückwünschte, brauchte sie nicht zu befürchten, dass die Knappin sich freute und damit eine weitere Katastrophe auslöste: grau herrschte stattdessen vor. Kaum eine andere Farbe, höchstens eine Ahnung von fadem lila. Wenn bei Darna Freude tatsächlich fehlte, war dies ein Moment, in dem die Tha'roon das 'Loch', über das andere Leute so fot konsterniert den Kopf geschüttelt hatten, regelrecht sehen könnte.
„... und nun werdet ihr in diplomatischer Mission in ferne Lande reisen.“ Chasin lächelte versonnen. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde meine Aufgabe weiter gereicht, während ich in einer unbekannten Heimat entgegen blicke. ...ein Neuanfang, das ist es für mich.“
Habt Ihr das arrangiert?, dachte Darna, während sie die ausgehändigten Dinge noch genau so hielt, wie sie sie angenommen hatte. Sie hätten Fräulein Tesséras nehmen können. Eine Botin des Lichtherrn... Sie blinzelte, ihr Blick driftete zu einem unfixierten Punkt. Nein. Ich stehe halt im gesellschaftlichen Rang wohl über ihr. 'Von Eibenau'. - ein Thema, zu dem Gernot sich so oft ausgelassen hatte, dass Darna seinen Kommentar gedanklich schon zu hören glaubte, selbst wenn er nicht da war:
'Auch wenn dieses von Eibenau ein bedauerlicher Irrtum ist. Und in Eurem Fall definitiv eine glatte Lüge.' Der Blick verhärtete, während in ihrer Aura für den Moment ein unterschwelliges Gemisch aus Schwarz und Rot kochte.
Die hohe Dame de Mondragil legte Darna in vertrauter und beruhigender Geste die schlanke Hand auf die Schulter. Die Knappin drehte ihren Kopf in einer ungerührten Art dort hin, dass es unhöflich oder gar maßregelnd wirkte, denn die junge Frau sah die fliederfarbene Hand an wie ein Fremdobjekt, während sich ihre Aura wieder in ein nichtssagendes Grau gewandelt hatte. Aber es fehlte Ablehnung - immerhin.
„Also, verehrte Diplomatin. Letzte Anweisungen für die Reisegruppe?“
"Überlegt bitte alle noch ein mal, ob ihr alles habt - ob wir alles haben. Man versicherte mir immer wieder, dass es normal sei, aber ich habe das Gefühl, dass ich mit Sicherheit irgend etwas vergessen habe."

Uh, Leons Familie hatte hier in Jorsan ein Stadthaus? Das war ein gewisser Luxus, den ihre Familie sich zum Beispiel nicht leisten konnte. Sie hatten es überlegt. Denn für viele Familien, die von Adel waren und nach höheren gesellschaftlichen Ehren strebten, war es fast schon überlebenswichtig, einen festen Bezugspunkt in der Nähe des Königs zu haben. Und ließ man Getreue in dem erworbenen Haus dafür wohnen, dass sie das Gebäude in Schuss hielten und jederzeit zur Verfügung stellten, wenn man zu Besuch kam, war es oft ein erstaunlich erschwinglicher Handel, von dem beide Beteiligten profitierten.
Aber die von Eibenaus waren zu heimatverbunden, um die Hauptstadt häufig genug aufzusuchen, dass sich ein solcher Erwerb gelohnt hätte. Und dann war da ja noch Darna gewesen, immerhin am Hof des Grafen...
Wie auch immer - die Knappin war neugierig, als Leon aufbrach. Und sie stellte schon nach etwa einer halben Stunde fest, dass sich ihre Gedanken nicht nur ganz vorsichtig um die Frage herum schlichen, was es für sie wohl bedeuten würde, wenn es zwischen ihr und Leon tatsächlich... 'ernster' würde, sondern sie stellte irgendwann auch von sich selbst befremdet fest, dass sie ihn tatsächlich schlicht bereits vermisste. Einfach seine Nähe vermisste. Seine ruhige Präsenz, seine Augen, seinen Geruch...
Und nach einer weiteren Weile stellte sie noch befremdeter fest, dass sie ihren Untermieter vermisste. Seine Kommentare, komischerweise. Was er wohl gerade tat? Ging es ihm gut, hatte er die Kämpfe gut überstanden? Das Gefühl, dass da 'immer jemand war' drohte nun, wo es weg war, eine höchst unangenehme Einsamkeit in ihr auszulösen. Na prima. Die lysanthorgläubige Knappin vermisste einen Dämon? Ernsthaft jetzt? Sie atmete tief durch und versuchte dieses rational betrachtet stark unsinnige Gefühl mehr oder weniger erfolgreich zu ignorieren.

Der Drache ließ auf sich warten. Gut anderthalb Stunden nach der vereinbarten Zeit wankte er angetrunken in Begleitung zweier Damen in die Gemächer. Die Damen verabschiedeten sich sofort bei den Gesichtern, die ihnen entgegen blickten und der Drachengeist jaulte ihnen fast flehend hinterher, dass sie bleiben mögen.
„Wartet...schöööne Maiden...wird bestimmt luschtig. Da is nen riesiges Bett, was wir einw... Ach menno... jetscht habt ihr sie verscheucht!“
Vorwurfsvoll schaute er mit glasigem Blick in die Runde. Sicher war nicht nur Leons Blick finster wie die voranschreitende Nacht.
Darnas Blick war einfach nur entgeistert. 'Ein riesiges Bett'? Nicht einmal sie war begriffsstutzig genug, um nicht zu begreifen, was er vor gehabt hatte. Und er war betrunken. Innerlich verschob sie leidig jaulend den Aufbruchtermin also auf morgen. Eine weitere Nacht in der Gefahr, dass sie eine Katastrophe auslösen würde, mann! Trotzdem stellte sich keine Wut auf den Drachen ein. Sie hatte befürchtet, dass er 'Dummheiten' anstellen würde in der Zeit, in der er hier alleine war, und er hatte Dummheiten angestellt. Bei genauerem Nachdenken würde sie wahrscheinlich sogar Entschuldigungen für sein Verhalten finden wie beispielsweise seine Unerfahrenheit in menschlichen Belangen.
Dafür überraschte sie Leons Verhalten umso mehr! Als es bei der Ohrfeige laut klatschte, zuckte sie heftig zusammen. Als es auch noch so aussah, als wolle er nachsetzen, kam ein Ruck in ihren Körper und ihre Bewegung war der Ansatz, Leon zurück halten zu wollen. Doch der Graf hob nur abwehrend die Hand und ließ sich seitlich an der Couch herunter sinken. Er hielt sich die Wange und starrte seinen Sohn an. „So fühlt sich also Schmerz für einen Menschen an“, murmelte er und seine Mundwinkel zuckten. Leon bebte vor Wut und Darna starrte nun beide entgeistert an. Was war hier los?!
Sie brauchte länger, um zu begreifen, dass der Drachen ihnen nur etwas vorgespielt hatte - und vor allem, warum. Dass Leon, IHR Leon, ihr persönliches Sinnbild innerer Ruhe, hier gerade so die Beherrschung verloren hatte, das musste ihr erst einmal begreiflich werden.

„Das war ein TEST?“ Sie trat schräg hinter Leon und legte ihren rechten Arm beruhigend über seinen Rücken, zuckte selbst leicht zurück, als sie sich an seine Verletzung dort erinnerte und suchte ganz behutsam eine Haltung, mit der sie ihm nicht weh tat und ihm doch nahe sein konnte. Ein Test...
Jetzt regte sich Wut, als sie den Grafen ansah.
"Ich will die Wahrheit, warum ihr mich begleiten wollt."
Die kannst du auch so haben.
Und wenn du das nächste Mal geschlagen werden möchtest... sag einfach bescheid
, kommentierten ihre Gedanken hart und zornig.
"Auch wenn ich tot bin und nur diese Hülle trage, will ich Drachma schützen. Das ist die erste Aufgabe eines Drachen."
..eines Ritters, ersetzte sie instinktiv die Worte 'eines Drachen' und ihr Zorn wurde etwas gedämpft. Auch wenn sie die Mittel gerade überhaupt nicht billigte, dem Zweck galt instinktiv ihr Respekt.
Sie sah Fiddatan noch an, als sie perplex registrierte, dass Leon sich auf seinen Hosenboden sinken ließ und ging prompt neben ihm in die Knie. Er war mehr als nur erschüttert, das sah man ihm an, und ihr Blick wurde besorgt.
Nochmal zuckte sie - leichter - zusammen, als er das Wort Scheiße in den Mund nahm; weniger wegen des Wortes, sondern weil eben Leon es war, der es benutzte. Aber sie schwieg, während er sich offenbar ein Stückchen Herz heraus riss, um es präsentieren zu müssen. Was sie hörte, erschütterte sie.
Sie hätte nicht erwartet, dass er solch eine Abneigung gegen Fiddatan verspürte, auch wenn ihr schon geschwant hatte, dass die Gegebenheiten ihm arg zusetzten und er den Drachen nicht wirklich leiden konnte. Aber dass ein Grund dafür Eifersucht war... ihretwegen!...
"Ich hasse es, Darnas Sicherheit in deine Obhut geben zu müssen." Gerührt hätte sie fast ein bisschen geschmunzelt, bevor sich bei seinem "Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst" noch spontanerer Widerwille bei ihr regte. Ich bin mein eigener Held, begleitete das Lila. Ein frecher Kommentar, der nicht in die Tiefe ging, aber dafür war auch keine Zeit.
"Ich bin eifersüchtig und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben."
Ich denke, du hast mir darin zugestimmt, dass er weg muss!, schlug eine andere Form von Empörung hoch, denn sie argwöhnte damit, dass Leon sie angelogen hatte? Wenn er denn ein Dämon ist...
"Das ist selbstsüchtig, aber wahr! Zufrieden?"
'Selbstsüchtig'..., hallte es in ihr nach und hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Der Drache mochte lächeln, aber die Knappin sah den jungen Lichtmagus noch an und kaute auf seinen Worten herum, die teils pieksig und sperrig wirkten.
Er liebte sie, keine Frage... aber...

Chasins Erklärung wurde mit halbem Ohr wahrgenommen und als nicht weiter bemerkenswert, als ungefährlich abehakt. Der Drachengeist nickte abermals zufrieden im Körper des Grafen und wanderte mit seinem Blick zu Darna und Delilah.
Wenn er Drachma schützen will, dürfte er mich gar nicht mitnehmen..., regte sich ein selbstkritischer Kommentar, allerdings einer von der Sorte, den sie schon selber hätte widerlegen können. Dieses Portal konnte wohl eine überregionale Bedrohung darstellen. 'Mächte, die die Welt vernichten können', beträfe irgendwann auch dieses ominöse Drachma, egal wo es lag.
Aber mehrere Gefühle und Gedanken rangen gerade uneins in ihr, neben der Verwirrung durch Leon und die Situation an sich.
Ihre Beweggründe? Tiefere Wahrheiten? Ouh.

Sie ließ Deli den Vortritt.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Mittwoch 29. August 2018, 18:10

Ungewohnt still saß Delilah mit den anderen wartend in den Gemächern der Diplomatin, während ihr verschiedenste Dinge durch den Kopf schwirrten. Das Bild ihrer Moma, die Hand zum Abschied erhoben, umgeben vom gewohnten Rahmen einer verblassenden Kindheit. Kein Detail würde sie von diesem Anblick je vergessen, so fest nahm sie dieses Bild in sich auf. Die Stockrosen, die sich die Hauswand hochwanden. Jede bekannte Falte im Gesicht, das einst der Mittelpunkt ihrer Welt gewesen war. Delilah hoffte stumm, dass sie sich wiedersehen würden.

Der Sonnenuntergang kam und die junge Lichtmagi entzündete einige Kerzen. Mit jedem aufleuchtenden Docht dankte sie den Göttern für eine gute Sache in ihrem Leben. Geliebte Menschen, Musik, Sonnenschein, geliebte Menschen, die Magie, Markttage, … In ihrem Gepäck lag sicher verstaut, zusammen mit einem kleinen versiegelten Gläschen Tinte und einer Schreibfeder, ein wertvolles Stück Papier. Sie hatte vorhin eine lange Zeit davor gesessen und auf das leere Blatt Papier gestarrt. Was sollte sie schreiben? So viel zu sagen, so viel zu fragen. So viel Trauer und Wut, die Verano ausgelöst hatte in den letzten Tagen. Sollte dieser ahnungslose Teil von ihm davon erfahren? Warum durchlief er freiwillig so ein Martyrium eines gefangenen Geistes? Wie viel von ihm steckte darin? War nicht er selbst einer gewesen, der Geister befreit und „weiter“ geleitet hatte? Auch ihre Kinderaugen hatte sie nochmal über das Blatt wandern lassen. Vielleicht hätte sie das schon auf dem Anwesen machen können, aber schlauer war man ja bekanntermaßen immer erst hinterher.

Verano.
Dieser Mann hielt sie selbst nach dem Tod noch in Aufregung. Sie hatte ihm Frieden gewünscht, aber nun war sie sich wirklich nicht mehr sicher, ob er sich diesen Frieden im Tod selbst gewehrt hatte. Sie hatte ihn nie verstanden, hatte die Mauer nicht überblicken können, die er um sich gebaut hatte. Aber anscheinend war etwas von ihr zu ihm durchgedrungen und er hatte ihr sein Herz geöffnet, auch wenn er seine Gedanken oft nicht mit ihr geteilt hatte. Sie verdankte ihm viel.

