Auf dem Marktplatz

Nur wenige Stände sind hier zu entdecken, die meisten Händler bauen ihre Waren direkt auf ausgebreiteten Tüchern auf dem Boden auf. Überall riecht es nach Vieh und gammligem Stroh. Aber hier macht auch kaum einer sauber.
Antworten
Benutzeravatar
Janay
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 1070
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Morgeria
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib
Tierische Begleiter: keine

Auf dem Marktplatz

Beitrag von Janay » Montag 29. Juli 2024, 20:21

Janay kommt von Das Heim Maclyn


Inzwischen kannte sie den Weg ganz gut und fand ohne Probleme die Abzweigungen, die sie brauchte. Dabei machte es ihr nichts aus, dass es außerhalb des Innenrings voller und beengter wurde. Auch an den strengen Geruch gewöhnte ihre Nase sich rasch und ihre Hand lag so unauffällig an ihrer Hüfte, über ihrer Geldbörse, dass es einen Dieb schwer gemacht wurde, sie zu bestehlen. Janay wusste eben, sich in der unteren Hälfte der Gesellschaft zu bewegen, und sie fühlte sich auch wohl, solange sie nicht in die allerschmutzigsten, aller gefährlichsten Winkel gehen musste. Das hatte sie schließlich auch nicht vor, sie wollte lediglich zum Markt.
Dieser war weitaus ärmlicher als derjenige im Innenring und manch andere, die sie kannte. Verkaufstische waren hier die Ausnahme und deuteten entweder auf Wucherpreise oder wahrlich besondere Ware hin. Doch sie würde solch einen nicht ansteuern, sondern suchte nach einem speziellen Teppich. Einen staubigen, ehemals blauen, auf dem für gewöhnlich kunstvoll geschnitzte Holzfigürchen standen und lagen.
Leider hatte ihr junger Verkäufer keinen Stammplatz, deswegen musste sie immer ein wenig suchen, um ihn zu finden. Wie schnell sie wohl heute an ihr Ziel kommen würde? Das Treiben um sie herum war nicht ganz so dicht wie morgens oder abends, kurz vor Schluss. Das hieß jedoch nicht, dass es viel ruhiger hier zuging, denn wer konnte, erledigte seine täglichen Einkäufe so bald als möglich, um die Chance zu haben, wenigstens noch halbwegs zu bekommen, was man brauchte.
Und neben all den Zweibeinern gab es natürlich auch noch diejenigen mit Federn oder vier Beinen, die immer wieder herum streunten und sich in das Gewühl mischten. So auch jetzt, als Janay stehen blieb und sich reckte, um einen besseren Überblick zu gewinnen, da streifte etwas Warmes, Pelziges um ihre Beine und maunzte zum Herzerweichen. Die junge Frau beugte sich hinunter und strich flüchtig über den Kopf, mehr aber hatte sie dem Tier nicht zu bieten.
Dafür hatte sie nichts bei sich und wollte sich obendrein sowieso nicht länger als nötig hier aufhalten. Endlich glaubte sie, ihren Holzschnitzer gefunden zu haben und schob sich geschickt durch das Gedränge in dessen Richtung. Schließlich hatten sie vereinbart, dass sie kommen würde, und bislang war er recht verlässlich gewesen. Somit gab es für sie keinen Grund anzunehmen, dass es sie dieses Mal im Stich lassen würde. Vor allem, weil er wusste, dass sie genauso zuverlässig zahlen würde.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 7546
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: [br][/br]
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Erzähler » Dienstag 30. Juli 2024, 14:53

Das Geplänkel mit Arina war schon beinahe ein Ritual geworden. Janay genoss es eventuell auch ein wenig, hatte sie es doch lange Zeit missen müssen. Es tat gut sich mit jemandem zu kappeln, von dem man genau wusste, dass er einem nie ernsthaft würde, böse sein können. Das, was einst zwischen den Schwestern gestanden hatte, war nun nicht länger vorhanden. Arina und Janay hatten in ihrer Verbundenheit als Schwestern zu alter Stärke gefunden und niemand würde sich jemals wieder dazwischen drängen. Arina hatte in den letzten Jahren gelernt, wieder mehr zu leben. Die Schrecken ihrer Vergangenheit waren mit den Monaten und Jahren verblasst und auch für die Ältere war es ein Segen gewesen, sich mit wahrlichen Freunden in Grandea etwas Neues aufzubauen. So kümmerte sich Arina sich um den Haushalt, versorgte alle mit ihren Koch- und Backkünsten und kümmerte sich zeitweise um die Zwillinge, wenn sie aus dem Unterricht kamen. Janay hatte ihre Kinder in einer Gemeinschaftsschule angemeldet. Hier lernten die Dunkelelfen gemeinsam mit Menschen und soweit Janay wusste, war auch eine Zwergin dabei.

