Der Auftrag

Handwerker, einfache Bürger und der Adel wohnen in kleinen Bezirken und doch teilweise Tür an Tür. Von der windschiefen Hütte bis hin zum schön verzierten Fachwerkhaus oder kleinem Anwesen mit Wasserspeiern aus Marmor ist hier alles zu finden.
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Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 19. Mai 2010, 10:38

Luzien und seine Begleiter kommen von: Die Straßen Pelgars


Der Jäger wurde durch die engen Gassen und Gässchen geführt bis zu einem Haus, das so verfallen und verlassen war wie all die anderen. Wie der Herr es erkannte, dass es das Richtige war, wusste vermutlich nur er selbst, denn nicht einmal der Hüne hätte es gekonnt.
Ohne zu zögern, öffnete der Herr die Tür, die erstaunlich leise aufging, denn die Schnarniere waren frisch geölt. Immerhin hatte er sich auf alles vorbereitet.
Der Weg ging weiter hinauf in den zweiten Stock, wenngleich hier die Stufen nicht mit Staub bedeckt waren, aber trotzdem knarrten.
Es ging bis zu einem Raum, der für den Herren nicht mehr als eine Kammer, obwohl es vermutlich das größte Zimmer im gesamten Haus war.
Dort entzündete er eine Kerze, die nur notdürftig für Licht sorgte.
Dann ließ er sich auf dem einzigen Stuhl in diesen vier Wänden nieder, noch die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Donnerstag 20. Mai 2010, 15:15

Es schien so, als fühlte der Mensch sich durch Luziens Worte beleidigt. Gut. Auch wenn es nicht gerecht war, aber in nächster Zukunft würde er seine Wut auf sich selbst an allem und jeden auslassen, der es auch nur annähernd verdient. Und ein dummer Riese gehörte ganz eindeutig genau in dieses Schema, vor allem wenn er sich anmaßt ihn, ein Wesen soviel höher als ein dreckiger Mensch jemals aufsteigen konnte, herumkommandieren zu können.
Luzien neigte den Kopf leicht zur Seite, als der Hüne sich nicht bewegte, eine Angewohnheit die unterbewusst immer stattfand, wenn der Nachtelf etwas merkwürdiges betrachtete. Ohja, dieser Mensch hatte eine Mordswut in sich, dass konnte man in jeder Faser seines Körpers ablesen. An dem Gesichtsausdruck, an der Haltung, daran das er nach dem Griff seiner Waffe langte. Instinktiv trat Luzien einen Schritt zurück und stellte sich seitlich zu dem Menschen. Für den Fall das eine Konfrontation bevor stand, wollte er sicher gehen, der ersten Attacke des Riesen ausweichen zu können. Da trat aber bereits eine lachend andere, dunkle gestallt aus dem Schatten. Zwar konnte der Nachtelf das Gesicht der anderen Person nicht erkennen, aber etwas sagte ihm, dass der Fremde wohl der Herr des Hünen war. Der neue sprach Lerium und die Stimme klang so, als war sie es gewohnt andere herumzukommandieren. Noch so ein überheblicher Wichtigtuer. Die Worte des Mannes rangen Luzien nur ein müdes Lächeln ab, was natürlich aufgrund seines Schals, den er im Gesicht trug, niemand sehen konnte.
„Tut mir wirklich Leid, dich einen Diener genannt zu haben,“ flüsterte er leise in Richtung des Kriegers, ohne dem Verhüllten auch nur Beachtung zu schenken. „Ich meine natürlich Schosshund!“ Denn nichts anderes war der große Mensch. Wer so unter der Knute seines Herren stand, war entweder besonders Diszipliniert oder vollkommen Devot.
Der Mann mit dem Kapuzenmantel wandte sich ab und ging die Gasse entlang. Luzien folgte ihm mit etwas abstand. Dabei blieb der Riese die ganze zeit neben ihm, was den Nachtelfen ein wenig nervös machte. Die stillen, folgsamen, waren immer diejenigen, welche man nicht durchschauen konnte und von denen man nie wusste, wann sie einmal selbstständig handeln.
Je weiter es durch die schwarze Stadt ging, desto schäbiger und dreckiger wurde es. Luzien konnte sich nicht vorstellen, das es wirklich Menschen gab die freiwillig hier lebten. Vollkommen willkürlich, wie es für Luzien schien, blieb der Herr vor einem Haus stehen und betrat dieses. Natürlich folgte Luzien ohne zu zögern in die verlassene Hütte. Düster und staubig war es hier drinnen. Die Luft schmeckte muffig und alt, so als wäre dieses Gebäude schon längere Zeit nicht mehr bewohnt. Der Verhüllte trat die Stufen bis in den zweiten Stock hoch. Auch wenn die Treppe selbst staubfrei war, so trat das nicht auf das Geländer zu, weswegen Luzien es nicht berühren wollte. Schließlich ging es in eine Kammer, in der sich der Schatten hinsetzte, nachdem er für etwas Licht gesorgt hatte. Den Nachtelfen störte die Kerze durchaus, denn ihr dämmriges Licht brachte für ihn weniger als die Dunkelheit. Trotzdem war es noch um Welten besser als das Sonnenlicht.
Er blieb in der nähe der Tür stehen. Noch immer verhüllte sein Nachtelfenumhang seinen gesamten Körper. "Sag mir endlich was ich wissen muss, damit ich meinen Auftrag endlich beenden kann! Ich habe heute einen wirklich miesen tag, also solltest du nicht auf die Idee kommen, irgendwelche Spielchen mit mir zu spielen."
Der Mann konnte die Drohung ernst nehmen oder nicht, doch wenn Luzien nicht schnell zu hören bekam, was er brauchte, würde die Sache übel für den Informanten enden. Zumindest Übeler ....

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. Mai 2010, 13:18

Als der Mann saß und sich obendrein sicher war, dass die Augen des Jägers sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt hatte, griff er mit einer geschmeidigen Bewegung nach dem Rand seiner Kapuze. Er zog sie langsam zurück und das aus einem einfachen Grunde.
Diese Person vor ihm sollte den Auftrag ausführen, den er mit den Kommandanten der Dunklen Armee ausgemacht hatte. Und dadurch war es auch wichtig, dass er wusste, wie er aussah, um nicht aus Unwissenheit ihm zu nahe zu kommen. Das wäre nicht gesund und würden obendrein genau sein Vorhaben gefährden.
Damit sich der Jäger also sein Gesicht gut einprägen konnte, schob er jetzt schon die Kapuze von seinem Kopf, sodass das Kerzenlicht sein Antlitz beleuchten konnte.

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Bei den Worten der Gestalt musste Montgomerus schmunzeln und warf einen flüchtigen Blick über dessen Schulter hinweg zu seinem Leibwächter.
Dann sah er wieder zu dem Jäger. "Nun, das ist bedauerlich, dass du einen miesen Tag hattest. Allerdings sollte dich das nicht davon abhalten, dich an die Höflichkeitsformen der Gesellschaft zu erinnern. Es wäre schließlich wirklich äußerst schade, würde alles heraus kommen, weil du dich zu vertraut mir gegenüber gibst.", bemerkte er mit einer Stimme, die verriet, dass er zwar leicht amüsiert darüber war, jedoch auch sich so etwas nicht gefallen lassen würde.
Er ließ diese Worte für wenige Sekunden wirken, ehe er ernst wurde und ebenfalls zum geschäftlichen Teil kommen würde.
"Im Prinzip ist alles recht simpel für dich, auch wenn du dich hüten solltest, innerhalb dieser Stadt in Gegenwart anderer Lerium zu sprechen." Montgomerus holte noch einmal Luft, bevor er mit seinen Ausführungen fortfuhr:"Also, zu dem, weswegen du geschickt wurdest. Bei uns ist zur Zeit ein Posten der Wache,... nun, sagen wir, frei geworden. Du wirst diesen übernehmen. Heute Nacht gibt es in etwa einer Stunde eine kleine Sitzung von mir und meinen beiden... Kollegen. Einer wird zuerst das Ratsgebäude verlassen, ihn lässt du ziehen. Der andere jedoch... Nun, ich werde dafür sorgen, dass er alleine in einem Raum ist und keine Wache dich stören wird. Ich erwarte Diskretion und Schnelligkeit sowie Geschick, sonst sehe ich mich gezwungen, dich auszuliefern. Noch Fragen?" Dies war die knappe Zusammenfassung in seinen Augen.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Freitag 21. Mai 2010, 16:41

Der rechte Arm suchte den Spalt im Umhang und glitt aus diesem Heraus, um die eigene Kapuze etwas tiefer ins Gesicht zu ziehen. Gleichzeitig nahm der Mensch die Seine ab. Ein typisches Menschengesicht. Faltig, uneben, arrogant. Der Informant wurde auf einen Schlag vollkommen unsympathisch. Im Grunde also wie alle anderen Menschen auch ...
Irgendwie wunderte sich Luzien sofort darüber, dass der Mann sein Gesicht offen zeigte. Ein feiger Verräter legte sonst immer möglichst viel daran, von niemanden erkant zu werden, doch Montgomerus verstieß ganz absichtlich gegen diese Regel. Wieso er wohl dieses Risiko einging? Sollte der Nachtelfenmeuchler scheitern und gefangen genommen werden, so könnte er nun das Gesicht seines Spitzels bis ins kleinste Detail beschreiben und diesen so mit in den Abgrund ziehen. Und eins war sicher: Sollte der Fall eintreten, so würde Luzien es tun!
Endlich erklärte der Mensch, wie das Attentat ablaufen sollte. Ein stümperhaftes Unterfangen, dass wirklich nur deshalb erfolgreich sein konnte, weil Montgomerus wohl selbst ein Ratsherr war. Anders war es nicht zu erklären. Und sein Gesicht hatte der elende Bastard auch nur gezeigt, damit Luzien wusste, wen er auf keinen Fall anzugreifen hatte. Feiges Pack. Feige und machtgeil! Zwar wollte der Nachtelf nicht zu viel interpretieren, doch für ihn klang es so, als hätte der Verräter sich nur mit den Dunkelelfen verbündet, damit diese einen seiner Konkurrenten ausschalten. Alles eine Farce, die nicht mehr war als ein abstruses Ränkespiel.
„Meinetwegen, mir ist es gleich. Ein schlechter Plan ist wie der andere.“ Luzien sprach absichtlich nicht mehr in Lerium. Zum einen tat er so, als würde er die Worte des Mannes, wirklich ernst nehmen, zum anderen sollte der Diener mithören. „Was ist danach? Ich will alle Details des gesamten Auftrag bis zu dessen Beendigung wissen! Mein Befehl lautet, einen Beweis für den Mord ins Lager der Dunkelelfen zu bringen. Mir wurde nicht gesagt, dass ich auch noch einmal zu dir kommen soll, Mensch. Und wo sind die Kleider und die Waffen, die ich als ’Wache’ tragen soll?“
Beiläufig warf Luzien einen Blick über seine Schulter, um den Riesen kurz zu Mustern, der hinter ihm Stellung bezogen hatte. „Außerdem benötige ich einen Honigtopf, und zwar einen vollen, der sich in dem Raum befinden muss, in dem die Tat stattfinden soll. Das ist meine einzige Bedingung. Der Topf sollte so groß sein, dass Giganto hier seinen Kopf rein stecken kann.“

