Die Jagd

Der Wald wächst wie ein natürlicher Schutzwall um die Stadt Mantron. Die Bäume sind sehr widerstandsfähig und bieten neben Holz auch Zuflucht für einige Tiere dieser Gegend, die von den Mantronern gejagt werden.
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Die Jagd

Beitrag von Baltos » Sonntag 19. August 2012, 21:20

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Baltos lag verdeckt im Schnee, von Weitem wie von Nahem war er nicht zu erkennen. Er hatte sich mit seinen bloßen Händen eine Kuhle in den Schnee gegraben und sich dann wieder mit ihm zugedeckt, wie mit einer kalten Decke. Seine Hände hatten ein paar Hautfetzen verloren, waren sie doch durch den kalten Schnee aufgeweicht und somit anfälliger für Schnittwunden als sonst. Innerlich machte sich der junge Mantroner eine Randnotiz das er sich demnächst ein paar Handschuhe besorgen sollte. Wollte er nicht schon in jungen Jahren solch vernarbte Hände haben wie ein alter Mantroner, der den Tod schon die Tür öffnete. Eigentlich war Baltos nicht eitel was sein Aussehen betraf. Na gut! Er legte eigentlich schon viel Wert auf sein Aussehen, was aber wohl eher einen praktischen Nutzen hatte als einen Kosmetischen. Ein starker Körper konnte länger in dieser Eiswelt überleben, als ein Schwacher. Doch vielleicht mochten die Frauen im Dorf ihn nicht, weil er so oft verletzt wurde.
Er schüttelte diesen letzten Gedankengang ab, der so gar nicht zu ihm passte, und konzentrierte sich wieder auf die Jagd.
Seine Atmung war ruhig und sein Blick war starr auf den Käfig gerichtet, den er ungefähr 50 Meter entfernt von sich platziert hatte. Der Köder, eine tote Maus aus den Lagerhäusern, dampfte und der Geruch von Blut lag in der Luft. Diese kleinen Geschöpfe fand man in Mantron so gut wie immer in den Lagerhäusern, wo die Nahrung gelagert wurde. Der Jägerssohn hatte nur kurz im Dunkeln eines der Lagerhäuser warten müssen und die erste Maus war ihm über den Stiefel gekrabbelt, ein schneller Tritt und das Geschöpf war tot und würde seinen Zweck erfüllen.
Baltos hatte die Maus vom Rumpf an aufgeschnitten und die Organe etwas herausgenommen. Als er die frische Spur von einen Schneefuchs entdeckt hatte. Der Duft dieses toten und noch warmen Köders sollte ausreichen um das scheue Tier anzulocken.
Eigentlich ein Jammer das er dieses Tier nicht als Trophäe mitnehmen konnte, hatte er doch eigentlich eine Rechnung mit dieser Spezies offen. Doch so groß auch seine Abneigung gegen die Füchse Ersas waren, er würde den Schwur nicht brechen, auch wenn gerade der Schneefuchs in seine Falle ging, der ihn das Augenlicht gekostet hatte.
Wieder einmal zog der Wind seine Bahnen durch den Wald begleitet von einem pfeifenden Geräusch, das durch die schneebedeckten Blätter entstand. Der Wald war für ihn so vertraut wie sein eigenes Bett, schon als Kind hatte er in ihm gespielt. Die alten Bäume standen hier und trotzten den eisigen Temperaturen und trieben grüne Blätter, die man nicht sehen konnte, da sie immer vom Schnee bedeckt waren. Die Bäume waren wie die Mantroner: stark, unbeugsam und hielten dem Wetter zu jeder Zeit stand.
Die Zeit verstrich und nichts passierte, als Jäger musste man lernen, wie man sich in Geduld übte, diese Lektion hatte ihm schon sein Vater in jungen Jahren beigebracht.
Sie waren damals Eis angeln. Gibt es etwas Langweiligeres als Angeln für einen Vierjährigen? Wohl kaum. Stundenlang saß man nur rum, sagte kein Wort und starrte in ein kreisrundes Loch, wo man nur schwarzes Wasser sah und eine Angelschnur, die sich nicht bewegte. Doch dann bewegte sie sich und der kleine Baltos zog an der Angel, zu früh, bevor der Fisch vom Harken durchbohrt wurde.
Sein Vater hatte damals gesagt: Siehst du Junge! Wenn du zu übereilt handelst, verlierst du deine Beute! Es ist die wahre Kunst des Jagens, den richtigen Zeitpunkt zum zuschlagen zu kennen. Sonst ist all das Warten umsonst!
Der Mantroner lag in seinem Schneebett und wartete. Die Kälte, die ihn umgab, war durch seine Rüstung kaum spürbar und er konnte so noch einige Zeit liegen bleiben. Nur einschlafen durfte er nicht, dies würde seinen Tod bedeuten. Er beobachtete den Wald und wartete auf ein Zeichen seiner Beute.
Zuletzt geändert von Baltos am Dienstag 28. August 2012, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. August 2012, 18:29

Die kurze Vorbereitung auf diesen Moment sollte noch seine Früchte tragen. Nachdem er seine wichtigsten Utensilien für die Jagd zusammengesucht hatte, insbesondere der Käfig war hierbei von äußerster Wichtigkeit, hatte sich Baltos in den Frostwald begeben, der ringsum das Dorf Mantron den kalten Wetterbedingungen Venthas trotzte.
Der umliegende Schnee bot für viele Tiere Schutz und Tarnung, und auch der junge Mantroner wollte die meterdicke Decke aus Eis dazu verwenden, seine Deckung deutlich zu verbessern. Als er sich allerdings im Schnee vergrub, musste er ziemlich nüchtern feststellen, dass ihm Handschuhe in dieser Situation wohl sehr nützlich gewesen wären. Machte das Eis seine Finger doch sehr kalt, empfindlich und ziemlich taub, nach kurzer Zeit.
Doch fernab von diesen Überlegungen und dem abwartenden jungen Mann, stand der Käfig mit dampfenden Köder in nicht allzu ferner Position. Dieser leckere kleine Happen, der sich als Maus herausstellte und einen ziemlich starken Geruch ausströmte, würde vermutlich nur die kleineren Genossen des Waldes anziehen. Eisfüchse vielleicht, im seltensten Fall sogar eine Eule.
Doch das war dem Mantroner gleich, die Größe des Fanges spielte bei dieser Tradition schließlich keine Rolle, es sollte einfach überleben und mit dieser Falle war dies mehr als gewährleistet. Seine Beute würde sogar einen kleinen Happen zu sich nehmen können, wenn es wieder frei käme, denn kein Bewohner dieser unwirtlichen Eislandschaft würde einen solch leckeren Happen einfach so verschmähen.
Lange Zeit passierte zunächst nichts. Hier und dort regte sich ein kaltes Lüftchen und die Bäume ringsum wiegten sich in stiller Einvernehmlichkeit nebeneinander her, doch mochte dieser Umstand dem geduldigen Jäger kaum etwas anhaben. Es gehörte schließlich zu den Grundsätzen eines Jägers, still und leise in aller Geduld zu warten. Dies mag in Ersa eine besonders schwierige Aufgabe sein, zerrten doch die kalten Temperaturen stark an Körper und Nerven, doch die Mantroner gewöhnten sich mit der Zeit auch an diese Bedingungen und konnten dadurch sogar lange Zeit überleben.
Schließlich und endlich wurden sie immer für ihre Ruhe belohnt, dafür sorgte Ventha immer wieder aufs Neue und so wurde auch Baltos Warterei endlich mit einer kleinen weißen Gestalt belohnt, die sich zaghaft aus den Schatten der Bäume herausschälte und schnuppernd auf die Falle zuging. Tatsächlich war es eben jener Schneefuchs, dessen Spur Baltos aufgenommen hatte. Für den Wettbewerb ein eher lausiger Fang, aber für die Zwecke des jungen Mannes reichte er vollkommen aus. Mit neugierigen Schritten näherte er sich der Falle, wurde immer mutiger und ließ sich letztendlich auf das Mahl ein. Sobald er sich der kleinen Maus hingab, schnappte die Falle zu und ließ den Fuchs ganz schön erschrecken. Mit hoher piepsender Stimme wimmerte er um sein Leben und blickte verwirrt umher. Das arme Tier kämpfte mit Todesängsten, doch es würde nicht lange dauern bis diese ausgestanden waren, dafür würde Baltos schon sorgen.
Unterdessen wurde aber auch der junge Mantroner beobachtet. Zwischen den dunklen Schatten der Bäume, die sich so herrlich von der weißen Schneedecke abhoben, lag ein schwarzer, ungemein großer Wolf auf einem hohen Stein und wanderte mit einem Auge über die Szenerie. Sein linkes Auge war erblindet, was eine gut zu sehende Narbe bezeugte, die sich quer über jenes zog, und doch machte ihm dies nichts aus. Sein stahlgraues, gesundes Auge musterte den jungen Mantroner nämlich wie ein wissender, alter Mann und doch ruhten seine Glieder nicht wie die müden Tatzen eines greisen Tieres, sondern vielmehr wie gefährliche Waffen, die zum Angriff bereit waren. Dieses Tier war nicht schwach, bei weitem nicht, doch zog er es für diesen Moment vor, nur der stille Beobachter zu sein. Erst als sich der Mantroner dem Käfig annahm und den kleinen Eisfuchs darin begutachtete, erhob sich dieses stattliche Tier und verschwand mit einem weiten Sprung in der Dunkelheit.
Baltos jedoch hatte nun andere Sorgen im Kopf. Nun da seine erste Beute gefangen war, musste er sich nun auf einen anderen Jagdstil einrichten, der das zu erlegende Tier töten sollte. Dabei musste es ein besonders großes und starkes Tier sein, ansonsten wäre der Wettbewerb mit Ornos vermutlich verloren. Doch welcher Spur sollte er folgen?
Der gesamte Wald stand ihm offen. Er könnte nun den leichten Hügel überqueren, der soeben noch vom schwarzen Wolf in Besitz genommen wurde, andererseits könnte er aber auch den undeutlich zu sehenden Pfad auf der linken Seite von ihm benutzen. Die dritte Möglichkeit befand sich auf der rechten Seite, die tiefer in den Wald zu führen schien und keinen sicheren Pfad beinhaltete.
Egal wie sich Baltos auch entscheiden würde, mit aller Sicherheit würde er auf irgendeinem Weg auf sein nächstes Beutetier treffen. Und egal wie gefährlich, blutrünstig oder tollwütig es auch sein mochte, der Jäger würde sich diesem Biest stellen. Komme was da wolle.
Und da Baltos ein besonderer Liebling Venthas zu sein schien, seine Vergangenheit konnte diese Theorie schließlich nur bestätigen, konnte er nur auf etwas ganz Besonderes treffen. Da konnte er sich ziemlich sicher sein.
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Dienstag 28. August 2012, 18:37