Grandea war zwar nicht die Stadt, die für Gleichberechtigung zwischen den Schichten stand, aber sie bot eben den etwas besseren Häusern durchaus Möglichkeiten. Janay gehörte mit ihrer Familie allein schon zum Innenring, weil sie Dunkelelfen waren. Zissus, so sanft und zart sein Herz sein mochte, war dennoch ein imposanter Vertreter der Dunklen und auch Arina und Janay wiesen eben jene Merkmale auf. Sie partizipierten an der Gunst, die vom grandessanischen Herrscher ausgingen und nutzten sie, um sich nun etwas echtes aufzubauen. Das bedeutete aber nicht, dass Janay vergaß, dass auch sie aus ganz anderen Zeiten kam. Und sie gab nichts auf das Gehabe von vermeintlich Bessergestellten. Sie suchte lediglich das Beste für ihre Familie und nutzte trotzdem niemanden aus. Jedes Jahr erhielt sie von dem Jungen auf dem Markt im Außenring eine schöne handgefertigte Figur aus Holz, die sie den Kindern zum Spielen kaufte. Über die Jahre waren sie sogar recht vertraut miteinander und Janay hatte den Schnitzer inzwischen ziemlich gut kennengelernt. Sie wusste, dass er Killin hieß und sich mit dem Schnitzen das nötige Geld verdiente, damit er sich und seine Schwester Filli versorgen konnte. Seine Eltern waren Gerber und verbrachten die meiste Zeit des Tages in der Fabrik, ein wenig außerhalb von Grandea selbst. Während Qilli also den Haushalt schmiss, versuchte Killin seinen Teil beizutragen. Schulbildung genossen sie beide nicht. Bereits ihre Eltern hatten früh arbeiten müssen. Seine Kleidung war stets gerade so akzeptabel oder aber vollkommen verfärbt. Er hatte Janay mal erzählt, dass er ab und an die ‚verunfallten‘ Stücke aus der Fabrik haben durfte. Nun waren sie zwar reichlich bunt aber immerhin flickenlos. Ihn störte es nicht. Er war ein recht abgeklärter Junge von vielleicht 12 oder 13 Jahren und besaß rote Haare, die im Sonnenlicht kupfern schimmerten.
Janay suchte sich ihren bekannten Weg durch den Innenring. Als sie das Tor zum Außenring erreichte, wurde nur ein kurzer Blick auf sie geworfen, seitens der Wachposten. Früher war es wesentlich strenger gewesen, doch letztendlich schlug man etwaigen Aufstand von den Straßen in die Schatten zurück und kaum einer der unterdrückten Menschen begehrte mehr auf. Der Tumult auf der Ernennungsfeier von Vashnar und seiner Tochter hätte ein Startschuss sein können, für eine Revolte, doch die Verursacher flohen aus Grandea und mit ihnen der Widerstand. Vielleicht kehrten sie irgendwann zurück, vielleicht würden sich die Menschen Grandea’s irgendwann doch noch mal erheben. Letztendlich war es immer noch riskant als Dunkle in den Außenring zu gehen, denn der Hass war spürbar, doch Janay fühlte sich mit ihrer kleinen Tarnung sicher genug. Zudem bot ihr helleres Hautbild durchaus ebenfalls ein wenig Schutz. Bei ihr konnte man sich nicht sofort sicher sein, ob sie tatsächlich Dunkle war oder nicht. Aber nicht nur die Optik entschied, wie man ihr begegnete: Janay wusste sich zu verhalten. So blieb sich immer höflich, zuvorkommend und achtete die Gesetze, die es im Außenbereich von Grandea eben gab. Dazu gehörte auch, sich nicht prunkvoll und überheblich zu zeigen. Es gehörte dazu, dass man seinen Reichtum nicht offen zur Schau trug und die Ärmlichen damit verspottete. Janay wusste das und so gelangte sie ohne weitere Zwischenfälle zum Marktplatz. Hier hielt sie Ausschau nach Killin, den sie nicht sofort ausmachen konnte. Inzwischen war der Markt etwas geleert, denn Janay hatte einen späteren Zeitpunkt als sonst gewählt. Der Markt im Innenring bot stets tolle Auslagen, hübsche Markisen und Dekorationen. Es gab dort Blumenarrangements, saubere Wege und eine geordnete Standplatzierung. Hier im Außenring war das deutlich anders. Der Weg war matschig vom letzten Regen, oder ausgegossenen Eimern von etwaigen Ausscheidungen. Die Stände waren, wenn überhaupt Klappergestelle, notdürftig zusammengezimmert. Oder einfache Decken, wie es bei Killin der Fall war. Manche trugen einfach nur einen schweren Korb im Arm und waren davon schon ganz schief geworden. Der Geruch und der Ton hier waren deutlich unangenehmer aber auch keine falsche Höflichkeit. Hier überlebte derjenige, der ehrlich war. Auch wenn Hunger und Armut durchaus dazu verleiteten, sich den einen oder anderen Vorteil zu ergaunern. Janay ließ sich davon nicht abhalten, sondern suchte weiter nach dem Jungen und seinen Figuren. Schließlich fand sie endlich den blauen Zipfel seiner Decke und steuerte auf ihn zu. Sie musste einer dicken Alten ausweichen, die sie anbrummte und ihr vor die Füße Kautabak spuckte. Doch dann erblickte sie den roten Schopf und schon hatten die grauen Augen Janay erfasst. „Noble!“, rief Killin. Er sprach sie stets so an, auch wenn sie auf anderes bestand. Bei ihrer ersten Begegnung hatte sich Killin noch geweigert überhaupt mit ihr zu reden, doch das änderte sich bereits bei ihrer zweiten. Für Killin war Janay eine echte Noble, denn sie stand zu ihrem Wort und bezahlte vernünftig. Er lächelte Janay an und war schon ganz aufgeregt. Zuvor aber rollte er mit den großen Augen und deutete unbestimmt auf seinen eigentlichen Platz. „Erama wollte mich heute nicht auf meinen Platz lassen. Irgendwie ist sie seltsam heute!“, weihte Killin Janay ein und deutete auf die brummige Alte, die Janay eben schon fast umgerannt hätte. „Wie geht es dir, Noble?“, wollte er wissen und stemmte die Hände in die Hüften. Auf seiner Decke lagen fünf neue Figuren. Er hatte sie nach seiner Vorstellung geschaffen und teilweise waren Fantasiegebilde herausgekommen, weil er nicht alles gesehen hatte, was er schnitzen konnte. Aber etwas abseits lag dann ein Tuch, in das offenbar etwas eingewickelt war. War das die Figur, die Janay bestellt hatte?
Bild

Benutzeravatar
Janay
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 1070
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Morgeria
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib
Tierische Begleiter: keine

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Janay » Dienstag 30. Juli 2024, 20:23