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Samstag 22. Mai 2010, 12:11

Montgomerus war mit sich und der derzeitigen Situation zufrieden und das sah man ihm auch an.
Er hielt seinen Plan für genial, eben weil er derart simpel und trotzdem so erfolgversprechend war. Er allein hatte ihn ausgetüftelt und die Kommandanten, mit denen er im Kontakt stand, hatten ihm freie Hand gelassen, versprochen, ihm Jäger für die Ausführung zu schicken. Und so einen hatte er nun vor sich.
Allerdings hätte er es lieber gehabt, wenn seine beiden Kollegen gleichzeitig beseitigt worden wären, aber das wäre bedauerlicherweise zu auffällig gewesen, vor allem wenn es an ein und demselben Ort geschehen wäre.
Natürlich würde früher oder später herauskommen, dass er mit den Dunkelelfen zusammen arbeitete, sonst könnte er schließlich auch nicht die Macht in Pelgar übernehmen. Jedoch bis dahin würde er schon dafür sorgen, dass Bewohner der Hauptstadt erkennen würden, dass dies und wirklich nur dies die einzige Lösung sein würde. Und dann hätte er noch mehr Macht und könnte endlich so schalten und walten, wie er es wollte. Was war er nur für ein Genie!
Geduld, lediglich Geduld würde er noch ein klein wenig aufbringen müssen, dann wäre es geschafft.
Die Stimme des Jägers holte ihn aus seinen Machtphantasien zurück. Flüchtig runzelte er die Stirn, als er auf einmal kein Lerium mehr zu hören bekam, doch ihm war es auch so recht.
Einerseits könnte dadurch niemand mehr allein durch den Klang der Worte aufmerksam werden, und andererseits war selbst ihm Celcianisch geläufiger, sodass er sich besser auszudrücken wusste.
Allerdings fühlte er sich gerade leicht pikiert. Ein schlechter Plan?! Dieser Kerl wusste eindeutig nichts zu würdigen! Er sank gerade deutlich in Montgomerus' Wertschätzung und einen Moment lang spielte er sogar mit dem Gedanken, ihn beseitigen zu lassen und einen anderen zu fordern.
Jedoch hätte das nur unnötige Zeit vergeudet, die er nicht hatte und nicht mehr haben wollte. Nur deswegen sagte er dazu nichts, sondern schluckte seine aufkeimende Empörung herunter.
Diesem Jäger fehlte eindeutig der Respekt! Zu gerne hätte er seinem Leibwächter einen Wink gegeben, ihm diesen beizubringen, aber auch das musste leider bis nachher warten, wenn es überhaupt je geschah.
"Danach?", kam es leicht beleidigt von ihm.
Was für ein Einfaltspinsel! Als ob er sich darum scheren würde, was danach geschah! Abgesehen davon, dass es für ihn unumgänglich war, dass sein Gegenüber nach Ausführung des Mordes verschwand, war er viel zu selbstsicher, als dass er in seinem Wissen eine Gefahr geglaubt hätte. Wer würde ihm, einem Auftragsmörder schon etwas abnehmen, wenn das Wort eines Mitglieds des Hohen Rates dagegen stand?! Hier in Pelgar gewiss niemand!
Außerdem begann er sich zu ärgern, dass er noch immer gedutzt wurde.
Dementsprechend frostiger wurde seine Miene wie seine Stimme. "Danach hast du zu verschwinden und zwar gründlich! Ich will dich nicht mehr sehen, sofern ich nicht wieder deine Dienste benötige! Was die Kleider anbelangt, wirst du nachher erhalten. Ich erwarte sie neben der Leiche zu finden!" Denn nur so könnte er dann auch im Nachhinein die Schuld auf einen der Wachmänner schieben, an den sich zufällig keiner erinnern konnte.
Und schon gar nicht daran, wer ihn eingestellt hatte... wenn nicht der Ermordete es sogar selbst bedauerlicherweise getan hatte. Das kam dann ganz auf die Entwicklung an.
Kurz daraufhin jedoch blinzelte Montgomerus verdutzt. "Einen Topf Honig? Wozu denn das?", kam es über seine Lippen.
Denn er hatte so etwas bisher nie gehört und konnte sich auch absolut nicht vorstellen, was der Jäger mit so etwas würde anfangen wollen. Noch dazu, wo es schwer zu besorgen war um diese Uhrzeit, in dieser Größe und das obendrein auch noch unauffällig!
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Samstag 22. Mai 2010, 18:20

Mit der Zunge schnalzend, lies Luzien den Kopf sinken. Es machte keinen Sinn mit einem Menschen zu diskutieren, zu diesem Schluss war der Nachtelf bereits vor langer Zeit gekommen, sogar noch lange bevor er selbst Soldat geworden war. Ein Mensch beharrte in seiner Überzeugung stets auf seine eigenen Argumente, schließlich waren seine Denkvorgänge die einzig logischen, die einzig schlüssigen. Andere hatten für die Genialität eines einzelnen dieses ungezieferartigen Volkes einfach kein Verständnis. Lachhaft, einfach lachhaft. Aber wozu den grenzenlosen, selbstherrlichen Stolz eines Menschen angreifen, wo dies das einzige an ihrer Gattung war, dass man nicht zerstören konnte?
„Du bist doch ein mächtiger Mann, in dieser Stadt oder?“ fragte der Jäger ernst und ohne hohn in der Stimme. „Als mächtiger Mann, mit vielen Verbindungen und Ressourcen, hättest du es dir selbst viel leichter machen können. Ich schalte einen Ratsherren aus, wieviele verbleiben dann noch? Da draußen auf den Straßen herrscht Chaos. Ein mächtiger Mann hätte die Gunst der Stunde ergriffen. Glaube mir einfach, wenn ich dir sage das dein Plan schlecht durchdacht ist. Du kannst darauf vertrauen, dass ich mein Handwerk bestens beherrsche. Nun wirst du ein Knecht der Dunkelelfen werden, sobald die Stadt gefallen ist, auch wenn du nach außen als Herrscher wirken wirst. Würde dir jedoch ...“
Der Nachtelf brach im Satz ab und hob das Gesicht wieder. Dann deutete er eine Verbeugung an. „Es tut mir Leid, ich bin zu weit gegangen.“ Fast hätte Luzien versucht, Montgomerus einen Plan darzulegen, nit dessen Hilfe er herrschen würde selbst wenn die dunkle Armee aller Erwartungen zum Trotz in die Flucht geschlagen würde. Aber diesem Schnösel wollte er nicht helfen. Eigentlich wollte er niemanden helfen! Er wollte draußen vor der Stadt sitzen und warten bis alles vorbei war, um in den Leichenbergen nach seiner Kopfprämie zu suchen und diese dann so gut wie möglich zurück ins Reich zu bringen. Das verfluchte Schicksal hatte damit wohl ein Problem gehabt. Er schluckte schwer und die linke Hand, die noch immer den Griff des Dolches umklammert hatte, verkrampfte sich leicht. „Ich habe verstanden. Glaubt mir, ihr werdet mich nie wieder sehen, wenn ich es vermeiden kann.“ ER würde den Ratsherren bestimmt noch mindestens einmal sehen. Das musste der Mensch aber jetzt noch nicht wissen. „Vertraut mir einfach darauf, dass ich den Topf benötige. Ich will die ganze Angelegenheit so professionell wie möglich über die Bühne bringen. Da ich wahrscheinlich damit richtig liege, dass ihr von den erweiterten Techniken eines Meuchlers nicht viel versteht, will ich euch nicht mit Einzelheiten langweilen, die darüber hinaus durchaus ekelerregend für sanfte Gemüter sind. Es dürfte für euren Begleiter nicht schwierig sein, einen zu organisieren. Jeder Zuckerbäcker hat mindestens ein duzend in seinen Räumlichkeiten und wenn während des Chaos eines dieser Etablissements aufgebrochen und dabei sehr lange haltbare Nahrung geplündert wird, dürfte es niemanden wirklich überraschen. Solltet ihr damit ein Problem haben, so sagt es mir jetzt und ohne lange vorrede, damit ich mich noch selber darum kümmern kann! Ach und wo wir bei Professionell sind, gibt es Indizien, die den Mann als Ratsherren auszeichnen? Einen Siegelring oder dergleichen?“

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Montag 24. Mai 2010, 17:36

Montgomerus' Stirn legte sich in immer tiefere Furchen bei den Worten des Jägers.
Bitte?! Dieser Typ verstand aber auch gar nichts, absolut rein gar nichts! Er ließ einen seiner Kollegen ausschalten und der andere würde ihm bald folgen, da sie sich geweigert hatten, einzusehen, dass es klüger wäre, mit der Dunklen Armee zusammen zu arbeiten.
Ja, auf den Straßen herrschte Chaos und es wäre wirklich leichter gewesen, beide Männer dadurch ausschalten zu lassen. Jedoch was hätte ihm das genützt? Er hätte trotzdem keinen Rückhalt gehabt und seine Position verloren, kaum, dass die Stadt erstürmt worden wäre!
So hingegen war er auf der sicheren Seite und würde bestimmt kein Knecht werden. Nein, Montgomerus war der festen Überzeugung, dass er alles bestens gemacht und sich den Weg zu seiner Macht erfolgreich geebnet hatte. Dass die Dunkelelfen ihn verraten würden, damit rechnete er in seiner Selbstüberschätzung naturgemäß überhaupt nicht.
Zu der Entschuldigung hingegen schnaubte er nur abfällig, als Zeichen, dass er es gehört hatte.
Ob er es auch annehmen würde, war eine vollkommen andere Geschichte. Immerhin brauchte er vorerst diesen Kerl noch und bis sein Kollege nicht getötet worden war, würde er ihn auch nicht verraten, dass er im Prinzip gegen die Dunkle Armee gewettert hatte. Was danach allerdings geschah... Nun, das würde die Zeit ohnehin von alleine zeigen.
Die Stirn des Ratsherren hatte sich wieder geglättet und er nickte.
Gut, der andere hatte ihn also tatsächlich verstanden. Natürlich wollte er diesen nicht wieder sehen, sofern es nicht als brauchbar sich erweisen würde. Schließlich war ein verlässlicher Jäger, der obendrein auch noch sein Handwerk verstand, ein unermesslicher Schatz in den richtigen Händen. Und Montgomerus war sich mehr als sicher, dass er zu dieser Kategorie gehörte.
Er wollte schon Luft holen, um darauf zu bestehen, dass ihm gesagt wurde, wozu Honig gebraucht werde, als der Jäger ihm nicht sofort Auskunft gab. Aber er hielt sich zurück, da auch ihm langsam der Gedanke kam, dass ihm dieses Wissen nicht gefallen könnte. So vollkommen ohne Skrupel war er nicht, denn die Nähe von oder gar Vorstellungskraft gegenüber Leichen vermied er gerne, da sie ihn ekelten. Da war es wohl wirklich ausnahmsweise besser, wenn er seine Genauigkeit über jegliche Beweggründe dieses Mal etwas einschränkte.
Schlussendlich seufzte er theatralisch und erhob sich. "Es ist alles zwischen uns geklärt. Ich werde den Topf bereitstellen lassen. Kleidung erhältst du und auch eine Beschreibung, wie dieser Mann aussieht, den du zu töten hast. Eine Verwechslung wird kaum stattfinden, da du in der Nähe des Raumes positioniert wirst, in dem es geschehen soll. Ich werde mit ihm das Zimmer betreten und alleine wieder heraus kommen. Sobald ich dir ein leichtes Nicken schenke, weißt du, dass es los geht. Somit sollten keine Fragen mehr offen sein. Mein Begleiter weiß über alles Bescheid, in etwa zwei Stunden ist es soweit."
Dann würde der Jäger in das Ratsgebäude eingeschleust werden.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Dienstag 25. Mai 2010, 14:38

