Von Schatten und Musik

In dieser zugigen, alten Kaschemme treffen sich Rumtreiber, Bettler, aber auch Händler, die auf der Durchreise sind und sich teure Zimmer nicht leisten können.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 3. Januar 2013, 15:24

So schnell war der junge Mann nicht zu kränken. Außerdem entsprach es seiner Art, dass er beinahe ebenso geantwortet hätte, wäre er an Feders Stelle gewesen. Also zwinkerte er ihr nur zu, trotz des schlechten Lichtes, und war dann schon auf dem alten, morschen Fensterbrett. Geduckt stützte er sich mit einer Hand an seiner Seite ab und blickte das helle Oval ihres Gesichts noch an.
Ihre Worte ließen ihn noch breiter schmunzeln. „Ach komm, als ob ich dich je hätte warten lassen!“, behauptete er spöttelnd und musste prompt an eine Situation von damals denken. Sie hatten ausgemacht gehabt, dass sie sich zur Mittagszeit trafen und er war ein bisschen zu spät gekommen… so knapp vor Sonnenuntergang.
Leise gluckste er bei der Erinnerung und fügte amüsiert hinzu: „Außer vielleicht ein oder zwei… oder dreimal.“, fügte er hinzu und wusste, dass das viel zu gering ausgefallen war.
Er war nicht gerade der pünktlichste Mensch, aber er war trotzdem zuverlässig. Wenn er sein Wort gab, dass er auftauchen würde, dann würde er das auch tun. Nur wann genau, das war eine andere Frage, vor allem für jemanden, der es nie in seinem Leben gelernt hatte, eine Uhr zu lesen. Besessen hingegen hatte er schon einige und sie zu schönem Geld gemacht.
Er wollte sich schon auf den Weg machen, als sie ihn noch einmal ansprach. Erneut musste er lachen, ein äußerst gutmütiger Laut. „Ja, nicht wahr? Ich sehe mich auch immer wieder gerne im Spiegel.“, meinte er zum Abschied, hob noch grüßend die Hand, ehe er seine Kapuze gekonnt wieder hoch schlug.
Mit verdecktem Gesicht kletterte er geschickt die Hauswand hinunter und drückte sich, kaum dass seine Füße festen Boden berührt hatten, in deren Schatten. Ein rascher Blick zu beiden Seiten, dann machte er sich auf den Weg und verschwand in die verblassende Nacht hinaus, ohne einem Blick zurück.
Niemand konnte dabei sein breites Gesicht und seine Vorfreude sehen. Feder war wieder da… und er würde eine Menge tun, damit sie möglichst lange bleiben würde!

Es war ein langer und teilweise auch anstrengender Tag für ihn gewesen. Zuerst war er in sein Versteck gelangt und hatte zwei oder drei Stunden geschlafen.
Erst kurz vor Mittag hatte er sich wieder auf den Straßen der Stadt gezeigt und ein paar seiner Kontakte aufgesucht, um Informationen einzuholen. Das würde dauern, das war ihm klar, also zog er sich danach in ein anderes Versteck zurück. Dort holte er sich noch ein bisschen Schlaf, bis es Zeit wurde, wieder aktiv zu werden.
Die Personen, die er heimlich traf, hatten nicht viel für ihn, nur Hinweise, noch nichts Konkretes. Etwas, das Simon überhaupt nicht gefiel. Wenn er einen Coup durchführte, dann hatte dieser Hand und Fuß, war nicht zu riskant, um seinen Hals nicht in die Schlinge zu legen. Doch das hier war zu wenig. Also würde er Feder vertrösten müssen, das wurde ihm rasch klar.
Lautlos fluchte er über diesen Umstand, als er sich nach Sonnenuntergang erneut zu der Kaschemme aufmachte, um mit ihr zu reden. Aber das war anders in dieser kurzen Zeit nicht zu erwarten gewesen. Außerdem hatte es auch etwas Gutes, denn dadurch wäre seine Freundin sowieso gezwungen, noch etwas länger in der Stadt und in seiner Nähe zu bleiben.
Nur… wie sollte er ihr das erklären? Er wollte nicht, dass sie glauben würde, er wolle sie lediglich hinhalten. Andererseits… wollte er sich auch nicht unbedingt eine Strategie überlegen müssen, denn er würde sich sowieso kaum dran halten.
Abgesehen von seinen Streifzügen, die besonders heikel waren und deswegen eine äußerst gute Vorbereitung benötigten, blieb er gerne spontan und förderte sowie forderte seine Kreativität. Somit wollte er es auch jetzt so halten und nickte sich selbst zu, als er in den Dunstkreis der Schenke kam.
Hm… wo würde sie auf ihn warten? Im Schankraum oder in ihrem Zimmer? Und selbst, wenn sie wieder unten wäre und spielen würde, war es ihm viel zu riskant, sich dorthin zu begeben. Zwar wusste sie noch zu gut, dass es besser war, jemanden zu kennen, ohne es zu zeigen, aber er konnte nicht sagen, wie viel sie in den letzten Jahren verlernt hatte.
Also blieb er lieber vorsichtig und machte sich gleich zu ihrem Fenster auf. Allerdings konnte er seinen Plan nicht sofort umsetzen, denn in der schmalen Gasse befanden sich noch zu viele Personen, die ihn beim Klettern beobachten könnten.
Er musste warten und sich in Geduld üben. Was er auch notgedrungen tat, er lümmelte sich in eine Ecke, die besonders dunkel war, und behielt seine Umgebung im Blick. Die Nacht war bereits herein gebrochen und bald würde auch die letzte Gestalt, außer ihm, aus der näheren Umgebung verschwunden sein.
In dieser Gegend trieb man sich besser nicht einmal bei Tageslicht herum, wenn man nicht passend bewaffnet war. Um diese Uhrzeit war es hier nur umso gefährlicher.
Seine Geduld wurde nicht sonderlich lange auf die Probe gestellt. Bald schon war nichts und niemand mehr zu sehen, die Fenster der umstehenden Häuser ebenfalls dunkel.
Ein feines Grinsen huschte über sein Gesicht, als er sich zu der rechten Stelle schlich und geräuschlos die Wand wieder hoch kletterte, so wie Stunden zuvor. In seinen Augen blitzte es amüsiert auf, als er das Fenster geöffnet vorfand.
Geschmeidig schwang er sich auf das Fensterbrett und blieb dort erst einmal hocken. Er konnte nichts in dem Zimmer sehen, aber er hörte eindeutig ihren Atem. Seltsam… sie keuchte ein wenig und die Luft wirkte trotz der Öffnung abgestanden, wie von altem Schweiß durchtränkt.
War sie in Ordnung? Sorge wollte in ihm hochsteigen, die absolut unangebracht war. Schließlich konnte er sonst nichts hören, was auf einen Angriff oder andere Gründe ihres schweren Atems schließen ließ.
Also versuchte er sie zu verdrängen, setzte sein lausbübisches Grinsen auf und meinte leise, jedoch gut hörbar für sie: „Hat man dir nicht beigebracht, kein Fenster offen zu lassen? Schon gar nicht in solch einer gefährlichen Gegend?“, spöttelte er und ließ sich katzenhaft in den Raum hinein gleiten, wo er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete.
Noch immer suchten seine Augen nach der jungen Frau, da sie sich noch nicht an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Warum hatte sie keine Kerze entzündet, wenn sie wusste, dass er kam?
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Feder » Donnerstag 3. Januar 2013, 16:46

Feder schmeckte Galle in ihrem Mund und wunderte sich ganz nebenbei darüber, dass ihr Frühstuck nicht wieder zum Vorschein gekommen war. Doch der Klang von Simons Stimme vertrieb schon kurz darauf ihre gedrückte Stimmung. Er war wirklich pünktlich gekommen. Viel erstaunlicher war aber die Tatsache, dass sie kein einziges Geräusch gehört hatte, bis er dann auf dann schon auf der Fensterbank saß. Wie machte er das bloß? Wobei, wenn sie so recht darüber nachdachte, dann war sie auch schon aufmerksamer gewesen. Unwichtig, das ganze lag abgeschlossen hinter ihr und sie wollte sich nicht weiter damit aufhalten.
Sie wandte sich von der Wasserschüssel ab und lächelte ihrem alten Freund zu, nach wie vor ignorierend, dass es völlig dunkel war. Aber selbst wenn sie gewollt hätte, könnte sie jetzt nichts mehr daran ändern. Ihre letzten Kerzen waren niedergebrannt und in dieser Taverne, gab es sicherlich keine Lampen oder Ähnliches.
„Da ich nun von deiner generellen Abneigung Türen gegenüber weiß, habe ich dir nur ermöglicht in mein bescheidenes Zimmer zu können. Ich will dich ja schließlich nicht draußen warten lassen. Ist eine üble Gegend hier.“, dass sie nach einer solchen Situation für Sticheleien zu haben war, hätte sie gar nicht gedacht. Simon brachte wirklich das Beste in ihr hervor. Sie betrachtete ihn genauer, in der Hoffnung, sie könne damit herausfinden was für Neuigkeiten er ihr brachte. Seine Augen schienen nicht ganz ausgeschlafen. Was auch nicht weiter verwunderlich war, wenn er noch Erkundigungen für sie eingezogen hatte. Außer seinem schelmischen Grinsen, gab seine Mimik nicht viel preis. Bedeutete dies, er hatte etwas für sie finden können? Vielleicht, vielleicht war es aber auch nur seine Maske. Wer wusste das schon.
Ihr Zeitgefühl sagte Feder, dass sie noch ein wenig Zeit hatte, dann müsste sie Anfangen zu spielen und die Geduld des Wirtes wollte sie nun wirklich nicht herausfordern. Mit ein wenig Glück, hatte er das Verschwinden des Brotes gar nicht bemerkt. Unwahrscheinlich...
„Und, konntest du etwas für mich auftreiben?“, sie versuchte ihre Stimme so beiläufig wie möglich klingen zu lassen. Feder wollte nicht, dass es so aussah, als wäre sie auf seine Hilfe angewiesen, nun da sie sich darauf eingelassen hatte. Aber auch um sich selbst vor Enttäuschung zu schützen, verbannte sie voreilige Hoffnung aus ihrer Stimme und ihren Gedanken. Es war was es war, ein Geschäft und wenn es ordentlich erledigt sein wollte, dann brauchte es eben seine Zeit. Dennoch wünschte sie sich natürlich, dass er eine Aufgabe für sie hatte. Wünschte sich, dass dieser Stillstand endlich durchbrochen werden würde. Denn so fühlte es sich mittlerweile an. Zu Anfang hatte es ihr Freude bereitet, endlich dorthin gehen zu könne, wohin sie gehen wollte. Aber nach und nach hatte sie bemerkt, dass man ohne Geld gar nicht so weit kam. Doch selbst dies wäre nicht einmal das eigentliche Problem. In ihr war viel mehr ein Hunger erwacht. Sie war es gewohnt viel zu lernen über alles mögliche, vor allem aber über ihre Begabung. Nun, da ihr Meister fort war, fehlte es ihr, darin elementare Fortschritte zu machen. Dabei hatte sie in anderer Hinsicht eigentlich etwas erreicht, etwas, das ihr noch nicht so ganz aufging. Die Erkenntnis schlummerte noch in den tiefen Winkeln ihres Geistes, vielleicht verdrängte sie es auch. Aber sie hatte einen Menschen wieder gefunden, dem sie einst nahe war und vielleicht wieder nahe sein könnte. Doch noch sträubte sich ihr Verstand dagegen dies anzuerkennen, denn daraus würde zwangsläufig ein Konflikt mit ihren Zukunftsplänen entstehen.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 16. Januar 2013, 10:58

Er hatte sich beeilt und trotzdem war er um einiges später eingetroffen, als er vorgehabt hatte. Aber er wusste, Feder würde es ihm verzeihen, schließlich hatten sie sich keinen konkreten Zeitpunkt ausgemacht. Und es war noch derselbe Tag, den sie vereinbart hatten, das war immerhin schon etwas. Er hätte ja auch erst nach dem Wechsel auftauchen können, wenn er noch länger auf den rechten Moment hätte warten müssen.
Dafür allerdings hatte er nicht mitbekommen, was mit seiner Freundin aus Kindertagen los war, und auch der Geruch nach abgestandenem Schweiß war nicht mehr heftig genug, um verräterisch zu sein.
Durch die starke Dunkelheit, die in dem kleinen Raum herrschte, konnte er nur Schemen erkennen und hielt sich an das hellere Oval, das eindeutig die Form eines Gesichtes hatte. Ihr Lächeln konnte er nicht ausmachen, aber nun wusste er ja, dass sie ihm nicht mehr feindlich gesinnt war oder daran dachte, vor ihm abzuhauen.
Über diese Phase waren sie wenigstens schon hinweg. Auch ihr spöttischer Tonfall, als sie zur Begrüßung zu sticheln begann, bewies ihm, dass sich Spannung zwischen ihnen längst gelegt hatte.
Leise lachte er und schüttelte den Kopf. „Ja, weißt du, noch bin ich in einem Alter, in dem ich diese Eingänge zu schätzen weiß. Und üble Gegend? Für wen etwa, für mich… oder für dich?“, hielt er mit einem breiten Grinsen, das man seiner Stimme auch anhören konnte, dagegen.
Es tat gut, dass sie sich wieder freundlicher im gegenüber verhielt, das würde ihnen nicht nur ihren Wunsch erleichtern, sondern ihm Möglichkeiten eröffnen, wie er sie länger in seiner Umgebung behalten könnte, ohne sie einsperren zu müssen. Dazu war er nicht geeignet, jedoch war er gewillt, sie nicht so rasch wieder verschwinden zu lassen.
Denn er hatte sie immer sehr gern gehabt, sie war ja fast wie eine kleine Schwester für ihn gewesen. Da war es sicherlich nur verständlich, dass er nach den langen Trennungsjahren nicht so rasch auf ihre Gesellschaft erneut verzichten wollte.
Doch nur zu bald kam sie auf das eigentliche Thema zu sprechen, auf jenen Grund, warum sie hier auf ihn gewartet hatte. Lautlos seufzte er und sein Grinsen verblasste etwas.
Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sie zugegeben hätte, dass sie sich auch so über seinen Besuch freuen könnte. Nun ja, egal, kamen sie eben gleich zum Geschäftlichen.
Seine Miene wurde ernster und kühler, seine Augen erschienen noch wachsamer, als er ein knappes Nicken andeutete, nicht als Antwort auf ihre Frage, sondern darauf, dass er verstanden hatte.
Dann allerdings schüttelte er leicht den Kopf. „Ich habe etwas in Planung, nur zu wenig, um dir schon was drüber sagen zu können.“ Er seufzte leise und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand direkt neben dem Fenster.
„Das heißt, du wirst dich noch länger mit mir abgeben müssen.“, fuhr er fort und grinste wieder, da er es nicht lassen konnte, sie etwas zu ärgern. „Aber das wirst du sicher genießen, immerhin bin ich ein wirklich toller Kerl, bei dem jede Frau gerne ihre Zeit verbringt.“ Mal sehen, wie sie darauf reagieren würde.
Davon wollte er es auch abhängig machen, ob er ihr jetzt schon eröffnete, dass er noch einen Plan hatte. Nicht in der Hinsicht, wie sie beide an Geld kommen könnten, jedoch in derjenigen, ob sie ihre Tage weiterhin in dieser heruntergekommenen Kaschemme verbringen würde oder nicht. Er konnte sie nicht zwingen, mit ihm zu gehen, unversucht würde er es dennoch nicht lassen, sie dazu zu bewegen.


