Schneerosenallee Nummer 13

Handwerker, einfache Bürger und der Adel wohnen in kleinen Bezirken und doch teilweise Tür an Tür. Von der windschiefen Hütte bis hin zum schön verzierten Fachwerkhaus oder kleinem Anwesen mit Wasserspeiern aus Marmor ist hier alles zu finden.
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Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. Juni 2011, 18:16

[Uriel kommt von hier: Das östliche Drachengebirge - Die Hauptstadt Pelgar - Marktplatz Pelgars - Vom Regen in die Traufe]

Cassandra hatte es mit Sicherheit gut gemeint, als sie den Hybriden vor den pattroulierenden Truppen der Besetzer gewarnt hatte. Doch was weder die kleine Pelgarerin, noch der geflügelte Bote wussten, war das die Hauptwache sich vor einigen Minuten in dieser Gasse befunden hatte und sich bereits wieder auf dem Weg zurück zur Kaserne befand. Und da der nächste Durchgang erst in einigen Stunden seine Runden drehen würde, hätte Uriel durchaus die besten Chancen gehabt, sich auf dem direkten Weg ins Reichenviertel zu begeben. Doch sicherlich war Vorsicht immer besser als Nachsicht und, abgesehen von einem recht großen Zeitverlust, schadete es dem Halbelfen auch nicht, sich durch die Seitengassen abseits der Aquäduktstraße zu schlagen. Immerhin war das alte Pergament, mit dem sich der Dunkelelf durch die Stadt hatte schlagen wollen, noch genau genug, dass sich Uriel zumindest immer wieder zurück zum eigentlichen Hochweg finden konnte.
Ansonsten war der Marsch des hybriden zwar lange, aber ansonsten ereignislos und eintönig. Die Stadt selbst zeigte sich von einer düsteren und tristen Seite. Kaum ein Mensch begegnete Uriel auf seiner Wanderschaft, von den freiwilligen, welche die Leichenkarren beluden einmal abgesehen. Viele der Häuser wiesen verbarrikadierte Fenster und oder Türen auf und Schutthaufen zeigten einem etwaigen Passanten, wo vor der Eroberung einmal Holzstände aufgebaut worden waren. Dabei stand das schlimmste eigentlich noch bevor. Noch mussten die Pelgarer den Schock überstehen. Erst danach würden sie verstehen, was sie wirklich alles verloren hatten. Dann würden die Straßen wieder voll sein – voller Bettler und Prostituierte.
Der Übergang zwischen dem Reichenviertel und der Unterstadt war deutlich zu erkennen. Hier hatten weniger Kämpfe stattgefunden, wohl vor allem weil sich die feinen Pinkel zu fein gewesen waren, selbst Hand an die Waffe zu legen. Und nun lebten hier die hochrangigen Mitglieder der Dunkelelfenarmee, zusammen mit dem reichen Adeligen, die sich Bestechungen leisten konnten. Als Uriel endlich die Aquäduktstraße verlassen musste, um sich einen anderen Weg an sein Ziel zu suchen, begann die Sonne langsam zu sinken und der Wind wehte kühl auf. Wie sich nach einigem Suchen herausstellte, lag das Anwesen, dass Uriel suchte, am Rande des Reichenviertels; nur leider auf der entgegengelegenen Seite.
So ging noch einmal eine gute Stunde rum und der rote Himmel färbte sich allmählich dunkelblau. Inzwischen war Uriel eine wirklich lange Zeit auf den Beinen, in denen er einiges mitgemacht hatte. Vom Absturz von der Klippe bis hin zum Kampf mit dem Kommandanten Marek und der Verletzung, die er infolge dessen mit sich getragen hatte. Ein verdammt langer tag war das inzwischen und im Grunde hatte der Hybrid bisher keine Gelegenheit gehabt, zu rasten oder etwas zu essen. Und so langsam machte sich das auch bemerkbar. Es wurde wirklich Zeit, dass Uriel Zeit zum Verschnaufen fand und sich eine Mahlzeit gönnte.
So bog der geflügelte Elf um die letzte Ecke, die ihm vor seinem Ziel trennte. Er musste jetzt nur noch bis fast zum Ende der Straße laufen und wäre endlich da. Die Schneerosenallee, so hieß diese Nebenstraße voller Prachtbauten, und die Adresse war Nummer 13. Welche Ironie. Aber die Anwesen, an denen Uriel vorbei lief, wirkten verwaist. Die Oberstadt hatte bisher keinen so verlassenen Eindruck gemacht, aber diese Straße erinnerte sehr stark an das Marktviertel, aus dem Uriel gekommen war. Nummer 11. Nummer 12. Nummer 13. Er war am Ende der Gasse angekommen. Das Gebäude vor ihm war folglich sein Ziel. Aber wenn es ein Gebäude im Reichenviertel gab, dass nicht mehr bewohnt war, dann musste es dieses sein: Die früher einmal zweistöckige Villa schien vollkommen ausgebrannt zu sein. Die obere Etage fehlte vollkommen und die Gebeine des Erdgeschosses erstreckte sich nur noch über drei Seiten. Der Halbelf konnte gradewegs auf die Rückwand sehen und auf den Schutt im Inneren.
„Wirklich eine Schande, nicht wahr?“ Eine recht angenehme und vollkommen akzentlose Stimme erklang in Uriels Rücken. Dann löste sich ein Schatten von der hohen Mauer hinter dem Rabenmann und trat an dessen Seite. Es handelte sich zweifelsfrei um einen Menschen, etwa 40 Jahre alt und mit schulterlangen, glatten, schwarzen Haaren und einem gleichfarbigen Spitzbart. Der Fremde trug einen schwarzen Dreispitz, auch seine restliche Kleidung war schwarz und mit goldenen Ziersäumen und knöpfen verschönert. An seinem breiten Nietengürtel hing eine weißgoldene Karnevalsmaske, die einem sehr schönen Gesicht nachempfunden worden war. Der Mann stütze sich auf einen schwarzen Gehstock, dessen Ende in einem Glasstein oder Diamanten endete. „Schneerosenallee 13,“ sagte der Fremde freundlich, als würde er mit einem alten bekannten plaudern, „früher einmal eines der Schönsten Gebäude der Stadt. Aber keiner will es wieder aufbauen, seit es vor gut 20 Jahren niedergebrannt ist. Und nun, wo die Stadt nicht mehr in unserer Hand ist ... wird es vielleicht nie wieder, was es einmal war.“
Der elegante Pelgarer, der sich selbst noch nicht vorgestellt hatte, wandte seinen Blick von den Grundmauern der Ruine ab und seinem schweigsamen Gesprächspartner zu. Seine eindringende, ruhige Stimme hatte eine sehr seltsame Wirkung. Er hörte sich einfach wie jemand an, dem man gerne vertraute. „Nun, mein geflügelter Freund, lass mich dir eine Frage stellen. Wer möchte den wahren Nachthimmel sehen?“
Das war nicht nur eine seltsame Frage, vielmehr klang es wie der erste Teil einer Parole. Vielleicht war dieser Edelmann, der schon so mysteriös an Uriel heran getreten war, mehr als man vermuten mochte?
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Donnerstag 16. Juni 2011, 17:17

Müde. Das war das vorherrschende Gefühl das Uriel hatte. Sein ganzer Körper war erschöpft. Die Schulterwunde schmerzte, sein Nacken tat ihm weh, vom ständigen Umhergucken und seine Augen brannten. Der Sturz, der Dunkelelf und die Schleicherei durch die Stadt hatten Uriel einiges abverlangt. Das wird teuer werden. Der Empfänger des Briefes wird sich nach Abgabe an einer äußerst leichten Börse erfreuen können, das schwöre ich., dachte er grimmig. Allein die Aussicht auf die Bezahlung und anschließende Ruhe ließen den Boten weiter durch Pelgar laufen. Immerhin war er im Reichenviertel angekommen. Die reichverzierten Fassaden und die offenkundige Pracht ließen den Hybriden zynisch grinsen. Wenn es darauf ankam, war es doch erstaunlich einfach für die Adligen ihre Ehre verkaufen. Die Ehre, an der sie in Friedenszeiten so vehement festhielten und für die es sogar nicht zu schade war, den Gegenüber auf ein Duell herauszufordern. Das Reichenviertel bewies Uriel einmal mehr, dass Geld einem länger am Leben ließ als Ehre. Und auch schneller die Bäuche füllte.

Natürlich musste die Adresse Nummer 13 sein. Ein Rabe, Nummer 13, fehlt nur noch ein Hexe und Vollmond., dachte Uriel. Erstaunlicherweise war diese Straße, trotz ihres Namens, Schneerosenallee, sehr verwahrlost. Viele Häuser waren einbruchsgefährdet, einige waren von Ruinen kaum noch zu unterscheiden. Es schien, als wäre diese Gasse schon seit langem nicht mehr bewohnt. Zumindest nicht von den reichen Snobs der Oberstadt. Uriel blieb schließlich am Ende der Gasse, vor einer Villa, die als solche schon längst nicht mehr zu bezeichnen war. Für einen Moment dachte er ,dass er hier falsch wäre.
Der Mann bewies das Gegenteil. Uriel war schon nervös, seit er sich in Pelgar herumtrieb und die Müdigkeit machte es nicht besser. Es kostete ihn alle seine Selbstbeherschung nicht erschrocken zusammenzufahren, als der Kerl hinter ihm auftauchte. Der Mann sah aus, wie Uriel sich einen reichen Pimpel vorstellte. Ebenso elegant, wie arrogant. Ein Mann, der bei der Wahl seiner Kleidung mehr Wert auf das Aussehen legte, als auf die Nützlichkeit. Uriel war sich sicher, dass dieser Kerl nicht einmal zehn Sekunden in freier Wildbahn überleben würde.
Für das Stadtleben schien er jedoch wie gemacht. Nette Stimme, ein vorwitziger Spitzbart und eine gehörige Portion "Ich labere einfach irgendetwas, auch wenn es keiner hören will". Erstaunlich war für den Boten, dass er den Mann nicht gehört hatte, als er hinter ihm aufgetaucht war. Und dass dieser ihn freundlich angesprochen hatte, anstatt ihn von hinten zu erdolchen oder zumindest schreiend wegzulaufen, fand Uriel merkwürdig.
„Nun, mein geflügelter Freund, lass mich dir eine Frage stellen. Wer möchte den wahren Nachthimmel sehen?“
Dieser Satz bestätigte ihn. Der Hybrid war sich nun sicher, an den richtigen Mann geraten zu sein. Was jedoch die Antwort für die Parole war, wusste er nicht. War für ein auch unwichtig. Er hatte keinen Nerv mehr für ein "Katz und Maus"-Spiel, auch nicht für ein verbales. Stattdessen zog er den Brief hervor. "Ich bin nicht der zweite Bote. Weder gehöre ich zu einer verschworenen Gemeinschaft, noch weiß ich die Antwort auf eure Frage.", antwortete er barsch, "Ich habe gerade eine nicht ganz einfache Reise hinter mir und hab keine Lust noch länger zu warten. Also entweder nehmt ihr jetzt diesen verdammten Brief und bezahlt mich oder ihr lasst es bleiben. Dann könnt ihr auch weiter darüber jammern, wie schön es "früher" war."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Freitag 17. Juni 2011, 23:51

Der mysteriöse Mann wirkte nicht einmal besonders beleidigt oder angegriffen, als der Bote mit sehr deutlichen Worten klar machte, was er von der Situation hielt. Im Gegenteil, er wirkte sogar ein wenig belustigt, zumindest schmunzelte er leicht, als er leicht den Kopf schüttelte. Es schien fast so, als hätte er mit nichts anderem als eben solch einer Antwort gerechnet, auch wenn es schwer zu sagen war, wieso. Trotzdem lag eine gewisse strenge in seiner Stimme, als er zu einer Erwiderung anhob. „Früher einmal hat man Höflichkeit mehr Wert angerechnet, ganz gleich wie die Dinge standen. Zu Schade, dass niemand mehr an den alten Werten fest hält, nur weil die Welt untergeht.“ Noch einmal schüttelte der Unbekannte den Kopf und lehnte seinen Eindrucksvollen Gehstock gegen seine Hüfte. Mit beiden Händen löste er die zerbrechlich wirkende Porzellanmaske von seinem Gürtel, legte sie an sein eigenes Gesicht und verknotete die Bändchen hinter seinem Schädel. Im Anschluss lüftete er seinen Dreispitz und führte ein schwarzes Tuch, dass am oberen Rand der Maske befestigt war, über die glatten Haare.
Das seltsame daran war, dass sich Uriel nicht mehr auch nur an das kleinste Detail des Gesichts des Mannes erinnern konnte, nachdem dieser seinen Hut wieder platziert hatte. Es war fast so, als wären alle Erinnerungen daran aus seinem Gedächtnis verbannt worden. Dafür erinnerte das Bild des Fremden auf eine unheimliche Weise an einen Narren, wie man sie an den Höfen von Königen fand. Nicht diese trottelligen Spaßvögel, diese Gaukler die auf den Straßen ihre Almosen erspielten, sondern wie ein Mann von Rang, der mit klugen Reden und lustigen Gedankenspielen die oberen 100 Unterhielt. „Natürlich bist du nicht der zweite Bote. Das bin ich selbst, Bursche. Johann Krönen, aber nenne mich doch Nikelrah, dass tun alle und ich nehme an, man hat diesen Namen auch als Adressat genannt. Normalweise dürfte ich dich nun nicht mit nehmen. Aber eine angesehene Persönlichkeit hat sich für jemanden, der auf deine Beschreibung passt, verbürgt. Und nun komm, wenn du deinen Sold willst, nicht trödeln!“
Mit diesen Worten drehte sich der Mann auf dem Stiefelabsatz herum und ging grade auf die stabile Ziegelmauer zu. Dabei hob er seinen Gehstock auf Brusthöhe und stieß mit dem eisenbeschlagenen Ende gezielt gegen einen Stein, der sich ansonsten nicht im mindesten von den anderen unterschied. Der Ziegel gab nach leichtem Druck nach und fuhr dann von selbst nach hinten. Geräuschlos schwang ein Teil der Mauer auf und schob sich zur Seite. Das erklärte nun also, wie dieser Krönen es geschafft hatte, lautlos und wie aus dem nichts hinter Uriel aufzutauchen. Hinter der verborgenen Tür befand sich ein abstellkammergroßer Raum, in dem der Ansatz einer Wendeltreppe. Von unten drang das flackernde Licht von Fackeln hinauf.
Es war eher ein Schacht, in dem sich die weiße Ahorntreppe hinunter schlängelte. Bestimmt 50 Meter ging es in die Tiefe und abgesehen von einigen Fackeln gab es keine Abwechslungen. Auf etwa der hälfte des Weges in die Tiefe, schloss sich oben wie von Geisterhand wieder der Durchgang. Bei jedem zweiten Schritt des mysteriösen Nikelrahs erklang das pochen seines Stocks. Von Oben war nichts zu hören, aber je weiter sie dem Ende der Treppe kamen, desto deutlicher wurde das Gewirr vieler Stimmen. Auch der appetitanregende Geruch von gutem Essen erfüllte irgendwann die Luft und mischte sich bald danach mit dem Aroma verschiedenster Pfeifenkräuter. Unten angekommen, war nur ein Torbogen ohne Tür zu sehen, aber über dem Durchgang war ein extrem massiv wirkendes Fallgitter eingelassen.
Uriel und sein Bote traten über die Schwelle und schienen plötzlich an einem anderen Ort zu sein. Es sah fast so aus, als hätte man eine der luxuriösen Anwesen von der Oberfläche einfach nach hier unten gebracht. Der hohe, weitläufige Raum war gefüllt mit vielleicht hundert Männern und Frauen, aller Standesklassen. Adelige saßen mit Bettlern zusammen an runden Tischen und scherzten oder spielten Karten. In einem Viertel des Raums war U-förmig eine Tischkonstellation aufgebaut worden, auf dem eine Art Buffet aufgebaut worden war, an dem sich viele Leute gütlich taten. Aber der elegante Führer Uriels hatte nicht viel für dieses bunte Treiben übrig, sondern ging gradewegs auf eine Tür am anderen Ende der Halle zu. Dabei wurde er von mehreren Anwesenden, vor allem den älteren, huldvoll gegrüßt und einige jüngere Männer verbeugten sich sogar vor ihm.
Das anliegende Zimmer musste eine art Bibliothek sein. Zumindest waren die Wände voller Bücherregalen und Körben voller Schriftrollen. Hier war es stiller als zuvor, was wohl daran lag, dass nur eine junge Frau, in der Kleidung einer Heilerin und ein sehr alt wirkender Mann, in einer edlen Robe, sowie ein Soldat in Habacht sich hier befanden. Dieses mal war es an Nikelrah sich zu verbeugen, ehe er das Wort hob. ”Meister Vampa, der erwartete Bote ist endlich angekommen. Allerdings denke ich, dass es inzwischen längst zu spät für seine Nachricht ist.”
Der alte Mann rollte die Schriftrolle zusammen, die er studiert hatte und legte sie auf ein nahestehendes Pult. Die Frau sah nur kurz von ihrem Buch auf und las dann unbeirrt weiter, während die Wache sich überhaupt nicht bewegte. ”Das ist er also?” fragte Vampa, woraufhin sich Uriels Bote leicht verneigte. Dann wandte sich der alte Mann zu dem geflügelten Elfen um. „Du hattest sicherlich einen beschwerlichen Weg, Bote. Sei dir der Dankbarkeit Lucheni Vampas und der Diebesgilde gewiss. Man hätte dich nicht ausgewählt, wenn man dir keinen Erfolg zugetraut hätte.“
Ja, Uriel stand in just diesem Augenblick vor Lucheni Vampa, einem der mächtigsten Männer der Welt. Einem König der Unterwelt, wenn man so wollte. Und die Dankbarkeit eines solchen Mannes war oftmals mehr wert als pures Gold. Was nicht bedeutete, dass sich Uriel nicht bereits auf eine gehörige Belohnung freuen durfte ...
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 20. Juni 2011, 21:00