Na endlich, zumindest zeigte Heute einer etwas Einsicht! Es war wohl besser, dass der Verräter Montgomerus sich nicht nach dem Sinn des Honigtopfes erkundigt hatte. Ohne Frage würde er es noch früh genug heraus finden. Doch die Zeit dafür war noch nicht gekommen. Einstweilen benötigte der Nachtelf einen Verbündeten in der Stadt und diesen Auftrag auszuführen war leider immer noch der leichteste und vor allem schnellste Weg. Und auch nach Luziens Meinung, war jetzt fast alles geklärt, auch wenn er noch immer nicht wusste, ob es bestimmte Merkmale wie einen Ring oder ein Amulett gab, die den Menschen als Ratsherren auszeichnen. „Wie ich bereits sagte, muss ich der dunklen Armee einen Beweis für den Erfolg meiner Mission aushändigen. Folglich muss ich etwas mitbringen, dass dem Ratsherren gehört und anhand dessen man ihn als eben jenen erkennt. Ich meine, ich könnte seinen Kopf mitnehmen, aber dann glaubt wiederum euch niemand, dass der Kadaver eurem Konkurrenten gehört.“
Der Kopfjäger räusperte sich leise. Auch wenn der Mensch sich nicht wirklich durch hervorstechende Intelligenz ehrte, so hielt er ihn doch für klug genug, um diese pikante Situation zu verstehen. Ebenso wie die Andeutung, dass Luzien im Notfall den Kopf des Toten mitnehmen würde. Sein Leben bedeutete dem Nachtelfen mehr, als dass er sich darüber Gedanken machen würde, wie Montgomerus die Sache erklären müsste.
Ein zweites mal fuhr der rechte Arm durch den Spalt im Umhang, dieses mal jedoch, um sich das Mundtuch aus dem Gesicht zu ziehen. Der Mund war nun zu sehen, auch wenn alles ab der Nase noch im Schatten der Kapuze lag. Die Lippen waren zu einem leicht höhnisches Lächeln geformt. „Ich denke wir verstehen uns. Ihr werdet euch schon etwas einfallen lassen, damit wir beide mit dem Toten glücklich werden.“
Ohne auf eine Entgegnung des Mannes zu warten, machte Luzien auf dem Absatz kehrt und ging folgte der Treppe wieder nach unten ins Erdgeschoss. Zwei Stunden. Das war eine Menge Zeit. Das Ratsgebäude zu finden, würde sicherlich nicht allzu schwer werden. Viel wichtig war es, einen guten Fluchtweg zu finden, um die Stadt auch schnell wieder verlassen zu können, nachdem das Blut des Ratsherren an seinen Fingern klebte. Mit einem Fußtritt öffnete der Nachtelf die Eingangstür und trat hinaus auf die nachtdunkle Straße. Der Mond stand hoch und fast rund am Firmament, doch die vielen dunklen Wolken erlaubten es ihm immer nur kurz, sein Licht auf die Stadt zu werfen. Perfekte Vorraussetzungen.

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Dienstag 25. Mai 2010, 15:44

Montgomerus wollte schon die Anweisung an seinen Leibwächter geben, dass er sich nun zurück ziehen und dieser den Jäger... begleiten sollte bis zu dem Moment, wo es los gehen sollte, als er diese Worte hörte.
Er verharrte und hob flüchtig die Augenbrauen an.
Ein Beweis? Würde sein Wort denn nicht genügen, sodass er das Zettelchen unterzeichnete, auf dem der Code stand?
Leise seufzte er und nickte schließlich nach kurzem Zögern. "Er hat sein Siegel immer bei sich, trägt es unter seinem Hemd an einer Kette. Niemals würde er es aus der Hand geben, es hat eine spezielle Gravur, dass es wirklich sein Eigentum ist und nur in die Finger eines anderen gelangen kann, wenn er so gut wie tot wäre oder schon ist. Das sollte als Beweis genügen.", erwiderte er.
Zwar war ihm das nicht sonderlich recht, vor allem, wenn dieser Diebstahl bemerkt werden würde. Aber was sollte er sonst tun? Es stimmte, würde der Kopf fehlen,... obwohl!
"Doch, du könntest eventuell sein Haupt mit nehmen, wenn du diese Gelegenheit hast. Es gibt gewisse... körperliche Merkmale, die auch den anderen bekannt sind, anhand derer wir ihn identifizieren könnten. Zur Not also das Siegel, wenngleich besser der Kopf wäre.", bestimmte er und nickte erneut, diesmal allerdings sich selbst zu, da er zufrieden mit seinem Einfall war.
Umso verblüffter war er, als der Jäger plötzlich kehrt machte und einfach so verschwand. Montgomerus starrte mit leicht geöffnetem Mund auf die Stelle, wo der andere zuvor noch gestanden hatte.
Während sein Leibwächter schneller reagieren konnte, immerhin war er auf so etwas geschult worden. Schwungvoll wirbelte er herum und eilte ihm hinterher.
Montgomerus hingegen schüttelte den Kopf, als er seine Überraschung verdaut hatte, und schlug die Kapuze wieder hoch.
Was für ein törichter Jäger! Er hatte ihm zuvor gerade erst erklärt, dass er alle Instruktionen noch erhalten würde, genauso wie die Kleidung. Das hieß jedoch bei weitem nicht, dass er einfach würde abhauen können!
"Unzuverlässiges Pack!", brummte er unverständlich, löschte die Kerze und machte sich daran, das Haus ungesehen durch den Hinterausgang zu verlassen.
Schließlich hatte er im Prinzip alles erwähnt und geklärt, war also nicht länger vonnöten. Da war es besser, er verschwand, bevor seine Abwesenheit einem seiner Kollegen auffallen könnte.

Indessen hatte auch der Hüne den Hauptausgang erreicht, sah vor sich auf der Straße den Jäger stehen und packte diesen kurzerhand im Kragen.
"Du warst noch nicht entlassen!", krächzte er grollend und schüttelte den anderen leicht durch, ohne, dass dieser aus seinem Umhang gerutscht und dadurch entkommen wäre. "Ich muss dir noch ein paar Dinge zeigen.", fügte er murrend hinzu, selbst nicht gerade begeistert darüber, da ihm der Jäger unsympathisch war.
Trotzdem ließ er diesen jetzt los, wenngleich nur so, dass er jederzeit wieder würde zupacken können, sollte der andere erneut versuchen, davon zu laufen.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Dienstag 25. Mai 2010, 20:57

Montgomerus sagte noch etwas. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Luzien sich bereits abgewandt gehabt, so dass er nur einen Bruchteil davon hörte. Etwas von wegen eines Siegels. Und dann noch etwas wie ’er solle den Kopf mitnehmen’. Natürlich hatte er daraufhin nur leise geschnaubt. Einfallspinsel! Zu einem solch fortgeschrittenen Punkt änderte man einen Plan nicht mehr und sei er auch noch so schlecht. Aber das war nicht das Problem des Nachtelfen. Köpfen? War ohnehin vorgesehen gewesen. Schon alleine wegen den ganzen Nekromanten in den Reihen der dunklen Brut.
Luzien holte tief Luft und atmete die kühle Nachtluft mit vollen Zügen ein. Der typische Geruch einer menschlichen Großstadt verunreinigte natürlich den Wohlgeruch, aber im vergleich zu der staubigen, abgetragenen Luft dort drinnen, war das Bukett einfach himmlisch. Der Soldat hasste solche Orte. Verlassene Gebäude, alte Anwesen, solche Orte mied er für gewöhnlich. Für ihn musste ein Haus bewohnt sein, damit er sich auch nur annähernd wohl fühlen konnte.
Grade als Luzien sich auf machte, um sich die Stadt und vor allem die Dächer genauer anzusehen, ergriff jemand ihn von hinten am Kragen. Sofort riss er sich mit der linken den Dolch aus dem Gürtel und stieß diesen durch den Spalt in seinem Umhang, während der Angreifer ihn durchschüttelte. Grade als Luzien dazu ansetzte mit seiner Waffe zuzustoßen, sagte der Mann etwas und Luzien erkannte die röchelnde Stimme des Hünen. Als dieser ihn endlich wieder los lies, schlug der Nachtelf sofort den Arm des Menschen beiseite, machte einen Schritt zurück und reckte dem Riesen seinen Dolch entgegen. Er war also noch nicht entlassen!? Was viel diesem Straßenköter eigentlich ein? „Solltest du auch nur noch einmal daran denken, mich erneut anzufassen, werde ich das beenden, was ein andere angefangen hat!“ Dabei deutete er mit seinem Dolch auf die Narbe, die sich über den Kehlkopf des Hünen zog. „Sag was du zu sagen hast und dann scher dich fort! Mit degenerierten Straßenkötern habe ich nichts zu schaffen!“
Obgleich der Mensch viel größer und stärker war, viel Luzien im Traum nicht ein, vor ihm zu kuschen. Er steckte sogar seinen Dolch wieder in eine mittlere Lage des Wickelgürtels, obgleich er weiterhin die linke Hand am Griff lies. Der rechte Handschuh knirschte leise, als sie sich die Finger zur Faust formten und sich das Leder unter den Edelsteinscheiben spannte.
„Warum braucht dein Herr eigentlich einen Fremden? Zu einem einfachen Mord wirst du doch ebenso gut in der Lage sein. Wo wirst du dich aufhalten, während ich die Drecksarbeit für den Verräter erledige?“
Selbst im vergleich zu seiner normalen Flüsterstimme, war Luzien dieses mal sehr leise und kaum zu hören. Zum einen, weil er sich nicht mehr durch Mauern vor fremden Ohren geschützt wusste, zum anderen weil sein Blut kochte. Und je aggressiver er war, desto leiser wurde er auch...

