Nornas Wolfshütte

Hier wohnt Norna Wolfsruf mit ihrem Rudel. Sie lebt wirklich mit den Wölfen unter einem Dach. Alle Tiere schlafen in ihrer Hütte. Tagsüber jedoch sind sie draußen und trainieren mit den Schlitten.
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Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 20. Juni 2013, 10:33

Isildur kommt von Natürlicher Schutzwall

"Du wirst Gelegenheit erhalten, dich zu beweisen. Doch keiner verlangt es von dir, wenn du dein Rudel in Sicherheit bringen muss. Wir kehren erst heim."
Und das taten sie. Die Gruppe erreichte lichtere Stellen des Waldes, der sich wie ein Schutzwall vor ein Dorf legte, das mitten aus Eis und Schnee herausragte. Langhäuser mit mächtigen, hohen und gewölbten Dächern ließen von der Größe des Volkes verkünden. Von ihnen gab es allerdings nur sehr wenige, die meisten Hütten erinnerten an das Zelt, das Bryoja auf ihrer Reise mitgenommen hatte. Es waren Strelen als Holz, über die sich breite Lappen aus Tierhaut spannten. Ob es darunter überhaupt warm werden konnte? Rauch stieg aus den meisten dieser windig wirkenden Bauten. Manch ein Mantroner saß davor, gerbte Felle oder nahm Robben und andere gefangene Beute aus. Kinder tollten durch den Schnee. Sie jagten sich mit richtigen Äxten, schienen dabei aber großen Spaß zu haben!

"Können wir ... an ein Feuer?", klapperte es zwischen den festgefrorenen Zähnen des Otis Kendrick hervor. Hier lernte der Pirat seine Grenzen kennen. Wo er sonst, seines Spitznamen gleich, eine dicke Lippe riksierte, war das Eisreich einfach nur zu viel für ihn. Er wollte aus der Kälte heraus. Er wollte Finger und Zehen wieder spüren.
Atka kam jetzt zu ihm auf den Schlitten gesprungen, musterte ihn besorgt, denn selbst der Pirat stellte in den Augen des Wolfes ein Rudelmitglied dar und auch wenn er Omega war, so gehörte er doch dazu. Sanft drückte sich das Tier gegen den Frierenden, der es einfach nur geschehen ließ.

Bryoja und Isildur zogen den Schlitten zwischen den Tierhauthütten hindurch. Norna Wolfsruf gab den Weg vor. An ihrer Seite inzwischen wieder Quannik und Siiku, die beide aufrechter Haltung daher stolzierten. Einige andere Wölfe, denen die Gruppe begegnete, und die zwischen den Mantronern zu leben schienen wie vierbeinige Gefährten, senkten Kopf und Ohren, als die Tiere der Jägerin vorbei zogen. Bei Isildur allerdings reckten sie die Schnauzen, um zu wittern, was sich da Neues in ihre Reihen verirrte.
Und es wurden immer mehr von diesen kalten Wolfsnasen, denn die Gruppe näherte sich einer am Rand der Siedlung gelegenen Hütte, die von Wölfen geradezu umringt war. Auf eisigen Felsen, vor weiteren Hundeschlitten und am Eingang der Hütte lagen und saßen sie. Einige standen auf, als sich Norna näherte, aber allesamt reckten die Köpfe gen Himmel und begannen im Chor zu jaulen, zum Gruß. Atka antwortete ihn aufgeregt, sprang wieder vom Schlitten, nur um sich dem Rudel zu nähern und dort mit den Jüngeren unter ihnen sofort zu toben.
"Norna! Norna ist zurück!" Kinder aus der Umgebung eilten herbei, die Wolfszüchterin Willkommen zu heißen. Sie nahm die Kleinen herzlich in Empfang, hob das Jüngste von ihnen - einen blonden Fratz mit wilder Mähne - auf ihre Arme und wirbelte ihn dann herum bis er vor Heiterkeit quiekte.

Schließlich aber setzte Norna den Burschen wieder ab, der sofort mit den anderen Kindern zu den Wölfen lief und spielte. Norna schüttelte amüsiert den Kopf, wandte sich zu ihren Begleitern um. "Als könnten sie nicht auch mit ihnen spielen, wenn ich auf der Jagd bin." Sie räusperte sich, zeigte auf ihre Hütte. "Bringen wir euch erst einmal unter, Freundin."
Bryoja nickte und gab Signal, das Geschirr des Schlittens zu lösen. Sie ließen ihn einfach vor der Hütte stehen, in die die Gruppe dann einkehrte. Im Inneren gab es eigentlich nur Dutzende, nach Tier riechender Schlaffelle, die sich am Boden verteilten. In der Mitte befand sich das Lagerfeuer. Es brannte selbst jetzt, auch wenn Norna auf der Jagd gewesen war. Ein Mann saß davor, groß und kräftig, dennoch erkannte man das Alter an ihm. Sein Haar war silbrig wie das Fell Isildurs. Er hatte zwei lange geflochtene Zöpfe, die seitlich von seinem Bart herab baumelten. Narben zierten den nackten Oberkörper. Der Mann fror nicht. Das Feuer spendete genug Wärme. "Gäste?", fragte er mit dunkler Stimme und Norna nickte. Sie ließ sich neben ihm am Feuer nieder, zeigte einladend auf die Felle. Otis hockte sich sofort dicht an die Flammen. Bereits nach einer Weile taute er auf, dass er wieder sprechen konnte: "Habt ihr Rum?"
Norna schüttelte den Kopf. Ihre Aufmerksamkeit galt aber ohnehin dem Waldelfen in Wolfsgestalt. "Wie kann ich dir nun helfen, Isildur?", fragte sie und verteilte Schalen mit einer seltsam tranigen Fleischbrühe.
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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Donnerstag 20. Juni 2013, 19:33

Seine Ohren zuckten nervös, als die alte Mantronerin sich ihn immer stärker näherte. Die Worte waren beruhigend, sprachen den Wolf in sich an. Es fiel ihm schwer, aber er konnte sich zügeln,während Quannik anfangs ihn drohte. Doch Norna war keine Gefahr, dass spürte der Wolfself instinktiv und ließ sie gewähren. Es kitzelte leicht und er hielt trotzdem dem Atem an, während sie seine Witterung aufnahm. Seltsam. Die Frau war so zerbrechlich und doch stark wie die Wölfe , die ihr folgten.
Was macht sie da?
Isildur konnte sehen, dass sie an seinem Fell roch. Sah wie sich der Nasenrücken der Frau leicht kraus zog.
„Ich kann es riechen. Grün und dicht. Du bist Jäger." Erstaunt sah er die Frau an. Sie hatte es gerochen! Sie roch noch immer seinen Wald und was er tat?
Unglaublich!
Isildur war verblüfft, obwohl war das nicht eine spezielle Gabe, die meist solche Frauen wie Norna auszeichnete? Sie war eindeutig Wolf!
Jäger, ja das konnte der Waldelf nicht leugnen- und dass sogar in mehr als einer Hinsicht. Nicht nur in den Wäldern seiner Heimat, nein sein ganzen Leben schien aus der Jagd zu bestehen. Er jagte für sein Dorf, jagte immer seinen Schwestern nach, wenn diese wieder verloren gingen. Er war schon immer ein Jäger gewesenen und waren das im Grundprinzip nicht Wölfe auch? Jäger und die Gemeinschaft des Rudels?
Isildur würde bei einem ruhigen Moment darüber nachdenken müssen, wenn er nicht einen Auftrag hatte.
Selbst jetzt jage ich. Jage meinem selbst nach!
Noch bevor Isildur die Frage der Frau beantworten konnte, ergriff Bryoja das Wort. Sie hatte etwas besitzergreifendes und wie sich Norna zurückzog, machte sie deutlich, dass sie wohl Konkurrenz in Norna sah. Der Silberwolf legte den Kopf leicht schräg, ein Blitzen in den Augen was sein schmunzeln zeigte. Eindeutig sein Weibchen.
„So ist es!...ich erkläre es später“ Er wies zu dem Piraten hinter sich.

Norna schritt voran und die anderen folgten. Quannik hatte Verständnis, was das Beweisen betraf. Ja, erst musste alle sicher sein.
Isildur selber spürte eine leichte Nervosität auf sich zukommen, die er schlecht in Worte fassen konnte. Gewöhnlich mochte er keine Städte oder Menschendörfer. Doch seine Sorge verflog, als sich die erste Hütten zeigte. Es war nichts aus Stein oder toten Holz erbaut worden, es waren im Grunde genommen auch nur Zelte. Das Volk der Mantroner lebte ähnlich frei und verbunden mit der Natur wie die Elfen. Damit hätte Isildur nicht gerechnet, dass ein ganzes Volk so lebte. Die fremden Gerüche waren so irgendwie vertraut. Man roch Alter, Feuer, Felle und vor allen Wölfe.
„so ähnlich sehe die Lager auch in meiner Heimat aus.“ sprach er gedämpft zu Bryoja und stupste sie ein wenig an. Sie selber schien auch aufzublühen, immerhin war das ihre Heimat.
„Übrigens mit dem spielen habe ich nicht vergessen“ Grollte er ihr leise entgegen, erinnerte sie daran, was sie zu ihm gesagt hatte, als er mit Atka am Toben war.
Zwar merkte Isildur, dass er eine Menge Blicke auf sich zog, doch es war nicht wie in der Piratenstadt- hier war man nur ein wenig irritiert. Die Wölfe vor allen schienen nicht zu wissen was er war und der Waldelf versuchte sich zumindest zu zu verhalten, dass er seinen Stolz nicht aufgab, aber keinen einen Grund zur Aggression ließ.
Die würden dir nichts tun, einfach weil Norna und die anderen beiden Wölfe dich neutral empfangen haben. Schwestern, das wäre was für euch....viele Wölfe zum knuddeln

Das Dorf war herzlich und die Kinder, die freudig auf Norna zugelaufen kamen, erinnerten Isildur wieder an zu hause. Auch da waren es die Kinder, die den Jägern entgegen rannten und sich freuten. Isildur hatte es einst bei seinem Vater getan und jetzt waren es die Schwestern gewesen, oder auch die jüngeren, die ebenfalls große Krieger und Jäger werden wollten.
Ein leichtes wehmütiges Seufzen entwich ihm. Wäre die Natur grün, die Mantroner hätten spitze Ohren, dann hätte es wirklich fast seine Heimat sein können. Es gab so viele Parallelen.
Sollte ich irgendwann tatsächlich meine Schwestern nicht mehr finden können und ein Wolf bleiben, so wäre dies ein guter Ort zu bleiben...
Die Mantronerin würde sehen, wie sein Blick über alles wanderte- die Heimweh sich zeigte und der Schmerz. Mit einem Kopfschütteln vertrieb er die Sorgen. Es war jetzt keine Zeit dafür.
Die Wölfe hießen Norna willkommen und kündigten dem Dorf wohl an, dass sie weder zurück war.
Atka hatte sich inzwischen um den Piraten etwas gekümmert und versuchte ihn zu wärmen. Otis musste auf jeden Fall an ein Feuer.
Nachdem der Schlitten vor einem großem Zelt...oder Bauten abgestellt wurde, half isildur den Menschen vom Schlitten zu kommen. Die Knochen schienen schon ganz steif zu sein und der Elf musste ihn mehr helfen als erwartet. Sie brauchten den Mann und sie konnten hoffen, dass er sich als fähig raus stellen würde.

