Almas Haus

Handwerker, einfache Bürger und der Adel wohnen in kleinen Bezirken und doch teilweise Tür an Tür. Von der windschiefen Hütte bis hin zum schön verzierten Fachwerkhaus oder kleinem Anwesen mit Wasserspeiern aus Marmor ist hier alles zu finden.
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Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. August 2007, 22:12

<i>[Darak komm von <a href="http://69169.rapidforum.com/topic=10357 ... id=1#unten" target="_blank">Die pelgarische Folterkammer</a>]</i>

Darak erwachte. Wie lange hatte er geschlafen? Und wo befand er sich? Er lag. Auf Holz. Immer noch der Tisch des Foltermeisters? Oder war es Toroks Tisch? Aber die Schmerzen ... sie waren noch da und sie brannten, nicht schrecklich stark, aber stetig. Seine Lunge brannte. Durst suchte ihn heim. Aber wo bei allen verdammten Göttern befand er sich?!
Sein Kopf brummte leicht. Keine Migräne, etwas Anderes. Er versuchte, sich zu erinnern. Ja, da war dieses gigantische Hähnchen. Er hatte nach dem Fleisch gepackt.
Gefülltes Hähnchen ... er hatte probiert. Und dann hatte das Huhn einen ermpörten Schrei ausgestoßen. Schließlich erinnerte er sich nur noch an eine gewaltige, knotige Masse, die auf ihn zugerast kam. Seine Nase? Nochmals gebrochen?
Er wusste nicht mehr, wo ihn diese gewaltige Hühnerfaust – die in seiner Erinnerung irgendwie keine Federn besaß – getroffen hatte. Nur, <i>dass</i> sie getroffen und ihn in ein Reich befördert hatte, in dem noch mehr abgehackte Beine auf ihn warteten. Und Elenas ... die ihm das Herz heraus schnitten.

So ein Herz wie das, welches dort rechts von ihm in einem Glas schwamm. In einer seltsamen, gelblichen Flüssigkeit. Dort in diesem Glas. Auf dem Regal. Das Herz.
Sein Herz?!
Daneben standen noch mehr Gläser, allesamt gefüllt. In jedem waberte ein Organ vor sich her, in dieser merkwüdigen Flüssigkeit. Konservierungsmittel ... Da gab es Herzen, Lungenflügel, Teile von Gedärmen und Nieren. Ja, jede Menge Nieren, in unterschiedlichen Formen und Zuständen. So verdammt viele Nieren konnte er selbst doch nicht besitzen! Die hatten ja gar keinen Platz in ihm.
Aber wo kamen die her?

Langsam wurde er sich seiner Umgebung bewusst. Er befand sich in einem Kellerraum – immer noch der pelgarische Kerker? Er lag auf einem breiten Holztisch, mitten im Raum. Schwere Eiche. Ein äußerst stabiler Tisch.
In einer Halterung an der Wand hing eine kleine Laterne, die einzige Lichtquelle. Fenster gab es hier unten keine. Dafür aber Regale und Schränke. Dutzende davon. Und in allen standen Gläser, angefüllt mit diesem gelben Zeug, in dem die Organe schwammen.

Düster kamen Darak Gedanken in den Sinn. Da war diese Frau, dieses faldorische Weib. Diese Gigantin! Hatte sie nicht mit Torok gesprochen? Sie wollte jemanden ausschlachten. Wollte schauen, welche Teile verwendbar waren. Das alles musste kurz vor der Sache mit dem Riesenhuhn passiert sein.
Aber warum befand er sich dann hier unten in diesem gespenstig gruseligen Dreckloch? Wobei .... sonderlich schmutzig war es ja nicht. Nur unheimlich. Spinnenweben fehlten und auch Staub war nicht zu sehen. Vielleicht machte die Sauberkeit es so erschreckend.

Ein Schatten fiel in den Raum. Er war gigantisch. Ein solch großer Schatten konnte nur von einem Ungeheuer stammen. Jemand trat vor das Licht. Darak konnte nur Konturen erkennen. Es waren sehr ... füllige Konturen. Masse, viel Masse. Und diese gewaltige Massigkeit hielt ein sehr großes Messer in der Hand. Flüssigkeit, zähflüssig und dunkel, tropfte von der Schneide.
Zuletzt geändert von Erzähler am Mittwoch 22. August 2007, 22:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Darak Luthrokar
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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 22. August 2007, 23:53

Es war ein schrecklicher Fehler gewesen, zu denken er könnte sich an der Urmutter der Hennen laben. Diese Erkenntnis traf ihn mitten ins Gesicht – oder sonst irgendwo hin. Seine Kehle war kratzig geworden und sein Mund ausgetrocknet. Er hustete und schniefte. Kein wunder. Hatte er sich auch eine heftige Erkältung eingefangen. Schliesslich lag er immer wieder nackt auf feuchtkalten Untergründen und seine Lunge war durch die Verletzung ohnehin gerade viel Anfälliger auf Krankheit. Er sah fiebrig aus fröstelte und schwitzte zugleich.

Er öffnete ächzend seine Augen, die im Moment geneigt waren ihm seltsame Bilder zu liefern. Er starrte und schluckte leer. In einem Regal vor ihm standen mehrere Gläser. Im einem davon Schwamm ein Herz. Reflexartig griff er nach seiner Brust – und er konnte den Herzschlag – seinen eigenen nicht spüren! Kein Wundern denn seine Finger waren durch die schmerzlindernde Wirkung der Drogen taub geworden. Entsetzt betrachtete er die Gläser. Er sah vor sich ein offener Atlas der menschlichen Anatomie. Vielleicht sogar.. SEINER… Anatomie! Seine Lunge…und… Nieren… jede Menge Nieren. Bei den Göttern er war wahrlich ausgeschachtet worden! Darak keuchte auf ungläubig starrte er auf die wabbelnden Organe. Es waren dutzende Nieren. Das konnte nicht stimmen. Die konnten nicht alle ihm gehören. Seines Wissens besass ein gesunder Mann nur drei Nieren. Zwei kleine in der Flanke… und in (seinem Fall) eine grosse… na ja in seiner Unteren Mitte. Nur benannte man die anders, aber alle drei hatten sie mit Pisse zu tun. Nieren eben – Pisswürste. Na ja und die eine mit noch erweiterten Funktionen.

Pissen. Sein zäher Gedankenfluss – er fühlte sich nämlich nun mehr Träge als beflügelt – begann langsam in Gang zu kommen. Pissen. Ja… wie sollte er das anständig tun, ohne Beine? Wie sollte er auf ein Pferd kommen… ohne Beine. Wie sollte er laufen, Auf andere eintreten - ohne Beine?Treppensteigen, rennen – ohne Beine. Wie sollte er Elena ein attraktiver Mann sein – ohne Beine? Sie beschützen - ohne Beine?

Das eine frisch gebrochen, dass andere nie richtig verheilt. Er keuchte. Seufzte. Er war… ein Krüppel der zum Krüppel geschlagen wurde.

Vielleicht lag es auch an der düsteren Lichtquelle in diesem Raum, dass Daraks Gedanken schwermütig und negativ waren. Denn nur eine einzige Laterne bot licht für diesen Raum – und verbarg im Schatten vermutlich noch mehr Organgläser. Er erinnerte sich. An eine Frau. Faldors Frau. Sie hatte angekündigt, dass sie ihn zum ausschlachten mitnehmen würde. Nun war es wohl soweit. Er war das Fleischstück. Er war die Henne. Nicht sie.

Er sah sich weiter um und spürte, wie sich die Schmerzen langsam wieder in sein Bewusstsein krabbelten – dieses jedoch im Gegenzug immer klarer wurde. Er suchte nach seinem Helm. Er war nirgendwo zu sehen. Er war nackt. Ausgeliefert. Bereit zur Schlachtung. Seltsam für einen Raum dieser Art – der scheinbar als Abstellkammer menschlicher Überbleibsel diente, war dessen Sauberkeit – saubere Orte wurden viel genutzt. Das war schlecht. In seinem Fall.

Da versperrte ein gigantischer Schatten das Licht und hüllte ihn in Finsternis. Er konnte nur die Konturen dieses weiblichen Monstrums erkennen. Die Alma genannt wurde. Er starrte auf das Messer von welchem eine unangenehm aussehende Flüssigkeit tropfte. Hier ging es schliesslich nicht darum ein Butterbrot zu schmieren. Es blitzte im wenigen Licht auf das noch blieb.

Darak kriegte Panik. Er begann nach Luft zu ringen weil es ihm vor Angst die Kehle zuschnürte. Er riss seine Augen auf. Seine Lippen vibrierten. „N-nein… n-nicht die g-g-grosse Niere!“ Bibberte er vor sich her. Hustete und folgte dem Impuls den ihn als erstes erreichte – vermutlich aus alter Gewohnheit – sein Körper schien noch nicht auf „Beinlosigkeit“ umgestellt zu haben. Denn sein Impuls hiess: <i> Lauf Bastard!</i> Der Foltermeister verkrallte sich an der Tischkante, drehte seinen schweren, tauben und geschundenen Körper. Ächzte dabei doch in seiner Panik war er in seiner Bewegung dennoch unglaublich schnell…

Alma wusste woh, dass er ein Lauter Geselle war… doch wusste sie auch, dass er ein eher Unruhiger Kerl war, der zu mancher Dummheit neigte, wenn er seine „Impulse“ hatte?

Sein Schwergewicht verlagerte sich über die Körpermitte, er drehte weiter – und fiel.

Krachend landete er auf dem Steinboden. Schlug sich dabei wieder diverse Körperteile an – besonders das Bein war wider arg in Mitleidenschaft gezogen und der Schmerz durchdrang selbst die Taubheit welche ihm die abflachende Dosis Drogen bot. Sein Ellenbogen schürfte auf und dem Rücken versetzte es einen solchen Schlag, dass ihm für einige Sekunden die Luft wegblieb… und sein Kopf… ja… der Helm fehlte immer noch. Dröhnte nun noch mehr, als vorhin und ihm wurde ganz schummerig zu Mute. Dennoch der Impuls den ihn trieb war stark und unerbittlich. Denn ächzend und keuchend – durch völlige Uneinsicht ab seinem Zustand und vielleicht auch durch die Drogen etwas verzerrten Körperwahrnehmung, packte der Mann nach dem Tischbein und versuchte sich auf die Beine hochzuziehen. Verüberausgabte sich und seinen Körper dabei masslos. Er wollte einfach nicht einsehen, was geschehen war. Bis er sein rechtes Bein belastete und vor schmerzen Brüllte als dieses wieder zur Seite weg zu kippen drohte und damit die mühvolle Arbeit Almas gefährdete.

Er knickte ein und kippte um, landete wieder dort wo er hergekommen war. Hustete und... brach in Tränen aus. Er konnte nicht stehen! Er konnte es einfach nicht. Er verdeckte seinen Kopf unter seinen Armen. Fühlte sich so unglaublich nackt ohne Helm, der ihm immer Schutz geboten hatte. Nun konnte er sich niergendwo verkriechen... und dann war da noch diese Frau, die ihn nun töten würde. Ausschlachten. Warum also noch stark sein?

Darak war am Ende seiner nervlichen Kräfte angelangt und erlebte nun gerade den Zusammenrbuch. Er durchlebte die Traumen der Foltereien und auch der schweren Verbrennungen die er erlitten hatte. Der vielen Morde die er begangen hatte und die Albträume die er seither durchlitt. Er konnte sie nicht mehr verdrängen. Es prallte alles auf ihn ein.

Weinend krümmte er sich. Zitterte und wartete bis die Schlachtung begann.

"Ich.... kann... nicht gehen..." Säuselte er untröstlich.

Sein Geist wurde von jenem Art des Peins überwältigt und sein Körper schrie noch immer nach Ruhe.

"Nehmt... ihn weg..." Er meinte den Schmerz. Sie sollte ihm den Schmerz nehmen, die Pein. Diese im Moment für unertragbare Gewissheit, nicht gehen zu können. Denn es waren 15 Jahre Knast, die er mit jenem Ereignis verband... und sein zerstörtes Leben.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Donnerstag 23. August 2007, 00:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Almas Haus

Beitrag von fremde Frau » Donnerstag 23. August 2007, 01:34

Alma trat in ihren Keller, wo sie Darak Luthrokar in Ermangelung eines aufgeräumten Hauses hin verfrachtet hatte. Er blutete wieder durch seine Verbände und die hatte sie wechseln wollen, ehe sie ihn hinauf in ihr Reich oder gar auf eines ihrer Sofas führte. Selten, ja wenn bislang sogar gar nicht nahm sie Patienten mit zu sich nach Hause – zumindest nicht am Stück und daher besaß sie auch kein Gästezimmer für selbige. Ihr Bett würde sie für keinen dahergelaufenen Kerl hergeben und teilen kam gar nicht erst in Frage. Das Sofa würde es tun. Zuvor hatte sie jedoch einen anderen Plan verfolgt, weshalb sie auch mit dem Messer in der Hand erschienen war. Dummerweise schien Darak zu glauben, sie wolle ihm etwas antun, denn er keuchte nur entsetzt: <i>"N-nein… n-nicht die g-g-grosse Niere!"</i> Dabei zitterte er wie Espenlaub und im nächsten Moment suchte er zu fliehen. Mit dem gebrochenen Bein und ohnehin in seinem geschwächten Zustand kam er nicht weit. Allerdings schaffte er es vom Tisch herunter und krachte schmerzhaft klingend auf den harten Steinfußboden.
Ein wenig rollte er noch hin und her, versuchte, sich aufzurichten. Schließlich brach er in sich zusammen, weinend und völlig am Ende.

Alma war sofort bei ihm. <b>Wenn sich dieser Idiot noch mehr bewegt, kann ich den ja NOCHMAL flicken! Und werde ich dafür BEZAHLT? Oh nein! Er bettelt ja jetzt schon um seine Niere ... der muss mich kennen.</b>
Die Dicke rammte das Messer in den Tisch. Hätte Darak noch oben gelegen, wären ihm die vielen Rillen und Einkerbungen aufgefallen. Offenbar nutzte Alma diesen Tisch oft als Abstellplatz für irgendwelche Messer.
Sie schwappte auf ihre Knie, die sie sofort unter ihrem Bauchspeck begrub und rückte Darak in eine Position, in der er sein verletztes Bein nicht unnötig belasten musste.

<i>"Ich.... kann... nicht gehen..."</i>, säuselte er. Alma tätschelte ihm die Wange. "He, es ist nur ein Bruch. Der heilt wieder. Kein Grund zu weinen, Bursche. Dauert bei mir zwar länger, weil ich keine Lichtmagie beherrsche, aber dafür mach ich es auch GRÜNDLICH. Und bei dir hab ich das sogar OHNE BEZAHLUNG gemacht. Wenn kein Geld zur Verfügung steht, nehm ich ja bekanntlich Nieren, aber ..."

<i>"Nehmt... ihn weg..."</i>

Alma verharrte. Der Kerl wollte wohl wirklich seine Nieren behalten. Selbst jetzt bettelte er noch darum, dass sie das Messer weg steckte. "He, das ist nicht für dich gedacht. Komm her, ich heb dich hoch, zurück auf den Tisch." Alma schnappte Darak erneut wie eine Puppe. Auf kruzfristige Dauer ging das recht gut. Sie setzte ihn vorsichtig auf den Tisch – bei einer Alma hieß das, sie nahm ihn hoch und wieder runter damit. Verletzungen konnte sie ja immer noch im Nachhinein behandeln. Das Messer vibirerte kurz, als Darak auf dem harten Holz landete.
"Ich hab eins meiner Hühner geschlachtet. Ich mach dir daraus eine nahrhafte Suppe. Du musst zu Kräften kommen. Bei diesem Wüstling von Valrock bist ja behandelt worden wie der letzte DRECK! Im Grund bräuchte es mich nicht zu kümmern, aber da ich jetzt GEKÜNDIGT habe, brauch ich nicht mit ansehen, wie der Menschen auf so grausame Weise foltert. Aber jetzt halt still, ich muss deine Verbände auswechseln."

Alma wankte in die Dunkelheit, in die das Licht der kleinen Laterne nicht mehr vordrang. Schnell jedoch kehrte sie zurück. In Armen trug sie ein ganzen Doktor-Arsenal. Jeder Medicus hätte sie schon um die Hälfte davon beneidet. Sogleich begann sie mit dem schlimmsten Körperteil: dem gebrochenen Bein. "Ich werd das Ding jetzt schienen, damit ich dich nicht die Kellertreppe rauftragen muss. Aber UNTERSTEH dich, damit zu laufen, wenn ich es nicht sage. Sonst heilt der Bruch nicht." Schon legte sie ihm Schienen an, diese waren jedoch weitaus angenehmer als pelgarische Stiefel.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Donnerstag 23. August 2007, 02:12

Darak versank in seinem Elend. Immer tiefer fiel er ins schwarze Loch der wiederkehrenden Traumata die ihn nun stärker den je heimsuchten. Er zuckte heftig zusammen als Alma ihren Dolch in den Tisch rammte.

Wo war er hin, der selbstbewusste Darak, der fluchte und grummelte und sich andauernd über irgendetwas beschwerte? Er war gebrochen. Was blieb war sein nackter, geschundener Körper der beseelt war von einem Geist, der nicht wahrhaben wollte, was geschehen war. Der sich zur Erhaltung seines „gesunden“ Menschenverstandes – sofern dies ein Serienmörder haben konnte – an die Sturheit klammerte.

Er fröstelte. Zitterte. Seine Arme eng am Körper anliegend. Er machte sich klein und immer wieder machte er jene schützende Abwehrhaltung für seinen Kopf – um seine Nacktheit zu verbergen. Den nur jenes Gut, welches sich in seinem Willen und in seinem Kopf fand, hatte ihn bisher durchs Leben getragen. Es war nicht sein Herz, nicht sein Körper… nur dieses Erzblut, dieser Eiserne Wille, deshalb schützte er ihn, wie er nur konnte – das tragende Symbol dafür war sein Helm gewesen.

Er krümmte sich weiter zusammen und keuchte vor Schmerz. Bis sich Alma schliesslich neben ihm niederliess – und da war plötzlich eine Menge Alma um ihn herum – und ihn so drehte, dass er sein Bein entlasten konnte. Der Schmerz liess etwas nach und dadurch atmete er auch wieder leichter. Denn Schmerz beengte.
Er verzog das Gesicht und blinzelte als sie ihm die Wange tätschelte.

<i>"He, es ist nur ein Bruch. Der heilt wieder. Kein Grund zu weinen, Bursche. Dauert bei mir zwar länger…“</i> Weiter konnte er gar nicht mehr zuhören. Ja länger. Bei seinen ersten Brüchen hatte es auch länger gedauert – nämlich im Falle des linken Beines – bis heute. Es schmerzte. Die Gewissheit schmerzte ihn so. Bilder schossen ihm durch den Kopf wie er tagelang mit den beiden kaputten Beinen Erz geschürft hatte. Ihm schauderte. Alma hob ihn indes hoch. Es war gewaltig welche Kraft diese Frau hatte. Bei Alma schien eben alles Gigantisch zu sein.

Da hockte er nun. Zitterte noch immer und rieb sich angespannt die kalten Hände. Er starrte Apathisch ins Nichts und verbarg immer wieder seinen Kopf unter den Händen.

Sie sprach vom Essen. Er hatte keinen Appetit mehr. Der war ihm vergangen. Er hustete nur kehlig – was immer öfters wurde und liess einfach zu was mit ihm geschah. Tränen flossen und in jeder einzelnen dieser salzigen Tropfen, steckte eine grässliche Erinnerung des Mörders. Er bekam einen Weinkrampf, konnte sich nicht beruhigen. Selbst als sie ihm die Schienen bereits umgeschnallt hatte hörte er nicht auf. Er packte seine Haare klemmte den Schädel mit den Ellenbogen auf und zog immer wieder daran in dem er in wippende Bewegungen verfiel. Er weinte nahezu lautlos, denn es war für ihn die reinste Anstrengung. Jede einzelne dieser Erinnerung quoll nur zäh aus seinem Tränenkanal. Es steckte alles fest. Musste nahezu hinausgedrückt werden. Da war kein Helm mehr, der alles beisammen hielt.