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 27. Mai 2010, 17:47

Der Mann hob seine Augenbrauen an und es war nicht eindeutig zu erkennen, ob das etwas belustigt war bei der heftigen Reaktion oder eher missbilligend, weil sein Arm weggeschlagen wurde. Den Dolch mit der Spitze in seine Richtung hatte er durch den verbergenden Umhang noch nicht bemerkt.
Erst, als sich sein Gegenüber nun umdrehte und offen mit der Waffe auf ihn zeigte, ließ er ein leises Grollen erklingen, dass durch seinen rauen Klang einiges von seiner Tiefe verlor.
Betont auffällig legte er seine Hände auf seine eigenen Waffengriffe.
Die Worte ließen erneut diesen Laut in seiner Kehle entstehen und über seine Lippen dringen.
Am liebsten würde er darauf sofort eingehen und diesem Möchtegern Kontrahent zeigen, was ein echter, gut ausgebildeter Kämpfer so alles drauf hatte! Ein Jäger griff aus dem Hinterhalt an und morderte von hinten. Er hingegen war darauf getrimmt worden, auch von vorne sich zu verteidigen. Dementsprechend hielt der Hüne sich auch für den Besseren, den sicheren Gewinner.
Und es hätte nicht viel gefehlt, dann hätte er das tatsächlich getan, egal, für was dieser Kerl noch gebraucht wurde oder nicht. Er hätte sogar eine bittere, harte Strafe von seinem Herren in Kauf genommen, wäre da nicht noch ein letzter Funken Vernunft in seinem Bewusstsein geblieben.
Der Mann hatte leichte Probleme damit, jedes Wort seines Gegenübers zu verstehen. Aber ihm reichte die Körpersprache und auch die Fetzen der letzten Bemerkung, die seine Ohren aufschnappen konnten.
Sein Gesicht verfinsterte sich merklich. "Du Dreckskerl hast keine Ahnung von den Regeln hier. Halt besser dein Maul oder ich werde es dir noch stopfen. Wo ich sein werde, willst du wissen?" Er stieß ein kaltes, krächzendes, kurzes Lachen aus. "Das geht dich einen Scheiß an." Weiterhin finster starrte er den anderen an. "Du solltest lernen, zu zuhören. Ich soll dir Kleidung beschaffen und zeigen, wo du hingehörst. Läufst du vor mir weg, werde ich dich einfangen und dir zeigen, was mit denen passiert, die sich vor einem Auftrag meines Herren drücken wollen.", drohte er und es waren keinesfalls leere Worte.
Denn einen anderen Grund konnte er sich nicht dafür vorstellen, dass der Jäger so plötzlich versucht hatte zu verschwinden, und so etwas wurde selbstverständlich hart bestraft. Vermutlich hatte er inzwischen doch Angst davor bekommen, ein Mitglied des Hohen Rates auszuschalten. Elendes, feiges Pack!
Ja, er hätte wirklich besser diesen Auftrag ausführen sollen. Das Problem dabei war nur, dass sein Gesicht bekannt war und es schwieriger werden könnte, wenn er diesen Mord beging.
Von daher war die Vorsicht eindeutig besser und obendrein war der Jäger von der Dunklen Armee geschickt worden.
Warum also sollte er sich selbst die Hände schmutzig machen? Zumindest hatte es ihm so sein Herr erklärt und sich nicht weiter dazu ausgelassen, warum er das nicht für ihn erledigen sollte. Es interessierte ihn auch nicht sonderlich, sodass er das Thema auf sich hatte beruhen lassen.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Freitag 28. Mai 2010, 15:00

Am liebsten hätte Luzien den Hünen hier und jetzt die Kehle zerfetzt und den röchelnden Riesen dann im Dreck zum krepieren zurück gelassen, auf das es sich in die Länge ziehen und unerträglich werden würde. Solche Leute wie den Hünen kannte der Nachtelf gut. Ein einfachgestrickter Narr, der denkt aufgrund von Stärke und ein paar zu einfachen Siegen ein unbezwingbarer Krieger zu sein. In seiner Zeit bei der gewöhnlichen Stadtwache hatte Luzien es genossen, solchen Idioten Manieren beizubringen. Eine fehlende Hand, ein lahmes Bein, eine Gehirnerschütterung oder eine Nacht bewusstlos im Rinnstein, das waren die besten Lehrmeister für solche wie den Leibwächter. Dummerweise konnte er sich einen solchen Luxus nicht leisten. Schließlich hatte er keine Ahnung, ob der Riese später noch erwartet werden würde. Mit dessen Herren konnte er es sich einfach noch nicht verscherzen.
Trotzdem ... Dem zurückgebliebenen Diener eine Lektion zu erteilen, wurde von Herzschlag zu Herzschlag verlockender. Eine große Herausforderung war ein einzelner Mensch nie. Schon alleine, weil ihnen die Lebensspanne fehlte, um wirklich kämpfen zu lernen. Er selbst war seit fast 30 Jahren Soldat und wurde ebenso lange im Kampf geschult. Der Hüne möchte vielleicht grade mal etwas mehr als dreißig Zyklen zählen. Aus dem selben Grund war Pelgar auch dem Untergang verdammt. Die Dunkelelfen lernten bestimmt schon Jahrzehnte lang das Töten, während die meisten Verteidiger wohl grade mal so was wie eine Grundausbildung absolviert hatten.
Respektlos spuckte Luzien dem Menschen vor die Füße. „Zeig mir einfach den Weg Missgeburt. Ich bin diesem absurden Disput mit dir Müde.“ Wozu sich mit einem Kleingeist unterhalten. Als ob er ein Kindermädchen bräuchte ... Wo das verdammte Ratsgebäude war, wusste der Nachtelf ganz genau, die Kleider einer Stadtwache konnte man sich auf mehr als nur einen Weg beschaffen. Und überhaupt, wenn er wirklich vorgehabt hätte wegzulaufen, würde er dem schwerfälligen Menschen bestimmt keine Chance geben, ihn einzufangen.
Mit einem leichten Ruck warf der Nachtelf sich wieder den Umhang nach vorne, so dass er wie zuvor komplett verhüllt war. „Beweg dich. Sonst muss ICH dir vielleicht mal das neue Regelwerk in dieser Stadt näher bringen. Regeln magst du ja, nicht wahr?“

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Freitag 28. Mai 2010, 18:21

Wie unter einem Peitschenhieb fuhr der massige Kerl zusammen, als ihm einfach so vor die Füße gespuckt wurde.
Seine Hände schlossen sich derart fest um die Griffe seiner Waffen, dass die Knöchel weiß hervortraten, als wollen sie die Haut um sie herum gleich zerreißen.
Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein?!
Dem Hünen erging es fast genauso wie seinem Gegenüber, es wurde ihm von Atemzug zu Atemzug schwerer, sich zurück zu halten und diesem Jäger nicht einfach an die Gurgel zu gehen. So einen brauchte sein Herr nicht, dessen Loyalität wäre zum Vergessen und obendrein barg er auch noch die Gefahr des Wissens in sich. Aber es war wichtig, dass dieser Auftrag zeitgerecht ausgeführt werden würde, und nur dieser Gedanke verhinderte, dass der Mann seine Waffen zog und auf den anderen los ging.
Ein leises Knirschen erklang und es war zuerst nicht klar, von wo es eigentlich stammte. Kratzte da jemand in der Nähe am Mauerwerk? Nein, sie waren allein in der Gasse, kein anderer Schatten oder Schemen war auch nur zu erahnen.
Doch das Geräusch war keine Einbildung gewesen, nein, es war tatsächlich entstanden. Und zwar von den Zähnen des Kerls, der seine Kiefer derart fest aufeinander presste, um nur ja nicht die Kontrolle über sich zu verlieren.
"Elender Dreckskerl von einem Hurensohn.", murmelte er in seiner eigentlichen Muttersprache und das noch dazu derart undeutlich, dass selbst seine Mutter ihn kaum verstanden hätte. Wäre sie in der Nähe oder gar noch am Leben gewesen.
Allerdings half das tatsächlich etwas, sodass er sich soweit besinnen konnte, dass er den anderen lediglich finster anstarrte, anstatt ihm gleich an die Kehle zu gehen. Wenngleich es bestimmt nicht viel brauchen würde, um ihn sofort wieder auf 180 zu bekommen.
Was der Jäger anscheinend wirklich provozieren wollte, denn seine nächsten Worte waren kaum dazu angetan, dass der Hüne sich beruhigen konnte.
"Du halt besser deine vorlaute Klappe, sonst stopf ich dir noch das Maul.", grollte er krächzend. "Noch bist du nichts weiter als ein Jäger von der Dunklen Armee. Ich hab deine Sachen, die du tragen musst und auch die Abzeichen, die dafür nötig sind. Und wenn ich nicht in der Nähe bin, wird man dich auch nicht in das Gebäude des Hohen Rates hinein lassen. Du willst deinen Auftrag erledigen? Dann sei still oder ich sorge dafür." Und das meinte der Hüne todernst, immerhin glaubte er fest daran, dass er schnell und stark genug dafür sein würde. Außerdem hatte er auch schon einiges an Erfahrung.
Weiterhin funkelte er den anderen an und wartete darauf, wie er reagieren würde.
Noch ein Wort und er würde auf ihn losgehen, ungeachtet seiner Instruktionen. Würde er jedoch schweigen, würde der Kerl sich umdrehen und ihn zu dem anderen Ort bringen, wo dieser die zwei Stunden über warten solle.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Sonntag 30. Mai 2010, 12:16

Fürs erste entschied sich Luzien dazu, nichts mehr mit dem Hünen zu besprechen. Wozu auch? Mit ihm zu reden strapazierte sowohl die Geduld als auch die Nerven des Nachtelfen aufs äußerste. Eins war klar. Bis jetzt war das hier noch nicht der mieseste Tag in seinem Leben, aber ganz eindeutig war er bereits in den Top Fünf. Und wahrscheinlich würde er noch schlechter werden.
Selbstverständlich wurde sein Entschluss zu schweigen fast Augenblicklich wieder auf die Probe gestellt und das sogar ohne das der Mensch etwas sagen musste! Er hatte noch nie erlebt, dass ein Mensch so nervtötende Geräusche von sich gab. Wie machte er nur dieses knirschende, reibende Geräusch? Waren das tatsächlich seine Kiefer? Für Luzien war Zähneknirschen immer nur so ein Wort gewesen, dass man wirklich so damit lärmen konnte, war ihm neu gewesen.
Gekonnt wurde alles ignoriert, was der Mensch sagte. Allerdings wurde es nun noch schwieriger, denn irgendwo wollte Luzien schon sehen, wie ein Mensch ihm das Maul stopfen wollte. Nein, dass war es nicht wert. Noch war es nicht an der Zeit, dem Hünen seine Lektion zu lehren.
Statt einer Erwiderung streckte der Nachtelf nur seinen rechten Arm einladend aus, um dem Menschen zu zeigen, dass er am Zug war. Dann sollte der Bastard weniger schwätzen und endlich machen!
Selbstverständlich war das nichts als Zeitverschwendung. Ein dummer, von Menschen gemachter Plan. Wie man es vollbringen konnte, dass dem Attentäter nach und nach alle wichtigen Vorbereitungen verboten wurden, war Luzien schleierhaft. Zum Glück hatte der Nachtelf seinen eigenen Plan noch in der Hinterhand.