Einige Zeit verstrich bevor sich etwas im Wald regte, außer dem Schnee, der auf den Boden rieselte.
Zwei kupferfarbende Augen linsten aus einem Gebüsch in Richtung des Käfigs, in dem der Kadaver der toten Maus noch leicht dampfte. Das Geschöpf beobachtete zuerst die Umgebung, ob sich auch kein Feind in der Nähe aufhielt und seine Ohren kreisten dabei, wie Antennen, im Kreis.
Baltos lag ruhig in seinem Schneeversteck und beobachtete. Jetzt hieß es ruhig bleiben und sich unter keinen Umständen bewegen, denn das Gehörorgan dieses scheuen Wesens war gut ausgeprägt.
Zuerst kam eine lange weiße Schnauze zum Vorschein, die Nase zog eifrig die Luft ein und als es sich sicher war, dass es keine Gefahr in der näheren Umgebung gab, kam ein kleiner Schneefuchs zum Vorschein.
Auf dem Gesicht des jungen Mantroner bildete sich ein Lächeln, er hatte die Spur richtig eingeschätzt, die er vor einer Stunde entdeckt hatte.
Der Schneefuchs indessen begann sich langsam in Richtung des Käfigs zu bewegen. Zaghaft untersuchte er diesen seltsamen Gegenstand, der dort auf der Lichtung stand, seine Nase stupste mehrere Male gegen den Käfig, sein Kopf passte nicht durch dieses Gitter. Er umrundete die Falle und blieb vor der Öffnung stehen, wieder einmal lauschte er in den Wald, doch hörte er nichts. Er streckte sich soweit er konnte durch die Öffnung, kurzzeitig wurde Baltos nervös, dass der Fuchs die Beute erreichte ohne in den Käfig zu gehen, doch dem war nicht so. Das kleine Wesen war sich sicher, dass es dieses Festmahl ohne Angst verspeisen konnte, in diesem seltsamen Gegenstand und betrat den Käfig. Es biss gerade in die Maus als die Käfigtür laut scheppernd hinter ihm zuviel.
Sofort begann der Schneefuchs um sein leben zu wimmern und zitterte am ganzen Köper.
Nun war der Zeitpunkt für den Jäger gekommen sich aus seinem Versteck zu erheben, wie ein Bär der aus seinen Winterschlaf erwachte erhob sich Baltos aus den Schneemassen. Der Schnee fiel von seinen Körper in dicken Brocken herab. Das Geschöpf im Käfig wurde bei diesem Anblick nur noch ängstlicher und warf sich mit all seiner Kraft gegen die Stahlrohre, doch es half nichts.
Der Mantroner lief ruhig in die Richtung seiner Falle, der schwarze Wolf der dieses ganze Szenario, wie es schien, in Ruhe beobachtete, war Baltos nicht entgangen. Dieses anmutiger Tier war dem Auge des Jägers nicht verborgen geblieben. Die beiden blickten sich für einen Moment an, der Mantroner war fasziniert von diesem Geschöpf und ignorierte das zappelnde Etwas im Käfig. Die Kraft, die dieser Wolf ausstrahlte mit seinem einen Auge, genau wie Baltos, lies ihn einen Schauer über den Rücken laufen. Er fühlte sich als würde er in seinen Seelenspiegel blicken, ein Wesen genau wie er, verletzt auf dem einen Auge und trotzdem noch stärker und größer als seine Artgenossen und es jagte allein. Der Jäger gab ihm den Namen Geri was in der Sprache der Mantroner soviel hieß wie gierig. Das Fiepen vom Schneefuchs wurde immer drängender und lenkte die Aufmerksamkeit von Baltos wieder auf ihn, er musste sich förmlich von diesen Schwarzen Wolf losreißen und als sich der Jäger wieder mit seiner Beute beschäftigte verschwand der Wolf im Dickicht des Waldes, so als wäre ihr Gespräch über die Augen beendet.
Der Mantroner begutachtete das verängstige Wesen im Käfig und öffnete die Tür.
„Los hau ab und nimm deine Maus mit!“
Das musste man dem Schneefuchs wohl nicht zweimal sagen, so schnell ihn seine zwei Pfoten tragen konnten sprang er aus der Öffnung. Baltos schüttelte kurz den Kopf und griff in den Käfig und nahm die Maus heraus.
„Hey! Du hast da was vergessen“
Die Maus flog im Hohen Bogen den Fuchs hinterher, wie dressiert schnappte dieser das tote Tier in der Luft mit seiner Schnauze und verschwand im nächsten Gebüsch.
Die Falle würde Baltos bei seiner nächsten Jagd nur behindern, er schloss die Käfigtür damit nicht ungewollt ein Tier ihn ihr gefangen wurde und blickte noch einmal in die Richtung wo vorher der Wolf gesessen hatte.
Haros warst du das im Körper dieses Wolfes oder warst du der kleine Fuchs?
Er glaubte daran dass es nach dem Tod so etwas wie eine Wiedergeburt gab und dies war auch der Grund warum er am Todestag seines Freundes das Leben des ersten Tieres, dass er fing, verschonte.
Schon lange glaubte er nicht mehr daran das Haros den Sturz und die eisigen Fluten überlebt haben könnte, denn wenn dem so wäre, hätte sein Freund schon längst den Weg nach Hause zurück gefunden.
Der Jägersmann wählte, ohne groß nachzudenken, den rechten Weg und schlug sich immer tiefer in den Wald.
Dieser wurde immer dichter und die Dunkelheit nahm langsam zu, Baltos blickte kurz in Richtung Himmel um sich zu vergewissern wann die Nacht anbrechen würde. Er hatte noch ein paar Stunden bevor die Nacht anbrach, doch wollte er erst umdrehen wenn er eine respektable Jagdtrophäe hätte.

Die Bäume standen jetzt immer dichter und der Mantroner musste sich mehrere Male zwischen ihnen hindurch zwängen. Vorsichtig lief er durch das Dickicht des Waldes, immer darauf bedacht, gegen den Wind zu laufen, damit seine Beute keine Witterung von ihm aufnehmen konnte. Den Speer hatte er wurfbereit in seiner rechten Hand und sein Blick suchte den Boden nach einer verlockenden Fährte ab. Er fand einen Wildwechsel, wo es mehr als reichlich spuren gab von Rehen, Hasen, Füchsen und auch vereinzelt Schneehühnern, doch war Keines von ihnen etwas Besonderes, womit man sich brüsten konnte. Nur die Spuren verwirrten ihn, eigentlich fand man bei einem Wildwechsel Spuren, die in sämtliche Richtungen zeigten, nur hatten sich alle Tiere des Waldes in eine Richtung bewegt und das ziemlich schnell, wie er an den tiefen Abdrücken feststellen konnte.
Vor irgendetwas mussten sie geflohen sein, nur vor was?
Ein Rudel Wölfe würde zwar die meisten Tiere verscheuchen ab doch nicht den halben Wald!
Verwundert und grübelnd blickte sich der Jäger um, ihn war schon vor einer Weile diese drückende Atmosphäre aufgefallen, doch hatte er sie nicht weiter beachtet, aber jetzt löste sie bei ihm eine Gänsehaut aus, wie zuvor der Blickkontakt mit dem Wolf Geri.
Es gab keinen laut im Wald, nirgends knackte ein Ast, kein Vogel der in dieser eisigen Region lebte, lies einen Laut von sich und nirgends lief eins dieser dümmlichen Schneehühner herum die immer wie aus dem Nichts auftauchten.
Was war hier los?
Ein Heulen lies ihn zusammen zucken, sofort blickte der Jäger in die Richtung aus der es kam. Konnte dies vielleicht Geri sein der sein Rudel suchte? Normaler Weise würden in den nächsten paar Minuten andere Wölfe den Ruf erwidern, doch dem war nicht so.
Baltos überlegte nicht lang und begab sich auf den Weg in die Richtung, aus der das Heulen kam, was zufällig auch die Richtung war aus der alle Tiere des Waldes sich fortbewegt hatten.
Der Mantroner war froh das er den Käfig auf der Lichtung stehen gelassen hatte, denn das klimpernde Geräusch, was es beim Tragen verursacht hätte, würde ihm den Überraschungsmoment.
Noch einmal hörte er den Wolf heulen und wieder gab es keine Antwort. Diesmal war der Ruf fordernder, als ob er nach Baltos rief, damit er ihm helfen sollte.
Er bemerkte die frischen Spuren von einem Wolf, der gerade vor ein paar Minuten ebenfalls diesen Weg genommen hatte. Dies mussten die Abdrücke vom Wolf sein, den er gerade rufen gehört hatte und dann sah er einen anderen Abdruck in der Schneedecke.
Von der Größer her würden seine Füße zweimal in diesen passen, doch waren es keine menschliche Abdrücke und für einen Eisbären hatten sie zwar die richtige Größe, aber die Form war anders und diese Tiere gingen nicht in den Wald, so weit entfernt vom Wasser!
Der Jäger konnte diese Spur nicht einordnen, sein Griff verhärtete sich um seinen Speer. Vorsichtig folgte er weiterhin der Spur von diesen seltsamen Wesen, was wahrscheinlich von dem Wolf verfolgt wurde.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Montag 3. September 2012, 22:13

Das eisige Reich des Schnees war schon seit seiner Entstehung ein beängstigend ruhiger Ort. Hier gab es niemals ein Erwachen aus der kalten Eisstarre, die Ersa so hartnäckig umklammert hielt. Die eisige Kralle des Todes war hier für jeden zu spüren der wärmere Temperaturen gewohnt war. Zumal alles Leben sich versteckt hielt und feierliche Stille diesen Ort heimsuchte wie eine düstere Vorahnung auf einem verfluchten Friedhof.
Baltos tat mit seiner Falle daher keinen dummen Schachzug. Das Tier, welches sich als neugieriger Schneefuchs herausstellte, wurde sofort vom Duft des Blutes angelockt und witterte eine gehaltvolle Mahlzeit. Der Wolf jedoch, erhaben ruhend und wissend beäugend, machte sich nicht viel aus dieser mickrigen Portion. Ein Tier in seiner Größe brauchte schon mehr um wirklich angelockt zu werden, warum also beobachtete er den Jäger so genau bei seiner Arbeit?
Sein schwarzes Fell glänzte prächtig und sein stahlgraues Auge zeugte von bester Gesundheit, möglicherweise hatte er sich einfach diesen Ort ausgesucht, um sich ein wenig auszuruhen. Doch nein, er musterte Baltos ganz genau, seine Handlungen schienen ihn mehr zu interessieren als jegliche Beute auf seinem Weg. Was ging in diesem wuchtigen Kopf vor? hatte er überhaupt Hintergedanken, und wenn ja, würden sie von Nachteil für den jungen Mantroner sein?
Baltos hätte nur raten können was es mit diesem Tier auf sich hatte. Gebannt , ja beinahe gefesselt, von dessen Anblick, vergaß er beinahe seinen Schneefuchs, dem er noch in aller Gnade, und zur Wahrung seiner Tradition, die Freiheit schenken wollte.
Augenblicke verstrichen in denen sich diese beiden Wesen, die sich auf gewisse Weise ähnlich waren, einfach nur anblickten und sich dadurch einen Respekt entgegenbrachten, der zwischen Tier und Mensch eigentlich recht selten war. Es schien als würde der Wolf ihm versprechen,
wiederzukehren, zu einem günstigeren Moment, an dem sie sich beide einander widmen konnten. Lag vielleicht auch etwas herausforderndes in diesem grauen Seelenspiegel? Würden sich die beiden Jäger beim nächsten Mal möglicherweise als Feinde gegenübertreten?
Man müsste schon ein Wolfshybrid sein, um das herauszufinden, aber der Mantroner gab sich mit der Situation zufrieden und grübelte nicht weiter darüber nach. Er kannte sein Glück gut, er würde diesen faszinierenden Wolf schon wiedersehen, doch wann dies geschehen würde stand noch in den Sternen.
Zunächst jedoch galt es ein besonders starkes und großes Tier zu erlegen, womit er Ornos beeindrucken konnte. Eine äußerst schwierige Angelegenheit, denn diese kleine Falle würde dafür gewiss nicht ausreichen. Vielmehr würde sie ihn bei seinem nächsten Beutezug nur behindern.
Aus diesem Grund ließ der den Käfig auf der Lichtung.