Aber egal was genau der Brief war, es wäre sehr selbstsüchtig diesen Weg in die Vergangenheit für sich zu behalten. Und auch, wenn Verano ein liebgewonnener Mensch gewesen war, auch wenn es ein Geschenk an SIE gewesen war… Dieses Stück Papier wusste vielleicht Dinge, die Leon verborgen geblieben waren, hatte vielleicht Antworten, die sie gebrauchen und die ihnen auf dieser Reise helfen könnten. Und als der Drache immer noch nicht auftauchte, nutzte Delilah den Moment um den drei Mitreisenden von diesem Geschenk zu berichten. Sie holte das Blatt sorgsam aus ihrem Gepäck und aus dem Stofftuch, in das sie es vorsichtigerweise eingewickelt hatte.
„Ich hab vorhin etwas wiedergefunden.“ Auch wenn die Stimmung im Raum angespannt war, das war ihr jetzt wichtig. „Einen Brief, den ich mir vorher nicht angeschaut habe, weil ich noch… blind war.“ Sie hielt das leere Blatt Papier hoch und sah nun Leon an. „Er ist von Verano.“ Sie ließ das einen Moment sacken. „Wenn du deinen Vater nochmal etwas fragen könntest, was wäre das?“ Sie bemerkte, dass das eine ungeschickte Formulierung war und entschied sich für einen anderen Ansatz. „… anscheinend hat er einen Teil von sich darin gebunden… und hat mir eine… Brieffreundschaft mit seinem… Geist angeboten.“ Die immer noch vorhaltende Verwunderung über diesen merkwürdigen Zustand war deutlich in ihrer Stimme zu vernehmen. „Ich weiß nicht, wie viel Wissen des echten Verano hier drinsteckt und überhaupt, aber ich hab das Gefühl es bekommt nicht mit, was um ihn herum geschieht. Es hat nicht gewusst, wie er gestorben ist… und … ich … ich hab noch nicht geantwortet.“ Sie stockte für einen Moment. „Ich wollte mit euch besprechen, was wir ihn fragen wollen, was er uns dann vielleicht oder vielleicht auch nicht beantworten kann…. In dem ersten Brief stand, dass ich meine Antwort auf das Papier schreiben kann und dann würde er >über Nacht< antworten….“ Sie sah etwas ratlos in die Gruppe.

Der Drache ließ auf sich warten. Gut anderthalb Stunden nach der vereinbarten Zeit wankte er angetrunken in Begleitung zweier Damen in die Gemächer. Die Damen verabschiedeten sich sofort bei den Gesichtern, die ihnen entgegen blickten und der Drachengeist jaulte ihnen fast flehend hinterher, dass sie bleiben mögen.
„Wartet...schöööne Maiden...wird bestimmt luschtig. Da is nen riesiges Bett, was wir einw... Ach menno... jetscht habt ihr sie verscheucht!“
Vorwurfsvoll schaute er mit glasigem Blick in die Runde.
Delilah blickte leicht schockiert drein, es tat weh „Verano“ in so einem Zustand zu sehen.
„Schaut doch nich so! Isch hatte doch nur meinen Spasss. Himmel, man könnte meinen, ihr hättet nur auf misch jewartet um... ...oh.“ Allerdings hatten sie auf ihn gewartet!
Der Graf schüttelte seinen Kopf und hielt sich die Schläfen. Leon sprach… laut:
„Ja, wir warten auf euch! Wir warten darauf euch nach Drachma zu bringen, damit ihr euer Versprechen erfüllen könnt. Wir warten, dass ihr uns sicher dorthin bringt und jetzt kommt ihr hier … betrunken an?!“
Seine Fäuste waren an seinen Seiten geballt und Wut stand in seinem Blick. Er machte einen schnellen Schritt nach vorne und ohrfeigte den Grafen.
Delilah zuckte zusammen und ein Schreckenslaut entwischte ihren Lippen, ehe sie reflexartig einen Schritt nach vorne ging um… dazwischen zu gehen? … Leon vor dem Zorn eines benebelten Drachens zu beschützen? … den Drachen vor dem Zorn eines gestressten Lichtmagier zu beschützen?
Veranos Kopf flog zur Seite und er taumelte nach hinten. Fast sah es so aus, als ob Leon nachsetzen wollte um seinen ehemaligen Vater einmal gründlich die Visage zu polieren und Delilah machte mit ausgestreckten Armen die Anstalten Leon davon abzuhalten, doch der Graf hob nur abwehrend die Hand und ließ sich seitlich an der Couch herunter sinken. Er hielt sich die Wange und starrte seinen Sohn an.
„So fühlt sich also Schmerz für einen Menschen an.“, murmelte er und seine Mundwinkel zuckten. Leon bebte vor Wut, aber langsam schien ihm aufzugehen, dass er gerade veräppelt worden war. Die Aussprache des Grafen war wieder klar und deutlich gewesen.
„Nun schau nicht so überrascht. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt. Es traut sich ja keiner hier und nebenbei hab ich auch noch erfahren, dass du für die Sicherheit deiner Liebsten so ziemlich alles riskieren würdest, „SOHN“. Sogar mich zu schlagen. ...Das imponiert mir.“
Er lächelte und verzog dabei die gerötete Wange, was ihn leicht zucken ließ und stand dann wieder ernst werden ließ. Leon stand mit offenem Mund da.
„Das war ein TEST?“ Der Graf zog sich an dem Sitzmobiliar hoch und setzte sich gemütlich hin.
„Natürlich! Ich will schließlich nicht irgendwelche aufgesetzten Sprüche hören oder verfälschten Floskeln, die eure wahren Absichten verschleiern. Ich will die Wahrheit, warum ihr mich begleiten wollt. Auch wenn ich tot bin und nur diese Hülle trage, will ich Drachma schützen. Das ist die erste Aufgabe eines Drachen. Ich werde keine Falschheiten dulden. Also wenn ihr mir noch was zu sagen habt, dann tut es jetzt!“
Leon ließ sich nach hinten auf seinen Hosenboden sinken. Er war mehr als nur erschüttert, das sah man ihm an. „Du willst die Wahrheit? Hatte ich denn nicht …? Hm...“ Er sackte in sich zusammen und sah grüblerisch aus. „Scheiße, er hat recht!“ So ein Wort hatte Leon von Weißenfels noch nie in den Mund genommen
und Delilah sah ihn etwas entgeistert an. Was war in ihn gefahren?
„In Ordnung, also die Wahrheit!“ Er sah Verano ernst an und fuhr fort:
„Ich kann dich nicht leiden! Du bist ein arrogantes Stück Dreck in meinen Augen. Ich hasse es, dir vertrauen zu müssen. Ich hasse es, Darnas Sicherheit in deine Obhut geben zu müssen. Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst und nicht irgendein dahergeflogener Drache! Ich bin eifersüchtig und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben. Ich will den Körper meines Vaters wieder haben und ihm diesen verfluchten Geist einpflanzen, damit ich frei bin. Das ist selbstsüchtig, aber wahr! Zufrieden?“
Ein Moment Stille trat ein und der Drache lächelte. Langsam ließ er den Blick in die Runde gleiten und blieb bei Chasin hängen. Die Tha'Roon nahm dies als Aufforderung zu sprechen:
„Ich bin nur neugierig. Ich sehe eine neue Heimat für mich, wenn ich mitkomme. Ich bin traurig, dass meine erste Liebe mich nicht begleitet, aber ich freue mich auf all das neue und alte, dass ich lernen werde.“
Der Drachengeist nickte abermals zufrieden im Körper des Grafen und wanderte mit seinem Blick zu Darna und Delilah. Jetzt lag es an ihnen ein bisschen Wahrheit aus der tiefe ihrer Seelen zu kramen und ans Licht zu bringen.


„Was ich möchte?“, Delilah sah leicht verwundert in die Runde. „Warum hast du nicht einfach gefragt?“ Waren denn ihre Beweggründe nicht klar? „Ich möchte euch helfen. Leon, Darna und auch dir.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Durch diese Reise und meine Anwesenheit hoffe ich sicherstellen zu können, dass du unbeschadet Drachma erreichst, immerhin warst du bis vor kurzem schwer verletzt! Ich sehe diese Reise als Möglichkeit zu lernen, wie ich meinen Freunden helfen kann. Ich hoffe, dass wir dort auf eine Lösung für Darnas Situation stoßen und wir zusammen mit Veranos Körper hierher zurückkehren können, sodass Leon diesen Fluch noch nicht auf sich nehmen muss und ein glückliches Leben mit Darna führen kann, so die beiden das denn wollen.“ Sie horchte einen Moment in sich hinein.

„Und ich mache mir Sorgen um meine Heimat. Das dunkle Volk schleicht an den Grenzen herum, Dämonen werden aktiv in unsere Richtung geschickt… Ich kann mir vorstellen, dass die Drachen über viel Wissen verfügen. Ich hoffe, dass ich etwas lernen kann. Vielleicht gibt es Wege wie man Jorsan weiter schützen kann, die sie mit uns teilen könnten.“ Sie sah dem Drachen fest in die silbernen Augen. „Du scheinst deine Heimat auch sehr zu lieben, also wirst du meine Sorge verstehen.“ Eine Wahrheit öffnete sich in Delilahs Herzen und verlangte an die Oberfläche gelassen zu werden. „Ich liebe dieses Land und seine Bewohner. Ich werde mein Leben lang versuchen meinen Mitmenschen zu helfen. Und wenn ich dafür auf dem Rücken eines Drachen steigen muss, dann ist das so. Darna wird einmal Großes erreichen, dieses Land braucht sie. Leon ebenso. Und ich… ich bin nur ein einfaches Mädchen, aber ich habe bereits bewiesen, dass ich für jedes einzelne Kind in diesem Land mein Leben geben würde. Und wäre ich wieder in der Situation…“ Ihr Blick huschte fast entschuldigend zu Leon, doch in ihrer Stimme lag pure Entschlossenheit. „… ich würde wieder so handeln!“

Und das war die Wahrheit.

Selbst nach allem was passiert war, selbst wenn es für sie den Tod oder die Dunkelheit bedeuten würde. Würde man Delilah heute in die Zeit zurückversetzen und unter ihren Händen würde die kleine Olia dem Tod entgegen sehen. Sie würde wieder alles geben. Würde alles geben für die Hoffnung ein Leben zu retten, ein Licht zu bewahren für diese Welt.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. August 2018, 09:16

Dieser blöde Drache brachte es tatsächlich fertig noch kurz vor „Abflug“ so richtig Unruhe in die Herzen seiner Mitstreiter zu bringen; und das mit voller Absicht. Darna konnte durch ihre Erziehung und Wertvorstellungen sogar seine Motive dafür nachvollziehen. Der Schutz von dem was man liebte war einfach das wichtigste, auch wenn man dafür manchmal ungewöhnliche Wege gehen musste. Das Leon so ausgerastet war und seiner Vaterhülle geohrfeigt hatte, nun ja, das wahr auch verständlich, wenn man sich den Stress der letzten Tage ansah. Er tat das für Darna, wollte sie begleiten und ihr beistehen, auch wenn sie der Meinung war sich selbst wohl am besten beschützen zu können. Im Herzen war sie schon immer „Ritter“ gewesen und halt lieber in der Rolle des Beschützers als desjenigen der Schutz empfing. Aber es war nun mal so, dass sie ihn brauchte, seine Magie, mal ganz unabhängig von seiner Liebe.
Als Deli dann ihnen das Pergament von Verano zeigte streckte er nur einmal eine Hand zögernd danach aus, aber berührte es nicht. Er starrte es nur leer an und schüttelte leicht den Kopf. Seine Lippen formten ein tonloses „... ich kann das jetzt nicht...“ . War wohl alles ein bisschen viel für den jungen Mann. Er sah nur zu Deli und ein bisschen Feuchtigkeit glitzerte in seinen Augen.
„Danke.“
, war das einzige was er laut aussprach. Er setzte sich in einen Sessel und stützte den Oberkörper mit den Ellenbogen auf den Knien ab. Er wirkte erschöpft. Er hatte seine tiefste Wahrheit offenbart und wagte gerade niemanden so richtig ins Gesicht zu sehen. Das Darna seine Worte nicht gut hieß, hatte er womöglich auch gespürt. Er war ein junger Mann mit Fehlern, selbstsüchtig, aber auch voller Träume.
Und Delilah? Sie fasste es gut zusammen. Sie sorgte sich um die Menschen, liebte das Land und hatte ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Sie würde für die die sie liebte alles auf sich nehmen, sich selbst in Gefahr stürzen und auch für sie sterben - so einfach war das. Das glaubte sie und die Wahrheit in ihren Worten hörte auch der Drachengeist. Er sah sie lange an und hatte dabei sein Haupt leicht geneigt. Er wirkte nachdenklich aber nickte nach ein paar stillen Atemzügen.
Dann wandte sich sein Blick der jungen Knappin zu, der jungen Diplomatin und er hob fragend die Brauen.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Dienstag 25. September 2018, 11:57

