Auf der Suche nach Goliath

Der Außenring ist Schutzwall der Stadt Grandea und grenzt diese komplett ein. An vielen Stellen, vor allem in den Armenteilen der Stadt ist er jedoch brüchig und schlecht bewacht.
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Jaromir Sagewind
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Auf der Suche nach Goliath

Beitrag von Jaromir Sagewind » Sonntag 3. Juli 2011, 17:10

Einstiegspost

Noch immer außer Atem hatte Jaromir nun sein Versteck verlassen. Es hat einige Zeit gedauert, bis der Lichtmagier sich ein wenig in Sicherheit wog. Er war kein Kämpfer, dass wusste er und nun stand er hier im Äußeren Ring der Stadt, ohne auch nur eine leise Ahnung davon zu haben wo er sich genau befand. Die schmale Gasse in der er sich befand, erweckte jedoch nicht den Eindruck als könnte man hier länger ausharren ohne entdeckt zu werden. Der junge Mann sah sich noch einmal kurz um, bevor er die Kapuze seines Mantels tief ins Gesicht zog und hinaus auf die Straße trat.

Ihm war nichts mehr geblieben außer dem was er gerade anhatte. Seine Kleidung, sichtlich in Mittleidenschaft gezogen, hing schlaff an ihm herab, denn er hatte seit seiner Gefangenschaft herzlich wenig zu essen bekommen. Die langen Wanderungen zehrten meist an seinen Kräften und so ging es ihm jetzt nicht gerade besser wie vorher. Kein Geld und sein Pferd hatte er auch verloren, nicht zu vergessen der Hunger, der ihn seit Wochen begleitete. Doch Goliath machte ihm wirklich Kopfzerbrechen. Zwar war das Verhältnis zwischen Reiter und Pferd nicht das beste, aber Goliath sollte trotzdem nicht das Gefühl haben, dass sein eigentlicher Herr ihn in Stich gelassen hatte.

Jaromir sah sich um. Eine einigermaßen belebte Straße in der er auch nicht wirklich aus der Menge herausstach. Er könnte genauso gut ein Bettler sein, der sich gerade auf den Weg zu seinem Stammplatz machte um vielleicht etwas Geld oder essen zu erbetteln. Seine Füße schmerzten, doch er ging weiter, während seine Gedanken um seinen Verlorenen Kameraden kreisten. Wo er wohl sein wird?, fragte er sich. Immer weiter Schritt um Schritt, ging er die Straße entlang und sah ab und zu auf, sobald er Hufgetrappel hörte. Auch der Gedanke daran, dass die Dunkelelfen ihn suchten, setzte dem Lichtmagier zu. Er wollte fliehen, sich irgendwo verstecken, denn zum Kämpfen war er zu schwach und eigentlich schon immer auf andere angewiesen.

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Re: Auf der Suche nach Goliath