„Früher einmal hat man Höflichkeit mehr Wert angerechnet, ganz gleich wie die Dinge standen. Zu Schade, dass niemand mehr an den alten Werten fest hält, nur weil die Welt untergeht.“ Uriel hob angesichts dieser Aussage kurz die Augenbrauen. Ich hatte nicht gewusst, das Pelgar die Welt ist. Oder dass irgendetwas untergegangen ist. Soweit ich das sehe, haben sich nur die Verhältnisse geändert. Mal wieder, dachte er. Er vermied es, das laut auszusprechen. Dieser Kerl schien recht geduldig zu sein, doch der Hybrid hatte mühsam erfahren müssen, dass nicht alle seine Kommentare gut aufgenommen wurden. Bevor Uriel seine Gedanken verteifen konnte, zog sein Gesprächspartner die Porzellanmaske an und wieder hob der Kurier verwundert die Augenbrauen. Warum konnte er sich nicht mehr an das Gesicht erinnern? Es war nicht so, dass er es vergesen hatte. Nein, es fühlte sich vielmehr so an, als wäre jede Erinnerung daran aus seinem Gedächtnis gelöscht worden. Wie als hätte man die Wörter auf einem Stück Pergament mit einem scharfen Messer sorgfältig abgeschabt.
Uriel beschloss sich vor dem Kerl in Acht zu nehmen. Er schien bei weitem mehr zu sein, als er den Anschein machte. Die zweite Aussage des Fremden begann wieder beim Hybriden ein Gedankenlawine auszulösen. Bursche! Der Kerl hat doch nicht nichtmal 50 Sommer gesehen! und Eine einflussreiche Persönlichkeit hat sich für mich verbürgt? Wer verbürgt sich denn bitte schön für mich? Der Trottel kann einem leid tun.

Johann Krönen, oder Nickelrah, wie er genannt werden wollte, betätigte nun einen Schalter und riss somit Uriel abermals aus seinen Grübeleien. Nickelrah führt ihn nun eine enge Wendeltreppe hinunter und in einen großen Raum geführt. Der Lärm traf den Kurier wie ein Schlag, nach der Stille des verwüsteten Pelgars. Alle möglichen Leute saßen da, redeten miteinander oder bedienten sich am Buffet. Der Anblick des Essen ließ Uriels Magen knurren, doch er ließ sich seinen Hunger nicht anmerken. Stattdessen stellte er eine belustigte Miene zur Schau. Wie war das vorhin mit "die Welt geht unter"? Bei den Anwesenden scheint das noch nicht ganz angekommen zu sein., dachte er spöttisch. Nebenbei bemerkte er, dass sein Führer offensichtlich eine geehrte Persönlichkeit war. Einige jüngere verbeugten sich sogar vor ihm. In Uriel macht sich ein Verdacht breit.

Schließlich führte ihn Nickelrah in eine Bibliothek, zumindest leitete Uriel das an den vielen Büchern ab. In dem Raum befanden sich eine junge Frau, ein Soldat und ein alter Mann, in Roben gehüllt. Und genau vor diesem älteren Herren verbeugte sich sein Begleiter. Die beiden wechselten kurz ein paar, für Uriel unverständliche, Worte miteinander, dann wandte sich der Alte an den Hybriden. „Du hattest sicherlich einen beschwerlichen Weg, Bote. Sei dir der Dankbarkeit Lucheni Vampas und der Diebesgilde gewiss. Man hätte dich nicht ausgewählt, wenn man dir keinen Erfolg zugetraut hätte.“
Uriel sah seinen Verdacht bestätigt, der in ihm gegärt hatte, seit er den Brief geöffnet hatte. Die Diebesgilde! Und dazu auch noch einer ihrer Regenten! In Uriel rangen Furcht und Freude gleichermaßen um Aufmerksamkeit. Furcht, dass er in Machenschaften geriet, die schnell zu gefährlich werden konnten. Freude, über das ausstehende, und jetzt hoffentlich üppige, Honorar. Er musste sich eingestehen, dass die Aussicht auf Geld letzten Endes überwog. Also händigte er ihm den Brief aus. Eine Verbeugung oder eine Gruß unterließ er jedoch. Er war zu müde und hatte eine zu anstrengende Reise hinter sich um jetzt noch die Muße zu besitzen den Etiketten zu folgen. "Hier habt euren Brief.", sagte er nur, und fügte noch schnell ein "Herr Vampa" hinzu. Erst hatte er überlegt, zuerst das Geld zu verlangen, doch angesichts seines Gegenübers hielt er diese Vorgehensweise dann doch für zu dreist.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 21. Juni 2011, 16:40

Mit einem leichten Kopfnicken nahm der Diebesfürst den Umschlag mit den Briefen entgegen. Seine Hand zitterte leicht, als er den Arm ausstreckte, ein Beweis für das hohe Alter, dass der Mensch bereits erreicht hatte. Anstatt das Kuvert aber zu öffnen, reichte er die Zettel direkt an die Junge Frau weiter, die ihrerseits schon mit einer genervten Miene den Arm ausgestreckt hatte. Dann klopfte der Regent zwei mal kräftig in die Hände und der Soldat verschwand aus der Bibliothek. Vampa sah schweigend den maskierten Mann neben Uriel an, von dessen Gesicht man nur die Augen sehen konnte. Die junge Heilerin überflog die einzelnen Seiten flüchtig. Als sie fertig war, wischte sie sich eine Strähne ihres dunkelroten Haares aus dem Gesicht und ordnete die Blätter wieder. Sie stand auf, ging aber an dem Regenten vorbei zum Kamin. Dor angekommen zerriss sie die Blätter in winzige Teile und warf diese ins Feuer. Mit einem Zischen löste das leicht entflammbare Papierpergament in Asche auf. „Viel zu spät,“ kommentierte die junge Frau ihr tun und ging zurück zu ihrem Divan. „Diese Briefe hätten vor mehr als vier Tagen eintreffen müssen, damit wir aus ihnen einen nutzen hätten ziehen können. Gute Arbeit, Bote!“ Ihr amüsiertes, herablassendes Grinsen, zeigte ganz deutlich, was sie von dem Überbringer hielt. Die rothaarige Heilerin wollte grade noch etwas sagen, den Mund hatte sie schon geöffnet, als Lucheni Vampa energisch den Arm hob. ”Schweig, Esmeralda!” blaffte der alte Mann mit einer Kraft in der Stimme, die man ihm schon gar nicht mehr zugetraut hätte.
Esmeralda schloss erbost den Mund, dann verschwand ihr Gesicht auch schon wieder hinter ihrem Buch. Sie murmelte etwas unverständliches, dass aber von niemanden weiter beachtet wurde. Indes trat der Wachsoldat wieder in das Zimmer ein, allerdings trug er nun ein silbernes Tablett in den Armen. Darauf befanden sich ein kleines Säckchen, ein größerer Sack und drei einzelne Goldmünze. Vampa griff Uriel bei der Schulter und lotste ihn vor seinen Soldaten. „Ich entschuldige mich für das benehmen meiner Enkelin. Die Höflichkeit in meiner Halle hat in letzter Zeit zu wünschen übrig gelassen. Es stimmt, wir haben vor einer Woche mit deiner Ankunft gerechnet, doch wird es kaum deine Schuld sein, dass du so lange brauchtest. Nicht in diesen Zeiten. Dass du überhaupt heil angekommen bist, ist bewundernswert. Nun kommen wir zu deiner Bezahlung Bote.“
Mit einer ausladenden Handbewegung wies der Regent der pelgarischen Diebe auf das Tablett. Der schweigsame Soldat sah weder nach unten, noch den Hybriden an, sondern hielt den Blick grade aus gerichtet, wie es nur die Diszipliniertesten konnten. „Wenn ich recht Informiert bin, war eine Vertragsgebühr von 30 Lysanthemer ausgemacht worden. Da du jedoch in ein Kriegsgebiet liefern musstest und das auch noch unter falschen Tatsachen, werde ich deinen Sold erhöhen. Ich lasse dir die Wahl zwischen 60 Lysanthemern oder drei Drachmen. Oder 1200 Füchsen, wenn du den großen Sack mit dir rum tragen möchtest.“ Mit einem freundlichen Lächeln wartete Vampa ab, wofür sich der Hybrid entscheiden würde. Man konnte über Diebe vieles sagen, aber den großen der Diebesgilde war ihre Ehre sehr wichtig und sie zahlten immer ihre Schulden. „Ich muss nicht erwähnen, dass wir auf deine Verschwiegenheit bauen, auch die ist im Preis mit einbegriffen. Wenn du uns nun bitte entschuldigen würdest, ich muss dringend mit unserem Narren sprechen. Ich lade dich gerne ein, noch einen Tag oder zwei zu bleiben. Ruh dich aus, iss tüchtig. Es soll dir an nichts mangeln!“
Mit diesen Worten lotste der Diebesregent den Boten über die Schwelle, in den großen Festsaal. Hinter ihm wurde die Tür geschlossen und man hörte, wie ein Schlüssel sich im Schloss herum drehte.
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 29. Juni 2011, 18:29

Geduldig wartete Uriel, während Vampa den Brief durchlesen ließ. Am liebsten hätte er jetzt sein Geld verlangt, aber Geduld war häufig der einfachere Weg zum Erfolg. Zumindest in diesem Falle. Die etwas verhaltene Reaktion auf den "lang ersehnten" Brief machte ihn etwas stutzig. Was denn? Keine Begeisterunsgstürme? Kein in die Arme fallen? Ich hab ja nicht erwartet, dass man mir einen Teppich ausrollt, aber zumindest ein herzlicher Händedruck wäre doch nicht zuviel verlangt gewesen.", dachte er leicht beleidigt.
Umso mehr überrascht es ihn, dass die Frau auf einmal den Brief zeriss und ins Feuer warf. Entsetzt sah Uriel den Grund für mehr als eine Wocher Plackerei in Flammen aufgehen. Dann zog die "Dame" auch noch über ihn her! Der Hybrid ballte die Faust vor Wut. Nicht viel hätte gefehlt und er wäre dieser Schlampe an die Kehel gegangen! Einzig Vampas, zwar unverständliche, aber deutliche Rüge bewahrte die Frau davor einen neuen Halsschmuck verpasst zu bekommen. Ein kurzer Atemzug und der Bote beruhigte sich wieder. Dennoch warf er der Heilerin, welche nun wieder ihren Kopf in ein Buch steckte, einen wütenden Blick zu. Vielleicht sollte ich sie zu einem Spaziergang einladen. Ab ins Gebirge und sie dort dann stehen lassen, mitten in der Kälte. Wäre sicher ein "einprägendes" Erlebnis für sie., dachte Uriel giftig. Vampa riss ihn jedoch aus seinen Rachefantasien, als er ihn für seinen Einsatz lobte. Trotzdem hoben die Worte des Alten die Laune des Halbelfen nur unwesentlich. Er hatte versagt. Die Lieferung war angekommen, aber zu spät. Es gab Boten, die ihre Aufträge nicht so eng sahen, aber für Uriel war eine verspätete Ankunft genauso schlimm, wie eine nicht abgelieferte Nachricht. Das Geld, dass Vampa ihm jedoch anbot, ließ die Welt gar nicht mehr so schlimm aussehen. Der alte Diebesregent wurde Uriel immer sympathischer, vor allem, da er offensichtlich auch die Kurse und Zuschläge der Kuriere beachtet hatte. Uriel nahm den kleinen Geldbeutel. Die Drachmen ließ er liegen, da es schwer für Händler in Kriegszeiten war Geld in so einer Höhe zu wechseln, und die Fuchsmünzen waren ihm zu schwer. Es wurden genug Leute überfallen, weil ihre Taschen zu sehr geklimpert hatten.
Zur Sicherheit sah Uriel in den Beutel hinein, man konnte ja nie wissen, doch es schien alles in Ordnung zu sein. Schade nur, dass ich damit nicht viel anfangen kann. Außer es gibt in Pelgar einen Händler, der es gewohnt ist "Monster" als Kunden zu haben., dachte er traurig, als er die Bibliothek verließ. Hinter ihm wurde geräuschvoll und äußerst vertrauenserweckend die Tür verriegelt.
Nun stand er also da. Der Elf mit den Rabenflügeln, mitten im Versteck einer kriminellen Organisation, mit dem Auftrag "Ruh dich aus." Ganz toll.

Betont gelassen trat Uriel zum Buffet, nahm sich einen Teller und tat sich auf. Es war nicht einfach für ihn bei den verschiedenen Speisen sich zu entscheiden. Letzlich landeten auf seinem Teller mehrere Hünchenkeulen, eine dicke Scheibe Brot, Früchte, Suppe...
Ehe er sich es versah, hatte der Hybrid drei Teller auf den Armen, die er in eine hintere Ecke brachte, sich dort hinsaß und begann zu essen. Sein Magen hatte schon seit einiger Zeit bemerkbar gemacht und es kostete Uriels ganzen verbliebenen Anstand um das Essen nicht wie ein Tier in sich hineinzuschaufeln. Es war lange her, seit so gut und so viel gegessen hatte. Vielleicht hatte dieser verfluchte Auftrag ja doch noch ein gutes Ende...