„Jetzt geht’s in die Wärme“ versicherte er ihm und tatsächlich wurden sie in diese Hütte geführt. Isildur blieb für einen Moment draußen stehen, beäugte das Bauwerk und trat dann ein. Was die Mantronerin noch eben zu Broyja gesagt hatte, verstand er sowieso nicht.
Wärme kam ihm entgegen und der beißende Geruch von für ihn vollkommen Fremdes. Er strich sich über die Schnauze, zog dann vorsichtig den Geruch ein um ihn zu analysieren. Die brummige Stimme ließ Isildur den Kopf drehen und er sah einen Mann, der Alter und Erfahrung ausstrahlte. Kraft genauso wie Weisheit. Eindeutig war dies ein Krieger.
Vielleicht der Gefährte von ihr...oder der Häuptling?
„Wer ist der Mann?“ fragte er die Frostwölfin.
Norna wies auf Felle und Otis kroch förmlich in das Feuer, als er sich davor hockte. Isildur setzte sich den beiden älteren Mantronern gegenüber, nahm neben Bryoja platz. Seinen Bogen holte er vom Rücken, legte ihn hinter sich.
Das er in das Augenmerk von der älteren Mantronerin gefallen war, verstand sich fast von selbst, wenn man sie mit de Wölfen sah.
Er griff die Schale mit der fremdartigen Brühe, wollte sie erst abstellen, bevor er sie trinken würde, nickte ihr dankend zu. Doch so heiß schien sie nicht zu sein, also schlabberte er sie, wie es ihn nun mal nur als Halbwolf möglich war. Wischte sich mit dem Handrücken über die Schnauze und sah zu der Frau.
Ob sie merkte, wie wichtig es ihm war und er irgendwie angespannt war.
„ Ich erhoffe mir eine Lösung. Ich weiß nicht, was euch Silberblut sagt? Bei uns Elfen ist es etwas besonderes, was uns dazu befähigt, uns in die Tiergestalt unsere Seele zu verwandeln. Bei mir ist es sehr spät aktiv geworden...und ich bin der einzige seit langer Zeit, der es kann“ Er nahm noch einen weiteren Schluck. Eindeutig schmeckte es ihn.
„Mir wurde immer gesagt, ich sollte mich nicht zu oft wandeln- es würde ein Verlieren des Elfssein nach sich ziehen. Ich war nie so gewesen...“ er wies auf sich, ballte die Klaue zur Faust.
„ ich war immer ein ...Wolf auf vier Pfoten, keine Mischform...aber irgendwann konnte ich mich nach dem letzten Mal nicht zurückverwandeln...Das ist alles was ich hinbekommen habe. Egal wie stark ich mich konzentriere, nichts... nur einmal habe ich mich kurz zurückverwandelt...“ er warf Bryoja einen Blick zu. Sie wusste das er damals mit Cattie im Bett war.
„nachdem ich Sex mit einer Piratin hatte...Mir wurde es gesagt, es war nicht lange- nur kurz.... mein Weibch....“ er schloß kurz die Augen.
„...Bryoja sagte, ihr wisst alles was Wölfe betrifft und ihr könntet mir helfen“
Jetzt war es raus und es störte ihn gerade nicht mal, dass Otis dies gehört hatte. Das er in der Wolfssprache wieder sprach, zeigte, das ihm beides inzwischen lag.
Eine gefühlte Ewigkeit trug er es mit sich und sein Blick war voller Hoffnung. Natürlich merkte er auch, dass sein Denken sich gewandelt hatte und der Wolf stärker als früher in ihm war. Er war kein Mann der sich leicht geschlagen gab und der Wolf verstärkte es in ihm.

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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Dienstag 2. Juli 2013, 18:55

Die Schnauze eines Wolfes war faszinierend, wenn man sie nur eingehend genug studierte. So waren hundeartige Tiere in der Lage, mit jedem Nasenloch separat zu riechen. Sie konnten über 75.000 Geruchsnuancen aus einem einzigen Aroma herausfiltern und anhand solcher Gerüche Fährten, Spuren und Personen wiederfinden. Zu solch wundervollem Werk war ein Mensch nicht in der Lage. Norna Wolfsruf aber hatte nur dicht genug an Isildurs Fell schnuppern müssen, um in ihm einen Jäger der Wälder zu erkennen. Sie war mit einer Gabe gesegnet.

Man erreichte Mantron, die Stadt der Tapferen. Endlich! Aber eine Stadt dieses Volkes ähnelte sicher keiner, die Isildur erwartet hatte. Keine Mauern, kein Stein. Hier gab es nichts Totes, von Menschenhand geschaffen. Jeder Winkel und Erker im verschneiten Heim der hünenhaften Menschen besaß etwas Lebendiges und der Wolfsgeruch in der Luft erinnerte an Gemeinschaft.
Und genau das war es, was man hier erleben durfte: eine Gemeinschaft. Ein Rudel aus Wölfen und Menschen, die miteinander im Einklang lebten und sich auch so balgten. Isildur konnte einige junge Mantroner sehen - Kinder, die zusammen mit Wolfswelpen durch den Schnee wetzten. Atka schien sofort Feuer und Flamme für sie, bellte ihnen auffordernd zu. Bryoja aber pfiff ihn an seine Seite zurück, wandte sich jedoch an ihren Wolfselfen. "Wir spielen noch früh genug."

Das Spielen in jeglicher Art und Weise musste ohnehin zurückgestellt werden. Zunächst galt es, einen warmen Hort zu finden, vor allem für Otis. Der Pirat war vollkommen durchgefroren. Nur langsam ging es mit ihm voran, aber ein Seufzen entwich seinen spröden Lippen bei der heranwallenden Wärme und dem Anblick des Feuers im Innern von Nornas Heimstatt. Den Fremden am Feuer ignorierte Otis gekonnt, er hatte nur Augen für die prasselnden Flammen, wo man ihn schnell hin bugsierte.
Der alte Mann hob nur leicht den Kopf, musterte jeden Neuankömmling gemächlich und mit der Ruhe eines Bären beim Winterschlaf. Vielleicht sah er auch so drein, weil er kein Celcianishc verstand. Jedenfalls reagierte er nicht auf Isildurs Frage, auch wenn er den aufrechten Wolf am längsten von allen betrachtete.
"Das ist mein Großvater und Mentor Barathon Silberrücken." Norna ließ sich neben den alten Mantroner nieder, der erst Otis dann ihr eine Schale mit Eintopf reichte, welcher über dem Feuer geköchelt hatte. Das Fleisch darin war definitiv kein Rind, dazu stimmte die Farbe zu wenig überein. Außerdem roch es anders, schmeckte fischiger, selbst wenn es kein Fisch war. Man ließ sich die seltsame Brühe schmecken. Bryoja langte da ordentlich zu. Sie kannte ganz offensichtlich die Mahlzeit und auch Nornas Wölfe bekamen ihren Anteil, den sie sofort aufschlabberten. Atka musste etwas warten, erhielt einen Restteil. Er war nicht weit oben in der Rangfolge, akzeptierte seinen Platz aber. Noch war er jung und stark. Noch konnte er sich an eine bessere Position arbeiten.

Norna aß ebenfalls von ihrer Brühe, wenn auch etwas geziemter als die Mantronerin an Isildurs Seite. Sie schlang nicht, was man von einer Frau hätte erwarten können, die sich den Wölfen so sehr verbunden fühlte. Aber da war sie wohl doch noch Mensch genug. Aufmerksam aber lauschte sie Isildurs Ausführungen, neigte hin und wieder den Kopf oder runzelte nachdenklich die Stirn.
"Von den Elfen und silbernem Blut weiß ich wenig bis gar nichts. Aber unsere Ahnengeister sprachen schon oft zu mir, ich solle mich hüten, den letzten Schritt der Wölfe zu wagen, wenn ich nicht wirklich Teil ihrer Sippschaft werden und meine eisigen Wurzeln hinter mir lassen möchte. Ich wage diesen Schritt nicht, Isildur. Ich bin Mantronerin, keine Wölfin. So sehr ich mich ihnen auch verbunden fühle. Im Innern bist du Elf. Verliere dich nicht."
Dann jedoch unterhielt sie sich mit Barathon in der Sprache ihrer Heimat. Bryoja allein verstand die beiden noch, blieb aber ruhig, bis der alte Mantroner antwortete. Kurz darauf nickte Norna, richtete den Blick zurück auf den Wolfselfen.
"Sex ist befreiend", sprach sie frei heraus. Mantroner schienen allesamt recht direkt zu sein. "Möglicherweise zeigt sich dein wahres Ich im Moment absoluter Freiheit." Sie hob ihre Schale an die Lippen, trank von der wohltuenden Brühe, welche die Lebensgeister weckte. "Du solltest wieder Sex haben, um das zu prüfen. Bryoja hat Interesse an dir? Dann tut es."
Bryoja ließ fast ihre Schale fallen, ehe sie Norna einen wütenden Blick zuwarf, aber auch sie hielt mit ihren Worten nicht hinter dem Berg. "Und wenn schon? Er ist interessant, ja! Das heißt nicht, dass ich mich bereitwillig paaren werde wie die nächstbeste Wölfin."
Über Nornas Züge huschte ein Schmunzeln. "Also hast du endlich einen interessanten Partner gefunden."
"Können wir das übergehen? Wir sind hier aus einem anderen Grund als meinen persönlichen Bedürfnissen. Du sollst ihm helfen, Norna. Er ist ein Wolf und sollte keiner sein."

"Ich kann meine Worte nur wiederholen, Schwester. Er sollte es prüfen, ob es am körperlichen Kontakt oder den Emotionen liegt, die dadurch freigerufen wurden. Wobei fühlt Ihr Euch noch wahrhaft frei, Isildur?"
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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Samstag 6. Juli 2013, 14:14

Diese seltsame Suppe war richtig geschmackvoll und lecker. Genau konnte der Waldelf jedoch nicht rausschmecken was es war. Eine Mischung aus Fleisch und doch schmeckte es irgendwie nach Fisch. Das Bild eines mehr als seltsamen Tieres formte sich im Kopf des Elfen und er musste schmunzeln.
Inzwischen wusste er auch, wer der andere Mann am Feuer war. Bryojas Großvater! Seltsam, dass die Großväter immer gleich aussahen, wenn bei den Elfen auch kein Bart vorhanden war. Aber die Ausstrahlung, Kraftvoll und Würdevoll- eben die perfekten Lehrmeister für die jüngeren. Otis selber schien ebenfalls sich an der Wärme des Feuers zu erfreuen und schöpfte Kraft, wenn er zu seinem Glück noch nicht sein Mundwerk wieder gefunden hatte. Vielleicht war der Pirat so clever und würde sie hier zumindest halten. Bryoja an seiner Seite schien regelrecht ausgehungert zu sein, denn sie schien richtig gierig nach der Suppe zu sein- vielleicht war es auch ihr Lieblingsessen oder wie sagte man doch, Zuhause schmeckte es am besten.
Norna schien über dem Gesagten nachzudenken, und Isildur reichte ihr seine Schüssel um noch eine Portion zu erhalten. Sie sprach also mit ihren Ahnen und wurde von ihnen gewarnt, tja er hatte sein Wissen auch von dem Magier des Dorfes, der immerhin das meiste an Wissen besaß.
„ich habe nicht vor mich zu verlieren…. Doch ich befürchte, ich habe es zum Teil schon“ Wie sollte er es sonst beschreiben. Er spürte den Wolf bei allen was er tat- stärker und mächtiger. Mal wie eine zweite Person in seinem Geist, mal komplett mit ihm eins.
„Es ist manchmal so, als hätte ich zwei Wesen in mir…die zeitweilig zu eins werden und dann wieder nicht….“ Erläuterte er das Problem. Norna wandte sich kurz zu dem alten Mann um, sprach mit ihn. Die Ohren stellten sich bei Isildur wie von selbst auf, lauschten ob sie etwas verstehen konnten. Nein, die Sprache verstand er nicht. Fragend sah er zu Bryoja, erhoffte sich eine Antwort, als sich Norna wieder an ihn wandte.
„Sex ist befreiend. Möglicherweise zeigt sich dein wahres Ich im Moment absoluter Freiheit. Du solltest wieder Sex haben, um das zu prüfen. Bryoja hat Interesse an dir? Dann tut es."
Wenn das nicht offen ist... aber jetzt sofort? ich mag dieses Volk, es gefällt mir...
Da würde der Wolfself nicht im geringsten widersprechen und die offene Art wie die Mantroner sprachen, war eine Sprache die Isildur selber so in seiner Heimat unter den Waldelfen kannte. Als jedoch die Sprache auf die Mantronerin kam, war diese wohl alles andere als begeistert…und Isildur musste auflachen.
Dabei könnte ich es mir gut vorstellen…hmm, was sie wohl gerade mit Norna bestricht. Es passt ihr eindeutig nicht. Vielleicht habe ich auch die Zeichen…ach quatsch, sie hat es mehr als deutlich gemacht, aber sie ist überrumpelt. Irgendwie drollig…
Ja, so fand es Isildur. Niedlich und drollig, bei der Mantronerin schien ihre gefasste Haltung mehr als nur zu bröckeln. Wieso auch nicht? Sein Blick wanderte über die jüngere Mantronerin. Ihre Kraft und Ausdauer, die Art wie sie sich bewegte…er hatte sie früh schon als sein Weibchen deklariert, sogar obwohl er mit der Piratin ins Bett gegangen war. Bryoja war eben anders…Nein, als eine läufige Wölfin sah er sie nicht an, aber als ein starkes Alphaweibchen… Seine Pranke legte sich auf ihren Unterarm.
„beruhig dich…Auf Kommando kann ich nicht“ Da waren sich zumindest Isildur und die Bewohner des Eises gleich, sehr direkt.
Norna sprach ihn wieder an und er richtete seine Aufmerksamkeit auf die ältere Frau.
„vieles kollidiert mit dem Wolf. Ich jage gerne… Ich geniese die Ruhe, aber auch die Gemeinschaft mit anderen. Ich mag das Gefühl des Auspowern…bis es nicht mehr geht.“ Er seufzte leise.
„Vielleicht setzte ich mich selber unter zu großen Druck. Vielleicht haben die Götter auch etwas damit vor…ich kann es nicht sagen. Aber es gibt Momente, da fühle ich mich so… besser und freier… Ist das schlecht?…wie stoppe ich es?“ ja, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte- der Wolf dachte nicht über alles nach, agierte aus Reflex und Gefühl….
„ doch wir sind auch wegen etwas anderen hier. Das betrifft den Auftrag von Bryoja“ Wechselte er das Thema. Es machte ihm Angst und bereitete ihn Kummer. Mit der Zeit würde sich bestimmt alles aufklären. Er hoffte darauf, wenn es ihm auch schwerfiel zu warten, aber nichts geschah ohne Grund- das wusste er.

