Die Hafenanlage

Der Hafen liegt außerhalb der Stadt und somit auch des Frostwaldes. Die Schiffe liegen in einer kleinen Eisbucht vor Anker. Die Mantroner haben einen künstlichen Kanal zum Meer angelegt, den sie immer wieder freihacken müssen, weil die Oberfläche zufriert
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Bilgar Schneeblick
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Die Hafenanlage

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Mittwoch 5. Juni 2019, 21:24

Die Flocken fielen dicht an dicht und überzogen den Hafen Mantrons mit einer dicken, weißen Schicht aus Schnee. Die Luft, erfüllt vom wirbelnden Spiel der gefrorenen Tropfen, wurde undurchsichtig und färbte sich im schwachen Leuchten der langsam untergehenden Sonne feurig rot. Allmählich wurden die Flammen der Laternen entzündet und zogen einen schmalen Streifen aus zuckenden Lichtern entlang der Kaimauern. Die Feuerträger warfen von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Eisbrecher, welche von den entfernten Rändern des Kanals zurückkehrten. In dieser Nacht wurde kein Schiff mehr erwartet und auch die letzten ausländischen Händler kehrten auf ihre Kogen zurück oder in die Hafentavernen ein. Die Welt wurde still. Hier und da konnte man vereinzelt Menschen sehen, die ihren Heimweg antraten und der herannahenden Nacht entkommen wollten. Wenn die Dunkelheit hereinbrach wurde die Kälte der Eisinseln zu einem unberechenbaren Gegner, ein Gegner, der weder Mitleid noch Sanftmut kannte. Nicht die größte Stärke des mutigsten Kriegers vermochte einen Sieg gegen Venthas grausigstes Kind erringen. Der Wind frischte auf und ließ die wenigen, verglasten Laternen zittern. Die Scharniere quietschten laut und an einigen Stellen wurden Eiszapfen abgeschlagen.
Die Eisbrecher erklommen die Stufen, die vom Becken hinauf auf den Pier führten. Sie alle waren eingepackt in dichten Pelz und trugen breite, weiche Stiefel, damit das erstarrte Wasser sie besser tragen konnte. Alle unterhielte sich und dennoch hatte ein kleiner Teil Zeit dem einsamen Mann zuzunicken, der hinter einem Bretterverschlag bündelweise Ware verschnürte. Bilgar erwiderte den Gruß, hob die Hand und rief ihnen gegen den Wind zu: „Beeilt euch, Ventha selbst haucht der Nacht ihren Atem ein - Ich spüre es in meinem Bein.“ Tatsächlich war dem nicht so, aber viele kannten seine wetterfühlige Art und das eines seiner Glieder besser war als der schärfste Blick des besten Spähers. Die Männer lachten und Bilgar war der Meinung, sie würden ihre Schritte beschleunigen. Ein verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen, während eine weitere Böe seine Haare umher warf. Begleitet von einem leichten Gemurmel, hob der junge Mann die Hände und versuchte mit den behandschuhten Fingern den Lederriemen, der seine Frisur bändigen sollte, fester zu ziehen. Es brauchte einige Anläufe, aber am Ende gelang es ihm und nach einer abschließenden Prüfung, nickte der Mantroner zufrieden. Seine grünen Augen wanderten über den Tresen seines Standes. Der Schnee fiel inzwischen so dicht, dass es nur einen kurzen Moment gedauert hatte, das alte, billig eingetauschte Holz zu bedecken. Mit einem ausladenden Wischen seines rechten Armes entfernte er einen Großteil der Massen, so dass wieder etwas Platz herrschte. Bilgar ging in die Hocke, darauf bedacht, nicht dass linke Bein zu belasten und fischte im Zwielicht nach einem zweiten Bündel seiner Pelze. Es war kein guter Tag gewesen, denn nur wenige hatten heute Dinge dabei die er zu Tauschen bereit war. Etwas Mehl und einen Trinkschlauch mit südländischem Wein. Diese Dinge würden seiner Mutter gefallen und auch ihm, sobald er sich berauschen wollte oder aus dem Mehl warmes, wohlschmeckendes Brot geworden war. Dieses warme Backwerk war in Mantron, als Stadt ohne jede Art von Feldwirtschaft, ein rares Gut und nicht selten ließ man gute Freunde oder Bekannte an einem solchem Erlebnis teilhaben. Da Bilgar aber weder Kochen noch Backen konnte, wusste er nicht ob die gehandelte