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juli 2011, 11:30

Es war dem Boten vielleicht noch gar nicht aufgefallen, aber hier unten, im Herzen der Diebesgilde, gab es einen erheblichen unterschied zur braven Oberflächenwelt. Denn Obwohl er sich vollkommen frei zwischen den restlichen Mitglieder bewegte, starrte ihn niemand an und keiner wich ängstlich vor ihm zurück. Tatsächlich grüßten den Hybriden sogar ein paar Männer, als er an ihnen vorbei kam und sie klangen bestimmt nicht so, als wollten sie sich über ihn lustig machen. Vielleicht hatte man bemerkt, das Uriel zusammen mit Nikelrah hier angekommen war, der ein hohes Tier zu sein schien. Oder vielleicht waren die Angehörigen der Diebeszunft auch einfach an Anblicke gewöhnt, die von der Norm abwichen. Wie auch immer, jedenfalls konnte sich der Bote an den dargebotenen Bedienen, ohne das ihn jemand daran hinderte. Selbst als er sich gleich mehrere Teller auf einmal füllte, wollte ihn niemand behelligen. Zwei der Männer, ihrer Kleidung nach wohl recht gut verdienende Arbeiterschicht, erhoben sich sogar von ihrem Kartenspiel und machten erste Anstalten, zu einem Plausch herüber zu kommen. Doch als sich der Rabenmann in Richtung einer abgelegenen Ecke aufmachte, ließen die Beiden sich nieder. Wenn man lieber allein sein wollte, wurde das von den meisten hier respektiert. Wie gesagt, von den meisten, aber nicht von allen.
Uriel hatte sich grade niedergelassen und damit angefangen, sein üppiges Mahl zu verzehren, als ihn jemand von links in die Seite stupste. Aber als der Elfenhybrid in eben diese Richtung sah, war dort niemand. Dafür fehlte der Teller mit den Hühnchenflügeln, als er sich daran machte, weiter zu essen. Und Augenscheinlich schien der Bote alleine in seiner abgeschiedenen Ecke zu sein. Neben ihm befand sich nur ein Bücherregal, von einer anderen Person fehlte jede Spur. Aber nach kurzer Zeit kehrte dann doch einer der Flügel zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück. Zumindest der Knochen, denn der fiel von oben direkt auf den Kopf des Hybriden. Nun musste man kein Genie mehr sein, um den Hühnchendieb zu entdecken, sondern einfach nur nach oben sehen. Und tatsächlich, da saß ein kleines Mädchen mit braunen Haaren oben auf dem hohen Bücherschrank, einen Teller mit. Wie sie es geschafft hatte dort rauf zu kommen oder – und das war noch verwirrender – wie sie es geschafft hatte, dem Boten von dort oben sein Essen zu stehlen, war unmöglich zu sagen. Nichts desto trotz kam Uriel das Kind ziemlich bekannt vor, vor allem der glasige Blick und das ausdruckslose Gesicht. Und der Stoffbär zu ihrer rechten ...
Zwar nicht auf frischer Tat, aber dennoch mit der Beute ertappt, zog die kleine Diebin eine Schnute, nahm sich aber sofort den nächsten Flügel und versenkte die Zähne in dem hellen Fleisch. „Fut mier jeid, daff ich gir daf Eschen stehle,“ entschuldigte sie sich mit noch vollem Mund und schluckte dann den großen Bissen herunter. „Die Stellen die Geflügel immer nach ganz hinten und dann komm ich nicht ran, ohne auf den Tisch zu klettern. Und dann lachen sie mich immer alle aus.“ Während die kleine das sagte, klang sie nicht wirklich so, als würde ihr das etwas ausmachen, aber ob sie wirklich so kühl war, wie sie nach außen hin wirkte, bleib ein Rätsel für den Boten, der ihr ja nicht in den Kopf schauen konnte. Sie nahm noch einen weiteren Bissen und legte dann den abgenagten Knochen auf den Tellerrand. Anscheinend hatte sie kein schlechtes Gewissen für den Mundraub, wenn sie so mühelos weiter ihre Beute verzehrte. Dafür hüpfte sie nun aber von ihrem Hochsitz herunter und lies sich neben Uriel auf dem Boden nieder. „Du hast aber ganz schön lange gebraucht, um her zu kommen. Wenn du gesagt hättest, zu wem du willst, wäre das viel einfacher für dich ge..“
Weiter kam die junge Diebin nicht, denn in diesem Augenblick übertönte ein wütendes Brüllen alle Geräusche im Raum und brachte die meisten Leute zum verstummen. Die Stimme gehörte dem Regenten, der sich jedoch wohl noch immer in dem bibliothekartigen Nebenzimmer befand. Seine kräftige Stimme, durch den Zorn noch um einiges intensiver, drang einfach so durch die massive Holztür. Dass die anderen Diebe seinen Streit – wahrscheinlich mit Nikelrah, denn wer sonst befand sich noch bei ihm? – mitanhören konnten, schien ihn nicht weiter zu interessieren. Natürlich fluchte der alte Mann in der Sprache der Diebe, einem für Uriel unverständlichen Zungenschlag. Nach kurzer Zeit beruhigte sich der Regent wieder und seine Stimme schwellte ab, bis niemand im Festsaal sie noch hören konnte. „Opa hat schon wieder eine seiner schlechten Launen. Aber so ist er ständig, seit die schwarzen Männer seine Stadt kaputt machen,“ wurde das ganze von der Diebin kommentiert. Inzwischen hatte sie beinahe die Hälfte der Hähnchenkeulen verspeist und lugte bereits gierig zu den Früchten, die der Rabenhybrid sich genommen hatte, als überlege sie, was als Nachtisch in Frage käme.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 10. Juli 2011, 15:34

Uriel genoss seine erste richtige Mahlzeit seit langem. Während seiner Reise hatte er nur das Nötigste an Verpflegung mitgenommen und selbst wenn er sich mal in den "zivilisierten" Gegenden aufhielt, so war die Reaktion der Bürger alles andere als freundlich. Nicht selten musste er sich mit dem begnügen, was er gerade in die Finger bekam und das war selten etwas Gutes. Abfall, Aas und Ähnliches waren meistens auf der Speisekarte. Und nahc all den Jahren hatte der Hybrid sich auch daran gewöhnt. Der Rabe in ihm störte sich nicht daran und der Elf hatte gelernt, dass nicht alles, dass auf der Straße lag, ungenießbar ware. Er wusste, wie verfault etwas sein musste, damit er es nicht mehr essen konnte, und welche Nahrung sogar noch einigermaßen schmackhaft war, aber von den normalen Bürgern einer Stadt weggeschmissen wurde. Dennoch war dies nichts im Vergleich zu einem ordentlichen Festmahl. Und Uriel war fest entschlossen es zu genießen. Schließlich hatte er nicht so häufig die Gelegenheit, sich ungeniert den Bauch vollzuschlagen. Und niemand stört mich. Dazu noch ein voller Geldbeutel...hoffentlich hält das an...
Dann tippte ihn jemand an. Natürlich. Wozu sollte das Glück denn auch für mehr als ein paar Augenblicke anhalten?, dachte Uriel genervt und drehte sich um. Dass niemand da war, sorgte nicht unbedingt für eine Besserung seiner Laune. Und als er sich wieder dem Essen zuwandte war dieses verschwunden, genauer gesagt, die Hähnchenflügel. Uriels Hochgefühl, ohnehin schon leicht gedämpft, brach zusammen wie ein instabiles Kartenhaus. Sofort ging seine Hand zum Geldbeutel, der glücklicherweise noch an seinem Platz war. Eigentlich sollte es mich nicht überraschen. Schließlich bin ich in der Diebesgilde., rief er sich ins Gedächtnis und schaute sich lauernd um. Dennoch konnte er niemanden entdecken. Nur das Bücherregal und Uriel befand sich noch nicht für paranoid genug, um ein Möbelstück des Diebstahls zu bezichtigen. Als ihm dann jedoch ein abgenagter Knochen von oben auf den Kopf fiel, war für den beraubten Boten alles klar. Ein Blick nach oben und er entdeckte den Übeltäter. Besser gesagt, die Übeltäterin. Über ihm saß ein Mädchen, braunes Haar, glasiger Blick, Stoffbär...

„Fut mier jeid, daff ich gir daf Eschen stehle." , sagte sie und schluckte, "Die Stellen die Geflügel immer nach ganz hinten und dann komm ich nicht ran, ohne auf den Tisch zu klettern. Und dann lachen sie mich immer alle aus.“
Uriel lächelte schief, als er die Kleine erkannte. "Ich freu mich auch dich zu sehen, Cass. Ist Mundraub deine Art jemanden zu begrüßen oder hattest du einfach Lust zu fragen?", begrüßte er sie spöttisch. Insgeheim fragte er sich, wie sie es von da oben geschafft hatte, ihm das Essen abzunehmen. da er jedoch keine Antwort auf diese Frage fand, schob er sie kurz beiseite. Cass meinte, dass er ihr von vornerein reinen Wein hätte einschenken könne, bevor sie jedoch ihren Satz zu Ende bringen und Uriel überhaupt eine Antwort geben konnte, unterbrach sie ein wütendes Brüllen aus der Bibliothek. Der Stimmer nach war es der Diebesregent Vampa, der gerade neue Maßstäbe in Sachen Lautsärke setzte. Uriel selbst konnte nur erahnen, wer der Unglückliche war, der soeben vom Alten zusammengeschrien wurde. „Opa hat schon wieder eine seiner schlechten Launen. Aber so ist er ständig, seit die schwarzen Männer seine Stadt kaputt machen.“, kommentierte die Kleine. Uriel brauchte eine kleine Weile um dieses Satz zur Gänze zu verstehen. Als er es dann aber geschafft hatte, war die Erkenntnis umso überraschender. Cass hatte bei ihrer ersten Begegnung einen "Opa Luchi" erwähnt, bevor sie von ihrem Bruder unterbrochen wurde. Das bedeutete wohl, dass sie die Tochter von der Heilerin aus der Bibliothek sein musste, welche Vampa als seine "Enkelin" betitelt hatte. Dann bin wohl an einem einzigen Tag fast einem ganzen Clan begegnet. Sollte ich mich glücklich schätzen oder eher mein Pech verfluchen?, fragte er sich.
Nebenbei warf er Cass einen Apfel hoch, damit diese aufhörte auf seine Essen zu starren. "Tut mir schrecklich leid, dass dein Opa seine Stadt verliert. Aber die Dunkelelfen haben nie groß Rücksicht auf das Eigentum Anderer genommen.", meinte er. Dann, um das Thema zu wechseln: "Wo steckt eigentlich dein netter Bruder?" Immer noch konnte sich der Hybrid einen leichten Spott nicht verkneifen.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Juli 2011, 16:35

Die kleine Cassandra fing mit einem gierigen Blick in den Augen den Apfel auf, den der geflügelte Bote bereitwillig geopfert hatte. Mit dem Fingernagel fing sie damit an, die Schale abzukratzen und sah sich gleichzeitig so träumerisch, wie es ihre Eigenart war, in der Festhalle um. „Opa verwendet seit Jahrzehnten sein eigenes Vermögen, um die Armen zu unterstützen und die alten Bauwerke zu restaurieren und wieder aufzubauen. Und jetzt machen die schwarzen alles wieder kaputt. Opa tut mir richtig leid deswegen.“ Sie zuckte mit den Schultern und vergrub dann ihre scharfen, weißen Zähne in das Fruchtfleisch des Apfels. Genüsslich kauend schwankte ihr Blick weiter durch die Anwesenden. Sie suchte das Gesicht ihres großen Bruders, doch der Blondschopf war nirgendwo zu sehen. Trotzdem lies sie sich mit ihrer Antwort Zeit, bis sie ihren Nachtisch aufgegessen hatte. „Ich weiß nicht wo der Blödmann ist. Wahrscheinlich in der Waffenkammer, mit seinen Freunden Ritter spielen. Ich finde das ja ziemlich langweilig ...“
Die Gleichgültigkeit in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Sie schien dafür langsam wieder in ihre eigene Welt zu versinken, denn ihr Blick wurde erneut sehr glasig und sie begann damit, den Kopf leicht nach links und rechts zu schwenken.
Die Tür zur Bibliothek wurde plötzlich kräftig aufgeschlagen und knallte laut gegen die getäfelte Wand. Sie hatte aber noch immer so viel Schwung, dass sie fast wieder zugefallen wäre, wenn nicht der sehr wütend wirkende Lucheni Vampa hindurch getreten wäre. Auf seiner Stirn waren einige Zornesadern hervorgetreten und er hatte die Mundwinkel wütend verzogen. Hinter ihm folgte der maskierte Nikelrah, sein Gehstab verursachte jedes mal ein leises Klonk, wenn er auf den Marmorboden traf. Der Hofnarr redete leise und mit beschwichtigenden Unterton auf seinen Herren ein, noch immer in der Sprache der Diebe und Halunken. Doch der Regent schien kein Interesse mehr daran zu haben, in Rendinea zu diskutieren. Vielleicht wollte er ja, dass ihn alle Anwesenden verstanden, um klar zu machen, dass ER der Herr war und das letzte Wort hatte und nicht der edle Narr. „Nein, genug ist genug! Dieser Bastard muss sterben und zwar endgültig! Rakjar! Rakjar wo bist du!?“
Aus der Menge der feiernden erhob sich eine große gestalt, die die meisten anderen überragte. Schlank, aber trotzdem muskulös war der unbekannte, den der Diebesfürst Rakjar nannte. Ein Mensch war es nicht. Wesen wie ihn nannte man einen Leoniden. Ein Mischwesen, halb Mensch, halb Raubkatze! Der ganze Körper war mit dunkelbraunem Fell bewachsen, eine kurzgeschorene, hellere Mähne ersetzten Haupthaar und Bart. Rakjar war mit einem Schwert bewaffnet, ein Schild befand sich auf seinem Rücken. Ohne zu zögern trat er vor seinen Herren, als dieser nach ihm rief. Nikelrah flüsterte Vampa etwas ins Ohr und fing sich daraufhin eine Ohrfeige ein. Danach wich er einen Schritt zurück und schien dem Diebesfürsten seinen Willen gewähren zu lassen. „In die Bibliothek, ich will mit dir Reden. Hat jemand Cassandra gesehen?“
Einige Männer deuteten in die Ecke, wo die kleine Diebin zusammen mit dem Hybriden hockte. Sie schien nicht einmal mitbekommen zu haben, dass man etwas von ihr wollte, sondern wiegte weiterhin ihren Kopf hin und her. „Cass. CASS. CASSANDRA!“ Erst beim dritten Ruf ihres Großvaters reagierte das Mädchen und starrte etwas verwirrt zu dem rufendem. Der Regent deutete auf die Tür und sie erhob sich langsam, um schlurfend der Aufforderung zu folgen. Vampa drehte sich nun ebenfalls zurück zur Tür, doch wandte sich Ruckartig zu Uriel zurück. Äußerst nachdenklich sah er zuerst auf die Flügel, dann auf die Klauenfüße und das Schwert. Sein Blick wanderte wieder hoch und fixierte lange das Gesicht des Hybriden. „Ich denke, ich habe noch weitere Arbeit für dich Bote. Vorrausgesetzt, du bist bereit dir die Finger mit Blut zu besudeln.“ Daraufhin drehte er sich endgültig wieder weg und folgte dem Leoniden und seiner Enkelin in die Bibliothek. Nikelrah als letzter blieb noch einmal im Türrahmen stehen und nickte dem Rabenmann zu. Dann verschwand auch er im inneren und die Tür fiel zu. Das schloss wurde dieses mal nicht verriegelt.

