Die Politik der Besatzer

Im komplett Holz vertäfelten Ratssaal werden alle wichtigen Entscheidungen, Probleme und anderes besprochen. Jeder kann teilhaben und seine Meinung dazu äußern. Das letzte Wort haben aber Magron und Aurin.

Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 24. Mai 2017, 08:54

"Was machen wir jetzt"?
, fragte Rumpel.
"Ich habe vorhin im Kerker Magron getroffen. Er meinte, wenn alles vorbei sei, sollte ich zu ihm kommen. Und wenn mich nicht alles täuscht, ist er da irgendwo."
Damit wies der Ingenieur auf eine kleine Gruppe von Rugtanern. Brovi stand auf und sah kurz seine Taschen durch. Die Pfeife war noch unbeschädigt – was Brovi angesichts der ihr innewohnenden Magie aber auch nicht anders erwartet hatte – und die Schriftrolle, die er an Baltos' Leichnam gefunden hatte, war nur ein bisschen plattgedrückt. Ansonsten waren da nur seine Schutzbrille und der Löffel; alles Andere war im Rucksack gewesen, der unter den Trümmern der Stadthalle begraben lag. Dem Zwerg kamen die Fluchpapiere in den Sinn.
Es ist ungünstig, dass die Tasche jetzt da unten vor sich hin gammelt. Mit den Röllchen wäre es sicher einfacher gewesen, den Leuten ihre Halsbänder abzunehmen. Aber immerhin kann die jetzt auch niemand mehr aktivieren, wir haben also jede Menge Zeit um eine Lösung zu finden.
Damit verstaute er seine Sachen wieder und hielt dem noch sitzenden Rumpel seine Hand hin.
"Kommst du?"
Sein Freund nickte und stand auf. Noch leicht schwankend und vermutlich genauso schlapp wie Brovi sich fühlen musste, wankten die beiden zu der kleinen Gruppe hinüber. Im Rund der Bürger fanden sie tatsächlich Magron, der gerade ein paar Leute einteilte um die Umgebung zu bewachen.
„...nicht überrascht werden. Keldor, Sigurt, ihr übernehmt die Nordseite, Luclin, Harald ihr den Westen, Rosa, Polux ihr bewacht den Norden und Fiona und Mathilde übernehmen die Ostseite.“
„Mathilde?!?“
Rumpels Stimme klang gebrochen, als er den letzten Namen wiederholte, sich nach vorne durch schob und sofort schälte sich eine Zwergin aus der Gruppe. Sie drehte sich langsam um und in ihrem Gesicht sah man Angst, Unglauben und einen Funken Hoffnung aufkeimen. Sie war dreckig, mehr oder weniger verletzt, wie fast jeder hier, aber ihre Augen leuchteten in dem hellsten und strahlensten Blau, dass Brovi seit langem gesehen hatte. Das war also Mathilde - Rumpels Frau? Rumpel stolperte auf sie zu und kurz sah es so aus, als ob sie sich in die Arme fallen würden, dann traf ihn ein harter Schwinger von unten und streckte Rupert Knulburbur nieder. Mathildes Gesichtsausdruck war milde gesagt, verwirrend. Einerseits starrte sie ihn voller Zweifel an, aber in dem Moment, da ihre Faust sein Gesicht getroffen hatte, hatte sie ihren Blick auf eben jenes Gewaltwerkzeug gesenkt und schaute nun verdattert ihren Mann am Boden an.
„Er... Ist er echt?...“
Verwirrt sah sie in die Runde und in manch einem Gesicht zuckte ein unterdrücktes Lachen. Sie fuhr sich verzweifelt durch die blonden Haare, die ihr wirr in alle Richtungen vom Kopf standen und im Nacken in einen wirren langen Zopf zusammen fanden. Sie sah sich hilfesuchend um.
„Hab ich grade meinen echten Mann nieder gestreckt?!“
In den hinteren Reihen brach jemand in lautes Gelächter aus und Mathilde trat näher an Rumpel um ihn zögernd noch einmal kurz mit der Fußspitze anzustubsen. Da ihr Fuß tatsächlich auf Widerstand stieß und sie davon überzeugte, dass er wohl keine Einbildung war, stieß sie einen spitzen Schrei aus und kniete sich sofort neben ihn. Sanft zog sie seinen Kopf in ihren Schoß und streichelte seine roten Locken.
„Rupert... Rupert! Komm wach auf! Rupert, mein Liebling!“
Magron lachte nun auch und kurz darauf fiel von allen Umstehenden die Anspannung der letzten Ereignisse ab. Es war ein befreiendes Lachen. Zu lange hatte sie es unterdrücken müssen. Sie schlugen sich gegenseitig auf die Schultern und lobten den kolossalen Haken von Rumpels Frau, die nur die Augen verdrehte. Mathilde schimpfte halbherzig, dass sie doch alle verschwinden sollten und der Anführer legte ihn die breite Hand auf die Schulter.
„Kümmere dich um deinen Mann. Ich finde schon Ersatz für dich.“
Er sah in die Runde und blieb an Brovi hängen.
„Du...“
Auch einige andere der Truppe sahen nun den Ingenieur an.
„Brovi, richtig? Kannst du noch kämpfen? Ach, Moment... Du ..und dein Freund... Ihr wart es die uns da unten raus geholt habt, oder?“
Nun sahen wirklich alle Brovi an.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Brovi Brockstein » Samstag 3. Juni 2017, 19:23