Sein Weg führte ihn immer tiefer und tiefer in den Wald. Nur dort würde er fündig werden, so wagte sich doch kaum eine Menschenseele in diesen Teil des Forstes. Ob es an den Geschichten liegen mochte, oder an der Tatsache dass hier wirklich alle Bäume dichter aneinander gedrängt standen, der junge Mantroner bekam zunehmend den Eindruck, dass es mit jedem Schritt ein wenig dunkler um ihn wurde. Trotz des hellen Schnees, der hier überall präsent war, ließen die Baumkronen kein graues Licht vom Himmel herab zu. Sie schienen so dicht nebeneinander zu stehen, dass man meinen mochte, sie täten dies aus Angst.
Auch der Wind schlug ihm stetig entgegen, was eigentlich ein taktischer Schachzug seiner Jagdstrategie war, doch wenn ein Geschichtenerzähler hiervon berichten würde, so läge er dieses Naturverhalten als verscheuchende Bewegung aus, die Baltos davon abhalten wollte weiter zu gehen. Jeder in Mantron wusste, was dort im Herzen des Waldes auf ihn lauerte und so wäre eine solche Interpretation seiner Geschichte im Kreise seines Volkes kaum verwunderlich.
Der junge Jägersmann bahnte sich dennoch seinen Weg durch das bedrückende Dunkel und fand alsbald einen breitgefächerten Wildwechsel, der zwischen Hühnern und Rehen so ziemlich jedes Tier des Waldes abdeckte. Auffallend daran war, dass die Spuren besonders tief im Schnee lagen und so ziemlich alle in die gleiche Richtung führten, nämlich in jene aus der Baltos gerade gekommen war. Sie führten aus dem Wald hinaus!
Ein beängstigender Gedanke, in Anbetracht der Geschichte die man sich in Mantron erzählte. Der Jäger brauchte nur an das verängstigte Gesicht Broms zu denken, um einen Grund für diese auffälligen Spuren zu finden.
Auf einmal fiel ihm die bedrückende Stille auf, die sich um ihn herum ausgebreitet hatte. Der Wind wehte zwar noch heiter in sein Gesicht, doch ansonsten trug er keinen Laut an seine Ohren. Der Wald hielt den Atem an, alles Leben schien aus seinen erkalteten Adern gewichen zu sein. Fehlte nur noch …
… Ein Heulen.
Der Mantroner zuckte zusammen, ehe er sich umblickte. Das Heulen kam unbestreitbar aus jener Richtung, die alle anderen Tiere zu meiden schienen, doch welcher einsame Hund rief dort vergeblich nach seinem Rudel?
Geri, in Gedanken hatte Baltos dem Tier bereits einen Namen gegeben, was ihn so furchtlos begutachtet hatte, könnte möglicherweise der Verursacher dieses Lautes sein, doch sicher war er sich da nicht. Seine Neugierde packte ihn und so festigte er seinen Griff um den Speer und machte sich auf die Suche nach diesem scheinbar letzten Tier.
Erneut schallte sein Ruf durch den Wald, langsam wurde dem Jäger klar, dass es gar kein Rudel gab, was ihm hätte antworten können. Handelte es sich hierbei tatsächlich um Geri, dem einsamen Wolf? Rief er tatsächlich nach ihm, dem einäugigen Jäger Baltos?
Sein geschulter Blick richtete sich auf die Spuren vor ihm, er erkannte im Schnee die markanten Hinweise auf die Pfoten eines Wolfes. Jenen wollte er folgen, waren sie doch sein einziger Hinweis auf den Verbleib des rufenden Tieres. Doch dann lenkte eine weitere Spur seine Aufmerksamkeit auf sich. Diese war um einiges Größer als die gewöhnlichen Abdrücke eines Waldbewohners und von der Form her viel zu skurril, um in die Muster zu passen, die Baltos immer präsent in seinem Gedächtnis aufbewahrte. Es waren keine Pfoten, allerdings auch keine Pranken, Hufe schon gar nicht, was mochte es also sein, was sich da so schwer durch den Wald bewegte?
Geschichtenerzähler hätten darauf nur eine Antwort: die Eisbestie.
Aber der junge Mantroner befand sich nicht in einer Schenke mit willigen Frauen und grölenden Männern sondern in einem sehr dunklen Teil des Waldes, der von so ziemlich jedem Mantroner gemieden wurde, den wahrscheinlich tapfersten Menschen Celcias!
Sich hier und jetzt mit solchen Märchen Angst einzujagen, würde den Jäger nicht sehr weit bringen, von daher blieb er lieber vorsichtig und festigte seinen Griff um den Speer lieber noch ein wenig mehr, als wimmernd und jammernd klein bei zu geben.
Außerdem gab es da etwas, was ihn zu rufen schien. Wieder ertönte dieses Heulen und bestärkte ihn damit nur in seiner Annahme. Dieser Wolf schien Hilfe zu brauchen und Baltos war der einzige, der ihm diese Hilfe geben konnte. Immer weiter trugen ihn seine Schritte, immer dichter rückten die Bäume zusammen. Das Grau des Himmels war fast nicht mehr zu sehen, als der junge Jäger einen Ort erreichte, der einem einfachen Menschen die Nackenhaare aufgestellt hätte.
Vor ihm breitete sich das breite Gelände eines verlassenen Friedhofes aus, dessen umrandende, niedrige Mauer, teilweise noch immer den Ruheort der Toten begrenzte. Viele Mauerteile waren allerdings schon dem vielen Schnee und dem Wandel der Zeit zum Opfer gefallen, denn im Großen und Ganzen, fanden sich hier nur Ruinen.
Das ehemals eiserne, feste Tor aus Stahlgittern, war bereits verrostet und nutzlos in den Schnee gesunken, nur noch die Hälfte saß in den Angeln. Eine kleine Berührung würde vermutlich sogar genügen, um auch dieses Eisentor gen Boden krachen zu lassen.
Abgesehen von dieser bröckeligen Umrandung, gab es auf diesem Friedhof nur wenig zu sehen. Einzelne Grabsteine guckten hier und dort zwar noch aus ihrer dicken Schneedecke hervor doch ansonsten lagen hier bloß kleine Gesteinsbrocken und Trümmer herum, die ehemals wohl dem Zweck gedient hatten, die Gräber besonders prunkvoll erscheinen zu lassen.
Auffällig war ebenso der schmale Weg, der sich trotz des Schnees sehr gut vom Rest des Friedhofes abhob. Die Spuren, denen Baltos so hartnäckig gefolgt war, führten direkt auf diesem Pfad entlang und mündeten in einer großen, alten Kapelle, die genau genommen viel mehr als Ruine hätte bezeichnet werden können.
Um diesem unheimlichen Ort noch die Krone aufzusetzen, herrschte hier absolute Totenstille, selbst der Wind hatte aufgehört dem Jäger um die Nase zu wehen. Keine Krähe ließ sich blicken.
Auf was hatte sich Baltos da nur eingelassen?
Die verwahrlosten Trümmer eines ehemals recht gut besetzten Friedhofs schienen ihn aus stummen Augen heraus anzustarren. Ihre Schriften waren längst unleserlich geworden, so konnte der Mantroner nur vermuten, wer hier alles begraben gewesen war. Doch noch interessanter war die Kapelle, die zwar teilweise zerstört aber dennoch guten Schutz vor dem Schnee bot. Innen war es zwar finster wie die Nacht, aber Baltos konnte erkennen, dass dort drinnen keine Flocke Schnee lag. Es schien trocken zu sein.
Doch was war das?
Eine Bewegung war durch sein Blickfeld gehuscht. Direkt in der Kapelle! Womöglich hatte sich dort drinnen das ein oder andere Tier zurückgezogen, um dem ewig weißen Teppich in der Wildnis zu entgehen. Aber dann kam von dort ein so fremdartiges und monströses Geräusch hervor, dass es jedem erwachsenen Mann die Beine hätte erstarren lassen. Es klang wild wie ein Löwe und kreischend wie das klagen einer wütenden Harpyie. Hoch und Tief, dröhnend und klirrend zugleich.
Ein Laut wie aus einer anderen Welt.
Man mochte meinen, dass einem rote Augen aus dem Dunkel der Kapelle heraus an stierten, doch das konnte nur ein Trugschluss sein.
… oder etwa nicht?
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Samstag 15. September 2012, 12:01

Langsam setzte der Mantroner einen Fuß vor den anderen, er war jetzt so tief im Wald, wie noch nie zuvor in seinem leben. Umso weiter er sich in den Wald schlug, desto mehr beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Die alte Ursula erzählte den jungen Kindern Mantrons immer Schauergeschichten über diesen Teil des Waldes. Sie war so gut darin, dass sich keiner von ihnen auch nur im Entferntesten getraut hätte, diesen Ort zu betreten und Baltos befand sich gerade genau dort, wo ihre Geschichten immer begonnen hatten.
Er hätte den Speer nicht noch fester greifen können, denn die Knöchel seiner Hand kamen schon leicht zum Vorschein, doch wäre es möglich gewesen hätte er es getan. Der Jägersohn schlug sich weiter an den Bäumen vorbei und folgte der Spur. Vom Wolf hatte er nichts mehr gehört und langsam sorgte er sich um Geri. Wenn er der Canide war, den Baltos gehört hatte, dann war dieses Tier nun still, genau wie die Umgebung, in der er sich befand.
Jeder seiner Schritte knarrten im Schnee und das war auch das einzige Geräusch. Der Wind, der ihm entgegenwehte nahm langsam ab, irgendwann war es windstill. Der Jägersohn konnte sich nicht daran erinnern, dass es jemals windstill war, es wehte eigentlich immer Wind in dieser Region.
Wie aus dem Nichts trat eine Lichtung in sein Blickfeld, damit hatte er nun eigentlich gar nicht gerechnet, da die Bäume immer dichter wurden, seit er sich mit der Verfolgung der Spur beschäftigt hatte. Doch dort war eine! Keine 20 Meter von ihm entfernt, sein Gang beschleunigte sich leicht und er trat aus dem Dickicht hervor um etwas zu erblicken was ihm gar nicht gefiel: ein Friedhof!
Die Mauer, die die Gräber vor den Tieren schützen sollte, stand noch zum Teil da, nur hier und dort hatte die Natur sich das zurückgeholt, was ihr gehört hatte.
Das Tor hing nur noch zur hälfte in den Angeln, der klägliche Rest dieser einst so massiven Stahlvorrichtung lag im Schnee und rostete vor sich hin. Ein paar Gräber waren noch zu sehen, andere wurden von der weiße Masse verdeckt
Die Spuren führten direkt zu einem Pfad, der zum Teil zu der eingestürzten Kapelle führte.
Als er das Gebäude aus der Ferne erblickte, fiel ihm die Geschichte von der alten Ursula wieder ein.
Die Kinder des Waldes!

Baltos fand diese Geschichte schon als Kind am Schlimmsten. Vor allem dieses Gedicht, was ihn die Alte immer zuerst erzählt hatte, bevor sie mit der Geschichte begann, konnte er schon nicht leiden:
Hier ruhen die Kinder des Waldes,
schon lange gestorben, schon lange verloren.
Einst geliebt von Mutter und Vater
und nun sind sie fort.

Der Friedhof ist nun ihr Heim,
dunkel und kalt ist es dort.
Hier ruhen die Kinder des Waldes
Es ist Kalt!
Es ist Kalt!

Hintergangen und gemeuchelt,
Kalte Leiber,
kalte Trauer.
Sie weinen und bleiben dort.
Der Friedhof ist nun ihr Heim
und sie bleiben dort!

Ihre Eltern werden sie nicht finden
sie sind fort!