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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. Juli 2013, 13:54

Klugheit konnte man einem Mann wie Otis vielleicht nicht unbedingt nachsagen. Die Tatsache, dass er momentan trotz der Wärme, die seinen Körper wieder durchströmte, den Mund hielt, war ebenfalls der Eintopf zu verdanken, den Nornas Großvater hier verteilt hatte. Der Pirat schmatzte, schlang herunter, so gut es ging und ließ es sich sichtlich schmecken. Erst wenn er wirklich satt war, würde man mit Kommentaren von "Dicke Lippe" Otis wieder rechnen müssen.
Da noch genug von der exotischen Suppe übrig war, würde es also noch eine Weile ruhig bleiben. Norna schöpfte Isildur noch eine weitere Schale nach und reichte sie ihm zurück. Obwohl er hier Gast im Haus der Wolfszüchterin war, schien doch alles sehr familiär. Auch Bryoja behandelte man sehr zuvorkommend, dabei gehörte sie nicht einmal zur richtigen Familie des "Wolfsrudels", obgleich Norna und sie einander Schwestern nannten. Im Augenblick aber lauschte Norna dem Wolfselfen an ihrer Seite. Seine Worte schienen all ihre Aufmerksamkeit anzunehmen und hätte sie wölfische Ohren besessen, sie wären wohl in Isildurs Richtung gespitzt worden.
"Ich glaube nicht, dass du dich verloren hast", entgegnete sie jetzt in gebrochenem Celcianisch. Ihr Großvater lauschte nicht. Offenbar verstand er kein einziges Wort. "Ebenso wenig leben zwei Seelen in dir. Hast du schon einmal daran gedacht, dass du es bist? Du bist der Wolf; ein Jäger im Innern. Teil deiner Seele, aber keine zweite. Auch dieser Part möchte Beachtung finden. Folge deinen Instinkten." Sie setzte ihre Schale ab, schob sie zu Atka herüber und Schwanz wedelnd begann dieser, daraus zu schlabbern. Norna hingegen klopfte auf ihren Schenkel. Schon setzte sich Siku neben sie und ließ sich durch den Pelz streichen. Amüsiert betrachtete sie Bryoja. Da war die unerschütterliche Kriegerin tatsächlich aus der Fassung gebracht worden. Nornas Lippen kräuselten sich bei der leichten Röte, die man auf dem Gesicht der anderen Mantronerin ausmachen konnte. Und es wurde noch eine Spur röter, als Isildur ihren Arm berührte. Sie schielt aus den Augenwinkeln zu ihm herüber.
"Ich hatte auch nicht vor, auf Abruf jetzt mit dir zu schlafen", schnarrte sie da doch etwas forscher als vermutlich gewollt. Sie atmete durch. "Zurück zum eigentlichen Thema, ja? Bitte!"
Nun musste auch Norna herzlich lachen. Ihr Großvater lächelte leicht, verstand er doch nichts, aber dass sich ihre Enkelin so gut mit den Gästen unterhielt, erfüllte sein Herz mit Freude.

Aber endlich beruhigte man sich etwas und folgte Bryojas Bitten. Man kehrte zum Problem zurück, das offensichtlich war: Isildur, der halbe Wolf und halbe Elf. Erneut konzentrierte sich die Wolfs-Mantronerin und hörte ihm stillschweigend zu, bis er geendet hatte. "Ich sehe nichts Verwerfliches daran", raunte sie schließlich. "Ich jage ebenso gern, gebe mich dem hin, was ein Wolf den ganzen Tag genießen kann und nur dann fühle auch ich mich wahrhaft frei. Andere Mantroner erleben dieses Gefühl auf See oder bei ihren Erkundungen des Eisreiches." Sie schaute zur Seite und lächelte sacht. "Mein lieber Großvater ist von Freiheit erfüllt, wenn er schnitzt oder die Ahnensteine aufsucht. Es ist bei jedem anders und man sollte sich diese Freiheiten gönnen. Sie lassen die Seele atmen."
Sie ließ die Worte ein wenig sacken, ehe ihr Kopf sich kaum merklich in Bryojas Richtung drehte. Die Brauen hoben sich. "Ich weiß, warum du losgezogen bist. Das wissen wir alle in Mantron. Hattest du Erfolg?"
"Ich habe einen Piraten mitgebracht. Wonach sieht es deiner Meinung dann aus?"
Norna nickte. "Du solltest mit Thure sprechen. Aktuell haben wir noch andere Probleme - der zugefrorene Eiskanal ist dir sicher auf dem Weg hierher aufgefallen."
"Was ist passiert?", erkundigte sich Bryoja. Dass Isildurs Hand noch immer an ihrem Arm lag, schien sie jetzt nicht mehr sonderlich zu stören. Sie rückte gar ein Stück näher an ihn heran und Atka hielt sich sehr brav zurück. Er rollte sich neben Siku ein. Quannik, der beim Zelteingang saß, überwachte alles und behielt die Kontrolle über die Situation, während Alpha Norna sich unterhielt.
"Wir wissen es selbst nicht. Thure Sturmschreier ist mit einigen Männern losgezogen, um mehr herauszufinden. Ein paar wurden vermisst. Ich habe noch keine Neuigkeiten gehört, weil ich Tage lang auf der Jagd war. Durch Zufall trafen wir einander in den Wäldern."
Bryoja nickte. "Ich muss das vorzeitige Ergebnis meiner Reise Thure vortragen. Danach geht es weiter. Wir müssen nach Santros."
Norna runzelte die Stirn. "Santros? Das hört sich an, als sei deine Mission noch nicht beendet."
"Sie fängt gerade erst an. Doch sag, besteht die Möglichkeit, Thure zu sprechen?"
Norna zuckte mit den Schultern. Daraufhin sprach sie nochmals mit ihrem Großvater, doch auch der zeigte keine andere Rekation. So wandte sie sich wieder an Bryoja und ihre Begleiter. "Du wirst selbst nachsehen müssen. Barathon war nicht draußen heute und ich auf der Jagd. Geh zum Langhaus, da wirst du mehr erfahren."
Bryoja tauschte einen Blick mit Isildur, ob dieser bereit war, schon wieder loszustapfen. Otis wurde nicht gefragt, aber er hörte ohnehin nur mit halbem Ohr zu.
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Montag 5. August 2013, 19:22

War das die Lösung? Er musste es nur annehmen! Nur als einen Teil von sich annehmen und dem Wolf in sich mehr Beachtung schenken? Es hörte sich sinnig an und Isildur konnte nichts mehr darauf erwidern, nickte nur stumm. Wenn er die letzte Zeit Revue passieren ließ, dann musste er sich eingestehen, dass je verzweifelter er die Wandlung hervorrufen wollte, desto weniger Erfolg beziehungsweise gar keinen hatte er. Und warum sollte nicht der Wolf seinen Platz haben, wo es doch sowieso das Tier seiner Seele war. Er war schon immer da gewesen, nur eben erst sichtbar geworden nach dem Vorfall damals. Seit diesem Biss der Bestie und nachdem der gnomische Schamane geholfen hatte. Vielleicht war es wirklich nur Isildur selber, der alles so kompliziert machte. Wenn es dadurch nicht leichter war, es sofort zu akzeptieren. Er musste es lernen!
„Du hast vermutlich recht…ich muß lernen es als Teil von mir anzunehmen- nicht als Problem!!“
Er nahm den Suppennachschlag gerne entgegen, schlabberte weiterhin die Suppe und die Wärme die diese im Körper ausstrahlte brachte eine natürlich Müdigkeit mit sich. Eine, die eintrat, wenn man gut gegessen hatte und sich wohl fühlte, denn obwohl er hier in der Fremde war, so konnte er sich dem familiären Gefühl nicht verwehren.
Es ähnelt in so vielen meiner Heimat! Selbst die Bande unter den ihren scheint gleich stark zu sein. Menschen sind doch nicht so fern der Natur, wie ich oft gehört habe….zumindest diese hier nicht.
Die harsche Antwort von Bryoja ließ auch Isildur schmunzeln. Sie war überrumpelt, doch trotzdem entzog er seine Pranke nicht. Es war immer gemein, wenn andere einem eher einschätzen konnte als man selber. Das Gefühl kannte er selber nur zu gut und seine Schwestern, insbesondere Yavanna schaffte es mit Leichtigkeit bei ihren Bruder.
Schnell steuerte sie den Wechsel des Themas an- die Mission.
„Gibt es einen Verdacht oder Vermutung, wer oder was für das Einfrieren verantwortlich ist?“ Erkundigte sich nur auch der Silberwolf. Irgendwelche Hinweise muß es doch geben.
Doch sollte es ihre Mission nicht zu lange aufhalten, wenn auch Isildur gerne helfen würde. Er hatte Cattie immerhin einen Handel vorgeschlagen und Isildur wollte die Frau Otis und dessen Sohn retten. Selbst wenn der Pirat nicht so motiviert war.
„Dann lass uns ihn aufsuchen…“ Er hob sich, stoppte kurz und Blickte dann Norna einen Moment länger an.
„Ich danke Dir für deinen Rat, Wölfin…mal sehen, wann ich dazu komme, zu testen, ob es am Sex lag“ grinste er und warf kurz einen flüchtigen Blick zu Bryoja. Er war auch nur Mann und in seinem Leben ließ er ebenso nichts anbrennen, sonst wäre er wohl auch nicht bei Cattie im Bett gelandet. Frauen waren auch seine schwäche und in seinem Dorf wurde das Liebesspiel gerne vollzogen. Und über Mangel an weiblicher Zuwendung konnte er sich dort nie beklagen. Obwohl er nicht damit gerechnet hatte, dass die Piratin sich mit einem Wolf einlässt.
Norna hatte ihm versucht aufzuzeigen, dass er sich sein jetziges Aussehen nicht von der Welt ausschließen musste…zumindest hatte er es so verstanden.
Damit neigte Isildur kurz den Kopf vor den Wölfen und verließ gemeinsam mit der Mantronerin die Hütte.
„Sie ist eine wirklich weise Frau…sie erinnert mich an meine Großmutter, als sich noch nicht zu den Göttern gekehrt war…" er ließ seinen Blick wandern. So vieles gab es zu sehen.
„Also wo ist dieses Langhaus?“

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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. August 2013, 16:41

"Ist der Wolf in dir denn für dich ein Problem, Isildur?", fragte Norna, ohne ihn anzusehen. Sie schlürfte einen Teil ihres Eintopfes, ehe sie - gesättigt - die Schale beiseite stellte. Noch immer ruhte ihr wölfischer Blick nicht auf dem Elfen im silbernen Pelz. "Du brauchst mir nicht antworten. Beantworte diese Frage für dich, nur für dich allein. Dann weißt du, dass deine Antwort ehrlich ausfallen wird."
Sie blieben in geselliger Runde, kamen zu Bryojas Beruhigung aber endlich auf andere Themen zu sprechen. Die Mantronerin nickte, neugierig, was Norna wohl zu der Sache mit dem gefrorenen Eiskanal zu sagen hatte. Sie musste doch mehr wissen! Tatsächlich nickte die Wolfszüchterin langsam. "Im Dorf sagt man, Magie steckt dahinter, deshalb ist Thure Sturmschreier auch losgezogen. Eine solche Sache will er sich immer selbst ganz genau ansehen. Du kennst ihn ja, Bryoja."
Isildurs Gefährtin nickte sacht, auch zu seinem Vorschlag, aufzubrechen. Wenn sie noch länger hier herum säßen, kämen sie nicht voran. Otis allein brummte ein wenig mürrisch auf, fügte sich aber und gab sogar überraschend bekannt: "Bringen wir es hinter uns, damit wir dieses eisige Reich schnell wieder verlassen können."
"Vermisst das Raubein sein Piraten verseuchtes Heimatkaff?", ließ es sich Bryoja nicht nehmen, ihn zu necken. Otis brummte nur zurück: "Ich vermiss den Rum."
Auf Alkohol konnten sie jetzt jedoch keinerlei Rücksicht nehmen, auch wenn ein guter Schnaps oder Branntwein die Bäuche von innen heraus erwärmt hätte. Norna nickte ihnen zum Abschied zu, Isildur erntete dabei einen längeren Blick. "Ich bleibe hier, bei meinem Großvater."
"Wir kehren nicht zurück, ich habe meine eigene Hütte."
Erneut nickte Norna, dieses Mal auf Bryojas Worte. "Deine Sippe wird dich ohnehin vermisst haben." Das waren die letzten Worte seitens der Mantronerin. Sie ließ das Trio ziehen, nur Atka wurde nochmal geschnappt und ordentlich gestreichelt, ehe auch er aus dem Zelt verschwinden durfte. Rasch folgte er der Gruppe. Otis hob unwillkürlich sofort die Schultern, kaum dass ein kalter Wind sie begrüßte. Bryoja hingegen zeigte auf eine Gebäude, das den Namen "Langhaus" auch verdient hatte. Es war nicht nur gewaltig mit einem halbrunden Giebeldach, sondern zog sich wie ein langes Brot durch die Reihen der Zeltheimstätten der Tapferen. Aus einem Kaminähnlichen Loch im Dacht schwelte etwas Rauch. Das Haus war derzeit nicht unbewohnt. Eilig stapfte Bryoja darauf zu.