Occ: tut leid fürs lange warten – ich hoffe, der post entschädigt ein bisschen :)
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Feder » Mittwoch 10. April 2013, 23:05

„Wenn alle hier in der Gegend so einfach durch mein Fenster klettern können, dann wohl eher für mich,“ erwiderte sie mehr nachdenklich als amüsiert.
Die Sticheleien waren eine willkommene Abwechslung zu den sonst nur flachen, rudimentären Gesprächen, die sie führte.
Aber das war nicht worauf sie eigentlich aus war. Sie wollte nicht ungeduldig wirken, wünschte sich aber, dass Simon eine Beschäftigung für sie gefunden hätte. Denn nach wie vor hatte Feder das Gefühl das Geld zu brauchen, um ihren Wünschen einen Schritt näher zu kommen. Allerdings begann sie schon ganz leise und sacht zu spüren, dass diese Begegnung ihre Ziele umkrempeln könnte. Etwas das ihr nicht gerade gefallen würde, immerhin hatte sie sich das ganze letzte Jahr an sie geklammert und nun...vielleicht war sie ein wenig unflexibel. Doch momentan war da nicht mehr als der Hauch einer Ahnung und bevor Feder sich auf ihre Gefühle und Ahnungen verlassen würde, müsste noch eine Menge passieren.
„Ich habe etwas in Planung, nur zu wenig, um dir schon was drüber sagen zu können. Das heißt, du wirst dich noch länger mit mir abgeben müssen.“
Irgendwie schien ihr Simon sogar ein wenig erfreut darüber zu sein. Argwöhnisch musterte sie ihn. Aber warum sollte er? Vermutlich bildete sie sich nur etwas ein.
Entscheidender war allerdings, dass er schon etwas in Planung hatte, was auch direkt ihre Neugier weckte. Es war sowieso klar gewesen, dass er innerhalb eines Tages nicht etwas hatte an Land ziehen können. Ein Plan war ja auch immerhin schon ein Anfang. Doch was hatte er sich wohl einfallen lassen? Nachdenklich begann Feder sich eine Strähne um den finger zu wickeln. Was für Verbindungen hatte er sich überhaupt in Grandessas Hauptstadt aufgebaut? Wo Arm und Reich so nahe bei einander leben dürfte es sicher äußerst finstere Gestalten geben.
Doch Simons nächster Satz durchbrach direkt ihre Gedanken.„Die Frauen die mit dir ihre Zeit verbringen wollen, musst du wohl bestochen haben. Aber ich denke ich könnte mich Opfern und dir ein wenig Gesellschaft leisten. Der alten Tage wegen natürlich.“ antwortete sie schelmisch. Dabei war ihr beim Anblick des gut trainierten Körpers völlig klar, dass er vermutlich sogar die Wahrheit gesagt hatte. Ob sein Aussehen und seine warme, kräftige Stimme wohl schon viele Frauen in Grandea verführt hatten? Nicht dass es sie etwas anginge... Sie hasste es schließlich auch, wenn jemand in ihe Privastsphäre eindrang. Und dennoch schien ihr die Privatsphäre anderer Personen dann meist doch nicht ganz so wichtig.
Eigentlich müsste Feder demnächst beginnen die Gäste zu unterhalten, da sie aber schon so lange keine wirkliche Gesellschaft mehr genossen hatte, stufte sie die Relevanz jener Tätigkeit problemlos herab. Das war einer der Vorteile, welches ein Leben auf Reisen mit sich brachte. Man war freier das zu tun was man tun wollte. Sollte der Wirt wütend sein, würde er sie hinaus jagen. Na und? Sie würde schon etwas finden. Arg viel schlimmer als in dieser Kaschemme würde es kaum werden.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Dienstag 16. April 2013, 14:50

Der junge Mann grinste frech, schaffte es nicht, eine Unschuldsmiene aufzusetzen, da es ihn viel zu sehr erheiterte, seine alte Freundin wieder zu sehen und zu necken. "Hm...", kam es nachdenklich von ihm, so betont, dass klar war, dass er es nicht sonderlich ernst meinte. Dann jedoch lachte er ein weiteres Mal leise. Ach, ich glaub, du bist sicher. Niemand ist so gut wie ich!", behauptete er im Inbrunst der Überzeugung.
Er war durchaus etwas eingebildet und da er bisher nur äußerst wenig Niederlagen hatte einstecken müssen, hatte sein Leben diesen Charakterzug an ihm erheblich gestärkt. Schließlich bereitete er sich trotz allem immer gründlich auf seine Vorhaben vor, holte lieber zu viel als zu wenig Informationen ein und reizte seine Geduld stets aus. Entsprechend war er nicht beunruhigt, dass er Feder noch nichts Konkretes sagen konnte, da er sie ja auch nicht in Schwierigkeiten bringen wollte.
Trotzdem gefiel es ihm nicht, denn er wusste nicht, ob seine alte Freundin sich ebenso besonnen zeigen oder ihm den Kopf abreißen oder einfach verschwinden würde. Das wurmte ihn um einiges mehr als die Tatsache, dass noch Zeit nötig wäre, bis sie zum Ziel gelangen könnten.
Doch er zeigte es nicht, sondern blieb der unbekümmerte Strolch, den er so gerne darstellte, und wählte seine Worte bewusst so, um ihr Interesse zu wecken und sie zu ködern. Er merkte, dass es ihm gelungen war, als sie damit begann, mit einer ihrer Haarsträhnen zu spielen. Ihren Blick selbst konnte er in dem schlechten Licht nicht erkennen, allerdings konnte er sich diesen vorstellen, wenn sich gegen früher nicht zu viel verändert hatte.
Innerlich ließ seine Anspannung ein kleines Bisschen nach, während er fortfuhr. Dann jedoch wurde sie gemein und erwischte ihn an einem empfindlichen Punkt. Simon verschränkte die muskulösen Arme und sein Grinsen verschwand. "So, meine Gesellschaft ist also nicht besonders genug, als dass sie nicht ohne Gegenleistung genossen werden kann, ja?", gab er patzig zurück und klang wie der kleine Junge früher, wenn dieser etwas nicht bekommen hatte, obwohl er es gewollt hatte.
Denn ein weiterer seiner Charakterzüge war, dass er sehr rasch zu beleidigen war. Nicht bei vielen Punkten und auch nicht jeder, aber wenn es einmal geschah, sollte man sich hastig überlegen, wie man das wieder beilegen könnte. Der junge Mann war durchaus nachtragend und das hatten schon einige zu spüren bekommen, sodass sie ihr Handeln bitter bereut hatten.
"Nun, wenn dem eben so ist, werde ich die Dame nicht länger belästigen.", setzte er hinzu und wurde obendrein höflich. Kein gutes Zeichen, definitiv nicht!
Dazu hätte es nicht des Umstandes bedurft, dass er sich demonstrativ umdrehte und geschmeidig auf den Sims des Fensters sprang. Er würde verschwinden und in seinem Versteck erst einmal schmollen. Danach würde er sich überlegen, wie es mit seinem Plan stand, ob er ihn fallen ließ oder auf eigene Faust ausführen würde.
Auf jeden Fall würde er noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob er Feder helfen würde, alte Freundschaft hin oder her, erst recht würde er ihr keinen Unterschlupf mehr gewähren wollen. Er war beleidigt, ernstlicht! Da hörte jede Freude und Hilfsbereitschaft für ihn auf.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Feder » Mittwoch 17. April 2013, 15:14

An Simons hartem Ton erkannte Feder, dass die Stimmung gekippt war. Irgendwie musste sie einen empfindlichen Nerv getroffen haben. Dabei war sie sich sicher, dass ihre Reaktion noch im Rahmen des üblichen Geplänkels gelegen hatte. Oder nicht? Jetzt war dieser Mann plötzlich kalt, distanziert und Feder konnte einfach nicht nachvollziehen warum. Doch bevor sie sich etwas hätte einfallen lassen können, um die Situation zu retten, war er schon verschwunden. Geschmeidig und elegant wie eine Raubkatze, fließend wie ein Schatten und ohne etwas zu hinterlassen, ging er wie er gekommen war.
Menschen! In solchen Situationen wusste Feder wieder warum sie so wenig direkt mit ihnen zu tun hatte. Sie waren viel zu kompliziert, folgten keinen eindeutigen Regeln die man anwenden konnte, waren verletzlich und verletzten. Davon mal abgesehen schien sie ein besonders schlechtes Händchen für so etwas zu besitzen.
Langsam schlürfte sie mit hängenden Schultern zum Fenster, schloss es und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Was nun? Seine Reaktion hatte ihr gezeigt, dass sie Simon überhaupt nicht kannte. Sie hatte geglaubt ihn zu kennen, doch in Wirklichkeit lag dies schon viele Jahre zurück. Man sollte sich nicht auf andere verlassen, vor allem nicht auf Fremde.
Das schnelle Ende des Gesprächs nahm ihr immerhin die Entscheidung ab, ob sie jetzt doch musizieren sollte oder ob nicht. Eine Mahlzeit würde sie davor allerdings nicht mehr einnehmen können. Verflucht, was für eine Zeitverschwendung. Mit einem Seufzer stieß Feder sich ab und bereitete sich schnell auf ihren Auftritt vor. Doch mittendrin erinnerte sie sich, dass sie dem Wirt noch etwas für ihre nächtliche Mahlzeit schuldete. Eigentlich war Feder sich sicher gewesen, dass sie dies mit ein paar Münzen begleichen könnte. Doch ihre Fähigkeit Menschen einzuschätzen ließ ja wohl offensichtlich zu wünschen übrig. Simon war nur wütend, oder was auch immer, davon gezogen. Aber mit dem Wirt konnte das ganze natürlich sehr haarig werden. Denn wenn man wollte, könnte man ihr nächtliches und unerlaubtes Brot Verzehren, als Diebstahl auslegen. Vielleicht sollte sie also lieber sicher gehen und die Schenke verlassen. Am besten ohne gesehen zu werden. Menschen! Sie schien einfach immer das Falsche im Umgang mit ihnen zu tun. Aber sicher ist sicher.
Hastig verstaute sie die Harfe wieder in ihrem Beutel, lief in das Eck mit ihren Habseligkeiten,packte alles, legte sich den Gürtel mit den Beuteln und Dolchen an, um zu guter Letzt ihren heruntergekommenen, grauen Mantel über das ganze zu werfen. Die Dolche dienten nur zu Abschreckung, allerdings war ihr aufgefallen, dass ihr Vorrat an getrockneten Früchten langsam zu Neige ging und der Wasserschlauch war auch höchstens mit ein paar Schlücken gefüllt. Wozu hätte sie ihn auch in einer Taverne brauchen sollen? Immerhin trug sie etwas Geld bei sich. Nicht besonders viel, aber alles, was sich über das letzte Jahr angesammelt hatte.
Durch den Schankraum würde sie nur schwer ungesehen kommen. Nun, eine Alternative blieb ihr ja auch noch. Das Fenster. Langsam ging sie wieder auf selbiges zu, öffnete es und betrachtete die Distanz bis zum Boden. Ein Stock war nicht besonders viel. Sie war ja nicht übermäßig ungeschickt und das Mauerwerk enthielt viele Risse und Spalten, da der Putz schon längst hinüber war. Sie würde bei weitem nicht so schnell und elegant wie ihr Gast hinunter gelangen. Aber sie war sich sicher, dass es klappen würde.
Auf dem Fenstersims hockend warf sie einen letzten Blick in den Raum, der verlassen noch schäbiger wirkte als zuvor. Man könnte fast meinen einen Blick in ein seit Jahren verlassenes Haus zu werfe. Feder riss sich los von der Vorstellung und spähte nun in die Gasse unter ihr. Ihre braunen Augen verengten sich. In diesem Viertel gab es nichts, was die Straßen erhellen würde. Die Leute waren schlichtweg zu arm dafür. Nicht dass es Feder auch nur im geringsten stören würde. Es war ihr sogar deutlich lieber so, als in der blendenden Sonne zu klettern. Sie überprüfte nochmals genau ob jemand zu sehen oder etwas zu hören war. Aber mehr als das entfernte Kläffen eines Hundes drang nicht durch den Lärm der Tavernenbesucher.
So begann sie vorsichtig mit ihren Füßen eine Lücke nach der anderen zu suchen. Bei ihrem Abstieg schmiegten sich die Schatten wie alte Freunde an Feder und verbargen sie vor dem Auge des Mondes. Alleine der innige Wunsch nicht gesehen zu werden, brachte die Dunkelheit dazu sie zu umarmen. Und schon fühlte sich Feder deutlich geborgener als noch einen Moment zuvor. Ihr Aufbruch war zwar ein wenig übereilt, aber sie hatte ja ein Ziel. Dabei konnte sie sich kaum noch an die Gassen hier erinnern. Mit etwas Glück würde sie nicht allzu lange durch die Straßen irren.
Für den Moment aber hoffte sie nur heil und ungesehen am Boden anzukommen.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. April 2013, 13:03

