Hilfe in Sicht

Handwerker, einfache Bürger und der Adel wohnen in kleinen Bezirken und doch teilweise Tür an Tür. Von der windschiefen Hütte bis hin zum schön verzierten Fachwerkhaus oder kleinem Anwesen mit Wasserspeiern aus Marmor ist hier alles zu finden.
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Sithis
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Re: Hilfe in Sicht

Beitrag von Sithis » Dienstag 15. Februar 2011, 20:53

Während die Echse sich immer wieder aufmerksam umsah, kam er dem Häuschen immer näher. Dann jedoch hielt er aprupt inne, da etwas auf seinem Weg aufgetaucht war. Hm? Als er nach unten sah, stand da ein Kind vor ihm. Eben ein solches wie die, die er als unwichtig eingestuft und ignoriert hatte. Dummerweise wollte eben dieses Kind nicht, dass es ignoriert wurde und es musterte ihn auch noch. Zwar war Sithis es mittlerweile gewohnt, angestarrt zu werden, doch dieser Knirps trieb es beinahe auf die Spitze.
„Wer bist du? …. Was machst du hier? Ich hab’ dich hier noch nie gesehen.“ Es klang herausfordernd, doch würde der Knabe wissen, wem er gerade gegenüberstand, dann würde er jetzt schon um sein Leben rennen. Nicht das es etwas nützen würde...Was ist denn das für ein kleiner Wicht? Dachte die Echse, langsam schon wieder etwas verärgert. Als ob diese engen Gassen nicht schon reichen würden. Jetzt kam da auch noch so ein kleiner Neunmalklug heran und stellte diese seltsamen Fragen. Er spürte förmlich, wie sein Blut wieder in Wallung geriet. Wie siedendes Öl oder ein aktiver Vulkan kurz vor der Eruption.

Wenn Sithis nur wollte, könnte er ihn hier und jetzt ungespitzt in den Boden rammen. Oder ihn gegen eine Hauswand schmettern, der kleine Kerl schien nicht besonders viel zu wiegen. Mit dem Töten hatte er es noch nie schwer gehabt, schließlich war er eben zu diesem Zweck ausgebildet und gedrillt worden. Hemmungen hatte er schon lange keine mehr. Dummerweise würde genau diese Handlung aber die Wachen Pelgars mit auf den Plan rufen, was er jetzt überhaupt nicht gebrauchen konnte. Er war zu nah an seinem Finalen Ziel. Ein klitzekleiner Fehler und alles, für das er hingearbeitet hatte, wäre umsonst gewesen und rettungslos verloren. Sie hatten nur diese eine Chance. Also musste er diese kleine Nervensäge irgendwie anders loswerden.
Gerade wollte er zu einer eher unfreundlichen Antwort ansetzen, als auch schon die nächste Flutwelle an Worten ihn zu überspülen drohte. „Du bist ja echt groß, …hast du immer viel gegessen? …. Das sagt zumindest mein Papa, wenn ich viel esse, werde ich groß und stark. Warum hast du da hinter dir so eine Beule?“ Dieses Kind plapperte ja wie ein Wasserfall! Der ist ja noch schlimmer als Kharim! Dann stutzte er. Beule? ....... Mein Echsenschwanz! Verflucht! Jetzt muss eine gute Erklärung her! Seine inneren Ängste schienen etwas zu wachsen, jedoch revidierte er das gedanklich. Einem Kind konnte man glauben, musste man jedoch nicht. Selbst wenn das Kind die Wahrheit herausfand und erzählte, es wäre einer Sumpfechse begegnet, könnte man das kindischen Unsinn abtun.
Sein Kumpel, der nur wenige Meter weiter immer noch in einem Bett ruhte, war auch eher die Plaudertasche in seiner Kampfgruppe. Wenn er nicht gerade über Heilkräuter und dergleichen sinnierte, scherzte er oder zog die anderen mit frechen Sprüchen auf. Seine gute Laune hätte ich gern...