Menge ein ausreichendes Ergebnis erzielen würde. Aber selbst wenn es nur für zwei Fladen reichte, es wäre ein willkommener Genuss. Schneeblick schüttelte den Kopf, er hatte sich von seinen Gedanken ablenken lassen. Endlich fanden die Fingerspitzen, welche bereits die Kälte spürten, den Riemen, der das zweite Bündel Pelze zusammenhielt. Während die anderen Mantroner lachend und feixend durch den Sturm spazierten, krochen die kalten Temperaturen langsam aber sicher über die Haut Schneeblicks. Sein Bluterbe verhinderte, dass er Venthas Kälte so trotzen konnte, wie es die anderen taten. Seine Kleidung hielt ihn warm, war aber auf lange Sicht auch kein Schutz und er stand bereits den ganzen Tag am Hafen. Hin und wieder gönnte er sich ein Met oder ein dickes Bier in der Taverne um die Ecke, damit sein Innerstes genügend Feuer trug, doch es war keine Lösung auf Dauer. Um sich von seinen Gedanken zu lösen untersuchte Bilgar die Riemen am Pelzbündel, denn er wollte beim Weg durch die Straßen, nicht seine Ware verlieren. Doch es sah so aus, als würde ihn nichts weiter hier halten. Er atmete schwer aus und sofort bildeten sich weißen Wolken vor seinem Mund, hinterließen Eiskristalle im Bart und zeugten vom Klima der Eisinseln. Nichtsdestotrotz liebte der junge Mann dieses Wetter. Er liebte die klare Luft darin, er liebte die tanzenden Flocken und die Stille, die viel mehr zu erzählen vermochte, als manche Geschichte der Alten. Während ein zufriedenes Grinsen über sein Gesicht huschte, suchten seine Hände nach der Holzstange, welche er zum Transport der Ware von und zu seinem Stand nutze. Dieser war nicht sehr groß, daher benötigte Schneeblick auch keinen Karren oder Esel für seine Felle und Pelze. Eigentlich waren es nur ein paar Bretter und ein Verschlag darunter, um Schutz vor der Witterung zu bieten. Hier konnte er auf einer größeren Fläche den Händler die gewünschten Produkte zusammenschnüren. Endlich fand der junge Mann, was er suchte und die grünen Augen fixierten den Stab. Er hatte sich verkeilt und Bilgar musste ihn etwas lockern, indem er ihn von oben nach unten bewegte. Dabei zitterte die gesamte Bude und man hätte beinahe denken können, die Göttin selbst würde ihm mit dem Wind helfen wollen, endlich aus dem Hafen zu verschwinden. Es knackte laut. Beinahe wissend und in erster Linie befürchtend, was passiert war, zog Bilgar die Hälfte seines Stabes hervor. „Dreckiger Mist!“, fluchte er und seufzte kurz darauf. „Ventha, nach all' den Jahren immer noch so humorvoll. Dann muss es anders gehen.“ Er zog eines der Fellbündel von Tresen und schob es wieder nach unten. Darauf achtend, dass es im Dunkel des Verschlages lag, hoffte er einfach darauf, dass es am nächsten Tag nicht von einem glücklichen Händler gefunden wurde. Doch er konnte weder das Mehl, noch den Wein hierlassen und ohne die Stange, würde er nicht alles mitbekommen. „Besser geht es nicht ...“, dachte er und erhob sich wieder. Die Sonne war jetzt nicht mehr als ein schmaler Streifen am Ende des langen, weiten Horizonts. Bilgar dachte viel an das, was dahinter liegen mochte. Auch bei seinen Streifzügen in den Wäldern, bei den Treffen mit Freuden oder Bekannten oder bei seinen Wegen durch Mantron. Immer wenn die grünen Augen die entfernten Wellen oder die wandernden Wolken sah, wollte er sie nach der Welt fragen. Ein dummer Gedanke vielleicht, aber dieser war so in seinen Kopf eingebrannt, dass Schneeblick gar nicht mehr versuchte, ihn loszuwerden. Oder es überhaupt versuchen wollte. Seine Hand umfasst die Schnur des verbliebenen Bündels, warf es sich über die Schulter und nachdem er sicher sein konnte, dass es nicht wieder herunterrutschte, griff der Mantroner mit der noch freien Hand den Sack mit den getauschten Waren. Es wurde Zeit. Sein Gesicht wanderte nach oben und Schneeflocken benetzten seine Haut, schmolzen und suchten sich als Tropfen den Weg durch den Bart nach unten. Bilgar schüttelte sich und verscheuchte das Wasser grob. Es wurde nun Zeit und langsam setzte er sich in Bewegung.