„Was ich möchte? Warum hast du nicht einfach gefragt?“
Ein leises, bitter belustigt klingendes Schnaufen war für feine Ohren von der Knappin zu hören und sie konnte kaum anders, als Delilah zuzustimmen. Ärger wallte in ihr auf. Gleichzeitig glaubte sie, Fiddatan durchaus auch in diesem Punkt zu verstehen: sein Vorgehen verhinderte zumindest, dass ihm von Leuten wie ihr selbst - oder eben Leon - nur höfliche Oberflächen geboten wurden; keine Lügen... aber eben auch nicht die ganze Wahrheit.
Aber dass das alles Leon SO sehr zusetzte, weil aus verschiedenen Richtungen ja auch Dinge auf ihn einprasselten wie ein Hagelsturm - Delis Bericht über den Brief, der Test des Drachen, die Sorge um sie, Darna, die schiere Masse all der Probleme, die sich vor ihnen aufzutürmen schienen - ärgerte sie und ließ sie für einen Moment unschlüssig herum stehen, ratlos, was sie nun tun sollte. Sie hatte bei ihm gestanden, hatte ihm Kraft geben wollen durch ihr Signal, dass sie bei ihm war, aber es hatte nicht gereicht.
Im Gegenteil: die Offenbarung, dass ihn tatsächlich Gründe wie schlicht selbstsüchtige Eifersucht trieben, dass sie uneins schienen über die Frage, ob er den Dämon akzeptieren sollte oder nicht, trug zu ihrem Zögern bei, während sie Delilah anfangs beiläufig zuhörte. Derweil spähte sie zu Leon, der auf einem Sessel Platz nahm, den Oberkörper mit den Ellenbogen auf den Knien abstützte. Die Miene der Knappin hatte sich derweil in einer kritisch grüblerischen Weise deutlich verdüstert.
Es tat ihr weh, Leon so zu sehen!
Und sie war so ein miserabler Tröster.
Die Knappin stand gerade auch so separiert in der Gegend, weil sie fast immer davon überfordert gewesen war, wenn jemand Trost gebraucht hätte. Auch jetzt wusste sie im Moment nicht so recht, was sie machen sollte.
Schlimmer noch: ob sie gerade überhaupt was machen wollte. Leon schien sie angelogen zu haben, was den Dämon anging, sollte sie so tun, als spiele das keine Rolle?!
"...sodass Leon diesen Fluch noch nicht auf sich nehmen muss und ein glückliches Leben mit Darna führen kann, so die beiden das denn wollen.“
Autsch!
...
Baaah, das saß! Ausgerechnet jetzt!
Darna presste die Augen zu, senkte den Kopf weiter, nicht nur ihre Mimik verfinsterte sich noch mehr, sondern ihre ganze Ausstrahlung, ob mit oder ohne Aura, ließ da gerade eine dunkle Wolke irgendwo im Zimmer stehen.

Deli horchte einen Moment in sich hinein, während in Darna das Gewitter losbrach:
'Wollen'?! Von 'wollen' brauchen wir doch eigentlich noch nicht mal zu reden! Wenn wir 'können'...! Ihre Gedanken schauten noch ein mal auf das Problemgebirge aus 'Wenn ich den Fluch los werde', 'Kriegen wir Veranos Körper gerettet? Klappt das?', 'Da ist noch diese Neroli', 'Ich bin doch eigentlich für ihn nicht standesgemäß', 'Wenn Verano wieder ganz ist, kann er sehr wohl dagegen Einwände vorbringen', 'Zum Beispiel, dass ich viel zu schnell sterbe im Vergleich zu ihm', und... undundund.
So viel zum Können.
Und selbst wenn ich könnte, will ich dann also überhaupt?
Sie spähte wieder zu ihm rüber. Fühlte wieder diesen Stich ins Herz, den dieser Anblick bei ihr verursachte. Sie schnaufte leise.
Der hübscheste Junge auf dem Platz, der beste Fang im Revier, eigentlich eine Nummer zu groß für dich... und DU fängst an, an ihm herumzukritteln!
Na, soll ICH etwa nur nach Äußerlichkeiten gehen?!

Boah. Sie wandte den Kopf ab. Manchmal kann ich mich selbst nicht ausstehen.

„Und ich mache mir Sorgen um meine Heimat. Das dunkle Volk schleicht an den Grenzen herum, Dämonen werden aktiv in unsere Richtung geschickt…
Ha! Delilah denkt wenigstens an die wichtigen Sachen!
"Vielleicht gibt es Wege wie man Jorsan weiter schützen kann, die sie mit uns teilen könnten.“
„Lasst uns auf eine gute Zzzusammenarbeit mit Drachen anstoßen! Wenn diese Geschichte in etwas gutem für mein Reich enden sollte, dann hätte jeder hier im Raum den Ritterschlag verdient.“
Ein zweifelnder Blick wanderte zu ihrer Hand, wo der Diplomatenring noch ein ungewohntes Gefühl verursachte. Was das wohl werden soll..., dachte sie unüberzeugt.
„Ich liebe dieses Land und seine Bewohner. Ich werde mein Leben lang versuchen meinen Mitmenschen zu helfen. Und wenn ich dafür auf dem Rücken eines Drachen steigen muss, dann ist das so." Flüchtig ließ Irritation ihre Oberlippe skeptisch hochzucken. Wieso scheinen das alle für etwas Unangenehmes zu halten, für eine Bürde?! Hab ich was verpasst?, ehe Delilahs nächsten Worte Darnas Mund einfach aufklappen und offen stehen ließen:
Darna wird einmal Großes erreichen, dieses Land braucht sie. Leon ebenso.
Es war nicht nur das, was Delilah sagte.
Es war die Art, wie sie es sagte.
Diese Beiläufigkeit.
Als wäre es eine Tatsache.

Darna war schon öfters gelobt worden. Häufig mit der Hoffnung dahinter, dass sie doch vielleicht dann ein mal lächeln müsse? Aber etwas in ihr vermutete hinter fast jedem Lob einen Hintergedanken, einen Bestechungsversuch, Einschmeichelei oder fürchtete Gernots Reaktion, denn die erfolgte normalerweise zuverlässig und so prompt wie es ging. Und wenn es nicht in dieses Raster passte, glitten freundliche Worte an ihrer ritterlichen Demut ab und blieben oberflächlich, verblassten spurlos.
Aber Delilah sprach ja gerade nicht einmal mit ihr. Der Drache hatte Wahrheit eingefordert, und das blondlockige Mädchen gab sie ihm so unverblümt, wie es nur eine Unschuld konnte, die Lysanthors Segen hatte. Einen Segen, den sie selbst vor Kurzem wahrhaftig gesehen hatte.
"Und ich… ich bin nur ein einfaches Mädchen"
"Bist du nicht." Das Veto kam der Knappin nur sehr leise über die Lippen, denn niemals hätte ihre Erziehung sie dieses Gespräch unterbrechen lassen, aber es musste raus, und zwar aus tiefstem Herzen. Sie starrte weiter Delilah an. Und zum Glück sah diese bei ihrer weiteren Erklärung entschuldigend zu Leon und nicht zu Darna, denn deren Blick hätte sie vermutlich ähnlich irritiert wie der Anblick der Knappin, als sie die Flügel getragen hatte. Nicht so sehr von dieser überrumpelten Ehrfurcht geprägt, aber von einer aufkeimenden Entschlossenheit und inneren Klärung, die etwas in der Knappin vibrieren ließ.
„… ich würde wieder so handeln!“
Ich weiß. Ich versteh dich.
Und ich werde das nicht zulassen.
...
Mag sein, dass ich eure Hilfe brauchen werde, aber dann hab ich auch noch ein Wörtchen mitzureden!


Fiddatan sah Delilah lange an und hatte dabei sein Haupt leicht geneigt. Darna sah wieder zu Leon. Es tat wieder weh.
„Ich wäre dir überall hin gefolgt... bis in den Tiefsten Kreis des Harax!“
"Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst.."

Als hättest du nicht schon genug getan.
Dass du dich für mich aufreibst... werde ich genau so wenig zulassen!

Dieses Bild von Leon, wie er auf dem Sessel saß, brannte sich in sie und für einen kurzen Moment schien Darna ihn seltsam leer und doch nachdenklich anzusehen.
Er liebt dich.
...

"..und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben."
Er liebt dich einfach bedingungslos, verstehst du das nicht?

Ihre Mimik sackte bekümmert und mitleidig nach unten, aber umso entschlossener setzten ihre Füße sich in Bewegung. Den Rest des Raumes ignorierend, ging sie zu seinem Sessel und davor in die Hocke. Sie wartete nur den kleinsten Moment ab, dass Leon sie registrierte, dann schnappte sie sich sein Gesicht, nahm es zwischen ihre Hände, sah ihm in die Augen und wischte über seine Stirn, als könne sie die Sorgen von dort mit dieser fürsorglich-zärtlichen Geste einfach vertreiben.
Dann zog sie sein Gesicht näher und küsste ihn. Unerlaubt und ungefragt.
Der Drache musste warten und selbst kleinere Versuche, sie zu stören wie zum Beispiel ein pikiertes Räuspern, ignorierte die Knappin. Wichtig war in diesem Moment nur, wie Leon reagierte. Anfängliches Widerstreben schob sie seiner Laune und seiner Erziehung zu - sie hätte ähnlich reagiert - aber mit liebevoller Aufdringlichkeit drängte sie sich in alles, was ihm gerade ansonsten durch den Kopf gegangen wäre, beanspruchte seine ganze Aufmerksamkeit und sendete einzig ein unverfälschtes 'Ich liebe dich.'
Ihre ganze Aura war weiß.

Sie küsste ihn, bis sie das Gefühl hatte, dass er sich entspannte und den Kuss ebenso vorbehaltlos erwiderte, bevor sie es wagte, sich etwas zu lösen um ihm in die Augen zu sehen. Vielleicht dauerte der Kuss auch noch ein bisschen länger - es war ja nicht so, dass sie das nicht genoss... Danach lagen ihre Hände noch immer an seinen Wangen, ihre Fingerspitzen berührten die Schläfen.
"Ich liebe dich", wisperte sie, nur für seine Ohren bestimmt.
Etwas lauter, in einem ruhigen, beschwörenden Ton raunte sie: "Du musst mir nichts beweisen, und du musst auf nichts und niemanden eifersüchtig sein, hörst du?"
Es war einer dieser Momente, in denen man Darna besser hörte, als es ihr selber vielleicht recht gewesen wäre: ihre Stimme hatte einfach einen relativ tiefen und so sauberen Klang, dass man sie verstand, selbst wenn sie flüsterte.
Sie sah Leon in die Augen, fixierte fest seinen Blick. Sie wollte diesen Druck von seinen Schultern nehmen! Nicht für etwas verantwortlich sein, was ihn zu belasten schien und zu dummen Handlungen - wie einen Drachen zu schlagen - trieb.
"Du brauchst kein Held für mich zu werden..."
Ihr Ton wurde bei den nächsten Worten noch ruhiger und schien ein Gesetz in Stein schmelzen zu können:
"Du bist es bereits."
Nochmals hielt sie seinen Blick. Ein unerschütterlicher Fels.
Bis er merken konnte, dass sie sich gegen ihren eigentlichen Willen beherrschen musste - denn sie hätte ihn gerne ein bisschen aufmunternd angelächelt.
Also? Braucht er sich nicht mehr um dich bemühen?, meldete sich leise kurz darauf wieder ihre selbstkritische Meckerstimme, Zeit des Werbens schon vorbei?
Naja... in ihrem linken Mundwinkel zuckte es.
"Bleib einfach, wie du bist", fügte sie etwas.. heiser? leise hinzu, schien für diesen Moment ihre Stimme nicht richtig im Griff zu haben und räusperte sich verlegen wirkend.

Sie richtete sich langsam auf, als sie das Gefühl hatte, sich von ihm lösen zu können, ohne ihn damit neu zu verletzen. Das war für sie nicht ganz einfach, aber sie bemühte sich, auf seine Signale zu achten.
Außerdem... war da ja noch der Drache.
Durchatmen.
Sie schien ein Talent dafür zu entwickeln, ihn warten zu lassen.
Wenn das alles ist, womit er für seine Frechheit 'bestraft' wird..., stützte sie ihr eigenes Selbstbewusstsein und verschränkte die Arme, als sie sich ihm zu wandte.
..
Moment. Darna guckte selber befremdet auf die Geste.
Die Arme vor sich verschränken?! Ging gar nicht! Die Hände wanderten auf den Rücken.
"Ihr sagtet, Eure erste Aufgabe sei es, Drachma zu schützen", leitete sie ihre Worte unvermittelt ein, als wäre gerade nichts gewesen und legte auch gleich schon ihre erste Kunstpause ein, nach der ihre Worte nachdenklicher klangen:
"Umso dankbarer muss ich also sein, dass Ihr mich überhaupt mitnehmen wollt. Ich schätze, es ist klar, dass die Umstände um meine Person Drachma gefährden könnten. Ihr könnt mir glauben, dass es meine alleroberste Priorität ist, diesen Fluch los zu werden!" Härte kam in ihren Blick und auch in jedes ihrer Worte: "Ich bin bereit, alles Nötige dafür zu tun, um dieses Ziel zu erreichen. Was immer notwendig ist, Ihr habt meine volle Kooperation." Sie meinte es ernst. Das spürte, hörte und fühlte man.
"Und Ihr habt mein Wort, dass mir in keinster Weise daran gelegen ist, dafür Schaden an Drachma in Kauf zu nehmen!" Sie hielt Fiddatans Blick, wenn nötig. Egal, was man über die Augen von Drachen sagte. Sie wurde leiser, gab selber etwas von sich preis:
"Ich hasse es, dass ich diese Probleme mache. Ich hasse es, andere Menschen oder Lebewesen in Gefahr zu bringen! Das ist nicht das, wofür ich da bin, ich bin Ritter! Ich will HELFEN, nicht Probleme machen!" Sie war lauter geworden und zwang sich nun zur Mäßigung, atmete einige Lidschläge lang durch.
"Ich bin kein Ritter. Verzeihung", korrigierte sie sich oberflächlich förmlich. "Dieser Titel steht mir nicht zu." Noch nicht. "Aber es ist alles, wofür ich ausgebildet wurde. Und es ist alles, was ich je wollte." Und diesen Diplomatenring können die sich in den Ar... arg .. in arg dunkle Räume stecken!