Sie ließ ihn ziehen… Verdammt, sie machte nicht mal den Versuch, ihn zurück zu halten! Mehr noch als ihr Scherz, der gründlich daneben gegangen war, schmerzte ihn die Tatsache, dass er nichts hinter sich merken konnte, das ihn zum Bleiben hätte bewegen sollen. Gekränkt und in seinem Stolz stark verletzt, kletterte er geschickt die Außenmauer hinab und lehnte sich am Boden mit dem Rücken dagegen.
Einen Moment lang schloss er die Augen und verabschiedete sich in seinem Inneren von der alten Freundschaft. Er hatte es nicht wahrhaben wollen, aber anscheinend hatten die Jahre trotz allem dafür gesorgt, dass sie einander fremd geworden waren.
Was hatte er auch anderes erwartet? Trotzdem war es bitter… und das so sehr, dass er die Stimme der Vernunft dieses Mal überhörte, die ihm deutlich machen wollte, dass er gerade überreagierte. Doch zurück konnte und würde er nicht gehen.
Noch einmal sah er hoch zu dem Fenster und murmelte leise: „Leb wohl.“ Er würde seiner Wege gehen und sie vermutlich nie wieder sehen.
Obwohl es ihm schwer fiel, drückte er sich von der Wand weg und zwang sich, seine Schritte zu lenken. Egal, wohin diese ihn führen würden…

Indes entschied sich Feder dafür, nicht noch einmal dem Wirten unter die Augen zu treten. Stattdessen packte sie zusammen, was sie an wenigen Dingen besaß, und machte sich auf den Weg, um wo anders ihre Zelte wieder aufzuschlagen.
Die Gasse selbst, in welcher sie landete, war still, dunkel und wirkte wie verlassen. Eigentlich ideal, um sich davon zu stehlen, besonders, wenn man sich zusätzlich auf magische Art und Weise in die Schatten hüllen konnte. So kam die junge Frau unbeschadet voran, erreichte den festgestampften Dreck der Gasse und konnte sich auf den Weg machen.
Doch wohin sollte sie sich wenden? Nach rechts, tiefer in die Nacht und das Viertel hinein, oder nach links, wo der Eingang der Taverne lag und sie jederzeit einem der Gäste darin über den Weg laufen könnte? Ersteres würde ihr einen ungewissen Pfad weisen, bei dem es nicht sicher wäre, wohin genau dieser sie führen und ob sie sich nicht unweigerlich verlaufen würde. Letzterer barg das Risiko, gesehen und womöglich erkannt zu werden, weil es dort ein bisschen Licht gab, das ihre Kräfte auf die Probe stellen würde.
Beide Möglichkeiten hatten somit ihre Vor- und Nachteile, Feder müsste sich lediglich für diejenige entscheiden, deren negativen Aspekte geringer wären.
Ob sie Simon doch hätte zurückrufen sollen? Er kannte sich gewiss in diesen Gassen aus und hätte ihr helfen können. Aber der junge Mann war fort und es war fraglich, ob sie ihn je wieder finden würde. Besonders, wenn er sich womöglich nicht finden lassen wollen würde…
Was also sollte sie nun tun?
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Feder » Donnerstag 18. April 2013, 20:56

Feder fühlte sich ein wenig erleichtert, als sie unbeschadet und vor allem unbeobachtet auf dem Boden ankam. Tief sog sie die Nachtluft in ihre Lungen. Auch wenn der Geruch in den Engen Gassen meist nicht viel besser war als in der Taverne, so wehte heute doch ein erfrischender Wind durch Grandessas Hauptstadt. Froh darüber sich aus einem vermeintlichem Konflikt mit dem Wirt geschlängelt zu haben, schaute sie sich hier um. Nach links, auf den Eingang der Taverne zu, wollte sie nicht gehen. Sie traute es sich durchaus zu mit dem wenigen Licht fertig zu werden, aber nachdem sei gerade diesen Teil ihres Lebens hinter sich gelassen hatte, fühlte es sich einfach falsch an wieder auf die Tür zuzugehen. Mal ganz abgesehen davon, dass Dunkelheit und die Aussicht auf keinerlei Gesellschaft deutlich verlockender wirkten. Entschlossen drehte sie sich nach rechts und ließ das Gasthaus hinter sich zurück, womit sie auch keinen weiteren Gedanken an die Vorfälle dort verschwenden wollte. Eine weitere schlechte Erfahrung im Umgang mit Menschen. Ob andere Völker auch so waren? Auch wenn sie schon etwas von ihrem Meister über sie gelernt hatte, so hatte sie doch kaum je einen Vertreter anderer Völker zu sehen bekommen. Eigentlich war es auch nicht wichtig. Sie brauchte keine Gesellschaft und sie wollte auch keine Gesellschaft. Was sie hingegen wollte, war lernen. Sich der Nacht hinzugeben, die Schatten zu lieben, die Faszination zu begreifen und zu durchdringen, welche die Dunkelheit in ihr hervorrief. Fürs erste wäre es aber schon ausreichend, einen Weg zu finden.
In der Gasse vor ihr drängten sich kleine Häuser dich an dicht, als kauerten sie sich zum Schutz vor dem Wind zusammen. Wenn man den Zustand einiger von ihnen genauer betrachten würde, dann war dies vermutlich auch notwendig.
Langsam schritt sie los, eingehüllt in ihren treuen Mantel, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen verschmolz sie nahezu mit den Schatten die in den engen Gassen zuhause waren. Ihre Ohren waren gespitzt um verdächtige Geräusche von Beutelschneider oder Banditen zu erkennen. Aber wenn sie sie so darüber nachdachte, was sollten diese hier wollen? Die Leute außerhalb des inneren Rings besaßen so wenig, dass ein Überfall kaum der Mühe wert war. Dennoch wollte sie auf der Hut bleiben. Irgendwie würde sie schon einen Weg aus diesem Gewirr von Häuschen, Hütten und Bruchbuden finden um zu einem der Tore zu gelangen. Zum Glück hatte die Stadt mehrere.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Samstag 20. April 2013, 10:06

Es war noch nicht so spät nachts, dass sich gar niemand mehr auf den Beinen befinden und der jungen Reisenden begegnen könnte. Allerdings befand sie sich in einer Gegend, in welcher sich schon tagsüber in den allerengsten Gassen und Winkeln niemand freiwillig bewegte, wenn er es denn nicht musste.
Selbst das Gesindel, Diebe und andere Verbrecher, hielten sich hier kaum auf, da sich das im Geschäft nicht lohnen würde. Lediglich Betrunkene konnten sich öfters auf diese Wege um jene Uhrzeit verirren. War somit die Frage, ob Feder Glück haben würde oder nicht.
Viel zu erkennen war bei diesem schlechten Licht definitiv nicht und selbst wenn, gab es nicht wirklich etwas, was sich zu sehen lohnte. Die Gebäude waren herunter gekommen, oft fehlten Fensterläden und ähnliches, sodass lediglich große, schwarze Löcher gähnten.
Alles war staubig und dreckig, Unrat lag auf dem Boden und manchmal waren es auch Körperteile, die nicht mehr länger alle zusammen passten. Die roch man auch, jedoch war es ganz gut, wenn man nicht alles sehen musste.
Also hatte die junge Frau noch Glück in ihrer Situation. Entsprechend konnte sie es auch wagen, sich weiter in die Dunkelheit zurück zu ziehen, den Weg zu wählen, der sie weit weg von dem Licht der Schenke führen würde. Musste sie nur auf ihren Orientierungssinn vertrauen, damit sie sich nicht hoffnungslos verlaufen würde.
Plötzlich krähte in einem der verfallenen Bauten ein Säugling los, was umso lauter klang, da dieses Gebäude nur Öffnungen hatte, die einmal als Fenster hatten verschlossen werden können. Obendrein klang es noch viel lauter, weil alles ansonsten derart leise war.
Doch es rührte sich nicht viel, vielleicht ein oder zwei Hunde, die zu jaulen und bellen begannen, irgendwo fluchte auch jemand, das war es dann letzten Endes auch schon. So gelangte Feder dichter in das Wirrwarr der Gassen hinein und versuchte, einen Weg Richtung Ausgang zu finden.


Feder geht nach: Gibt es Geister wirklich…?
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. Januar 2015, 11:12

Roac kommt von: Hehlerladen „Zur schwarzen Feder“

Die Schenke war etwas für die Unterschicht, die armen Leute, und das nicht nur aufgrund seines Namens. Die Preise waren niedrig, die Qualität ebenso, und das Publikum, das sich jeden Tag in der Schenke sammelte, sah entsprechend aus. Geflickte, abgetragene Kleidung, gedämpfte, oft schon ausgewaschene Farben und verfilztes, meist bewohntes Haar. Die Blicke waren trübe und abgestumpft, die Haut dreckig und auch Wunden waren keine Seltenheit, leichte wie tiefe, wenn es nicht gar gravierendere Verletzungen waren. Oft roch es nach Schweiß, Blut und Eiter, aber es kümmerte niemanden. Dennoch wollten diese Personen ihr teuer verdientes Geld in der Schenke ausgeben für eine warme Mahlzeit oder ein saures Bier, um sich wenigstens ein bisschen etwas zu gönnen. Man wollte spüren, dass man noch am Leben war. Dazu gehörte auch eine passende Unterhaltung, die geboten werden sollte, Musik, die anrührte oder unterhielt. Und diese sollten sie auch bekommen, dafür sorgte der Wirt. Roac wusste, dass der Hausherr seit einigen Monaten ein junges Mädchen bezahlte um die Leute bei Stimmung zu halten. Er hatte sie selbst noch nicht gesehen, aber ihr Ruf eilte ihr voraus. Als er jedoch heute die Schenke betrat, war es ein Mann der den Gästen Kurzweil bereitete. Er saß mit seiner Klampfe auf einem Hocker und sang mit leichtem Dialekt. Grandea war wohl nicht seine Heimat, aber er gab sich mühe. Selbstverständlich wandten sich ihm sofort alle Blicke zu, verstummten die Gespräche und lauschte der Großteil der Darbietung.

„Die Taverne ist mein Heim,
hier sind meine Freunde,
lad auf gutes Bier sie ein,
so solls ja schließlich sein!

Hier wird getanzt und auch gelacht,
denn hier sind meine Freunde
wir zechen mehr als die halbe Nacht,
so wird’s schließlich gemacht!

Selbst die Dorfmaid ist heut hier,
aber die ist nichts für meine Freunde,
heute schäkert sie nur mit mir,
und mit etwas Glück (kurze Pause) geht’s danach zu ihr.“

Weitere Strophen folgten und die Aufmerksamkeit im Schankraum verlief sich wieder. Die Stimmung war gut, ruhig und in manchen Ecken schon schläfrig. Roac ließ seinen Blick schweifen, während er sich dem Tresen näherte. Dort würde er Informationen bekommen. Er kannte den Wirt, wenn auch nicht seinen Namen. Er war der Wirt, nicht mehr und nicht weniger, immer da und gegen ein kleines Entgelt vermittelte er auch mal gerne Gesprächspartner. Ansonsten waren zu dieser Stunde recht wenige Gäste noch anwesend. Die meisten hatten entweder ihren Weg schon in die gemieteten oder heimischen Betten gefunden, oder lagen noch halb, auf ihre Ellenbogen gestützt, auf den Tischen. Das gute an dieser Schenke war vor allem, dass die Dunkelelfen kein Interesse an schalem Bier und dreckigen Tischen hatten. Hier trafen sich die Einheimischen und das merkte man auch an der Sprache.
„Du Schalachtan! Du flunkerscht! Es jibt keene fünf Asse!“
, erklang es aufgebracht aus einer Ecke des Raumes. Sofort entbrannte eine hitzige Diskussion, der der Wirt leider erst einmal beiwohnen musste, damit kein Mobiliar zu Bruch ging. So hatte Roac Zeit die Leute auf sich wirken zu lassen. Da war auf den ersten Blick die Ecke mit den drei betrunkenen Spielern, dann eine kleine Gruppe von vier feiernden Gästen, die nach Bauern aus der Umgebung aussahen, zwei Männer die sich leise flüsternd in einer Nische zurück gezogen hatten und dann noch drei Kerle und zwei Frauen, die lachend von einem Schoß zum nächsten wechselten. Ein allein sitzender alter Mann hockte noch an einer Wand und schien bereits zu schlafen.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Freitag 30. Januar 2015, 03:10

