Seite 1 von 1

Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Samstag 23. Mai 2009, 13:12
von Erzähler
[Sarion kommt von Es war einmal... Wettbewerb der Poeten]

Als der Lärm immer lauter wurde und die Gerüche immer intensiver, wusste der Goblin, dass sie nun auf dem Markt waren. Ariana hielt sie jetzt sehr dicht bei sich, damit sie nicht Opfer der Leute wurden, die sich ohne Rücksicht auf Verluste durch die Menge schlugen.
"Nachher gehen wir noch schnell zu Marianna, die müsste heute hier auch einen Stand aufgebaut haben. Dann können wir gleich wieder etwas Salbe für deine Füße kaufen", sagte Ariana zu Nira.
"Stimmt. Weißt du, Marianna ist eine gute Bekannte von Ariana, sie stellt Salben und Tränke her, die gegen alles Mögliche helfen, ich bekomme immer welche gegen meine angeschwollenen Füße. Ich kann keine Schuhe tragen, aber trotzdem entwickelt sich dort unten nie wirklich Hornhaut", erklärte Nira Sarion munter.
"Genau. Passt auf, wartet ihr Beide hier, an dem Stand, ich hole uns solange ein paar Hähnchenschlegel an einem der Stände dort hinten."
Ariana führte sie zu einem kleinen Stand, an dem es verdächtig nach Leder roch.
"Die Rechnung geht auf mich, Sarion. Für deine tolle Geschichte!"
Damit ließ die Elfe die Blinden allein.
"Du magst doch hoffentlich Hähnchenfleisch?", erkundigte sich Nira besorgt.
"Ich weiß, dass Ariana manchmal etwas schnell ist."
Dann schwieg sie für einen Moment, ehe sie von neuem ansetzte.
"Deine Geschichte war echt einfach toll. Du wirst auf jeden Fall einen der vorderen Plätze belegen, meinst du nicht auch?"

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Samstag 23. Mai 2009, 22:00
von Sarion
Sie waren aus dem Zelt raus und bald waren sie auf dem Marktplatz. Süße und würzige Düfte kamen von überallher und Sarion genoß das, wenn auch sein Hunger dadurch noch einmal angefacht wurde. Bald ließ Ariana die beiden allein, um Salbe und etwas zu essen zu kaufen. Sarion rückte etwas näher an Nira, damit die beiden nicht getrennt wurden, falls jemand sich zwischen ihnen durchdrängelte. Der Markt war wirklich gefüllt, die Besucher des Turniers wollten auch die pelgarianischen Leckereien und Getränke kosten und wenn möglich noch ein Souvenier erwerben, um es mit nach Hause zu nehmen.

"Du kannst keine Schuhe tragen?", fragte Sarion neugierig. Jeder, der zwei Füße hatte, die eine halbwegs normale Form hatten, konnte seiner Meinung nach Schuhe tragen. Sogar er trug ein Paar, dessen Sohlen schon so abgelaufen und hauchdünn waren, dass Sarion den Boden durch sie hindurch spürte. Er erinnerte sich noch ganz genau an den Tag, als er an sie gelangt war. Die Mutter eines menschlichen Jungen hatte diesem ein neues Paar Schuhe gekauft, weil das alte in ihren Augen schon viel zu abgenutzt war. Als der Goblin, damals barfuß, vorbeikam, hatte sie ihm das alte Paar geschenkt. Natürlich war es etwas seltsam: Für den eigenen Sohn waren sie zu alt, aber für einen Fremden gut genug. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, wie ein altes Sprichwort lautete. Und die Schuhe hatten von da an bis jetzt gehalten - und es waren schon ein paar Jahre - und weil der Goblin nicht mehr wuchs, blieb ihre Größe passend.

"Nein, gegen Hähnchen habe ich nichts einzuwenden.", erklärte der Geschichtenerzähler. Dass Ariana ihn einlud, machte die Sache noch besser und sein vorheriger Gewissenskonflikt hatte sich wieder in Luft aufgelöst, denn mit seiner Geschichte hatte er ja eine Gegenleistung erbracht.
"Ich wäre mir da nicht so sicher, ich habe die nachfolgenden auch angehört und sie waren gut." Beim Gedanken am letzten Teilnehmer fügte er noch hinzu: "...in der Regel. Außerdem haben wir ja nicht erfahren, wer noch vor mir an der Reihe war. Aber selbst mit dem letzten oder vorletzten Platz wäre ich zufrieden, immerhin hatte ich noch nie ein so großes Publikum gehabt, was ja an sich schon etwas gutes war. Vielleicht werde ich ja einen der mittleren Plätze belegen, das wäre natürlich noch besser."

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2009, 13:20
von Erzähler
Die Gnomin fand es beruhigend, dass Sarion sich näher an sie heran gestellt hatte. So konnte sie schon niemand auseinander bringen, denn ohne ihren Hund und ohne Ariana, irgendwo zwischen den Menschen, wäre sie verloren gewesen.
Aber jetzt kicherte sie. Sie fand es süß, wie Sarion immer eine gewisse Bescheidenheit an den Tag legte. So auch jetzt, als sie ihn nach seiner persönlichen Einschätzung beim Wettbewerb fragte. Suchend glitten ihre Hände über seinen Bauch und seine Brust, bis sie schließlich seinen Oberarm fanden, in jenen kniff sie ihn scherzhaft hinein.
"Jetzt sei doch nicht so bescheiden! Mittelfeld, pah! Du wirst ganz vorne mit dabei sein."
Dann lächelte sie still. Ihr gefiel es trotz allem, dass Sarion sich nicht wie ein aufgeblasener Poet aufführte.

Wegen seiner Frage nach den Schuhen musste sie grinsen. Natürlich hatte er nicht sehen können, dass sie die ganze Zeit barfuß gelaufen war. Anderen fiel das sofort auf, wieder Andere achteten schon gar nicht mehr auf ihre Füße, immerhin war sie eine blinde Gnomin, unterwegs in Pelgar, da wunderte einen nichts mehr.
"Hmm... ich weiß auch nicht so wirklich, was das mit meinen Füßen ist. Ariana hat überlegt, dass meine Füße vielleicht eine Abneigung gegen Leder und Stoff haben. Sobald ich nämlich Schuhe anziehe, fangen meine Füße fürchterlich zu jucken an und es bildet sich so ein komischer Ausschlag. Ich versteh es selber nicht so genau. Aber ich habe mich inzwischen an das barfuß laufen gewöhnt und Mariannas Salben helfen mir auch immer gegen kleine Schürfungen und wunde Stellen."

Sie zucke ein wenig zusammen, als kurz darauf ein Mann sie an rempelte, fluchte und dann weiter hastete. Daraufhin drängte sie sich noch dichter an Sarion.
"Ach weißt du, manchmal würde ich so gerne sehen, dass es mir das Herz zerreißt. Allein schon den Markt, was muss das hier für ein buntes Treiben sein! Natürlich helfen Nase und das Ohr, aber das ganze Auge werden sie niemals ersetzen können..."
Dann schwieg Nira. Sie schien nachdenklich geworden zu sein.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Mittwoch 3. Juni 2009, 14:03
von Sarion
"Naja, wir werden sehen.", meinte der Goblin, als Nira über seine Einschätzung kicherte, ihn in den Arm kniff und ihre Vermutung von vorhin noch einmal aufgriff. "Vielleicht passiert ja ein Wunder.", meinte er, aber plötzlich wurde Sarion bewusst, dass man darüber nicht scherzen sollte. Bei Niras Entführung war ja auch ein Wunder geschehen und hatte doch noch alles zum Guten gewandt. Andererseits wollte er sein Glück nicht ausreizen.

Verwundert hörte er sich die Erläuterung mit ihren Füßen an. "Eigentlich klingt das wie eine Allergie, aber wenn es nur die Füße betrifft..." Sarion fand das seltsam und er dachte eine Weile nach. "Weißt du, es kann ziemlich gefährlich sein, barfuß herumzulaufen. Wenn man sich schneidet und Dreck in die Wunde gerät, dann kann ein Wundstarrkrampf entstehen, habe ich einmal gehört. Ich hoffe, dass die Salben auch gegen diese Gefahr helfen."
Auf dem Markt herrschte einiges Gedränge und ab und zu streiften Passanten die beiden Blinden, weshalb Nira etwas näher an Sarion rückte. Er konnte das verstehen und fand die Nähe zu ihr angenehm. Dann äußerte sie jedoch, wie traurig sie sei, das Marktgeschehen mit nur vier Sinnen wahrzunehmen. Der Geschichtenerzähler wusste, dass Nira schon einmal sehen konnte, dann aber das Augenlicht verloren hatte - den Grund hatte er sich nicht zu fragen getraut. Das machte die ganze Sache noch schlimmer. Sie wusste, was sie verpasste und was sie nie mehr sehen würde. Sarion hingegen war schon immer blind gewesen und kam damit ganz gut zurecht. Zwar war es schon bedrückend, zu wissen, dass man weniger wahrznahm als alle anderen, aber das war es auch schon. Wenn man einem Kleinkind etwas Süßes gibt und wieder wegnimmt, fängt es an zu weinen; Hätte man ihm niemals die Leckerei gegeben, wäre das nicht passiert.
Er nahm sie in den Arm und versuchte sie wenigstens etwas zu trösten: "So viel wirst du schon nicht verpassen und Ariana kann es dir immer noch beschreiben. Wir werden trotzdem einen schönen Tag verbringen. Wichtig ist nur, mit wem man etwas unternimmt."
Eine Weile lang hielt er sie noch weiter und dachte nach, wie er sie aufmuntern könnte. Dann kam ihm die Idee, einfach ihren Verstand auf andere Dinge zu richten und ihm fiel auf einmal etwas ein: "Bezüglich deiner Füße habe ich eine Idee: Hast du es schon einmal mit Sandalen probiert, die eine Holzsohle haben?" Sein goblinischer Erfindergeist war geweckt und er fuhr fort: "Vielleicht könnte man auch die Riemen aus Rinde, Seil oder weichem Holz machen, kein Leder kein Stoff. Oder haben deine Füße auch dagegen eine Abneigung?"