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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 22. August 2019, 09:42

(Bilgar kommt von: Bilgars Elternhaus)

Der Weg des Jägers führte ihn die längste Straße in Mantron entlang, ganz bis zu deren Ende, dorthin wo Norna mit ihren Wölfen lebte. Schon von weitem hörte man ihr Jaulen, Winseln, Knurren und wenn man näher kam, dann auch das Scharren ihrer Krallen und ihr Hecheln. Ihr Haus stand etwas abseits und wenn man näher kam, sah man auch den Zwinger, in dem nur selten mal ein Tier eingesperrt wurde, dann aber mit Grund. Häufig waren es läufige Weibchen, oder verletzte Tiere die nicht herum toben durften. Die meisten Wölfe des großen Rudels liefen aber an langen Leinen herum, die mehr aus Prinzip nicht zerrissen wurden, als dass sie sie wirklich banden und hielten. Manche waren auch einfach aneinander gebunden. Dann war es immer ein gut erzogenes Alttier und ein Jungspund, der noch lernen musste. Ein solches Paar kam Bilgar entgegen. Der vordere Wolf war jung und neugierig und zog den älteren mühselig sich abkämpfend hinter sich her, da dieser nicht mal geruhte aus seinem Sitz aufzustehen und so mit seinem Hintern eine breite Furche im Schnee hinterließ. Als der Kleine Bilgar fast zu nahe kam, ließ sich der hintere auch noch gelangweilt fallen und stoppte damit das junge „Zugtier“. Der vordere jaulte vor Verzweiflung und grub die Pfoten tief in den Schnee. Zentimeter für Zentimeter zog der den alten Wolf auf die Hütte zu... ein gutes Training für die spätere Last eines Schlitten. Vor der Hütte lag Nornas Leitwolf und hob nur einmal den Kopf, schnupperte und ließ ihn dann wieder sinken. Bilgar durfte also passieren.
Im Innern der Hütte war es mollig warm, auch wenn es ein bisschen strenger nach Hund roch. Die Welpen des aktuellen Wurfes tollten herum und Norna saß mit den Füßen auf dem Tisch da, schaute auf und nickte Bilgar zu, dass er eintreten könne. Sie hatte einen Welpen auf ihrem Schoß und zwei weitere kauten selbstvergessen unter dem Tisch auf einem alten Stück Leder herum, dass vielleicht mal ein Stiefel hätte sein können.
„Grüße dich, Bilgar Schneeblick.“
Sie nahm aus einer Schale ein kleines Stück Fleisch, aus einer anderen ein Kraut und steckte sich beides in den Mund. Sie kaute, spuckte das ganze in ihre Hand und ließ den Brei den Welpen fressen.
„Der kleine Racker hier hat es geschafft, sich an meiner Halskette zu vergehen.“
Aktuell hatte sie keine um, aber vielleicht erinnerte sich Bilgar mal eine an ihr gesehen zu haben. Geschliffene Wolfszähne ihrer Lieblinge, soweit er sich erinnerte.
„Jetzt müssen die Kleinteile so schnell wie möglich wieder raus! Tia, mein Kleiner. Da musst du jetzt durch.“
Sprach sie grinsend halb mit Bilgar, halb mit dem Welpen.
„Also gibt es jetzt lecker Abführmittel! Schön auffressen!“
Vorsichtig rieb sie dem kleinen den Bauch, dann sah sie auf und schaute zu Schneeblick.
„Aber du bist sicher nicht hier um mir zu helfen mein Hab und Gut aus Welpenhäufchen zu befreien... oder?“
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Freitag 23. August 2019, 23:02

Wieder blieb er stehen und ein tiefes, langes Seufzen drang zwischen seinen zusammengepressten Lippen hervor. Die schwieligen Finger legten sich fest um den spröden Holzschaft seines Speeres, bevor der Jäger erneut einen Blick über die Schulter warf. Inzwischen war die heimatliche Hütte hinter dem ansteigenden Hügel verschwunden und nur vereinzelt auftauchenden Rauchschwaden wiesen auf die angefeuerten Kamine und Feuerstellen hin, welche die Kälte der aufkeimenden Nacht vertreiben würden. Wenn erst das Dunkel die Sonne vom Himmel verjagt hatte, mussten Bilgar und die Schlittentiere das Ufer der nordöstlichen Wälder erreicht haben. Auf den Eisflächen von Sturm und Schwärze überrascht zu werden war wie der tödliche Griff der Göttin selbst und auch der mutigste Mann würde sich für immer dem kalten Schlaf hingeben. Noch hoffte der junge Jäger darauf, dass die Wechselhafte ihn nicht zur letzten Ruhe bettete. Doch trotz all' dieser Hoffnung, war ihm bewusst, das er sich leichtfertig in Gefahr begab. Unbewusst gab Schneeblick dem Blut seines Vaters die Schuld an diesem Abenteuer und doch war dieser Gedanke beruhigend und selbsterklärend. Je mehr ihm der Mantroner in seinem Inneren bewusst wurde, desto mehr war ihm klar, dass er diesen Schritt machen musste. Dass ihn jedoch die Neugierde und die Lust am Unbekannten viel mehr in die Einsamkeit des Nordens zog als irgendwelche Ahnen oder Völkerbande, unterdrückte Bilgar und vergrub dieses Wissen tief unter der imaginären Pflicht Eirik zu stellen oder Jenna zu schützen. Obwohl seine Gedanken egoistisch waren und jede Form der Empathie gegenüber den Geschwistern und seiner Mutter fehlen ließ, so stellte sich mit jedem weiteren Schritt ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Eine ungeahnte Euphorie und Vorfreude, welche ihn vielleicht erst sehr viel später, nachdenklich und reumütig werden lassen sollte. Vergesst mich nicht, wenn Ventha mich mit sich nimmt ..., waren die letzten Reste seines monologen Abschieds, bevor sich das Grünauge mit festen Schritt und einem unverkennbaren Lächeln wieder in Richtung der Wolfshüterin aufmachte.
Mantron war nach den Verhandlungen zur Mittagszeit wieder in seine Alltäglichkeit verfallen. Hin und wieder hörte man die Gesprächsfetzen und rasch verstummenden Diskussionen über das Geschehene, aber die meiste Zeit waren die Bewohner der Stadt mit den Aufgaben des täglichen Leben beschäftigt. Dennoch ließen die in Fell und Pelz verpackten Menschen keine Gelegenheit aus, ihn, Bilgar, zu grüßen. Natürlich war die gestrige Nacht bereits zur örtlichen Legende geworden und wie immer verbreitete sich die Geschichte von Mund zu Mund und wurde dabei größer und farbenfroher. Schneeblick würde es bei seiner Rückkehr nicht wundern, wenn die Klatschbasen berichteten, er hätte den von Beulen geplagten Olof mit frostigen Winden aus seinem Arsch zu Eis erstarren lassen, um Jenna zu retten. In diesem Moment wurde sich Bilgar gewahr, dass das Bild der Wirtstochter länger in seinem Kopf zu verweilen schien und dass das feixende Grinsen über Eisenherz' Niederlage, zu einem glückseligen Ausdruck wurde. “Reiß dich zusammen, sie war fröhlich und ausgelassen. Hat einfach nicht darüber nachgedacht. Zumindest nicht so sehr wie du. Freunde. Wir sind seit Kindertagen Freunde. Aber warum geht es mir dann nicht aus dem Kopf?!“ Das untere Ende seines Speeres traf hart auf einen Stein, der unter dem frischen Schnee der kleinen Gasse harrte. “Verdammt, bei den Arschhaaren von Ventha! Du musst dich zusammenreißen! Es wird später noch ausreichend Zeit sein, darüber nachzudenken!“ Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken und sein Blick hob sich schnell. „Ob ich dich mitnehmen soll, Bilgar? Ich fahre ein Stück den Hügel hinab?“, fragte eine alte, greise Stimme. Der junge Mann erkannte im Schein der Nachmittagssonne einen der Hafenhändler auf seinem Eselskarren. Wenn ihn die Erinnerung nicht trübte, so war der Name des rüstigen Mantroners Sven Baumbieger und ein ehemaliger Bogenbauern aus der Schmiede der Eisenherzes. Gerne dachte Bilgar an die Zeiten zurück in den sein Vater und Sven über Waffen, Werkzeuge und alle möglichen Arten von Wald und Volk sprachen. Damals reichte er beiden Männern gerade bis zur Hüfte. Seine grünen Augen suchten das beinahe erstarrte Grau des Greises. „Gerne, solange ich dich dafür nicht später vom Wagen heben muss!“ Selbstverständlich kam diese Gelegenheit gerade Recht, da der Schmerz im Bein noch nicht nachlassen wollte und der Weg noch ein weiter war. So gut es seine Behinderung erlaubte, umrundete der Jäger den Wagen und setzte sich zu Sven auf den Kutschbock. Die zwei Grautiere begehrten auf, doch erhielten vom Führer einen kurzen, schnellen Hieb mit der Gerte. „Ich will sehen, wie ein verdammter Krüppel wie du überhaupt irgendetwas hebt? Hu? Ich bin nunmehr neunundfünfzig Jahre alt und bin immer noch besser gebaut als du, Hühnerbrust!“, erwiderte Baumbieger mit einem verschmitzten Augenzwinkern, während die Esel anzogen. Während der Fahr klapperten das Fuhrwerk und polterte über die unsichtbaren Unebenheiten der Straße. Vermutlich transportierte der alte Mann Holz zu den Schmieden und Waffenbauern der Umgebung. Als Bogenbauern arbeitete er nicht mehr und dennoch hatte der zahnlose Kerl mehr Muskelmaße in den Jahren angesammelt als so manch' junger Krieger. Ein abstruses Bild zeigte sich, wenn man die graue, fleckige Halbglatze betrachtete und darunter der massive Oberkörper. Scheinbar starrte Schneeblick zu lange, denn Sven versetzte ihm einen kurzen, aber spürbaren Hieb gegen den Arm. „Junge, war dein Morgengeschäft heute dürftig, dass es dir die Ohren verstopft? Ich fragte dich, was dich in diese Richtung treibt? Mit all' der Ausrüstung?“ Sven wirkte sehr interessiert und lenkte gerade noch rechtzeitig den Wagen um einen Ständer mit Trockenfleisch. Selbstverständlich konnte und wollte Bilgar das wahre Ziel einer Reise nicht mit jedem teilen. Nicht nur, weil es wieder Klatsch geben würde, sondern auch weil das halbe Dorf dann Thure, Aria und die Immerdurst-Familie belagern würde. „Ich werde im Nordosten jagen, jenseits des Eises.“, gab der Jäger preis und versuchte einen vollkommen neutralen Gesichtsausdruck zu kreieren. Doch Sven hob eine Braue und gab nur ein: „Aha.“, zum Besten. Ab diesem Moment wurde das Gespräch sehr schmallippig. Nur hin und wieder, wenn der junge Mann den alten Handwerker dazu brachte über die Arbeit in der Schmiede zu sprechen, gönnte das diesem ein paar Momente der Ruhe vor dessen skeptischen Blicken. Doch Bilgar war sich wie zuvor bei Jenna keiner Schuld bewusst. Denn dieses Mal war es sogar die volle Wahrheit gewesen. Nur das in diesem Fall ein Mensch die Beute war, wurde dabei bewusst verschwiegen.
Quietschend und mit einem Ruck, hielt das Fuhrwerk und gerade als Schneeblick abspringen wollte, hielt ihn Sven zurück. „Ich weiß nicht, was du vorhast, Kleiner, aber ich wünsche dir viel Glück und möge Ventha dich schmalen Ostlandmischling vor dem schlimmsten bewahren!“ Freundlich und beinahe vertraut, klopfte der Jäger dem alten Mann auf die Hand und sprang ab. „Wenn ich Ventha begleite, dann halte ich schon mal einen Platz für dich frei. Mit ausreichend Brei, für dein leeres Gebiss!“ Beide Männer lachten herzlich, Baumbieger warf den Jagdspeer nach unten und als dessen Besitzer ihn fing, bog das Grautier-Trio bereits in Richtung der Werkstätten ab. In solchen Situationen empfand er mehr denn je Mantron als seine Heimat.
Endlich tauchte am Ende der von Schneewehen und herabgestürzten Eiszapfen gesäumten Straße Nornas Hütte auf. Die Geräusche der Wölfe waren bereits zu Hören, noch lange bevor das Gebälk ihrer Behausung zu sehen war. Lange war es her, dass ihn seine Schritte hier her geführt hatten. Interessanter Weise hatten Wolfsruf und Schneeblick wenig miteinander zu tun, obwohl sich beide mit Tieren befassten. Es mochte unter Umständen daran liegen, dass er wilde Wölfe in den Wäldern schoss, während sie sich um die Aufzucht eben jeder Wesen bemühte. Dennoch war jeder der beiden Parteien die beiderseitige Notwendigkeit ihres Handelns bewusst. Auch hegte Bilgar keinerlei Groll gegen die Tiere, obwohl diese ihm einen guten Teil seiner Sehkraft gekostet haben. Zumindest von Zeit zu Zeit. Und der Vorteil von tiefen Narben waren gute Geschichten und Erfolg bei den Frauen. Also durchaus ein Grund, diesen wilden Kreaturen etwas Respekt entgegen zu bringen. Auf den ersten Blick war es ein wildes Gedränge auf dem Grundstück der rothaarigen Züchterin. Doch zwischen den sich wälzenden Leibern spannten sich immer wieder auch Seile. Vermutlich waren die Wölfe angeleint. Schneeblick selbst verstand zu wenig von der Aufzucht, als dass er einen anderen Sinn als Zaum und Sicherheit darin sehen konnte. Doch umfasste er den Speer in seiner Hand fester, als ein junges Tier auf ihn zusteuerte. Es war keine Furcht, dafür war Bilgar schon zu lange Jäger, aber dennoch übernahm die Routine oder vielmehr der jägerische Instinkt schnell die Oberhand. Die Lage entspannte sich schnell, als Schneebick bemerkte, dass ein straffes Seil zu einem alten Mitglied des Rudels führte, welches alsbald das Vorankommen des Artgenossen bremste. Während der Jäger durch die Reihen der Tiere zum Haus hinaufging, streichelte er willkürlich alte und junge Tiere, die ihren Kopf nach dem Mann ausstreckten. Doch plötzlich stoppte Bilgar seinen Marsch. Nornas Leitwolf hob den Kopf. Das erste Mal, als diese beiden aufeinandertrafen, drohte das unfassbar große Raubtier mit gefletschten Zähnen, denn zu dieser Zeit präsentierte Schneeblick allen die es sehen wollten, seinen Wolfsfellumhang mit der Gugel aus dem Schädel des erlegten Tieres. Natürlich führte das zu Unstimmigkeiten. Doch mit den Jahren entstand wohl eine ungewöhnliche Art des Friedens zwischen den Jägern. Der Alpha ließ Schneeblick passieren und dieser verzichtete bewusst auf eine Streicheleinheit.
Knarzend öffnete der junge Mann die Tür und wurde von einer Woge aus Wärme und nassem Hund überrascht. Augenblicklich quoll' der Schweiß auf der Stirn hervor und zwang Bilgar die Kapuze abzuziehen. Im ersten Moment war diese schwere Luft belastend. In den Wäldern war es wichtig, feinste Spuren von Gerüchen, Geschmäckern oder Geräuschen wahrzunehmen, daher viel es dem jungen Mann nicht leicht, eine solch starke Note von Wolfshinterlassenschaften zu 'wittern'. Doch nachdem er eingetreten war, den Speer, wie es die Sitte verlangte, am Eingang abstellte und den Eingang wieder verschloss, gewöhnte sich die feine Nase Schneeblicks an die Situation. Zumindest in einem gewissen Maß. Interessiert beobachtete der Mischling die Handhabung der Welpen, musste etwas Grinsen bei der kleinen Anekdote und lachte leise, als er Nornas Angebot vernahm. „Oh, wenn das der Gefallen sein soll, den ich dir Schulde, dann bin ich wohl genau dafür da!“, erinnerte Bilgar die rothaarige Frau an ihre Worte. Doch dann wurde sein Gesicht ernst. „Hör mal, Norna, Thure schickt mich zu dir. Ich werde Eirik verfolgen und Fin bei der Suche helfen. Dafür brauche ich aber einen Schlitten und ein paar deiner schnellsten Tiere, damit ich den nordöstlichen Wald vor der Dunkelheit erreiche.“ Dass er auch dem aufkeimenden Sturm entgehen wollte, ließ Bilgar unerwähnt. Und auch die Sache mit dem Jungtier in Jennas Armen, würde er erst ansprechen, wenn die Sache mit dem Transport geklärt war. Während Schneeblick auf Nornas Antwort wartete, betrachteten die grünen Augen das Spiel der Jungtiere.
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Sonntag 25. August 2019, 10:29