Durch die schneidende Kälte der Straße noch ganz steif gefroren betrat Roac das schäbige Gasthaus und strich sich die Kapuze aus dem Gesicht. Kaum war er über die Schwelle getreten, hüllte ihn bereits der altbekannte Dunst des Schankraums ein - schwer und mit einem etwas beklemmenden Geruch, doch dafür warm, wenn auch nicht gerade einladend. Die Inneneinrichtung des Gasthauses trug ihren Teil dazu bei. Die Wände waren mit dunklem Holz getäfelt, dass an vielen Stellen rissig und ohne viel Federlesen vernagelt war und die Fenster mit einer dicken Schmutzschicht verschmiert. Etwas mehr als ein Dutzend schäbiger Rundtische drängten sich eng aneinander, um sie herum standen bunt zusammen gewürfelte Sessel, von denen nur noch wenige all ihre Beine besaßen. Beleuchtet wurde das Zimmer durch das leise prasselnde Feuer eines grob gesteinerten Kamins und den schummrigen Lichtern einiger sparsam verteilten Kerzen.
Schon ne ganze Weile her, seit ich das letzte Mal hier war...
Langsam setzte er sich in Bewegung und versuchte mit seinem verdammten Bein nicht gegen jeden verdammten Stuhl im Raum zu stoßen - ein Vorhaben, bei dem er kläglich versagte. Während er sich zwischen den Möbeln hindurch schlängelnd in Richtung Theke hinkte, ertappte er sich dabei wie sein Blick zu dem abgewandten Tisch in der Ecke des Raumes wanderte. Marvin, Bär, Babette, Lares... nur kurz sah er ihre Gesichter vor sich, bis er sich einen Ruck gab und sich wieder auf die Lebenden konzentrierte.
Es war nicht gerade die geschäftigste Uhrzeit die er sich für seinen Besuch ausgesucht hatte. Die meisten armen Schlucker die sich hierher verirrten schliefen bereits, während die wahren Stammgäste der Schenke, die Diebe, die nächtlichen Stunden nutzten um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch waren neben Roac noch einige wenige Gäste anwesend. Zum Glück sorgte der ausländische Barde im Moment für genügend Ablenkung, sodass der Hehler sich in aller Ruhe umsehen konnte ohne allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Ihm fielen fünf besetzte Tische ins Auge, die erstmal vormerkte. An der Theke stand der Wirt und putzte ein Glas mit einem fleckigen Lappen, sodass es nur noch dreckiger wurde.
Ich frag mich ob er sich noch von damals an mich erinnern kann. Beim letzten Mal hat es nicht gerade danach ausgesehen...
Schon öffnete er den Mund um ein Bier zu bestellen, da gab es plötzlich ein lautes Krachen und der Wirt fuhr zusammen.
„Du Schalachtan! Du flunkerscht! Es jibt keene fünf Asse!“
Ihre Blicke trafen sich kurz, dann eilte er fluchend an ihm vorbei zu den randalierenden Streithähnen. Roac zuckte mit den Schultern und lehnte sich an die Bar. Er hatte keine Eile, das Bier konnte warten, vermutlich tat es das ohnehin schon seit Wochen. Seine eisblauen Augen huschten zwischen den Tischen hin und her und beobachteten die Gäste. Ein paar Betrunkene, eine Gruppe Feiernder, einige Bauern die nach der Arbeit einen trinken wollten. Er fand an ihnen nichts außergewöhnliches und ließ sie fürs erste außen vor. Stattdessen sah er zu den zwei Männern in der Nische hinüber, die sich hinter vorgehaltener Hand unterhielten. Von hier aus konnte er ihre Gesichter nicht erkennen, geschweige denn hören was sie sprachen, doch ihre Art kam ihm vertraut vor. Dann war da noch der Alte, der ihm den Rücken zudrehte und leise schnarchte. Vielleicht ein Kesselflicker dessen Frau ihn aus dem Haus geworfen hatte?

„Die Taverne ist mein Heim,
hier sind meine Freunde,
lad auf gutes Bier sie ein,
so solls ja schließlich sein!

Hier wird getanzt und auch gelacht,
denn hier sind meine Freunde
wir zechen mehr als die halbe Nacht,
so wird’s schließlich gemacht!

Selbst die Dorfmaid ist heut hier,
aber die ist nichts für meine Freunde,
heute schäkert sie nur mit mir,
und mit etwas Glück (kurze Pause) geht’s danach zu ihr.“


Während der Sänger mit undefinierbaren Akzent sein Lied sang, dachte Roac darüber nach, was er sich eigentlich durch diesen Ausflug erhofft hatte. Er wurde sich der Lächerlichkeit seines Plans bewusst. Hatte er gedacht, dass hier bereits Aushängeschilde mit Hases' Abbild verteilt wurden? Der Junge war vielleicht mehr als nur ein Gelegenheitsdieb - selbst das wusste er nicht mit Genauheit - aber ob er mit seiner Vermutung auf eine Gruppe richtig lag, war wiederum eine anderes Sache. Und wie sollte er mit ihr in Kontakt treten? Er konnte nicht darauf vertrauen, dass ihn jeder Dieb in Grandea kannte. Die meisten Geschichten über seine alten ruhmreichen Tage waren bereits vergessen, übertönt von den Taten neuer Talente. Und schließlich war er nicht der einzige Hehler in Grandea.
Ich hätte nicht hierherkommen sollen...
Missmutig stieß der Hehler mit dem Stiefel gegen ein nahe stehendes Tischbein. Die Wahrheit war, dass er nicht nur wegen dem Jungen so übereilig den Laden verlassen hatte. Es war schon mehr als drei Monate her, seit er außer Haus gegangen war, nicht nur um Nahrungsmittel zu kaufen oder zur Apotheke zu gehen. Und jedes Mal, wenn er wieder zurückgekommen war, die Tür hinter sich verriegelt und die Gitter an den Fenstern überprüft hatte, war es ihm vorgekommen, als würde er sich selbst einsperren, nicht er den Rest der Welt aus. Er lebte in einem Kerker... und er war sein eigener Kerkermeister.
Roac schnitt eine Grimasse und versuchte sich wieder auf die zwei Gestalten am Rande des Schankraums zu konzentrieren. Doch immer öfter wanderten seine Augen nun unbewusst zu den kichernden, kokettierenden Frauen am Nachbartisch.
Kann mich gar nicht mehr erinnern wie es sich anfühlt...
Seine Gedanken schweiften ab und nun sah er sich nicht mehr wegen den Gästen um. Sein Geldbeutel hing angenehm schwer an seiner Seite und gab ihm mit einem Mal das Selbstbewusstsein, dass er schon lange verloren geglaubt hatte.
"Vielleicht... nehm ich doch mehr als nur ein Bier..."

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Freitag 30. Januar 2015, 10:19

"Vielleicht... nehm ich doch mehr als nur ein Bier..."
Da hatte er wohl seinen Gedanken laut ausgesprochen und just in dem Moment sah eine der beiden „Damen“, in gewissen Kreisen auch „Jenny's“ genannt, zu ihm hinüber. Ihre Blicke trafen sich und sie schmunzelte. Manche dieser Frauen hatten einfach ein Näschen für die heimlichen Bedürfnisse ihrer Umgebung, beziehungsweise für die Leute, die sich es auch leisten konnten. Sie war die kleinere der beiden. Nicht ganz so drall, aber nicht unansehnlich. Die Kleidung war deutlich alt und geflickt, doch die junge Frau darunter bei guter Gesundheit und sie hatte noch alle Zähne, im Gegensatz zu ihrer Partnerin. Ihre Augen funkelten in hellem Blau und ein paar Sommersprossen zierten ihre helle, spitze Nase. Ihr Haar war durchgehend cremefarben und im Nacken hoch gesteckt, An den Seiten fielen ihr zwei lange Strähnen tief in den lockenden Ausschnitt und gerade in diesem Moment rutschte, wie aus Versehen, ein Träger ihres Kleides über ihre Schulter und zeige Roac ein wenig nackte Haut. Sie hatte seinen Blick gesehen und beherrschte das Spiel. Sie war noch in den Zwanzigern, doch so genau war das wohl nicht zu sagen. Sie beugte sich vor und flüsterte der anderen etwas ins Ohr, diese nickte lachend und zog die ganze Aufmerksamkeit auf sich, indem ihr beim Nachschenken des billigen Weines ihre Weiblichkeit aus der Bluse sprang. Zur Antwort erhielt sie zustimmendes Gejohle von den Männern und einige begannen eilig in ihren Taschen zu kramen. Die Kleine erhob sich unbemerkt von der Truppe und kam lächelnd auf Roac zu. Mit vielleicht 1,60m war sie sogar ein gutes Stück kleiner als er und wirkt dadurch noch ein wenig jünger. Sie lehnte sich mit den Ellenbogen rücklings neben ihm an den Tresen, sodass er eine gute Aussicht auf ihre Vorzüge hatte und sah ihn direkt an.
„Na Fremder, so allein?“
Mehr war nicht nötig. Beide wussten, dass sich hier Angebot und Nachfrage gegenüber standen. Jetzt ging es nur noch um Details. Doch war Roac dafür her gekommen? Anderseits, hatte er sich nicht wirklich etwas Zuneigung und Wärme verdient, nach so langer Zeit?
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Sonntag 1. Februar 2015, 00:36

Ob es nun eine Art der Magie, jahrelange Berufserfahrung oder einfach nur ein gutes Bauchgefühl war konnte Roac nicht sagen, doch nur Sekunden nachdem er die beiden schäkernden Frauen von der Bar aus beobachtet hatte, drehte sich eine von ihnen nach ihm um. Er sah wie ihre Augen rasch über sein Erscheinungsbild huschten und schließlich an seinem Geldbeutel hängen blieb. Diebe und Huren - wie unterschiedlich ihr Gewerbe auf den ersten Anschein auch sein mochten, hatten sie doch viele Gemeinsamkeiten. Und als sie auf ihn zuging wusste der Hehler, dass das altbekannte Spiel bereits begonnen hatte.
„Na Fremder, so allein?“
Sie platzierte sich betont lässig neben ihn, warf sich ihm nicht ungestüm um den Hals oder presste ihm die Brüste ins Gesicht, so wie es ihre Kollegin am Tisch gegenüber tat. Anscheinend sah sie keinen Grund die Sache zu überstürzen und Roac war das nur recht. Immerhin war er sich immer noch nicht ganz sicher, ob er zu ihrem bevorstehendem Angebot auch wirklich Ja sagen würde. Der Gedanke danach war ihm spontan gekommen, ein Einfall der sich auf ein monatelang unterdrücktes Bedürfnis berief. Nun da er an Geld gekommen war - wie auch immer er das zu Stande gebracht hatte - schien der Zeitpunkt gekommen zu sein, einige Dinge nachzuholen. Dass er für die Lysanthemer in seiner Tasche eigentlich weitaus bessere Verwendung hatte, war in diesem Moment unwichtig. Vorräte, eine Matratze, neue Schindeln für das Dach... nichts davon hatte Bedeutung. Der Hehler wollte endlich einmal wieder spüren, was es hieß, am Leben zu sein. Und da kam ihm das Mädchen gerade recht.
"Na Hübsche, noch so spät am Arbeiten?"
Ihr schelmisch zuzwinkernd nutzte er die Gelegenheit, sie sich aus nächster Nähe anzusehen. Was er sah gefiel ihm. Die Kleine war keine Schönheit, aber besaß alles was man sich an einer Frau nur wünschen konnte und war auch sonst hübsch anzusehen. Ihr Gesicht erinnerte ihn ein wenig an eine Schmugglerin, mit der er vor ein paar Jahren eine kurze Liaison eingegangen war. Auch sonst wirkte sie gesund und als er sich leicht zu ihr beugte, konnte er den schwachen Geruch von Kernseife ausmachen - was für Frauen in ihrer Branche immer ein gutes Zeichen war.
"Ich würd dich ja auf was zu trinken einladen, aber der Wirt scheint gerade beschäftigt zu sein"
Er genoss es sichtlich mit ihr zu flirten, auch wenn er wusste, dass sie eine Dirne war und es deshalb überflüssig war. Das einzige, was sie von ihm wollte war sein Geld. Nun, heute, in dieser Nacht in der ihm die Sterne günstig zu stehen schienen, hatte er es ja auch. Deshalb war er doch hier... oder?

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Sonntag 1. Februar 2015, 15:57

Seine Frage und sein Lächeln wurde mit einem süßen Zwinkern in den Augen erwidert, dann sah sie kurz zum Tisch der Feiernden, wo die Andere gerade einen der Männer an seinem Kragen langsam über die Platte zog und ihm eine Kostprobe ihrer Weiblichkeit ins Gesicht drückte. Lautes Lachen seiner Kumpel antwortete und die Wahl schien getroffen zu sein. Roac folgte ihrem Blick nur kurz und aus der Nähe sah die Kleine neben ihm wirklich noch etwas besser aus.
„Manchmal ist es Arbeit ... und manchmal ist es eine Freude.“
Sie hatte wohl ganz bewusst ins Garmische gewechselt und sah ihm dann wieder direkt in die Augen. Auch sie musterte ihr Gegenüber nun etwas genauer und das zarte Schmunzeln um ihre Mundwinkel, ließ in Roac die Hoffnung wachsen, dass sie nicht so bald zu ihrem Tisch zurück wollte. Noch hatte er wohl nicht alle seine Reize verloren und wenn er etwas in seiner Zeit als Dieb gelernt hatte, das manche Mädchen, halt böse Jungs bevorzugten.
„Ich denke, ich bleibe einfach so lange bei euch, bis der Wirt die Flegel dort hinten raus geworfen hat und dann könnt ihr mich einladen … zu was ihr wollt.“
Das Glitzern in ihren Augen war gefährlich und ihre halb direkte Art nicht zu aufdringlich. Sie sah zu der Ecke hinüber in der der Wirt gerade einen Mann beim Schlafittchen gegriffen hatte und seine Begleiter heftig protestierten. Einer war aufgesprungen und baute sich nun vor dem Wirt auf. Die Situation spitzte sich zu und die Stimmung lag auf Messers Schneide. Der dritte wollte noch hinterm Tisch hervor kommen, als die beiden dem Wirt schon an funkelten. Im Moment sah es so aus, als ob die Kartenspieler auf den Wirt los gehen wollten, anstatt den Laden einfach friedlich zu verlassen. Neben Roac seufzte die junge Frau und stemmte ihre Hände in ihre wohl geformten Hüften. Ihr Mienenspiel verriet ihr Missfallen und sie stieß sich vom Tresen ab.
„Bin gleich wieder da. Sonst krieg ich ja nie was zu trinken!“
Wollte sie etwa dort einschreiten? Ihre Arme sahen nicht gerade aus wie die einer Kriegerin! Anstatt allerdings in Richtung des Streits zu laufen, ging sie direkt auf den Musiker zu und flüsterte ihm etwas in sein Ohr. Dieser grinste und nickte. Sie fragte wohl noch etwas und er kramte eine mit Schellen besetzte kleine Trommel hinter seinem Hocker hervor und gab sie ihr. Der Barde griff in die Seiten seiner Klampfe und die hübsche „Jenny“ platzierte sich mit samt der Trommel mitten in der Taverne. Sie sah Roac an und begann mit den Hüften zu kreisen.