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Re: Die Hafenanlage

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. Juni 2019, 13:30

Bilgur senkte seinen Blick in den Schnee zu seinen Füßen. Die flackernden Lichter der Lampen ließen die Eiskristalle in warmen Farben trügerisch funkeln. Die Spuren im Schnee, die die Eisbrecher kurz zuvor hinterlassen hatten, waren schon halb verweht vom frischen Neuschnee, aber man konnte sich noch gut erkennen. Die meisten führten in Richtung der Schenke, wo man in den späten Abendstunden sich noch einfand, sich Geschichten erzählte und die Wärme der Gemeinschaft genoss. Sein geschultes Auge erkannte an der Tiefe und der Schrittlänge so manchen Bewohner Mantrons. Seine eigenen Spuren waren markant und unvergleichlich. Mit seinem Bein war heute alles in Ordnung und er konnte darauf hoffen, dass es morgen einen schönen Tag geben würde, aber an anderen Tagen, wenn Ventha launenhaft über das Land fegte, dann sah man auch seinen Fußabdrücken im Schnee an, dass er Schmerzen litt, humpelte und das Bein nach zog.
Seine Nase zuckte unwillkürlich, als eine dicke Schneeflocke auf ihr landete und ihre eisigen Stacheln in seine Haut bohrte. Er musste schnell ins Warme. Er hatte sich zu lange nicht bewegt. Das Handeln am Hafen hatte seine Schattenseiten und machte ihn steif und anfällig für die Kälte. Ein warmer Met oder ein Humpen Bier wären vielleicht das richtige um sich aufzuwärmen, aber andererseits wartete zu Hause auch ein warmes Bett und eine, an solchen Tagen, entweder schlecht gelaunte, oder schon schlafende Mutter. Der pelgarischen Frau machte das Klima in Mantron noch weit mehr zu schaffen als ihm und ihre zusätzlichen Jahre, die harte Arbeit, das alles zollte jedes Jahr mehr Tribut an ihrer Gesundheit. Aria war keine schwächliche Frau, sonst hätte sie hier nicht überlebt, aber sie war halt kein Kind der Eislande. Bilgur wusste, an windig kalten Tagen, ging sie gern früh ins Bett und hob ihm sein Essen auf. Manchmal war es halt schon kalt, wenn er spät vom Hafen oder von der Jagd zurück kehrte, aber immer war etwas kleines da, was das Band zwischen Mutter und Sohn stark hielt. Sie dachten immer an einander.
In Gedanken versunken, den Blick in den Schnee gerichtet, lief Bilgur los. Das nahe Stadtzentrum hatte war keinen Marktplatz, so wie es andernorts vielleicht üblich war, aber die freie Fläche vor dem Langhaus der Familie Stumschreier war ein beliebter Sammelplatz, wann immer der Anführer der Freien etwas zu sagen hatte. Als Bilgur näher kam, hörte er selbst durch das Heulen des Windes und die Wände hindurch, Thures lautes Lachen und hob den Blick. Seine Stimme hatte ihm auch seinen Namen gegeben und wenn er es darauf anlegte, konnte mein Organ meilenweit über die Insel hören. Von den anderen Menschen im Haupthaus war hier draußen kaum etwas zu hören. Sicher war seine Frau Elin Meersegen bei ihm, saß am Feuer und kümmerte sich gerade um eins ihrer 13 Kinder. Die Venthapriesterin war Herz und Anker der Region und der Inbegriff einer sorgenden Mutter. Auch das hier war ein Ort, in den Bilgur einkehren konnte wann immer er wollte, denn der Anführer der Tapferen behandelte jeden, als wäre er ein Familienmitglied. Bestimmt war er nicht allein und einige seiner Getreuen waren so oft bei ihm, dass sie eigentlich schon bei ihm wohnten.