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Juli 2011, 22:18

Die Tage, die Jaromir durchlebt hatte, waren gewiss die Unangenehmsten seit langem für ihn. Dass ihn nun der Weg hierher geführt hatte, machte die Sache auch nicht besser. Immerhin befand er sich im ärmsten Viertel von Grandessa und in seiner jetzigen Lage, würde er hier bestimmt nicht lange durchhalten können.
Der Lichtmagier hatte nicht viele Möglichkeiten. Seine gesamte Habe wurde ihm genommen und seinen einzigen Freund hatte er quasi im Stich gelassen. Es regte sich das Gewissen. Wie hatte er ihn einfach zurücklassen können? Was ist denn, wenn Goliath die Rache der dunklen Brut zu spüren bekommt? Was war, wenn er dafür büßen musste? Würde Jaromir damit leben können?
So sehr sich der Magier auch bemühte, er konnte das schlechte Gewissen, welches sich in ihm regte, nicht abschütteln. Während Jaromir ziellos durch die Gassen wandelte, gelangte er in eine wahrlich finstere. Hier – und zu dieser Stunde – konnte man beinahe die Hand vor Augen nicht mehr erkennen. Doch der einzige Weg, um dem Labyrinth der Gassen von Grandea zu entkommen, war durch diese hindurch. Am anderen Ende, folgten die belebteren Straßen, auch wenn sich dort ebenfalls nur Gesindel tummelte. Die Gasse war gespickt von streunenden Hunden und Katzen und war ungefähr anderthalb Mal die Armspanne des Magiers breit. Auf dem Weg, zum belebten Teil des Armenviertels, musste Jaromir aufpassen, nicht gegen Müllcontainer zu stoßen, die von hungrigen Streunern umgeworfen wurden. Sollte er es den Tieren gleichtun, und in den Abfällen nach Nahrung suchen? Geld hatte er ja keines, und wer wusste, wann er wieder etwas bekommen würde? Die Anwesenheit eines Zweibeiners, verscheuchte die gehetzten Tiere und wenige Schritte später, war der Magier alleine in der Gasse. Während sich Jaromir dafür oder dagegen entschied, es den Vierbeinern gleichzutun, wurde schwungvoll eine Tür zu seiner Rechten geöffnet und Licht flutete die Gasse.
Ein kleiner, dickbauchiger Mann mit fleckigem Hemd und einer noch versiffteren Schürze, stand im Hauseingang, zwischen den Lippen eine selbstgedrehte Kippe und die Hände ungewaschen an einem Abfalleimer. Sein Blick war nach innen gerichtet und er schien jemanden im Inneren des Hauses zuzuhören, als er nickte und ein “Wenn ich’s dir doch sage, Gamo – ich schwör’s beim Leben meines Weibes!“ Aus dem Inneren drang eine schrille Stimme, die für einen Mann irgendwie ungewöhnlich war. Vermutlich war dieser Ton die Folge einer sehr intimen Angelegenheit, die hier wohl nicht selten war. “Dein Weib is’ dir doch nix wert, Maldo! Hör auf zu quatschen und mach die Tür zu, Mann. Sonst kommen die Motten rein und dann kotzt der Chef wieder im Dreieck!“ Der Dickbauchige grunzte, zog kräftig an seiner Fluppe und warf den Müll ungeniert in die Gasse. Er zog die Zigarette aus dem Mund, holte den Rotz hoch und spuckte nonchalant aus. Dann platzierte er seine Kippe wieder zwischen den Lippen, zog sich die Hose über den dicken Hintern, kratzte sich am Schritt und warf ein “Wen störts, Mann ? Ich will nich’ wissen, wie viele Fliegen und Motten täglich ins Essen kommen!“ dreckig lachend, das in ein ersticktes Husten endete, trat der dicke Mann wieder in den Lichtkegel und schloss die Tür hinter sich. Offenbar hatte er Jaromir gar nicht bemerkt, da dieser vermutlich im Schatten stand. Ein Glück für den Magier. Und es schien noch mehr Glück für ihn gepachtet worden zu sein: Aus dem achtlos hingeworfenen Abfall, rollte sich eine halb abgekaute Keule und ein angebissenes Brot. Sollte er zugreifen? Sollte er die Chance nutzen?
Ganz gleich wie sich der Lichtmagier entschied, er musste eine Unterkunft für die Nacht finden. Er könnte sich irgendwo einen Schlafplatz erbetteln oder seine Dienste anbieten. Vielleicht fand er auch ein Gasthaus, indem er sich einquartieren dürfte, wenn er nur die Teller spülte. Auf alle Fälle, brauchte er einen Schlafplatz und ein Versteck gleichermaßen. Er brauchte Energie, wenn er seinen Freund retten wollte. Gleichzeitig war seine Energie wichtig für seine Magie. Vielleicht ließe sich so etwas Geld verdienen, wenn er geruht hatte und dann seine Magie anbot?
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Re: Auf der Suche nach Goliath

Beitrag von Jaromir Sagewind » Samstag 16. Juli 2011, 07:08

Eine dunkle Gasse... Man konnte die Hand kaum noch vor Augen erkennen und einen kurzen Augenblick lang fragte sich Jaromir wo er hier nur hin geraten war. Er verengte die Augen zu Schlitzen um etwas erkennen zu können, denn er vernahm ein paar Schatten die hin und her huschten. Was sollte er nur machen? Fliehen oder vielleicht all seinen nicht mehr vorhandenen Mut zusammen nehmen und sich dem stellen, was in der Gasse lauerte? Er zog seinen Mantel enger um sich und entschloss sich für letzteres. Er betrat langsam die Gasse und rechnete fast schon damit, dass ihn gleich etwas anfallen würde, doch so war es nicht. Eine Meute streunender Hunde und von dem gewimmel an Katzen mal ganz abgesehen, zeigte sich ihm als sich seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewohnt hatten.

