Die Anhöhe der Verurteilten

Pelgars Markt ist auf einem rechteckigen großen Platz zu finden, in dessen Mitte sich ein Steinbrunnen befindet. Hier erhält man Nahrungsmittel, Vieh, aber auch tüchtige Handwerker kann man antreffen, die gegen Gold ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.
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Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. September 2007, 18:28

[kommt aus dem Kerker]

Bronko nickte nur als Kazel ihm sagte, dass er das Gedicht schön finde. „Ja.“ Meinte er knapp und musterte den Todgehweiten nachdenklich. „Tut mir wirklich leid Kleiner. Vielleicht… sehen wir uns in einer besseren Welt wieder als die hier.“ Bronko lächelte matt. „Ob es dort oben auch Latrinen gibt?“ Er schaute zur Decke hoch, doch dann hielt er plötzlich innen guckte Kazel an und richtete seinen Blick dann zu Boden. „Oder dort unten.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich werde es wohl noch nicht so schnell erfahren wie du Kleiner.“

<i>"Es gäbe noch etwas, das du für mich tun kannst. Bronko, bitte hol die Soldaten, den Kommandanten. Irgendwen. Bitte, sie sollen mich jetzt hinrichten, ich will nicht mehr. Ich ... kann nicht mehr. Diesen Akt der Gnade, ich bitte dich."</i>

Bronko wischte gerade das Erbrochene auf, doch er hielt abermals inne als Kazel ihm seine letzte Bitte offenbarte. Er schaute auf und seufzte schwer. Nickte dann schliesslich und packte seine Sachen ein. „Tut mir wirklich leid Kleiner.“ Murmelte er als er die Zelle abschloss und durch den Gang ins Wachhaus ging.

Kazel war wieder allein im Zellentrakt. Verlassen von allen Freunden die er gehabt hatte – wie er durch Landrias Einfluss glauben musste. Stille herrschte. Einige Minuten – es konnte einem aber wie Stunden vorkommen – geschah absolut nichts. Schliesslich hörte Kazel ein heiseres Piepsen und Schnuppern. Einer der fetten Ratten quetschte sich durch die Gitterstäbe und hockte sich vor Kazel. Schnupperte ihm entgegen und legte den Kopf schief. Diesmal, verbiss sie sich nicht wieder in seinem Zeh. Sie hockte einfach da und glotzte Kazel an als hätte sie gemerkt, dass dieser Mann bald hingerichtet werden würde.

Nach etwa einer Stunde wurde ein schwerer Schlüssel ins Schloss der massiven Kerkertür geschoben und gedreht. Die Tür öffnete sich geräuschvoll und schwere eiserne Schritte hallten wider, kamen entschlossen auf Kazels Zelle zugelaufen. Das schleifen einer Kette war zu hören und ein Mann ächzte angestrengt.

Vier Söldner erschienen vor der Zelle und schauten grimmig hinein. „Kazel Tenebrèe es wird Zeit.“ Bronko war nicht mehr unter der Gruppe, er hatte offensichtlich Kazels Bitte erfüllt und die Söldner geholt die nun die Tür zur Zelle öffneten und eintraten. Einer von ihnen schleppte eine schwere Eisenkugel die schon beim Gehörnten angewandt worden war in die Zelle und brachte die dranhängende Kette an Kazels Fussknöchel an.

„Ist die Kette angebracht?“ Fragte der stämmigste der Gruppe, offensichtlich der Oberste unter den vier Söldnern. „Jawohl.“ Antwortete der junge bleichgesichtige Kerl, der die Kugel wieder anhob. Man löste Kazels Handketten und drückte ihm sofort die Eisenkugel in die Hände. Noch bevor er sich irgendwie gross hätte rühren können wurde er auch schon aus der Zelle in den Gang geschoben. Zwei liefen direkt hinter ihm. Der Anführer vor ihm und der junge sorgte mit einer Pike für die Nachhut. So wurde er durch den Gang geführt. Alle schwiegen sie. Keine ablässige Bemerkung, keine Frage. Stille. Sie durchschritten die Tür. Gingen aus dem Kerker hinaus, verliessen gar die Kaserne.

Der Blick gen Himmel wurde frei als sie das Gebäude verliessen. Draussen standen nochmals zwei Söldner, sie waren dafür zuständig das Volk im Auge zu behalten, denn viele Passanten wurden schnell auf den Häftling aufmerksam, der hier erschienen war. Kinder zeigten auf ihn und starrten ihn einerseits ängstlich andererseits in tiefer Schadenfreude an. „Hänge! Hänge! Hänge Verbrecher!“ Schrie ein kleiner Bub und rannte der Eskorte hinterher, bis ihn seine Mutter zurückrief und eines anderen Weges ging. Der Junge schaute noch ein paar mal über die Schulter und strich seinen Zeigefinger grinsend über den Hals. Es war nicht schwer, die Bedeutung jener Gestik zu erraten.

Einer der vorderen Söldner schnaubte genervt auf als er eine Gruppe seltsamer Gestalten vor sich sah, die sich aufs Tor zu bewegten. Eine fette Frau schob einen seltsamen geräderten Stuhl vor sich her in welchem ein Mönch sass und vor sich hinstarrte, begleitet von einem Maskierten Kerl. Er wollte gerade „Aus dem Weg“ brüllen als die Leute sich schon von alleine sputeten als würden sie den Kontakt mit einem Verbrecher scheuen – in Wirklichkeit wohl eher die Söldner. Rundherum blieben die Leute stehen, noch waren nicht viele Unterwegs, denn der Tag war erst gerade angebrochen und die Morgenkühle lag noch in der Luft. Erst einige Marktstandbesitzer waren bereits eifrig damit beschäftigt die frischen Waren aufzustellen. „Verbrecher!“ Zischten sie Kazel nur entgegen als sie den Marktplatz passierten. Es war wie ein Spiessrutenlauf durch die gesamte Stadt. „Wir hätten euch einen Wagen besorgt, doch ihr wolltet ja nicht solange warten. Darum müsst ihr halt gehen.“ Brummte der Anführer.

Sie erreichten eine kleine, eingezäunte Anhöhe mitten im Stadtzentrum und Kazel sah schon von weitem welch Schicksal ihn bald ereilen würde. Es liess einem das Blut in den Adern gefrieren.

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Im Wind baumelten die Käfige in welchen teilweise bereits verwesende Leichen lagen. Verdurstete Verurteilte. Die Söldner führten ihn auf den Richtplatz. Es waren gut fünfzehn Käfige auf der Anhöhe. Doch nur vier davon waren besetzt. Bald würden es fünf sein. Vor einem der leeren Käfige – etwas abseits der anderen besetzten blieben die Soldaten stehen. Der junge Kerl versetzte ihm einen Tritt in die Kniekehlen so dass Kazel unweigerlich die Kugel fallenlassen musste und auf die Knie sank. Der Anführer stellte sich vor ihn.

„Kazel Tenebrèe. Aufgrund der Vielzahl und schwere eurer Verbrechen wurdet ihr durch die hohe Gerichtsbarkeit des Kommandanten von Pelgar zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung erfolgt durch den Käfig, wo ihr bis zu eurem letzten Atemzug und vier Monate darüber hinaus verharren werdet. Der Kommandant hat entschieden, dass ihr dreimal täglich Essig zu trinken erhaltet um eure Lebens – und Busszeit zu verlängern. Auf persönlichen Befehl des Kommandanten hin sei euch des Weiteren nicht gewährt Kleidung zu tragen und euer Leib wird der Anprangerung freigegeben. “ Der Soldat leierte das vernichtende Urteil mit einer solchen Gleichgültigkeit hinunter, dass es wahrlich beängstigend war. Doch dies entschärfte die Botschaft keineswegs. Sein Schicksal war besiegelt und dies von dem Manne, zu welchem seine Shantih hielt.

Man versetzte ihm, dem Verurteilten einen Schlag ins Gesicht, damit er für kurze Zeit wehrlos war, entfernte eiligst die Kugel von der Kette – nicht die Kette vom Fuss, entriss ihm die Kleidung und stiess ihn unsanft in den Käfig hinein, dessen quitschende Gittertür mit einer dicken Verriegelung versperrt wurde. Damit der Käfig nicht am Boden stand und so für jeden erreichbar war, war dieser an einer grossen Winde angebracht mithilfe man ihn nun hochzog. So schaukelte der Käfig gut zweieinhalb Meter über dem Boden.

Die Soldaten schauten hoch. Eiligst wurde ein kleines Böckchen hergebracht auf welches sich nun der Anführer stellte und nach Kazels Fussfessel schnappte, das ende davon wurde mit einer weiteren Verlängert und an der noch immer am Boden liegenden Kugel befestigt. Offensichtlich eine zusätzliche Sicherheitsmassnahme, Pelgar war offenbar noch nicht entgangen, dass dieser Elf einmal geflohen war.

Nachdem sie ihr Werk verrichtet hatten, verliessen sie Schweigend den Richtplatz und unterhielten sich kurz mit dem Nachtwächter, der um die Anhöhe herum streifte und die Menschen im Auge behielt, die sich den Verurteilten näherten – um sie zu beschimpfen.

Der Käfig selbst stank nach Tod und Verwesung doch der bestialische Gestank kam eindeutig von jenem Käfig aus, in welchem die Leiche lag. In den anderen drei Kauerten weitere magere Gestalten. Allesamt bärtige Männer die deutlich abgemagert waren. Sie schliefen – oder waren tot. So genau war dies nicht zu erkennen.

Dennoch war Kazel durchaus nicht allein, den Bronko hatte ihm einige seiner bissigen Freunde hinterlassen. Seine Kopfhaut juckte und dies jämmerliche und schreckliche Schicksal erfüllte sich, gerade als die ersten Sonnenstrahlen die Stadt weckten.

<i>[Kazel verliert 5% Lebensenergie aufgrund des Fausthiebes]</i>
Zuletzt geändert von Erzähler am Samstag 8. September 2007, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 8. September 2007, 23:42

Kazel, der noch immer in den Ketten hing, schaute Bronko leidig an. Dieser sprach von besseren Welten, schaute erst nach oben und dann nach unten. Kazel schloss die Augen. "Vielleicht habe ich Glück und keine von beiden Welten will mich haben. Wäre nicht das erste Mal."

Dann war er allein. Bronko hatte sich verabschiedet. Er würde Kazel den Gefallen tun, das wusste der Mischling. Bronko war kein Folterer, der gerade dann ihn noch länger hier verrotten lassen würde.
Kazel wartete – und weinte. Still, nicht hörbar. Die Tränen rannen einfach über seine Wangen. Er konnte sie nicht mit den Händen wegwischen, so drehte er den Kopf und wischte sie sich am Oberarm ab. Kaum eine Minute später hörte er Schritte. <b>Da kommt dein letztes Geleit.</b>

Es waren mehrere, ihrer vier. Das sah Kazel, als die Schritte verhallten und er erneut den Kopf anhob. Einer, er war recht blass, schleppte eine schwere Eisenkugel mit sich herum. Kurz fragte sich der Mischling, ob es sich um die Kugel des Gehörnten handelte. Wenn ja, so würde dieser sie wohl nicht mehr brauchen. Wer sie nach Kazel tragen würde ...?
Ihm fiel auf, dass sich Bronko nicht unter den Männern befand. Aber das war jetzt auch egal. Niemand, den er kannte, wäre auf seinem letzten Weg an seiner Seite. Aber wen wünschte er sich schon herbei, dass dieser sich von ihm verabschiedete?

Kazel wehrte sich nicht, als man ihm die Handfesseln abnahm und die schwere Fußfessel mit der noch schwereren Kugel anlegte. Brav nahm er den Eisenball in die Hände, er wog einiges. Kazel ächzte unter dem Gewicht. Er war nie der stärkste gewesen, eher flink und wendig. Geschick hatte er immer zu seinen Fähigkeiten gezählt. Nicht einmal diese Eigenschaft nützte ihm nun wohl noch.
Schweigend verließ die Gruppe die Zelle, zwei liefen vor Kazel, zwei hinter ihm. Mit Piken achteten sie darauf, dass er nicht die falsche Richtung einschlug. Aber der Mischling dachte nicht mehr an Flucht. <b>Dieses Mal ist kein Ork in deiner Nähe, der dich rettet. Aber sag, du König aller Idioten, wünschst du dir das überhaupt nocht?</b>
"Nein", krächzte Kazel leise, während alle anderen schwiegen und man ihn auf das große Tor der Kaserne zuhielt. Dort standen bereits Passanten, reihten sich in einem Halbkreis auf. Sie waren Kazels Begleiter, das Volk, der Pöbel. Wer wusste schon, wie viele unter ihnen gerade dem Nachbarn heimlich in die Taschen griffen und davonkamen? Wie viele von ihnen schlugen ihre Ehefrauen, ohne dass jemand davon wusste? Wie viele vergewaltigten ihre Töchter?

Kazel würde sterben ... weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Weil er damals einen Dieb hatte <i>aufhalten</i> wollen. Weil er versucht hatte, gegen dieses Unrecht zu gehen, indem er floh.
Weil er dem Kommandanten bezüglich Shantih im Wege stand ... er schluckte schwer. Nicht einmal dies konnte er jetzt erledigen? Seine Rache würde mit ihm hingerichtet.

Es regnete und der Wind blies ihnen allen um die Ohren. Kazel fröstelte. Seine Kleidung war halb zerrissen, sein Hemd hing in Fetzen von seinem Körper, denn die Peitsche aus der Folterkammer hatte es zerteilt. Alles roch nach Erbrochenem und sah dementsprechend aus.
Irgendwie schämte er sich für sein Erscheinungsbild, denn so sahen Verbrecher aus. Aber er war nun mehr als das. Kazel war ein totgeweihter Mann.

<i>„Hänge! Hänge! Hänge Verbrecher!“</i> Ein kleiner Junge lief der Gruppe hinterher. Kazel drehte einmal den Kopf. Er erinnerte sich, dass auch er einmal mit anderen Kindern in Morgeria gerannt war. Dort hatte man Goblins verurteilt, die gegen das Essen in der Kaserne aufmüpfig geworden waren. Irgendwie bereute er jetzt seine Taten aus Kindertagen. Solche Beschimpfungen taten verdammt weh.
Die Schaulustigen zerstreuten sich langsam und als die Wachen und der Mischling eine eingezäunte Anhöhe auf dem Marktplatz erreichten, waren nur noch wenige übrig.
Kazel riss die Augen auf. Angesichts der dirt hängenden Käfige fühlte er sich ganz und gar nicht wohl. Wo befand sich der Galgen?
Die Wachen führten ihn auf die Anhöhe. Dann trat ihm einer in die Kniekehlen, dann er die Eisenkugel verlor und zu Boden stürzte. Er schlug sich auf dem harten Pflaster ein Knie auf und hatte plötzlich nur Augen für die Schramme. Seinen Kopf hielt er gesenkt. Seine Arme zitterten.

Der Anführer der Gruppe verlas sein Todesurteil. <b>Vielzahl von Verbrechen, ja, aber keine einzige wird vorgetragen? Der Kommandant hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich welche auszudenken!</b>
Dann wurde seine Strafe verlesen: Tod durch den Käfig. Natürlich. Kein Galgen mehr. Denn von dort hatte er fliehen können. Der Galgen war ein schneller Richter. Die Käfige aber ... ließen sich Zeit.
"Bronko, verdammt, deine Tipps nützen hier garnichts", keuchte Kazel, als die Wachen sich auf ihn stürzten und ihm noch sein letztes Gut, seine Kleidung, nahmen. Bibbernd und sich bedeckend stand er in der morgendlichen Kühle. Er fühlte den Regen auf seiner Haut, fühlte die kalten Tropfen seinen vernarbten Rücken hinunter rinnen. Wie viele würden diese Narben sehen. Einen Teil seines Körpers, den er niemals jemandem hatte zeigen wollen. er war nun entblößt und für alle sichtbar.
Diese Erkenntnis brach den Elfen. Er wollte erneut zu Boden sinken, doch dies ließen die pelgarischen Wachen nicht zu. Man zerrte und schleifte an ihm, verfrachtete ihn schließlich in den Käfig. Sein letzter Fleck auf Celcia.
Man legte ihm erneut die Eisenkugel an, der Käfig aber wanderter ein paar Meter in die Höhe. So blieb er hängen und in ihm stand Kazel. Seine Beine wollte ihn nicht länger tragen, er sackte zusammen, knickte ein. So lag Kazel, jüngster Sohn der dunkelelfischen und stolzen Familie Tenebrée am Boden eines übergroßen Vogelkäfigs und wartete darauf, dass man ihm Essig einflößte. Wie lange würde er durchalten?