Bilgur ließ seinen Blick kurz zu beiden Seiten schweifen. Zur linken führte eine Gasse zwischen den Lagerhäusern zu der Taverne von Ulmgard Immerdurst und zur rechten führte der Weg zu den Wohnhäusern und letztendlich zu den Zwingern der Schneewölfe. Ganz am Ende dieses Weges wohnte Norna Wolfsruf, die Bilgur gerade zwischen zwei Häusern verschwinden sah. Ihre Haltung hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Bevor die Hauswand ihm die Sicht genommen hatte, war er ganz sicher gewesen, dass sie es war. Ihr hellrotes Haar und der dunkelrote Mantel, den sie stets trug, waren unverkennbar. Doch ihr Gang hatte ungewöhnlich gewirkt... gebeugt, aber sicher und zielstrebig in der Schrittlänge. Gerade in diesem Moment hörte Bilgur Schritte und schaute über seine Schulter. Eine dick vermummte Gestalt, so wie fast jeder hier in Mantron auf den ersten Blick wirkte, schaukelte schwer beladen mit zwei Fässern aus einem der Lagerhäuser. Der Größe nach männlich, taumelte er nach hinten und stieß rücklings mit dem Fass im Arm gegen die gegenüber liegende Wand. Eine weitere deutlich kleinere vermummte Gestalt kam aus dem gleichen Ausgang und stellte noch ein weiteres kleineres Fässchen auf das linke große in seinen Armen, was ihn gehörig aus dem Gleichgewicht brachte. Bilgur hörte ihre leisen Stimmen:
„...und nicht fallen lassen! Vater lässt mich draußen schlafen, wenn das nicht heil ankommt!“
...was einer Morddrohung gleich kam. Die weibliche, klangvolle Stimme gehörte Jenna und wenn Bilgur richtig vermutete, dann war der Große Jan. Einer seiner Freunde, jung, etwas dumm manchmal, aber gutherzig und wurde oft von Jenna oft als Lastentier missbraucht. Sicher sollte sie neue Fässer Met und Bier aus dem Lager für ihren Vater Ulmgard holen und hatte Jan überredet ihr zu helfen, damit sie nicht so oft gehen musste. Just in diesem Moment hatte sie Bilgur entdeckt und hob lächelnd die Hand zum Gruß, selbst wenn sie ihn vielleicht nicht erkannte. Jenna war eine Frohnatur und konnte herrlich singen. Ihre Stimme konnte einem in kalten Nächten eine Wärme schenken, wie es kaum ein Feuer vermochte. Sie wirkte immer fröhlich, auch wenn Bilgur sie einmal heimlich in der Küche hatte weinen sehen. Bis heute wusste er nicht warum.

Nun stand Bilgur in der Dämmerung des Tages und entschied schnell, wo der eisige Wind ihn hintreiben würde. Einiges hatte vielleicht sein Interesse geweckt, aber nur eines war sicher. Er musste raus aus der Kälte, weg vom Hafen wo die Gischt wie Nadeln über den Strand wehte!
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Re: Die Hafenanlage

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Freitag 7. Juni 2019, 00:11

Der frische Schnee knirschte unter den Sohlen des jungen Mantroners, als dieser durch die Gassen der Stadt wanderte. Obwohl es Viertel gab, war es für Außenstehende kaum zu erkennen, wo das eine begann und das andere wieder aufhörte. Dies lag vor allem daran, dass die Gebäude nicht nach einem Plan erbaut worden waren, sondern so, wie sie gebraucht wurden. Die Ahnen hatten sich damals in einem Kreis zusammengefunden und dort, wo sie lagerten, entstanden die ersten Langhäuser, als Sammelpunkt und Lagerstätten. Heutzutage bildete dieses Geflecht das 'Zentrum' Mantrons. Mit der Zeit wurden Familien größer, fanden sich weitere Westländern ein und erschufen ihre Wohnstätten dort, wo noch freies Bauland zu finden war. Dadurch ergab sich ein wunderbar wildes, gezwungenes Stadtbild. Eine Tatsache die, wenn man darüber nachdachte, gerade bei diesem Volk stimmig war. Hin und wieder wanderten Bilgars Augen an den Fassaden entlang und erhaschte einen Blick auf Familien, Freunde oder einsame Menschen, die ihren abendlichen Riten nachgingen. Teilweise opferten einige der Bewohner an Schreinen der Ventha. Fische, Federn oder andere Dinge, die von der ihr gegeben wurden, fanden ihren Platz in einer Schale. Früh wurde den Kindern beigebracht, dass man eine Handvoll von zerstoßenem Eis oder Schnee darüber gab, damit die Wechselhafte die Gabe auch bemerkte. Schmolz diese Art der Abdeckung, so war die Göttin zufrieden und gab ihren Segen. Zwar hatte er noch nie davon gehört, dass es jemals dazu gekommen war, dass etwas davon nicht schmolz, aber sicherlich war es eine Erleichterung, wenn man die Götter auf der Seite der Sterblichen wusste. Natürlich konnte man trotz des Wankelmuts von Ventha in eine Krise schlittern, doch aufgrund ihrer Eigenart war das jedem bekannt. Alten Hunden brachte man keine neuen Kunststücke bei.