Verständlicherweise war Brovi etwas verwirrt, als er mit ansah, wie Mathilde ihren Gemahl niederschlug. Sein erster Gedanke war, dass sie wahrscheinlich noch eine irgendwie geartete Rechnung offen hatten, dass das nicht der Grund war, offenbarte sich aber aus dem was Mathilde nachher verlauten ließ:
"Er… Ist er echt? Hab ich gerade meinen echten Mann niedergestreckt?"
Nachdem sie sich noch einmal von Rumpels Substanzialität überzeugt hatte, kniete sich sich neben ihn. Unter den Umstehenden brach Gelächter aus: Die Anspannung der letzten Zeit und insbesondere der letzten Stunden begann von den Rugtanern abzufallen. Auch Brovi konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Magron trat an die Frau heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Kümmere dich um deinen Mann. Ich finde schon Ersatz für dich.“
Daraufhin sah er sich zwischen den Umstehenden um. Sein Blick blieb schließlich an Brovi hängen.
"Du… Brovi, richtig? Kannst du noch kämpfen? Ach, Moment... Du ..und dein Freund... Ihr wart es die uns da unten raus geholt habt, oder?“
Alle Augen richteten sich auf den Ingenieur.
"Ahm, ja, gewissermaßen", antwortete dieser. Bei der Erinnerung an den Kerker kehrten seine Gedanken zu Undine zurück.
Ich hätte sie nicht dort mit hinunter nehmen dürfen. Oben in Magrons Zimmer wäre sie doch sicher gewesen…
Er blickte auf seine Handschuhe, auf denen das Blut des Dunkelelfen geronn. Viele derer, die ihn jetzt ansahen, waren dabei gewesen als Undine gestorben war. Als er versagt hatte.
Diese paar Sekunden, die die Blicke der Umstehenden auf ihm lasteten, kamen ihm vor wie eine halbe Ewigkeit.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Erzähler » Freitag 9. Juni 2017, 08:01

"Du… Brovi, richtig? Kannst du noch kämpfen? Ach, Moment... Du ..und dein Freund... Ihr wart es die uns da unten raus geholt habt, oder?“
Alle Augen richteten sich auf den Ingenieur.
"Ahm, ja, gewissermaßen"
, antwortete dieser und seine Erinnerungen an den Kerker kehrten zu Undine zurück.
Ich hätte sie nicht dort mit hinunter nehmen dürfen. Oben in Magrons Zimmer wäre sie doch sicher gewesen…
Er blickte auf seine Handschuhe, auf denen das Blut des Dunkelelfen gerann. Viele derer, die ihn jetzt ansahen, waren dabei gewesen als Undine gestorben war. Als er versagt hatte.
Diese paar Sekunden, die die Blicke der Umstehenden auf ihm lasteten, kamen ihm vor wie eine halbe Ewigkeit. Magron trat an ihn heran und musterte ihn eingehend. Seine Ausstrahlung war voller Stärke aber auch Mitgefühl. Seine Hand legte sich auf die Schulter des Ingenieurs.
„Brovi, dieser Krieg hat viele Leben gefordert und wird sich sicher noch weitere holen. Das Mädchen ist nicht durch deine Hand gefallen, sondern die des Feindes. Wir werden um sie trauern, wie um viele andere, wenn die Zeit gekommen ist.“
Er nahm seine zweite Hand und packte Brovi an den Schultern, wie um ihn aufzurichten und von seinen drohenden Selbstzweifeln abzulenken. Ein Zwerg der sich im Leid suhlte? Wo gab's denn sowas!
„Ebenso werden wir den Held...“
Er sah kurz über seine Schulter zu Rumpel hinunter, grinste und schaute dann wieder den Zwerg vor sich an.
„...die Helden des Tages feiern, die uns befreit haben, die Rugta ein freies Leben geschenkt haben. Auch dafür wird die Zeit kommen, aber jetzt brauchen wir jeden Mann, jede Frau, jedes Kind, dass die Augen aufhält! Die Überlebenden müssen geschützt werden! Die Hopfenfelder sind noch voller Feinde und müssen vertrieben werden. Patrouillen müssen unsere Stadt schützen. Jeder muss wach sein und seinen Teil beitragen. Kannst du das?“
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Brovi Brockstein » Sonntag 9. Juli 2017, 17:43