Durchatmen. Haltung straffen. Sammeln.
"Ich respektiere Euch, so weit Euch meine persönliche Haltung zu Eurer Person interessiert", plapperte sie förmlich glatte Worte heraus und ahnte schon, dass genau diese Fiddatan nicht interessierten. Womöglich sogar seinen Argwohn weckten. Ihr Gesichtsausdruck bekam etwas Gequältes. Es ist doch eigentlich überhaupt nicht von Belang, oder? Muss ich dich etwa mögen oder willst du nur nicht, dass ich dir ein Schwert in den Nacken jage, wenn wir auf dir sitzen?
Sie hob etwas die Schultern. "Ihr seid ein Drache. Allein schon dieser Umstand nötigt mir einen grundlegenden Respekt ab. Und dürfte auch einige Eurer Verhaltensweisen erklären."
Die Knappin schob deutlich leiser nach: "Eure forsche Art zum Beispiel..." Etwas in ihrem Hinterkopf klickte ganz leise, als sie plötzlich Parallelen zu jemand anderem zog.
"Aber ich hege keinen Groll gegen Euch, sofern das irgendwie von Belang ist." Man hörte vor allem anhand ihrer Tonlage, dass ihr Verhältnis zum Drachen eher sachlicher Natur zu sein schien und schob ein "Solange Ihr Leon nicht noch ein mal weh tut" leiser nach, dass es ungewollt flappsig, rausgerutscht wirkte. Dem schien auch tatsächlich so zu sein, denn ihr Blick huschte kurz verunsichert zum Drachen und Purpur durch ihre Aura.
Wieder ein tieferes Durchatmen und ein neuer Ansatz: "Ich sollte aber wohl erwähnen, dass ich... Zweifel habe, was Drachma selbst betrifft." Es schien sie Überwindung zu kosten, weiter zu sprechen:
"Es würde mich jedenfalls leider nicht überraschen, wenn wir dort, wo Ihr Drachma erwartet, einfach... gar nichts finden." Sie fühlte sich zur Rechtfertigung gedrängt, noch ehe Empörung ihr hätte entgegen schlagen können und erklärte hastig in die verbale Offensive gehend:
"Ich meine: Verzeihung, aber... Ihr wart wie lange tot? Ihr wisst es noch nicht einmal, oder?", unterstellte sie ihm eher lehrerhaft herausfordernd als frech provozierend und sah ihm offen entgegen, fügte etwas dumpfer an:
"Ich kann mir nicht helfen: hier sind gebildete Leute, die ziemlich sicher sogar mehr gelesen haben als ich - aber ich bin nicht ungebildet und habe noch nie etwas von einer Stadt gehört, in der in irgend einer Weise Drachen zivilisiert zusammen leben würden. Überhaupt sind Drachen ein recht seltenes Phänomen. Und wenn, sind sie mir anhand von Erzählungen und Sagen als ganze Landstriche terrorisierende Bestien bekannt, aber dass sie weise wären... Kreaturen, deren Rat man ersuchen kann, oder was auch immer... das kenne ich nur von Märchen."
Viel in ihrer Aura leuchtete gerade deutlich ablehnend lila.
"Ich weiß, Ihr steht hier gerade eigentlich als deutliches Gegenbeispiel vor mir und würdet das Ganze Lügen strafen, aber...
vergebt mir: ich würde mich nicht wundern, wenn Ihr ein vergessenes Relikt von etwas seid, was schon vor langer Zeit verschwunden ist."
Sie zog den Kopf zurück, in irgend einer Form scharfes Kontra erwartend.
Als sich auch schon wieder so ein ungebetener Gedanke frech dazwischen meldete:
Wieso hast du dann eigentlich nur Proviant für zwei Tage - den Hinflug - mitgenommen?

"Ich muss aber noch etwas anmerken", meinte sie leiser und seufzte innerlich, dass sie schon wieder so viel Redezeit beanspruchte. Wieso schafften es alle anderen immer, sich kürzer zu fassen?!
Ihr Blick huschte unstet auf einen unfixierten Punkt schräg vor sich auf dem Boden; mal wieder ein genügend flacher Winkel, dass Chasin mit ein wenig Mühe mitlesen konnte.
"Ihr habt da vorhin eine völlig beiläufige Bemerkung fallen lassen, die mich stutzig machte. Ihr erwähntet: dass ein Drache, wäre er in den Harax gezogen, genauso wüten würde wie ein Dämon hier, in unserer Welt?
Ist... wäre das denn möglich? Also, dass ein Drache dort im Harax wäre?"
Sie verlagerte ihr Gewicht, was einem sich winden gleich kam, denn sie ahnte, dass sie bei den anderen gerade Fragezeichen provozierte und erklären musste, was sie beschäftigte. Sie wollte es ja auch erklären, denn sie hatte ja selber nichts als Fragezeichen!

"Also, es ist so, dass ich... eigentlich per definitionem nicht weiß, ob das, was da an mich gebunden ist, auch wirklich ein Dämon ist", gab sie etwas kleinlaut zu wie jemand, der Mist gebaut hatte aber sein Gesicht dabei noch wahren wollte, "Er hat es jedenfalls selber noch nicht ausdrücklich gesagt, dass er ein Dämon ist. Er hat 'nur' von 'seinem Fürstentum im Harax' gesprochen. Er flucht mit Bezug darauf. Und er hat Dämonen als Diener", zählte sie nachdenklich auf und kam sich zunehmend dämlich vor.
Welchen Grund hatte sie ernsthaft, anzuzweifeln, dass er ein Dämon war?!
"Aber ich habe ihn bisher nie in seiner wirklichen Gestalt gesehen, denke ich. Er kann scheinbar seine Gestalt so gut wie beliebig wechseln; und was ich bisher gesehen habe, von dem ich vermute, dass es seine wahre Gestalt sein dürfte, das wäre..." Die Knappin blinzelte und schürzte überlegend die Lippen,
"groooß...
schuppig...
und... Basil und Leon glaubten beim Heptagramm, ein ledrig knallendes Geräusch gehört zu haben - eventuell von Schwingen...
...und die hätte..."
Sie sah den Grafen einschätzend an, als säße wiederum der in seiner wahren Gestalt vor ihr.
"...auch ein Drache." Die Worte hatten schon im Raum gehangen, aber sie sprach sie trotzdem aus. Ganz leise. Sehr kleinlaut.
Ich rede Unsinn, oder?
"Ich weiß, wie unwahrscheinlich das klingt!", rechtfertigte sie sich sofort. "Im Harax erwartet man nun mal Dämonen. Und keinen Drachen! Und... wenn er auch nie von sich selber explizit sagte, dass er ein Dämon sei, so weiß er aber auf jeden Fall, dass ich ihn für einen hielt, und hat mich nie korrigiert!" Arroganz? ... Völlig andere Gründe?
Sie schluckte. Ächzte dann vor lauter Unsicherheit und senkte peinlich berührt den Blick.
"Und trotzdem weiß ich eigentlich nichts über ihn. Er tut mir nichts. Er hat kein Stück versucht, mich zu irgendwelchen Untaten überreden zu wollen." Also, außer... Ihre Wangen glühten kurz noch intensiver, aber sie redete hastig weiter: "Er kämpft mit Begeisterung gegen die Dämonen, die da angekommen sind...
Ihr sagtet, Dämonen kommen nicht gerne in diese Welt. Er sagte, es sei ihm vollkommen egal, wo er letztendlich lande, er wolle nur endlich wieder eins sein!
Es mag... alles andere Gründe haben, alles wirkt halbwegs schlüssig, egal wie rum ich es wende und scheint doch an irgend einer Stelle einen Haken zu haben. Ich... ich... bin halt gerade unsicher.
Was, wenn es ein Drache ist, der im Harax gefangen ist? Ginge das überhaupt?"
Sie schaute auf und suchte nach einer Antwort. Völlig verwirrt, eine irre Masse an Grau in ihrer Aura; bis auf ein klares, geradezu scharf heraus stechendes Petrol, das ihre letzten zwei Fragen zutage förderten: Sorge um jemanden.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. September 2018, 17:38

((ooc: Alles in Celcianisch, da ich noch nicht raus gefunden hab, wie das mit der Farbe funktioniert.))

Delilah hatte ihre Kinderaugen nochmal über das Blatt wandern lassen. Die Farbe sanfter Neutralität umhüllte das Pergament mit seinem Schimmer, wie es auch damals Verano umhüllt hatte.
„Ich hab vorhin etwas wiedergefunden... Einen Brief, den ich mir vorher nicht angeschaut habe, weil ich noch… blind war.“
Sie hielt das leere Blatt Papier hoch und sah nun Leon an.
„Er ist von Verano.“
Sie ließ das einen Moment sacken und erklärte im Folgenden was sie erkannt hatte. Doch bevor jemand darauf eingehen konnte, wurden sie von dem Schein-betrunkenen-Drachengeist unterbrochen und das Fragespiel um die Wahrheit begann. Einmal mehr zerrte der Graf gehörig an ihren Nerven und grade bei Leon schien der Geduldsfaden zu reißen. Da waren einfach zu viele Dinge, die auf ihn einprasselten wie ein Hagelsturm - Delis Bericht über den Brief, der Test des Drachen, die Sorge um sie, Darna, die schiere Masse all der Probleme, die sich vor ihnen aufzutürmen schienen. Er entblößte den Teil, seiner Gedanken, die ihm am unangenehmsten waren und schon drohte ihn das Gewitter über Darnas Kopf einzuholen. Ihre Liebe war einfach zu jung um solche erste Prüfungen zu überstehen und insgeheim glaubte er schon, sie wieder verloren zu haben. Die dunkeln Wolken im Raum drohten ihn zu ersticken. Seine empathischen Fähigkeiten steigerten nur das Unwohlsein und Darnas Wut schnürte ihm die Kehle zu. Von allen hätte er sie ertragen, aber von ihr?
Und Fiddatan sah sie alle nur abwartend an. Darna sah wieder zu Leon. Es tat wieder weh und Leon konnte ihren Schmerz spüren. Sie war enttäuscht von ihm, fühlte sich von ihm betrogen. Er war nicht der perfekte Mann, den sie in ihm sah. Er hatte auch seine niederen Abgründe und daran konnte eine junge Liebe leicht zerbrechen. Sie hatte ihn glorifiziert und erkannte nun, dass er Fehler hatte. Sie erinnerte sich seiner Worte:
„Ich wäre dir überall hin gefolgt... bis in den Tiefsten Kreis des Harax!“
"Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst.."
Als hättest du nicht schon genug getan.
Dass du dich für mich aufreibst... werde ich genau so wenig zulassen!

Dieses Bild von Leon, wie er auf dem Sessel saß, brannte sich in sie und für einen kurzen Moment schien Darna ihn seltsam leer und doch nachdenklich anzusehen.
Er liebt dich. ...
"..und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben."
Er liebt dich einfach bedingungslos, verstehst du das nicht?