(Das Bier in der Rechten ich trug)

Nach einer Weile begann sie sich langsam zu drehen, schlug den Schellenkranz im Wechsel gegen ihre Hüften und Handgelenke. Beim Refrain sag sie sogar mit. Ihre Stimme war nicht die schönste, doch sie traf die Töne. Beides zusammen zeigte jedoch schnell die erwünschte Wirkung. Es wurde ruhiger in der Schenke und die wenigen Gäste schauten dem Schauspiel zu. Manch einer fing sogar zu schunkeln an. Roac lauschte ebenfalls dem Klang des Liedes und erinnerte sich dabei an einen alten Gleichgesinnten, der ihm einst, beim Verkauf von Diebesgut im Vertrauen erzählt hatte, dass seine Wurzeln in Jorsa lagen. Vielleicht war es das Lied, dass ihm vertraut war, vielleicht die Stimme des Barden. Aber waren Tavernenlieder denn an Grenzen und Länder gebunden? Wohl eher nicht. Im Hintergrund nutzte der dankbar wirkende Wirt die Gelegenheit um die Störenfriede fachgerecht durch die Hintertür zu entsorgen. Man konnte das leise Klatschen ihrer Leiber im Dreck hören, wie auch des Gastwirts Stimme:
„Lasst euch hier nicht mehr blicken!“
Kurz bevor der Wirt zurückkehrte, endete auch das Lied. Der Barde ging nahtlos in ein instrumentelles Gitarrenstück über und die süße „Jenny“ kehrte zu Roac in ihre Ausgangsposition zurück. Rückwärts an den Tresen gelehnt legte sie ihren Kopf in den Nacken, sodass ihre Haarsträhnen sich auf das Holz ergossen und raunte ihm zu:
„Ich bin Lulu und wie darf ich euch nennen, Fremder?“
Der Wirt kam zurück und nahm seinen schmutzigen Lappen wieder auf.
„Habt ihr noch was von dem feinen Stoff aus Rugta?“
Zur Antwort gab es ein leises Zischen und der Wirt legte den Zeigefinger an die vom Barte überwucherten Lippen.
„Mensch Mädel, sei ruhig! Wenn das wer hört, machen die mir den Laden dicht! ...und ...Danke. War nen guter Einfall, Kleene. Hast was gut.“
„Wie wär's mit einem Zimmer diese Nacht?“
„Geht klar.“

Er sah von ihr zu Roac und fragte direkt, aber leise:
„Könnt ihr euch das überhaupt leisten, Mann? Das Glas will ich 20 Füchse für den roten Drachen! Ist schwer ran zu kommen, dieser Tage!“
Damit ging es wohl wieder nahtlos zum Geschäftlichen über, auch wenn das Geschäft, mit dem sicher erfundenen Namen Lulu, sich bestimmt lohnte. Schlau war die Kleine also und guten Geschmack bewies sie auch. Der „Rote Drache“ war ein Schnaps aus Rugta, den die Zwerge dort für ihre hartgesottenen Feste brannten. Der Genuss desselben war eine Herausforderung an Roac, soviel war klar. Auch Lulu flirtete mit ihm und wollte wohl und nicht zu schnell und auch nicht zu langsam zum Geschäft kommen. Wie viel ihre Dienste wohl kosteten? In ihren Augen funkelte die Lust auf ein Abenteuer und die Lust am Leben.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Mittwoch 4. Februar 2015, 17:09

War es zuvor nur ein halbherziger Gedanke gewesen, so wuchs Roacs Interesse an seiner schönen Gesprächspartnerin stetig an. Er spürte ihren Blick auf sich und glaubte mehr als nur berufsmäßigen Einsatz zu erkennen, merkte, dass sich ihr Verhalten ihm gegenüber im Gegensatz zur der grölenden Meute veränderte. Sie war neugierig, spielte mit ihm, doch nicht nur allein des Geldes wegen. Vielleicht waren drei Jahre vergangen seit er das letzte mal einen Anflug von Selbstbewusstsein gespürt hatte, aber in diesem Moment erinnerte er sich an die fernen Tage, in denen er nicht Adair der Hehler, sondern der Rabe von Grandea gewesen war. Bekannt, berüchtigt, begehrt - zumindest in seinen Kreisen. Damals hatte es ihm an nichts gefehlt und auch die Frauen konnten seiner verruchten Ausstrahlung nicht widerstehen. Nicht immer hatte er dafür zahlen müssen, dass sie mit ihm das Bett teilten, vielen waren ihm bereitwillig nach oben gefolgt ohne je eine Münze zu verlangen. Diese Zeit schien schon so lange her zu sein, dass Roac sie fast vergessen hatte. Doch scheinbar hatte er nicht all seinen Charme eingebüßt.
„Ich denke, ich bleibe einfach so lange bei euch, bis der Wirt die Flegel dort hinten raus geworfen hat und dann könnt ihr mich einladen … zu was ihr wollt.“
Die letzten Worte verfehlten ihre Wirkung nicht und Roacs Lippen kräuselten sich zu einem leichten Lächeln. Das Mädchen verstand ihr Handwerk.
Das hört sich gut an. Ich hoffe er übernimmt sich dabei nicht, vielleicht...
Er hielt überrascht inne als sich die Kleine neben ihm auf einmal vom Tresen löste. Verdutzt sah er ihr nach und dachte schon für einen Moment, dass sie dem Wirt unter die Arme greifen würde, doch sie hatte ein anderes Ziel. Nachdem kurz darauf ihre Stimme den Raum erfüllte und das Geplänkel verebbte, lehnte sich Roac gegen den Tresen und lauschte ihr. Die spontane Darbietung hindurch sah sie immer wieder zu ihm herüber und der Hehler nickte ihr mit einem verschmitzten Lächeln anerkennend zu. Sie hatte es ohne Probleme geschafft die Situation gewaltlos zu lösen.
Sie ist also nicht nur hübsch anzuschauen...
Die Musik und ihre schlangenartigen Bewegungen stimmten ihn nachdenklich und bald schon schien er alles um sich herum auszublenden. Auch der wahre Grund seiner Ankunft war schon lange vergessen, der kranke Hase und die beiden tuschelnden Männer unwichtig. Um ihn herum füllte sich mit einem Mal die Schenke, es war Nacht und es war eine gute Nacht gewesen. Um ihn herum feierten seine Freunde einen erfolgreichen Bruch, sein Anteil hing schwer an seiner Seite. Er war wieder jung, gewandt, war der beste seiner Zunft und kein Adeliger, kein reicher Händler war vor ihm sicher. Er war am Leben, er war frei. Er war der Rabe von Grandea, was er haben wollte nahm er sich. Und heute Nacht war das die junge Frau vor ihm.
Er blinzelte und bemerkte erst jetzt, dass der Barde bereits sein nächstes Lied angestimmt hatte und die Kleine wieder auf ihn zukam. Schnell fing er sich wieder bevor er sich etwas anmerken lies.
„Ich bin Lulu und wie darf ich euch nennen, Fremder?“
Einen Moment fragte er sich wie viele verschiedene Namen das Mädchen wohl schon getragen hatte. In Wirklichkeit hatte es absolut keine Bedeutung.
"Man nennt mich Roac."
Auch er hatte vorgehabt ihr einen falschen Namen zu geben, doch sah er dafür keine Notwendigkeit mehr. Es war wie bei neuer Kundschaft, die das erste Mal in die Feder fand. Namen spielten keine Rolle, solange Angebot und Nachfrage stimmte. Und dem Hehler gefiel ihr Angebot immer besser.
Du bist ganz schön begabt, hast da oben eine gute Figur gemacht. Der Tisch von drüben bereut's wohl gerade, dass sie dich so schnell gehen ließen."
Bewusst erwähnte er nicht was ihm an ihrer kleinen Vorstellung mehr gefallen hatte - ihre Stimme oder ihr sinnlicher Tanz. Bestimmt würde sie selbst darauf kommen. Schon wollte er ihr Gespräch vertiefen, als der Wirt sich die Hände reibend hinter die Theke trat. Lulu warf Roac einen schnellen Seitenblick zu und er meinte ein keckes Grinsen gesehen zu haben.
„Habt ihr noch was von dem feinen Stoff aus Rugta?“
Roac hob die Brauen, dem Wirt schien die Frage gar nicht zu gefallen. Der Handel mit Waren aus dem Ausland war ein Schwerverbrechen, jedoch auch äußerst lukrativ. Dafür war auch der Preis des unbekannten Getränks unverschämt hoch und Roac traute seinen Ohren nicht. 20 Füchse, mal zwei machte 40. Mit der selben Summe kam er sonst gute zwei Wochen aus. Fast ärgerte er sich schon über das Mädchen, das sein Angebot so schamlos ausnutzte. Doch dann dachte er an das was er gerade gehört hatte. Hatte der Wirt ihr nicht soeben ein Zimmer für die Nacht versprochen? Roac suchte ihren Blick und war in seiner Annahme bestätigt. Sie dachte wirklich vorraus...
Lulu sah ihn unverwandt an und schließlich griff er nach seinem Geldbeutel.
"Zwei Gläser, eins für mich und eins für die Lady."
Er stapelte mehrere kupferne Münzen auf den Tresen auf und schob sie dem Wirt zu. Dabei berührte er wie zufällig Lulus Arm und spürte die Wärme ihrer weichen Haut. Während der bärtige Mann verstohlen unter die Theke griff, rückte Roac etwas näher an sie heran.
"Wirst du dich nicht einsam fühlen, so ganz allein in deinem Zimmer?"
Aus Interesse wurde langsam aber sich Verlangen.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 5. Februar 2015, 00:01

Lulu sah ihn unverwandt an. Sie war gut, ihr Blick zuckte nicht einmal zu seinem Geldbeutel, als er danach griff und den Wirt bezahlte.
"Zwei Gläser, eins für mich und eins für die Lady."
40 Kupfermünzen wechselten den Besitzer. Während der bärtige Mann verstohlen unter die Theke griff, rückte Roac etwas näher an Lulu heran. Dabei berührte er wie zufällig ihren Arm und spürte die Wärme ihrer weichen Haut. Er hatte schon viel zu lange die Liebe einer Frau entbehren müssen und aus Interesse wurde langsam aber sicher Verlangen.
"Wirst du dich nicht einsam fühlen, so ganz allein in deinem Zimmer?"
„Werde ich?“

Mehr Worte brauchte es nicht. Der langsame Wimpernschlag ihrer Lieder, zusammen mit einer ebenso flüchtigen Berührung ihrer Hand an seiner, traf so zielsicher wie ein Preisboxer seinen Gegner. Roac wäre vielleicht schon hier und jetzt zu Boden gegangen, wenn nicht genau in diesem Moment der Wirt zwei kleine Gläser mit einer dunklen, rotbraunen, schwer perlenden Flüssigkeit darin zu ihnen hinüber geschoben hätte. Der „rote Drache“ versprach ein Hochgenuss zu werden und verströmte sein herb, holziges Aroma. Feinste Noten aus Kirschholz, Torf und Tau, der auf nebelfeuchten Wiesen fällt, verbreiteten sich unter Roacs Nase. Lulu machte es vor. Sie nahm das Glas, stieß kurz an Roacs an, holte tief Luft, stürzte es hinunter und atmete dann sehr langsam mit leicht zusammengekniffenen Lippen aus. Dann hielt sie das Glas schräg, setzte die letzten beiden Tropfen auf ihre Fingerspitzen und strich sich damit die Kehle hinab bis zu den Schnürungen ihrer Kleides. Ihre helle Haut glänzte von der Feuchtigkeit und ihr Duft vermischte sich mit dem, des roten Drachen. Sie blinzelte zweimal und schon weiteten sich ihre Pupillen. Das zarte Rot ihrer Wangen, ihre glühenden, duftenden Lippen, lockten voll stiller Versuchung. Betont langsam strich sie sich eine Haarsträhne hinter ein Ohr, wandte sich vom Tresen ab in Richtung des Durchgangs der zur Stiege in die oberen Zimmer führte. Sie sah fragend den Wirt an und dieser meinte:
„Letzte Tür links.“
Ein neckendes Zwinkern zu Roac folgte und strich mit ihrer Hüfte an seinem gesunden Bein entlang, als sie sich entfernte. Die Einladung war ausgesprochen. Die junge „Lady“, wie er sie genannt hatte, schritt mit wiegenden Hüften zum Durchgang, was eine gute Aussicht auf ihr wohl geformtes Hinterteil ermöglichte. Dann verschwand Lulu die Stiege hinauf. Diese Stadt hielt wirklich einiges an Ablenkung für einen einsamen Mann bereit.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Samstag 7. Februar 2015, 16:51