Es hatte sich wieder eingespielt zwischen den Schwestern und natürlich machte es auch Spaß, die Ältere zu necken, denn Janay wusste genau, was die andere ärgerte. Umgekehrt konnte diese es jedoch ebenso. Aber am Lustigsten wurde es, wenn die beiden Frauen sich gegen Zissus verschworen, das konnten sie nämlich mindestens so gut wie die Zwillinge gegen den Rest der Welt. Trotzdem fiel es der jungen Mutter immer schwerer, ihren Platz in dieser Familie zu fühlen, der sie daheim zu halten vermochte.
Umso wohler taten ihr ihre kleinen, harmlosen Ausflüge in den Außenring. Hier war das Leben erfüllt vom täglichen Kampf um die nächste Mahlzeit für sich, den Partner, den Nachwuchs, die restliche Verwandtschaft. Es war nichts, was sich Janay ernsthaft zurück wünschte, denn diese Art von Unsicherheit hatte sie mit einem Aufseufzen bereitwillig abgelegt.
Was sie hingegen anzog, war die Ehrlichkeit, der notwendige Zusammenhalt... und auch die Tatsache, dass ein Neuanfang mit viel weniger Verlust verbunden war und dennoch alles zum Besseren wenden könnte. So, wie es ihr gelungen war, unter großen Opfern, aber mit einem Gewinn, der mit nichts aufzuwiegen wäre. Warum also konnte sie damit nicht zufrieden sein?
Mit einem kaum hörbaren Seufzen deutete sie ein Kopfschütteln an und ging ihren Weg unbeirrt weiter. Jetzt war nicht der richtige Moment für derartige Grübeleien. Auch wenn sie sich nicht bedroht oder sonstwie unsicher fühlte, aufmerksam musste sie trotz allem sein, um kein Opfer zu werden. Außerdem merkte sie anhand des Sonnenstands und auch des Besucherstroms, dass sie später dran war als geplant. Sie musste sich beeilen, sonst würde sie ihren kleinen Holzschnitzer verpassen und somit auch das Geschenk!
Somit steuerte sie den Markt an und erreichte ihn schlussendlich auch ohne Probleme, so wie immer. Dort allerdings musste sie in dem Gewusel erst einmal nach der Decke suchen, die für gewöhnlich Killins Markenzeichen war, gemeinsam mit seinem kupferroten Haar. Schon stieg die Befürchtung in ihr auf, zu spät dran zu sein, als sie ihn endlich ausmachte und aufatmen konnte. Zielstrebig schlängelte sie sich zwischen den übrigen Marktbesuchern durch.
Erst bei einem dicken Koloss von Weib war ihr Weg einen Moment lang zu Ende. Schon wollte sie sich vorbei schummeln, als die Alte brummte und ihr allen Ernstes vor die Füße spuckte. Janay hielt inne und einen gedehnten Atemzug lag verdüsterte sich ihre Miene erheblich. Sie war einiges gewohnt aus ihrer Zeit als Käufliche und als solche nur selten nett behandelt worden, doch sah man ihr dieses Gewerbe längst nicht mehr an. Im Gegenteil, sie hatte etwas aus sich gemacht und auch wenn sie nicht auf ihre bessere Position in der Stadt pochte, erwartete sie zumindest etwas mehr... Respekt, so, wie sie diesen den anderen entgegen brachte.
Ehe ihr allerdings eine spitze Bemerkung über die Lippen kommen konnte und ihr vermutlich Ärger eingehandelt hätte, wurde sie anderweitig entdeckt und gerufen. Trotzdem bedachte sie die Dicke noch mit einem letzten, finsteren Blick, dann wandte sie sich ab und konnte wieder lächeln, als sie sich zu Killin gesellte.
"Was habe ich dir Lausebengel gesagt, dass du mich nicht so nennen sollst!", schalt sie ihn mit warmer, mütterlicher Strenge und holte ihre Börse aus ihrem Versteck an der Taille. Ohne hin sehen zu müssen, griff sie hinein und fischte etwas Weiches, in Tuch Eingeschlagenes heraus, das sie dem Jungen formlos hinstreckte. "Sonst kann es passieren, dass ich dir solche Dinge nicht mehr bringen kann, weil alle etwas davon haben wollen.", fuhr sie in verschwörerischem Flüstern hinzu und zwinkerte ihm zu. "Aber denk dran, deiner Schwester was davon aufzuheben!", raunte sie ihm noch mahnend hinzu, solange er ihr noch zuhörte und nicht hinein spähte, um die Apfeltasche darin zu entdecken.
Arina hatte sie am Vortag gebacken und Janay hatte sich eines stibitzt, um es heute mitnehmen zu können. Schließlich wusste sie um die Verhältnisse seiner Familie und auch darum, wie selten Kinder wie Killin und seine Schwester eine Süßigkeit genießen durfte. Dadurch versuchte sie jedes Mal bei ihrem Besuch zusätzlich zu dem vereinbarten Preis, etwas Essbares mitzunehmen, das bei ihnen nur übrig geblieben wäre. Mal war es eine Mehlspeise wie heute, dann wiederum eine Pastete oder ein Rest Brot. Nichts allzu Teures, immerhin bemühten auch sie sich darum, sparsam zu leben, denn allein die Schule verschlang bereits Unsummen. Vom Appetit ihrer Zwillinge ganz zu schweigen! Doch es war auch nie etwas Verdorbenes, das sie mitnahm, darauf achtete sie. Es war an sich als kleine Belohnung für einen harten Tag für die Geschwister gedacht, auch wenn es manchmal ausreichte, um den Eltern ebenfalls einen kurzen Genuss zu bereiten.
Nachdem der Junge sich wieder auf seine Umgebung konzentrieren konnte, deutete er verstohlen auf seinen gewohnten Flecken und erklärte sich ihr. Ihre Augenbraue hob sich leicht an und sie spähte zu der Alten. "Nicht? Woran könnte das liegen?", fragte sie mit teilweise ehrlichem Interesse. Zwar kam ihr auf dem Markt so ziemlich jeder Platz gleichwertig vor, denn ihr fehlte die Erfahrung darin, wie man am Besten seine Ware verkaufen konnte. Aber es war wichtig, Stimmungen und Gerüchte zu erfahren, um sein eigenes Handeln entsprechend anpassen zu können. "Meinst du, sie wollte mir absichtlich den Weg verstellen?", schob die junge Frau einen weiteren Gedanken nach, der ihr dadurch kam.
Dann allerdings wollte er scheinbar das Thema wechseln und sie stieg darauf ein. Lächelnd nickte sie ihm zu. "Danke, gut. Außer, dass ich mich alt fühle. Wie jedes Jahr an diesem Tag!", scherzte sie und zwinkerte ihm zu. "Was ist mit dir? Hat deine Mutter ihren Husten überwunden?", erwiderte sie und beugte sich etwas vor, um sich die neuen Figuren anzusehen. Es waren zum Teil seltsame Wesen, aber allesamt von gutem Handwerk, wie sie fand.
Und schließlich entdeckte sie ein Tuch, in dem eindeutig etwas verborgen lag. Mit leichtem Spott im Blick deutete sie mit dem Kinn hinüber. "Ist das für mich? Ist die Eule fertig geworden?", fragte sie ehrlich neugierig und wollte nach dem Päckchen greifen, denn natürlich wollte auch sie endlich sehen, wie das neue Stück für die Tiersammlung ihrer Kinder gelungen war.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 7546
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: [br][/br]
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Erzähler » Montag 5. August 2024, 13:46

