Schneerosenallee Nummer 13

Handwerker, einfache Bürger und der Adel wohnen in kleinen Bezirken und doch teilweise Tür an Tür. Von der windschiefen Hütte bis hin zum schön verzierten Fachwerkhaus oder kleinem Anwesen mit Wasserspeiern aus Marmor ist hier alles zu finden.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Freitag 1. Februar 2013, 19:31

Er wurde scheinbar von Meresin reingelegt oder aber er war Teil eines mehr als seltsamen Plans, den er noch nicht verstand. Und vielleicht hätte der Kurier einfach gehen sollen und den Mann ignorieren sollen. Aber da war dann die Nächstenliebe zumindest zu Cas zu groß. Sein Gewissen, wenn er es auch schwer zeigt, hätte ihn mürbe gemacht.
Uriel hatte geahnt, dass Meresin Probleme machte und er war froh gewesen, dass der andere zumindest für die Zeit von drei Stunden sich zurückhielt. Vielleicht hätte er um mehr beten müssen. Denn die Komplikationen schienen nicht abreißen zu wollen. Als hätte auch dies sein sogenannter Vater gewusst.
Genau diese Person, dem jetzt sein Hass galt, stand gerade vor der geheimen Tür und lächelte wölfisch. Seine langen Fingernägel kratzten über das Holz und Rauch stieg auf, wo seine Krallen das Holz berührten. Brandspuren zeichneten sich auf dem Holz ab. Als hätte man ein glühendes Stück Stahl dagegen gehalten. Die Augen hatte der Mann geschlossen, schüttelte nur langsam sein Haupt. Er war ja einfach zu perfekt.
„glaubst du etwa, ich bin für alles verantwortlich, Sohn. Ich danke dir, dass du mir es zu traust, aber ich habe nur einen Teil bewirkt…“ sprach er leise, so als könne Uriel ihn hören.
„Es gibt genügend Personen, die ebenso handeln und deren Seele sind genauso schwarz wie die meine ist“ Meresin trat ein Stück von der Tür weg und pustete sich in die eine Hand. Erst geschah nichts, dann war da ein winziger Funken zu sehen, der irgendwie die Gestalt einer Libelle hatte. Sie war gerade mal halb so groß wie eine Maus und die erst rotglühenden Flamen ihrer hauchfeinen Flügel, wichen einem tiefen fast durchsichtigen blau. Es bewegte sich, als wäre es wahrhaft ein Geschöpft der Natur, doch das richtige Leben fehlte der Kreatur. Sie war rein Magisch.
Der schwarzhaarige Elf sah auf dieses Geschöpf herunter.
„geh, such meinen Sohn und helfe ihn notfalls… ich habe es satt zu warten“ Damit kniete er sich nieder und entließ diese Wesen durch einen Spalt ins Innere. Das Lächeln was darauf seine Züge zierte, war eisig wie der kälteste Sturm, während die Augen loderten. Er lebte förmlich auf, wie dieses Chaos doch in der Stadt sich verbreitete. Die ehemals stolze Stadt des Lichtgottes war nur noch ein Schatten seiner Selbst. Die Welt war mehr und mehr bereit, dass man sie sich untertan machen konnte. Doch Meresin kümmerte es reichlich wenig, er wollte aus seinem Gefängnis und er wollte diese Frau, die er gerufen hatte…und ein wenig wollte er auch seinem Sohn, die wahre Macht des Feuers lehren.

Uriel indes hatte mehr und mehr Schwierigkeiten. Er wusste das Esmeralda ihn bestimmt nicht in ein normales Zimmer bringen wollte. Das hatte ihm schon vorher sein Gespür gesagt. Und dazu kam noch, dass die kleine Cassandra gerade eine Vision hatte, die Erschreckender nicht sein konnte. Es kündete das Unheil an, welches Uriel eigentlich außerhalb der Wände wissen wollte. Der kleine Körper schwankte unter seinen Bemühungen sie zu Besinnung zu bekommen. Cass reagierte etwas später, nachdem er sie ein paar Mal geschüttelt hatte. Ihre Augen wurden groß, als sie die Worte von Uriel vernahm. Sie hatte den Hybriden immer gemocht und es war bestimmt auch ihr zu verdanken, dass ihr Großvater Uriel den Auftrag erteilt hatte.
„Aber… ich… „ dann wurde er grob an den Schultern gepackt und von dem breiten Schläger durch die Gänge geschubst. Er spürte den Blick der kleinen Seherin auf seinen Rücken und auch wenn er es nicht mehr mitbekam, schluckte sie hart und ihr rollten weitere Tränen über die Wangen. Natürlich nicht so sanft, wie es eigentlich sollte.
Der Weg wurde schubsend und vor stoßend weitergeführt. Das was Uriel schon vorher angenommen hatte, würde jetzt das Ziel sein. Eine Kerkerzelle, vermutlich nicht mal unweit von Apollo entfernt, falls dieser noch lebte.
Sie schritten durch unzählige Gänge und Türen. Das reinste Labyrinth, wenn man sich nicht auskannte.
Der Geruch von Moder und Dreck und Tod kam dem Rabenhybriden entgegen. Vor einer schweren Tür, die durch einen Hebel geöffnet wurde. Dafür brauchte der Mann hinter ihm nicht mal den Hybriden loslassen, als dieser den Hebel mit einer Hand betätigte.
Der Raum dahinter hätte auch die Kanalisation sein können, denn drei Stufen von der Tür weg, war eine seltsame stinkende Flüssigkeit zu erkennen.
Was jedoch seltsamer war, dass über das Messer von der anderen Seite irgendetwas rüber flog. Es sah wie ein farbloses Insekt aus, aber unter diesem Tier dampfte die Flüssigkeit weg. Und es war, als würde nur der Hybrid es sehen. Es hielt in dem Moment, wo es scheinbar von Uriel bemerkt wurde und kam auf Augenhöhe. Es strahlte für den Hybriden nur sanfte Wärme aus. Fast schon schien es freudig den Rabenhybriden zu umschwirren.
Ob Uriel erkannte, dass ihm diese Kreatur geschickt wurde.
„Esmeralda lässt ihren Dank ausrichten“ knurrte die Stimme hinter ihm und er konnte ein leises Geräusch wahrnehmen, was dem Knirschen von Stoff und Leder. Der Kerl hatte ein scharfes Messer gezogen und packte jetzt den Hybriden am Nacken um ihn nach hinten zu zerreißen und die Klinge über dessen Hals zu ziehen.
Wie war das noch mit dem Plan? Jetzt sollte schnell improvisiert werden, sonst hatte es sich erledigt. Zumindest müsste er Meresin nicht mehr helfen, aber wenn der aus dem Harax kam, vielleicht würde seine Seele dann bei ihm landen?
Dieses Wesen schien zumindest auf etwas zu warten.
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 16. Februar 2013, 20:31

Links, Links, Geradeaus, nach Rechts.... Uriels Augen huschten über die Wände, während er sich jede einzelne Richtungsänderung merkte. Schon, als sein Wächter ihn mitgeschleift hatte, war ihm klar gewesen, dass es nicht unbedingt in Richtung Gästezimmer gehen würde. Zwar hatte er beim letzten Mal einen guten Einblick in die Gastfreundschaft der Diebe bekommen, allerdings bezweifelte er, dass sie es bei "Mördern" ebenso halten würden. Nein, Esmeralda wollte ihn loswerden. Das war klar. Die Frage war nur warum?
Beinahe verpasste er geistig den nächsten Durchgang, weshalb er schnell diese Fragen auf später verschob. Jetzt musste er erst einmal dafür sorgen, dass er wieder herauskam. Wieder links. Wer hat sich diese verdammten Gänge eigentlich ausgedacht!?, ging es ihm durch den Kopf. Wenn es lange so weiterging, würde er aufgeben müssen. Glücklicherweise hielten sie jedoch nach einer weiteren Biegung vor einer Tür an. Sein Aufpasser zog einen Hebel nach unten und mit einem unheilvollen Knarzen schwang die Tür auf. Uriel schlug der ekelhafte Gestank, von abgestandenem Wasser, Exkrementen und anderen wenig gut riechenden Dingen entgegen. Die Zelle, vor der er stand, war klein und feucht. Kein Ort für ein freundliches Verhör, wurde dem Hybriden klar. Nein, hier schloss man seine Feinde weg. Und zwar meistens auf ewig. Esmeralda...das ist nun doch wirklich zu freundlich.

Eine Bewegung zog Uriels Aufmerksamkeit auf sich. Aus der Dunkelheit des Raumes flog etwas auf ihn zu. Als es näher kam, erkannte er, dass es sich um ein kleines Insekt handelte. Farblos, ähnlich einer Libelle. Es schwirrte um das Gesicht des Kuriers herum, als würde es ihn abschätzig betrachten und verströmte dabei eine Wärme, die Uriel bekannt vorkam. Interessanterwiese reagierte der Dieb hinter ihm auf das magische Insekt - und dass es magisch war, konnte selbst ein Blinder mit einem Krückstock erkennen - nicht. Stattdessen packte er Uriel auf einmal am Schlafittchen und zog mit einem schabenden Geräusch ein Messer aus dem Gürtel. „Esmeralda lässt ihren Dank ausrichten“, knurrte er und hob die Waffe. Und der Hybrid grinste zynisch. "Gebe ich gern zurück."
Völlig überraschend verlagerte er sein Gewicht und sprang nach hinten in den Meuchler hinein. Durch die plötzliche Bewegung überrascht, verfehlte dieser Uriels Kehle. Kreischend prallte die Klinge gegen die Wand und glitt am Stein ab. Schwarzschwinge nutzte die Chance, die sich ihm bot. Der Raum war zu eng, um das Schwert zu ziehen und für Magie war keine Zeit. Also stieß er den Schläger mit voller Wucht seinen rechten Ellbogen in dessen Magengrube. Der keuchte und stolperte nach hinten. Uriel ließ ihm keine Verschnaufspause, sondern packte den Arm der den Dolch hielt und schlug den Mistkerl mit der anderen Faust mit aller Kraft ins Gesicht. Einmal, zweimal. Beim dritten Mal hört er die Nase brechen. Ein Kopfstoß beendete die ganze Angelegenheit und schickte den Mistkerl zu Boden. Nicht sehr elegant, aber effektiv.
Der Schläger stöhnte, hielt sich das Gesicht und versuchte sich aufzurappeln. Als Uriel jedoch sein Schwert zog und es auf seine Kehle richtete, erstarrte er. Der Hybrid atmete heftig, doch auf seinen Zügen war ein schiefes Lächeln zu sehen. "Wenn du das nächste Mal jemand umzubringen versuchst, solltest du ihn vielleicht vorher entwaffnen, mein Freund." Dann verschwand das Lächeln und machte er einer eiskalten Miene Platz. "Allerdings setzt das voraus, dass du noch einmal die Chance dazu bekommst." Mit diesen Worten stieß er zu. Der Stahl stieß durch die Haut und schlitzte dem Mistkerl den Hals auf. Sein Mund klappte auf, doch alles was über seine Lippen kam, war ein leicht furzendes Geräusch, als die Luft über den Stahl fuhr. Krampfartig versuchte er die Wunde mit den Händen zu verschließen und den Blutfluss zu stoppen. Uriel selbst stand stumm da und sah dem Mann beim Sterben zu. Als er schließlich endlich still in einer sich ausbreitenden Blutlache zusammenbrach, wischte der Hybrid das Blut von seiner Klinge. Er stieg über den Leichnam und ging den Weg zurück, den er gekommen war.