Gerade noch in Gedanken, wurde Bilgar durch ein lautes, schallendes Lachen und Gröllen aufgeschreckt. Er war so in seine Überlegungen versunken gewesen, dass seine Füße ihn ungewollt am Haus von Sturmschreier, ihrem Anführer, vorbeiführte. Dicke Lederstücke waren vor den Fenstern heruntergelassen worden, um Wind und Wetter aus der warmen Halle zu verbannen. Es ertönten wilde Lieder und viele davon waren Schneeblick bekannt. Unwillkürlich summte er die Melodie und formte die Worte in seinem Kopf. Bilgar erinnerte sich an das erste Mal, als er die alten Legenden von der Jagd auf riesige Bären und schlaue Schneefüchse gehört hatte. Mit Freude lauschten die Kinder der Stadt Norna Wolfsruf. Sie brachte es immer fertig, als lebendig darzustellen. Geradezu als würde der gewitzte Fuchs noch heute die Jäger in tiefe Wälder führen oder ihre Fallen gegen sie wenden. Es war eine der Lieblingsgeschichten des jungen Mannes. Selbst Thure brachte zum Beginn eines jeden Tapferkeitsspieles eine Geschichte zum Besten. Die Durch seine donnernde Stimme trug er die Kämpfe mit den Bestien der alten Tage aus der Vergangenheit zu seinem Volk. Bilgar wollte die Kälte verlassen und das Haus betreten, denn er wusste um die Gastfreundschaft der Familie von Sturmschreier. Allerdings hatte er immer noch die Ware in den Händen und zudem war die Gesellschaft von Thure und seiner Frau auch immer etwas anstrengend. Auf keinen Fall schlecht, denn wer ein Fest in seinen Hallen erlebte, der fühlte das Glück wie nach tausend Schlachten oder einer tagelangen Jagd. Doch das Tagwerk Schneeblicks verlangte seinen Tribut. Bereits am Morgen hatte er Feuerholz geschlagen, damit seiner Mutter in dieser Nacht einheizen konnte. Der restliche Tag war durchzogen von Besorgungen und jetzt hätte er den Erzählungen der Anwesenden nicht mehr so folgen können, wie er es gerne gehabt hätte. Es wäre eine Enttäuschung und diese wollte sich der junge Mann gerne ersparen. Entschlossen schnaufte Bilgar und wandte sich ab. „Ich werde es nachholen und dann werde ich dreimal soviel Trinken, viermal soviel Lachen und fünfmal so viele Lieder zum Besten geben wie Thure Sturmschreier.“, dachte er voll Ingrimm und nickte, um es sich selber noch einmal zu versprechen. Schneeblick hasste es, solch gesellige Abende zu verpassen und noch viel mehr, dass es wegen der Arbeit war, die ihn heute so lange aufhielt. Es passte nicht zu ihm, dass er die hereinbrechende Nacht nicht irgendwo in einer Taverne oder bei einem Gelage verbrachte. Vielleicht konnte er später, nachdem die heimische Stube ihn gewärmt hatte, noch einmal durch die Straßen ziehen. Wenn bis dahin nicht alle schon im Vollrausch ihre Freiheit herausschrien. Seine Augen blickten reuig auf die flatternde Abschirmung. Kurz meinte er ein Kinderlachen zu hören und die sanfte, aber direkte Stimme der höchsten Venthapristerin. Bilgar mochte sie, auch wenn ihre mahnenden Worte häufig denen seiner Mutter ähnelte als ihm lieb war. Ihm kam der Gedanke, dass die Mütter dieser Welt vielleicht alle ein und denselben Wortklang hatten, wenn sie belehrten oder schalten. Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Damals hatte ihn Erin dabei erwischt, wie er Trockenfisch aus der Gebetsschale am großen Venthaschrein stahl. Es gab einen langen und intensiven Austausch über die Lehren der Wechselhaften und das man seine Zeit besser mit Familie und Freunden verbringen sollte, als Unsinn anzustellen. Heute stimmte er ihr zu, aber damals bedachte er die vielfache Mutter mit einer garmischen Beleidigung. Zwar wusste Erin nicht, was es bedeuten sollte, aber es gab eine kräftige Ohrfeige. Später, als Meersegen dann bei seiner Mutter um eine Übersetzung bat, fing sich Bilgar auch von ihr einen kräftigen Hieb ein. Es war eine gute Zeit.
