Bei Thure Sturmschreier

Thure Sturmschreier, Anführer der Mantroner, lebt mit seiner Familie in diesem Haus – und seine Familie ist nicht gerade klein. Zu zwölft wohnt man hier und wer Thure sprechen will, besucht ihn einfach. Er behandelt jeden wie ein Familienmitglied.
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Bei Thure Sturmschreier

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Februar 2013, 11:46

(Baltos und Kjartan kommen von: Der Eiskanal erwachen im Langhaus ihres Anführers. Npc's: Elin Meersegen (Venthapriesterin -Thures Frau – guter Hoffnung), weitere Verletzte: Kjartans Bruder Sigvard, Imke Sternenblick, Ulf, Finn Eisläufer.)
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Kjartan
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Kjartan » Samstag 16. Februar 2013, 12:56

Kjartan beugte sich zu seiner kleinen Schwester hinab und umarmte sie fest. Tausende Fragen schien die kleine Liva Zweileben zu haben. Wie es war, ob er verletzt war, ob er Angst gehabt hätte, ob er das Monster getötet hätte und unzählige weitere. Auch seine anderen Schwestern kamen auf ihn zugestürmt und bedrängten ihn ebenso. Sie alle stellten dieselben Fragen in wirr wechselnder Reihenfolge und ohne Kjartan auch nur einen kleinen Augenblick Zeit zur Antwort zu geben.
Und dann fragte Liva erneut etwas, und obwohl auch die anderen drei Mädchen weiterplapperten, so war es doch die Stimme der kleinsten Schwester, die sich deutlich vor die anderen drängte.
„Wo ist dein Glücksbringer“, fragte die kleine Liva Zweileben und sofort war Kjartans Aufmerksamkeit bei ihr. Der Glücksbringer. Er hatte versucht das hölzerne Kleinod zu greifen, als er durch die Luft geschleudert wurde. Und dann, als er die Harpune nahm, musste er erkennen, dass er es nicht geschafft hatte, das Holzstück zu fangen.
Betreten blickte der Seemann zu Boden.
„Ich habe es verloren“
, antwortete er seiner Schwester und es wirkte in diesem Moment eher so, als wäre Liva die Autoritätsperson und Kjartan das kleine Kind, das etwas angestellt hatte.
„Du hast ihn verloren?!“, schrie Liva ungläubig. Purer Zorn spiegelte sich in ihren Blicken wieder. „Verloren?!“, wiederholte sie noch lauter. Ihr Gesicht verzog sich zu einer bösen Fratze und er erkannte den blanken Hass in Livas Augen. Sie fletschte die Zähne wie einer von Nornas Wölfen und ihre Haut schimmerte bläulich. Ihre Zunge trat aus dem Mund hervor und wurde länger und länger, während auch ihre Zähne zu wachsen schienen. Und dann, nach einigen Augenblicken starrte Kjartan nicht länger in das Gesicht seiner Schwester, sondern in die furchterregende Visage der Seeschlange. Erneut begann Liva zu schreien und auch Ragnild, Alvilde und Sigyn stimmten nun mit ein: „Du hast ihn verloren!“

Kjartan wurde in die Tiefe gezogen. In ein endlos tiefes, schwarzes Loch. Er konnte nicht länger Atmen und es brannte in seinen Lungen wie Feuer. Er hatte keinerlei Kontrolle über seinen Körper, er konnte absolut nichts tun. Immer tiefer und tiefer wurde er hinabgezogen und hatte die vernichtende Gewissheit, nie wieder auftauchen zu können. Völlige Finsternis umgab ihn, und dennoch spürte er, dass es noch immer nach unten ging. Er versuchte sich zu drehen und zu winden, schlug wild um sich, aber es nützte alles nichts. Sein Weg führte unaufhörlich in die Tiefe. Immer wieder echote es in seinem Kopf: „Du hast ihn verloren!“

Auf seinem Weg nach unten nagte an Kjartans Geist die Trauer, das Wissen Liva auf ewig enttäuscht zu haben. Sie verloren zu haben. Ganz wie er den Glücksbringer verloren hatte. Dabei war er so nah gewesen. Er hatte nur zuzupacken brauchen. Aber er hatte versagt. Er hatte danebengegriffen.

Drei leuchtende Punkte schälten sich aus der Dunkelheit. Sie bewegten sich nur ganz langsam, aber doch stetig auf Kjartan zu. Abrupt nahm sein Fall in die Tiefe ein Ende und gemeinsam mit den drei leuchtenden Punkten ging es nun in die entgegengesetzte Richtung. Mit unglaublicher Geschwindigkeit schoss der Krieger nun wieder nach oben und in schier unendlich weiter Entfernung war des Kjartan, als gebe es eine weitere Lichtquelle vor ihm.
Trotz der spürbar hohen Geschwindigkeit schien seine Fahrt erneut ewig zu dauern und nach einiger Zeit erkannte er, dass sich – noch immer unglaublich weit entfernt – tatsächlich eine Lichtquelle befinden musste. Und Kjartan raste mit den drei Punkten in seinem Rücken genau darauf zu. Die drei Punkte.

Der Seemann wandte seinen Blick nach hinten. Die Punkte tanzten willkürlich herum, bis sie sich schließlich zu einem einzigen, großen Punkt vereinten. Der nun einzelne Punkt begann zu wachsen und wurde erst faustgroß, dann so groß wie ein Kindskopf. Im oberen Drittel formten sich nun zwei ovale Schlitze und im unteren erschien ein etwas größeres Oval. Der ehemalige Punkt nahm mehr und mehr die Gestalt eines Gesichtes an.

Kjartan erschrak. Er blickte tatsächlich in ein Gesicht. Es war das Gesicht seines Bruders Sigvard, im Alter von vielleicht 9 oder 10 Jahren. Das genaue Alter spielte keine Rolle, Sigvard war auch jetzt, mit 17 Jahren und als Besatzungsmitglied der Drachenblut so etwas wie ein Kind. Kjartan hätte als der Ältere auf ihn aufpassen müssen. Doch er hatte ihn verloren. Er hatte ihn verloren.
Nun begriff der Krieger: es war nie um den Glücksbringer gegangen. Liva hatte von Sigvard gesprochen, den er verloren hatte.
Ehe Kjartan irgendetwas hätte tun können, durchbrach er mit unfassbarer Geschwindigkeit die Wasseroberfläche.



Der Seemann schrak hoch. „Sigvard“, murmelte er. Kjartan war völlig orientierungslos. Seine Lippen brannten ebenso wie seine Kehle. Der Krieger blickte sich um. Er war im Langhaus von Thure Sturmschreier. Um ihn herum wuselten etliche Mantroner. Elin Meersegen, Thures Frau, hockte mit dem Rücken zu ihm und verdeckte den Blick auf einen anderen am Boden liegenden Mann. Imke Sternblick lag direkt links von Kjartan, er konnte auch Ulf, Olofs Sohn, erkennen. Ragan Lebensretter stapfte ebenfalls durch den Raum. Wo war Sigvard?
Benommen wandte sich Kjartan von links nach rechts. Er hatte unglaublichen Durst. Und Hunger. „Wasser“, keuchte er mit schwacher Stimme und beschloss in nächster Zeit weniger zu sprechen. Langsam kam seine Erinnerung an die letzten Geschehnisse wieder. Die Seeschlange, dieser Froschmensch. Das letzte woran er sich erinnern konnte, war das runde Gesicht der Aquadin, in das er geblickt hatte.

„Wasser“
, versuchte er es nochmals, da keiner der Anwesenden auf seine Bitte reagiert hatte. Jedes Wort brannte auf seinen Lippen, in seiner Kehle, in seinem gesamten Leib. Der Seemann war vollkommen ausgetrocknet, was ziemlich skurril war, wenn man bedachte, dass er vor einigen Stunden, Tagen, oder waren es Wochen, beinahe ertrunken wäre.
Mittlerweile hatte Kjartan auch Finn Eisläufer und Baltos, der vollkommen ruhig dalag, im Raum entdeckt. Wieder blickte er nach rechts und gerade erhob sich Elin Meersegen. Zwischen ihren Beinen hindurch sah er ihn dann: Sigvard! Sein Bruder lag genau neben ihm. Kjartan spannte seine Muskeln und versuchte sich aufzusetzen.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Montag 18. Februar 2013, 14:48

Es war schon ein seltsames Gefühl wenn man das Bewusstsein verlor. Eben war man noch völlig bei Verstand und plötzlich legt irgendjemand einen Schalter um und man bricht zusammen wie ein nasser Sack.

Anfangs befand sich Baltos in einer art Wachschlaf. Er bekam noch die Geräusche aus seiner Umgebung mit und sein Gehirn verarbeitete diese Informationen auch, aber er war außerstande darauf zu reagieren. Eine zeitlang wurde er getragen, dann musste sie wahrscheinlich im Schlitten gewesen sein und dann war er höchstwahrscheinlich in eine Hütte getragen worden sein. Was danach passierte bekam er nicht mehr mit. Die Finsternis gewann nun völlig und setzte auch die letzten Sinne aus.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
(Traumwelt)

Schlagartig öffnete Baltos sein Auge, er befand sich wieder in seinem Zimmer. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in form eines Spitzdaches an der Nase verharren. Konnte das wirklich sein, hatte er dies alles geträumt? Waren sein Sieg über die Eisbestie und der Kampf gegen die Seeschlange nicht real?
Er legte seine Hände auf die Oberschenkel und drückte sein Kreuz durch. Dabei ließ er noch seinen Kopf kreisen. Sofort entstand ein lautes knacken und er hörte neben sich ein Gemurmel wie
„…mmmhh lass das!“ Wie von einer Eisspinne gestochen blickte er in die Richtung aus der das Geräusch kam.
Lange musste er auch nicht suchen, die Verursacherin lag direkt neben ihn. Milchkaffee-braunes Haar lugte unter einer Decke hervor und verdeckte das Gesicht dahinter, was sich in ein Kopfkissen vergraben hatte.
Hätte Baltos sein Auge noch weiter vor erstaunen geöffnet, wäre es höchstwahrscheinlich heraus gefallen und er hätte mit zwei Augenklappen durch die Welt ziehen müssen.
Der Jäger untersuchte kurz seine Umgebung mit seinen Blick, dann schaute er wieder zu denn Haarschopf, dann wieder ins Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf. Es gab kein Zweifel, er befand sich in seinem Zimmer, nur gab es zwei Unterschiede. Der erste und eher belanglose war das sein Bett nicht mehr für eine Person sonder für zwei ausreichte. Aber der entscheidende Unterschied war das wenn sich nicht alle seine Sinne täuschten, eine Frau neben ihn lag. EINE FRAU!!!!

Mit leicht zittrigen Händen schob er die Decke ein Stück beiseite. Baltos rechnete mit allen, dass sich zum Beispiel die Seeschlange eine Perücke aufgesetzt hatte oder dass die Eisbestie den Kopf einer enthaupteten Frau benutzte um Baltos in eine Falle zu jagen. Doch der nackte Rücken der den gleichen Farbton wie das Haar der Frau hatte, lies jeden anderen Verdacht verschwinden. Der Kopf drehte sich kurz in seine Richtung und Baltos sah zwischen den Haaren ein offenes Auge. Dieses helle bernsteinfarbene Auge würde Baltos überall wieder erkennen, er wollte gerade den Blick abwenden, als er unfreiwillig noch mehr nackte Haut sah. Schnell suchte er wieder Blickkontakt. Weil das was er da eben gerade gesehen hatte, für seine Sinne zuviel war.
Er erkannte ein Lächeln auf ihrem Gesicht, bevor sich die junge Frau (und daran bestand kein Zweifel) wieder umdrehte und die Decke energisch zu sich zog und somit Baltos nackt im Bett sitzen ließ.
Das Herz des Mannes raste so schnell wie ein Streitwagen der einen Abhang hinabdonnerte. Kurzeitig wusste der Jägersohn nicht wo oben und unten war. Selbst der Kampf gegen die Eisbestie oder gegen die Seeschlange hatte ihn nicht so sehr aus der Verfassung gebracht, wie der Anblick DIESER FRAU, in SEINEM Bett.

So leise er konnte verließ er das Bett und zog sich an. Er musste das Zimmer verlassen, irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Die mehr als gutaussehende Frau bewegte sich nicht unter den Fellen und Baltos konnte sich leise aus seinem eigenen Zimmer heraus schleichen.
Als der Mantroner die Küche erreichte fand er sie verlassen vor, in einen Topf köchelte ein Eintopf und es roch verführerisch nach Robbenfleisch. Aber seine Mutter war nicht da.
Baltos suchte den Rest der Hütte ab, aber fand seine Eltern nirgends. Als er wieder in seiner Zimmer ging und sich der nackten Frau stellen wollte, war auch diese Verschwunden.
Dem jungen Mann war es schleierhaft wie die Frau es geschafft hatte unbemerkt an ihn vorbei zu kommen. Es war eigentlich in dieser Hütte so gut wie unmöglich gewesen.

Mit der Zeit bekam er ein ungutes Gefühl in der Magengegend, als ein greller Schrei ihn zusammen zucken lies. Es war ein Ton der jeden Erwachsenen bis ins Mark erschüttern lies, denn es war der Todesschrei eines sterbenden Kindes. Die braune Farbe wich aus seiner Pupille und sein Auge wirkte fast weiß. Als er mit seiner Handaxt Fluchbrecher aus der Hütte seiner Eltern stürmte. Kaum hatte er den ersten stampfenden Schritt in den Schnee gemacht erblickte der Jäger die Stadt Mantron in Flammen. Der Schnee der hier lag war von dem Lebenssaft der Menschen in ein tiefes rot getränkt, doch sah man nirgends einen anderen Einwohner. Baltos packte das entsetzen als er seine Heimat in einen Meer aus Flammen betrachtete, der Rauch der brennenden Hütten formte die Silhouette der Seeschlange. Die ihr Maul bedrohlich geöffnet hatte. Baltos’ Knöchel traten deutlich hervor als er sie sah und das spröde Leder das um den Griff von Fluchbrecher gewickelt war, knarrte lautstark.

Dann ertönte noch einmal der Schrei der sein Herz zum stillstand brachte. Das geübte Auge brauchte auch nicht lange um die Verursacherin zu entdecken, ein kleines Mädchen stand direkt vor der Schlange und hielt eine art Stofftier in Form eine Robbe fest umschlungen. Dieser kleine Beschützer war von Blut des Kindes getränkt, was mehrere Schnittwunden im Gesicht und am Körper hatte. Das blau-graue Kleid der Kleinen war größtenteils zerfetzt und ihr Körper war von Blut und Dreck überzogen.
Baltos würde diese Mädchen unter tausenden wieder erkennen, schließlich lag die ältere Version noch vor wenigen Sekunden in seinem Bett.
Der Jäger dachte nicht lange nach und lief los. Kaum hatte er sich in Bewegung gesetzt, zerbrach die Hütte seiner Eltern. Doch all sein Denken war auf die kleine Person gerichtet, die dem Anschein nach seine Hilfe brauchte. Als er kurz vor ihr war tauchten neun Eisbestien vor ihn auf und versperrten ihn den Weg. Doch Baltos, der sich damals als er den Griff von Fluchbrecher das erste Mal berührt hatte, gefragt hatte: Ob er sich ohne zu zögern in die Schlacht gegen solch eine Übermacht werfen würde? Tat jetzt genau das gleich wie der vorherige Besitzer der Waffe und griff ohne zu zögern an.
Seine Sorge galt nur dem Kind, ob er diesen Kampf überlebte war nebensächlich. Seine Schritte beschleunigten noch mehr und man sah die Beine nur noch als verschwommene Schemen als er der ersten Eisbestie ohne mit der Wimper zu zucken entgegen sprang. Das Wesen war von dieser Attacke so überrascht, dass Baltos einfaches Spiel hatte und mit seiner Axt den Oberkörper der Bestier bearbeitete. Er brauchte auch nur drei Schläge um das Herz dieses Monstrums, in einen Strom aus Blut, zum ewigen Stillstand zu bringen.
Das Monster fiel wie ein gefällte Baum um und begrub den Mantroner unter sich. Doch dieser war noch lange nicht am Ende, auch wenn sich jeder Knochen in seinen Körper durch den Aufprall gebrochen anfühlte. Er schnitzte sich einen Weg durch den Körper seines Feindes und wurde von Blut, Organen, Knochen und unverdauten empfangen, als er sich durch den Leib der Eisbestie grub, wie ein Maulwurf durch das Erdreich.
Es wirkte fast wie eine Geburt als der Jäger auf der anderen Seite der Bestie hervorkam.
Zuerst durchstieß seine Axt, gefolgt von der Hand, den Rücken, danach kam ein zweiter Arm zum Vorschein und es dauerte auch nicht lange und Baltos zog sich aus dem Leib. Er war komplett mit Blut übergossen und teile des Darmes hingen an seiner Schulter, doch er kümmerte sich nicht darum. Denn die nächste Eisbestie war auf den Weg sich ihn im den Weg zu stellen. Manch einer hätte vielleicht Aufgegeben, aber nicht der Jäger.
Er würde nicht mit ansehen wie SIE getötet wurde. Baltos stürmte wieder voran und Brüllte:
„MAAAAAAAAAAAAAAAARUUUUUUUUK….“

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
(Wirklichkeit)

„…KAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!“ Wie aufgezogen war Baltos aufgesprungen und hielt Fluchbrecher in der Hand. Er hätte beinah die Frau von Thure erschlagen, wenn sein Verstand nicht so schnell gearbeitet hätte. Denn als er Kjartan aus den Augenwinkeln heraus sah, der gerade dabei war sich aufzurichten, wurde ihn bewusst, dass er geträumt hatte. Nur hatte er die Priesterin gerade zu Tode erschreckt. Denn wer rechnete schon damit dass ein Bewusstloser mit einer Axt in der Hand aufwacht und einen damit niederschlagen wollte. Immer noch schwer und schnell Atmen betrachtete der junge Mann mit weit aufgerissenem Auge und die Axt zum Schlag erhoben, die Frau. Er sah dabei aus wie ein gefallener Krieger der zurück gekehrt war um seine Feinde zu besiegen. Jeder Narbe auf seinen Körper erzählte ein Lied. Die rieseigen Krallen Abdrücke zwischen seinen Schulterblättern, die von einen Kampf mit einen Wolf in jungen Jahren berichtet. Hunderte kleine Schnittwunden am Rücken die durch die Rutschpartie in der Fresskammer der Eisbestie einen Platz auf seinen Körper fanden. Die schon mehr als einmal gebrochene Nase und natürlich die unschöne Narbe quer übers linke Auge, die ein Tribut an Ventha war, die ihn vor den eisigen Tod des Eisreiches beschützt hatte.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Montag 18. Februar 2013, 23:26