„Werde ich?“
Sie war die fleischgewordene Versuchung, wie sie ihm so neckisch herausfordernd gegenüber saß und ihn immer mehr in ihren Bann zog. Für Roac wurde es allmählich immer schwerer, falsche Gelassenheit vorzuspielen und die entspannte Haltung am Tresen beizubehalten. Zu verlockend war Lulus schmaler Nacken, zu einladend ihr üppiges Dekolleté, zu verrucht der Blick den sie ihn mit ihren tiefblauen Augen zuwarf. Der Hehler wurde jäh an sein erstes Mal erinnert, dass bereits viele Winter zurücklag. Vergleichbar war damals seine Erregung gewesen, auch wenn er heute stolz auf die eine oder andere Erfahrung zurückblicken konnte. Es war einfach schon viel zu lange her, dass er es getan hatte und Roac fühlte sich zum Teil wie der Jüngling von damals. Das Mädchen vor ihm würde ihm wieder zeigen, was es hieß sich der gedankenlosen Lust hinzugeben. Und bei all seinen wiederkehrenden Problemen, dem tristen Alltag und den schmerzenden Erinnerungen an eine bessere Zeit konnte man ihm wirklich nicht verübeln, dass er sich danach sehnte.
"Nein...ich denke nicht."
Seine Stimme war rau und bar jenes Schalks den er zuvor an den Tag gelegt hatte. Wenn sie beide allein gewesen wären, Roac hätte nicht gewusst ob er weiterhin an sich halten hätte können. Der Drang sie zu berühren, sie an sich zu ziehen und ihren Körper mit all seinen Sinnen zu spüren wuchs mit jeder Sekunde an. Es war ihm egal, vollkommen egal wie viele Männer vor ihm das selbe getan hatten was er nun im Sinn hatte mit ihr zu tun. Im Moment gehörte Lulu ihm allein und das reichte ihm absolut. Bevor er seinem Verlangen jedoch nachgab, wurde er durch das Klirren der Schnapsgläser zurück in die Realität gerufen. Ohne den Blick von ihr zu wenden nickte er dem Wirt dankend zu und griff nach einem. Lulu tat es ihm gleich.
"Auf die Nacht."
Er setzte das Glas an die Lippen und wusste schon bevor er den ersten Schluck nahm, dass er noch nie etwas vergleichbares getrunken hatte. Natürlich hatten sie - Lares, die Bande und er - früher den einen oder anderen edlen Tropfen gekostet. Doch schon damals hatte Roac sich eher zurückgehalten was den Genuss von Alkohol betraf. Der Gedanke die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren gefiel ihm nicht, was wohl der einzige Grund war, dass er auch nach seinem Unfall nicht dem Rausch verfallen war. Der glasklare Schnaps ließ jedoch alles andere wie billigen Fusel wirken. Sofort spürte Roac auch, warum das Getränk "Drache" genannt wurde. Er keuchte leise als der Schnaps ihm wie flüssiges Feuer die Kehler runter rann. Nach einer kurzen Weile ebbte das Brennen jedoch ab und ein wahnsinnig intensiver Geschmack legte sich auf seinen Gaumen. Sein Herzschlag schien sich mit einem Mal verlangsamt zu haben und die ansonsten so trostlose Kaschemme leuchtete für den Sekundenbruchteil in fremdartigen Farben auf. Suchend sah er zu Lulu hinüber, folgte wie gebannt ihrem Finger der sacht über ihre weiblichen Konturen strich.
„Letzte Tür links.“
Als sie aufstand stieß auch er sich vom Tresen ab. Es war so weit. Die beiläufige Berührung an seiner Seite reichte aus um ihn eine Welle der Lust durch den Körper zu jagen. Schon ging sie den Treppenaufgang zu den Zimmern hinauf und bot Roac dabei einen Ausblick, für den es sich zu sterben lohnte. Hastig griff der Hehler nach dem Glas und leerte es in einem Zug. Mit steifem Gang, der diesmal nicht nur von seinem Bein herrührte, folgte er dem Mädchen und war in Gedanken schon einen Schritt weiter. Während sich jede Faser seines Seins auf das Bevorstehende vorbereitete, blieben die Fragen die ein kleiner, rebellierender Teil seines Bewusstseins stellte vollkommen unbeachtet.

Sie hat nicht ein Wort über ihre Bezahlung gesprochen, ein einfacher Drink kann ihr doch nicht genug sein? Du glaubst doch nicht etwa, dass sie dich ohne Bezahlung rann lässt? Sie arbeitet nicht für den Wirt, sonst würde er sie kennen. Sie könnte...!

Aber der Hehler war Lulu bereits blind ausgeliefert und es gab nichts mehr, dass ihn jetzt noch davon abhalten konnte ihr zu folgen. Alle Vorsicht fallen lassend erklomm er nach ihr die Treppe und ließ den Schankraum hinter sich zurück. Roac würde diese Nacht allzu bald nicht mehr vergessen. Dies war schon jetzt offensichtlich...

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. Februar 2015, 11:07

"Nein...ich denke nicht."
Seine Stimme war rau vor auflodernder Leidenschaft.
"Auf die Nacht."
Er setzte das Glas an die Lippen und die Welt ertrank in ihren Farben. Er hatte den Wirt bezahlt und nun ging er der Fleisch gewordenen Versuchung in Gestalt einer jungen Frau nach. Das Wiegen ihrer Hüften glich der Bewegung einer Schlange und beschwohr den Schlangenbeschwöhrer. Oder war es anders herum? War sie der Beschwöhrer und beschwor seine Schlange? So oder so, Roac stand unter dem Bann der Lust und tauchte in den Schatten des dunklen Flurs vor ihm. Links und rechts liefen sie an den Nieschen der Türen entlang und immer wieder berührte sie ihn verspielt. Lulus Silhuette tanzte vor seinen Augen und sie drehte sich lachend im Kreis. Sie löste ihre langen Haare und sie fielen in Wellen um ihre Schultern. Er fühlte das Leben durch seinen Körper pulsieren und sich in kleinen süßen Zuckungen zusammen ballen. Lulu blieb vor ihm stehen und beugte sich übertrieben tief zu dem Riegel der Tür hinab. Ihr Hinterteil, umspielt von den Bahnen ihres Rockes, drückte sich dabei sanft gegen seine Lenden. Dann richtete sie sich wieder auf und sah ihm in die Augen.
"Roac, also ... Sag mir, Roac, bin ich dir zehn Lysanthemer wert?"
Das war ein stolzer Preis. Ein guter Handwerker würde dafür Roac's Dach flicken.
"Wenn du mit mir heute Nacht das Bett teilen möchtest, dann ist das mein Preis. Keine Verhandlungen, kein Gefeilsche, nur pure Lust!"
Sie hatte hinter sich die Tür schon einen Spalt geöffnet und den Blick auf ein recht geräumiges Bett für eine Kleinfamilie frei gegeben. Der Raum lag im Halbdunkel und der Mond schien durch ein Fenster. Sein Licht streifte eine kleine Öllampe, eine Schüssel, eine Kanne und Tücher auf einem Tischchen. Alles war einfach und alt. Gebrauchsspuren zeigten sich auf jedem Möbelstück, doch das alles war jetzt nicht wichtig. Lulus hellblaue Augen waren vom Genuss des Drachen und der Dunkelheit geweitet, wie zwei riesige schwarze Seen. Roac musste nur hinein springen und von ihrer Leidenschaft trinken. Ihre warme Hand legte sich an seine Brust, nah am Hals, dort wo nur sein Hemd die Haut bedeckte. Sie wollte ihn auch, das war deutlich, aber da stand noch der Preis zwischen ihnen. Bevor er nicht bezahlen wollte, würde sie ihn nicht in ihre Kammer bitten.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Mittwoch 11. Februar 2015, 02:48

Wie in Trance folgte Roac ihr den endlos wirkenden Gang entlang und gab sich Mühe dabei nicht über die eigenen Füße zu stolpern. So reizvoll wie Lulus üppige Rückseite jedoch war, schien dies leichter gesagt als getan. Sie tanzte und lachte, mal rieb sie sich an ihn und mal stieß sie ihn sanft von sich, nur um ihn lockend mit dem Zeigefinger wieder zu sich zu winken. Die Kleine spielte mit ihm, aber der Hehler hatte nichts daran auszusetzen, führte doch jeder ihrer Schritt näher zu dem Augenblick auf den er sich sehnte seit er sie das erste Mal ins Auge gefasst hatte. Endlich hatten sie die letzte Tür auf der linken Seite des Flurs erreicht und Lulu bückte sich lasziv um an dem eisenbeschlagenen Riegel herumzufuhrwerken. Als sie sich umdrehte und den Mund öffnete wusste Roac bereits, was sie sagen würde. Natürlich - das hier war immer noch ein Geschäft. Auch wenn er unten im Schankraum für einen Moment gestutzt hatte, warum sie ihm ihr Angebot erst hier oben überbringen wollte. Dies war nicht üblich, zumindest soweit er sich zurückerinnern konnte. Aber für einen Sekundenbruchteil daran geglaubt zu haben, dass sie sich ihm kostenlos hingab? So stark war der Schnaps nun auch wieder nicht gewesen...
"Roac, also ... Sag mir, Roac, bin ich dir zehn Lysanthemer wert? Wenn du mit mir heute Nacht das Bett teilen möchtest, dann ist das mein Preis. Keine Verhandlungen, kein Gefeilsche, nur pure Lust!"
Das leichte Stöhnen, dass sie dem letzten Wort hinterherschickte machte es ihm fast unmöglich, mit klaren Kopf über ihr Angebot nachzudenken. Als würde er an diesem Punkt noch die Geistesgegenwart haben mit ihr zu feilschen! Und trotzdem war Roac sich der beträchtlichen Summe bewusst, die sie für ihre Dienste verlangte. Er war wie durch ein Wunder an das Geld gekommen, welches sein Leben um so viele Probleme erleichtern konnte, und nun gab er es bereits mit vollen Händen aus. Aber es half alles nichts. Ein intaktes Dach über den Kopf oder eine unvergessliche Nacht der "puren Lust"? Welcher Mann der etwas von sich hielt konnte jetzt noch kneifen?
"Zehn Lysanthemer...ist ne Menge Geld..."
Und schon fingerte seine Linke zum Geldbeutel um besagte Summe herauszuzählen. Er hielt sie Lulu hin, die sie flugs verstaute. Kaum war sie fertig, wanderte Roacs Hände tiefer, griff sie an der Hüfte während er mit dem rechten Bein ihre Oberschenkel auseinanderdrückte. Er beugte sich vor, sodass er ihren heißen Atem im Nacken spüren konnte und seine Lippen fast die ihren berührten.
"Verdien sie dir Süße... zeig mir was du kannst..."

Rückblickend kann man dem Hehler vieles vorwerfen. Dass er verschwenderisch war und nicht an den Morgen danach dachte. Dass er verantwortungslos war, da er den kranken Hase vollkommen vergessen zu haben schien. Dass er ein Narr war, sich so von seinen Gefühlen leiten zu lassen. Doch in diesem Augenblick - scharf wie sein Dolch und so hart wie sein Knüppel - kümmerte es ihn genau so viel wie der klumpende Straßendreck an seinen Stiefeln.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. Februar 2015, 10:24

Rückblickend erinnerte sich Roac an ein paar köstliche Momente dieser Nacht, doch nicht mehr an alles. Irgendwann hatte sich nicht nur ein Schleier in Form einer Augenbinde, sondern auch ein Schleier über seine Erinnerung gelegt. Der ganze Abend kam ihn wie ein Wunder vor. Erst war er mit Geld gesegnet worden und dann mit einer Frau, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes wieder zum Leben erweckt hatte. Jetzt lag sie friedlich schlafend wie ein unschuldiger Engel bäuchlings neben ihm, so dass er ihren nackten Rücken betrachten konnte. Ihr aufgelösteres Haar, dass sich über die Kissen ergoss, glänzte in der Mittagssonne kupfern. Die rötlichen Funken wirkten wie fast erloschene Glut zwischen hellen Holzscheiten. Eine lange Strähne hatte sich auf Roacs Oberarm verirrt und fühlte sich so herrlich weich und seiden an. Gestern Nacht noch hatten genau diese Haare auf seiner verschwitzten Brust geklebt, als er im Taumel seiner wilden Begierde versunken war. Lulu hatte ihm am Kragen hinter sich in ihr Zimmer gezerrt und lachend aufs Bett gestoßen. Von unten hatten sie beide noch die Klänge der Gitarre gehört und Lulu wog ihren Körper im Takt dazu. Sie hatte sich unendlich langsam entblättert und dabei war ihm ein scharfer, spitzer Dolch aufgefallen, der in ihrem Mieder steckte. Sie hatte ihn angesehen und geflüstert:
"Nur für den Fall, dass du ein unartiger Bursche bis.“
und verwegen gezwinkert. Dann hatte sie ihn entkleidet und ihm mit einem ihrer Strümpfe die Augen verbunden. Die folgenden Sinneseindrücke hatten ihn vergessen lassen wo er war und vielleicht sogar eine Zeit lang, wie er hieß. Irgendwann hatte sie ihn erlöst.
Danach gab es eine süße Pause mit zarten Liebkosungen und langsamen Wiederaufbau seiner Kräfte. Es folgte ein oder zwei weiter hingebungsvolle Vereinigungen, ganz sicher war er sich da nicht mehr. Er erinnerte sich an zuckende Leiber, an schweren Atem und Sternen-Regen.
Jetzt fühlte er auch das leichte Brennen ihrer Mahle auf seiner Brust. Ihre Fingernägel hatten ihre Spur auf ihm hinterlassen, als sie ihn geritten hatte. Sie regte sich neben ihm und ihre Hand griff im Schlaf nach seiner. Sie drehte sich über seinen Arm, rollte sich zusammen und ihr Kopf drückte sich auf seinen Brustkorb. Sie schlief noch tief und fest. Ihr Duft klebte auf seiner Haut und ihr Atem strich warm und gleichmäßig an seinem Bauch entlang. Meistens hatten die Frauen mit denen er sonst so aufgewacht war, am Morgen nicht so gut ausgesehen wie am Abend, doch bei Lulu war es genau anders herum. In diesem stillen Augenblick war sie die Sonne um die seine Gedanken kreisten. Die kleinen Sommersprossen, die er am Abend auf ihrer Nase hatte bewundern können, setzten sich auf ihrem ganzen Körper fort. Sternen-Karten aus heller Haut und kleinen dunklen Punkten zeichneten dem Seemann seinen Weg zum Glück. Manche Konstellationen erkannte er sogar wieder. Da gab es drei auf ihrem Rippenbogen, die standen in einer geraden Linie zu einem Vierten der kurz unter ihrem Nabel ruhte. Ein anderes Sternendbild formte sich auf ihrer Hüfte, wie ein kleiner Bollerwagen. Roacs Augen konnten noch unendlich viele andere Formen finden, wenn er sich treiben ließ, doch langsam drückte seine Blase und Lulus langes Bein, das auf seinem Bauch, halb auf seinen Lenden lag, machte es nicht leichter. Sein Blick wanderte durch den Raum und fand seine Sachen unberührt. Auch sein Geldbeutel lag noch immer an der Stelle, wo sie ihn mitsamt seinen Habseligkeiten hin geworfen hatte. Alles war noch da und nichts gestohlen, er mehr den je am Leben und die Welt schien für diesen Moment einmal in Ordnung zu sein.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Sonntag 15. Februar 2015, 23:52