"Was habe ich dir Lausebengel gesagt, dass du mich nicht so nennen sollst!" Killin grinste unter ihrer Strenge und beobachtete dann, was sie aus ihrer Börse fischen würde. "Sonst kann es passieren, dass ich dir solche Dinge nicht mehr bringen kann, weil alle etwas davon haben wollen. Aber denk dran, deiner Schwester was davon aufzuheben!" Killin bekam große Augen und griff nach der in ein Tuch eingeschlagenen Leckerei. Der Duft stieg ihm bereits in die Nase und er schloss die Augen genüsslich. Er lächelte selig, denn solche Sachen bekam er wahrlich nicht zu fassen in dieser Stadt. Killin schlug die Apfeltasche behutsam ein, als wäre es das Kostbarste auf der ganzen Welt, ehe er es sorgsam verstaute. Er nickte eifrig und dankbar. „Ich werde Filli den ersten Bissen lassen!“, versprach er und schaute Janay dann wieder an. Er erklärte, wieso er heute woanders seine Decke ausbreitete, und Janay interessierte sich für den Grund. "Nicht? Woran könnte das liegen?" Killin zuckte die schmalen Schultern. Er war deutlich zierlicher als die jüngeren Zwillinge von Janay, was an der schlechten Ernährung liegen musste. „Sie ist irgendwie unruhiger als sonst.“, meinte der Junge. "Meinst du, sie wollte mir absichtlich den Weg verstellen?" „Sie brabbelt die ganze Zeit, sie hätte einen Geist gesehen. Redet, der Geist hätte sie aufgesucht und sie ausgefragt, als sie ihren Mann besuchte“, sprach Killin weiter und musterte über Janay’s Schulter hinweg die alte Erama, die Janay zuvor schon angerempelt hatte. „Dabei ist ihr Mann doch tot und auf dem Friedhof begraben. Vermutlich hat sie wieder irgendwo alkoholische Spuckreste leergetrunken und dann wundert sie sich…“, zuckte er abermals die Schultern und wollte es gut sein lassen. Der Junge musste doch ein gutes Geschäft abwickeln, weshalb er sich lieber darauf konzentrierte. Auch wenn die Geschichte mehr als … seltsam erschien. "Danke, gut. Außer, dass ich mich alt fühle. Wie jedes Jahr an diesem Tag!“
Killin feixte und vergaß Erama und ihre Verrücktheit schnell. „Gehst du nachher wieder zum Friedhof?“, fragte er und falls Janay sich ertappt fühlte, hob Killin schnell die Schultern an. „Entschuldige… ich war mal neugierig wo du so wohnst und… da hab ich dich mal beobachtet“, räumte er verlegen ein und zog die laufende Nase hoch. „Hab gesehen, dass du zum Friedhof bist…“, Janay hatte Killin vermutlich nie erzählt, was sie so noch trieb am Geburtstag ihrer Kinder, aber letztendlich war er nur ein neugieriger Junge, der auch mal was anderes im Fokus haben wollte als nur Arbeit, Geldsorgen und Hunger. Er meinte es gewiss weder aufdringlich noch böse. Killin hatte früh aufhören müssen ein Kind zu sein. "Was ist mit dir? Hat deine Mutter ihren Husten überwunden?" Er schüttelte den Kopf. „Nein, es ist sehr hartnäckig. Sie muss immer einen Sud zu sich nehmen, aber… der hilft nicht. Geld für einen neuen Termin beim Quacksalber haben wir aber nicht.“, zuckte er die Schultern und winkte ab. „Aber mit deiner Münze kann ich ihr vielleicht ein paar Kräuter kaufen!“, nickte er stolz, dass er etwas beitragen konnte. "Ist das für mich? Ist die Eule fertig geworden?" Killin nickte und überreichte Janay das Päckchen. Sie durfte es aufschlagen und fand darin die bestellte Eule, die er nach ihrer Beschreibung angefertigt hatte. Sie besaß tatsächlich hübsche und filigrane Details und man sah ihr an, dass er sehr viel Zeit darauf verwendet hatte, sie herzustellen. Killin war stolz, das konnte man dem leuchtenden Blick entnehmen, den er auf die Schnitzerei legte. „Ich glaube, das ist meine Beste!“, feixte er und klatschte in die Hände. „Gefällt sie dir?“, fragte er hoffnungsvoll und war mehr das Kind als der hartgesottene Verkäufer. Janay musste jetzt überlegen, ob sie die Eule kaufte und ob es noch weitere Besorgungen gab, die sie womöglich tätigen musste oder wollte. Ansonsten wäre es alsbald auch Zeit, denn ihre Kinder würden womöglich den ganzen Weg von der Schule nach Hause rennen in der freudigen Erwartung, endlich ihre Geburtstage feiern zu dürfen! Oder wagte sie noch das Gespräch mit der alten Frau? Allerdings… wozu? Ging es sie denn etwas an? Im Moment stand Erama nur in einer Seitengasse und schubberte sich die Kopfhaut, die vermutlich regelrecht ausgedörrt war. Die Alte war nicht sehr gepflegt aber bisher auch nicht unfreundlich gewesen. Es oblag Janay zu entscheiden, wohin sie sich wandte oder, ob sie sich noch etwas mit Killin beschäftigte.
Bild