Die Schiene sass gut an seinem Bein und gab die nötige Stabilität. Doch Darak schien mit diesem Körperteil abzuschliessen. Er konnte kein Bein gebrauchen, dass nicht funktionierte. Er würde es belasten. Bis er es entweder verlor – oder aber der Schmerz so zur gewohnheit würde, dass er damit Leben könnte. Doch im Moment fehlte ihm schlicht die Kraft dazu.

Er hustete wieder und rieb sich über die Haut um sich zu wärmern. Er sprach es nicht aus, dass es ihm furchtbar kalt war… und dass er wieder schmerzen hatte. Er hatte nicht mehr die Kraft dazu. Sondern war gefangen in seinem Weinkrampf, der ihn stark erschöpfte. Er hatte keinen Ort in dem er sich Flüchten konnte. Weder Meditation, noch den Helm… nichts.

Er verzog sein Gesicht und hielt sich den rechten Oberschenkel. Keuchte und hustete wieder. Er konnte Alma nicht in die Augen sehen, sondern starrte immer gen Boden.

Er fügte sich.

"Es... tut weh..." Sagte er schliesslich und vergrub wieder seinen Kopf unter den Armen. Die Nacktheit, diese Ausgeliefertheit schmerzte ihn.

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Re: Almas Haus

Beitrag von fremde Frau » Donnerstag 23. August 2007, 13:54

Alma hatte das Bein gut geschient. So wurstig und rundlich ihre Finger auch waren, sie konnte damit sehr geschickt umgehen. Die Schiene saß perfekt. Darak würde nicht eigenständig gehen können – noch nicht – aber mit einer Gehhilfe oder einem anderen Menschen als Stütze würde es reichen. Zumindest könnte er sich auf diese Weise eine Weile fortbewegen, solange es seine Kraft eben zuließ.

Im Moment war der Mann jedoch mit seinen Kräften am Ende, das bemerkte selbst eine Alma. Sie hatte vor Jahren einmal einen Lehrkurs in Sachen menschliche Psychologie belegt. Dieser Kurs hatte ihr vermitteln sollen, wie man zu anderen spricht, vor allem zu denen, die nervlich am Ende waren. Nachdem Alma den Kursleiter jedoch in Grund und Boden eingeschüchtert hatte, hatte sich die Kursgruppe aufgelöst – Grund dafür war wohl auch, dass sich Alma eine der Nieren aus dem Leiter schnitt, als Entschädigung für verschwendete Zeit. Jetzt wünschte sie sich insgeheim, sie wäre ausnahmsweise mal still gewesen und hätte zugehört.
Dennoch ließ sich eine Alma nicht unterkriegen. Auch wenn sie wohl nicht gerade die beste Gesprächspartnerin war, wenn es einem schlecht ging, so war sie für Darak im Augenblick die einzige. Er hatte keine Wahl.

Alma hob seine Arme an. "Oben lassen", kommandierte sie, was Darak jedoch nur zu gern tun schien. Er hielt sich die Häne schützend über den Kopf, als hätte er Angst davor, die Götter wollten mit gigantischen Fäusten vom Himmelreich aus auf ihn einschlagen. Alma konnte das nur recht sein – also, dass er die Hände oben behielt – So war sie imstande, seine Verbände auszuwechseln. Zusätzlich salbte sie die Wunden noch ein, damit sie schneller heilen mochten. Diesem Kerl hatte man wirklich schwer mitgespielt.
"So. Kannst die Hände wieder runter nehmen." Alma schaute Darak an. Er mied ihren Blick, hustete und keuchte, verschluckte sich fast an seinen Tränen, die stillschweigend das ganze Gesicht benetzten. Er weinte krampfartig, aber leise, kaum hörbar. "Sei ein MANN und hör auf zu FLENNEN!", knurrte Alma. Sie ertrug dieses bemitleidenswerte Bild nicht, machte ihrem schlechten Gefühl aber nicht mit tpyischer Nächstenliebe Luft. "Komm schon", meinte sie, klopfte Darak wie ein Kamerad auf den Rücken.

<i>"Es... tut weh..."</i>

Alma brummte schmunzelnd. "Muss es ja auch. So weiß du aber, dass du noch lebst und dass die Glieder funktionieren. Wenn alles taub wär, müsste ich wohl amputieren." Sie sah, dass er sich den Oberschenkel hielt und vermutete, dass ihn die Brandwunde neben seinem gebrochenen Knie wohl am meisten schmerzte. "Dagegen kann ich was tun!", rief Alma und kramte in ihrer monstergroßen Tasche. Da holte sie einige Blätter hervor. "Holunder", erklärte Alma. "Nette Pflanze. Hab ich im Eldoras eigenhändig gepflückt. Ich bin manchmal viel unterwegs, um Kräuter zu sammeln. So." Sie überließ Darak für einen Moment sich selbst und stampfte zu einem Regal herüber. Dort werkelte die Dicke mit Mörser und Stößel herum, zerkleinerte die Blätter zu einem matschigen Brei. Mit dem Mörser, der den Brei enthielt, kehrte sie zurück. Sofort schob sie Daraks Hände grob von seinem Schenkel fort, begann den Brei darauf zu verteilen. Kühlende Linderung stellte sich dort ein, wie Torok ihn mit dem heißen Eisen verbrannt hatte. Zumindest an dieser Stelle ließ der Schmerz nach.
Alma rieb alles kräftig ein und wickelte dann auch um den Oberschenkel einen Verband. Dieser diente jedoch nur dazu, dass der Brei nicht vom Bein tropfte.

"Wir gehen jetzt hoch in mein Wohnzimmer. Da wasche ich dir die Kotze vom Gesicht und du trinkst gefälligst einen Lindenblütentee zur BERUHIGUNG. Danach geht's dir besser." Es war kein Vorschlag von Seiten Almas. Sie erklärte nur ihr Vorhaben, ging auch auf keine weitere Diskussion ein.
Vorsichtig packte sie Darak unter den Achseln – vorsichtig hieß hier, dass sie darauf achtete, nicht mit den Überreste den Mageninhalts in Berührung zu kommen. In allen anderen Fällen stellte Alma sich ziemlich schroff an. Dann schob sie ihn vom Tisch, dass er auf beiden Beinen stand. Dabei hielt sie ihn so stützend, dass Darak das gebrochene, rechte Bein nicht allzu sehr belasten musste. Die Schiene stützte zusätzlich. Es sah mehr als komisch aus, aber eine Gruppe lachender und glucksender Schaulustiger blieb in Almas Keller glücklicherweise aus.

Die gewichtige Masse von Heilerin schob Darak langsam und vorsichtig, aber Schritt für Schritt voran. Es ging eine Treppe hinauf, jedoch nur für Alma. Für Darak gab es eine schräge Ebene, die er empor torkeln konnte. Alma hatte ein vortreffliches Haus, was Behinderte anging. Darak konnte ja nicht ahnen, dass diese Rampe ihr nur dazu diente, einen Karren bequem den Keller rauf und wieder runter zu schieben. In einem Karren ließen sich mehr Organe transportieren.

Alma schaffte Darak nach oben. Dort gelangten beide in einen kleinen Flur, der wie eine Kreuzung mit Türen aussah. Alma führte Darak durch die nächstgelegene Tür auf der linken Seite. Dort befand sich das Wohnzimmer. Es war vollkommen anders eingerichtet als der Keller. Auf Kommoden, Ablagen und breiten Eichenholzschränken lagen Spitzen- und Häkeldeckchen. Kitschige Skulpturen von Katzen und kleinen Häschen standen herum, dazwischen große Vasen mit Blumen. Von der Decke hing ein kleiner Kronleuchter, an den jemand winzige Elfenfigürchen an seidendünnen Seilen aufgehängt hatte. So viel Kitsch an einem Ort sah man sonst nur bei der altmodisch lebenden Urgroßmutter. Alma schien es zu gefallen. Sie beförderte Darak auf eines der mit rosa gefärbten Wolldecken verzierten Sofas. "Setz dich, ich hole den Tee. und WAGE es ja nicht, aufzustehen! Du wirst dich jetzt BERUHIGEN, dann REDEN wir." Reden? Worüber genau wollte diese wabbelnde Riesenschnecke denn sprechen?

Alma verschwand. Sie blieb auch eine ziemlich lange Zeit fort, abr allmählich stellte sich ein äußerst Appettit anregender Duft ein. Schließlich tauchte sie wieder auf – wie passte so viel Alma eigentlich durch so enge Türen?
Sie trug ein Tablett, stellte es vor Darak auf den Tisch. Dort gesellte es sich zu kleinen Hasenstatuen, die spielerisch ineinander verworren waren und alle irgendwo rosa und himmelblaue Pastelltöne aufwiesen. Bei all dem Porzellan und der vielen keramik konnte einem ganz schwummerig werden.
Alma ließ sich in einem breiten Ohrensessel nieder, der sofort bei Berührung unter ihrem Gewicht gequält ächzte. Sie zündete sich ein Pfeifchen an und musterte Darak. "Na los, trink den Lindenblütentee! Der BERUHIGT. Und dann isst du die Hühnersuppe, die wärmt und stärkt dich. Fang an, ich hab nicht EWIG Zeit für einen Kerl wie dich. Ich muss mir Arbeit suchen."

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Donnerstag 23. August 2007, 21:02

Er reagierte kaum als Alma näher kam sondern starrte noch immer dumpf zu Boden. War gefangen in seinem Weinkrampf. Ein kalter Steinboden bot ihm ein ziemlich nüchternes Bild der Realität. Darak wusste nicht, dass er sich schon längst nicht mehr im Kerker befand, denn in seinem Drogenrausch hatte er komplett die Orientierung verloren gehabt und nun auch den grössten Teil seiner Erinnerung daran. Er wusste nur noch, dass er irgendwas mit Hühnchen zu schaffen gehabt hatte.

Ausserdem sah der Keller jenem des Kerkes so ähnlich, dass er gar nicht daran zweifelte noch immer dort zu sein. Auch die Organe in den verschiedenen Gläsern passte dazu. Hierhin kam man wohl – wenn man definitiv zu Abfall wurde. Almas Worte hingegen… standen irgendwie quer zu jener Örtlichkeit. Sie sprach von geschlachteten Hühnern und von Tee als befände er sich hier in einer Herberge. Er verstand es nicht und begann nachzugrübeln.

Er zuckte zusammen als sie seine Arme berührte und anhob. Weinte noch immer. Sah sie nicht an sondern schützte seinen nackten, stinkenden Schädel in dessen Behaarung noch immer die Soldatenkotze klebte.

Er fror und ihre Hand war im vergleich zu seiner Hand wahrlich warm. Sie salbte ihn ein und wechselte die Verbände. Erst jetzt sah er, dass er überhaupt welche trug. Er sah, dass dieser grünlich blauer Torso, der da an seinem Hals hing – sein Körper war. Mit dem zurückkommen des Gefühls, dem schwinden der Betäubung spürte er nicht nur den Schmerz wieder, sondern auch die Tatsache, dass an seinem Körper gearbeitet worden war. Die Pfeilspitze war aus seinem Rücken entfernt worden – dort klebte eine Gazebinde welche die Naht schützte, sowie der Verband darüber. Um das ganze zu halten. Auch der tiefe Pikenstich in seiner Flanke war genäht worden und mit einem kleinen Schnellverband, welcher sich irgendwie an einer Klebrigen masse zu halten schien – verdeckt. Unzählige bläulich verfärbte Fingera und Handabdrücke waren auf ihm, diese Muster hatten sich dort gebildet, als sie ihn auf die Bank gedrückt hatten. An seinen Handgelenken war die Haut aufgescheuert von den Ketten an welchen er gerissen hatte. Er sah aus, als hätte man ihm einen neuen Anstrich verpasst welcher durch seine gräuliche Blässe grundiert wurde.

<i>"So. Kannst die Hände wieder runter nehmen."</i> Zögernd senkte er sich und rieb sich die Handgelenke. Starrte zu Boden. Noch immer. Weinte. Kotzte Träne für Träne.

<i>"Sei ein MANN und hör auf zu FLENNEN!"</i> Darak hörte sie… seine Tränen… sie versiegten. Da patschte sie ihm auf die Schulter. Ein dumpfes Geräusch erklang, ihn drückte es leicht nach vorn. Der Foltermeister hatte überhaupt keine Muskelspannung mehr – resigniert. Liess es zu dass es seinen Oberkörper einfach noch vorne beugte. So verharrte er und starrte auf sein kaputtes Knie.

Er dachte nach. Grübelte noch immer. Wieso rettete sie ihn und flickte ihn zusammen? Wann interessierten sich fremde Leute für Gefangene? Eine bitterböse Erkenntnis begann in seinen Verstand hoch zu krabbeln.

Er hörte der Heilerin gar nicht richtig zu und bemerkte so nicht, dass sie seinen Schmerz, den er aufgrund des Verlustes seines Helmes durchlitt, als jener der Brandwunde deutete. Er grübelte weiter. Diese Galeere von Frau begann über Pflanzen zu sprechen. Pflanzen! Soll sie sich doch mit dem Magier darüber unterhalten… der Magier… sein Blick verdüsterte sich. Er erinnerte sich vage an den Traum.

Er verzog das Gesicht als sie die Brandstelle berührte. Wehrte sich jedoch nicht. Sass einfach nur da und hustete. Fröstelte.

Nackt.

Sie erklärte ihm was sie tun wollte. Er schwieg. Kein Nicken. Kein Kopfschütteln - nichts. Er war nur verwirrt. Wo in diesem Kerker soll es bitteschön ein Wohnzimmer geben? Seine Ahnung verstärkte sich, er schauderte.

Da näherten sich ihre gepolsterten Schraubstöcke und griffen ihn unter die Achseln. „N-nein…“ Keuchte er doch da war es schon zu spät. Er hing nahezu an ihr. War nicht bereit irgend etwas zu tun. Dieser Körper gehorchte ohnehin nicht. Sie zog ihn auf die Beine. Er keuchte auf schnaubte vor Schmerz, den die Lageänderung verursachte und zitterte auf seinem wackeligen Bein – dass zwar nicht gebrochen war, jedoch auch nur schlecht stand.

Er stützte sich an Alma ab. Ihm war schwindelig und alles drehte sich. Hatte ein weiches Knie. „N-nein…“ Schon schob sie ihn vorwärts. Ächzend fügte er sich. Kleine Schritte gelangen ihm, obwohl das waren keine Schritte… eher ein hässliches Humpeln. Mit seinem Arm stützte er sich am Geländer auf und langsam schoben sie sich vorwärts. Die kleinste Bewegung war für ihn anstrengend und dann… betraten sie das obere Stockwerk.

Es war also wie befürchtet. Er war in Almas Haus. Ein kitschiges Ding. Fürchterlich. Wie konnte eine solche wuchtig wabbelnde Wanne auf… solchen Kitsch stehen.

Er liess sich auf die Couch befördern. Da sass er nun. Fröstelnd. Stinkend. Zerschunden. Zitternd und Nackt.

Sie sprach von Tee und walzte davon.

Darak war allein. Als Skalventreiber wusste er nur zu gut, was es hiess wenn Sträflinge frühzeitig aus Kerkern entlassen wurden und in irgendwelche Häuser gerieten. Sie wurden verkauft. Zu Sklaven gemacht… und Valrock hatte sich dafür offensichtlich eine Käuferin ausgesucht, die ihn – Darak – ohne weiteres zu züchtigen vermochte. Nun war es also geschehen. Er war selbst zum Gegenstand geworden. Zur Ware.

Da kehrte seine neue „Besitzerin“ wie Darak nun unweigerlich glaubte zurück. Eine angenehm duftende Schüssel auf einem Tablett tragend. Sie stellte es vor ihm ab. Die Tatsache, dass seine neue… sehr… füllige Besitzerin ihn NACKT herumsitzen liess… gab ihm ernsthaftes Kopfzerbrechen. Sie wollte doch nicht… sie… konnte doch nicht… also sie konnte wohl schon aber er würde es definitiv nicht überleben. Ihm schauderte. Diese Frau war doch verrückt. Die Organe in ihrem Keller und diese seltsame Einrichtung hier bewiesen es doch. Er hustete. Begann heftig zu zittern.

Sie wies ihn an den Tee zu trinken. Er konnte sich kaum darauf konzentrieren. Fühlte sich so schrecklich ausgeliefert und konnte nicht einmal die Beine übereinander schlagen um das nötigste zu verdecken.

Er griff zur Tasse und hob sie an. Zitterte dabei so sehr, dass der Löffel darin klirrte und er einen Teil davon verschüttete. Das schwanken nahm zu je näher er die Tasse zum Mund zog. Sein zittern breitete sich über den ganzen Körper aus und er nahm seine andere Hand zur Hilfe. Es nützte nichts. Unverrichteter Dinge stellte er die Tasse wieder aufs Tablett und rieb sich die vibrierenden Hände. Hustete. Fröstelte. Fasste sich wieder an den Kopf – in die Kotze rein.

„Mein Helm…gebt ihn mir… zurück… bitte.“ Säuselte er. Dann plötzlich von einer unglaublichen Zorn gepackt brüllte er auf. Die ganze Schmach, die ganze Erniedrigung er brüllte sie sich aus dem Leib. Verschaffte seiner Seele Luft. Sein Brüllen jedoch erstickte wieder in einem lautlosen Weinkrampf. Es war nicht Valrock selbst den ihn so zornig machte – mehr die Erkenntnis darüber, dass er nun endlich wusste, warum die toten Seelen so nach seinem Leben lechzten… und keine Vergebung zuliessen. Wie auch? Nach all dem… wie hatte er es wagen können… dies zu Verlangen? Er wusste nun wie abgrundtief man einen Menschen hassen konnte… und es bekümmerte ihn irgendwie – dass er selbst auch ein so verachtenswertes Wesen war. Sein Brüllen verstummte wieder und er starrte erneut apathisch vor sich hin. Nun wusste er, warum ihm Elena im Traume sein Herz entrissen hatte. Weil es schlecht war. Nicht dort hinein gehörte.

In ihm floss Erzblut. Es gehörte in die Minen. Dorthin wo sich der Abschaum tummelte. Sonst nirgendwo.

Er starrte auf seine dreckige Hand und wusste nun nicht mehr wohin damit. Zum ersten Mal sah er Alma an. Blickte in ihre Augen. Er sah um Jahre gealtert aus.

„Es hätten mehr sein müssen… mehr Keile…“ Er schauderte ab seinen eigenen Worten. „Es reicht nicht. Mord verjährt nicht…“ Zitierte er Valrock. „Ich habe… wünsche ihm den Tod… so wie… viele… viele Seelen mir den qualvollsten Tod wünschen. Doch dies ist er nicht… es sind zu wenig Keile. Dieser Körper kann auch, wenn man ihn bis zum ende meiner Tage hin foltert – nicht so viele Wunden bekommen wie ich bisher anderen zugefügt habe.“

Er keuchte.

„Ja… es ist wohl rechtens… dass ihr mich nun besitzt.“ Murmelte er. „Soll der Treiber doch zum Sklaven werden.“ Sagte er zerknirscht.

„Aber… bitte… erlaubt mir diese… diese eine Würde… Alma… ich… meinen Helm…ich brauche ihn.“

Es lag definitiv an den Drogen, dass seine schwermütige Zunge so locker sass. Er wusste ja nicht einmal mit wem er es hier genau zu tun hatte und dennoch schüttete er gerade ihr seine düstersten Gedanken aus… und sass in ihrer Wohnung. Nicht wissend wohin mit seiner Hand an welcher Kotze klebte.