Verwaschene Erinnerungen an ein rundes Gesicht das aus der Dunkelheit ihn anblickte, folgten Kjartan in die Realität des Erwachens. Sein erster rauer Ruf nach Wasser wurde durch die allgemeine Geräuschkulisse um ihn herum kaum wahrgenommen. Als er dann eine zweites Mal etwas lauter das Wort hervor brachte, sich umgesehen und seinen Bruder entdeckte hatte, versuchte er sich aufzusetzen, doch im gleichen Moment legte sich eine Hand auf seine Schulter und drückte ihn mühelos zurück in die Felle. Er sah über sich, verkehrt herum aus seiner Perspektive, wie Ragan's altes Gesicht sich über ihn schob. Der Heiler lächelte milde und und legte ihm einen Schwamm auf den Mund, der mit einem lauwarmen Kräutersud getränkt war.
„Erst Trinken!“
kam die einfache Anweisung und eine Gegenwehr wäre unsinnig gewesen. Nach zwei oder drei Schlucken war die Medizin auch schon in Kjartans Magen und wärmte ihn von innen. Der Heiler drückte an seinem Brustkorb herum und fragte:
„Schmerzen? Wie funktioniert die Atmung?“
Die kurz gehaltenen Worte ließen ahnen, dass es viel zu tun für ihn gab und Kjartan antwortete etwas heiser nach seinem Befinden entsprechend. Die Lunge drückte, aber sonst ging es ihm schon deutlich besser. Noch viel mehr lastete die Sorge um seinen Bruder auf ihm, aber Ragan hielt ihn fest.
„Nicht so eilig. Sigvard geht es, den Umständen entsprechend, gut. Er wir durchkommen. Viele andere haben es nicht geschafft und teilen nun die Tafel mit ihren Ahnen. Ihr habt Glück gehabt.“
Die Frau von Thure Sturmrufer drehte sich um und damit war auch der Blick auf Sigvards Oberkörper frei. Er lag unter Fellen verborgen, doch irgendetwas stimmte mit den Proportionen nicht.
„Das war nicht nur Glück, mein Lieber! Venthas Segen wurde dieser Tage mehr als einmal angerufen und ihre Hand führte die dieser tapferen Krieger!“
Ragan nickte abwesend mit dem Kopf, als wollte er sich mit der Frau des Anführers auf keine Diskussion um Glaube und Götterkult einlassen. Bei diesem Thema wäre jeder ihr haushoch unterlegen, deshalb schmunzelte er nur freundlich und begab sich zum nächsten seiner Schützlinge. Elin hingegen drehte sich nun ganz um und betrachtete Kjartan eingehender. Sie sah unter sein Deckfell ob er schwitzte und prüfte seine Temperatur mit dem Handrücken. Auch wenn sie schon in den dreißigern war, so war ihre schlichte Schönheit noch nicht verblichen und ihr kleiner Bauch begann sich langsam sichtbar unter ihrem Kleid zu wölben, so dass das Gerücht ihrer Schwangerschaft nun kein Geheimnis mehr sein dürfte. Kjartans Blick schweifte weiter umher und er erkannte Baltos, der unruhig auf seiner Bettstadt lag und träumte.
„Deine Schwestern haben sich schon nach euch erkundigt, junger Krieger.“
Sie lächelte ihn an und zog damit seine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
„Eine wollte die ganze Zeit nicht von eurer Seite weichen. Sie liegt vorne am Eingang und ist endlich eingeschlafen. Soll ich sie holen?“
Noch bevor sie sich erheben oder Kjartan eine Antwort geben konnte, trat Liva verschlafen um einen der Behänge und rieb sich die Augenwinkel.
„Kjartan!“
Sofort stürzte sie sich auf ihren Bruder und drückte ihm die wenige Luft mit ihrem Körper aus der Lunge. Elin drosselte den Ansturm in dem sie den kleinen Wirbelwind sofort ermahnte.
„Vorsichtig meine Kleine. Dein Bruder braucht noch Ruhe.“
Liva sah sie mit den großen Augen einer 12 Jährigen an und ließ Kjartan los.
„Kjartan, ich hab von dir geträumt!“
Elin machte zwar Platz, aber man merkte trotzdem, dass sie aufhorchte. Liva plauderte munter weiter:
„Ich hab von dir und der Seeschlange geträumt. Du hast sie um unseren Esstisch gejagt und warst mit einer Gabel bewaffnet. Dabei hast du gesungen wie die Wale. Dann hast du sie gefangen und hast dich in einen Fisch verwandelt. So richtig einen mit Flossen und Schwanz! Sag mal hast du meine Nixe noch da? Ich würde ihr gern so einen Schwanz schnitzen, wie du in meinem Traum hattest. Kannst du mir sie noch mal geben?“
Da war er der Moment, von dem er geträumt hatte. Liva stand vor ihm und sah ihn mit erwartungsvollen Augen an. Sie verlangte den Glücksbringer zurück. Just in diesem Moment erklang ein leise anschwellendes Gemurmel hinter ihr und ein langgezogenes:
„…KAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!“

Baltos saß fast von einer Sekunde zur anderen senkrecht inden Fellen und hielt seine Axt griffbereit, zum Schlag ausgeholt über Elins Kopf. Die Frau des Anführers sah ihn starr vor Schreck an und hinter Baltos tauchte Ragan auf. Mit einer recht flinken Handbewegung nahm er dem Jäger die Waffe aus der Hand und redete gleichzeitig beruhigend auf ihn ein:
„Ruhig, mein Junge. Du bist wach und es gibt hier nichts, was du erschlagen müsstest.“
Ragan legte „Fluchbrecher“ neben Baltos Fell, wischte sich die Hand an seiner Kleidung ab, als wäre etwas daran kleben geblieben und klopfte ihm dann noch einmal auf die Schulter.
„Ist alles gut. Ihr habt es überlebt.“
Er wartete bis Baltos und die anderen sich von dem Schreck erholte hatten und sah dann noch einmal weiter hinten zu einem Patienten, bevor er sich eine kleine Pause gönnte und sich zu den beiden Erwachten setzte.
„Ich weiß, ihr wollt sicher wissen, wie lange ihr geschlafen habt. Ihr wart beide fast zwei ganze Tage ohnmächtig. Der Tag an dem ihr losgezogen seid, die Nacht und heute. Bald geht die Sonne unter und ihr solltet diese Nacht noch wirklich ruhen! Besonders du Kjartan! Ihr müsst jetzt viel trinken und essen! Keine Widerrede! Die halbe Stadt ist unterwegs um zu retten was zu retten ist.“
Elin fügte hinzu:
„Thure ist mit den Männern raus und sie bergen was von der Drachenblut übrig ist. Es sind Patrouillen unterwegs die den Eiskanal beobachten. Das Eis ist dick und der Kanal nicht befahrbar. Sie wollen versuchen es an anderen Stellen aufzubrechen und vielleicht so Umgehungswege zu erschaffen, doch es friert immer wieder zu, sobald sie sich fort bewegen. Kaum sind sie weg, bildet es sich neu und manche wollten Lichter unter dem Eis gesehen haben. Unsere Schiffe können nicht unseren Hafen ansteuern. Es ist als wollte das Eis sie fern halten, aber sie geben nicht auf und es wird stetig weniger.“
Ragan fuhr wieder fort, die beiden Krieger auf den neusten Stand zu bringen:
„Von euren zwei Schlitten, von euch, die losgezogen sind, sind einige Verletzt und manche zu ihren Ahnen gegangen. Svenja Launenwind, Herro, Knud Bärenherz und Malte Schädelbrecher sind den Weg der Götter gegangen. Ihr beide, Imke Sternenblick dort hinten, Ulf und Finn Eisläufer, ihr hattet Glück und seid nur verletzt worden. Eirik Eulenruf, Olof Eisenherz und Leif Fintenfuchs sind wieder hinaus gefahren mit den anderen.“
Nur einem sehr aufmerksamen Zuhörer konnte an dieser Stelle auffallen, dass in der Aufzählung der 13 Krieger jemand fehlte. Elin stand auf und ging zum Herd hinüber um dort zwei Schalen mit warmer Brühe zu holen, die beide trinken sollten. Ragan beobachtete die beiden Krieger aufmerksam, ob sie etwas beizusteuern hatten. Es gab noch viele offene Fragen zu klären und ein drohender Schatten lauerte immernoch irgendwo in der Tiefe. War Mantron schon sicher? Hatten sie die Seeschlange verjagt, oder würde sie wieder kommen?

(Kjartan und Baltos erhalten jeweils eine Gesundheitsstufe zurück.)
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Kjartan » Dienstag 19. Februar 2013, 10:59

Ragan Lebensretter legte Kjartan einen Schwamm mit lauwarmen Kräutersud auf den Mund und hieß ihn an, davon zu trinken. Bereits nach wenigen Schlucken wurde dem Seemann spürbar wärmer und er wusste, dass die Medizin wirkte. Sein Körper war selbst wie ein Schwamm und saugte die Flüssigkeit nur so auf. Immerhin war es auch schon zwei Tage her, seit er zuletzt etwas zu sich genommen hatte, erfuhr der Mantroner später.
Prüfend drückte der alte Heiler an Kjartans Brustkorb herum und fragte nach dessen Befinden. Der Mantroner nickte nur und signalisierte Ragan somit, dass es ihm den Umständen entsprechend ging. Die Lunge drückte den Krieger, was jeden Atemzug recht unangenehm werden ließ. Aber ansonsten fühlte er sich nicht sonderlich schlecht, in Anbetracht der Tatsache, dass er dem Tod nur knapp entronnen war. Seine Sorge galt vielmehr seinem Bruder Sigvard. Laut Ragan ging es ihm den Umständen entsprechend gut. Auch wenn dicke Felle über Sigvard lagen, so stimmte etwas mit den Proportionen ganz und gar nicht. Kjartan hatte alles gesehen was er sehen musste. Er kannte diesen Anblick nur zu gut. Nach einer Schlacht gab es immer wieder ein paar arme Seelen, die Körperteile vermissten. Ein abgetrennter Arm, ein ausgerissenes Bein. Aufgrund der ungeheuren Schmerzen und des Blutverlusts erforderte ihre Behandlung mehr Aufwand. Hier war es mit einem einfachen Verband, ein bisschen Zwirn und einer Nadel nicht getan. Diese Menschen lagen dann oftmals wie Sigvard irgendwo unter Deck, zugedeckt mit schweren Fällen. Und sahen ähnlich aus wie Kjartans Bruder.

Elin Meersegen drängte sich in die Konversation zwischen Ragan und Kjartan, während der Krieger Baltos beobachtete, der sich unruhig auf seiner Bettstadt hin und her wandte. Die schwangere Frau von Thure Sturmschreier und Venthapriesterin erzählte dem Seemann, dass eine seiner Schwestern nicht von seiner Seite weichen wollte. Kjartan wusste sofort, welche der Schwestern es war. Für Liva war er ein Held. Sie vergötterte ihn und tat alles, damit sie sein Lob bekam. Und sie war stur. So unglaublich stur. Bereits als Neugeborene war sie stur genug um sich dem Tod zu verweigern.
Etwas verschlafen trat Liva Zweileben hinter einem der Behänge hervor. Als sie ihren Bruder erkannte, stürmte sie ohne zu zögern los und auf ihren Bruder zu.
„Kjartan!“, rief sie mit heller Stimme und drückte dem Seemann die Luft aus der Lunge. Der Schmerz durchfuhr Kjartan aber er zwang sich nicht zu zucken oder zurückzuweichen. Er war so unendlich froh, seine kleine Schwester nochmals zu sehen, ihre Stimme zu hören. Es war Elin Meersegen, die die kleine Liva etwas drosselte.
Seine Schwester erzählte Kjartan von ihrem Traum und falls sein Geist zuvor noch nicht ganz wach gewesen war, so war er es spätestens jetzt. Es war… unmöglich! Livas Traum entsprach in grotesker Weise der Realität und in Kjartans Gedanken spielte sich die ganze Szenerie erneut ab. Wie er die Seeschlange um den Esstisch gejagt hatte, dieses wilde Treiben, entsprach der Flucht der Seeschlange in die Tiefe. Die Gabel, mit der er bewaffnet war, entsprach dem Dreizack des Wassermenschen. Der Walgesang, die Verwandlung in einen Fisch. Das Fangen der Schlange. Alles was sie ihm erzählte, war in der einen oder anderen Form so geschehen. Und die Nixe. Sie hatte ihm eine Nixe geschenkt, unmittelbar bevor er von einer Aquadin gerettet worden war.
Kjartan verstand nicht viel von Magie, doch er spürte, dass hier irgendetwas im Gange war. Liva mochte zwar eine lebhafte Fantasie haben, doch so viele Zufälle auf einmal, daran konnte er nicht glauben.
„Kannst du sie mir noch mal geben?“ Mit ihren großen Augen starrte sie ihn an. Erwartungsvoll. Ehe Kjartan etwas entgegnen konnte, hörte er Baltos schreien. Es war ein langgezogenes KAAA, das der Jäger von sich gab und plötzlich mit der Axt in den Händen aufrecht im Bett saß. Starr vor Schreck stand Elin Meersegen vor ihm und es war wohl nur Ragan Lebensretter zu verdanken, dass sie diesen Tag überlebt hatte. Der Heiler beruhigte Baltos und schon bald kehrte wieder Ruhe ein.
Kjartan widmete sich wieder seiner kleinen Schwester. Langsam führte er seine Hand zu ihrer und drückte sie leicht. Sein Albtraum war wahrgeworden. Liva saß vor ihm und verlangte das Kleinod zurück. Und er müsste ihr nun mitteilen, dass er es verloren hatte. „Es tut mir Leid, Liva“, begann der Seemann. „Die Nixe ist heimgekehrt zu ihrer Familie.“ Im Grunde stimmte das ja auch. Schließlich würde der Glücksbringer nun irgendwo am Meeresgrund liegen.
„Als die Seeschlange angegriffen hat, ist sie aus der Tasche gerutscht. Wir sind alle durch die Luft geschleudert worden und die kleine Nixe ist an mir vorbeigeflogen. Und ich habe versucht sie zu fangen, damit sie bei mir bleibt, aber sie ist mir irgendwie zwischen den Fingern durchgeglitten, du weißt ja wie glatt die sind. Und dann ‚Blubb‘, ist sie ins Meer eingetaucht, wo sie jetzt bei ihrer Familie ist.“ Sachte strich er mit seinem Daumen über ihren schmalen Handrücken und fügte noch ein „Tut mir Leid“ hinzu.

Etwas später hatte sich Ragan zu Baltos und Kjartan gesetzt und sie auf den neuesten Stand gebracht. Er erklärte ihnen, wie lange sie geschlafen hatten und dass sie viel essen und trinken müssten. Das war eine gute Idee, überlegte der Krieger und äußerte seinen erneuten Wunsch nach Nahrung. Er hatte einen Bärenhunger. Und von Durst konnte man gar nicht reden. Kjartan fühlte sich, als wäre er tagelang durch die Wüste Sar gelaufen.
Elin Meersegen erzählte Baltos und Kjartan, dass Thure mit den anderen Männern nach den Überbleibseln der Drachenblut suchen würde und dass das Eis nach wie vor zu dick sei, um den Kanal zu befahren. Wann immer die Mantroner das Eis aufbrachen, fror es kurz darauf wieder zu. Und auch die Lichter unter dem Eis hätten einige gesehen. Kjartan wurden in diesem Augenblick zwei Dinge bewusst: Erstens, dass er keine Ahnung hatte, was mit seiner Ausrüstung geschehen war. Und Zweitens, dass er Ragan, Elin und den anderen über die magischen Lichter aufklären müsste. Doch zuerst würde er sich fertig anhören, was die beiden zu berichten hatten.
Die Gefallenen der beiden Schlitten. Herro, Knud Bärenherz, Svenja Launenwind und der Schädelbrecher saßen nun mit ihren Ahnen an der Tafel. Verletzt waren Imke und Ulf, Finn Eisläufer, Baltos und Kjartan selbst. Eirik, Olof und Leif sind wieder mit den anderen hinaus aufs Eis gefahren. Sofort bemerkte Kjartan, dass einer in der Aufzählung fehlte: Jesper der Feigling. Kjartan war ein Krieger zur See, und als solcher wusste er, dass es wichtig war, seine Ressourcen zu kennen. Zu wissen, welche und wie viele Männer und Frauen einem im Kampf zur Seite stehen. Nicht, dass er in einem Kampf mit großer Unterstützung durch Jesper gerechnet hätte. Aber dennoch hatte sich der Mantroner bereit erklärt mitzukommen. Außerdem liebte Kjartan Geschichten. Er liebte es sie zu erzählen, und er liebte es sie zu hören. Solche Inkonsistenzen fielen ihm auf. Er würde Ragan nach Jesper fragen. Der Heiler hatte ihn nicht erwähnt.

Mit heiserer Stimme begann Kjartan seine Meinung zu den Geschehnissen kundzutun: „Bitte mehr Wasser…“. Zuerst müsste er aber seine Kehle befeuchten. „Und etwas zu essen.“ Er lächelte leicht. „Wo ist meine Ausrüstung? Die Opferschale, der Helm, alles?“, wollte er noch erfahren. Kjartan hoffte inständig, dass seine Waffenbrüder seine Ausrüstung retten konnten. So viele Erinnerungen, so viel Tradition war damit verbunden.
„Was ist mit Jesper? Er ist mit uns aufgebrochen“, sprach Kjartan weiter. „Und wie viele Männer von der Drachenblut haben es geschafft?“ Der Seemann nahm einen großen Schluck von der warmen Brühe, die ihm Elin Meersegen in der Zwischenzeit gereicht hatte, ehe er fortfuhr:
„Die Seeschlange, sie ist nicht tot. Ich konnte sie nur verletzen. Ich glaube die Menschen unter dem Eis jagen sie. Zu ihnen gehören auch diese Lichter. Sie sind mit Dreizacken bewaffnet, deren Spitzen leuchten. Eine von ihnen wollte uns warnen, als wir noch in der Drachenblut waren, aber wir haben sie nicht verstanden. Und als mich…“, er stockte kurz und erzählte dann alles, woran er sich erinnern konnte. Auch, dass er nicht glaubte, dass die Aquaden ihnen wirklich etwas Schlechtes wollten und was es mit diesem magischen Netz auf sich hatte. Immer wieder blickte er dabei zu Baltos um Bestätigung zu suchen oder seine Geschichte zu ergänzen, immerhin gab es einige Dinge, die wohl nur Baltos wusste, Kjartan aber nicht.

Und er erzählte ihnen ebenfalls von Livas Traum und wie nah er doch der Wirklichkeit kam. Kjartan wusste, dass Elin Meersegen Liva und ihn schon zuvor belauscht hatte, als Liva die Geschichte ihrem großen Bruder erzählt hatte.
„Ich weiß nicht was das bedeutet, aber es kann doch kein Zufall sein, oder?“, schloss er seine Erzählung ab.
„Elin Meersegen, ich bräuchte eine Opferschale und etwas Wasser. Ich möchte Ventha für meine Rückkehr danken und für die Gefallenen beten, ehe ich mich schlafen lege“, wandte er sich noch an Thures Frau. Der Seemann trauerte ehrlich um Malte Schädelbrecher. Er hatte den ruppigen, verrückten Krieger gemocht. Es war nicht nur ihre Herkunft, der die beiden verband. Es war auch die Tatsache, dass sie beide Krieger zur See waren. Beide für die Schlacht lebten. Das heiße Blut, das so rasch in Wallung gerat.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Mittwoch 20. Februar 2013, 09:41

(Zur Info: ich hab geschrieben Baltos war aufgesprungen, macht man selten im Sitzen^^ Also er steht mit dem Beil in der Hand vor Elin)

Das Ragan hinter ihn stand bekam Baltos gar nicht mit, viel mehr erschütterte ihn der Blick von Elin und dem kleinen Mädchen, das sich bei Kjartan befand. Er brauchte einen Moment um sich bewusst zu werden das er die Frau von Thure, die gleichzeitig eine Ventha Priesterin war, immer noch bedrohte. Erst danach lockerte Baltos den griff um seine Axt und ermöglichte Ragan somit ihn die Waffe abzunehmen. Was Baltos wütend herumfahren lies. Der Jägersohn wusste ja nicht dass es sein alter Freund war, der ihn Fluchbrecher abnahm. Aber als er ihn erkannte, zügelte sich sein Temperament wieder.
Dem Heiler war bestimmt nicht der Blick von Baltos entgangen als er die Handaxt, dessen geheimen Namen er nicht kannte, vorsichtig auf den Boden legte. Dies war vielleicht auch der Grund für seine beruhigenden Worte die er an den jungen Mann richtete.
Baltos ließ Lautstark Luft aus seiner Lunge entweichen und murmelte nach den Schulterklopfer von Ragan so etwas wie: „…Entschuldigung!“ in Richtung von Elin.