Die Stille brach über ihn herein wie der Regen an diesem Morgen. Sein Kopf juckte, Bronko hatte ihm also einige Läuse als letzte Gesellschaft geschenkt.
Kazel kauerte sich zu einer Kugel zusammen. Er bibberte und erwartete nur noch den Tod. "Bitte, hol mich schell. Was hält mich denn noch hier?" Irgendwie wünschte er sich Bronko herbei. Irgendjemanden ... zum Reden. Kazel schaute auf. Er vermisste den Sternenhimmel, denn der hatte für ihn immer die Freiheit bedeutet. Einsam zwar, aber frei.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. September 2007, 03:57

Dicke schwarze Wolken zogen auf– nicht jene, von welchen er und die Kristallträger Celcia befreit hatte, sondern Gewitterwolken. Wie gut mochte das Metall am Käfig wohl Blitze leiten? Es Donnerte und kurz darauf durchzuckte der erste Blitz den Himmel. Der Regen tropfte unaufhörlich auf Kazels Körper, zeichneten die Bahnen seiner alten Narben nach. Immer und immer wieder. Schliesslich tropften sie klanglos auf den Käfigboden, der nicht einmal genug Raum bot um sich anständig hinzusetzen.

Der Nachtwächter der gerade seine letzten Runden drehte wurde vor dem kleinen Zauntor von den beiden Tagwächtern begrüsst, sie brachten ihm ein heiss dampfendes Getränkt und die Männer unterhielten sich kurz. Der Nachtwächter drehte sich um und deutete zu Kazel hoch. Die anderen beiden nickten, dann klopften sie ihrem Kameraden auf die Schulter und wünschten ihm wohl einen angenehmen schlaf. Die Schicht wechselte so. Die beiden Söldner kamen auf die Käfige zu, mit der Stabseite der Piken überprüften sie ob noch alle lebten – ausser den bereits Verwesenden den liessen sie in ruhe, denn dort waren sie sich inzwischen mehr als sicher. Der Mann, welcher Kazel noch am nächsten war, stöhnte nur kurz auf und zuckte zusammen als sie ihm mit dem Stab in die Rippen piekten.

“Der macht es nicht mehr lange.“ Brummelte der eine zum anderen und dieser nickte nur zustimmend. Es waren zwei ziemlich stämmige Kerle, einer gross gewachsen mit kleinem Bierbauch. Er hatte einen Dreitagebart und ein ziemlich faltiges Gesicht. Er mochte über 35 sein. Der andere war einwenig kleiner und hagerer. Seine Wangenknochen standen hervor und seine Augen waren leicht eingefallen. Er schien deutlich jünger als sein Kamerad zu sein.

Sie schritten weiter, liessen den Gefangenen in Ruhe und wandten sich dem nächsten zu. Auch ihn piekten sie an, doch diesmal reagierte der Verurteilte mit einem leisen Brummeln.

„Na Iktros wie geht’s uns Heute?“

„Verpisst euch Bastarde!“ War die heisere Antwort des zerlumpten Mannes, der im Gegensatz zu Kazel noch die Reste seiner Kleidung trug. „Du siehst genau so beschissen aus wie das Wetter heute ist Iktros!“ Erwiderte der Hagere. „Und du siehst so beschissen aus wie der Rest euerer dreckigen Meute!“ Knurrte Iktros. „Retros, jetzt weiss ich was du gemeint hast. Iktros ist nur so grantig wenn er sein Frühstück noch nicht gehabt hat richtig?“ Fragte der Hagere den Bierbäuchigen Retros. Dieser nickte und grinste. „So ist es… aber du weisst doch Iktros Fresschen gibt’s für dich erst wenn der Fischmarkt eröffnet wird!“ Beide Soldaten lachten und der Gefangene lachte nachäffend mit. Schliesslich liessen sie auch von ihm ab und gingen zum vierten Gefangenen. Auch ihn piekten sie an. Er gab keine Reaktion von sich. „He Retros. Der hat es hinter sich.“ „Bist du sicher?“ „Nein.“ Na dann versichere dich!“ „Gut“ Der Hagere drehte seine Picke und stach dem Mann in die Flanke. Blut spritzte, doch der Kerl rührte sich nicht mehr – er war effektiv tot. „Endlich ist die Welt diesen verdammten Schänder los!“ Knurrte Retros und sein Kamerad nickte grimmig. „Wir sollten ihn am Nachmittag runterholen.“ „Ja ja… der hat Zeit“ Grinste der Bierbäuchige und er holte tief Luft – was nicht einfach war an jenem Ort – schliesslich stank es bestialisch. „Soo, dann wollen wir uns doch mal um unseren Neuzugang kümmern. Kackel Tinibrii oder so heisst der.“ Die beiden Wächter kamen auf Kazels Käfig zugestapft und guckten hoch. „Heda! Na hast du dich schon in deiner neuen Bleibe eingerichtet? Ich erkläre dir nun unsere Regeln hier. Die erste Lautet, missachtest du eine davon, werden wir dir deinen Aufenthalt hier nicht nur verlängern, sondern noch angenehmer gestalten, kapiert?“ Er verstummte kurz und rückte seinen Helm zurecht hustete kurz und sprach dann weiter. „Gespräche mit den Bewohnern hier sind dir nicht erlaubt, sie dürfen mit dir sprechen aber du gibst keine Antwort kapiert? Das faule Obst und Gemüse welches dir freundlicherweise vom Volk gespendet werden wird, darfst du behalten. Muss ich dem Kerl sonst noch was sagen Retro?“ Dieser Schüttelte nur den Kopf. „Das ist alles. Noch fragen Bastard? Nein? Gut.“ Kazel hatte gar keine Möglichkeit bekommen eine Frage zu stellen, denn noch bevor Retro seinen Satz beendet hatte waren die beiden Schon davon gestapft und begannen ihre Runden zu drehen.

Die Stunden verstrichen, das Gewitter zog vorbei noch immer regnete es jedoch. Unter ihm auf dem matschigen Boden hatte sich bereits eine grosse dreckige Pfütze gebildet in welcher sich der Käfig spiegelte. Kazel konnte dort sein erbärmliches selbst erkennen.

Drei Jugendliche näherten sich den Käfigen. „VERPISST EUCH IHR ELENDIGEN ROTZLÖFFEL!!“ Brüllte sein Käfignachbar sofort los. Die Antwort, warum sich Iktros nicht auf den Besuch dieser Jugendliche freute klatschte nur einen Augenblick später gegen Kazels Schläfe. Ein faules Ei. Ein zweites Folgte und traf seine Schulter. „Heda Jungs, schiesst auch auf den Neuen!“ Die anderen beiden lachten und bewarfen ebenfalls den Mischling. Die Tagwächter beobachteten die Szenerie aus der Entfernung. Es schien nicht so, dass sie wirklich eingreifen würden.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 9. September 2007, 04:48

Das Wetter wollte sich offenbar nicht bessern. Vielleicht weinte jemand der Götter. Bei Regen ... wie hieß sie noch? Ach, Kazel hatte nie richtig zugehört und im Grunde blieben am Ende sowieso nur Manthala und Faldor übrig – und dass ein Gott wie Faldor um ihn weinte, bezweifelte Kazel.
Doch aus Regen wurde langsam eine ziemlich widerliche Pampe namens Schneeregen und auch der Wind peitschte langsam gegen die Käfige, brachte sie zum Schwanken. Bald würde aus Schneeregen Schnee und vielleicht stand dem Mischlingselfen ein qualvollerer Tod als der durch Verhungern zu.
Bibbernd stand er in seinem Käfig. Sitzen war kaum möglich, es seit denn, er lehnte die Füße zwischen den Stäben heraus. Noch waren seine Beine allerdings nicht dünn genug dafür. Kazels Blick fiel auf die anderen Verbrecher. Einer hatte es geschafft. Er saß ... zwar bestand dieser Kerl nur noch aus Gerippe, aber er hatte es sich doch recht bequem gemacht. <b>Was denk ich da?!</b> Kazel schauderte. Nein, er wollte nicht sitzen können, nicht so wie dieses Skelett! Krampfhaft klammerte er sich an seinen Käfig. Seine Blöße zu verdecken hatte er ebenfalls schon aufgegeben – wie sich selbst.

Ein Schichtwechsel der Wachen stand bevor. Aus Nacht- wurde Tagwächter, außerdem verdoppelte sich die Anzahl. Die Wachen machten sich sogleich an ihre Pflicht und piekten die Käfiginsassen in Rippen und Flanken. Kein schöner Anblick, denn die meisten reagierten kaum noch. Bald würde es an diesem unheiligen Ort noch stärker nach Tod riechen.
Mit einem der Verbrecher hatten die Wachen in ihren glänzenden Rüstungen sogar einen kurzen Plausch. Der Mann – Iktros – war nicht gerade davon begeistert. Ja, in Morgeria hatte man auch auf diese Weise gespottet – wenn die Gefangenen lang genug am Leben blieben. Viele hatten sich ihr Leben genommen, sobald sie Gelegenheit dazu fanden.

Schließlich erbarmten sich die Wachen, von denen einer Retro hieß und ließen Iktros in Frieden. Stattdessen wandten sie sich Kazel zu. Sie machten ihm schnell verständlich wie es hier auf der Anhöhe ablief. Offenbar genug davon, zu plaudern, ließen sie es nicht einmal zu, dass Kazel Fragen stellen konnte, sondern machten sich auf den Weg, ein Stück fort. Der Gestank der Toten drang sichtlich auch in ihre Nasen. Er war einfach abscheulich. <b>Gewöhn dich dran, bald gehörst du dazu und riechst auch so.</b>
"Halt die Klappe, Gehirn!", knurrte Kazel, als drei Jungen auftauchten. Sie ergötzten sich daran, dass hier noch einige Verbrecher lebten, denn bei ihnen wurden sie ihr fauliges Obst und Gemüse los – und allem voran faule Eier. Diese warfen sie nach Iktros, aber auch auf Kazel zielten sie. Er ließ es über sich ergehen, was wussten diese kleinen Bengel schon. Lediglich in seinen Augen tobte der tintenblaue Sturm. Und seine Augen richteten sich auf sich selbst. Er sah sich unterhalb des Käfigs in der Pfütze aus Schneematsch.

<b>Ja, schau dich an. Wie konntest du nur hier landen, Idiot? Weil du dich nach ein bisschen Geborgenheit gesehnt hast. Wolltest jemandem angehören und nicht länger in der Stillen Ebene vegetieren – allein. Tja, jetzt bist du wieder allein und bald tot. Dein Leben hat ja einen gewaltigen Sprung gemacht.</b>
Manchmal hasste Kazel sein Gewissen einfach nur, vor allem, wenn es Recht hatte. Verzweifelt lehnte er den Kopf an die eisig kalten Gitterstäbe. "Iktros, richtig?" Er musste jetzt einfach reden. Er brauchte jemanden, der ihn von seinem Schicksal ablenkte. All die Jahre in der Ebene, die Monate in den morgerianischen Kerkern hatte er niemanden zum Reden gehabt. Ja, und Shantih und Luziver ... nein, mit denen würde er nie wieder reden!
Außer Iktros war niemand da. Gut, die Jungen, aber da galt das Verbot der Wachen. Außerdem glaubte Kazel kaum, dass sie auf ihn eingehen würden – außer mit faulen Eiern.

Doch dass er nicht mit Mitgefangenen reden durfte, davon hatten die Wachen nichts gesagt. "Warum bist du hier in diesen Dingern?", fragte er, ohne dass es ihn wirklich interessierte.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. September 2007, 14:12

Iktros war noch immer damit beschäftigt gewesen die Eierwerfer zu beschimpfen doch als Kazel ihn ansprach gab er kurz Ruhe. Er spähte zu seinem Käfig. „Na warum wohl, weil dieser Dreckskopf von Kommandanten mich verurteilt hat! Na ja… ich gehöre nicht zu diesen. „Oooch ich bin so unschuldig und ooooch ich hab doch nichts getan und oooch Gnade GNADE! – Typen! HAH nein ich nicht! Ich habe einen verhurten Fischverkäufer die Kehle durchgeschnitten, nachdem ich erfahren habe dass dieser elendige Mistkerl MEINE Frau gebürstet hat, während ich auf arbeit war! HAH! Dieser verdammte elendige Bock! Hah ich hätte sie grün und blau geschlagen wenn mich diese pelgarischen Hunde nicht vorher gefasst hätten.“ Knurrte er schliesslich und verstummte. Stierte böse zu den Soldaten „Und was treibst du hier?! Was bistn du überhaupt, du schaust nicht aus wie ein Mensch!“

„Fischkopffresser, Fischkopffresser!“ Johlten die Jugendlichen welche dem Verurteilten ebenfalls zugehört hattten.

Der andere noch lebende Häftling stöhnte kurz auf und hustete. Iktros schnaubte. „Verreck endlich Timo das ist ja unerträglich dir dabei zuzuschauen wie du langsam eingehst verdammt! DU MACHST MICH NOCH WAHNSINNIG HIER! Und ihr verpisst euch oder ich schlitze euch euren verdammten dicken hässlichen Bauch auf und drücke die Pickel euer liebsten darin aus!“ Brüllte er schliesslich.

Die Jungs hatten ihren sichtlichen Spass daran Kazel und Iktros zu bewerfen, der Mithäftling versuchte mittlerweile die Eier zu fangen und zurückzuschleudern, doch er hatte nicht genug Platz in seinem Käfig um auszuholen, die Jugendlichen grölten und spotteten nur über seine Versuche. „Na dann komm doch her Fischkopffresser!“ Riefen sie gut gelaunt dem Häftling zu. Doch irgendwann gingen ihnen die Eier – und auch die Lust dazu aus. Ausserdem war es inzwischen ziemlich kalt geworden.
„Endlich sind diese verdammten elendigen Rotzfressen WEG!“ Brüllte er in seinem Käfig herum. Die Söldner wurden darauf aufmerksam und kamen zu ihnen hin. „He Iktros halt deine verfluchtes Maul du störst die Leute in ihrem geschäftigen Treiben!“

Iktros lachte aus tiefster, kranker Kehle. „Herrlich, dass interessiert mich einen feuchten Dreck Jungs!“ Grinste er nur und die beiden Soldaten zuckten ungerührt mit den Schultern.

Ein Mann mit zwei Kesseln näherte sich der Anhöhe und Retros winkte ihm entgegen. „Ah Iktros dein Fressen kommt.“ Dieser verstummte sogleich und seufzte auf. „Haha da sagt er nichts mehr was? Los Eldrian du gehst den anderen Bastard füttern“ Der Hagere nickte und verschwand kurz in einem kleinen Häuschen, welches ebenfalls auf der Anhöhe stand, daneben befand sich ein Leichenkarren.

Eldrian tauchte ebenfalls mit einem Kessel auf und einem Lappen, dieser band er um das Ende seiner Pike und tauchte diese in den Essig. „Fresse auf Bastard.“ Grummelte er nur und drückte Kazel den Stab auf den Mund. „Du wirst diese Mahlzeit irgendwann noch zu schätzen wissen glaub mir!“ Er drückte damit einwenig auf Kazel herum. Iktros bekam in der Zwischenzeit seine „Mahlzeit.“ Der junge Mann mit den Kesseln war der Fischsverkäufergeselle und brachte den Söldnern zwei Kessel voller stinkender Fischköpfe. Retros gab dem Mann eine Münze, dieser nickte und verschwand. Retros steckte die Fischköpfe an seine Pike und reichte diese Iktros. Dieser Fluchte leise vor sich her. „Na komm schon Alter du HAST Hunger, dass wissen wir!“ Lachte Retros – und der Soldat behielt recht, denn Iktros griff schliesslich mit seinen vor Kälte zitternden Hände danach und biss hinein.

Der Söldner lachte und blickte zu seinem Kameraden. „Na schmeckts dir Bastard?“ Rief er Kazel lachend entgegen.

“Es ist schweinekalt du Rüstungshirn!“ Knurrte Iktros der noch immer an seinem Fischkopf herumknabberte. „Allerdings Iktros, darum bekommt dein neuer Freund hier eine Decke. Der soll noch nicht so schnell verrecken wie du! Bei dir erwarten wir, dass du dich heute nach zu Timo gesellst!“ Retros stapfte zur Hütte und kam tatsächlich mit einer Decke für Kazel zurück. Er warf sie ihm entgegen. „Hier fang Bastard!“

„Ihr verdammten Hurenböcke, dass könnt ihr nicht machen!“ Keuchte Iktros wütend. Die Söldner lachten nur.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 9. September 2007, 17:41

Kazel riss die Augen auf. Dieser Mann saß hier also fest, weil ihm ähnliches widerfahren war wie dem Mischling selbst. Andernfalls wäre Kazel wohl wirklich sofort gehängt worden. Der Kommandant gab sich doch nicht so viel Mühe wegen eines mutmaßlichen Diebes wie ihm. Nein, er war wütend, weil er versucht hatte, Shantih für sich zu gewinnen. Vielleicht war der Kerl, der Iktros' Frau "gebürstet" hatte ebenfalls der Kommandant. Kazel traute es diesem Bastard durchaus zu ... und so entwickelte er gewisse Sympathie für seinen Mitverurteilten – darunter verstand der Durchschnittscelcianer, dass Kazel ihm gegenüber deutlich weniger Misstrauen zeigte als sonst jemandem in seiner unmittelbaren Umgebung.