Sein Kopf fühlte sich seltsam träg an.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Donnerstag 23. August 2007, 21:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Almas Haus

Beitrag von fremde Frau » Donnerstag 23. August 2007, 23:05

Alma drückte sich in den Sessel. Die Polster ächzten vergeblich um Gnade, wurden von ihren eigenen Polstern erdrückt. Stoff gegen Fett. Alma siegte. Der Sessel gab nach, dehnte sich unter ihren neuesten Fettanlagerungen. Inzwischen versorgte sie ihre Lunge mit Qualm. Irgendwie war es wohl immer so, dass die Prediger sich am wenigsten um sich selbst kümmerten. Rauchen war so ungesund. Alma liebte rauchen. Ihre dicken Lippen legten sich um den Pfeifenmund und zogen daran. Schon stieß sie wieder einen kleinen Rauchkringel aus.

Ihr Blick wanderte zu Darak. Noch immer hockte dieser wie ein Häuflein Elend auf dem Sofa. Erbrochenes tropfte von seinen Haaren auf die Schultern. Eigentlich hatte Alma ihn erst reinigen und dann in ihr Wohnzimmer verfrachten wollen.
Es verlief niemals nach Plan. Sein Weinkrampf hatte ihr Herz erweicht. <b>Der ist total am Ende. Sollte erstmal den Tee trinken. Lindenblüten beruhigen Körper und Geist. Wenn seine Nerven wieder normal ticken, kann ich ihn immer noch sauber machen.</b>
Alma beobachtete ihn, wie er endlich nach der Tasse griff. Gut. Er wollte trinken, ein gutes Zeichen.
Doch schnell stellte sie fest, dass er es nicht schaffen würde, noch lange bevor er richtig anfing zu zittern und die Tasse wieder absetzen musste. Das war nicht nur nervliches Zittern. Ihm war kalt. Unter all den blauen Flecken konnte man die Bläue aufgrund nicht vorhandener Kleidung kaum ausmachen. Jetzt aber erkannte Alma, dass Darak wahrlich auch vor Kälte bibberte. Er hockte da, in sich zusammen gekauert und rieb sich die abgescheuerten Handgelenke und die Hände. Immer wieder stahl sich ein Husten aus seiner Kehle, ließ den geschundenen Körper kurz erbeben.

Da griff Darak mitten in sein Haar, in dem noch immer sein Erbrochenes klebte. Alma konnte ja nicht ahnen, was dieser Irrsinnige von Valrock mit Daraks Helm und dem Mageninneren des armen Soldaten angestellt hatte.
<i>„Mein Helm…gebt ihn mir… zurück… bitte.“</i> Dann schrie er laut auf, brüllte, ließ alles aus sich heraus. Alma hatte im Grunde nur auf diesen Moment gewartet, war aber jetzt, da er sich ankündigte, ein wenig verwirrt.
Doch Darak sprach weiter. Mord verjährte nicht? Mord?!?!
<b>Er ist ein Mörder?! Diese ... HEULSUSE?!</b> Natürlich. Er musste ja etwas angestellt haben, sonst hätte er nicht in den Kerkern gesessen. Und es musste etwas Schreckliches gewesen sein, sonst hätte er nicht auf der Folterbank gelegen. Mord passte da doch ganz gut.

Unter Keuchen gestand er – dieser Mörder namens Darak Luthrokar – sich ein, dass es nun wohl gerecht sei, wenn er Almas "Besitz" würde. <b>Mein Besitz?</b> Die fülige Monstrosität von Alma machte große Augen. Sie beugte sich im Sessel vor. Die Polster ächzten, das Holz knackte bedrohlich.

<i>„Aber… bitte… erlaubt mir diese… diese eine Würde… Alma… ich… meinen Helm…ich brauche ihn.“</i>

"Deinen Helm?!"
Darak hatte keinen Helm besessen, als sie ihn am Boden von Toroks Kammer aufgelesen hatte. Wo könnte der sein? Sicher hatte Valrock den Helm längst verschrottet. "Nun, du hast keinen Helm getragen, als ich dich gefunden habe. Ich hab auch keinen Helm im Haus. Würde es ein ...? Ach, wart mal!" Der Berg von Alma erhob sich. Erleichtert seufzte das Polster des Sessels auf. Wie schnell dieser Pottwal von Frau sein konnte. Schon war sie verschwunden und nur kurz darauf stand sie wieder in der Tür. Hinter ihren Bergen von Speck verbarg sie den rechten Arm. Mit zwei großen, sehr schweren Schritten war sie bei Darak, stand nun hinter dem Sofa. "Aber erst wasch ich dir die KOTZE raus."
<b>Warum tu ich das? Er ist ein Mörder ... Alma, stell dir nicht immer so dämliche Fragen. Bis vor ein paar Stunden war es dein Beruf, Mörder, Vergewaltiger und Verbrecher zu desinfizieren und zusammen zu nähen! Einer mehr oder weniger ... denk dran, du brauchst DEN DA noch!</b>

Alma packte Daraks Kopf, riss ihn nach hinten. "So halten!" Sie konnte ihm in die Augen schauen. Die Augen eines Mannes, der irgendwie sein Selbstbewusstsein verloren hatte. Sie waren so leer, schrecklich leer. Die Augen eines Mannes, der wusste, wie man fremdes Leben beendete. Wie viele hatte er auf dem Gewissen? Seinen Worten von eben nach zu urteilen sehr viele. Es hätten mehr Keile sein müssen?
Alma schnaubte. Sie hatte Daraks Beine gesehen, den Bruch und noch einen, der wohl vor Jahren ausgeführt worden sein musste und nie richtig verheilt war. "Pelgarische Stiefel", brummte sie vor sich her, während sie mit der einen Hand einen Eimer Wasser unter Daraks Kopf hielt und mit der anderen sein Haar auswusch. Dazu verwendete sie ein wohlduftendes Kräutermittel, das den Dreck rasch löste.

Als sie mit Daraks Kopfwäsche fertig war, stellte sie den Eimer zur Seite und sagte: "Augen zu, du!" Dann setzte sie ihm etwas Metallisches auf dem Kopf. Es war kein Helm. Es war ihr kopfgroßer Topf, in dem sie sonst ihre Wäsche aufkochte und wusch. Besser als nichts. Er würde sowieso zurück in den Kerker müssen. Da fiel ihr ein, was er zu ihr gesagt hatte.
Alma umrundete das Sofa, schnappte im Vorbeigehen einer der rosa gefärbten Wolldecken, setzte sich neben Darak, dass sich die Kissenpolster nach innen bogen und legte ihm die Decke um. "Ich bin nicht deine Besitzerin, du Torfkopf! Ich hab dich mitgenommen, weil ich dich brauche! Als BEWEIS. Sobald du wieder einigermaßen wohlauf bist, nehm ich dich mit zum Hohen Rat von Pelgar! Die müssen erfahren, was Torok alles anstellt. Eine ZUMUTUNG ... unter der ich arbeiten musste. Dann kannst du in die Kerker zurück ..." Sie hätte gern noch das Wort <i>Mörder</i> angefügt, aber das hätte Darak wohl endgültig aus der Bahn geworfen. Er musste sich beruhigen. Der Weg zum Hohen Rat war nicht der kürzeste. Unter den derzeitigen Umständen würde Darak ihr schon auf halbem Weg zusammenbrechen. Sie musste ihn erst wieder aufpäppeln. <b>Vielleicht kann ich im Anschluss seine Niere haben.</b>

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 24. August 2007, 02:24

<i>"Deinen Helm?!"</i> Grollte Alma. Offenbar wusste sie nichts davon… aber war das nun inzwischen… nicht auch egal? Er starrte dumpf vor sich her.

<i>"Nun, du hast keinen Helm getragen, als ich dich gefunden habe. Ich hab auch keinen Helm im Haus. Würde es ein ...? Ach, wart mal!"</i>

Wo war er bloss hingeraten? Sein guter alter Helm? Er brauchte ihn. Ohne ihn fühlte er sich so… nackt. Daraks Neugierde hielt sich in grenzen als Alma kurz verschwand und dann wiederkam. Irgend etwas hielt sie in ihrer rechten verborgen. Toll. Er zitterte und starrte wieder zu Boden. Nun wusste sie es also… was er war… wer er war. Seine Herrin wusste es nun. Wenigstens… keine Lügen. Er hatte so oft in seinem Leben gelogen. Doch nun war er ehrlich. Er wusste ja selbst wer er war. Er war geständig. Schon seid Andunie und auf der Folterbank… war er sogar bereit zu büssen. War zum Büsser geworden… und nun? Nach all dem… blieb nur die Erkenntnis, dass jene Art der Busse nicht einmal einen Bruchteil seiner Schuld verzeihen konnte. Alma stampfte hinter ihn. Eine seltsame Aura umwabbelte sie – na ja und noch einiges an Masse mit – seine Nackenhaare stellten sich auf. Natürlich veränderte seine Aussage den Blick auf ihn. Aus dem Opfer war ein Täter geworden. Sein Herz hämmerte wie wild in seiner Brust. Er hatte Angst. Vielleicht trug sie ja ein Messer in der Hand? War das Waschen nur ein Vorwand um ihm schnell die Kehle durchzuschlitzen? Tatsächlich packte sie ihn am Haar und riss seinen Kopf nach hinten. Sein Hals lag frei. „Ja… tut es… na los…wie soll ich den sonst… Busse tun?“

Erneut kreuzten sich ihre Blicke. Darak bereute. Bereute dass er nicht Büssen konnte. Doch es gab nichts was 40 Morde ungeschehen machte. Selbst ein Todesurteil wäre wohl zu wenig gewesen.

Sie tat es. Sie wusch ihm die Haare. Er keuchte. „N-nein.“ Sagte er irgendwie enttäuscht. Dennoch, die guten Düfte – er hatte schon lange nichts mehr gutes gerochen – beruhigten ihn. Ausserdem war sein Körper so träge, dass er im sitzen schnell ermüdete und ihn schläfrig machte. Er atmete erleichtert auf als sich die stinkende zähflüssige Substanz endlich löste und sogar seine Ohren wieder davon befreit wurden.

<i>"Augen zu, du!"</i> Grollte sie ihn an und Darak gehorchte fügsam. Er schloss seine Augen. Verharrte. Spürte wie sich etwas metalliges über ihn herabsenkte. Sein Helm passte wie angegossen – dieser Kochtopf hingegen nicht. Er wusste vielleicht nicht gleich, dass es kein Helm war… aber er wusste, dass es nicht sein Helm war. Es hob ihm leicht vom Sofa ab als Alma sich plötzlich neben ihm niederliess und ihn in die Decke hüllte. Darak wäre früher wohl ausgerastet, wenn man ihn in einer pinken Wolldecke mit einem Kochtopf auf dem Kopf und untenrum nackig in eine Wohnung gesetzt hätte. Genau das war das Problem. Er wäre wohl ausgerastet.

Nun passierte einfach nichts. Er sass da. Dumpf. Abwesend und liess es einfach über ihn ergehen.

Mit zitternden Händen wickelte er sich mehr in die Decke ein. Die Wärme tat seinem Körper gut. Er dankte es ihr schweigend. Sein Knie begann schmerzhaft zu pulsieren und auch der Rest des Körpers meldete sich nun wieder gänzlich. Er ächzte. Biss die Zähne aufeinander und brachte ein dünnes… „danke für eure Mühe… Alma…“ Hervor. Ein Stück dankbarkeit, was er noch von einem alten Leben übrig gehabt hatte.

<i>"Ich bin nicht deine Besitzerin, du Torfkopf!</i> Nun war er verwirrt, doch im gleichen Atemzug sollte er hören, wie seine Zukunft aussah. <i>“Ich hab dich mitgenommen, weil ich dich brauche! Als BEWEIS. Sobald du wieder einigermaßen wohlauf bist, nehm ich dich mit zum Hohen Rat von Pelgar! Die müssen erfahren, was Torok alles anstellt. Eine ZUMUTUNG ... unter der ich arbeiten musste. Dann kannst du in die Kerker zurück ..."</i>

Der letzte Satz katapultierte ihn jetzt schon zurück auf die Folterbank. Wie blass konnte ein Mensch nur werden? SEHR blass. Seine Kehle zog sich augenblicklich zu. Er rang nach Luft – was einen Hustenanfall auslöste. „N-nein… n-nein…n-nicht Valrock… nicht auch noch ein.. drittes mal… nei… NEIN NEIN!!!“ Brüllte er die Tonne an. Lieber würde er jetzt hier vor Ort sterben als noch einmal diesem Sadist ausgeliefert zu werden! Denn Valrock würde ihm die Haut von den Knochen schaben, bis zu seinem letzten kümmerlichen Atemzug… und dann seine Leiche schänden und in ganz Pelgar verteilen – oder gar schlimmeres. „NEIIINNN!!!“ Brüllte er. Er hatte sich in jenem verdammten Moment als er in der kotze dieses Söldners, wimmernd, keuchend ja gar sterbend lag – dazu entschlossen zu Leben! LEBEN! Egal wie sein verfluchtes Leben auch aussehen mochte. Nun lebte er… und keine Zehn Pferde und auch kein Gigant und auch nicht der riesigste fetteste Arsch dieser Welt brachte ihn dorthin zurück!

Seine Panik und seine Wut erweckte ungeahnte Kräfte in ihm. Gefolgt von einem brachialen Urgebrüll packte er nach seinem „Helm.“ Und schleuderte diesen Alma gegen den Schädel – so wäre eigentlich der Plan gewesen, doch seine unglaubliche Schleuderkraft reichte gerade bis auf sein eigenes Gesundes Knie.

Darak starrte entsetzt auf den Helm und dann mit weit Aufgerissenen Augen auf Alma. Panik. Er war nicht bei Sinnen. Das war überdeutlich zu sehen und auch sein Verhalten zeigte dies auf.

Den plötzlich sah er sich selbst wieder Valrock gegenüber. Die Bilder der Folter schossen ihm durch den Schädel. Überfluteten ihn. Die Bilder aller Foltereien die er anderen angetan hatte – plötzlich konnte er sie spüren und nachempfinden. Sein Spezialgebiet; Angst und Schmerz – nun durchlebte er alle Facetten davon auf einen Schlag.

Er schrie auf und riss sich ungeachtet der einschiessenden Schmerzen auf die Beine. Er humpelte gar einige Schritte gen Tür. Sein Überlebenstrieb peitschte ihn immer weiter nach vorn. Er verlor seine Decke. Wie ein wildschnaubender Hund den man prügeln und prügeln konnte und er sich dennoch immer wieder aufrichtete, schritt er auf seinen wackeligen Beinen vorwärts.

Er kam nicht sehr weit, bis die so mühevoll angelegte Schiene brach. Er das Gleichgewicht verlor und umkippte. Sein Knie knirschte verdächtig als er mit ganzer wucht draufprallte. Ihm verschlug es vor Schmerz den Atem. Röchelnd wand er sich am Boden, erbrach sich schliesslich – hatte doch Alma erst gerade alles gesäubert. Sein ganzer Körper verspannte sich. Ja krampfte schon beinahe. Eine Schmerzensstarre widergleichen… unfähig in die Bewusstlosigkeit zu entfliehen. Ein Tier hätte man in diesem Zustand bestimmt Notgeschlachtet.

Er schrie und brachte doch nur ein ersticktes Keuchen von sich. „M-mein Helm… E-lena… geben…“ Brachte er irgendwie über die weissen Lippen. Doch dann kamen sie… die Gestalten…

…Darak konnte nicht gehen… konnte nicht fliehen… vor seiner Schuld….


Dies war der schwere Weg… den er „gehen“ musste. Wieder… und wieder… und wieder… der Weg des Büssers. Des Sünders – des bereuenden Mörders.

Gefangen in seinem Schmerz lag er nämlich auf dem Boden, sich krümmend, brüllend, wimmernd, schreiend, weinend, keuchend. Halluzinierend.
Um ihn herum kamen die von ihm so gefürchteten Gesichter. Sie starrten auf ihn herab. Die Gestalten. Die Opfer. Männer, Frauen und Kinder. Sie brüllten ihn an. Sie traten auf ihn ein. Pein. Schmerz. Folter. Schrieen. Kreischten. „LEBE BASTARD LEBE DAMIT DU TÄGLICH MIT UNS STERBEN KANNS!!! Jauchzten sie und sprachen aus, was Alma aus Rücksicht verschwiegen hatte: MÖRDER MÖRDER!! – Kein Helm der ihn vor diesen Stimmen schützte. –

Darak wand sich ächzte, hielt sich die Brust, denn sein Herz pumpte panisch vor sich her. Da begann er Namen zu schreien… der letzte war Nathaniel. Er war jener… der die Gestalten Anführte… und sie weiter gegen ihn aufhetzte.

Die üblen Klauen des Wahnsinns bohrten ihm Löcher in den ungeschützten Schädel.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. August 2007, 09:58

Alma registrierte Daraks erneutes Zittern und wie er sich in die weiche Wolldecke einwickelte. Noch immer trug er den Kochtopf. Es machte einen mehr als komischen Eindruck. Jeder hätte den zum Krüppel geschlagenen Folterknecht für verrückt gehalten, wie er so dasaß: einen Kochtopf als Helm, eine rosafarbene Wolldecke als Gewand und er selbst inmitten all dieser kleinen, kitschigen Katzen- und Hasenfiguren. Es war zum Schreien.
Doch niemand schrie. Niemand lachte. Niemand spottete. Hier befand er sich in Almas Haus, wo alles möglich sein konnte, ohne dass jemand belächelt wurde. So etwas ließ das Weltengefüge namens Alma nie zu, bei keinem ihrer Patienten. Die hatten es immer schon schwer genug. Darak wurde davon nicht ausgeschlossen.

<i>"Danke für Eure Mühe ... Alma ..."</i>
"Nicht der Rede wert. Das ist ... WAR mein Beruf", gab die Dicke mit leichter Verbitterung in der Stimme zur Antwort. Oh ja, irgendwie vermisste sie es ja jetzt schon, die Kerkerinsassen zusammengeflickt zu haben. Aber Darak war wirklich bei weitem zu viel gewesen, vor allem da sie so lange auf ihren Lohn warten musste. Eine Alma musste auch leben ... und zwar nicht, indem sie ihre Lieblingsstücke ihrer Organsammlung an irgendwelche skurrilen Händler verscherbelte. Sie wollte von dem leben, was sie konnte, was sie gelernt hatte: Organe herausschneiden oder gegebenenfalls wieder so zusammenfügen, dass das Ganze funktionierte.

So sprach sie gedankenverloren vor sich hin und gestand Darak, wofür sie ihn eigentlich brauchte und dass sie ihn anschließend brav in die Kerker zurückbringen würde.
Vielleicht hätte Alma den Psychologie-Kurs doch noch einmal nachholen sollen. Vielleicht hätte sie besser zuhören sollen. Dann wüsste sie nämlich genau <i>vor</i> ihrem kleinen Dialog, dass sie besser hätte schweigen sollen. Nun, sie wusste es – jetzt, <i>danach</i>. Sie wusste, dass es ein Fehler war, als sie Daraks wilde Art, sich zu wehren kennen lernte. Er brüllte flehentlich, oh und wie er brüllte. Seine Stimmbänder kämpften bereits gegen die Heisterkeit an. Noch immer musste seine Kehle ziemlich trocken sein. Er hatte ja weder den Tee getrunken noch von der Suppe gekostet.
Zugleich aber keuchte Darak, als schnürten ihm mehrere Drähte die Luftzufuhr ab. Seine Blässe stieg an, er sah kränklich bleich bis grau aus. Wie ein Leichnam, den man an gewissen Stellen grün und blau geschlagen hatte. ein Zombie mit gebrochenem Bein, rosa Wolldecke um den Schultern und einem Topf als Krone.