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Samstag 6. Juni 2009, 13:02
von Erzähler
"Weißt du, es kann ziemlich gefährlich sein, barfuß herumzulaufen. Wenn man sich schneidet und Dreck in die Wunde gerät, dann kann ein Wundstarrkrampf entstehen, habe ich einmal gehört. Ich hoffe, dass die Salben auch gegen diese Gefahr helfen."
Nira musste sich eingestehen, dass sie keine Ahnung davon hatte, was da alles passieren konnte. Sie wusste nur, dass sie als Gnomin etwas robustere Sohlen besaß als beispielsweise die Menschen. Aber Ariana kannte sich doch auch mit Verletzungen aus, also würde sie ihre Füße sicher nicht vernachlässigen! Trotzdem nahm sich Nira vor Ariana bei der nächsten Gelegenheit danach zu fragen. Es schmeichelte ihr auch ein wenig, dass sich Sarion um ihre Gesundheit sorgte und sie musste unbewusst ein wenig lächeln, doch erwiderte nichts mehr auf Sarions Worte.

Als sie ihm von ihrem kurzen Gefühlsausbruch erzählt hatte, nahm er sie in den Arm und tröstete sie. Zuerst zuckte sie kurz zusammen, da die Bewegung für sie ja nicht absehbar gewesen war, doch dann begann sie sich wohl in seinem Arm zu fühlen und er spendete ihr tatsächlich Trost. Nira seufzte. Warum hatten sie sich nicht viel früher kennen gelernt?

Dann lenkte er ihr Gedanken wieder auf etwas ganz Anderes: Er schlug ihr vor, dass sie es doch einmal mit Sandalen probieren könnte. Nira empfand die Idee als nicht schlecht, vor allem mit Holzsohlen... das musste sie doch einfach vertragen, schließlich lief sie ja auch so durch den Wald. Warum war sie, oder zumindest Ariana, da nicht schon viel früher drauf gekommen?
Weil weder der intelligente Geist einer Elfin, noch der wache Verstand einer Gnomin, den eines erfinderischen Goblins überragen, dachte Nira bei sich.
"Das ist ja wirklich einmal eine Idee!", rief sie begeistert, "ich werde gleich Ariana danach fragen, wenn sie kommt!"

Wie auf ein Signal erreichte plötzlich der Duft gebratener Hähnchen ihre Nase. Nira atmete tief ein. "Wenn ich gegessen habe frage ich", räumte sie ein und da erreichte auch schon Arianas Begrüßung ihre Ohren.
"Na, ihr Beiden? Ich hab uns endlich was zu Essen geholt!"
Dann drückte sie jedem einen Schlegel in die Hand, wenn man sie am Knochen hielt konnte man das Fleisch gut davon abnagen. Die Schlegel trieften vor Fett und der würzige Geruch der äußersten Schicht war einfach unwiderstehlich - zumindest für Nira, die sich schon über das Hähnchen her gemacht hatte.
Ariana stand da und knabberte an etwas Gemüse.
"In Pelgar gibt es die schlechteste Küche ganz Celcias. Alles trieft vor Fett, ich bleib da lieber bei meinem gekochten Gemüse, da ist zwar auch Fett dran, aber bei Weitem nicht so viel."
Damit zog sie mit einem Spieß eine kleine gekochte Karotte aus einem Beutelchen.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Donnerstag 11. Juni 2009, 17:17
von Sarion
Scheinbar kam seine Idee gut an und Sarion war froh, dass er Nira wieder auf andere Gedanken gebracht hatte. Er hoffte, dass die Idee funktionieren würde, wenn nicht dann wusste er nicht weiter. Vielleicht lag es dann nicht am Material, sondern nur daran, dass sich die Füße der Gnomin einfach an der frischen Luft befinden mussten, aber bei Sandalen lagen die Füße auch zum größten Teil offen. Bevor er sich aber in theoretischen Überlegungen verfing, fragte er sich lieber etwas praktisches: Wo man derartiges Schuhwerk kaufen könnte? Schuster verkauften doch in der Regel Lederwaren und selbst die Sandalen hatten Lederriemen. Doch vielleicht ließ sich eine Spezialanfertigung bestellen... Es würde sich gewiss etwas ergeben.

Plötzlich roch Sarion etwas, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Offensichtlich war Ariana mit ihren Besorgungen fertig und kam mit Niras Salbe und etwas zu essen zurück. Er roch Hähnchen und Gemüse, welches die Elfe anscheinend für sich selbst besorgt hatte. Nachdem er sich höflich bedankt hatte, nahm er seinen Schlegel hungrig an.
Am Fett störte er sich nicht. Das Essen war schnell fertig und schmeckte gut. Zusätzlich lag Fettes länger im Magen und hielt einen länger satt. Dass zuviel Fett ungesund war, darüber war der Goblin sich bewusst, aber für ihn selbst war Übergewicht kein Thema, er war mager und ein bisschen mehr auf den Rippen würde ihm gut tun.
Als er jedoch hineinbeißen wollte, zuckte er schnell zurück. Fettig Gebratenes hatte doch einen Nachteil: Es war ziemlich heiß und in diesem Fall hatte er sich gerade die Lippen verbrannt. Er leckte sich die schmerzenden Lippen und pustete dann erst einmal kräftig, bevor er anfing, immer wieder kleine Bisse zu nehmen. Ab und zu musste er etwas pusten, damit er sich nicht die Zunge am Fleisch verbrannte.
Es war etwas zu stark gewürzt, was Sarion nicht besonders gefiel, und wie von Ariana vorrausgesagt triefte es vor Fett, das einem im Mund zurück blieb und auch nicht unbedingt gut schmeckte. Aber nichtsdestotrotz war es eine sättigende, schmackhafte Mahlzeit und Sarion nagte den Knochen vollkommen kahl, denn er gehörte nicht zu den Leuten, die es sich leisteten, Essen wegzuwerfen.

Beinahe verfiel der Geschichtenerzähler in schlechte Manieren und hätte den Knochen zu Boden geworfen und die fettigen Finger erst abgeleckt und dann am Hemd abgeschmiert. Stattdessen frage er dezent Ariana: "Hast du zufällig auch Servietten mitgebracht?"

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Montag 15. Juni 2009, 15:40
von Erzähler
[Rufus kommt von: Der Beginn einer Reise]

[Off Topic: Bitte antwortet in der Reihenfolge Rufus, Sarion. Danke :) ]

@ Rufus:

Kaum hatte der junge Hybrid seinen Mund wieder geschlossen, war Neilah schon losgestürmt. Beinahe hüpfend lief sie neben Rufus her. Sie freute sich sehr, dass sie jemanden gefunden hatte, dem sie dem Markt zeigen konnte und mit dem sie ein wenig Zeit verbringen würde. Neilah war nun einmal immer auf der Suche nach Abwechslung.

Beinahe achtlos zog sie Rufus an den immer vornehmer werdenden Häusern vorbei. DEr Mischling konnte so nur kurze Blicke auf die kleinen Gässchen der Arbeiter erhaschen, in denen jetzt zur Marktzeit und natürlich zur Zeit des großen Turniers nicht sehr Betrieb herrschte.
Hier roch es nach frischen Brötchen, dort stank es nach Farbe, wo anders ertönte der Schlag eines Schmiedehammers. Ja, Pelgar war die größte Stadt im Umland und deswegen waren die Arbeitergassen auch nicht zählbar.

Irgendwann wurde der Lärm allerdings immer lauter und der Duft nach frischem Essen immer intensiver. Daraufhin tauchten auch schon bald die ersten bunten Marktstände auf.
Erst jetzt verringerte Neilah ihr Tempo.
„Das ist unser Markt“, verkündete sie überflüssigerweise.
„Am Besten gehen wir erst zu meiner Mutter und dann... Huch, Da hinten sind ja Ariana und Nira!“, rief sie plötzlich und unterbrach sich selbst.
„Aber wer ist der Dritte?“, murmelte sie vor sich hin.