[OT: Die Heilerin aus der Bibliothek ist Cassandras große Schwester, nicht ihre Mutter, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Ach ja, gab’s keine schwarzen Flügel für deinen kleinen Uriel? :)]
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Montag 8. August 2011, 18:02

Uriel schnaubte, als ihm Cass von dem Engagement ihres Großvaters erzählte. Natürlich macht er das. Wenn er nur die kriminellen Machenschaften seiner Gilde durchsetzen würde, ohne sich die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern, würde man versuchen gegen ihn vorzugehen. Und das ist schlecht für das Geschäft!, dachte er zynisch. Er hatte früher nur einmal den Fehler gemacht, zu glauben, man würde ihm einfach so helfen. Das war zu der Zeit gewesen, als er es aus dem Dschungel geschafft hatte. Da war er zum ersten Mal auf Siedlungen außerhalb von Shyana getroffen. Und in seiner weltfremden Naivität war natürlich direkt reingestapft. Die Reaktion der Anwohner war freundlich gewesen. Sie luden ihn sogar zum Essen ein. Wo man ihm ein Betäubungsmittel ins Essen mischte. Aufgewacht war Uriel schließlich in Fesseln, während im Nebenzimmer der Dorfvorstand darüber diskutierte, wie man den Gefangenen am Besten zu Geld machen könnte.
Dass Uriel letzten Endes entkommen konnte, verdankte er nur seinen magischen Fähigkeiten. Danach hatte er sich vor den Menschen und ihren Siedlungen in Acht genommen. Trotzdem hatte es noch einmal ein paar Jahre gebraucht, bis er ihre Gesellschaft und die damit zusammenhängenden Egoismen halbwegs durchschaut hatte. Er sprach seine Gedanken jedoch nicht laut aus. Auch wenn er der Meinung war, dass es so etwas wie kostenlose Güte nicht gab, so hieß das nicht, dass es von anderen gut aufgenommen werden würde. Insbesonder Cass würde es wahrscheinlich nicht mögen, wenn er schlecht über ihren Großvater sprach. Ihr Kommentar zu ihrem Bruder entlockte ihm ein kurzes Lächeln. So etwas wie Geschwisterstreit hatte es auch bei ihm gegeben.

Bevor der Bote jedoch nostalgisch werden konnte, flog die Tür zu Vampas Bibliothek auf. Besser gesagt, krachte sie mit solchem Schwung gegen die Wand, dass Uriel für einen Moment Mitleid mit dem Holz empfand. Lucheni Vampa schien in noch schlechterer Stimmung zu sein als sonst. Zumindest machte er sich nicht mehr die Mühe in Rendinea zu sprechen. „Nein, genug ist genug! Dieser Bastard muss sterben und zwar endgültig! Rakjar! Rakjar wo bist du!?“
Diese Worte machten Uriel hellhörig. Anscheinend schienen mit den Dunkelelfen noch mehr Probleme nach Pelgar gekommen zu sein, als ein neuer Herrscher und einer ganze Menge Galgen. Der Angesprochene richtete sich auf und Uriel war überrascht zu sehen, dass er nicht der einzige Hybrid im Raum war. Und ein Leonid noch dazu! Was bringt die Löwen wohl dazu, hier aufzutauchen?, fragte sich der Bote. Er wusste nich viel über die Leoniden, aber er hatte schon von ihnen gehört. Und wenn man den Gerüchten Glaben schenken konnte, dann waren sie schreckliche Gegner und ziemlch scheu. Jedenfalls waren sie sehr selten in Celcia. Wie so ziemlich jeder Hybrid.
Während Uriel so vor sich hingrübelte, sah er mit an, wie Vampa seinem Narren Nickelrah deutlich zu verstehen gab, dass das Gespräch beendet war - Uriel konnte sich eine leicht Schadenfreue nicht verkneifen - und Cass herbeizitierte. Schließlich wandte Vamap sich wieder zur Bibliothek. Doch bevor er wieder verschwand fiel sein Blick noch einmal auf Uriel und taxierte ihn. Uriel hob fragend die Augenbraue. „Ich denke, ich habe noch weitere Arbeit für dich Bote. Vorrausgesetzt, du bist bereit dir die Finger mit Blut zu besudeln.“ Mit diesen Worten verschwand der Alte. Nickelrah folgte ihm, nach einem kurzen Nicken. Uriel hingegen blieb grübelnd sitzen. Warum wollte Vampa ihn einem weiteren Auftrag geben? Und wieso einen Mord, denn darauf lief es heraus, da war sich Uriel sicher. Er war sich sicher, dass es in der Diebesgilde einen Haufen besserer Mörder gab als ihn. Nein, Lucheni Vampa hatte speziell ihn gewollt. Hing es damit zusammen, dass er ein Hybrid war? Aber welchen Sinn würde das ergeben?
Frustriert runzelte Uriel die Stirn. So kam er nicht weiter. Wenn er wissen wollte, was hier vor sich ging, musste er in die Blibliothek und sich das Angebot anhören. Ablehnen könnte er ja dann immer noch. Hoffentlich...

Also stand der Hybrid auf, stellte die Teller beiseite - nicht aber ohne sich vorher noch eine Birne zu schnappen - und ging zu Tür. Dann schauen wir mal was der alte Erdenläufer in seinem Nest mit mir besprechen will., dachte Uriel und betrat den Raum. Er sprach udn dachte immer leicht wie ein Vogel, wenn er nervös war.


[OT: Oh, da hab das mit der Frau wohl falsch verstanden. Macht nichts, hoffe ich. Was den kleinen Uriel angeht. Es waren leider die einzigen Federflügel und ich hab bis jetzt noch keinen Weg gefunden, sie zu schwärzen. Dein Chara ist übrigens gut getroffen, wenn ich das noch so sagen darf. ;) ]

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Samstag 13. August 2011, 17:09

In dem Moment, da Uriel über die Schwelle in die Bibliothek treten wollte, wäre er fast mit der Heilerin zusammen geprallt, die zur selben Zeit hinaus wollte. Ihre langen roten Haare hatten sich aus dem festen Knoten gelöst und vielen ihr wie ein Vorhang ins Gesicht. Grade noch rechtzeitig bemerkte sie den Boten und vollführte einen Ausfallschritt zur Seite, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Sie bewegte sich geschmeidig wie eine Kämpferin – und machte ein ebenso grimmiges Gesicht. Anscheinend war sie gegen ihren willen aus Vampas Bücherei verbannt worden. Tatsächlich nagte es sehr an Esmeraldas Stolz, dass man sie immer erst im nachhinein in alles einweihte, ihre 15 Jahre jüngere Schwester Cassandra aber wie selbstverständlich jeder wichtigen Besprechung beiwohnte. Sie würde es niemals zugeben, aber der Ausdruck in ihren Augen konnte einem erfahrenen Menschenkenner mehr sagen, als tausend Worte. “Natürlich, Katzen und Vögel, aber nicht das eigene Fleisch und Blut ...,“ nuschelte sie beleidigt, als sie erkannte, wer da vor ihr stand. Da sie es in der weithin verständlichen Gemeinsprache gesagt hatte, konnte man darauf schließen das sie gehört werden wollte. Vielleicht um ihrem Zorn ein wenig Luft zu machen. Noch bevor der Hybrid zu einer Antwort ansetzen konnte, glitt die Heilerin unter seinem rechten Flügel durch die Tür und mischte sich unter die restlichen Diebe. Da diese größtenteils Männlich waren, wurde sie unter freudigem Begeisterungsschreien aufgenommen.
Nachdem Uriel endlich eingetreten war, verließ schließlich auch der bewaffnete Gardist das Zimmer. Anscheinend sollte bei der folgenden Unterredung wirklich niemand dabei sein, der nicht zwingend sein musste. Lucheni Vampa hatte sich aus einem lehnenlosen Stuhl niedergelassen und stütze seinen Kopf auf die rechten Faust. Er wirkte irgendwie verloren und ausgelaugt. Kraftlos. Cass hingegen saß im Schneidersitz auf der Liege, die kurz zuvor noch ihre große Schwester für sich beansprucht hatte. Wie immer schien sie rein zufällig in die Situation geraten zu sein und schien sich lediglich für den brennenden Kamin zu interessieren. Der Leonide hingegen schien den Raum zu beherrschen. Eine kraftvolle Bestie, die überhaupt nicht in diese zivilisierte Welt passte. Rakjars Maul stand leicht offen, so dass man seine gleißend weißen Reißzähne bewundern konnte. Er stand vollkommen regungslos in der Mitte des Saals, die Arme vor der Brust verschränkt. Wenn er nicht geatmet hätte, hätte man ihn für eine Statue halten können. Der letzte Anwesende in der Runde, Nikelrah der Berater und Narr, stand in einer dunklen Ecke und hatte ebenfalls die Arme überschlagen. Ein Schatten fiel auf sein maskiertes Gesicht, so dass man nun nicht einmal mehr seine Augen erkennen konnte. Er räusperte sich deutlich hörbar, als Uriel ein- und der Gardist ausgetreten war. Auf das Signal hin hob der Regent der Diebesgilde das graue Haupt und sah zuerst zu seinem stolzen Löwenkrieger, dann zu dem Rabenmann.
„Das, was ich euch nun offenbaren werde, darf niemals diesen Raum verlassen,“ hob der Diebesfürst zu einer Rede an. Dabei erhob er sich nicht aus seinem Stuhl, als wäre sein Körper im Augenblick zu schwach, um sein eigenes Gewicht tragen zu können. „Die Diebesgilde steht am Abgrund. Pelgar, Andunie, all die wichtigen Städte des Ostens brennen. Und ich kenne bald keinen rat mehr. Auch wenn dort draußen eine ausgelassene Stimmung herrscht, so werden die Dunkelelfen nicht mehr lange brauchen, um die Hauptquartiere der Gilde ausfindig zu machen. Ich habe darin versagt, meine Stadt zu verteidigen. Jetzt muss ich wenigstens meine Brüder retten, bevor alles zu spät ist. Doch meine Ressourcen sind begrenzt. Zwei Drittel meiner Soldaten sind gefallen, als sie versuchten den Sturm durch das Haupttor aufzuhalten. Einige schickte ich nach Andunie und ein Teil befindet sich zur Verteidigung in den Anwesen. Aber der größte Teil meiner verbliebenen Streiter ... nun ...“
Anscheinend wusste er nicht mehr weiter, dafür sprang der Narr mit den passenden Worten ein. „In den reihen der Dunkelelfen befindet sich ein wahnsinniger Magier. Ein Wandler namens Apollo, den sie den Herr der Tiere nennen. Wir wissen wo sich dieser Bastard befindet. Eure Aufgabe wird darin bestehen, ihn auszuschalten. Wir schickten drei viertel der verbliebenen Soldaten aus, ihn zu töten, doch keiner von ihnen ist zurück gekommen. Aber wir gehen Grund zu der Annahme, das es euch beiden sehr wohl gelingen könnte. Apollos Macht entstammt der Fähigkeit, Menschen in Tiere zu verwandeln. Ihr hingegen SEID bereits zu einem großen Teil Tiere, darum wird seine Magie euch nichts anhaben können!“ Also hatte Uriel mit seiner Annahme recht, dass man ihn nur deshalb gerufen hat, weil er ein Hybridewesen war.
Nikelrah trat aus den Schatten und blieb vor den beiden Tiermenschen stehen. Er sah beiden eindringlich in die Augen, als versuchte er ihre Gedanken zu lesen. „Können wir auf euch zählen?“
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Samstag 13. August 2011, 21:01

Überrascht trat Uriel einen Schritt zurück, als er beinahe mit der Heilerin zusammengestoßen wäre. Seine Rücksichtnahme war jedoch unnötig gewesen, da das Menschenweib ihm elegant auswich. Als er ihre wütende Miene sah, grinste er. Offensichtlich hatte man sie rausgeworfen. Es schien ganz schön an ihrem Stolz zu nagen, dass Vampa sein Vertrauen anderweitig verteilte. Ihre absichtlich verständlich genuschelte Aussage ignorierte der Bote geflissentlich. Dennoch, neben aller Schadenfreude, steig ein ungutes Gefühl in ihm auf. Dass Vampa nun seine "Stammgäste" rauswarf, konnte nur bedeuten, dass sich bei dem Auftrag um etwas sehr Wichtiges handeln musste. Und Uriel wusste aus Erfahrung, dass das Wissen um einige Dinge nicht sehr gesundheitsfördernd war. Es gab genug Leute, die für Geheimnisse töteten. Und dass er nun anscheinend in einige der tieferen Kreise der Diebesgilde involviert war, sorgte nicht dafür, dass seine Nervösität abflaute. Eher im Gegenteil.
Als Uriel den Raum betrat, entfernte sich nun auch der Wachsoldat und seine Befürchtungen verstärkten sich. Die nächsten Worte von Lucheni Vampa gaben ihm Recht. Jetzt bist du aber in etwas reingeraten. Besser du hättest diesen Raum nie betreten., sagte er zu sich selbst. Er wusste nicht, wie viel Vertrauen Vampa in diesen Rakjar hatte, doch Uriel war nur ein Bote. Ein käuflicher noch dazu. Vampa wäre bestens beraten, ihn für dass, was er nun offenbarte, loszuwerden, wenn er seinen Zweck erfüllt hätte. Während der Hybrid dem Regenten weiter zuhörte, beobachtete er den Alten. Vampa war in sich zusammengesunken. Die Kraft und Authorität, die er vorhin gezeigt hatte, waren fast vollständig verschwunden. Vor Uriel saß nicht einer der mächtigsten Menschen auf der ganzen Welt, sondern nur ein alter Mann. Und die Worte Vampas schienen das zu bestätigen. Es stand nicht zum besten mit Diebesgilde. Anscheinend schienen die Dunkelelfen keinen Wert auf eine Untergundorganisation zu legen. Und dadurch, dass die vorherigen "kooperativeren" Herrscher allesamt, mehr oder weniger, unter die Erde gebracht worden waren, hatten die Diebe auch noch einen wichtigen Baustein ihrer Existenz verloren. Ihre Legalität.

Vampa gingen anscheinend die Worte aus. Nickelrah sprang schnell für ihn ein. Als der Name Apollo fiel, konnte Uriel nicht verhindern, dass seine Flügel aufgeregt auf und zu klappten. Das konnte doch nicht wahr sein!? Ausgerechnet, jener Mann? Jener, mit dem Uriel verwechselt worden war? Allein durch diese Verwechselung war er doch überhaupt durchgekommen. Was spielt das Götterpaar mir für perfide Streiche? So viel Zufall kann es doch gar nicht geben!, dachte Uriel. Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.
Zumindest war jetzt klar, warum man ausgerechnet ihn und diesen Leoniden ausgewählt hatte. Uriel hatte zwar Zweifel, was ihre Sicherheit anging, aber das schob er auf seine natürliche Paranoia. „Können wir auf euch zählen?“
Uriel ging auf Nickelrahs Frage zuerst nicht ein. Stattdessen wandte er sich an Vampa. "Bevor irgendeine Entscheidung treffe, habe ich zwei Fragen: Erstens, was springt für mich dabei heraus? Verzeiht, aber meine Loyalität euch gegenüber reicht nicht soweit, dass ich kostenlos für euch den Kopf hinhalte. Zudem bin ich Kurier, kein Attentäter. Morde sind im normalerweise nicht im Protokoll festgelegt." Der Hybrid hatte kein Problem damit jemanden umzubringen, vor allem nicht, wenn es ein Dunkelelf war. Aber mitten in einer, vom Dunklen Volk, besetzten Stadt und dann auch noch ein Magier? Das war riskant. Und da wollte er wenigstens ein gutes Angebot haben.
Er fuhr fort. "Zweitens, warum ist es so wichtig, dass dieser Apollo stirbt? Verrückte Magier kann man schließlich an jeder Ecke finden."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 23. August 2011, 18:23