So langsam schien sie zu begreifen, was seine Worte wirklich bedeuteten. Er hatte sie schon geliebt, bevor er gewusst hatte, dass etwas mit ihr nicht stimmte, hatte sie geliebt, als er es erfahren hatte und liebte sie immernoch. Er hatte sich in ihr „ohne-Lachen“ verliebt, nahm sie so wie sie war und stellte keine Forderungen. Ganz im Gegenteil, er wollte für sie da sein, so wie sie es auch für ihn sein wollte. Die Eifersucht auf den Drachen, weil er ihr eine Erlösung von dem Fluch in Aussicht stelle und er es eben nicht konnte, wurde vielleicht langsam etwas verständlicher. Und die Selbstsucht? Hatte die sich nicht viel mehr auf das Verhältnis zu seinem Vater bezogen? Er wollte den Körper seines Vaters wieder haben, damit er frei sein konnte. War das nicht auch irgendwie verständlich? Seine an den Drachen gerichteten Worte kamen ihr vielleicht noch einmal in den Sinn:
„Ich kann dich nicht leiden! Du bist ein arrogantes Stück Dreck in meinen Augen. Ich hasse es, dir vertrauen zu müssen. Ich hasse es, Darnas Sicherheit in deine Obhut geben zu müssen. Ich will der Held für sie sein, der ihre Probleme löst und nicht irgendein dahergeflogener Drache! Ich bin eifersüchtig und würde sie auch mit diesem verdammten Dämon lieben. Ich will den Körper meines Vaters wieder haben und ihm diesen verfluchten Geist einpflanzen, damit ich frei bin. Das ist selbstsüchtig, aber wahr! Zufrieden?“
Das waren Wahrheiten, aber es war trotzdem nur ein kleiner Teil den Leon ausmachte. Dröselte man jeden Satz einzeln auseinander, ergab das ganze einen ganz anderen Sinn, als wenn man ihn im Ganzen nahm und seine gereizte Stimmung noch hinzu zählte. Seine angespannten Schultern verrieten seinen inneren Widerstreit. Der Blick der Knappin, erfüllt von Zweifel und Wut hatten ihn noch mehr in sich kehren lassen.
Darnas Mimik sackte bekümmert und mitleidig nach unten, aber umso entschlossener setzten ihre Füße sich in Bewegung. Den Rest des Raumes ignorierend, ging sie zu seinem Sessel und davor in die Hocke. Er zuckte nicht zurück. Sie schnappte sich sein Gesicht, nahm es zwischen ihre Hände, sah ihm in die Augen und wischte über seine Stirn, als könne sie die Sorgen von dort mit dieser fürsorglich-zärtlichen Geste einfach vertreiben. Seine Augen wirkten noch einen Moment stumpf und trübe grau wie ein verhangener Morgenhimmel, dann zog sie sein Gesicht näher und küsste ihn. Unerlaubt und ungefragt. Mit liebevoller Aufdringlichkeit drängte sie sich in alles, was ihm gerade ansonsten durch den Kopf gegangen wäre, beanspruchte seine ganze Aufmerksamkeit und sendete einzig ein unverfälschtes 'Ich liebe dich.'
Ihre ganze Aura war weiß und von Chasin war ein leises Seufzen zu hören. Ein paar Sekunden hatte er reglos verharrt und sich merkwürdig steif unter ihren Händen angefühlt, doch dann lockerten sich seine Muskeln und er griff nach ihr. Vorbehaltlos erwiderten seine Lippen ihren Ruf und ein leises Stöhnen rollte durch seine Kehle. Ein Laut, wie wenn man verhärtete Muskeln nach langer Zeit löste und der Schmerz sich in etwas wohliges verwandelte. Dann traute sie sich etwas von ihm zu lösen um ihm in die Augen zu sehen. Reines Silber strahlte ihr wieder entgegen.
"Ich liebe dich"
, wisperte sie, nur für seine Ohren bestimmt. Etwas lauter, in einem ruhigen, beschwörenden Ton raunte sie:
"Du musst mir nichts beweisen, und du musst auf nichts und niemanden eifersüchtig sein, hörst du?
… Du brauchst kein Held für mich zu werden..."

Ihr Ton wurde bei den nächsten Worten noch ruhiger und schien ein Gesetz in Stein schmelzen zu können:
"Du bist es bereits."
Nochmals hielt sie seinen Blick. Ein unerschütterlicher Fels.
"Bleib einfach, wie du bist"
, fügte sie etwas.. heiser? leise hinzu, schien für diesen Moment ihre Stimme nicht richtig im Griff zu haben und räusperte sich verlegen wirkend. Leon räusperte sich ebenfalls, ein zaghaftes Lächeln wanderte als Antwort über seine Lippen und dann wurden sich beide ihrer Zuschauer bewusst.

Darna hatte ganz offensichtlich ein Talent dafür zu entwickelt, Drachen warten zu lassen, aber sie fing sich schnell.
"Ihr sagtet, Eure erste Aufgabe sei es, Drachma zu schützen...Umso dankbarer muss ich also sein, dass Ihr mich überhaupt mitnehmen wollt. Ich schätze, es ist klar, dass die Umstände um meine Person Drachma gefährden könnten. Ihr könnt mir glauben, dass es meine aller oberste Priorität ist, diesen Fluch los zu werden!...Ich bin bereit, alles Nötige dafür zu tun, um dieses Ziel zu erreichen. Was immer notwendig ist, Ihr habt meine volle Kooperation...Und Ihr habt mein Wort, dass mir in keinster Weise daran gelegen ist, dafür Schaden an Drachma in Kauf zu nehmen!"
Sie hielt Fiddatans Blick, der ernst und aufmerksam ihren Worten folgte. Sie wurde leiser, gab selber etwas von sich preis:
"Ich hasse es, dass ich diese Probleme mache. Ich hasse es, andere Menschen oder Lebewesen in Gefahr zu bringen! Das ist nicht das, wofür ich da bin, ich bin Ritter! Ich will HELFEN, nicht Probleme machen!"
Sie war lauter geworden und zwang sich nun zur Mäßigung, atmete einige Lidschläge lang durch.
"Ich bin kein Ritter. Verzeihung...Dieser Titel steht mir nicht zu...Aber es ist alles, wofür ich ausgebildet wurde. Und es ist alles, was ich je wollte....Ich respektiere Euch, so weit Euch meine persönliche Haltung zu Eurer Person interessiert... Ihr seid ein Drache. Allein schon dieser Umstand nötigt mir einen grundlegenden Respekt ab. Und dürfte auch einige Eurer Verhaltensweisen erklären... Eure forsche Art zum Beispiel..."
Etwas in ihrem Hinterkopf klickte ganz leise, als sie plötzlich Parallelen zu jemand anderem zog, während der Drache völlig ungerührt weiter zuhörte.
"Aber ich hege keinen Groll gegen Euch, sofern das irgendwie von Belang ist...Solange Ihr Leon nicht noch ein mal weh tut...Ich sollte aber wohl erwähnen, dass ich... Zweifel habe, was Drachma selbst betrifft."
Es schien sie Überwindung zu kosten, weiter zu sprechen, zumal dieses Mal durchaus eine Reaktion des Drachen zu erkennen war. Ihr Zweifel an Drachma hatte seine linke Braue deutlich angehoben und er sah sie fragend und auch ein wenig abschätzend an.
"Es würde mich jedenfalls leider nicht überraschen, wenn wir dort, wo Ihr Drachma erwartet, einfach... gar nichts finden...“
Veranos zweite Braue gesellte sich hoch oben zu der ersten.
„Ich meine: Verzeihung, aber... Ihr wart wie lange tot? Ihr wisst es noch nicht einmal, oder?...Ich kann mir nicht helfen: hier sind gebildete Leute, die ziemlich sicher sogar mehr gelesen haben als ich - aber ich bin nicht ungebildet und habe noch nie etwas von einer Stadt gehört, in der in irgend einer Weise Drachen zivilisiert zusammen leben würden. Überhaupt sind Drachen ein recht seltenes Phänomen. Und wenn, sind sie mir anhand von Erzählungen und Sagen als ganze Landstriche terrorisierende Bestien bekannt, aber dass sie weise wären... Kreaturen, deren Rat man ersuchen kann, oder was auch immer... das kenne ich nur von Märchen."
Während Darna vor sich hin plapperte, veränderte sich das Gesicht des Grafen abermals. Um so länger sie sprach, um so breiter wuchs sein Grinsen.
"Ich weiß, Ihr steht hier gerade eigentlich als deutliches Gegenbeispiel vor mir und würdet das Ganze Lügen strafen, aber...vergebt mir: ich würde mich nicht wundern, wenn Ihr ein vergessenes Relikt von etwas seid, was schon vor langer Zeit verschwunden ist."
Sie zog den Kopf zurück, in irgend einer Form scharfes Kontra erwartend, doch das leise glucksen aus der Drachenkehle klang einfach zu unnatürlich aus dem Mund des Grafen. Sie sprach trotzdem und vielleicht sogar deswegen mutig weiter, was seine Geräusche wieder verklingen ließ.
"Ich muss aber noch etwas anmerken... Ihr habt da vorhin eine völlig beiläufige Bemerkung fallen lassen, die mich stutzig machte. Ihr erwähntet: dass ein Drache, wäre er in den Harax gezogen, genauso wüten würde wie ein Dämon hier, in unserer Welt? Ist... wäre das denn möglich? Also, dass ein Drache dort im Harax wäre?"
Plötzlich war es totenstill im Raum!
Darna verlagerte ihr Gewicht, was einem sich winden gleich kam. Der Drache war tot erst und fixierte sie mit seinem bohrenden Blick. Seine Aura war wieder zu spüren und drückte auf ihre Körper. Doch wenn die Knappin eines war, dann mutig! Fast ohne Zögern redete sie weiter:
"Also, es ist so, dass ich... eigentlich per definitionem nicht weiß, ob das, was da an mich gebunden ist, auch wirklich ein Dämon ist... Er hat es jedenfalls selber noch nicht ausdrücklich gesagt, dass er ein Dämon ist. Er hat 'nur' von 'seinem Fürstentum im Harax' gesprochen. Er flucht mit Bezug darauf. Und er hat Dämonen als Diener... Aber ich habe ihn bisher nie in seiner wirklichen Gestalt gesehen, denke ich. Er kann scheinbar seine Gestalt so gut wie beliebig wechseln; und was ich bisher gesehen habe, von dem ich vermute, dass es seine wahre Gestalt sein dürfte, das wäre..."
Die Knappin blinzelte und schürzte überlegend die Lippen,
"groooß... schuppig... und... Basil und Leon glaubten beim Heptagramm, ein ledrig knallendes Geräusch gehört zu haben - eventuell von Schwingen......und die hätte..."
Sie sah den Grafen einschätzend an, als säße wiederum der in seiner wahren Gestalt vor ihr. Dieser starrte nur ernst zurück.
"...auch ein Drache."
Die Worte hatten schon im Raum gehangen, aber sie sprach sie trotzdem aus. Ganz leise. Sehr kleinlaut, aber sie war noch nicht fertig:
"Ich weiß, wie unwahrscheinlich das klingt!...Im Harax erwartet man nun mal Dämonen. Und keinen Drachen! Und... wenn er auch nie von sich selber explizit sagte, dass er ein Dämon sei, so weiß er aber auf jeden Fall, dass ich ihn für einen hielt, und hat mich nie korrigiert...Und trotzdem weiß ich eigentlich nichts über ihn. Er tut mir nichts. Er hat kein Stück versucht, mich zu irgendwelchen Untaten überreden zu wollen.... ...Er kämpft mit Begeisterung gegen die Dämonen, die da angekommen sind... Ihr sagtet, Dämonen kommen nicht gerne in diese Welt. Er sagte, es sei ihm vollkommen egal, wo er letztendlich lande, er wolle nur endlich wieder eins sein! Es mag... alles andere Gründe haben, alles wirkt halbwegs schlüssig, egal wie rum ich es wende und scheint doch an irgend einer Stelle einen Haken zu haben. Ich... ich... bin halt gerade unsicher. Was, wenn es ein Drache ist, der im Harax gefangen ist? Ginge das überhaupt?"
Sie schaute auf und suchte nach einer Antwort in den Augen des Drachen, doch dieser starrte immernoch ohne irgendeine Regung. Dann, als sie schon fast eine Minute geschwiegen hatten, blinzelte er plötzlich und Bewegung kam in den Drachengeist. Der Graf stand still, aber der Geist bewegte sich im Raum, als hätte ihn plötzlich eine innere Unruhe ergriffen. Dieses Gefühl schwappte unwillkürlich und mächtig auch auf alle Anwesenden über. Leon stand abrupt auf und fing an durch den Raum zu tigern, prüfte Darnas Liste an mitzunehmenden Dingen und Chasin setzte sich an ihren Schreibtisch und ordnete schnell noch letzte Kleinigkeiten. Das Gefühl von hier fort, einem unbestimmten Ziel zu folgen zu wollen überfiel ihre Körper, ja vielleicht sogar ihren Geist.
„Ihr … seid eine interessante junge Dame, Darna von Eibenau!“
, lautete die mehr als nur unbefriedigende Antwort des Drachen.
„Sobald wir da sind, werden wir uns erneut mit euren Fragen beschäftigen. Vergesst sie bis dahin nicht.“
Dann setzte sich auch der Grafen-Körper in Bewegung und er prüfte die Dinge, die sie mitnehmen wollten. Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand er da uns sah auf den Haufen hinab:
In einem Rucksack brachte jeder folgende Dinge unter:
- Wolldecke
- Zeltplane; jeweils eine relativ kleine, die gerade für eine Person reichen würde, aber mit Ösen, damit man sie mit Schnur miteinander verbinden kann
- dünne Filzmatte
- scharfes Messer
- Rolle Paketschnur, 5-10m
- flexibler Wasserschlauch, 1L
- kleiner Kochtopf, 1L
- Proviant für 2 Tage
- Beutel Teekräuter
Die Kleidung begutachtete er ebenfalls:
- wärmende Unterkleidung, 2 Paar Socken
- glatte feste Lederhose
- Stiefel
- Bluse/Hemd aus festem Stoff
- warmes Wams/wattierte Unterkleidung
- fester Gürtel zum Befestigen mehrerer Taschen oder Anbinden von Dingen für den Flug
- Haube/Gugel/Mütze aus Filz als Schutz gegen Wind, Kälte und Wetter
- warmer wetterfester Umhang
- reise taugliche Handschuhe
- Kettenhemd
- Rapier
Ein paar persönliche Dinge hatte dann auch noch jeder. Für Darna waren das:
- Ellis Stockschwert
- Tiegel Handcreme
- handgeknüpftes Armband
- Handspiegel, stoßfest eingewickelt
- Familienring am Finger
Für Leon:
- Siegelring der Familie
- ein verplombter Lederbeutel
Für Chasin:
- ein größerer Beutel mit Hygieneartikeln, wie Bürste, Seife, Creme, Puder, Duftwässerchen etc.
- Beutel mit kostbaren Teeblättern
- große Dose Tabak
- ihre Pfeife
- Zanfars Schwert
Für Delilah war das wohl vor allem ihr Medaillon, aber auch bei ihr war noch Platz für Kleinigkeiten die der Seele wichtig waren.
Nachdem also alles gepackt war und die Stimmung drastisch umgeschlagen hatte, entschied der Drache, dass es wohl Zeit war zu gehen. Briefe waren auf den Weg gelangt, man hatte sich mehr oder weniger verabschiedet und gut geplant, dann hatte die Knappin anscheinend irgendwie den Drachen in Aufbruchsstimmung versetzt und nun war es soweit.