Er beobachtete, wie Itkros versuchte, die faulen Eier der Jungen zu fangen, um sie zurück zu werfen. Dabei stellte sich der Gefangene nicht gerade geschickt an. Kazel fing ebenfalls ein Ei, versteckte es jedoch hinter seinem Rücken und wartete auf den richtigen Moment. Als Iktros noch einmal kurz mit ihm einen Blick austauschte, schleuderte Kazel das Ei. Er holte keinen Schwung in der Länge, sondern in der Höhe. Die faule Flugbombe sauste in hohem Bogen hinauf und raste auf einen der Jungen zu. Mit Genugtuung sah Kazel, wie sich das faule Ei auf dessen Kopf verteilte.

<i>"Und was treibst du hier?! Was bistn du überhaupt, du schaust nicht aus wie ein Mensch!"</i> Kazel schüttelte den Kopf. "Nein, ich ... bin elfischer Abstammung." Das musste genügen. Er gab sich zwar gern als Grauelf aus, da er irgendwie immer wie ein grauer Verlauf zwischen beiden Blutsverhältnissen stand, aber dieses Mal wollte er nicht einmal das preisgeben. Er fühlte sich Pelgar schrecklich ausgeliefert und hilflos. Man konnte seine Narben sehen. Sollten die Leute sich doch darauf konzentrieren und nicht auch noch auf seine Abstammung. Ihm würde sowieso niemand glauben, dass auch waldelfisches Blut ein Teil von ihm war. Hier in Pelgar galt Kazel als Dunkelelf und als solcher würde er sterben.

Doch die Soldaten wollten ihn noch nicht so schnell krepieren sehen. Nicht nur, dass sie plötzlich mit einem Kessel für ihn und Itkros auftauchten und letzteren mit Fischköpfen fütterten – Kazel schauderte darüber, ihm wurde wieder schlecht –, nein, sie tunkten einen Lappen in Essig und spießen diesen auf eine Stange. Der Soldate drückte Kazel den Lappen ins Gesicht, damit dieser das Essig aufsaugte. Der Mischling hatte sich weigern wollen. Er wollte dem Kommandanten nicht auch noch die Genugtuung eines langen und qualvollen Todes geben. Aber unter diesen Umständen blieb ihm nichts Anderes übrig. Das Essig tropfte ihm in den Mund. Es schürte seinen Durst.
Außerdem fröstelte er. Die Temperaturen sanken gewaltig. Doch auch hier sorgten die Soldaten vor und warfen ihm eine Decke zu. Kazel fing sie. Der Überlebensinstinkt war noch nicht ganz gebrochen. Er wickelte sich darin ein, so gut es ging. Die Decke war alt und stank fürchterlich. Wie viele Verbrecher sie wohl schon begleitet hatte? Aber sie war besser als nichts.

"Hast du ein paar gute Ratschläge für einen schnellen Tod?", fragte Kazel schließlich. "Ich will dem Kommandanten keinen Gefallen tun und hier mehrere Tage aushalten. Jemand gab mir schon Tipps, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass mir der Galgen erspart bleiben würde."
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 9. September 2007, 21:24

Iktros schnaubte als er sah wie Kazel eine Decke bekam und er nicht. Er kriegte Angst, denn der Mann spürte, dass er diesen Tag so wie er war, kaum überleben würde. „IHR KÖNNT MICH ALLE MAL!“ Brüllte er den Söldnern hinterher als diese sich wieder ihren Runden zuwandten und nette Unterhaltungen mit den Bürgern hielten. Ja, pelgarische Wächter hatten im Volk einen erstaunlich guten Ruf, wenn man bedachte, was sie hinter den dicken Mauern des Gefängnisses so trieben. Doch sie dienten Lysanthor und damit trug jeder von ihnen mit dem Reichsadler und dem Sonnensymbol eine Rüstung des Edelmutes und der Aufrichtigkeit. Welch Trugbild!

Iktros schlotterte bereits vor Kälte und rieb sich immer wieder über die Oberarme. „Verdammt das pack ich heut nicht!“ Bibberte er wütend vor sich her und er stierte missmutig zum Himmel hoch wo immer mehr Schneeflocken fielen.

„Schneller sterben?“ Bibberte Iktros und lachte entnervt auf. „Wird die Decke aus dem Käfig, dann stirbst du sogar sehr schnell!“ Panik übermannte den Kerl und er begann an dem Käfig herumzutoben – vielleicht gar nicht so übel denn so regte er seinen Kreislauf an. „Ihr verdammten Hurenböcke! Dass könnt ihr nicht machen! Retros! Eldrian!“ Brüllte er den Wächter entgegen die gerade von einem Gesellen zwei heisse herrlich dampfende Kaffees erhalten hatten und daran nippten.

Einige Bürger näherten sich den Käfigen und starrten auf den Neuen. Ja man gaffte ihn an und zeigte auf ihn und schüttelte dann angewidert den Kopf. Wenigstens verschonten die ihn mit Eiern. Dann waren sie wieder allein.

Die Zeit verstrich und immer wieder kamen die Söldner auf ihrer Wachrunde bei den Gefangenen vorbei. „He Iktros, du schaust nicht gut aus!“ Bemerkte Retro. Eldrian wandte sich an Kazel. „Na kuschelst du schön mit deiner Schmusedecke?“ Er lachte und ging weiter. „Komm schon Retros.“ „Verpisst euch ihr Hurenböcke!“ Bibberte Iktros und hustete bereits. Retros lachte. „Zu Befehl der Herr.“ Er deckte sich genüsslich langsam satter in seinem pelzernen Überhang ein und stolzierte dann weiter.

„So ne verdammte kacke!“ fluchte der Kerl weiter – er hatte ja allen Grund dazu, schliesslich würde er bald tot sein.

Am Zaun der Anhöhe erschien nach einiger Zeit eine schlanke, grossgewachsene Gestalt, dicht eingepackt in einem schwarzen Umhang, darunter war der Stoff einer weissen Gewandung zu erkennen, die Gestalt schritt nicht… nein sie schien beinahe zu schweben, so fein waren ihre Bewegungen. Sie blieb einige Zeit am Zaun stehen und blickte in Kazels Richtung. Für einen kurzen Moment hätte man glauben können, dass dies der Tod sei der ihm winkte. Dann jedoch war Tod weiblich. Denn diese Gestalt dort war dies definitiv. Das Gesicht blieb jedoch von der schwarzen Kapuze verborgen, obwohl Kazel gemustert wurde. Schliesslich nickte die Gestalt ihm zu und verschwand dann in der Menge.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 10. September 2007, 11:38

Iktros, der Käfignachbar, war wütend. Kein Wunder angesichts der Lage und des Wetters. Die Temperaturen waren mindestens auf dem Nullpunkt, wenn nicht gar tiefer und verwandelten den Wind in eine beißende Peitsche der Kälte. Hinzu kam der stetige Schneefall. Es war eine verdammte Folter, Menschen hier in diesen Eisenzellen aufzuhängen.
Kazel kuschelte sich in die Decke. Welch Wohltat. Aber im Grunde hatte er sich doch aufgegeben, hatte so schnell wie möglich sterben wollen. Irgendwie war dieser Gedanke auch immer noch präsent. Trotzdem dankte er Manthala im Geiste für die wärmespendende Decke. Der arme Iktros stand ohne da. Kazel sah förmlich, wie seine Haut immer bläulicher schimmerte und wie das Knochengestell, welches er nur noch war, bibberte.

Die Soldaten Retros und Eldrian ließen sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Sie lachten und ignorierten Iktros' Klagen und Beschimpfungen. Rasch machten sich die beiden aus dem Staub, um irgendwo in der Nähe eine heiße Tasse Tee, vermengt mit Alkohol zu trinken.
Bei diesem Gedanken sträubten sich Kazel schnaubend die Nackenhaare.

<i>"Verdammt, das pack ich heut nicht!"</i>, stellte der Gefangene fest. Kazel glaubte seinen Worten. Dieser Mann sah erbärmlich aus. Vermutlich starb er noch vor ihm selbst. Jetzt schon wirkte er mehr tot als lebendig. <b>Komm schon, Idiot. Lass ihn einfach sterben. Du bist auch bald dran.</b>
Kazel brummte nur leise. Ja, er würde sicher nicht viel länger als Iktros durchhalten, aber wenigstens hatte er es warm. Von Fischköpfen lebte man wohl länger als von Essig. Kazel leckte sich über die Lippen. Er hatte schrecklichen Durst. Außerdem juckte sein ganzer Kopf. Bronkos kleine Gefährten feierten wohl ein Volksfest in seinen Haaren!

<i>"Schneller sterben? Wirf die Decke aus dem Käfig, dann stirbst du sogar sehr schnell!"</i> Iktros hatte Recht. Ohne die Decke würde Kazel in diesem Käfig erfrieren. Ein schneller Tod ... er war bereit, ihn zu begehen. So zog er sich den wärmenden Stoff von den Schultern und wickelte die Decke zu einem festen kleinen Ball zusammen.
Es kümmerte ihn inzwischen schon nicht mehr, dass die Leute ihn begafften. Es interessierte ihn nicht, er konnte sich ohnehin nicht verbergen und sein baldiger Tod stand sowieso bevor.

Kazel wartete, bis Retros und Eldrian erneut vorbeimarschiert waren. Bei ihrem nächsten Rundgang würden sie ihn finden. Erfroren. Ja, dieser Gedanke war gar nicht so schlecht. Sie würden sich vielleicht sogar erschrecken und dann dem Kommandanten mitteilen, wie schnell Kazel sich doch in die gütigen Hände seiner Göttin begeben hatte. Der Kommandant würde sich grün und blau ärgern, weil er seinen Tod nicht lang und qualvoll erlitten hatte.
So war Kazels Plan – und er beinhaltete noch ein Individuum, dem der Mischling auf gewisse Weise nur zu gern half. "He, Iktros, kannst du gut fangen?", rief Kazel zu ihm rüber und zielte. Wie gut hatte er sein halbes Leben damit verbracht, mit dem Wurfdolch zu trainieren. Wenn er etwas konnte, dann sein Geschick im Werfen unter Beweis zu stellen. Der Ball, den er aus der Decke geformt hatte, flog erneut nach oben. Er machte einen hohen Bogen und kam auf Iktros' Käfig zu landen, wo er sich entfaltete und sich wie ein Vorhang über den Käfigdeckel legte. Iktros brauchte nur noch zuzugreifen.

Ja, das war geschafft. Jetzt konnte Kazel in Ruhe sterben. Er lehnte sich an die Eisenstäbe. <b>Verdammt, die sind ziemlich kalt!</b> Sein Blick schweifte über die Umgebung. Er war bereit, zu gehen.
Schließlich entdeckte er aber eine seltsame Gestalt am Zaun stehen. Sie war ganz in einen schwarzen Umhang gekleidet, darunter trug sie jedoch weiße Gewänder. Eine Frau, eindeutig. Warum kam eine so zierliche Gestalt an einen Ort wie diesen?
<b>Um dir zu winken. Schau nur!</b> Tatsächlich. Sie winkte Kazel zu. Verwirrt schüttelte der Mischling den Kopf. Was sollte das?
Auf einmal beschlich ihn ein finsterer Gedanke, etwas, das er aus seinem Kopf schon beinahe verdrängt hatte.

"Luziver ... Shantih ..." Er konnte nicht gehen. Er konnte Celcia nicht Lebewohl sagen und auf den Tod warten. Seine Rachegelüste stiegen in ihm auf, er musste hier raus. Er musste noch zwei Frauen mitnehmen, ehe er ging. Ja, sie mussten einfach vor ihm den Tod finden – durch seine verdammten Hände!
Aber wie standen seine Chancen, vor allem jetzt ohne Decke? Nicht besonders gut.

<span style="color:1A365E;">"Lasst mich hier raus, verdammt! Ich muss sie umbringen, ich muss hier raus!</span><span style="color:911D00;">Heee, irgendjemand! Helft mir!</span> Ich muss hier raus!"
Er schrie es in Lerium, Kr'zner der Sprache der Orks, die er bruchstückhaft beherrschte und auf celcianisch. Aber hören würde ihn vermutlich niemand. Naja, <i>an</i>hören wr das treffendere Wort. Denn wenigstens Itkros musste sein Gebarden vernommen haben. Nun stand er wieder nackt in seinem Käfig, aber die Verzweiflung beherrschte ihn nicht länger. Das Blut in seinen Adern wärmte ihn. Gemischte Blut, belebt von Rachedurst.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. September 2007, 20:07

Der kalte Wind peitschte gegen die Käfige und brachte sie heftig zum schaukeln. Wie auf einem hässlichkleinen schwankenden Boot, dass direkt in die Hölle tauchte. Doch dies hier war nicht Faldors Reich selbst – nein es war wie das Tor in jene grausame Welt und schon hier an dessen Eingang, waren die Schrecken und das Leid gross. Der Pein übermächtig.

Erst kuschelte sich der Mischlingself in die Decke, doch dann tat der vom Kommandanten zum Tode verurteilte Mann das, was nur Wesen in tiefster Verzweiflung und Resignation tun konnten – er schickte sich selbst in die Verdammnis, schneller als geplant. Er wollte die letzte Entscheidung selbst treffen und sie nicht dem Willen des pelgarischen Bullen überlassen. So verurteilte er sich selbst zum Tode, indem er sich seines bescheiden Wärme spendenden Schutzes entledigte.
Wie ein alter, verwundeter und bald sterbender brauner Falke flog Kazels Decke durch die Luft und verfingt sich an der Oberseite von Iktors Käfig. Sie verdeckte Kazel die Sicht ins Innere, Iktor selbst verschwand hinter dem Braun.

Vermutlich hatte sich Kazel bereits dermassen an das Klappern von Iktors Zähne gewöhnt… doch nun fehlte es. Unter dem Käfig rührte sich nichts. Kein Fluchen, keine Verwünschungen, kein Zähneklappern, kein Zellengenosse mehr der nicht verraten hatte ob es sich bei dem „Bürster“ wirklich um den Kommandanten gehandelt hatte.

Die Minuten verstrichen in eisiger Kälte die nun auch Kazel unaufhaltsam in ihren tödlichen Bann zog. Sie schlich an seinen Füssen hoch, verfärbte sie blau, betäubte sie und krabbelte den Waden entlang weiter nach oben. Das Atmen ging plötzlich schwer, denn seine Lungen ächzten unter der tiefen Temperatur der inhalierten Luft, sie befeuchtete sein Innerstes und kühlte es aus. Sein Hals schmerzte, husten machte sich breit. Um dem Wärmeverlust zu entgegnen begann Kazels Körper in seinem Überlebenstrieb wild mit dem zittern. Bewegung erzeugte Wärme. Auch sein zittern und klappern konnte nichts an den niedrigen Temperaturen ändern, die weiter fielen und fielen. Iktor hatte sich die Decke noch immer nicht geholt und er würde sie auch nicht mehr holen.

Denn Iktor sass tot in dem Käfig, durch die Decke geschützt vor den Blicken des Volkes. Nun waren es vier tote. Bald würde der fünfte folgen.

Retros und Eldrian näherten sich und schnell erblickten sie die Veränderung an den Käfigen. Sie stapften auf Kazel zu. „Na sie mal einer an, der schwächliche Elf will sich umbringen! Wie niedlich!“ Bemerkte Retros sichtlich amüsiert und knuffte den hageren Eldrian. Dieser guckte zur Decke. „Bist wohl einer dieser Barmherzigen was? Was hast du denn darunter zu verstecken… unseren lieben Freund IIKIII?“ Eldrian hob mit dem spitzen Ende seiner Pike die Decke an und deutete auf den Leichnam. Retros folgte seinem Blick und betrachtete den toten Iktros. „Jetzt ist dieser Saftsack also auch verreckt. Schade, der war ein lustiger Geselle…. Deine Spende hat wohl nicht viel gebracht neuer Freund.“ Eldrian hob die Decke mit seiner Pike an und hielt sie Kazel entgegen. „Sei kein Vollidiot und deck dich zu! Oder wir holen dich runter nageln dich eingedeckt auf ein Brett, ziehen dir die Haut von den Knien und lassen dich SO verhungern!“ Drohte Eldrian plötzlich mehr als nur ernst. Retros nickte. „Haben wir nicht gesagt, dass wir deinen Aufenthalt mehr als nur Ungemütlich gestalten können wenn du dich nicht an unsere Regeln hältst? Eine davon lautet. BENUTZ DIESE VERDAMMTE DECKE!“ Retros fluchte so laut, dass eine Marktmagd sich erschrocken zu dem Söldner umwandte und für einen kurzen Moment Kazel mitleidig musterte und ihren Blick beschämt und kopfschüttelnd senkte als sie seine Nacktheit sah. Sie schien nicht zu jenen Frauen gehören, die in den pelgarischen Söldner alles Tugendhafte sahen. Dennoch… auch sie half nicht, sondern ging ihres Weges.