Nach dem sie dieses Gedicht in kalter und monotoner Tonlage erzählte, begann sie mit der Geschichte: „Vor langer Zeit als es noch keinen Schnee in diesem Teil der Welt Celcias gab, lebte einst ein Volk genau hier, wo wir gerade sitzen. Sie waren uns ähnlich und lebten bescheiden. Ihre Kinder spielten, wann immer es ihre Eltern erlaubten im Wald, das Lachen hallte durch die Bäume von diesen glücklichen Kindern. Manchmal konnte man es bis ins Dorf hören und die Eltern dachten sich nichts dabei. Kinder die spielen, lachen, dass wisst ihr genauso gut wie ich. Nur hörten die Eltern der Kinder nie richtig hin, es war nie das Lachen ihrer Kinder!
Nach einiger Zeit verschwanden alle Kinder im Wald und die Eltern wurden krank vor Sorge. Viele Väter machten sich auf die Suche nach ihren Söhnen und Töchtern, doch niemand fand sie.
Die Mütter weinten Tage, Wochen und Monate lang. Die Väter wurden verbittert und zornig, doch das Lachen hörte nicht auf. Es hallte aus dem Wald, doch die Eltern konnten niemanden finden. Eines Tages beschloss das ganze Dorf nach ihren Kindern zu suchen, mit Fackeln betraten sie den Wald. Die Rufe der Eltern wurde nicht erhört.
Außer dem Lachen, das nicht erstarb, sie riefen und riefen nach ihren Söhnen und Töchter, bis ihre Stimmen heiser wurden und sie nicht mehr in der Lage waren einen Laut von sich zu geben. Nun Lauschten sie endlich und dann hörten sie dass das Lachen, kein Lachen war, sondern eher ein Warnung:
„Sucht nicht nach ihnen, sie sind bei mir und wenn ihr mich findet, sind sie tot!“
Als sie diese Warnung verstanden waren sie alle aufgebracht, doch keiner kam auf die Idee, darauf zu hören. Sie suchten immer und immer weiter, bis sie inmitten des Waldes einen Friedhof fanden,. Überall lag Schnee auf dem Boden, obwohl es Sommer war, nur war der Schnee nicht weiß, sondern rot. Es war das Blut der Kinder, dass den Schnee gefärbt hatte. Nur fehlte von den Kindern jede Spur.
„Sie sind bei mir! Bei mir! Lasst uns in Ruh!“ Die Eltern konnte dieses Lachen nicht mehr hören. Lange suchten sie im Wald doch fanden sie nie ihre Kinder, nur das Lachen, das blieb.

Also denkt dran, geht nicht zu tief in den Wald, sonst findet die lachende Stimme euch! Wisst ihr, manchmal höre ich das Lachen aus dem Wald.“


Wenn die Alte dann diesen Satz gesagt hatte, begann ihr ältester Sohn, der sich vor den lauschenden Kindern versteckt hatte, ein Mark erschütterndes Lachen von sich zu geben und alle Kinder kreischten und rannten zu ihren Eltern.

Baltos hatte währenddessen er sich seiner Kindheit zurück erinnert hatte, den Friedhof betreten. Er blickte auf einige der Gräber, die noch nicht vom Schnee verschlungen waren.
Bei einem blieb er stehen, zwar konnte er nicht mehr den Namen lesen, doch das Alter war noch zu entziffern. Wer auch immer hier gestorben war, er war nicht älter als 10 Jahre gewesen. Er bekam eine Gänsehaut: „Bei Ventha! Ich hoffe die Alte hat sich die Geschichte nur ausgedacht!“
Der Einäugige blickte wieder zu der Kapelle, sie schien trotz ihres Zustandes Schutz vor dem Schnee zu geben und Baltos hätte sein letztes sehendes Auge verwettet, das dort etwas war.
Genau als er diesen Gedankengang hatte, wurde seine Vermutung durch einen Schrei, den der Mantroner noch nie in seinen Leben gehört hatte, unterstützt. Also habe ich mir doch nicht eingebildet, dass ich da eben gerade etwas lang laufen gesehen habe.
Der Jäger ging in Position, das eine Auge immer auf die Kapelle gerichtet, er würde einen Teufel tun dort hinein zu gehen, nach den Spuren zu urteilen, war das, was dort hinein gegangen war, mindestens so groß wie er und deutlich schwerer und in den Gemäuern würde Baltos nur schwer erkennen, was ihn angreifen würde und was noch wichtiger war: er wäre eingekesselt.

Der Jäger suchte sich einen Grabstein der noch gut intakt war, als er einen Stabilen gefunden hatte, stellte er sich davor, das Ende seines Speers stemmte er dagegen, die lange Metallspitze zeigte zur Kapelle. Er stand zu rechten Seite des Speers, seine rechte Hand hielt das hintere Ende fest und die Linke war ein Stück weiter vorn und sorgte dafür, das er in einem 45 Grad Winkel in die Höhe gerichtet war.
„KOMM RAUS UND ZEIG DICH!!!“, brüllte er diesem Etwas entgegen, was dort im Dunklen auf ihn lauerte.
Seine Atmung blieb ruhig und der Mantroner war bereit, sich dem zu stellen, was sich auch immer im Schatten versteckte. Zeig dich!

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Oktober 2012, 11:53

Kalt und finster war es hier am stillsten Ort des Waldes. Der Friedhof ruhte lauernd und beobachtete jeden Schritt den Baltos tat mit abwartender Bewegungslosigkeit. Niemand wagte es hier seine Stimme zu erheben, denn selbst die Tiere blieben stumm und verließen diesen Ort in hektischer Flucht. Diese Stille lud allerdings auch dazu ein, nachzudenken und sich über die eigenen Beweggründe klar zu werden. Wollte man diesen Ort wirklich betreten? Ihn mit seiner bloßen Anwesenheit entweihen und damit bösartige Flüche und Wesen anderer Welten heraufbeschwören?
Ein mutiger Mantroner wusste, dass dies nur Schauermärchen alter Weiber waren, die die Kinder erschrecken sollten. Auch Baltos fiel eine solche Geschichte ein, die nur zu gut in diese Szenerie passte.
Das Lachen der Kinder, was schon längst kein Lachen mehr war.
Tote lachten schließlich nicht.
War dies hier das Massengrab all jener Kinder, die vernachlässigt und vergessen wurden? Wurde hier das Blut zahlloser Unschuldiger vergossen?
Der junge Mantroner behielt seinen Mut, trotz dass er seine Muskeln anspannte und sich auf alles gefasst machte, was ihm hier begegnen mochte. Diese alte Geschichte war ein vergangenes Gräuel aus Kindertagen, das würde ihm nun doch nicht die Tapferkeit rauben. Also betrat er den Friedhof mit wacher Aufmerksamkeit und begutachtete die Überreste der längst vergessenen Grabsteine. Viele waren unleserlich geworden, andere in tausend Teile zerbrochen. Ein Grabstein jedoch hatte das Geburts- und das Sterbejahr des Toten noch bewahrt und ließ Baltos dadurch ziemlich erschrecken. Dort lag ein Kind begraben!
Unter Schnee und Eis, Erde und Stein, tief unter seinen Füßen lag der staubige Rest eines zehnjährigen Kindes und nur Ventha selbst mochte wissen, aus welchen Gründen es so früh aus dem Leben scheiden musste. Eine grausige Vorstellung gepaart mit der alten Gruselgeschichte in Baltos Kopf erweckten dessen Stimme, die nun über die Lichtung hallte. Seine Worte klangen dabei ungewöhnlich laut, inmitten diese stillen Landschaft, doch gleichzeitig wurde sie von der massigen Schneedecke um ihn herum verschluckt. Als versuche der Friedhof jeden noch so kleinen Laut zu unterdrücken.
Doch Baltos Worte blieben nicht ungehört, denn kurz darauf erklang der Schrei, der wie aus einer anderen Welt an seine Ohren drang und die gesamte Ruhe des Ortes zerriss. Als hätte dieses Geschrei die Natur um sich herum aufgeweckt, rührten sich nun auch wieder die Nadeln und Äste des Waldes, um einen eisigen Wind durch den Friedhof zu jagen.
Jetzt war das Versteckspiel der Bestie vorbei, der junge Mantroner machte sich bereit und suchte sich einen Standpunkt, der ihm genügend Sicherheit verschaffte, seinen Speer geradewegs in die Innereien der Bestie zu rammen. Seine rechte Hand hielt den Speer erhoben, während er seinen linken Arm ausstreckte und damit die Flugbahn seiner Waffe beschrieb. Nun war er bereit, sein Ruf sollte den Rest für ihn erledigen und das Monster aus seinem Versteck locken. Was würde wohl nun auf ihn zukommen? Der Wind legte sich erneut und das Geschrei der Kreatur verstummte abrupt.
Eine lange Zeit, wartete der Mantroner einfach nur, blieb dabei aber erstaunlich ruhig und geduldig, könnte dies doch ein Trick sein, um seine Aufmerksamkeit zu schwächen und seine Anspannung in zittrige Angst umschlagen zu lassen. Baltos blieb allerdings eisern und verharrte in seiner Position bis...
...eine Klaue erschien. Eine riesige Pranke krallte sich in die Überreste des Kapellen Eingangs und gaben in groben Zügen Aufschluss darüber, wie groß die Kreatur hinter dieser Kralle wohl war. Es hätte jeden normalen Menschen kalkweiß werden lassen, denn die Pranke war mindestens so groß wie Baltos gesamter Oberkörper. Ebenso erschreckend war die Tatsache, dass dessen Finger mit schwarzen scharfen Krallen versehen war, die den Schnee ringsum widerspiegelten und dadurch einen unheimlichen Glanz verkörperten. Der Rest der „Hand“ war weiß und mit dichtem Pelz versehen. Kurz darauf zeigte sich auch eine gigantische Pfoten im Kapellen Eingang, die mit ebenso schwarzen Krallen und ebenso weißem Fell versehen war, wie die vordere Hand. Sie krallte sich drohend in den Stein unter sich und ließ dadurch sogar einige Steinplättchen bröckeln. Es war durchaus abzusehen, dass dort ein riesiges Wesen auf Baltos lauerte und vermutlich keinen Spaß verstand. Wenn diese beiden Kontrahenten aufeinanderträfen, würde es ein schneller, harter Kampf oder ein langwieriges Unterfangen werden, was blutig und grausam für einen der beiden enden würde.
Doch plötzlich drang eine liebliche Stimme an Baltos Ohr, die sogar die Bestie in ihrer Bewegung verharren ließ.
„SCHLUSS DAMIT! WERF DEN SPEER NICHT!!“
Und auf einmal tauchte eine junge Frau in einfacher Bauernkleidung vor der Kappelle auf und spreizte ihre Arme. Sie musste aus dem Wald gekommen sein, machte aber nicht gerade den Eindruck, dass sie sich gut gegen die Kälte gewappnet hätte. Ihr Kleid war viel zu dünn, das konnte man von weitem sehen und ihre schlanken, blassen Arme blieben sogar frei von jeglichem Pelz oder Stoff. Sie passte ganz offensichtlich nicht hierher, stellte sich aber zwischen den Mantroner und die Bestie.
Seltsamerweise zog sich das Monster daraufhin in das Innere der Ruinen zurück und schuf dadurch vermutlich nur noch mehr Verwirrung.
„Verschwinde von hier! Du bist hier nicht erwünscht.“, gab die Frau von sich, fröstelte dann aber und ging in die Knie. Hatte sie Schmerzen, oder Kummer? Es sah wie ein leichter Zusammenbruch aus, und in dem wissen, dass hinter ihr wohl das gefährlichste Tier des Waldes lauerte, wurde dieser Anblick keineswegs angenehmer.
Plötzlich war es wieder still und der Friedhof wartete ab was Baltos nun tun würde. Die Bestie hatte sich kaum gezeigt, da tauchte auch schon ein weiteres Rätsel vor den Augen des Mantroners auf und konnte ihm gut und gerne als Gedankenstoff dienen. War die Situation vorher ziemlich unheimlich so verwandelte sich die Lage langsam in eine bizarre Szenerie, die nicht so leicht einzuordnen war. Was war da gerade passiert?
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Dienstag 9. Oktober 2012, 20:45