Roac konnte nicht sagen wann er aufgewacht war, noch ob es die Vögel, die blendende Mittagssonne oder der mit ihr steigende Lärmpegel des Außenrings gewesen war der ihn geweckt hatte. Als er das erste Mal die Augen aufgeschlagen und auf eine ihm vollkommen fremde Decke gestarrt hatte, war er verwirrt und leicht beunruhigt gewesen. Doch etwas, jemand, hatte ihn daran gehindert überstürzt das Bett zu verlassen. Erst dann kam die Erkenntnis, dass er nicht geträumt hatte, beziehungsweise der Traum von gestern Nacht neben ihm Gestalt angenommen hatte. Lulus Duft, ihr warmer Körper, ihr sanfter Atem. Nach und nach tauchten die einzelnen Sinneseindrücke des vergangenen Abends aus seiner Erinnerung auf und lullten ihn in eine Art Wachschlaf, aus dem er am liebsten nie mehr zu sich gekommen wäre. Er wusste nicht wie lange er da gelegen hatte, eng umschlungen mit einer Frau die er vor wenigen Stunden kennen gelernt und mit der er sich schon kurz darauf leidenschaftlich vereinigt hatte. Stunden, Tage, Wochen... nicht umsonst hieß es, dass eine schöne Uhr die Zeit zeigte, eine schöne Frau sie aber im Nu vergessen ließ.
Doch allmählich spürte er, wie ihn ein unangenehmes Pochen im Unterleib in die Realität zurückholte. Der Hehler versuchte es zuerst zu ignorieren doch mit der Zeit wurde der Drang immer stärker. Seine Blase in Gedanken mit ausgesucht garstigen Schimpfwörtern versehend, hob er vorsichtig Lulus Bein an und löste sich behutsam aus ihrer Umarmung. Ihren Kopf, der zuvor auf seiner Brust geruht hatte, bettete er auf das einzige übrig gebliebene Kissen welches bei ihrem gestrigen Liebesspiel nicht zu Boden gefallen war. Dann schwang er die Beine über die Bettkante und hangelte nach seiner Hose. Das rechte Bein war schnell versorgt, das schiefe linke verhedderte sich wie immer im groben Stoff und bedurfte etwas mehr Aufwand. Als er es dann endlich geschafft hatte, waren die Stiefel an der Reihe, bei denen es ähnlich war. Danach stand er auf und ging mit leisen Schritten zu dem Haufen Gewand, aus dem er seinen Geldbeutel fischte und ihn wieder an den Gürtel band. Der junge Hehler gab sich nicht die Mühe seine verbliebenes Geld zu zählen. Die vier Drachmen im kleinen Beutelchen drückten immer noch gegen seinen rechten Knöchel und auch die Lysanthemer schienen noch alle da zu sein. Und selbst wenn Lulu über Nacht ein, zwei Münzen stibitzt hatte, konnte er ihr nicht wirklich böse sein. Sie hatte ihn gestern ja auch nicht angelogen, als sie von "purer Lust" gesprochen hatte.
Er trat einen Schritt aufs Bett zu und musterte die schlafende Schöne mit einem leisen Lächeln. Der Gedanke jede sinnliche Stelle ihres Körpers - die sie ihm im Moment so frei zur Schau stellte - berührt, erforscht, ausgefüllt zu haben gab ihm ein Hochgefühl, welches sich nicht in Worte fassen ließ. Roac war für den Augenblick versucht sie hier und jetzt erneut zu nehmen, nur damit ihm ihr süßes Stöhnen ein weiteres Mal sanfte Schauer über den Rücken laufen lassen würde. Sie hätte bestimmt nichts dagegen...
Doch seine Lendengegend verkrampften sich sogleich aus einem anderen Grunde. Er biss die Zähne zusammen, und sah rasch von seinen Sachen zu Lulu und wieder zurück. Es würde nicht lange dauern, soviel er wusste war der Abort am Ende des Ganges und von ihrem Zimmer deshalb nur einen Katzensprung entfernt. Er würde Hemd, Weste und Mantel nicht brauchen, genau sowenig rechnete er damit auf dem Scheißhaus überfallen zu werden. Und wer weiß, vielleicht wäre Lulu danach für eine "zweite Runde" zu begeistern? Mit diesem Gedanken öffnete Roac die Tür und spähte auf den Gang hinaus.

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Montag 16. Februar 2015, 08:56

Noch bevor Roac auf den Gang treten konnte, fiel sein Blick noch einmal zurück zum Bett. Die Bewegungen, als er sich angezogen hatte, das Geräusch der sich öffnenden Tür, hatte die schlafende Schönheit unruhig werden lassen und sie murrte leise. Dieser süße Unwillen die Welt der Träume zu verlassen, gepaart mit dem drohenden Ton einer Eichkatze, ließ Roac tatsächlich den Versuch wagen zu schleichen. Sie drehte sich zur Wand und gab die wundervolle Silhouette ihres Hinterteils zum besten. Einen Moment verharrte er in der Bewegung und genoss die Realität, dass dieser Körper gestern Nacht tatsächlich ihm gehört hatte. Der Gedanke an ein zweites Mal lag so nahe, wie einander die betenden Hände eines Priesters, doch hatte sein Körper etwas dagegen. Eilig huschte er so leise er konnte hinaus und schloss die Tür hinter sich. Die Luft auf dem Gang war deutlich kühler und roch nach schalem Bier und kalter Asche. Sofort sehnte er sich nach der süßen, schweren Wärme ihrer Beine auf seinem Bauch zurück. Sein pochender Unterleib trieb ihn durch die gegenüberliegende Tür zu dem kleinen Abort. Es war mehr eine Besenkammer mit einem großen Eimer, der in einem Stuhl nicht unähnlichen Konstrukt hing, denn auf dem Hinterhof gab es noch ein richtiges Plumpsklo für das große Geschäft. Leider roch es hier drin auch nicht wesentlich besser, aber wenigstens leerte der Wirt den Eimer regelmäßig. Es dauerte eine kleine Weile, bis seine morgendliche Erregung den Weg zur Erleichterung frei machte, aber dann stellte sich endlich Entspannung ein. Als er dann wieder auf den Gang zurück trat kam gerade einer der feiernden Männer von gestern den Gang auf ihn zu. Er torkelte noch immer leicht und wirkte wie Roac, als ob er die letzte Nacht nicht viel geschlafen hätte. Als er ihn sah, zögerte er kurz, aber hatte es anscheinend doch zu eilig und drängte harsch an ihm vorbei. Sein Stöhnen begleitete Roac zu seiner eigenen Zimmertür und eilig schloss er sie wieder hinter sich. Der Duft ihres Körpers ließ ihn sofort die Kälte des Flurs vergessen. Lulus Körper lag unverändert unter der Decke und zeichnete eine von den langen Beinen sanft ansteigende, hügelige Landschaft von ihrer Hüfte, über das Tal ihrer Taille bis zur Spitze ihrer Schulter. Das erneute Öffnen der Tür hatte sie anscheinend dann doch so weit geweckt, dass sie sich drehte, ihr die Decke von der Schulter rutschte und die halbe Brust frei legte. Ihr Gesicht wandte sich ihm zu und durch den schmalen Spalt eines Wimpernkranzes sah sie ihn kurz an. Ein Lächeln huschte über ihre Züge, als sie seinen nackten Oberkörper musterte und an seinen Lenden haften blieb. Ihr Blick brannte fast spürbar auf seiner Haut. In Gedanken schien sie ihm die Hose schon wieder auszuziehen, doch dann drehte sie sich wieder zur Wand. Die Decke zog sie dabei ein wenig zu weit mit sich, so dass sie nun im unteren Drittel, fast über die gesamte Länge, jede Menge einladende nackte Haut zeigte. Sie zog die Beine ein Stück an, streckte den Hintern noch ein wenig weiter heraus und nuschelte in das Kissen:
„Wenn du dich zu mir legst, macht das weitere zehn Lysanthemer.“
Er konnte ihr schelmisches Grinsen nicht sehen, aber dass diese Frau einen waschechten Schalk unter der Decke versteckte, wo sonst Sittsamkeit und Anstand ruhten, war so klar wie die Winterluft vor ihrem Fenster.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Montag 16. Februar 2015, 16:53

Die Arme wegen der Kälte noch vor der Brust verschränkt, legte Roac grinsend den Kopf schief, als er Lulus vom Kissen gedämpfte Stimme hörte. Scheinbar schien die Nacht auch für sie nicht spurlos vorüber gegangen zu sein.
"Und ich dachte schon, wir beiden wären nach gestern schon über das geschäftliche hinaus. Schließlich hat es dir auch gefallen..."
Mit einem gespielt verletztem Gesichtsausdruck, den sie aus ihrer jetzigen Haltung sowieso nicht sehen konnte, begann er den Rest seiner zerstreuten Kleider vom Boden aufzuklauben. Schade, er hatte sich auf ein weiteres verschwitztes Abenteuer mit ihr gefreut. Doch vielleicht war es nur gut so, ansonsten würde er diesen Raum ja nie mehr verlassen... Nachdem er all sein Habe zusammengesammelt hatte, ging er zum Bett und gab ihr einen leichten Klaps auf den Po, damit sie zur Seite rückte und ihm Platz gab sich wieder an den Bettrand zu setzen. Zugegeben, es bedurfte einiges an Willenskraft um nicht über die Schulter zu spähen oder gar die Hand nach ihr auszustrecken. Er widerstand, in dem er sich das Leinenhemd überzog.
"So überzeugend wie du verhandelst, könnt ich dich gut in meinem Laden brauchen. Wir teilen uns die Arbeit, den Umsatz... und natürlich das Bett. Wäre doch bestimmt ein besseres Metier als Tag für Tag mit wildfremden Männern..."
Er stockte und mit einem Mal verging ihm die Lust am Scherzen. Sein Laden. Hase. Roac erinnerte sich aus welchem Grund er sich ursprünglich auf den Weg zur Schenke gemacht hatte und auf einmal fühlte er die ersten Gewissensbisse. Es war eine Sache, sein wie durch ein Wunder ermogeltes Geld prompt für Schnaps und Huren auszugeben - beim Harax, was waren zwölf Lysanthemer im Gegensatz zu all den Erinnerungen aus dieser einen, magischen Nacht? Doch etwas anderes war es, ein Versprechen zu brechen. Und dies hatte Roac dem kranken Straßenjungen gegeben.
Nunmehr nachdenklich schweigend, warf sich Roac den Mantel über und rückte Dolch und Knüppel zurecht. Erst dann drehte er sich um und sah in Lulus blaue Augen, die sofort zu merken schienen, dass sich die Stimmung des Hehlers verändert hatte.
"Um ehrlich zu sein hatte ich gestern andere Pläne, als ich hier her gekommen bin... bevor du mir den Kopf verdreht hast natürlich."
Er strich mit den Fingern über eine ihrer Haarsträhnen, die sich in der Sonne wie flüssiges Gold über die Matratze ergoss. Kurz zögerte er. Sollte er sie in die ganze Geschichte mit einweihen? Sie war eine Dirne und spendete ihm nur des Geldes wegen Gesellschaft. Und doch spürte er so etwas wie eine Art der Verbundenheit zwischen ihr und ihm, die nicht nur vom Sex herrührte. Vielleicht war er ein Narr, doch er mochte die Kleine - und wer wusste ob sie ihm nicht doch helfen konnte? Also begann er, von Anfang an.
Ich bin Hehler, mein Laden liegt nur ein paar Gassen vom Marktplatz entfernt. Ich war einmal selber im Geschäft aber das ist schon... eine Weile her...
Roac musste nicht erklären, von welchem "Geschäft" er sprach. Er war sich sicher, dass Lulu selbst schon mit genug Dieben zu tun gehabt hatte, um ihn schon von Anfang an als einen von Grandeas Untergrund erkannt zu haben. Der Hehler sah dies nur als weiteren Grund an, ihr zu vertrauen.
"Vor zwei Tagen ist ein Junge bei mir hereingeschneit, verdreckt und gehetzt wie von den Hunden des Königs persönlich. Ich hab ihn bei mir versteckt, dachte die Wache war auf seinen Fersen weil er nach ner falschen Börse gegriffen hat. Hat sich dann aber herausgestellt, dass er einen vom dunklen Volk bestohlen hat... und schon stehen die auf einer Matte."
Ein leichter Schauer schlich über seinen Rücken als er an die Dunkelelfen und ihre schwarzen Schwerter dachte. Ob sie wohl noch immer vor der Feder Wache standen?
"Ich hab ihn nicht verraten... warum weiß ich nicht mehr. Hätte mir ne Menge an Ärger erspart, kannst du mir glauben. Seitdem überwachen sie meinen Laden... bin ihnen gestern aber scheinbar entwischt, zumindest hab ich niemanden gesehen der mich hierher verfolgt hat."
Er blickte auf.
"Der Junge ist verletzt, hat nen üblen Schnitt am Rücken. Ich glaube, dass er zu einer Bande gehört... kann mir nicht vorstellen, dass er es auf der Straße alleine so lange geschafft hat."
Der Hehler versuchte sich das Bild Hases vor Augen zu rufen und beschrieb ihn Lulu so gut er konnte.
"Hast du ihn vielleicht schon einmal hier gesehen, gemeinsam mit einer Gruppe von Leuten? Oder hast du vielleicht aufgeschnappt, dass sich jemand nach ihm erkundigt hat?"
Ihren Blick suchend, griff er schon nach seinem Beutel.
"Ich zahle auch wenn du willst, Hauptsache ich habe eine Spur mit der ich etwas anfangen kann..."