Der Einäugige nahm auf seinen Fell wieder platz und beobachtete die Umgebung. Sein linkes Bein hatte er dabei angewinkelt und sein linker Arm lag locker auf der Kniescheibe. Die Unterhaltung zwischen den Seemann und seiner jungen Schwester interessierte ihn wenig. Das sie Geschwister waren, erkannte er durch sein geschultes Auge an den kleinen Gemeinsamkeiten in ihren Gesicht so wie in der Körpersprache der Beiden.
Thures Frau war auch nur nebensächlich und wurde nicht weiter vom Jäger beachtet. Baltos ging es eigentlich schon wieder recht gut. Denn ihn hatte es zum glück nicht ganz so heftig erwischt wie Kjartan.

Er lies kurz seine Gedanken über den eben gerade erlebten Traum kreisen, warum war SIE wieder in seinen Gedanken. Seit der Eisbestie spuckte die Frau wieder im Kopf des jungen Mannes und er konnte es sich nicht erklären warum.
War es vielleicht ein Zeichen von Ventha das er sich auf die Suche nach ihr begeben sollte? Schließlich war sie seit geraumer Zeit unauffindbar verschwunden!
Vielleicht sollte er mit Elin darüber sprechen, schließlich musste sie sich ja als Ventha Priesterin mit Träumen und Visionen auskennen. Die Frage war natürlich ob sie nach dem kleinen beinah Tötungsvorfall noch mit Baltos reden wollte. So wie der Jäger sein Talent bei Frauen kannte bestimmt nicht.
Ein resignierendes seufzen entrang seiner Kehle als Ragan sich zwischen die beiden Männer setzte.

Interessiert lauschte Baltos den Worten des Heilers und der Priesterin.
Als die Beiden ihre Schilderung der vergangenen Tage erzählt hatte, begann Kjartan das erlebte zu erzählen und wie er in die Tiefe gezogen wurde. Baltos blieb während der Seemann sprach die ganze Zeit ruhig und nickte an einigen Passagen um Kjartan zuzustimmen.
Als auch Kjartan fertig war hatte Baltos nichts mehr hinzuzufügen. Er nahm die Brühe von Elin dankend entgegen und trank kurz einen warmen Schluck. Mit den Handrücken wischte er die im Dreitagebart hängenden Suppenreste weg.
Dann brach er sein schweigen und stellte Ragan eine Frage. „Habt ihr zufällig etwas Seltsames oder Eigenartiges in Ulfs Sachen gefunden? Ich habe gesehen wie er bei der Drachenblut etwas gefunden hatte und es dann heimlich einsteckte.“
Er blickte kurz in die Richtung des verwundeten Mantroners und dann zu Elin, die gerade auf die Frage von Kjartan bezüglich seines Traumes antworten wollte. „Wo steckt Jesper? Ist er verschwunden oder hat er nicht mehr die Lust verspürt aufs Eis zu gehen?“ Der Jäger sagte dies in einen kühlen Ton, der einen nicht ahnen lies was er von diesen Mann hielt. Dabei bemerkte er gar nicht dass er ihr ins Wort gefallen war. Da hatte Baltos ja mal wieder ein Paradebeispiel für fehlerhaftes benehmen gegenüber Frauen gezeigt. Vorallen bei Schwangeren musste Mann eigentlich vorsichtig sein. Denn diese waren ja bekannt für ihr Wechselbad der Gefühle.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 20. Februar 2013, 22:13

Wie schwer Sigvard verletzt war, konnte Kjartan nicht erkennen, aber seine Schwester ließ ihm auch keine Zeit darüber nachzudenken. Das Wichtigste war ohnehin, dass er noch am Leben war. Alles andere würde die Zeit verraten.
Liva lauschte den Worten ihres Bruders und ganz anders, als in seinem Traum, verwandelte die Wut sie nicht in eine Seeschlange. Doch ihre Antwort war nicht minder erstaunlich:
„Hm … Bei ihrer Familie? Dann musst du bei ihren Nixen-Brüdern nach ihr fragen und irgendwann bringst du sie mir zurück!“
Sie hatte dies so voller Überzeugung gesagt, dass es nichts darauf zu erwidern gab. Sich ihren Worten zu widersetzen, war sinnlos, dafür kannte Kjartan seine kleine Schwester zu gut und meistens behielt sie recht, mit dem was sie sich in den Kopf setzte. Das fast gewalttätige Erwachen von Baltos, seine Entschuldigung und das kurz darauf folgende Gespräch bot ebenfalls keine weitere Grundlage für Diskussionen mit seiner Schwester, außerdem musste er zusammen fassen, was geschehen war.
Mit heiserer Stimme begann Kjartan seine Meinung zu den Geschehnissen kundzutun:
„Bitte mehr Wasser.“
Zuerst müsste er aber seine Kehle befeuchten.
„Und etwas zu essen.“
Er lächelte leicht.
„Wo ist meine Ausrüstung? Die Opferschale, der Helm, alles?“
, wollte er noch erfahren. Elin wies mit der Hand in eine Richtung. Ein kurzer Blick neben sich, verriet, dass seine Ausrüstung, bis auf eben jenes Kleinod, noch vollständig neben ihm lag.
„Was ist mit Jesper? Er ist mit uns aufgebrochen“
, sprach Kjartan weiter.
„Und wie viele Männer von der Drachenblut haben es geschafft?“
Der Seemann nahm einen großen Schluck von der warmen Brühe, die ihm Elin Meersegen in der Zwischenzeit gereicht hatte. Kjartan fuhr fort:
„Die Seeschlange, sie ist nicht tot. Ich konnte sie nur verletzen. Ich glaube die Menschen unter dem Eis jagen sie. Zu ihnen gehören auch diese Lichter. Sie sind mit Dreizacken bewaffnet, deren Spitzen leuchten. Eine von ihnen wollte uns warnen, als wir noch in der Drachenblut waren, aber wir haben sie nicht verstanden. Und als mich…“
, er stockte kurz und erzählte dann alles, woran er sich erinnern konnte. Gebannt lauschten alle Ohren im Umkreis von fünf Metern den Erzählungen. Kjartan schien ein Talent für Geschichten zu haben, denn die detailreichen Schilderungen wurden mit leisen Kommentaren wie:
„Ohhh und Aahhh und UNGLAUBLICH!“
versehen. Elin nahm sich eine Rolle dünnes Leder, in dem ein Pergament eingerollt war, auf dem die Mantroner gern Notizen machen und kritzelte ein paar kurze Worte darauf. Dann pfiff sie nach einem der Krieger und drückte ihm die Rolle in die Hand:
„Bring diesen Bericht so schnell wie möglich zu meinem Mann! Es EILT! Und sag ihm der Eisbestientöter ist erwacht.“
Elin lächelte Baltos an. Die Information hatte sich also schon fleißig herum gesprochen. Der junge Mann flitzte sofort los und Kjartan erzählte weiter. Er berichtete ihnen ebenfalls von Livas Traum und wie nah er doch der Wirklichkeit kam. Er wusste, dass Elin Meersegen Liva und ihn schon zuvor belauscht hatte, als Liva die Geschichte ihrem großen Bruder erzählt hatte.
„Ich weiß nicht was das bedeutet, aber es kann doch kein Zufall sein, oder?“
, schloss er seine Erzählung ab. Elin sah zu Liva und Liva sah zu Elin und sie lächelten einander an. Irgendetwas war da zwischen den beiden weiblichen Wesen, was die Männer nicht verstanden.
„Elin Meersegen, ich bräuchte meine Opferschale und etwas Wasser. Ich möchte Ventha für meine Rückkehr danken und für die Gefallenen beten, ehe ich mich schlafen lege“
, wandte er sich noch an Thures Frau. Der Seemann trauerte ehrlich um Malte Schädelbrecher. Er hatte den ruppigen, verrückten Krieger gemocht. Es war nicht nur ihre Herkunft, der die beiden verband. Es war auch die Tatsache, dass sie beide Krieger zur See waren. Beide für die Schlacht lebten. Die Venthapriesterin nickte und reichte Kjartan seine Schale aus seinen Ausrüstungsgegenständen. Dann holte sie noch einen großen Krug Wasser, Becher und ein paar dicke Streifen Trockenfleisch. Zusammen mit der Brühe ergab es ein anständiges Mahl.
Baltos wandte sich an Ragan:
„Eigenartiges in Ulfs Sachen gefunden? Ich habe gesehen wie er bei der Drachenblut etwas gefunden hatte und es dann heimlich einsteckte.“
Der Heiler meinte:
„Er ist noch bewusstlos, aber wo du es gerade erwähnst ...“
Der ältere Mann grinste, stand kurz auf und ging zu seinem Patienten hinüber. Neben Ulf lag ein kleiner Haufen aus Kleidung und Ausrüstungsgegenständen, die er bei sich getragen hatte. Der Heiler fühlte kurz seine Stirn und nahm dann etwas an sich.
Er lege einen Fetzen runzeligen Robbenleders vor sich, wie Baltos sofort erkannte. Das Material musste längere Zeit im Schnee gelegen haben, denn durch das fehlende regelmäßige Fetten, hatten kleine Risse überall gebildet. Der Fetzen hatte die Form eines hoch geschlossenen, jedoch ärmellosen Unterhemdes, doch war es viel zu schmal geschnitten für einen Mann und an seinem Kragen waren liebevolle Stickereien angebracht. Die Nähte lösten sich schon auf, doch die geübten Näherinnen aus Mantron würden sofort ihr eigenes Werk erkennen und wem sie es verkauft hatten. Warum es Ulf jedoch an sich genommen hatte, war sicher nicht die Stickerei, sondern ein kleiner dunkel angelaufener silberner Anhänger in Form eines Bären, der Baltos aus irgend einem Grund einen Klos im Hals bescherte. Spielten seine Erinnerungen ihm einen Streich? Sehr dunkel bildete sich eine Erinnerung an seine Jugend in seinem Kopf. Vor langer Zeit hatte er einmal einem Mädchen gesagt, sie sähe aus wie eine dicke kleine Robbe. Der kleine Anhänger erinnerte ihn an dieses Mädchen. Hatte sie ihn damals schon getragen? Er wusste es nicht mehr genau, aber ein seltsames Gefühl blieb allemal zurück. Er musste zweimal schlucken bevor er das Thema lieber in eine andere Richtung lenkte.
„Genau! Wo steckt Jesper? Ist er verschwunden oder hat er nicht mehr die Lust verspürt aufs Eis zu gehen?“
Ragan murmelte:
„Der sitzt vorne und blättert in Kinderbüchern. Vielleicht hat er den Schock nicht vertragen … Ich wollte später noch mal nach ihm schauen.“
Der Heiler rieb sich die Nase.
„Ach ja und ich soll dir von Norna Wolfruf etwas ausrichten. Deinem Begleiter ging es deutlich besser. Er hat sich nur nicht mit den anderen vertragen, weshalb sie ihn laufen lassen hat. Sie meinte noch etwas anderes ...“
Ragan beugte sich zu Baltos und flüsterte in sein Ohr, so dass die anderen es nicht hören konnten:
„ER sagte, er wird dich wiedersehen!“
Dann zuckte er mit den Schultern und erhob sich umständlich.
„Na dann schauen wir mal nach Jasper.“
Er hatte zwar in der Mehrzahl gesprochen, aber das tat er für gewöhnlich häufiger, wenn es um Patienten ging. Ob Baltos oder Kjartan oder beide ihm folgten, war ihm dabei gleich. Ragan ging langsam zwischen den Verletzten hindurch, jeden immer dabei begutachtend und streifte dann einen Ledervorhang beiseite, der den hinteren Teil des Langhauses vom Vorderen trennte. Der Raum davor lag ebenfalls im Halbdunkel und einige Frauen waren anwesend die immerzu redeten. Vermutlich handelte es sich um die Frauen der Krieger die hinaus zum Eiskanal gefahren waren um nach den Schiffen zu suchen die noch zurück erwartet wurden und überfällig waren. Sie redeten von den acht Schiffen der Mantronern. Von ihnen lagen nur zwei im Hafen, die Drachenodem, vor Anker in Mantron, die Drachenschwinge, vor Anker in Mantron. Die Drachenzahn, war vermisst auf See, die Drachenkralle, vermisst auf See, die Drachenbauch war auf Handelsreise, die Drachenauge war vermisst auf See.
Die Drachenblut war zerstört vom "Schrecken der Tiefe" und ihre Wrackteile im Eiskanal zu finden. Die Drachenschuppe war ebenfalls vermisst auf See. Insgesamt war es keine gute Bilanz. Sicher würden einige vielleicht einfach nur vor den Ausläufern des Eiskanals vor Anker liegen und darauf warten, dass er wieder befahrbar würde, aber das waren eben nur die Hoffnungen der Zurückgebliebenen.
Jasper saß tatsächlich in der Kinderecke, wo auch ein paar Miniatur-Mantroner ihren Kampfstil übten. Er war vollkommen vertieft in einem der Bücher, die hier lagen und ab und an den Frauen zum vorlesen dienten, zu mindestens jenen die dieser Kunst mächtig waren und das waren in Mantron nicht viele. Er bemerkte das Kommen des Heilers nicht, bis dieser sich räuspernd vor ihn stellte.
„Jasper?“
Der junge, ausgesprochen hübsche Mann, sah auf. Seine türkisfarbenen, strahlenden Augen hoben sich und sahen verklärt den Heiler an.
„Ich hab sie gefunden!“
„Was hast du gefunden?“
„Die Seeschlange! Ich wusste ich hatte schon einmal etwas über sie gelesen! Hier schaut!“

Er drehte das Buch und präsentierte das Bild den Betrachtern.

Bild
Schriftrolle Fuss
„Hier wird „DER SCHRECKEN DER TIEFE“ beschrieben, in dessen Gefolge die Lichter des Meere wandern. Der Held in dieser Geschichte hat durch seine laute Stimme das Monster vertrieben, das Schiffe und Menschen, Wale und ganze Fischschwärme fraß. Mir … mir war es nicht gleich eingefallen! Ich hatte die Geschichten gelesen! Mir kam das mit den Lichtern so bekannt vor, doch … Ich hatte es Malte … er … ich hätte … “
Seine Stimme brach und der feuchte Glanz seiner Augen zeugte von unendlicher Schuld.
„Es war zu spät!“
Jasper versank in Trauer und starrte reglos vor sich hin. Seine Hände zitterten, als er das Buch hielt. Vielleicht gab es noch mehr hilfreiche Hinweise in den Geschichten der alten Zeiten. Vieles von dem was einst Wahrheit war, wurde im Laufe der Zeit zu Geschichte und Geschichte wurde zu Legende und Legende würde zu Märchen. Das Buch fiel zu Boden und eine der nächsten Seiten tat sich auf. Ein Dreizack war darauf abgebildet, der an seinen Spitzen kleine helle Lichter hatte. Der Text darunter war einfach gehalten.

„Einst sangen die Lichter der Meere mit uns. Vor langer Zeit waren Nixen und Meerjungfrauen die Wächter eines kalten Geheimnisses und ein junger Held entlockte es ihnen durch einen Kuss. Doch die Welt der Seewesen blieb ihm verschlossen, denn wo Reichtümer in der Tiefe versinken, fand er nur Gier und Neid und sein Herz ging verloren. Seid dem singen die Nixen nicht mehr mit uns.“
Schriftrolle Fuss
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Kjartan » Freitag 22. Februar 2013, 10:58

Kjartan war etwas überrascht von Livas Antwort. Er solle einfach die Nixen-Brüder nach dem Kleinod fragen und es dann zu Liva zurückbringen. An und für sich hätte er nicht allzuviel auf diese Aussage gegeben. In Anbetracht der letzten Ereignisse aber, war er sich nicht sicher, ob es seine kleine Schwester nicht tatsächlich ernstmeinte. Dazu kam noch, dass ihre Stimme absolut nicht spaßig oder lustig klang. Wie bei Venthas Busen sollte er aber DAS schaffen?! Der Seemann wusste, dass es keinen Zweck hatte, hier weiter zu diskutieren. Liva würde es schon irgendwann als gegeben hinnehmen und Gras würde über die Sache wachsen.

Positiv stimmte den Krieger, dass all sein Hab und Gut gerettet werden konnten. Es war alles da, wie ihm Elin bedeutete. Axt, Hornhelm, die Opferschale. Einfach alles. Nur dieser verfluchte Glücksbringer war verschwunden. Daran ließ sich nun aber nichts mehr ändern. Jetzt galt es, die Mantroner über das Vorgefallene zu informieren. Die Seeschlange, die Aquaden, einfach alles. Und genau das taten Baltos und Kjartan. Thures Frau Elin Meersegen verstand die Wichtigkeit der Informationen und schickte sofort eine Nachricht an Thure, die wohl die wichtigsten Punkte enthielt. Und auch, dass Baltos, der Eisbestientöter, erwacht sei. Baltos, dessen Geschichte Kjartan selbst so unglaublich gerne hören würde. Er liebte Heldengeschichten, und die Geschichte von Baltos und der Eisbestie, war eine solche, darin war sich Kjartan sicher.
Baltos fragte nach einiger Zeit, ob etwas Eigenartiges in Ulfs Sachen gefunden worden wäre. Interessiert blickte Kjartan hoch. Er hatte absolut keine Ahnung, was der Jäger damit gemeint haben konnte, aber Kjartan hatte ihn in der Zwischenzeit als einen aufmerksamen, gewieften Tapferen kennengelernt. Wenn der Jäger eine Vermutung hatte, dann war gewiss etwas dran an der Sache.
Ragan Lebensretter erkannte offenbar, wovon Baltos sprach und kramte aus Ulfs Gegenständen ein ärmelloses Unterhemd aus Robbenleder hervor. Interessant an der Sache war, dass es keinem Mann gehören konnte, denn dafür war es viel zu schmal. Das Unterhemd war in bedauernswertem Zustand. Die Nähte gingen auf und das Leder bekam Risse. Ein kleiner, dunkel angelaufener, silberner Anhänger in Form eines Bären hing daran, den Baltos zu erkennen schien. Kjartan hatte keine Idee, worum es sich hier handeln konnte und was so besonders an alldem war, doch sah er im Gesichtsausdruck des Jägers, dass es dazu wohl eine Geschichte gab. Vielleicht würde Kjartan ihn irgendwann danach fragen.

Noch ehe sich der Seemann mehr Gedanken über diese Angelegenheit hätte machen können, wechselte Baltos das Thema und brachte Jasper ins Spiel, der offensichtlich weder verletzt, noch mutig genug war, um nochmals aufs Eis hinauszugehen. Laut Ragan saß er im vorderen Teil des Hauses und blätterte in Kinderbüchern. Kjartan musste schlucken und seine Finger verkrampften sich zu einer Faust. Was für ein Mantroner tat so etwas?! War weder verletzt noch tot, und ließ seine Waffenbrüder dennoch im Stich und alleine aufs Eis hinausgehen.
Nach einiger Zeit erklärte Ragan, dass er nach Jasper sehen wollte und der Lebensretter erhob sich schwer. Das Alter nagte am Heiler, das sah man auf dem ersten Blick. Kjartan wäre gerne aufgestanden und Ragan gefolgt, entschied sich dann aber doch dagegen. Er hätte nur Streit angefangen und Jasper windelweich geprügelt. Und auch, wenn er vermutlich stark genug dafür gewesen wäre, hätte es womöglich doch einen Rückschlag in seiner Genesung bedeutet. Dies galt es unter allen Umständen zu vermeiden. Oberste Priorität hatte, dass Kjartan wieder aufs Eis zu seinen Waffenbrüdern gehen konnte. Er hatte noch eine Rechnung mit der Seeschlange offen. Und womöglich, mit Venthas Beistand, würde er SIE wiedersehen. Nicht die Schlange, sondern die Aquadin, die ihm das Leben gerettet hatte.
„Ihr entschuldigt mich?“, sagte Kjartan mehr als dass er fragte, und erklärte so, dass er liegen bleiben würde. „Bitte Ragan, unterrichtet mich, wenn sich Neuigkeiten ergeben“, bat er den Heiler noch, ehe dieser davonhumpelte.
Der Seemann wandte sich an Baltos: „Glaube nicht, dass du mir davonkommst, ohne die Geschichte über den Kampf mit der Eisbestie zu erzählen. Solche Leistungen verdienen es, gewürdigt zu werden.“ Knapp nickte er dem Jäger zu und goss sich etwas Wasser in die Opferschale.
Würde Baltos ebenfalls liegen bleiben, so hoffte der Krieger, dass der Jäger ihm die Geschichte über den Kampf erzählte. Und dann würde er beten. Würde aber Baltos den Raum verlassen, so würde Kjartan gleich zu beten beginnen und sich die Geschichte eben später erzählen lassen.
Der Glaube an Ventha war enorm stark in Kjartan verankert, und er hatte sehr lange Zeit in ihrem Reich überlebt. Ein wichtiger Grund ihr zu danken.