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Dienstag 1. Juni 2010, 16:53

Der Mann schnaubte leise und sichtlich zufrieden über das Schweigen.
Endlich schien dieser Jäger etwas Klugheit zu besitzen und sein Mundwerk zu halten. Auch wenn er es teilweise schade fand, da er ihm nur zu gerne an die Gurgel gegangen wäre. Nun ja, vorerst wurde daraus zu seinem Bedauern nichts.
Stattdessen deutete er ein knappes Nicken an, nachdem sein Gegenüber den Arm ausgestreckt hatte, und drehte sich herum.
So ungern er das auch tat, es musste sein, dass er dem anderen den Rücken zuwandte. Denn er kannte den Weg, der nun zu gehen war, und konnte das schlecht tun, indem er sich an der Seite des Jägers direkt aufhielt. Obwohl er versuchte, bewusst in solch einem Abstand zu bleiben, dass er zumindest im Augenwinkel jegliche Bewegung des Typen hinter ihm sofort ausmachen konnte.
Vorerst blieben die zwei Männer noch im Wohnviertel der Stadt, nutzten beide instinktiv die Schatten der Wände, um selbst bei diesem spärlichen Nachtlicht nicht zu deutlich aufzufallen.
Die Gegend wurde nicht gerade besser und der Hüne musste sich vollstens konzentrieren, um nicht die Orientierung zu verlieren. Innerlich ging er den Plan durch, den er sich hatte einprägen müssen, und suchte mit den Augen die Wände sowie Türen nach Markierungen ab. Er hatte sich schließlich Kreide besorgen dürfen und ein kleines Zeichen bei jenem Haus gemacht, das er nun ausfindig machen musste.
Trotzdem glitten seine Gedanken etwas ab, da er auch noch auf den Jäger achten musste. Diesen Kerl hätte er nur zu gerne verprügelt und vielleicht sogar die Zunge heraus geschnitten. Aber der andere blieb vorerst still, sodass der Hüne keinen Grund hatte, seine Fäuste sprechen zu lassen.
Dadurch abgelenkt, hätte er beinahe sein Ziel verpasst. Im allerletzten Moment bemerkte er die Markierung im untersten Teil der knarrenden, schon leicht vermoderten Holztür.
Abrupt blieb er stehen und wirbelte herum, trat an das Haus heran und ging in die Hocke.
Es war gefährlich für ihn, sein Rücken war ungeschützt seinem Begleiter ausgeliefert, aber es waren lediglich zwei Sekunden, die er in dieser Haltung verbrachte. Danach jedoch war er sich sicher und nickte sich selbst zu. Hier war sein Ziel.
Er grunzte leise, als er den Jäger wieder ansah. Wortlos bedeutete er ihm, ihm auch weiterhin zu folgen.
Nun drückte er die Tür auf, doch sie quietsche hörbar in den Scharnieren, wie bei einem gequälten Schrei.
Instinktiv hielt der Hüne den Atem an und lauschte angestrengt in die Nacht hinein. Aber er hatte Glück, nichts und niemand rührte sich.
Auch hier war es eine eher ärmliche Gegend und jeder kümmerte sich nur um sich selbst. Sofern die Anwohner überhaupt noch vor Ort und nicht schon längst geflohen waren. Durch die Belagerung wollte man erst recht nichts von draußen mitbekommen, um nicht in Gefahr zu geraten.
Deswegen konnte der Mann nach etwa einer halben Minute den dunklen, staubigen Gang betreten und zur Treppe schleichen.
Die Holzstufen knarrten hörbar und Angst einflößend, dass sie gleich zerbrechen würden, unter seinem Gewicht, als er hoch ging.
Diesmal war der Raum im ersten Stock, den der Hüne betrat und seinerseits nun eine kleine, ärmliche Funzel entzündete. Sie spendete kaum mehr Licht als die Sterne am Himmel, doch der Typ fühlte sich so einfach wohler.
Wortlos deutete er auf das einzige, abgestaubte Möbelstück in dem Raum. Ein Stuhl, auf dem gut verschnürt ein Gewandpaket lag.
Die restliche Einrichtung, ein verwaistes Einzelbett, ein Tisch mit einem weiteren Stuhl und eine vor sich hinmodernde Kleiderkiste, war sichtlich schon lange nicht mehr in Gebrauch gewesen. Ein Öffnung in der Wand neben dem Tisch gab den Weg in eine extrem kleine, schlecht ausgestattete Küche frei.
Wer hier gelebt hatte, hatte bestimmt selten genügend zu essen gehabt und war längst verschwunden. Auf welchem Weg interessierte nicht.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Freitag 18. Juni 2010, 12:34

So wie sich sein Umhang als schwarzer Schatten um seine Schultern gelegt hatte, so umgab den Nachtelfen nun auch noch der Mantel des Schweigens. Mit dem grobschlächtigen Menschen hatte Luzien ohnehin nichts zu besprechen und nun, da er selbst kein Geräusch mehr von sich gab, war auch von dem Hünen nichts mehr zu hören. Daran das der Mensch nichts mehr von sich gab, konnte man sich direkt gewöhnen!
Stumm schritt der Mann voraus und der Schattenkrieger folgte mit einigen Metern Abstand. Dabei musste er wirklich eisernen Willen und Disziplin beweisen, denn die Verlockung war groß, dem Fleischberg einen Dolch zwischen die Schulterblätter zu Jagen. Nicht ins Herz, sondern in die Lunge. Die würde sich dann mit Blut füllen, der Riese würde elendig ersticken ... Nein, nicht hier, nicht jetzt! Leicht schüttelte Luzien den Kopf. Wieso fiel es ihm nur so schwer, bei der Sache zu bleiben? Vielleicht weil er es nicht gewohnt war, wenn er von so vielen Seiten behandelt wurde wie ein Sklave? Das brachte sein sonst so ruhiges Blut zum Kochen.
Für den Pfad, den die beiden einschlugen, interessierte sich der Nachtelf nicht. In solchen engen und verwinkelten Gassen bewies er grundsätzlich keinen guten Orientierungssinn. Wenn er von einem zum anderen Punkt kommen wollte, so ging er den direkten Weg über die Dächer. In einer Nachtelfenstadt würde es so ein Problem, wie sich einen Weg merken zu müssen, nicht geben. Die waren wesentlich logischer aufgebaut. Aber wozu sich den Kopf zerbrechen, wenn es doch ohnehin nicht zu ändern war?
Den ganzen Weg über blieben beide Gestalten im Schatten. Luzien machte sich anfangs nicht viele Gedanken darüber, dass er selbst jeden Schatten suchte. Dann aber fiel ihm auf, wie viel schwerer es für den großen Mann war, sich unauffällig zu bewegen. Er selbst bewegte sich instinktiv so wie jetzt. Für ihn war es ganz Normal. Und noch etwas fiel dem Nachtelfen auf: Nicht ein Mensch kam ihnen auf der Straße entgegen. Es war wie ausgestorben. Die Menschen schienen sich entweder an sicherere Orte zurückgezogen oder sich in ihren Häusern verschanzt zu haben.
Es dauerte schier ewig, bis der Mensch endlich sein Ziel gefunden haben zu schien. Das Gebäude vor dem er stehen blieb, unterschied sich nicht im geringsten von den beiden zur linken und zur rechten. Ein heruntergekommener, halb verfallener Steinbau ohne Form. Luzien hielt weiterhin einen gewissen Abstand zu dem Riesen, als dieser als erstes das Haus betrat. Im Gegensatz zu dem ersten Haus, hatte man bei diesem wohl vergessen, die Türangeln zu Ölen, anders war das grässliche Kreischen der Scharniere nicht zu erklären. Es ging den kurzen Korridor entlang bis zur Treppe, die ins Obergeschoss führte. Das Zimmer mit der angrenzenden Kochnische war winzig und wirkte alt und abgenutzt. Er selbst würde sich an so einem Ort nicht wohl fühlen. Hier zu wohnen war mehr eine Strafe als alles andere.
Auf dem Stuhl in der Mitte des Zimmers, schien endlich das Ziel des Marsches zu liegen. Er wollte grade hin gehen und das Kleiderpaket zu öffnen, als er stehen blieb und blinzeln musste. Der Riese hatte eine Kerze angezündet und der plötzliche Wechsel der Lichtintensität schlug ihm auf die Augen.
Trotzdem lies er sich nichts anmerken und warf dem Riesen lediglich einen vernichtenden Blick zu. Wortlos zückte er seinen Dolch und zerschnitt die Bänder, die das Gewandpakte verschnürten. Er musterte die Kleider, die wohl die Uniform der Stadtwachen darstellte. Ein kleiner „Pff“-Laut entwich seinen Lippen. Nun gut, die Uniform sah immerhin praktisch aus und war nicht mit allzu vielen Verzierungen versehen.
Luzien rammte seine beiden Dolche in die Platte des nahestehenden Tisches und lehnte seinen Kampfstab an die Wand. Dann löste er die beiden Schnallen, die seinen Umhang um den Hals hielten, worauf der Nachtelfenstoff zu Boden glitt. Ungeniert entkleidete sich Luzien bis zum Lederschurz der seine Hüfte bedeckte. Dabei war dem Menschen die ganze Zeit der Rücken zugewandt, so dass der Riese die vielen Narben dort, aber auch die auf den Armen sehen konnte. Kaum war der Nachtelf unbekleidet, als er auch schon die Ausrüstung der Gardisten anlegte. Sie passte nicht wirklich gut. Um die Brust herum war alles zu locker, was Luzien darauf zurück führte, dass er schmaler war als gewöhnliche Menschen. Trotz einigen Kopfzerbrechens, hatte er sich dazu entschieden seine Unterkleider aus Nachtelfenstoff nicht anzulegen. Er wollte wirklich nichts bei sich haben, was eine richtige Wache nicht auch trug. Die einzige Ausnahme war das Ledergeschirr, an dem sonst sein Stab befestigt war. Diesen trug er unter der Kleidung. Statt des Ebenholzstabs, steckten nun aber einer seiner beiden Dolche darin. Der andere war tief in seinem linken Stiefel versteckt, mit dem Hosenbein über dem Griff.
Als er sich endlich angekleidet hatte, war es an der Zeit endlich wieder etwas mit dem Menschen zu besprechen. „Ich brauche noch die standardmäßigen Waffen für einen Gardisten. Ein Kampfstab würde nur auffallen.“ Während er das sagte, machte er sich daran seine eigene Kleidung ordentlich zusammen zu legen. Er würde sie sich so früh wie möglich wieder anlegen!