Das Insekt schien ihm zu folgen, aber Uriel hatte jetzt andere Dinge im Kopf. Er ahnte, wer ihn dieses Ding geschickt hatte, auch wenn ihm nicht klar war, warum Meresin das getan hatte. Er hatte jedoch aufegeben die Beweggründe dieses Elfen zu verstehen. Stattdessen wandte er sich nun anderen Dingen zu. In diesem Fall, Esmeralda.
Die letzten Aktionen hatten einige offene Fragen bei Uriel beantwortet. Allein die Tatsache, dass sie versucht hatte ihn umzubringen, zeigte deutlich, dass es hier um mehr ging, als nur die sexuellen Frustrationen einer Frau. Nein, sie hatte ihn still und heimlich loswerden wollen. Warum? Vielleicht, weil sie dachte, dass er ihr gefährlich werden konnte. Denn so wie es aussah, war er einer der Letzten gewesen, der mit Lucheni Vampa gesprochen hatte, bevor dieser beschlossen hatte, das Zeitliche zu segnen. Und wenn er eine geltungssüchtige, paranoide und anscheinend auch machthungrige Enkelin wäre, hätte er vermutlich ähnlich gehandelt. Er hätte es vielleicht eher selbst in die Hand genommen, aber im Großen und Ganzen...
Dass die rothaarige Schönheit Dreck am Stecken hatte, war klar. Für jemanden, dessen Großvater eben gestorben ist, hatte sie ein wenig zu sehr zufrieden gewirkt. Hatte sie womöglich mit Meresin gemeinsame Sache gemacht? Oder hatte er ihr einfach nur in die Hände gespielt? Vielleicht irrte sich uriel auch und der Spiegelläufer hatte gar nichts mit den Geschehnissen hier zu tun? Dann ging sein Blick zu der Libelle und seine Miene verfinsterte sich. Die Möglichkeit bestand, auch wenn sie ihm nicht gefiel. So oder so, Esmeralda würde ihm die entsprechenden Antworten liefern. Vorausgesetzt er fand sie. Allerdings hatte Uriel schon eine Vermutung, wo sie sein könnte. Wenn sie nämlich richtig einschätzte, so würde sie sich es ganz gewiss nicht nehmen lassen mit ihrer jetzigen Machtposition zu prahlen oder zumindest Eindruck zu schinden. Er würde sie also vermutlich in der Haupthalle finden. Und wenn nicht da, dann im Arbeitszimmer ihres Großvaters.
Ab hier zweimal nach links..., erinnerte er sich, als er durch die Gänge schritt. in diesen Momenten war froh, zum Teil ein Vogel zu sein. Der Rabe hatte sich tatsächlich den Rückweg gemerkt, und er war ebenso erpicht darauf, wie Uriel, die steinernen Decken loszuwerden. Daher führte in sein Instinkt zuverlässig Richtung Ausgang.

Dann wurde Uriel jedoch langsamer. Selbst wenn er Esmeralda finden würde, wie brachte er sie zum Reden? Sie alleine anzutreffen, wäre das Günstigste. Doch er wollte sich nicht auf so viel Glück verlassen. Sobald ihn die Diebe sahen, würden sie versuchen ihn festzunehmen oder sogar zu töten. Und nachwievor wollte Uriel kein Massaker anrichten. Abgesehen davon, dass sie ihn in Stücke reißen würden.
Er brauchte einen Verbündeten. Nur leider waren die rar gesät und vor allem in der Diebesgilde gab es keinen, der bereit wäre ihm zu helfen. Derjenige müsste schon ein ziemliches Vertrauen in den Hybriden haben und Vampa selbst nahe genug gestanden haben, damit er wegen dessen plötzlichen Ablebens Zweifel hegen konnte. Ganz abgesehen davon, dass auch Esmeralda ihm vertrauen müsste. Aber wer könnte diese Voraussetzungen denn erfüllen? Abrupt blieb Uriel stehen, als ihm klar wurde, wer. "Vigaro....", murmelte er. Sofort beschleunigte er seinen Schritt.
Dann hieß sein nächstes Ziel wohl: Küche. Und nebenbei betete er zum Götterpaar, dass er es ungesehen dahin schaffte.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 13. März 2013, 15:35

Die Libelle, oder was es auch immer war, flog immer in der Nähe von Uriel. Selbst als dieser in einem wilden Kampf mit dem anderen Mann verfiel, wich sie ihm nicht von der Seite. Surrte nur aus der Reichweite und näherte sich, als wieder es ruhig war..
Der Räuber wusste, dass er verloren hatte und er hob beschwichtigend seine Hände- hoffte auf die Gnade des Hybriden. Die Libelle surrte aufgeregt, so als könne sie die Spannung in der Luft nicht ertragen, die Uriel ausnutzte, bevor er seine Klinge durch die haut des Mannes fuhr. Diesmal weichte sie doch von ihm und während der Mann mit einem leiser werdenden Gurgeln sein Leben verlor, glühte dieses seltsame Insekt auf und etwas schien kurz sich von dem Mann zu lösen. Es sah wie ein Lichtfunken aus oder eine flackernde kleine Seifenblase, die zu der Libelle schwebte und als sie das Wesen traf verschwand. Vielleicht die Seele oder der letzte Atemhauch? Augenblicklich war es, als könne man einen Anflug von Totenkälte spüren.
Das Insekt wurde wieder fast farblos und flog wieder zu dem Kurier.
Dieser hatte jetzt das Ziel schnell aus dem Gebäude zu kommen, denn bekanntlich lief ihm die Zeit davon. Seine Fähigkeiten als Rabenhybrid hatte in den verworrenen Gängen und Räumen einen ziemlich guten Vorteil und so kam er schnell aus der der nach Moder und Unrat riechenden Bereich in den Hauptgängen der Gilde. Hier war es ihm bekannter und es war stärker beleuchtete, wenn auch nicht wie am hellsten Tag. Er wusste, dass Esmeralda ihn hatte töten lassen wollen und dass er schlecht etwas gegen sie machen konnte, wenn er alleine war. Er brauchte verbündete! Aber war die Zeit da, die er brauchte um das vermutliche Lügengerüst der schönen aber auch intriganten Frau zu durchbrechen? Viel Zeit hatte er nicht und das kleine Wesen neben ihn, glühte in Abständen von Minuten kurz auf. Meresin hatte ihn also etwas gesendet, was die Zeit ankündigte. Fast schon nachsichtig oder eher verspottend.
Uriel war gerade um die nächste Biegung, als die Libelle plötzlich vor seinem Gesicht war und ihn zu stoppen versuchte. Das hieß das Wesen stupste ihn wieder und wieder an, ließ sich auch nicht vertreiben. Hartnäckig.
Kurz darauf hörte man schritte…und man konnte Schatten sehen, die an der Wand flackerten. Würde Uriel sich umdrehen, so gäbe es mehr als eine Nische wo er sich verbergen konnte und ein Gesehen werden zu verhindern. Drei gestalten schritten durch den Flur!
Die Schritte hallten durch den Gang. Schweres Schuhwerk und das Klappern von Absätzen.
„ich will, dass die Leiche sofort entsorgt wird…. Mir ist egal wie, nur darf sie nicht gefunden werden..“ hörte Uriel eine weibliche Stimme. Ein zustimmendes Murmeln.
Es war Esmeralda!
„Und jeder der gegen mich ist, ist auch gegen das Gedenken an meinen Vater! Großvater hat die Gilde zu Grunde gerichtete, das werde ich wieder in Ordnung bringen… Fragen?“
„ Was soll mit Cassandra geschehen?“ erklang die tiefe Stimme eines für Uriel fremden Mannes. Er hatte deutlich Akzent. Es klang befremdlich. Der Schatten, wenn es der des Mannes war, war groß und gewaltig und er schien Stachel zu haben oder etwas als Rüstung zu tragen, was Stachel hatte. Das Klappern von einer Rüstung war jedoch nicht zu hören, als wusste die Person sich zu verbergen.
„Danorus, ich habe gesagt, dass sie deinem Volk gehört, sobald ich die Führung habe…du kannst sie dir holen“ Ein dunkles und grausames lachen ertönte, was aber nicht annähernd die Grausamkeit von Meresin wiedergab.
„Werde ich mit Vergnügen machen!“ Dann schien der Mann noch etwas zu sagen und machte kehrt, bevor Uriel die Gestalt erkennen konnte.
„Komm schon, Meinhold…ich muß noch ein Treffen organisieren“ und so erschien sie und ein großer, aber dümmlich dreinblickender Mann um die Ecke um dem Kurier entgegen zu kommen.
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 1. April 2013, 17:37

Es war still in den Gängen der Diebesgilde. Außer dem Scharren von Uriels Krallen war nichts zu hören, während der Hybrid vorsichtig durch die Gänge schlich. Ihm war natürlich klar, dass es mit Unauffälligkeit bei ihm nicht weither war. Wenn irgendeiner ihm in diesen Gängen entgegenkommen würde, würde er sofort entdeckt werden. Da konnte er so leise sei, wie er wollte. Sein einziger Vorteil bestand darin, dass die Gänge so gewunden waren, so dass die vielen Biegungen und Ecken ihm immerhin etwas Deckung gaben. Dennoch war es ein geradezu närrisches Glücksspiel, dass er hier betrieb. Darauf zu vertrauen, dass ihm niemand begegnete. Aber in letzter Zeit waren sowieso in vielen seiner Pläne Glück involviert gewesen. Da machte einer mehr oder weniger den Garten auch nicht dreckig. Zumindest versuchte sich Uriel das einzureden. Sein Blick glitt immer wieder zu dem farblosen Insekt an seiner Seite. Inzwischen hatte es angefangen in kurzen Abstanden aufzuleuchten. Es hatte für den Hybriden nicht viel Grips gebraucht, um zu erkennen, was sein "Vater" damit andeuten wollte. Ich hab nicht mehr viel Zeit...
Gerade als Uriel um die nächste Biegung gehen wollte, schwirrte ihm die Glühlampe auf vier Flügeln plötzlich vors Gesicht. Genervt wollte er sie wegwischen. Er hatte keine Zeit für noch einen grausamen Scherz! Doch das Vieh ließ sich nicht beirren. Mit Sturheit, die selbst einem Esel alle Ehre gemacht hätte, stupste es ihm immer wieder gegen die Nase. Ihm wollte schon ein deftiger Fluch von Lippen kommen, als Uriel dann endlich die Schritte hörte. Panisch sah er sich nach einem Versteck um. Doch außer graue Wände und einem Fackelhalter war nichts zu sehen. Schon konnte er die Schatten sehen, die von den Fackeln geworfen wurden. Phaun, bitte lass mich jetzt nicht Stich!, ging es Uriel durch den Kopf. Dort! Ein paar Schritte weiter hinten war eine Nische in der Wand. Ohne zu Zögern quetschte sich er hinein, auch wenn er sich fragte, woher, bei Florencias grünen Daumen, diese Nische hergekommen war!