„Na?! Mach Bastard!“ Vielleicht lag es ebenfalls an der Kälte, dass Retros und Eldrian strenger und herrischer geworden waren – oder aber… sie trauerten so irgendwie um den alten Iktros… den sie doch irgendwie… gemocht hatte.
Zuletzt geändert von Erzähler am Dienstag 11. September 2007, 20:15, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 12. September 2007, 01:50

Oh, im Grunde war es eine dumme Idee gewesen, die Decke zu Iktros hinüber zu werfen. Zumindest hatte Kazel <i>jetzt</i> das Gefühl, da seine Rachegelüste ihn nährten. Ja, er hatte nur ein einziges Mal Landria sehen müssen, ohne zu wissen, dass er sie kannte. Es hatte trotzdem gereicht, sein manipuliertes Hirn wieder in den gewünschten Bahnen denken zu lassen. Und dies ... machte ihn aggressiv. Er durfte jetzt nicht sterben, er musste hier heraus und diese Miststücke ermorden – die ihm so falsch mitgespielt hatten!
Sein ganzes Denken fokussierte sich momentan darauf, daher knurrte er wolfsgleich zu Iktros hinüber: <span style="color:1A365E;">"Du verdammter Bastard, gib mir die Decke wieder!"</span>
Ja, die Rachegelüste bedienten sich vor allem seines dunkelelfischen Erbes und schürten somit die Mordlust und den Hass in Kazel. Er verwünschte im Geiste alles Lebende, das ihn störte und stand nun zitternd in seinem Käfig, das Gesicht eine trotzige Grimasse.

Zuerst hörte Kazel gar nicht, dass er nichts hörte. Er war so in seiner Wut gefangen, dass er es nicht wahrnahm. Dann aber verebbte sein Zorn, seine Rachelust. Es war viel zu kalt, um sich an diese Dinge zu klammern. Er stand da und rieb sich die Arme. Zitterte, musste husten. Vielleicht erfror er gleich. Keine Rache ...

Und dann tauchten die Wächter auf.
<i>"Na, sieh mal einer an, der schwächliche Elf will sich umbringen! Wie niedlich!"</i> Kazel starrte Retros an und wenn Blicke hätten töten können ... oh Retros wäre nur von einem von Kazels Augen vernichtet worden. In ihnen tobte ein Sturm, der sich tintenblau färbte und wild wirbelte. Beinahe so blau schimmerte seine Haut. Er bibberte und fror, aber sein Trotz ließ sich nicht bändigen.

Als die Wächter sich Iktros zuwandten und ihn anpiekten, bemerkte Kazel erst, was geschehen war. Darum hatte der Mann nicht nach der Decke gegriffen. Deshalb war es so still.
<b>Er ist tot! Aber er hat eben noch geflucht.</b> Irgendwo tief in seinem Inneren betrauerte Kazel diesen Mann, denn er war in seinen Augen kein wirklicher Verbrecher gewesen. Er hatte dasselbe Motiv gehabt wie der Mischling, nur war Iktros in seinen Taten viel weiter gewesen.
Die Decke tauchte vor Kazel auf, zusammen mit einer Drohung, dass er sie besser nehmen sollte, wenn er sich nicht wünschte, die Haut von den Knien geschabt zu bekommen.

Doch Kazel griff nicht nach dem Stück braunen Stoffes. "Was wollt ihr denn tun? Mich nochmal foltern? Am Ende kommt dasselbe bei heraus, ich werde sterben. Ich hab keine Angst vor euren Drohungen, Menschen!" <b>Und wie du Angst hast, Idiot. Deine Knie schlottern. Gut, dass man es auf die Kälte schieben kann, nicht wahr, du Feigling?</b>
"Wisst ihr auch, warum? Weil Manthala und Faldor mich rächen werden. Sie werden mich zurückkehren lassen, als Geist oder Schlimmeres. Und dann werde ich <i>euch</i> beide als erstes aufsuchen. Meine Peiniger, die mich in den letzten Atemzügen meines ausgemergelten Körpers noch gequält haben! Ja, wenn ihr Manns genug wäret, würdet ihr mich im Zweikampf sterben lassen. Aber euer feiger Kommandant macht es sich leicht. Er steckt mich in einen Käfig und lässt euch die Drecksarbeit machen – damit <i>sein</i> Gewissen reingewaschen bleibt. Ja, ich werde euch beide holen, ihr folgt mir in Faldors Höllenreich. Ich kehre wieder und reiße euch die Seelen aus! MANTHALA, erhöre einen deiner Gläubigen! Schicke die Dornen deiner schwarzen Rosen als tödlichen Regen vom Himmel und vernichte diese Menschlinge!"

Kazel wusste selbst nicht, warum er auf einmal mit den dunklen Göttern drohte. Vielleicht erhoffte er sich, erhört zu werden und frei zu kommen. Vielleicht war er auch nur verzweifelt genug, sich an sie zu wenden. Auf jeden Fall klang er mehr als fanatisch und die finstere Maske seines Gesichtes war einfach nur noch grotesk. Man konnte ihm den Dunkelelfen wirklich langsam abnehmen, wäre seine blau schimmernde Haut nicht mandelfarben. Aber wer die Dunkelelfen nicht kannte ...
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Stadtwache » Freitag 14. September 2007, 20:23

Die Sonne war inzwischen weit über den Zenit geschritten und langsam wurden deren Abendstrahlen von den Türmen der Stadt überdeckt. Die Temperaturen befanden sich noch immer in der Senke und das Eisen des Käfigs nahm die Kälte unglaublich gut auf. Die nackte Haut des Dunkelelfen – besonders die Füsse blieben am Metall kleben und begannen zu brennen, als würde er sie ins Feuer halten. Tatsächlich war Feuer und Eis in jenem Punkt verwandt, denn das Resultat war immer die Zerstörung des Gewebes. Ob Frostbeule oder Flammeninferno sie beide brannten unendlich intensiv. Sein Herz ächzte unter dem kalten Blut welches sich durch seine Adern zwängte und ihn weiter auskühlte.

Das ständige Frösteln und Zittern entkräftete ihn zusehends so dass selbst das Sprechen zu einer heiseren Tortur wurde. Genau so kalt wie seine Haut war auch der Blick, mit welchem er den Söldnern begegnete diese grinsten amüsiert zu ihm hoch. Sie waren sich die Launen der Verurteilten gewohnt. Iktros zum Beispiel war gegen sein Ende schliesslich auch so gewesen. Er jedoch hatte sich nie gegen die Decke gesträubt die man ihm gewährt hatte. Er hielt es für einen befristeten Gnadeakt. Heute hatte er dennoch in der Vollstreckung des Urteils geendet. Der Tote hockte noch immer im Käfig, sein Gesicht zu einer erstarrten Fratze des Entsetzens verzogen. Der Mann musste stärkste Schmerzen durchlebt haben kurz vor seinem Tod. Doch er war offensichtlich zu entkräftet gewesen um zu schreien.

<i>"Was wollt ihr denn tun? Mich nochmal foltern? Am Ende kommt dasselbe bei heraus, ich werde sterben. Ich hab keine Angst vor euren Drohungen, Menschen!"</i> Die beiden starrten Kazel an. Dann sich gegenseitig. Laut prusteten sie los. „Hah ich glaube es wird Zeit Eldrian, diesem Bastard Feuer unter dem Hintern zu machen!“ Grinste Retros und musterte Kazel genüsslich. „Kalt? Jaa gleich wird’s wärmer hehe“ Der andere gluckste vergnügt und eilte in die Hütte. Retros stützte sich an seiner Pike ab und gähnte genüsslich vor sich hin. „Dieses Schweinewetter macht mich einfach immer müde weisst du Bastard? Aber ich habe ja Zuhause Weib und ein weiches, kuscheliges, warmes Bett in dem mich meine Liebste abends nach der Arbeit erwartet und mich nur zu gern von meiner Rüstung befreit. Herrlich nicht wahr?“ Er lachte und fingerte an seiner Pike herum schliesslich drehte er sich und hielt nach seinem Kameraden ausschau, dann blickte er den Toten an. „Seine Augen glänzen in der Sonne. Unheimlich was?“ Er drehte die Pike um und stach mit dem Stumpf in die offenen toten Augen Iktors. Es war steifgefroren. Retros schauderte. „Ihh wie hässlich was? Wie sich das wohl anfühlt? Na ja DU wirst es ja bald wissen.“ Er blickte in die Abenddämmerung hinaus um seine Botschaft zu verdeutlichen. „Geniesse die Sonne, es ist das letzte Mal dass du sie sehen kannst.“ Indessen kam Eldrian zurück. Er hatte ein paar Holzscheite unter den Arm geklemmt, eine Schaufel ein grosses Leinentuch, frisches getrocknetes Heu und Stroh sowie Öl und eine Fakel. Er trat neben Retros hin und liess die Dinge auf den Boden sinken. Beide starrten sie wieder zu Kazel.

<i>"Wisst ihr auch, warum? Weil Manthala und Faldor mich rächen werden.“</i> Die beiden lachten. „Du kleiner Ketzer! Du bist dir doch im tiefsten Kern deines schäbigen Herzen bewusst, dass du für Götter stirbst, welche sich einen Dreck um ihre Gläubigen scheren! Sie werden dir eher dein Höllendasein nocheinwenig Verschlimmern, weil es für sie Schändlich ist dass ein Bastard wie du an sie glaubt.“ Eldrian nickte zustimmend.

„Sie werden mich zurückkehren lassen, als Geist oder Schlimmeres. Und dann werde ich euch beide als erstes aufsuchen. Meine Peiniger, die mich in den letzten Atemzügen meines ausgemergelten Körpers noch gequält haben!“

Eldrian runzelte die Stirn. „Gequält? He Mann, wir haben dich nicht gequält WIR haben dir eine Decke geboten, die DU nicht annehmen wolltest!“

<i>Ja, wenn ihr Manns genug wäret, würdet ihr mich im Zweikampf sterben lassen. Aber euer feiger Kommandant macht es sich leicht.</i> Retros hämisches grinsen konnte einem Angst machen. „Oh sollen wir dir etwa zeigen wie Manns wir sind?“ Eldrian kicherte. „Nein nein sein Hintern ist zu kalt.“ Spottete der Soldat. „Ja… aber da gibt es auch noch andere… Möglichkeiten.“ Er deutete auf seine Pike und schielte anschliessend auf Kazels angefrorenen Allerwertesten.

<i>„Aber euer feiger Kommandant macht es sich leicht. Er steckt mich in einen Käfig und lässt euch die Drecksarbeit machen – damit sein Gewissen reingewaschen bleibt“</i>

Die beiden sahen sich an. „Sollen wir ihm diesen Gefallen tun Elandriel?“ Der andere dachte kurz nach. „ Na ja er wird uns bald ziemlich amüsieren…“ Retros sah auf. „Der Kommandant ist Beurlaubt worden wegen eurer schäbigen Rasse. Hat Helios der Geselle gesagt, der weiss es von einem offiziellen Ausruf.

Die beiden zuckten beinahe gleichzeitig mit den Schultern. „Na ja… nun wollen wir uns aber erst einmal um deine verschriebene Wärme kümmern. Eldrian griff sich die Schaufel und begann direkt unter Kazels Käfig den Boden zu bearbeiten. Er hob eine kleine flache Grube aus. Den Boden legten sie mit dem mit dem Leinentuch aus, er faltete es so zusammen dass sich ein Quadrat bildete, was etwa den gleichen Durchmesser hatte wie den einige Meter darüber schwebenden Käfig. Dann warfen sie grinsend das Stroh rein und das getrocknete Holz. „Keine Angst… gleich wird’s auch ohne Decke wärmer.“

Ein Mantrorer, jene bulligen Kerle aus dem Eisreich hätten gewusst, wie schrecklich es war, wenn unterkühlte Haut auf Hitze traf. Die Verbrennung würde noch viel grässlicher werden.

Retros zog zwei Feuersteine aus seiner Tasche und begann diese in der nähe des Strohs aneinander zu schlagen.

Es kam wie es kommen musste.
Ein Funke sprang über.
Dieser lechzte nach dem Stroh und breitete sich aus.
Die Hitze stieg hoch.
Erreichte die Unterseite des Käfigs.

Die Zeit verstrich elendig langsam und doch viel zu schnell.

„Die Decke brauchst du wohl nicht mehr!“ Erfreute sich Retros und beide Söldner wandten sich lachend von dem Gefangenen ab.

<i>[Kazel verliert aufgrund der Kälte 15% seiner Lebensenergie und pro von ihm gesetzten post weitere 7% aufgrund der Verbrennungen und Kälteschäden.]</i>

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 16. September 2007, 02:07

Dieses verdammt kalte Wetter! Warum nur hatte er nicht zugegriffen, als die Wachen sich erbarmten und ihm klipp und klar aufforderten die Decke zu nehmen? <b>Du bist ein verdammter Idiot! Und bald wirst du ein verdammt toter Idiot sein. Dunkelelfischer Stolz oder einfach nur tenebrée'sche Sturheit? Egal, was von beidem, die Decke ist weg!</b>
Am liebsten hätte Kazel seinen Kopf zwischen die Gitterstäbe gerammt. Sein Gewissen plagte ihn. Er sorgte wieder einmal dafür, dass er an seinen eigenen Gedanken zugrunde ging und sich selbst in trotzige Wut steigerte. Aber ein Fünkchen Vernunft blieb noch und das reichte gerade so aus, dass er sich gegen einen zwischen eisig kalten Eisenstangen klemmenden Kopf entschied. Noch mehr Schmerz benötigte er nicht. Seine Fußsohlen waren genug. Denn diese klebten bereits am Käfigboden, waren angefroren und kaum, dass er sie losbekam, brannte die Haut wie Feuer.
Außerdem wurde das Atmen ebenfalls zur Qual. Jeder neue Atemzug schob frostige Luft in Kazels Lungen. Er hatte das Gefühl, jeder Hauch, den er an die Außenwelt abgab, nahm auch noch ein Stück seiner Körperwärme mit sich. Er bibberte am ganzen leib, die Lippen bereits bläulich und aufgesprungen.

<i>"Hah ich glaube es wird Zeit Eldrian, diesem Bastard Feuer unter dem Hintern zu machen!"</i> Was sollte das bedeuten? Kazel starrte auf die beiden Wächter herab. "Was meint ihr?", fragte er mit klappernden Zähnen.
<i>Kalt? Ja, gleich wird's wärmer, hehe."</i> Retros machte sich einen Spaß daraus, Iktros auch noch im Tode zu quälen und ihn mit seiner Pike anzustupsen – in die glasigen Augen, die wie tote Sterne gen Himmel starrten. Kazel wandte den Blick ab. Es ekelte ihn nicht nur an, sondern er wollte auch wissen, wohin Eldrian so schnell verschwunden war.

Schließlich kehrte der Wächter zurück, Holzscheite unter dem Arm. <b>Die wollen doch nicht etwa tatsächlich ...? Das ist eine Redensart! Nein, das machen die nicht!</b> "Das macht ihr nicht wirklich!", sprach Kazel seine Gedanken aus, wirkte überrascht.
Für einen Moment jedoch verstummte Kazel und aus Wut wurde Schadenfreude. Wollten die Wächter ihn nur hereinlegen oder sagten sie die Wahrheit? Der Kommandant ... beurlaubt? Oh, wenigstens würde Kazel außerhalb seines Dienstes zu Grunde gehen. <b>Du darfst nicht sterben! Komm hier heraus, such den Kommandanten ... sicher beugt er sich jetzt schon wieder lechzend über Shantih. Töte sie, denn sie gibt sich ihm begierig hin! Du musst überleben, um morden zu können!</b>

Alles in ihm wandelte sich jedoch in blankes Entsetzen um, als die beiden Wächter doch tatsächlich eine kleine Grube unter seinem Käfig aushoben und ein Feuer entfachten.
"Spinnt ihr!?", rief Kazel nun aufbrausend, denn schon spürte er die Wärme nach oben züngeln. Die Hitze der Flammen leckte bereits am Käfigboden. Schon bald würden seine Füße wohl wahrlich brennen! "Nein! Lasst mich heraus!"
Sie reagierten nicht auf Kazels Gebaren. Im Gegenteil. Mit einem erfreuten Funkeln in den Augen wandten sie sich von ihm ab, lachten, denn er würde in dieser Nacht nicht erfrieren. Nein, das ganz sicher nicht.

Kazel spürte die Hitze hochsteigen, aber nicht nur durch die Luft, die kleine Funken des Feuers umherwirbelte. Die Kugel, welche am Boden lag, erhitzte sich ebenfalls. Die Wärme stieg das Eisen hinauf. <b>Vorm Tod noch eine Brandmarkung</b>, dachte er, merkte, dass er langsam panisch wurde. Der Mischling hing nun einmal an seinem Leben, selbst wenn die Situation so aussichtslos war. So blickte Kazel wild um sich. Er musste der Hitze doch entkommen, vor allem die Kugel musste weg, ehe das Eisen zu glühen begann.
Fast panisch klammerte er sich an die Gitterstäbe, hielt sich an der Querstange fest, die sein Gefängnis wie die Eisenstreben eines Fasses umrundeten. Da kam ihm eine Idee, die ihn vielleicht vorläufig retten würde. Kazel versuchte, auf die Querstange zu klettern – erfolglos. Die Kugel hielt ihn unten, seine Kraft hatte inzwischen einen Tiefpunkt erreicht. Er konnte nicht auch noch das Gewicht des Eisens tragen. So rief er den Wächtern zu: "Nehmt mir die Eisenkugel ab, bitte! Die wird irre heiß. Seid keine Barbaren, selbst Dunkelelfen quälen nicht so!" <b>Nein, bei denen läuft es wohl schlimmer ab.</b>
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 16. September 2007, 22:03

Oh nein die beiden waren nicht verrückt nur kaltblütig – ihnen tat es ja nicht weh.