In diesem Moment wollte der junge Mann seinen Weg fortsetzen und schüttelte die Schnee aus seinen Haaren, dass der Pferdeschwanz schnell von einer auf die andere Seite flog. Eilige stellte er den Sack mit Mehl und Wein ab, damit er sich die Gugel aufziehen konnte. Langsam wurde der Schnee dichter und es zuckte unangenehm in seinem Bein. Das Wetter würde bald umschlagen und aus den sanft fallenden Wolken würde ein unangenehmer Sturm werden. Bevor er jedoch darüber nachdenken konnte, ob er es noch bis zu seiner Heimstatt schaffte, fiel ihm am Ende des rechtsseitigen Weges eine Frau auf. Normalerweise wäre es nicht von Bedeutung gewesen, aber das auffallende Haar und die markante Kleidung konnten nur auf Norna deuten. Diese schien sich verstohlen um die Häuserecken zu stehlen. Dieses Verhalten passte gar nicht zu ihr. Doch selbst wenn Bilgars Neugierde geweckt war, so war er schlau genug zu wissen, dass er ihr oder ihren Spuren bei dieser Witterung nicht folgen brauchte. Gerade der Reiz, jemanden zu verfolgen und dabei ein oder zwei Grenzen zu überschreiten, wäre der Schwung der diesem Abend noch fehlte. „Nein, nein … dieses Mal sei schlauer, Bilgar ...“, sagte er leise zu sich selbst, „ … in diesem Schneetreiben sind ihre Spuren schnell verschwunden und du vermutlich erforenen.“ Ein Zittern durchfuhr ihn. Der Wind schwoll an und wirbelte die Flocken ungezügelt durch die Straßen. Die Lederverdeckung an den Fenstern knatterten Laut. Es wurde höchste Zeit weiterzuziehen.
Allerdings kam der junge Mann nicht sehr weit, denn nur wenige Meter weiter, kurz nachdem er um eine Ecke gebogen war, ließ ihn ein Geräusch aufhorchen. Poltern und laute Stimmen drangen aus seinem Lagerhaus hinter ihm. Doch erst die Schritte in seinem Rücken brachen Bilgar dazu, sich umzuwenden. Eine massive, vermummte Gestalt jonglierte mehr schlecht als recht zwei Fässer in den Armen. Sein Gleichgewicht versagte ihm scheinbar den Dienst, denn er stolperte rücklings gegen eine Wand. Erst wollte Schneeblick aufschließen und das Schlimmste verhindern, aber dann trat noch jemand aus dem Gebäude. Von der Statur eher klein, aber immer noch mantronischer Herkunft, übergab die hinzugetretene Person ein kleineres Fass an den schwankenden Riesen, welcher dadurch noch weitere Probleme zu haben schien. Hätte sich jetzt nicht eine vertraute Stimme aus einem der vermummten Gesichter erhoben, so hätte Bilgar nicht gewusst, was er mit diesem Bild anfangen sollte. Doch der klare, unverfälschte Klang von Jenna war sogar durch die heulenden Winde hindurch zu vernehmen. Sie bemerkte ihn und hob grüßend die Hand. Ohne zu zögern erwiderte das Grünauge und wandte sich dem ungleichen Paar zu. Beim Aufschließen sprach er gegen den Wind an: „Ich sehe, Jenna hat wieder jemanden gefunden, der ihre Arbeit macht, hm?“, sagte er unverhohlen. „Irgendwann wirst du mal erkennen, dass man den Jagdhund nicht isst. Halt das!“ Schneeblick war nun dicht genug herangekommen und nahm Jan, einem seiner besseren Freunde das kleine Fass ab, gab zuvor aber den Sack mit Mehl und Wein an Jenna. Alle drei kannten sich lange und waren ungefähr im gleichen Alter. Die Art miteinander umzugehen war typisch für diesen Landstrich und daher in keinster Weise unangebracht. Gerade der Hunde-Vergleich fand häufig Anwendung in der Dreiergruppe, da Jenna Jan schon so lange für ihre Arbeit einspannte. Sie wussten, dass damit Jennas Umgang mit ihrem Bruder gemeint war. Jedoch wurde darüber immer gelacht und selbst Jan konnte gutherzig wie er war, immer darüber hinwegsehen. Und obwohl Bilgar in sein trautes Heim einkehren wollte, entschloss er sich, nicht noch eine Chance auf einen geselligen Abend verstreichen zu lassen. Ventha wollte ihn wohl heute Nacht nicht in einem ruhigen Heim wissen, sondern am Tisch in einer Taverne vor einem Krug schäumenden Bieres. Der junge Mantroner konnte sich schnell denken, dass der Vater der Beiden sie los schickte um weiter Vorräte zu holen. Daher hatte er sich entschlossen zu helfen und danach in der warmen Stube von Immerdurst etwas zu trinken und sich aufzuwärmen. Wenn Ulmgardt seine Nachkommen nicht den gesamten Mondlauf in Arbeit verstrickte, vielleicht sogar mit den Geschwistern. Seine Mutter würde ohnehin bereits im Bett liegen und sich bei den abendlichen Temperaturen unter drei dicke Wolldecken kuscheln. Recht hatte sie, aber Abseits des Willens eines Umtrunkes, musste Bilgar aus der Kälte heraus. Es hatte also durchaus auch einen praktischen Nutzen seine Hilfe wortkarg und harsch anzubieten. „Ich werde nie verstehen, wieso du dich von deiner Schwester immer wieder so einspannen lässt?