Sie deutete auf ein recht lustig anzusehendes Grüppchen. Am meisten stach die die große, blonde Elfe heraus, die gerade an etwas Gemüse knabberte. Sie wirkte erhabener, als all die Menschen rings um sie.
Neben ihr standen zwei Personen, die in ihrer Nähe noch kleiner wirkten. Ein Mädchen, wohl eine Gnomin, mit Haut von der Farbe eines Ahornbaumes und langen, blonden Haaren. Sie nagte genüsslich an einem Hähnchenschlegel.
Neben ihr stand noch jemand, bei ihm musste es sich um einen Mann handeln. Er war klein, ja winzig und hatte eine bleichgrüne Hautfarbe und eine Glatze. Wohl ein Goblin.
„Nira! Ariana!“, rief Neilah ihnen nun zu.
Die Elfe ruckte sofort mit dem Kopf und winkte zurück, schnelle elfische Reflexe eben, während die Gnomin eher etwas orientierungslos durch die Gegend blickte.
„Nira ist blind“, erklärte Neilah Rufus noch, doch dann lief sie schon in Richtung der Gruppe los.
„Komm ich stell euch einander vor!“

@ Sarion:
Ariana musste bei Rufus’ Frage lächeln.
Ein Goblin mit Manieren also.
„Natürlich hab ich Servietten dabei.“ Sie zog aus einer Tasche ihres Gewands ein paar Stofftücher und reichte sie sowohl Sarion, als auch Nira. Allerdings hatte Nira sich schon die Finger abgeschleckt.
Ariana wollte sie gerade tadeln, als sie der Ruf, eines Mädchen erreichte. Schnell wandte sie sich um und entdeckte Neilah, gemeinsam mit einem blonden Jungen etwa genauso jung, wie Neilah selbst, den sie nicht kannte.
„Ist das Neilah?“, fragte Nira etwas orientierungslos.
„Ja sie ist es.“
Dann wandte sich Ariana Sarion zu.
„Neilahs Mutter verkauft uns die Salben für Nira, sie ist ein wirklich aufgewecktes Mädchen. Dünn, aber sprühend vor Lebensfreude“, erklärte Ariana ihm.
Das dünne, kleine Mädchen, mit langem blondem Haar und einem Korb unter dem Arm kam nun auf sie zu.

--

Für Beide:

Bald hatten Neilah und Rufus die Gruppe erreicht. Etwas außer Atem reichte sie Ariana und Nira die Hand.
„Na, ihr Beiden? Was treibt euch denn in die Stadt?“
Fröhlich strahlten ihre hellblauen Augen.
„Wir sind eigentlich wegen Sarion hier“, antwortete ihr Nira, doch natürlich sah sie Neilah dabei nicht direkt in die Augen. Jetzt konnte Rufus auch sehen, dass auch der Goblin blind sein musste, da auch er seine Augen kaum bewegte.
„Er hat am Wettbewerb der Geschichtenerzähler teilgenommen.“
„Wirklich? Na, das ist ja mal eine Sache!“, rief sie begeistert.
„Weißt du beim großen Turnier treten Bewohner aus ganz Celcia in ganz unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an“, erklärte sie an Rufus gewandt.
„Na, wer ist denn deine Begleitung?“, fragte Ariana nun und ihre hypnotisch anmutenden, violetten Augen legten sich auf Rufus. Dabei schienen sie sich einmal überrascht zu weiten. Ob sie entdeckt hatte, dass Rufus ein Mischling war?
„Ähm, achso ja“, lachte Neilah. „Am besten stellen wir uns einmal gegenseitig vor. Als Rufus, das sind Ariana“, sie deutete auf die Elfe, „und Nira“, jetzt schwenkte sie zu der Gnomin, „und das ist ähm...“
„Sarion“, half Nira ihr aus.
„Gut Sarion“, wandte sich Ariana dann an Sarion, „Dieser Wildfang hier, das ist Neilah und ihre Begleitung... Rufus.“

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Montag 15. Juni 2009, 16:40
von Rufus Myalon
Rufus hatte kaum Zeit, seinen Satz zu vollenden, da wandte sich Neliah auch schon wieder ab und hüpfte mit spürbarem Elan die Straße hinunter, wobei sie ein Tempo anschlug, bei welchem Rufus Mühe hatte, es beizubehalten. Wären sie noch auf der Straße gewesen, wäre es zwar kein Problem für ihn gewesen, ihr zu folgen, doch hier, in Pelgar, wo die neuen Eindrücke auf ihn einfluteten und ihn regelrecht zu erschlagen drohten, da geschah es immer wieder, dass die Füße des Jünglings mit dem hellen Haar immer wieder zum Halten kamen, sein Blick von hier nach da wanderte und er ab und an sogar ins Stolpern kam, so abrupt blieb er stehen nur um dann sogleich wieder loszulaufen, als er Neliah aus den Augen zu verlieren drohte. So erlangte er nur verschwommene Eindrücke von dem, was sie passierten, doch was er nich sah, das blieb ihm als Geräusch oder Geruch nur umso kräftiger in Erinnerung. Nur aus den Augenwinkeln konnte er wahrnehmen, dass die Häuser langsam immer vornehmer und ordentlicher wirkten, während seine Ohren damit beschäftigt waren, entfernte Rufe, Hammerschläge auf einen Amboss oder das Geklapper von Hufen auf den Steinen aufzunehmen und seine Nase entdeckte mal den Duft von frischen Brötchen, mal den intensiven Geruch von frischer Farbe, während wieder irgendwoanders plötzlich der Gestank von Chemikalen ihm scharf in die Nase stach. Doch schaffte er es bei weitem nicht, die Quellen all dieser Sinneseindrücke mit seinen Augen zu entdecken, war er doch zu besorgt, seine einheimische Fremdenführerin zu verlieren. So passierte Rufus die Arbeitergassen mit nicht viel mehr als dem intensiven Wunsch, wieder hierherzukommen und sich dann in aller Ruhe und so lange wie möglich umzusehen, bis seine Neugier gestillt war.

Aber bald wurde sein Interesse von etwas anderem geweckt. Denn nun, nach einer Weile, nachdem der Lärm und die Menschenmenge etwas abgeflaut war auf dem Weg, welchem sie entlanggingen, konnte Rufus bald aufs Neue laute Rufe, ja regelrechte Schreie hören, welche untermalt waren vom unverständlichen, vielfältigen Gemurmel einer stetig anwachsenden Menge, während links und rechts von ihm nun immer öfter bunte Stände auftauchten, von wo eben jene Rufe ihren Ursprung hatten, welche, wie der Mischling nun verstand, lautstark Waren anpriesen, zwar meist gewöhnliches und alltägliches doch auch erklangen das ein oder andere Mal Namen, welche der blonde Jüngling noch nie in seinem Leben gehört oder gelesen hatte. Mittlerweile hatte Neliah ihr Tempo in der dichten Menge ein wenig verringert, so dass sich Rufus etwas mehr Zeit gönnen konnte, sich umzusehen. Nichtsdestotrotz lief sie immer noch recht schnell und nun, erschwert von der dichten Menschenmasse, hatte der Halbleonide seine gute Mühe, das Kräutermädchen ständig im Auge zu behalten. Doch wenn er sie nicht sah, so hörte er sie doch meistens noch, war er ja nicht sehr weit von ihr entfernt, sondern hatte eben meist seinen Blick woanders oder seine Sicht wurde kruzfristig von etwas blockiert.
„Am Besten gehen wir erst zu meiner Mutter und dann... Huch, Da hinten sind ja Ariana und Nira!“
Aufmerksam hatte Rufus ihr gelauscht doch bei ihren letzten Worten konnte er nicht anders, als verwirrt die Augenbrauen zu heben und sie fragend anzusehen. Doch ihr Blick war nicht auf ihn gerichtet, sondern galt einem Grüppchen von drei Leuten, welche selbst hier, im bunten Markt, ein wenig herausstachen ... aber vielleicht lag das auch nur an der groß gewachsenen Elfe, welche als ein guter Orientierungspunkt in der Menge diente. Neben dieser standen zwei Personen, welche weitaus kleiner wirkten als die Elfe. Die eine war eine Gnomin, soweit Rufus das zumindest beurteilen konnte von dem, was er immer zu Hause gehört hatte. Auf jeden Fall war sie etwas kleiner, wirkte jedoch nicht gedrungen, hatte aber eine sehr auffällige Hautfarbe und langes, blondes Haar. Die dritte Gestalt war jedoch eine Person, welche den hellhaarigen Mischling nachdenklich die Stirn runzeln ließ. Es war ein Mann, jedoch mit einem kleinen, ja geradezu winzigen Körper, besaß eine Hautfarbe, welche alles andere als gesund auf den Mischling wirkte und hatte dazu noch eine Glatze, welche Rufus' Gefühl bestärkte, dass sich dieser Mann wohl irgendwas eingefangen hatte.

