Der seltsame Alchemist

Nur wenige Stände sind hier zu entdecken, die meisten Händler bauen ihre Waren direkt auf ausgebreiteten Tüchern auf dem Boden auf. Überall riecht es nach Vieh und gammligem Stroh. Aber hier macht auch kaum einer sauber.
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Sonntag 21. Oktober 2012, 11:20

„Ich geh' alein...“ grummelte er leise und lies die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Er war zornig das Blassmer und Maurice ihn reingelegt hatten. Normalerweise sah man den Tod nur wenn man schon Tod war, bei Lebenden hinter lies eine derartige Begegnung immer einen leichten Schock. Und auch Tahmo saß noch ein klammes Gefühl in den Knochen. Er schüttelte sich und betrat mit geschultertem Rucksack, einem umgehängten Alchemisten-beutel sowie dem Buch unter seinem Arm die Gasse vor dem Laden. Er wusste das ihm nicht viel Zeit blieb bis Sonnenuntergang, dennoch wollte er sowohl nach Lua, Ikarus und den Pferden suchen als auch Blassmers Auftrag ausführen. Natürlich war er sauer auf Blassmer und Maurice, dennoch wollte er die Chance Alchemie zu lernen nicht einfach vorbei ziehen lassen... Denn er wusste das ihm die Alchemie sehr viel helfen konnte. Mit einer Kunst mit der man den Tod beschwören konnte, konnte man doch sicherlich auch Dämonen vertreiben. Und dann würde er wieder zaubern können, ohne eine vorzeitige Apokalypse einzuleiten.
Tahmo schlenderte die Gasse entlang, er musste es schaffen all diese Dinge unter einen Hut zu zaubern!

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Dienstag 30. Oktober 2012, 08:20

Blassmer und Maurice tauschen keinen Blick miteinander aus. Das Kaninchen sah nämlich auf die Tür, durch die Tahmo säuerlich verschwunden war. Der Alchemist hingegen trat nun aus dem Hinterzimmer, eine Phiole mit violetter Flüssigkeit schwenkend, um den Qualm zum Erliegen zu bringen, der sich langsam, aber sich unter der Decke sammelte und noch immer nicht aufhören wollte, zu schwelen. Die beiden mussten aber auch keinen Blickkontakt wechseln, um zu wissen, was der jeweils andere dachte oder plante. Trotzdem gab Oswald Blassmer noch einmal Anweisung. Er liebte das. "Geh ihm nach."
"Jaja, weiß ich doch." Er trat an die Tür, die Phiole ein Stück von sich haltend, um den Qualm nicht einzuatmen. Dann beugte sich der hagere Alchemist ein Stück herab, aktivierte einen kleinen Mechanismus und schon schob sich eine Klappe auf, durch die Maurice aus dem Geschäft heraus schlüpfen konnte. Es war wie eine Katzenklappe, die sich manche gut betuchten Grandessaner doch glatt in ihre Türen einbauen ließen, nur war diese hier zusätzlich verstärkt. Es gab schließlich auch eine Menge sehr kleiner, aber umso dreisterer Diebe.
Maurice entkam dem Alchemistenladen, der sich nach und nach mit Qualm füllte. Blieb zu hoffen, dass das Geschäft noch stand, wenn Tahmo zurückkehrte. Denn dass der Blondschopf wiederkäme, stand für das Kaninchen fest. Der Kleine hatte sich neugierig genug gezeigt. Er würde diese Chance, Alchemie zu lernen sicher nicht verstreichen lassen und auch wenn er jetzt wütend war: irgendwann kam er wieder. Doch Maurice kannte Blassmer. Der ging auch Nummer sicher, weshalb der weiße Fusselball nun durch die Gassen hopste und versuchte, Tahmo nicht nur zu finden, sondern ihn auch einzuholen. Sein Pelz zog nach und nach mehr Staub und Dreck der Straßen mit sich, so dass er zur Hälfte zu einem grauen Vertreter seiner Art geworden war, als er Tahmo endlich ausmachte.
"Heda!", rief er ihm nach. Ein alter Mann, der in der Nähe vor sich hin schlurfte, schaute zu dem Kaninchen herunter. Er erntete einen Blick aus einem bösen Auge, aber Maurice hielt die Klappe. Als der Alte vorüber war, folgte wieder ein: "Heee, Alchemistenlehrling!" Schon hoppelte er an Tahmos Seite. "Solltest mich doch mitnehmen. Ich kenne die besten Plätze draußen zum Kräutersammeln. Überhaupt kenn ich jeden Winkel in Grandessa. Bin ein Kenner!"
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Samstag 10. November 2012, 23:42