Doch zuerst wollte er das ganze erst mal auf die friedliche Art lösen, eine eher untypische Vorgehensweise. Den anderen würden bestimmt vor Erstaunen die Augen raus fallen. Bestimmt würden sie ihn nicht wieder erkennen. Er konnte dem Knirps später immer noch den Schädel einschlagen. "Ganz ruhig, Junge! Nicht so viele Fragen auf einmal!" Er lächelte schief, wobei es auch als raubtierhaftes Grinsen durchgehen konnte. Wie gut für den Jungen, dass der das Gesicht der Echse nicht sehen konnte. Er wäre bestimmt schon in Ohnmacht gefallen oder schreiend davongerannt.

"Nun, wer ich bin ist nicht sonderlich wichtig. Ich bin ein Reisender. Eher ein Kopfab-Reißender, hehe! Du hast recht, ich bin so groß geworden, weil ich immer gut gegessen habe. Wenn du dich schön ranhälst, dann kommst du bestimmt genau so weit wie ich. Und diese "Beule" wie du sie nennst, kommt von meiner Waffe." Er schob den Umhang zur Demonstration ein kleines Stückchen zurück, jedoch nur soweit, dass man den Axtkopf sehen konnte. Hoffentlich war die Neugier des Jungen jetzt befriedigt.
Sein Blick schweifte nun zu dem Haus zurück, in dem diese Kräuterfrau wohnte. "Lässt du mich jetzt wieder um meine Angelegenheiten kümmern? Ich denke, dass sich dein Papa sonst noch Sorgen um dich macht, wenn du nicht pünktlich zuhause bist. Bei all den Gestalten, die draußen vor dem Tor stehen und nach Blut gieren." Den letzten Satz hatte er nur beiläufig hinzugefügt, um den Jungen loszuwerden. Äußerlich ließ er sich seinen Groll nicht anmerken. Zumindest hoffte er, dass der Bengel endlich das Feld räumen würde, damit Kharim und er ihr blutiges Werk beginnen konnten.

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Re: Hilfe in Sicht

Beitrag von Gestalt » Sonntag 20. Februar 2011, 22:48

Sithis war geradezu überrumpelt, von diesem kleinen Naseweiß, der sich dem großen Echsenkrieger einfach Frech in den Weg stellte und mit etliche Fragen, seine Neugierde stillte. Eines musste Sithis ihm lassen, Schneid hatte der Kleine, soviel war klar. Aber das hatte er schon in seinem Dorf mit bekommen, dass Kinder die wenigste Angst vor ihm oder anderen Kriegern hatten. So mochte es wohl überall sein, immerhin erregte Krieger die größte Neugier, immerhin war es etwas vollkommen anderes, wie sie es von zuhause aus kannten.
So beantwortete Sithis beherrscht, doch einigermaßen freundlich die Fragen des Kindes. Auf die Anweisung hin, dass der Kleine nicht so viele Fragen stellen sollte, erntete er nur fragende Blicke seitens des Kindes. Man merkte einfach, dass Sithis nicht viel mit Kindern zu tun hatte.
Der Kleine hatte immer noch seine Arme vor der Brust verschränkt und hob nun sein Kinn. Eine Geste, die bedeuten sollte, dass es nicht weichen und auf Antworten pochen würde. Wie zur Untermalung seiner Ungeduld, wippte es mit dem Fuß auf und ab.
Dann erzählte Sithis gerade, dass er ein Reisender war und die Augen des Kindes leuchteten auf.

“Boa, … woher kommst du denn? … Bist du weit gelaufen oder hast du sogar ein richtiges, großes Pferd?” Der Eifer des Kleinen war geweckt und Sithis würde wohl noch mehr Antworten geben müssen. Seine nächste Antwort forderte noch mehr Fragen.

“… und wie viel isst du so? … Jagst du auch selber? … Mit was denn? … Speer oder Bogen? … Oder etwas mit deinen bloßen Händen?” Alleine schon bei den Vorstellungen, gingen dem Jungen die Augen über. Wie Sithis seine Waffe, die große Axt zeigte, geriet der Knirps fast aus dem Häuschen, vor lauter Freude.