Doch noch bevor Rufus' eine entsprechende Frage stellen konnte - dass Neliah diesen Mann ja auch nicht kannte, ahnte er nicht, hatte er ja nicht ihre gemurmelten Worte gehört - rief das Kräutermädchen schon auch die Namen der beiden Frauen, woraufhin blitzschnell die Elfe den Kopf hob, Neliah zu erkennen schien und als Erwiderung ihr zuwinkte, woraufhin der blonde Mischling gar nicht anders konnte, als über ihre Reflexe zu staunen. Die Reaktion der Gnomin fiel etwas orientierungslos aus, was aber Neliah sogleich erklärte, als sie Rufus sagte, dass Nira, wie die Gnomin wohl heiße, blind sei. Leicht lief der Mischling bei dieser Erklärung rot an vor Verlegenheit, schämte er sich doch dann auch schon ob seiner Gedanken oder zumindest seiner Verwunderung auf die Reaktion der Gnomin hin. Doch noch ehe Rufus ein Wort darüber sagen oder ansetzen konnte, sich bei Neliah zu entschuldigen, obgleich dies bei der völlig falschen Person war, da hatte sich das Kräutermädchen auch schon wieder in Bewegung gesetzt und lief nun auf das kleine Grüppchen zu, während Rufus ihr auch schon folgte, neugierig doch zugleich auch ein wenig schüchtern, schließlich kannte er diese drei ja gar nicht.
Doch lange Zeit hatte er dafür nicht, denn schnell hatten sie die drei erreicht, woraufhin Neliah fröhlich die Elfe und die Gnomin, welche sie wohl beide gut kannte, fröhlich begrüßte. Doch anscheinend waren die beiden Freundinnen auch nicht oft in der Stadt, denn Neliah fragte sogleich, was sie beide denn in die Stadt bringe, woraufhin die Gnomin Nira antwortete, dass sie wegen Sarion hier seien. Automatisch wanderte Rufus' Blick bei ihren Worten zu dem Mann mit der Glatze und der bleichgrünen Haut, der zwar leicht reagierte, als sein Name genannt wurde, jedoch so gut wie gar nicht seine Augen bewegte, was Rufus auch sogleich zum Verdacht brachte, dass er anscheinend ebenfalls blind zu sein schien oder zumindest schlecht sah. Nichtsdestotrotz konnte der Mischling gar nicht anders, als fasziniert den kleinen Mann zu mustern, bis Neliah ihn wieder ansprach und ihm erklärte, dass in dem Turnier, welches sie schon vorher erwähnt hatte, die Bewohner Celcias in allen möglichen Disziplinen antraten. Eine Erklärung, bei welcher Rufus nur verloren nicken konnte, denn immer noch hatte er momentan nur ein vages Bild von dem, was dieses Turnier war.

Aber schnell wurde er aus diesem Dilemma errettet, als die Elfe fragte, wer denn er sei, woraufhin Rufus nun den Blick zu ihr wandte und - wie konnte es auch anders sein - im ersten Moment gar nicht anders konnte als seinen Blick auch schon zu den spitzen Ohren der Elfe wandern zu lassen, woraufhin ihr überraschter Blick ihm vollkommen entging. Aber schließlich hatte er noch nie in seinem Leben eine Elfe gesehen, wer konnte ihm also diese Art von Reaktion verdenken? Doch dann wurde dem Mischling klar, dass man ihn indirekt nach seinem Namen gefragt hatte, woraufhin er verlegen und hastig versuchte, seine verpatzte Vorstellung geradezubiegen:
"Oh, äh ... Verzeihung, mein Name ist Rufus ... Rufus Myalon. Sehr erfreut.", eine recht förmliche Vorstellung und tatsächlich, direkt nachdem er fertig gesprochen hatte, verbeugte sich auch der Jüngling mit dem hellen Haar sogleich. Vielleicht ein wenig albern, aber davon hatte Rufus keine Ahnung, versuchte er ja nur, so höflich wie möglich zu sein. Dass er es übertrieb, bemerkte er dabei nicht. Aber immerhin war er auch ja etwas nervös, der Gute.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Montag 15. Juni 2009, 20:03
von Sarion
"Danke für die Aufmerksamkeit.", meinte Sarion und nahm die Serviette von Ariana entgegen. Gründlich säuberte er seine Finger und am Ende wickelte er den Hähnchenknochen in das Tuch ein, um den Knochen später bei geeigneter Gelegenheit wegzuwerfen. Vielleicht ließe er sich an einen Hund verfüttern, doch als er über die Idee nachdachte, kam ihm in den Kopf, dass Federvieh hohle Knochen hatte, welche zersplittern und dem Hund die Speiseröhre verletzen könnten. Das war eine dieser interessanten, aber unbedeutenden Weisheiten, die Sarion manchmal aufschnappte und im Gedächtnis behielt.
Den eingewickelten Knochen verstaute er also in seiner Hosentasche, um ihn später zu entsorgen, wo kein armer Straßenköter an ihn rankam.

Plötzlich ertönte aus der Menge eine Stimme, welche die Namen seiner beiden Begleiterinnen rief. Interessiert horchte der Goblin auf, wer war dieses Mädchen - die Stimme war eindeutig weiblich und klang jung - war, das die Elfe und die Gnomin erkannt hatte.
Sie kam näher und die Elfe klärte ihn auf, dass es sich um Neilah handelte, die Tochter der Frau, Marianna hieß sie doch, welche Niras Salben herstellte und verkaufte. Aus der Nähe roch Sarion sogar Kräuter, anscheinend half sie ihrer Mutter, indem sie Zutaten beschaffte.
Leider blieb es ihm vergönnt seinen Namen selbst zu sagen, denn Nira kam ihm tatsächlich zuvor, was ihn aber nicht ärgerte, denn er gehörte nicht zu streitlustigen Angehörigen seiner Rasse. Stattdessen stützte er sich auf seinen Eichenstock und blieb ruhig. Dies war auch ein subtiles Zeichen, das Sarion einstudiert hatte und manchmal von selbst ausführte. Es betonte den Stock und zeigte damit, dass er blind war, um es nicht explizit erwähnen zu müssen. So etwas war in der Regel peinlich für beide Seiten.

Der Begleiter, der Stimme nach ein Jüngling, stellte sich vor, wobei er ein bisschen unbeholfen und verlegen klang. Hatte man ihn gerade vielleicht beim Gaffen erwischt oder war er einfach nur in Gedanken gewesen? Sarion deutete auf das zweite, wollte das erste auch nicht ausschließen. Er entschloss sich, dem Jungen - obwohl er bestimmt nicht viel jünger als der siebzehnjährige Goblin war - die Nervösität zu nehmen und meinte freundlich:

"Nicht so förmlich, wir sind hier doch unter Freunden, Rufus."

Nun gut, es war etwas übertrieben, gleich von Freundschaft zu reden, aber die meisten hier kannten sich sehr gut und er hatte das Gefühl, dass sie sich prima verstehen würden.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Dienstag 16. Juni 2009, 14:46
von Erzähler
Ariana lächelte bei Rufus doch sehr förmlicher Vorstellung, die ihr aber doch sehr gut gefiel. Sein Name sagte ihr nichts, doch er schien recht gut erzogen. Die Elfe wunderte sich, dass es wirklich noch andere sehr wohl erzogenen Personen gab, die nicht der Rasse der Elfen angehörten.
Bei dem Gedanken an „Rasse“ schweiften ihre Augen wieder kurz zu Rufus Nacken, den sie von ihrer gegenüberstehenden Position natürlich nicht sehr gut erkennen konnte, aber elfische Augen waren scharf und da war tatsächlich ungewöhnlich viel Behaarung... Sie blickte hinab zu seinen Füßen, wo sie zuvor noch einen Blick auf etwas anderes erhascht hatte, aber sicher war sie sich da nicht.
Doch ihre ganzen Beobachtungen verliefen schnell und unbemerkt. Sie schätzte ihn auf sechzehn oder siebzehn Jahre, also noch ein Jüngling und egal, was für einer Rasse er angehörte, er sah nett aus und schien in keiner Weise irgendwie gefährlich.
„Freut mich Rufus, mein Name ist Ariana“, sagte sie freundlich und hielt ihm ihre Hand hin.

Nira hatte im Vergleich zu Ariana nicht die Möglichkeit zu erkennen, wie alt Rufus war oder was für einer Rasse er angehörte. Sie vermutete anhand seiner Stimme, dass es sich um einen noch jungen Mann handeln musste. Außerdem sprach er etwas härter und nicht ganz so klar, wie Ariana, aber auch nicht so grob wie ein Zwerg. Eine Mischung aus beidem, wohl ein Mensch oder zum mindest jemand menschenähnliches.
Mit der Zeit hatte Nira gelernt so einiges nur anhand ihres Gehörs heraus zu lesen. So konnte sie Rufus auch orten. Rechts von ihr stand Ariana, links von ihr Sarion. Neilah und Rufus standen ihnen gegenüber, Rufus auf Höhe Arianas.
Doch trotz dieser sehr geschickten Eigenschaft traute sich Nira nicht Rufus die Hand zu reichen.
„Ich bin Nira. Aber entschuldige, dass ich dir nicht die Hand reichen kann... ich sehe sie nur einfach nicht.“
Dabei wurden ihre Wangen leicht Rosa, kaum erkennbar in ihrer Hautfarbe.