Tahmo war schon einige Meter weiter die Gasse hinab gegangen, als er plötzlich ein heliumartiges „Heda!“ hinter sich hörte. Als wäre das sein Startschuß gewesen beschleunigte er seine Schritte, rannte nach ein paar Metern und bog um eine Ecke, „Heee, Alchemistenlehrling!“ stolperte beinahe über einen am Boden kauernden Bettler und... fand sich in einer Sackgasse wieder. Tahmos Blick stoppte an der Rückwand eines Gebäudes, auch nach links und rechts gab es keinerlei Auswege. Seufzend drehte er sich herum und beobachtete den gräulichen Fellball wie er langsam näher hoppelte.
"Solltest mich doch mitnehmen. Ich kenne die besten Plätze draußen zum Kräutersammeln. Überhaupt kenn ich jeden Winkel in Grandessa. Bin ein Kenner!"
Tahmo massierte sich seinen Nasenrücken, er hatte gehofft ohne dem Karnickel los ziehen zu können, aber nun hatte es ihn gefunden. „Also gut...ja... du kann's mit!“
Es half nichts, er musste sich damit abfinden das Karnickel als Begleiter und wohl auch als Blassmers Auge und Ohr, bei sich zu haben. Aber vielleicht konnte er das zu seinem eigenen Nutzen umdrehen...
Langsam schlenderte Tahmo zurück in die Gasse. „Sag'ma' wenn du dich hier so gut auskenn's... wiso gib's hier eign'tlich soviele Dunkl'elfn' un' warum könn'n die sich soviel erlaub'n?“

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Freitag 30. November 2012, 07:57

Tahmo hatte leider das Pech, an ein sehr hartnäckiges Kaninchen, das sprechen konnte, geraten zu sein. Maurice verfolgte ihn nahezu problemlos. Die Wenigsten ahnten, wie schnell so ein pelziger Fussel am Boden sein konnte. Maurice schlug Haken, beschleunigte durch mächtige Sprünge, wenn er sich von den kraftvollen Hinterbeinen abstieß und schaffte es ohne Mühe, über jenen Bettler zu springen, der Tahmo beinahe zum Stolperstein geworden wäre. Schließlich nahm das Kaninchen ihn "gefangen", als er sich in einer Sackgasse wiederfand. Gemütlich, nahezu amüsiert, hopste Maurice heran, den Kopf schief legend und den Blondschopf aus seinem verbliebenen Auge musternd. Hätten Kaninchen grinsen können, so wäre das Lächeln dieses Fellballes mit dem des Gevatters vergleichbar gewesen. So aber mümmelte das rosa Schnäuzchen nur, dass die Barthaare des Tieres wie wild wackelten.
Jetzt würde Tahmo den kleinen, bizarren Kerl doch mitnehmen müssen. Wenigstens hatte er Unterhaltung und er konnte Fragen über die Stadt stellen, die ihm nicht jeder beantworten würde. Maurice schon. Das Kaninchen schien erpicht darauf, sich mit dem jungen Alchemistenlehrling zu unterhalten. Offenbar sprach Blassmer nicht allzu oft mit ihm. Gemütlich wie ein Spaziergänger höheren Alters hoppelte er nun neben Tahmo durch die Straßen. Man merkte kaum, dass er die Richtung angab und den jungen Mann immer näher zu den Toren der Stadt lotste. "Ich kenn mich besser in der Stadt aus als der König von Grandessa in der eigenen Unterhose!", bestätigte Maurice. Er senkte den Kopf, als ein Passant ihren Weg kreuzte, hob das Stimmchen aber wieder, kaum dass er mit Tahmo ungestört war. "Die Dunkelelfen stehen im Bündnis mit dem König. Sie wollen Pelgar und Andunie und überhaupt ganz Celcia einnehmen. Der König hat das rechtzeitig erkannt und bietet ihnen hier Hilfe. Im Gegenzug willl er ihre Armee nutzen, um Jorsan - dem befeindeten Königreich - von der Landkarte zu fegen. Es wird noch mehr Krieg geben als ohnehin schon und wir sind mittendrin. Ist es nicht wundervoll, ein unbedeutendes Kaninchen zu sein, eh?" Er hoppelte weiter, die Ohren richteten sich aus - sanfte Fetzen im Wind. "Und du willst deinen Dämon loswerden? Lüg nicht, ich weiß, dass da einer in dir drin steckt!"
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Dienstag 4. Dezember 2012, 01:39