Gerade als der Bote sich versteckt hatte, begannen die Personen im Gang anzuhalten. Sie bemühten sich nicht gerade leise zu sein und so konnte Uriel jedes einzelne Wort verstehen. Na ja, fast jedes. Denn sein Lerium war sehr schlecht, bis hin zu nicht existent. Dennoch konnte er sich denken, was der große Kerl in der unschönen Rüstung von sich gegeben hatte. Und das Ergebnis gefiel ihm gar nicht. Wenn Uriel ehrlich sein wollte, so ging ihm die Diebesgilde am Arsch vorbei. Selbst den Auftragsmord an Apollon hatte er nur mitgemacht, weil die Belohnung so extrem vielversprechend gewesen war und sein Geldgier für einen kurzen, wenn auch verhängnisvollen Moment, seine Vernunft überlagert hatte. Der einzige Grund warum er nun sich nicht einfach umgedreht hatte und diese Idioten hatte sterben lassen, war ein kleiner, mit braunen Haaren und Glubschaugen: Cass. Und nun musste er erfahren, dass ihre verehrte Schwester, die herzensgute und ihm nicht wohlgesinnte Esmeralda, vorhatte sie an die Dunkelelfen zu verkaufen. Uriel hatte eine gewisse Toleranzschwelle, was Angriffe auf seine Person angingen. Er hatte nichts gegen Verführung und auch bei versuchten Mord hätte er Esmeralda nur grün und blau geprügelt und sie Dreck fressen lassen, wenn er die Gelegenheit dazu bekommen hätte. Wie gesagt, er kannte das Prinzip von Gnade. Aber nun war bei ihm eine Grenze überschritten worden. Wo vorher noch Selbstmitleid und Galgenhumor waren, blieb jetzt nur eines: Kalte Wut. Und der Wunsch es dieser rothaarigen Schlampe heimzuzahlen!
Nachdem der genannte Danorus sich entfernt hatte, setzte sich Esmeralda zusammen mit ihrem Begleiter Meinhold wieder in Bewegung. Uriel blieb in seine Nische hocken und wartete, während seine rechte Hand auf der Klinge lag. Der Rabe in ihm schrie, dass er hier raus sollte und ein Teil seines Verstandes sagte ihm, dass es Wahnsinn war, was er da vorhatte. Aber ein weitaus größerer Teil befahl beiden still zu sein und ihn machen zu lassen. Beinahe lautlos löste er den Dolch, den er dem Dunkelelfen Marek in der Kanalisation abgenommen hatte, vom Gürtel. Die schwarze Klinge reflektierte das Licht nicht und angesichts der unsteten Schatten, die die flackernden Fackeln warfen, war es wahrscheinlich, dass die beiden ihn zu spät bemerken würden. Vor allem, wenn er das Licht löschen würde. Und für den Notfall nahm Uriel noch eine seiner verbliebenen Mehlbomben in die linke Hand. Er war wütend, aber nicht dumm.

So wartete er, den Blick auf die näherkommend Schatten gerichtet, bis sie nah genug heran waren. Er prägte sich die Position ein, wo die beiden nun sein mussten, dann flüsterte er einen kurzen Befehl. Mit einem Mal wurden die Fackeln in unmittelbarer Nähe gelöscht und der Abschnitt wurde in Dunkelheit gehüllt. Dann trat er aus der Nische und stieß den Dolch in die Richtung, wo der tumbe Meinhold stand, auf dessen Kehle zu. Rasch hielt er den Atem an, warf die Bombe auf den Boden und zog sein Schwert. Das Mehl würde verhindern, dass Esmeralda nach Hilfe schrie und sie zusätzlich behindern. Mit zornfunkelnden Augen stürzte sich Uriel auf sie...

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 17. April 2013, 16:17

Hmm, täuschte er sich? Nein, er konnte es genau spüren, die Wut...der Funke von Macht. Meresin schlug die Augen wieder auf, nachdem er sich selber mit einem Zauber ausgepowert hatte. Aber diese Emotion entschädigte ihn für alles. Sie gab Kraft, genau wie diese Stadt.
Distanzmagie war ein gefährliches Wagnis, selbst für jemand wie ihn. Auch wenn sein Sohn es glauben sollte, so war auch Meresins Kraft beschränkt, nicht nur wegen diesem verdammten Gefängnis in dem er noch festsaß. Nein, seine volle macht war noch nicht entfesselt, aber würde sich noch bald ändern. Er drehte sich in die Richtung von wo er die Wut seines Sohnes wahrnahm. Köstlich, es gab doch nichts Schöneres. Eine geschmeidige Geste und ein seltsames Muster malte er in die Luft. Kurz glühte es auf.
Das kalte Lächeln war auf das Kommende ausgerichtete, als er seine Hand ausstreckte und nur leise“ es liegt an dir!. Sie kann dir helfen....oder zeige wessen Sohn du bist“ flüsterte.

Ungesehen für Uriel heftet sich das Insekt an die dunkle Klinge und verschmolz mit diesem. Die dunkle Klinge gab nicht die kleine Refektion von sich und als Uriel dann angriff, ging alles sehr schnell.
Die plötzliche Dunkelheit ließ ein Fluchen von Esmeralda ertönen und Uriel warf die die Mehlbombe, dass sich weißer Straub im Gang verteilte. Ein weiteres Schimpfen und Rufen, hing in Husten und wedelnden Bewegungen unter.
Desweilen traf die Klinge ihr Ziel. Gurgelnd versuchte Meinhold noch zu schlagen, bevor es zu unkontrollierten Zuckungen wurde. Blut floss auf die Klinge und spritze hoch, als die Arterie zerschnitt. Uriels Klinge glühte kurz weiß auf, bevor sie tiefrot und dann wieder schwarz wurde. Das Insekt löste sich davon, jetzt mit einem roten Leuchten in sich. Meinhold war schon zu Boden gegangen, als Uriel einen weiteren Angriff tat. Die Augen wieder so leer und ausgebrannt.
Unter Husten hörte man die Frau, die versuchte was zu sagen oder zu rufen.
„mein..arg...hust......was soll das?...*hust*....verdammt...“
Die Wut in den Hybriden war am Brodeln, nur leider hatte er dabei etwas vergessen, Nämlich dass er unkontrolliert war. Er also aufpassen musste. Denn das Feuer in ihm, wurde größer und größer. Nährte sich an der Wut.
Wie hatte Meresin noch gesagt, Uriel solle achtgeben, sonst würde er selber alle den Tod bringen.
Uriel konnte die Frau sehen, die mit Mehl über und über bestäubt war. Sie blinzelte stark und Tränen rannen ihr übers Gesicht, zogen hässliche Spuren auf die bemehlte Haut. Noch hatte sie ihn nicht gesehen, aber dann weiteten sich die Augen, nur einen Sekundenbruchteil zu früh- und sie selber zog blitzschnell eine Klinge. Sie hatte Meinhold erblickt und jetzt Uriel, der sie ansprang.
„DU...“ stieß sie wutschnaubend hervor, und fing die Klinge des Hybriden mit ihrer ab.
Hier zeigte sich, dass die Frau auch kämpfen konnte und nicht nur zum Schein Waffen trug. Sie hatte zwar nur das durchtriebene Aas gespielt, aber sie konnte einer Amazone das Wasser reichen. Die Überraschung des abgefangenen Schlages, erwiderte sie bei ihm mit einem festen Tritt in seinen Magen. Der schwere Stiefel mit dem hohen Absatz traf sein Ziel.
Die Libelle schwirrte indes um Esmeraldas Kopf herum, doch im Gegensatz zum ersten Mal bei dem Kerl, der Uriel umbringen sollte, sah sie das Tier. Mit einer Hand versuchte sie es wegzuwedeln, während sie ihre Armbrust zog und spannte . Aber wie der Bote selber ja wusste, war es hartnäckig.
„Was ist das?...Ach komm schon Uriel, ist das Alles“ Sie blockte den nächsten Angriff ab und duckte sich weg. Sie war verdammt flink.
Und in diesem Moment erhielt der Rabenhybrid die Worte von Meresin.
So als wäre er direkt neben ihn. Er konnte die seltsame Wärme spüren und Esmeralda keuchte auf. Jedoch neben ihn oder überhaupt war keine weitere Person. Sie begann zusehends zu schwitzen, wischte sich den Schweiß weg. Ein schnellerwerdenes Atmen und sie sah den Hybriden an. Die Augen geweitet.
„... sie hatte recht!....“ stieß sie hervor, warf ihm die Armbrust zu Füßen, drehte sich um und wollte fliehen.
Ob Uriel sie fliehen ließ war dagegen etwas anderes. Er selber würde merken, wie sich das mehr, welches noch aufwirbelte, immer wieder in Funken auf ging. Die Fackeln entzündeten sich und erloschen sofort. Es war als Spiele die Magie verrückt, seine Magie!
Ein Brennen war in seinen Händen und er qualmte. Die Libelle stand fliegend in der Luft und ließ sich dann auf der Hand des hybriden nieder. Es war als sah sie ihn fragend an und drehte sich dann zu Esmeralda. Sie leuchtete auch nicht mehr pulsierend. War die zeit um?
Auf jeden Fall fühlte sich der Hybrid an, als würde er innerlich platzen. Als wäre er mit zu viel Energie und Wut aufgeladen.
„Wut kann einen zerfressen und sich explosionsartig entladen...deswegen Uriel, lasse dich nie von Gefühlen übermannen...hörst du?. Lass Wut und Hass nie in dein Herz komplett eindringen“ Worte seiner Mutter, die er gesagt bekam, als er sich mit der Tatsache konfrontiert sah, nie mehr ein normaler Elf zu sein. Hatte sie dies mit einem bestimmten Grund gesagt, weil sie wusste, wessen Sohn er war?
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Freitag 3. Mai 2013, 18:14

Der dunkle Stahl schnitt mit verstörender Leichtigkeit durch Haut und Sehnen, als Uriel den Dolch in Meinholds Hals versenkte. Heißes Blut schoss aus der Wunde und ergoss sich über seinen Arm, bevor er die Waffe losließ und sein Schwert zog. Er achtete nicht auf den sterbenden Mann zu seinen Füßen, oder auf die völlig verrückt flackernden Fackeln, die den Gang in ein albtraumhaftes Wechselspiel aus Schatten und Licht tauchten. Auch für das glühende Insekt an seiner Seite, welches agiler denn je wirkte, hatte der Hybrid keine Augen. Nein, seine ganze Aufmerksamkeit hatte er der Frau mit den roten Haaren gewidmet, die hustend und keuchend aus der Mehlwolke taumelte. Mit zornfunkelnden Augen stürzte er sich auf sie, welche nun den ganzen Ausmaß seiner Wut zu spüren bekommen sollte.
Seit mehr als einer Woche war er von einer Katastrophe in die nächste gestolpert. Angefangen mit der elendigen Reise nach Pelgar, über den Kampf mit Apollo, bis hin zu Meresin, der ihm nun im Nacken saß, wie ein hungrige Spinne. Tage gefüllt mit Frust, Todesangst und mangelhaften Urteilsvermögen, was Auftraggeber anging. Und war da diese Frau, diese hinterhältige Schlange, die ihn umbringen wollte und die nun vor ihm stand, als würde sie förmlich um den Tod betteln. Es war also recht verständlich, warum Uriel nun Risiko und Sicherheit hinter sich ließ und seinem angestauten Hass freien Lauf ließ. Verständlich, wenn auch nicht klug.

Wie ein Fallbeil sauste sein Schwert hinab. Klirrend krachte Stahl auf Stahl, als Esmeralda es doch tatsächlich schaffte, ihr eigenes Schwert zur Abwehr zu heben. Für einen kurzen Moment zögerte Uriel, der Zorn in seinen rotglühenden Augen flackerte. Dann traf ihn Esmeraldas Stiefel, presste ihn die Luft aus den Lungen und erinnerten ihn schmerzhaft daran, dass er sich gerade in einem Kampf auf Leben und Tod befand. Doch hinter dem Schmerz meldete sich die Wut wieder, wie ein verlorener - und unerwünschter - Freund. "Esmeralda....", zischte er und die Fackeln loderten auf und warfen Ruß an die Wände. Flammen flackerten über seinen Körper, Asche fiel aus seinen Schwingen, als seine Magie mehr und mehr Amok lief. “Es liegt an dir! Sie kann dir helfen....oder zeige wessen Sohn du bist“ Meresins Worte zuckten durch seinen Kopf, als hätte der unheimliche Elf direkt neben ihm gestanden und sie ihm ins Ohr geflüstert.
Anscheinend bemerkte Esmeralda, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Hastig zog sie ihre Armbrust. Erneut kam die Libelle Uriel zur Hilfe, als sie in ihr Sichtfeld flog und ihr das Zielen erschwerte. Wie zuvor Uriel, zögerte auch Esmeralda und auch wie er, sollte sie es bereuen. Denn der Hybrid warf sich erneut auf sie. Teilte wilde Hiebe aus, ohne Finesse oder Können, nur mit blinder Wut. Und wäre nicht die Hitze gewesen, und eine nicht gerade geringe Ansammlung von Glück, hätte die Diebin ihn wahrscheinlich innerhalb von Sekunden auseinander genommen. So aber parierte sie mühevoll seine Schläge, schwitzend, keuchend. Angst strich über ihr Gesicht und sie stolperte nach hinten. „... sie hatte recht!....“, flüsterte sie. Dann drehte sie sich um und versuchte zu fliehen.