“Reiß dich zusammen, sie war fröhlich und ausgelassen. Hat einfach nicht darüber nachgedacht. Zumindest nicht so sehr wie du. Freunde! Wir sind seit Kindertagen Freunde. Aber warum geht es mir dann nicht aus dem Kopf?!“
Bilgar wollte es sich vielleicht nicht eingestehen, aber er begann sie schon jetzt zu vermissen.
“Verdammt, bei den Arschhaaren von Ventha! Du musst dich zusammenreißen! Es wird später noch ausreichend Zeit sein, darüber nachzudenken!“
Irgendwo in der Ferne grollte ein Donner... ob nun wegen des bevorstehenden Sturms, oder der unflätigen Bemerkung über Venthas göttlichen Hintern wegen, sei mal dahin gestellt. Bilgar zuckte trotzdem unwillkürlich zusammen. Man machte keine Abwertenden Bemerkungen über den Hintern einer Frau! Das hatte ihn schon Jenna schmerzhaft gelehrt und Ventha war da gewiss nicht zimperlicher als die schlagfertige Tavernentochter!
Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken und sein Blick hob sich schnell.
„Ob ich dich mitnehmen soll, Bilgar? Ich fahre ein Stück den Hügel hinab?“
, fragte eine alte, greise Stimme. Der junge Mann erkannte Sven Baumbieger, ein ehemaliger Bogenbauer. Gerne dachte Bilgar an die Zeiten zurück in den sein Vater und Sven über Waffen, Werkzeuge und alle möglichen Arten von Wald und Volk sprachen. Damals reichte er beiden Männern gerade bis zur Hüfte. Seine grünen Augen suchten das beinahe erstarrte Grau des Greises.
„Gerne, solange ich dich dafür nicht später vom Wagen heben muss!“
Der Einwand war garnicht so weit her geholt, denn Sven war wirklich schon in die Jahre gekommen. Bilgar setzte sich zu Sven auf den Kutschbock.
„Ich will sehen, wie ein verdammter Krüppel wie du überhaupt irgendetwas hebt? Hu? Ich bin nunmehr neunundfünfzig Jahre alt und bin immer noch besser gebaut als du, Hühnerbrust!“
, erwiderte Baumbieger mit einem verschmitzten Augenzwinkern, während die Esel anzogen. Und Esel sah man hier im Eis selten. Die wenigen Exemplare, die man hier in Mantron kannte, waren so wollig, dass sich auch jedes andere Tier unter dem dicken Fell hätte verbergen können. Als Lasttiere waren wenn dann die massigen Eisbisons verbreitet, die die Eiselfen züchteten. Während der Fahr klapperten das Fuhrwerk und polterte über die unsichtbaren Unebenheiten der Straße und Schneeblick verlor sich einmal mehr in Gedanken und in dem Blick auf den immer dichter werdenden Schnee.
„Junge, war dein Morgengeschäft heute dürftig, dass es dir die Ohren verstopft? Ich fragte dich, was dich in diese Richtung treibt? Mit all' der Ausrüstung?“
„Ich werde im Nordosten jagen, jenseits des Eises.“
, gab der Jäger preis und versuchte einen vollkommen neutralen Gesichtsausdruck zu kreieren. Doch Sven hob eine Braue und gab nur ein:
„Aha.“
, zum Besten. Der alte Mann kannte den Sohn seines Freundes zu gut, als das er ihn das abkaufte. Aber er war freundlich genug, nicht nachzufragen... später vielleicht, bei seiner Mutter, bei einem warmen Süppchen. Quietschend und mit einem Ruck, hielt das Fuhrwerk und gerade als Schneeblick abspringen wollte, hielt ihn Sven zurück.
„Ich weiß nicht, was du vorhast, Kleiner, aber ich wünsche dir viel Glück und möge Ventha dich schmalen Ostlandmischling vor dem schlimmsten bewahren!“
Freundlich und beinahe vertraut, klopfte der Jäger dem alten Mann auf die Hand und sprang ab.
„Wenn ich Ventha begleite, dann halte ich schon mal einen Platz für dich frei. Mit ausreichend Brei, für dein leeres Gebiss!“
Beide Männer lachten herzlich, Baumbieger warf den Jagdspeer nach unten und als dessen Besitzer ihn fing, bog das Grautier-Trio bereits in Richtung der Werkstätten ab. In solchen Situationen empfand er mehr denn je Mantron als seine Heimat. Der Moment verweilte noch ein wenig länger, wie um dem jungen Jäger bewusst zu machen, was er gerade im Begriff war zu verlassen. Sein Blick verweilte im Schnee, dort wo er seine eigenen Spuren hinterlassen hatte. Bald würden sie verweht sein und wenn er nicht zurück kam, dann würden sie, wie sein Name vergessen werden, wie jene die fort gegangen waren und nie den Weg in die Heimat zurück gefunden hatten. Mantroner lebten im Hier und Jetzt und nur die Tapfersten wurden auf den Ahnensteinen verewigt. Doch vielleicht war es bei Bilgar anders? Vielleicht führte sein Weg in eines Tages, oder besser gesagt, spätestens in einer Woche, damit seine Mutter ihn nicht suchen kam, wieder zurück an die heimatlichen Feuer ...um von seinen legendären Abenteuern zu berichten. Um diese zu bestreiten, musste er sich nun aber sputen.

Am Ende der von Schneewehen und herabgestürzten Eiszapfen gesäumten Straße tauchte Nornas Hütte auf. Interessanter Weise hatten Wolfsruf und Schneeblick wenig miteinander zu tun, obwohl sich beide mit Tieren befassten. Es mochte unter Umständen daran liegen, dass er wilde Wölfe in den Wäldern schoss, während sie sich um die Aufzucht eben jeder Wesen bemühte.
Knarzend öffnete der junge Mann die Tür und wurde von einer Woge aus Wärme und nassem Hund überrascht. Augenblicklich quoll' der Schweiß auf der Stirn hervor und zwang Bilgar die Kapuze abzuziehen. Nachdem er eingetreten war, den Speer, wie es die Sitte verlangte, am Eingang abstellte und den Eingang wieder verschloss, gewöhnte sich die feine Nase Schneeblicks an die Situation. Interessiert beobachtete der Mischling die Handhabung der Welpen, musste etwas grinsen bei der kleinen Anekdote und lachte leise, als er Nornas Angebot vernahm.
„Oh, wenn das der Gefallen sein soll, den ich dir Schulde, dann bin ich wohl genau dafür da!“
, erinnerte Bilgar die rothaarige Frau an ihre Worte. Norna lachte herzlich, aber winkte mit den Worten:
„Das heb ich mir noch auf.“
, ab. Bilgar wurde ernst und sprach:
„Hör mal, Norna, Thure schickt mich zu dir. Ich werde Eirik verfolgen und Fin bei der Suche helfen. Dafür brauche ich aber einen Schlitten und ein paar deiner schnellsten Tiere, damit ich den nordöstlichen Wald vor der Dunkelheit erreiche.“
Bilgar betrachtete das Spiel der Jungtiere, während Norna den Welpen vom Schoß nahm und auf den Boden setzte. Der Stiefellappen hatte wohl eine gewissen Anziehung, denn der Kleine tapste breitbeinig auf seine beiden Geschwister zu und stürzte sich dort in den Kampf um das begehrte Spielzeug. Die drei kleinen Wollkneule machten einen Radau, dass man kaum einen klaren Gedanken fassen konnte und Norna lotste Bilgar weiter nach hinten in ihre Hütte, wo nach zwei abgehängten Bereichen, eine weitere massive Tür war. Durch einen Spalt konnte er dort zur linken eine weiße Wölfin in einer Art Kiste erspähen, die gerade drei weitere Welpen säugte und mit der Gelassenheit einer Mutter das weiche Fell ihrer Kleinen säuberte. Die anderen Welpen in der Hütte machten das vorankommen jedoch nicht so leicht. Sie tobten um seine Füße, bissen in seine Stiefel und versuchten natürlich mit zur Tür zu kommen, was es zu verhindern galt. Norna warf einfach etwas kleines klapperndes nach vorne und die Welpen stürzten hinterher. Schnell öffnete sie die Tür und schloss sie hinter Bilgar wieder. Die Ruhe war eine Wohltat. Hier roch es auch deutlich besser. Wo der vordere Bereich ihrer Hütte dem Leben mit den Wölfen angepasst war, war es hier hinten ungewöhnlich aufgeräumt. Hier standen auch kleine Figuren in offenen Regalen, Kleidung lag offen herum, was vorne nicht möglich gewesen wäre, da die kleinen Wölfe alles gefressen oder zerkaut hätten.
„Setz dich.“
, wies Norna Schneeblick an und zeigte dabei auf eine mit Fellen gepolsterte lange Bank. Sie schwang ebenfalls ein Bein hinüber und nach Platz.
„Bevor ich dir ein Rudel gebe... Kommen wir zu meinem Gefallen!“
Sie wartete bis Bilgar sich gesetzt hatte, fixierte dann seinen Blick und rutschte näher.
„Schlaf mit mir!“
„WAS?“