Also handelte es sich bei der Sache mit den Dunkelelfen um eine Art Nutzbündnis des Königs, welcher damit am Ende seine eigene Haut retten wollte. Tahmo fühlte sich in seinem Glauben daran das Elfen nur übles brachten sofort bestätigt. Er traute ihnen ohne zu zögern zu das sie verrückt genug wären das ganze Land zu erobern... was ihm ein paar Schauer über den Rücken jagte.
Das ungleiche Duo war erst wenige Meter weit gekommen, als Maurice ohne große Umschweife und taktvoll wie eine Steinlawine die Keule der unausgesprochenen Tatsachen auspackte um sie in die Magengrube von Tahmos überraschter Heimlichtuerei zu rammen.
"Und du willst deinen Dämon loswerden? Lüg nicht, ich weiß, dass da einer in dir drin steckt!" fiepte es irgendwo auf Höhe von Tahmos linkem Fußknöchel.
„W-W-W-WAS?!“ Tahmo stolperte vor Überraschung, strauchelte, riss bei seinem folgenden Sturz über einen Bettler – er konnte schwören das dort vor ein paar Sekunden noch keiner am Boden lag – ein leeres Faß, wahllos an einer Hauswand lehnende Holzlatten und einen leeren, auf dem Faß stehenden Vogelkäfig mit sich zu Boden. „Uff!“ Tahmo landete auf allen Vieren, noch mehr Dreck gesellte sich zu dem Vorhandenen auf seiner Kleidung , hartnäckige Stille folgte die nur von Tahmos starren auf das Kaninchen begleitet wurde. Panik drehte den Zündschlüßel in seinem Gehirn um und gab Gas!
Er schnappte sich Maurice, wirbelte empor und rannte um die nächste Häuserecke nur um sich in die erstbeste Nische eines Hauseinganges zu quetschen. „Bis' du.... woher... warum weis' du sowas?!“ Sprudelte es aus seinem Mund. Es schien als wären die Worte froh endlich ausgesprochen zu werden. „Ja...! Ich will'n loswerd'n... kann's du mir helfn?“
„Eh... was will's du loswerdn Süßer?“ Tahmo blinzelte als eine Stimme erklang gegen die Honig reinster Sand wäre. Er guckte nach links und sein Blick endete im Gesicht einer Dame die Augenscheinlich – was jeder andere auf den ersten, Tahmo jedoch vielleicht wenn überhaupt nach dem fünften Blick erkannte – aus dem horizontalen Etablissement stammte. Sie kaute zudem laut schmatzend auf irgendetwas. „....Oder redes' lieber weiter mit deim' Karnickl'?“ Tahmo guckte nach vorne, bemerkte erst jetzt das er Maurice am Nacken genau vor sein Gesicht hielt... Das Karnickel schaute so zornig wie ein Kaninchen eben zornig gucken kann. „tschuldige'“ Er setzte Maurice behutsam auf den Boden, grinste die nette Dame kurz an und wanderte hastig weiter in die nächste ungestörte Ecke. Wobei er sich dieses mal dreimal vergewisserte das diese Ecke wirklich unbenutzt war. Seufzend wie ein Wasserbeutel mit Loch lies er sich zu Boden sinken. „Tut mir Leid Maurice... das... ich mein... du has' Rech'... dieser verdammte Dämon' un'...un' dann meine Freunde un'...“ Er biß sich auf die Unterlippe, schluckte ein paarmal den Klos in seinem Hals weg, „Ohne den könnt' ich meine Freunde befrein'... un' vor all'm Lua... 'ch weis nichma' wo die sin'... Wir wurd'n einfach so gefangn' genomm'n un'.... wart, ich hab' was im Auge...“ Tahmo drehte sich halb weg und versuchte mit seinen Handballen den imaginären Staub der ihn zum Tränen brachte aus seinen Augen zu wischen.

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Montag 24. Dezember 2012, 14:41