Fauchend baute sich eine Flammenwand vor ihr auf, als Uriel den Arm hob. Macht durchströmte seinen Körper. Sein Blut kochte ihn seinen Venen und sein Geist selbst schien förmlich zu brennen. Es war berauschend! Ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln. Worte entrangen sich seiner Kehle, ebenso wie die Funken, die um ihn tanzten. Es war so einfach. Er konnte sie jetzt einfach töten. "Wo willst du hin, Mörderin?", fragte er sie sanft. Er winkte mit seiner Hand und die Flammen schlugen höher, zwangen Esmeralda zurückzuweichen. "Hast du nicht etwas zu erledigen?"
„Wut kann einen zerfressen und sich explosionsartig entladen...deswegen Uriel, lasse dich nie von Gefühlen übermannen...hörst du? Lass Wut und Hass nie in dein Herz komplett eindringen“ Wieder gingen ihm fremde Worte durch den Kopf. Diesmal jedoch sanft, fast schon traurig. Sie stammten aus einer glücklicheren Zeit, von seiner Mutter. Mit einem Mal erinnerte sich Uriel an diesen Moment. So intensiv, als hätte er es gerade noch erlebt. Es war ein Nachmittag gewesen, während der Zeit der Abendsonne. Die Bäume hatten angefangen ihr grünes Kleid abzulegen und ein neues aus Rot, gelb und Braun, zu tragen. Die Sonne war langsam hinter der Talkuppe verschwunden und hatte alles in goldene Strahlen gehüllt. Er hatte damals neben seiner Mutter auf der Bank in ihrem kleinen Garten gesessen, unter dem alten Apfelbaum, der seit Jahren keine Früchte mehr trug. Sie hatte das Stickzeug beiseite gelegt und diese Worte gesprochen, während sie ihn ruhig, ja sogar schon traurig angesehen hatte, mit ihren rehbraunen Augen. Als wüsste sie etwas, dass sie sich nicht getraute zu sagen. Etwas, was sie einst selbst erlebt hatte...

Mit einem Ruck kehrte Uriel in die Gegenwart zurück. Vor ihm war Esmeralda, mit Schweiß und Mehl bedeckt, ihre Frisur ruiniert und Panik auf ihren Zügen. Die Flammen um Uriel flackerten, doch etwas hatte sich verändert. Die Wut war nicht verschwunden, keineswegs. Aber er fühlte sich nicht mehr so, als würde er gleich explodieren. Als hätte jemand das Chaos aus Hass und Frust in seinem Geiste gedämpft und es dem Hybriden erlaubt, wieder zu denken. Uriel senkte sein Schwert und atmete langsam aus. "Ich. Will. Antworten. Sofort.", sagte er mühsam kontrolliert. Seine glutroten Augen blickten grimmig auf Esmeralda hinab.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 22. Mai 2013, 00:47

Wie bitte? Was machte er da?
Meresin glaubte er träumte, denn das was er spürte, war nicht das, was er fühlen wollte. Oh nein! So würde es nicht ablaufen…so nicht.
Der seltsame Elf sprang vom Dach des Hauses auf dem er gerade gestanden hatte, die Flügel entfalteten sich wie von selbst, so dass er elegant auf dem Boden zum Stehen kam. Wie gerne würde er jetzt einfach dieses mickrige kleine Diebesnest auslöschen. Aber wenn er jetzt handelte, so würde er unter Umständen auch diese Prophetin vernichten. Und er brauchte doch einen kleinen positiven Anreiz. Sein Geist horchte auf…striff durch die der Gilde…und streifte auch Uriel. Eine Woge Zorn war deutlich zu spüren. Kalter und unberechenbarer Zorn.
Sehr gut, die kleine war nicht mehr da! Der Plan lief wie verabredet.
Doch so, was er jetzt mitbekam, passte es ihm überhaupt nicht. Er ballte die Hände zu Fäusten, dass seine langen Nägel sich in die Handflächen gruben. Die Augen waren wie ein Feuer, was unheilvoll am Lodern war. Alles…aber auch wirklich alles musste er alleine machen. Uriels Wut war gezügelt worden. Warum?
Er trat zu der Tür, dort wo Uriel hindurch geschlüpft war. Seine flachen Hände drückten gegen das Material, dass dieses zu glühen anfing. Und wenn er sich seiner Kraft für heute beraubte, die durften nicht über ihn sich in den Weg stellen.
"Brenne, kleine Flamme, brenne… lösche was nicht von meinem Blute ist…. Brenne“ murmelte er die alten Worte, während er seinen Zorn entfachte. Ein kleiner Funke bildete sich aus dem nichts, schlüpfte durch einen Spalt…. Und wuchs….


Esmeralda war panisch, sie stolperte nach hinten. Aber wo sollte sie hin? Die Flammen hatten ihr den Weg versperrt. Ihr Leibwächter war hingestreckt worden und trocknete…trocknete? Wie eine Trockenpflaume. Die Luft war heiß und trocken. Doch das Schlimmste war der Rabenhybrid. Nie, nein niemals hätte sie solche Macht in ihn erwartet. Hätte sie das gewusst, dann hätte sie vorsichtiger agiert… sensibler. Ihre Schwester hatte recht gehabt, Uriel würde den Feuertod bringen. Ihnen allen! Nur hatte die Frau gedacht, dass er nur der Bote war, nicht dass er es persönlich ausführen würde. Ihr Herz schlug ihr noch immer bis zur Brust und zitterte. Wann hatte der hybrid so eine Angst in einem gegn er gesehen. Sie sah ihn an, als wenn er ein Dämon persönlich war und fiel zitternd auf die Knie, weiterhin nach Luft schnappend.
„bitte….“ Die Stimme hörte sich rau an und brüchig.
„Was willst du…wissen? Was?... bitte….“ Sie hockte auf den Knien, die Flammen züngelten noch neben ihr. Die Libelle sah unverändert auf dem Handrücken von Uriel, drehte sich aber plötzlich mit dem Kopf zu Uriel um und richtete ihren Kopf dann woanders hin. Sie glühte grell auf, nicht mehr wie eine zeiteinsage, sondern als wäre das Tier panisch. Duckte sich fast schon in die Hand des rabenhybriden. Sie hatte eindeutig Angst…. Jemand schien zu verhindern wollen, dass Uriel etwas erfuhr. Ein Grollen schien aus dem Gang zu kommen, von dem Uriel gekommen war. Auch Esmeralda blickte jetzt fragend auf und sah dorthin.
„Es geht um meine Schwester, oder?“ Sie blickte weiterhin in den Gang, begann aber wie von selbst zu sprechen. Als ahnte sie, was da war. Als hätte etwas ihre Lunge gelockert.
„Das war der Handel, ich bekomme die Herrschaft über die Gilde und sie kommt nach Morgeria. Das war sein Handel…. Uriel, bitte…. „ Sie sah auf, kämpfte sich auf die Beine und stellte sich vor dem Hybriden. Die zunehmende Panik war nicht übersehbar. Sie blickte auf die Klinge.
„Bitte…töte mich…bitte…BITTE“ Wenn man bedachte, dass sie kurz zuvor noch ihn anbettelte, dass er sie verschonen sollte, mehr als seltsam. Sie blickte immer wieder in den Gang aus dem das Grollen lauter wurde…und was war das?....es hörte sich wie Schreie an. Dann kreischte etwas. Ein lauter werdendes Quicken und Rasseln. Dann plötzlich, Ratten und Mäuse! Massenhaft in Scharren, rannten sie an dem Hybriden und der Frau vorbei…. flüchteten.
„Entweder töte mich…oder lass uns weglaufen!“ flehte sie ihn an.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 29. Mai 2013, 21:43

Uriel gab sich stärker, als er sich fühlte. Sein Kopf schmerzte, als würde ein Zwerg mit einem Hammer von innen dagegen schlagen, und er atmete schwer. Er hatte seine Kräfte zu oft, zu exsessiv benutzt. Erst beim Kampf gegen den Dunkelelfen in der Kanalisation, dann bei Apollo und nun jetzt. Ganz zu schweigen davon, dass sie kurz davor gewesen waren Amok zu laufen. Er hatte sie all die Jahre zurückgehalten und war nun innerhalb kürzester Zeit dreimal an seine Grenzen gegangen. Nun zahlte er den Preis dafür in Form eines haraxischen Katers.
Auch wenn es merkwürdig war. Uriel hatte schon immer gewusst, dass die Nutzung von Feuermagie mehr Risiken in sich trug als jede andere Schule der Elementarmagie. Dennoch hätte es nicht zu solch einem Ausbruch kommen dürfen. Was war nur los mit ihm? Seid er Meresin getroffen hatte, hatte er sich nicht mehr im Griff. Löste der Kerl irgendetwas in ihm aus? Machte ihn dass ganze Gerede von "Papi-Sohni" psychisch instabil? Oder vielleicht drehe ich auch endgültig durch...

Energisch schüttelte Uriel den Kopf und wurde prompt mit weiteren Schmerzen belohnt. Er musste sich konzentrieren! Wer wusste schon, wie viel Zeit ihm noch blieb? Seine Augen fixierten wieder Esmeralda, die ängstlich versuchte vor ihm wegzukriechen. Ein schiefes Lächeln zupft an den Mundwinkeln des Hybriden. Auch Apollo hatte auf diese Weise versucht zu entkommen. Und er hatte dabei ähnlich jämmerlich ausgesehen. Obwohl...nein, Esmeralda sah nicht lächerlich oder aufgelöst aus. Nein, was er in ihren Augen sah, war nackte Angst. Ein Ausdruck, der Uriel selbst einen Schauer über den Rücken jagte. War er wirklich so schrecklich in seinem Zorn gewesen? Esmeralda schien kaum fähig zu sprechen, dabei hatte er sie nicht einmal richtig verletzt. „Es geht um meine Schwester, oder?“, flüsterte sie heiser, „Das war der Handel, ich bekomme die Herrschaft über die Gilde und sie kommt nach Morgeria. Das war sein Handel…. Uriel, bitte…. „ Der Angesprochene runzelte die Stirn. Wen meinte sie? Die Person von vorhin? Hatte sie Cass schon ausgeliefert?
Doch sein Gedankengang wurde abrupt unterbrochen, als ihn auf einmal eine Welle aus Emotionen streifte. Für einen kurzen Moment flackerten Bilder vor seinen geistigen Auge: Meresin. Zorn. Tod. Mit einem Mal war Uriel schweißgebadet. Die Libelle auf seinem Handrücken leuchte grell auf, panisch. Ein Warnsignal.

Und dann...hörte er es. Ein Grollen, stetig und immer lauter werdend. Langsam drehte Uriel sich um. Schreie, erfüllt von einem Schmerz, den selbst der Harax nicht kennt. Ratten und Mäuse rannten in Scharen aus ihren Löchern und an Uriel vorbei. Die Flammen in dem Gang flackerten und erlöschten. Doch das Licht, dass vom Ende des Tunnels kam, wurde immer stärker. Und dann wusste Uriel, was dort auf ihn zukam.