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Dienstag 6. Juli 2010, 16:24

Im Gegensatz zu Luzien hatte der Hüne weniger Probleme mit dem plötzlichen, kleinen Licht. Im Gegenteil, ihm war es regelrecht willkommen. Immerhin war er ein Mensch und diese brauchten zwangsläufig wenigstens ein kleines bisschen Helligkeit.
Außerdem konnte er so die Schatten und Grautöne besser von dem Auftragsmörder unterscheiden, sodass er gewarnt wäre, würde dieser einen Angriff auf ihn wagen. Zwar war und blieb er bei der Meinung, er wäre der körperlich Stärkere, aber gegen einen Hinterhalt in seinem Rücken war auch er nicht gefeit. Da würde ihm auch all seine jahrelange Erfahrung und seine Wendigkeit nichts helfen. Irgendwo lagen selbst seine Grenzen. Deswegen war er umso froher um diese Funzel, sodass er ihn besser im Auge behalten konnte.
So beobachtete er den anderen, wie dieser das Paket in Augenschein nahm und auch dessen Inhalt.
Die Uniform würde schon passen, dessen war sich der Leibwächter von Montgomerus sicher. Schließlich war mit einem Dunkelelfen oder einem von ihren Verwandten zu rechnen gewesen als Auftragsmörder, sodass eine entsprechende Größe einfach zu diesen Rassen gehörte. Wenn der Stoff demnach ein bisschen zu groß war oder zu eng saß, nicht ganz maßgeschneidert war, war nicht so tragisch. Es würde kaum auffallen und wenn, wüsste sein Herr bestimmt eine glaubwürdige Erklärung.
Außerdem wäre das zu viel Aufwand gewesen für diesen einen einzigen Auftrag und obendrein hätte es unnötig Zeit gekostet.
So wie bei allen Wachen des Hohen Rates war sie recht schlicht gehalten, damit sie nicht zu sehr auffielen. Die Männer bei diesen Positionen sollten beschützen und die Umgebung im Auge behalten, nicht sich heraus putzen und damit alle Blicke auf sich ziehen.
Der Hüne hob leicht eine Augenbraue an, als der andere einfach seinen Dolch in die Tischplatte rammte.
Was sollte dieses Gebaren denn? Ein Zeichen, dass er gerade nicht anzugreifen gedachte und sich selbst es noch erschwerte, indem er die Waffe ein wenig unschädlich machte, da sie nun feststeckte? Wie auch immer, es konnte ihm mehr oder weniger egal sein. Er würde ihn nicht aus den Augen lassen, selbst beim Umkleiden nicht.
Was sollte er dem anderen auch wegsehen? Er hatte kein Interesse an Männern!
So war es ihm auch egal, wie die Haut des anderen aussah, wie viele und wie starke Narben zu erkennen waren. Gleichzeitig wandte er den Blick nicht einmal im Ansatz ab, um ihm irgendwie Privatsphäre zu gestatten. Wenn er ein Problem damit hätte, wäre das sein Pech.
Anscheinend war er etwas schmächtiger als erwartet, denn es war einiges an Stoff zu viel um seinen Brustkorb. Doch es würde nicht zu sehr auffallen, dessen war sich der Hüne sicher.
Als er nun endlich fertig war und auch die Dolche unter seiner Kleidung gut verborgen waren, wurde der Leibwächter wieder angesprochen.
Dieser grinste schmal und freudlos.
Als ob er dem anderen freiwillig weitere Waffen in die Hand geben würde! Außerdem war noch zu viel Zeit übrig, als dass er diese jetzt schon bekommen würde.
Deswegen schüttelte er knapp den Kopf. "Bekommst du, wenn es soweit ist.", war seine lapidare Antwort.
Dann allerdings seufzte er lautlos. Es war noch viel zu viel Zeit, die er auf diesen Typen aufpassen müsste.
Deswegen machte er es sich auch ein wenig bequem, indem er sich auf den Bettrand setzte, dessen Gestell bedenklich quietschte unter dem Gewicht. Aber es war eindeutig besser, als ewig herum zu stehen, wenn er es nicht unbedingt tun musste.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Dienstag 6. Juli 2010, 17:51

Die ganze Zeit über hatte Luzien die Blicke des Riesen im Nacken gespürt. Der Kerl war ja geradezu Paranoid. Wie konnte man einem Attentäter, den man selbst angeheuert hat nur so wenig vertrauen? Vielleicht hatte etwas dergleichen auf dem kleinen Zettelchen gestanden, aber irgendwie hatte er da so ein Gefühl, als wäre der tumbe Hohlkopf nicht einmal dann dazu in der Lage gewesen diesen zu entziffern, wenn es um sein Leben gegangen wäre. Und dieser Schleimbolzen Montegomerus hatte seinem Diener gegenüber eindeutig nichts erwähnt, das hätte Luzien mitbekommen. Doch dem Nachtelfen war es gleich, dass der Mensch den Blick nicht von ihm lassen konnte. Es gab nichts, wofür er sich hätte schämen müssen, im Gegenteil. Selbst die ganzen Narben trug er mit Stolz, denn jede von ihnen stand für eine Lektion, die er hatte lernen musste.
Selbstverständlich bekam Luzien auf seine Frage keine vernünftige Antwort. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn irgendjemand mal offen mit ihm geredet hätte. Das seine Arbeit kompliziert war und für gewöhnlich tagelange Vorbereitung mit sich zog, daran dachte selbstverständlich keiner! Elendes Pack, allesamt! Am liebsten hätte er ein wenig Frust an allen und jedem in dieser verdammten Stadt abgelassen. Und was war mit seiner echten Aufgabe? Er hatte selber zu tun. Dabei sollte das ganze ein so einfaches Unterfangen sein. Einen Mörder fangen, ihn zurück ins Reich bringen und danach 15 Tage lang ohne Verpflichtungen, ohne Arbeit, ohne Gewallt ... Vermutlich ist Sinithar inzwischen längst aus der Stadt geflohen oder verreckt. Bei meinem Glück werde ich Wochen lang nach seinem untoten Körper suchen.
Wütend hob Luzien sein linkes Bein über den Tisch und klopfte mit der Hacke leicht auf die Mitte der Platte. Dann riss er es nach oben, lies es herunter sausen und zerschmetterte die Tischplatte zusammen mit einem Schrei des unterdrückten Hasses. Holz- und Leimsplitter flogen durch die Luft. Aber er füllte sich Besser, zumindest ein bisschen. Leider waren in dieser kargen Baracke nicht noch mehr Objekte, an denen er seine Laune auslassen konnte.
Den Riesen keines Blickes würdigend lies der Nachtelf sich dort wo er stand in den Schneidersitz nieder und faltete seine Hände im Schoß. Er musste sich beruhigen. Sein kochendes Blut zum abkühlen bringen. Es war so lange her, seit er einen Wutausbruch hatte ... Und jetzt, wo der Tot überall um ihn herum war, brauchte er keinen weiteren Anfall, infolge dessen er plötzlich ohne Erinnerungen und über und über mit Blut besudelt zu sich kam. Er begann zu Meditieren und schaltete alle äußeren Eindrücke ab. Er hörte einfach auf nachzudenken. Stille umfing ihn. Es hieß warten. Da er sich ja nicht frei bewegen durfte, war er wieder zum warten verdammt. Warten ... Gut, er würde sich in Geduld fassen, bis seine Zeit gekommen war!

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Montag 12. Juli 2010, 14:29

Da sich der Hüne hingesetzt hatte, hatte er eine relativ bequeme Position gefunden, wie er die Zeit an sich vorbei streichen lassen könnte. Wäre da nicht der plötzliche Wutausbruch des Auftragsmörders gewesen, der ihn aus seinem Zustand des geduldigen, nichtsdenkenden Abwartens heraus riss.
Sein Kopf ruckte hoch und sofort lag seine Hand auf seiner Waffe an der Hüfte, doch noch schoss er nicht zusätzlich dazu in die Höhe, denn der Angriff galt nicht direkt ihm.
Seine Stirn legte sich in tiefe Falten, als er dieses Geschehen beobachtete.
Und was sollte dieses Theater jetzt wieder?
Jedoch schien es schon alles gewesen zu sein, denn direkt darauf, nachdem sich der Staub mitsamt den Einzelteilen des Tisches wieder gelegt hatte, ließ sich der Jäger im Schneidersitz auf dem Boden nieder. Als könnte er kein Wässerchen trüben, schlang er die Finger ineinander und blieb so.
Der Leibwächter deutete schnaubend ein Kopfschütteln an.
Am liebsten hätte er das Ganze auf sich beruhen lassen, denn die Gründe interessierten ihn absolut nicht. Wäre da nicht die winzige Tatsache gewesen, dass dieses Wesen vor ihm einen der Ratsherren töten sollte und demnach noch von Bedeutung war, genauso wie dessen Tun. Hätten sie in einer anderen Situation gesteckt, hätte er nicht seinen Mund aufmachen und etwas sagen müssen. Die Realität allerdings sah anders aus und somit musste der Hüne darauf reagieren.
Wenngleich weder sein Gesicht, noch sein Tonfall irgendetwas darüber verriet, was er von der ganzen Sache hielt. Also holte er Luft und fixierte den Auftragsmörder scheinbar noch durchdringendes als bisher. "Sollte dieser Ausbruch jetzt irgendeinen Sinn ergeben?", brummte er vor sich hin.
Denn wenn dies der Fall wäre, müsste er ihn zwangsläufig erfahren, egal mit welchen Methoden. Schließlich konnte solch eine Unberechenbarkeit sich negativ auf die eigentliche Aufgabe auswirken. Und so etwas musste er, wenn er es schon nicht verhindern konnte, wenigstens unterbinden, soweit wie möglich.
Doch er erhielt keine Antwort. Die Sekunden verstrichen und der andere schien absolut nicht gewillt zu sein, auf seine deutliche Frage zu reagieren.
Was dem Leibwächter allein schon sauer aufstieß. Er murrte und unterdrückte jene Flüche, die ihm in den Sinn kommen wollten, weil er mal wieder sich bestätigt fühlte, dass er es hätte selbst tun sollen.
Dann aber seufzte er genervt, stand auf und baute sich vor dem sitzenden Jäger auf. Finster starrte er zu ihm herab.
"Ich habe dich was gefragt und erwarte eine Antwort, soll ich sie nicht aus dir heraus prügeln!", brauste er grollend auf, ungeachtet dessen, dass er dadurch vielleicht etwas wecken könnte, was nicht beabsichtigt wäre. Dadurch, dass zwischen ihnen in den letzten Minuten absolute Stille geherrscht hatte, im Raum sowie in dieser Gegend, klang seine Stimme umso lauter.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Montag 12. Juli 2010, 17:00