Baltos stand dort und wartete auf seinen Gegner, kein Lüftchen regte sich, kein Laut schallte aus dem nahen Wald. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm. Einige Zeit verstrich und nichts tat sich. Der Mantroner hatte mittlerweile seine Angriffsposition geändert und sich dazu entschieden, dem Wesen bei der erstbesten Gelegenheit, die sich bieten würde, den Sperr entgegen zu schleudern. Danach würde er zu seiner Axt greifen. Das Adrenalin im Körper des jungen Mannes begann zu kochen und war kurz davor über zu laufen. Das tat es dann auch, als sich die riesige Pranke des Wesens in die Überreste der Kapelle grub. Der Jägersohn wollte seinem Auge nicht trauen, das Ausmaß dieser Klaue war gigantisch. Allein die Krallen mit ihrer tiefschwarzen Färbung, waren so lang wie der Unterarm des Mantroners. Sollte sie ihn erwischen, würde er wahrscheinlich in Einzelteile zerfetzt. Das würde wohl der härteste Kampf ums Überleben von Baltos sein. Der Körper des Mannes stieß Wellen aus Adrenalin aus. Es überschwemmte ihn förmlich als auch noch die zweite Pranke zum Vorschein kam. Es konnte nur die Eisbestie sein, die sich dort versteckt hielt. Der Speer in seiner Hand wirkte fast lächerlich bei diesem Gegner. Wie groß würde sie sein, vier bis fünf Meter, oder noch größer? Wenn allein die pelzigen weißen Hände schon größer waren als Baltos’ Oberkörper. Heute würde wohl der Tag sein an dem er sich einen Namen verdiente oder bei dem Versuch sterben würde. Weglaufen war keine Option, der Wettkampf mit Ornos war beim Anblick seines Gegners schnell vergessen. Jetzt hieß es nur „Baltos oder die Eisbestie“. Der junge Mann war kurz davor seinen Sperr in die Mitte zwischen die beiden Pranken zu werfen, als eine weibliche Stimme ihn lautstark dazu aufforderte eben dies nicht zu tun.
Baltos blickte sie mit weitaufgerissenen Auge an und stoppte gerade so sein Wurf, als sie sich zwischen ihn und seinen Gegner mit weit auseinander gerissenen Armen stellte. Sämtliche Muskeln in Baltos Wurfarm traten hervor und mit seiner komplett angestauten Kraft ließ er die Sperrspitze in den gefroren Boden donnern. Der eisige Boden war so stark gefroren, dass zwar die Sperrspitze in ihn eindrang, aber der hölzerne Stab unter der Kraft von Baltos und der gefrorenen Erde zerbrach. Mit einem lauten Knall flogen die Holzteile auseinander und rieselten auf den weißen Untergrund. Wie konnte diese Frau wie aus dem nichts hier erscheinen, der Jägersohn hätte sie doch bemerken müssen? Und warum war sie hier? Der Friedhof war soweit abseits von Mantron und die Stadt der Eiselfen war sogar noch weiter weg! Was machte sie hier? Zur großen Verwunderung von Baltos zog sich auch die Eisbestie in die Kapelle zurück und verschmolz wieder mit der Dunkelheit. Ihre nächsten Worte waren eindeutig, er sollte von hier verschwinden und war nicht erwünscht. Die meisten wären wahrscheinlich dieser Aufforderung nachgekommen und hätten diesen Ort so schnell den Rücken zugewendet wie es nur möglich war. Doch nicht Baltos! Die Frau ging, kurz nachdem sie sagte er soll fortgehen, in die Knie. Erst jetzt fiel ihm auf, in welcher Aufmachung sie dort vor ihm hockte. Sie trug ein einfaches Kleid, das unter den Einwohnern Celcias nur die Unterschicht trug. War sie wahnsinnig? Es herrschten hier Temperaturen von -33°C, jeder der nicht richtig angezogen war, würde innerhalb von Minuten erfrieren. Wie konnte man nur so töricht sein? Der Beschützerinstinkt des Mantroners war sofort geweckt. Allen Hemmungen zum Trotz, die er gegenüber Frauen hatte, nahm er seinen Wolfsmantel ab und ging auf die Frau zu. Die Eisbestie die keine 20 Meter von ihnen entfernt war, hatte Baltos sicherlich nicht vergessen, doch hockte dort ein Mensch der seine Hilfe brauchte.
Erst als er ein paar Schritte auf sie zugegangen war, fiel ihm auf, wie schön sie doch war, wenn man das Kleid ausblendete, hatte diese Frau eine grazile Ausstrahlung die eigentlich nur Elfen besaßen. Die letzten paar Schritte waren überwunden und Baltos legte ihr vorsichtig den Mantel um den Körper. Für ihn reichte er gerade Mal um seinen Rücken zu bedecken, aber für die Frau war er so groß wie ein Pelzmantel. Der Mantroner half ihr wieder auf die Beine. Als er ihre Arme dabei berührte, spürte er wie Kalt sie war. Sie war komplett unterkühlt und brauchte dringend ein wärmendes Feuer sowie einen Ort, der sie vor den eisigen Winden schützte. Doch leider war die einzige Unterkunft, die solch einen Schutz bot, von einem Monstrum besetzt.
Jetzt erst realisierte der schüchterne Mann, dass er sie angefasst hatte und nicht einmal gefragt hatte ob er sie berühren durfte. Sofort ging er ein paar Schritte zurück und blickte entsetzt auf seine Hände und dann wieder zu der Frau.
„Entschuldigt… ich… wollte… euch… nicht zu nahe treten!“ Es war fast schon niedlich wie dieser große Mann diese Worte der Entschuldigung vor sich her stotterte. Doch es dauerte nicht lange bis er sich wieder gefasst hatte und die rüde und unüberlegte Art, wie er mit Frauen sprach, kam wieder zum Vorschein.
„Seit ihr vollkommen wahnsinnig, in dieser Aufmachung hier lang zu laufen!“ Ab und an blickte er in die Richtung der Kapelle um sich zu vergewissern, dass dieses Wesen nicht doch noch Lust auf einen Kampf verspürte. „Ihr könnt doch nicht in diesem Kleidchen hier lang laufen! Wen wollt ihr denn damit beeindrucken? Den Tod vielleicht? Sonst würde mir niemand einfallen, der sich über eine erfrorene Frau freuen würde!“
Er wusste nicht warum er so in Rage geriert, vielleicht war es das Adrenalin was immer noch in seinen Blutkreislauf seinen Bahnen zog.
„Wie kann jemand nur so töricht sein, wir müssen euch sofort ins Warme bringen und ihr braucht etwas zu essen, ihr seht komplett abgemagert aus.“ Baltos kannte nur die Frauen aus Mantron, diese waren zwar nicht fett aber besaßen genug Muskelpartien die sie kräftiger aussehen ließen. Wohingegen dieses Geschöpf nicht genug Muskeln in den Augen des Jägersohns besaß.
Die Frage warum sie überhaupt hier war und weshalb sie die Eisbestie beschützte, verließ nicht seine Lippen, sie spukte noch nicht einmal in seinen Gedanken herum. Er war viel zu aufgebracht über ihre mangelnde Kleidung für diese Region.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Samstag 17. November 2012, 10:41

Hintergrundmusik

Baltos Herz schlug wild!
„SCHLUSS DAMIT! WERF DEN SPEER NICHT!!“
Wie viel Machte einer so zarten Stimme inne wohnen konnte, wenn sie auf einen beschützenden Geist stieß! Wie lodernd die Glut seines Blutes eben doch noch gewesen war und wie besänftigend diese Worte ihn zügelten, sodass sie seinen Arm gestoppt hatten!
„Verschwinde von hier! Du bist hier nicht erwünscht.“
Baltos Blut brannte noch und er hatte seiner überschüssige Energie nicht anders kanalisieren können, als den Speer in seiner Hand in den hart gefrorenen Boden zu rammen. Überall lagen noch geborstene Holzsplitter herum, als er die schmächtige, dünne Gestalt im Bauernkleid vor sich sah, wie sie sich mutig zwischen ihn und das Monstrum stellte. Baltos Gedankengänge kamen der schnellen Reihenfolge von Reizen, die er wahrnahm, kaum hinterher. Die Eisbestie hatte sich zurück gezogen und die Frau war vor seinen Augen zusammen gebrochen. Er wusste nicht, woher sie so plötzlich gekommen war, noch warum sie so unglaublich dumm war sich vor dieses Ungeheuer zu stellen. Doch was fast noch schlimmer war, dass sie offensichtlich fast nichts an hatte! Nackte Arme schimmerten fahl und blass im matter werdenden Licht des Waldes in der Dämmerung. Der Himmel hatte sich zugezogen und erneut peitschte eine stärkere Windböe um Baltos Ohren. Kündigte sich vielleicht ein neuer Sturm an? Zu dieser dunklen Jahreszeit waren Schneestürme häufig. Sein Blick fiel erneut auf das Ärmel-lose Ding was sie am Leibe trug. Der dünne Stoff um ihren sonstigen Körper war für die eisigen Temperaturen um die -24° Celsius tödlich und auch sonst passte ihr Bild nicht in die Umgebung. Das was sie trug, konnte man in Mantron getrost als Unterkleid bezeichnen, was sonst von dicken Pelzen verborgen sein sollte! Der ganze Anblick war mehr als erbärmlich und als sie dann noch zusammen brach, weckte dies Baltos Beschützerinstinkt. Schnell waren die letzten Meter überwunden, jedoch immer mit vorsichtigem Blick auf den Kapelleneingang, in deren undurchdringlicher Finsternis, die Eisbestie sich verbarg. Um so näher er kam um so mehr fiel Baltos die fast elfengleiche grazile Figur der Frau auf. Sie war so winzig gegen die stattlichen Matronerinen. Mager, aber auch sehr zart und eigentlich ganz schön anzusehen. Sie brauchte Hilfe, so viel stand fest und er legte seinen Mantel ab um ihn um ihre Schultern zu legen. Sie versank förmlich darin und er half ihr auf die Beine. Der Körper der Frau fühlte sich unter seinen Händen eiskalt und unglaublich zerbrechlich an, fast wie dünne Eiszapfen. Sie brauchten dringend einen Unterschlupf und Baltos Blick wanderte erneut zu der monströs besetzen Kapelle, dann sah er sie wieder an. Jetzt erst realisierte der schüchterne Mann, dass er sie angefasst hatte und nicht einmal gefragt hatte ob er sie berühren durfte. Er wich zurück und sah auf seine Hände. Frauen hatten schon immer es gut vermocht den stattlichen Mantroner komplett aus dem Konzept zu bringen. Sie stand reglos da, als es ihm entfuhr:
„Entschuldigt… ich… wollte… euch… nicht zu nahe treten!“
Er war nun vollkommen verunsichert und so arbeitete auch sein Unterbewusstsein gegen ihn. Es schaltete auf Abwehr, wie gewöhnlich.
„Seit ihr vollkommen wahnsinnig, in dieser Aufmachung hier lang zu laufen!“
Er begann sich in Rage zu reden.
„Ihr könnt doch nicht in diesem Kleidchen hier lang laufen! Wen wollt ihr denn damit beeindrucken? Den Tod vielleicht? Sonst würde mir niemand einfallen, der sich über eine erfrorene Frau freuen würde!“
Die kleine weibliche Gestalt vor ihm zuckte unter seinem weiten Mantel, der sie fast komplett verhüllte, doch er redete noch weiter.
„Wie kann jemand nur so töricht sein, wir müssen euch sofort ins Warme bringen und ihr braucht etwas zu essen, ihr seht komplett abgemagert aus.“
Das anfängliche kurze ruckartige Zucken steigerte sich zu einem wahren Staccato und ein leises Kichern gesellte sich hinzu, was Baltos instinktiv verstummen ließ. Die junge Frau vor ihm lachte! Es war ein seltsames Lachen. Sie gluckste unter seinem Wolfsfell noch einen Moment weiter und hob dann den Blick. Sie hatte die Unterlippe noch eingezogen und wahrscheinlich drauf gebissen, um nicht erneut laut los zu prusten, aber versuchte nun gerade wieder erst zu werden. Ihre blassen, türkisblauen Augen sahen ihn an und dort wo die Pupille hätte sein sollen, war nur milchiges Weiß zu erkennen. War sie blind?
„Ich glaube der Tod hat mich schon sehr lieb gewonnen.“
Ihre Stimme war so zart, fast schon aeteral. Erst jetzt fiel Baltos auf, wie blass sie wirklich war und wie jung ihr Gesicht wirkte. Sie war fast noch ein Kind, wohl kaum älter als 13 oder 14 Jahre und doch … Etwas in seinem Nacken sträubte sich zaghaft und bescherte ihm eine leichte Gänsehaut. Es war nur ein kurzes Gefühl, denn sie lächelte ihn strahlend an und verscheuchte so erst einmal alle zu realistischen Gedanken. Mädchen die ihn so ansahen hatten ihn schon immer verwirrt. Ihr langen weißen Wimpern klimperten und sie kuschelte sich in seinen Mantel, während sie sich langsam und dieses Mal kontrolliert auf die Knie nieder sinken ließ.
„Aber was war an: 'Verschwinde von hier! Du bist hier nicht erwünscht!' so schwer zu verstehen? Stattdessen gibst du mir deinen Mantel und sorgst dich um meine Gesundheit, bei der nun wirklich nicht mehr viel zu retten ist! Hast du es noch nicht begriffen? Ich bin nicht wie du! Ich bin nicht mal wirklich am Leben! Es kostet mich unglaublich viel Kraft überhaupt mit dir zu sprechen, also hör genau zu was ich jetzt sage!“
Glaubte Baltos das was er da sah? Das Mädchen mit den fliegenden weißen Haaren, die zerzaust und lang ihr im Wind über die weit geöffneten Augen wehten, sich über sie legten, ohne dass sie blinzeln musste, setzte sich vor den Kapelleneingang. War sie ein … Geist? Ein untotes Wesen? Sein Mantel rutschte von ihren Schultern, als würde er kurz durch sie hindurch fallen, als hätte sie für einen Moment an Konsistenz verloren. Dann schien sie sich wieder zu festigen. Sie wirkte so schwach und hilfebedürftig, doch gleichzeitig auch gruselig und unnatürlich.
„Ich bin verflucht! Wir sind alle ewig verflucht! Alle wie wir hier liegen. Wir können nicht auffahren zu den Göttern und das Einzige … der Einzige, der uns beschützt ist mein Bruder! Also lass ihn leben und töte dieses Tier was ihn bedroht.“
Baltos war Jäger und wusste sofort welches Tier sie meinte! Der Wolf hatte ihn hier her geführt. Geri, so hatte er ihn in Gedanken getauft, der alte erfahrene Wolf, der wie er zur Hälfte blind war, jagte also auch die Eisbestie. Sicher war sie eine Bedrohung für das Revier des schwarzen Wolfs mit dem einen ungewöhnlichen grauen Auge. Seiner Spur war er gefolgt, hatte ihm helfen wollen die mächtige Beute zur Strecke zu bringen. War dem noch so? Was sollte Baltos nun tun? Was glaubte er tun zu können? Konnte er die Eisbestie töten und sich gegen einen Geist stellen oder sollte er den Wolf töten, der ihn hier her geführt hatte, so wie das Mädchen es verlangte? Sie lächelte wieder süß und hauchte mit ihre seidigen Nebelstimme:
„Die Bestie die du jagst ist mein Bruder und er ist friedlich. Er beschützt uns doch nur. Er wacht über uns, also töte ihn nicht! Wenn du uns helfen willst, dann bring mir das Herz des Jägers. Du bist doch ein hilfsbereiter Mensch, oder? Du kannst nicht zulassen wollten, dass dieses Tier meinen Bruder bedroht! Das darfst du nicht!“
Ihre letzten Worte klangen seltsam nah und auch ganz fern, als teilten sie sich, als kämen gleichzeitig aus ihrem Grab und aus der Kehle vor ihm. Ein Schauer rieselte unwillkürlich über Baltos Rücken. Der böige Wind zerrte an seinen Haaren und roch nach Neuschnee und Sturm. Die Augen der jungen Frau, halb noch ein Kind sahen ihn an, bohrten sich in seine Seelenspiegel und sie flüstere ihm zu:
„Töte den Wolf! … Töte ihn!“
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Sonntag 18. November 2012, 20:49