"Die Hopfenfelder sind noch voller Feinde und müssen vertrieben werden. Patrouillen müssen unsere Stadt schützen. Jeder muss wach sein und seinen Teil beitragen. Kannst du das?"
Unter anderen Umständen hätte Brovi seinen derzeitigen Zustand zwar wohl nicht wirklich reinen Gewissens als "wach" bezeichnen können, aber eine Aufgabe, dachte er, könnte er jetzt ganz gut gebrauchen: Etwas, das seine volle Aufmerksamkeit beanspruchte und ihn von den Schatten der letzten Nacht ablenkte. Außerdem war es bei den vielen Verwundeten und Toten notwendig, das jene, die noch kämpfen oder arbeiten konnten, das auch taten. Falls Orks oder Dunkelelfen versuchten aus Rugta zu fliehen, waren sie wahrscheinlich noch nicht allzu weit gekommen; die Wahrscheinlichkeit, dass man sie zur Strecke bringen und somit verhindern konnte, dass sie sich wieder zu einer Streitmacht von kritischen Ausmaßen zusammenrotteten, war jetzt noch vergleichsweise groß. Daher zögerte der Ingenieur nicht lange, bevor er Magron antwortete:
"Ja, ich denke schon."
Er zog seinen Löffel.
"Wie stehen wir im Moment? Sind noch Feinde in der Stadt, und haben wir die Feuer schon unter Kontrolle?"
Bei dem Gedanken an Feuer wurde Brovi seiner eigenen Verletzung wieder gewahr. Er betastete kurz seinen Kopf und zuckte zusammen, als er die verbrannte Haut berührte. Einige verkohlte Haare fielen bei dem Kontakt ab.
Verdammt, schön wird das nachher nicht aussehen…
Er setzte die Mütze wieder auf und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Magron zu.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Erzähler » Freitag 14. Juli 2017, 08:47

"Ja, ich denke schon."
Er zog seinen Löffel.
"Wie stehen wir im Moment? Sind noch Feinde in der Stadt, und haben wir die Feuer schon unter Kontrolle?"
Magron musterte das Essbesteck in seiner Hand und bot ihm spontan eine der scharf geschliffenen Schaufeln an, die Brovi mitgebracht hatte.
„Die Feuer sind ein Problem, die Fliehenden ein Anderes und ich vermute, dass es auch noch innerhalb der Stadt einige versprengte Feinde gibt, die sich irgendwo versteckt halten um dann heimlich zuzuschlagen. Wir sind in unserer Position noch geschwächt, das könnte ausgenutzt werden. Es gibt überall was zu tun. Du kannst es dir aussuchen. Schließe dich den Löschmahnschaften an, den Außenposten oder der Stadtwache. Hilfe brauchen sie alle.“
Bei den drei Positionen trat jeweils kurz eine passende Person vor. Der Mann der die Löschmahnschaft koordinierte sah jetzt schon arg verrußt aus, so dass man ihn kaum erkennen konnte. Der Anführer der Außenposten war ein menschlicher Jäger den Brovi vom Sehen her kannte und nicht weit von ihm weg wohnte und Die Sicherung der Stand fiel einer Zwergin zu, die just ein Nudelholz in ihre Handfläche klatschen ließ. Sie grinste breit. Inzwischen hatte sich Magron schon wieder abgewandt und besprach weitere Organisationen mit einem noch sehr jung wirkenden Zwerg, der dann gleich los rannte. Brovi musste sich also nur entscheiden, wem er helfen wollte. Etwas ungeduldig wurde er betrachtet, denn die anderen wollten los. Zeit war ein wichtiger Faktor so kurz nach ihrem Sieg.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Brovi Brockstein » Donnerstag 3. August 2017, 18:05