"Nicht so förmlich, wir sind hier doch unter Freunden, Rufus“, sagte Sarion jetzt an Rufus gewandt.
„Genau“, fügte Nira hinzu, um ihre Scham wegen ihre Blindheit zu überspielen. Eigentlich machte es ihr nicht mehr so viel aus, aber es Fremden gegenüber zu erklären, das war sie einfach nicht gewohnt. Wenigstens musste sie aber die mitleidigen Blicke nicht ertragen.

Neilah hatte grinsen müssen, bei Rufus Vorstellung. Sie fand das einfach nur süß. Immerhin überspielte Ariana das Ganze ein wenig, in dem sie ihm die Hand geben wollte. Bei Niras Entschuldigung überkam sie dann allerdings doch ein wenig das Mitleid. Nira war ein Jahr jünger als sie selbst und wenn sie sich vorstelle nichts sehen zu können...
Doch dann schweiften ihre Augen zu dem Goblin. Sie hatte noch nie einen gesehen, weswegen sie Sarion jetzt auch genauer musterte. Da er aber auch blind zu sein schien konnte sie dies ja ganz unverhohlen tun. Seine freundliche Begrüßung hatte ihn ihr sehr sympathisch gemacht.
„Hallo, Sarion“, sagte Neilah freundlich lächelnd, sie reichte ihm aus Anstand nicht die Hand. Schließlich wusste sie ja nicht ob er nun blind war oder nicht.

Doch da unterbrach Ariana auch schon wieder die Vorstellung.
„Tut mir Leid, aber ich glaube wir sollten so langsam wieder zurück zum Turnier. Die Salben bei deiner Mutter kaufen wir uns auf jeden Fall noch, so lange wir hier sind!“
Ariana schien nicht glücklich darüber sich jetzt schon wieder von Neilah trennen zu müssen. Schließlich sahen sie sich nicht alle Tage. Auch das Lächeln aus Niras Gesicht schwand.
„Können wir die Beiden nicht einfach mitnehmen?“, fragte sie an Ariana gewandt.
„Auf das Turnier? Aber... aber habt ihr denn noch Plätze frei?“, rief Neilah freudig aus.
Ariana überlegte kurz, dann meinte sie: „Ja, das wäre gar keine schlechte Idee. Wir quetschen uns einfach ein bisschen zusammen. Das geht schon. Wäre das auch für dich in Ordnung, Sarion?“ Sie glaubte zwar kaum, dass er Einwände hatte, aber man wusste ja nie.
Auch Neilah hatte sich Rufus zugewandt.
„Hättest du denn Lust auf das Turnier? Das wist wirklich großartig. Man muss teilweise echt Glück haben, um überhaupt dabei zu sein! Weil wenn du Lust hast, bring ich nur noch schnell meiner Mutter die Kräuter und dann können wir schon los!“
Sie konnte sich den Goblin zwar absolut nicht als Erzähler vorstellen, aber sie würde ihm trotzdem sehr gern die Daumen drücken.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Mittwoch 17. Juni 2009, 17:18
von Rufus Myalon
Als sich Rufus aus seiner Verbeugung wieder erhob, konnte man mit Leichtigkeit erkennen, dass es nun auch wohl mittlerweile dem Blondschopf aufgefallen war, dass seine Vorstellung im Ton ein klein wenig überzogen war, denn nun zierte ein zartes Rot seine Wangen währen seine Augen verlegen den Blicken Aranias als auch Neliahs auswich. Dass mittlerweile die Elfe sich die Zeit genommen hatte, ihn genau ins Augenschein zu nehmen, war ihm völlig unbewusst, zumal dies ja auch völlig unauffällig vonstatten ging und Arania auch nichts dazu verlauten ließ. Einzig und allein ihr, für Rufus' zumindest rätselhaft anmutendes Lächeln war ein kleiner Hinweis darauf, dass sie sich anscheinend vorläufig einen ersten Eindruck von dem Neuankömmling gemacht hatte. Doch Rufus nahm sich nicht die Zeit, irgendetwas in die MImik der Elfe hineinzuinterpretieren, zumal seine Aufmerksamkeit nun davon in Anspruch genommen wurde, dass sich Arania nun selbst mit Namen vorstellte und ihm die Hand reichte. Immer noch etwas verlegen, aber nicht wirklich zögernd, ergriff der blonde Mischling dann auch ihre Hand während er versuchte, trotz seiner Verlegenheit, ihr ins Gesicht zu sehen und nun zeigte sich auch ein kleines, wenn auch schüchternes Lächeln auf den Lippen des Jünglings.
"Freut mich ebenfalls, Arania.", gab er als Antwort. Doch obwohl er wusste, wie wichtig der erste Eindruck war, konnte er einfach seine Neugier nicht zügeln, so dass sein Blick noch einmal mehr zu den spitzen Ohren der Elfe wanderten, welche er mit einer gewissen Faszination betrachtete. Menschen kannte er zuhauf und auch Zwerge waren ihm nicht fremd, doch dass ein Elf oder eine Elfe sich in einer Steinmetzerei wiederfanden war höchst ungewöhnlich und ein derlei Vergnügen hatte Rufus noch nicht gehabt, so jemanden kennenzulernen. Dementsprechend war auch seine Neugier, selbstverständlich.

Doch allein auf die Elfe war seine Erkundungsneugier natürlich nicht beschränkt. Sogleich wandte sich seine Aufmerksamkeit auch dann der Gnomin mit Namen Nira zu, welche sich nun ebenfalls persönlich vorstellte, sich dann aber etwas verlegen bei ihm entschuldige, dass sie ihm nicht die Hand gab, aufgrund ihrer Blindheit. Aufgrund eines reinen Reflexes öffnete Rufus daraufhin schon den Mund, im Versuch, etwas beruhigendes und verständnisvolles zu erwidern ... doch ihm fielen nicht die richtigen Worte ein und seine Scheu, einfach etwas falsches zu sagen und somit Nira vor den Kopf zu stoßen - etwas, was er mit Sicherheit nicht tun wollte - klappte er wieder den Mund zu, während er etwas verlegen an den langen Ärmeln seiner Jacke fummelte, doch er versäumte es nicht, zumindest Nira eine entsprechende Entgegnung zu geben, damit sie sich nicht ignoriert oder dergleichen fühlte:
"Angenehm, deine Bekanntschaft zu machen, Nira.", wobei er der blinden Gnomin ein freundliches Lächeln schenkte, während er sprach. Sicher, manche würden meinen, es sei an ihr verschwendet, doch für Rufus würde es sich einfach falsch anfühlen, jemandem seine Freude zwar mit Worten Ausdruck zu verleihen, aber dies nicht mit seiner MImik oder seiner Körperhaltung zu zeigen.

Die beruhigenden Worte des kleinen Mannes, welchen sie Sarion genannt hatten, waren es dann schließlich, welche Rufus' Scheu vollständig lösten, woraufhin er als Reaktion nicht anders konnte, als ihm ein kleines, dankbares Lächeln zu schenken, auch wenn er es nicht sehen konnte, aber der Jüngling hoffte, auch wenn es naiv klang, dass er es zumindest spürte. Aber auch wenn nicht, gab es ja bestimmt noch die ein oder andere Gelegenheit sich ihm dankbar zu zeigen.
"Danke, Sarion. Das ist sehr freundlich von dir." bemerkte er, wagte es jedoch, genau wie Neliah, nicht, ihm die Hand zu reichen, da er ja nicht wusste, ob das nun eine höfliche oder beleidigende Geste bei einem Blinden gewesen wäre.