“, fragte der junge Mann den riesigen Jan und klemmte das Fass unter die Achsel. „Vielleicht singt sie dir immer ein Ständchen und das wärmt dein Herz.“, griente er breit und feixte durch seinen mit Schnee bedeckten Bart zur jungen Frau herüber. „Oder Ventha selbst fürchtet ihre Waldvogelstimme schmelze das Eis von den Bäumen und lässt ihr deswegen Glück zukommen.“ Bilgar mochte Jennas Stimme. Er hörte ihr gerne bei den Balladen und Heldenepen zu. Aber er konnte nicht umhin sie von Zeit zu Zeit etwas aufzuziehen. Dafür ertrug er tapfer die unzähligen Bemerkungen über sein Bein und seinen abgeschwächten Wuchs. Doch dies gehörte unter Freunden dazu und niemand war dem anderen böse deswegen. Einmal hatten sich Jan und er auch in den Haaren und es gab blaue Augen und aufgeplatzte Lippen. Selbstverständlich verlor Schneeblick, aber nach ein paar Runden Met und Fleisch war alles nur noch ein großer Spaß. Außerdem zeichnete Bilgar dem vor Trunkenheit schlafenden Jan damals mit einem verkohlten Stück Holz ein paar unschöne Kleinigkeiten ins Gesicht. Das war auch der Tag, an dem er Jenna zum ersten und einzigen Mal weinen sah, in der Küche der Taverne. Bis heute kam er nicht dazu sie zu fragen warum und es war auch nicht wichtig. Wenn sich jemand der Trauer hingibt, dann entweder allein oder in Gesellschaft, doch dies war immer die Entscheidung des Trauernden und Jenna hatte sich damals dazu entschlossen es für sich zu tun. Ihm, Bilgar, hätte es auch missfallen, wenn ihn damals jemand zu seinem Vater ausgefragt hätte, in der Zeit, als er einsam im Wald für sich sein wollte. Doch diese Gedanken stimmten in missmutig und somit verscheuchte er sie schnell. „Ich lehne mich mal aus dem Schlitten und vermute euer Vater wartet auf die Ware. Gehen wir oder warten wir lieber bis Jenna Brüste gewachsen sind?“, lachte er etwas, stieß die junge Frau an und ging ein kurzes Stück rückwärts, um die beiden Geschwister im Auge zu behalten. „Und lass den Sack nicht fallen, Jenna, Mehl und Wein … wäre unschön, wenn das nass wird oder zerbricht!“ Der Wind peitschte nun über den Dächern und wehte die Wolfsgugel von Bilgars Kopf. Trotzdem konnte man das weiß seiner Zähne sehen, er war froh während so einer Nacht seine Freunde zu treffen, denn so etwas verhieß stets Gutes.
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Re: Die Hafenanlage

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. Juni 2019, 11:58

Jenna bemerkte Bilgar und hob grüßend die Hand. Ohne zu zögern erwiderte das Grünauge den Gruß und wandte sich dem ungleichen Paar zu. Beim Aufschließen sprach er gegen den Wind an:
„Ich sehe, Jenna hat wieder jemanden gefunden, der ihre Arbeit macht, hm?... Irgendwann wirst du mal erkennen, dass man den Jagdhund nicht isst. Halt das!“
Jenna hatte schon den hübschen Mund zu einer Erwiderung geöffnet, als Schneeblick dicht genug herangekommen war, ihr den Sack mit Mehl und Wein in die Arme drückte und sie ihn mit einem überraschten leisen Schnaufen entgegen nahm. Alle drei kannten sich lange und waren ungefähr im gleichen Alter. Die Art miteinander umzugehen war typisch für diesen Landstrich und daher in keinster Weise unangebracht. Jenna lächelte sogar verschmitzt, als freute sie sich über den kleinen verbalen Schlagabtausch. Vielleicht freut sie sich aber auch nur Bilgar zu sehen, oder über seine unverhoffte Hilfe, wer wusste das bei ihr schon so genau. Sie war mal stürmisch, dann sanft und wandelbar wie Ventha. Gerade der Hunde-Vergleich ließ sie schelmisch grinsen, auch wenn sie Bilgar sofort korrigierte:
„Meinst du nicht: **..., dass man den Wolf nicht essen soll, der den Schlitten zieht?**“
Natürlich wusste sie, dass Schneeblick damit ihren Umgang mit ihrem Bruder gemeint hatte.