Dankbar nahm Brovi die Schaufel entgegen. Er hatte nicht direkt nach einer Waffe fragen wollen, aber der Löffel war dann doch eher etwas für den Notfall. Nun musste er sich entscheiden, wen er unterstützte. Und zwar schnell: Jede Minute, die sie hier standen, konnten ihre Feinde nutzen um sich neu zu gruppieren oder sonst jemandem zu schaden, und die Feuer würden auch auf niemanden warten.
Sich dem Löschtrupp anzuschließen schloss Brovi gleich aus; nach dem Zwischenfall in Alafays Hütte hatte er erst einmal genug von Feuer. Dementsprechend blieben noch die Gruppen zur Sicherung von Stadt und Umland. Kurz entschlossen ging Brovi zu dem Jäger hinüber, der das Kommando über den Außentrupp hatte.
Er nickte ihm kurz zu.
"Wenn es Euch nichts ausmacht, würde ich mich gerne Euch anschließen."
Nicht nur, dass Brovi diese Aufgabe besser gefiel, der Trupp würde auch mehr noch also der andere jede Hilfe brauchen können: Im Gegensatz zur Stadt, in deren Straßenlabyrinth es für den Ortskundigen vergleichsweise einfach war, fliehende Feine einzukesseln, waren die Felder nur offenes Land, und die wenigen Zwerge und Menschen würden alle Hände und Füße voll zu tun haben es zu durchkämmen. Je weniger Rugtaner zur Verfügung standen, desto länger würde das dauern, und die Orks und Dunkelelfen würden sich immer weiter von Rugta entfernen.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 3. August 2017, 19:01

Der menschliche Jäger nickte und meinte:
„Sehr gut. Wir können Verstärkung gut gebrauchen! Ich bin Henning und das sind Klaas und Sven. Na dann lasst und mal dreckige Orkse jagen!“
Mit einem Grinsen schulterte er seinen Bogen, den er neben sich abgestellt hatte und machte sich auf, die Stadt zu verlassen. Zielstrebig folgten ihm die anderen und auch Brovi. Am Stadttor sammelten sie noch ein paar andere Zwerge auf, die sich ebenfalls anschlossen, aber nicht weiter vorstellten, was auch nicht nötig erschien. Wer Freund und wer Feind war, das war im Moment wichtiger und eben leicht offensichtlich. Mit allem was sie kriegen konnten bewaffnet, was auch die Waffen der Feinde einschloss, zogen sie aus um auf die Jagd zu gehen.
Brovi glaubte noch einmal das Brüllen des Drachen zu hören und sie fanden auch in östlicher Richtung einen blutigen Kampfplatz, wo die Bestie anscheinen noch einmal auf ein paar flüchtenden Feinde nieder gefahren war, aber sonst schien dieses Kapitel von Rugta abgeschlossen zu sein. Warum der Drache sich nach Osten gewandt hatte, blieb dann auch wohl sein Geheimnis.

Der Morgennebel hatte sich gelichtet und die Spuren der fliehenden ehemaligen Besatzungstruppen führten in die umliegenden Wälder, wo sie vermutlich Schutz vor den Geistern und dem Drachen gesucht hatten. Henning hatte die Jäger in Kleingruppen aufgeteilt und so streifte Brovi gerade mit Sven durch das Unterholz. Sven konnte gut Spuren lesen und kniete vor einer Stelle, die so aussah, als hätte jemand ein Stück Moos ausgebuddelt und verkehrt herum liegen lassen. Es war klein, aber ungefähr so groß wie der Vorderfuß eines Orks. Sven legte den Zeigefinger an die Lippen und zeigte in eine unbestimmte Richtung. Dann schlichen sie geduckt zwischen den Büschen entlang. Bald tauchte vor ihnen ein umgestürzter Baumstamm auf, der innen hohl war, so wie Brovi wusste. Er kannte die Stelle gut, hier gab es zur Zeit der Abenddämmerung oft schmackhafte Pilze zu finden. Sie waren nicht mehr weit von seinem Hügel und seinem Heim entfernt. Plötzlich hörte er ein Knacken und spürte, dass etwas haarscharf an seinem Kopf vorbei flog. Eine Zwergenaxt, geworfen von einem Ork, bohrte sich in den leeren Baumstumpf und Brovi wirbelte herum um mit seinem Spaten den auf ihn zu rennenden Ork zu attackieren. Kurz bevor der Hühne ihn erreichte bohrte sich Svens Pfeil in seinen Hals. Gurgelnd brach der Koloss über Brovi zusammen und begrub ihn unter sich.