Als endlich die Zeit für sein Gebet gekommen war, versuchte Kjartan aufzustehen und die Opferschale vor sich zu platzieren. Kjartan betete gerne im Stehen. Es war ein Zeichen des Respekts. Er schloss die Augen. Der Krieger war völlig fokussiert und blendete alles andere aus: die Stimmen der Frauen, die in einem anderen Teil des Hauses eifrig diskutierten, das gelegentliche Stöhnen der anderen Verletzten. Einfach alles. In Gedanken begann er zu sprechen:
„Oh Ventha, du Beherrscherin von Wind und Wasser, Hüterin der See. Du Ursprung meines Seins, du Quelle meiner Kraft, du Ohr das meine Seele hört. Aus der Tiefe deines Reiches schicktest du mir Rettung, du hörtest meine Stimme. Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz des Meeres. Die Fluten schlossen sich über mir und ich wusste es gäbe kein Entrinnen. Und doch spürte ich, dass du mich nicht aufgegeben hast. Ein Übel, größer als die meisten anderen, hat sich in dein unendliches Reich geschlichen. Es verschlingt alles, Mensch wie Tier gleichsamt. Nie hast du mich verlassen, du blaue Göttin mit dem Luftschleier, und auch dieses Mal gabst du mir die nötige Kraft, das Biest zu stellen. Aber der Kampf ist noch nicht vorüber, die Bedrohung versteckt sich immer noch in deinem Reich. Solange die Seeschlange nicht erschlagen ist, wird dein treues Volk in Gefahr sein. Schenk mir die Kraft, diesen Räuber der See ein für allemal zu vernichten. Und gib mir die Möglichkeit, mich bei dem Wesen, das du mir zur Rettung geschickt hast, zu bedanken. Ich möchte der Wasserfrau so gerne meine unendliche Dankbarkeit ausdrücken und glaube, dass sich so eine gute Zusammenarbeit deinee Kinder des Wassers und deiner Kinder des Landes ergeben kann.
Oh Ventha, du Wilde, gib auch meinem Bruder und meiner Familie genug Stärke, um die bevorstehenden Aufgaben zu meistern. Sigvard ist ein guter Mann, der nie an dir gezweifelt hat. Dein Reich, die See, bedeutet ihm so viel. Hilf ihm, dass er wieder auf einem Schiff durch die Wellen pflügen kann.“


Kjartan öffnete die Augen wieder, legte die Opferschale neben das Kopfende seiner Bettstatt und legte sich bereit zum Schlafen. Er war so unendlich müde.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Montag 25. Februar 2013, 14:31

Baltos ließ der Anhänger keine Ruhe. Sein Unterbewusstsein wollte ihm eine Geschichte zu dem Schmuckstück erzählen. Nur konnte oder wollte er die Geschichte nicht hören. Er nickte Ragan kurz zu und wartete bis dieser den Raum verlassen hatte. Dann machte er sich daran sich seine Kleidung wieder anzulegen. Es war selbstverständlich alles vollständig und Baltos spürte das die Schriftrolle noch immer an seinen rechten Platz war. Wie von Geisterhand geführt blickte er auf die beiden Runen die nun seinen Unterarm zierten.
Das frische Mal war gut verheilt und Schorf hatte sich gebildet. Die grüne klumpige und geruchslose Masse die auf die Schnittverletzung aufgetragen war, kannte der Jäger nur zu gut. Der Heiler wendete sie immer bei kleineren Schnittwunden an. Das Baltos dieses Zeichen für immer auf seinen Körper tragen würde störte ihn eher weniger. Es gab hässlichere Narben als diese. Außerdem hatte er sich diese Rune freiwillig hinzugefügt und nicht wie bei der Anderen, die ihn von diesen Erdhaufen einfach ohne zu fragen eingebrannt wurde.
Je länger er die Zeichen betrachtete umso mehr stellte er sich die Frage ob diese Symbole ihn vielleicht beim Kampf gegen die Seeschlange geholfen hatten?
Er war sich nicht sicher, wusste aber das er mehr über die Kräfte dieser Zeichen erfahren wollte und wie man sie richtig einsetzen konnte. Aber dafür musste er erst einmal jemand finden der sich mit der Runenmagie auskannte. In Mantron gab es zumindest niemanden, da war er sich sicher!

Baltos wurde durch die Worte Kjartans aus seinen Gedanken gerissen, als er gerade seine Handaxt an der Hüfthalterung befestigte. „Du wirst die Geschichte noch früh genug erfahren“ Seine Hand ruhte bei diesen Worten kurz auf der Schulter des Seemannes und ein Lächeln entstand auf seinen Gesicht. „Komm aber erst einmal wieder zu Kräften!“ Der jüngere Mantroner gab ihn noch einen klaps auf die Schulter und ging dann in Richtung Jesper und Ragan.
Dabei nahm er den Anhänger und das Unterhemd an sich, das der Heiler liegengelassen hatte. Er lies den Anhänger noch eine weile vor seinen einen Auge baumeln. Dann öffnete er Zeigefinger und Daumen und lies die Kette in seine Hand fallen. Dieser Gegenstand wirkt in seiner Hand so zerbrechlich und vergänglich, wie eine Schneeflocke im Sonnenlicht.
Eine innere Stimme sagte ihm das dieser Anhänger, der schon leicht angelaufen war, nur IHR gehören konnte und um seinen Verdacht zu bestätigen stieg ihn ein vertrauter Geruch in die Nase, der ihn an den Duft von frisch gefallenen Schnee erinnerte, sowie an den Geruch des Meeres.
Baltos blickte noch einmal zu Ulf. Was hatte er damit vor gehabt? Wusste er wem die Sachen gehörten? Der Jägersohn bezweifelte es. Vorsichtig wickelte er den Anhänger in das Unterhemd und verstaute dieses dann in seine Rüstung. Er musste ihre Eltern aufsuchen, vielleicht konnte ihnen diesen Andenken Trost oder sogar Hoffnung spenden. Doch jetzt musste er sich erst einmal mit Jesper befassen!

Baltos betrat das Zimmer gerade als der Heiler den Angsthasen ansprach. Die vielen Frauen die sich hier aufhielten versuchte der Mantroner bewusst zu ignorieren, sonst wurde er zu sehr daran erinnert wie viele von ihnen gerade ihren Mann verloren hatten oder noch verlieren würden.
Ohne eine Mine zu verziehen, näherte er sich den verwirrten Mann in der Kinderecke. Dabei vielen ihn die kleinen Holz-Mantroner auf. Vielleicht wollte es der Zufall so, dass gerade die beiden Lieblingsfiguren von Haros und Baltos vor den Füßen des verängstigten Mantroners standen. Wie viele Abenteuer die beiden Freunde mit den Figuren ausgefochten hatten, wusste der nun erwachsene Mann nicht mehr. Aber in anbetracht der vor kurzen erlebten Geschehnissen, stand Baltos in Punkto Abenteuer den beiden Figuren in nichts mehr nach. Außer das die Lieblingsfigur des Jägers schon dutzende Eisbestien erschlagen hatte.
Wie schön doch die Kindliche Fantasie war und wie grausam die Realität der Erwachsenen sein konnte.
Anscheinend versuchte Jesper sich aus Selbstschutz wieder in die Fantasiewelt eines Kindes zu versetzen. Vielleicht um das erlebte zu verarbeiten, vielleicht aber auch einfach nur um der Realität zu entrinnen. Für jeden kam irgendwann der Tag an dem man den letzten Rest seiner kindlichen Naivität verlor. Bei manchen früher, bei anderen später. Doch Jesper verhielt sich nicht wie ein Tapferer, anscheinend konnte er nicht mit der Erkenntnis leben das alles vergänglich war, sondern verkroch sich lieber in die Scheinwelt der Märchen.



Baltos nahm Jesper das Buch aus den Händen, das was er Gehört hatte war nun nichts Neues für ihn Gewesen. Sicherlich wäre die Information zur Geräuschempfindlichkeit des Wesens vor dem auftauchen der Seeschlange hilfreich gewesen und hätte vielleicht viele Leben retten können. Aber hätte jemand Jespers Worten glauben geschenkt? Der Jäger bezweifelte es, nahm aber das Buch an sich und hielt den Zeigefinger zwischen der geöffneten Seite und klappte es dann leicht zu.
Jesper war sowieso viel zu apathisch gewesen als das er bemerkte, das dass Buch fehlte. Der Einäugige betrachtete kurz die kümmerliche Gestalt und wendete sich dann ab.
„In dieser Welt überleben nicht die Schwachen!“ Wen diese Worte galten, ließ er offen, ohne sich noch einmal umzudrehen betrat er wieder den Raum mit den Verwundeten.

Kjartan schlief schon und Baltos schlich auf leisen Sohlen an seine Liegestätte und legte das Buch neben die blaue Opferschale. Darauf bedacht das dass Kapitel zur Thematik Seeschlange aufgeschlagen war. Vielleicht konnte der Seemann etwas herausfinden.
Baltos selbst hatte noch einiges zu erledigen und der Tag war noch jung. Zuerst wollte er sich mit Elin unterhalten. Vielleicht konnte sie ihn bei seinen ständig wiederkehrenden Gedanken über den verbleib der jungen Frau helfen. Schließlich war sie eine Hohe Priesterin Venthas.
Eventuell konnte dies ja ein Zeichen der Göttin sein und diese möchte dass er sich auf die Suche nach der vermissten Frau begab. Wo vorher so viele gescheitert waren.
Nach diesem Gespräch würde er den Wilden aufsuchen, schließlich hatte er noch mit ihm eine Wette zu laufen und war spät dran. Er musste auch noch zu Norna und ihr seine Geschichte erzählen. Seine Eltern wollten ihn bestimmt auch noch sehen und es gab noch dutzende Tote in einer Höhle die beerdigt werden musste und vielleicht traf er dabei auf den Wolf Geri und eine Seeschlange galt es auch noch zu finden und zu töten.
Baltos hatte wirklich noch viel zu tun, er atmete tief ein und ging in Richtung Elin die sich mit der Schwester von Kjartan unterhielt.
Als er hinter der Frau und dem jungen Mädel stand, räusperte er sich kurz.
„Ich weiß nicht warum, aber seit Tagen muss ich ständig an eine Frau denken, die wahrscheinlich nicht mehr lebt. Und ich frage mich ob sie vielleicht nicht doch noch am leben ist! Schließlich wurde ihr Körper nirgends gefunden“ Dann erzählte er der Priesterin jeden seiner Gedanken zu dieser Thematik und beschrieb den Traum den er hatte. Es war ihn gleich ob die Schwester von Kjartan die Geschichte weiter erzählen würde oder ob sie der Seemann oder einer der Verwundeten hörte. Er wollte endlich Gewissheit und einen Grund für die Präsenz dieser Frau in seinen Gedanken.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. Februar 2013, 17:17

Nicht noch ein Loch! Haben sie denn immernoch nicht begriffen, dass die Seeschlange ihre Schiffe für Futter hält? Wenn ich noch einen Tag länger die Löcher der Menschen verschließen muss, überlas ich sie ihrem Schicksal!
Entnervt und langsam müde dieser Tätigkeit, ließ die Aquadin ein weiteres Mal die Spitzen ihres Dreizacks aufleuchten und verschloss den frisch geschlagenen Spalt im Eiskanal.
Ich dachte, sie hätten mich verstanden … wenigstens der Eine. Reden die nicht miteinander?Ich hätte auf Triton hören und mich fern halten sollen. Menschen sind dumm und so ignorant!
Die Gedanken an ihren alten Ausbilder, der sie immer vor den Menschen gewarnt hatte, der nun so weit weg war und dessen Rat sie nun herbei sehnte, waren mehr schmerzhaft als hilfreich. Es waren diese kurzen Momente des Heimwehs die sie nach Norden blicken ließen. Seit ihrer Ausbildung in der Hauptstadt ihres Volkes im Sonnenmeer, hatte sie ihn nicht mehr gesehen, ihn und ihre Familie. Alles war so weit weg! Im Vergleich zu den klobigen Dingern auf denen die Menschen reisten, war es nur ein Flossenschlag bis nach Anqua, aber so sehr sie sich auch nach Hause sehnte, so sehr hatte sie die Stille des Südmeers lieben gelernt. Der Außenposten hier war fast das ganze Jahr über herrlich einsam, nur durchschnittlich alle drei bis vier Jahre kam es zu außergewöhnlichen Aktivitäten der Seeschlangen. Dieses Jahr waren sie früh dran sich auf Futtersuche zu begeben und die Wächter des Außenpostens hatten ihre Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen gehabt. Die Schrecken der Tiefe schliefen für gewöhnlich länger und erwachten sie, hatten sie genügend Fischschwärme in die nähere Umgebung gelockt um sie am wilden Jagen zu hindern. Immer galt es dabei das Gleichgewicht zu wahren. Sorgte man nicht dafür, dass sie genügend Futter fanden, so begannen sie schnell ihre Reviere in der Tiefe zu verlassen und nach Walen Ausschau zu halten. Dieses Jahr hatte sich eine besonders früh davon gestohlen und sogar den Außenposten angegriffen. Die Kuppeln Anquas hätten dem Angriff mühelos stand gehalten, aber ihre kleine Wahlheimat hier hatte noch nicht mal eine eigene Luftblase. Diese Art von Luxus war bei einer Gruppe von maximal fünf Wächtern nicht nötig. Die dichten Algenwälder, in denen sie lebten, hatten bisher auch guten Schutz geboten, doch dieses Mal eben nicht. Die Schäden waren verehrend gewesen und einer der Wächter war sogar ums Leben gekommen. Der Rest hatte sich sofort aufgemacht die Seeschlange zurück in ihr Revier zu treiben, doch da hatte sie sich schon in die Meerenge von Ersa geflüchtet. Diese Gegend war perfekt um sie zu treiben, doch bedeutete auch die Nähe zur Oberfläche Kontakt zu den Menschen. Die Aquadin war von ihren Kameraden zurückgelassen worden um die Eisdecke geschlossen zu halten, während die anderen drei sie weiter verfolgten. Seeschlangen hatten ein gutes Gedächtnis und wenn sie an einem Ort einmal Fressen gefunden hatten, kehrten sie gerne dort hin zurück. So trieb die junge Aquadin unter dem Eis und hielt Ausschau nach den Menschen. Genervt und gelangweilt schwebte sie in der Stille und versuchte die leichte Strömung zu genießen, die an ihren Kopftentakeln zupfte. Über ihr sauste wieder einer der länglichen Schatten vorbei, die Kurs nahmen auf ein weiteres der festsitzenden dicken Dinger. Sie war die Beobachterin der Wächter im Südmeer und sie tat was sie am besten konnte: Beobachten.



Kjartan und Baltos wechselten noch ein paar Worte und der Jäger folgte dann dem Heiler in den vorderen Bereich des Langhauses. Kjartan blieb zurück und endlich war die Zeit gekommen um Ventha für ihren Seegen zu danken. Er richtete sich auf und fokussierte seine Gedanken.
„Oh Ventha, du Beherrscherin von Wind und Wasser, Hüterin der See. Du Ursprung meines Seins, du Quelle meiner Kraft, du Ohr das meine Seele hört. Aus der Tiefe deines Reiches schicktest du mir Rettung, du hörtest meine Stimme. Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz des Meeres. Die Fluten schlossen sich über mir und ich wusste es gäbe kein Entrinnen. Und doch spürte ich, dass du mich nicht aufgegeben hast. Ein Übel, größer als die meisten anderen, hat sich in dein unendliches Reich geschlichen. Es verschlingt alles, Mensch wie Tier gleich samt. Nie hast du mich verlassen, du blaue Göttin mit dem Luftschleier, und auch dieses Mal gabst du mir die nötige Kraft, das Biest zu stellen. Aber der Kampf ist noch nicht vorüber, die Bedrohung versteckt sich immer noch in deinem Reich. Solange die Seeschlange nicht erschlagen ist, wird dein treues Volk in Gefahr sein. Schenk mir die Kraft, diesen Räuber der See ein für allemal zu vernichten. Und gib mir die Möglichkeit, mich bei dem Wesen, das du mir zur Rettung geschickt hast, zu bedanken. Ich möchte der Wasserfrau so gerne meine unendliche Dankbarkeit ausdrücken und glaube, dass sich so eine gute Zusammenarbeit deiner Kinder des Wassers und deiner Kinder des Landes ergeben kann.
Oh Ventha, du Wilde, gib auch meinem Bruder und meiner Familie genug Stärke, um die bevorstehenden Aufgaben zu meistern. Sigvard ist ein guter Mann, der nie an dir gezweifelt hat. Dein Reich, die See, bedeutet ihm so viel. Hilf ihm, dass er wieder auf einem Schiff durch die Wellen pflügen kann.“

Kurz darauf schlief er auch schon ein. Ein unruhiger kurzer Traum schüttelte ihn. Er stand mitten in einem Wald, doch die Bäume bogen sich wie Schilf im Sturm … oder Pflanzen im Wasser. Zwischen den langen wogenden Stämmen waren Netze gespannt die sich mit jeder Bewegung dehnten und streckten. In ihnen hingen lauter kleine Holzstücke, eben jene wie Liva für ihn gemacht hatte, nur waren diese wie kleine Menschen geformt. Sie hatten nicht die Fischschwänze wie die Meerjungfrauen aus den Geschichten, sondern hatten zwei Beine und riesige Augen. Eines dieser Wesen löste sich aus dem Netz und kam auf ihn zu geflogen. Die Luft um Kjartan herum schimmerte und ließ ihm die Sicht verschwimmen. Das Fischwesen sah ihn an und streckte eine Hand erwartungsvoll aus und sagte etwas das er nicht verstand. Kjartan sah auf seine leeren Hände. Der Blick des Wesens veränderte sich und es schüttelte enttäuscht den Kopf und schwamm davon. Kjartan sah noch einmal auf seine leeren Hände.
Als er erwachte, blieb das Gefühl zurück etwas Wichtiges in diesem Ablauf übersehen zu haben. Liva seine kleine Schwester lag neben ihm auf dem Boden und schlief fest. Auch die Nachbarpritsche mit Sigvard war still und gleichmäßiger Atem hob den Brustkorb seines Bruders. Es war ein beruhigendes Gefühl ihn so zu sehen und gleich was ihm geschehen war, die Liebe zur See war ihm geblieben und würde ihm Kraft geben gesund zu werden, da war sich Kjartan in der Tiefe seiner Seele sicher.
Sein Blick wanderte in der näheren Umgebung umher und fiel auf eine Veränderung. Ein Buch lag neben dem Kopfende seines Bettes und eine Seite war markiert, als wollte ihm jemand die Informationen dahinter zeigen, wenn er erwacht sein. Instinktiv griff der Seemann danach und studierte mit Interesse die Legenden der Meerjungfrauen, Meerwesen und Seeungeheuer. Eine der Seiten zeigte einen Dreizack, der an seinen Spitzen kleine helle Lichter hatte. Der Text darunter war einfach gehalten.