Er brüllte Alma an, sie möge ihn nicht zu Valrock bringen. Nicht ein drittes Mal wollte er dorthin zurück. <b>Er lag schon zweimal auf der Folterbank und hat ÜBERLEBT?! Zäher Bursche ...</b>

Da schleuderte Darak auch schon den Kochtopf. Weit flog dieser nicht, landete auf seinem Knie, dass Alma den Schmerz aus den Augen des Mörders ablesen konnte. Darunter mischte sich die kalte Angst um das Wissen seiner verhängnisvollen Zukunft. Angst wandelte sich in Panik und in einen Instinkt, überleben zu wollen.
Ein Schüttelkrampf, wie ihn nur traumatisierte Menschen erleben konnten, packte Darak und ließ ihn zittern. Schäumender Speichel troff aus seinen Mundwinkeln, doch von beidem bekam er nichts mit. Er starrte ins Leere, befand sich irgendwo tief in seinem Kopf und kämpfte dort ... allein.
Schließlich schrie er, riss sich hoch und torkelte so weit es eben ging Richtung Tür. Darak wollte gehen, wollte rennen, wollte fliehen. Alma sprang ihm sofort hinterher, doch in diesem Moment brach die Schiene. Ihre gut zusammengebastelte Schiene klackte einfach auseinander und mit ihr knackte es gefährlich. Darak kippte um, konnte nicht weiter gehen. Nicht mit diesen Beinen.
Stattdessen rollte er nun in irrer Pein über den Boden, bis er sich selbst übergeben musste. Er verkrampfte sich schmerzhaft und schrie wie am Spieß. Zum Glück kannten die Nachbarn es bereits von Alma, dass sie sich manchmal (wenn auch sehr selten) die letzten Überreste von Daraks Folterbank mitnahm und ausschlachtete. Irgendwann verklangen die Schreie und Almas Sammlung hatte sich vergrößert. Aber würde sie nun auch Darak auseinander nehmen? So wie er am Boden herumkrampfte, wäre es vermutlich selbst für ihn das Beste.
Noch immer brabbelte er von seinem Helm, doch ein neuer Name floh aus seiner Kehle: Elena. Alma registrierte dies nur am Rande. Sie stand für einen Moment gebannt da, unfähig sich zu rühren. Nicht aber vor Schrecken, sondern vor Wut.

"Du dämlicher VOLLTROTTEL! Ich sagte dir, du sollst nicht aufstehen und RUMGEHEN! Das hast du jetzt davon!", knurrte sie, dass es einen blutrünstigen Kriegstroll zum Weinen gebracht hätte.
Schließlich schrie Darak Namen, einen nach dem anderen. Es waren ihrer 41 und der letzte lautete Nathaniel. Alma zählte nicht mit, sie hatte Besseres zu tun. Dieser Idiot von einem Mann musste ja ihre ganze Arbeit zunichte machen. Sie brauchte ihn doch noch und zwar möglichst in einem Stück. Der Hohe Rat sollte sehen, womit sie sich abrackern musste. Oh ja, wenn DIE sie jetzt sehen könnten! Darak war ihr mit Abstand bisher schlimmster Patient. Warum? Weil er kämpfte. Er kämpfte ums Überleben.
<b>Warum tut er das? Er weiß doch, dass der Kerker wartet. Ja, gerade deshalb, Alma. Denk doch mal nach! Er will nicht dorthin zurück. Aber er hat es verdient, wenn er ein Mörder ist. Dann solltest du recherchieren...</b>

Darak erwachte. Wo befand er sich? Sein Schädel dröhnte leicht. Er musste Migräne gehabt haben. Im Augenblick pochte es glücklicherweise nur leicht hinter seiner Stirn. Alles war ruhig. Wo befand er sich?
Auf jeden Fall war es angenehm warm. Er lag – wieder einmal. Er lag nicht gerade bequem. Etwas umfasste seine Hand- und Fßgelenke. Leichtes Zerren verriet, dass ihn jemand mit Lederriemen fixiert hatte. Alma?
Lag er etwa wieder bei ... Valrock auf der Folterbank? Nein, das hatte ihm diese fette Kuh doch nicht antun können! Und sein Helm! Er trug ihn nicht, spürte nicht das Gewicht des Metalls. Stattdessen fühlte er, dass sein Kopf von Weichheit umgeben war. Diese stand stark im Kontras zu den Riemen, die seine Arme und Beine festhielten. Nur ein Bein schien nicht befestigt – sein gebrochenes. Es ragte in die Höhe, er fühlte es, doch es wurde von etwas gehalten. Leicht pulsierte der Schmerz darin. Darak lebte noch.

"He, er wacht auf!", brummte eine tiefe, kratzige Stimme. Darak kannte sie. Knastbruder, Minenbruder ... es war Torok! Oh nein, er befand sich <i>doch</i> in Valrocks Gewahrsam. Lag er etwa wieder in Toroks Kammer, umgeben von kaltem Stein und diesen vielen kleinen Messern?!

Er konnte nicht länger da liegen, ohne zu sehen, was vor sich ging. Seine Augen fixierten zuerst Torok, der direkt vor ihm stand. Der Foltergehilfe schaute aber nicht auf Darak herab, er sah nach rechts. Darak erkannte rosa Spitzenvorhänge. Hinzu gesellte sich das schwache Licht der Abenddämmerung, welches durch ein Fenster hineinfiel. Direkt daneben stand ein kleiner Schminktisch und gegenüber, an der Wand, befand sich ein mannshoher Schrank, auf den jemand Blütenornamente gemalt hatte.

Darak lag in einem übergroßen Bett. Weiche, weiße und rosafarbene Laken wickelten ihn in wohlige Wärme. Sein Kopf ruhte auf einem gigantischen weißen Kissen, auf dem auch ein kleiner gehäkelter und ausgestopfter Hase hockte. Er war blau.
Auf einem Nachttisch neben dem Bett standen eine große Kanne und eine Tasse. Direkt neben Torok, der ebenfalls stand. Aber er war nicht allein. Diese Masse hätte man auch unmöglich übersehen können. Alma erhob sich. Ein kleiner Hocker ächzte dankbar auf, als er um ihre Gewicht erleichtert wurde.

"So, der Patient ist wieder wach." Sie trampelte ans Bett. "Diesmal hab ich dir keine Dro– öh.. Medikamente gegeben. Die führen bei dir ja nur zu ÜBERREAKTIONEN. Aber ich hab was Anderes getan, damit du endlich RUHE gibst." Sie drehte sich zu Torok, was relativ lange dauerte, wenn man bedachte, wieviel Alma sich drehen musste. "Hast du getan, worum ich dich gebeten habe?"
Torok wirkte kleinlaut. Vermutlich wirkte jeder so, wenn Alma ihn um etwas bat. Die Alternative zum Ja hieß bei ihr nämlich immer eine Niere weniger. So nickte der Koloss nur und zeigte etwas vor. "Hab's sogar sauber gemacht."
"Ser schön! Geh und nimm dir ein Ingwerplätzchen von dort drüben." Torok machte zwei große Schritte auf den Schminktisch zu. Alma drehte sich erneut. Etwas Metallisches kam in ihrer Hand zum Vorschein, schob sich in Daraks Blickfeld. Es war ein Kopf aus Metall. Er besaß Hörner. Es war ...
sein Helm!

"Zufrieden?!" Alma setzte ihm sein Allerheiligstes auf. "Dann musst du nicht selbst in die Kerker zurück. Ich nehm dich aber immer noch mit zum Hohen Rat. Sollen die entscheiden, was mit dir passiert. Mir soll's egal sein." Sie zog sich den Hocker heran, der panisch und wehleidig knarrte, als ihr breiter Hintern darauf niedersank. Alma zündete sich ihr Pfeifchen an, paffte. "Tee?", fragte sie Darak und deutete auf die Kanne neben dem Bett.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 24. August 2007, 18:47

Die Minuten wurden für ihn zu Stunden. Sie waren dem Pein geweiht. Er wand sich, schrie, keuchte, zitterte…

Schwärze. Gefühllosigkeit… nur ein feines pulsieren in seinem Knie. Er glaubte zu schweben, doch nicht so leichtfüssig wie er sich schweben vorstellte. Eher getragen. Ja. Er wurde getragen. Wohin? Er wusste es nicht, da ihm überhaupt nichts mehr „be“wusst war.

Die abklingenden Wehen seiner Migräne weckten ihn aus seinem traumlosen Schlaf. Er keuchte. Spürte den weichen Untergrund. Wo war er? Wohltuende Wärme bedeckte seinen nackten Körper – hüllte ihn ein. Nur sein Kopf war der Aussenwelt schutzlos ausgeliefert. Er hustete schwach. Sein Hals kratzte. Er wollte seine Hand auf ihn legen, doch da spürte er den widerstand den sein Gelenk auf die Matratze zwang. Er riss daran, auch am anderen. Er war festgebunden! Lederriemen hielten ihn zurück!

Darak wurde unruhig. Bekam Angst. Die Folterkammer? War er wieder bei Valrock oder bei diesem Torok? Hatte Alma ihr Vorhaben bereits durchgesetzt und ihn zurückgebracht in jene Hölle? Er versuchte seinen Fuss zu heben – auch der war festgebunden. Nur sein gebrochenes, pulsierendes Bein war scheinbar frei, jedoch hochgelagert. Sein Knie… er erinnerte sich an den Sturz. Es hatte geknackt…doch noch schmerzte es. Es war noch da. Er war noch da.

Langsam öffnete er seine müden Augen… und erstarrte vor Angst. Vor ihm stand Torok. Unweigerlich begann sein Körper wieder heftig zu beben und zu zittern. Schweiss rann ihm über die Stirn. Diese Hölle wollte einfach nicht mehr enden! Er wand sich. „N-nein…“ Mumrelte er erschöpft. Dennoch sein widerstand war noch ungebrochen – sein Lebenswille noch stark. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Darak folgte Toroks Blick und sah, dass er wohl immer noch in Almas Haus sein mussten. Valrock würde sich kaum rosa Spitzenvorhänge vor die Gitterstäbe hängen… obwohl… Valrock nannte Hünde „Samtpfote“ und machte Tänzchen.

Er sah in die Abenddämmerung. Er hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen war… und was mit ihm geschehen war. Das letzte an was er sich erinnerte waren diese Gestalten… ihm schauderte.

„W-was ist… passiert…w-was?“ Sprach er mit brüchiger, heiserer Stimme. Er zog an den Fesseln. Starrte seinen Knastbruder verstört und ängstlich an. Er wand seinen ungeschützten Kopf in dem grossen Kissen. Dann erblickte er Alma. <b>Was… wie komme ich hierhin… was hat sie getan? Die Schmerzen… wie… hat sie sie… besiegt ich… was tut sie nun?</b> Dachte er träge.

Da walzte diese Frau auch schon an Darak heran. Er wusste nicht ob er sie mögen oder hassen sollte… er wusste nur, dass er sie fürchtete. Schliesslich war sie schlichtweg Gigantisch. Einerseits hatte sie ihm am Leben gelassen, obwohl sie nun wusste wer er war… doch… was hatte sie noch mit ihm vor?

<i>"Diesmal hab ich dir keine Dro– öh.. Medikamente gegeben. Die führen bei dir ja nur zu ÜBERREAKTIONEN. Aber ich hab was Anderes getan, damit du endlich RUHE gibst."</i>

Daraks Hirn war noch immer nicht sonderlich aufnahmefähig. Die Eindrücke und Informationen prasselten in hohem Tempo auf ihn ein. Er hatte mühe sich zu konzentrieren, da die Müdigkeit sehr gross war. „M…medikamente? Über…reaktionen?“ Nuschelte er angestrengt .

<i>Aber ich hab was Anderes getan, damit du endlich RUHE gibst."</i> Darak erstarrte. Sein Herz raste. Was hatte sie getan damit er Ruhe geben würde? Ihn vergiftet? Ihn für die Ausschlachtung vorbereitet? Er zitterte wieder. Er sah wie sie mit Torok sprach. <b> Was hat sie IHN denn gebeten? Nein! Nein… bitte nicht! Nein!</b>

Er bibberte. Seine Schläfen pulsierten vor Angst. Er wand sich, zerrte an den Riemen. Er hörte nicht mehr zu sondern starrte panisch auf Alma, die sich gerade umwandte und dann… sah er…

Seinen Helm! SEINEN HELM! „M-mein… M-mein… Helm!“ Hauchte er und wollte die Hände danach ausstrecken, doch dies wurde ihm durch die Fesseln entsagt.

Darak erstarrte. Riss ungläubig seine Augen auf – sie leuchteten kurz vor Wiedersehensfreude auf. Es war eigenartig wie dieser Mann, der selbst Schrecken ausbreitete – sie aber auch erfahren hatte – sich so an diesem metallernen Klotz erfreuen konnte. Ja. Darak war sichtlich erleichtert. Anspannung fiel von seinem Gesicht. Es schien so als hätte er für einige Sekunden alles um ihn herum vergessen.

Seine Augen wurden wieder feucht als sie ihm seinen Helm überstülpte. Denn er war das einzige was er besass… was wirklich ihm gehörte. Na ja… Elena… Er wurde ruhig. Entspannte sich komplett. Wie gern hätte er gelächelt.

Doch er wusste nicht mehr, wie dies ging. Dennoch. Darak Luthrokar… hatte seine Würde wieder gefunden.

„M-mein Helm… mein armer Helm…“ keuchte er. Ja er hatte ja recht. Sein Helm musste einiges an Kotze halten. Eine Schändung für welche Valrock… Darak schauderte als er nur an ihn dachte… büssen würde.

<i> "Zufrieden?!"</i> Darak nickte. „Danke…danke…m-mein Helm… danke…“ Hauchte er aufgeregt. Er war ihr wahrlich dankbar für diesen grossen Akt der Gnade. Er fühlte sich nicht mehr so nackt. Nicht mehr schutzlos – obwohl er es in Tat und Wahrheit eigentlich immer noch war.

<i>"Dann musst du nicht selbst in die Kerker zurück. Ich nehm dich aber immer noch mit zum Hohen Rat. Sollen die entscheiden, was mit dir passiert. Mir soll's egal sein."</i>

Schaudert. „Sie… werden mich doch sowieso wieder…“ Blass wird. Vor sich hinstarrt.

Das Trauma sass tief.

Sie fragte ihm nach Tee. Er rührte sich nicht. „ich… will… nicht sterben…“

Das er nicht sterben wollte war offensichtlich, sonst hätte er wohl kaum überlebt – trotz Almas medizinischen Kenntnisse. Sein Wille hatte den nötigen Restbeitrag geleistet. Seine Sturheit. Ein zäher Bursche eben.
„ich… kann nicht busse tun… zu viele… und dann auch noch…“ <b> Kinder</b> Er schluckte leer und schloss seine Augen -ihm war das Trinken gänzlich vergangen. Der hohe Rat würde ihn wohl zerfetzen, wenn sie über seine Taten informiert waren.

Er schluckte leer.

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Re: Almas Haus

Beitrag von fremde Frau » Freitag 24. August 2007, 22:22

Alma erinnerte sich. Sie war jünger gewesen, deutlich jünger – und dünner. Da hatte sie das letzte Mal solche Augen gesehen. So Freude strahlende Augen, und es war aufrichtige, ehrliche Freude gewesen. Damals war es ihr jüngstes von fünf Kindern gewesen, das sich über alle Maßen gefreut hatte. Und das nur, weil sie dafür gesorgt hatte, dass die Kleine ein neues Paar Schuhe bekam.
Als Darak mit funkelnden Augen seinen Helm anschaute, erinnerte sich Alma wieder daran – und es erwärmte ihr Herz.

<i>„Danke…danke…m-mein Helm… danke…“</i>
<b>Und sowas wie DER soll ein Mörder sein?</b> Alma wollte es kaum glauben, aber es musste wohl stimmen. Was hätte er sonst in den Kerkern verloren gehabt?
Irgendwie neugierig und zugleich zufrieden, dass er sich endlich beruhigt hatte, saß Alma auf dem Hocker und betrachtete den Mann in ihrem Bett. <b>Wenn er mir DA rein kotzt, schleif ich ihn persönlich wieder in meinen Keller!</b>

Doch die Freude blieb nur kurz zu Gast. Rasch sprang sie auf und machte sich wieder davon, denn Erschrecken und eine ungute Vorahnung betraten den Raum. Sie wählten die große Tür namens Darak, durch die sie in letzter Zeit nur allzu oft geschritten waren und hinterließen eine Gänsehaut, die Darak zum schaudern brachte.

<i>"„Sie… werden mich doch sowieso wieder…“</i>
Erneut ermatteten seine Züge. Blässe stieg hoch, ließ ihn unter dem Helm ganz eingefallen und kränklich aussehen. <i>"Ich ... will ... nicht sterben ... ich… kann nicht Buße tun … zu viele … und dann auch noch…“</i>
Alma schaut ernst auf ihren Patienten. Torok hatte ihr ja erzählt, was Valrock alles mit ihm angestellt hatte, doch da musste noch mehr sitzen. Vage erinnerte sie sich an sein Flehen. Er wollte nicht wieder zu diesem Folterer ... nicht zum dritten Mal. <b>Was hat er mit dir beim ersten Mal alles gemacht?</b> Darak war ein traumatisches Wrack ... und noch immer lag er gefesselt und nackt in Almas Bett. "Das sollte nicht so sein." Die lebende Walze wandte sich an Torok. "Schnapp dir Geld aus meiner Keksdose in der Küche und dann suchst du einen Schneider auf. Tret ihm die Tür ein oder sonst was, aber sorg dafür, dass du mit einem Paar Hosen und einem Hemd zurück kommst."

Torok brummte nur. "Für den da?!", fragte er und sein Auge fixierte Darak. Alma nickte. "Glaubst du, ich schleppe ihn nackt vor den Hohen Rat? SO verrückt bin ich nun auch wieder nicht. Und jetzt spute dich, ehe sich die faulen Säcke von Schneidern in ihre Betten bequemen!"
Torok machte sich aus dem Staub. Alma seufzte auf. "Endlich ist er weg. So ein dummer Kerl, viel zu SCHWER von Begriff. Ich bin wenigstens NUR schwer!" Grinsend sah sie zu Darak. "He, das sollte nur ein Scherz sein. Kein Grund, so mies zu gucken." Das sagte gerade die Richtige, wo doch Almas Mundwinkel eine ewig währende Liebesbeziehung mit der Schwerkraft zu führen schienen.

Sie griff zur Kanne und schenkte Tee ein. Dann hielt sie Darak die Tasse mit dem dampfenden Gebräu an den Mund. "Kopf hoch, du. Die wissen schon, was du angestellt hast. Aber sie werden auch erfahren, was VALROCK angestellt hat. Ich liefere denen vom Hohen Rat einen satten BERICHT. Mich nicht BEZAHLEN wollen, das sieht Valrock ähnlich. Aber dem werd ich's zeigen, ha! Ich komm schon noch an mein Geld ... oder seine Nieren. Und jetzt trink! Dann erzählst du mir, wie du in den Knast gekommen bist. Weißt du, ich bekomme selten Gelegenheit, mit denen zu plaudern, deren Organe ich wieder zurechtrücken muss."

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 25. August 2007, 13:23

Wieder bibberte der Mann der früher von sich behauptet hatte, dass er niemals angst haben würde. Niemals schwächlich, niemals weich sein würde. Valrock hatte ihn praktisch zu Butter geschlagen. Sein Nervenkostüm und sein Selbstbewusstsein waren einfach dahin geschmolzen. Die Verletzungen an seinem Stolz und seiner Würde standen ihm noch tief in den Knochen – besonders in jenem einen zertrümmerten. Pelgarische Stiefel.