Im Gegensatz zu Uriel, schien Rakjar der Leonide nicht die geringsten Bedenken zu haben, dem Wunsch seines Herren nach zu kommen. Natürlich, es war alles andere als leicht, die Regungen des löwenhaften Gesichts zu entziffern, höchstens die Augen hatten einen menschlichen Schimmer. Aber seine Reaktion war unmissverständlich. Kaum hatte Nikelrah die Frage in den Raum gestellt, ob man auf die Hilfe der beiden Tierwesen rechnen konnte, da schlug der Hüne sich mit der Faust vor die Brust, sank auf das rechte Knie herab und nickte. Er sagte jedoch weiterhin nichts, was allmählich die Frage aufwarf, ob dieses halbe Raubtier überhaupt in der Lage war, eine menschliche Sprache zu sprechen. Daran das er die Gemeinsprache verstand, herrschte ja kein Zweifel, aber ...
Mit einem deutlichen zischen sog Nikelrah unterdessen die Luft ein, als der Bote seine Frage dreist mit Gegenfragen beantwortete. Er schien kurz davor zu sein, zu einer Bemerkung über Stellung und Rang anzusetzen, doch ein kurzer Blick zum Oberhaupt der pelgarischen Diebe hielt ihn davon ab. Der wohlwollende Blick, den der alte Mann aufgesetzt hatte, zeigte ganz deutlich, dass er der Meinung war, Uriel hätte das Recht, diese Fragen zu stellen. Der Diebesfürst hatte einen gewissen Ruf, galt als eigensinnig und kompliziert, aber er war von jeher ein Mann des Volkes gewesen, der sich wenig um den Stand anderer scherrte. Mit einem Ruck erhob sich Vampa von seinem Sitzplatz und schritt gemächlich neben seinen Berater. Der Diebesfürst griff den Löwenkrieger bei den Schultern und zog ihn zurück in eine aufrichte Position. Vor ihm musste man nicht knien.
„Du willst wissen, was für dich bei der ganzen Sache rausspringt, abgesehen davon, der Armee der Dunkelelfen einen harten Hieb zu verpassen, dem Volk von Pelgar zu helfen und dem wohligen Gefühl zu wissen, dass man das richtige getan hat?“ fragte der über 60 Jahre alte Dieb spitz, während Rakjar wieder aufstand und erneut seine Arme vor der Brust verschränkte. Dann wies Vampa mit der offenen Hand auf seinen Maskierten Assistenten, der sich leise Räusperte. „Gleich des Ausgangs eures Auftrags, wird man euren Namen wohlwollend in die Geschichte der Diebesgilde aufnehmen und euch zu Ehrenmitgliedern auf ewig ernennen. Zudem, solltet ihr Erfolg haben, habt ihr das Recht euch einen beliebigen Schatz aus der Privaten Schatzkammer des Regenten zu nehmen. Sollte euch keines der magischen Artefakte zusagen, so zahlen wir euch mit 25 Drachmen aus.“
Luigi Vampa nickte leicht, um die Worte seines Beraters zu bestätigen. Dann wollte er auch auf die zweite Frage des Hybriden eingehen, doch wurde er von einem hellen Stimmchen in der Nähe des Kamins unterbrochen. „Wenn der Wandler stirbt, werden alle seine Flüche aufgehoben. Damit werden sich die Soldaten, die Opfer von Apollos Zauber wurden, wieder in Menschen verwandeln.“ Der Ausdruck in Cassandras Gesicht war noch abwesender als sonst und auf ihren Augen lag ein weißer Schleier, wie man ihn sonst nur von blinden kannte. Kaum hatte sie zuende gesprochen, da blinzelte sie mehrmals und das Weiß wich dem normalen Braun. Ein wenig verwirrt sah sie zu den Männern, zuckte mit den Schultern und starrte wieder ins Feuer. Aber das was sie sagte, traf es genau, wie man an den ernsten Augen Vampas und Nikelrahs sah.
„Achthundert Männer, viele mit einer Familie,“ führte der Regent die Erklärung seiner Enkelin weiter. „In ihrem Augenblicklichen Zustand sind sie zu nichts Nutze, höchstens als Verpflegung für die Orktruppen. Doch wenn ihr es schafft Apollo zu enthaupten, so bekommen wir schlagartig ein ausgeruhtes und frisches Heer. Bei weitem nicht groß Genug, um Pelgar zu befreien, aber wenn alles nach Plan verläuft, wird zumindest Andunie bald wieder unter unserer Herrschaft stehn!“
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Freitag 26. August 2011, 16:03

Als Rakjar niederkniete, musste Uriel an sich halten um nicht die Augen zu verleiern. Ein einfaches Nicken hätte sicher gereicht, doch dem Leoniden war es offenbar ganz wichtig seine Loyalität gegenüber Vampa auf neue Höhen zu treiben. Klasse! Ich arbeite mit einer patriotischen Katze zusammen, die auf sentimentale Gesten steht. Was soll da schiefgehen!?, dachte er zynisch.
Mit nicht unwesentlicher Befriedigung sah er Nickelrahs Entsetzen, aufgrund seines groben Protokollsbruchs. Doch Vampa schien Uriels Verhalten zu billigen. Bevor er antwortete, richtete er Rakjar wieder auf, was beim Rabenhybriden ein leises Lächeln hervorrief. Oh, der gütige Vater. Wie wir ihn lieben. Wie er uns aufrichtet in solch schweren Zeiten. Was würden wir nur ohne ihn tun?, ging es dem Boten durch den Kopf. Er vermied es jedoch seine Gedanken laut auszusprechen. Sein Gefühl sagte ihm, dass solch eine Aussage, auch vom geduldigen Diebesregenten nicht gut aufgenommen werden würde. Endlich antwortete Lucheni. „Du willst wissen, was für dich bei der ganzen Sache rausspringt, abgesehen davon, der Armee der Dunkelelfen einen harten Hieb zu verpassen," Die mich im Gegenzug bei nächster Gelegenheit aufhängen werden. "dem Volk von Pelgar zu helfen" Die so ziemlich das Gleiche tun würden. "und dem wohligen Gefühl zu wissen, dass man das richtige getan hat?“ Hält mich aber nicht warm in der Nacht. Letzten Endes nickte Uriel nur.
Vampa überließ nun Nickelrah das Wort, der sogleich die Belohnung nannte. Zugegeben, in den Annalen der Diebesgilde erwähnt zu werden - wahrscheinlich gerade mal in einer Fußnote - war nicht überaus großzügig. Doch die letzten beiden Angebote schon eher. Uriel konnte sich nicht einmal im Mindesten vorstellen, welche Vorteile es bieten würde, eine ganze Diebesgilde in der Hinterhand zu haben. Die Informationen, die Kunden, die Beziehungen...ja das war etwas, wofür es sich zu morden lohnte. Wobei wir den Umstand, dass wir dan offiziell einer kriminellen Vereinigung angehören, besser geflissentlich ignorieren. Die Aussicht am Ende sogar noch Zugriff auf Vampas Schatzkammer oder ganze 25! Drachmen zu bekommen, tat das Übrige um Uriel gänzlich von der Lukrativität des Auftrages zu überzeugen.
Dann wurde seine zweite Frage beantwortet, jedoch von einer Seite, von der er ein Kommentar eher nicht vermutete hätte. Als Cassandra geendet hatte, blickte Uriel sie befremdet an. Dieses Mädchen war mehr als es den Anschein hatte. Abgesehen von ihrem, nicht ganz alltäglichen, Charakter, schien sie noch mehr auf dem Kasten zu haben. Saß da vor ihm wirklich ein kleines Menschenkind? Zumindest bekam Hybrid nun eine Ahnung davon, warum Vampa sie in seiner Nähe hielt.
Das mit dem Fluch leuchtete ihm ein. Uriel war jedoch überrascht zu hören, wie viele Menschen Apollo erwischt hatte. Entweder hat die Diebesgilde mehr Attentate durchführen lassen als ich dachte, oder Apollo scheint einen regelmäßigen "Materialverbrauch" zu haben., dachte er. Dann erinnerte er sich, dass der Dunkelelfenkommandant, der ihn ausversehen nach Pelgar gebracht hatte - und zum Dank dafür, nun in der Kanalisation verottete - Apollo als "Spion" betitelt hatte. Steckte hinter diesem Namen noch mehr als nur ein wild gewordener Magier? Uriel konnte diesen Gedanken jedoch nicht weiterführen, denn Vampa bestätigte nun Cassandras Aussage. Bei den Worten, dass man mit den Erlösten Andunie befreien wollte, hob Uriel kurz eine Augenbraue. Er hatte seine Zweifel ob achthundert Mann eine frisch gestürmte Stadt zurückerobern und halten könnten, doch er sprach sie nicht aus. Letzten Endes war es ja nicht sein Problem.

Alles in allem, der Auftrag den Magier Apollo auszuschalten war mit der gebotenene Belohnung mehr als nur gerechtfertig anzunehmen. Uriel neigte den Kopf nach links, blickte Vampa kurz an und reichte ihm dann die Hand. "Angenommen. Ich werde eure Beute jagen.", sagte er. Allein seine etwas befremdliche Wortwahl verriet sein Unbehagen. Als ihm beim heben der Hand ein Schmerz in der Schulter durchzuckte, fiel Uriel noch etwas ein. "Gibt es jemanden, der mir helfen könnte meine Schulter zu richten? Ich will nicht so vermessen sein, zu behaupten ich könnte diesen Apollo nur mit einer Hand besiegen."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Montag 29. August 2011, 14:04

Eine gewisse Erleichterung konnte man in Vampas Blick nicht bestreiten, als Uriel auf sein Angebot einging. Es schien fast so, als würde eine Last von seinen Schultern genommen worden zu sein, kaum das die Hände von Mensch und Hybrid sich berührten. Der Moment wehrte nur kurz, dann löste der Regent seinen Griff wieder und hob stattdessen die linke Hand. Ohne ein Wort zu sagen, erbat der alte Mensch sich noch einen kurzen Augenblick ruhe, bevor er weiter auf Uriels Gesuch nach einem Heiler einging. Mit der Grazie einer jungen Katze wandte sich der Mann von seinen Gesprächspartnern ab, flog förmlich durch den Raum und sank vor Cassandra auf das rechte Knie. Der Großvater ergriff die Hände seiner Enkelin und klopfte ihr leicht auf die Wange, um auf sich aufmerksam zu machen.
„Sag mir Cassandra, wird Apollo sterben, wenn ich diese beiden Tiermenschen aussende?“ fragte er leise, doch deutlich hörbar, da sich kaum jemand in der Kammer befand. Die kleine Cass blinzelte ein paar mal verwirrt, dann färbten sich ihre Pupillen abermals ein. Es schien, als würde die Iris sich mit Nebel füllen. „Der Rabe und der Löwe werden in der Lage sein, den Wandler zu vernichten. Doch es wird seinen Preis haben. Nur einer wird zurück kehren und zu Glorie kommen.“ Ihre stimme war belegt und rauchig, aber sie klang verdammt überzeugend. Vampa schien jedoch nur bedingt glücklich mit dem zu sein, was seine Enkelin da grade gesagt hatte, kostete der Erfolg doch das Leben eines seiner beiden Ausgesandten. Ob Rakjar oder Uriel wusste er nicht und Cassandra würde es nicht sagen können. Ein leichtes Husten signalisierte, dass junge Seherin wieder in der Realität verweilte, oder was auch immer für Cass die Wirklichkeit war. Der Regent hingegen hatte sich wieder in seinem lehnenlosen Sessel nieder gelassen und war in Gedanken versunken.
Daher war es an Nikelrah, der Intuitiv wieder das Wort ergriff. „Am besten suchst du Esmeralda auf. Du hast sie ja bereits zwei mal gesehen und ist in ihrer Art unübersehbar.“ Während er sprach ging der maskierte Dieb an den beiden Tiermenschen vorbei, blieb rechts neben der Tür stehen und klopfte kräftig gegen das Holz. „Sag ihr, dass Vampa dich schickt, dann wird sie zwar fluchen und nörgeln, dich aber behandeln. Und vielleicht solltest du auch einen kurzen Besuch in der Waffenkammer in betracht ziehen.“ Bei diesen Worten betrachtete der Vertreter des Regenten zuerst das Schwert an der Seite des Boten, dann dessen dreckige Kleidung, die noch immer einen leichten Geruch nach Abwasser und Fäkalien an sich band. Die Tür öffnete sich von außen und der Gardist trat erneut ein. Kaum war der Gerüstete über die Schwelle, der verließ Rakjar den Raum ohne ein weiteres Wort.
„Es wäre mehr als Dumm, euch jetzt direkt los zu schicken. Ruh dich aus und genieße das Essen. Diese eine Nacht in einem richtigen Bett räumen wir dir ein.“ Auf die Worte folgte ein kurzes Kopfnicken in Richtung der Tür, Nikelrahs Art um zu sagen, dass der Bote zu gehen hatte. „Cassandra, ich denke du kannst nun auch gehen. Dein Großvater muss sicherlich lange nachdenken.“ Die kleine Diebin hüpfte von der Liege runter, und hüpfte aus der Bücherei, aber nicht ohne ihrem Großvater vorher einen Kuss auf die Stirn zu drücken. Dann war sie Weg und auch Uriel sollte sich in den Gemeinschaftsraum zurück ziehen.
Tatsächlich war es kaum möglich, die rothaarige Heilerin in der Menge der Diebe ausfindig zu machen. Zum einen stach ihre Kleidung aus der Runde hervor. Zum anderen war da die Tatsache, dass Cassandras ältere Schwester statt auf einer Bank oder einem Stuhl auf einem Haufen, bestehend aus drei ohnmächtigen Männern saß und mit funkensprühenden Augen ihre Verehrer angiftete. Da die restlichen Bewerber nun aber einen gewissen Abstand hielten, konnte man davon ausgehen, dass sie selbst die drei Unglücklichen ins Traumland geschickt hatte. Unbestreitbar war, dass sie sehr schön anzusehen war, vor allem für eine Menschenfrau, doch gleichzeitig besaß sie eine unangenehme Aura, etwas abweisendes und gefährliches.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Mittwoch 7. September 2011, 20:31

Uriel sah, wie erleichtert Vampa aus seine Zusage reagierte. Der Alte schien sogar regelrecht aufzuleben, denn er wandte sich gewandter als zuvor, seiner Enkelin zu. Es schien als hätte Apollo dem alten Diebesregenten tatsächlich schon so viele Probleme bereitet, wie es groß und breit behauptet wurde. Umso sicherer war Uriel die zugesprochene Belohnung, sollte er den Auftrag erfolgreich abschließen. Und genau da lag das Problem. Der Bote - beziehungsweise, Auftragsmörder - war sich zwar sicher, dass Rakjar durchaus ein fähiger Kämpfer war - und er hatte auch nicht das Bedürfnis es möglichst früh herausfinden zu wollen - doch die Schweigsamkeit seines "Partners" und die Tatsache, dass dieser Apollo mehr als 800 Mann verzaubert hatte, sorgten dafür, dass Uriel sich nun fragte, ob er mit seiner Zustimmung vorhin einen Fehler gemacht hatte.
Als Cass nun auf die Frage ihres Großvaters eine, in Uriels Augen, nicht gerade ermutigende Prophezeiung vom Stapel ließ, sackte die Zuversicht des Rabenhybriden vollständig in den Keller. Wunderbar. Klasse. Wir werden es schaffen! Hurra, hisst die Flaggen und singt die Lieder! Hier ziehen zwei Helden in den Kampf! Jubelt ihnen tüchtig zu. Immerhin werdet ihr nachher nur noch einen von ihnen zu Gesicht bekommen. Und da sollte sich der andere, das arme Schwein, wenigstens auf seinen letzten Metern gut fühlen. , dachte Uriel zynisch. Ein Teil seines Verstandes, ein nicht gerade kleiner, flüsterte ihm zu, dass Wahrsagerei völliger Humbug sei und in den meisten Fällen nicht einmal die Zeit wert war, die man fürs Zuhören aufbrachte. Doch ein anderer Teil, bei weitem größer und auch lauter, sagte ihm, dass er gerade Zeuge einer richtigen Prophezeiung wurde. Und Uriel, der selbst ein Anhänger des Götterpaares war, wusste, dass in der Welt ab und zu auch tatsächlich übernatürliche Kräfte am Werk waren. Und zwar nicht nur, wenn er mithilfe von Magie sich ein Lagerfeuer machte, weil er zu blöd war Feuerstein und Zunder zu verwenden. Sieh an, sieh an. Die kleine Cass ist also ein Medium. Das erklärt zumindest die Bevorzugung gegenüber ihrer liebreizenden Schwester, ging es dem Boten durch den Kopf, während er interessiert das kleine Mädchen betrachtete.
Vampa schien nun keinen Wert mehr auf die weitere Anwesenheit von Uriel und Rakjar zu legen, jedenfalls machte Nickelrah deutlich, dass nun Zeit war, zu gehen. Die Tatsache, dass er ausgerechnet Esmeralda, die unglaublich höfliche Frau von vorhin, besuchen musste, um seine schmerzende Schulter zu behandeln, quittierte Uriel mit einem schmerzlichen Lächeln. Der Narr legte dem Hybriden auch einen Besuch in der Waffenkammer nahe. Dieser wusste jedoch, dass er es nicht tun würde. Das Schwert seines Meisters hatte ihm über all die Jahre, die er es nun schon bei sich trug, gute Dienste geleistet und er hatte nicht vor es gegen ein anderes einzutauschen. Zudem war es auch das einzige Erinnerungsstück an den alten Magier. Und Uriel hing an seinen guten Erinnerung. Er hatte sowieso schon zu wenige.
Als er nun zurück in den Gemeinschaftsraum ging, bot sich dem Boten ein denkwürdiges Bild. Esmeralda saß, in einer denkbar schlechten Laune, auf den Körpern von drei Männern, die sie ganz offensichtlich selbst niedergeschlagen hatte. Die Frau hatte etwas gefährliches an sich. Irgendwie erinnerte sich Uriel an eine Katze, die sich beim besten Willen nicht zähmen lassen wollte. Er grinste schief. Dann begibt sich das Federvieh zum Fellknäuel. Wer wird wohl gewinnen?, dachte er und bahnte sich einen Weg durch die Menge der Verehrer. Ohne Furcht, wenn auch mit einem leisen Hauch von Schicksalsergebenheit, trat er in die "verbotene Zone" zwischen Esmeralda und den Männern. "Verzeiht mir, wenn ich euch leider dabei unterbrechen muss, diesen Dreien die Vorzüge eures Sitzfleisches vorzuführen, gnädige Dame. Doch mich plagt ein Schmerz, der eurer ganz und gar zarten Hände bedürfte.", sagte er mit spöttischer Stimme. Er beließ es absichtlich bei der Doppeldeutigkeit seiner Aussage. Dann fügte er noch hinzu: "Lucheni Vampa hat euch mir empfohlen."