„Einst sangen die Lichter der Meere mit uns. Vor langer Zeit waren Nixen und Meerjungfrauen die Wächter eines kalten Geheimnisses und ein junger Held entlockte es ihnen durch einen Kuss. Doch die Welt der Seewesen blieb ihm verschlossen, denn wo Reichtümer in der Tiefe versinken, fand er nur Gier und Neid und sein Herz ging verloren. Seid dem singen die Nixen nicht mehr mit uns.“

Auf den nächsten Seiten fand Kjartan mehrere Geschichten und Märchen mit ähnlichem Inhalt für Kinder die von einstiger Nähe zu den Meerjungfrauen erzählten und wie leicht das zarte Band der Freundschaft durch Gier und Neid zerrissen wurde. Kjartan versuchte für sich so viel wie möglich aus den Texten zu entnehmen. Die Wesen der Meere wurden als freundlich, aber zurückgezogen beschrieben und die raue Art der Menschen schien sie häufig zu verschrecken. Aber auch von unermesslichem Reichtum der in der Tiefsee ruhen sollte war die Rede und phantastische Abenteuer von Helden die diese Bergen wollten waren dort zu lesen. Bilder von Muscheln und Perlen waren an die Ränder gemalt und der Autor hatte seinen Namen an manch ein Bild gekritzelt: Tritorius, ein seltsamer Name für einen Mantroner. Auch das Buch an sich war nach genauerer Betrachtung seltsam. Der Einband und das Papier war merkwürdig glatt und leicht geschuppt wie Fischhaut. Abgegriffen und schmutzig war es und hatte sicher schon einige Jahrzehnte auf dem Buchrücken.



Baltos war Zeuge des Gesprächs mit Jasper geworden und musterte mit Missfallen das Verhalten des jungen Mannes, der wohl fast so alt war wie er und doch nicht annähernd die gleiche Reife besaß. Die weinerliche Stimme quälte seine Ohren und reizten seine Wut.
„In dieser Welt überleben nicht die Schwachen!“
Seine Worte mochte mancher als hart bezeichnen, doch die Welt der Mantroner war es nun einmal; hart! Danach schlich Baltos auf leisen Sohlen an Kjartans Liegestätte zurück, wo dieser selig schlief und legte das Buch neben die blaue Opferschale. Dem Seemann würden diese Geschichten vielleicht noch mehr verraten, als ihm dem Jäger. Sein nächstes Ziel war Elin, auch wenn noch einige andere dringende Erledigungen in seinem Kopf herum spukten. Als er hinter der Frau und dem jungen Mädel stand, die sich leise unterhielten, räusperte er sich dann kurz.
„Ich weiß nicht warum, aber seit Tagen muss ich ständig an eine Frau denken, die wahrscheinlich nicht mehr lebt. Und ich frage mich ob sie vielleicht nicht doch noch am leben ist! Schließlich wurde ihr Körper nirgends gefunden“
Dann erzählte er der Priesterin jeden seiner Gedanken zu dieser Thematik und beschrieb den Traum den er hatte. Es war ihn gleich ob die Schwester von Kjartan die Geschichte weiter erzählen würde oder ob sie der Seemann oder einer der Verwundeten sie hörte. Er wollte endlich Gewissheit und einen Grund für die Präsenz dieser Frau in seinen Gedanken. Kjartans Schwester, die gerade 16 Jahre geworden war schmunzelte ihn an, als er von der nackten Frau in seinem Bett erzählte und bekam ganz rote Ohren. Wäre ihr Bruder in diesem Moment wach gewesen, so hätte er vielleicht falsche Schlüsse ziehen können, doch Venthas Traum hielt ihn fest in ihren Fängen. Elin Meersegen hingegen hörte ihm sehr aufmerksam zu und nickte an manchen Stellen nachdenklich. Als Baltos geendet hatte sah sie ihn lange aus ihren Eis blauen Augen an.
„Baltos, ich denke, die große Ventha versucht dir tatsächlich etwas zu sagen, doch die Deutung deiner Träume liegt in deiner Seele. Ich kann sie dir nicht abnehmen. Ich weiß aber, und das mit der Sicherheit eines gläubigen Herzens, dass sie dir bei Zeiten den rechten Weg weisen wird. Es gibt viele Träumer in diesen schweren Zeiten und manchmal versuchen uns die Götter so ihre Wege zu erklären. Nicht immer verstehen wir das was sie uns sagen wollen, aber ich bin mir sicher, dass diese Frau, bzw., dieses Mädchen in deinem Leben ein Wegweiser für dich sein wird. Ob sie noch lebt oder schon an der Ahnentafel weilt, weiß nur Ventha selbst, aber ich kann dir vielleicht doch in einer Sache helfen.“
Baltos hatte auch den kleinen Anhänger, gehüllt in das Hemd der Priesterin gezeigt, die fast jedes Kind in Mantron gesegnet hatte.
„Gehe zu Eona Sternentanz. Frag sie ob sie es erkennt. Ihr Mann Eirik Bärenschädel ist wie fast alle auf das Eis gegangen, doch sie hat lange nicht ihr Haus verlassen.“
Elin erklärte Baltos kurz, wo die besagte Frau zu finden war.
„Wenn sie das Kleinod wieder erkennt, dann ist es ihre Tochter, die dir im Traum erscheint. Nur eins noch. Sie ist etwas wunderlich geworden, also sei behutsam … und vorsichtig.“
Baltos wollte sich schon zum Gehen drehen, da hängte sie noch an.
„Ventha hält einen Namen für dich bereit, Kind Mantrons! Wenn du soweit bist, komme zu mir und ich werde ihn in das Buch Mantrons aufnehmen. Dann wird deine Geschichte in der Halle der Tapferkeit erklingen, wie es Brauch ist.“
Sie lächelte Baltos an und ihre Augen glänzten von Stolz vor seiner Leistung, der Leistung die die Tapferen ehrte.
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Kjartan » Montag 4. März 2013, 14:19

Es war keine Erholung, die ihm der Schlaf gebracht hatte. Vielmehr war es ein eigenartiger Traum, der Kjartan hochschrecken ließ. Der Krieger wusste nicht genau, wo er den Traum einordnen hätte sollen und ging den genauen Ablauf des Traumes nochmals in Gedanken durch. Dennoch: er kam nicht dahinter. Irgendetwas hatte er vergessen, er fühlte es. Er wusste es. Aber was war es? Kjartan konnte sich keinen Reim auf dieses ungute Gefühl der Unsicherheit machen. Wie um auf andere Gedanken zu kommen, blickte sich der Seemann um und erkannte Liva, die neben ihm am Boden schlief. Auf der Nachbarpritsche hob und senkte sich Sigvards Brustkorb gleichmäßig. Ventha würde dafür sorgen, dass Sigvard wieder zur See fahren konnte, darin war sich Kjartan sicher.

Der Krieger blickte sich weiter um und entdeckte ein Buch neben dem Kopfende seines Bettes. Eine der Seite war markiert. Kjartan beschloss, dass entweder Ragan Lebensretter oder Baltos ihm das Buch hiergelassen hatten. Sofort griff er danach und begutachtete die Legenden und Sagen über Meerjungfrauen, Nixen, Seeungeheuer und anderem Seemannsgarn. Und dann traf es Kjartan wie ein Blitz. Auf einer der Seiten war ein Dreizack abgebildet. An jeder der drei Spitzen saß ein heller Funke. Sofort schoss dem Mantroner das Bild des Wassermenschen in den Kopf, die hellen Punkte die den Seemann gerettet hatten. Wer auch immer diese Seiten geschrieben oder gemalen hatte, er wusste, wovon er zu berichten hatte. Zufall konnte das nicht sein, wer käme schon auf die Idee, drei kleine Lichter auf einen Dreizack zu setzen, nur aus Jux und Tollerei.

Kjartan wandte sich dem Text unter dem Bild zu und murmelte die Worte: „Einst sangen die Lichter der Meere mit uns. Vor langer Zeit waren Nixen und Meerjungfrauen die Wächter eines kalten Geheimnisses und ein junger Held entlockte es ihnen durch einen Kuss. Doch die Welt der Seewesen blieb ihm verschlossen, denn wo Reichtümer in der Tiefe versinken, fand er nur Gier und Neid und sein Herz ging verloren. Seitdem singen die Nixen nicht mehr mit uns.“
Ganz verstand Kjartan nicht, was ihm der Text sagen sollte. Vielleicht ließe sich viel mehr hineininterpretieren, als Kjartan fähig war zu denken. In diesem Moment aber enthielten die Worte nicht allzuviel Aussagekraft für ihn. Also blätterte er weiter und fand einige ähnliche Sagen und Legenden. Es dauerte nicht lange, und der Seemann begriff, dass alle Geschichten inne hatten, dass einst die Wesen der Meere und die Wesen des Landes befreundet gewesen waren. Doch stets endete die Freundschaft dadurch, dass die Menschen zu gierig waren und ihr Bedürfnis für Schätze das Verhältnis zu den Wasserbewohnern zerstörte. Irgendwo auf dem Meeresgrund würden sich unermessliche Reichtümer befinden und so mancher junge Abenteurer hatte versucht, diese zu bergen.

Die Texte wurden durch einige Bilder ergänzt und neben den meisten fand sich die Signatur eines gewissen Tritorius. Kein mantronischer Name, wusste Kjartan sofort. Womöglich ein Schwächling aus Zyranus oder vielleicht auch ein Andunier oder Pelgarer. Der Seemann schlug das Buch zu und bemerkte erst jetzt, dass der Einband andersartig war als die Einbände der meisten anderen Bücher. Er betastete den Umschlag und erkannte, dass es merkwürdig glatt und doch leicht geschuppt wie Fischhaut war. Der Einband war abgegriffen und schmutzig und der Zahn der Zeit nagte bereits an ihm. Ein wahrlich eigenartiges Buch, überlegte Kjartan und öffnete es erneut. Wieder und wieder las er die Geschichten über die Freundschaft zwischen den Meerwesen und den Menschen. Er sog die Informationen regelrecht in sich hinein und beendete sein Studium erst, als ihm die Augen immer wieder von alleine zufielen. Der Seemann musste schlafen, er musste sich erholen.

Kjartan legte das Buch wieder an sein Kopfende und schloss die Augen. Noch einmal ging er die Geschichten und Legenden durch und ehe er einschlief, hatte er auch noch Zeit gefunden, über seinen Traum nachzudenken.
Er war mitten in einem Wald gestanden und die Bäume bogen sich eigenartig wie Pflanzen im Wasser hin und her. Und zwischen den Baumstämmen waren gespannte Netzte, die sich dehnten und streckten. In ihnen hingen überall kleine Holzstücke, die aussahen wie Livas Glücksbringer. Nur ohne Fischschwanz, dafür mit Beinen und riesigen Augen. Sie sahen Kjartans Retterin ähnlich. Eines der Wesen löste sich aus dem Netz und kam auf den Seemann zu. Erwartungsvoll streckte es die Hand aus. Es sprach zu Kjartan, doch er verstand nicht. Kjartan blickte auf seine leeren Hände und das Wesen schwamm enttäuscht davon. Und wieder blickte der Seemann auf seine leeren Hände.
Der Krieger glaubte, dass dieses Wesen genau jenes war, das ihm das Leben gerettet hatte. Doch warum waren sie und ihre Artgenossen im Netz gefangen? Und was hatte sie ihm gesagt? Was wollte sie von ihm? Am meisten aber verwirrte Kjartan das Gefühl, dass er etwas übersehen hatte. Seine Hände waren leer. Warum? Was sollte sich in ihnen befinden? War es eine Metapher für seine Hilflosigkeit? Der Krieger überlegte und dachte solange nach, bis er schließlich erneut einschlief.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Mittwoch 6. März 2013, 14:20

Er drehte sich noch einmal um und die Worte die den Mund von Elin verließen waren die schönsten die er in seinen bisherigen Leben gehört hatte. Baltos brauchte einen Moment um das gesagte zu verdauen und blickte sie einfach nur sprachlos an. Bald sollte er also seinen zweiten Namen erfahren, einen Namen auf den man Stolz sein konnte! Denn der Blick der Priesterin Venthas versprach genau dies. Am liebsten wollte er ihn gleich erfahren, doch kämpfte er diese kindliche Neugier die so gar nicht zu ihn passte hinunter. Er würde ihn schon früh genug erfahren und es gab im Moment wichtigeres! Baltos verabschiedete sich noch einmal mit einen respektvollen Kopf senken und verließ dann mit einen leichten Grinsen auf dem Gesicht das Haupthaus.

(Baltos geht nach: Der südliche Teil Celcias ‹ Das Eisreich ‹ Die Eisinsel Ersa ‹ Mantron, Heimat der Tapferen ‹ Mantrons Wohnhäuser ‹ Im Herzen Mantrons)

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. März 2013, 20:43

Kjartan schlief lange, denn die mantronischen Langhäuser hatten in der Regel keine Fenster, die die Wärme entweichen lassen würden. Die einzigste Lichtquelle war die Feuerstelle in der Mitte, deren Rauch durch einen kleinen Spalt im Dachfirst entwich. Ein paar Öllampen hatten in den letzten Jahrzehnten Einzug in das einfache Leben der Tapferen gehalten, aber trotzdem liebten die Mantroner auch ihr schummriges Heim. Als Kjartan erwachte war Ragan Lebensretter bei ihm und hatte gerade etwas zu geräuschvoll eine Schale mit Essen und einen Krug mit Heilkräutertee neben ihm abgestellt.
„Entschuldigt, ich wollte euch nicht wecken, aber da ihr es nun seid; wie geht es euch?“
Der Heiler hatte zu seiner gewohnten Höflichkeit zurück gefunden, die ihm gegenüber dem Jäger vollkommen angängig gewesen war, wie der Seemann mitbekommen hatte. Baltos und ihn musste ein starkes Band verbinden. Kjartan lauschte in sich hinein und befand, dass er sich schon deutlich besser fühlte. Der Druck auf seiner Lunge hatte deutlich nachgelassen und maximal ein leichtes Pfeifen, wenn er sich an diesem Tag zu sehr anstrengen würde, würde ihn noch etwas in seinem Bewegungsradius bremsen und seine Ausdauer schmälern. Einen Tag noch leichte Ruhe und er würde wieder ganz hergestellt sein, doch seine Kraft war zu ihm zurück gekehrt. Ragan hatte gute Arbeit geleistet und das Essen neben Kjartans Kopf roch köstlich. So köstlich, dass sein Magen unwillkürlich laut danach rief.
Während Kjartan den deftigen Eintopf hungrig in sich hinein schaufelte, berichtete der Heiler davon, was in der Zwischenzeit geschehen war:
„Euch wird sicher interessieren was so passiert ist. Der Bote zu Thure Sturmrufer ist noch nicht zurückgekehrt, aber ein paar erste Krieger sind heimgekehrt und berichteten von einem zweiten Schiff, dass noch gefangen im Eis ist. Dort soll die Situation bei weitem nicht so dramatisch sein wie bei der Drachenblut. Die Besatzung wird mit Schlitten nach Hause gebracht, doch es dies wird ein paar Tage dauern. Fragt mich nicht nach dem Namen des Schiffs. Ich bin Heiler und mich hat nur interessiert, ob es Verletzte gab. Falls ihr genaueres erfahren wollt, müsst ihr zu Ulmgard Immerdurst gehen. Der weiß immer über alles bescheid.“
Ragan musterte Kjartan, zog seinen Kopf heran, sah in seine Ohren, öffnete seinen Mund und inspizierte seinen Rachen.
„Nun dann, junger Seemann. Von mir aus könnt ihr gehen. Schont euch noch ein wenig und wenn ihr Probleme beim Atmen bekommen solltet, sucht mich wieder auf. Ich werde hier sein.“
Damit wollte wandte er sich schon wieder ab um nach seinem nächsten Patienten zu sehen, aber sein Blick über die Schulter signalisierte, dass Kjartan, sofern er ihm folgte, noch Fragen stellen konnte. Ragan Lebensretter ging zu Sigvards Lager. Der junge Mann von 17 Jahren lag still unter den dicken Fellen und seine Stirn glänzte fiebrig. Ragan sah Kjartans besorgten Blick und flüsterte leise:
„Sorgt euch nicht. Es ist nur ein normales Fieber, da muss er nun einmal durch, aber er ist stark.“
Dann richtete sich sein Blick auf die Stelle unter der Decke die irgendwie seltsam anders aussah.
„Sein Arm wird heilen und zu alter Stärke finden, doch seine Hand konnte ich nicht retten. Wenn ihr ihm also einen Gefallen tun wollt, dann geht zu Torsten Eisenglut und berichtet ihm davon.“
Damit hob er kurz die Decke und Kjartan sah den dicken Verband um den Unterarm seines Bruders. Viele Seemänner hatten schon in Kämpfen Gliedmaßen einbüßen müssen und der Schmied war ein Künstler wenn es darum ging, praktische Haltevorrichtungen und Waffen für Verwundete herzustellen. Nur weil einem ein Stück vom Körper fehlte, war das noch lange kein Grund Trübsal zu blasen. Einige der besten Krieger Mantrons waren nicht mehr komplett und standen jeden Tag ihren Mann! Die Decke senkte sich wieder und Ragan nickte Kjartan aufmunternd zu. Auch wenn der alte Mann gut einen ganzen Kopf kleiner war als der Seemann, so fühlte sich sein kurzes Klopfen auf die Schulter gut und tröstend an. Sigvard war bei diesem Mann und in Venthas Händen gut aufgehoben. Kjartan musste nun überlegen was er weiter tun musste und wollte. Es gab für ihn mehrere Wege die er einschlagen konnte. Die letzten Tage hatten ihm neue Freunde beschert, wie Imke Sternenblick, die kaum zwei Meter weiter auf ihrem Lager unter Fellen lag und ihn anlächelte. Weiter hinten schnarchte Finn Eisläufer als wollte er die Eiswälder Mantrons abholzen und Ulf, der Sohn des Olof Eisenherz lag mit geöffneten Augen still da und starrte an die Decke. Sie hatten gemeinsam den Angriff des Schreckens der Tiefe überlebt und dies verband sie alle. Andere, wie Svenja Launenwind, Knud Bärenherz, Malte Schädelbrecher und Herro würden nicht vergessen werden. Kjartan sah sich nach Baltos um, doch dieser war nirgends zu finden. Sein Lager war verlassen. Der Jäger hatte nicht so viel abbekommen wie er selbst und war schon früher wieder aufgebrochen. Wollte er mehr über ihn erfahren, so wusste Kjartan, dass er nur Ragan nach ihn fragen musste. Und bei all den Dingen die er tun konnte, blieb auch immer ein Gedanke ihm im Hinterkopf. Die Worte seiner kleinen Schwester, dass er die Brüder der Nixe suchen sollte.
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Kjartan » Donnerstag 14. März 2013, 15:49

Als Kjartan erwachte, erblickte er sofort Ragan Lebensretter neben seinem Kopfende stehen. Dieser hatte ihm eine Schale des deftigen Eintopfs und einen Krug Heilkräutertee gebracht. Mit der ihm eigenen Höflichkeit, begrüßte der Heiler den Seemann.