Meresin, du Bastard! Keine Zeit zum Davonlaufen. Er packte Esmeralda, ihre Schreie ignorierend mit der freien Hand und zerrte sie mit in die Nische, in der er sich kurz zuvor versteckt hatte. "Wer ist es!?", schrie er sie an, um da dröhnende Grollen zu übertönen. "Wer wollte Vampa loswerden und Cass an sich bringen!?" Ihre Augen waren weit aufgerissen. Es hatte sie fast erreicht.
Die pechschwarzen Flügel breiteten sich weit aus und Uriel mobilisierte seine letzten Reserven, um die Flammen ein letztes Mal zu rufen. Dieses Mal um sie zu schützen. Doch es war nicht möglich. Zu wenig Zeit, zu wenig Kraft. Verzweifelt stellte er sich schützend vor die Frau."ANTWORTE!"

Dann war es da...

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Montag 10. Juni 2013, 09:57

Schon mal das Geräusch gehört? Dieses welches sich näherte? Die Kreatur dahinter? Welchen von Säuberung und Reinheit, Leben…und Tod sprach? Welchen Wärme schenkte und den Mensch und Elfen erst ihre Weiterentwicklung ermöglichte. Zu alten Zeiten war so was immer einen Schlund des Drachens entwichen und es war wohl auch Ironie, dass gerade heute in der Stadt, welche in den sogenannten Drachengebirge lag, dieses alte lebensspendende und lebensverzerrende Feuer sich seinen Weg suchte. Es knisterte und die Flammen züngelten die Wände entlang, suchten weiter nach Nahrung, die doch rar gesät war. Wer nicht durch Hitze und Feuer sterben würde, würde im Qualm und den Mangel an Sauerstoff sterben. Die Flammen kümmerte es wenig. Sie machten keinen Unterschied, ob nun harmloses Tier oder flüchtender Mensch vor ihr war, sie bewegten sich nur weiter. Nährten sich und wuchsen, so wie es aufgetragen wurde. Das es gelenkt wurde und es eigentlich hierher nicht sollte, auch das interessierte es nicht. Es konnte nicht denken geschweige denn fühlen, fraß sich nur weiter. Dort wo er war, war alles verbrannt und zum Teil geschmolzen, was der Hitze nicht widerstehen konnte. Rauchschwaden stiegen auf, wo es Zugänge nach draußen gab, nährte sich an der Luft.
Wie musste es oberhalb wohl wirken, wenn aus den Schächten zur Kanalisation schwarzer Qualm und der Geruch von verbrannten Fleisch aufstieg. Wie die Geburt Faldors? Es war ja nicht überall, nur löschte es die Gilde aus, die sich dort verborgen hatte. Wer rechtzeitig fliehen konnte, würde wohl nicht verstehen, was dort geschehen war. Denn oberhalb war alles friedlich, so als wären die dunklen Besatzer der Stadt Pelgar im Schutze ihrer dunklen Gottheit.
Es hatte sein Ziel fast erreicht und dort sollte es hin. Ein Widerstand gab es, deutlich zu spüren. Es durfte dieser Nahrung nichts tun…dieses Wesen nicht verzerren. Zwar entsprach es nicht seiner Natur, doch er tastete sich nur vorsichtig voran. Berührte das Feuer von Uriel, welches er als Schutz aufgebaut hatte. Das Feuer war anders.
Es war gleißend hell um ihn und die Frau, die sich so sehr an Uriel klammerte, als wollte sie in ihn reinkriechen. Die Flammen wüteten um sie herum, kamen jedoch nicht näher. So als würde nicht nur das Feuer von Uriel sie fernhalten, sondern als wären sie gelenkt. Seine Flammen schützend Esmeralda, dass die anderen sie nicht erfassen konnten. Die Hitze war so groß, dass es nach verbrannten Haar roch und sich die Haare der Diebin sich noch wilder kräuselten, doch es erreichte sie nicht. Sie wimmerte und zitterte an ganzen Leib…
„es..tut..mir leid…. Cass… bitte verzeih…mir….“ Schluchzte sie unentwegt. Das Uriel eine Antwort verlangte, wusste sie, sie sah zu ihn auf. Ihr Gesicht von der Hitze gerötet, konnte man leichte Verbrennungen sehen. Mit der Zunge benetzte sie ihre Lippen, die viel zu trocken zum Reden waren.
„es mal mein Handel…ich habe keinen Namen…Ein Dämon! Ich sollte Cass nach Morgeria bringen lassen….ein Dämon! ….Uriel, die Augen…wie Feuer!“ sie japste nach Luft und hustete. Ihr Körper konnte es nicht ertragen, ging unter Mangel an Luft und Hitze ein….verwelkte wie ein Blume.
„ich…ich habe…ihn unterschätzt….habe meine Regeln durchgesetzt! Er hat mich reingelegt! Hole Cass! Rette sie…. Es tut mir leid, ich war so dumm…. Sie hat so was nicht verdient… verzei…..“ Sie brach ab, sackte zusammen. Die Hände, die noch eben sich an seinen Kleidung festgekrallte hatten, lösten den Griff.
Nur kurze Zeit später, schwanden die Flammen. So als wären sie gelöscht worden und eine Gestalt kam aus dem Dunkel, dort wo die Hitze am stärken noch war auf den Hybriden zu. Dass Haar wehte, als gäbe es einen Windzug. Große schwarze Flügel, aus denen noch das Feuer züngelte, verbrannten nicht in den Flammen, die zu weichen schienen- erlischten. Die Ketten, welchen massig und schwer von den Handgelenken und auch vom Hals sich zeigten waren nur zu deutlich zu erkennen, schienen im Nichts zu verschwinden. Als er ein paar Meter an Uriel und dessen Feuerschutzwall dran war, war wieder die Illusion drüber.
„könnte es sein, dass du ein Problem mit deiner Magie hast?...hmm, ich dachte ich schaue mal, ob alles in Ordnung ist“ die Stimme wie süßer Wein und doch so kalt, wie es wohl nur am kältesten Ort Celcias sein konnte. Die Frau atmete noch, schwach….
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 15. Juni 2013, 13:13

Kaum hatte sich Uriel schützend vor Cassandra gestellt, strömten die Flammen in den Tunnel. Brüllend rasten sie heran und innerhalb weniger Augenblicke verwandelten sich die dunklen Wände in ein haraxisches Inferno. Esmeraldas Schrei hallten in Uriels Ohren, während sie sich in Todesangst an ihn klammerte. Rauch steig aus ihren Kleidern auf. Ihre Haare fingen Feuer. Der Schweiß an ihren Körper verdampfte in der Hitze, die sie umgab. Die Luft wurde knapp. Nur am Rande registrierte Uriel, die Worte, die die Diebin von sich gab, als sie alles gestand, was sie getan hatte. Seine ganze Aufmerksamkeit wurde von der Feuersbrunst hinter ihm in Anspruch genommen. Gierig leckten die Flammen an ihn vorbei, wie eine hungrige Bestie, der das letzte Stück Fleisch verwehrt wurde. "Lass sie in Ruhe!", krächzte er heiser.
Gleißend hell brach eine Stichflamme aus ihm hervor. Uriel schrie vor Schmerzen, als er seinen Körper zwang auch den letzten Funken Energie herzugeben. Feuer kämpfte gegen Feuer. Rot-violette Flammen gegen eine gleißend helle Wand aus Hitze. Blut tropfte dem Hybriden aus der Nase und Esmeralda verlor in seinem Armen das Bewusstsein. Doch Uriel hielt noch stand. Er würde nicht aufgeben! Nicht hier, nicht jetzt! Nicht vor IHM!

Und dann war es vorbei. Mit einem Mal erstarben Meresins Flammen und entschwanden in die Dunkelheit. Kaum waren sie weg, brach Uriel zusammen. Zitternd und keuchend ging er in die Knie, die halbtote Esmeralda in den Armen. Schmerzen fluteten durch seinen Schädel. Es war als würde er jeden Moment auseinanderbrechen. Dabei war es nicht die Erschöpfung, die ihn so erschütterte. Nein, es war Angst. Noch nie war er dem Tod so nahe gewesen. Um ihn herum war innerhalb weniger Augenblicke alles gestorben. Dutzende von Leben, in einem Wimpernschlag ausgelöscht. Eine ganze Organisation. Vernichtet! Und einzig er war verschont worden. Ja, er wusste, dass Meresin ihn absichtlich am Leben gelassen hatte. Die Flammen hatten ihn gemieden, als wäre es ihnen befohlen worden.
Ein Geräusch entrang sich Uriels Kehle. Etwas, dass fast schon unwirklich wirkte an diesem Ort, gefüllt mit Ruß und Tod. Er kicherte. Er starrte auf den Boden und kicherte, während seine Hände sich in die Asche am Boden krallten. Es war so irrsinnig! Die ganze Welt hatte sich innerhalb weniger Stunden mit Wahnsinn gefüllt. Sämtliche Regeln waren außer Kraft gesetzt.
Er hatte jener Frau das Leben gerettet, die ihn hatte umbringen wollen. Und ein verrückter Vater hatte mit einem Fingerschnippen ein Massaker angerichtet, aber ihn verschont. Aus purer Willkür! Es war verrückt, völlig verrückt!

Ein Geräusch ließ ihn herumfahren. Aus dem Schatten trat Meresin. Er gab sich nun keine Mühe mehr, seine Gestalt zu verbergen. Schwarze Flügel sprossen aus seinem Rücken. Ascheflocken fielen aus ihnen und Flammezungen leckten an den Federn. Dicke Ketten wickelten sich um Arme und seinen Hals, klirrten in der Totenstille. Der Mörder grinste. „Könnte es sein, dass du ein Problem mit deiner Magie hast?...hmm, ich dachte ich schaue mal, ob alles in Ordnung ist“
Uriel ging nicht drauf ein. Stattdessen erhob er sich schwankend. Für einen kurzen Moment drehte sich die Welt, dann verschwand der Schwindel. Langsam schlurfte er zu Esmeralda rüber und hob sie hoch. Sie atmete noch. "Danke, Phaun.", murmelte er zu seinem Schutzgott. Dann wandte er sich um, Richtung Ausgang. Er starrte zu Meresin, der ihm gegenüber stand. Sein Blick, obwohl getrübt von Schmerz und Erschöpfung, loderte vor Hass. Vielleicht war auch ein Spur Wahnsinn zu erkennen. "Aus dem Weg, Vater..."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. Juni 2013, 11:48