Die beiden pelgarer hörten seine panischen Rufe, vielleicht machte dies ihr fehlendes Einschreiten nur noch bitterer. Sie taten es nicht sondern schritten seelenruhig ihre Runden ab. Nur Iktors starrte toten Augen schienen Zeuge dieser Schrecken zu sein, welche Kazel hier in der Stadt des Lichts – in der Heimat Lysanthors dem Gott der Gerechtigkeit widerfuhr.
Vielleicht war es ein Akt seiner Gnade, dass er ihm diese seltsame Unbekannte wieder vorbeischickte, die sich am Zaun näherte und zu ihm hochblickte, als hätte sie ihn die ganze Zeit schon beobachtet und wer weiss… vielleicht war dies ja gar der Fall gewesen. Sie stand da und guckte zu ihm hoch, zwischen ihnen die grauen Rauchwolken die in den Himmel empor stiegen, bald würde Kazels Haut auch zu einer solchen Wolke werden wenn er nicht bald Hilfe bekam oder sich retten konnte.

Die Gestalt am Zaun hob ihre Hand zu ihrem Mund und warf Kazel einen Luftkuss zu. Dann wandte sie sich ab und verschwand im dunkel.

Es schien so als wollte diese Fremde den verdorbenen Boden dieses Hügels nicht betreten und doch schien sie dem Mischling irgendwie immer nah zu sein. Er kannte sie nicht und dennoch beschlich ihn ein seltsames Gefühl der Vertrautheit. Der Wind folgte dem Luftkuss der Fremden und wehte ihn zu Kazel. Er roch eine feine Spur von beruhigendem Slefa.

<i> Ich bin dein Licht…</i> Hauchte eine süssliche Stimme in ihm und liess ihn für einige Sekunden das nach seinem Fleisch lechzende Feuer vergessen. Umso vernichtender traf ihn die Realität wieder als er aus seinem kurzen Tagtraum erwachte und spürte wie der Boden unter ihm sich orange verfärbte. Er roch den süsslich sauren Gestank von schmorendem Fleisch und wusste aufgrund des verheerenden Schmerzes, dass seine Füsse schmorten und üble Blasen warfen.

Es schien keine Rettung mehr zu geben… und dann…

„Verdammte Scheisskerle! Fackeln mir hier die schöne Wiese kaputt! Hier kommt MEIN Kompost hin! Jetzt pulen die mir MEINEN Abort aus!“ Die kratzige fluchende Stimme war Kazel inzwischen wohlbekannt. Bronko näherte sich wütend schnaubend der Anhöhe. In den Händen zwei mit schmutzigem Wasser gefüllte Eimer die fürchterlich nach Kotze und anderen Sekreten stanken. Vielleicht würde es Kazel irgendwann in seinem Leben ärgern, dass er von… na ja… Kot gerettet wurde, doch in diesem Moment wog wohl alles was half mehr als reines Gold.

„Heda Latrinenputzer!“ Brüllte Eldrian doch Bronko scherte sich einen Dreck darum, schwungvoll warf er seine Wasserkanister über das Stroh und löschte das Feuer. Es stank fürchterlich doch Kazels Schmerz liess augenblicklich einwenig nach – war aber immer noch höllisch da der Boden noch immer leicht glühte.

Bronko sah zu ihm hoch. „Du hast eine mächtige, gut zahlende und bezaubernd aussehende Gönnerin, Kleiner! „ Grinste er und wandte sich um als die beiden Söldner den Käfig erreichten. „Du verdammter Vollidiot von einem Latrinenputzer was fällt dir ein!“ Brüllte Retros ihn an und schlug ihm mit dem Pikenstab auf die Schulter. Bronko sackte keuchend in die Knie und brüllte auf. „He du verdammter Rüstungsheini!“ Protestierte er und rieb sich die schmerzende Stelle. Eldrian packte Bronko an den Haaren – die Läuse mochten sich um ihre Bleibe fürchten – und zog seinen Kopf so, dass er die beiden Söldner anschauen musste. „Was hast du dir dabei nur gedacht Idiot?! Siehst du nicht, dass wir hier gerade foltern?!“ „Nein ihr Ruiniert MEINEN Kompost! Dieser Boden dient MEINER Fäkalienverwertung!“ Retros schnaubte und schlug dem Mann ins Gesicht, so dass seine Lippen aufplatzte und er aus der Nase zu bluten begann. Bronko wischte es sich mit dem Arm ab und fluchte vor sich her. Retros trat ihm in die Rippen. „Das wird Konsequenzen haben Bronko!“ Brüllte er ihn an. „Und jetzt scher dich hier weg oder wir stecken dich ebenfalls in einen Käfig!“ Bronko keuchte, krümmte sich am Boden und hielt sich seine schmerzende Flanke. Eldrian erbarmte sich und half dem Latrinenputzer auf die Beine. Bronko starrte die beiden vernichtend an und humpelte dann von der Anhöhe weg. „Das war es mir wert“ Brummte er vor sich her und suchte das Weite. Die Söldner starrten dem Mann verärgert nach, dann betrachteten sie die erloschene und übelst stinkende Grube. „Verdammt noch mal was ist nur in den gefahren!“ Fragte sich Eldrian laut, Retros schnaubte nur. „So können wir kein Feuer mehr machen heute!“ Knurrte er wütend.

„Soll der mir doch diese Nacht verrecken! Was schert es mich!“ Zischte er und stampfte wütend davon. Ihm schien es gar nicht zu gefallen, dass Bronko ihm offensichtlich ziemlich den Spass versaut hatte. Ein einfacher Latrinenputzer! Was für ein dämlicher Kerl!

Eldrian folgte seinem Kameraden schweigend. Wie es Kazel erging… darüber erkundete sich niemand. Doch vorerst schien er gerettet… und wieder allein. Ständig diese quälende Einsamkeit.

Doch es vergingen nur wenige Minuten als wieder eine Gestalt am Zaun auftauchte, in eine schwarze Kutte gehüllt, die Kapuze oben. Doch es war nicht die seltsam vertraute Fremde, sondern deutlich zu erkennen an der Statur ein Mann. Auch blieb er nicht stehen sondern kam auf den Käfig zu. Kazel wusste nicht, dass dieser Mann ihm schoneinmal sehr nahe gestanden hatte. Er wusste nicht, dass er „der Inquisitor“ genannt wurde und er wusste ebenso wenig, dass dies „der Auftragsgeber“ war.

Der Mann trug schwarze Handschuhe einer davon griff unter seinen Umhang und zog ein seidenes ebenfalls schwarzes Tuch herum, welches er sich vor den Mund und die Nase hielt. Seine kühlen Augen musterten den Mischling. „Ein Verdammter auf der Anhöhe? Ich grüsse Euch. Schaut zum Mond. Sagt mir, huldigt ihr Manthala in Nächten wie diesen?“ Der Inquisitor war schon immer ein äusserst Misstrauischer Mensch gewesen, vermutlich konnte er nur so seine Macht erlangen, so war es für ihn eine notgedrungene Selbstverständlichkeit sich selbst vom geistigen Zustand seines „Probanden“ zu überzeugen. Er lächelte und musterte Kazel befasst.

[Kazel verliert weitere 15% aufgrund der verbrannten Füsse. ]

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 17. September 2007, 17:11

"Bleibt hier, ihr Bastarde! Löscht das Feuer!" Kazel wuchs über sich hinaus, denn er brüllte es aus schierer Verzweiflung heraus. Er wollte nicht auf diese Weise sterben, denn es war mehr als schmerzlich. Eine bösartige Folter. Dann doch lieber der Galgen! Aber nein, die Wachen hörten ihn nicht oder besser: sie wollten ihn nicht hören. Sie marschierten einfach weiter, denn ihre Aufgabe war es, Runden zu gehen und nicht auf ein Schwätzchen stehen zu bleiben oder gar auf einen der Verurteilten zu hören.
So blieb Kazel allein im Käfig zurück – dessen Boden bereits eine rötliche Färbung annahm. Er glühte und die Füße des Mischlings ebenso. Sie brannten, schlugen Blasen und der Geruch seines eigenen gegrillten Fleisches stieg ihm in die Nase.
"Verdammt!", fluchte er. Es musste doch einen Ausweg geben. Wie ein Tier in Bedrängnis schaute er sich um. Das war schnell gemacht, denn der Käfig war klein, viel zu klein. Doch sein eigentliches Problem war die Eisenkugel. Sie zog ihn herunter, so dass er nicht auf die Querstange in seinem Gefängnis klettern und der Hitze wenigstens noch eine Weile fernbleiben konnte.
Wütend über sich selbst, das Angebot der Decke ausgeschlagen zu haben und nun in dieser misslichen Lage zu sein, schlug Kazel seine Fäuste gegen die Eisenstäbe. Und dann entdeckte er in der Ferne eine dunkle Gestalt. Sie warf ihm einen Kuss durch die Luft zu und verschwand so schnell wie sie aufgetaucht war.

Ihre Bewegungen, die Statur, irgendetwas kam dem Mischling an ihr bekannt vor, doch wollte er sich daran nicht erinnern. War es Shantih, die ihm mit listiger Geste einen Abschiedsgruß zuwarf, nur um sich dann in die Arme dieses Bastards von Kommandanten zu werfen? Oder war es Luziver, die nun froh darüber schien, dass ihr Peiniger endlich sein Ende fand? Dieses kleine falsche Biest!
"Ich werde euch beide töten", knurrte Kazel vor sich her, doch fühlte er sich im nächsten Moment ruhiger – <i>be</i>ruhigt. Den Duft der Slefa nahm er kaum wahr, denn schon wurde er verdrängt.
Kräuterlein kamen eben gegen den Gestank von Körperausscheidungen nicht an und hier näherten sich ganze Eimer voll davon. Kazel hielt die Luft an. Jemand beschwerte sich, dass er seinen Kompost nicht abladen konnte. <b>Von wegen Kompost, das ist pure Schei... bei Mathala, das STINKT!!!</b>
Bei dem Jemand handelte es sich um Bronko, den Latrinenputzer. Er führte die Geschäfte von Gefolterten und Verbrechern aus, eine wahrlich beschissene Arbeit.

Wer hätte gedacht, einmal von einem Haufen Mist, Kot und Kotze gerettet zu werden? Kazel jedenfalls nicht, aber er durfte heute in diesem Moment der Glückliche – oder Pechvogel – sein, der sich bald damit würde rühmen können. Hurra, ich lebe, weil der Latrinenputzer der pelgarischen Kerker seine "Sammlung" unter mir ins Feuer warf!
Wenigstens stach keine gewaltige Stichflamme empor oder es explodierte etwas. Ja, bis auf eine geruchliche Explosion tat sich nichts, nur dass das Feuer sich auch nicht gegen all den Kompost erwehren konnte. Das konnte wohl niemand. Die Flammen erstickten in einem Gemisch aus Dingen, die zwar alle dem menschlichen Körper entstiegen waren, von denen man sich aber nur zu gern trennte. Es stank so dermaßen übel, dass Kazel sich halb abdrehte und seinen Beitrag zu Bronkos Kompost durch die Gitterstäbe hindurch leistete. Noch mehr Kompost für den Boden. Na wundervoll!
Und dennoch ... er lebte, hatte vorerst Zeit gewonnen. Trotzdem schmerzten seine Fußsohlen, als stände er in den Folterhällen Faldors. Er hob einen von ihnen an, um ihn zu schonen, doch der andere wollte unter diesen Umständen den Körper nicht länger tragen. Kazel knallte gegen die Eisengitter, sank in seinem Käfig zu Boden. So schnell es ging, rappelte er sich wieder auf. Dass die Füße sich verbrannten, reichte ihm.

Inzwischen musste Bronko eine Schimpftirade der beiden Wachen überstehen. Er kam nicht vollkommen heil aus der Sache heraus. Warum setzte er sich überhaupt für Kazel ein? Ein schlechtes Gewissen?
<i>"Du hast eine mächtige, gut zahlende und bezaubernd aussehende Gönnerin, Kleiner!"</i> <b>Eine Gönnerin?</b>
"Wen?", ächzte Kazel von oben herab, doch Bronko antwortete ihm nicht. Er konnte nicht. Die Wachen schlugen ihn mit Piken und brüllten ihn nieder. Geduckt entschloss sich der Latrinenputzer, abzuhauen. Ihm war die Sache anscheinend wert gewesen. Wieviel und vor allem wer hatte ihm Gold gegeben, um Kazels Leben zu retten – beziehungsweise, ihm Zeit zu verschaffen, denn ganz aus der Sache war er noch nicht heraus. Er steckte noch immer in diesem Dreckskäfig fest.

Die Wachen waren mehr als nur verärgert. Ihr kleines <i>Freudenfeuer</i> war in Fäkalien erstickt und Kazel würde nun wohl doch erfrieren müssen. Welch ein Pech für sie!
Knurrend und meckernd gingen sie wieder ihrer Wege. Hier gab es nichts mehr zu sehen. Einem Bastard beim Sterben zuzuschauen war für sie wohl nur noch langweiliger Alltag.
Kazel seufzte. Er war froh, dass sie gingen. Noch fror er nicht, der Käfig gab noch einen Teil der aufgenommenen Wärme ab, vor allem an seine Füße. Vorsichtig bewegte er diese. "Arrgh!", keuchte er. Diese Schmerzen waren kaum zu ertragen.

Während er noch mit dem Schmerzen zu kämpfen hatte, tauchte erneut eine vermummte Gestalt am Zaun auf. Aber es konnte nicht die von vorhin sein, die Statur stimmte nicht. Dieses Mal handelte es sich eindeutig um einen Mann, so viel stand fest. Verwirrt und dennoch misstrauisch beobachtete Kazel, wie der Geheimnisvolle die Anhöhe betrat und bis zu seinem Käfig kam.
<b>Der Kerl nähert sich dem Gestank und einem todgeweihten Mischlings-Bastard. Er kann nichts Gutes im Schilde führen. Verdorben wie Bronkos Kompost!</b> Tintenblaue Sturmaugen starrten auf den Vermummten hinab und Kazel gab sich alle Mühe, vor Schmerz nicht zu ächzen. Trotzdem, sein Atem kam keuchend und stoßweise. Die Kräfte verließen ihn.

<i>"Ein Verdammter auf der Anhöhe? Ich grüße Euch. Schaut zum Mond. Sagt mir, huldigt ihr Manthala in Nächten wie diesen?"</i>
Kazel erhaschte einen Blick auf die Mundpartie des Gesichtes, das sich unter der dunklen Kapuze verbarg. Der Kerl lächelte. Warum wollte dieser Fremde so etwas wissen?
"Ich bete gelegentlich im Stillen zu Manthala, wenn die Lage ausweglos erscheint. Ich bin so erzogen worden. In anderen Fällen muss ich mich auf mich selbst verlassen. Habt Ihr ein Problem damit, Fremder?!" Kazel war jetzt wirklich nicht nach rede zumute. Die Schmerzen in seinen Füßen benebelten ihm die Sinne. Er krallte sich an den Stangen fest, brauchte diesen Halt, sonst würde es wohl nicht lange dauern, dass er Iktros voll und ganz Gesellschaft leistete.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von fremder Mann » Montag 17. September 2007, 22:54

Der Inquisitor hatte es geahnt, natürlich war diese hässliche dunkelelfische Bastardenbrut Manthala treu ergeben und dies selbst im Reiche Lysanthors. Zum Glück gab es Menschen wie ihn, welche den ernst der Lage schon längstens erkannt hatten und sich bemühten, dieses Wissen zum Wohl der Bevölkerung einzusetzen.

Er musterte Kazel abschätzig – jedoch nicht ohne sein Lächeln zu verlieren.

Diese Bastarde nisteten sich in den grösseren Städten ein, gaben vor normale Bürger zu sein und lebten so ihr unheilvolles und abstossendes Doppelleben. Denn der Inquisitor wusste, dass diese Wesen genau so durchtrieben und listig waren wie die Götter welche sie verehrten. Er hätte ausspeien können vor Verachtung, stattdessen behielt er sein Lächeln und gestattete es seiner Seele sich kurz an dem erbärmlichen Anblick des Dunkelelfenbastards zu ergötzen. Es war grässlich dass sich die dunkelelfische Rasse nun auch schon herausnahm sich mit anderen zu paaren. Diese Reihe von Bastarden war dem Inquisitor noch der viel grössere Dorn im Auge als die Reinblütler. Denn so war es möglich, dass sich deren Erbgut über die Generationen immer besser versteckt und dennoch erhalten blieb. Ihm schauderte. Oh nein er selbst hatte im grossen Krieg miterlebt zu welch grässlichen Taten diese Sippe imstande war. Er war dabei gewesen als Krosal seine Geburtsstätte fiel und die Menschen versklavt wurden, ja er war gar selbst Sklave gewesen und nach Morgeria verschleppt worden, hatte dort viele Jahre lang geschuftet und unter unwürdigsten Umständen gelebt oder besser gesagt existiert bis ihm eines Tages die Flucht gelang und er halb tot Pelgar erreicht hatte und zuflucht fand. Von diesem Zeitpunkt an war er Pelgar stets treu ergeben gewesen Kosral konnte er nicht mehr retten, oh wie sehr hatte er getrauert als er zu jener Stätte zurückgekehrt war, Jahre nach der schrecklichen Schlacht als die Gemäuer schon längst verfallen waren und noch immer glaubte er das versickerte Blut im Sand und am toten Stein zu erkennen.