, das kleine Wort war ihm einfach so raus gerutscht, aber weitere wollten ihm einfach nicht gelingen. Stammelnd saß er da.
„Ja! Schlaf mit mir! Jetzt, bevor du gehst. Ich bin hier immer so allein und die meisten Männer fürchten sich vor mir. Meine Meinung hat hier Gewicht und wenn sich einer mit mir einlassen will, dann fürchten sie mein Urteil. Ich will das du mich ordentlich rann nimmst und dann kriegst du dein Rudel. Wenn du gut bist, dann gebe ich dir sogar Freki mit.“
Freki war der zweite im Rudel und einer der besten! Er war ein guter Leitwolf und hatte gute Instinkte. Er war belastbar und wach. Ein Prachtexemplar von einem ...Moment! Was sollte Bilgar dafür tun? Sein dümmlicher Blick musste einfach zu gut gewesen sein, den Nornas Ernsthaftigkeit bekam Risse und dann begann sie lauthals zu lachen.
- Sie hatte ihn veräppelt, wie man so schön sagte. Sie brauchte leider einen Moment um sich wieder einzukriegen und klopfte ihm dann freundlich auf die Schulter.
„Hättest dein Gesicht sehen müssen...gnhmhihihihmhmhmhihi....“
, unterdrücktes Kichern unterbrach noch einmal ihre Rede. Sie räusperte sich, setzte sich gerade hin und atmete einmal tief durch. Einen Moment sah sie ihn gefasst an und sprach dann:
„Du brauchst ein Rudel, Thure will es so, also wirst du eins bekommen. Und da du mir einen Gefallen schuldest, bekommst du auch ohne, dass du bei mir liegst, Freki.“
Das hätte man jetzt auch so auslegen können, dass sie ihn bat auf keinen Fall mit ihr zu schlafen, als unterstellte sie ihm unbeschreiblich schlecht zu sein! Sie kicherte schon wieder...
„Entschuldige. Das ich zu viel allein mit meinen Wölfen bin, ist wohl wahr. Und außerdem hab ich deinen Blick gesehen, als die kleine Wirtstochter bei dir stand.“
Sie lächelte wissend und wurde dann ruhiger und etwas nachdenklich.
„Im Ernst, ich möchte etwas anderes von dir. Wenn du nach Norden reist um diesen Abschaum zu jagen, dann bitte schau auch bei einem Freund von mir vorbei. Er hat lange nichts mehr von sich hören lassen und ich sorge mich ein wenig. Er wohnt nicht weit von Estria entfernt.“
Estria – die Stadt der Eiselfen. Sie handelten gelegentlich mit Mantron.
„Vielleicht wendet sich auch Eirik in diese Richtung. Wenn er Unterschlupf sucht, könnte das auch ein möglicher nächster Anlaufpunkt sein.“
Norna stand auf und kramte in einem Regal.
„Ich schreib dir eine Nachricht für meinen Freund. Er heißt Noam Eiswind... die Pfade von Estria sind leichter zu bereisen und Eulenruf ist kein Jäger so wie du. Er wird versuchen schnell voran zu kommen und sich weniger verstecken, oder Spuren verwischen...“
Sie suchte nebenher weiter nach Schreibzeug und kramte in Schubladen und einer Kommode.
„Warum ich denke, dass die Eule nach Estria fliegt? Ich glaube mich zu erinnern, dass sein Vater mal versucht hat einen dieser Eissegler nachzubauen. Er hat da Kontakte... so wie ich. Ah, hier ist es ja...“
Norna hatte eine dünne Lederhaut gefunden und einen scharfen Griffel, mit dem sie in das weiche Material ritzte und dann mit Kohlenstaub die Rillen füllte. Zum Schluss band sie ein festes Band darum, befestigte eine Wolfskralle daran und übergab es Schneeblick.
„Noam wohnt abseits von Estria, südlich davon an einer Klippe zum Meer. Du kannst sie von der Stadt aus sehen, da ein toter Baum dort alles überragt, also kannst du die Stadt meiden, wenn du nicht dort nach Eirik fragen willst, was ich dir jedoch empfehlen würde, auch wenn Eiselfen nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt sind. Wenn du jedoch andere Spuren finden solltest, die dich über den Eiskanal in Richtung Rumdett führen sollten, dann sei vorsichtig. Die Piraten werden dir für ein paar Münzen entweder alles erzählen, von dem sie glauben, dass du es hören willst, oder für den gleichen Betrag, dir die Kehle durch schneiden.“
Während sie diese Tipps von sich gab, kramte sie wieder in einem Schrank und holte ein besonderes Geschirr hervor. Die drehte die Gurte ein paar Mal, musterte Bilgar und drückte es ihm dann in die Hand.
„So und jetzt lass uns dir ein paar feine Wölfe aussuchen. Geh schon mal raus, ich komme gleich mit Bestechungsmitteln nach.“
Ah...natürlich. Futter! Mit dem Geschirr ging Bilgar wieder nach vorne und durch am Welpenhaufen vorbei und dem einen Jungwolf, der gerade ausgiebig unter dem Tisch an dessen Beinen nagte. Draußen empfing ihn wieder der Blick des Alphas, der neugierig seine Nase hob, sich dann aber gleich wieder entspannt hin legte. Also sah sich Schneeblick um und entdeckte Freki am anderen Ende gleich mit drei Weibchen zusammen liegend – alter Charmeur. Hinter Bilgar trat Norna aus der Hütte und sofort hoben sich wirklich alle Köpfe. Sie machte ein paar klickende Laute mit der Zunge und das Rudel entspannte sich wieder. Sie stellte sich neben Bilgar und drückte ihm einen Sack in die Hand. Er sah kurz hinein: Trockenfleisch. Leckerlis für die Tiere um sich mit ihnen anzufreunden. Dann stupste Norna ihn mit der Schulter nach vorne.
„Na los, ich hab nicht ewig Zeit und du noch viel weniger! Such dir deine Meute! Sie müssen dich mögen... mindestens acht plus Freki! Und leg dir das Geschirr an. Soweit ich weiß bist du noch nicht so oft selbst gefahren. Ich such dir schon mal einen guten Schlitten raus.“
Norna war eine der besten Kunden des Schlittenbauers. Meistens hatte sie immer mindestens drei davon da. Sie hatte einfach ein Händchen dafür die Gefährte auf ihre Tiere richtig einzustellen und verkaufte sie dann auch mal weiter... mit Gewinn und natürlich mit den dazu gehörigen Wölfen. Jetzt ging sie hinter das Haus und schon dann ein paar Minuten später einen eher flachen Hundeschlitten, ohne Aufbau, nur mit der üblichen hinten erhöhten Konstruktion zum Festhalten des Musher. Die Kufen glänzten und man sah dem Gefährt an, dass es vor allem Auf Geschwindigkeit und nicht auf Last ausgelegt war. Maximal zwei Personen konnten damit fahren und dann war für Gepäck schon kaum noch Platz. Norna rief die Hunde zusammen, die Bilgar sich ausgesucht hatte und machte hier und da noch eine kleine Korrektur, wenn sie es für nötig hielt. Ein Weibchen, dass unbedingt bei Freki bleiben wollte, war trächtig und musste so leider zu Hause bleiben. Die anderen bekamen alle schon mal in ihre Geschirre angezogen und schienen sich auf das Abenteuer genauso zu freuen wie Bilgar. Ein wohliges Kribbeln hatte sich bei ihm eingestellt und Freki wich nicht von seiner Seite, als würden sie sich schon immer kennen.
„Ich habe dir noch etwas Hartwachs in die hintere Tasche gesteckt, damit du schneller bist. Wenn du in rauem Gelände unterwegs bist, dann nutzen sich die Kufen sonst zu schnell ab. Der Schleifstein ist auch dort drin. ...Ich spann dir die Tiere für den ersten Teil der Strecke als Doppelgespann an. Damit hast du am meisten Zugkraft nach vorne und eine schmale Spur im Wald. Wenn du sie über Eis laufen lässt, spann sie vorher zum Fächer um!“
Bilgar jagte sonst eher alleine und hatte nur einen Schlitten, den er selber zog. Das hier war wirklich noch etwas neu, aber die Begriffe Doppelgespann und Fächergespann sagten ihm noch etwas. Früher, als sein Vater noch gelebt hatte, hatten sie Wölfe gehabt, aber nach seinem Tod war der Unterhalt für die Tiere zu aufwendig geworden.
Das Doppelgespann war eine Anspannform, bei der die Tiere paarweise links und rechts einer Zentralleine liefen und mit dieser sind sie am Halsband über die Halsleine und am Zuggeschirr über die Zugleine verbunden waren. Die Halsleine dient dazu, den Wolf in der Spur zu halten, die Zugleine dazu, die Zugkräfte auf die Zentralleine zu übertragen. An der Spitze des Gespanns lief der Leitwolf meist allein. Die Zahl der insgesamt angespannten Tiere variierte stark. Für gemütliche Fahrten in den Ebenen konnten vier ausreichen. Die Obergrenze lag bei achtzehn bis zwanzig Wölfen für Wettkampfe oder bei langen Touren mit viel Gepäck. Für Bilgars Vorhaben waren 10 bis 18 Tiere plus der Leitwolf gut geeignet.
Bei der Fächeranspannung war jedes Zugtier einzeln mit einer Leine an den Schlitten gebunden. Die Tiere liefen in einer Fächerformation vor dem Schlitten her. Hierbei konnten die Wölfe sowohl als Schlittenhunde als auch als Jäger bentzt werden. Verfolgt der Jäger nun ein Beutetier mit dem Schlitten, so konnte er gezielt einzelne Tiere vom Schlitten lösen und als Jäger einsetzen, ohne dabei Zeit zu verlieren. Ungeeignet ist die fächerförmige Anspannung für stark bewaldete Gebiete, da das Gespann zu breit läuft, um schmale Wege zwischen den Bäumen zu nehmen. Falls jedoch ein Hund in Eis einbrach, riss er nicht das ganze Gespann mit ins Verderben. Diese Spannform konnte aber mit maximal etwa sechs Hunden verwendet werden. Da Bilgar aber mehr Tiere brauchte um Eiriks Vorsprung einzuholen, müsste er den Rest der Tiere dann frei mitlaufen lassen und in kauf nehmen deutlich langsamer voran zu kommen. Norna hatte jedoch darauf bestanden und ihn expliziet darauf hingewiesen. Der Eiskanal war tykisch und er sollte ihr da wohl vertrauen.
Das Geschirr, dass er sich selbst angelegt hatte, war mit einem Haken am Schlitten zu befestigen. Im Notfall gab es eine Reißleine, die ihn bei einem Sturz vom Schlitten trennen würde, aber so gesichert, konnte er deutlich bequemer reisen und, was Norna vielleicht auch bedacht hatte, sein kaputtes Bein wurde nicht zu stark belastet.
Jetzt galt es sich noch einige Tiernamen zu merken und den kleinen Schlitten mit seinen privaten Habseligkeiten zu beladen.
Dann stand dem Abenteuer nichts mehr im Wege.
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Sonntag 1. September 2019, 23:04