Doch dann schien der Augenblick des Abschieds gekommen zu sein, als Arania andeutete, dass sie nun losmüssten, jedoch später noch einmal bei Neliahs Mutter vorbeikommen würden, um Salben zu kaufen. Wirklich glücklich schien sie jedoch nicht darüber zu sein, sich schon wieder trennen zu müssen und auch Nira wollte sich wohl noch nicht trennen, denn sogleich fragte sie Arania, ob sie denn Rufus und Neliah nicht mitnehmen könnten. Da Rufus nicht genau wusste, wohin, blinzelte er kurz verwirrt, doch Neliah klärte ihn durch ihren regelrechten Freudenausbruch darüber auf, dass sie wohl vom Turnier sprachen. Doch da der Jüngling mit dem hellen Haar immer noch kein wirklich fundiertes Wissen über das Turnier hatte, abgesehen davon dass es wohl eine große Sache war, konnte er nicht wirklich Begeisterung zeigen, was ihn wieder ein wenig in Verlegenheit brachte, da er auf Neliahs Erklärung hin, dass man schon sehr viel Glück haben musste, um an Karten für das Turnier zu kommen, nur ein gemurmeltes "Aha ...", erwidern konnte. Aber wirklich Schuld trug er nicht daran und insgeheim hoffte er, dass Neliah es einfach auf die vielen neuen Eindrücke schieben würde, dass seine Reaktion so seicht ausfiel. Aber auch wenn es Rufus an Begeisterung zwar in der Reaktion mangelte, hieß das noch lange nicht, dass er nicht neugierig war!
"Das wäre wirklich interessant, das Turnier wollte ich mir schon gerne einmal ansehen ... aber natürlich nur, wenn es keine Umstände macht.", setzte er dann sogleich nach, während sein Blick zu Arania, Nira und Sarion schweifte. Die Elfe und die Gnomin hatten ja schon zugestimmt und dass der kleine, grüne Mann wirklich ablehnen würde, konnte auch Rufus sich nicht vorstellen, aber besser man fragte ja vorher nach, oder?

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Samstag 20. Juni 2009, 11:39
von Sarion
Ein bisschen kam sich Sarion im Gespräch verloren vor. Er wusste, dass Sehende den Anfang von Gesprächen nutzen, um sich meistens gegenseitig zu begutachten und zu mustern und er vermutete, auch selbst den einen oder anderen Blick abzubekommen. Man konnte nichts dagegen machen. Er tat es ja auch so ähnlich, wenn er beim Gespräch anderen zuhörte, sich ihre Stimmen und sprachlichen Besonderheiten einprägte und auch deren Geruch wahrnahm.
Beispielsweise hörte er bei Rufus Stimme trotz seiner Jugendlichkeit einen rauen Unterton, den man häufig bei Männern fand, die körperliche Arbeit leisteten, vielleicht im Sägewerk oder einer Mine. Noch einige Jahre und bestimmt würde er eine richtig kräftige Männerstimme entwickeln.

Er blieb also in der Vorstellungsphase vergleichsweise ruhig und hoffte, dass niemand ihm gedankenlos die Hand reichte. Natürlich würde er sie nicht sehen und auch nicht schütteln können - außer es war jemand, dem dieses Ritual so wichtig war, dass er gleich die Hand des Goblins ergriff, wo auch immer sie sich befand, auch solche Leute hatte Sarion schon kennengelernt - aber demjenigen, der vorschnell die Hand vorgestreckt hatte, würde das peinlich sein.
Auch Nira zu seiner Rechten schien diese Problematik erkannt zu haben und sprach sie sogar an, als ob die anderen nicht selbst darauf kämen. Er bedauerte, dass dies ihre Stimmung senkte und überlegte, ob er sie irgendwie aufmuntern könnte.

Sie braucht sich doch nicht dafür zu entschuldigen, sie kann ja nichts dafür., dachte sich der Geschichtenerzähler, sprach dies aber nicht aus. Hätte er das getan, hätte sich das Gespräch noch weiter in diese Richtung entwickelt, was für die Gnomin bestimmt nicht angenehm gewesen wäre.
Sein Einwurf vorhin hatte tatsächlich Früchte getragen, als Rufus ihn sogar mit "du" anredete. Offensichtlich war die Distanz überwunden worden. Als Neilah ihn grüßte, sprach er selbst auch freundlich einen Gruß zurück. Die Idee, gemeinsam zum Turnier zu gehen, hörte er sich geduldig an und als er nach seiner Meinung gefragt wurde, antwortete er: "Ich habe nichts dagegen, bedenkt aber, dass die Erzählphase eigentlich schon vorbei ist und sich die Juroren bereits zur Beratung zurück gezogen haben. Wir werden also nur noch die Siegerehrung erleben. Aber Umstände macht es keine und Platz wird es vermutlich genug geben."
Inbesondere beim letzten Punkt war er sich sicher. Der Wettbewerb war zwar gut besucht, aber nichts im Vergleich zu den Zuschauerzahlen bei den Knüppelschwingern in der Arena - Sarion hatte einige Vorbehalte gegen Gewalt als Unterhaltung - war das nichts. So herrschte auch kein so großer Andrang. Selbst wenn die Sitzplätze besetzt waren, gab es außerdem noch die Möglichkeit zu stehen. Vielleicht kamen sogar weniger Leute als in der Erzählphase, da der spannende Teil mit den Geschichten vorbei war - andererseits könnten aber auch mehr kommen, die den spannenden Teil in der Enthüllung des Urteils der Jury sahen.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Sonntag 21. Juni 2009, 20:11
von Erzähler
[ot: Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich das Tempo ziemlich angezogen habe, aber ich muss schauen, dass wir das Turnier so langsam fertig bekommen. Danach lass ich euch für alles wieder mehr Zeit.]

Neilahs Grinsen wurde bei der beidseitigen Zustimmung noch größer. Sarion hatte nichts dagegen und Rufus wollte mit. Das hieß sie würde mittendrin dabei sein.
In der Gruppe bemerkte niemand, dass eine Frau ziemlich geradewegs auf sie zu humpelte, was unter anderem wohl daran lag, dass sich an ihnen ziemlich viele Menschen vorbei drängten, die einfach weiter laufen wollten. Diese Frau hätte man auch ohne weiteres für eine Passantin halten können. Auf Krücken gestützt kam sie immer näher. Ihr Schienbein war mit einer Holzschiene versehen.
Erst als sie näher kam wurde die Ähnlichkeit zu Neilah unverkennbar. Ariana hob freudig überrascht den Blick, während Nira natürlich nichts sah. Neilah selbst stand zu der Frau mit dem Rücken. Die sich nun resolut, die Hände in die Hüften gestemmt, hinter ihr aufbaute.
Sie war kräftiger als Neilah, natürlich älter und hatte deutliche Rundungen. Doch ihre Haare waren ebenso blond, wenn nicht sogar einen Tick blonder und ihre Augen zeigten ebenso dieselbe blaue Färbung.
Neilah, die davon noch immer nichts bemerkt hatte, meinte nun: „Ich bringe die Kräuter jetzt wohl lieber schnell zu meiner Mutter, ehe sie...“
„Ehe sie was?“, unterbrach die Frau sie gespielt hart, aber mit einem Lächeln.
Neilah fuhr zusammen und wandte sich um.
„Mutter... ich... ich wollte gerade zu dir!“
„Ich habe es gehört. Naja, ich warte schon eine Weile, finde es aber schön, dass du unsere alten Freunde aufgegabelt hast!“
Ihre Stimme klang sehr bestimmend, sie stand wohl mit beiden Beinen fest im Leben, doch sie war von unverkennbarer Freundlichkeit geprägt.

„Hallo Ariana und Nira! Schön euch zu sehen. Warum seid ihr denn nicht vorbei gekommen? Ihr wisst bei mir wartet immer ein warmes Bett und eine schöne Mahlzeit!“
„Wir sind auch noch gar nicht lange hier. Wir sind mit Sarion, unserem Freund gekommen, wir wollten unbedingt, dass er beim Wettbewerb der Geschichtenerzähler mitmacht. Er hat das wirklich großartig gemacht. Tut uns Leid, wir wären wirklich noch vorbei gekommen. Aber jetzt ist erst einmal die Verkündung des Siegers“, erklärte Ariana ihr.
Nira lächelte nur schüchtern.
„Das ist Marianna“, flüsterte sie Sarion zu. Für sie war die Kräuterfrau solange sie in Pelgar war, schon immer eine Art Ersatzmutter gewesen, dadurch hatte sie sich auch sehr eng mit Neilah angefreundet.
„Ist schon in Ordnung“, lachte Marianna jetzt. Ihr Blick fiel nun auch auf Sarion.
„Guten Tag, kleiner Mann. Ich glaube allerdings, dass ihr heute Abend trotzdem alle ziemlich hungrig sein werdet. Kommt doch nach dem Turnier zum Essen vorbei! Ein richtiger Turnierteilnehmer bei uns, das ist doch was!“
Freudig strahlte sie Sarion an, dabei erkannte sie, dass er blind war. Als ob man eine Kerze ausgeblasen hätte, erlosch das Lachen. Doch sie hatte sich weit genug im Griff nichts zu sagen. Sie kam häufig genug mit irgendwelchen Kranken zusammen. Nur erweckte ein so kleiner, blinder, Geschichten erzählender Goblin ihre Aufmerksamkeit – und Bewunderung.
„Ich muss sagen, dass geschieht nicht oft so jemanden zu bewirten.“
Für jemand, der in Pelgar aufgewachsen war, war das Turnier etwas ganz, ganz besonders. Dort nahmen nur die Besten der Besten teil. Sie freute sich unheimlich darauf den Goblin, als Teilnehmer, bewirten zu dürfen.