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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Erzähler » Montag 16. Februar 2015, 21:07

Nachdem Roac all sein Habe zusammengesammelt hatte, ging er zum Bett und gab ihr einen leichten Klaps auf den Po, damit sie zur Seite rückte und ihm Platz gab sich wieder an den Bettrand zu setzen. Ihre Haut fühlte sich dabei unter seiner Hand wunderbar weich und warm an.
"So überzeugend wie du verhandelst, könnt ich dich gut in meinem Laden brauchen. Wir teilen uns die Arbeit, den Umsatz... und natürlich das Bett. Wäre doch bestimmt ein besseres Metier als Tag für Tag mit wildfremden Männern..."
Er stockte und mit einem Mal verging ihm die Lust am Scherzen. Gleichzeitig fühlte er an den Bewegungen des Bettes, dass sie sich hinter ihm bewegte. Er warf sich den Mantel über und rückte Dolch und Knüppel zurecht. Erst dann drehte er sich um und sah in Lulus blaue Augen, die sofort zu merken schienen, dass sich in der Stimmung des Hehlers etwas verändert hatte. Eine kleine Grübel-Falte erschien auf ihrer Stirn und sie sah ihn fragend an. Die Decke hatte sie locker über ihre Blöße gezogen und hielt sie mit einem Arm eingeklemmt, während der andere versuchte ihrer Haare Herr zu werden. Ein schier unmögliches Unterfangen, so wie es aussah. Roac sah sie an und fuhr fort, denn vielleicht konnte sie ihm wirklich hilfreich sein. Als Dirne hörte und sah sicher viel auf der Straßen Grandeas. Seine alte Bande hatte sich damals ebenfalls der „Kunst der Verführung“ bedient um an so manche Information zu kommen.
"Um ehrlich zu sein hatte ich gestern andere Pläne, als ich hier her gekommen bin... bevor du mir den Kopf verdreht hast natürlich."
Sie lächelte höchst unschuldig, wie ein Kind, dass den gesamten Kuchen gestohlen und verputzt hatte, ohne mit den Geschwistern zu teilen. Er strich mit den Fingern über eine ihrer Haarsträhnen. Kurz zögerte er. Sollte er sie in die ganze Geschichte mit einweihen?
„Ich bin Hehler, mein Laden liegt nur ein paar Gassen vom Marktplatz entfernt. Ich war einmal selber im Geschäft aber das ist schon... eine Weile her...“
Roac musste nicht erklären, von welchem "Geschäft" er sprach. Er war sich sicher, dass Lulu selbst schon mit genug Dieben zu tun gehabt hatte, um ihn schon von Anfang an als einen von Grandeas Untergrund erkannt zu haben. Spätestens mit dem Wort „Hehler“ sollte auf jeden Fall alles klar sein. Ihre großen Augen sahen ihn an und sie stutzte. Auch die Taverne stand durchaus in dem Ruf, Dieben und anderem Gesinde Zuflucht zu bieten. Das er niemand von der Stadtwache war, war also keine Überraschung.
"Vor zwei Tagen ist ein Junge bei mir hereingeschneit, verdreckt und gehetzt wie von den Hunden des Königs persönlich.“
Ihre Grübel-Falte wurde ein wenig tiefer.
„Ich hab ihn bei mir versteckt, dachte die Wache war auf seinen Fersen weil er nach ner falschen Börse gegriffen hat. Hat sich dann aber herausgestellt, dass er einen vom dunklen Volk bestohlen hat... und schon stehen die auf einer Matte... Ich hab ihn nicht verraten... warum weiß ich nicht mehr. Hätte mir ne Menge an Ärger erspart, kannst du mir glauben. Seitdem überwachen sie meinen Laden... bin ihnen gestern aber scheinbar entwischt, zumindest hab ich niemanden gesehen der mich hierher verfolgt hat."
Er blickte auf und folgte Lulus nackter Kehrseite, die sich neben ihm aus dem Bett erhob.
"Der Junge ist verletzt, hat nen üblen Schnitt am Rücken. Ich glaube, dass er zu einer Bande gehört... kann mir nicht vorstellen, dass er es auf der Straße alleine so lange geschafft hat."
Der Hehler versuchte sich das Bild Hases vor Augen zu rufen und beschrieb ihn Lulu so gut er konnte. Sie stand kaum eine Armlänge, mit dem Rücken zu ihm, von ihm entfernt. Der Raum war auch nicht sehr groß, sonst wäre sie vielleicht sogar auf und ab gegangen. Die Stimmung veränderte sich und irgendetwas lag in der Luft.
"Hast du ihn vielleicht schon einmal hier gesehen, gemeinsam mit einer Gruppe von Leuten. Oder hast du vielleicht aufgeschnappt, dass sich jemand nach ihm erkundigt hat?"
Ihren Blick suchend, griff er schon nach seinem Beutel.Um ihn zu öffnen, musste er jedoch kurz hinsehen.
"Ich zahle auch wenn du willst, Hauptsache ich habe eine Spur mit der ich etwas anfangen kann..."
Der Schmerz auf seinem Ohr und seiner Wange kam so plötzlich und so brennend, dass es ihn fast die Tränen in die Augen jagte. Er musste unwillkürlich blinzeln und im nächsten Moment stand eine vor Wut hell lodernde Furie vor ihm. Vielleicht war es auch nur das gleißend helle Tageslicht auf ihrer weißen Haut, dass den Eindruck verstärkte, aber gerade in diesem Moment wirkte es, als loderten Flammen aus ihrer Haut. Nachdem seine Augen die Lichtreflexe wieder weg geblinzelt hatten und das hohe Pfeifen auf seinem linken Ohr wieder leiser wurde, hörte er auch ihr wütenden Schrei:
„PfiiiiiieeeeIIIDIOT! VERFLUCHT SEIN DIE MÄNNER, WENN SIE EINEN WEIBERARSCH WOLLEN! VERDAMMT, WARUM HAST DU DAS NICHT GESTERN SCHON GESAGT!“
Kurz sah es so aus, als wollte sie ein zweites Mal ausholen, aber hielt dann doch in der Bewegung inne. Eine lange Sekunde starrte sie ihn einfach nur an, als ob sie ihm vielleicht noch schlimmeres antun wollte. Roac sah aber auch sicher nicht so aus, als würde er sich ein zweites Mal schlagen lassen. Es war nur eine Ohrfeige gewesen, aber in dem Schlag hatte ordentlich Wut gelegen. Was hatte Lares mal gesagt? „Verärgere nie eine Frau! Ihre Wut kann dich verbrennen, genauso wie ihre Leidenschaft!“ Lulu hatte die Decke achtlos fallen lassen und die Röte ihrer Erregung hatte ihren Leib mit roten, flammenförmigen Flecken überzogen. Wunderschön anzusehen und doch sehr gefährlich. Ihre Wangen glühten und plötzlich hatte sie es sehr eilig in ihre Kleider zu kommen. Ihr kleiner Hintern hüpfte munter auf und ab, als in den Rock sprang. Sie riss das Hemd unwirsch über die Schultern, raffte das Mieder vom Boden und die Unterröcke und Strümpfe lose zusammen und schlüpfte barfuß in die Schuhe.
„Na LOS! Bring mich hin!“
Sie versuchte ihren Atem zu kontrollieren, versuchte den Stiefel über die Ferse zu kriegen, versuchte sich zu beruhigen, aber das Blut kochte noch unter ihrer seidigen Haut. Dann ging plötzlich abermals ein Wandel durch ihre ganze Gestalt und sie hielt inne. Sie musterte ihn abschätzend und fragte dann leise:
„Moment … meinst du „Die schwarze Feder?“ Aber der Besitzer war doch… dann … bist du vielleicht der, den sie einmal „Rabe“ nannten? Ich dachte der sei schon lange tot?!?“
Bis gestern war er das vielleicht auch irgendwie. Und hätte er es gestern schon gesagt, dann wäre ihm sicher eine wundervolle Nacht entgangen, aber das sollte er ihr in ihrem jetzigen aufgewühlten Zustand lieber nicht sagen! Ganz offensichtlich kannte die den Jungen.
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Re: Von Schatten und Musik

Beitrag von Roac » Samstag 21. Februar 2015, 17:32

Ihr Schlag kam aus dem nichts und traf ihn mit voller Wucht. Bunte Sternchen tanzten vor seinen Augen bis sie schließlich nach einigen Sekunden verschwanden. Auch das stechende Sirren verebbte allmählich. Nur Schmerz und Verwirrung blieben zurück, sodass Roac zu der tobenden Dirne mit einem Gesichtsausdruck aufsah, der teils wütend, teils verstört war. Als Lulu erneut die Hand hob, machte er sich schon bereit sie zu packen und wenn es sein musste zu Boden zu ringen. Der Hehler konnte sich noch vage an den Dolch in ihrem Mieder erinnern und hatte keine Lust sich mit der Dirne eine Messerstecherei zu liefern. Was zum Harax war auf einmal in sie gefahren?
"IDIOT! VERFLUCHT SEIN DIE MÄNNER, WENN SIE EINEN WEIBERARSCH WOLLEN! VERDAMMT, WARUM HAST DU DAS NICHT GESTERN SCHON GESAGT!?"
Roac kniff die Augen zusammen, die von ihrer wuchtigen Ohrfeige immer noch leicht tränten. Er verstand kein Wort. Die Tatsache, dass sie nackt war und ihm all ihre weiblichen Vorzüge förmlich ins Gesicht sprangen, half ebenfalls nicht besonders.
"Wovon redest du?! Was hätte ich den...?!"
Doch sie beachtete ihn schon gar nicht mehr, sondern schnappte sich ihre Kleider vom Boden und zog sie sich ungestüm über. Er sah ihr dabei zu und rieb sich geistesabwesend die brennende Wange. Was regte sie sich verdammt noch mal so sehr auf? Gerade noch hatte sie ihm besagten Weiberarsch nur allzu bereitwillig entgegengestreckt und im nächsten Moment drosch sie auf ihn ein und schimpfte ihn einen Idioten? Aber dann dämmerte es ihm und seine Brauen hoben sich überrascht. Wie hoch waren die Chancen...?
"Du kennst den Jungen..."
„Na LOS! Bring mich hin!“
Sie ignorierte ihn einfach und Roac wertete dies als eine Antwort. Wie befohlen stand er auf und zog sich den Mantel zurecht. In ihrem derzeitigem Zustand machte es wohl ohnehin wenig Sinn ihr zu widersprechen. Wenn man es genauer bedachte, konnte sich der Hehler eigentlich glücklich schätzen. Er hatte sich schon Vorwürfe gemacht, da er Hase zugunsten der nächstbesten Hure vollkommen vergessen hatte. Und nun stellte sich nach einer unvergesslichen Nacht heraus, dass eben jene Hure die Frau war, die er von Anfang an gesucht hatte? Bei Manthala - Mond und Sterne waren ihm gestern Abend wahrlich günstig gestanden! Der Hehler wartete darauf, dass Lulu sich fertig angezogen hatte, doch sie verharrte und sah zu ihm hinüber. Ihr Blick war ihm nicht ganz geheuer, doch wieder Erwarten schrie sie nicht mehr als sie den Mund öffnete.
„Moment … meinst du „Die schwarze Feder?“ Aber der Besitzer war doch… dann … bist du vielleicht der, den sie einmal „Rabe“ nannten? Ich dachte der sei schon lange tot?!?“
Roacs Mundwinkel zuckten kaum merkbar, als sie diesen Namen aussprach. Es war schon eine Weile her, seit er ihn das letzte Mal gehört hatte. Und noch dazu an diesem Ort, der ihn nur allzu gut in Erinnerung geblieben war. Der Hehler griff sich ans linke Knie, das in der morgendlichen Kälte begann steif zu werden und Lulus Augen folgten seiner Bewegung. Gestern, in einer der Verschnaufpausen in denen sie sich an ihn geschmiegt hatte, hatte sie mit dem Finger seine Narben entlang gestrichen, ihn jedoch nicht weiter danach gefragt. Wie viel wusste sie von seinem alten Selbst, und wie viel davon war auch wirklich wahr?
"Namen haben in dieser Stadt keine Bedeutung, gerade du solltest das wissen..."
Seine Stimme klang abweisender, als er es eigentlich vorgehabt hatte doch Roac wollte nicht auf ihre Fragen eingehen. Im Moment gab es dringendere Probleme als seine Vergangenheit. Also ging er an ihr vorbei zur Tür und wartete dort schweigend, bis sie fertig war. Etwas von ihrer Ungeduld war auf ihn übergesprungen und der Hehler spürte mit einem Mal, wie ihn eine dunkle Vorahnung übermannte. Er hatte die Feder noch nie so lange alleine gelassen. Hase hätte inzwischen schon längst einmal aufwachen müssen und in seinem fiebrigen Zustand konnte niemand garantieren, was der Junge in seiner Verwirrung anstellen würde. Und dann war da immer noch das dunkle Volk...
"Ich bring dich zu ihm, aber wir müssen uns bedeckt halten. Ich glaube sie suchen mittlerweile auch nach mir."

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