Man sollte meinen, dass Kaninchen etwas mehr Feingefühl besäßen. Sie waren im Allgemeinen klein, putzig und pelzig. Sie besaßen niedliche rosa Schnäuzchen, mit denen sie mümmelten, dass oftmals sämtliche Barthaare dabei auf und ab wackelten. Sie hatten federweiche Ohren, die sie scheinbar in alle Richtungen drehen und somit jedem traurigen Leid in der Welt Gehör schenken konnten. Sie besaßen Puschelschwänze! Maurice schien bei der Verteilung der Niedlichkeiten durch den Gott Phaun irgendwie anderweitig beschäftigt gewesen zu sein und so wenig putzig wie er war, so zeigte sich auch sein nicht vorhandenes Taktgefühl. Dieses Kerlchen sprach aus, was es dachte und zwar ohne jegliches Feingefühl. Was kümmerten ihn auch schon Tahmos Sorgen? Er sollte den neuen Lehrling seines Meisters Blassmer begleiten, sollte ihm bei der Kräutersuche helfen und das war es. Was kümmerte ihn sonst mehr, solange er am Abend an seine Möhren heran käme und die würde er bekommen! Nicht einmal der Dämon in Tahmos Innerstem schien dieses ungeheuerliche Kaninchen zu kümmern.
Wie hatte es ihn spüren können? Woher wusste es Bescheid?!
Der Bettler, über den Tahmo soeben stolperte, verzog wütend das, was man bei anderen Menschen als Gesicht bezeichnete. Er riss eine Faust hoch, die er umsichtig in Lumpen gewickelt hatte. "Hey, Bursche, dafür gibst mit aber eine Münze!", schimpfte er. Maurice scharrte mit dem Hinterfüßchen, dass dem Mann nur Dreck beschienen war. Wütend trollte sich der Bettler. Von dem Blondschopf und seinem frechen Filzball konnte er wohl nicht viel mehr erwarten. Maurice hoppelte an Tahmo heran, der am Boden lag. Er selbst legte den garstigen Kopf schief, konnte aber nichts sagen, weil Tahmo ihn packte und mit sich schleppte. Reglos hing er, am Genick getragen, in dessen Hand. Sein rotes Auge musterte den jungen Mann. "Na, dein Dämon. Pulsiert in dir, mit so einem Gestank kann der sich auf Celcia nicht lang verstecken. Ich würde den meilenweit gegen den Wind riechen."
Und dann geschah es.
Töte ihn, Windkind.
Er weiß zu viel und ist doch so wenig.
Es ist ganz leicht, ihm den Hals umzudrehen.
Dazu brauchst du nicht einmal mich.
Töte ihn.
Jetzt.
Nun mümmelte sogar Maurice, dass seine Nase leicht wackelte. Sein Auge funkelte, als hätte er die Worte der Windsbraut gehört. Aber er ging nicht darauf ein, also konnte es sich auch um einen Irrtum handeln. "Ich kann dir nicht helfen, Jüngelchen. Ich bin nur ein Karnickel. Was kann ich schon?" Wäre es Kaninchen von der Anatomie her möglich gewesen, so hätte Maurice jetzt mit den Schultern gezuckt. So aber blieb es bei einem Mümmeln der Schnauze. "Da musst du schon zum Zirkel der Ritualmagier gehen. Die nehmen für gewöhnlich auch Dämonenaustreibungen vor und du hast wirklich Glück! Der Zirkel befindet sich hier in Grandea. Toll, nicht wahr? Ich könnte dich sogar hin führen, wenn du nicht eine Aufgabe zu erledigen hättest. Kräuter sammeln, Freundchen. Blassmer mag es nicht, wenn man seine Aufgaben nicht erfüllt."
Nachdem Maurice abgesetzt worden war und sich Tahmo wie ein Mehlsack hatte in den Sitz fallen lassen, hoppelte das Kaninchen an ihn heran. Zeigte es jetzt etwa doch Feingefühl. Es sprang Tahmo ungefragt auf den Schoß. "Kraul mich!", verlangte es. Am Feingefühl musste wirklich jemand arbeiten. "Du suchst deine Freunde? Wenn sie in Grandea sind, können sie auch gefunden werden, vor allem, wenn man sie gefangen hat. Dann liegt die Antwort sicher in den Kerkergefilden des Königs. Musst dich umhören, Kleiner. Blassmer kann dir helfen, der muss ja wegen seiner Tränke oft vor den König treten in letzter Zeit. Muss einiges für den Brauen, da kann er jede Lehrlingshand brauchen, die ihm hilft." Zwinkerte Maurice gerade?
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 10. Januar 2013, 00:55

Töte ihn, Windkind.
Er weiß zu viel und ist doch so wenig.
Es ist ganz leicht, ihm den Hals umzudrehen.
Dazu brauchst du nicht einmal mich.
Töte ihn.
Jetzt.
Die Worte des Dämons waren ihm durch Mark und Bein gehallt, so wie Stimmen in einem alten, leeren Gemäuer. Sie hatten ihm kurzzeitig jegliche Kraft geraubt, beinahe hatte er befürchtet er würde tun was sie von ihm verlangten. Doch Tahmo war in seinen wesentlichen Grundzügen ein sonniger Kerl und seitdem er von dem Dämonen wusste, konnte er sich seinen – oder ihren – Verführungen erfolgreich entgegenstellen. Die Frage war jedoch wie lang er dies noch durchhalten würde. Auf lange Sicht gesehen könnte er genauso gut gegen einen Berg Ringkämpfen, dabei konnte er sogar noch hoffen das der Berg vor Langeweile vielleicht irgendwann gnädigerweise zur Seite ging... aber die Windsbraut? Sie verschwand sicher nicht von alleine.

Tahmo blinzelte nachdem er für einige Momente geistesabwesend die Gosse hinab geblickt hatte. Seine Hand kraulte Maurice – er konnte sich nicht erinnern ihr den Befehl dazu gegeben zu haben – der ihm aufmunternd zu zwinkerte. Oder zumindest bildete sich Tahmo ein das es aufmunternd war, es hätte auch verschlagen oder anzüglich – wobei er sich letzteres nicht vorstellen mochte – sein können. Das Maurice überhaupt zwinkerte wunderte ihn nicht mehr.