Doch dann fiel ihr Blick auf Rufus. Seltsam lange blieb ihr Blick an ihm hängen, noch länger als an dem blinden Goblin, was man ja nicht alle Tage sah. Dabei klebten ihre Augen nicht an seinen Nackenhaaren, oder seinem Schwanz, wie zuvor noch bei Ariana, sondern an seinem Gesicht, in seinen Augen, seiner Nase und seinen Haaren.
„Mutter? Das ist Rufus Myalon. Ich habe ihn getroffen und wir sind beide eingeladen worden mit auf das Turnier zu kommen. Ist das nicht großartig?“, unterbrach Neilah Marianna bei ihren Beobachtungen.
„Was? Ohja... ähm... das ist großartig. Rufus, du bist natürlich auch bei uns zum Essen eingeladen! Es wäre mir eine Freude endlich wieder einen vollen Tisch zu Hause zu haben, nachdem Neilahs Geschwister ausgezogen sind und mein Ehemann sich noch immer nicht gemeldet hat...“
Anfangs schien sie noch ein wenig perplex, doch dann fing sie sich wieder. Die Gedanken an ihren Ehemann hingen tiefe Schatten über ihr Gesicht. Auch Neilah wirkte nun wieder etwas bedrückt, doch um dies zu überspielen drückte sie ihrer Mutter schnell den Korb in die Hand. Dabei löste ihre Mutter schnell die Hand von ihrer Krücke und klemmte sich den Korb unter die Achsel.
„Das sind die Kräuter. Ein paar sind mir wieder verkohlt, aber nicht mehr ganz so viele“ meinte Neilah ein wenig schuldbewusst.
„Danke, mein Kind“, sagte Marianna und nahm den Korb entgegen.
„Werdet ihr zum Essen kommen?“
Ariana, die nun sah, dass es Marianna tatsächlich mehr Freude als Arbeit bereiten würde, antwortete:
„Ja, sehr gerne. Doch was hast du eigentlich mit deinem Fuß gemacht?“
Sie ging davon aus, dass Sarion da sicher nichts dagegen hatte. Marianna kochte wirklich gut und sie lebte auch in einem viel zu großen Haus nur für sich und Neilah. Außerdem fühlte sie sich dazu verpflichtet ihre Freundin zu besuchen.
„Ach, nur den Knöchel verstaucht. Aber gut, dann erhält Nira ihre Salbe heute Abend. Dann sehen wir uns heute Abend. Keine Sorge, wenn es zu spät wird habe ich auch genügend Betten für euch vier, dann holen wir das gemeinsame Esse morgen früh nach alle vier nach“, bei den letzten Worten blieb ihr Blick viel sagend an Rufus hängen, doch dann verabschiedete sie sich und humpelte davon.
„Das ist eben meine Mutter, ein verrückte Kräuterhexe“, lachte Neilah, „du wirst doch zum Essen kommen? Ich weiß das ist wirklich viel für dich jetzt wohl, aber meiner Mutter scheint sehr viel daran zu liegen“, fragte sie an Rufus gewandt.
Und Ariana meinte zu Sarion:
„Sie ist sehr fürsorglich und immer ganz nett zu uns. Ich hoffe du hast nichts dagegen, falls wir die Nacht in Pelgar verbringen müssen, es zieht sich nämlich immer mehr zu.“
Sie warf einen letzten besorgten Blick gen Himmel.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Montag 22. Juni 2009, 21:20
von Rufus Myalon
Ehrlich gesagt empfand Rufus ziemliche Erleichterung dank Sarions Anwesenheit. Denn obgleich dieser zwar Nira und Ariana länger kannte als der blonde Mischling, so war er dennoch, da Neilah ihn nicht kannte, gewissermaßen ein 'Neuling'. Zwar war es einigermaßen lächerlich so zu denken, aber dieser Gedanke und daraus entstehende Gefühl der Beruhigung, nicht alleine zu sein, halfen Rufus, sich langsam wieder in seine natürliche Verhaltensweise zurückzufinden. Selbstverständlich wusste Rufus, dass er in keinster Weise wirklich Angst vor Neilah, Nirah und Ariana zu haben brauchte, doch durch seine jahrelange Abschottung von der Außenwelt war es recht schwer für den Jüngling mit dem hellen Haar, sich Fremden anzunähern und wenn Neilahs herausgehende und offene Art nicht gewesen wäre, hätten sie sich wohl nie wirklich näher kennengelernt. Doch da Rufus nun wusste, dass er mit Sarion sein 'Schicksal' teilte, neue Leute kennenzulernen, fühlte er sich sicherer und konnte von daher sogar den Mund aufmachen, ganz anders als bei dem Streit, welchen er etwas früher da am Tor verursacht hatte. Zeitgleich empfand Rufus jedoch auch so etwas wie stille Bewunderung für den kleinen Mann, insbesondere da sie beide in der selben Situation waren und Sarion sogar es ein wenig schwerer hatte. Doch entgegen seiner Blindheit schaffte er es mühelos, mit Neilah Kontakt zu knüpfen ohne vor Nervosität zu zittern oder rot zu werden und er war sogar in der Lage, vorsichtig und abgeklärt das Für und Wider bei der Diskussion ob dem Zuschauen beim Turnier abwägen konnte. Rufus glaubte nicht, dass er selbst das gekonnt hätte, obwohl sie beide sogar gleichalt zu sein schienen. Doch schämen tat sich Rufus dafür nicht, nur Bewunderung empfand er auf stille Art und Weise für den kleinen Mann, dessen Art ihm jedoch völlig unbekannt war.

Während sie fünf jedoch so diskutieren und schlussendlich beschlossen, dass es in Ordnung ging, wenn Rufus und Neilah mitkommen würden, verlor zumindest Rufus vollkommen den Blick für seine Umgebung und achtete gar nicht darauf, ob jemand auf sie zukam. So war die plötzliche Stimme eine rechte Überraschung für den Jüngling, insbesondere da er neben Neilah stand und, genau wie sie, der Frau den Rücken zugekehrt hatte. Zwar zuckte er nicht schreckhaft zusammen, aber dennoch machte sein Herz einen kleinen Aussetzer bei dem plötzlichen Erklingen einer völlig fremden Stimme und so konnte er gar nicht anders, als regelrecht herumzuwirbeln, wie es auch Neilah tat. Für einen kurzen Augenblick war Rufus regelrecht stumm geschlagen vor Schrecken, während sein Blick vorsichtig an der Frau entlangglitt, sich wundernd, ob er sie vielleicht kannte. Dass dies jedoch nicht der Fall war, wusste er eigentlich, noch bevor er sich herumgedreht war und so war die Überraschung nicht groß, dass es Neilah war, welche schließlich mit ihren Worten zu verstehen gab, dass sie die Frau erkannte. Und nun, wo sich der blonde Jüngling langsam beruhigte, konnte er auch, mit ruhigem Auge, sehr deutlich sehen, dass es eine unbestreitbare Ähnlichkeit zwischen Neilah und der Fremden gab, welche sich als Neilahs Mutter entpuppte, von der das Kräutermädchen dem Mischling schon erzählt hatte.

Nun, nachdem der erste Schock vorüber war, welcher aufgrund des abrupten Auftauchens entstanden war, beruhigte sich Rufus nun recht schnell wieder, zumal man nun erkannte, dass die Dame wirklich nichts Böses wollte. Auch wenn ihre Stimme fest und sehr bestimmend klang, so wurden ihre Worte begleitet von einem beruhigenden Ton und einem freundlichen Gesichtsausdruck, welcher zeigte, dass Neilahs Mutter keine bösen Pläne hegte oder generell eine böse Person war. Aber so etwas hatte Rufus auch nie wirklich angenommen, da Neilah nie in irgendeiner Weise ein schlechtes Wort über ihre Mutter hatte fallen lassen. Natürlich kannte Rufus zwar Neilah erst seit kurzem, aber dennoch konnte er sich nicht vorstellen, dass so ein aufgewecktes Mädchen wie Neilah sich von einer bösen Mutter herumschikanieren ließ oder von so einer sogar aufgezogen war. Tatsächlich schien ihre freundliche Natur wohl von ihrer Mutter zu stammen - auch wenn diese eindeutig etwas ruhiger und beständiger zu sein schien als das Kräutermädchen, welche ja zeitweise ein regelrechter Wirbelwind sein konnte.
Mittlerweile hatte sich die Mutter, bei derer Rufus verwirrt feststellte, dass er ihren Namen noch gar nicht kannte, Ariana und Nira zugewandt und diese freundlich und wie alte Freunde begrüßt. Offensichtlich waren die Elfe und die Gnomin nicht nur Neilahs Freunde sondern Freunde der Familie. Das machte die Sache sicherlich um einiges einfacher. Zudem stellte sich auch heraus, dass anscheinend Nira bei Neilahs Mutter wohl Salben einkaufte und das auch regelmäßig, wie es aus dem Gespräch herausklang. Dann begrüßte sie auch Sarion, wobei jedoch sogleich ihr Lächeln erlosch, als sie sah, dass er blind war, was ein wenig Rufus verwirrte, doch war er sicher, dass dies von ihr keineswegs böse gemeint war. Zudem war es sicher nicht seine Sache, eine scheinbare Heilerin zu kritisieren, wie sie auf Leute mit ... nun ja, Problemen reagierte.