“Oh man, … so eine große Waffe. Ist das eine Axt? … Ich kenn’ so was nur von meinem Großvater, der damit Holz hackt. Hackst du auch Holz oder tötest du damit Dein Fleisch? … Darf ich dir mal zugucken?” Das Kind war noch ein Stück näher gekommen, hatte sich auf seine Zehenspitzen gestellt und bettelte förmlich mit seinen großen Knopfaugen darum, dass der große Mann ihm seine Wünsche erfüllte.
Alles, was Sithis dem Kleinen mitgeteilt hatte, hatte er in einem Satz gesagt, mit seinem zweiten Satz, bat er, so höffliche er konnte darum, dass das Kind ihn nun seines Weges ziehen lassen sollte.
Dem entsprechend entsetzt und traurig fiel die Reaktion des Kindes aus. Er ließ die Schultern hängen, die Mundwinkel gingen nach unten und die großen Augen füllten sich mit Enttäuschung.

”Och man, wieso hat keiner Zeit für mich …”, schmollend steckte er seine Hände in die Hosentaschen und kickte einen Stein beiseite. Stehen blieb er dennoch. Dann sah er wieder hoch und seufzte abgrundtief.
“Na gut, … wie du meinst.” Er ob seine Schultern einmal, scharrte ein wenig im Sand und grinste dann wieder.
“Noch ist es nicht dunkel, ich kann mir noch Zeit lassen … ja, ich bin schon so alt, dass ich solange draußen bleiben darf … dann noch gutes Gelingen.” Der Knirps drehte sich um und schlenderte vermeintlich die Gasse zurück.
Sithis hingegen hatte den kleinen Quälgeist endlich abgeschüttelt und konnte nun unbehelligt seinen Weg gehen. Weit hatte er es ja nicht mehr. Er konnte das Gatter schon wage sehen, welches auf das Grundstück Emerneldas führte, er hatte seinen Plan also eingehalten. Nun musste er nur noch hoffen, dass die alte Frau sich an das, von ihm aufgestellte Zeichen, erinnerte.
Ein Blick über die Schulter versicherte Sithis, das die Gasse für den Moment frei war und ihn offenbar keiner sah.
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Re: Hilfe in Sicht

Beitrag von Sithis » Montag 21. Februar 2011, 00:27

Sithis dachte schon, dass der Knirps es darauf beruhen ließ, doch wieder einmal täuschte er sich. Das Interesse des Kindes war nun erst recht geweckt. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Jetzt muss ich mich schon von einem Kind vollquatschen lassen! Sithis hatte bisher sehr wenig Erfahrung mit Kindern gehabt, geschweige denn mit ihnen zu tun gehabt, doch wenn er später einmal eine Partnerschaft mit einem Weibchen eingehen wollte, dann müsste er sich wohl oder übel früher oder später damit konfrontieren. Schließlich musste er auch irgendwie zusehen, dass seine Ahnenreihe für die Zukunft gesichert war und nicht nach ihm endete.
Und da fiel ihm auch das attraktive Weibchen mit den saphirblauen Augen wieder ein. Er hatte schon bei dem langen Marsch aus den Sümpfen gemerkt, dass sie ihm erstaunlich gut gefiel und das wohl auch aus ihrer Sicht auf ihn zutraf.

Außer seinem Vater und ihm hatten sich alle anderen Mitglieder seines Familienzweigs schon in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Etwas, das ihm auch schon ein paar mal gedroht hätte... Doch zu seinem Glück hatte er jedes Mal Hilfe bekommen, auch wenn er in Wahrheit viel zu stolz war, doch das würde er niemals offen zugeben.

Das Kind plapperte ohne Unterlass weier, sodass sich die Option, es gegen die Wand zu schmettern, sich doch recht überzeugend anhörte. Zumindest wäre dann wieder Ruhe und seine Laune befriedet, denn von dem Redeschwall bekam er langsam aber sicher Kopfschmerzen. Doch wieder besann er sich zur Ruhe, auch wenn es ihm mehr als schwer fiel. Er wollte schließlich keinen Ärger mit der Wache haben, zumindest im Moment nicht. Eine mehr als merkwürdige Situation. Sonst hatte er immer den Konflikt gesucht und oftmals war er es gewesen, der einen entfacht hatte. Natürlich mit handfesten Argumenten.

Aktuell klebten die Blicke des Kindes eh an seiner Axt und es stellte fleißig weitere Fragen. Das er dass sogar in einem Atemzug fragte, erstaunte die Echse. Atmete der überhaupt noch über die Lunge? Bestenfalls zusätzlich über die Haut, anders konnte sich die Echse das nicht erklären. So viel Wissensdurst und Forscherdrang hatte er ja noch nie erlebt. Bei ihm daheim war das zwar ähnlich, dafragten die Kinder auch andauernd nach, doch da ihr Dorf nicht sehr viele Besucher von Außerhalb hatte, vor allem keine, die noch lebten und wenn, dann nur um ihr Leben zu verhandeln, hielten sich die Fragen glücklicherweise in Grenzen.