<b> Ihr habt mir mein prächtiges Kosral genommen, nun naht die Ära der Vergeltung.</b> Der Inquisitor grinste. Oh ja viele Jahre hatte er sich in Geduld geübt doch nun, da ihr geheimer Verbund stetig wuchs und an Macht und Einfluss gewann… ja gar Namhafte Mitglieder und Sympathisanten für sich gewonnen hatte, sah er wie ihr Ziel immer wieder ein kleines Stückchen näher rutschte. Doch erst mit diesem Bastard hier würde sich zeigen, wie sehr ihre… Massnahmen und Methoden fruchteten.

Im höchsten Masse ärgerlich jedoch war, dass der Rat den Kommandanten und seinen guten Freund in die Schranken gewiesen hatte. Eine kleine Schmach die schmerzte, jedoch heilen würde. Noch schien Pelgar den ernst der Lage nicht einzusehen, doch auch diese Erkenntnis würde bald kommen und dann könnte seine eigene Organisation auftrumpfen.

Sein kühler Blick verharrte auf den tintenfarbenen Augen des Bastards. „Nun wie jeder Priester bin auch ich um das Seelenheil eines jeden Besorgt. Auch wenn er ein Verurteilter ist. Ich kann euch nicht mehr geben ausser, dass ihr mir eure Beichte abgeht. Was begehrt ein Verurteilter wie euch noch? Welche unerfüllte Aufgabe hält euch so verzweifelt und stur am Leben?“

Der Ketzer war bereits als solcher entlarvt nun wollte er sich davon überzeugen, dass Landrias Fähigkeiten wirklich dies bewirkte was sie sich alle erhofften.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 19. September 2007, 00:54

<b>Wer ist dieser Fremde, was will er von einem Verurteilten?</b> Kazel entging nicht, wie der Vermummte ihn musterte. Die Haltung seines Kopfes zeigte es eindeutig. Er starrte ihn geradezu an, beäugte ihn, aber warum?
"Oh ja, ich bin nicht reinrassig. Zufrieden?", knurrte Kazel. Das musste es sein. Dieser Mensch war der erste, der ihn nicht als reinblütigen Dunkelelfen erkannte. Er musste sich mit den Dunkelelfen auskennen, wenn er es bemerkte – und zwar besser als dieser Möchtegernkommandant, der sich Kriegsveteran nannte. Wenn einer wie <i>der</i> behauptete, gegen Dunkelelfen gestritten zu haben und dann nicht einmal Kazel ansah, dass sein Blut ein gemischtes Erbe besaß, so musste jemand, der es bemerkte, besonders auffallen. Und dieser Kerl hatte es offensichtlich entdeckt.
"Nur meine Mutter war dunkelelfischer Abstammung. Ich gehöre nicht zum dunklen Volk, nicht völlig!" Er brummte und keifte vor sich her, rechtfertigte eher vor sich selbst als vor dem Vermummten, dass er nicht böse war. Niemals hatte er sich als bösartig angesehen und dennoch war genau dies der Grund, warum er hier im Käfig saß. Er war damals als Dieb angeklagt worden und niemand hatte an dieser Behauptung gezweifelt – weil er dunkelelfisch aussah und die waren ja bekanntlich böser Gesinnung. "Elende Menschen mit ihren Vorurteilen", brabbelte Kazel und zitterte ob der immer stärker sinkenden Temperaturen und des eisigen Windhauchs, der auf der Anhöhe besonders stark blies.

Kazel starrte auf den Mann hinunter. In seinen Augen türmten sich tintenfarbige Wolken auf. Der Wind fegte auch in ihnen, schob einen Sturm vor sich her.

<i>"Nun, wie jeder Priester bin auch ich um das Seelenheil eines jeden besorgt. Auch wenn er ein Verurteilter ist. Ich kann Euch nicht mehr geben, außer, dass Ihr mir Eure Beichte abgebt."</i>

Kazel starrte den Kerl aus aufgerissenen Augen an. <b>Ein Priester?!</b> "I...ch soll <i>beichten</i>. Hier, jetzt. Vor Euch. Priester, geht nach Hause, eine Beichte bringt mich auch nicht aus Faldors Höllenreich heraus. Spart Euch die Mühe."
<i>"Was begehrt ein Verurteilter wie Ihr noch? Welche unerfüllte Aufgabe hält Euch so verzweifelt und stur am Leben?"</i>

Die Frage war mehr als bewusst gestellt. Dieser Mann, der Inquisitor, suchte sich Einlass in Kazels Geist, ohne dass der Mischling etwas davon ahnte. Der Inquisitor wollte im Grunde nur Landrias Fähigkeiten prüfen – und es zeigten sich Erfolge ihrer Manipulationen. Denn kaum hatte er Kazel die Fragen gestellt, änderte sich dessen Haltung. Er fröstelte im Moment nicht, sein Blick schweifte in unsichtbare Ferne. Dennoch wuchs der Sturm in seinen Augen. Seine Hände umklammerten die Gitterstäbe und sein Gesicht nahm eine groteske Form an. Blutrünstig schaute er durch den mutmaßlichen Priester hindurch, die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf und ordneten sich neu. Eine Aufgabe ... ja, er hatte nicht nur eine, sondern zwei. Und beide beruhten auf ... <span style="color:1A365E;">"Rache ... Töten, Morden.</span> RACHE!", krächzte der Mischling und der dunkle Anteil in seinem Blut pulsierte heiß.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Mittwoch 19. September 2007, 22:14

Vana sprang die letzten zwei Meter auf das Straßenpflaster hinunter und war sogleich mit den Schatten der Nacht verschmolzen. Mit katzenhaften Bewegungen, wie sie nur in jahrelanger Übung entstanden waren, schlich sie durch die Straßen, jede sich bietende Deckung nutzend.
Glücklicherweise waren zu dieser späten Stunde und wegen des anhaltend kalten Wetters nur wenige Nachtschwärmer unterwegs.
Langsam kam sie dem Marktplatz näher, auf dem wie es schien gerade der Nachtwächter seine Runde drehte, denn sie konnte deutlich hören wie er rief:
„Hört ihr Leute lasst euch sagen, die Uhr hat 10 in der Nacht geschlagen. Als sie den Markt erreichte, sah sie gerade noch, wie seine Laterne in einer der Seitengassen, die zum kleinen Tempel führten, verschwand. Ruhig lag der Marktplatz im fahlen Licht der Sichel des abnehmenden Mondes und Vana huschte gewandt zwischen den Ständen hindurch zur Anhöhe der Verurteilten.
Bis dahin war alles reibungslos vonstatten gegangen, doch hier tauchte plötzlich das erste Problem auf, denn dort stand eine sonderbare Gestalt unter dem Käfig des Gefangenen, musterte diesen interessiert und schien ein Gespräch mit ihm zu führen. Vorsichtig und jedes Geräusch vermeidend arbeitete Vana sich so weit voran, bis sie zumindest ein paar Wortfetzen verstehen konnte.

Die Gestalt unter dem Käfig gehörte der Stimme nach zu einem Mann, doch konnte man von ihm nicht viel erkennen, da er seinen Körper in einen schwarzen Umhang gehüllt hatte und sein Gesicht unter einer tief in selbiges gezogenen Kapuze verbarg. Leider hatte sie nicht verstanden, was der vermummte gesagt hatte, es hatte allerdings auf den Gefangenen eine außergewöhnliche Wirkung. Hatte er vorher noch recht apathisch und resigniert in seinem Käfig gehockt, so trat nun ein irres Feuer in seine Augen und sein Blick wurde hart und mörderisch, als er mit eisernem Griff die Gitterstäbe umfasste. Und dann krächzte er mit einer unmenschlichen Stimme auf Lerium „Rache, töten .... morden.“, und dann noch mal laut auf Celcianisch „RACHE!“

Sein Verhalten war Vana rätselhaft, denn soweit sie sich an das Geschehen auf der Stillen Ebene erinnerte, hatte er sich dort vollkommen anders benommen Dort war er ihr eher still und in sich gekehrt vorgekommen und sie hatte den Eindruck gehabt, als würde er nur notgedrungen töten. Doch hier und jetzt sah sie in dem wenigen Licht, das die Mondsichel spendete, mordlüsterne Augen, die förmlich nach Blut lechzten.
<b>Verdammt, wer ist der Kerl in dem schwarzen Umhang und was hat er mit dem Gefangenen zu schaffen? Und was bei Manthalas düsteren Schatten haben sie nur aus dem jungen Mann gemacht? Ob der Kerl da unten etwas damit zu tun hat oder ob es Auswirkungen der Folter sind? Verdammt! Verdammt noch mal, tue ich hier wirklich das Richtige?</b> Ihren Kopf schüttelnd versuchte sie die aufkommenden Gedanken zu verdrängen, doch ein Rest Zweifel nistete sich in ihrem Kopf ein. Und noch etwas fiel ihr nun auf. Er hatte Lerium gesprochen, doch auf der Stillen Ebene war es ihr so vorgekommen, als ob seine Haut heller, mehr wie die eines Menschen gewesen wäre. <b>Er wird doch nicht ...? Ist es möglich, dass er ebenso ein Mischling ist wie ich?</b>
Doch im Moment war der vermummte Kerl wichtiger, denn sie musste entscheiden, wie sie nun weiter vorging. Sie entschied, noch ein paar Minuten zu warten und zu sehen, ob er nicht doch noch ging, wenn nicht, würde sie ihn eben außer Gefecht setzen müssen.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von fremder Mann » Mittwoch 19. September 2007, 22:42

Ja ein Bastard war er und damit übelste Kategorie aller Dunkelelfen. Schande soll über jene Mutter fallen die es gewagt hatte sich mit einer anderen Rasse zu paaren. Es war unnatürlich, selbst für Dunkelelfen waren die für gewöhnlich so von ihrem Stolz und ihrem Egoismus zerfressen, dass sie sich ohnehin zu fein hielten als dass sie auch nur auf den Gedanken kämen sich mit einer Rasse „niederer Art“ zu kreuzen.

Seit dem Fall Krosals hatte er jene Rassen der Dunkelelfen und der Orks studiert. Schon als er als Sklave geschuftet hatte. Er selbst war eigentlich religionswissenschaftler gewesen und hatte stets Lysanthor – dem einzig Gerechten treu gedient. Morgeria war eine schwere Prüfung seines Glaubens gewesen, doch nun wusste er endlich warum Lysanthor ihn in jene Hölle geschickt hatte. Er war auserwählt, Pelgar und später auch ganz Celcia von dieser Elendsrassen zu befreien.

<i>"Elende Menschen mit ihren Vorurteilen"</i> Für jene Aussage hätte er dem Bastarden am liebsten die Zunge aus seinem Leib geäzt. Doch er hielt sich gekonnt zurück. Wenn Landria mit ihren Methoden recht behielt, so war diese Seele der Vernichtung ohnehin schon sehr nah. Der Plan für die gründliche Ausrottung der Dunkelelfen und ihren Sympathisanten war so simpel wie genial. Mittels Landrias Manipulation sollten die Elfen ihr gesamtes soziales Netz zerstören. Damit nahmen sie sich selbst ihre Schlupfwinkel und Fluchtmöglichkeiten. Denn dort wo sonst jeder gehetzte Unterschlupf suchen würde, dort wirkte Landrias Eingriff als tödliches Instrument. Ein herrlicher Plan und doch war er nur ein winziger Teil eines viel grösseren und mächtigeren Ganzen.

Der Inquisitor hatte im Dunklen Reich genug Gelegenheit gehabt um die Sprache dieser Mistwesen zu erlernen, so verstand er sehr wohl was der bibbernde Dunkelelf hier von sich krächzte.

Das starre Gesicht des alten Priesters verzog sich zu einem zufriedenen Lachen. „Hehehehe.“ Seine Augen funkelten dabei bedrohlich. „Rache also? Nun Verurteilter… ich werde dafür… beten… dass euch die Rache gewährt wird, die ihr euch so sehr wünscht.“

Er starrte zu Boden und sah die dreckige Decke dort im verbrannten Gras rumliegen. Er hob sie auf und warf sie Kazel zu. „Möge eure Rachelust gestillt werden Verurteilter…
<span style="color:1A365E;"> …und dies noch in diesem Leben.“</span> Fügte er hinzu und sah Kazel wissend an.

Landrias Fähigkeiten schienen anzuschlagen, doch noch war der Inquisitor nicht gänzlich überzeugt.
<span style="color:1A365E;"> „Wollt ihr euch an den pelgarern rächen Verurteilter?</span> Er drehte sich kurz ab und schaute sich nach den beiden Wachen um, die gerade gefährlich nahe an Vana vorbeimarschierten. Doch sie waren zu sehr in eine Diskussion über gefrorene Augen vertieft, so dass sie nicht bemerkt wurde. Alles elfische mochte wohl im Moment auf der Anhöhe der Verurteilten prinzipiell misstrauen und Argwohn auslösen. Auch die beiden – namentlich Eldrian und Retros, wobei der erste ein hagerer grosse und der zweite ein kräftiger bierbauchträger war – erblickten den vermummten Priester.

„HEDA Fremder!“ Brüllte Retros in die junge Nacht hinein. „Fertig mit dem Pläuschchen hier! Das ist kein Kaffeekränzchen! Ihr dürft den Verurteilten morgen in der Früh wieder „unterhalten“ und beschimpfen. Habt ihr denn den Nachtwächter nicht gehört?“ Retros machte einige schnelle und sichere Schritte auf den Inquisitor zu – und erstarrte augenblicklich als dieser sich zu ihm umdrehte. Im fahlen Mondlicht erschien jenes düstere, Gesicht mit dieser kühlen Fratze. Retros erstarrte.

<img src="http://srv002.pixpack.net/2007082612242 ... utbkqh.jpg">

Diese Augen! Diese kalten kleinen Augen! Eisig und doch verrieten sie einen messerscharfen Verstand.

„Oh werter Priester… entschuldigt mein barsches Auftreten, ich habe euch in der Dunkelheit nicht erkannt… ich würde nie einen so treuen Diener Lys…“ Der Priester winkte ab. „Ruhig Blut Wachmann. Ich bin nur hier um dieser verdammten Seele hier den letzten Beistand zu leisten, ob euch dies gefällt oder nicht… denn viele von ihnen…“ Er wandte seinen Blick Kazel zu und wieder waren seine Worte mehr als bewusst gewählt. „… sind selbst Betrogene, Verratene, Verstossene und Gequälte Seelen.“ Er lächelte düster, was nicht ganz zum gesagten passen wollte.

Retros nickte hastig. „Natürlich… wie ihr meint.. .dem kann ich nicht widersprechen, werter Diener Lysanthors. Komm Eldrian wir drehen noch ne Runde… einmal in die Gegenrichtung vielleicht!“ Eldrian nickte nur und eilig stapften sie wieder davon. Wer immer dieser Priester war, er schien mächtig Einfluss zu haben. Wieder schritten sie an Vana vorbei – doch diesmal noch unkonzentrierter und eiliger als zuvor.

Der Priester musterte den Gefangenen und legte seinen Kopf schief.
<span style="color:f1A365E;"> Ist es nicht so… steckt nicht der funken Wahrheit in meinen Worten Verurteilter?“</span>

Dieser Kerl war unheimlich und Vana war vermutlich überhaupt nicht darauf gefasst gewesen, dass sich plötzlich etwas kleines warmes und pelziges an ihrer Wade rieb – noch eher hätte sie wohl eine kräftige Hand auf ihrer Schulter befürchtet ,die „Heda was treibt ihr hier“ – oder was ähnliches von sich gegeben hätte. „Miauu“ Eine kleine schwarze Katze machte gerade auf sich aufmerksam und stupste schnurrend ihren Kopf an Vanas Schienbein.

Der Hagere der beiden Söldner hielt kurz inne und blieb stehen. „Hast du das gehört? Dieses… Schnurren?“ Retros grinste. „Hast du bestimmte Bedürfnisse Kollege?“ Eldrian schlug leicht mit seinem Pikenstock gegen Retros. „Nicht dieses Schnurren! Ich denk nicht nur an das!“ Retros lachte. „Jaa jaa..“ Sie liefen wieder weiter.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 20. September 2007, 18:27

Der Priester lachte von unten zu Kazel herauf. Das Funkeln seiner Augen nahm der Mischling nicht wahr. Er befand sich ohnehin derzeit in halber Trance. Irgendwie waren seine Sinne benebelt, aber sein Wunsch doch so klar. Morden, sich rächen. Er wünschte Vergeltung und er wollte sie in Blut ausgezahlt bekommen.