Kjartan konnte nicht einschätzen, wie lange er geschlafen haben mochte, es dürfte aber wohl einige Zeit gewesen sein. Der Druck in seiner Lunge war weitestgehend verschwunden und außer unglaublichem Hunger fühlte sich der Krieger fit wie eh und je.
„Danke, gut“, antworte Kjartan Ragan auf die Frage nach seinem Befinden. „Ihr bringt das Essen gerade recht“, lachte er und griff nach der Schale. „Kaum noch Schmerzen, dafür umso mehr Durst und Hunger“, erklärte Kjartan und aß und trank, während er sich von Ragan auf den neuesten Stand bringen ließ.
Der Seemann lauschte den Worten des Heilers mit voller Konzentration und saugte jedes Wort Ragans in sich auf. Beim Gedanken an ein zweites Schiff, das gefangen fest saß, kamen Kjartan wieder einige der schrecklichen Erinnerungen. Zum Glück schien es in diesem Fall aber weniger verheerend auszusehen. Ob es sich um das Schiff seines Vaters handelte? Oder ein anderes? Es waren nach wie vor einige Drachenschiffe abgängig. Womöglich sollte Kjartan einen Blick bei Ulmgard vorbeiwerfen. Der Wirt, so man ihn als solchen bezeichnen mochte, wusste stets über alles Bescheid.

Ehe der Lebensretter gehen wollte, fiel ihm wohl Kjartans besorgter Blick auf seinen Bruder Sigvard auf. Der Seemann wollte endlich Gewissheit darüber haben, was mit seinem Bruder geschehen war und wie schwer dieser verletzt war. Ragan erklärte Kjartan, dass Sigvard seine Hand verloren hätte. Noch ehe Ragan den Schmied Torsten ins Spiel gebracht hatte, war auch Kjartan bereits dieser Gedanke gekommen. Torsten Eisenglut verstand sich darauf, Ersatzgliedmaßen herzustellen. Er kannte einige Mantroner, ein paar davon dienten mit ihm sogar auf der Drachenodem, die vom Schmied eine hübsche Haltevorrichtung erhalten hatten und so ihren Mann im Kampfe standen. Diese Männer standen den anderen Tapferen in nichts nach, und so würde auch Sigvard bestimmt seinen Weg gehen und als würdiger Krieger zur See den Mantronern dienen.

Kjartan erhob sich und verabschiedete sich von Ragan Lebensretter, nachdem er sein Mahl beendet hatte. Der Seemann hatte einiges vor. Er wollte zu Ulmgard Immerdurst und vor allem wollte er seiner Schwester Liva einen Gefallen erweisen: er wollte zu den Brüdern der Nixe.
Kjartan packte seine Habseligkeiten zusammen und sah kurz zu Ulf, wie er an die Decke starrte. Der Tapfere war gebrochen, das erkannte Kjartan sofort. Es hatte ihm das halbe Gesicht weggerissen im Kampf gegen die Seeschlange. Womöglich würde er irgendwann wieder der alte werden, derzeit aber brauchte er wohl nur Ruhe und Zeit für sich selbst. Der Blick des Kriegers wanderte durch den Raum und entdeckte Imke Sternenblick, der er ein Lächeln schenkte.

„Wie geht’s dir?“, fragte er die Kriegerin, die nur zwei Meter von ihm entfernt auf ihrer Bettstatt lag. „Begleitest du mich?“, fragte er weiter. „Ich höre mich bei Ulmgard Immerdurst etwas um. Ich habe noch eine Rechnung mit der Seeschlange offen.“ Auch wenn viele Imke für eigenartig hielten und sich von ihren Augen verunsichern ließen, so hatte er die Kriegerin stets gemocht. Auf mehr als einen kurzen Plausch würde er sich hier aber nicht einlassen. Würde sie ihn zu Ulmgard Immerdurst begleiten, wäre er froh darüber. Ansonsten würde er eben alleine gehen. Um sich um die Haltevorrichtung für Sigvard zu kümmern war es wohl noch zu früh. Erst sollte Sigvard wieder zu Kräften kommen, dann würde er zusammen mit seiner Familie dafür sorgen, dass sein Bruder die Vorrichtung bekäme.
Nun aber war sein Ziel Ulmgard Immerdurst. Hier würde er bestimmt erfahren, welches Schiff gefunden wurde. Und er würde auch erfahren, wann wieder Männer zu Thure und den anderen aufbrechen würden. Alleine den ausgezogenen Tapferen hinterherzuziehen hätte wenig Sinn. Mit einer kleinen Gruppe, die vor allem wusste wo sich Thure und die anderen aufhielten, wäre er schon bald wieder in der ersten Reihe, wenn es darum ging, gegen die Seeschlange anzutreten. Und nun wusste er, worauf er sich einließ. Nun wusste, wie er die Seeschlange töten könnte.
Und auf dem Weg zur Seeschlange würde er Ausschau halten nach den Brüdern der Nixe, nach der Aquadin die ihn und Baltos zu warnen versucht hatte. Mochten die Chancen auch schlecht stehen, er würde versuchen mit dem Wasserwesen Kontakt aufzunehmen.

So verließ Kjartan das Langhaus und schlenderte in Richtung Ulmgard Immerdurst.


[weiter in: Mantron, Heimat der Tapferen - Die Lagerhäuser]

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. März 2013, 10:16

( - Keine Spieler mehr anwesend.
- NPC: Elin Meerseegen 31J., Venthapriesterin und Frau von Thure Sturmrufer, in guter Hoffung (noch kleiner Bauch), kümmerte sich um die Versorgung der Verletzten.
- NPC: Ragan Lebensretter, sehr alter Heiler, Kräuterkundiger und Lichtmagiebegabter.
- NPC: Verletzte: Ulf, Sohn des Olof Eisenherz, halbes Gesicht verlohren, mental abwesend - Finn Eisläufer, Kopfverletzung, ohnmächtig. - Sigvard, Kjartans Bruder, linke Hand verlohren, ohnmächtig. - Jasper in der Kinderecke, verwirrt.

Thure Surmrufer ist mit vielen seiner Männer auf Schlitten aufgebrochen die Gefangenen im Eiskanal zu bergen.)
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Donnerstag 30. Mai 2013, 16:23

Baltos kommt von: "Bergung der Leichen"
Baltos führte die Truppe eine ganze weile an bis Nanuq ihn zu verstehen gab auf seinen Rücken platz zu nehmen. Eigentlich wollte der Mantroner dies lieber nicht tun, aber ihre aufkeimende Freundschaft war noch zu frisch um solch eine Geste abzulehnen.
Also nahm er auf den Rücken des Tieres platz und stellte sich schon innerlich darauf ein, das er bald schmerzen in der Leistengegend bekommen würde.
Nanuq begann mit einem gemächlichen Trab und Baltos war angenehm überrascht wie Komfortabel man auf den Vierbeiner saß. Mit der Zeit fand er auch die für ihn angenehmste Sitzposition heraus und gab den Bären zu verstehen, dass er, wenn er wollte, schneller laufen konnte.
Den Schlittenbären musste man das nicht zweimal sagen und sofort erhöhte er die Geschwindigkeit.
Baltos fühlte sich in diesen Moment wieder in seine Kindheit zurückversetzt. Wenn man das erste mal, mit einen Schlitten einen steilen Abhang hinunter fuhr. Der Fahrtwind wehte ihn während ihrer Reise angenehm ins Gesicht und Rukulla hatte während der Fahrt auch ihren spaß. Schließlich konnte man die lauten „Juhu!“ Ausrufe nicht überhören, wenn sie eine Erhebung im Boden passierten und der Schlitten kurzeitig abhob.
Diese Fahrt würde Baltos niemals vergessen und wahrscheinlich würde er noch seinen Kindern von diesen Moment erzählen. Gab es etwas schöneres als auf einen Bären zu reiten, während dieser über die vereiste Tundra rannte?
Für ein Mantronerherz wohl kaum!

Als gerade im Osten die Sonne aufging und die Stadt Mantron mit ihren Sonnenstrahlen weckte, erreichten die drei die ersten Ausläufe der Stadt. Baltos war froh das sie zu solch früher Stunde die Stadt erreicht hatten! Denn dies bedeutete, dass sie so gut wie unbehelligt zu Baltos nächstem Ziel gehen konnten. Denn die meisten würden erst in ein bis zwei Stunden aufstehen.
„Nanuq! Ich will absteigen, halte bitte an!“ Der Mantroner brauchte nichts weiteres sagen und der Bär hielt sofort an.
Baltos stieg umgehend von Nanuq ab, als dieser angehalten hatte und stellte sich so hin das ihn der Bär und Rukulla sehen konnten.
„Nanuq lauf mir einfach hinterher und stell bitte nichts an!“ Dann blickte er der Geisteroma tief in die Augen „Und Rukulla du machst auch keinen Blödsinn! Ihr seit meine Gäste und wenn ihr irgendetwas anstellt werde ich dafür zu Rechenschaft gezogen!“
Bevor sie noch etwas erwidern konnte ging Baltos in Richtung Stadt. Der Mantroner lief mit zackigem Schritt voran und vergewisserte sich alle paar Meter ob die Beiden noch hinter ihn waren. Nanuq vertraute er, aber bei Rukulla konnte man sich nicht so sicher sein. Die Alte war ja schließlich verrückt! Selbst für einen Geist! Auch wenn Baltos vielleicht nicht gerade der Geisterkenner war, bildete er sich ein, dass sie sich eigentlich nicht so verhielten wie Rukulla. Zu mindestens wenn man sie mit der anderen Geisterfrau verglich. Die sich bei der Eisbestie befunden hatte.

Die drei erreichten ohne große Probleme das Haupthaus der Stadt. Wahrscheinlich weil ihn niemand auf den verschneiten Wegen begegnet war. Baltos zögerte nicht lange und klopfte lautstark an. Er wollte der Venthapriesterin bescheid geben wo sie die Opfer der Eisbestie finden konnten.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Freitag 31. Mai 2013, 10:06

Der Schein der ersten Sonnenstrahlen färbte das Eismeer in zarte Pastelltöne. Die Welt um Baltos und seine beiden Begleiter (Nanuq und Geisteroma) begann glitzernd zu erwachen. Es war eine schöne Welt mit einem kalten Zauber belegt und Mantron war ihr starkes Herz.
Etwas abseits standen ein paar Häuser, wo wenig Wölfe mit den Mantronern zusammen lebten. Auf der von Norna und ihrem Zwinger abgekehrten Seite der Stadt wohnte noch ein alter Mann, mit einem ebenso alten Bären. In Mantron waren zahme Eisbären nichts außergewöhnliches, aber doch nicht all zu häufig anzutreffen. Ihre Dressur war einfach zu schwierig und ging etwas schief, auch schnell tödlich. Sie waren auch für den Umgang mit Kindern nicht wirklich geeignet, da sie in freier Wildbahn einfach alles fraßen was kleiner war als sie. Nornas Wölfe waren umgänglicher, da sie Rudertiere waren und keine eigenbrötlerischen Einzelgänger.
Baltos wandte seinen Schritten durch die schlafenden Gassen und sah dann aus der Ferne die ersten frühen Fischer hinaus aufs Eis laufen. Es versprach ein ausgesprochen warmer Tag zu werden, denn ein leichtes Drücken hinter der Narbe seines Auges prophezeite ihm einen warmen Wind. Das Knacken des Eises bestätigte den Wetterwechsel und die Eiszapfen an den Hütten leiteten erstes Schmelzwasser in den Schnee. Es war eine gefährliche Zeit um sich aufs Meer hinaus zu wagen und jeder Mann hoffte, dass Thure Sturmschreier und seine Männer bald von ihrer Rettungsmission zurück waren. Doch Baltos wusste es besser! Der Eiskanal würde sein gefrorenes Geheimnis nicht so schnell preis geben. Die Meerwesen schützten die Insel vor dem was noch immer in der Tiefe lauerte. Der junge Jäger hatte andere Pläne und so war sein erstes Ziel schon gewählt. Ein Blick über seine Schulter reichte um die Sorge über das verrückte Verhalten der Geisteroma berechtigt erscheinen zu lassen. Sie thronte auf dem höchsten Punkt des Schlittens und grinste von einem Ohr zum anderen. Seine Worte:
„Nanuq lauf mir einfach hinterher und stell bitte nichts an!“
, wurden gehört, doch ob sie sich auch daran halten würde, stand auf einem anderen Blatt geschrieben. Er blickte der Geisteroma tief in die Augen.
„Und Rukulla du machst auch keinen Blödsinn! Ihr seit meine Gäste und wenn ihr irgendetwas anstellt werde ich dafür zu Rechenschaft gezogen!“
Das Grinsen wurde etwas gemildert und Baltos schöpfte etwas Hoffnung.
„Das ist ja das Schöne.“
Die Alte murmelte noch etwas in einer verschnörkelt klingenden Sprache, der er nicht mächtig war, und er lief Kopfschüttelnd weiter. Zielstrebig führte ihn sein Weg zum Haupthaus und damit auch zu Thures Frau, Elin Meersegen. Kaum hatte er geklopft, öffnete ein junges Mädchen die Tür und starrte erst einmal auf den Bären hinter Baltos.
„Wa...?“
Der Mund klappte wieder zu und sie schob eilig ihren schmächtigen Körper in Deckung. Etwas weniger selbstbewusst als eben und mit ängstlichem Unterton raunte sie in die Tiefe des Langhauses:
„Elin! Bitte kommt her!“
Kurz drauf konnte man schon die leisen Schritte der Priesterin hören. Auch ihre Augenbrauen schnellten in die Höhe, aber sie verhielt sich deutlich ruhiger, als das Mädchen, was Baltos noch von seinem letzten Aufenthalt hier kannte. Sie war die kleine Schwester von Kjartan und anscheinend so etwas wie Elins Schülerin.
„Baltos! Wen hast du denn da mitgebracht? Es besteht doch kein Grund zur Sorge, oder?“
Sie wirkte deutlich weniger überrascht den Jäger mit einem Bären im Schlepptau zu sehen, als vielleicht erwartet. Baltos war schon immer mehr ein Einzelgänger gewesen und ein Bär passte einfach besser in seine Begleitung, als ein Rudel quirliger Wölfe. Nanuq setzte sich auf seinen breiten Hintern und ließ sich dann geräuschvoll in Bauchlage nieder. Die Häuser der Menschen waren nichts für Bären, außer sie standen leer und man konnte sie in aller Ruhe nach Essen durchstöbern. Der Schaden den sie dabei für gewöhnlich anrichteten, war enorm. Baltos hatte deutlich gemacht, dass er nicht anstellen sollte und so war seine Reaktion einfach nichts zu tun und vielleicht ein Schläfchen zu halten die beste Möglichkeit seine Freundschaft zu beweisen.
Ganz anders so die Alte, die höflich lächelnd von hinten leise raunte:
„Willst du mich nicht vorstellen?“
Etwas im Unterton der Alten ließ in Baltos ein ungutes Gefühl aufkommen. Nicht so eins, was einer drohenden Gefahr voran ging, aber doch unangenehm war. Er hatte dieses Gefühl immer, wenn er in der Nähe von Frauen war und die Alte mit ihrem Zublinzeln war da kein Deut besser! Die beiden Frauen vor ihm hatten nur Augen für den Bären, der auch die größere Gefahr zu sein schien.
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Dienstag 4. Juni 2013, 13:58

Als die kleine Schwerster von Kjartan ängstlich nach Elin rief vergewisserte sich Baltos noch einmal kurz ob Nanuq auch brav war. Denn Kinder und Bären waren so eine Sache für sich, die sehr schnell schief gehen konnte. Doch der neue Begleiter des Jägers lag entspannt auf den verschneiten Boden und gönnte sich ein kleines Schläfchen. Soweit lief also erst einmal alles nach Plan! Als die Venthapriesterin die Tür betrat fragte sie auch gleich nach den Grund seines Besuchs und wer ihn begleitete. Rukulla mischte sich auch gleich ein und wollte vorgestellt werden.
Er war sich zum Anfang nicht sicher ob die Geisteroma auch von Anderen gesehen werden konnte. Doch Elins Blick bestätigte ihn das Rukulla für alle sichtbar war.

„Nein es besteht kein Grund zu sorge! Ich wollte euch nur in Kenntnis setzten das die Höhle der Eisbestie geräumt ist. Ich denke für die nächsten Tage sind die sterblichen Überreste der Verstorbenen vor wilden Tieren geschützt!"
Der junge Mann machte einen Schritt beiseite damit Elin die beiden Neuzugänge besser sehen konnte.
„Die Dame gerade zu nennt sich Rukulla und der Eisbär heißt Nanuq! Ich habe die Beiden nicht weit von hier entfernt getroffen. Ich werde selbstverständlich dafür sorgen das sie sich in unserer Stadt benehmen!“
Bei den letzten Satz blickte er noch einmal zu der Alten. „Vor dir steht Elin Meersegen! Sie ist die Frau von Thure Sturmrufer und ist unsere Venthapriesterin."
Während seines Blickkontaktes versuchte er Rukulla die Botschaft zu übermitteln das diese Priesterin mit Respekt zu behandeln war. Wer wusste schon was in den Geisterkopf der Oma so alles vorging! Nach ihren Augendialog wendete sich Baltos wieder an Elin.
„Könnt ihr mir eine Karte bringen damit ich euch den genauen Aufenthaltsort des Friedhofes einzeichnen kann?“
Der junge Jäger wendete seine Aufmerksamkeit kurz in Richtung Hafen und stellte Elin noch eine weitere Frage bevor sie die Karte holen konnte.
„Sagt gibt es neue Informationen über den verbleib unserer Schiffe oder über die Seeschlange?“
Während er der Antwort lauschte. Dachte er parallel darüber nach, wie er seiner Mutter verständlich machen sollte, dass er sich in den nächsten Tagen zu einer Verfolgungsjagd aufmachte. Deren Ziel und Dauer ungewiss war. Wahrscheinlich würde er auch die Piratenstad aufsuchen müssen um mehr Information über das Schiff zu bekommen, das Maruka entführt hatte. Schon allein der Gedanke daran sorgte dafür, dass der Jäger Bauschmerzen bekam. Er hasste Piraten von ganzen Herzen und würde sie lieber Töten als mit ihnen zu reden, aber Tote waren ziemlich selten gesprächig!