Irgendetwas zerbrach in dem Mantroner, als das Geschöpf vor ihm anfing zu lachen, und sein Mitgefühl erstarb für das Wesen vor ihm in dem gleichen Moment, in dem ihr Lachen erstarb. Seine ganze Gefühlswelt stand auf dem Kopf. Eben befand er sich fast noch in einem Kampf auf Leben und Tod mit einer Legende des Eisreichs, dann drängte sich eine Frau zwischen die beiden Kontrahenten, die wahrscheinlich ein Geist war und als er sich um sie kümmern wollte, lachte sie. Wie lange musste er noch von dem anderen Geschlecht verhöhnt werden? Jeder seiner Gesten wurde missverstanden. Entweder Baltos wurde ignoriert, angeschrien, oder man sprach schlecht über sein Verhalten, aber ausgelacht, dass wurde er noch nie! Jeder Mensch hatte seine Grenzen und Baltos seine war nun endgültig überschritten worden. Das Thema Frauen war von heute an für ihn gestorben. Sie sollten ihn endlich in Ruhe lassen und nicht mehr seinen Weg kreuzen. Doch war ihm klar, dass dieser Gedanke ein Wunschdenken war.
Kurz blitzte das Bild eines Mädchens auf, dass er einmal „dicke Robbe“ genannt hatte und wie sie ihn seit diesem Tag anders behandelt hatte. Der Jäger schüttelte den Kopf. Dieses Mädchen war schon seit längerer zeit verschwunden, was sollte dieser Gedanke? Baltos konzentrierte sich wieder auf das hier und jetzt, das Gespräch ergab für ihn keinen Sinn. Wenn sie ein Geist war, warum blieb der Mantel auf ihr liegen? Wieso konnte er sie anfassen? Warum musste die Eisbestie den Friedhof beschützen? Aber als ihn die Frau auftrug den Wolf zu töten, der ihn erst auf die Spur dieses Legendenwesen gebracht hatte, wurde ihm einiges klar.
Ohne ein Wort zu sagen, ging er auf die Frau zu und riss den Umhang von ihren Schultern.
„Wie werden uns wieder sehen!“ Die Tonlage, die er dabei verwendete, glich einer Drohung und Warnung zugleich. Sein eines Auge blickte zur Kapelle, ein herausforderndes Funkeln lag in ihm. Kein weiterer Ton verließ seine Lippen als er sich von dem Friedhof mit seinen zwei Bewohnern entfernte. Sein Mantel hing wieder an seinem üblichen Platz, die Streitaxt ruhte in seiner Hand. Er hatte noch einiges zu erledigen!
Er ging wieder in den Wald, der ihn wie eine Mutter empfing, die ihren Sohn seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Baltos wurde wieder eins mit der Umgebung und fühlte sich auch gleich wieder wohler. Endlich war der Mantroner wieder alleine und keine Geisterfrau war in der Nähe, die sich über ihn lustig machte. Sein Blick suchte nach der Spur des Wolfes, er wollte ihn aufsuchen. Denn diese Tier war für seinen Plan mehr als wichtig. Niemals würde er dieses Wesen töten, denn er fühlte sich mit ihm verbunden, auf eine Art und Weise, wie er es noch nie in seinem Leben gespürt hatte.
Sie beide hatten das gleiche Ziel: Den Tod der Eisbestie. Die Geisterfrau konnte anscheinend ihren angeblichen Bruder nicht gegen den Wolf helfen. Baltos brauchte einen Partner, der ihn gegen dieses Geschöpf unterstützte. Es ging ihm nicht nur um die Trophäe, die diese Jagd versprach, hier ging es um weit mehr. Der Schutz seiner Heimat stand im Vordergrund. Die Eisbestie war schon seit Jahrhunderten eine Bedrohung für sein Volk und er war nun in der Lage, diese Bedrohung zu beseitigen. Auch wenn dieser Kampf, selbst mit den Wolf, eine Selbstmordkommando war, würde es Baltos versuchen. Geri hatte wohl schon mal gegen die Bestie gekämpft und überlebt. Sonst würde ihm das Geisterwesen nicht auftragen, den Wolf zu töten. Das Biest war also nicht unbesiegbar, es musste eine Schwachstelle haben. Der Mantroner musste auf Schnelligkeit gegen diesen Gegner setzen. Das Vieh durfte ihn nicht erwischen, denn wenn auch nur eine Kralle ihn berührte, würde er kampfunfähig werden. Seine Rüstung war in einem guten Zustand und hatte ihm schon öfters die Haut gerettet. Aber bei diesem Gegner würde sie ihn nur behindern. In seinem Kopf formte sich langsam ein Plan, aber er musste zuerst Geri, den Wolf, finden.
Doch dieses Unterfangen sollte wohl nicht all zu einfach werden. Zwar waren die Spuren im Schnee zu erkennen und Baltos konnte ihnen auch folgen, jedoch führten sie ihn nur im Kreis herum. Überall in der Nähe des Friedhofes gab es Spuren von einem Wolf. Jede Fährte, der Baltos folgte, führte ins Leere. Der Wolf wollte wohl nicht gefunden werden. Die Axt in seiner Hand brachte ihn auf eine Idee.
Sein Speer hatte er vor nicht allzu langer Zeit zerstört und die Axt in seiner Hand würde nicht ausreichen, um die Eisbestie in die Knie zu zwingen. Er musste sie erst schwächen, bevor er in den Nahkampf ging und das war mit Abstand das Schwierigste. Sein Blick ging zu einem Baum, der kränklich aussah. Der Frost hatte sich einen Weg durch die Rinde gefressen und zerstörte ihn von innen. In 10 Jahren würde er wahrscheinlich gestorben sein. Baltos beschloss sein Leiden zu verkürzen. das Holz des Baumes konnte einen besseren Zweck erfüllen, als langsam vor sich hinzugammeln. Die linke Hand griff ans Ende des Beils, die Rechte ein Stück darüber. Der Mantroner holte einmal tief Luft und dann ließ er seine Waffe eins mit dem Baum werden. Mit wuchtigen Schlägen schlug er einen Keil in den Stamm. Die Überreste der Rinde verteilten sich auf dem Boden. Vom Körper des jungen Mannes stieg Dampf auf. An seiner Stirn konnte man einen leichten Schweißfilm erkennen. Sein Handrücken wischte einmal über seine Stirn und dann gab er dem kranken Baum einen kleinen Stoß mit der Hand. Der Baum bewegte sich auch gleich in die gewünschte Richtung und raste mit einen lautstarken Knacken dem Erdboden entgegen, von dem er sich seit Jahrhunderten entfernt hatte. Mit einem trommelfellzerreißenden Donnern, schlug er in die weiße Masse und ließ den Schnee noch einmal tanzen, bevor er wieder eins mit dem Untergrund wurde.
Baltos ging mit seiner Axt, zu vielversprechenden Ästen und schlug diese ab und befreite sie von Gezweig und Unebenheiten. Das Ende jedes Astes spitzte er an, bei dieser Arbeit saß er auf den Baumstamm und vor seinen Beinen hatten sich schon fünf solcher Speere angesammelt. Die Nacht gewann langsam Überhand über den Tag und Baltos kam zu dem Schluss, dass er es wahrscheinlich ohne den Wolf versuchen musste. Er konnte ihn nicht finden und es würde nichts bringen, im Dunkeln nach ihm zu suchen. Die Nacht sollte ihm bei seinem Kampf gegen die Eisbestie unterstützen. Für ihn würde es ein Leichtes sein diese riesige weiße Gestalt in der Finsternis zu sehen. Der Jägersohn war deutlich kleiner und konnte hoffen mit der Finsternis zu verschmelzen. Baltos würde warten bis die dunkelste Stunde der Nacht anbrach und sich dann auf den Weg zurück zum Friedhof begeben. Vielleicht würde der Wolf ihn vorher finden, wie schon bei ihrer ersten Begegnung, aber ob dies wirklich passieren würde, war unklar. Nur Ventha wüsste auf diese Frage eine Antwort.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 21. November 2012, 18:58