Benutzeravatar
Janay
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 1070
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Morgeria
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib
Tierische Begleiter: keine

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Janay » Dienstag 6. August 2024, 16:32

Natürlich meinte sie es nicht böse mit ihrem Tadel. Es war mehr ein mütterlicher Impuls, der sie oft in Killins Anwesenheit befiel. Außerdem hatte sie sich nach all den Jahren teilweise noch immer nicht daran gewöhnt, von den unteren Schichten als etwas Besseres gesehen zu werden, nachdem sie selbst vier Jahre lang zu ersteren gehört hatte. Und ein wenig Unbehagen beschlicht sie auch mitunter dabei, weil sie trotz aller Vorsicht nie sagen konnte, welches falsche Ohr diese Ansprache mitbekommen könnte. Doch bislang fühlte sie sich noch immer sicher, ganz gleich, wie besorgt Arina sein mochte.
Somit war für sie dieses Thema erledigt und sie fischte heraus, was sie für den Händlerjungen und seine Schwester aus der heimischen Küche hatte mitgehen lassen. Seine Mimik und die Seligkeit in seinem Blick waren für sie wahre Belohnung, denn sie wusste, wie selten solche Momente und Köstlichkeiten für seinesgleichen waren. Umso wichtiger war es ihr, dass er mit seiner Schwester teilen würde! Zwar konnte und würde sie es nicht überprüfen, aber sein Wort wollte sie haben und sich darauf verlassen, so wie bei ihm als Händler seiner hölzernen Kunstwerke. Bei seinem Versprechen nickte sie und hatte auch diesen Punkt gedanklich abgehakt.
Daraufhin erfuhr sie von den ungewöhnlichen Umständen seines neuen Platzes. "Hm...", machte sie nachdenklich und beobachtete verstohlen die Alte, während sie weiter zuhörte. Dabei wurde sie allerdings auch hellhörig und ihre Augenbraue hob sich an, als sie wieder zu Killin schaute. "Ausgefragt? Worüber sollte man sie ausfragen?", kam es ihr mit gesenkter Stimme über die Lippen.
Hatte ihre Schwester doch Recht mit ihrer neuen Sorge? Braute sich im Außenring etwas zusammen, vor dem sie sich allesamt hüten sollten? Waren die Aufrüherischen zurück? Noch einmal lugte sie zu der Erama und seufzte schließlich unterdrückt.
Sie setzte ein Lächeln auf und nickte. "Ja, solche Reste können oft die erstaunlichsten Ergebnisse bringen.", stimmte sie ihm zu. Schon zerfaserte das Lächeln auf ihren Lippen wieder und machte einem ebenfalls leicht beunruhigten Ausdruck Platz. "Und trotzdem..."
Es wollte sie nicht ganz loslassen und erneut schielte sie hinüber, während die Alte sich allmählich vom Markt selbst fortbewegte, brabbelnd und etwas wirr im Kopf wirkend. "Jemand sollte sie vielleicht im Auge behalten... falls dieser Geist sie noch einmal heimsucht.", murmelte sie mehr zu sich selbst, denn zu ihrem Gegenüber.
Der schon zum nächsten Thema wanderte. Natürlich hatte der Junge anderes im Kopf und auch Janay war im Prinzip aus einem bestimmten, für sie äußerst wichtigen Grund hier. Also versuchte sie, das Thema Erama und ihr Spuk beiseite zu schieben, und ließ sich auf den neuen Gesprächsfaden ein. Bei seinem Feixen zeigte sie ihm frech die Zunge, eine der wenigen Angewohnheiten, die sie nicht so schnell loswurde und die einen Hinweis darauf gaben, dass sie bei weitem noch nicht so erwachsen war, wie sie sich oftmals verhielt. Nach elfischen Maßstäben war sie schließlich wirklich noch mehr oder weniger ein Kind, wenn auch eines mit einem erwachsenen Frauenkörper!
Im nächsten Atemzug verging ihr diese Anwandlung allerdings gehörig und einen Moment lang starrte sie Killin mit ehrlicher Fassungslosigkeit an, als er ihr offenbarte, dass er von ihrer Gewohnheit wusste. Oder von dem Umstand, dass sie einen Grund für einen Friedhofsbesuch hatte! Schon bedauerte er seine Neugier und stimmte sie damit zwar ihm gegenüber etwas versöhnlich, jedoch schärfte sie sich ein, in Zukunft vorsichtiger agieren zu müssen. Anscheinend war sie trotz ihrer Erfahrung nicht gut genug auf der Hut gewesen bisher!
Der jungen Mutter entrang sich ein tiefer Seufzer und winkte ab. "Schon gut, ist ja auch irgendwie verständlich. Weißt du, vieles im Leben läuft nicht nach Plan und manchmal muss man jemanden früher gehen lassen, als man möchte. Aber das Wichtige daran ist, ihn deswegen nicht zu vergessen und auszuschließen, sondern sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.", erklärte sie ihm, ohne genauer ins Detail gehen zu wollen. Um daraufhin zu nicken.
"Also ja, ich gehe heute wieder hin. Aber... erst später.", fügte sie noch hinzu und wechselte danach das Thema, damit es für sie nicht zu unangenehm wurde. Mit ehrlicher Anteilnahme erkundigte sie sich nach seiner Mutter und nickte bei seiner Antwort. Sogar ein Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. "Wenn du möchtest, frage ich meine Schwester, damit du weißt, welches Kraut du am besten kaufst.", bot sie an und zwinkerte ihm zu.
Tatsächlich hatte sich Arina in das Heilkräuterbuch von Orima vertieft, das sie mit nach Grandea genommen hatten, und war inzwischen ziemlich gut in dem Bereich, wie sie fand. Zwar konnte und würde die Ältere kaum einem Heilkundigen oder einer Hebamme Konkurrenz machen wollen, aber für eigene kleine Hausmittelchen war ihr Interesse dafür ziemlich praktisch.
Nun kamen sie endlich zum eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit und ihre eigene Neugier brach sich Bahn. Tatsächlich war das Päckchen für sie und nachdem er es ihr gegeben hatte, schlug sie behutsam die Stoffenden auf. Scharf sog sie die Luft ein und betrachtete bewundernd das Kunstwerk, strich mit ihren Fingerspitzen behutsam darüber und wusste, dass sie heute mehrere Kinderaugen zum Leuchten bringen würde. "Oh, sie ist wundervoll!", hauchte sie ehrlich und war fasziniert von diesem Talent.
Lächelnd sah sie auf und nickte Killin zu. "Du wirst eindeutig immer besser!", lobte sie ihn und musste noch einmal das gute Stück betrachten, ehe sie es ebenso vorsichtig wie vorhin wieder einpackte.
Dann ließ sie die Figur in ihre Börse gleiten, in die sie perfekt passte, und zauberte im Gegenstück die vereinbarte Summe an Füchsen hervor, die sie dem Jungen noch schuldete. Inklusive zwei Füchsen mehr, als Anerkennung für seine Meisterleistung.
Als sie ihm diese in die Hand legte, hielt sie diese kurz fest, damit er sie ansah. "Und du bist dir sicher, dass ich nicht helfen soll, damit du eine Lehre beginnen kannst?", fragte sie, ließ ihn los und winkte sogleich wieder ab. Entschuldigend lächelnd fuhr sie fort:"Ja, ja, ich weiß, es spricht viel dagegen und es wäre sehr schwer für dich und deine Familie, wenn du zu einem Meister gehst. Aber bei deinem Talent und deinem Fleiß könnte es euch so viel helfen!"
Leise seufzte sie und legte ihm noch einmal kurz die Hand auf den Oberarm. "Überleg' es dir und besprecht es noch einmal. Vielleicht wäre es doch nicht so schlimm, wie du befürchtest. Glaub' mir, im Innenring ist es nicht nur furchtbar!" Sie zwinkerte ihm zu, überprüfte den Sitz ihrer Börse und wollte sich verabschieden, da sie nur begrenzt Zeit hatte und sie sich bestimmt bald wiedersehen würden. Zumindest hatte sie das vor!
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 7546
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: [br][/br]
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. August 2024, 20:37