Die Sonne war schon unter gegangen und nach den Festlichkeiten der letzten Tage, den Vorbereitungen und der Aufregung war es schon fast gespenstisch ruhig im Schloss. Nur wenige Diener waren unterwegs. Viele der Adeligen schliefen oder hatten sich sogar auf ihre Landsitze zurück gezogen. Es war Ruhe eingekehrt und nur wenige wussten noch um die Dinge, die da unter der Oberfläche brodelten. Geheime Sitzungen fanden weiterhin statt, geheime Treffen, geheime Stelldichein natürlich auch. Die Politik schlief nicht, die Intrigen eben sowenig, aber das öffentliche Leben bei Hof schien jedoch in einen seichten Schlummer gefallen zu sein. Eine stille Stunde hatte begonnen. Eine fast lähmende Aura legte sich über die Mauern, Türme und Flure, gleich der Stille vor einem aufziehenden Sturm, doch dieses Mal war es kein Gewitter das sich näherte...



„Nebelbank von Nordwesten!“
Ein äußerst merkwürdiger Ausruf hallte von einem der Türme des Palastes. Auf einem Schiff auf hohem Meer wäre dies wohl nichts besonderes, doch hier im Landesinneren waren derlei Vorkommnisse schon etwas besonders. Die Wächter liefen zusammen und beobachteten angestrengt die dichten feuchten Schwaden in der Dunkelheit, die in einer großen Welle sich über die Stadt senkten. Die Nacht hatte ihr Kommen verschleiert und nun hüllte sie Jorsa wie eine dicke Decke ein. Fackeln wurden entzündet und leuchteten wie helle Wattebälle in der dunstigen Luft. Auren aus Licht schwebten um die Lichtquellen und schnell konnte man kaum noch die Hand vor Augen sehen. Hinter verschlossenen Türen und Fenstern bemerkten die Menschen von Jorsa das Phänomen kaum, nur einige wunderten sich, dass ihre Katzen sich in den Ecken verkrochen und ihre Hunde leise wimmerten. Pferde schnaubten und kein Vogel war unterwegs. Niemand der es bemerkte, wagte laut zu sprechen.



Verano ging langsam zum dem hohen Fenster im Wohnbereich. Seine Stimme klang plötzlich ein wenig hohl:
„Ich warte nicht länger. Zieht euch an. Bindet alles an euch, was ihr mitnehmen wollt.“
Ohne sich umzusehen, ob sie seinen Anweisungen folgten, trat er an das Fenster und öffnete es. Eine kleine Schwade Nebel wallte beim Aufschwingen der hohen Türen über die dichten Teppiche. Kühle feuchte Luft drang ein und er atmete tief durch. Vor dem Fenster befand sich ein winziger Halbbalkon, aber der Durchgang hinaus stand nun weit offen und maß gut zwei Schritt. Der Graf trat hinaus in den Nebel und seine Geistergestalt drängte sich an ihm vorbei. Ein kleineres Vordach halb unter seiner Position, vermutlich ein Gesindehaus, musste wohl her halten um den mächtigen Drachengeist zu tragen, während sein Kopf immernoch hier oben in den Gemächern der roten Dame weilte. Ob Geisterdrachen ein Dach eindrücken könnten? Sah man hinaus konnte man sogar die Konturen seines Leibs erkennen, der die Schwaden verdrängte. Verano drehte sich um und sah ins Innere zurück.
„Kommt zu mir. Einer nach dem anderen.“
Chasin reagierte als erste. Für sie stand ohnehin fest, dass sie diese Gefilde verlassen würde und ihre Zukunft wo anders lag. Vielleicht wirkte sie deswegen gerade überaus furchtlos. Oder sie hatte eben mehr in den Gedanken des Drachen gelesen und wusste worauf sie sich einließ. Dick eingemummelt in mehrere Schichten Kleidung, bepackt mir Rucksack, angebundenen Beuteln und Taschen taumelte sie leicht, aber trat so schwer beladen wie es bei ihr eben möglich war an den Grafen heran. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sie sahen sich tief in die Augen. Er schien ihr mental etwas zu sagen und sie flüsterte:
„Ich überlasse mich deinem Geist.“
Kurz wirkte es fast so, als wolle er sie küssen, dabei atmete er nur einmal tief ein und ein deutlich zu spürender Sog setzte ein. Die Nebelschwaden verließen das Zimmer. Der Drache atmete Chasin ein... und sie fiel in sich zusammen. Der Nebel wallte zurück in den Wohnraum, während Verano ihren Körper hinter sich drehte und über die Brüstung fallen ließ...

Eine Zehntelsekunde später sah man, dass ihr Körper wieder auftauchte und leicht wie eine Feder langsam den Schlund des Drachens hinunter schwebte. Hatte er sie verschluckt? Nein. Doch? Wie reiste man mit einem Geisterdrachen der keinen wirklichen Körper besaß? Nicht auf seinem Rücken, so wie es schien. Aber seine Flügel spreizten sich bereits und er wartete auf den nächsten Happen.

Leon sah Darna und Delilah zweifelnd an. Sein Blick glitt zwischen ihr und der jungen Lichtmagi und Chasin hin und her. Er nahm Darnas Hand und drückte sie leicht.
„Wollen wir das wirklich tun?“
Er hatte sich dick angezogen und seine Taschen geschultert. Eine dünner Schweißfilm glänzte schon auf seiner Stirn. Bereit war er, nun wartete er nur noch auf die jungen Damen.

((ooc: Möchte von euch jeweils einen Mini-Post, ob ihr es Chasin gleich tut. ;-) Dann schreib ich gern gleich weiter. ))
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Rapier: gut
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Langschwert & Metallschild: überdurchschnittlich
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Geld: 0D, 10L, 100F
Ausrüstung: *
* umfassende Winterkleidung
* feine schwarze Schaftstiefel mit hervor ragenden Nähten und Zierrunen am Schaft
* Reiseausrüstung
* Kettenhemd & Rapier
* Ring mit Familienwappen
* handgeknüpftes Armband (von Mil Bromer)
* kl. Tiegel mit Perlmuttdeckel (Hautcreme)
* Kinderholzschwert von Elli
* Diplomatenring und -schreiben Jorsans
Tierische Begleiter: (Keiner. Eigentlich.)
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 27. September 2018, 09:50

Na schön. Aus welchen Gründen auch immer, um die Existenz von Drachma schien sie sich keine Sorgen machen zu müssen. Allerdings hätte sie selbst mit einem scharfen Kontra besser leben können als damit, angegrinst und - ausgelacht? zu werden. Und keine echte Antwort zu erhalten. Auch wenn es eine kurze Reaktion war, es verbesserte ihre Meinung vom Drachen nicht und sie musste einen weiteren Punkt auf die Liste setzen, die sie diesem Drachen irgendwie durchgehen ließ, nur weil er ein Drache war. Gernot wäre sie für so etwas wieder fauchend ins Gesicht gesprungen.
Dafür schien die Frage nach dem Drachen im Harax mehr Gewicht zu haben. Sie würgte ihre Gedanken heraus, die nicht einmal das Prädikat "Theorie" verdienten. Der Drache - und spürbar tatsächlich die Aura des Drachen, nicht Verano - starrte sie ohne irgend eine Regung an und sie wagte es nicht, dem Starren auszuweichen, auch wenn alles an ihr sich in eine defensive Spannung verkrümelt hatte. Ob er wieder in ihr las? Sich ungebeten mehr Informationen holte, als sie in Worte fassen konnte? Sie hasste das. Aber sie hatte diesmal eigentlich nicht den Eindruck, dass er übergriffig wurde. Überlegte er nur?
Sie erhielt keine Antwort darauf - natürlich. Sie erhielt auf nichts Antworten, außer das drängende Gefühl, aufbrechen zu wollen. JETZT.

Fliegen... Vorsichtig wollte sich das Gefühl von Vorfreude wieder in ihrem Bauch breit machen und ihr fiel ein, dass sie vergessen hatte, die anderen davor zu warnen. Sie konnten sicher keine Schwierigkeiten während des Fluges gebrauchen, weil sie vor Staunen begeistert auf dem Rücken eines Drachen saß! Und plötzlich, in diesem diffusen drängenden Gefühl von Aufbruchstimmung fiel ihr dann ein, was sie vielleicht auch deswegen noch hatte mitnehmen wollen:
- Alkohol.
Sie öffnete ein paar Türen von Kommoden, wo sie die "Hausbar" vermutete, die in solchen Gästeräumlichkeiten für gewöhnlich zu finden waren und fand eine handvoll lange missachteter Flaschen, die in eine Ecke geschoben waren, schließlich tranken weder Chasin noch Zanfar, wo andere adelige Dauergäste regelrecht zu Alkoholikern wurden. Wahllos griff die Knappin nach kurzem Zögern zwei schlanke oder kompakte Flaschen, die nicht nach gewöhnlichem Wein aussahen, schließlich hatte sie herzlich wenig Ahnung davon, welche Spirituose nun wie viel Alkohol hatte...
Außerdem sammelte sie nebenher noch
- zwei Stofftaschentücher
ein, die in Chasins Zimmer lagen. Wenn es kalt wurde, bekam jemand vielleicht Schnupfen.
„Ihr … seid eine interessante junge Dame, Darna von Eibenau!“
Aha. Na toll. Sie furchte nur kurz in kritischer Aufmerksamkeit die Stirn. „Sobald wir da sind, werden wir uns erneut mit euren Fragen beschäftigen. Vergesst sie bis dahin nicht.“
"In Ordnung", erwiderte sie beherrscht und unterschwellig deutlich mürrisch. Sie schien irgendwas Wichtiges angesprochen zu haben, was ihre eigene Grübelei - und Unsicherheit - nur verstärkte. Vielleicht war es so gesehen ein glücklicher Umstand, dass das sorgfältige Anziehen, Verstauen und Verschnüren sie vom zu tiefen Grübeln gerade ablenkte. Sie half, auch bei den anderen den Sitz von allem zu überprüfen, zog und zupfte an allem, was außen befestigt war, nahm Chasin vielleicht noch etwas Last ab und nickte irgendwann, wandte ihre Aufmerksamkeit den Balkontüren zu, die Fiddatan öffnete.

Staunend sah sie hinaus zum dem Nebel. Das war schlicht ungewöhnlich, dass so dichter Nebel hier aufzog und eine kleine Alarmglocke schrillte, ob es gleich einen magisch unterstützten Angriff gäbe? Waren die Dunkelelfen vor der Stadt? Bis ihr klar wurde, dass Fiddatan den Nebel nutzte. Wohl, um ihre Abreise zu verschleiern. Nicht schlecht, dachte sie beeindruckt. Was dann passierte, war noch beeindruckender und ihre Lippen blieben staunend geöffnet. Verano drehte sich um und sah ins Innere zurück. „Kommt zu mir. Einer nach dem anderen.“ Darnas Stirn furchte sich. Sollten sie jetzt aufsteigen? Der Umstand, dass da nur eine geisterhafte Gestalt war - und wohl auch bleiben würde - verunsicherte sie. Sie hatte etwas Körperlicheres erwartet.


Und dann sah sie, wie Chasin starb.


Er... atmete ihren... Geist? ihre Seele? ein...
Darnas Augen weiteten sich bis zum Maximum.
Und dann hob er ihren Körper wie eine leblose Puppe über die Brüstung und ließ sie in die Tiefe stürzen!!! Darna entfuhr ein kurzer Schrei und ihr Körper ruckte nach vorne, wie um die Diplomatin aufzufangen, aber sie stand viel zu weit weg! Fassungslos sah die Knappin eine Zehntelsekunde später, dass ihr Körper wieder auftauchte und leicht wie eine Feder langsam den Schlund des Drachens hinunter schwebte. Hatte er sie verschluckt? Nein. Doch?
Darnas Verstand sagte ihr leise, dass Chasin nicht tot war. Dass das absolut keinen Sinn machte, wenn sie "einfach" nur an einen anderen Ort reisen wollten. Aber der Drache wollte... ihren Geist irgendwie einatmen...
Trennen.
Und dann sollte sie im Innern dieses Dinges liegen, während es ihrem Geist sonstwie erging...
Ihr Körper fing an, zu zittern.
Leon nahm Darnas Hand und drückte sie leicht. „Wollen wir das wirklich tun?“
Nein! NEIN!