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Gestalt » Montag 12. September 2011, 17:10

”Ich habe durst! Will mir keiner etwas zu Trinken spendieren?” In einer völlig entspannten Pose lehnte sich Vampas älteste Enkeltochter auf ihrem „Thron“ zurück. Man konnte fast meinen, dass diese Situation für sie auf der Tagesordnung stand, womit man wohl gar nicht so falsch lag. Einige Männer entfernten sich sofort aus der Traube der Gaffer und wenige Sekunden später kehrte man mit einem randvollen Humpen zurück. Obgleich Esmeralda Vampa nicht so wirkte, als wäre sie eine typische Mettrinkerin, schien sie doch nichts anderes gewollt zu haben. Ein danksschön erhielt der Werber nicht, der ihr den Humpen überreichte. Dafür überschlug die Heilerin in fast schon lasziver Art die Beine und zwinkerte ihrem Gönner zu, der daraufhin stolz die Brust schwoll. Grade setzte Esmeralda den Pokal an die Lippen, die Schaumkrone verhüllte bereits ihren Mund, als Uriel an sie heran trat. Mit einem deutlich genervten Blick lies die Heilerin ihren Met wieder sinken und leckte sich lediglich mit der Zunge den Schaum weg, während sie dem Hybriden zuhörte. Der Spott und die Zweideutigkeit seiner Worte blieb vor der Enkelin des Diebesfürsten ganz und gar nicht verborgen und für einen Moment verengten sich ihre Augen zu schlitzen. Mehrere der Freier zogen sich instinktiv einige Schritte zurück, als erwarteten sie ein Unglück.
Dann jedoch schloss Esmeralda die Augen, legte den Kopf in den Nacken und lachte kurz und glockenhell, aber trotzdem düster auf. Es bestand kein Zweifel daran, dass sie nicht wirklich belustigt war, sonder nur ihren Missmut zur Darstellung bringen wollte. Wenige Sekunden später hatte sie sich bereits wieder beruhigt und schwenkte ihren Pokal licht in der rechten Hand. „Du weißt wohl nicht wer ich bin, Flügelmann. Ich bin Esmeralda Vampa, die beste Heilerin Pelgars. In den Genuss meiner Dienste kommt doch nicht jeder dahergelaufener. Für dich tut es sicherlich auch dümmlicher Veterinär!“ Zum zweiten mal setzte die Heilerin ihren Humpen an, während mehrere der Umstehenden Hähne zustimmend applaudierten, doch wie schon zuvor hielt sie in der Bewegung inne, als der Hybrid noch einen Satz hinzufügte. Lucheni Vampa hat euch mir empfohlen. Ohne in ihrer Bewegung fortzufahren schielte Esmeralda zu dem geflügelten Elfen, als wäge sie ab, ob sie sich einem Befehl ihres Großvaters wiedersetzen konnte. Etwa 10 Sekunden verharrte sie wie eine Statue, dann warf sie ihren noch unberührten Methumpen achtlos zur Seite. Der Silberpokal klirrte vor die Füße einer Gruppe von ausschließlich männlichen Dieben und der Goldgelbe Alkohol übergoss deren prachtvolle Kleidung. Aber keiner von ihnen wagte es, dass Wort gegen diese Ungeheuerlichkeit zu erheben. Der hübschen Enkelin ihres Regenten wurde stets jede Untat verziehen, damit man sich ja nicht ihre Missgunst zuzog.
„Fein,“ meinte die Rothaarige und erhob sich mit einem katzenhaften Sprung von ihrem Sitz. „Fein,“ sagte sie noch einmal, „Für den Champion meines verehrten Großvaters tue ich doch alles. Und jetzt beweg dich und folge mir, ich habe keine Lust mehr Zeit als nötig zu verschwenden!“ Ohne ein weiteres Wort und ohne Uriel die Chance zu geben etwas zu erwidern ging Esmeralda los, direkt auf eine Tür zu. Der Bote hatte keine andere Option, als ihr zu folgen, wenn er behandelt werden wollte. Die Zuflucht unter der Schneerosenallee Nummer 13 war weit größer als das ohnehin nicht kleine Grundstück der abgebrannten Villa, aber das wirkliche ausmaß konnte Uriel erst jetzt erfassen, da man ihn durch die verwinkelten Gänge führte, von denen duzende von Türen abgingen. Und es waren keine schäbigen Stollentunnel, sondern prächtige Korridore, die von Glaslampignons erhält wurden und mit Gemälden und Vorhangen drapiert waren. Esmeralda spielte die stumme Führerin, es war ganz eindeutig, dass sie keinen Wert auf eine Unterhaltung legte. Dabei war diese kühle und abweisende Art, mit der sie Uriel begegnete, nicht darin begründet, dass sie den Hybriden nicht mochte, vielmehr basierte das ganze auf Eifersucht und verletzten Gefühlen ...
Nach einer gewissen Zeit blieb die rothaarige Diebin endlich vor einer Tür stehen, zog einen kleinen Messingschlüssel, der an einer Kette um ihren Hals baumelte hervor und schloss auf. Sie ging als ersten in den Raum, der ganz eindeutig dazu diente, Kranke zu behandeln und beschrieb dabei mit der rechten Hand eine Halbkreis über ihren Kopf. Fast sofort wurde das dunkle Zimmer von einem kühlen, blauen Licht erfüllt. „Setz dich hin“ meinte sie abwesend und stieß den Rabenmann dabei unfreundlich auf eine liege. Ein kurzer Blick zeigte ihr bereits die Wunde in der Schulter des Hybriden. Mit dieser unfreundlichen Art, die ihr zur eigen war, schälte sie Uriel soweit aus seinen Kleidern, bis die Schulter frei lag. Ihre langen, dünnen Finger betasteten die Stelle, an welcher der spitze Schwertgriff des Dunkelelfen sich ins Fleisch gebohrt hatte. Mit fachmännischer hand betastete sie die Wunde, druckte am Fleisch herum und straffe es. Seltsamerweise ging dabei nicht der kleinste Schmerzimpuls in Uriels Körper aus. Nach wenigen Augenblicken war Esmeralda mit ihrer ersten Untersuchung fertig und ging zu einem Schrank, ganz in der nähe. „Halb so schlimm. Ein bisschem Stoff ist ins Fleisch eingedrungen, dass ich entfernen muss, damit es nicht zu Wundbrand kommt. Danach werde ich dich Heilen. Vielleicht willst du mir aus Dankbarkeit, dass ich dir deinen Arm rette, sagen was mein Großvater dir aufgetragen?“
Esmeralda kam mit einem kleinem Tablett zurück, auf dem eine Spiritusflasche und eine Pinzette lagen. Mit ersterem behandelte sie letzteres und führte den Feinstahl ohne Vorwarnung in Uriels Fleisch. Auch wenn es dieses mal hätte brennen müssen, denn nichts anderes musste der Alkohol verursachen, war wieder kein Schmerz zu fühlen. Es dauerte nicht lange, dann lagen zwei kleine Fetzen von Uriels Hemd neben der Spiritusflasche. „Ein glück, dass du keine Ärmel hast. Sonst wäre viel mehr Stoff in die Wunde eingedrungen. Bei so wenig wäre vielleicht nicht einmal eine Entzündung entstanden. Na ja wer kann schon die Zukunft voraussehen ...“ während sie das sagte legte Esmeralda beide Hände übereinander auf die kreisförmige Wunde. Zuerst begann es zu kribbeln, dann erwärmte sich das Fleisch. Die Heilerin hatte ihre Augen geschlossen, während von ihren Händen ein sachtes Glühen ausging. Als sie die Berührung dann wieder löste, konnte man nicht mehr das geringste von einer Verwundung erkennen. Nicht einmal eine Narbe war zurück geblieben, nur dass die neu entstandene Haut heller war, als der Rest.
„Das erste mal geht aufs haus, aber das nächste Mal wird’s teuer,“ meinte Esmeralda gleichgültig, entkorkte abermals die Flasche mit dem Branntwein, den sie zur desinfizierung benutzt hatte und legte sie an die Lippen. Ihrer Meinung nach hatte sie sich nun einen gut Schluck redlich verdient!

[OOT: Uriel wurde geheilt. Sein Zustand ändert sich in Unverletzt!]
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Donnerstag 29. September 2011, 21:14

Ein Grinsen verkniff sich Uriel nicht, als Esmeralda erstarrte, als er ihren Großvater erwähnte. Er konnte Arroganz nicht leiden, davon hatte selbst schon genug, und dieser Möchtegernhofstaat, den sich die junge Frau aufgebaut hatte, war lächerlich. Andererseits sagte es schon eine Menge über ihren Charakter aus, wenn sie fähig war die gefühlte halbe Diebesgilde einzuschüchtern. Man merkte schon, dass sie ihr Durchsetzungsvermögen von ihrem Großvater hatte.
In einem recht durchschaubaren Versuch ihr Gesicht zu wahren, richtete die Menschenfrau sich auf und stapfte los. Uriel folgte er so schnell er konnte. Esmeralda führte ihn schnell durch das Tunnelsystem, so schnell, dass der Bote fast keine Möglichkeit fand, die Machart der Gänge näher zu betrachten. Das was er jedoch in der Eile sah, flößte ihm ein wenig Respekt ein. Die Diebe führten kein schlechtes Leben und er fraget sich, wie viele der Gemälde wohl früher woanders gestanden hatten. So viel Prunk unter Stadt. Vampa mag ja das Wohl des Volkes am Herz liegen, doch wenn ich das hier sehe, frage ich mich doch, ob hinter diesen Schätzen nicht doch ein wenig menschliche Habsucht dahinter steckt. Würde mich nicht überraschen., ging es ihm durch den Kopf. Dann wandten sich seine Gedanken dem Auftrag zu, dem er so leichtsinnig zugestimmt hatte. Bei dem, was er erfahren hatte, wurde klar, dass Apollo ein Naturmagier mit großen Kräften sein musste. Uriel zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass Vampa neben ausgebildeten Assassinen auch Magier gegen ihn geschickt hatte. Dass er nun so verzweifelt war, dass er sich der Hilfe eines fremden Rabenhybriden bediente, dessen Loyalität zu ihm ungefähr so groß war, wie Esmeralda Liebe zu Bescheidenheit und freundlichem Umgang, machte deutlich, wie schlimm die Lage des Regenten sein musste. Und ich war so blöd und habe mich einspannen lassen. Wahrscheinlich gibt es noch nicht einmal einen richtigen Plan., dachte Uriel düster, Am besten überlege ich mir selber etwas. Mehr als fürchterlich schiefgehen, kann es ja nicht.
Doch noch wollte dem Boten nichts einfallen und bevor er weiter in Gedanken versinken konnte, brachte ihn Esmeralda in ein Krankenzimmer. Mit angehobener Augenbraue registrierte Uriel den Lichtzauber der jungen Frau. Das erklärte, warum sie sich als "beste Heilerin Pelgars" rühmte. Der Bote wusste, dass Lichtmagier von Natur aus gute Heiler waren. Was ihn erstaunte, war dabei nicht die Magie, sondern eher die Tatsache, dass eine stolze und voreingenomme Person wie Esmeralda diese Magie beherrschte. Die eben Genannte stieß Uriel - Danke, für die freundliche Behandlung! - auf eine Liege und nahm ihm den behelfsmäßigen Verband ab, natürlich unsanft. Dass trotz der schroffen Behandlung und dem groben Untersuchen kein Schmerz zu spüren war, schob Uriel auf ihre magischen Fertigkeiten. „Halb so schlimm. Ein bisschem Stoff ist ins Fleisch eingedrungen, dass ich entfernen muss, damit es nicht zu Wundbrand kommt. Danach werde ich dich Heilen. Vielleicht willst du mir aus Dankbarkeit, dass ich dir deinen Arm rette, sagen was mein Großvater dir aufgetragen?“ Der Bote lächelte schief. Esmeralda wollte ganz offensichtlich von ihrem Großvater beachtet werden, zumindest wertete er diesen Versuch sich in das Geschehen einzubringen. Er hatte jedoch keine Intentionen ihr etwas zu sagen. Vampa war der Meinung gewesen, dass seine älteste Enkelin davon nichts mitbekommen sollte, als er sie weggeschickt hatte und Uriel hatte keine Lust sich in diese Familienstreitigkeiten einzumischen. Am Ende würde er nur unter Feuer geraten. "Wie kommst du darauf, dass mir etwas aufgetragen hat? Er brauchte ein bisschen Unterhaltung. Dank meines begnadeten Sinn für Humor konnte ich ihm diese beschaffen und aus lauter Dankbarkeit hat er mir Zugang zur Waffenkammer gewährt." Der ironische Unterton war unüberhörbar. Ihre nächsten Worte entlockten dem Hybriden erneut ein Lächeln. Vor seinen Augen tauchte Cass auf, mit glasigen Augen, wie sie prophezeite, dass nur einer den Auftrag überleben würde. Dem Boten wurde bei dem Gedanken immer noch mulmig.
Schließlich war Esmeralda fertig. Vorsichtig strich Uriel über die Wunde. Widerstrebend musste er sich eingestehen, dass der Rotschopf ganze Arbeit geleistet hatte. Prüfend kreiste er mit den Schultern, schloss und öffnete die Hand. Keine Schmerzen, keine Behinderung. Es war, als wäre er nie verletzt worden. Dann hörte Schlucke und wandte sich um. Was er sah, entlockte ihm nun doch ein kurzes Lachen. Dieses Weib trank doch tatsächlich Spiritus und zwar aus einer Flasche! Er wusste zwar nicht wie hochprozentig das Zeug war, doch wenig Alkohol konnte es nicht sein, wenn er als Desinfektionsmittel verwendet wurde. Und diese Frau trank, als wäre es nicht mehr als Wasser! Man sollte sie, anstatt mich, gegen Apollo schicken. Sie alleine und der Alkohol und alle Probleme wären gelöst!, dachte Uriel belustigt. Dann hielt er inne. Alkohol...
Auf einmal kam ihm eine Idee. "Könnte ich den Branntwein haben?", fragte er geradewegs Esmeralda, "Und könntest du mir sagen, wo ich jemanden finde, der mir Mehl verkauft?"