Die Geschichte, die Killin Janay erzählte war mehr als seltsam. Und sie ergab kaum Sinn, jedenfalls nicht solchen, den Janay sich auch wirklich plausibel zusammenreimen konnte. Earma war immer etwas schrullig, das wusste selbst die Dunkelelfe, aber sie hatte sie noch nie derart konfus erlebt, dass sie dem Jungen den Platz streitig oder sie anrempeln würde. Alles in allem sprach man dem Außenring viel Abschaum und desolate Zustände zu, aber sie waren in mancher Hinsicht doch sehr viel echter als so mancher Bewohner des Innenringes. Janay kannte das Leben ‚in der Gosse‘ und wusste, dass hier ein Wort auch noch etwas zählte. Man wusste sich gegenseitig zu helfen, war sich im Elend am nächsten und auch das hatte ihr in grauer Vorzeit einiges geholfen. "Ausgefragt? Worüber sollte man sie ausfragen?" Killin zuckte die Schultern. „Sie hat’s nicht erzählt. Wüsste auch nicht, was man Erama fragen wollte. Aber so sagt sie’s“, beendete er seinen Bericht. Janay’s Gedanken aber schlugen derweil in eine ganz andere Richtung. Arina hatte sie stets gewarnt und die Erinnerungen frisch gehalten, was damals dieses Dilemma mit den Vashnar’s anging. Auch Janay kannte die Geschichte, auch wenn das vor ihrer Ankunft in Grandea geschehen war. Aber der Tumult hatte sich noch lange Zeit danach nicht beruhigt. Es hatte viel gebraucht, um den Außenring von ihrem Tun abzubringen. Damals gab es tatsächlich Spiele, die der König veranstalten ließ. Und dazu hatte man auch die Niedersten der Stadt eingeladen, um sie abzulenken. Sie ruhigzustellen. Es hatte gewirkt, was aber nicht hieß, dass es nicht immer noch Menschen gab, die ihr Leben verteidigt wissen wollten. Janay bekam ein mulmiges Gefühl. Vielleicht bildete sie sich nun auch gewisse Blicke ein oder aber verfolgte den Gedanken nun nicht mehr vehement weiter. Sie wollte zudem nicht gleich etwas Schlechtes annehmen. Die Menschen hier hätten auch nicht unbedingt Unrecht mit einer Revolte… So, wie sie lebten und behandelt wurden. Das war durch Ihresgleichen nicht sonderlich besser geworden, ganz im Gegenteil. Janay bemühte sich um Sorglosigkeit, aber der Gedanke um Erama und diesem ‚Geist‘ ließ sie nicht los. "Jemand sollte sie vielleicht im Auge behalten... falls dieser Geist sie noch einmal heimsucht." Killin zuckte wieder die Schultern, schniefte und zuckte erneut. „Kannste ja machen“, übertrug er ihr die Verantwortung dafür und machte klar, dass er sich dafür nicht interessierte. Hier war man pragmatisch. Er stand den ganzen Tag auf dem Markt, um seine wundervollen Schnitzereien an den Mann oder die Frau zu bringen und hatte anschließend nur den Heimweg als Freizeit. Danach musste er das Abendessen machen, den Hausputz erledigen, seine kleine Schwester versorgen, um schließlich selbst völlig fertig ins Bett zu fallen. Killin hatte keine Zeit dafür. Einzig Janay hatte ihn so weit interessiert, weil sie sich zu einer Konstanten entwickelt hatte und stets gut zu ihm war. Daher weckte sie seine Neugierde und er überraschte die Elfe mit seinem Eingeständnis. "Schon gut, ist ja auch irgendwie verständlich. Weißt du, vieles im Leben läuft nicht nach Plan und manchmal muss man jemanden früher gehen lassen, als man möchte. Aber das Wichtige daran ist, ihn deswegen nicht zu vergessen und auszuschließen, sondern sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.", zeigte sie Verständnis für seinen ‚Ausrutscher‘ und Killin war sichtlich erleichtert.
Er nickte eifrig auf ihre Worte. „Das klingt sehr vernünftig!“, bestätigte er in seinem kindlichen Glauben. „Das zeigt, dass du stark bist!“, lobte er sie als ob sie das nötig hätte, feixte aber dabei ehrlich. "Also ja, ich gehe heute wieder hin. Aber... erst später." Killin nickte verstehend und widmete sich daraufhin auch lieber dem Geschäftlichen. Er zeigte die wundervolle Eule und biss sich abwartend, ob sie gefallen würde, auf die Unterlippe. Er hibbelte etwas auf den Fußballen, als Janay fasziniert die Detailliebe erkannte. "Du wirst eindeutig immer besser!" Killin strahlte über das Lob und seine Augen leuchteten. Er war sichtlich stolz darauf, dass seine Arbeit Anklang fand. Nun aber strahlte er freudig über beide Wangen, als Janay ihm zwei Füchse extra in die Hand lag. Er starrte noch darauf, als sie ihn festhielt. "Und du bist dir sicher, dass ich nicht helfen soll, damit du eine Lehre beginnen kannst? Ja, ja, ich weiß, es spricht viel dagegen und es wäre sehr schwer für dich und deine Familie, wenn du zu einem Meister gehst. Aber bei deinem Talent und deinem Fleiß könnte es euch so viel helfen!" Killin’s Leuchten in den Augen ebbte etwas ab. Er schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht. Wenn ich zu einem Meister gehe, verdiene ich kein Geld. Und wer sorgt dann für meine Schwester, während meine Eltern in der Gerberei sind?“, fragte er. Es war klar, dass es ihn selbst wurmte und er das eigentlich anders haben wollte. Aber er wurde eben bereits sehr früh in seinem Kinderleben verpflichtet und als wichtige Stütze der Familie etabliert. "Überleg' es dir und besprecht es noch einmal. Vielleicht wäre es doch nicht so schlimm, wie du befürchtest. Glaub' mir, im Innenring ist es nicht nur furchtbar!"