Sithis beantwortete keine der neueren Fragen und langsam sah man dem Jungen wirklich an, dass er nicht so ganz glücklich darüber war, als das Gefragte unbeantwortet blieb. “Noch ist es nicht dunkel, ich kann mir noch Zeit lassen … ja, ich bin schon so alt, dass ich solange draußen bleiben darf … dann noch gutes Gelingen.” Die Echse sah fassungslos zu dem Kind hin. Will der mich verarschen? Hier tobt ein Krieg! Wenn du klug wärst, hättest du dich bei dir daheim eingegraben! Offenbar nahm der Knabe die Bedrohung durch die Dunkle Armee nicht wirklich ernst. Er vertraute wohl darauf, dass seine Stadt dem Ansturm trotzen würde, ihr komischer Rat die Gefahr abwenden könnte. Wenn der nur ansatzweise gewusst hätte, dass genau der Mann vor ihm stand, welcher einen dieser selbstgefälligen Bonzen beseitigen sollte, dann wäre der Knirps schon längst schreiend zu seiner Mutti gerannt und hätte sich die Seele aus dem Leib geflennt.

Wenn er überhaupt bis da hin kam, verstand sich... Sithis war recht schnell zu Fuß...

Dann schlenderte das Kind gemächlich davon, jedoch war sich die Echse recht sicher, dass er den nicht zum Letzten Mal gesehen hatte. Bestimmt würden sie sich wieder über den Weg laufen. Früher oder später.

Bis zum Gatter waren es nur noch wenige Meter, dahinter ein verwilderter Garten, es war auf jeden Fall das richtige Haus. Schnell sah sich Sithis nach allen Seiten prüfend um, jedoch war nirgends jemand zu sehen. Jetzt aber schnell! Mit einer erstaunlichen Schnelligkeit schlüpfte er in den Garten und nach wenigen schnellen Schritten stand er auch schon direkt vor der Tür. Er klopfte dreimal an selbige und wartete anschließend ab. Sollte sie das Zeichen vergessen haben, hatte er ja seinen Türöffner griffbereit im Gürtel stecken - seine Axt. Er schüttelte sich. Und dachte nach. Nein! Entspann dich, Sithis! Ganz ruhig! Vorerst keine Gewalt anwenden!