Du musst. Du hast versprochen, zu kooperieren! Dass du alles tust, was notwendig ist!
Verdammt, was hab ich verpasst, dass den anderen klar war, dass das hier kein normaler - 'normaler'! Mit einem Drachen! - Flug wird?!
Was hast du erwartet? Dass er irgendwo draußen eine körperliche Gestalt annimmt?
Ja!
Tja. Nein.
Hundescheiße! Er will dir die Seele aus dem Leib reißen!
...

'Wollen wir das wirklich tun?' - was für eine witzige Frage. Als hätten sie eine Wahl.
Aber Darna wollte nicht, das schien im Moment klar wie Kloßbrühe: ihr Gesicht hatte die Farbe verloren, sie zitterte in verkrampfter Haltung und stieß leicht gegen ihn, als sie instinktiv vor dem Drachen zurück wich. Sie bekam kein Wort mehr heraus, während ihre Angst sich wie eine Würgeschlange um ihren Verstand wickelte und ihn langsam zerquetschte. Ihre Augen starrten mit großen Pupillen weit aufgerissen nur in Fiddatans Richtung und an ihren Lidern begann es feucht zu glänzen.
Du musst. Du wirst nicht sterben. Du musst!
'Ich überlasse mich deinem Geist', zeigte ihre Angst auf die Worte, die Chasin gesagt hatte und meinte ernst: Das kann ich nicht. Ich kann es nicht, hörst du? Ich müsste ihm restlos vertrauen. Dabei mag ich ihn nicht mal wirklich. Selbst wenn ich es sagen würde:
Es wäre gelogen.
Und was passiert dann? Stürze ich dann durch ihn durch? Schlage auf dem Pflaster des Schlosshofes auf? Und selbst wenn es 'bloß das' wäre... ich kann das nicht.
Ich hasse es, die Kontrolle zu verlieren.
Er will mir meinen Geist weg nehmen.
Ich kann das nicht.


...

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Delilah » Donnerstag 27. September 2018, 11:31

„Nebelbank von Nordwesten!“
Ein äußerst merkwürdiger Ausruf hallte von einem der Türme des Palastes. Auf einem Schiff auf hohem Meer wäre dies wohl nichts Besonderes, doch hier im Landesinneren waren derlei Vorkommnisse schon etwas besonders. Die Wächter liefen zusammen und beobachteten angestrengt die dichten feuchten Schwaden in der Dunkelheit, die in einer großen Welle sich über die Stadt senkten. Die Nacht hatte ihr Kommen verschleiert und nun hüllte sie Jorsa wie eine dicke Decke ein. Fackeln wurden entzündet und leuchteten wie helle Wattebälle in der dunstigen Luft. Auren aus Licht schwebten um die Lichtquellen und schnell konnte man kaum noch die Hand vor Augen sehen. Hinter verschlossenen Türen und Fenstern bemerkten die Menschen von Jorsa das Phänomen kaum, nur einige wunderten sich, dass ihre Katzen sich in den Ecken verkrochen und ihre Hunde leise wimmerten. Pferde schnaubten und kein Vogel war unterwegs. Niemand der es bemerkte, wagte laut zu sprechen.


Delilah war an ein Fenster gestürzt und starrte entsetzt die Nebelwand an, die schon bald die ganze Stadt einhüllte.

Der Nebel war ihr nach Hause gefolgt.

Ein eiskalter Schauer lief der jungen Magi den Rücken runter und ließ die feinen Härchen in ihrem Nacken sich aufstellen. Ein Bild huschte durch ihren Kopf, wie dieser… ihr Albtraum ihren heimischen Garten einhüllte, durch die Blätter des Gartens strich und durch Fenster und Türenschlitze ins Haus eindrang. Plötzlich war ihr eiskalt. Sie dachte an alle, die sie dort in den Nebeln zurücklassen hatte müssen… Verano, der nun tot war… sowie Baltos es vielleicht auch war, nachdem er sich den unsichtbaren Verfolgern gestellt hatte, die ihnen im Nacken gesessen hatten… Luci und die anderen, die nun beinahe ungeschützt auf Weißenfels festsaßen… und sie dachte an die Dinge, die im Nebel lauerten… an Orks und Dunkelelfen. Sie hatten den Nebel als Tarnung, als Versteck genutzt. Was, wenn sie das jetzt auch taten? In diesem Moment ihre Heimat einkreisten?

Ihre Finger hielten sich verkrampft am Fenstersims fest und in ihrem Inneren wollte sich ein Schluchzer nach oben drängen. All jene Dinge, die sie verdrängt und noch nicht verarbeitet hatte, die sie belasteten und die sie noch niemandem anvertraut hatte, wollten sich Bahn brechen. Die Dunkelheit, die Lähmung, die Toten. Auch wenn sie nun hier stand, stark und gesund und gewachsen, manche Wunde brauchte Zeit und Aufmerksamkeit zum Heilen. Doch nicht jetzt, nicht hier, es gab wichtigere Dinge, wichtigere Menschen. Andere hatten viel mehr durchgemacht als du! Delilah drehte sich mit einem Ruck um, riss den Blick von Nebel und Dunkelheit und Angst, und ließ ihren Blick über den von Kerzen erhellten Raum gleiten. Sie atmete tief, tief durch und hatte das Gefühl die Risse in ihrer Brust, die gerade gekittet waren und kurz gedroht hatten wieder aufzureißen, wieder zusammenzusetzen. Ein weiter Atemzug. Ein. Aus. Der Schild stand wieder.

Beruhig dich doch. Eine Panikattacke wegen etwas Nebel. Wie lächerlich. Jorsa war stark, konnte sich verteidigen. Das Licht des Herren Lysanthor brannte stark in so vielen Seelen hier und die Inquisition und die Akademie hielten die Dunkelheit in Schach. Der Drache hatte Rugta befreit und die Dunkelelfen damit ihres Stützpunktes beraubt. Es dauerte sicher noch, bis sie sich wieder so weit organisiert hatten, um neue Pläne zu starten. Also, beruhig dich und konzentriere dich auf deine Aufgabe, die du dir gestellt hast. Helfen. Darna. Leon. Fiddatan. Jorsa. Also los. Hopp-Hopp!

„Kommt zu mir. Einer nach dem anderen.“, klang Veranos tiefe Stimme draußen vom Balkon. Delilah richtete sich auf. Sie hatte sich auf den Fenstersims sinken lassen, während sie die aufsteigende Panik niedergekämpft hatte. Auch nun konzentrierte sich Delilah noch auf die kleinen Details, um nicht zu sehr über den Nebel nachdenken zu müssen. Sie rückte sich das blau-gemusterte Stirnband zurecht, das ihre Ohren vor der Kälte schützen würde, band den dicken von Resa-selbstgestrickten Schal neu, und strich die nun behandschuhten Hände über die dicke Reisekleidung, die Mortimer ihr gegeben hatte. Er hätte dafür sicher viel Geld verlangen können, aber das hatte er nicht. Er war ein guter Mann. Der Rucksack war schwer, aber sie hatten ja auch ein echtes Abenteuer vor sich. Da musste man vorbereitet sein. Und sicher darin verpackt war unter anderem auch ihr Medaillon, sie hatte Angst gehabt es beim Fliegen zu verlieren und deshalb in den Rucksack gesteckt, ebenso wie ihr Schreibzeug und das wertwolle Stück Papier, das Verano in sich trug.

Chasin reagierte als erstes. Dick eingemummelt in mehrere Schichten Kleidung, bepackt mit Rucksack, angebundenen Beuteln und Taschen taumelte sie leicht, aber trat so schwer beladen wie es bei ihr eben möglich war an den Grafen heran. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sie sahen sich tief in die Augen. Er schien ihr mental etwas zu sagen und sie flüsterte:
„Ich überlasse mich deinem Geist.“
Kurz wirkte es fast so, als wolle er sie küssen, dabei atmete er nur einmal tief ein und ein deutlich zu spürender Sog setzte ein. Die Nebelschwaden verließen das Zimmer. Der Drache atmete Chasin ein... und sie fiel in sich zusammen. Der Nebel wallte zurück in den Wohnraum, während Verano ihren Körper hinter sich drehte und über die Brüstung fallen ließ...

Eine Zehntelsekunde später sah man, dass ihr Körper wieder auftauchte und leicht wie eine Feder langsam den Schlund des Drachens hinunter schwebte. Hatte er sie verschluckt? Nein. Doch? Wie reiste man mit einem Geisterdrachen der keinen wirklichen Körper besaß? Nicht auf seinem Rücken, so wie es schien. Aber seine Flügel spreizten sich bereits und er wartete auf den nächsten Happen.

Leon sah Darna und Delilah zweifelnd an. Sein Blick glitt zwischen ihr und der jungen Lichtmagi und Chasin hin und her. Er nahm Darnas Hand und drückte sie leicht.
„Wollen wir das wirklich tun?“
Er hatte sich dick angezogen und seine Taschen geschultert. Ein dünner Schweißfilm glänzte schon auf seiner Stirn. Bereit war er, nun wartete er nur noch auf die jungen Damen.


Fasziniert hatte Delilah das Schauspiel mitangesehen und dabei fast ihre Angst vergessen. Die Abenteuerlust machte sich bemerkbar und drängte die Unsicherheit schöner Weise in eine entfernte Ecke. Ihre Augen funkelten aufgeregt. „Natürlich!“, sagte Deli mit vollster Überzeugung. Sie vertraute dem Drachen. Er kannte sie, hatte sie durch Veranos Augen gesehen und kennengelernt. Sie hatten einen Blick und einen Tanz geteilt. Natürlich wusste sie, dass man sich vorsehen musste, vorsichtig sein musste, aber sie vertraute ihm. Wenn sie eines gelernt hatte, dann… dass Vertrauen wichtig war. Veranos Anblick erinnerte sie jedes Mal daran. Sie hatte ihr Schicksal schon oft vertrauensvoll in die Hände anderer gegeben. Und wie sie erfahren hatte… war es ihr damit immer gut ergangen. Warum sollte es dieses Mal anders sein? „Auf geht’s!“

Sie lächelte Leon und Darna noch einmal zu und ging dann zu Fiddatan. Sie fürchtete sich nicht mehr. Egal was die Zukunft und der Nebel bringen würden, sie war auf dem Weg, den sie gewählt hatte und würde ihm folgen. Für ihre Freunde, für ihr Land. Vorhin war ihr eiskalt geworden, doch nun spürte sie, wie sich wieder Wärme in ihrer Mitte ausbreitete. Der Moment der Angst war vergangen und das Abenteuer lag vor ihnen. Und so reichte die Jungfrau dem Drachen die Hand und ließ sich fallen.

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. September 2018, 20:20

'Wollen wir das wirklich tun?'
- was für eine witzige Frage. Als hätten sie eine Wahl.
Aber Darna wollte nicht, das schien im Moment klar wie Kloßbrühe: ihr Gesicht hatte die Farbe verloren, sie zitterte in verkrampfter Haltung und stieß leicht gegen Leon, als sie instinktiv vor dem Drachen zurück wich. Sie bekam kein Wort mehr heraus, während ihre Angst sich wie eine Würgeschlange um ihren Verstand wickelte und ihn langsam zerquetschte. Ihre Augen starrten mit großen Pupillen weit aufgerissen nur in Fiddatans Richtung und an ihren Lidern begann es feucht zu glänzen.
Du musst. Du wirst nicht sterben. Du musst!
'Ich überlasse mich deinem Geist'

, zeigte ihre Angst auf die Worte, die Chasin gesagt hatte und meinte ernst:
Das kann ich nicht. Ich kann es nicht, hörst du? Ich müsste ihm restlos vertrauen. Dabei mag ich ihn nicht mal wirklich. Selbst wenn ich es sagen würde: Es wäre gelogen. Und was passiert dann? Stürze ich dann durch ihn durch? Schlage auf dem Pflaster des Schlosshofes auf? Und selbst wenn es 'bloß das' wäre... ich kann das nicht. Ich hasse es, die Kontrolle zu verlieren. Er will mir meinen Geist weg nehmen. Ich kann das nicht.
Leon war inzwischen zwischen sie und Fiddatan getreten, schirmte somit ihren Blick auf den Drachen mit seinen breiten Schultern ab.

Fasziniert hatte Delilah das Schauspiel mitangesehen und dabei fast ihre Angst vergessen. Gerade in diesem Moment lief sie hinter Leon auf den Balkon. Die Abenteuerlust machte sich bemerkbar und drängte die Unsicherheit schöner Weise in eine entfernte Ecke. Ihre Augen funkelten aufgeregt.
„Natürlich!“
, sagte Deli mit vollster Überzeugung.
„Auf geht’s!“
Sie lächelte Leon und Darna noch einmal zu und ging dann zu Fiddatan. Der breitete seine Arme aus und sah sie schon fast strahlen an. Er leckte sich kurz über die Lippen und beugte dann seine Gestalt ein Stück zu der deutlich kleineren jungen Frau hinunter. Seine Hände ergriffen ihr Gesicht und er sah sie fragend an.