Einer der Welpen verbiss sich mit kindlichem Vergnügen im Schuhwerk des Neuankömmlings und war versucht es in kleine Stücke zu zerfetzen. Dabei drang hin und wieder ein weiches Knurren aus der Schnauze, während der Winzling versuchte durch den dicken Pelz zwischen seinen Zähnen zu bellen. Mit einem milden Lächeln auf den Lippen fühlte sich Bilgar zurückversetzt in die eigene Jugend und das Spiel mit den Wölfen der Familie. Die zwei Tiere erwarb Heval Feuerbart von Norna und waren die Belohnung für einige gute Wochen in der Werft. Schneeblick konnte sich daran erinnern, dass die schweren Stürme und das frühe Eis an den Küsten viele Fischer- und auch einige Drachenboote stark beschädigt hatten, so dass sein Vater ein gut gefülltes Auftragsbuch vorweisen konnte. Es waren die guten Zeiten, an die man immer mit einem warmen Gedanken zurückdachte. Leider wurde Bilgar in diesem Moment auch bewusst, dass er nur wenig über seinen Ahnen wusste. Häufige Streifzüge durch die Straßen und der immerwährende Kampf eines Mischlings, welcher unter 'reinen' Mantronern anerkannt werden wollte, forderte einen gewissen Tribut. Etwas, dass man erst als reifer Mensch wirklich zu bewerten und zu begreifen wusste. Häufig wünschte sich Bilgar seinen Vater zurück, um Fragen zu stellen, Rat einzuholen oder um zu zeigen, welche Art Mann aus dem einst so fremdlichen Halbling geworden war. Das immer stärker werdende Zupfen an seinem Stiefel holte Schneeblick zurück in das Hier und Jetzt. Frecher Kerl,du ..., dachte dieser und wollte sich gerade zum Fellbündel herunterbeugen, als Norna sich erhob. Dass dabei der gefräßige Welpe auf den Boden kam und einen Bissen vom alten Schuhwerk verlangte, sorgte im Raum für einen gewaltigen Wirbel. Schnell tapste alles auf vier Pfoten über das zerkratzte Holz, um die ledrige Beute für sich allein zu beanspruchen. Ein ungewöhnlich drolliges Schauspiel. Es war beinahe Schade, dass es immer wieder Momente gab, in denen der Jäger solche Jungtiere zu Waisen machen musste. Die Aufgaben seines Standes waren nicht nur die Beschaffung von Fleisch und Fell, sondern auch die Sicherung der wenigen, rar gesäten Viehbestände der Stadt. Natürlich gab es nicht viele Züchter, denn das Klima und die Fauna machten die Versorgung schwierig. Bergziegen und Wollesel wurden in Ställen, Schneebisons auf kleinen Weiden, gehalten. Für die Mantroner war der Tod eines dieser Tiere beinahe ein Ruin und kaum zu ersetzen. Man bezahlte daher gut für Wachwölfe oder, wenn es bereits zu spät war, einen Jäger der das reißende Wildtier zur Strecke brachte. Auch Bilgar trug einige Kerben in seinem Bogen und verstand sein Handwerk als Notwendigkeit. Das ließ ihn in der Nacht gut schlafen und nichts würde den ehrgeizigen Kerl von dieser Meinung abbringen. Doch es war inzwischen sogar unmöglich geworden, seinen eigenen Gedanken zu folgen, denn die Welpen machten einen solchen Lärm, dass Norna damit begann, ihren Besuch in ein anderes Zimmer zu lotsen. Sie schob einen bräunlichen Stoff mit dem Arm zur Seite und wies den jungen Mann an, hindurch zu treten. Im Gang boten sich mehr als nur eine Abzweigungen. Durch eine nur fast verschlossene Tür erspähte Schneeblick eine säugende Wölfin, welche damit beschäftigt war, das Fell der Jungtier an ihren Zitzen zu säubern. Eine mütterliche Ruhe, die man bei Mensch und Tier gleichermaßen sehen konnte. Eine Tatsache, die bewies, dass sich beide Rassen nicht so stark unterschieden, wie mancher Ostländer es gerne hätte. Vor zwei oder drei Jahren verglich Bilgar das weiche Winterfell eines erlegten Bären mit dem Haar der Gattin eines Reisenden, um das Geschäft etwas anzukurbeln. Doch dieses harmlose Kompliment wurde von diesem Fremdling als eine Beleidigung abgetan und es entbrannte ein wütendes Gespräch, über Geschmack und Kultur der Mantroner. Bis heute fragte sich Schneeblick ob die Nase des Mannes wieder gerichtet werden konnte. Doch leider fehlte ihm im Moment die Möglichkeit in der Vergangenheit zu schwelgen, da es all' seine Konzentration verlangte, mit dem eingeschränkten Bein nicht im Meer aus Fell und kleinen Zähnchen zu versinken. Ob Norna seine Situation erkannte oder einfach nicht wollte, dass die Horde den Beiden weiter folgte, wusste Schneeblick nicht, aber sie sorgte mit einem seltsam klappernden Spielzeug dafür, dass sich sämtliche junge Vierbeiner zurückzogen. „Kleine Wildlinge hast du da ...“, wollte er beginnen, doch da wies die rothaarige Frau ihn bereits an, durch die eben geöffnete Tür zu gehen, welche mit einem Krachen zugeschlagen wurde, als der junge Mann darin verschwunden war.
Nach der Geräuschkulisse durch die Kleinen des Rudels, war dieser Ort beinahe gespenstisch ruhig. Nicht unangenehm, aber seltsam. Dennoch gewöhnten sich die Sinne schnell an die geänderten Umstände: Die Nase entspannte sich deutlich, das Gehör wurde wieder feiner, die Augen wanderten über die Einrichtung, die Wärme legte sich sanfter auf die Haut und auch die Zunge war befreit von dem sauren Aroma alten Urins. Das Entspannen fiel hier sehr viel leichter. So folgte Bilgar der Aufforderung sich zu setzen. Um der Tatsache Tribut zu zollen, hatte der junge Mann damit gerechnet nicht einfach so ein Rudel zu bekommen, da diese Tiere wie eine Familie für Norna waren und daher nicht einfach so an einen ungeübten Schlittenlenker gegeben werden. So kam die Forderung nach dem Gefallen nicht überraschend. Nach was es jemanden wie Wolfsruf wohl verlangen könnte? Vielleicht ein kostenloser Vorrat an Fleisch für einen bestimmten Zeitraum, ein paar seltene Kräuter oder vielleicht häusliche Dienste, wie Putzen oder Tierhinterlassenschaften entfernen. Für den Bruchteil einer Sekunde sah sich der junge Mann mit einer Schürze bekleidet Häufen und Erbrochenes wegwischen. Die Wahrheit jedoch, erwies sich als erschreckend einfach und dennoch unfassbar schwierig. Norna Wolfsruf wollte ihn in ihrer Bettstadt wissen. So Bilgar auf jede andere Eingebung gefasst gewesen war, so kam bei dieser Äußerung kein vernünftiges Wort über seine Lippen und der sonst so selbstsicher wirkende junge Mann, war vollkommen aus dem Konzept gebracht. Das einzige Wort, welches seine Lippen verließ war ein heiseres „Was?!“. Natürlich war dies kaum eine angemessene Antwort, aber egal wie sehr er sich auch anstrengte, mehr als unverständliches Gestammel kam ihm nicht aus der Kehle. Selbst ihre Erklärungsversuche machten die Gesamtsituation nicht besser. Das Problem, das Bilgar bei der Erfüllung seines Ehrenschuld hatte, war, dass es für ihn nicht klar war. Norna wäre nicht die erste Frau gewesen und bei weitem nicht die Hässlichste. Aber etwas an der jetzigen Situation sorgte für sein Verhalten, dass wirkte, als wäre ihm gerade ein Schneebison mit Anlauf auf den Kopf gesprungen. Er musste aussehen, wie ein jungfräulicher Milchtrinker. Doch egal wie sehr sich Schneeblick bemühte, endlich eine plausible Erklärung für ein Verhalten zu finden oder zumindest endlich wie ein Mann zu handeln und es Norna zu besorgen, es wollte nichts gelingen. Das Freki ein Teil des Rudels werden sollte, ging dabei so schnell unter, wie ein Stein im Meer. Mit all' der Kraft, die in seinem Geist noch vorhanden war, konzentrierte sich Bilgar auf das Gesicht seiner Gegenüber und war äußerst überrascht, dass sich die ernsthafte, in Stein gemeißelte Mimik zu einer vor Lachen kaum zu haltenden Fratze gewandelt hatte. Dann brach ein schallendes Gelächter aus ihrem tiefsten Inneren hervor. Ist das ihr ernst … verdammt!“, waren seine fassungslosen Gedanken, als die von kleinen Bissspuren übersäte Hand auf seiner Schulter niedersank. „Ich verzichte, ich muss ausgesehen haben, wie ein Bär der sich zum Scheißen in einen Dornenbusch setzt ...“, war Bilgars zerknirschter Kommentar und man sah ihm deutlich an, dass er es nicht mochte, jemanden so auf den Leim zu gehen. Aber es würde sicherlich Gelegenheit geben, sich für diesen kleinen Streich entsprechend zu revanchieren. Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf war es auch für den jungen Mann ein gutes Stück leichter geworden ein Lächeln zu zeigen und den Erfolg der Rothaarigen dadurch zu würdigen. Dennoch war die Frau wohl in Fahrt und konnte nicht umhin ihn noch etwas mehr zu necken. „Ich weiß zwar nicht, was Jenna damit zu tun hätte, Norna, aber …“, er besann sich jedoch und verzichtete auf eine gesalzene Antwort, denn das Ziel war wichtiger, als ein kleiner Austausch von Provokationen. “Aufgeschoben ist nicht aufgehoben., dachte der junge Mann so bei sich, als seine Finger sich selbst beruhigend durch den Bart fuhren. „ … aber wir hatten unseren Spaß. Lass uns über das Wesentliche reden.“ Das klang für Schneeblick ungewöhnlich hart und er bedauerte seinen Tonfall bereits. Allerdings war dies nicht die Zeit für gepflegte Konversation. Sicherlich ergab sich die Möglichkeit Wolfsruf bei ein paar Krügen Met um Entschuldigung zu bitten. Dabei erwischte sich Bilgar bei der Erkenntnis, dass er zumindest diese Frau nur sehr selten in einer Taverne gesehen hatte, aber das mochte auch an den unterschiedlichen Zeiten liegen, in denen die beiden ihrer wenigen Freizeit nachgingen.
Um nicht etwas Wichtiges zu verpassen und den Kopf von lästigen Gedanken zu säubern, beschloss der junge Mann sich nun vollständig auf die rothaarige Wolfsherrin zu konzentrieren. De Facto war der Gefallen als nichts anderes als ein einfacher Botengang in die Nähe von Estria. Selbst wenn der Kontakt mit den Blassen sich hauptsächlich auf Handel beschränkte, hörte man viele Geschichten über das dürre Volk der Elfen. Vor allem anderen ihre recht arrogante und unfreundliche Art. Doch mit ein paar eingebildeten Worten würde der Jäger zurecht kommen. „Das sollte kein Problem sein, ich werde Noam Eiswind finden. Und wenn Eirik wirklich bei den Blassen Unterschlupf sucht, wird es mir ein besonderes Vergnügen sein, das praktische mit dem angenehmen zu verbinden. Seine Beute inmitten des vermeintlich sicheren Baues zu stellen, hat etwas ungemein befriedigendes. Zumindest bei dieser Art von Beute.“ Die grünen Augen verfolgten Norna, während sie im Zimmer herumlief und alle nötigen Utensilien zusammentrug um einen Nachricht zu verfassen. Die lederne Depesche war eine übliche Methode um Botschaften durch die Witterung zu transportieren. Selbstverständlich war das Verwenden von Papier einfacher, aber das war teuer und sehr anfällig für Nässe. Auch Holz oder Stein waren, aus verständlichen Gründen, kein geeignetes Medium um Nachrichten zu verbreiten. Nachdem seine Gastgeberin den letzten Rest Staub vom Leder gefegt und das Schriftstück übergeben hatte, quittierte Bilgar den Erhalt mit einem Nicken, stand auf und verschnürte es mit einem bereitgelegten Lederriemen fest an seinem Gürtel. Prüfend zog er daran und strafte erneut den Knoten, um einen Verlust auf jeden Fall zu vermeiden. Obwohl Schneeblick bereits überlegte, welchen Weg er am besten einschlagen sollte, wusste Norna es, ihn weiterhin mit Kleinigkeiten aus dem Konzept zu bringen. Denn die Erwähnung der Piratenstadt, Rumdett, ließ ihn aufhorchen. Es waren wenig gute Erinnerung an diese Halsabschneider und Mörder in ihm verblieben. Noch immer gab der junge Mann den schmierigen Wasserratten die Schuld am Tod des Vaters, sowie an der Entführung tausender Landsleute. Der Gedanke daran, dass Eirik wirklich so verzweifelt war, sich in ein solches Nest zu wagen, brachte Bilgar beinahe zur Weißglut. „Wenn Eulenruf weiß, was gut für ihn ist, dann hat sich bei den Blassen verschanzt oder sollte hoffen, dass ihn die Piraten vor mir erwischen.“ Die Zähne mahlten aufeinander und versuchten den angeborenen und erfahrenen Hass auf die Seeräuber zu zerkauen. Durch einen plötzlichen Druck auf den Oberkörper kam Schneeblick wieder zu Sinnen und besah sich das Objekt, welches er instinktiv mit zwei Händen umklammerte. Es handelte sich offenbar um eine Art Geschirr, aber es wirkte anders, als die üblichen Variationen, die er kannte. Doch es blieb kaum Zeit die Gurte genauer zu untersuchen, denn Wolfsruf drängte nun darauf, nach Draußen zu treten und die Wölfe zu einer Meute zusammen zu rotten. Noch immer dachte Schneeblick über den möglichen Weg seiner Beute nach, als ihn im Vorraum erneut die Kleinsten des Wurfs empfinden. Viele beachteten den Mann gar nicht mehr, sondern zerbissen viel lieber das Mobiliar. Die wenigen, die es auf eine Auseinandersetzung anlegen, schob Bilgar mit dem gesunden Bein zu Seite, was beinahe dazu führte, dass die Schwerkraft einen unerwarteten Sieg davon trug. Die geübten Finger umklammerten die Kante des Tisches in der Mitte des Raumes und zogen sich daran in den sicheren Stand. „Kleine Rabauken, weg! AHH!“, hob Schneeblick den Arm und 'erscheuchte' sich damit einen schmalen Gang zur Tür. Schnell trat er nach draußen und schubste einen der Welpen, der sich beinahe hinausgestohlen hatte, mit der Schuhspitze zurück. Ein tiefer Atemzug durchdrang seine Lungen und füllten sie mit der kalten, eisigen Luft. Der Kopf wandte sich um und die Augen wanderten über die unzähligen Wölfe auf dem Gelände. Das erste Problem an Nornas Anweisung war, dass er zwar wusste, woran man ein gutes Beutetier erkannte, aber nicht, was einen Zugwolf ausmachte. “Am Ende werden es die selben Kriterien sein. Stärke, Ausdauer und Willensstärke. Ein gezähmter Wolf wird sich nicht zu stark von einem Wildwolf unterscheiden. Hoffe ich.“, waren seine Gedanken, als die Herrin dieser Tiere hinter im aus der Tür trat. Als das wilde Fiepen durch das Türschließen verstummte, übergab sie Bilgar einen Beutel mit stark riechendem Inhalt. Natürlich war es Trockenfleisch. Doch bevor der junge Mann ein paar Fragen loswerden konnte, war die rothaarige Frau schon verschwunden und wollte einen Schlitten organisieren. „Nunja, dann suchen wir uns mal ein paar Tiere aus.“, sprach sich Schneeblick Mut zu. Doch um sich etwas mehr Zeit zu verschaffen und dabei gleichzeitig einen entfernten Blick über die mögliche Auswahl zu erhalten, nestelte der Bursche erst einmal das seltsame Geschirr an seinem Körper fest. Dann jedoch gab es keine weitere Ausreden. Allerdings gehörte das Grünauge nicht umsonst der Jägerkaste an und daher kam ihm eine Idee, welche das Zusammenstellen einer Meute erleichtern könnte. Freki sollte der Leitwolf sein und das war unumwunden eine Festlegung. Wenn er also mit diesem Rüden durch die Reihen der Tiere ging, so wäre es möglich anhand des Verhaltens dieser zu Entscheiden, wer sich ihm am besten unterordnen konnte. Also trat der junge Mann ohne Umschweife an den seltsamen Harem heran, den sich Freki 'Untertan' gemacht hatte. „Hey, Junge … Lust auf eine kleine, ruhmreiche Jagd?“, fragte der junge Mann und hielt als Angebot eines der Trockenfleischstücke in seine Richtung. Natürlich war der zweite des Rudels nicht gleich davon überzeugt und beäugte den Fremden lange. Dann jedoch schien Freki entweder aus Überdruss oder aus Mitleid die Sturheit fallen, gähnte und holte sich seine Portion Bestechungsfleisch ab. „Wenn wir das überstehen, dann hast du dir sicherlich fünf Weibchen an deiner Seite verdient.“, witzelte Bilgar, erhob sich und klopfte beinahe Instinktiv auf seinen Oberschenkel, damit der Wolf ihm folgte. Die beiden gingen durch die Reihen der anderen Vertreter. Der Plan des jungen Mannes ging zum Teil auf und fünf Lupis folgten den Gespann bereits. Die anderen drei musste sich Bilgar mit dem Lockmittel gefügig machen und hatte dabei häufig eine Enttäuschung zu verkraften, auch als Norna mit dem Schlitten zu ihm kam und die Auswahl korrigierte. Das eines der Weibchen gehen musste, passte Freki nicht und obwohl Schneeblick ihm den Kopf tätschelte, drang ein beinahe beleidigtes Schnauben aus seiner Nase. Dann erst wandte sich der Jäger dem Schlitten zu und musste sich eingestehen, absolut keine Ahnung davon zu haben, was da vor ihm stand. Er zog den Transportschlitten meist selber und dieser war einfach nur dafür die ganzen Felle und das Fleisch nicht mit blanken Händen durch den Forst zu tragen. Also musste er in dieser Hinsicht Norna vertrauen. Mit asketischer Ruhe wurde den Erklärungen Wolfsruf gelauscht, denn jedes kleine Detail konnte dort draußen wichtig sein. Nachdem Wolfsruf geendet hatte, belud der junge Mann den Schlitten mit seiner Ausrüstung und ging dabei jede Anweisung nochmal im Kopf durch. Auch die Waffen legte er sicher in einer Vertiefung ab. Dann bestieg Bilgar Schneeblick das Gefährt, verschnürte sich durch das Geschirr damit und ließ Norna noch einmal alles überprüfen. „Da fällt mir ein Norna. Da ich dir bereits den einen Gefallen schulde, würde einer mehr doch nicht schaden. Was ich meine, Jenna hat deinen Welpen gefunden und hat sich irgendwie in den Gedanken verrannt, das ich ihn ihr gekauft hätte. Also, es schien sie zu beruhigen und vielleicht könntest du dir, während meiner Abwesenheit einen geeigneten Gegenwert überlegen, der dich davon überzeugen würde, ihn tatsächlich in Jennas Besitz übergehen zu lassen.“ Sein Lächeln wirkte etwas gezwungen, weil ihn dieses kriechende Gebettel überhaupt nicht gefiel. Noch stand es ihm. Aber während er auf die Antwort wartete, dachte er an die Zeit die es ihn kosten würde, auch noch eine Botschaft zu überbringen. Außerdem würde die Reise nach Estria und vielleicht sogar Rumdett mehr als nur eine Woche in Anspruch nehmen. Es zwar also zwingend Notwendig, dass Aria, Jenna und Jan durch ihn Nachricht erhielten. Im schlimmsten Fall würde Fin wieder zurückkehren müssen, bevor ein größeres Unglück geschah, als ein fehlender Mann auf der Jagd. Endlich erreichte ihn Nornas Antwort und ein Nicken besiegelte das weitere Geschehen. „Eine letzte Frage, sollte ich das Gespann zurücklassen, sei es bewusst oder gezwungen, finden die Tiere zurück? Ich will nicht, dass du wegen mit ein paar deiner Besten verlierst.“ Ihm war es wichtig und als auch diese Teil geklärt war, fasste sich Bilgar ein Herz, bedankte sich herzlich und mit einem lauten: „Hike!“ rauschte die Meute ihrem Abenteuer entgegen und während die Hütte immer kleiner wurde, wurde der Horizont hinter den Wäldern, immer größer.
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Re: Nornas Wolfshütte