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Re: Hilfe in Sicht

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. Februar 2011, 01:17

Sithis war richtig stolz auf sich, er hatte seine Wut vollkommen unter Kontrolle und hatte dem Knirps nichts getan … und Gedanken waren immerhin frei. Ja, man konnte mir recht sagen, Sithis machte sich.
Veränderungen waren schließlich an der Tagesordnung und zumindest er selbst war sich bis vor kurzem nicht sicher, dass er sich wandeln konnte. Da er nicht tot war, wurde er eines Besseren belehrt und so wie er Kharim kannte, würde dieser ihn wieder damit aufziehen, erneutes Futter für seine Sticheleien.
Es dauerte nicht lange und Sithis hatte das letzte Stück Weg bis zum Gatter hinter sich gebracht, welches ihm Einlass auf das Grundstück der alten Frau gewährte. Die Sonne war bereits hinter den Häusern verschwunden und schichte noch schwach ihre Strahlen in den Himmel, welcher eine rötliche Färbung angenommen hatte. Wind war momentan keiner zu spüren, so fühlte sich die kalte Luft des Todesschlafes wärmer an, der sichtbare Atem trat gleichmäßig hervor.
Während die Echse den schmalen Weg zum Haus entlang ging, hatte dies etwas durchaus skurriles. Pelgar war so groß, dass hier kaum Geräusche des Krieges zu hören waren. Hätte Sithis den Blick dafür, hätte er seine Situation durchaus als idyllisch bezeichnet, aber für Sithis enthielt dieses Wort so viel an Bedeutung wie eine Seuche. Es konnte wahrscheinlich krank machen.
Obwohl Schnee lag, so gab es hier dennoch Pflanzen, die am Blühen waren und etliche Andere waren immer noch so grün, wie zur Zeit der Abendsonne.
An der Tür angekommen, nutzte Sithis das vereinbarte Zeichen und er hoffte inständig, dass die Kräuterfrau sich erinnerte. Sekunden vergingen, in denen sich nichts tat. Von innen hörte er lediglich leise Geräusche, die dem scharren von Holz auf Holz entsprechen konnten, aber mit Gewissheit vermochte er diese nicht einzuordnen. Weitere Sekunden später, Sithis hatte schon seine Axt nutzen wollen, klopfte es im gleichen Rhythmus zurück und ein heiteres Lachen erklang. Dann hörte er, wie die Tür entriegelt wurde und diese sich öffnete.
Emernelda grinste ihn an, öffnete die Tür weiter und bat Sithis in ihre gute Stube hinein.
Zu seiner großen Überraschung saß Kharim bereits am Tisch und labte sich an den kargen Speisen, wovon es allerdings mehr als genug gab.
“Ich muss schon sagen, ihr beide habt einen regen Hunger … aber esst nur, ich habe davon genug.”
Sie nahm Sithis den Umhang aus der großen Pranke und verschwand im hinteren Zimmer.
“Setz dich, mein Junge … und greif ordentlich zu, damit du nicht vom Fleisch fällst.”
Kharim bedeutete seinem Freund, neben ihm Platz zu nehmen.
“Erzähl’, was hast du erreicht?”
Emernelda kam gerade wieder und setzte sich ebenfalls an den Tisch.
“Na na, nicht tuscheln, erzähl … wie war es? … Ich hoffe, du hast keinen Ärger gemacht?”
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Re: Hilfe in Sicht

Beitrag von Sithis » Sonntag 27. Februar 2011, 11:32

Mittlerweile ging eine rapide Veränderung in dem Echsenmann vor. Seine Wut, die bisher immer sein Leben dominiert hatte, war von einem riesigen Flächenbrand zu einem schwelenden Feuerchen heruntergebrannt. War das der Krieg, der ihn so verändert hatte? Eigentlich nicht, denn dann wäre es noch schlimmer als bisher. Oder hatte es etwas damit zu tun, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt hatte? Die Liebe veränderte jedes Gemüt, hieß es. So oder so ähnlich hatte er mal in seinem Dorf bei einigen Gesprächen aufgeschnappt.
Hm... Eigentlich war es nicht so schlimm, wie er dachte. Man hatte ihm oft gesagt, oder hatte es zumindest versucht zu erklären, dass seine Kampfleidenschaft und seine Mordlust eines Tages sein Untergang werden würde, wenn er sich nicht mehr zusammenreißen würde. Bisher hatte er gute Chancen, sein ihm vorbestimmtes Schicksal zu ändern, indem er sich innerlich änderte.

Während er so weiterüberlgte und immer noch auf ein Lebenszeichen hinter der Tür wartete, öffnete sie sich und diese Frau, Emernelda, oder wie sie hieß, öffnete kichernd die Türe. Der alte Sithis hätte darauf etwas mürrisches geantwortet, doch der neue freute sich innerlich darüber, dass sie auf seine Rückkehr gewartet und vorallem das Zeichen nicht vergessen hatte. Ansonsten hätte er Gewalt einsetzen müssen.
Rasch trat er ein, jedoch nicht ohne sich nochmals vorsichtig umzudrehen und aufmerksam auf die Straße zu spähen. Doch zum Glück waren im Moment keine Leute auf der Straße, die ihnen irgendwie gefährlich werden konnten. Emernelda nahm ihm den Umhang wieder ab und trat ebenfalls durch die Türe.