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Oktober 2011, 01:10

Sie hatte die Flasche nicht ein einziges Mal abgesetzt, während sie große Schlucke aus der Flasche nahm. Wie viel vertrug ein Mensch von diesem Hochprozentigen? Oder war der Alkohol doch nicht so stark? Zwar mochte sie angeblich die größte Heilerin Pelgars und zusätzlich schön sein, aber dass sie ein Alkoholproblem hatte, war nicht zu übersehen. Erst der viele Met und jetzt dieses Zeug. Ein Wunder , dass sie noch stehen konnte. Und Uriel fragte sich sowieso schon, wie er den ganzen Schlamassel überstehen sollte. Sie setzte die Flasche ab und wische sich, absolut undamenhaft mit den Handrücken über den Mund.
Der Blick, den sie Uriel entgegen warf, war eine Mischung aus Arroganz und Neugier. Auch wenn es sie noch immer störte, dass sie bis jetzt nicht in Erfahrung bringen konnte, was für einen Auftrag der Rabenhybrid von ihren Großvater bekommen hatte.
„Wofür brauchst du Mehl?...vom diesen Zeug darfst du dir nehmen, ich erlaube es Dir. Und natürlich kann ich dir jemanden nennen, aber...“ sie grinste ihn herablassend an.
"hmm, das kostet dich was!"
Ihre doch wachsamen Augen schienen jedoch nicht wirklich an einer Antwort interessiert zu sein, wofür er das Mehl brauchte. Etwas anderes schien ihr mehr in den Sinn zu kommen. Sie musterte den Hybriden. Uriel hatte gesehen wie sie mit ihren Freiern scheinbar umging. Aber vielleicht war es auch der viele Alkohol, der sie so einen gierig seltsamen Blick annehmen ließ.
Sie stellte die Flasche ab und stemmte herausfordernd die Hände in die Hüfte.
„Eigentlich siehst du gar nicht so schlecht aus“ begann sie zu schnurren.
„Weißt du, du musst mir nicht erzählen, was mein Großvater von dir verlangt…erzähl mir einfach wohin dich dein nächster Weg führen wird“ Sie ging auf ihn zu und setzte sich dann mit provokativ übereinander geschlagenen Beinen zu ihm auf Bett. Verschwörerisch blinzelte sie ihm zu.
„Dir ist klar, dass DU in der Hand hast wie wir uns sehen können?...wir könnten“ sie rückte etwas näher und flüsterte an sein Ohr.
„Freunde sein…“ blitzartig griff sie ihm hart in die Flügel.
„…oder Feinde“
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Dienstag 18. Oktober 2011, 22:15

Woher habe ich das nur geahnt?, dachte Uriel zynisch. Nun saß er also da, Esmearalda neben ihm, die ihm immer näher kam. Er hielt sich schon für ein bisschen erfahren, was den Umgang mit Frauen anging. Immerhin hatte er in seiner Kindheit mehr als nur eine Verehrerin gehabt. Dennoch, keine von ihnen waren es derart agressiv angegangen. Abgesehen davon war auch keine betrunken gewesen. Wobei sich Uriel dabei nicht einmal sicher war. Esmeralda schien keine zu sein, die schnell betrunken wurde, selbst NACHDEM sie hochprozentigen Alkohol zu sich genommen hatte. Er musste sich daran erinnern, dass sie immer noch Vampas Enkelin war. Und dass sie einen Haufen Männer mühelos in Schach halten konnte. Nein, eher würde er anfangen in Frauenkleidern rumzulaufen, als dass sie plötzlich Interesse an ihm hätte. Dir ist klar, dass DU in der Hand hast wie wir uns sehen können?...wir könnten Freunde sein…“ Langsam wurde es nun doch unangenehm. Uriel musste an sich halten um nicht plötzlich rot zu werden oder gar zusammenzuzucken, als sie ihm sinnlich ins Ohr flüsterte. Seine Flügel zuckten nervös. Das Tier in ihm wurde unruhig. Und Uriel selbst auch.
Auf einmal packte sie ihn am Flügel. Die Bewegung traf ihn völlig unvorbereitet und nun zuckte er tatsächlich zusammen. „…oder Feinde“, flüsterte Esmeralda. Für einen kurzen Moment schrie alles in Uriel danach aufzuspringen und aus dem Raum zu gehen. Der Rabe wollte weg. Davonfliegen vor dieser beängstigenden Person. Der Elf in ihm aber riet es anderes. Gelassen - auch wenn er sich absolut nicht so fühlte - hob Uriel die rechte Hand und fasste an Esmeraldas Arm. "Natürlich sage ich dir gerne, wohin mich mein Weg führt.", sagte er mit ruhiger Stimmer. Gefährlich ruhiger Stimme.
"Und zwar direkt zu deinem Großvater, wenn du dich nicht sofort zusammenreißt und aufhörst zu schachern." Bei den letzten Worten wurde sein Stimme hart. Mit einem Ruck seiner Hand befreite er seinen Flügel und blickte Esmeralda mit seinen roten Augen an. Dann stand er auf. "Weißt du, ich lebe nach einem ganz bestimmten Motto: Den Wert eines Mannes bewertet man nicht an seinen Freunden, sondern an seinen Feinden." Er lächelte zynisch und wandte sich zur Tür. Dabei nahm er die Spiritusflasche mit. "Und ich habe in letzter Zeit einen hohen Verschleiß an Letzterem." An der Tür angekommen, legte er die Hand auf die Klinke und wandte sich noch einmal zu Esmeralda um. "Sei bitte so freundlich und beantworte mir meine Frage. Ansonsten müsste ich mich an jemand anderen wenden. Vielleicht fällt dabei sogar ausversehen dein Name." Entweder wird sie jetzt nachgeben oder sie wird mich umbringen. Letzteres wäre vielleicht ein wenig schmerzhaft., ging es dem Hybriden durch den Kopf. Er wusste, dass er jetzt die Dame ihm gegenüber vor die Wahl stellte. Zwischen ihrem Stolz und ihrer Treue Vampa gegnüber. Hoffentlich hielt sie sich nicht, wie sonst die ganze Zeit über, an Ersteres. Hoffentlich....

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. Oktober 2011, 18:29

Sie wusste, dass sie Männer um den Finger wickeln konnte. Keiner hatte sich jetzt gegen sie gewehrt, immerhin wusste sie gut ihr Aussehen und ihre weiblichen Attribute zu nutzen.
Da war so ein kleiner gefiederter Elfenhybrid nichts Besonderes. Und sie wollte und musste die Information haben. Esmeralda hatte bis jetzt immer bekommen was sie wollte und da würde er ihr keinen Strich durch die Rechnung machen.
Als er ihren Arm packte, sah sie ihn herausfordernd an. Die Worte waren von Uriel gut gewählt und sie erkannte nur zu gut den harten Klang in seiner Stimme. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, während er ihr eindeutig drohte.
Irgendetwas machte in ihr Klick. Warum konnte sie nicht sagen, doch noch nie hatte ihr jemand so Paroli gebietet besonders nicht, wenn sie ihm eindeutig sich anbot.
“Drohst du mir etwa?” zischte sie förmlich hervor.
Ihre Haltung versteifte sich, die Hände waren in die Hüften gespannt. Sie sah jetzt eher wie ein Drache kurz vorm Feuerspeien aus.
“So, den Wert eines MANNES wird also an seinen FEINDEN gezählt! Prahlst du damit?… kannst du diesen Satz auf DICH anwenden. DU bist Weder GANZ Vogel noch Elf!” Fluchte sie hinter ihm her.
Uriel hatte es innerlich schon geahnt gehabt. Mit ihr war nicht gut Kirschen essen. Und jetzt war ihr Blut richtig in Wallung.
Tatsächlich war sie gerade hin- und hergerissen, ob sie jetzt diesen Kerl auseinandernehmen wollte oder…ihn gerade zu sich ins Bett holen wollte. Was sie vollkommen überforderte.
Egal wie ungewöhnlich das auch schien, er forderte sie in einem Bereich, wo es noch keiner getan hatte. Und er verschmähte sie!
Sie hatte doch gesehen, wie er errötet war, als sie ihm so nah gekommen war.
Sie drehte sich in einer fließenden Bewegung um und erfasste einen kleinen Tiegel, der für Salbe auf einem Regal stand. Ohne weitere Worte flog dieser genau gegen die Tür. Krachend zerschellte es dort. Nur knapp daneben wo Uriel stand. Sie grinste kalt.
“ Wenn du etwas auch nur erwähnst…” sie tippte sich an ihr Kinn. Etwas Hinterhältiges ging durch ihren schönen Kopf.
“wenn du hier herausgehst, ohne dass wir ALLES geklärt haben…dann, mein Süßer…”sie hielt kurz innen um die Wirkung zu verstärken.
“…dann erzähle ich, dass du mich genommen hast….GEGEN meinen Willen” Sie lächelte zuckersüß. Mit einer Hand klopfte sie zu ihrer Seite. Als sie ein Zögern wahrnahm, holte sie theatralisch tief Luft und schrie!
“AAAAAAARHHHH….NEIN!!!….” Dabei machte sie deutlich, dass sie noch lauter und durchdringender schreien konnte.
Egal was Ihr Großvater auch von ihr hielt, so würde er doch vermutlich eher ihr glauben als einem Fremden. Vielleicht aber auch nicht?
Wie war noch ein Sprichwort: eine dumme Frau kann dir mehr schaden als dein klügster Feind. Was war wenn die Frau nicht dumm war? Wie viel Schaden konnte so eine Frau anrichten.
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Sonntag 30. Oktober 2011, 15:19

Meine Güte. Da muss ich bei ihr aber einen Nerv getroffen haben., dachte Uriel. Es war einerseits erheiternd, anderseits beunruhigend, wie sich Esmeraldas Mienenspiel innerhalb von Augenblicken änderte. Sie schien innerlich regelrecht mit sich zu kämpfen. Uriel konnte nur hoffen, dass er mit seinen Provokationen nicht übers Ziel hinausgeschossen war. Von dem was er gesehen hatte, war ihm klar, dass Esmeralda keine Hemmungen kannte, wenn es darum ging ihren Willen Taten folgen zu lassen. Und wie "durchschlagend" ihre Argumente waren, hatte er auch erkennen können. Dennoch würde selbst eine Frau wie Esmeralda es nicht wagen den Beauftragen ihres Großvaters etwas anzutun. Doch Uriel war sich ziemlich sicher, dass Schläge nicht die einzige Waffe dieser recht reizbaren Diebin waren.
"Drohst du mir etwas?" Nun konnte er nur die Augen verleiern. Bevor er sich zurückhalten konnte, sprudelte ihm schon die gepfefferte Antwort aus dem Mund. "Interessant, dass du das in so kurzer Zeit erkannnt hast. Ich hätte gedacht, dass du länger brauchst.", antwortete er spitz. Das schien das Fass zum Überlaufen zu bringen. Sofort flog ein Tiegel auf ihn zu und krachte gegen die Wand. Instinktiv duckte sich der Bote, während Esmeralda wütend fluchte. Doch anstatt gleich weitere, nicht zum werfen geeignete, aber durchaus zum Töten fähige, Gegenstände zu schleudern, hielt Esmeralda auf einmal inne. Das und ihr kaltes Grinsen jagte Uriel irgendwie mehr Angst ein, als der geworfene Tiegel. “ Wenn du etwas auch nur erwähnst…wenn du hier herausgehst, ohne dass wir ALLES geklärt haben…dann, mein Süße…dann erzähle ich, dass du mich genommen hast….GEGEN meinen Willen”
Okay, jetzt war er enttäuscht. Mit betont gelangweilter Miene richtete sich Uriel auf. Irgendwie hatte er jetzt etwas unheimlich diabolisches, geradezu Hinterhältiges erwartet. Etwas was ihn geschockt den Atem anhalten lassen würde oder ihm zumindest das Gefühl geben würde, er müsste sich in tödlicher Gefahr befinden. Stattdessen ging ihm nur der gewohnte und altbekannte Satz durch den Kopf: Wir haben ein paar Schwierigkeiten. Und angesichts seiner jetzigen Lage, in der er mit einem kommunikationsunfreundigen Halblöwen einen wahnsinnigen Naturmagier jagen musste, der ihn wahrscheinlich bei der erstbesten Gelegenheit in Stücke reißen würde, war die Bedrohung einer angehängten, nicht passierten, Vergewaltigung der Enkelin des Oberhauptes der Diebe nicht gerade furchteinflößend. Entspannt lehnte sich Uriel an den Türrahmen und betrachtete gelassen die schreiende Esmeralda. "Nur damit ich es recht verstehe. Alle sollen glauben, dass ich deine, wahrscheinlich längst nicht mehr vorhandene, Unschuld geraubt habe? Ich soll dich, die du bekannt dafür bist, ja sogar berüchtigt, dass du es locker mit drei ausgewachsenen Männern im Liebeswahn aufnehmen kannst, überwältigt und genommen haben?", fragte er belustigt. Er hing sogar noch ein leises Lachen hinten an, als hätte er gerade einen guten Witz gehört. Er hielt ihr grinsend die Flasche hin. "Hier, ölt die Stimmbänder."
Nachdem er kurz seinen Spaß gehabt hatte, verschwand Uriels Grinsen wieder. Letzten Endes hatte er immer noch nicht die Antwort auf seine Frage erhalten. "Weißt du was? Wir machen es so: Du sagst mir wo ich Mehl kaufen kann. Ich sage dir im Gegenzug was ich für deinen Großvater tun muss. Wie hört sich das an?" Eigentlich könnte er jetzt auch einfach gehen und sie stehen lassen. Doch er wollte sie dazu bringen nach seinen Regeln zu spielen. Esmeralda hatte schon lange keinen gehabt, der ihr ihre Grenzen aufgezeigt hatte. Und Uriel wollte sie nach diesem Verhalten nicht einfach so davon kommen lassen.