Baltos hatte sich schnell genähert um seinen Mantel wieder an sich zu nehmen. Warum sollte er auch das Fell des Wolfes, der ihn durch seine Kindheit begleitet hatte, diesem Wesen lassen, was ihn ausgelacht hatte und ohnehin schon tot war. Ihr verhalten bestätigte ihm nur wieder einmal auf Neue, dass Frauen und der Umgang mit ihnen ein unmögliches Unterfangen darstellten. Erfrieren konnte sie ja wohl nicht mehr. Trotzdem erzitterte die blasse Frau, als er nach dem Kleidungsstück griff. Vielleicht war es Angst, vielleicht Vorsicht, vielleicht auch nur Instinkt, dass er bestrebt war sie so wenig wie möglich zu berühren. Seine Stimme klang wie eine Drohung:
„Wie werden uns wieder sehen!“
Mit der wehenden Bewegung, mit der er nach dem Fell griff und es ihr vom Körper riss, verschwand der Körper, wie eine Nebelschwade, die er aufgewirbelt hatte. Zurück blieb nur ein leichter Schreck und ein ungutes Gefühl aus dem dunklen Eingang der kleinen Kapelle her beobachtet zu werden. Baltos verließ den Friedhof auf dem gleichen Weg der er gekommen war, auf dem Weg der Lebenden.
Seine Schritte kreuzten einige Male die Spur des Wolfes den er zu suchen begann, doch von dem Tier war nirgends etwas zu sehen. Geri, wie er ihn genannte hatte, hatte ihn hier her geführt, da war er sich ganz sicher. Nichts schweißte mehr zusammen, als ein gemeinsamer Feind. Baltos hatte für sich bereits entschieden, dass er Geri mehr vertraute, als den Einflüsterungen eines Geistes. Dieser Ort, dieser Waldfriedhof, er barg nichts Gutes. Er war eine Bedrohung und so alt wie die Legenden, die Baltos noch aus seiner Jugend von alten Frauen erzählt bekommen hatte, da war er sich nun sicher. Auch wenn sich im Laufe der Zeit vieles was wahr war, sich in Prosa kleidete und Erzählungen Blüten er Phantasie hinzu fügten, so war in vielen Geschichten auch ein Samenkorn Wahrheit enthalten. Es gab viele Lieder und Ferse über diese Gegend und er erinnerte sich an ein Lied, das einmal ein Mädchen am Lagerfeuer gesungen hatte. Es war ein wenig gruselig gewesen und doch wunderschön.

(Lied des Mädchens)


Er hatte sich damals nicht näher an die Gruppe Mädchen heran gewagt und nur so ihre wunderschöne Stimme gehört. Wie so häufig hatte ihn sein Freund dafür gefoppt, dass er lieber Jagen ging, als sich mit den holden Weiblichkeiten der Stadt zu vergnügen, zu tanzen oder sich einfach zu unterhalten. Aber es waren jene Geschichten die ihn heute verfolgten, die seine Gedanken nicht los lassen wollten, kaum da er den Wald betreten hatte. Es war ein Lied voller böser Omen und dass es ihm gerade jetzt in den Sinn kam, war nicht ungewöhnlich. Vielleicht trug der Wind noch die Erinnerung dieser Klänge in sich, denn er spielte sein Lied auf den von Eis bedecken Bäumen und zerrte zunehmend an Baltos Haaren. Während er so durch den Wald schritt, entwickelte Baltos einen Plan. Er brauchte Waffen. Genauer gesprochen, brauchte er Speere, die lang genug waren um die Bestie auf Abstand zu halten. Er war für sein Alter schon ein erfahrener Krieger und Jäger und Furcht vor der Bestie gab es nicht, aber er wusste auch, dass es ohne eine gute Vorbereitung ein Selbstmordkommando werden würde. Er suchte sich einen passenden Baum. Seine Wahl fiel auf einen um dessen Wurzeln sich besonders viele Wolfsspuren fanden und gekonnt grub sich seine Axt in die Tiefe des Stammes. Als der Baum gefallen war, und der Schnee sich legte, machte er sich an die Bearbeitung der starken Äste der Eiseiche. Fünf spitze Speere sammelten sich mit der Zeit zu seinen Füßen und die Dämmerung begann ihm die Sicht schwerer zu machen und alles in ihr silbriges Grau zu tauchen.
Mit der einsetzenden Dunkelheit machte sich der Krieger auf den Weg zurück zum Friedhof. Der Wind hatte schon fast alle alten Spuren verweht, aber er kreuzte auch eine Neue, was ihm vielleicht einen Funken Hoffnung schenkte. Von Geri hatte er sonst nichts gehört oder gesehen, als schwieg selbst er vor dem nahenden Sturm des Kampfes. Baltos Rüstung war ein Hindernis in seiner Schnelligkeit, aber gleichermaßen würde sie ihn vor einigen sonst tödlichen Schlägen bewahren. Es galt abzuwägen, auf welche Technik er setzen wollte. Wenn er mit der Hilfe des Wolfes rechnete, dann wäre er sicher der langsamere Gegner für die Eisbestie und somit der erste Angriffspunkt. Musste er sich allein auf sich verlassen, so war Wendigkeit ein Trumpf der nicht zu verachten war. Auf seinem Weg zum Friedhof gab es einen alten toten Baum, dessen Inneres hohl war und gerade so Platz für einen hockenden Mann bot. Er könnte dort noch etwas zurück lassen, oder auch die Nacht abwarten … Nein, das war keine Option. Baltos Kampfesslust war geweckt und all sein Denken auf den bevorstehenden Kampf gerichtet. Er spekulierte mit der mangelnden Nachtsicht der Bestie, sann über den geeignetsten Kampfplatz nach, wo die Größe der Bestie ihr zum Nachteil gereichen würde. Konnte er sie vielleicht hinaus locken, oder sollte er zu ihr hinein ihn ihren Bau gehen?
Er sah den kleinen im Schnee versunkenen Zaun des Friedhofs vor sich in der Dunkelheit wie Dornen aus Kristall im Sternenlicht kurz aufblitzen, bevor die dicken Wolken am Himmel das letzte Licht raubten. Es war still um ihn. Lange Atemzüge voller Anspannung lauschte er in die Dunkelheit. Nichts als das leise Rauschen des Windes drang an sein Ohr. Er war der Jäger und lag auf der Lauer, doch auch wenn er es nicht wusste, so war er nicht allein. Ein einzelner grauer Stern beobachtete wie er den Eingang der Kapelle. Baltos bewegte sich so leise er konnte, setzte jeden Schritt mit Bedacht und näherte sich dem Friedhof. Kein Geist, keine junge tote Frau empfing ihn, kein Laut drang an sein Ohr der verraten würde wo sein Ziel sich verbarg. Sein Weg führte von Grabstein zu Grabstein immer näher zu den alten Mauern hin. Er hatte sie schon fast erreicht, als ein dumpfes Grollen aus der Tiefe herauf klang. Die Bestie war irgendwo unter ihm. Baltos drückte sich an die Wand des Kapelleneingangs und spähte hinein. Er musste warten, bis die Sterne einmal kurz ihr Antlitz zeigten und der Innenraum sein Geheimnis für ihn lüftete. Von den einstigen Bänken zum beten war nichts als Splitter und Staub übrig geblieben. Als sein Blick tiefer hinein wanderte packte ihn kurz das kalte Grauen. Im hinteren Bereich, dort wo eins ein Altar gestanden haben musste, war der Boden aufgebrochen und scharfe Kanten, Geröll waren umher geworfen worden … und ein finsteres Loch klafften im Boden. Dies war kein heiliger Ort mehr. Kein Seegen würde jemals wieder diese Mauern treffen. Unnatürliche Stille war hier der einzige Besucher! Baltos wagte sich weiter voran, denn er hatte ein Ziel. Als er näher kam, erkannte er, dass der Altar in seiner Mitte einfach auseinander gerissen worden war. Zu seinen Seiten lagen noch Bruchstücke einstiger filigraner Steinmetzarbeiten. Ein finsteres Loch lag vor ihm, gähnte ihm entgegen und lud ein hinab zu steigen, doch Licht war diesem Ort schon lange fern geblieben. Auch wenn Baltos Augen sich schon gut an die Dunkelheit gewöhnt hatten, so musste er doch ins Ungewisse steigen. Blindheit war ein schlechter Begleiter im Kampf.

Hintergrundmusik

Fast hätte er aufgeschrien, denn etwas berührte ihn am Bein. An ihm vorbei schlich, schwarz wie die Nacht selbst und somit fast unsichtbar, der Wolf. Sein eines graues Auge starrte in die Tiefe und ohne Baltos anzusehen ging er an ihm vorbei in die Dunkelheit. Geri war bei ihm und einem Instinkt folgend griff Baltos in das Fell des Wolf über seiner Hüfte und ließ sich führen. Kaum hatten seine Füße die bröckeligen Bodenstücke der Kapelle verlassen wurde der Boden seltsam weich und uneben. Baltos hob schützend einen Arm halb vor, halb über seinen Kopf, denn er merkte schnell, dass die Wände und die Decke nicht gleichmäßig geformt waren. Der Tunnel war wild gegraben worden und ein moderiger Geruch lag in der Luft, zu dem sich mit jedem Schritt Verwesung gesellte. Leise ging es abwärts und ein weiteres Mal, diesmal etwas näher hörte er das dumpfe Grollen der Bestie. Er merkte, dass sich an manchen Stellen der Gang teilte, doch Geri nahm zielsicher den Weg des größten Gestanks, so dass Baltos bald mit einer leichten Übelkeit zu kämpfen hatte. Dann endlich nahm er vor sich ein fahles Leuchten war und ein leises Rauschen war zu hören. Ein bläulicher Schimmer wurde größer und eröffnete die Sicht auf eine unterirdische Tropfsteinhöhle an dessen höchster Seite Baltos aus einem Gang kam. Wäre der Gestank nicht gewesen, hätte die majestätische Schönheit ihm den Atem verschlagen. Die Höhle war erfüllt von Stalagmiten und Stalaktiten die im fahlen Licht glitzerten, was aus einem Loch aus der Decke verbreitet wurde. Quer durch die Mitte verlief ein Fluss der in seiner Breite gut sechs Schritt maß. Zu Baltos Rechten sprudelte ein kleiner Wasserfall aus der Decke, ergoss dann seine Fracht in die Höhle, um dann zu seiner Linken in einem kleinen See zu verschwinden, der vermutlich einen unterirdischen Ablauf hatte. Es war erstaunlich warm hier, was Baltos vielleicht irritierte. Es war ein blaues Zauberreich, das von dem Gestank der Bestie besudelt wurde. Nur im hintersten Teil der Höhle wurde die blaue Reinheit von etwas anderem in kränkliches gelb und grün getaucht. Geri senkte den Kopf und sein Knurren war so tief und leise, dass es einzig von Baltos zu hören war. Es wurde Zeit dass sich Baltos bewaffnete. Geri trennte sich von seinem Begleiter und verschwand zwischen den Schatten der glitzernden natürlich gewachsenen Säulen. Baltos war wieder allein, doch auch wieder nicht. Er wusste, Geri würde auf seinen Moment warten. Sie mussten jagen wie ein Rudel. Jeder hatte seine Aufgabe, auch wenn die Rangfolge zwischen ihnen noch nicht geklärt war, so mussten sie gegen diesen übermächtigen Feind zusammen halten. Er war derjenige in ihrem Rudel, der langsamer war, aber mehr Kraft besaß. Er hatte die besseren Waffen, aber roch auch intensiver für die Bestie, so dass er ihr früher auffallen musste. Trotzdem wäre ein Überraschungsmoment hilfreich um seine Speere einzusetzen. So schlich er tiefer in die Höhle hinein. Er hörte sein Herz fast lauter schlagen, als das Rauschen des Wasserfalls. Nachdem er den kleinen Fluss gekreuzt hatte wurde es widerwärtig. Immer mehr Reste von erlegten Tieren, von Menschen, ihren zerschmetterten Schädeln lagen in seinem Weg. Dann hörte er ein Schaben nicht weit von sich und in der Deckung eines Stalagmiten erhob sich die Bestie. Aus ihrer linken Klauenhand baumelte so etwas wie ein abgenagter Arm, der in diesem Moment auf den Boden fallen gelassen wurde. Der Körper schob sich vorwärts, weg von Baltos und präsentierte halb Rücken, halb die Seite. Es machte zwei Schritte zur Seite um nach einem weiteren Stück Ass zu greifen, wollte es sich grade in das gewaltige Maul stopfen, hielt inne und zuckte mit dem Kopf. Witterte es schon seinen Jäger?
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Freitag 23. November 2012, 19:47

Baltos summte noch einige Zeit das Lied des Mädchens, was ihm im Kopf herum spukte. Die fünf Speere lagen vor seinen Füßen und es war Zeit zum Aufbruch. Er schickte Haros noch innerlich einen letzten Gruß, da sein Todestag sich dem Ende neigte. Vielleicht würden sie sich bald wieder sehen. Der Mantroner war auf alles gefasst. Er klemmte sich die Wurfgeschosse unter den linken Arm. Seine Axt ruhte wieder auf seinem Rücken, Baltos wollte seiner Axthand noch so viel Ruhe gönnen wie möglich, denn für den Kampf musste er ausgeruht sein.