Zu seinem Erstaunen saß Kharim putzmunter am Tisch. Die Wunde, die er sich zugezogen hatte, war immer noch verbunden, anscheinend dauerte die Genesung noch eine Weile. “Ich muss schon sagen, ihr beide habt einen regen Hunger … aber esst nur, ich habe davon genug.” Offenbar wa die Frau überrascht, wieviel Sithis und Kharim verdrücken konnten, doch das war ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens. Zwar wurden Sumpfechsen oftmals für reine Fleischfresser gehalten, sie konnten jedoch beide Arten von Nahrung zu sich nehmen, auch wenn das Fleisch der Hauptbestandteil einer Echsen-Mahlzeit war.
“Setz dich, mein Junge … und greif ordentlich zu, damit du nicht vom Fleisch fällst.” Na na. So schlimm ist es noch nicht, alte Frau. Auch sein Kumpel gab ihm mit einer Geste zu verstehen, dass er sich setzen und zugreifen sollte. Also tat er es einfach und setzte sich neben Kharim. “Erzähl’, was hast du erreicht?”, fragte dieser schon ganz aufgeregt. Also erzählte Sithis, um die Neugier der anderen Echse zu befrieden. "Ich hab ein bisschen beim Ratsgebäude herumgeschnüffelt und mir ein Bild von der jetzigen Situation gemacht. Hab auch einige Wachen gesehen, gerade mal ein halbes Dutzend, es könnten aber noch weitere in der Nähe sein. Wir sollten sie wenn möglich umgehen, damit wir unsere Kräfte für die unvermeidbaren Kämpfe aufsparen können."
Und er erzählte auch, wie er mit Platzangst zu kämpfen hatte, allein schon wegen der schmalen Gassen. Zu seinem Erstaunen wurde er diesmal nicht ausgelacht, da Kharim bestimmt das Gleiche verspüren würde, ihm Städte ebenso fremd waren.
Dann fiel auch Emernelda mit ein: “Na na, nicht tuscheln, erzähl … wie war es? … Ich hoffe, du hast keinen Ärger gemacht?” Da sie offenbar die Echsensprache nicht verstand, was nur die wenigsten Nicht-Echsen konnten, hatte sie die Zischlaute als feines Flüstern fehlinterpretiert. Also sagte Sithis, diesmal auf celcianisch: "Wie es war? Ruhig war es. Es kam zu keinem Kampf und getötet habe ich auch keinen. Und mit Wachen oder dergleichen habe ich mich auch nicht angelegt." Dann fügte er noch hinzu: "Unheimlich diese Ruhe und Gelassenheit da draußen. Die führen sich tatsächlich auf, als wären sie nich im Krieg." Ein Zustand, aus dem wir sie wachrütteln werden, hehe!
Dann wandte er sich nochmals zu Kharim um: "Wann sollen wir aufbrechen? Ich kann diese Stadt nicht mehr lange ertragen." Das Drängen in seiner Stimme war eindeutig. Er wollte seine Aufgabe erledigen und hier wieder raus. Also verlor er keine Zeit und stand auf. "Wir gehen jetzt mal los und treten denen mal ordentlich in den Hintern!" Dann gab er seinem Freund per Geste zu verstehen, dass er ihm folgen sollte. "Auf gehts. Jetzt wird Blut geleckt!" Seine Stimme klang euphorisch.

Er öffnete die Türe einen Spalt und vergewisserte sich erst einmal, dass niemand vor dem Haus herumlungerte und sie sehen konnte. Zu ihrem Glück war niemand mehr auf der Straße und wenn, dann hätten die Personen eine Lichtquelle oder etwas derartiges dabei. "Los jetzt!", sagte Sithis und schon huschten sie los.
Die Straßen und Gassen lagen verwaist da, keine Menschenseele rührte sich hier draußen. Bestimmt lagen die braven Bürger schon in ihren Betten und hofften wohl, dass der Krieg doch noch gewonnen werden konnte. Jämmerliche Narren! Schoss es der Echse durch den Kopf. Immer weiter ging es. Ab und an mussten sie pausieren, da ihnen eine Patrouille der Wache in die Quere kam, doch sie schafften es, ohne Aufsehen zu erregen, das Ratsgebäude bzw. den Platz davor zu erreichen. Überall brannten Fackeln, doch es gab dunkle Zonen dazwischen, sodass ein geübter Schleicher ohne Aufmerksamkeit zu erregen, dort hindurch kam. "Dort." Er deutete auf die Mauer. Mit einer knappen Geste erklärte er, dass sie klettern mussten, um dann auf das Dach zu kommen. Dann liefen sie los, immer im Schatten, da hier und da weitere Wachen herumstanden. Direkt danach waren sie auch schon direkt an der Mauer angelangt.

[Weiter im Ratsgebäude - Blutige Absetzung eines Ratsmitglieds]

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