Er hatte es gesehen und wenn er ehrlich war, so passte es ihm nicht wirklich. Das Mädchen hätte in den Flammen umkommen sollen! Jedoch hatte sich sein Sohn dazu entschieden, sie zu retten. Mitgefühl- er schüttele darüber nur den Kopf. Einst hatte Uriels Mutter ihn diesbezüglich gefragt. „Hast du kein Mitgefühl? Ist dein Herz so kalt, wie das Feuer heiß ist?“
Oh, es war nicht so, dass er überhaupt kein Gefühl hatte, nur waren sie anders- nicht so schwach und leicht zerstörbar. Er versuchte nur diese Gefühle auch seinen Sohn nahe zu bringen- und wenn er nicht selber es versuchte, da hatte Meresin auch keine Bedenken selber das Ziel des Hasses zu sein. Immerhin war das der richtige Schritt, auf dass sein Sohn mit der zeit erkennen würde, wie viel Macht man haben konnte.
Feuer war Energie, Zerstörung! Zudem diente das alles einen test. Wie gut beherrschte sein Sohn seine Kräfte. Nachdem was der schwarzhaarige Elf mitbekam, nahezu jämmerlich. Er konnte gerade sich selbst…und dieses Weibsstück retten. Hätte er wirklich seine ganze Kraft genutzt, so hätte Uriel das Feuer wegschicken können. Aber vielleicht hatte er sich auch überschätzt, vielleicht war er wirklich durch das Blut der Elfenmutter- dieser schönen zarten Frau, zu sehr verdünnt.
Niemals hätte Meresin gedacht, dass er tatsächlich etwas freiwillig ziehen lassen würde. Niemals.
Die Stichflamme aus Uriels Körper veranlasste Meresin, die Flammen zu löschen, während dieser mächtige Zauber seine Illusion zerfrass und ihn zeigte wie er war. Noch immer gefangen, noch immer in Ketten. Das Feuer hatte ihn Kraft gekostet.Er musste seine Energie besser dosieren. Aber was tat man nicht alles, um seine Pläne durchzusetzen.
Die zeit von Uriels kleinen Kicheranfall war genug, dass sich die Illusion wieder aufbaute. Sein Körper sich selber wieder in die harmlose Gestalt kleidete. Zwar wusste es Uriel nicht, doch war diese Erscheinung einfach ein anderes Bild Meresins Gefängnis. Eben mehr gebunden.
Der Blick den Uriel ihn zuwarf, war unmissverständlich zu lesen- Hass. Und auch die Verletzlichkeit der Seele- das Bildnis der Mutter.
„Hmm, das bedeutet wohl, dass du alles im Griff hast“ bemerkte er beiläufig an, doch war sein Blick auf die Frau eine Mischung aus Tot bringend und begehrend. Tatsächlich gab es Gelüste, die auch Meresin zu gerne am frönen war, wenn er sich frei bewegen konnte. Immerhin war Uriel auch nicht aus einer Blüte erwachsen. Er trat einen Schritt zur Seite, ließ den jungen Hybriden und die Frau vorbei. Diese war am atmen, doch schwach. Ihr sonst so makelloses Aussehen war dahin. Die Haare zum größten Teil verkohlt und hatten sich unter der Hitze zu wilden kleines Krauslöckchen geringelt. Die Haut gerötet, die Lippen wie ausgetrocknet.
Ihre Lippen formten ein Wort, wenn sie auch nicht bei bewustsein war.
"Verzeih!"
„Aber gerne doch, Sohn!“ antwortete er mit einem sanften Flüsterton. Das Wort „Sohn“ trug irgendwie eine abartige Art von Stolz in sich. Machte ohne Probleme platzund trat bei Seite.
„ich würde dir nur empfehlen, lieber die andere Richtung zu nehmen. Nicht dass es dort noch vereinzelte Brände gibt und du dich noch mehr verausgaben musst….Komme, lass mich die Frau tragen…ich kann sie heilen“ Säuselte er verführerisch. Wie konnte so ein kaltes Wesen, nur so viel manipulative Macht in seinen schön klingenden Worte legen? Sie klangen immer wie eine Verführung und doch war es wie blanker Hohn.
„Vertraust du mir etwa nicht?“ fragte er spöttisch und im nächsten Moment lachte er düster auf. Drehte sich um und schritt voran.
„Dann trage sie selber, Uriel…. Folge mir, ich will nach Morgeria“
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 14. Juli 2013, 15:49

Meresin trat beiseite. Doch er grinste dabei und Uriel konnte den Triumph in seinen Augen sehen. Als hätte er gerade etwas Großes und Wundervolles vollbracht. Nun, eines ließ sich nicht bestreiten. Die Machtvorführung war in der Tat beeindruckend gewesen, wenn Uriel mehr Zeit aufs Staunen und weniger aufs Überleben verwendet hätte. Doch war nichts an alle dem, worauf man hätte stolz sein können. Ruß schwärzte die Wände und ein perverser Geruch nach verbrannten Fleisch erfüllte die Luft. Nein, man musste schon von allen Göttern verlassen sein, um hieran Freude zu finden. Dass Meresin dies wahrscheinlich war, kam Uriel als Nächstes in den Sinn. Und dieses "Monster" nannte ihn Sohn. Für ihn war es immer noch ein schlechter Witz, eine dunkle Wahrheit die hartnäckig an sein Bewusstsein klopfte, um sich in all ihrer ekelerregenden Pracht zu entfalten. Aber der Hybrid verdrängte sie. Jetzt hatte er andere Probleme.

„Ich würde dir nur empfehlen, lieber die andere Richtung zu nehmen. Nicht dass es dort noch vereinzelte Brände gibt und du dich noch mehr verausgaben musst….Komme, lass mich die Frau tragen…ich kann sie heilen“, meinte Meresin. Uriel konnte das Süßholz förmlich raspeln hören. Er lachte kurz auf. „Vertraust du mir etwa nicht?“ Er schüttelte entnervt den Kopf. Es war eine rein rhetorische Frage, das wusste er. Meresin wusste ganz genau, was Uriel von ihm hielt. Er wollte ihn lediglich provozieren. Und darauf würde er sich nicht einlassen. "Ich gebe keine Antworten auf Fragen, die sich von selbst beantworten lassen.", sagte er nur und schickte sich an, weiter zu gehen. Doch Meresin war noch nicht fertig. „Dann trage sie selber, Uriel…. Folge mir, ich will nach Morgeria“
Er blieb abrupt stehen. Für einen kurzen Moment schrie alles in Uriel danach, Esmeralda fallen zu lassen, sein Schwert zu ziehen und sich wider jeglicher Vernunft auf diesen arroganten Mistkerl zu stürzen. Doch er riss sich zusammen, mit zusammengebissenen Zähnen. Stattdessen blickte er seinen "Vater" nur an. Seine glutroten Augen loderten vor Entschlossenheit, als er den Mund öffnete und jene Worte sprach, die er nachher, wenn alles vorbei, wahrscheinlich zutiefst bereuen würde. "Geh nach Morgeria! Ich werde das tun, darauf kannst du wetten. Und wenn ich dort angekommen bin, werde diejenige finden, die du so verzweifelt haben willst. Und ich werde dafür sorgen, dass du sie nie zu Gesicht bekommst!" Es war eine Kriegserklärung. Uriel hatte nun klar und deutlich Position bezogen, etwas, was sonst immer zu verhindern versuchte. Doch er hatte gesprochen und er konnte die Worte nicht mehr zurücknehmen. Bei Phaun, er wollte es auch gar nicht. Jetzt, in diesen Moment, war es ihm völlig egal, welche Konsequenzen sein Handeln tragen würde. Er würde diesem Dämon nicht mehr helfen, egal welche Belohnungen ihn erwarten würden. Das war es nicht wert!
Und dann drehte Uriel sich um und stapfte weiter. Es war alles gesagt...

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 30. Juli 2013, 19:55

"Geh nach Morgeria! Ich werde das tun, darauf kannst du wetten. Und wenn ich dort angekommen bin, werde diejenige finden, die du so verzweifelt haben willst. Und ich werde dafür sorgen, dass du sie nie zu Gesicht bekommst!"
Der Hybrid hatte sich entschlossen. Die Frau in den Armen, die mehr schlecht als recht am Atmen war und nur durch das Eingreifen von Uriel noch Leben in sich trug. Das hinterlistige Biest, welches versucht hatte, Uriel selbst mehr als einmal zu töten. Was war das doch für ein absurdes Bild.
„Na wunderbar, so haben wir ja den gleichen Weg...wenn wir jetzt auch nicht mehr am gleichen Strang ziehen“ Grinste der schwarzhaarige Elf oder was er auch immer war.
Sollte Meresin lachen oder doch einfach staunen. Der Mann wusste es nicht so recht, zumindest erheiterte es ihn, als sein Sohn sich plötzlich gegen ihn stellte und ihn direkt den Kampf ansagte. Amüsiert schüttelte er den Kopf, ließ seinen eisigen Blick auf seinen Sohn und die Frau, die dieser trug verweilen.
„Mache was du möchtest Uriel…aber verzögere nicht unsere Reise. Wenn du es schaffst, mich zu besiegen, dann…" Er verneigte sich übertrieben gespielt vor seinem Sohn, die Hand dabei zum Boden gewandt. Blickte vor dieser Position schräg zu dem Rabenhybriden auf. Diabolisch grinsend.
„dann bist du es wahrlich wert, mein Sohn zu sein…Dabei hatte deine schöne Frau Mutter bestimmt alles Mögliche versucht, dich vor dem Weg des kalten Hasses zu bewahren. „ Er richtete sich wieder auf, straffte seine Schultern. Mit einer leichten Bewegung strich er sich sein langes schwarzes Haar nach hinten. So wirklich wirkte er nicht erschüttert.
„Etwas möchte ich dir aber sagen, da ich dir folgen werde und nicht alleine nach Morgeria gehen werde. Denn die kleine Prophetin ist ebenfalls in Morgeria…wie du siehst, plane ich immer gründlich. Ich gebe dir sogar mein…“ er zögerte, immerhin würde er sich damit etwas verbauen.
„mein…Wort, dass du die Kleine lebend und unversehrt finden wirst.“ Was sagst du?...und jetzt komm…ich will nicht noch mehr Zeit vertrödeln…und du solltest hier auch nicht lange bleiben, denn die Stadtbewohner werden einen Schuldigen suchen…und du bist hier“ damit drehte er sich um, dass Haar wehte in der Bewegung. Die Flügel waren wieder nur eine ungewöhnliche Tätowierung auf seinen Rücken. Meresin ließ sich nicht entmutigen, denn auch wenn es der Rabenhybrid nicht wusste, so war dieses elfische Monster mit ihm verbunden. Hmm, Meresin blieb stehen, blickte über die Schulter.
„ich weiß ja, dass du mich hasst...doch überlege mal, lieber ein fremde Frau, die ich mitnehme als deine Mutter...und sei gewiss ich kann sie finden...jeder Spiegel ist mein Zugriff! Ich werde dir nicht von der Seite weichen...zudem weiß ich Möglichkeiten, wie man noch Morgeria kommt, ohne dass man auf dem Sklavenmarkt dort landet...oder man dir die Flügel und Füße abschlägt wegen der Aussicht auf besondere magische Zutaten“ Meresin war wie immer liebreizend und bester Laune, was man an seinem amüsierten Funkeln in den Augen sah. Er würde einfach Uriel folgen und ihn beistehen....auch wenn es sein Sohn ablehnte.
Die seltsame Libelle schwirrte dabei fast besänftigend um den Rabenhybriden rum, blieb aber seltsamerweise immer in Höhe der Hüfte des jungen Kundschafters. Meresin selber summte vergnügt vor sich hin, während Uriel sich durch eine Gang schlug der gerade ein Höllenfeuer erlebt hatte.
Esmeraldas Hand klammerte sich an das Hemd des Hybriden, sie wimmerte leicht...röchelte“ Wartet seit Zeiten, wenn die Dunkelheit kommt....wird er ein Weibe suchen....Das eigene Blut entweder befreit oder kämpft...“ kam es leise über die Lippen.
„wer...wird ...in Ketten ..bleiben?“ sprach sie noch, öffnete flatternd die Augen, die ähnlich wie bei ihrer kleinen Schwester in die Leere schauten, wenn diese prophezeite. Doch gab es einen Unterschied, sie war durch die Hitze geblendet worden. Nie wieder würde Esmeralda das Licht der Sonne sehen können, wenn nicht ein Lichtmagier sich dem annahm. Aber wer wusste schon, ob dies überhaupt möglich war.
"Es...ist....so dunkel...." flüsterte sie jetzt klarer.
Meresin knurrte leise. "Verflucht! ich.hätte das Weib töten sollen, als ich die Möglichkeit hatte!... oh, ist sie wach?...sie braucht was zu trinken!"
Der Ausgang war zumindest nicht mehr fern, denn frischluft wehte den Hybriden um die Nase.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Donnerstag 15. August 2013, 19:41

Also, gehen wir nochmal die letzten paar Augenblicke durch und ziehen wir ein Fazit: Ich. Bin. Ein. Idiot.
Uriel hatte in letzter Zeit häufig diese Momente, wo er sich am liebsten eine gescheuert hätte. Angefangen mit dem Auftrag einen Brief nach Pelgar zu bringen, über das Attentat auf Apollo. Seine Auseinandersetzung mit Meresin war nun offiziel die Fortsetzung dieser wenig glorreichen Liste der schlechten Entscheidungen und abartigen Ideen. Wie hatte er nur zu dem Entschluss kommen können, seinem "Vater" den Kampf anzusagen. Klar, ihm war schon von Anfang an klar gewesen, dass es darauf hinauslaufen würde. DENNOCH! Es gab ein paar gravierende Unterschiede zwischen "Ich plane insgeheim die Pläne eines irren Elfen zu durchkreuzen" und "Ich reibe ihm unter die Nase, dass ich mich bei der nächstbesten Gelegenheit gegen ihn wenden werde". Einer davon war, dass bei der ersterer Variante die Überlebens - und Erfolgschancen signifikant höher waren als bei Letzterer. Ganz abgesehen davon, dass nur völlige Idioten davon ausgingen, dass sie mit solch einer Ankündigung davonkämen. Zu denen ich mich wohl nun offiziell zählen lassen muss...