Diesmal jedoch musste er nicht in die Minen, musste nicht auf seinen kaputten Beinen stehen – Darak erinnerte sich, dass man ihn kurz nach dem brechen der Knochen stehend an die Wand gekettet hatte so dass sich die Knochen durch die Belastung auf die Seite verschoben hatten. Es war schrecklich gewesen, denn auf diesen Beinen musste er danach in der Eisenmine stehen und Erz schürfen. Natürlich war ein Mann der nicht gehen konnte ein ideales Opfer für andere Häftlinge die sich irgendwie selbst bereichern wollten. Man stahl ihm sein Essen, stahl ihm die dreckige Decke, welche allen Gefangenen zugesprochen wurde, man verprügelte ihn trat ihm auf die Beine und dann… zu Beginn… benutzten sie den kräftigen aber viel zu zarten, verdammten Mönch zur Befriedigung ihrer Triebe.

Doch Darak lebte. Überlebte, wurde gar von Tag zu Tag kräftiger. Ackerte sich auf den Minen Muskeln an und… er begann zu morden. Näherten sich die Mithäftlingen so schlug er sie mit dem Pickel nieder, oder erwürgte sie kaltblütig. Er hatte so viel Hass aufgebaut auf sich, die Welt und diese Mine, dass er nur noch frieden im töten anderer gefunden hatte. Irgendwann wurde aus dieser Not… sein Talent und aus seinem Talent schliesslich – nach der Entlassung ein Mörder und Folterer. Denn ausser Erz schürfen, war dies alles, was er noch konnte. Nein, nicht ganz alles, er konnte nämlich auch wieder gehen. Doch nun. Über 15 Jahre später, schien er wieder am gleichen Punkt zu stehen. Ihm schauderte es. Fürchtete, dass ihm wieder dasselbe Schicksal drohte. Er wusste nichts über den Hohen Rat, doch er kannte Pelgar, was scherte sich diese Stadt um einen Serienkiller? Er war nur ein unnötiges Übel welches bestmöglich von der Erde vertilgt werden sollte und Pelgar… diese Stadt, hatte alle Mittel dies zu tun.

Daraks innere Schutzwalle waren allesamt eingebrochen worden und lagen in Schutt und Asche. Gar der Hahn der Tränen sass bei ihm locker. Sein Körper war wie ein Schwamm der all den Schmerz und die Qual in sich aufgesogen hatte. Jeder einzelne Nerv, jedes Organ speicherte die Erinnerung an den Schmerz in sich und jedes Mal, wenn von Kerker oder Folter die Rede war, durchlebte er den Schmerz noch mal.
Trauma.

Es war ihm als hätte er in seinem Kopf den Zugang zu seiner düstersten Bibliothek gefunden, wo das reinste Chaos herrschte. Einige der friedvollen Bücher, die Geschichten über Glück und friedliche Tage, über Liebe berichteten, waren aus den Regalen herausgerissen worden um den dicken einst verschollenen Bänder des Schmerzes zu weichen. Sie waren stets da gewesen, doch Darak hatte sie mühevoll in den tiefsten Winkel seines Verstandes verbannt. So dass selbst die Erinnerung danach verloren ging. Doch sie waren immer da gewesen und nun beanspruchten sie ihren Platz in der Bibliothek seiner Erinnerungen. Direkt neben jenen Bändern, stand ein riesiges einzelnes Buch, goldig, schön doch es fehlten Seiten, viele Seiten war abgegriffen und angebrannt, teils zerrissen. Es war sein Glaube. Von welchem nur noch Fetzen übrig waren.

Er starrte an die Decke. Seine Augen starr, glasig als würden sie Stumm erzählen wollen was er gerade vor seinem inneren Auge sah. Er schloss sie schliesslich. Sein Zittern hatte zugenommen. Irgendwie war er froh um die Fesseln, er hätte am liebsten getobt und geschrieen doch auch dies hätte ihm wohl nicht geholfen. So lag er da, ruhig, jedoch zum zerreissen Gespannt.

Almas grollende Stimme holte ihn zurück ins hier und jetzt. Sie sprach mit Torok, wies ihn an ihm Kleider zu besorgen.

„A-aber ich habe kein Geld mehr… es liegt im Kerker… ich… kann euch nicht bezahlen…“ Stammelte er vor sich her. Er hatte ja inzwischen genug oft mitbekommen wie wichtig Alma ihre BEZAHLUNG war.

Er spürte den Blick von Toroks Auge auf seinen. Er hatte es auf der Folterbank einfach angenommen – dass sie diesem Mann das Auge genommen hatten zur Strafe. Sicher konnte er sich dabei jedoch nicht sein, dennoch irgendwie spürte er eine seltsame Solidarität mit ihm. Immerhin teilten sie ein Schicksal welches nur wenige hatten, denn die Eisenminen überlebte man nur schwer.

<i>"Endlich ist er weg. So ein dummer Kerl, viel zu SCHWER von Begriff. Ich bin wenigstens NUR schwer! … He, das sollte nur ein Scherz sein. Kein Grund, so mies zu gucken."</i>

Darak schluckte leer. „Er… hat die Eisenminen Pelgars überlebt… das… hinterlässt Spuren.“ Sprach er leise. Schluckte leer und schwieg.

Alma nahm die Tasse Tee zur Hand und hielt sie Darak hin. Er hob seinen Kopf und trank dankbar von dem Gebräu, seine Kehle war trocken und ausserdem hatte er noch immer den Geschmack seines Blutes und Erbrochenen im Mund gehabt.

<i>"Die wissen schon, was du angestellt hast.“</i> Er starrte Alma an. Genau das war ja eben sein Problem, sie wussten es. Alma nicht. „Ihr… ich… eben wissen sie es…“ Keuchte er ängstlich.

<i>„Aber sie werden auch erfahren, was VALROCK angestellt hat. Ich liefere denen vom Hohen Rat einen satten BERICHT.“</i> Er trank weiter von Tee. Doch bei jenen Worten sah er auf. „Ich.. ich glaube sie werden begrüsse… was Valrock getan hat…“ Säuselte er leise.

<i>Mich nicht BEZAHLEN wollen, das sieht Valrock ähnlich. Aber dem werd ich's zeigen, ha! Ich komm schon noch an mein Geld ... oder seine Nieren. Und jetzt trink! Dann erzählst du mir, wie du in den Knast gekommen bist. Weißt du, ich bekomme selten Gelegenheit, mit denen zu plaudern, deren Organe ich wieder zurechtrücken muss."</i>

Er trank noch einwenig. Jedoch mochte er nicht mehr als die Hälfte der Tasse trinken bis er bereits genug hatte. Ihm war Übel. Er fürchtete sich vor dem Hohen Rat und auch vor Alma. Sie war viel zu fürsorglich für einen Killer wie ihn und er musste davon ausgehen, dass sie nichts über seine Verbrechen wusste – im Gegensatz zu Valrock.

„Ich… das ist eine lange Geschichte… ich weiss nicht wo ich beginnen soll und ich glaube nicht… dass ihr dies hören wollt… ich sitze nicht zu unrecht hinter Gittern sondern ich wandle zu unrecht im Freien… und wenn ich dies tue dann…“ Er schluckte leer. Sah Alma in die Augen. „Ich bin selbst Foltermeister, Sklaventreiber und Mörder.“ Brachte er in einem schwermütigen Satz heraus. „Ich bin weit schlimmer als Valrock und ich habe unzählige… Menschen auf dem Gewissen. Einst war ich… Mönch… doch in einer Rangelei erschlug ich einen anderen. So wurde ich zum ersten Mal hier nach Pelgar gebracht, wo Valrock mir die Beine brach und ich in die Eisenmine geschickt wurde. Dort… es war ein schrecklicher Ort… Voller Gewalt und Pein. Ein täglicher Kampf ums überleben. Ich habe dort aus Not gemordet – Häftlinge Verbrecher…, denn sonst hätten sie mich getötet… ich… es bedeutete mir irgendwann nichts mehr. Menschen bedeuteten mir nichts mehr. Das Töten war plötzlich so leicht geworden. Als ich entlassen wurde… da wurde ich Sklaventreiber, ich hab gefoltert Menschen entwürdigt, deren Willen gebrochen und sie schliesslich verkauft. Männer… Frauen… K-…“ Er schluckte leer.
Schauderte.

„Für dreckiges Geld hab ich dies getan, Geld das mir nichts bedeutete. Ich wäre ewig auf diesem Pfad weitergewandelt hätte ich in der Stillen Ebene nicht… Elena getroffen. Eine Frau so stark und schön, ein wildes Wesen mit Haaren wie Feuerzungen. Sie hat mich in ihr Herz eingeschlossen und ich sie in meins. Doch ich hab ihr nur Unglück gebracht. Wir wurden Verhaftet. Sie wusste anfänglich nichts von den Morden. Ich habe sie belogen. Ich habe mich für jemanden anderes ausgegeben. Im Kerker von Andunie… traf ich ein zweites Mal auf Valrock. Er kannte mich noch… und… hat mich beinahe zu Tode gefoltert.“ Er pausierte kurz. Schloss seine Augen. Irgendwie tat es ihm gut zu erzählen. Er wusste, wie schrecklich er war. Doch er wollte Alma nicht belügen. Er hatte ohnehin keinen Grund mehr zu Lügen, entweder erfuhr sie es jetzt von ihm… oder später vom Hohen Rat.

„Oh wäre es ihm dort gelungen!“ Knurrte er leise. „Der Hauptmann von Andunie konnte den Mord an mich verhindern er liess mich behandeln und ich… gestand ihm. Gestand ihm alles. Alle Morde 41 an der Zahl. Er wollte mich decken. Wollte mich nicht ausliefern. Hatte wohl ein schlechtes Gewissen wegen der Folter. Doch dies… war falsch… und ich… die Seelen meiner Opfer… die Stimmen sie forderten endlich nach Genugtuung. Nach Rache. Nach Busse. So gestand ich auf dem Platz von Andunie und man führte mich ein weiteres Mal ab. Verurteilte mich zum Tode. Ein ungerechtes Urteil… denn es kam für mich einer Gnade gleich.“

Elena und der Hauptmann befreiten mich durch eine List am Tag der Vollstreckung. Sie flössten mir den Trank der Totenstarre ein und versenkten mich im Meer. Sie retteten mich und wir flohen in die Stille Ebene. Sie selbst ist Kristallträgerin gewesen und es gab dort einen Kampf gegen Faldors Schergen. Wir konnten ihn besiegen, mir war Celcia egal… ich wollte nur meine Elena schützen. Da kam der Kommandant und betäubte uns. Mich hat er mitgenommen – vermutlich weil die Flucht aufgedeckt wurde – ich weiss es nicht. Elena liess er zurück. Ich hoffe… sie… kann mich bald vergessen und einen anderen… Besseren finden.“ Er schwieg. Nun war es raus. Zumindest einen Teil von dem was er getan hatte.

„Ich will nicht sterben… es wäre… nicht Busse genug.“ Endete er schliesslich und sah Alma an.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. August 2007, 17:07

<i>„A-aber ich habe kein Geld mehr… es liegt im Kerker… ich… kann euch nicht bezahlen…“</i>
Alma winkte ab. Dann tätschelte sie auf die Decke, dort, wo Daraks Nieren sein mussten. "Ich komme darauf zurück", grinste sie vielsagend. Auf seine Aussage bezüglich Torok reagierte sie zunächst nur mit einem Schnauben. <b>Eisenminen, was? Ja, da gehören die Mörder hin. Die wirklich schlimmen Mörder und harten Verbrecher.</b>
Sie zog ihre Hand weg. Alma wurde immer mehr bewusst, welche Art von Kerkerinsassen sie da in ihrem Bett liegen hatte. Nach außen hin war sie die Ruhe selbst. Ein Berg. Nichts konnte einen Berg erschüttern.
Innerlich aber war sie umso beruhigter, dass sie Darak ans Bett gefesselt hatte. Anfangs nur zu seiner eigenen Sicherheit, damit er nicht wieder unberechenbar aufsprang und versuchte, zu flüchten, sich aber nur selbst verletzte. Jetzt wohl ... zu ihrer eigenen Sicherheit. Alma kannte diesen Mann nicht, kannte seine Verbrechen nicht, wusste nur, dass er ein Mörder war. Er musste ein kaltblütiger Mörder sein, wenn er die Eisenminen nicht nur kannte, sondern auch überlebt hatte – wie Torok.

Sie flößte ihm dennoch Tee ein, noch immer war er in gewisser Weise ihr Patient. Sie brauchte ihn noch. Ohne Beweisstück D – wie Darak – hatte es keinen Sinn, überhaupt zu versuchen, vor den Hohen Rat zu treten. Wahrscheinlich würde sie mal wieder nur bis zum Kommandanten vorgeladen, und der schmiss sie jedes Mal hochkantig raus. Ja, ER bewegte selbst Berge!
Es war ja nicht das erste Mal, dass Alma einen Beruf aufgab und woanders neu anfing. Niemand arbeitete freiwillig in den Kerkern. Nur nachdem sie schon in Eldar und Andunie, sowie beim pelgarischen Heiler und sogar einer Kräuterkundigen keinen langen Erfolg verzeichnen konnte, hatte sie in ihrer Not die Kerker gewählt.

Alma stellte die Tasse zurück. Die Hälfte des Inhaltes hatte Darak brav getrunken. Sie musterte ihn. <b>Mörder...</b> Ihr Blick war kalt, dennoch sprach sie das Wort nicht aus. Sie wusste, was sie damit hätte erreichen können. All ihre Kerkerpatienten zuckten zusammen, wenn sie sie bei ihrem Namen nannte. Bei dem Namen, der sie in die Verliese gebracht hatte aufgrund der gleichnamigen Tat. Irgendwie wirkten sie in Almas Gegenwart niemals wie die größten Schwerverbrecher Pelgars. Sie waren in sich zusammengesunken, blass, ausgelaugt und mit Blutergüssen übersät. Alles bislang gebrochenene Männer.
Einmal war eine Frau dabei gewesen. Sie hatte nicht einmal mehr die Behandlung überlebt. Verfiehl dem Wahnsinn, da schlug Valrock vor, ihr den Schädel einzuschlagen. Alma hatte ihr damals eine Überdosis Rauschmittel gegeben. Sie hatte wenig Lust gehabt, auch noch ein zerschlagenes Hirn wegzuwischen.

Da begann Darak endlich zu erzählen. Und was er alles zu sagen hatte. Alma legte es ja ursprünglich nur auf eine Plauderei und nicht auf ein Geständnis an. <b>Wenn der Hohe Rat von all dem weiß ...</b> Sie lauschte. Darak begann zu erzählen. Von seinem Dasein als Mönch, seinem ersten Mord, der Zeit in den Minen, von seiner Berufung und einer Frau namens Elena, die ihm laut seinen Worten mehr bedeuten musste als sein Leben – oder dieser verflixte Helm.
Alma schwieg, lauschte. Erst als er erwähnte, wer alles unter seine Opfer fiel – Frauen und Kinder – schnaubte sie kurz, starrte ihn an. <b>Kaltblütiger Mörder!</b> Dass er im Gegenzug beinahe zu Tode gefoltert worden war, machte diese Sache in Almas Augen nicht wett.
Nur die Sache mit dieser Elena ... <b>Jaja, jetzt bereust du!</b> Alma irrte. Darak bereute vielleicht, aber konnte doch nocht. Konnte keine Buße tun, so glaubte er. Seine Taten waren zu groß, um jemals dafür Rechenschaft ablegen zu können. Dies würde auch der Hohe Rat erkennen und ihn wieder einbuchten. Wenn sie ihn nicht gleich in aller Öffentlichkeit hinrichten ließen.

<i>"Elena ließ er zurück. Ich hoffe … sie … kann mich bald vergessen und einen anderen … Besseren finden. Ich will nicht sterben… es wäre… nicht Buße genug."</i>

Seine Augen ruhten auf Alma. Die Augen eines Mannes, der alles war: Mönch, Mörder, Sklaventreiber, Folterer und zum Schluss selbst Gefolterter. Ein Verbrecher auf der Flucht. Aber interessierte dies Alma?
Sie war kein gefühlskalter Mensch, doch Darak Luthrokar hatte eine Menge Menschenleben frühzeitig beendet. Skrupellos, gnadenlos ... und jetzt hoffte er selbst auf Gnade. Kaschierte den Wunsch nach Leben damit, dass er büßen wollte. Büßen im Leben, denn in seinem Tod konnte er dies nicht.
Wie viele Menscen wünschten jedoch seinen Tod und zählte Alma auch dazu?

"Du kannst noch nicht gehen, dein Bein ist noch zu stark verletzt. Aber ich muss dich jetzt aus meinem Haus bringen." Ihre Stimme. Der Berg ... klang hohl und monoton. Alma erhob sich. Wortlos verließ sie das Zimmer, ließ Darak einen Moment lang allein zurück.
Aus dem Moment wurden Minuten, aus Minuten Stunden.
Schließlich öffnete sich die Tür wieder, aber es war nicht Alma, die zurückkehrte. Es war Torok.

"Minenkamerad ... Erzbruder ...", brummte er und kam auf das Bett zu. Wie riesig er war. Zwar maß Darak mit seinen 1,90 m Körpergröße schon viel auf, aber Torok überragte ihn mindestens noch um zwei Köpfe mehr. Kein Wunder, dass er sich in Almas Haus immer leicht bücken musste, wenn er durch eine Tür wollte. Alma war im Gegensatz zu den beiden Männern eher ausmaßend in die Breite gewachsen.
"Ich ... soll dich abholen", knurrte Torok. Schon machte er sich daran, die Lederriemen zu lösen, die Darak ans Bett fesselten. Es dauerte seine Zeit, denn Torok war in dieser Hinsicht nicht der Geschickteste. Kleine Fummelarbeiten lagen ihm ganz und gar nicht. Schädel einzuschlagen oder glühende Eisen an Körperteile zu halten zählten nun einmal nicht zu Aufgaben, bei denen man mit Fingerspitzengefühl herangehen musste.
Schließlich aber bekam er Darak los. "Ich trag dich, also zappel nicht, sonst hau ich dich tot – oder nehm dir den Helm ab, wie Alma vorgeschlagen hat." Er packte Darak weitaus vorsichtiger als die Dicke es getan hatte. Sorgsam legte er sich den Mann über die Schulter und stapfte aus dem Zimmer. Er brachte Darak ins Wohnzimmer, das er schon zur Genüge kannte.
Jemand hatte die Kotze aufgewischt. Kleidung lag über der Lehne des Sofas. "Soll ich dir anziehen helfen?", fragte Torok und setzte Darak ebenso vorsichtig auf dem Sessel ab, der zur Abwechslung einmal nicht unter dem Gewicht zu leiden hatte.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 25. August 2007, 20:10

Die Blicke der beiden Menschen ruhten aufeinander, Mörder und Heilerin sahen sich tief in die Augen und schwiegen.

Wieder eine Seele mehr, die er mit seinen Taten belastete. Alma hatte ihn gerettet. Den Mörder am Leben erhalten. Vielleicht setzte sie so den Grundstein für das fortschreiten Daraks blutiger Liste von Opfern? Jene Liste auf welche er einst auch Thomas, Elwin, diese Eismagierin, deren Namen er sich nie merken konnte, Valrock und Hauptmann Zitter gesetzt hatte? Nun waren viele Namen daraus gestrichen… nur noch einer stand da… und dieser eine Name war der Beweis dafür, dass sie noch da war. Solange sein Herz schlug, würde er fähig sein zu Morden.

Alma hatte ihn gerettet, Hauptmann ZItter, Elena und dieses Einhorn-Horn.
Nur war es nicht klar, ob dies nun Gnade oder Fluch war.
Glück oder Bestimmung. Segen oder Verdammung.
Oder einfach nur Zufall.

Wer war er denn? Er Darak Luthrokar, dass er es einfach nicht schaffte zu sterben, was sah das Leben noch für ihn vor? Er war es, Darak Luthrokar der auch Leben wollte koste es was es wolle, warum? Weil er glaubte nur im Leben Chance auf Busse, auf Vergebung zu haben. Ihm wurde erst jetzt bewusst, dass er vorhin auf der Stillen Ebene für diese ganze Welt gekämpft hatte, er ein Krieger auf der Seite der „Guten“ gewesen war… und selbst doch nie einer werden würde. Zudem, was interessierte es ihn? Er hasste diese Welt ohnehin und die Menschen die sie bevölkerten. Am meisten sich selbst.