„Danke Maurice...“ er atmete durch, behielt das Karnickel auf dem Arm und rappelte sich hoch, nachdem die Stimme der Windsbraut endlich wieder verklungen war und die Kraft in seine Glieder zurück kehrte. Er wirkte ein wenig blasser als zuvor. Ein paar getrocknete Tränen hingen ihm auf der Wange
„... Das...ich glaub', ich kann Blassmer ers' richtig helfen' wenn ich...den Dämon los bin... un' mein'n Freund'n bin ich vorher auch nutzlos.“ Tahmo räusperte sich, zum ersten mal seit langem hatte er so etwas wie einen guten Plan im Kopf. „Maurice... bring' mich zu den Ritualmagiern, bitte. Ich weis' nich' wie lang ich den Dämon noch zurückhalt'n kann, aber lang' isses nimmer. Und dann werd' ich weder mein'n Freund'n noch Blassmer helfn' könn'n.“
Er nickte entschlossen. Ja, so war es die beste Reihenfolge. Den Dämon los werden, Blassmers Aufgabe erledigen und als Gegenleistung würde er ihn vielleicht bei seinen Freunden helfen... Sofern es nicht zu spät war. Ein leises Gefühl der Sehnsucht nach Lua regte sich in ihm. Natürlich vermisste er auch den guten Faro, sowie Ikarus und Luas Pferd, aber es war eine andere Art der Sehnsucht.

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Montag 21. Januar 2013, 13:04

Maurice hockte auf seinem pelzigen Hintern. Das Ohr, welches nicht ganz so abgewetzt in Fetzen herab hing, reckte er ein Stück nach oben. Es bewegte sich in alle Richtungen, als könne er es einmal komplett um die eigene Achse drehen. Dann verweilte es mit der offenen Ohrmuschelseite auf Tahmo, als wollte es dessen Herzschlag aufnehmen. Es zuckte mehrmals. Ob der Blondschopf etwas davon mitbekam, blieb ungewiss. Das Kaninchen sagte auch nichts dazu. Es lauschte ... und senkte den Löffel kurz darauf wieder, dass er sich dicht an den Körper legte. Lediglich das verbliebene, rote Kaninchenauge heftete sich nun auf den Begleiter. Die Streicheleinheiten ließ das Pelztier über sich ergehen. Dass er sie tatsächlich mochte, auch darüber schwieg er. Aber er gab sich alle Mühe, nicht zufrieden mit dem Hinterbeinchen zu klopfen.
Als er dann doch beinahe die Kontrolle verlor und das linke Beinchen schon ein wenig ausschlug, nahm Tahmo ihn zum Glück auf den Arm, wobei er sich aufrichtete. Gut. So hatte der junge Mann es sicherlich nicht mitbekommen. Maurice hoffte es, sah wiederholt zu seinem Träger auf. "Das kann so bleiben, dann brauch ich mich nicht allzu sehr anstrengen und wir werden schneller sein", kommentierte er. Es gefiel ihm offenbar, getragen zu werden. Er war eben doch ein recht fauler Bursche seiner absonderlichen Art. Außerdem hob er erneut das Ohr, richtete es nach Tahmos Herzen aus.
"Vergiss Blassmers Aufgabe nicht. Er wird sehr ungehalten, wenn man nicht macht, was er will. Und jetzt geh los ... du musst in den Innenring gelangen. Das könnte für dich großes Kerlchen schwierig werden, aber dort finden wir den Zirkel der Ritualmagier." Er wollte Tahmo wirklich helfen. Maurice wollte ihn wirklich an sein Ziel lotsen.

weiter bei Der Innenring -> Das Tor -> Zuritt verboten!
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Dienstag 2. Juli 2013, 06:20

Tahmo kommt von den Stadttoren Grandeas -> Kräutersammeln

Wo Grandea so schon einen trostlosen und beklemmenden Eindruck hinterlassen konnte, wenn man sich im Außenring der königlichen Hauptstadt aufhielt, so wurde dieser Eindruck noch eine Spur verstärkt, kaum dass die letzten Strahlen der Sonne sich oberhalb der hohen Stadtmauern hielten. Zwielicht erfüllte jene Ecken und Gassen, in die man sich am Tage wegen den Bettlern selten hinein wagte. In der hereinbrechenden Nacht würde man es dort wohl mit Schlägern und anderem mörderischen Gesindel zu tun bekommen. Vor allem jetzt, da es in Grandea so viel mehr Dunkelelfen gab. Sie machten ihrem Namen irgendwo alle Ehre, sah man davon ab, dass sie ihn aufgrund ihrer Hautfarbe trugen. Denn sie krochen aus den Löchern, kaum dass es zu dämmern begann.
Menschen entdeckte man nun nur noch selten am Straßenrand. Die wenigen Männer und Frauen, die dort hockten, saßen im Unrat, weil sie sonst keinen Platz hatten, an den sie gehen konnten. Es waren die Obdachlosen, die Verhungernden und Kranken, welche das Bild der Stadt ausfüllten und zwischen ihnen schlenderten soldatische Dunkelelfen in pechschwarzen Rüstungen oder jene, die sich wohl für adlig hielten, weil sie in kostbarem Brokat mitten durch das Elend flanierten und sich einen Spaß daraus machten, spielerisch mit Peitschen oder Dolchen am Gürtel zu hantieren. Sie unterhielten sich in ihrer Muttersprache, lachten immer wieder spöttisch auf oder scheuchten gar einige furchtsame Menschen davon, weil es ihnen eine Freude war, sie rennen zu sehen.