<i>"Rache also? Nun, Verurteilter ... ich werde dafür ... beten ... dass Euch die Rache gewährt wird, die Ihr Euch so sehr wünscht."</i>

"Ein Menschenpriester will für Rache beten?! Lassen eure Götter das denn zu? Und wenn Ihr schon wollt, dass ich meine Rache erhalte, dann lasst mich aus diesem Käfig heraus!" Kazel rüttelte. Das dunkelelfische Blut in ihm kochte und pulsierte heiß durch seine Adern. Für einen Moment vertrieb es gar die Kälte, so rüttelte er an den Gitterstäben. Dann aber wurde er sich seiner Füße wieder bewusst. Der beruhigende Duft der Slefa hing nicht mehr in der Luft und die Verbrennungen an seinen Fußsohlen schmerzten aufs Neue.

Kazel keuchte. Seine Knie schlotterten, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Klirrend traf er auf dem Metallboden auf und ächzte.
Da wurde ihm die Decke gereicht, die zuvor noch im Dreck gelegen hatte. Dieses Mal schlug er sie nicht aus, aber auch nur, weil sein Körper danach flehte. Im Geiste misstraute er dem Priester immer noch. Und wie er ihm misstraute, als dieser Kazel auf Lerium ansprach und ihm wünschte, dass seine Rache noch in diesem Leben gestillt würde.
Der Mischling legte sich die dreckige, kalte Decke um den noch kälteren Körper und schaute den Fremden verwirrt an. <span style="color:1A365E;">"Woher ... seid Ihr mit Lerium vertraut?"</span>

<i><span style="color:1A365E;"> „Wollt ihr euch an den pelgarern rächen Verurteilter?"</span></i>
Kazel schüttelte den Kopf. "Nur zwei Menschen sind meine Ziele", murmelte er, wusste aber nicht, ob der Mann es noch gehört hatte. Schon tauchten nämlich die Wachen Eldrian und Retros auf und wollten ihn vertreiben.
Als sich Retros jedoch näherte, erstarrte er zur Salzsäule. Sofort wurde Kazel klar, dass dieser Priester sehr mächtig sein musste und das missfiel ihm noch mehr. Er vertraute diesem geheimnisvollen Kerl immer weniger. <b>Erst wünscht er mir meine Rache, dann spricht er Lerium und jetzt genießt er sogar noch mehr als hohes Ansehen in dieser manthalaverdammten Stadt!</b>

Schon entschuldigte sich Retros, kroch dem Priester gar tief in den Hintern und katzbuckelte vor ihm. Am meisten verwirrte Kazel jedoch, dass Retros glaubte, dieser Mann sei ein Priester von ... <b>Lys? Meint er diesen Menschengott? Lysanior oder so ähnlich?</b>
Die Wachen gaben dem Priester noch einen Moment und stapften hastig davon, um ihren Rundgang woanders fortzusetzen. Kazel aber saß da, in Verwirrung und Misstrauen gleichermaßen eingewickelt. <span style="color:1A365E;">"Ist es nicht so ... steckt nicht der Funken Wahrheit in meinen Worten, Verurteilter?"</span>

Der Mischling nickte zaghaft. Dieser Kerl hatte irgendwie Recht, auch wenn Kazel ihm nicht vertraute. <span style="color:1A365E;">"Helft mir heraus"</span>, bat er mit seltsam ruhiger Stimme. Dann sagte er nichts mehr. Die Decke wärmte nicht wirklich, denn sie hatte im kalten Dreck gelegen. Er bibberte. Die Wallungen seines Blutes verebbten.
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Freitag 21. September 2007, 00:09

Die Minuten verrannen und nichts tat sich. Der Kerl machte keine Anstalten zu gehen, stand einfach nur da und starrte in die Dunkelheit. Langsam reichte es Vana und sie zog ihr Blasrohr aus dem Gürtel, steckte einen der Betäubungspfeile hinein und setzte es an den Mund. Gleich würde der Kerl im Dreck liegen und für einige Stunden schlafen, doch dann ließ sie das Blasrohr wieder sinken, ohne den entscheidenden Pfeil abgeschossen zu haben. Irgendetwas an der Haltung des Mannes hatte sich verändert, so dass sie mit dem Schuss noch zögerte. Und richtig, plötzlich kam wieder Bewegung in ihn und er hob eine am Boden liegende Decke auf und warf sie dem gefangenen Mischling in den Käfig. Das allein hätte Vana nicht aufgehalten, ihn zu betäuben, doch als er wieder zu sprechen begann, stockte ihr der Atem.
Nicht nur, dass er dem Gefangenen wünschte, dass sein Rachedurst gestillt würde, nein, urplötzlich wechselte er auch in die Sprache der Dunkelelfen.
Die Sache begann Vana zu interessieren, denn es war schon sehr ungewöhnlich, dass ein Mensch Lerium beherrschte, zudem fragte sie sich, warum er wollte, dass der Gefangene seine Rache vollzog. Er wollte sogar dafür beten. War er ein Anhänger Manthalas?

<b>Warum will er, dass der Andere seine Rache bekommt? Was für ein Interesse hat er daran? Bringt es ihm irgendetwas? Und wenn ja was?</b> All diese Fragen beschäftigten Vana, während sie das Gespräch weiter verfolgte und langsam keimte in ihr der Verdacht, dass der Fremde mit dem veränderten Verhalten des Gefangenen etwas zu tun hatte.
Sie war so mit ihren Gedanken beschäftigt, dass sie die beiden Wachposten, die von ihrer Runde zurück kamen, fast zu spät bemerkte. Schnell drückte sie sich in den Schatten eines Marktstandes und verschmolz so förmlich mit der Dunkelheit, so dass die beiden Wachen arglos an ihrem Versteck vorbei gingen.
<b>Verdammt, das war knapp! Du wirst langsam unaufmerksam Mädchen. Reiß dich zusammen oder du landest schneller im Kerker als du denkst, du Närrin.</b>, schalt sie sich in Gedanken, während die Wachen gerade den Fremden anbrüllten.

Die nun folgende Szene war so merkwürdig, ja grotesk, dass Vana endgültig davon überzeugt war, dass hier eine riesige Schweinerei im Gange war und der Gefangene nur als Mittel zum Zweck missbraucht wurde, nur Spielball in einem viel größeren Spiel war.
In diesem Moment hatte Vana zum ersten Mal seit ewigen Zeiten, seit ihrer Kindheit, einen Hauch von Mitgefühl. Dieser Gefangene war ebenso ein Mischling wie sie selbst, von der einen Rasse verstoßen, von der anderen gemieden. Sie waren Leidensgenossen, auch wenn sich Vana mit den Gegebenheiten abgefunden und arrangiert hatte, so litt auch sie unterschwellig darunter, von keiner Rasse als vollwertig anerkannt zu werden. Und dem Gefangenen wurde wohl noch übler mitgespielt, denn der Fremde wurde von den Wachen förmlich verehrt und als Diener Lysanthors angesprochen.
Wenn nun dieser Lysanthordiener an der Rache eines Dunkelelfenmischlings interessiert war, dann bedeutete dies nichts Gutes ... natürlich nur für den Mischling, nicht für den Diener Lysanthors.

Die Wachen katzbuckelten vor dem Kerl und wandten sich schnell wieder ab, ließen ihn mit dem Gefangenen erneut allein und nahmen ihren Rundgang wieder auf, wobei sie zum zweiten Mal gefährlich nahe an Vanas Versteck vorbei kamen, sie jedoch wieder nicht entdeckten.
Vana konzentrierte sich, nachdem sie vorbei waren, wieder auf den Fremden und sein Gespräch mit dem Gefangenen, der diesen gerade anflehte, ihn aus dem Käfig heraus zu helfen. Sie war so konzentriert, dass sie regelrecht erschrak, als sich etwas Weiches an ihrem Bein rieb und laut zu miauen begann. Die Wachen blieben stehen und sahen kurz in ihre Richtung, so dass Vana den Atem anhielt und wie zur Salzsäule erstarrte, doch dann gingen sie wieder weiter, ohne sich um das Miauen und schnurren zu kümmern.
„Ppppfffffff!“, aufatmend entspannte sie sich und blickte das kleine schwarze Fellknäuel finster an: „Schschttt, Schschttt, wirst du wohl verschwinden“, zischte sie der Katze leise zu und wedelte mit den Händen, um sie zu verscheuchen. „Nicht jetzt, du verrätst mich noch, also hau ab.“ Sie versuchte sich wieder auf den Fremden zu konzentrieren, wurde aber immer wieder von der Katze abgelenkt, die sehr anhänglich zu sein schien.

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von fremder Mann » Freitag 21. September 2007, 01:27

Der Inquisitor lächelte müde. Schon oft hatte er diese Frage gestellt bekommen – nicht nur von Dunkelelfen sondern auch von Menschen. Er holte tief Luft.

„Ich bin zwar ein Diener des Lichts Verurteilter, aber ich gehöre nicht zu jener Priesterbrut die nur dort ihren Segen spenden wo schon Licht ist. Versteht ihr? Ich versuche dort zu predigen, wo man nichts vom Lysanthor und seinen Taten wissen will. Ich habe die Dunkelheit studiert und auch von ihr gelernt um deren Lichtscheu besser zu verstehen und ich respektiere die Kritik die eure dunklen Völker gegen uns Pelgarer hegen. Ich bin kein Freund der dunklen Völker, dass gebe ich zu aber ich bin auch kein Feind… ich handle im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit… deshalb bin ich hier bei euch…“ Er drückte sich sein Tuch wieder vor die Nase und verdeckte somit seinen Mundwinkel, verbarg so sein lächeln.

Der Inquisitor log sich seine Geschichte zusammen und wusste dabei genau, dass es keinen Sinn machte Kazel versuchen davon zu überzeugen, dass er ihm wohlgesinnt war, so dumm konnte dieser Bastard nicht sein, darauf konnte er nicht spekulieren. Deshalb war es auch nicht weiter verwunderlich, dass er offen zugab, ihr Volk, ihre Rasse nicht zu mögen – damit unterschied er sich nicht wesentlich von den Bürgern Pelgars und wirkte ziemlich authentisch in seiner Aussage.

<b> Ausgleichende Gerechtigkeit…ja… ihr habt mir meine Stadt genommen, mein Volk, meine Bürger. Ich werde euch dasselbe nehmen!</b>

„Seht ich bin ein strenger Vertreter der Gerechtigkeit, egal ob nun einem Menschen durch einen Dunkelelfen, einem Dunkelelfen durch einen Menschen oder einem Zwerg durch einen Ork ein unrecht widerfährt – es gilt für jeden die gleiche harte Strafe. Euch, Verurteilter, scheint grosses Unrecht geschehen zu sein, denn euer Rachedurst ist gross und zeugt von einer sehr tiefen und grässlichen Verletzung .Einen Rachendurst den ihr stillen müsst um Frieden zu finden, eure derzeitige Lebensaufgabe deren Erfüllung euch durch diesen Käfig verwehrt wird. Wisst ihr Verurteilter, wenn ich in eure Augen blicke so habe ich gar das Gefühl, dass ihr freiwillig zurück in diesen Käfig kommen würdet wenn ihr nur Rache nehmen dürftet. “

Dabei spielte der Priester natürlich wieder bewusst auf Landrias Manipulation an. <b> Diese verdammte Elfe ist wirklich gut!</b> Dachte er vergnügt.

Auch er fröstelte einwenig – obwohl er im Gegensatz zu Kazel etwas anhatte. Kazel bat ihn um Hilfe. Der Priester nickte. „Ich weiss, Verurteilter. Doch seht mich an, ich mag ein mächtiger Mann sein doch ich hab weder Zange noch Armee die mir helfen könnte euch zu befreien, ausserdem Befürchte ich, dass euch nicht mehr viel Zeit bleibt. Eure kalten Füsse sind dem ewigen Reich bereits näher als euch lieb sein sollte. Ich bin nur ein alter Priester, ich kann die Wachen nicht überwältigen und ihnen den Schlüssel entreissen. Was verlangt ihr also von mir, wie kann ich euch helfen Verurteilter? Die Beichte hab ich euch angeboten und auch das Gebet, ich weiss, dass euch dies weder wärmt, noch vom sterben abhält. Sagt mir was ich tun soll.“ Wieder verkniff er sich sein hämisches Grinsen. Er liebte es einwenig mit dem Dunkelelfen zu spielen.

Er konnte ja nicht ahnen, dass er nur knapp einer Blasrohrattacke entgangen war. Vielleicht einer der grossen Fehler jenes Mannes. Er war so einflussreich und mächtig, dass er innerhalb der pelgarischen Mauern kaum einen Hinterhalt fürchtete.


Die schwarze kleine Katze zeigte sich als hartnäckiger Beinreibepartner. Sie schien sich geradezu in Vanas Wade vernarrt zu haben, denn immer wieder stupste sie mit dem Köpfchen daran an und strich sich bis zu den Ohren ab, schnurrte dabei genüsslich.

Die Wachen verschwanden gerade hinter dem Häuschen welches ebenfalls auf der Anhöhe stand. Kazel mochte wohl wissen, dass ihre Wachrunde gut fünfundzwanzig Minuten dauerte. Den der Hügel war gross angelegt und umzäunt, ausserdem blieben sie immer wieder stehen um sich zu unterhalten oder um einen verbotenen Schluck Apfelwein zu trinken. Sie waren ausser Sichtweite.

Plötzlich ging es ganz schnell, die fremde Katze war nämlich unter Vanas umhang geschlüpft und juckte mit einem Satz an ihren Oberschenkel und verkrallte sich daran. Wusste der Geier, was das Viech dort wollte – vermutlich irgendwas fangen. Die kleinen Klauen bohrten sich durch den Stoff. Es war nicht gerade sonderlich angenehm. „Miaahhh“ Das Tierchen verfing sich in den Kleidern der Mischlingselfe und blieb zappelnd hängen.

Der Inquisitor hielt kurz inne und lauschte. Drehte sich um und lugte in Vanas Richtung, doch der alte Mann war viel zu kurzsichtig als dass er sie in der Dunkelheit hätte sehen können. Sein Gehör jedoch funktionierte Einwandfrei. Er zuckte mit den Achseln und sah wieder Kazel an.

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Kazel Tenebrée
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 22. September 2007, 12:45

"Im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit", wiederholte Kazel und schnaubte leise. Pelgars ausgleichende Gerechtigkeit – der Kommandant! – hatte ihn doch hier in diese Lage erst gebracht! Aber der Priester war wirklich mutig, das konnte man von ihm wohl behaupten. "Dass Ihr die dunklen Völker studiert, könnte Euch einmal das Leben kosten. Achtet auf Euch." Kazel erinnerte sich an seinen Vater. Der hatte ihm erzählt, wie er von den Truppen seiner Mutter überfallen, gefangen genommen und zum Sklaven gemacht wurde – und das nur, weil auch er das dunkle Volk hatte studieren sollen.
Kazels Herz schmerzte für einen kurzen Moment stärker als seine Füße, als er daran dachte, dass <i>er</i> es gewesen war, der diesem guten Waldelf zum Verderben geworden war.
Er schlang die Decke enger um sich, da er noch immer fröstelte. Außerdem glaubte er, jemand könne die Schuld auf seinem Herzen sehen. <b>Vielleicht sitz ich deshalb hier drin. Die Waldelfen-Götter haben es die ganze Zeit gewusst und nun rächen sie den Mord an meinem Vater. Hm ...</b> Kazels Augen wandelten sich wieder. Der Wind darin erhob sich erneut zum Sturm. <b> ... Tod ... Mord ... ich muss noch jemanden umbringen.</b>
Kazel lächelte nie, er lachte auch nicht und erst gar nicht grinste er. Dies waren Dinge, die er nach dem Tod seines Vaters abgelegt hatte. Dass er schon ein paar Mal inzwischen für Shantih gelächelt hatte, verstieß er aus seiner Erinnerung. Mit Shantih verband er nur noch die Gefühle des Verrats, Hass und die unstillbare Lust, etwas Scharfes durch ihren Leib zu stoßen, um ihren Lebensfunken auszulöschen.
Nein, er lächelte nicht – normalerweise. Jetzt aber, beim Gedanken daran, dass es mit Luziver und Shantih bald zu Ende gehen sollte, denn er war fest entschlossen, da stahl sich ein Grinsen auf seine Lippen. Die Mundwinkel zogen sich hinauf und Kazel grinste breit, sehr breit – aber auch irr, wahnsinnig, dass es einem einen Schauer über den Rücken jagen konnte. "Landria ... Licht", hauchte er unbewusst vor sich her. Er merkte ja nicht, wem er da verfallen war, wer ihm eine Gehirnwäsche verpasst hatte. Er dachte nur an die beiden toten Körper seiner ehemaligen Freunde. "Ich werde sie ausweiden", murmelte er vor sich her und umklammerte die kalten Gitterstäbe noch mehr. So wurde ihm auch wieder bewusst, dass der Käfig noch zwischen ihm und seiner Rache stand.