Leons Hände hielten Darna sanft aber bestimmt an den Schultern. Ihre Gedanken hatten sich überschlagen, aber sie hatte kein Wort gesprochen und geriet immer tiefer in den Strudel aus Panik und den viel zu vielen Dingen die schief gehen könnten. Kontrollverlust war etwas das sie sich nicht eingestehen konnte, dass sie hasste, aber sie hatte doch ihr Wort gegeben, vor kaum mehr als 50 Atemzügen, oder lass es mehr sein!
„Vertraust du mir?“
Leon hatte nie gesagt, dass er Gedanken lesen könne, aber er hatte eine schon fast magisch zu nennende Fähigkeit ihre Gefühle zu lesen und jetzt gerade brachte er Darna dazu, sich auf etwas anderes als den Drachen zu konzentrieren, nämlich auf ihn!
„Vertraue mir, wenn du ihm nicht trauen kannst. Ich lasse dich das nicht allein tun!“
Er schaute kurz über seine linke Schulter und so sah Darna auch nun Deli in Veranos Arme sinken. Sie sah so zuversichtlich aus, ja fast freudig erregt, einen neuen Schritt in ihrem Leben wagen. Sie fürchtete sich nicht. Der Moment der Angst war vergangen und das Abenteuer lag vor ihnen. Und so reichte die Jungfrau dem Drachen die Hand und ließ sich fallen.
Ihr ausströmender Atem formte schon fast unwillkürlich die geflüsterten Worte:
„Ich überlasse mich deinem Geist.“
Dann sackte sie in seine Arme und er hielt sie einen kleinen Moment länger als Chasin an sich gedrückt. Er lächelte und sah..... GLÜCKLICH?... aus? Verano hatte die Augen den kleinen Moment lang geschlossen und als er sie wieder öffnete, sah er Leon direkt in die Augen. Leon drehte sich fast sofort wieder zu Darna um:
„... sag es zu mir.“
... und küsste sie leidenschaftlich! So richtig leidenschaftlich! Etwas tief in ihr fing Feuer und heiße Flammen leckten über ihre kalte Angst. Nein, sie sollte in diesem Moment keine Angst verspüren, sie sollte mutig sein! Sie war eine Ritterin...“fast“...und ein Vorbild an Disziplin. Nur jetzt gerade, hatte sie es wohl einen Moment lang vergessen. Leon setzte alles an inbrünstiger, junger, leidenschaftlicher Liebe die ein Mann nur geben konnte in diesen Kuss. Seine Arme umschlangen sie, als wolle er sie ihn sich hinein ziehen. Seine Finger hielten ihren Nacken gefangen, sein Körper drängte sich an ihren. Seine Lippen plünderten ihren Mund und ihr Atem vermischte sich. Ihre Knie gaben unwillkürlich nach und sie fühlte sich schwebend an ihn gepresst. Ihre Umwelt versank im Rauschen ihres Blutes, im Schlagen ihres Herzens. Dann löste er sich kaum einen Finger breit von ihr und flüsterte:
„Es ist...“
Kühler Wind streifte ihre Wange. Leons Gesicht war so nah vor ihrem, dass sie nichts anders sehen konnte, außer seiner silbern funkelnden Augen. Sie sah nicht, dass Verano direkt in seinem Rücken stand, dass sie sich hinaus auf den Balkon bewegt hatten. Sie sah auch nicht, dass der Graf seine Hand an den Kopf seines Sohns gelegt hatte und die Augen geschlossen hielt. Vielleicht war es besser so. Sie fühlte keine fremde Macht nach sich greifen, sie fühlte keinen nahenden Tod oder andere furchtbare Dinge.
„...Es ist nur ein Satz, kein Schwur, kein Fluch, ...nur ein kleiner Wegbereitender Zauber... “
Leon war Herr seiner Sinne, ganz er ...wenn gleich mit drakonischer Unterstützung aus dem Hintergrund. Sein winziges Lächeln war charmant wie immer, auch wenn auch Sorge um Darna sich in seinen Augen wieder spiegelte. Es war aber nur Sorge um sie und ihren Gemütszustand, nicht um den Vorgang an sich.
„... Bitte.“

Delilah schwebte derweil den Schlund des Drachen hinab. Ihr Leib gesellte sich zu dem Chasins und vielleicht würden bald weitere folgen. Das Gefühl, hier weg an einen anderen unbekannten Ort zu reisen, hatte sie in Hochstimmung versetzt. Es hatte ihre Angst vor dem Nebel, vor ihren Erinnerungen genommen und plötzlich wurde ihr auch bewusst, dass nicht nur schreckliches im Nebel lag. Die Nebellande hatten viele Geheimnisse! Einige waren wunderschön und manche sogar lustig und schrullig, wie die alte Rukulla. Ihr Geist drifte ein bisschen ab. Es war wie ein leichter Schlummer, nicht ganz da, aber auch nicht ganz weg. Wie in einem Tagtraum verfolgte sie die langsamen Bewegungen ihrer Umwelt, die nur noch aus Schleiern zu bestehen schien. Da waren hellblaue Schleier, eher dunklere und auch fast graublaue, wie von Chasin... aber auch Gold war da zu sehen. Viel Gold auf dem sie schwebte, in dem sie langsam umher flog. Die Konturen der Welt verblassten und die Schleier hüllten sie ein. Sie hatte unbewusst und aus lauter Neugierde ihre „Kinderaugen“ benutzt und so etwas mitbekommen, das sonst niemand gesehen hatte. Der Drachengeist war ...wunderschön!... aber wie jede Magie forderte auch seine einen Preis. Er gab viel von sich, von seiner Essenz um sie alle zu tragen, aber... ein jeder von ihnen gab auch einen kleinen Teil dazu, einen viel viel kleineren. Sie selbst ...nun, sie hatte etwas mehr als die anderen gegeben und fühlte sich auf ungewohnte Weise … „ausgeglichen“. Als hätte sie die ganze Zeit an Überschuss gelitten, was eigentlich nicht möglich war, oder? Auf jeden Fall flossen ihre eigenen Energien in einem angenehmen Gleichklang durch ihren Körper. Hatte sie vielleicht die ganze Zeit „einseitig“ ihre Magie belastet? Gab es mehrere „Reservoire“ in ihr? Laugte sie seine Seite in sich aus, während eine andere über quoll? Vielleicht war diese Erfahrung mit dem Geisterdrachen zu fliegen noch für etwas anders gut, als nur von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Vielleicht konnte sie noch so einiges von seiner Art lernen. So mit ihm verbunden, selbst wenn es nur durch einen Zauber war, das fühlte sich irgendwie gut an.
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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Darna von Eibenau » Donnerstag 27. September 2018, 22:30

Leon schob sich in ihr Blickfeld und versperrte somit die Sicht auf Fiddatan. Das war auch gut so, denn so vorbildlich Delilah ihm auch vertraute: hätte die Knappin gerade gesehen, wie Verano sich die Lippen leckte, wäre sie wohl übergeschnappt!
„Vertraust du mir?“
So eine wichtige Frage. Eine, die sie nie mehr unter Vorbehalt beantwortet hatte, seit... Ja, seit wann eigentlich? Sie hätte sich selber nicht erklären können, warum das für sie nun so schwierig war, aber Leons Stimme und Präsenz brachte etwas in diesem kalten See aus Angst, der sich über ihrem Kopf geschlossen hatte, etwas zum Vibrieren und brachte Wärme hinein. „Vertraue mir, wenn du ihm nicht trauen kannst. Ich lasse dich das nicht allein tun!“ Sie schmiegte sich dankbar an ihn. Sah an seiner linken Schulter vorbei, wie Deli frei von Angst auf den Drachen zutrat und sich fallen ließ. Ihre Ratio schüttelte tadelnd über sich selbst den Kopf. So einfach. Siehst du?
Es tat ihr leid! Sie war von sich selber enttäuscht! Sie spürte den einsetzenden 'Gruppenzwang', dass der Aufbruch wartete, dass es Zeit wurde, und wusste trotzdem, dass sie das Gewünschte so nicht liefern konnte.

Aber Leon öffnete ihr eine geheime Seitentür: „... sag es zu mir.“
„Vertraust du mir?“
Ihr Inneres kam etwas zur Ruhe und horchte in sich hinein. Ja...?, dachte sie, vorsichtig, testend. Ihm wollte sie zumindest vertrauen...
... und dann küsste er sie! So richtig leidenschaftlich! Ein paar Sekunden verharrte sie reglos und merkwürdig steif, musste aus der Angst erst auftauchen, aber dann gab sie ihm an Reaktion, was sie sich zuvor bei ihrem Kuss auch von ihm gewünscht hatte: sie vergaß alles andere um sich herum und schob alles Schlechte beiseite.
Götter, konnte dieser Mann küssen!
Seine Arme umschlangen sie, als wolle er sie ihn sich hinein ziehen. Seine Finger hielten ihren Nacken gefangen, sein Körper drängte sich an ihren. Seine Lippen plünderten ihren Mund und ihr Atem vermischte sich. Ein unwillkürliches wohliges Brummen entfuhr ihr und über ihre Wangen schienen winzige Flammenzungen zu wandern, die alle feinen Härchen in ihrem Gesicht elektrisiert aufrichteten. Und es waberte ihren ganzen Körper hinunter. Sie schmolz. Ihre Knie gaben unwillkürlich nach und sie fühlte sich schwebend an ihn gepresst. Ihre Umwelt versank im Rauschen ihres Blutes, im Schlagen ihres Herzens. Dann löste er sich kaum einen Finger breit von ihr und flüsterte: „Es ist...“
Wunderschön, dachte sie trunken und sah ihn glasig an. Sie sah nichts als Leons Gesicht und diese silbern funkelnden Augen. Und er konnte einen wundervollen Schlafzimmerblick von ihr bewundern. Ein schleierverhangener Blick aus grauen Augen mit weiten Pupillen. Und so weich. Wie es wohl war, wenn...?
Schade, sie hatten gerade anderes zu tun.

„...Es ist nur ein Satz, kein Schwur, kein Fluch, ...nur ein kleiner Wegbereitender Zauber... “ Sie bewegte in schwammiger Geste angedeutet den Kopf wie zu einem Kopfschütteln, aber es lag kein Widerstand mehr darin. Selbst wenn es für ihn nur solch ein Satz war (zum Glück schöpfte sie keinen Argwohn, woher er dieses tiefere Verständnis des Vorgangs hatte...) - für sie war es mehr, das spürte sie. Es griff einfach tiefer in ihre persönlichen Strukturen, und sie konnte es nicht als 'Floskel' aussprechen. Sie tat es, oder sie tat es nicht.
„... Bitte.“
Es brauchte schon kaum mehr ein Bitte. Sie öffnete sich. Schloss den Panzer auf und ließ Leon eintreten.
"Ich überlasse mich deinem Geist", sagte sie mit einer liebevollen Bedeutungsschwere, die tief aus ihr selbst kam.
Dir vertrau ich. Angst verkrümelte sich in eine Ecke und guckte vorsichtig über den Heckenrand, um sie verhöhnen zu können, falls doch etwas passierte... aber schwieg.

Etwas in ihr wartete mit kindlicher Vorfreude darauf, ob sie jetzt wieder diese schönen, warmen, goldenen Fluten in Leon sehen würde? Wie bei seiner Heilung?

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Re: Die Gemächer der roten Dame

Beitrag von Erzähler » Freitag 28. September 2018, 17:35

(Deli hat mich informiert, dass sie aussetzt ;-) )

Es brauchte schon kaum mehr ein Bitte. Sie öffnete sich. Schloss den Panzer auf und ließ Leon eintreten.
"Ich überlasse mich deinem Geist"
, sagte sie mit einer liebevollen Bedeutungsschwere, die tief aus ihr selbst kam.
Dir vertrau ich.
Angst verkrümelte sich in eine Ecke und guckte vorsichtig über den Heckenrand, um sie verhöhnen zu können, falls doch etwas passierte... aber schwieg. Etwas in ihr wartete mit kindlicher Vorfreude darauf, ob sie jetzt wieder diese schönen, warmen, goldenen Fluten in Leon sehen würde? Würde es wie bei seiner Heilung sein, als sie mit Hilfe der Seelenrose in sein Innerstes geblickt hatte? Vorfreude erfüllte ihr Herz und sie ließ sich fallen.
Leon hielt sie in seinen Armen, küsste sie noch einmal und band dann ein paar starke Bänder von ihr an sich, damit selbst ihre Körper zusammen blieben. Vorsichtig drehte er sich um, schritt mit Darna im Arm an die Brüstung und sah seinem Vater in die senkrecht geschlitzten Augen.
„Ich überlasse mich deinem Geist.“
Dann schlossen sich auch seine Augen und sein Körper kippte nach hinten über den Balkon.

PLATSCH!

ENDE.







((ooc: Die Gemächer der roten Dame sind ab sofort verwaist. Wenn Zanfar zurück kehrt, findet er noch viele von Chasins Habseligkeiten und ihren kleinen Schatz, den sie für ihn zurück gelassen hat.))

(weiter bei: Kata Mayan – die Toteninsel )
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