Ein resignierter Seufzer entrang sich Uriels Kehle, als er mit Esmeralda in den Armen durch die verbrannten Gänge stapfte. Es war nun nicht zu ändern. Er hatte es zugelassen und in der Hitze des Gefechts seiner Zunge freien Lauf gelassen. Nun musste dafür sorgen, dass dies ihm nicht allzu sehr auf die Klauen fiel. Immerhin schien Meresin dem nicht viel bei zu messen. Im Gegenteil, es schien ihn eher zu amüsieren. Zudem hatte er klar gemacht, dass er gar nicht Uriels Einverständnis brauchte. Der Hybrid hatte gar keine andere Wahl ihm zu helfen. Etwas, was Uriel natürlich bewusst war. Was seine Aussage von vorhin noch lächerlicher machte. Ein Paradebeispiel heißer Luft. Auf-die-Brust-Getrommel, das war es gewesen. Nichts weiter.
Wenn er nicht spurte, würde es jemand anderes treffen. Jemanden, der ihm wichtig war - auch wenn das recht wenige Personen beinhaltete. Zum Beispiel, seine Mutter. Merkwürdigerweise zweifelte Uriel nicht eine Sekunde daran, dass Meresin seine Drohung wahr machen könnte. Dabei war es weniger seine Zurschaustellung von Macht, als mehr die schiere Unberechenbarkeit, die ihm hierbei Angst machte. Wer wusste schon, was alles passieren würde, wenn er jetzt weglief? Doch wenn er blieb, und sei es noch so erzwungen, dannn konnte er zumindest zu einen gewissen Grad Schaden verhindern, wenn nicht sogar diese ganze verrückte Angelegenheit beenden. Obwohl Letzteres viel Optimismus verlangte.

Langsam näherten sie sich den Ausgang. Ironischerweise fürchtete sich der Hybrid ein wenig davor. Der Gang, dem er folgte, führte direkt zur Festhalle der Diebe. Dort, wo die meisten der unglückseligen Gestalten gewesen waren, als der Harax hier hereingebrochen war. Er wollte nicht wissen, was ihn dort erwartete. Doch es führte kein Weg daran vorbei.
Bevor Uriel um die Ecke bog, regte sich jedoch Esmeralda wieder in seinen Armen. Sie flüsterte. “Wartet seit Zeiten, wenn die Dunkelheit kommt....wird er ein Weibe suchen....Das eigene Blut entweder befreit oder kämpft...“ Der Bote seufzte. Noch eine Prophezeiung, wunderbar! Als ob ich nicht schon genug für die nächsten zweihundert Jahre hätte!
"Es...ist....so dunkel...." Und das würde es wohl für immer bleiben. Die Haraxflammen hatten sie zwar nicht getötet, doch die Hitze hatte wohl ihre Netzhaut beschädigt. Uriel verstand nicht viel davon, doch er kannte solche Fälle von Erblindung. Es war eine der Dinge gewesen, vor denen sein Meister in Shyana Nelle ihn gewarnt hatte, als er ihn der Feuermagie unterwiesen hatte. So gesehen war es eigentlich nur von Vorteil für Esmeralda. So musste sie zumindest nicht das Ausmaß der Konsequenzen mitansehen, die ihre Ränke nach sich gezogen hatten. Von ihrer Frisur ganz zu schweigen.
Meresin knurrte etwas hinter seinen Rücken, dass Uriel nur allzu deutlich als Fluch identifizieren konnte. Gut zu wissen, dass es zumindest etwas gab, was diesen unheiligen Ausbund an Boshaftigkeit ärgerte. Allein deswegen hatte es sich gelohnt dieses Weibsbild zu retten. Uriel nutzte die Pause, die sich ihm bot und setzte die geschundene Diebin ab. "Es wäre besser, wenn du dich über wichtigere Dinge als um deine Augen sorgst, gute Esmeralda.", antwortete er auf ihre Verwirrung, während er den Wasserschlauch von seinem Gürtel löste. Das Wasser war unangenehm warm geworden, doch momentan brauchte die Menschenfrau die Flüssigkeit. Also setzte Uriel ihr, nicht unsanft, den Schlauch an die Lippen und gab ihr ein wenig zu trinken. Nach ein paar Schlucken nahm er ihn wieder weg, trotz Esmeraldas leiser Proteste. Fürs Erste musste das reichen und er hatte auch nicht vor, es ihr leichter als nötig zu machen. Sie hatte in gewisser Weise verdient, was sie bekommen hatte. Sofern sich die Götter auch nur im Leisesten ums "Verdienen" scherten...
"Hoch mit dir.", murmelte er, als er sie wieder hochhob, diesmal so, dass sie ein wenig laufen musste. "Wir werden Pelgar verlassen. Sag mir den schnellsten Weg aus der Stadt. Da draußen müsste gerade die Hölle los sein..." Vielleicht konnte sie ihm tatsächlich helfen, dann musste er sich nicht auf Meresin verlassen. Auch wenn er sich fragte, wie nützlich ihm eine Blinde sein würde. Doch darüber konnte er sich später sorgen. Jetzt hieß es erst einmal hier rauskommen.
Uriel trat in die Eingangshalle....

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Montag 2. September 2013, 11:59

Die Halle, vor der sich der Hybrid so gefürchtet hatte, war seltsamerweise noch schwach erleuchtet. Es war ein Flackern und es brauchte einen Moment, bis man sich an diese Lichtverhältnisse gewöhnt hatte. Hier und dort konnte man ein Glühen sehen, was von erhitzen Metall zu kommen schien. Rüstungen und Waffen waren es eins gewesen, nun sahen sie eher wie kurz zuvor aus der Schmiedeglut entnommen aus. Seltsame geschmolzene kristallene Gebilde waren vereinzelt zu sehen, ehemals Kristallglas oder Glas. Geschmolzenes Gold war wie in einer Lache auf den Boden, zeigte wer die meisten Münzen besitzt hatte.. Doch das war wohl nicht das Schlimmste… Der Tot selber, den man sah, würde wohl jeden erschüttern. Überall sah man Skelette, die nur manchmal noch mit etwas wie verkohlter Asche überzogen waren. Man hatte gesehen, dass sie von den Flammen überraschte worden waren. Jemand hatte es noch geschafft, sich eine Klinge durch das Herz zu stoßen…doch die meisten waren überrannt worden. Hatten keine Chance dem Inferno zu entkommen, wohin sie das haraxische Feuer wohl brachte.
Der Gestank nach verkohlten Fleisch raubte einem die Luft, man musste sich den Mund bedecken. Esmeralda hustete noch immer, auch das wenige Wasser zuvor, hatte da nicht viel gebracht. Sie klammerte sich an Uriel, so verstand sie noch nicht, dass sie nichts mehr sehen würde. Seine frage dauerte einen Moment, bis sie eine Antwort wuste.
„Die Haupthalle, hat einen verborgenen Ausgang auf der Westseite. Dort kommt man durch einen weiteren schmalen Gang vor die Tore Pelgars. ...Wieso…wieso hältst du?...wo…wo…was riecht hier so?“
„Das meine Teure, ist der Geruch der Leute, die durch deine Unfähigkeit gestorben sind…Sie würden sich vorzüglich als Kohlebriketts eignen“ sagte der schwarzhaarige Elf ohne auch nur den Anflug einer Emotion. Okay einer schon, Schadenfreude! Zumal er sah, dass Uriel die Frau am liebsten ebenso töten wollte.
Entsetzen zeigte sich in ihren Zügen...sie wimmerte auf.
Er selber trat in den Raum, stieß mit den Fuß einen Schädel bei Seite, der auf den Wangenknochen seltsame goldene Klekse hatte.. Vielleicht Ohrschmuck?
Meresin betrat den inneren Bereich, dass hier teils noch eine enorme Hitze an einigen Stellen herrschte, schien ihn kalt zu lassen. Er streckte seine Hand aus, die Handfläche nach oben und schloss die Augen.
„Kommt her und nährt mich….kommt, denn ich gebiete über eure Qualen…kommt zu mir, denn ihr seid meinst“ schwoll seine Stimme an, und aus …ja jedem der unzähligen Toten löste sich etwas…wie ein winziges Schemen…ein Licht…eine Seele.
„ist dort der Ausgang?...ich spüre Kälte….“ Sie sackte ein wenig in sich zusammen, schien sich fahrig durch das verkohlte Haar zu fahren. Wandte den Kopf suchend zu Meresin.
Dann konnte man sehen, wie die Schemen zu kleinen Kugeln wurden. Die Libelle schwirrte um Uriel rum, versteckte sich dann plötzlich hinter den Hybriden.
Die Kugeln waren nicht mal so groß wie eine Fuchsmünze und hatten einen kleinen Haufen gebildet. Die Augen des Elfen glühten. Ein Gieriger Blick, dass dem verzehrenden Feuer in nichts nachstand. Mit zwei Fingern nahm er eine dieser Kugeln…und
verspeiste sie!
„Auch?...! fragte er über die Schulter und lächelte süffisant.
Er verspeiste eine nach der anderen, als wenn er Trauben essen würde.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 22. September 2013, 17:30

Den Anblick, der sich Uriel bot, würde er wohl nie vergessen. Die Festhalle, vor wenigen Augenblicken noch mit atmenden und feiernden Menschen gefüllt, glich einem Bildnis aus dem Harax. Die Wände und Decke waren schwarzverkohlt, der Stein an vielen Stellen gar geschmolzen, rot glühend vor Hitze. Und der Boden war bedeckt mit den verkohlten Überresten der Diebe. Egal was sie getan hatten, sich übereinander gelegt, in Ecken gezwängt oder Richtung Ausgang gerannt waren, das Feuer hatte sie alle erwischt und ihnen das Fleisch von den Knochen gebrannt. Einer hatte es sogar noch bis zur Tür geschafft und lag nun über der Schwelle, seine rechte Hand wie in Anklage erhoben. Überall waren Lachen aus geschmolzenen Metall, wo sich Rüstungen und Waffen der Hitze gebeugt hatten. Die Szenerie war grauenvoll, abstoßend, albtraumhaft. Und über allem schwebte der Dunst von verbranntem Fleisch.