"Schneller", drängte Maurice, der noch immer auf Tahmos Arm hockte. Ihm gefielen die ominösen Spitzohren wohl ebenso wenig wie dem Blondschopf, aber der hatte mit noch weitaus mehr zu kämpfen. Im Innern regte sich die Windsbraut, wie ein Magengeschwür.
"Windkind ... du wirst untergehen.
Ohne mich bist du doch nichts.
Ich bin der Kern deiner Macht und nur ich werde dir helfen können.
Nur mit mir wirst du deine Freunde - deine Liebe - jemals wiedersehen.
Höre auf mich, Windkind.
Du könntest sie alle vernichten.
Gib dich nur meiner Macht hin."
Maurice trat nach hinten aus, dass er Tahmo in die Brust treffen dürfte mit seinem zuckenden Hinterlauf. "Hab'n es gleich geschafft, eh. Schau mal, da ist Blassmers Alchemieladen. Musst mindestens drei Mal heftig klopfen um die Uhrzeit. Der wird schon beim Essen sitzen und hört dich vielleicht nicht. Eh, ich hab auch Hunger!" Dabei hatte das Kaninchen doch zuvor ordentlich auf der Wiese gemümmelt.
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Mittwoch 24. Juli 2013, 00:53

Tahmos Stiefel trabten über das buckelige Kopfsteinpflaster, durch kleine Pfützen und immer weiter in die von Maurice gezeigte Richtung. Um diese Zeit waren nur noch wenige menschliche Bewohner auf der Straße unterwegs. Und die Meisten davon versuchten nach einem harten Tagwerk so schnell wie möglich in ihre Häuser zu gelangen. Der Rest bereitete sich auf eine lange und finstere Nacht in den Rinnsteinen, unter den Brücken und in den dunklen Gassen der Stadt vor. Leise hoffend das sie bei Sonnenaufgang noch atmeten. Zu dem trostlosen Anblick Grandeas am Tage gesellte sich nun noch der Geschmack von Schlägerbanden, dahinsiechenden Kranken und Obdachlosen hinzu. Und in all dem flanierten die Dunkelelfen in ihren herrschaftlich, grußeligen Rüstungen durch die Straßen. Leise fragte sich Tahmo wie die Stadt wohl vor dem Besatz der Dunkelelfen gewirkt haben musste. Er bog um mehrere Häuserecken, drückte sich hier und dort schnaufend in dunkle Hauseingänge um sich vor patrouillierenden Dunkelelfen zu verstecken – wobei er sich nicht ganz sicher war wie gut diese Kreaturen bei Nacht sehen konnten – und setzte dann seinen Weg fort. „Ich hoff',“ Tahmo schnaufte, „Ich hoff'... wir...sin'... bald....da“. Seine Lungen brannten, er war ein guter Läufer, aber auch ihm ging die Puste irgendwann aus. Stehen bleiben und langsam gehen kam jedoch nicht in Frage, immerhin saß ihm die Zeit im Nacken... sowie die Drohende Dunkelheit, Dunkelelfen und ein Dämon. „Schneller!“ fiepte Maurice, als die Windsbraut Tahmo einen erneuten hieb in den Magen verpasste. Er taumelte, schnappte nach Luft und spürte einen eisigen Stich im Nacken. Die Welt um ihn herum verschwamm und stülpte seinem Kopf eine dicke Mütze aus Watte über.
"Windkind ... du wirst untergehen.
Ohne mich bist du doch nichts.
Ich bin der Kern deiner Macht und nur ich werde dir helfen können.
Nur mit mir wirst du deine Freunde - deine Liebe - jemals wiedersehen.
Höre auf mich, Windkind.
Du könntest sie alle vernichten.
Gib dich nur meiner Macht hin."
Tahmos Schritte wurden stolpernd langsamer. Die Stimme der Windsbraut schnitt ihm wie ein kalter Wind durch Mark und Bein. Sie war so viel Stärker als er.... was konnte er schon ausrichten? Er war ein ziemlicher Narr zu denken das er all das alleine bewältigen konnte. Er... Tahmo schüttelte seinen Kopf, er durfte ihr nicht nachgeben.... auch wenn es die Lösung all seiner Probleme war! Unglaubliche Macht! Mit nur einer Handbewegung würde er die ganzen Dunkelelfen hinweg fegen können! Er.....
Ein beherzter Tritt von Maurice Hinterläufe vertrieb die Windsbraut aus seinem Kopf. Schlagartig kehrte er ins hier und jetzt zurück. Die Umgebung erlangte ihre Farbe zurück und er fand sich schwer atmend mit der Schulter an einer Hauswand gelehnt wieder.
"Hab'n es gleich geschafft, eh. Schau mal, da ist Blassmers Alchemieladen. Musst mindestens drei Mal heftig klopfen um die Uhrzeit. Der wird schon beim Essen sitzen und hört dich vielleicht nicht. Eh, ich hab auch Hunger!" drang die Beschwerde von Tahmos Armen zu seinen Ohren hinauf. Er guckte nach unten in die rötlichen Augen von Maurice.
„Entschuldige... Danke... „ Tahmo blinzelte und rannte weiter bis er erneut vor der Türe des Alchemieladens stand. Er hob die Faust und donnerte dreimal kräftig gegen das dicke Holz der Tür.