Dies war eine Lüge. Seine grösste Lüge an sich selbst. Denn wenn es so wäre, dass er sie wahrlich alle Hasste, warum war dann sein Wunsch so gross Busse tun zu können und so wahrlich… begnadigt zu werden.

War es, die suche nach Vergebung die ihn so stur am Leben hielt? Er wusste es selbst nicht.

Bei jenem Abt, der ihn damals in den Kerker nach Pelgar gebracht hatte. Für Darak war dieser Mann wie ein Vater und der Orden wie seine Familie gewesen – die er in eigentlich vorn nie besessen hatte. Von den Mönchen hatte er Lysanthors Weg gelehrt bekommen und der Abt persönlich unterrichtete ihn in der Kunst des Schreibens, Lesens und dem Predigen. Darak hätte ein vortrefflicher Priester werden können… und er war dem Abt so dankbar um seine Gnade gewesen, ihn bei sich aufzunehmen.

Nun viele Jahre später. Hatte er gar den Namen jenes Menschen vergessen, der ihm einst so viel bedeutet hatte. Jenem Mann, der ihn aus Nächstenliebe in die Verdammnis der Schuld geschickt hatte – unfähig jene jemals zu Büssen. Doch selbst jener Mann hatte dies Schicksal nicht vorausahnen und nicht wissen können, welch Unglück Gnade bedeuten konnte.

Der Abt bat den Richter auf Knien und unter Tränen, seinem gefallenen Mönch Darak nicht das Leben zu nehmen – ihn nicht zum Tode zu verurteilen. Gnade walten zu lassen. In den Kerkern wurde gar gemunkelt, dass der Orden den Richter für das „milde“ Urteil gar bestochen hatte.
Das Urteil wurde niemals vollstreckt. Keine Hinrichtung…

… jedoch auch keine wahre Busse. Im Gegenteil.

Mit jenem einen Leben, das er seinem Schützling bewahrt hatte mussten über 40 darauf folgende Opfer mit dem ihrigen bezahlen.

Er war zurückgekehrt, der Mönch der zum Mörder und der Mörder der zum Massenmörder wurde. Zurück in seine Heimat. Zurück in den Kerker in welcher er diese verdammte Gnade erhalten hatte… und nun schien sie ihm wieder zu Teil geworden zu sein. Es war wie ein Fluch. Darak würde einfach nicht in Frieden sterben können und keine Busse tun. Sein Leben war zur Strafe geworden, doch auch dort war ihm das Schicksal nicht immer abgeneigt gewesen, es hatte ihm seine Elena geschenkt und ihm durch sie für einen kurzen Moment seines Daseins… so etwas wie Hoffnung gegeben. Hatte ihn den Mörder vergessen lassen und zum Liebenden gemacht. Aber auch wenn er vergass, es änderte nichts an dem was er war und immer bleiben würde.

Mörder.

Er blickte in Almas Augen und sah wie sie ihn als das betrachtete was er war. Mörder. Er betrachtete diesen Berg von Frau und fragte sich insgeheim ob sie Vulkan ein war, der nun auszubrechen drohte. Er dachte an seine drei Nieren und schluckte leer.

Er zitterte und schloss seine Augen. „Ich… kann nicht verleugnen was ich bin… ich kann mich nur selbst dafür verachten, doch selbst dies bringt keinen Frieden. Ich habe nur dieses eine Leben…ich kann damit nicht 41 Seelen bezahlen… wie es der Hohe Rat wohl fordern würde.“
Hauchte er schliesslich. „Ich will ehrlich sein, ich bereue nicht jeden Mord. Besonders nicht den letzten, ein Dunkelelfe der meine Elena in den Wahnsinn gestürzt hatte, oh wie gut es tat ihn sterben zu sehen… doch ich bereue viele meiner Taten. Besonders diese eine an Samantha… dieses kleine unschuldige Mädchen… dieses Kind… für… Geld. Für Bezahlung einer Schiffsreise.“ Tränen rannen ihm über die Wangen. Er bereute wirklich, doch was bedeutete dies schon?

Ein Moment der Stille entstand. Er lag da. Zitterte leicht. Lag in diesem riesigen Bett der Heilerin und dies vermutlich völlig zu unrecht. Darak öffnete seine Augen erst wieder als Alma sprach.

<i>"Du kannst noch nicht gehen, dein Bein ist noch zu stark verletzt. Aber ich muss dich jetzt aus meinem Haus bringen."</i>

„Ja… verstossen… ich weiss.“ Murmelte er bitter. „Es gibt nur wenige Orte für Menschen wie mich, doch dieser hier ist es nicht. Dies ist ein Haus der Heilung und nicht… der Busse. Es ist wohl gut, dass diese Beine nicht gehen können, denn sie gehen den falschen Weg. Ich… ich hoffe ich werde damit nie wieder gehen können.“ Keuchte er verbittert, sah Alma an und es wahr zu sehen, dass er sich dies wahrlich wünschte. Er drehte seinen Kopf weg als der Koloss von Frau das Zimmer verliess.

Er verharrte. Starrte an die Decke. Die Zeit schien stillgestanden zu sein. Er zerrte an den Fesseln. Liess es dann aber bleiben. Wo sollte er schon hin? Er bäumte sich auf und starrte auf sein kaputtes Bein. „Du willst mich nicht tragen stimmts? Darum gehst du ständig kaputt! Ich will dich auch nicht, denn du führst mich auf falschen Pfaden! Auf dem Pfad des Verbrechers, des Mörders! Warst du es, der mich vom Weg des Lichts weggeführt hat?“ Er senkte sich wieder in die Kissen. „Ich hasse dich du elendiges Bein… nein… ihr beide. Geht nie wieder!“ Knurrte er und schwieg wieder eine ganze Weile lang. Schlafen konnte er nicht, denn im Schlaf lauerten die Bilder der Folter und seiner Opfer. „Lysanthor du Bastard ich verstehe dich nicht!“ Fing er erneut mit seinem Selbstgespräch an. „Du hättest es doch wissen müssen, hättest mich in den Minen verrecken lassen müssen!“

Ja seine Schuld an einen Gott abzuschieben schaffte für kurze Zeit Erleichterung. „Stattdessen schaust du untätig zu wie das Morden weitergeht nicht wahr? Wie DEIN Mönch mordet und tötet. Gefällt es dir etwa häh?!“ Der Zwist, in welchem er mit seinem eigenen Gott geraten war, er konnte ihn nicht beenden musste ihn immer wieder aufs Neue ausfechten.

Er kriegte einen erneuten Weinkrampf. Diesmal war er allein. Keine Zeugen ausser vielleicht die Götter selbst. Er keuchte und weinte Stumm vor sich her. „Warum… hast du mich nicht Busse tun lassen?!“ Brachte er mühsam hervor. Ehe er abermals bitterlich verstummte, in düsteren Gedanken gefangen, bis die letzten Tränen seinen Augenwinkel verliess und in der Decke versickerte.

Sein elendiges Bein pulsierte und nicht nur das gebrochene, sondern auch das andere. Als wollten sie ihm <i>“Wir sind noch da“</i> sagen.

Der Mörder starrte an die Decke und verharrte in seinen Erinnerungen.

Er lachte plötzlich. Ein gequältes Lachen. Sein Helm. Symbol für Schutz und Hoffnung. Selbst diesen hatte er durch Mord erworben. Dieser Junge Soldat Sarmas, der ihn und seine Sklaventreiberkameraden aufgespürt und verfolgt hatte und durch Darak erschlagen wurde. Er war dünn gewesen und schmächtig gebaut, der Helm passte überhaupt nicht zu ihm. Darak wusste, dass es nicht der Helm des Jungen sein konnte. Auch er musste ihn von jemandem anderen bekommen oder gestohlen gehabt haben. Denn es war kein Helm der Armee. Offenbar hatte er auch dem Mann etwas bedeutet. Darak hoffte, dass es nicht sein Schutzsymbol gewesen war wie nun bei ihm. Denn dann hätte es versagt gehabt.

Sein Lachen verstummte und er verbrachte die restliche Zeit damit, auf die Teekanne zu starren. Er hatte wieder Durst – war selbst schuld, dass er vorhin nicht alles getrunken hatte. Doch er traute sich nicht danach zu rufen. Er verharrte. Wartete.

Bis Torok eintrat.

<i>"Minenkamerad ... Erzbruder ..."</i>

Darak sah auf. „Ja. Dreckiger Erzblütler.“ Erwiderte er und schmunzelte leicht. So hatten sie sich gegenseitig genannt. Dies waren sie. Der Dreck Pelgars.

<i>"Ich ... soll dich abholen"</i>

Darak schluckte. Schloss die Augen kurz. „Wo ist Alma?“ Fragte er leise. Vermutlich zu leise. Er war sich nicht sicher ob Torok ihn überhaupt gehört hatte zumal er sich auf die Fesseln konzentrierte, die er nur mit Mühe lösen konnte.

<i>"Ich trag dich, also zappel nicht, sonst hau ich dich tot – oder nehm dir den Helm ab, wie Alma vorgeschlagen hat."</i>

Darak nickte nur, er hatte nicht vor zu türmen – er würde nicht weit kommen. Für einen kurzen Moment jedoch, überlegte er sich ob er vielleicht doch zappeln und sich totschlagen lassen sollte? Einfach in den Tod fliehen… der ewigen Verdammnis ins Gesicht blicken. Nein. Noch nicht. Noch konnte er dies nicht tun. So liess er sich aufnehmen.

Ächzte und verzog schmerzhaft sein Gesicht, denn noch immer tat es ihm überall am Körper weh, besonders das Bein schmerzte bei jedem Lagewechsel. Er wurde ins Wohnzimmer getragen und krallte sich schliesslich auf dem Sessel fest, auf welchen Torok ihn behutsam senken liess und ihn anhielt die Kleider anzuziehen.. Er starrte die Kleider an. Griff schliesslich schweigend danach und streifte sich das Hemd über. Bei Unterhose und Hose hatte er da reichlich mehr Probleme, er winkelte das gebrochene Bein leicht an und keuchte vor Schmerz, dennoch zog er hastig die Kleidungsstücke über. Wollte aufstehen um sie sich hochzuziehen. Hier hatte er ein Problem. Er konnte nicht alleine stehen und wenn, dann müsste er sich abstützen.

Bedrückt ab seiner eigenen Hilflosigkeit sah er seinen Kerkerkameraden an. „Nein.“ Meinte er schliesslich. Er hielt sich seine Kleider und drückte sich mit dem Arm an der Sessellehne ab. Beine die nie wieder gehen sollte – brauchte man nicht zu schonen. Er knurrte als er seinen Fuss belastete. Schnaubte und stand unsicher. Zog sich schliesslich unter der mühsamen Bewahrung seines Gleichgewichts die Hosen hoch. Er liess sich ächzend wieder auf den Sessel senken und starrte auf sein schmerzendes Bein. Schliesslich auf Torok. „Doch… du kannst mir helfen Bruder. Er streckte sein gesundes Bein und sah den Riesen an. „Brich es. Tritt es kaputt. Wenn du das gemacht hast, dann nimm die Schiene vom anderen und tritt auch das andere Bein kaputt. Brich sie mir! Brich mir diese verdammten Beine!“ Er funkelte Torok fordernd an.

<b> Wenn ich keine Beine mehr habe die mich tragen, kann ich diesem verdammten Weg nicht mehr folgen… und ich werde nicht mehr… morden können. Nie wieder.</b>

Es war unglaublich und beängstigend zugleich, dass Daraks grösste Angst... und seine schlimmste Vorstellung - der Bruch der Beine - nun zu seinem Wunsch geworden war.

Es zeigte an, wie tief dieser Mann getroffen war. Wie schwer die Verletzungen wirklich waren - nicht jene seines Körpers, sondern seiner ruhelosen Seele, die sich selbst verstossen wollte.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Samstag 25. August 2007, 22:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. August 2007, 13:09

Torok stand vor Darak und sah ihn an. Diese grimmige, furchteinflößende Miene, hinter der sich ein langsam denkender Mensch verbarg, starrte ihn an, als suchte er sich die besten Teile des Körpers heraus. Die besten Stellen, die am lautesten knackten, wenn man sie mit bloßer Hand brach. Der Blick verweilte also kaum auf den Beinen, diese waren noch zu sehr in Anspruch genommen worden. An verletzten Gliedmaßen machte es Torok scheinbar keinen Spaß.
Sein Blick rief: "Heda, ich möchte deine Knochen splittern sehen und zwar den da und den und DEN!" Aber in seinem Kopf ging etwas Anderes vor. Er grübelte. Torok brauchte vielleicht wesentlich länger, um eine Aussage oder Frage zu begreifen – wenn es sich nicht gerade um einen Folterbefehl handelte –, aber er dachte immer über Worte nach und versuchte, eine Lösung zu finden. "Alma ist draußen. Weg. Sie holt ... hmmm..." Torok grübelte wieder. Auch sein Wortschatz war nicht perfekt. "Alma holt ... Walzstuhl." Etwas Besseres fiel Torok nicht ein. Die dicke Alma hatte ihm den Namen genannt, aber diesen hatte er sich nicht wirklich merken können. Es war schon Arbeit genug für ihn gewesen, sich ihre Bitte zu merken, Darak ins Wohnzimmer zu bringen.

Stumm betrachtete er den grün und blau geschlagenen Mann, wie dieser sich das Hemd überzog. Torok wartete ab. Als Darak bei Unterhose und Hose angekommen war und sich schließlich ächzend aufrichtete, reagierte der Koloss wohl so schnell wie noch nie im Leben. "Die tun weh? Böse Beine", meinte er in bummigen Ton und zeigte auf den Bruch, den Alma geschient hatte. Darak aber beeilte sich, die Hose anzuziehen. Für ihn bedeutete dies neben enormer Anstrengung auch pulsierende Pein, die durch seine Beine fuhr wie das Blut in seinen Adern und sich langsam auf den Körper ausbreitete.
Torok half nicht. Darak gewährte es ihm nicht. So stand der Koloss da, ein Riese, der auf einen geschundenen Körper hinab blickte und wartete, bis dieser all seine Kraft aufgebraucht hatte, nur um in eine Hose zu steigen.

Schließlich fiel Darak in den Sessel zurück. Die Polster hatten sich verformt. Die Form erinnerte an zwei dicke Backen. Darak saß genau auf einer leicht erhöhten Rille. Wenn man länger darüber nachdachte, jagte es einem einen Schauer über den Rücken. Aber er dachte über etwas Anderes nach, streckte sein Beine aus, welches zwar auch gebrochen worden war, aber schon vor langer Zeit.
Darak erteilte Torok einen bittenden Befehl. <i>"Brich es. Tritt es kaputte Wenn du das gemacht hast, dann nimm die Schiene vom anderen und tritt auch das andere Bein kaputt. Brich sie mir! Brich mir diese verdammten Beine!"</i>
Torok stand da. Stummer, langsamer Riese. Sein Auge fiel auf das "gesunde" Bein. "Brechen", brummte er. "Kann ich. Ist nicht schwer. Muss es packen, durchdrücken bis es knackt. Dann schreist du. Sie schreien immer. Torok mag es, wenn sie schreien. Lieber sie als ich." Er nahm Daraks Bein. Sein Auge wanderte noch einmal zu denen Daraks, die unter dem gehörnten Helm hervor lugten. "Ich kann es langsam und schnell tun. Für Erzbrüder ... mach ich es schnell." Er drückte gegen das gesunde Bein. Es ging Darak alles immer noch viel zu langsam. Ließ sich Torok Zeit? Er wollte doch schnell machen.

Da ertönte eine Stimme, so laut wie ein Orkan und so halsbrecherisch wie eine Sintflut, die über einen hereinstürzte, wenn man einsam und nackt auf einem Felsen am Meer stand. "WAS MACHT DER IN <b>MEINEM</b> LIEBLINGSSESSEL!!!???!!!"
Torok ließ das Bein los, sprang auf und wich zurück. Es war unglaublich wie ein so gigantischer Klotz von Mensch zu einem Schatten werden konnte. Nun stand er schweigen da, das Auge betrachtete die Lederstiefel, in denen seine Füße steckten. Sie schienen mit einem Mal sehr interessant zu sein. "Meister ... Alma ... ich sollte ihn runterbringen", rechtfertigte er sich kleinlaut.
"Ja, Torok, aber doch nicht in meinen LIEBLINGSSESSEL setzen!! Naja, wenigstens ist er angezogen. Los, hilf mir, der Stuhl wartet."

Der Stuhl wartet? Einen solchen Satz benutzen Folterknechte gelegentlich, um die Angst ihrer Opfer zu erhöhen. Es gab da so spezielle Sitzgelegenheiten, Darak erinnerte sich genau. Vor seinem geistigen Auge entstand ein Bild. Garotte lautete der Begriff. Dort setzte man das Opfer immer auf einen Stuhl, während der Folterknecht schon den Draht bereit hielt ... oder – in pelgarischer Version – das Metallband und die Schraube, die man in den Nacken bohrte.
Aber das konnte doch nicht sein! Alma war Heilerin, keine Foltermeisterin. Hatte sie Valrock geholt? Unbewusst begann Daraks Körper wie von selbst zu zittern.
Torok trat auf ihn zu, packte Darak. "Nichts mit Beinebrechen. Zum Stuhl. Walzstuhl." Also keine Garotte. Was war denn ein Walzstuhl? Darak ahnte schlimmes, allein schon, weil er Alma in Gedanken mit einer Walze verband.
Der Foltergehilfe legte sich Darak erneut über die Schulter und marschierte dann mit Alma nach draußen. Dort stand ein Stuhl – auf Rädern. Es waren Schubkarrenräder, außerdem hatte der Stuhl hinten an der Lehne zwei Griffe, damit man ihn wirklich wie einen Schubkarren lenken konnte. Er sah nicht wirklich bequem aus. Ein einfacher Holzstuhl eben, mit Rücken- und Armlehnen. An letzten und auch an den vorderen Stuhlbeinen waren Lederschnallen angebracht.
Torok setzte Darak einfach wortlos hinein. Alma beugte sich vor und begann, sein gesundes Bein festzuschnallen. "Das andere legen wir hoch, dazu werd ich am Stuhl noch etwas herumwerkeln müssen. Ist meine Erfindung. Ich nenne ihn Räderstuhl, aber Torok gefällt Walzstuhl besser."
Torok nickte. "Ja", pflichtete er bei.
Alma befestigte auch noch Daraks Handgelenke mit den Schnallen. Wieder kam in ihrem Geiste die Frage auf, zu wessen Sicherheit sie das tat. Und wieder blieb die Frage unbeantwortet. In Daraks derzeitigem Zustand war er wohl nicht gefährlicher als ein Kind – ein unberechenbares Kind zwar, aber Almas Fäuste wurden auch mit dieser Art Balg fertig, wenn es sein musste.

Schließlich verschwand sie erneut im Haus, holte ein Brett, Hammer, Nägel und sogar ein rosa Kissen. Geschickt stellte sich dieses fette Ungetüm von Frau ja an. Es dauerte nicht lange, das besaß der Stuhl eine Möglichkeit, Daraks Bein hoch zu legen. Das Kissen erwies sich als weicher Untergrund, auch wenn Alma es mit einem Nagel fixierte, damit es nicht runterfiel.
Dann trat sie zu Torok. "Du kannst jetzt wieder in die Kerker. Mit DEM komm ich jetzt zurecht." Torok nickte, drehte sich um und marschierte davon.
An Darak gewandt meinte Alma: "Was glaubst du, wohin ich dich jetzt bringe?"