Die Gasse war ziemlich schmal und die Tiere suchten nach Nahrung in den Tonnen. Auch Jaromir hatte hunger und das nicht zu knapp. Sollte er vielleicht auch in den Tonnen nach etwas Essbaren suchen? Während er sich auf einer der Tonnen zubewegte scheuchte er ein paar Katzen auf, die sofort reiß aus nahmen. Langsam und skeptisch schaute der junge Sagewind in die Tonne hinein. Ein ekeleregender fauliger Gestank schlug ihm ins Gesicht als er sich darüber beugte um hinein zu sehen. Er wisch zurück, als er das madige Fleisch sah, an dem sich bereits die Katzen ihren Hunger gestillt hatten. Jaro verzog das Gesicht. Das konnte er bestimmt nicht essen, doch es fehlte ihm an Kraft um seine Magie einzusetzen. Doch eine Lebensmittelvergiftung brachte ihn da auch nicht weiter.

Während Jaromir noch darüber nachdachte in den anderen Tonnen nach etwas essbarem zu suchen öffnete sich eine Tür unweit von ihm und jemand schien sich zu unterhalten. Der schmale Lichtkegel der nun in die Gasse fiel verscheuchte das Getier nun vollends und Jaromir, der nicht wusste ob er sich nun verstecken sollte oder sich einfach nur nicht rühren um nicht entdeckt zu werden, blieb zunächst wie angewurzelt stehen. Der Mann in der Tür schien das fünfache des abgemagerten Jaromirs zu sein. Er rauchte genüsslich, während er sich mit jemanden unterhielt der offensichtlich drinen in einer Küche stand.
Erst jetzt kam Jaromir in den Sinn sich doch lieber hinter die Tonne zu ducken. Man konnte in den Zeiten ohnehin nicht wissen wem man vertrauen konnte und wem nicht.
Er lauschte ihrem Gespräch und dann, als wären die Götter auf Jaromirs Seite warf der dicke etwas essbares auf die straße, das weder madig noch faulig war. Ganz genau das, was Jaromir nun brauchte und er richtete ein stummes Stoßgebt an die Götter um sich bei ihnen zu bedanken.

Die Türe schloss sich, das Licht erstarb jäh und Jaromir stand wieder im dunkeln, doch nun verließ er so rasch er nur konnte sein Versteck und lief zu dem Ort an dem er das Essen vermutete. Er musste kurz suchen, fand es jedoch rasch und hob es vom boden auf. Sicher, es hatte in dem dreck der Gasse gelegen doch es war noch essbar. Eine abgenagte Keule und ein angebissenes Brot in den Händen verschwand er in sein altes Versteck, setzte sich auf den Boden und schlang sein essen hinunter. Es kam ihm so vor, als hätte er noch nie soetwas gutes gegessen, doch es dauerte nicht lange bis die Nahrungsquelle erschöpft war und der Hunger war noch immer nicht richtig gestillt. Jaromir richtete sich auf und sah sich noch einmal in der Gasse um. Was sollte er jetzt tun? Sich auf die Suche nach Goliath machen? Jaromir war immernoch ziemlich erschöpft, was sich auch auf seine magie auswirkte. Vielleicht reichte es ja jetzt für den ein oder anderen Zauber, doch er wusste das er ziemlich bald wieder etwas zu essen brauchte. Die müdigkeit meldete sich jedoch bald zu Wort.