Natürlich hatte Uriel etwas Ähnliches schon erwartet. Niemand war nachdem diesen Inferno so dumm, etwas Anderes zu erwarten. Dennoch setzte ihm der Anblick schwer zu. Er hatte schon viele scheußliche Sachen mit angesehen. Verbrennungen, angehackte Gliedmaßen und verbrannte Leichen. Solche Dinge blieben nicht aus, wenn man, wie er, ein Hybrid und Feuermagier war. Dennoch, so etwas hatte er in all den Jahren, die er nun schon auf dieser Welt war, nicht gesehen.Und das Beste war, dass das Monster, dass dies hier zu verantworten hatte, direkt neben ihm stand, und sich einen Ast ablachte.
Meresin wandte sich grinsend an die verwirrte Esmeralda, als er ihre Frage hörte: „Das meine Teure, ist der Geruch der Leute, die durch deine Unfähigkeit gestorben sind…Sie würden sich vorzüglich als Kohlebriketts eignen“ Die eignen sich für gar nichts mehr, dafür hast du gesorgt!, dachte Uriel verbittert. Esemeralda schluchzte selbstverständlich auf und ruckte hecktisch mit Kopf hin und her, verzweifelt versuchend etwas zu sehen. Ihr ganzer Stolz, ihr Wille war gebrochen. Wie es schien, begann ihr das Ausmaß ihrer Fehler zu dämmern. Das würde ihren Geist wahrscheinlich endgültig zerschmettern. Der Hybrid ballte wütend die Faust. Es war frustrierend. Er musste doch irgendetwas tun können! Vorhin hatte er so große Töne gespuckt, aber wie sollte er seinen Worten Taten folgen lassen?
Der Hybrid schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken abzuschütteln. Erst musste er mal hierauskommen. Dann konnte sich immer noch überlegen, was er tun würde.

Bevor er jedoch sich dem geheimen Ausgang widmen konnte, trat Meresin in die Mitte der Halle und hob die Hand. „Kommt her und nährt mich….kommt, denn ich gebiete über eure Qualen…kommt zu mir, denn ihr seid meinst“ Was nun geschah, sollte Uriel bis an sein Lebensende nicht vergessen.
Mit einem Mal lösten sich kleine goldene Sphären aus den Überresten der Leichen. Zwölf, sechszehn, zwanzig und mehr schwebten nach oben und ballten sich auf Meresins Hand zusammen. Der Bastard grinste, nahm eine der Kugeln....und verschluckte sie.
Für einen kurzen Moment entgleisten Uriel die Gesichtszüge, als er sah, wie Meresin die Seelen verspeiste. Entsetzen flackerte über sein Gesicht. Es war dabei nicht allein der Frevel, den sein Vater hierbei begang. Uriel war schon klar gewesen, dass diesem Dämon nichts heilig war. Nein, diese schiere Zurschaustellung von Macht. Diese Verachtung und Gier im Angesicht dieses Monsters war es, dass ihn schockte. Für einen kurzen Moment hatte Meresin ihn einen Blick, hinter seine Fassada werfen lassen und Uriel war von dem Anblick entsetzt. So etwas konnte nicht sein! Solch eine Person durfte nicht sein Vater sein. Es musste eine Lüge sein!

"Nein, danke...", presste er hervor und drehte sich hastig um, während er Esmeralda zur westseitigen Wand schleppte. Das Gestein war hier besonders stark geschmolzen, weshalb die versteckte Tür hinter den Blöcken sichtbar war. Uriel legte die stille und wimmernde Frau vorsichtig ab und stemmte die Tür auf. Unnötig, wie sich herausstellte, denn das Holz zerbröselte, sobald er es berührte. Der Gang dahinter war lang und dunkel.
Nun wandte der Hybrid wieder Meresin zu. "Wenn du fertig damit bist, kannst du schonmal vor gehen.", rief er ihm zu. Dann ging sein Blick zu Esmeralda. Mit einem schabenden Geräusch zog er sein Schwert aus der Scheide. "Das erledige ich hier allein...."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 9. Oktober 2013, 13:05

Die kleine Kugel zwischen den Fingern drehen, hob er fragend eine Braue. Seinem Sohn entging wirklich etwas Köstliches. Nichts war mit diesem Gefühl und dem Geschmack zu vergleichen. Die Qual der Seele, die Angst…einfach delikat.
„Nicht?...nun, denn diese hier hatte deutlich nach dir geschrien…Witzig oder, als könnten sie das noch!“ lachte er kalt auf und die nächste der kleinen Kugeln verschwand in seinem Mund. Für ihn war es mehr Nahrung, als sein Sohn dachte. Sie stärkte ihn und doch befreite sie ihn nicht. Leider, wäre ja auch sonst zu einfach.
Meresins Blick schwang zu dem Geheimgang, den sein Sohn geöffnet hatte. Wieder ein dunkler Gang, doch diesmal einer der nach oben führen würde. Eine Seele in den Fingern haltend, zerdrückte er diese und ein helles Licht entstand, welches nun auf der Hand des schwarzhaarigen Elfendämons grell erstrahlte und er tatsächlich schon mal voran ging. Das Licht erhellte den Gang, ließ die Schatten noch umso unheimlicher wirken..
„Trödel nicht, Sohn…die Zeit ist kostbar…für jeden von uns“ ein vergnügtes Summen auf dem Lippen, welches in diese durch Gewalt und Tod geprägte Umgebung nicht annährend hineinpasste, ließ das Ganze noch surrealer wirken.

Esmeralda hingegen hatte alle Kraft verloren. Ein Häufchen Elend und als Uriel seine Worte sprach und sie das Geräusch des Schwertes hörte, welches aus der Scheide gezogen wurde, ließen es nicht besser werden. So sackte sie zu Boden, hielt den Kopf gesenkt, tastete um sich. Noch immer verstand sie nicht, was geschehen war.
„Wirst du mich jetzt töten?...bitte…es riecht verbrannt und ich befürchte, dass ich alles vernichtet habe, was mir lieb ist….ich…ich wusste es“ Sie hob den Kopf. Tränen wären geflossen, wenn die Hitze nicht alles zerstört hätte.
„ich dachte…du wärst es gewesen…der Elf, der das Feuer bringt…aber du warst es nicht….sie musste hier weg…weit weg…. Es war geplant“ Sie blieb stumm, suchte immer nach irgendwas, woran sie sich orientieren konnte. Sie zog die Nase hoch, was so gar nicht weiblich und verführerisch klang. Nichts war von der ehemaligen Frau übrig. Sie war gebrochen, schlang die schlanken Arme um ihren Körper und zog die Knie an sich. Wippte leicht auf und ab, versetzte sich selber in Trance…auf und ab…
„bist du wirklich sein Sohn?... reingt ein Feuer oder vernichtet es…“ wieder ein seltsam fern klingender Satz. Sie hatte keine Kontrolle darüber. Es schien sie zu überwältigen, während sie schluchzte und wimmerte.
Die kleine Libelle schwirrte kurz zu dem Eingang, dann wieder vor das Gesicht Uriels. Sie leuchtete auf, schneller werdend. Fast so, als wollte sie ihn zur Eile antreiben. Was auch immer dieses Wesen war, so schien es doch ebenfalls vor Meresin sich zu fürchten. Immerhin hatte es sich schon ein paar Mal versteckt.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 19. Oktober 2013, 20:49

Angewidert blickte Uriel Meresin hinterher, während dieser vergnügt summend in der Dunkelheit verschwand. Die Seelen, die noch vor wenigen Augenblicken den Raum in ihr Licht gehüllt hatten, waren nun allesamt verschwunden. Eingesammelt von diesem Dämon, für den die Regeln der Welt anscheinend nicht mehr galten. Uriel sah sich nicht als sonderlich spirituell veranlagt an. Anders als viele Elfen war er kein glühender Verehrer des Götterpaares und ihren Regeln, wie dem Respekt vor jeglichem Leben. Nein, viele dieser göttlichen Gesetze und Dogmas hatte er schon vor Jahren über Bord geworfen. Er konnte sie nicht einhalten und gleichzeitig am Leben bleiben. Jemand wie er war dazu gezwungen das Leben anderer unter sein eigenes zu stellen. Die Jagd, der Hunger und das Tier in ihm verlangten das. Wenn es etwas gab, dass der Rabe in ihm verändert hattte, dann war es dies. Ein Tier verstand nicht den Sinn hinter einem Gebet und ebensowenig würde es Moral über Überleben stellen. Es lag einfach nicht in seiner Natur. Fünfzig Jahre. Fünfzig Jahre der Mühen, des Kämpfens, des Laufens und des Scheiterns. Solch eine Zeit konnte selbst den größten Zeloten zum Häretiker machen und Uriel war der Meinung, dass er sich noch vergleichweise gut hielt.
Dennoch war selbst für ihn klar, dass dieser Missbrauch der Seelen ein Frevel sondergleichen war. Und es machte sich eine leise Angst breit, dass er daran nicht ganz unschuldig war. Schlussendlich hatte er Meresin hierher geführt. Und ob wissentlich oder nicht, so hatte er doch den Spiegel berührt - bzw. zerschmettert - und das ganze Chaos damit losgetreten. Aber ist es nicht stets so gewesen?, ging es ihm durch den Kopf, Blut und schlechte Nachrichten. Sie folgen mir stets auf dem Fuße...

Es war Esmeraldas Stimme, die seine Aufmerksamkeit wieder ins Hier und Jetzt beförderte. Er blickte sie an, nicht sicher, wie er mit ihr verfahren sollte. Sie hatte eine größere Schuld an diesem Massaker als er, abgesehen davon, dass sie ihn hatte umbringen wollen und für den Tod seines Auftraggebers verantwortlich war. Dennoch, eine Antwort schuldete er ihr. "Ich weiß es nicht.", meinte er auf ihre letzte Frage, "Er behauptet es. Aber ich glaube, er würde auch sagen, er wäre Faldor höchstselbst, wenn es mir nur genug Angst einflößen würde." Die Libelle schwirrte wieder vor seinem Gesicht, machte mit ihrem verwirrenden Blinken klar, dass er nicht mehr viel Zeit hatte. er musste eine Entscheidung treffen. Sollte er Esmeralda töten, wie er ursprünglich vorhatte? Oder sollte er...
Uriel seufzte frustriert. Dann hob er das Schwert und schlug zu.

Meresin hatte tatsächlich auf ihn gewartet. Das dreckige Grinsen war immer noch nicht von seinem Gesicht verschwunden und es würde vermutlich noch größer werden, wenn er das Blut an der Klinge seines Sohnes sehen würde. Uriel sagte nichts, sondern starrte nur mit steinerner Miene geradeaus. "Ab nach Morgeria. Ich will das endlich abschließen., sagte er und stapfte los.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. Oktober 2013, 17:43

Ob ja, Meresin freute es ungemein, die Qual und die Wut auf dem Gesicht seines Sohnes zu sehen. Denn was nicht, wenn Wut, Qual und Schmerz war es, um jemanden nach seinen Wünschen zu formen? Früher gab es auch anderes, aber das hatte er der schwarzhaarige Elf- das Monster, schon lange hinter sich gelassen. Er hatte geliebt und war dafür verdammt worden, doch vielleicht sah er es auch nur so. Zumindest war die Frucht seiner Lenden ihm in so vielen ähnlich, wenn er sich auch dagegen sträubte. Der Kampf, der nur eine Lösung und einen Weg beinhaltete, würde es zeigen. Zu siegen und zu wachsen.
Die Seelen hatte Meresin schon etwas länger verspeist gehabt, sie nährte seine Kraft, die er doch stärker ausgezerrt hatte, als er erhofft hatte. Es war eine Schande, dass er noch immer in seinem Gefängnis festsaß und nur einen Teil seiner schönen Kraft zur Verfügung hatte.
Jedoch die Zeit würde kommen und so schritten sich gemeinsam, wenn sie auch nicht verschiedener sein konnten, weiter. Ihr Ziel Morgeria, die Stadt der Dunkelelfen.


weiter..Das Grauen ist nie weit entfernt
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