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. Juni 2013, 22:03

Tote waren ziemlich selten gesprächig? Na wenn er sich da mal nicht grundlegend geirrt hatte! Der Gegenbeweis saß hinter dem Bären auf dem Schlitten und gluckste vor sich hin. Kaum hatte Baltos Rukulla vorgestellt, sahen sich die Priesterin und ihre Schülerin kurz verwirrt an uns spähten dann am Bären vorbei zum Schlitten. Der vielsagende Blickkontakt sprach Bände. Ab und an gab es immer wieder einen Jäger der zu lange allein im Eis gewesen war und seinem Schlitten einen Namen gab, aber keiner der beiden sagte etwas dazu. Erst als Baltos nach der Karte fragte, bat Elin ihn freundlich nickend herein.
„Komm doch kurz rein und zeichne uns die genaue Position ein. Thure wird bald zurück kommen. Die Winde sind mit ihm und seine Boten sind schnell.“
Sie schaute, ob er ihr folgte und das Mädchen blieb in der Nähe des Eingangs stehen um nach dem Bären zu sehen. Rukulla war erstaunlich behände für ihr Alter vom Schlitten gehopst und folgte ihnen das Haus der Priesterin. Sie schnitt im Vorbeigehen dem Mädchen eine Grimasse, wedelte vor ihrem Gesicht herum und grinste dann. Danach betrachtete sie mit Baltos und Elin zusammen die Karte. Sie nahm so selbstverständlich den Raum um sich ein, dass Baltos Verwunderung von Minute zu Minute wuchs. Besonders ihre Fragen waren erstaunlich betrachtete man sie im ganzen Zusammenhang.
„Wo liegt denn der alte Friedhof, von dem du eben gesprochen hast, Baltos?“
Elin sah sie nicht an, aber fragte:
„Und wo hast du diese alte Ruhestätte gefunden? Kannst du es hier sehen?“
Sie wies weiträumig den Bereich des Frostwaldes und Rukulla fragte:
„Wie viele Tote hast du denn da gefunden?“
Baltos bekam einen Federkiel in die Hand gedrückt und zeichnete den Friedhof ein. Elin fragte:
„So viele vergessene Seelen … konntest du ihre Zahl schätzen, Baltos?“
Rukulla tippte auf eine Stelle im Wald, die Baltos sofort als den gesuchten Standort erkannte.
„Ich glaube, hier hab ich früher mal gewohnt, aber ich kann mich auch irren. Manchmal bin ich vielleicht schon etwas vergesslich.“
„Ich bin mir nicht sicher, aber nachdem du von diesem Ort berichtet hast habe ich mich an etwas erinnert … Eine alte Geschichte erzählte von einem verborgenen Ort unter der Erde, der Hilfe für jene die suchen versprach … eine Legende und wahrscheinlich schon lang nicht mehr war.“
Rukulla ging langsam zu Elin hinüber auf die andere Seite des Tischs und als sie neben ihr stand reichte sie ihr nur Knapp bis zur Taille. Wie ein Kind stellte sie sich auf die Zehenspitzen um besser sehen zu können und rückte ihre Bernsteinbrille zurecht.
„Oh schau mal hier Baltos, hier ist ja auch der Bärenfelsen wo wir uns getroffen haben.“
„Dein neuer Begleiter und … Rukulla hast du also getroffen ja? Am Bärenfelsen, nehme ich an?“

Elin nahm nichts von Rukulla wahr, so viel war klar, doch sollte Baltos der Venthapriesterin von der Geisteroma berichten die neben ihr stand und irgendwie mit ihr verbunden schien? Dabei war er sich doch so sicher gewesen! Und doch hatten beide nur Augen für Nanuq gehabt. Rukulla sah zu der schwangeren Frau auf und flüsterte:
„Du solltest zu deiner Göttin beten, dass ein Mann den Weg unter das Meer findet, damit das Meer den Weg zu deinem Mann, zu dir und deinem Sohn findet.“
„Ich werde für meinen Mann beten, dass er die Stärke findet unsere Männer nach Hause zu bringen. Ich glaube, jeder erbittet in diesen Tagen ihre sichere Rückkehr.“

Rukulla legte ihre Hand auf den Bauch der Priesterin und lächelte. Elins legte ihre Hand auf ihren Bauch und somit auch auf die Hand der Geisteroma. Sie seufzte leise und Rukulla schwieg.
„Viele Kinder warten auf ihre Väter und viele Frauen auf ihre Männer. Wir haben in unserer Geschichte immer wieder Verluste erlitten und doch sind wir immer wieder gestärkt erhoben. Ich fühle, dass Ventha uns beobachtet und über uns wacht. Zeiten des Wandels stehen uns bevor und Verborgenes drängt an die Oberfläche, wie auch die Schrecken der Tiefe. Wird werden unseren Weg gehen, so wie jeder Tapfere es seit je her getan hat. Sorge dich nicht Baltos. Jeder unseres Blutes, ob alleine im Eis, verschollen, oder vergessen. Sie alle kommen irgendwann zu uns zurück. Wir werden alle gemeinsam an der Tafel unserer Ahnen sitzen. “
Der tiefe Glaube der Priesterin hatte etwas Beruhigendes an sich und vielleicht färbte auch ein bisschen davon auf den Jäger ab. Die Geisteroma löste ihre Hand vom Bauch der Priesterin indem sie einfach durch sie hindurch ging und sich wieder neben Baltos stellte.
„Mantron ist einer der sichersten Orte in diesen Zeiten. Nicht viele Städte können das von sich behaupten. Dein Weg wird oft gefährlicher sein, als der von Jenen die du zurück lässt, mein Großer! Können wir jetzt essen gehen?“
Elin bewegte ihren Kiefer und spähte in den hinteren Teil des Langhauses, wo die Küche war. Als Schwangere hatte sie fast immer Hunger.
„Danke, Baltos! Endlich können wir um die Verlorenen der Vergangenheit trauern.“
„Es wird Zeit, Baltos. Lass uns gehen. Es gibt noch viel zu tun für uns beide Hübschen.“

Kjartans kleine Schwester lächelte ihnen zu, als sie sich ihr wieder näherten und meinte in vollem Ernst:
„Ist alles Ruhig geblieben. Nanuq und deine Rukulla haben sich kein Stück bewegt.“
Na super, die Kleine glaubte jetzt wirklich, dass der Jäger seinem Schlitten einen Namen gegeben hatte, aber vielleicht war es auch gut so. Wie sollte er auch jenen Menschen die sie nicht sahen, erklären, was er erlebte? Was wenn die Alte eben nur für ihn Realität war? Oder sich eben nicht jedem offenbarte? Was hatte Elin gesagt über jenen Ort unter der Erde? Er bot Hilfe, jenen die suchten …
Einen winzigen Moment war er vielleicht unschlüssig, dann griff die Alte seine große Hand und zog ihn sanft nach draußen, was für das Mädchen neben ihm so aussah, als streckte er beim Gehen eine Hand sinnfrei nach vorne. Elin sah ihnen noch einen Moment nach und lächelte selig. Die Berührung der Alten hatte ihr auf jeden Fall nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Elin strahlte und sah einfach wunderschön in ihrer Natürlichkeit aus.

Dann hatte Baltos auch schon die eisige Kälte wieder und sein Weg würde ihn weiter führen.
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Freitag 7. Juni 2013, 09:33

Ja die meisten Toten waren nicht sehr Gesprächig. Ob man Rukulla als Tote bezeichnen konnte, war wohl eher die Frage. Denn mal nahm sie Form an und war Physisch greifbar und mal nicht. Die Alte stellte sowieso alle Geschichten die Baltos über Geister gehört hatte auf den Kopf. Aber kommen wir zurück ins hier und jetzt.
Der Jäger befand sich im inneren des Haupthauses und betrachtete zusammen mit der Geisteroma und Elin die Karte. Es nervte ihn tierisch das die Anderen anscheinend die Geisterlady nicht sehen konnten. Doch konnte er daran etwas ändern? Wahrscheinlich nicht! Also beließ er es einfach dabei und zeichnete der Venthapriesterin den Ort der Leichen ein. Rukulla ignorierte er währenddessen absichtlich. Ab sofort würde er nicht mehr mit ihr sprechen wenn Andere in der Nähe waren die sie nicht sehen konnten.
„Ich vermute das in dieser Höhle um die 100 Leichen liegen! Es könnten aber auch 50 mehr oder weniger sein. Die genaue Zahl lässt sich kaum bestimmen. Da ein Großteil von ihnen schon stark verwest sind und teilweise auch nicht mehr komplett!“
Der Mantroner verzichtete darauf zu erklären was er mit „nicht mehr komplett“ meinte, denn Elin war keine dumme Frau und konnte sich schon denken was das bedeutete.
Auf die Frage ob Baltos seine neuen Begleiter am Bärenfelsen getroffen hatte antwortete er nur mit einen knappen: „Ja!“
Den Rest des Gespräches hörte er zu und nickte ab und an. Erst als Elin sich bei ihm bedankte, für die Bergung der Leichen, erhob der Mantroner wieder das Wort.
„Dafür braucht ihr euch nicht zu bedanken, das hätte jeder von uns getan.“ Er war schon im Begriff zu gehen als er sich noch einmal in Richtung Elin drehte.
„Ich werde noch drei Tage in Mantron bleiben, danach werde ich für ungewisse Zeit fort bleiben. Es ist zwar nicht viel, aber ich habe eine Spur von Maruka entdeckt und ich weiß noch nicht wo sie mich hinführt. Aber eine Stimme sagt mir das ich ihr folgen sollte!“ Wen Baltos mit dieser Stimme meinte verschwieg er, vielleicht meinte er ja Rukulla damit oder sein Bauchgefühl!?!
„Könnt ihr die Zeremonie für meinen Beinamen an den Tag meiner Abreise festlegen? Ich weiß es ist brauch das sich alle aus der Stadt für diesen Anlass versammeln und die gegenwärtige Situation verhindert dies. Aber es würde mich nicht stören wenn es im kleinen Kreis passiert. Denn meine Reise wird gewiss Gefährlich und wenn ich scheitere möchte ich wenigsten meinen zweiten Namen vor unseren Ahnen preisgeben können!“
Baltos ging ohne eine Antwort abzuwarten. Denn für ihn stand die Sache fest.
Die Kleine Schwester von Kjartan lies ihn beim verlassen des Haupthauses wissen das Nanuq und die angebliche Schlitten-Rukulla sich nicht bewegt hatten. Er lächelte sie kurz an und legte für einen kurzen Moment seine Hand auf ihre Schulter.
„Danke!“ Sagte er noch zu ihr, bevor die Geisteroma ihn energisch in Richtung Schlitten zog. Schließlich hatte sie ja Hunger!

Sein nächstes Ziel sollte das Haus seiner Eltern sein. Er wendete sich mit leiser Stimme an Rukulla. „Nimm schon mal platz im Schlitten wir gehen zum Haus meiner Eltern!“ Er sprach mit Absicht so leise damit Elin und ihre Schülerin nichts mitbekamen.
Nachdem die Alte platz genommen hatte lies er Nanuq wissen das es weiterging.
Beim gehen erhob Baltos noch einmal zum Abschied die Hand und führte die Truppe zum Haus seiner Eltern.
Weiter in: Der südliche Teil Celcias ‹ Das Eisreich ‹ Die Eisinsel Ersa ‹ Mantron, Heimat der Tapferen ‹ Mantrons Wohnhäuser ‹ Baltos’ Elternhaus

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. Juli 2013, 21:26

Baltos kommt von: Der Weg zum Hafen

Vor Thures Langhaus hatte sich bereits eine kleinere Gruppe Menschen eingefunden. Baltos kannte den Auflauf, den normaler Weise eine Namensgebung verursachte, aber unter den gegebenen Umständen war auch dieser kleine Mob nicht zu verachten. Vor allen ältere oder sehr junge Gesichter schauten ihm freundlich entgegen und ungewöhnlich viele Frauen waren auch dabei. Er sah sofort seine Mutter mit ihren beiden besten Freundinnen aus der Nachbarschaft, die Töchter von Ornos, eine von den Mägden der Schenke, Jenna oder Susa war ihr Name. Einige andere schüchtern, lächelnde, junge Damen, die er nur vom sehen kannte waren auch dabei. Er sah den alten Heiler und noch ein paar Veteranen die man sonst eher zu später Stunde Geschichten am Feuer erzählen hörte. Ganz im Hintergrund stand Elin Meersegen und erwartete ihn. Jetzt endlich war der Moment gekommen, dass auch er so etwas wie eine leichte Aufregung verspürte. Als er näher trat, bildete sich eine Gasse.
Alle Blicke waren auf ihn gerichtet und Stolz lag in ihren Gesichtern. Ihre Hände legten sich auf ihre Herzen und langsam schloss sich die Gasse wieder hinter ihm, als er das Langhaus betrat. Elin ging voran, tief bis ins warme Dunkel hinein. Kjartans Schwester war ebenfalls anwesend, aber kümmerte sich um die verbliebenen Verletzten. Man ging tiefer in das Langhaus hinein und dann wurde ein lederner Vorhang beiseite geschoben, der eine Treppe in die Tiefe verborgen gehalten hatte. Keller und Höhlen gab es in Mantron nur sehr wenige da der Boden immer gefroren war, also musste dieser Eingang hier schon sehr alt sein und seine Wände waren aus purem Stein. Elin gebot einem einzelnen Wächter, der hier zurück geblieben war, um die Geschichte Mantrons zu bewachen, dass er beiseite treten sollte und trat dann an ihm vorbei in das dunkle Loch. Die Gäste nahmen leise und schweigend teils auf Bänken, teils auf großen Fellen auf dem Boden Platz um bei den folgenden Geschehnissen Zeuge zu sein. In Feuerschalen brannte das Walöl und spendete warmes Licht. Die flackernden Zungen malten tanzende Schatten der Ahnen an die bespannten Wände des Langhauses und eine andächtige Stille senkte sich über die Anwesenden. Für Baltos stand ein steinerner Hocker im Zentrum bereit.

Elin kehrte mit einem in Leder eingeschlagenen dicken Buch zurück und legte es mit Bedacht auf einen Tisch, der recht zentral, hinter Baltos Sitzplatz bereit gestellt worden war. Das Möbelstück war aus einem Stück geschnitzt worden hatte noch immer die Grundform einer mächtigen knorrigen Wurzel. Rechts neben der Fläche, wo das Buch abgelegt wurde, waren zwei Vertiefungen zu erkennen. In der einen lag eine knöcherne Feder und die andere war kreisrund, leer und etwas tiefer. Darüber lag eine Klinge in der Form eines breiten Blattes. Das Metall war alt und der Griff rissig.
Elin sah in die schweigende Runde und alle Augen waren auf sie gerichtet.

„Die Chronik der Tapferen“
Elin Meersegen öffnete mit langsamen Handbewegungen den ledernen Einband.
„Seit je her liegt sie im Herzen der Mantroner, bewacht von Wölfen und Kriegern und von Ventha selbst.“
Die Priesterin sah von Baltos in die Runde und eine kurze Einleitung folgte.
„Um den Namen eines Helden zu ehren wird es hervor geholt und verlesen. Eine Venthapriesterin, der Anführer des mantronischen Volkes, oder ein in Liebe und Freundschaft verbundenes Herz verewigt den Tapferen auf diesen heiligen Seiten. Zuvor wird der Prolog laut verlesen. Jener, der seinen Namen bekommen soll, erzählt seine Geschichte. Das Herz dieser Erzählungen gibt dem Krieger seinen Namen. Wir erbitten den persönlichen Segen der Göttin. Wir tränken seine Opfergabe zum Dank und werden Zeuge ihres Willens.“
Elin ließ beide Hände an den Seiten ruhen und hatte ihre Augen halb geschlossen. Um sie herum war es ganz still geworden und nicht mal ein Rascheln störte diese Stille. Nach einem langen Atemzug folgte der Prolog:
"Weit im Süden wo Drachen sich zum Schlafen legen
und ewiges Eis die Menschen härtet, wie Feuer das Eisen,
hier liegt unsere glorreiche Stadt, Mantron!
Ihr zum Ruhm und im Gedenken an unsere Ahnen,
sammeln wir seit je her die Taten heldenhafter Krieger,
auf das die Verstorbenen voller Stolz auf Jene blicken die ihnen folgen werden.
Wir ehren die Tapferen in dem wir ihnen Namen geben.
Mögen ihre Taten noch in Jahrhunderten von unserem Ruhm erzählen.
Ihr Ahnen, hört die Namen jener die uns Ehre brachten:“

Es folgte eine lange Liste glorreicher und lang verblichener, von Ventha gesegneter Namen wie:
„ … Andreana Blut-Gnade, Tritorius Wellenfürst, Coleen Mondgestein, Duncan Frostbiss , Fergus Edelfalke, Raghnall Weißbart, Wulfgar Immerdurst, ...“
und vielen weitere, die sich wie eine Chronik der Ehre lasen, folgte auch irgendwann:
„Thure Sturmschreier, Anführer der Freien.
Seine Stimme grollt lauter als der Donner, sein Herz ist groß und und sein Arm offen für jeden der in Not ist.“

Elin lächelte sanft bevor sie fort fuhr.
Etwa in der Mitte des Buches teilten sich die Seiten und auch jene die keinen persönlichen Seegen der Göttin erhalten hatten waren hier verzeichnet worden. Hier sammelten sich alle Jene, die sich aber wohl um ihren Namen verdient gemacht hatten. Den Gläubigen unter den Mantronern möchten noch die Namen der Ersten in den Ohren klingen, doch genauso erfüllte sie jeder mit Stolz, deren Name in diesem Buch hinzu gefügt worden war. Elin erklärte weiter:
„Sobald ein Mantroner seinen Namen erhalten hat, wird er in die Chronik der Tapferen eingetragen. Fällt dieser Tapfere, wird sein Namen in den "Ahnentafeln der Tapferen" eingemeißelt, auf das er nie vergessen werde. Die heiligen Felsen unserer Vergangenheit wachen seit Jahrhunderten über uns. Verborgen ruhen sie für die Ewigkeit in den Schatten der Eiseichen und werden noch die Götter überdauern.“
Elin verlas noch eine Reihe anderer ehrwürdiger Namen die ihrem Volk Ruhm gebracht hatten, aber Baltos Gedanken waren an einem Namen hängen geblieben, der ihn an ein erst kürzlich vollendetes Abenteuer erinnert hatte. Er war unter den Ersten gefallen und Baltos, der nahe bei Elin stand konnte neben seinem Namen noch seine Signatur erkennen:
Tritorius Wellenfürst, ein Aquade der sich um das Volk der Mantroner verdient gemacht hat, vor vielen Jahren seine Spuren auf der Insel hinterlassen hat, für jene, die frei von Gier und Dunkelheit sind und gewillt sind den Weg in die Tiefe anzutreten.
Baltos las die Zeilen und im gleichen Jahrgang fand sich noch ein anderer bekannter Name:
Wulfgar Immerdurst.
Dieser musste ein Vorfahr des jetzigen „Immerdurst“ sein, der in Mantron sein Haus als Taverne betrieb und kannte vielleicht jenen Aquaden. Die Geschichte seines Volkes verband sich auf wundersame Weise wieder mit der Gegenwart, wenn ein Name niedergeschrieben wurde und vielleicht würde eines fernen Tages ein anderer junger Krieger seinen Namen lesen und sein Klang würde ihn mit Stolz erfüllen und der Taten der Vergangenheit gedenken lassen.
Baltos spürte den Blick von Elin auf sich und sah auf.
Die Priesterin sprach:
„Baltos, Sohn von Lena die Fröhliche und Drago Flink Lanze. Tapferer unter den Herzen Mantrons, erzähle uns deine Geschichte!“
Alle Augen wanderten nun zu ihm und besonders Lena rückte in seine Aufmerksamkeit, wie sie vor Stolz platzend, mit ineinander verschränkten Händen, da saß uns wohl sonst nicht wusste wohin mit ihren Fingern. Er sah seiner Mutter förmlich an, dass sie ihm am liebsten die ganze Zeit seine Hand gedrückt hätte, anstatt hier still zu sitzen und zu lauschen. Ihr Augen funkelten und ihr warmes Lächeln spendete die bedingungslose Liebe einer Mutter.
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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Baltos » Mittwoch 10. Juli 2013, 12:36

Während Baltos auf Nanuq ritt, spürte er wie eine innere Unruhe in ihm aufstieg. Er fühlte sich fast so an wie damals, als er ein Kind gewesen war. Wenn sein Vater nach einer langen Jagd wieder nach Hause kam.
Die Strecke war auf den Rücken des Bären schnell zurückgelegt und von weiten konnte der Mantroner schon den Mob erkennen, der sich vor dem Haus von Thure versammelt hatte. Kurz bevor er den Menschenauflauf erreichte, bremste Baltos sein Reittier ab und sprang elegant vom Rücken des Tieres.
Er gab Nanuq noch schnell ein Kommando, dass er dort wo er war, auf ihn warten sollte. Danach ging er durch die Gasse, die sich um ihn herum gebildet hatte, direkt auf Elin zu.
Während er so durch die Menschentraube ging, schlug sein Herz wie wild gegen die Brust. Es war so weit!
Alle Anwesenden blickte Baltos voller Stolz für seine Leistung an und seine Mutter war den Tränen nahe. Der Mantroner schenkte ihr ein kurzes Lächeln und begleitete die Priesterin ins Innere des Langhauses.
Vielleicht hätte er die Geschichte, die er gleich erzählen würde, schon mal vortragen sollen. Dieser Gedanke beschäftigte den jungen Jäger die ganze Zeit. So das er gar nicht mitbekam, wie er auf den Hocker im Keller platz genommen hatte und Elin mit Ihrer Rede begann. Erst als sie die Namen der Mantroner vorlas beendete Baltos seine Grübelei. Er hörte andächtig der Venthapriesterin zu, und als sie endete und von ihm seine Geschichte verlangte, erhob er sich.