Und obwohl Bilgar in sein trautes Heim einkehren wollte, entschloss er sich, nicht noch eine Chance auf einen geselligen Abend verstreichen zu lassen. Seine Mutter würde ohnehin bereits im Bett liegen und sich bei den abendlichen Temperaturen unter drei dicke Felle kuscheln. Recht hatte sie, aber Abseits des Willens eines Umtrunkes, musste Bilgar aus der Kälte heraus. Es hatte also durchaus auch einen praktischen Nutzen seine Hilfe wortkarg und harsch anzubieten.
„Ich werde nie verstehen, wieso du dich von deiner Schwester immer wieder so einspannen lässt?“
, fragte der junge Mann den riesigen Jan und klemmte das Fass unter die Achsel. Jan grinste nur und balancierte das Gewicht auf seinen Armen neu aus.
„Vielleicht singt sie dir immer ein Ständchen und das wärmt dein Herz.“
, griente er breit und feixte durch seinen mit Schnee bedeckten Bart zur jungen Frau herüber.
„Oder Ventha selbst fürchtet ihre Waldvogelstimme schmelze das Eis von den Bäumen und lässt ihr deswegen Glück zukommen.“
Jenna zog die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und schien noch zu überlegen, was sie von seinem seltsam klingenden Kompliment halten sollte, wenn es denn eines war, oder wartete schlicht auf das was da noch kommen würde. Sie kannten sich recht gut und meistens erwartete sie von Bilgar die ein oder andere Spitze.
„Ich lehne mich mal aus dem Schlitten und vermute euer Vater wartet auf die Ware. Gehen wir oder warten wir lieber bis Jenna Brüste gewachsen sind?“
, lachte er etwas, stieß die junge Frau an, der der Mund aufgeklappt war und ihn tatsächlich einmal sprachlos anstarrte. Doch der Schock würde nicht lange anhalten und so ging er wohl weißlich schnell ein kurzes Stück rückwärts. Mit etwas mehr Ernst in der Stimme fügte Bilgar noch hinzu:
„Und lass den Sack nicht fallen, Jenna, Mehl und Wein … wäre unschön, wenn das nass wird oder zerbricht!“
Der Wind peitschte nun über den Dächern und wehte die Wolfsgugel von Bilgars Kopf. Trotzdem konnte man das weiß seiner Zähne sehen, er war froh während so einer Nacht seine Freunde zu treffen, denn so etwas verhieß stets Gutes.

Er hatte sich gerade umgedreht um die Taverne Immerdurst anzusteuern, da traf ihn ein Schneeball am ungeschützten Hinterkopf. Er konnte gerade noch das Fass fest halten. Hinter ihm erklang durchaus melodisch, aber voller Zorn Jennas schöne Stimme:
„Was heißt hier **bis mir Brüste gewachsen sind**?! Ich hab sehr wohl Br....“
Weiter sprach sie nicht, aber ihr Anblick war zum Lachen. Mit hoch rotem Kopf stand sie mit vor eben jenen erwähnten Organen verschränkten Armen da und begriff gerade, dass sie auf Bilgars Necken rein gefallen war. Sie presste wütend die Kiefer aufeinander und zog die Lippen zwischen die Zähne. Ihre Schläfen pulsierten und ihre Augen funkelten wie die stürmische See. Selbst in dem abendlichen Schneetreiben und dem wenigen Licht der Lampen leuchteten ihre Augen wie Sterne. Jan sah zwischen seiner Schwester und seinem Freund ratlos hin und her um murmelte leise:
„Sollten wir nicht langsam...“
Er sah seine Schwester etwas länger an und begann zu grinsen. Eilig schnappte wankte er unter der Last der größeren Fässer los und rief noch:
„Bilgar, komm!“
Schneeblick begann zu ahnen, dass das seine Worte noch ein Nachspiel haben könnten und beschleunigte lieber seine Schritte. Hinter sich hörte er sogleich ein:
„Hey, wartet auf mich!“
und das Rascheln, als Jenna seine Habseligkeiten einsammelte, die sie abgestellt hatte um ihn zu bewerfen. Jenna war mit ihren 19 Sonnenwenden etwas jünger als Bilgar und auch ihr Verhalten, wie dass seinen Gegnern Schneebälle an den Kopf zu werfen, mochte von Temperament und einer gewissen Unreife zeugen, doch sie hatte ein gutes, starkes Herz, dass ihren Bruder immer in Schutz nahm, wenn andere sein schlichtes Gemüt belächelten. Auch mit Bilgar hatte sie sich schon angelegt und sie war meisterlich darin, andere mit ihrem Tablett zu vermöbeln. Sie konnte es auch hervorragend werfen, wie er schon schmerzlich fest gestellt hatte. Gut, dass sie es nicht dabei gehabt hatte.

(Bilgar weiter bei: Taverne von Ulmgard Immerdurst)
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