<i>[Darak verliert weitere 5% seiner Lebensenergie aufgrund des Stehens auf seinen Beinen]</i>

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 26. August 2007, 15:05

<i>"Alma ist draußen. Weg. Sie holt ... hmmm..."</i>

Darak blickte auf, Torok hatte ziemlich lange gebraucht um zu Antworten, so dass er beinahe geglaubt hatte, dass er die Frage effektiv wohl nicht gehört hatte.

<i>“Walzstuhl.“</i> Daraks Mine veränderte sich. <b> Walzstuhl?</b> Er suchte sein Gedächtnis nach jenem Folterinstrument ab. Fand die Garotte, fand den Henkerstuhl aber keinen Walzstuhl. Aber der Name, passte wohl zu einer Frau wie Alma. Er selbst sass ja bereits auf einem „gewalzten Stuhl“. Er verabschiedete sich geistlich schon von seiner Hüften und seinem Brustkorb, weil er klaubte, dass dieser wohl bald zerquetscht werden würde. Auch eine Art zu sterben, besser als mit Kotze im Ohr – ohne Zweifel. Aber es war so unlogisch. Alma hat doch immer gesagt, sie würde ihn noch brauchen für den Hohen Rat. Wollte sie wahrlich gleich selbst Rache für seine Taten üben? Hatte er sie so tief getroffen? Er wusste es nicht. Doch er ahnte, welch Urteil ihm beim Rat erwarten würde, wenn sie ihn nicht wieder in die Minen verbannten, dann – so war er sich sicher – wartete das Rad auf ihn. Jenes tötungsinstrument, für die schlimmsten Verbrecher Pelgars. Wenn alle Knochen gebrochen, alle Schreie ausgestossen sein würden, dann würde er Alma wieder sehen, wie sie ihn vom Rad spannen würde, um ihn auch noch im Tode zu schänden, indem sie seine Leiche ausweidete.

Darak stand da und wurde von dem Riesen namens Torok aus den Gedanken gerissen.
<i>"Die tun weh? Böse Beine.“</i> Sichtlich erstaunt jedoch immer noch mit schmerz verzogenen Gesicht sah er seinen Knastbruder an. Er wusste nicht ob dieser Kerl tatsächlich so etwas wie Mitgefühl empfand, sein Verhalten erschien ihm verwirrend. Einerseits hatte er nicht zurückgeschreckt ihn zu verletzen – zu markieren, gleichzeitig jedoch war auch er es, der nicht gelacht hatte als man ihm die Stiefel anzog. Wer war dieser Torok und was ging in jenem trägen Hirn bloss vor? Was verbarg sich hinter dem hohl geschlagenen Auge? Welch Schicksal?

Vermutlich ein ähnlich düsteres wie jenes von Darak. Dies machte sie wohl auf eine spezielle Art, wahrlich zu Brüdern. Dreck hatte nichts, ausser sich selbst. Die eigene Brut, die sich gegenseitig hasste, schlug und dennoch irgendwie miteinander verbunden waren.

Da bat er ihn um die unheilvolle „Hilfe.“

Sah Torok an. Spürte wie er nachdachte. Wie es in seinem Hirn ratterte. Ja. Beine brechen konnte er, dies wusste auch Darak.

<i>Muss es packen, durchdrücken bis es knackt. Dann schreist du. Sie schreien immer. Torok mag es, wenn sie schreien. Lieber sie als ich."</i>

„Ja verdammt ich weiss auch wie das geht!“ Knurrte er nervös, legte seinen Kopf nach hinten und schloss die Augen, nachdem ihn Torok noch einmal angesehen hatte.

Darak starrte in Toroks Augen und sah seinen gierigen Blick, wie er nach seinen Knochen und Gelenken zu lechzen schien als wäre er eine reine Spielwiese. Dabei wollte er doch nur diese miesen Beine gebrochen bekommen, war dies dem Foltergehilfen den nicht genug? Darak schluckte leer – was er in letzter Zeit ziemlich häufig getan hatte. Seine Kehle war schon wieder ausgetrocknet und sein Magen meldete ihm das ständige Gefühl von Hunger. Wie sehr sehnte er sich nach der Hühnerbrühe die Alma ihm zubereitet hatte – so wie er ihren Blick deutete – würde sie dies wohl nie wieder tun. Eigentlich hatte er sie ja auch nicht verdient, schliesslich hatte er bereits in Andunie seine Henkersmahlzeit erhalten, die ihm den Lebensrettenden Kinnhaken seitens Hauptmann Zitter gebracht hatte.

Ja. Der gute Zitter. Was er wohl sagen würde wenn er ihn nun sah? Sehr weit hatte er es ja nicht gebracht. Von dem einen Kerker hinaus, in den Nächsten. Dafür hatte der gute Söldner seinen Posten riskiert? Wie ärgerlich dies doch war.

<i>"Ich kann es langsam und schnell tun. Für Erzbrüder ... mach ich es schnell."</i> Darak nickte nur, biss sich auf die Zähne. Ja, das letzte was diese verkrüppelten Beine tun würden, wäre nach seiner Hinrichtung in die Hölle wandern. Er spürte Toroks riesige Pranke, wie sie sein Bein umschloss und Druck ausübte, so dass das Knie nach hinten durchgedrückt wurde. Er ächzte auf. Wartete auf den verräterischen Ton. Von welchem er sich seid dem ersten doppelten Beinbruch so gefürchtet hatte… und sich nun so danach sehnte.

Da ertönte jedoch etwas ganz anderes, viel gewaltigeres monumentaleres als ein Knochen je knacken könnte! Ein Grollen so tief und so verärgert wie jenes eines wutschnaubenden Riesen.

<i>"WAS MACHT DER IN MEINEM LIEBLINGSSESSEL!!!???!!!"</i> Darak zuckte zusammen, ächzte auf als Torok augenblicklich von seinem Bein abliess. „Nein! Nicht aufhören Bastard!“ Knurrte er dem Foltergehilfen hinterher, doch dieser war schon längst zurückgewichen und stand da wie ein Schuljunge den man beim heimlichen Naschen erwischt hatte und ihm nun Tadel drohte.

Der stämmige Mann der plötzlich so klein schien rechtfertigte sich vor dem kleinen aber in der breite gigantischen Koloss.

<i>"Ja, Torok, aber doch nicht in meinen LIEBLINGSSESSEL setzen!! Naja, wenigstens ist er angezogen. Los, hilf mir, der Stuhl wartet."</i> Darak starrte Alma mit leerem Blick an. Sie würde es also tun. Sich gleich selbst an ihm rächen und ihm dann die Organe entreissen.

„Gib mir wenigstens solche verdammten Medikamente wenn du schon Heilerin bist.“ Säuselte Darak bitter. Er fühlte sich betrogen. Sie würde ihn töten und er würde ohne seine Schuld zu sühnen in die Hölle fahren. Er schnaubte verächtlich. Starrte verbittert an Alma vorbei. „N-nein.“ Knurrte er als Torok ihn sachte hochhob. Durch die neuerliche Anstrengung jedoch war er nicht kräftig genug sich zu wehren. Seine Beine schrieen noch immer ihr Lied des Peins.

Sie brachten ihn nach draussen. Schon lange nicht mehr hatte er bewusst die frische Luft in seine gequälten Lungen eingeatmet und das erste was er tat war Toroks Schulter anzuhusten. Sobald Almas gewaltiges Hintergebälk den Blick nach draussen Freigab fiel jener Daraks auf dieses seltsame Konstrukt. Ein Stuhl auf Rädern und mit Lederschnallen. Er hatte nicht die Zeit dazu sich auszumahlen ob er wahrlich darin sitzen wollte – und er war wohl auch nicht in der Position dies zu entscheiden, denn schon setzte ihn der Foltergehilfe darauf ab. „W-as ist das verdammt?!“ Knurrte er als Alma sich vor ihn stellte. Er verstummte. Zitterte. Erstarrte vor Angst. Er fürchtete sich vor ihrem Blick, ihrer Verurteilung seines Seins. Ihrer stummen Frage warum so ein Bastard wie er überhaupt existieren konnte – wie er glaubte sie in ihren Augen zu lesen. Sie schnallte seine Handgelenke an, instinktiv riss er daran – Schnallen bedeuteten nie etwas gutes. Doch auch hier musste er feststellen, dass dieses Konstrukt – so klapperig es auch aussehen mochte, äusserst stabil gebaut war. Alma musste sich wohl gezwungener weise mit dem Herstellen von überstrapazierbaren Sitzgelegenheiten mehr als nur gut auskennen.

Er konnte sich nicht rühren. Wand sich im Stuhl dennoch herum. „Verräterin!“ Knurrte er zornig. „Wenn du mich umbringen lässt, wird nichts Gebüsst werden! Gar nichts!“ Brüllte er schliesslich, so dass es die Leute um das Haus herum wohl hören mochten.

Wieder brach über den Mann der nur noch ein Schatten seiner selbst war, ein schmerzender Weinkrampf. Er sass gefesselt im Stuhl konnte sich nicht rühren, nicht einmal die Tränen verdecken die sich wieder mühsam und unter grosser seelischer Anstrengung aus seinen Tränenkanälen herausquetschten. Es war als wäre es stets nur ein Gerücht gewesen, dass Darak über stählerne Nerven verfügen würde. Doch angesichts der in so kurzen Zeit erlebten Umständen…. Der Schädelbruch in der Stillen Ebene, von welchem Elena ihn geheilt hatte, die Folter in Andunie, die Verurteilung, der Trank der Totenstarre, die Liebe welche er für Elena empfunden hatte und die unglaubliche Angst um sie, als er sie an den Wahnsinn zu verlieren geglaubt hatte, an die furchtbaren Verbrennungen die sie ihm Versehens angetan hatte, der Kampf gegen Faldors Schergen, mit der erneuten Verwundung, die Festnahme und nun schliesslich die erneute Folter mit dem Bruch des Beines und der anschliessenden Hilflosigkeit…

…und noch immer war er in Besitz seiner geistigen Kräfte – auch wenn sie gerade sehr schwach und labil waren. Ja… unter diesem Aspekt konnte man durchaus behaupten, dass dieser Kerl wahrlich stählerne Nerven haben musste.

Dieser sture Geist, der leben wollte. Um Busse zu üben und vielleicht jedoch auch… um mehr von dieser temperamentvollen Frau kosten zu dürfen, die den Namen Elena trug. Jene Frau die ihm das Gefühl gegeben hatte, dass sein eigen Leben noch so etwas wie einen Sinn hatte und er selbst… ein Herz, welches es verdient hatte für sie zu schlagen.

Doch Darak war ein Egoist gewesen, dies erkannte er nun. Denn er wusste, dass er dieser Frau vermutlich nicht gut tat. Nur schon… wenn sie sich jetzt um ihn sorgte, jeder dieser negativen Gefühle – hatte sie nicht verdient.

Alma verschwand kurz und Darak nutzte die Gelegenheit seinen Minenbruder vorwurfsvoll anzuschauen.

„Du verstehst mich oder? Wieso ich nicht sterben will? Verstehst wenigstens du mich, Bruder?“

Darak verstummte. Er beschloss überhaupt nichts mehr zu sagen. Schweigend und mit düsteren Leeren Blick hockte er da und beobachtete Alma, wie sie zurückkehrte und seine Beinschiene an den Räderstuhl anbrachte. Sie wollte sich wohl über ihn lustig machen, dass sie sich solche mühe um sein Bein gab nur um ihn in den Tod zu fahren.

"Was glaubst du, wohin ich dich jetzt bringe?"

Darak schwieg. <b> Na wohin wohl zu diesem dämlichen Rat, damit du dein Geld bekommst und dann in den Kerker.</b>

Er starrte leer vor sich hin.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Sonntag 26. August 2007, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Almas Haus

Beitrag von fremde Frau » Sonntag 26. August 2007, 18:38

<i>"Verräterin! Wenn du mich umbringen lässt, wird nicht gebüßt werden! Gar nichts!"</i> Er brüllte es über die Straße. Seine Lautstärke könnte niemals mit der Almas mithalten, aber es reichte aus, um einige Passanten neugierig stehen bleiben zu lassen, dass diese sich nach ihm umschauten.
Dann brachen neue Tränenfälle aus ihm hervor. Darak saß im Räderstuhl und ließ es einfach zu, dass die Tränen über sein ausgemergeltes Gesicht strömten, sich an seinem Kinn sammelten und herab tropften. Inzwischen verabschiedete sich Torok und Alma setzte den fahrenden Stuhl in Bewegung. Sie schob Darak durch die Gassen, das Ganze für lange Zeit schweigsam.

Dann setzte sie plötzlich erneut an. "Ich bin keine Verräterin", sagte sie ziemlich ruhig. "Ich sehe keinen Grund darin, dich umzubringen. Warum sollte ich auch? HA! Einen ..." Almas Stimme senkte so leise, man war es nicht von ihr gewohnt. Sie flüsterte mit einem solch feinen Wispern ... schwächer noch als ein Windhauch. "... einen Mörder zu töten, bleibt dennoch Mord. Ich töte nicht, ich heile."

Sie schob ihn weiter durch die Stadt. Es sah schon recht sonderbar aus. Die meisten Leute in Pelgar verwirrte wohl, dass Darak einen gehörnten Helm trug. Sonst machte er nämlich einen ziemlich verstörten und angeschlagenen Eindruck. Dennoch verlieh ihm der Helm etwas Kriegerisches. Es lag vermutlich an den Hörnern. Krieger trugen Hörner, Symbol für Stärke. Der Rest von Darak zeigte sich nur im Moment einfach als starker Kontrast dazu.

"Ich glaube, du ahnst nicht, wo ich dich hinbringe", sagte Alma. Noch immer strahlte sie diese seltsame Ruhe aus. Es wirkte fast unheimlich. Ein Berg der Stille. Ein Ozean, auf dem sich keine Welle regte. Nichts. Ruhe.

Der beräderte Stuhl bewegte sich weiter. Schließlich schob die dicke Alma ihn schon leicht keuchend eine breitere Pflasterstraße hinauf. Ein Türmchen kam zum Vorschein. Es gehörte zu einem weißen Gebäude: einem Tempel. Im Gegensatz zu den Tempeln anderer Städte, die meist nur einem speziellen Gott geweiht waren, beherbergte der kleine Tempel Pelgars Priester verschiedener Glaubensrichtungen – und ja: im Verhältnis zu den Tempeln anderer Städte wirkte er klein.
"Wir sind da", sagte Alma erleichtert, schob den Rollstuhl weiter auf das Gebäude der Götter zu. Einer der Priester stand am Eingang. Er hielt die Hände zum Gebet gefaltet, sah schon älter aus und wirkte in seinen Gewandungen wie ein weiser, freundlicher Diener eines höheren Wesens.

"Vater Cendris!", rief Alma ihm zu. "Schaut, wen ich Euch mitbringe! Dieser Mann will Buße tun, indem er sich den Göttern verpflichtet!"


<i>[weiter in Der kleine Tempel Pelgars]</i>

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Re: Almas Haus

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 26. August 2007, 20:45

Darak brüllte herum bis er schliesslich unter Tränen verstummte und sich der Räderstuhl in Bewegung setzte. Er spürte die neugierigen Blicke die auf ihm ruhten und er riss an den Fesseln. Wollte sein verheultes Gesicht verbergen und konnte nicht. Ganz Pelgar würde seine Schwäche sehen. Selbst sein Helm konnte ihn vor dieser Schmach nicht schützen. Hier war er also. Pelgars grösster Abschaum und er wurde gefesselt durch die Masse gefahren. Pelgar… eine Stadt die ihn vielleicht schon lange vergessen hatte. Nur noch ein düsterer Schatten. Der Mönch der zum Mörder wurde. Ein Gerücht… eine alte Geschichte. Nun war er zurückgekehrt.

<i>Ich sehe keinen Grund darin, dich umzubringen. Warum sollte ich auch? HA! Einen…einen Mörder zu töten, bleibt dennoch Mord. Ich töte nicht, ich heile."</i>

Darak Luthrokar gehörte nicht zu jenen Häftlingen die bei ihrem wahren Namen zusammenzuckten. Er war schon genug darüber erschrocken und er wusste genau wer er war, sah inzwischen auch keinen Grund mehr es zu leugnen. Ja. Er war ein Mörder ein Killer. Der Killer starrte mit Leerem gebrochenen Ausdruck vor sich her. Blicke versuchten sich mit seinem zu kreuzen, doch niemandem wollte dies wahrlich gelingen. Nur seinen Körper konnten sie sehen. Dieses Stück Pein. Es zeigte jedoch nur einen Bruchteil dessen, was er anderen angetan hatte.

<i>"Ich glaube, du ahnst nicht, wo ich dich hinbringe"</i> Darak schnaubte verächtlich. Er hatte beschlossen zu schweigen und diesen Entschluss behielt er sich bei. Er antwortete nicht. Sondern starrte weiterhin trotzig vor sich her. Er spürte wie der Räderstuhl auf den Pflastersteinen holperte und manchmal gab es ihm einen feinen Schlag in seinem schmerzenden Kreuz. Er fühlte sich wie ein altersschwacher Greis.

Da erblickte Darak den unheilvollen Turm. Er riss seine Augen auf. Sein Gelübde an sich selbst brach er in eben jenem Moment – was für ein Mönch der nicht einmal seine eigenen Versprechen halten konnte -

„Hee! Was soll das! Ich will keine letzte Ölung!“ Knurrte er und begann an den Fesseln zu zerren. Alma stiess ihn unberührt weiter. „Heee! Lass mich! Ich will da nicht hin!“ Protestierte er heftig und wand seinen Kopf bis ihm selbst schwindelig wurde.

<i>"Wir sind da"</i> „EINEN DRECK SIND WIR!“ Brüllte der verdammte Mönch ungehalten. „HIER will ich ganz bestimmt NICHT hin!“ Knurrte er. „Mach was du willst aber NICHT hier! Ich will diese Kuttenträger nicht sehen und sie sollen mich nicht sehen!“ Darak verspürte eine tiefe Abneigung gegen alle anderen Mönche die nicht verstossen wurden so wie er. Der Glaube an Gerechtigkeit an Gnade hatte ihn in diese verdammten Hölle der Eisenmine gebracht und der Weg des Lysanthors sich als schreckliche Lüge entpuppt. Er hatte nichts mehr mit den Mönchen gemein. Gar nichts. Er hasste sie und verabscheute sie… doch hinter diesen Gefühlen… steckte eine tiefe Scham… versagt zu haben. Er hatte die Hoffnungen des Abtes zertreten als er Brundgar ermordet hatte. „Ich darf diesen Tempel nicht betreten!“ Schrie er und wand sich mit aller Kraft – und dies war im Moment nicht gerade viel – im Stuhl. „Was soll ich hier? Ich bin Mörder! Ich bin Foltermeister! Ich gehöre nicht zu diesen belesenen Küttchenmännchen die den ganzen Tag staubige verlogene Bücher lesen und jene Worte in aller Öffentlichkeit nachträllern! ICH NICHT!“ Brüllte er herum.
<i>„Vater Cendris!"</i> Darak zappelte im Stuhl. „VATER WIR KEHREN UMDRIS!“ Zischte er Alma zu. Diese schob ihn nüchtern weiter. Sie schien ihren Entschluss gefasst zu haben. Daraks Augen wurden glasig. „Bitte… nicht!“ Keuchte er schliesslich als er merkte, dass Brüllen wohl nichts half. „Nicht hierhin… ich gehöre nicht hierher!“ Jammerte er. Oh welch klägliches Bild dieser ausgemergelte Häftling nun bot. Doch als auch sein flehen nichts einbrachte fiel er wieder in sein deutlich lauteres Muster zurück. Es machte ihn beinahe wahnsinnig, dass er sich verflucht noch mal keinen deut rühren konnte!