„Ja, ja… ich weiß…“, murmelte Killin nur und verstaute die Füchse sicher in seinem Mantel. Er glaubte nicht daran, dass Träume sich erfüllten. Aber war es wirklich Janay’s Aufgabe, dem Jungen zu helfen? Konnte sie denn absehen, was sich damit innerhalb des Familiengefüges auslösen könnte? „Viel Spaß mit der Figur!“, meinte Killin daraufhin noch ehrlich und begann damit, seine Matte aufzurollen. Er war für den ersten Teil fertig für heute und musste zügig nach Hause. Seiner Schwester Mittagessen machen, bevor er dann wieder bis in den späten Abend hinein hier stand. Inzwischen war es spät geworden, bedachte man, dass Janay ebenfalls etwas später dran war. Ihr saß etwas die Zeit im Nacken. Bald würden die Zwillinge aus der Schule kommen und sie musste noch alles herrichten, um die Rasselbande zu überraschen. In den Jahren hatte sich ein gewisses Ritual etabliert und es gäbe sicher Enttäuschungen, falls sie es dieses Mal anders handhaben würde! Also war sie bereit, den Markt zu verlassen und nach Hause zurückzukehren, um sämtliche Vorbereitungen endlich abzuschließen und auf ihre Kinder zu warten. Dieser Tag gehörte ihnen, war ein freudiger und auch wenn sie abends dann noch mal ihre Andacht hielt, war es dennoch ein schöner Tag. Oder? Obsiegte der Gedanke an das, was sie verlor oder das, was sie gewann? Eine schwierige Entscheidung, auch wenn die beiden Kinder sie ordentlich brauchten und auf Trab hielten. Letztendlich waren sie der Sinn in ihrem Leben geworden, auch wenn da immer lauter eine Stimme in ihrem Innern anklopfte und sie rief… Ob sie ihr zuhören durfte? Konnte sie nicht glücklich und zufrieden mit dem sein, was sie hatte? Ein schwerer Gedanke, bedachte man, dass Janay auch noch jung war und sicherlich noch nicht alles gesehen hatte, was die Welt ihr zu bieten wusste. Aber… durfte sie so denken? War sie nicht undankbar? Oder… empfand sie als normal? Sollte sie etwa dieses Heim aufgeben? Arina? Zissus? Ihre Kinder? Janay hatte den Weg nach Hause Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Sobald sie durch die Tür in ihrem Heim käme, würde es himmlisch nach Gebackenem riechen… Arina würde sich gewiss wieder selbstübertreffen!