Ob e snun an der abfallenden Anspannung lag oder einfach nur daran, dass er einen langen und weitern Weg hinter sich hatte. Nachdem er das essen zu sich genommen hatte dachte er bereits darüber nach, sich ein Sicheres Plätzchen zum schlafen zu suchen. Diese Gasse hier schien nicht der richtige Ort dafür zu sein und Jaromir entschied sich dafür die Gasse zunächsteinmal zu verlassen und sich ein Versteck zu suchen in dem er schlafen konnte.
Er ging schnellen aber leisen Schrittes die Gasse entlang und wollte gerade erneut hinaus auf die Straße treten, da fiel ihm eine weitere Seitenstraße auf, die einen etwas wohligeren Eindruck machte. Schnell überquerte er ungesehen die Straße und schlüpfte in die kleine Seitenstraße. Eine Weile folgte er nur seinen Füßen, bis er schließlich vor einigen Weinfässern stand, welche ohne zweifel leer waren. Er rollte mit viel mühe eines davon auf die Seite. Immerhin konnte er sich nun hinter ihnen Verstecken und vielleicht ein wenig schlafen. Es hatte ohnhin keinen Zweck mehr heute noch nach seinem Gefährten zu suchen. Außerdem war er nun viel zu müde. Jaromir kletterte hinter die Fässer in sein Versteck in dem er sich zusammen kauerte und rasch einschlief.

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Re: Auf der Suche nach Goliath

Beitrag von Erzähler » Dienstag 6. September 2011, 11:10

Die Tatsache, dass Jaromir soviel Glück erhalten hatte, überhaupt etwas zum Essen zu finden und dann auch noch ein mehr oder minder geeignetes Plätzchen zum Schlafen zu erhaschen, hatte zur Folge, dass die Nacht nicht sehr angenehm verlief. Es war lausig kalt und steinhart auf dem Boden hinter den Fäßern. Ausserdem wurde sein Körper schnell klamm, durch das dreckig-feuchte Ambiente hier. Immerhin nächtigte er hier nicht in den reichen Vierteln der Stadt. Da durfte man wohl nichts besseres erwarten. Immer wieder klapperte und schepperte es in benachbarten Gassen, oder es wurden ungehörige Ausrufe getätigt, die man lieber nicht erzählen sollte. Einmal hatte sich sogar ein Pärchen in "seine" Gasse verlaufen und war kichernd und stöhnend dabei, sich gegenseitige Leidenschaft zukommen zu lassen. Alles in allem war dies keine angenehme Nacht und gewiss würde Jaromir sich am nächsten Morgen weniger ausgeruht fühlen. Es war klug, sich für die nächste Nacht ein wirklichen Ort der Ruhe zu suchen, egal wie, egal wo. Doch es war wichtig für den Suchenden, dass er den dringend benötigten Schlaf erhielt.
Als die ersten Sonnenstrahlen ihre Wege in die Finsterniss des Armenviertels fanden, wurde es Zeit, aufzustehen. Hier sollte man nicht irgendwo auf dem Boden liegen und schon gar nicht bei Tag. Es war zu gefährlich, sich so auf dem silbernen Tablett zu präsentieren, denn Meuchelmörder, Diebe und andere Halunken, fanden ihre tägliche Arbeit in Dingen wie Beutezüge oder grundloses schikanieren. Zudem hatte Jaromir einen guten Grund aufzustehen: Goliath - sein treuer Freund und Gefährte, war nach wie vor verschwunden und er hatte bisher keine Spur, wo er denn stecken könnte. Dies sollte sein primäres Ziel sein, denn wenn er erst Goliath gefunden hatte, war die Flucht aus der eigenen Misere beinahe zum Greifen nahe. Trat der junge Magier aus dem Schatten der Gasse, würde er eine etwas belebtere Straße passieren. Von rechts kamen ältere Menschen, die gebückt und gestützt die marode Straße entlang wanderten. Links ging es wohl zum Marktplatz. Jedenfalls sollte dies mal einer sein. Notdürftig waren hier ein paar Unterschlupfe gefertigt worden, an denen selbsternannte Händler ihre Waren verdingten. Ob sich das nun mit einem wahren Markt vergleichen ließ, war doch fragwürdig. Doch vermutlich war dieser Ort der Menschenansammlungen, genau das Richtige für den Sucher. Hier würde er eventuell etwas aufschnappen oder jemandem begegnen, der Näheres wusste über den Verbleib seines geliebten Freundes. Einen VErsuch war es wohl wert und wenn er schon nicht Goliath finden konnte, so hatte er die Chance einige welke Früchte ohne Zahlung zu erhaschen oder ein trockenes Brot, welches er verzehren durfte. In jedem Falle, war ein Marktplatz eine gute Wahl.
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