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. September 2019, 10:37

((ooc: Bitte noch mal die genaue Anzahl von Tieren erwähnen, die Bilgar ausgesucht hat und deren Namen.))

Als das Rudel zusammen gestellt war und die Vorbereitungen sich dem Ende zu neigten, fiel Bilgar noch etwas ein:
„Da fällt mir ein Norna. Da ich dir bereits den einen Gefallen schulde, würde einer mehr doch nicht schaden. ...“
Norna sah ihn neugierig geworden an.
„...Was ich meine, Jenna hat deinen Welpen gefunden und ...“
Nornas Gesicht verwandelte sich in ein glückliches Lächeln und Bilgar sprach schnell weiter, bevor sie ihn unterbrechen konnte.
„...hat sich irgendwie in den Gedanken verrannt, das ich ihn ihr gekauft hätte. Also, es schien sie zu beruhigen und vielleicht könntest du dir, während meiner Abwesenheit einen geeigneten Gegenwert überlegen, der dich davon überzeugen würde, ihn tatsächlich in Jennas Besitz übergehen zu lassen.“
Von seinem erdachten „Gebettel“ schien die Wolfsherrin jedoch nichts mitbekommen zu haben. Sie freute sich einfach, dass der kleine Ausreißer wieder gefunden worden war. Und dass Bilgar den Kleinen Jenna zum Geschenk machen wollte, schien wohl auch in Ordnung zu gehen. Das hier war kein Betteln, das waren Verhandlungen.
Aber während er auf die Antwort wartete, dachte er an die Zeit die es ihn kosten würde, auch noch eine Botschaft zu überbringen. Außerdem würde die Reise nach Estria und vielleicht sogar Rumdett mehr als nur eine Woche in Anspruch nehmen. Es zwar also zwingend notwendig, dass Aria, Jenna und Jan durch ihn Nachricht erhielten. Im schlimmsten Fall würde Fin wieder zurückkehren müssen, bevor ein größeres Unglück geschah, als ein fehlender Mann auf der Jagd. Endlich erreichte ihn Nornas Antwort und ein Nicken, gefolgt von einem Handschlag besiegelte das weitere Geschehen.
„Eine letzte Frage, sollte ich das Gespann zurücklassen, sei es bewusst oder gezwungen, finden die Tiere zurück? Ich will nicht, dass du wegen mit ein paar deiner Besten verlierst.“
Ihm war es wichtig und als auch diese Teil geklärt war. Norna sah ihn einen kleinen Moment verständnislos an, aber dann nickte sie. Bilgar war noch unerfahren mit den Tieren und wusste nichts von der engen Bindung an die Menschen.
„Lass sie einfach nicht zurück!“
Es klang wie ein Scherz, aber ihre Augen sagten das Gegenteil.
„Sie werden bei dir bleiben bis zum Tod und noch darüber hinaus. Du musst dich als Teil des Rudels sehen! Sie sind deine Familie im Eis, deine Freunde. WENN du sie...sagen wir vor Estria KURZ „zurück lassen“ musst, dann binde sie an. Sonst folgen sie dir in die Stadt. Wenn du sie angebunden hast und nicht zurück kehrst...“
Sie sah sehr unglücklich bei diesem Gedanken aus.
„Irgendwann würden sie versuchen sich zu befreien. Wenn sie dich dann nicht finden, würden sie eine Weile wild herum tollen... die Freiheit genießen, vielleicht sich einem anderen wilden Rudel anschließen. Es würde sie nach Hause ziehen, aber nicht unbedingt. Die Möglichkeit, dass sie hier her zurück kommen, ist nur eine von vielen. Also lass sie nicht zurück, wenn du nicht musst!“
Das war mal eine klare Aussage.
„Sie würden dich auch nicht allein lassen.“
Wie zur Betätigung lehnte sich Freki an sein Bein und presste seine breite Schädelplatte von unten gegen seine Hand. Sein goldener Blick hob sich, die große schwarze Nase schnupperte und er blinzelte. Bilgars Hand fand ganz von selbst das dichte Nackenfell, in das man herrlich hinein greifen konnte und was Freki wirklich ausnahmslos gut gefiel. Er begann sofort zu hecheln und „grinste“ zufrieden vor sich hin. Ja die Wölfe Mantrons waren zahm und sie brauchten ihre Menschen. Frekis warme Zunge leckte über Bilgars Handschuhe und hinterließ seinen Geruch auf ihnen. Das er sich an ihm rieb war gut, denn um so mehr Bilgars wie das Rudel roch um so intensiver wurde die Bindung. Das „Gruppen-Kuscheln“ hatte er früher auch oft bei seinem Vater gesehen und für selbstverständlich gehalten, aber jetzt erklärte es sich erst wirklich.

Dann fasste sich Bilgar ein Herz, bedankte sich herzlich und mit einem lauten:
„Hike!“
rauschte die Meute ihrem Abenteuer entgegen und während die Hütte immer kleiner wurde, wurde der Horizont hinter den Wäldern, immer größer.

(Hintergrundmusik)


(Bilgar weiter bei:Die eisige Jagd)
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