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Sonntag 4. August 2013, 11:55

Oswald Blassmer hatte es sich im Hinterzimmer seines Alchemieladens bequem gemacht. Gemeint war nicht das seltsame, kleine Labor, in dem er kurz zuvor seinen neuesten Lehrling hatte ein wenig üben lassen. Nein, er saß in einer anderen Kammer, die man gut und gern als Wohnstube, Waschraum und Küche gleichzeitig bezeichnen konnte. Blassmer legte keinen Wert darauf, alles in vielen verschiedenen Räumen unterzubringen, wo er doch allein lebte und im Grunde nur einen einzigen brauchte - neben seinem Geschäft natürlich!
Er saß an dem schmalen, eckigen Tisch, der nur einen dreibeinigen Hocker besaß. Vor ihm lag eine Scheibe Brot auf dem Holzbrettchen, daneben stand ein kleiner Buttertopf und eine Schale mit Kräutern. Blassmer spähte zu dem abgepackten Schinken, der da noch im Papier eingewickelt war. Er gönnte sich selten diesen Luxus, aber heute sollte es tatsächlich auch einmal eine Scheibe Schinken sein. Immerhin gab es etwas zu feiern!
"Etwas zu feiern", wiederholte der Mann seine Gedanken, griff zur Teetasse und genehmigte sich einen Schluck. Schwarzer Tee, sein Lieblingsgetränk! Davon verwandelte man sich nicht in etwas Seltsames oder fiel gleich tot um. Nicht, dass ihm dieser Umstand schon einmal passiert wäre, aber bei Tee konnte er sich wenigstens sicher sein.
Seine Gedanken schweiften ab, flogen über die Erinnerungen der letzten Ereignisse in seinem Laden und zu dem blonden Burschen, der sich fortan sein Lehrling schimpfen sollte. Wie hieß er noch gleich? "Tahmo", rief Blassmer es sich ins Gedächtnis. Er warf einen Blick aus dem kleinen Kammerfenster, das kaum Licht zuließ, weshalb hier auch zwei Kerzen und eine Laterne brannten. "Reichlich spät, der Junge." Er schüttelte den Kopf. Tahmo würde keinen Schinken bekommen, sondern die Nacht hindurch arbeiten dürfen. Nur so lernte man die Wege der Alchemie. Vielleicht schaffte er es, sich eine Mahlzeit zu mischen.
Der Mann lachte, klopfte sich auf den Schenkel. Es donnerte! Blassmer hob die Braue hinter den schwarzen Gläsern seiner Brille. Nochmal klopfte er auf sein eigenes Fleisch. Ein hartes Pochen! Es hörte sich kein bisschen fleischig an. Das klatschte doch normalerweise oder knackte, wenn er den Knochen erwischte. "Was bei allen Göttern geht hier vor sich?"
Dann ein drittes Donnern, ohne dass der Alchemist geklopft hatte. Er hob den Kopf, stand von seinem Hocker auf und ließ seine Mahlzeit zurück, als er den Alchemieladen betrat. Das kam doch von der Tür! Blasser stelzte mit wenigen Schritten dorthin. Er öffnet und fand Tahmo, zusammen mit Maurice im Arm, vor seiner Schwelle stehen. "Du bist spät, Junge", sagte er trocken mit leichtem Tadel, ließ den Blondschopf aber eintreten. "Im Dunkeln lassen sich die Kräuter, die du sammeln solltest, kaum finden. Warst du erfolgreich?", fragte er beiläufig.
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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Tahmo » Freitag 13. September 2013, 00:07