„Puh, dass war knapp!“
Hörte Brovi Sven sagen, aber sah ihn nicht, denn die Grünhaut lag schwer wie Blei auf ihm.
„Soll ich dir helfen oder schaffst du es alleine?“
Blöde Frage in Anbetracht der Situation, aber auch wenn Sven nicht der hellste schien, so trafen wenigstens seine Pfeile. Nachdem er Brovi dann doch geholfen hatte suchte er nach der Fährte und meinte auf eine unbestimmte Stelle am Boden zeigend:
„Hier haben sich zwei getrennt. Einer ist weiter nach Norden, der andere nach Westen. Wo lang?“
Im Westen lag Brovis Hof und Hütte, im Norden eine Lichtung mit einem kleinen Fluss, der auch Rugta mit seinem Wasser nährte. Jetzt galt es zu überlegen, wo der Feind sich verkriechen würde und was er für Schritte planen könnte. Sven war allerdings bei diesen Überlegungen keine große Hilfe, aber er folgte Brovi mit seinem Bogen.
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Re: Die Politik der Besatzer

Beitragvon Brovi Brockstein » Dienstag 22. August 2017, 19:05

Brovi war zwar ohnehin vorsichtig, aber als dann plötzlich eine Wurfaxt neben ihm im Baum einschlug, erschreckte er sich trotzdem. Wahrscheinlich war es auf sein berufsbedingtes Interesse an Werkzeug und Gerät zurückzuführen, dass er der Axt selbst im ersten Moment mehr Beachtung schenkte als demjenigen, der sie geworfen hatte. Es war eindeutig ein Stück zwergischer Handwerkskunst, und ihrer Größe nach ursprünglich wohl nicht als Wurfbeil, sondern als Handaxt konzipiert. Daraus ließ sich schließen, dass der Werfer um einiges größer, wenn auch nicht zwingend kräftiger, sein musste als ein Zwerg, und wohl auch noch etwas größer als ein Mensch. Wahrscheinlich ein Ork. Wahrscheinlich… genau der Ork, der da gerade auf Brovi zugestürmt kam. Gerade noch rechtzeitig gelang es ihm, seinen Spaten-Speer – konnte man hier von einem Speerten sprechen? – hochzureißen. Der Ork allerdings ließ sich davon anscheinend nicht beirren und polterte weiter auf den Ingenieur zu, wobei er sich erst selbst aufspießte und dann auf Brovi stürzte, der von der Wucht des zusammenpralls zu Boden geschleudert worden war. Erst jetzt bemerkte der Zwerg, dass der Ork wohl schon tot gewesen war, bevor er in Kontakt mit Brovis Speerten gekommen war: In seinem Hals steckte ein Pfeil, abgefeuert wohl von Brovis Kameraden Sven. Abgesehen von dem Pfeil konnte Brovi aber nicht viel sehen, denn die fettigen schwarzen Haare des Orks lagen wie ein Schleier über seinem Gesicht.
"Puh, das war knapp!", sagte Sven irgendwo hinter ihm.
"Soll ich dir helfen oder schaffst du es alleine?"
"Wonach sieht's denn aus?", setzte Brovi an, wurde allerdings von einer Orkhaarsträhne unterbrochen, die in seinen Mund rutschte.
Schließlich zog Sven den Ork dann doch von ihm herunter, und Brovi holte tief Luft. Er zog seinen Speerten – nein, das klang lächerlich. Er zog seinen Spaten-Speer aus dem toten Ork heraus und begutachtete ihn – er war an einer Stelle weiter unten etwas angeknackst, aber das würde sich leicht flicken lassen – während Sven einige Fußspuren untersuchte, die er entdeckt hatte.
„Hier haben sich zwei getrennt", unterrichtete er Brovi. "Einer ist weiter nach Norden, der andere nach Westen. Wo lang?“
Im Norden war eine Lichtung mit einem kleinen Fluss, der auch einen Teil der Wasserversorgung Rugtas gewährleistete. Im westlicher Richtung würde man bald zu Brovis Hütte gelangen.
An dem Fluss kann ein einzelner Ork eigentlich nicht viel Schaden anrichten. Selbst wenn er da reinkackt, wird das in der Stadt schon noch keine Seuche auslösen. Gut, er könnte sich schnell vom Acker machen, wenn er ein Boot oder sowas hätte – hat er aber wahrscheinlich nicht. Der andere hingegen…
Brovi erklärte es Sven.
"Ein Haus ist genau das richtige Versteck, in dem man sich verschanzen kann. Auch gut möglich, dass in meiner Werkstatt noch irgendwas herumliegt was man als Waffe benutzen kann. Wir sollten versuchen, den möglichst schnell auszuschalten, bevor er Fuß fassen kann."
Oder Mopp essen, fügte er in Gedanken hinzu.
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