<i>"Wisst ihr Verurteilter, wenn ich in eure Augen blicke so habe ich gar das Gefühl, dass ihr freiwillig zurück in diesen Käfig kommen würdet wenn ihr nur Rache nehmen dürftet."</i>

Kazel nickte. Ja, er würde sogar dieses Angebot annehmen, denn mehr verlangte er nicht mehr von sich selbst. Noch zwei Morde, dann wäre gar er bereit, sein Leben hinter sich zu lassen.
Seine Füße sandten schmerzvolle Pein in seinen übrigen Körper. Er kauerte sich zusammen, so gut es eben ging, ohne die Sohlen mit den Brandblasen zu belasten.
Dass der Priester ihm bei der Flucht nicht helfen konnte und würde, bekam der Mischling nur noch halbwegs mit. Seine Augen verdrehten sich, er bibberte am ganzen Leib und seine Hände fuhren immer wieder bis zu den Fußknöcheln. Er wagte es nicht, den Schmerz selbst zu berühren. "Sterben ... noch nicht ...", säuselte er kraftlos vor sich her. Die Zeit des Übergangs trat immer mehr in sein Leben, nur um es ihm langsam zu entreißen. Als der Lysanthorpriester seine Worte enden und vom Wind forttragen ließ, bekam Kazel es schon nicht mehr mit. Er hing schlaff in seinem Käfig, umklammerte mit einer Hand die Decke, mit der anderen einen Fußknöchel. Nur sein stetiges Zucken zeigte an, dass er Iktros aus dem Nebenkäfig noch nicht gefolgt war, der da stumm und mit aufgerissenen leeren Augen den Himmel anstarrte.

<i>"Sagt mir, was ich tun soll."</i> Kazel vernahm die Worte nicht. Für ihn verschwammen sie mit den umliegenden Geräuschen zu einem Tonbrei, aus dem er nicht mehr filtern konnte. "Nicht ... sterben, muss morden", hauchte er, dann sank sein Kopf gegen die Eisenstangen und er schloss die Augen. <b>Kalt, so kalt. Schmerzen ... tun weh. Schlafen, nur einen Moment. Nur ganz kurz die Augen zu ... bin müde.</b>
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Vana Erendis Morgaine
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Samstag 22. September 2007, 21:03

Das weitere Gespräch bekam sie wegen der kleinen Katze nur noch bruchstückhaft mit, doch das, was sie verstand; reichte aus, ein wenig Klarheit in das Dunkel zu bringen. Es kristallisierte sich für sie immer mehr heraus, dass der Fremde den Gefangenen lieber tot als lebendig gesehen hätte und ihn nur aus einem Grund so freundlich behandelte, er wollte es, dass sich dieser an irgendwem rächte. Zudem gebärdete sich der Gefangene auf eine Weise, die Vana vermuten ließ, dass seine Rachegefühle nicht aus ihm selbst heraus entstanden. Sie hatte oft genug selbst mittels den Geist beeinflussender Runen den Verstand anderer Menschen manipuliert um zu wissen, wann jemand aus eigenem Willen handelte und wann nicht. Und der Gefangene, das wurde ihr immer bewusster, war nur noch von seiner Rache besessen, wurde nur von dieser am Leben erhalten, war wie ein Irrer nur darauf fixiert. Er wollte sogar freiwillig in den Käfig zurück, wenn er diese vollzogen hatte.
Diese Aussage war der letzte Beweis für Vana, dass man ihn manipuliert hatte, denn kein Mensch würde, aus welchem Grund auch immer, freiwillig in diesen Käfig gehen, wenn er ihn einmal verlassen hatte.

Ihre Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als die Katze unversehens an ihrem Bein hoch sprang und sich durch ihre Hose hindurch dort festkrallte. Einen Schmerzensschrei unterdrückend griff sie nach dem Tier und wollte es wieder weg nehmen, doch war dies schwieriger als erwartet, da sich das Kätzchen immer fester in ihr Bein krallte, je mehr sie versuchte es davon zu lösen.
„Du kleine Bestie, lässt du wohl endlich los!“, zischte sie, während sie mit einem schmerzhaften Ruck die Katze löste und dann in ihrer Hand baumeln hatte. „Jetzt reicht es aber, wenn du nicht sofort Ruhe gibst, werde ich dich den Wachhunden der Kaserne zum Fraß vorwerfen. Und jetzt hau endlich ab, such dir ein anderes Frauchen.“ Sie setzte die Katze auf den boden und fauchte sie böse an.

Zu ihrem Glück hatte der Vermummte nichts mitbekommen, zumindest ließ er es sich nicht anmerken, dafür wurde es für Vana Zeit zu handeln, wollte sie noch einen lebenden Gefangenen aus dem Käfig holen, denn der sackte gerade kraftlos zusammen und es würde nur noch eine Frage der Zeit sein, bis er Manthala gegenüber treten würde.
Egal was geschah, sie musste es jetzt tun. Dies war der Augenblick, in dem Vana jegliches Gefühl ausschaltete, zu einer eiskalten, berechnenden Maschine wurde.
Sie hob erneut das Blasrohr an den Mund, zielte kurz und diesmal vollendete sie den Schuss. Der Pfeil traf den Kerl unter dem Käfig direkt in den Hals und der in seinen Körper eintretende Trank tat sofort seine Wirkung. Wie vom Blitz getroffen sackte er zusammen, gleichzeitig sprintete Vana aus ihrem Versteck zum Käfig. Nun musste alles sehr schnell gehen, denn sie wusste nicht, wann die Wachen von ihrer Runde wieder zurück kommen würden.
Mit geübten Handgriffen öffnete sie mittels eines der Dietriche das Schloss der Kette, die den Käfig in der Luft hielt und ließ ihn langsam zu Boden gleiten. Anschließend öffnete sie ebenso sicher den Käfig selbst, zerrte den Gefangenen heraus und befreite ihn von der Kette mit der Eisenkugel. Die Fessel selbst legte sie wieder verschlossen so in den Käfig, dass es so aussah, als wäre der Gefangene ohne diese zu öffnen verschwunden. Danach verschloss sie auch den Käfig, zog ihn erneut nach oben und verschloss ebenso das Schloss, dass diesen in der Luft hielt. Jeder, der es nicht besser wusste, musste so annehmen, dass der Gefangene sich einfach in Luft aufgelöst haben musste.

Das Ganze hatte nicht länger als fünf oder sechs Minuten gedauert. Vana nahm nun die mitgebrachten Sachen und warf sie dem Gefangenen zu: <span style="color:1A365E;">„Hier, schnell, zieht das an wenn ihr frei sein wollt und euch euer Leben lieb ist.</span> Als dieser sich nicht rührte, versetzte sie ihm ein paar schallende Ohrfeigen und rüttelte ihn wach: <span style="color:1A365E;">„Verdammt, kommt zu euch, zum Sterben habt ihr noch genug Zeit und jetzt zieht endlich die Sachen an oder, bei Manthala, ich lasse euch hier einfach verrecken, habt ihr mich verstanden!“</span>
Sich nicht weiter um den Mischling kümmernd zog sie den Betäubungspfeil aus dem Hals des Vermummten und steckte ihn ein, anschließend nahm sie ein Stück verkohltes Holz, das von dem Feuer herumlag, und zeichnete ihm die Runen Thurisaz und Ansuz auf die Stirn.
„Hoffentlich klappt das.“, murmelte sie, als sie nun ihre Hände auf die Runen legte und leise sprach: <span style="color:1A365E;">„Thurisaz Ansuz Suith Baroth Harva Betra ... Gewährt mir Einlass in diesen Geist, auf dass er verändert werde.“</span> Über der Stirn des Mannes formte sich eine goldene Lichtwolke und Vana begann damit ihm einzuflüstern, dass er beobachtet hätte, wie eine weibliche Stimme den Gefangenen zu sich rief, worauf sich der in Nebel auflöste und einfach verschwand.
Nachdem sie damit fertig war verschwand die Lichtwolke im Kopf des Mannes und Vana wischte die Runen von seiner Stirn.
„Das wäre auch geschafft.“, meinte sie leise und blickte auf, als sie die Stimmen der Wächter hörte, die sich bedächtig dem Richtberg näherten.. Es wurde Zeit, dass sie endlich verschwanden

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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 23. September 2007, 20:17

Die Katze maunzte kläglich vor sich her als sie von Vana gepackt wurde. Sie schien gar nicht einverstanden zu sein einfach so abgestossen zu werden. Schliesslich hatte sie Vana quasi erwählt – die Gunst einer Katze wurde nicht jedem gewährt. Deshalb war es nicht weiter verwunderlich, dass das kleine Pelzviech nicht im Traum daran dachte ihre Krallen einzufahren als Vana sie wegzog. Sie hinterliess eine deutliche und brennende Kratzspur als die Haut der scharfen tierischen Kante entlang riss.

Einige Meter entfernt und nichts von der kleinen „Meinungsverschiedenheit“ mitkriegend stand noch immer der Vermummte grinsend unter dem Käfig und sah zu wie der Bastard langsam in sich zusammensank. Beobachtete den Mischling dabei wie er sich widerwillig dem Schmerz und der Erschöpfung seines Körpers hingeben musste. Ja, der Bastard war der Erste der Fallen würde und mit ihm sein ganzes vertrautes Netz. Eine gründliche Säuberung würde stattfinden, innerhalb und ausserhalb des pelgarischen Territoriums. Sein zweites Kosral – Pelgar – geschützt vor der Gefahr welche durch die dunkle Brut herrschte.

Sein Plan funktionierte einwandfrei. Nur noch ein paar Minuten geduld und dann würde er den Bastarden wegschaffen lassen. Selbst Landria, dieses listige Miststück hatte tatsächlich getan was er von ihr verlangt hatte. Gewisse Druckmittel schienen bei der Geisteswissenschaftlerin wahre Wunder zu bewirken. Er schmunzelte bei diesem Gedanken doch dann vernahm er einen kurzen Luftzug. Einen Stich. Plötzlich wurden seine Beine schwer. „W-was.“ Weiter kam er nicht, seine überrascht dreinblickenden Augen verdrehten sich blitzartig und seine Beine gaben ihm nach. Der alte Priester brach haltlos ins sich zusammen und krachte unsanft auf den dreckigen Boden. Blieb reglos liegen.

Vana stürmte auf den Käfig zu und konnte mit einer gewissen Verwunderung aber sicherlich auch zu ihrer eigenen Erleichterung feststellen, dass die Schlösser Pelgars ziemlich lausig gefertigt war – zumindest jenes der Käfige, schliesslich waren hier selten Personen darin gefangen, die wirklich so etwas wie Freunde oder Verbündete hatten. Das Schloss liess sich mühelos mit dem Dietrich öffnen und der Käfig senkte sich ächzend zu Boden. Ehe sie auch jene Verriegelung entsperrte und den Gefangenen von seiner Eisenkugel befreite. Vana musste feststellen dass der Mann trotz seiner kläglichen Ernährung in der letzten Zeit, doch ein ziemlich beträchtliches Gewicht an den Tag legte. Zumal er durch seine Bewusstlosigkeit noch völlig erschlafft war und so nur noch träger zu bewegen. Da sie den Gefangenen in ihrer Hast flach auf den Boden legen musste um die Hände frei zu haben – Kazel und der Inquisitor lagen sich beinahe gegenüber – hatte dessen Herz genug zeit das restliche – noch nicht gänzlich unterkühlte Blut zurück in seinen Kopf zu pumpen und ihn zumindest halbwegs aus der Bewusstlosigkeit zu befreien. Scheinbar schien ein hartnäckiger überlebenswilliger Instinkt dafür zu sorgen, dass er jetzt nicht schlapp machte. Oder war es gar „nur“ Landrias trügerische Manipulation, die ihn so nach Rache gieren liess, welche ihn nun am Leben erhielt?

Die Füsse des Mannes sahen grässlich aus. Blau angelaufen und doch an den Sohlen glühend Rot von den Verbrennungen die bereits üble Blasen geworfen hatte. Dabei war nicht mehr klar festzustellen ob dies wahrlich Brandblasen oder Frostbeulen waren. Ein schreckliches Bild. Unsägliche Schmerzen mussten den armen Kerl erwarten, sobald sein Bewusstsein diesen wieder empfangen konnte und dies, würde bald der Fall sein.

In aller Eile „tätschelte“ sie Kazel auf etwas… ruppigere Art die Wange und versuchte ihn irgendwie wach zu kriegen, damit sich der Nackedei auch anziehen konnte – schliesslich war er SO doch ziemlich… auffällig. Denn er sah aus, wie ein halbtoter Gefangener aus dem Käfig.
Als sich Vana dem Betäubten Priester näherte rührte der sich keinen deut. Aus der Nähe sah man ihm sein Alter deutlicher an. Er musste so gegen die 70 sein. Dies verriet der etwas faltige Hals, die dunklen Augenringe und sein röchelndes Atmen. Ob Vana ahnte, dass viele Menschen, Elfen, Dunkelelfen oder andere Wesen ihre ganze Habe dafür gegeben hätten, jetzt so über ihm gebeugt stehen zu können wie sie? Nur um ihm einen Dolch in den Hals zu rammen?

Sie zeichnete ihm die Runen auf die Stirn und hoffte, dass ihre Magie wirkte.

„Ich sag dir. Priesterinnen sind wirklich ein Tabu! An die kommst du nicht ran“ Eldrians Stimme. Sein Kollege lachte. Die beiden Wächter näherten sich ihnen und würden bald ins Sichtfeld treten.

„Miau.“ Aus dem Versteck vernahm sie erneut diesen Laut der Katze. Doch ein erschreckter Atemzug folgte. Die schwarze Katze wand sich schnurrend in den Armen einer jungen Frau. Keiner wusste wie lange sie schon da stehen mochte, doch sie starrte Vana und Kazel an als hätte sie Geister vor sich, oder Wesen die nicht hier in dieser Form sein sollten.

Sie mochte ungefähr gegen die zwanzig Jahre alt sein. Hatte rotes langes Haar, welches offen über ihren Schultern lag und war in einem alten blau weissen Morgenrock gekleidet und nur mit Sandalen vom kalten Boden geschützt. Offensichtlich hatte sie das Quengeln ihrer Katze aus dem Haus gelockt.

Sie wich ängstlich einen Schritt zurück. Starrte die beiden jedoch immer noch an.

<i>[ Vana -3% Lebensenergie Aufgrund der Katzenkrallen
Kazel: - 7% aufgrund seiner Erschöpfung und den Verletzungen]</i>
Zuletzt geändert von Erzähler am Sonntag 23. September 2007, 20:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Vana Erendis Morgaine
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Re: Die Anhöhe der Verurteilten

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Sonntag 23. September 2007, 23:48

Bis jetzt war alles recht reibungslos vonstatten gegangen und Vana wollte schon aufatmen, denn sie musste nur noch den Gefangenen in Sicherheit bringen. Gerade als sie sich diesem zuwandte, hörte sie aus der Richtung ihres ehemaligen Verstecks ein leises Miauen.
<span style="color:1A365E;">Was denn, bist du immer noch ...?</span>, weiter kam sie nicht, denn was sie nun sah, ließ sie für eine Sekunde erstarren. Das Kätzchen lag in den Armen einer jungen, rothaarigen Frau, wahrscheinlich der Besitzerin, die es zu ihrem Unglück zu dieser späten Stunde gesucht hatte und nun ängstlich auf Vana und den Gefangenen starrte.
Die Schreksekunde verstrich und Vanas Kaltblütigkeit kehrte zurück. Sie erkannte, dass die Frau total geschockt du zu keiner Bewegung fähig war. Die Angst schien sie vollkommen gelähmt zu haben, diesen Umstand machte sich Vana nun zu Nutze.
Sie stemmte den Gefangenen hoch, legte sich seinen Arm über die Schulter und schleppte ihn so zwischen die Marktstände davon. Dabei zischte sie der Frau, als sie nah an ihr vorbei kam, auf Garmisch zu: <span style="color:01019A;">“Kein Wort zu den Wachen oder ihr seid des Todes. Bei Manthala, ich werde euch finden und zu Tode quälen, solltet ihr auch nur ein Wort von dem, was ihr gesehen habt ausplaudern. Wenn man euch fragt, so sagt ihr, dass der Gefangene vor euren Augen einfach so verschwand. Wenn nicht ...“</span>, Vana fuhr sich mit dem Zeigefinger quer über die Kehle. <span style="color:01019A;">“Ich hoffe ihr habt verstanden. “</span>

Vana hoffte, dass sie die junge Frau damit so eingeschüchtert hatte, dass diese nicht wagte, etwas von dem, was sie gesehen hatte, auszuplaudern. Viel würde sie sowieso nicht sagen können, außer dass eine vollkommen in schwarz gehüllte Gestalt den Gefangenen davon geschleppt hatte. Egal, nun kam es nur noch darauf an, dass sie den Gefangenen so schnell wie möglich und vor allem unauffällig in ihr Zimmer brachte, denn es würde höchstens noch wenige Minuten dauern, bis die Wachen sein Verschwinden bemerkten. Wenn es hart auf hart kam, musste sie halt die wachen ausschalten, doch noch hoffte sie, dass dies nicht notwendig werden würde.

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