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Montag 7. November 2011, 22:14

Für einen Augenblick sah es so aus, als würde Esmeralda tatsächlich explodieren. Sie ballte beide Hände zu Fäusten und beugte den Kopf leicht vor, ganz ähnlich einem Stier, der sich bereit machte, auf ein Ziel loszustürmen. Auf ihrer Stirn pochte eine Ader, was ihrem sonst so glänzendem Aussehen einen gewissen Abbruch tat. Die rothaarige Diebin hob langsam die Fäuste und kurz hätte man glauben können, dass sie tatsächlich ihrem Ruf nachkommen wollte und Uriel niederzuschlagen suchte. Mitten in der Bewegung schien sie es sich aber anders zu überlegen und so wanderten ihre Hände hinauf zu ihrem Haupt, im die leicht aus der Form geratenen Haare wieder zu glätten. Dann verschränkte sie die Arme vor der Brust, rümpfte die Nase und sah mit halbgeschlossenen Augen und einem hochnäsigem Blick zu dem geflügelten Mann hinüber. „Ich glaube du missverstehst die Situation. Ich kann problemlos dreiviertel aller Männer in dieser Halle um den Finger wickeln. Wie glaubst du, reagieren diese eitlen Gecken, die mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen, wohl auf mein kleines Schauspiel? Werden sie sachlich nachdenken oder vielleicht lieber ein Grillhähnchen aufspießen?“ Daraufhin verstummte die hübsche Heilerin und funkelte vielsagend in Uriels Richtung. Es war schon seltsam, wie schnell diese grünen Augen ihren Ausdruck von Wut, zu Überheblichkeit wechseln konnten. Dann jedoch zuckte sie einfach mit den Schultern, schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Aber was streite ich mich überhaupt mit einem Spatzenhirn wie dir? Letztlich muss ich nur mit dem Finger schnippen und ...“
Aber was nun passieren würde, wenn Vampas älteste Enkelin mit den Fingern schnippte, sollte Uriel nie erfahren. Mitten im Satz schloss Esmeralda nämlich den Mund und starrte an dem Boten vorbei, durch die offene Tür. Dort stand – mit einem Ausdruck, als könne sie auch nur zufällig durch die Falsche Tür gekommen sein – die kleine Cassandra. Die sah langsam von dem Hybriden zu ihrer großen Schwester und dann zu den zerschellten Tiegeln und Glasscherben am Boden. So etwas wie Angst oder vielleicht auch Trauer, huschte über ihr abwesendes Gesicht und sie presste ihren Stoffbären noch enger an sich, als sie es sonst schon tat. „Streitet ihr euch Esmi? Ich wollte nicht ... ich sollte nur ...“ Sie wirkte fast schon ein bisschen verstört. Wie lange sie bereits dort stand und was sie alles mitbekommen hatte, war nicht zu sagen.
Und mit einem mal war die vorher so biestige Esmeralda wie verwandelt. Sie schlängelte sich an Uriel vorbei in den von Kerzenlicht durchfluteten Gang, sank ohne auf ihr kostspieliges Kleid zu achten auf ein Knie und nahm ihre kleine Schwester in den Arm. „Hey Spätzchen, alles in Ordnung. Niemand streitet. Ich hatte nur eine ... angeregte Diskussion mit Großvaters neuem Boten. Und was suchst du jetzt hier?“ Die Heilerin blickte nach oben und der mütterliche Blick, mit dem sie ihre kleine Schwester betrachtet hatte, wandelte sich in eine stumme Drohung, die ohne Worte ganz deutlich sagte: Bloß kein Wort zu ihr, was hier vorgefallen ist! Gleichzeitig gab Cassandra ihre Erklärung ab, warum sie sich so tief ins innere der Katakomben verirrt hatte. „Opa hat mich geschickt um dich zu suchen. Seine Brust tut ihm wieder so komisch weh ...“
Auf diese Worte hin verengten sich Esmeraldas Lippen und sie sah unschlüssig von Uriel zu ihrer kleinen Schwester, dann den Korridor hinab, den sie gekommen waren. „Also gut,“ meinte sie schließlich und erhob sich wieder, wobei sie der kleinen Cass auf die Schultern klopfte. „Dann werde ich Großvater nicht warten lassen.“ Und nach einem scharfen Blick zu Uriel fügte sie hinzu: „Sei du jetzt so lieb und bring unseren Gast in die Küche. Er braucht ein paar Sachen von Vigaro, wenn er bald für Opa loszieht. Kann ich mich auf dich verlassen?“ Ihre Frage wurde mit einem stolzen Kopfnicken und einer viel fröhlicheren Miene beantwortet und dafür bekam die kleinere von der großen einen Kuss auf die Stirn. Noch einmal warf sie Uriel etwas zu, dass ganz klar in die Gattung ’Wenn Blicke töten können’ fiel, wandte sich ab und eilte schnurstracks zurück in die Festhalle und weiter in die Bibliothek.
Natürlich verschwand Esmeralda an der ersten Gabelung aus Uriels Blick und der Bote blieb mit der seltsamen, kleinen Seherin alleine zurück. Die hob ihrerseits das dürre Ärmchen und umklammerte die Hand, mit der Uriel nicht die Branntweinflasche hielt. „Und ihr habt doch gestritten,“ murmelte das Kind leise zu sich selbst, aber im Tone der Überzeugung, als hätte ihr jemand erklären wollen, das zwei und zwei nicht vier seien. Dann stapfte sie los und zog den Hybriden hinter sich her. „Na komm, Engel. Zur Küche geht es hier lang!“
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Uriel Schwarzschwinge
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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Uriel Schwarzschwinge » Freitag 18. November 2011, 00:07

In gewisser Weise ist da schon sehr unterhaltsam., ging es Uriel durch den Kopf, während er grinsend Esmeralda beim Explodieren beobachtete. Unglücklicherweise, wobei die Alternative vermutlich eher eine unschöen Abreibung gewesen wäre, kam es nicht dazu. Die Menschenfrau schaffte es, ihr überborderndes Temperament im Zaun zu halten und setzte stattdessen auf ihre rethorischen Künste. Was sie sagte, ließ Uriels Zuversicht wieder in den Keller sinken. Es war von Anfang an klar gewesen, dass eine körperliche Auseinandersetzung mit Esmeralda mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das zärtliche Geturtel geworden wäre, dass man im besten Falle von Männlein und Weiblein erwarten würde. Doch wäre es soweit gekommen, so hätte die Diebesbraut in größeren Schwierigkeiten gesteckt, als Uriel, der schlimmstenfalls nur ein halbes Dutzend gebrochene Knochen im Leib gehabt hätte. Das Ende vom Lied wäre eine saftige Entschädigung und eine zerknirschte, demütig um Verzeihung bittende Menschenfrau gewesen.
Nun ja, in diesem Falle, konnte Uriel sich das jetzt abschminken. Esmeralda hatte bedauerlicherweise darauf besonnen, dass sie so etwas wie einen Verstand besaß und führte nun detailliert aus, was sie mit ihm anstellen würde, wenn gewisse Herren in der Nähe wären. „Ich glaube du missverstehst die Situation. Ich kann problemlos dreiviertel aller Männer in dieser Halle um den Finger wickeln. Wie glaubst du, reagieren diese eitlen Gecken, die mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen, wohl auf mein kleines Schauspiel? Werden sie sachlich nachdenken oder vielleicht lieber ein Grillhähnchen aufspießen?“ Letzteres klingt appetitlich, aber auch recht ungesund. Ersteres wäre schon eher meine Wahl. Wenn ich denn eine hätte..., dachte Uriel, schwieg aber, da er sonst nichts zu entgegnen hatte. Wo war seine Schlagfertigkeit, wenn er sie mal brauchte? Wahrscheinlich bei Florencia, um sich im Blütenduft der Kreativität zu suhlen. Danke auch! In der Zwischenzeit hatte Esmeralda einfach weiterfabuliert. „Aber was streite ich mich überhaupt mit einem Spatzenhirn wie dir?" Gute Frage! Schließlich hast du angefangen! Letztlich muss ich nur mit dem Finger schnippen und ...“
Doch Uriel sollte nicht erfahren, was die allmächtige Esmeralda mit ihren schnippenden Fingern alles tun konnte, denn diese hielt überrascht inne und starrte mit offenen Mund an Uriel vorbei. Unsicher, ob das nicht womöglich ein hinterhältiger Trick sein, wandte sich der Bote um und sah Cassandra, wie sie an der Schwelle stand und sie anguckte, als ob sie gerade einem Zwerg dabei beobachten würde, wie er sich von einem Ork den Bart scheren lässt. Womöglich sogar noch mit Gesangseinlage. Die langsame Weltreise ihres Blickes durch das Zimmer ließen deutliche Schlüsse zu, was in ihr gerade vorging. Uriel hörte es hinter ihre kleinen Stirn förmlich rattern. Schwester + netter, gut aussehender Bote + Scherben + gaaaaaanz schlechte Atmosphäre = Nicht gut!
Das folgende Gestammel und das Ansichgepresse des armen Stoffbäres bestätigte Uriel. Am besten war es, wenn er Cass beruhigte. In "weinende Kinder aufheitern" war er, neben Fliegen und Optimismus, absolut unfähig. Da war es das Beste, wenn er einen emotionalen Zusammenbruch der kleinen Seherin gleich verhinderte. Doch Esmeralda war schneller als er. Sofort eilte sie zu Cass und umarmte sie. Im Folgenden wurde der Streit, der beinahe in einer brutalen Schlägerei mit einschlägigem Ausgang geendet wäre, zu einer "angeregten Diskussion" deklassiert. Uriel selbst stand da und überlegte, ob er Esmeralda für ihre Flexibilität bewundern oder fürchten sollte. Er beschloss diese Frage auf später zu verschieben. Der Blick der Menschenfrau war klar zu interpretieren und zudem völlig unnötig. Der Hybrid hatte nicht vorgehabt Cassandra ungefragt mit der Wahrheit zu konfonrtieren. Überhaupt war er der Meinung, dass man mit der Wahrheit sehr vorsichtig umgehen sollte. Er selbst hielt es damit gerne so: Wahrheit war wie ein guter Eintopf. Eine Schüssel, wenn sie noch warm ist, ist köstlich. Doch in Massen und kalt serviert, schlägt sie nur auf den Magen
Da er sich aber sicher war, dass Esmeralda diesen erstaunlichen Exkurs in die Philosophie nicht mitmachen würde, behielt Uriel seine Gedanken für sich. Cass meldete nun, dass Lucheni Vampa Esmeraldas Hilfe bräuchte und diese zog natürlich sofort los. Natürlich nicht ohne zuvor noch einen Blick der Marke "Beim nächsten Mal bist du tot. Oder frittiert. Oder beides" gen Uriel zu werfen. Dann war sie endlich weg. Uriel stand nun mit Cass alleine im Gang. Diese war erfreulicherweise wieder über dem depressivem Damm und murmelte trotzig - Hach, Kinder - etwas von wegen "doch gestritten" vor sich hin. Dann nham sie Uriel an der Hand und schleppte ihn mit den Selbstverständnis jemandes mit, der von Natur davon ausging, dass man ihm folgen würde. Während sie ihn zur Küche führte musste Uriel über die Bezeichnung "Engel" lächeln. "Wie kommst du eigentlich auf den Namen Engel?", fragte er Cass, "Das mit Flügeln, versteh ich schon. Aber sie sind schwarz und abgesehen davon..." Seine Stimme verlor sich. Eigentlich hatte er sagen wollen, dass er kein Heiliger sei, aber irgendwie brachte er es nicht über die Lippen. Warum tat er das überhaupt? Er hätte jedes beliebige Thema wählen können! Sie alle haben Schlange gestanden, um von ihm in den Mund genommen zu werden und er nimmt ausgerechnet das, welches nur in der Ernüchterung enden konnte. Um den unangnehmen Augenblick zu überspielen, wechselte Uriel schnell das Thema - Wie es sich da freut! - und fragte: "Wer ist eigentlich dieser Vigaro?"

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Re: Schneerosenallee Nummer 13

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. November 2011, 19:13

Die Art mit der Cassandra ihren Begleiter durch die Tunnel der Diebesgilde führte, hatte nichts gemein mit dem scharfen, gezielten Stechschritt ihrer großen Schwester gemein. Vielmehr wirkte es bei jeder Abzweigung so, als würde sich die kleine Seherin vollkommen willkürlich für einen Weg entscheiden. Aber wahrscheinlich durfte man sich davon einfach nicht irritieren lassen. Inzwischen hatte Uriel ja bereits mehrmals mit Vampas jüngster Enkelin zutun gehabt, genug Gelegenheiten, um sich an die seltsame Art dieses seltsamen Kindes zu gewöhnen. Irgendwie schaffte sie es am Ende doch immer, dass zu tun was sie machen sollte. Während sie also mit Uriel an der Hand daher trottete, sah sie ihn immer wieder glubschäugig aus den Augenwinkeln an. Dabei huschte ihr Blick am häufigsten zu den schwarzen Flügeln, aber auch immer mal wieder zu dem Schwert an seiner Seite. Schließlich schnalzte sie mit der Zunge, eine Geste bei der sie ihrer großen Schwester plötzlich ziemlich ähnlich sah, und blickte nur noch stur grade aus. „Ich nenne dich Engel, weil du doch ein Engel bist! Du brauchst nicht versuchen mich rein zu legen. Meine Mama hatte ein Buch, in dem ein Bild von dir war. Du bist Azrael, Lysanthors schwarzer Rachengel. Ich hatte sogar einen Traum von dir, in dem du mit deinem brennenden Schwert gegen die Orks und Dunkelelfen gekämpft hast!“ Mit diesen Worten schloss Cass kurz die Augen und setzte ein überdeutliches Siegerlächeln auf, ganz so wie jemand, der eine unumstößliche Wahrheit offenbart hatte. Dann streckte sie dem Hybriden kurz die Zunge raus und zwinkerte. „Aber keine Angst, ich behalte mein Geheimnis für dich.“
War sie nun einfach nur ziemlich leichtgläubig und zu sehr in ihrer eigenen kleinen Traumwelt versunken, oder glaubte sie wirklich aus tiefster Überzeugung an das, was sie da sagte? Zumindest passte es irgendwie nicht zu diesem offenherzigen Mädchen, sich eine solche Geschichte einfach auszudenken. Vielleicht hatte sie ja wirklich eine Vision von Uriel gehabt und immerhin war es ja auch war, dass er mit einem Flammenschwert gegen die Diener des dunklen Heeres gekämpft hatte. Aber war es wirklich gut, wenn dieses unschuldige Kind all seine Hoffnung in Uriel setzte, in fester Überzeugung, er sei etwas, dass nicht der Fall war? Würde sie sich vom Gegenteil überzeugen lassen ..?
Aber ehe Uriel weiter auf diesen Punkt eingehen konnte, wechselte Cassandra kurzerhand das Thema und griff die andere Frage des Boten auf. „Vigaro ist unser Küchenchef und so was wie mein Leibwächter. Na ja eigentlich ist er der Koch von Tante Kiala, aber als Opa Lucheni mich wieder nach Pelgar gerufen hat, ist er einfach als mein Beschützer mitgekommen. War wohl unser Glück, denn drei Tage später ist Andunie gefallen. Schade eigentlich, denn bei Tante Kiala war es viel lustiger und auch Esmi war viel, viel glücklicher. Da haben nämlich die Mädchen das sagen! Aber egal ... komm da vorne ist die große Küche!“
Inzwischen waren die beiden wieder näher im Bereich der Festhalle, die Uriel bereits gesehen hatte, aber durch die dicken Steinmauern war nichts von den Feiernden zuhören. Die Katakomben der Gilde waren ein richtiges Labyrinth und es gab meistens drei oder mehr Möglichkeiten um an ein Ziel zu gelangen. Nun prangte mitten im Gang ein Doppeltor, dessen eine Hälfte mit einem leichten Stoß von Cassandra geöffnet wurde. Der angrenzende Raum war mindestens genau so groß wie die Festhalle, aber vollgestopft mit allen möglichen Schränken und Kochutensilien. Die vielen exotischen Gerüche hier drinnen, vermischten sich zu einem einzigen, appetitanregenden Odeur, dass dem hybriden und der kleinen Diebin entgegen schwang. Mehrere Männer und Frauen in weißen Uniformen standen vor Herden oder Grillspießen und vollendeten eine köstliche Speise nach der anderen. Beherrscht wurde dieses königreich der Köche jedoch von einem großen, muskulösen Mann mit schwarzen Haaren. Im Gegensatz zu den anderen Bediensteten trug er einfache, graue Hosen, ein ärmelloses Hemd und eine schwarze Schürze. Mit herrischen Gesten koordinierte er die anderen, während er an drei Kochstellen zugleich am Arbeiten war.
Als jedoch Cassandra über die Schwelle trat und dieser Hüne, der Uriel um gut einen Kopf überragte, dass kleine Kind sah, wandelte sich seine ernste Miene zu einem breiten Grinsen. Ein kurzer Befehl, dass andere sich um seine Speisen kümmern sollten und schon ging er der kleinen entgegen und breitete die Arme aus, in die Cassandra sofort hinein hüpfte und von dem Mann in die Höhe gehoben wurde. Vampas Enkelin drückte dem stoppeligen Gesicht einen Kuss auf die Wange und deutete dann auf den Rabenmann. „Dass ist er Vigaro, der von dem ich dir erzählt habe! Er ist ganz nett, ehrlich! Esmi sagt, dass er ein paar Sachen von dir braucht.“ Für einen kurzen Moment musterte Vigaro der Küchenkönig den unbekannten, geflügelten Mann und streckte ihm dann den freien Arm entgegen. „Sei mir gegrüßt Kabele. Freunde von unserer kleinen Prinzessin sind auch meine Freunde. Du brauchst also etwas von mir? Proviant nehme ich an?“
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