Die Tür öffnete sich mit einem leicht unheilvollen knarren – Türen wie diese öffneten sich immer mit einem leicht unheilvollen Knarren. Und da diese Tür einen guten Ruf zu verlieren hatte, knarrte sie sogar noch ein Stückchen unheilvoller als sonst. - sodass Blassmers Blick auf einen schnaufenden Tahmo fiel, mit einem Kaninchen auf den Schultern und die Handflächen auf den Knien. "Du bist spät, Junge" drang Blassmers trockener Kommentar an Tahmos Ohr, ehe der alte Alchemist zur Seite trat und ihn passieren lies. Blassmer war von hagerer Gestalt, sodass sich Tahmo problemlos an ihm vorbei schieben konnte und dabei eine Nase voll von allerlei Kräutergerüchen und irgendetwas das nach alten Lumpen roch, bekam.“ 'tschuldige,“ murmelte er zwischen zwei Atemzügen, „Ja, ich war erfolgreich... ich mach' mich au' gleich' an die Arbeit.“
Tahmo lies sich an derselben Stelle am Alchemietisch nieder, an der er auch schon seine ersten Übungen absolviert hatte. Er schlug das dicke Alchemiebuch auf und legte es an den Rand der Arbeitsplatte. Dann lies er sich von Oswald die Werkzeuge geben welche er zum herstellen des Chamäleontranks benötigte. Wenn er schon alles auf eine Karte setzte, so musste er mit viel Konzentration und guter Vorbereitung arbeiten, anstatt einfach drauf los zu brauen. Er suchte die Maurice Hilfe noch die restlichen beiden Zutaten aus dem Labor zusammen und verteilte alle Zutaten auf einzelne, kleine Schälchen. Dann suchte er im Alchemiebuch nach dem richtigen Rezept um es sich zuerst einmal ganz genau durch zu lesen. „ Wenn... ich was falsch' mach'... dann fiep' bitte.“ Raunte er Maurice leise zu.

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Re: Der seltsame Alchemist

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. September 2013, 13:58

Blassmer schob die Tür hinter sich zu und folgte Tahmo, erst mit dem nicht deutbaren Blick hinter den schwarzen Brillengläsern, dann mit Schritten bis in sein Alchemie-Labor. "Du hast nicht mehr viel Zeit", merkte er an. Seine Schritte lenkten ihn aber nicht zu Tahmo selbst, sollte der Blondschopf in Ruhe aber unter dem Druck arbeiten, dass sich sein Prüfer und möglicher, künftiger Lehrmeister ganz in der Nähe befand. Blassmer lehnte sich in den Türrahmen des Labors, die Fingerspitzen aneinander pressend. Seine Miene verriet nichts.
Ebenso wenig zeigte sich in dem Buch, das der junge Mann nun aufschlug. Leere Seiten, wieder einmal. Es konnte ihn doch jetzt nicht einfach im Stich lassen! Er hatte alle Zutaten! Hier im Labor waren wirklich die beiden letzten, die ihm laut Aussage des seltsamen Puschelkaninchens noch gefehlt hatten. Aber er musste immer noch die Zusammensetzung kennen. Wie viele Anteile an Augentrost? Mussten die Fledermausaugen zerdrückt oder am Stück zugegeben werden? Sollte er alles zusammenrühren, stückeln, erhitzen? Er hatte keinerlei weitere Hinweise und das Buch wollte ihm einfach nicht helfen!
Maurice kraxelte die ganze Zeit über auf Tahmos Schulter herum. Das Kaninchen krallte sich fest, versuchte, nicht abzurutschen. Letztendlich sprang es aber auf den Alchemietisch, wo der neue Schützling Blassmers bereits die verschiedenen Schälchen mit Zutaten vorbereitet hatte. Das Slefa in seiner Schale strömte einen sanften Geruch aus. Zu dicht an den kleinen Blättern und man fühlte sich bereits benebelt. Wesentlich unangenehmer waren jedoch der Anblick der Ottselpfote und der Fledermausaugen. Letzte Zutat bildeten die Augentrostpflanzen, welche wohl noch als humanster Inhaltsstoff genannt werden konnte.
"Soviel falsch machen kannst du gar nicht", mümmelte Maurice, ehe die Hiobsbotschaft folgte, "Du musst doch nur alles irgendwie zusammenwerfen, eh." Das Kaninchen mochte vielleicht die Zutaten verschiedenster Tränke kennen, aber wie man sie braute, blieb auch dem Nager ein Rätsel.
"Gibt es Probleme?", rief Blassmer von der Tür aus. Seine Stimme war nicht einmal richtig laut, besaß aber diese feine, wissende Schärfe, die selbst Luft zerschneiden konnte. "Hast du im Buch noch nicht richtig nachgesehen, was genau du herstellen willst?"
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