Eine angenehme Leere hatte sich in Luziens Gedanken breit gemacht. Letztlich schaffte er es doch, seinen inneren Dämonen zu bannen und zur Ruhe zu kommen. Darauf musste man in dieser Umgebung und dieser Situation ja schon beinahe stolz sein! Nicht jeder war in der Lage, alles um sich herum wegzublenden. Der Nachtelf atmete Ruhig, fast so als wäre er eingeschlafen, wobei wohl auch die geschlossenen Augen und der entspannte Gesichtsaudruck darauf schließen lassen konnte.
Dummerweise gab es noch immer einen Störfaktor, der mit allen Mitteln versuchte Luziens Karma aus den fugen zu bringen. Was hatten den dummen Menschen schon die Wutausbrüche eines Nachtelfen zu interessieren? Ohnehin würde er die Hintergründe wohl kaum verstehen und Luzien wollte keine Zeit mit langen Erzählungen und Erklärungen verschwenden. Aus diesem Grund überging er die Frage des Mannes schlichtweg. Es gab keinen Grund auf Höflichkeiten zu achten und ihn interessierte es nicht, was der Diener dachte.
Aber der Mensch lies nicht locker. Luzien hörte das dumpfe dröhnen von Schritten, fühlte wie der Boden bei jeder Bewegung des Riesen leicht vibrierte und musste nicht erst die Augen öffnen, um zu wissen, dass sein Begleiter nun genau vor ihm stand. Erneut stellte er die selbe Frage wie grade, doch dieses mal setzte er noch leere Drohungen dahinter. Der Jäger lies sich nicht beirren. Dieser tumbe Kerl durfte ihm gar nichts! Sein Herr würde ihn sicherlich schwer bestrafen, wenn der angeheuerte Assassin seine Aufgabe nicht erfüllen konnte, weil ein gewisser jemand sich nicht zurück halten konnte. "Der, der schreit, wird zwar gehört, aber seine Worte werden vergessen. der Ruhige braucht gar nicht zu reden, seine Taten sprechen für sich selbst." Auf Luziens ausdrucksloser Miene machte sich ein lächeln breit. Ihm war klar, dass der Mensch nicht ein Wort verstanden hatte. Folglich würde er seine frage in wenigen Momenten wiederholen Aber eben dass genoss er. Den Riesen weiter zu zärgern, ihn zu provozieren. Bis er endlich einen Fehler machte und seiner Wut freien lauf lies. Luzien würde nicht als erstes die Hand heben, aber das hieß nicht, dass er den anderen nicht dazu bringen wollte eben dies zu tun. „Ich muss den dummen Plan eines noch dümmeren Menschen befolgen, der mehr Schwachpunkte hat als die Verteidigungsanlagen dieser Stadt, wobei mir jegliche Art von persönlicher Vorbereitung untersagt wurden und ich stattdessen die Zeit mit meinem neuen großen Freund verbringen darf, wie ein Gefangener. Da muss man seinen Gefühlen einfach einmal freien lauf lassen!“
Das sollte in Luziens Augen als Antwort genügen und der Oger durfte sich gerne wieder hinsetzten, anstatt ihn weiter in seiner Konzentration zu stören. Kam dem Nachtelfen das nur so vor, oder verstrich die Zeit heute besonders langsam? Seit dem Zeitpunkt, da er heute vor Morgengrauen seine Dokumente durchgegangen war, bis jetzt waren keine 24 Stunden vergangen, doch Luzien kam es so vor, als wären es Wochen, seit man ihn ergriffen hatte ...

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Samstag 17. Juli 2010, 01:58

In der Tat ließ der Hüne nicht locker, sondern war sogar gewillt, aus dem Jäger die Antwort heraus zu prügeln. Immerhin konnte es wichtig sein, er musste vorbereitet sein, für den Fall, dass solch ein Ausbruch wieder geschehen würde, während der Auftrag ausgeführt wurde. Er wusste außerdem noch nicht, ob er den anderen nicht auch überwachen sollte währenddessen, unauffällig natürlich und nur, falls etwas schief zu gehen drohte. Zumindest vermutete er das, da sein Können seinem Herren wohl bekannt war, das des Jägers nicht.
Was wieder zu dem Gedanken führte, warum überhaupt ein Fremder angeheuert worden war. Klar, so konnte man der dunklen Armee das Ganze unterjubeln, sollte etwas schief gehen. Aber er wäre mindestens genauso vorsichtig und garantiert erfolgreich gewesen, hätte sich so verhüllt, dass die Ausrede, ein Dunkelelf hätte den Anschlag verübt, trotz allem gegriffen hätte. Dennoch war es seinem Herren wohl zu riskant, ihn einzusetzen, oder er hatte noch anderes mit ihm vor.
Wie auch immer, der Leibwächter vermutete, dass er auf den anderen würde aufpassen müssen, selbst während des Auftrages, und um dessen Erfolg zu sichern, wollte und würde er heraus finden, was diesen Ausbruch gerade bewirkt hatte.
Tatsächlich verwirrten ihn die Worte des Jägers mehr, als dass sie ihm irgendetwas an Erkenntnis gebracht hätten. Was sollte das denn jetzt? Wollte er ihm mit philosophischem, unverständlichem Kram kommen, um ihn abzulenken?!
'Schwacher Versuch, Bürschchen!', schoss es ihm durch den Kopf, als er ein heiseres, warnendes Grollen ausstieß als Antwort.
Auf die nächsten Worte, die wohl als Erklärung gedacht waren, schnaubte er verächtlich. "Mach so weiter und wir werden dich noch vor dem Auftrag wieder ins Lager zurück schicken, mit einer entsprechenden Nachricht für deinen Vorgesetzten." Ein feines, hinterhältiges Grinsen schlich sich in seine Züge. "Wäre sicher interessant zu erfahren, in wie viele Einzelteile man einen wie dich zerlegen kann."
Danach wandte er sich abrupt ab und setzte sich demonstrativ wieder aufs Bett. Einfach zur Sicherheit, um Abstand zwischen ihnen beiden zu haben, denn der andere hatte durchaus Erfolg mit seiner Provokation. Er war dicht dran gewesen, ihm seinen rechten Haken spüren zu lassen. Jedoch waren selbst für seine Intelligenz die Worte zu deutlich gewählt worden, als dass er sie nicht hätte durchschauen können.
Dennoch brummte er in seiner Muttersprache einige unflätige Flüche, während er den Jäger finster mit den Augen fixierte. "Ja, eine Überlegung wert... das mit den Einzelteilen...", murmelte er mehr zu sich als zu seinem Gegenüber.
Wer wusste schließlich, was nach dem Auftrag mit ihm geschehen sollte? Sein Herr hatte ihn zumindest noch nicht konkret darin informiert und somit wäre vieles möglich. Vor allem schmerzhafte Dinge, die dafür sorgten, dass der Mann wieder schmal zu grinsen begann.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Samstag 17. Juli 2010, 14:49

Mit einer wahrlich zenhafter Geduld erduldete Luzien alles, was der Riese von sich gab. Mehr als leeres Gewäsch war es ohnehin nicht. Man wollte seinem Vorgesetzten Meldung erteilen? War das ein schlechter Witz? Als ob der Nachtelf sich darum scheren würde, was die Menschen diesen verfluchten Dunkelelfen über ihn erzählten? Mit einem Mal öffnete Luzien das rechte Auge und fixierte damit den Menschen, der sich wieder auf das Bett gesetzt hatte. „Einen wie Mich? Wenn es jemand macht, der sein Handwerk versteht dann in einhundertneunundzwanzig Teile, über einen Zeitraum von sieben Stunden. Vorrausgesetzt wir reden nur von folternder Zerstückelungen bis zum Tod. Ein Laie würde mich selbstverständlich lange vorher umbringen ...“ Für einen Augenblick herrschte stille, ehe Luzien den Kopf in den Nacken warf und in ein kurzes, irres Gelächter ausbrach. Folter, eines seiner Spezialgebiete! Ein kriminelles Individuum verdiente nichts anderes und für ihn war es ein spaßiger Zeitvertreib. Für gewöhnlich war eine Behandlung nur denen vorbehalten, die der Justiziar im Auftrag seiner Herrin jagte, doch vielleicht würde der große Kerl sich auch darüber freuen? Glaub mir, ich würde dich unter Garantie in mehr als 120 Stücke klein kriegen, wenn du mir nicht vorher ohnmächtig wirst.
Auch wenn das Lachen fast sofort wieder verstummte, das lächeln in seinem Gesicht erinnerte weiterhin an ein Raubtier mit gefletschten Zähnen, dass jeden Moment seine Reißer in ein argloses Opfer zu versenken. Dann schüttelte er leicht den Kopf und sah zu Boden, ein fahles Grinsen in den Zügen. „Denk über mich was du willst. Im Moment bin ich eine wilde Bestie, die man dazu zwingen will Kunststücke vorzuführen. Glaube mir, ich werde mich meinem Dompteur fügen. Lass mich einfach in Ruhe, bis wir los müssen. Deine Anwesenheit beleidigt meinen Stolz. Ach und solltest du dich dazu entschließen, vor dem Zeitpunkt, da wir uns zum Ratgebäude begeben, noch einmal deinen Mund zu öffnen, so werde ich dich töten.“ Das war sein voller Ernst, dementsprechend lag ein gewisser Nachdruck in seinen Worten. Die menschliche Rasse war grade mal gut genug um den Nachtelfen als Sklaven zu dienen. Das eben diese Behandlung nun aber ihm wiederfuhr, war einfach zuviel für Luzien. Und jedes Mal, da dieser haarlose Gorilla sein Maul öffnete und sinnloser Mist daraus hervor quoll, wurde seine Geduld weiter strapaziert. Inzwischen war der Faden bis zum zerreißen gespannt.
Der rechte Arm des, gezwungenermaßen, Attentäters, wanderte zu dem Bündel mit seiner Kleidung und angelte nach dem rechten Handschuh, dessen Edelsteinverstärkung gefährlicher war, als so mancher Schlagring oder Cestus. Wortlos legte er es sich in den Schoß und schloss das Auge wieder.