Und dann, schlussendlich, wandte sich Neilahs Mutter Rufus zu. Schon öffnete dieser den Mund, im festen Vorhaben, sich vorzustellen - als er ihren Blick bemerkte. Sogleich stockte er und langsam schlossen sich seine Lippen wieder während er, mit einem Ausdruck leichter Verwirrung, ihren Blick erwiderte. Irgendetwas am Ausdruck ihrer Augen mutete Rufus seltsam an. Sicher, er hatte schon den ein oder anderen schrägen Blick dafür kassiert, ein Hybrid zu sein (eigentlich eher Mischling, aber so genau wollten es die meisten nicht wissen). Doch der Blick von Neilahs Mutter war anders. Zwar konnte Rufus nicht genau sagen wie, aber irgendwie halt ... anders. Verwirrt blinzelte er, den Blickkontakt mit ihr jedoch nicht unterbrechend. Doch dieser währte nicht für lange, denn sogleich riss ihn Neilahs Stimme aus seinen Gedanken, als diese ihn ihrer Mutter vorstellte, woraufhin Rufus' Part nur auf ein stummes Nicken reduziert war, welches er jedoch mit einem freundlichen Lächeln zu schmücken versuchte. Auch Neilahs Mutter tauchte aus tiefem Gedankengang wiederauf, oder zumindest schien es so, aber sehr schnell sprach sie wieder völlig normal und da sie so tat, als sei nichts passiert, nahm Rufus einfach an, er habe sich das wohl eingebildet. Als dann jedoch ihr Ehemann und Neilahs Geschwister erwähnt wurden, konnte der blonde Mischling nicht anders, als fragend eine Braue zu heben und riskierte einen Blick gen Neilah, deren Gesicht Bedrückung geschrieben stand. Wieder einmal fühlte sich der Jüngling etwas verwirrt, spürte diesmal jedoch, dass dies etwas war, wonach er besser nicht fragen sollte. Zumindest im Moment nicht ...
Der Moment ging allerdings schnell wieder vorbei als dann Neilah ihren Korb ergriff und ihn ihrer Mutter in den Arm drückte, welche diesen sogleich bereitwillig aufnahm und ihrer Tochter dafür dankte, ehe sie sich dann wieder an Ariana wandte und nachhakte, ob sie denn nun zum Essen kommen würden. Rufus selbst hatte nichts dagegen, zumal er ehrlich gesagt darauf gespannt war, wie wohl das Essen hier in der Stadt schmeckte. Zwar war dies ein merkwürdiger Gedanke, aber schließlich hatte Rufus jahrelang nichts anderes gesehen als die Steinmetzerei ... und somit auch nichts anderes gegessen als den typischen Arbeiterfraß. Auch Ariana schien nicht abgeneigt und nahm dankend ihre Einladung an, woraufhin sich dann Neilahs Mutter verabschiedete, jedoch nicht ohne dabei Rufus noch einen letzten Blick zuzuwerfen, welcher ihn wieder einmal recht durcheinanderbrachte. Doch noch ehe er wirklich darüber nachdenken konnte, erklang auch schon wieder Neilahs Stimme, als sie ihn darum bat, dass er doch komme, zumal es ihrer Mutter ja recht viel zu bedeuten schien. Tja, was konnte Rufus da anderes sagen? Natürlich nickte er sogleich zustimmend.
"Ich würde mich freuen, wenn ich bei euch essen dürfte! Es wäre mal etwas anderes als die Arbeiterkantine, in der ich mein Leben lang gegessen habe.", seine letzte, angehangene Bemerkung war als Scherz gedacht, was auch dadurch deutlich wurde, dass sich ein Grinsen auf seinem Gesicht zeigte. Mittlerweile hatte er den Blick von Neilahs Mutter wieder vollkommen vergessen.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Samstag 11. Juli 2009, 17:41
von Sarion
Ab und zu nahm Sarion mehr wahr, als ihm eigentlich bewusst war – erst recht wenn er in einer großen Menschenmenge stand und von allen Seiten von Geräuschen überschüttet wurde, die jedoch völlig uninteressant waren. So hörte er in diesem Fall jemanden auf Krücken laufen – immer einmal das klackende Geräusch von Holz, das auf Pflastersteine aufsetzte, dann der stumpfe Ton, wenn der Körper auf dem gesunden Bein den Boden erreichte – aber erst in dem Moment, als Neilahs Mutter die Gruppe erreichte, konnte er es zuordnen. Offensichtlich hatte diese Frau Probleme mit ihrem Bein.
Das Gespräch zwischen Mutter und Tochter, wobei erstere die Rolle der strengen Frau spielte, fand der Goblin lustig, aber er ließ sich nichts anmerken, jedenfalls hoffte er, es nicht zu tun, denn als Blinder wusste man fast überhaupt nichts über Mimik und deren wortlose Sprache bescheid.
Die Einleidung zum Essen fand Sarion sehr freundlich. „Herzlichen Dank.“, entgegnete er darauf. Es verwunderte ihn ein bisschen, wie man ihn behandelte, nur weil er ein Teilnehmer beim Turnier war. Bei der Anmeldung hatte er keine Kostprobe seines Talents abgeben, keine Empfehlungen oder bereits gewonnene Preise vorzeigen müssen. Ein jeder, der es zum Anmeldestand schaffte und sprechen konnte, hatte die Möglichkeit an dieser Sparte des Turniers teilzunehmen, es brauchte keine besondere Vorraussetzungen, auch wenn man sich am Ende der Lächerlichkeit preisgäbe, falls man doch nichts beherrschte. Turnierteilnehmer zu sein bedeutete nicht unbedingt Talent, aber trotzdem empfand Sarion so etwas wie Stolz.

Auch Rufus wurde zum Essen eingeladen. Beiläufig erwähnte Marianna ihren Ehemann, was jedoch nicht sehr bedacht war, denn sogleich versank sie kurzzeitig in Fassungslosigkeit. Sarion merkte, dass wenn er es sich bei dieser Frau nicht verscherzen wollte, niemals das Gespräch in die Richtung ihres Gatten zu lenken. Anscheinend war der Mann verschwunden oder hatte sie gar verlassen und sie hatte es noch nicht verdaut. Ihre Tochter, vermutlich genauso getroffen davon, schaffte es, das Gespräch wieder in andere Bahnen zu bringen, indem sie die Kräuter übergab.
Es stellte sich schließlich heraus, dass sie nicht nur eine gute Mahlzeit erwartete, sondern auch eine Unterkunft für die Nacht. Der Goblin, dem das Schicksal in der Vergangenheit übel mitgespielt hatte, war besonders erfreut darüber. Ein gutes Bett und ein Dach über den Kopf hörten sich immer gut an. Schließlich entfernte sich Marianna mit ihrem verstauchten Knöchel auf Krücken und ließ die Gruppe zurück. Als die Elfe den Geschichtenerzähler nach seiner Meinung fragte, antwortete dieser:

„Aber natürlich habe ich nichts dagegen. Ein solch gut gemeintes Angebot könnte ich doch nicht ausschlagen, selbst bei gutem Wetter.“

Sarion hatte sowieso das Gefühl, dass sie Marianna eher einen Gefallen mit ihrem Besuch machten. Vorhin hatte er erfahren, dass sie einst einen Mann und mehrere Kinder hatte, jetzt aber allein mit der letzten Tochter wohnte. Dieser Frau etwas Gesellschaft zu verschaffen konnte nicht verkehrt sein.

Re: Ein wunderbarer Tag für einen Besuch auf dem Markt

Verfasst: Sonntag 12. Juli 2009, 13:11
von Erzähler
Neilah freute sich sehr, dass sie heute Abend noch Besuch haben würden, nachdem beide zugestimmt hatten.
Der Wind, der aufzog war kühl und Neilah schlang die Arme enger um sich, damit sie nicht so viel Körperwärme verlor. Sie waren wohl alle froh, als Ariana vorschlug wieder zurück zum Turnier zu gehen, im Zelt musste es warm und behaglich sein. In Neilahs Gedanken formten sich Kissen und bequeme Sitzecken.
„Kommt!“, forderte sie Ariana auf.
Sie gingen alle etwas langsamer, aber Neilah kannte das. Ariana nahm nur Rücksicht auf Nira und wahrscheinlich auch auf Sarion.
Das Kräutermädchen lief neben Rufus den Anderen hinterher. Vor ihnen schritten Sarion, Nira und Ariana langsam voran. Sie hörte Ariana zu Rufus sagen:
„Wir schauen uns den Markt ein anderes Mal eingehender an.“
Neilah selbst war schon ziemlich aufgeregt. Wie musste es da wohl erst in Rufus aussehen?

Es war einmal... Wettbewerb der Poeten