„Das sind keine Menschen für Mörder! SIE IST VERRÜCKT!“ Nun

Er erblickte den Betenden und starrte diesen giftig an. „Du verschwendest deinen Tag PATER!“ Keifte er wütend herum. „Verfluchter Kuhdreck lass mich los! ALMA! Ich reiss dich in Stücke (es würde sehr viele Stücke geben) wenn du nicht umdrehst! Ich schlitze dich auf! Dann töte mich lieber als mich hierhin zu bringen Elendige!“

Und dann… erlaubte sich diese Wanne voller Fett auch noch jene über alle Ausmasse lästerliche Äusserung:

<i>"Schaut, wen ich Euch mitbringe! Dieser Mann will Buße tun, indem er sich den Göttern verpflichtet!"</i>

Daraks Augen weiteten sich. Jetzt reichte es. Eindeutig. „WAASS?! NIEMALS. Ich verpflichte mich sicherlich nicht diesen Dreckgöttern! Und schon gar nicht diesem Lichtbastarden! Das habe ich verflucht noch mal niemals gesagt du überdimensionale Drecksdirne! Lügnerin!“ Er erstarrte ab seinen eigenen Worten. Seine Nerven waren völlig mit ihm durchgegangen, doch diese Bezeichnung… war selbst in den Augen eines Mörders… falsch. Er bereute sofort was er gesagt hatte. Wurde blass. Sie hatte ihm immerhin das Leben gerettet und bei seinem Zustand, war dies sicherlich nicht leicht gewesen. Sie hatte ihm zugehört und ihm Tee gegeben und dies war sein Dank? Wieder ein Beweis dafür… was für ein widerlicher elendige Bastard er doch war. „Es… ich… das… hab ich… nicht so gemeint… ich… … Entschuldige… bitte… entschuldige…Aber dies hier macht es nur noch schlimmer! Ich kann nicht hierhin… ich bin verstossen… ich… das ist nicht mein Weg… nicht mehr… hier finde ich nichts… ausser diesen… Zorn…“ Er zitterte. „Tut… mir leid… das war nicht Rechtens… ich…hätte das nicht sagen dürfen… Alma…“

Er wand sich nicht mehr. Sondern liess sich schon wieder durch einen Weinkrampf überwältigen. Er hatte seine Nerven überhaupt nicht mehr unter Kontrolle… war ein seelisches Wrack… und selbst in jenem Zustand… konnte er noch immer verletzen.

Scheinbar war dies das Einzige… was er wirklich konnte.

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Elwin Fock
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Re: Almas Haus

Beitrag von Elwin Fock » Sonntag 21. Oktober 2007, 17:59

[Elwin kommt aus der <a href="http://69169.rapidforum.com/topic=103574424947" target="_blank">Kaserne Pelgars --> Der Kerker</a>]


Elwin war wahrlich erleichtert endlich dieses stinkende Dreckloch, was die Pelganer als Kerker bezeichneten, verlassen zu können. Die vielen dunklen, mit vor Dreck tropfenden, Zellen, die barbarische Folterkammer, mit ihren schaurigen Instrumenten und der erbärmlich wirkende Foltergehilfe Torok hatten der jungen Magierin eine ganz andere Seite der sonst so prächtigen Hauptstadt Celcias gezeigt. Selbst Wing, war erfreut darüber, diese Räumlichkeiten verlassen zu können und wieder an und in der frischen Luft seine Kreise ziehen zu können. Sie erreichten den Wächter, der auf Elwin gewartete und sie nun zurück in den Kasernenhof brachte.

<b>Wenigstens habe ich jetzt einen Anhaltspunkt, dem ich nachgehen kann. Alma, die dicke Heilerin. Hoffentlich geht es Darak noch gut, naja wenigstens hoffe ich, dass er noch <i>vollständig</i> ist.</b>

Die Magierin atmete einmal tief die Luft ein, als sie den Hof erreicht hatten, dann blickte sie noch einmal umher, um sich das Bild, welches sich ihr hier bot, nicht ganz so schnell wieder zu vergessen. Zwar hatte sie nicht die Absicht alsbald hier wieder zu erscheinen, der eine Besuch hatte ihr vorübergehen, wenn gar nicht für immer, gereicht.
Während sie dann so über den Hof auf das große Tor zuschritten, bemerkten die drei einige Soldaten und Bürger. Diese trugen diverse Waffen, Schilde und Rüstungen geschäftig aus der Kaserne hinaus. <b>Wozu solch ein Waffentransport?“</b>, fragte sie die junge Maga, aber schon bald sollte sie die Antwort erfahren, denn die Träger unterhielten sie angeregt über etwas und ein paar Wortfezen flogen zu ihnen hinüber.

<i>“Oh ja, das Turnier. Habt Ihr es schon gehört?“</i>, fragte der Soldat Elwin plötzlich. Als diese Verneinte fuhr er sogleich auch fort Erläuterungen dazu abzugeben. <i>“Trotz der derzeitigen Ausgangssperre wird Pelgar bald ein großes Turnier abhalten.“</i>

<b>Ein Turnier? Klingt zwar angebracht, dennoch interessiert mich diese körperliche Verstümmelung nicht wirklich.</b>

<i>“Es soll von der Zeit der dunklen Tage ablenken, die ebenso bald beginnen wird, und die Gemüter erhellen. Ich hörte, dieses Jahr finden auch wieder Magierduelle statt. Vielleicht sehe ich Euch in der Arena antreten?“</i>

<b>Magierduelle? Interessant!</b>

Elwin horchte bei den Worten, welche die Disziplin der geistigen Stärke beschrieben, auf. Ja, sie hatte schon in der Zeit ihres Studiums der Magie das Fach der Zaubererduelle belegt. Dort hatte man versucht ihr beizubringen wie sich Magier außerhalb eines Kampfes in einem Duell gegenüber traten. Zwar hatte man sie damals von dem Kurs wieder ausgeschlossen, da sie sich einen groben Fehler erlaubt hatte, aber dennoch wusste sie über die grundlegenden Dinge bescheid.
Als sie schließlich das Tor erreichten, wandte sie sich noch einmal kurz dem Soldaten zu.

„Zunächst habt Dank, dass Ihr so freundlich wart, mich zu begleiten. Sowohl hinab in die Kerker, als auch wieder zurück bis an das Tor.“, meinte zu zuvorkommend und schwang ihre Hüfte anmutig eine Richtung. „Das Turnier klingt wahrlich interessant und womöglich habt Ihr sogar recht mit Eurer Vermutung mich innerhalb der Arena anzutreffen. Seid gewiss, ich würde mich freuen Euch dort ebenfalls wieder anzutreffen.“

Mit diesen Worten nickte Elwin kurz und wandte sich dann ab. Zwar war sie nun in der Tat für das Turnier begeistert, aber die Tatsache, dass sie zunächst weiter und versuchen musste Darak zu finden, überwog alles. So begann sie durch die Straßen der Stadt zu wandern. Hier und dort blickte sie auf die Baukunst der Häuser und schneller als die dachte, fand sie sich offensichtlich im Wohnviertel wieder. Elwin zückte die Karte um sich dessen auch sicher zu sein und musste mit Freuden feststellen, dass dies tatsächlich so war. Das Wohnviertel war nun erreicht, jetzt galt es nur noch das Haus der Heilerin Alma zu finden.
Sie schaute wieder auf Karte und versuchte aus dem Gekrickel herauszulesen wo sie jetzt lang musste. Dies war keine leichte Aufgabe, denn Torok konnte wahrhaftig nicht sonderlich gut zeichnen. So versuchte die Wassermagierin aus Andunie ihr Glück und tat ihr Bestes den Stichen auf dem Blatt Pergament zu folgen. Es dauerte sicherlich länger, als wenn man den kannte, aber schlussendlich stand sie vor einem Haus.

„Ist dies jetzt das Haus Almas?“, fragte sie sich. „Wing, was meinst du?“

Der Vogel auf ihrer Schulter krächzte und erhob sich dann in die Lüfte. Er folg ein paar Mal über das Dach des Hauses und ließ sich dann auf dem Giebel nieder. Von dort oben hatte er eine hervorragende Übersicht, die er auch nutzte. Elwin zuckte mit ihren Schultern und trat an die Haus. „Wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie erfahren, ob ich hier richtig bin.“, sagte sie sich und klopfte mit ihrem Magierstab gegen die hölzerne Tür.
Zuletzt geändert von Elwin Fock am Sonntag 21. Oktober 2007, 18:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Sonntag 21. Oktober 2007, 20:19

Nach langem hin und her erreicht Elwin endlich ein Haus, das laut Toroks Gekritzel Almas Haus sein musste.

Es handelte sich um ein zweistöckiges Gebäude, in hellem Ton gehalten. Von außen machte es einen einfachen Eindruck. Stabil, dennoch alt, aber gut instand. Jemand hatte die Vorhänge zugezogen. Elwin erkannte durch das Fensterglas rose Spitzenvorhänge und auf einer kleinen Fensterbank standen Keramik-Hasen und -Katzen in kitschigen Posen. Lebte eine Frau wie Alma in einem Haus wie diesem? Eine Frau, die jemanden wie Darak aus einem <i>Kerker</i> mitgenommen hatte?
Nun, sie sammelte laut Torol auch Organe ... vielleicht irrte sich Elwin mit der Beschreibung.

Wing flatterte in die Lüfte und setzte sich auf den Gibel. Krächzend bewahrte er die Übersicht. Wenn der Vogel nur gewusst hätte, was Elwin suchte, so hätte er jetzt sicher sehr hilfreich sein können. Aber es brachte alles nichts. Wenn Elwin nicht klopfte, würde sie nie erfahren, ob Alma hier wohnte. Und wenn dem nicht so war, vielleicht konnte sie ja nach dem Weg fragen. So knallte der Stab der jungen Wassermagierin gegen das Holz. Da wurde sie eines Zettels gewahr, den jemand mit einem Nagel an der Tür befestigt hatte.

<img src="http://i140.photobucket.com/albums/r21/ ... z_alma.jpg">

Alma hatte Pelgar also verlassen – und wies Torok explizit darauf hin, dass sie Darak mitgenommen hatte und er diese Neuigkeit an Valrock weitergeben sollte. Wer war Valrock? Der Foltermeister?
Möglich, immerhin hatte sich dieser vorhin noch im Kerker furchtbar aufgeregt und laut seinen Worten würde alles zusammenpassen, dass Torok ihm diese Nachricht von Alma vorhin überbracht hatte. Und wie würde es jetzt weitergehen? Wohin war Alma verschwunden, wie sollte Elwin sie finden und wie kam sie trotz Ausgangssperre aus der Stadt?

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Re: Almas Haus

Beitrag von Elwin Fock » Donnerstag 8. November 2007, 07:31

Elwin bemerkte einen Zettel, der an der Tür hing, als sie gerade mit ihrem Stab daran pochte. Sie hielt inne und las die Nachricht, welche dort prangte und bei jeder neuen Zeile wurden ihre Augen immer größer. Jetzt war sich die junge Wassermagierin sicher, dass diese Alma hier wohnte, doch war sie zu Zeit nicht in Pelgar. Sie hatte die Stadt verlassen und Darak mitgenommen. Enttäuschung machte sich in ihr breit. Sie packte ihren Magierstab fester, umschloss ihn mit all ihrer Kraft, so dass das Weiße an ihrem Handrücken sichtbar wurde.

„Verdammt!“, fluchte sie. <b>Alma ist nicht hier und Darak wohl auch nicht. Jetzt hatte ich gerade einmal eine Spur und nun? Jetzt steh ich quasi wieder am Anfang. Verdammt!</b>

Sichtlich schlecht gelaunt wandte sich Elwin von der Eingangstür und dem dort hängenden Pergament ab und lief zurück mitten auf die Straße, wo sie erneut stehen blieb. Sie lies sich die die Worte der Nachricht noch einmal durch ihren Kopf gehen. <i>Meine lieben Patienten und alle die es noch werden wollen/könnten... …P.S. Torok, ich hab Darak mitgenommen. Bestelle Valrock einen NETTEN Gruß von mir, haha!</i>

„Torok, der Folterknecht aus den Kerkern.“, flüsterte sie mehr zu sich als zu sonst jemandem. „Weiß er wo Alma hin gegangen ist?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, bestimmt hätte er es mir erzählt, vermute ich mal. Aber wenn er seinem Meister diese Nachricht überbringen sollte, dann weiß dieser Valrock wohl auch nicht wo sie hin verschwunden ist. Verzwickte Sache.“

Sie fasste sich mit ihrer freien Hand an ihr Kinn und begann die Konturen desselbigen nachzufahren. Irgendetwas musste sie doch jetzt tun können. Irgendeine Spur musste es doch geben, nur wo war sie zu finden? Die junge Wassermagierin ging verschiedene Szenarien durch, von einem erneuten Besuch in den Kerkern, bis hin zu einer Audienz bei dem Hohen Rat von Pelgar. Vielleicht wusste ja er wo Alma und Darak zu finden waren… Andererseits hatten die Mitglieder sicherlich genug andere Dinge um die Ohren, als sich um eine Heilerin und einen Verbrecher zu kümmern. Sie wusste nicht mehr was sie machen sollte, als sich plötzlich ihr Magen mit einem hungrigen Knurren meldete.

Wing hatte die ganze Zeit auf dem Giebel des Daches gesessen und die ganze Umgebung betrachtet. Aber auch er hatte keine Spur der Gesuchten entdecken können, was wohl daher rührte, dass sich Alma und Darak bereits nicht mehr in Pelgar befanden. Sein Kopf war immer wieder von einer Seite zur anderen gewandert und seine kleinen Knopfaugen hatten die Umgebung scharf in Augenschein genommen. Dann bemerkte er wie sich Elwin mitten auf die Straße stellte und stehen blieb. Einmal krächzte er leise, blieb aber auf seinem Platz sitzen.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. November 2007, 14:12

Welch ein Fehlschlag. Da hatte Elwin so große Strapazen auf sich genommen, war sogar in Pelgars stinkende Kerker hinab gestiefelt und nun das. Darak war mit dieser Alma gegangen, wer weiß wie lange schon aus der Hauptstadt draußen und es gab keinen Anhaltspunkt, wohin die beiden gereist sein könnten.

Elwin stand wieder am Anfang ihrer Suche. Nur dieses Mal besaß sie kein Ziel. Es war zum Mäuse melken. Was sollte sie denn jetzt tun? Sollte sie überhaupt noch nach Darak suchen? Immerhin war er Elenas und nicht ihr Freund – nicht auf dieser Ebene. Sie hatte ihm nur die Hand gehalten, als er so verbrannt in der Stillen Ebene gelegen war. Vielleicht war es genau diese eine Erinnerung, die Elwin weiterhin anspornte, die Suche nach Darak nicht aufzugeben. Doch wo sollte sie nun weitermachen?

Außerdem war sie hungrig. Ihr Magen knurrte und einzelne Gerüche auf der Straße lockten sie. In der Nähe von Almas Haus gab es einen Bäcker und der Marktplatz war auch nicht weit. Zu dieser Jahreszeit erhielt man zwar nicht unbedingt alle Waren, die es sonst zu Zeiten des Erwachens oder der Abendsonne gab, aber das Angebot reichte aus, dass Elwin das Wasser im Munde zusammen lief. Es roch nach Zimtgebäck, ein beliebter Happen bei den Celcianern, wenn es kalt und dunkel wurde. Dazu eine Tasse heiße Milch mit Honig ... oder ein warmer Himbeerwein. Vielleicht sollte sich die Wassermagierin eine Pause gönnen und die nächste Taverne aufsuchen.

Da kreischte Wing plötzlich von seinem Platz auf dem Gibel aus zu ihr herab. Hatte er etwas gesehen? Wild schlug er mit den Flügeln, den Kopf schief legend. Dann schwang er sich in die Lüfte, segelte zwei Runden lang über der Stadt und sauste dann rasch zu Elwin herunter. Er landete auf ihrer Schulter, krächzte und flatterte wieder auf. Sofort flog er die Gasse hinunter, Richtung Stadttor.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Elwin Fock » Sonntag 11. November 2007, 21:13

Enttäuschung machte sich in der jungen Wassermagierin breit. Sie war lange unterwegs gewesen, hatte viele Strapazen auf sich genommen und nun? Nun stand sie auf der Straße vor dem Haus dieser Alma, ohne einen Hinweis. Darak war mit dieser Frau verschwunden, aus der Stadt gegangen. Waren sie vielleicht sogar geflohen? Nein sicherlich nicht, sonst hätte diese Frau wohl kaum einen Zettel an ihre Tür gehängt, wo sie der Öffentlichkeit mitteilte, dass sie sich nicht hier befand. Elwins Gedanken begannen zu rasen, verlangsamten aber wieder als sich ihr Magen meldete.

Es war schon eine geraume Zeit her, dass sie etwas zu sich genommen hatte und somit war ihr Hunger der jungen Magierin verständlich. Sie hielt sich eine Hand an ihrem Bauch und hob ihre Nase in die Höhe. Überall schwirrten verlockende Gerüche zu ihr herüber. Ein Bäcker, ganz in der Nähe schien köstliches Zimtgebäck anzubieten und auch vom Marktplatz roch es nach gutem Essen und warmen Getränken. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als ein kalter – der Jahreszeit passender – Windstoß an ihr vorbei huschte und ihre nackte Haut an den Oberarme berührte.

<b>Oh… wie doch die Zeit vergeht. Es ist ja schon <i>die Zeit der dunklen Tage</i>. Kälte und kaum Helligkeit. Und was habe ich? Natürlich wieder die völlig falsche Kleidung. In dieser Gewandung werde ich mir noch den Tod holen. Zu dumm, dass ich daran bei meiner Abreise nicht gedacht habe.</b>

Kurz waren die Gedanken der Wassermagierin von Darak gewichen, als ihr plötzlich klar wurde dass es in der Tat äußerst kalt war. Sie schlang ihren Umhang fester um sich, um die die Kälte von ihrer Haut fern zu halten. Nur brachte der dünne Reiseumhang auch nicht wirklich viel. Dann jedoch krächzte Wing plötzlich laut von seinem Platz auf dem Giebel laut auf. Sofort schwang Elwin in einer eleganten Bewegung ihren Kopf in die Höhe um zu sehen was mit ihrem Freund los war. Dieser kam wild flatternd zu ihr hinab geflogen, landete kurz auf ihrer Schulter und erhob sich dann erneut in die Lüfte. Er schlug den Weg in Richtung Stadttore von Pelgar ein. Die Wassermagierein schaute ihm zunächst verdutzt nach.

Die Gedanken an Gebäck und etwas wärmendes zu trinken waren sofort wieder vergessen. <b>Hat Wing etwas entdeckt?</b>, schoss es ihr durch den Kopf. „Was ist los?“, fragte sie nun vernehmlich ihrem Vogel hinterher und setzte sich endlich in Bewegung. Sie folgte ihm durch die Straßen, vorbei an vielen Häusern und Passanten, die der jungen Frau bezüglich ihrer schnellen Schritte teilweise nachblickten. Den Magierstab hatte sie nun quer in die Hand genommen, um schneller voran zu kommen. Dennoch achtete sie, während die Magierin Wing nicht aus den Augen ließ, darauf, dass sie keinen der vorbei marschierenden Leute damit traf.

Völlig außer Atem kamen sie dem Stadttor immer näher. Bald würden sie es erreicht haben, aber warum nur hatte Wing sie ausgerechnet jetzt, wo sie doch schon fast beschlossen hatte eine Taverne aufzusuchen, hierher geführt? Weiße Atemwolken bildeten sich bereits aus dem Mund der Frau, während sie schnellen Schrittes weiter lief. Dann hatten sie das Tor erreicht, Elwin schloss kurz ihre Augen, blieb stehen und stemmte sich schwer schnaufend ihre Arme in die Hüften und lehnte sich etwas zurück, um ihre Glieder zu dehnen und tief Luft zu holen. Als sie ihre Augen schließlich wieder öffnete wurde ihr Blick starr.

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Re: Almas Haus

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 12. November 2007, 20:51

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