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Freitag 23. Juli 2010, 17:09

Der Hüne begann zu grinsen bei dieser Behauptung, denn er hielt sie für einen schlechten Scherz, um vor ihm anzugeben. Als ob ein einfacher Auftragsmörder so viel von Folter verstehen würde, dass er so etwas wüsste!
Doch als auch er darüber lachen wollte, spöttisch in seinem Fall, brach es aus dem anderen heraus, sodass es ihm in der Kehle regelrecht stecken blieb. Seine Stirn legte sich in noch mehr Furchen, als sie ohnehin schon besaß, als er diesen Laut zu hören bekam.
Und der sollte einen der Ratsherren erledigen, ohne viel Aufsehen zu erregen?! Wenn es nach dem Leibwächter gegangen wäre, hätte er seinem Gegenüber spätestens jetzt die Kehle umgedreht und die Aufgabe selbst vollbracht. Der war doch nicht mehr ganz dicht!
Auch wenn das Lachen rasch wieder verstummte und man davon nur noch eine Ahnung auf den Lippen des Jägers erkennen konnte, stand es für den Hünen nun unumwunden fest. Es war ein Fehler gewesen, diesem Kerl den Auftrag zu erteilen.
Wobei sich bei ihm daraufhin die Frage stellte, ob sein Vorgesetzter von diesen Ausbrüchen wusste oder ob es auch für die Dunkelelfen neu wäre. Wenngleich er irgendwie mehr an ersteres dachte und das passte ihm absolut nicht. An sich machte sein Herr gemeinsame Sache mit der dunklen Armee und seinem Leibwächter wäre es nie in den Sinn gekommen, diese Entscheidung zu beurteilen. Ja, aber hieß das denn auch tatsächlich, dass er vollständig vor Hinterhalten gefeit wäre. Ob das so einer war, der ihm da gegenüber saß?
Der Hüne sollte es heraus finden, um Montgomerus wirklich erfolgreich schützen zu können. Allerdings, wie sollte er es anstellen? Einfach fragen würde nichts bringen und er wollte dem Auftragsmörder auch keine Ideen liefern, sollte er noch nicht auf seinen Herren angesetzt sein.
Außerdem bekam er schon wieder Worte zu hören, die ihn regelrecht zur Weißglut treiben wollten.
Seine Anwesenheit beleidigte den Stolz des anderen?! Pah, als ob es ihm besser ergehen würde! Er sollte diese Aufgabe eigentlich erfüllen, er sollte seinen Herren jede Minute beschützen, aber er sollte gewöhnlich nicht den Babysitter für verrückt gewordene Jäger spielen!
Ein heiseres Knurren, tief in der Kehle geboren, kam ihm über die Lippen.
Als ob so ein Wicht ihn einfach töten könnte!
Wenngleich er vorerst tatsächlich den Mund hielt, denn ihm fiel einfach nichts ein, was darauf passend wäre. Dieser Typ war derart arrogant, dass es ihm persönlich eine Freude wäre, auszutesten, ob man ihn wirklich in 129 Teile zerlegen könnte. Oh ja, das wäre ihm so einiges wert!
Als der andere allerdings nach seinem Handschuh griff, furchte sich die Stirn des Hünen erneut.
Was hatte das denn jetzt zu bedeuten?!
Doch er schloss sein Auge wieder und obwohl es sich der Leibwächter nicht eingestehen wollte, hielt er erst mal wegen den letzten Worten seines Gegenübers den Mund. Nicht so sehr, weil er daran glaubte, dass dieser ihm ernsthaft würde gefährlich werden können, sondern eher, weil er erneut würde durchdrehen können. Was den Auftrag erheblich gefährden würde und das würde auch seinem Herren nicht passen. Deswegen war er erst einmal still und starrte den anderen nur stumm wie ein Fisch an, doch trotz allem mit grimmigen Blick.
Die Zeit verstrich äußerst träge, aber sie verging. Zwar konnte der Hüne keine Uhr lesen oder hätte gar eine bei sich gehabt, jedoch hatte er einen sehr feinen Instinkt, der ihm vermittelte, wann die zwei Stunden vorüber waren. Hinzu kam, dass es zu diesem Zeitpunkt eine Wachablöse gab, die in der Nähe geschah.
Als durch das Fenster der ferne Schein zweier Fackeln zu erkennen war, schnaubte er und erhob sich. "Los, aufstehen.", grollte er und fixierte den Auftragsmörder noch immer mit finsterem Blick.
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Re: Der Auftrag

Beitrag von Luzien » Samstag 24. Juli 2010, 15:20

Letztlich verstummte der Hüne wieder und in dem kleinen Raum zog endgültig Stille ein. Luzien wusste nicht, ob der Mensch aufgrund seiner Drohung schwieg, oder aus einem völlig anderen Grund, doch das war ihm egal. Das Ergebnis war alles, was zählte. Das einzige, dass noch zu hören war, waren die Atemzüge des schweren Mannes, der sich wieder auf das Bett gesetzt hatte. Zum Glück war das etwas, was man sehr leicht ignorieren konnte.
Luzien sagte ganz klar über sich selbst, dass er sich nicht auf die Eigenarten von Menschen verstand. Aber trotzdem verstand er nicht, wie man einen Kerl wie diesen Hünen zum Leibwächter machen konnte. Der Nachtelf vermutete das Montegomerus bei der Wahl seines Leibeigenen auf blanke Kraft und Masse gesetzt hatte. Geschwindigkeit und Wendigkeit fehlten einem so großen Wesen von Natur aus, selbstverständlich konnte er auch nicht unbemerkt aus den Schatten heraus auf seinen Schützling acht geben. Das konnte der Hüne wiederum mit seiner Aura wett machten, die auf die meisten sicher Einschüchternd wirkte. Trotzdem, für jemanden wie Luzien wäre seine gezwungene Amme niemals die erste Wahl als Leibwächter gewesen. Im stillen fragte er sich sogar, ob der verräterische Ratsherr ganz Bewusst einen Diener angeheuert hatte der, gelinde gesagt, etwas langsamer war als andere. Ja das klang ganz logisch, eine schleimige Ausgeburt wie Montegomerus wollte bestimmt nicht, dass die Leute die ihm nahe standen, seine verräterischen und hinterlistigen Pläne und Verschwörungen bemerkte, geschweige denn verstand.
Bei allen Fehlern, die der große Mensch hatte, er kam Luzien nicht wie jemand vor, der wissentlich dabei mithalf, dass unzählige Menschen dem Tod und der Folter ausgesetzt wurden. Ein tumber Riese, der gar nicht viel über seine Taten nachdachte.
Nach einer Weile öffnete Luzien stark blinzelnd wieder die Augen. Irgendwie kam ihm die Stille verändert vor. Von draußen war keine Stimme zu hören, aber Es schienen mehr Leute unterwegs zu sein als vorher. Der Nachtelf blickte stumm auf den Holzboden und versuchte die Geräusche von draußen zu interpretieren, doch kaum konzentrierte er sich darauf, wurde es schon wieder ruhig. Daraufhin warf er einen kurzen Blick zu seinem Bewacher, doch der starre Blick sagte dem Jäger schon, dass ihm nichts aufgefallen war. Der Trottel machte nur was man ihm gesagt hatte und behielt den Auftragsmörder im Auge. Für Luzien wurde es von Minute zu Minute klarer, dass der Mensch ein Risiko darstellte, für alles was er noch in dieser nacht vorhatte. Das einfachste, nein, dass sicherste, wäre es, wenn Luzien ihn hier und jetzt tötete und dann alleine seinen Weg zum Ratsgebäude suchte. Doch aus irgendeinem Grund brachte er das nicht übers Herz. Dieser Kerl war kein Verbrecher, nur ein dummer Mitläufer.
Mit einem kaum hörbaren Seufzer auf den Lippen schloss Luzien wieder die Augen und faltete die Hände in seinem Schoß zu einer neuen Form. Danach passierte nichts mehr. Etwa eine Stunde saß der Nachtelf nur still auf dem Boden, dass einzige was er machte, war die Fingerzeichen seiner Hände alle paar Minuten zu verändern. Er spürte die Blicke des Hünen in seinem Nacken, kümmerte sich aber nicht mehr darum.
Endlich schien der Zeitpunkt des Aufbrechens gekommen zu sein. Der Mensch erhob sich und gab ein bellendes Kommando. Wie von der Tarantel gestochen schlug der nachtelf die Augen auf und sprang aus dem Schneidersitz in den Stand. Seinen Handschuh warf er achtlos auf den Haufen mit seinen restlichen Kleidern. „Na endlich. Das bedeutet du gibst mit meine neue Waffe, nicht wahr?“ Das Lächeln in seinem Gesicht hätte auch zu einem Massenmörder passen können.

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Re: Der Auftrag

Beitrag von Gestalt » Freitag 30. Juli 2010, 12:39

Einmal begegneten sich ihrer beider Blicke während der Wartezeit, sodass sich das Gesicht des Hünen verfinsterte und er leise mit den Zähnen knirschte. Noch immer hätte er dem Wicht gerne eine Tracht Prügel verpasst, aber solange der Auftrag nicht ordnungsgemäß erledigt worden wäre, durfte er sehr zu seinem Leidwesen nicht mal minimal Hand an ihn legen.
Auch wenn es ihm schwer fiel, da allerdings keine Reaktion kam außer einem deutlichen Seufzen, hatte er keinen Grund, auf ihn los zu gehen. Zumindest keinen, der ihn dann vor einer Strafe seines Herren bewahrt hätte.
So geschah nichts mehr von seiner Seite aus, bis er den rechten Zeitpunkt gekommen wusste. Es erstaunte ihn, wie rasch der Jäger auf die Beine kam, wenngleich er so etwas niemals zugeben würde.
Als Antwort auf diese schnelle Bewegung schnaubte er nur verächtlich, als ob er so etwas erwartet hätte.
Bei den Worten verzogen sich die Lippen des Mannes zu einem spöttischen, kalten, abschätzigen Grinsen. Es hätte auch nicht viel gefehlt und er hätte ein krächzendes Lachen ausgestoßen.
Denn es war tatsächlich amüsant, dass dieser Typ wirklich glaubte, er würde jetzt schon und leichtfertig die Waffe seiner Tarnung in die Hand bekommen. Der Leibwächter mochte ja vieles sein, aber leichtsinnig oder von Todessehnsucht erfüllt war er eindeutig nicht! Noch dazu bei dem Ausdruck auf den Lippen, welchen der Jäger hatte. Am liebsten würde er diesem Kerl überhaupt keine Waffe geben, solange er und sein Herr in der Nähe waren.
Er breitete mit einem schadenfrohen Funkeln in den Augen den Arm aus, um einmal in die Runde zu deuten. "Siehst du hier irgendwo eine große Waffe?", spottete er und schüttelte den Kopf, ehe er wieder ernst wurde. "Du erhältst alles zu seiner Zeit. Und jetzt, raus mit dir!", schnaubte er und deutete auffordernd auf die Tür.
Diesmal würde er bestimmt nicht voraus gehen, solange es nicht nötig wäre. Dazu traute er diesem Wicht nicht mehr ausreichend. Gut, das hatte er schon zuvor nicht, aber nun hatte sich dieses Gefühl nur noch tiefer und deutlicher in sein Bewusstsein gegraben.
Und auch seine Überzeugung, dass er nicht für die Aufgabe geeignet war, war um einiges größer geworden. Eigentlich stand es ihm nicht zu, jedoch in diesem einen Fall war der Hüne sich sicher, dass sein Herr einmal einen Fehler gemacht hatte, indem er diesen Jäger damit betraut hatte.
Allerdings konnte er es im Moment nicht ändern. Oder besser gesagt, er könnte schon, indem er den Kerl erledigte zuvor und alles andere selbst ausführen würde. Doch das würde seinem Herren nicht passen und noch waren seine Gefühle nicht ausreichend stark genug, um sein Pflichtempfinden überlagen zu können.
Also blieb ihm nichts anderes übrig, als den anderen mit Augen zu fixieren und darauf zu warten, dass er seiner Auffordernung endlich nach kam.
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