„Es begann alle mit einer Wette zwischen mir und Ornos den Wilden. Wir wollten wissen wer von uns innerhalb weniger Tage den größten Jagderfolg erzielen konnte.
Meine Jagd führte mich tief in den Frostwald und lange Zeit konnte ich nichts Gescheites finden. Erst die Begegnung mit einem einäugigen Wolf brachte mit auf die richtige Spur!
Ich folgte seinen Ruf durch Schnee und Eis und erreichte nach einiger Zeit einen Friedhof, den unser Volk seit langer Zeit vergessen hatte. Wie viele unserer Urahnen dort liegen, ließ sich kaum schätzen, doch spürte ich das etwas die ruhe der Toten störte.
Zusammen mit dem Wolf, der mich gerufen hatte, betrat ich den Ort der ewigen Ruhe und begegnete dort einem Wesen was wir alle kennen und fürchten.
Es war eine Eisbestie und ihre Ausmaße waren gigantisch! Ihre Krallen waren so lang wie der Unterarm eines erwachsenen Mannes und ihr Körper überragt alles und jeden. Selbst zwei Männer die auf den Schultern des jeweils anderen Standen hätten ihren Kopf nicht erreichen können.
Mit der Hilfe des Wolfes verfolgte ich die Bestie und stellte sie in ihrer Höhle, die sich unter den Friedhof befand. Dort hin hatte sie all Ihre Opfer verschleppt und gefressen.
Mir war die Gefahr bewusst der ich mich stellte und das ich den Kampf wohl unmöglich gewinnen konnte. Doch trotzdem Tat ich es für das wohl aller Lebewesen und forderte die Bestie zusammen mit meinem Begleiter heraus.
Ich durchlöcherte meine Gegner mit einem Speer nach den anderen, doch ließ er sich davon nicht aufhalten. Selbst als der Wolf seine Zähne in das Bein der Eisbestie vergrub, kämpfte diese unermüdlich weiter.
Die Schlacht zog sich eine Ewigkeit hin. Ich kann nicht sagen, wie lange der Kampf andauerte. Doch am Schluss gelang es mir meine Axt in das Maul der Bestie zu versenken und ihr den Todesstoß zu, verpassen. Doch ist dies noch nicht das Ende meiner Geschichte!“

Der Mantroner schilderte in bester Erzählermanier, was sich danach abspielte.
Wie er den Verwundeten Wolf zu Norna brachte. Dann die Reise und der Kampf gegen den Schrecken der Tiefe. Das letzte Treffen mit Geri und das Bestatten der Opfer der Eisbestie. Natürlich verschwieg er den Fund der Handaxt, sowie der Schriftrolle und das Treffen mit Rukulla. Nanuq bekam auch einen Platz in seiner Geschichte und dann berichtetet er den Anwesenden noch das seine Reise nicht zu Ende war.
„...bei meinen Ahnen schwöre ich, dass ich Maruka finden werden und sie wieder zurück nach Mantron bringe!“
Sein Mund war von den vielen Reden schon völlig ausgetrocknet und sehnte sich nach etwas Flüssigen. Bei diesem Gefühl viel ihn noch ein das er das Opfer für Ventha vergessen hatte.
Schnell holte er die Perle hervor und übergab sie Elin.
„Möge dieses Geschenk die Göttin erfreuen!“ Die Opfergabe wechselte den Besitzer und Baltos ging zurück zu seinem Platz.

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Re: Bei Thure Sturmrufer

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. Juli 2013, 18:20

Baltos hatte kaum ausgesprochen, da setzte Elin Meersegen ein:
„ ... und möge Ventha dich auf deinem Weg begleiten. Deine Worte sind gehört und sollen in den Herzen der Tapferen weiter leben. Dein Leben hat und mag noch manche Tat beschreiben, doch heute trägst du die Wichtigste in deinem eigenen Herzen.“
Sie nahm die Perle entgegen und wiegte sie in der flachen Hand. Das bläulich schimmernde Material bekam im Schein des Feuers einen leicht violetten Glanz und die Priesterin trat hinter den Zeremonientisch. Mit einer Hand griff sie nach einem Wasserschlauch und füllte die Vertiefung in der Oberfläche neben dem großen Buch vermutlich mit Meerwasser. Man konnte deutlich sehen, wie es schnell und zielsicher in die dunklen Linien des Holzes sickerte und seine dadurch dunkler werdenden Adern ausstreckte, bis die ganze Schale aussah wie eine gewachsene Schneeflocke. Es war ganz still im Raum und alle schauten gebannt zu, wie sie die Perle langsam von ihrer Handfläche über die Finger hinab in die Versenkung rollen ließ. Was dann folgte war zwar nur ein kleines Wunder, aber eben doch ein Wunder. Hell lag der kleine Gegenstand still am Grund des Wassers.
Es vergingen ein paar Atemzüge, aber dann sah man langsam und immer mehr das Blau der Perle aus dem winzigen Rund hinaus sickern und in das Wasser übergehen. Wo erst das Wasser klar gewesen war und deutlich die hölzerne Maserung gezeigt hatte, da bildeten sich nun blaue Schlieren, die ein Eigenleben zu haben schienen. Kleine Strudel bewegten sich in einer größer werdenden Spirale durch das unbewegte Wasser. Der helle, wie Wolken geformte Fleck, der Perle vergrößerte sich zusehends und wuchs und wuchs. Bald war sie unter der blauen Flüssigkeit kaum noch zu erkennen. Nur ein sanfter heller Schimmer ließ noch ihre Position erahnen.
Baltos der mit Elin am nächsten stand, riss die Augen immer weiter auf und seine Lippen öffneten sich unwillkürlich vor Staunen und vor Ehrfurcht. Das Salz der Meere, Venthas blaues Blut, es nahm sein Opfer an! In diesem unendlich kostbaren Moment ruhte ihr Auge wohlwollend auf ihm und er konnte nicht anders als seine Hände zu Fäusten zu ballen um sie am Zittern zu hindern. Es war als wäre etwas das größer war als er, größer als jeder hier im Raum, zu ihnen getreten und sah nun über seine Schulter. Es war ein wildes Gefühl, voller Stolz und Leidenschaft was ihn durchfloss, gradlinig und ehrlich und doch auch unberechenbar wie die See. Fast war es ihm als legte sich eine Hand auf seine breite Schulter und er schielte kurz zu der Stelle. Nicht war dort, aber aus dem Augenwinkel sah er etwas anders …
Baltos musste schlucken! Zwischen den lebendigen Menschen die er liebte, standen noch viele weitere. Gesichter die ihn mit freundlichen Blicken bedachten, Gesichter die er aus Geschichten kannte. Die Ahnen hatten sich zu ihnen gesellt. Baltos Blick schweifte umher und stockte.
Zwischen einem der alten Fischer und der Nachbarstochter stand sein Freund. Seine halb durchsichtige Hand hob sich zum Kriegergruß und legte sich dann auf sein Herz. Sein Mund hatte sich zu seinem so vertrauten schrägen Lächeln verzogen, dass es Baltos fast die Tränen in die Augen Trieb. Haro war in diesem ergreifenden Moment bei ihm und grinste nickend, als wollte er sagen: „Gut gemacht!“ Seinen Freund zu sehen, ihn bei sich zu wissen war wärmer als jedes heimische Herdfeuer. Baltos wollte es nicht, aber die Feuchtigkeit in seinen Augen ließ ihn dann doch blinzeln und Haro so wie alle anderen durchsichtigen Gestalten waren fort. Sollte er ihn nicht schön grüßen? Rukulla würde sich wahrscheinlich nicht mal an ihre Aufforderung erinnern. Mit einem tiefen Seufzer sah er wieder auf den Tisch und zurück in die Schale. Viel Zeit um das Geschehene auf sich wirken zu lassen hatte der Jäger aber nicht.
Denn die dunkelblaue Oberfläche war nun undurchsichtig geworden und begann flackernde Erinnerungen aus Baltos Geschichte widerzuspiegeln. Undeutlich und verwaschen tanzten die Bilder vor seinen Augen und der Jäger war unfähig seinen Blick noch einmal abzuwenden. In seinem jungen Leben war schon viel geschehen und es gab viel an was er sich gern erinnerte. Dann sah er plötzlich in das weit aufgerissene Maul der Eisbestie und dieser Moment brannte sich in seine Netzhaut. Jener fassungslose, überraschende Anblick als die Bestie starb, anstatt seiner. Der Tod war an ihm vorüber gegangen und hatte sie anstatt seiner gewählt. In dieser Sekunde erkannte er seinen Namen und die Bilder verschwammen wieder, zerflossen in der Mulde zu blauer Vergangenheit.
Elin lächelte und rund um sie herum hörte man ein seliges Seufzten. Besonders Baltos Mutter konnte kaum an sich halten, aber unterdrückte gerade noch so einen Freudenausruf. Die Priesterin griff nach dem Federkiel und hielt in in der Hand, während sie sprach:
„Das Opfer gibt den Namen.
Venthas Segen sei in deinem Namen mit dir verbunden.
Ihr Blut möge ihn in die Reihen der Ahnen hinauf tragen,
auf das die Stürme der Meere, der Regen und das Salz des Wassers
dich taufen, dich durchs Leben tragen und begraben.
Vom Anfang bis zum Ende, soll man dich nun
Baltos Bestientod nennen.“

Alle Umstehenden wiederholten im Gleichklang den Namen:
„BALTOS BESTIENTOD!“
Elin tauchte die Spitze der Feder in das blaue Nass und schrieb Baltos Namen in die Chroniken der Tapferen. Kaum hatte sie geendet und abgesetzt, verlor das Wasser in der Mulde seine blaue Farbe und die Perle war verschwunden.

Weiter bei: Baltos Elternhaus

(Thure Sturmrufers Langhaus ist wieder frei. Elin Meersegen, seine Frau ist anwesend, wie ein paar Verletzte und ein junges Mädchen, Kjartans Schwester.)
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Re: Bei Thure Sturmschreier

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. August 2013, 16:40

Isildir kommt von Haus der Schneewölfe -> Nornas Wolfshütte

Es war das größte von allen Gebäuden in Mantron, dem Dorf der Tapferen. Außerdem war es aus Holz und Stein erbaut worden, womit sich sonst nur die robusten Lagerhäuser rühmen konnten. Das Haupthaus zählte als Heim des Anführers der Mantroner, die nichts und niemanden fürchteten. Es war die Heimstätte von Thure Sturmschreier und diesen wollte das muntere Quartett, bestehend aus Isildur Ranarion Ni'Tessin, Bryoja Frostwolf, Otis "Dicke Lippe" Kendrick und dem Schneewolf Atka, jetzt aufsuchen.
Der Pirat wirkte im Gegensatz zum Rest nicht halb so munter, aber wenigstens hatte sich seit der Mahlzeit, die sie bei Mantronerin Norna Wolfsruf hatten einnehmen dürfen, ein wenig Leben in seine Glieder zurückgestohlen. Er stapfte von allein durch den schweren Schnee, welcher sich in dicken Klumpen an seine Stiefel heftete, als sei er Schlamm.
"Du machst uns bald Konkurrenz", schmunzelte Bryoja, die - problemlos, schien es - neben Isildur durch den Schnee spazierte. Obwohl sie dank ihres Gewichts tiefer in das Weiß sank als der Pirat, zeigte sich die Tapfere mit dem hellen Haar doch wesentlich eleganter bei jedem weiteren Schritt.
"Konkurrenz?", fragte Orits und schaute kurz zu ihr herüber. Sein Blick war getrübt von der Kälte. Er selbst wünschte sich, diese durch einen ordentlichen Schluck Rum tauschen zu können. Ach, was hätte er jetzt für einen Rum gegeben! Bryoja hingegen nickte nur, erklärte: "Du schlägst dich tapfer."

Dann zeigte sie nach vorn. Das Haupthaus tat sich vor ihnen auf wie ein gewaltiges Schiff, welches mit seiner Giebelschneise das Meer des Schnees teilte. Die Flügeltüren, einem Portal gleich, standen offen. Von innen drang der Geruch eines Lagerfeuers nach außen, lockte die Frierenden. Ringsum standen ein paar Mantroner herum, unterhielten sich gemütlich. Da sie dazu ihre Heimatsprache nutzten, blieben die Inhalte dieser Gespräche zumindest Isildur und Otis verborgen.
Doch die beiden hatten kaum Zeit, näher zu lauschen. Bryoja stapfte zielstrebig voraus, stemmte die Hände in ihre Hüften, als sie in das Haupthaus eintrat. "Wo ist Thure, der alte Haufen Robbentran?", rief sie mit kräftiger Stimme ins Innere. Thure antwortete ihr nicht, er war nicht anwesend, so schien es. Eine Frau, rund von ihrem schwangeren Bauch, hob den Kopf, lächelte freundlich. Sie kannte die Quelle dieses mächtigen Organs. Ihre sanften Hände pflegten einige Verletzte, welche im Haupthaus auf mehreren Lagen Fell gebettet worden waren und den Raum mit ihrem leisen Stöhnen und Schmerzlauten erfüllten.
"Ventha sei dir gewogen, Bryoja Frostwolf. Mein guter Thure ist noch nicht von seiner Expedition zurück." Das Celcianisch der Frau war nicht schlecht, wenngleich der raue Wind selbst es zu durchziehen schien. Umso weicher leuchteten ihre Augen und auch voller Neugier ob der fremden Besucher des Haupthauses. Sie legte noch einmal die Hand auf die verschwitzte Stirn des Patienten vor sich, ehe sie sich erhob. Ein erfahrener Blick, dann kam sie zu Bryoja samt Begleitern, neigte vor Isildur und Otis leicht den Kopf.
"Ich bin Elin Meersegen, Priesterin der Ventha und Ehefrau des Tapferen Thure Sturmschreier. Wie kann ich euch helfen, bis mein Mann zurückkehrt? Es dürfte nicht mehr allzu lang dauern."
Bryoja schaute zu Isildur herüber. Sie sah ihn selbst jetzt als Alpha an. Er durfte sprechen, wenn er das Bedürfnis hatte, ansonsten würde wohl sie sich erklären.
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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Re: Bei Thure Sturmschreier

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Mittwoch 9. Oktober 2013, 13:02

Nachdenklich hatte er seine Stirn krausgezogen, nachdem Norna ihn die Frage gestellt hatte. War der Wolf denn wirklich ein Problem? Bei den Göttern, dass war es ja… er fühlte sich zum Teil mehr mit allen verbunden als früher. Fühlte die Einigkeit, die man sonst selten in sich hatte und doch war da ein kleiner Zweifel…eine Angst, die nun mal aus der Vergangenheit rührte. Immer wenn er gerade dabei war, sich mit dem Wolf anzufreunden, kamen ihn Bilder ins Gedächtnis…Aufgerissene Augen, die ihn angstvoll ansahen…Schreie, dass Isildur den Geliebten von Yavanna loslassen sollte…die schiere Panik und das Geräusch, als sie ein Arm aus dem Schultergelenk löste. Der penetrante Geruch von Angst und diese unsagbare Gier von Blut und Tod.
Das ist aber nicht der Wolf…das bin ich nicht. Das war eine andere Bestie! Isildur, ich begleite dich und du fühlst mich, aber ich bin kein Monster…
Es war ihm, als würde er den Teil seiner Seele hören, der ihm die Kraft gab. Natürlich war es Unsinn, und hätte nicht Otis wieder eins seiner jammernden Kommentare von sich gegeben, so hätte er wohl sich damit mehr auseinander gesetzt. Er hatte eben Angst, vor dem was sein könnte…obwohl er es nicht war. Weder Elf noch Wolf waren Monster und doch ließ seine eigene Angst, seine Gefühle durchwirbeln.
„der Rum? Ein Wunder, dass ihr davon überhaupt noch gehen könnt“ erinnerte sich Isildur an dem Rum, der in Rumdett getrunken wurde. Hochprozentig und doch schmeckte es nur scharf. Wie auch immer Menschen auf Dauer es trinken konnte, denn der Geschmack wurde selbst bei vermehrtem Trinken nicht besser… es ließ es nur leichter werden das Gesöff zu trinken. Zumindest sah das Isildur so.
Den Blick der Wölfin hatte er noch bei sich gespürt, bevor sie das Zelt verlassen hatte.
„Du hast auch ein Zelt? Ein eigenes oder mit der Familie?“ fragte der großgewachsene Wolfself neugierig. Er hatte nicht vergessen, was ihn Norna vor geschlagen hatte, wenn er jetzt es jedoch eher darauf anlegte, sie ein wenig zu foppen.

Sie kamen auf das Langhaus zu und Isildur blieb nach ein paar Schritten stehen. Musterte das wirklich beeindruckende Gebäude, welches wirklich groß wirkte im Verhältnis zu den anderen im Dorf. Es strahlte etwas Erhabenes aus, eben wie man es von dem Haus eines Anführers erwarten würde. Das Geräusch des knirschenden Schnees und der Anblick von Otis, der sich wieder etwas eingekriegt hatte.
„Irgendwann muss sich ja auch bei ihm zeigen, dass er lernen kann“ grinste Isildur nur und beugte sich kurz runter um mit seiner Pranke etwas Schnee zu nehmen und es zu einem Schneeball zu formen. Er wiegte ihn etwas hin und her.
Mir wäre danach, Otis einfach abzuschießen…
Er zwinkerte die Mantronerin zu und nickte zu den Piraten, kurz darauf warf Isildur den Schneeball. Zielte zu der Schulter des Mannes und machte einen Schritt schneller.
Kurz vor dem Haus, witterte Isildur was, was nicht so wirklich zu der Mischung, aus Feuer, Schnee und Männern gehörte. Der Geruch von Krankheit biss in der Nase.
„Atka, wird das Haus zum heilen genutzt?“ Broyja hatte indes ihr mächtiges Organ erklingen lassen und die Worte von Ihr, ließen den Wolfelfen nur leicht den Kopf schütteln. Sie war wirklich ein starkes Weibchen.
Die Frau, die kurz darauf folgte, war eindeutig schwanger…und der Geruch von Krankheit, Blut und der schwache Duft von Tod waren jetzt, wo sie ins Haus eingetreten waren, deutlicher zu vernehmen. Der Wolfelf schüttelte sein langes Fell, war er so einen starken Geruch nicht gewohnt. Jedoch als die Frau auf ihn zukam, nickte er ihr zu und nahm seine stolze Haltung heben Bryoja an.
„ich bin Isildur, dies ist Otis…wir wollten bezüglich des Auftrages von der Frostwölfin mit dem Tapferen sprechen. Lange können wir nämlich nicht warten, da sich die Aufgabe verändert hat…wir müssen alsbald wieder weiter nach Santros. Wir reden mit ihm, wenn er da ist…. Gegen wen wurde eine Schlacht geführt, kann man helfen?“ Die Augen des Wolfelfen glitten zu den Verletzten. Jetzt schon merkte man, dass Isildur die Mantroner mochte. Waldelfen sagte man nach, sie vertrauten nicht leicht…aber Isildur spürte förmlich, dass diese Menschen seinem Volk in vielem in nichts nachstanden. Es sah nicht nach einfachen Verletzungen aus, hier schien irgendetwas ziemlich heftiges im Spiel gewesen zu sein. Nicht dass er jemand war, der wirklich viel über Heilkunde wusste, dass war immer Yavanna gewesen…aber er war ein Jäger und Krieger und hier schien man Hilfe zu brauchen, zumindest so lange, bis sie weiter konnten.

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