Anm. Mod: Du darfst zurück nach Hause kehren und dort weiterschreiben. Gleichwohl auch das Ankommen der Zwillinge und wie der Geburtstag abläuft. Gerne auch bis zum Besuch auf dem Friedhof, falls du möchtest, springen!
Bild

Benutzeravatar
Janay
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 1070
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Morgeria
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib
Tierische Begleiter: keine

Re: Auf dem Marktplatz

Beitrag von Janay » Donnerstag 15. August 2024, 19:44

Es vermittelte der jungen Frau ein ungutes Gefühl, denn sie vermutete, dass diese Geschichte einen Hintergrund hatte, der Ärger versprach. Aber sie wollte sich auch nicht zu sehr einmischen, schließlich gehörte sie nicht mehr zu dieser eingeschworenen Gemeinschaft am unteren Ende der Gesellschaft. Da könnte es für noch viel mehr Probleme sorgen, wenn sie ein zu großes Interesse dafür zeigte.
Also wollte auch sie das Thema, nach ein paar abschließenden Fragen, sein lassen, wie sie auch mit einem kurzen Abwinken auf Killins Aufforderung hin anzeigte. Ohnehin hatte sie dringlicheres zu tun, wofür sie schließlich auch hergekommen war.
Bei seiner gezeigten Neugier schalt sie sich innerlich zwar, konnte seine Position jedoch irgendwie... nachvollziehen. Außerdem hatte er das Talent, ihre mütterliche Seite zu wecken, weswegen sie ihm nicht ernstlich böse dafür war. Stattdessen gab sie ihm eine Erklärung, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen.
Es genügte, wie sie vermutet hatte, obwohl er es nicht sein lassen konnte, mit ihr zu feixen. Bei seinem Lob hingegen zwinkerte sie ihm kess zu. "Genau, ich bin stark! Also, pass lieber auf, dass du dich nicht mit mir anlegst!", drohte sie spielerisch und zerstrubbelte ihm im nächsten Moment ein wenig das Haar.
Daraufhin kamen sie zu dem eigentlichen Anlass ihres Kommens und es zeigte sich, dass ihre Erwartungen nicht enttäuscht wurden. Im Gegenteil! Die Eule war wunderschön geraten und schon jetzt war ihr klar, dass es darüber leuchtende Kinderaugen geben würde. Da war Janay auch bereit, zwei Füchse mehr als vereinbart zu zahlen. Gute Arbeit sollte sich für ihn lohnen!
So sehr, dass sie einen neuerlichen Versuch zur Vermittlung unternahm, weil sie daran glaubte, dass es für diese Familie ein Sprungbrett sein könnte. Zugleich war ihr klar, dass er ablehnen würde und sie kannte und verstand seine Gründe dafür. Trotzdem hatte sie auf ein Umschwenken gehofft und seufzte nun leise. "Du weißt, dass du Lehrgeld kriegen würdest. Und für deine Schwester fände sich sicher auch eine Anstellung.", murmelte sie und winkte erneut ab.
"Wie gesagt, beredet es einfach noch einmal und solange frage ich wegen den Kräutern für den Husten.", fuhr sie versöhnlich fort, um ihm zu zeigen, dass sie wegen seiner Ablehnung ihrer Hilfe nicht nachtragend war. Sie bedauerte es, mehr aber auch nicht, denn im Prinzip verband sie beide nichts außer diese geschäftliche Verbindung. Die nun auch für den heutigen Tag erledigt war.
So verabschiedete sie sich von dem Jungen, als dieser bereits seine Matte zusammen rollte, und machte sich auf den Rückweg. Wobei sie nicht umhin kam, die noch immer vor sich hin murmelnde Alte noch ein paar Sekunden lang nachdenklich zu betrachten. Doch dann seufzte sie und schüttelte über sich selbst den Kopf.
Was machte sie noch hier? Wollte sie Wurzeln schlagen?! Diese Leute brauchten sie nicht, sie war keine Retterin in der Not und wollte es auch gar nicht sein. Sie wäre höchstens ein Störfaktor und ehe sie das in ihr sehen konnten, wollte sie lieber weit weg sein. Also winkte sie Killin noch flüchtig zu und kehrte dem Markt endgültig den Rücken.
Nur ihre Gedanken, die konnte sie so schnell nicht zurück lassen, obwohl sie dafür gerne ein Rezept gehabt hätte, denn sie waren durchaus lästig. Noch immer überlegte sie, wider Willen, wer ausgerechnet eine Frau wie Erama ausfragen wollen könnte und um was es dabei gehen sollte. Ihre Neugier war einfach geweckt und wollte sich so schnell nicht mehr dämpfen lassen. Aber warum kümmerte sie sich überhaupt darum? Nur, weil der Bursche nett war und sie wusste, wie hart das Los außerhalb des Innenrings sein konnte, bedeutete das nicht, dass sie sich mehr als nötig damit beschäftigen musste.
Ja, sie hatte einmal auch zu der untersten Schicht gehört, jedoch war das lange her und eine wirkliche Sehnsucht nach einer Wiederholung verspürte sie nicht. Jetzt hatte sie keine täglichen Sorgen mehr, wie sie satt werden oder wo sie als nächstes arbeiten sollte. Stattdessen hatte sie eine Familie um sich, ihre Schwester und deren Verlobten, ihre eigenen Kinder, ihre Arbeit, die ihr Freude bereitete, gerade dann, wenn es einmal schwieriger wurde.
Warum also konnte sie sich damit nicht zufrieden geben? Lag es daran, dass Kazel nicht an ihrer Seite war? Nein, das war das Einzige, was sie ausschließen konnte. Er fehlte ihr, jeden Tag, das leugnete sie nicht, und er würde immer einen Platz in ihrem Herzen haben. Ja, es schmerzte inzwischen kaum noch, wenn sie ihre Zwillinge ansah und ihn in ihnen wiedererkennen konnte. Allerdings war die heiße Liebe abgekühlt und war zu einer Erinnerung geworden, die ihr zwar wichtig war, doch nicht mehr all ihr Sinnen und Trachten bestimmte. Was war es dann, das sie so unruhig werden ließ in letzter Zeit?
Mehrfach seufzte sie auf ihrem Weg zum Stadttor und schüttelte gedankenverloren den Kopf. Erst, als sie von den Wachen kurz angehalten wurde, da diese nicht jeden einfach in den Innenring ließen, rappelte sie sich geistig auf und konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart. Und in der war sie spät dran, sodass sie die Beine in die Hand nehmen musste, wollte sie rechtzeitig daheim sein!

Gibt es Geister wirklich...?
Bild

Antworten

Zurück zu „Der Marktplatz Grandeas“