Der Weg zurück zum Friedhof verlief ereignislos, den Umschwung des Wetters bemerkte der Jägersohn nur beiläufig. So wie es roch und der Wind sich auf seiner Haut anfühlte, zog ein Schneesturm auf. Er interpretierte diese Wetteränderung als ein Zeichen Venthas, denn der einzige Schutz vorm Sturm war die alte Kapelle und in dieser befand sich die Eisbestie. Die Göttin wollte wohl, dass er gegen dieses Ungetüm kämpfte, um sich einen Schutz vor dem herannahenden Sturm zu erstreiten. Natürlich war dies nur eine Auslegung eines Gläubigen. Doch der Glaube verlieh einem Kraft und genau diese spürte der Mann gerade im ganzen Leib aufkeimen.

Der Friedhof breitete sich vor ihm aus, durch den hellen, weißen Schnee konnte man trotzdem noch erkennen wo man hintrat. Von der Geisterfrau oder der Eisbestie fehlte jede Spur. Doch er entdeckte eine Andere, die ihm ein kurzes Lächeln für den Moment auf das Gesicht zauberte. Der Wolf Geri war in der Nähe, Baltos konnte förmlich spüren, wie er von diesem Tier beobachtet wurde. Ventha musste ihm einfach bei diesem Kampf auf Leben und Tod beistehen. Warum sollte er kurz vor der entscheidenden Schlacht die frischen Spuren des Wolfes finden, die ihm noch vor einigen Stunden verborgen waren. Vorsichtig begann sich der junge Mann über den Friedhof zu schleichen. Das er einen Geist nicht überraschen konnte war ihm klar, aber die Eisbestie war ein Tier und jedes Lebewesen hatte eine Schwäche. Der Wind wehte ihm entgegen, das war gut! So konnte die Bestie ihn nicht schon vorher wittern, bevor Baltos in Wurfreichweite war. Der Mantroner war schon so gut wie an der Kapelle, als ein tiefes Grollen erklang. Mit schnellen Schritten erreichte er die teilweise eingestürzte Wand der Kapelle. Er brauchte ein paar Minuten um seinen Atmung zu beruhigen. Kurzzeitig hatte er befürchtet, die Eisbestie würde aus der vereisten Erde springen. Doch dem war zum Glück nicht so. Mit leisen Schritten drang er immer näher zum Eingang der Bestienbehausung vor. Baltos warf einen kurzen Blick ins Innere, doch konnte er nichts erkennen. Es war zu dunkel in der Kapelle. Aber dies bedeutete auch, dass die Eisbestie zumindest nicht in diesem Raum lauerte. Ein Wesen, das so groß war und ein schneeweißes Fell besaß, fiel auch in der größten Dunkelheit auf. Der Jägersohn warte einen Moment bis die Wolken am Firmament den Sternen Platz machten. Wieder warf er einen Blick in die Kapelle, er sollte Recht behalten, denn von der Eisbestie fehlte jede Spur. Es gab für sie hier kein Versteck. Die alten, steinernen Bänke waren zur Unkenntlichkeit zertrümmert. Hier würde niemals wieder ein frommer Mensch zu seinem Gott beten. Das gleiche Bild zeigte sich im hinteren Teil des Raumes. Der Altarraum war zerstört und ein riesiges Loch war in den steinernen Boden gegraben. In den Augen von Baltos war dies eine widerwärtige Gotteslästerei. Dieses Wesen musste getötet werden, damit die Götter sich wieder um die Verstorbenen des Friedhofs kümmern konnten. Anders konnte er sich nicht erklären, warum auf diesem Friedhof Geister umherzogen.

Mit tapferen Schritten betrat der Mantroner die Kappelle, er hielt sich nicht lange im Gebetsraum auf, sonder ging gleich auf den Altar zu. Welcher Gott hier einst angebetet wurde war nicht mehr zu erkennen. Das damalige Götzenbild war zerstört und eine undefinierbare, steinerne Fratze starrte den Mann, wie es schien, wehklagend an. Baltos hockte sich hin und hob den Kopf Ehrfurcht gebietend vom Boden auf. Ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Gott handelte, war nur schwer zu festzustellen. Die Hälfte des Gesichtes fehlte, Baltos ging kurz zurück in den Gemeinschaftsraum und legte den Kopf auf einen Fenstersims, der noch intakt war ab. Jetzt konnte die vergessene Gottheit wieder den Friedhof sehen, über den sie eins gewacht hatte.
„Ich werde dich rächen!“, versprach Baltos dem Götzen und ging zurück in den Altarraum.
Die Finsternis, die in diesem selbst gegrabenen Durchgang herrschte, war schwer zu beschreiben. Es war eine abstoßende Dunkelheit, die einen zurück in die Kindheit versetzte, wo man noch Angst vor der Nacht hatte. Der Jägersohn jedoch ließ sich davon nicht abschrecken und betrat den Gang. Seine Silhouette wurde von der Schwärze verschluckt und auch sein eines Auge war bei diesen nicht vorhandenen Lichtverhältnissen nutzlos. Als etwas Warmes und Felliges sein Bein streifte, wäre ihm beinahe ein Kampfschrei entwichen. Doch zum Glück arbeitete sein Verstand schneller als sein Instinkt. Es konnte nur Geri sein, der gerade neben ihm lief und als er das graue Funkeln in dem einen Auge des Wolfes sehen konnte, dankte er Ventha. Sie hatte ihm einen Kampfgefährten geschickt um die Eisbestie ein für alle Mal zu töten. Baltos nahm nun seine Hand herunter, die er schützend vor sein Gesicht gehalten hatte, damit er nicht gegen einen hervorstehenden Stein stieß, der aus der Decke ragte. Der Tunnel, den die Bestie gegraben hatte, war groß genug, dass er aufrecht stehend durch den Gang laufen konnte. Die nun freie Hand ließ er auf Geris Fell ruhen, damit dieser ihm den Weg zu ihrem gemeinsamen Gegner zeigte. Baltos folgte seinem tierischen Begleiter durch den Tunnel, der Untergrund hatte sich schon nach kurzer Zeit von steinig zu matschig geändert. Überall gab es Abzweigungen, aber der Wolf wusste wo sie die Bestie finden konnten. Der Jäger bemerkte schnell woran sich der Wolf orientierte, das Bouquet von verwestem Fleisch war überall zu vernehmen. Geri führte ihn immer der Nase nach zum Verursacher dieses Gestankes. Innerlich merkte sich Baltos den Weg, den sie genommen hatten, falls der Wolf sterben sollte, musste er den Weg alleine zurück finden. Je näher sie kamen, umso widerwärtiger wurde der Geruch. Die Nase des Mantroners verzog sich und für diesen einen Moment wünschte er sich, nicht riechen zu können. Doch nach kurzer Zeit gesellte sich ein anderer Duft hinzu, es roch sehr leicht nach frischem Quellwasser und das Plätschern eines Wasserfalls war nach einer Weile immer deutlicher zu hören.
Die Beiden schritten stumm, wie eine Einheit, durch den Gang, als ein bläulicher Schimmer den Ausgang des Tunnels symbolisierte. Baltos und Geri schritten durch den Ausgang und was der Mantroner erblickte, raubte ihm für einen kurzen Moment den Atem. Er befand sich auf einer Erhöhung. Vor ihm breitete sich eine riesige Höhle aus, neben ihm sprudelte ein kleiner Wasserfall. Das kühle Nass mündete in einen kleinen Bach, der sich durch die Mitte der Umgebung zog und in einem kleinen See endete. Der Raum glitzerte wie der Sternenhimmel über Mantron in einer kalten Nacht und durch ein Loch in der Decke schien das Licht des Mondes. Diese Umgebung schlug jeden in seinen Bann und Haros hätte diesen Ort bestimmt ausgenutzt um einige Frauen zu beeindrucken. Nur war der alte Freund von Baltos schon lange tot und der Geruch von verwesendem Fleisch hing über diesem magischen Ort, wie eine Krankheit. Im hinteren Teil der Höhle, die durch einige Stalagmiten vor dem Auge des Jägers verborgen lag, glimmte es in einer kränklichen, gelben und grünen Farbe.
Das musste das Nest der Bestie sein und der Ursprung des Leichengeruchs. Fleisch, was vor sich hin verrottete, begann nach einiger Zeit zu schimmeln und zu faulen und durch die Luftfeuchtigkeit und der hier seltsamen Wärme wurde der Verwesungsprozess nur beschleunigt.
Der Wolf schien Baltos` Verdacht zum Ruheplatz der Bestie nur zu bestätigen, ein leises Knurren entsprang seiner Kehle und dann wurde Geri eins mit den Schatten, den Stalaktiten und Stalagmiten. Sein neuer Begleiter würde den entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die Eisbestie bringen. Wahrscheinlich würde der Wolf zuschlagen, wenn das Monstrum nicht damit rechnete.

Baltos begab sich an den Abstieg und folgte dem grünlich-gelben Schimmer. Je näher er kam, umso stärker wurde der Geruch. Tierische Knochen lagen überall auf dem Boden verteilt, der Mantroner machte vorsichtig einen Schritt nach dem Anderen, damit kein verräterisches Knacken die Eisbestie vorwarnen konnte. Als er den verstümmelten und verschimmelten Torso eines Menschen erblickte, legte er einen Speer in dessen Nähe. Der Jäger verteilte in der ganzen Futterkammer seine Wurfwaffen. Für den Fall der Fälle, dass er von einer Seite zur Nächsten gescheucht wurde. Nur einen behielt er in der Hand und ging weiter in die Richtung, aus der er das Geräusch von zerbrechenden Knochen hörte. Als er ein weißes Fell erblickte, versteckte der Jägersohn sich schnell hinter einem Stalagmiten. Mit dem Rücken an die Säule gepresst, zwang er sein Herz ruhiger zu schlagen. Vorsichtig beugte er sich an seinem Sichtschutz vorbei und erblickte seinen Gegner in vollem Ausmaß.
Die Eisbestie befand sich keine 50 Schritte von ihm entfernt, sie stand seitlich von ihm und ein abgenagter Arm hing in seiner Pranke. Die Gliedmaße sah frisch aus und Baltos schickte ein Stoßgebet zu Ventha. Hoffentlich gehörte der Arm nicht zum Bruder von Ornus oder einem seiner Töchter, diese waren schon seit zwei Tagen mit dem Bruder des Mannes auf der Jagd. Das Monstrum wollte sich gerade einen weiteren „Leckerbissen“ aus seinem Vorrat genehmigen, als es aufgeregt mit der Nase schnüffelte.
Verdammt es hat mich gewittert. Jetzt oder nie! Ging es Baltos durch den Kopf. Er sprang hinter seinem Versteck hervor, den Speer wurfbereit im rechten Arm. Als die Bestie den Mantroner erblickte brüllte es seinen Zorn frei heraus. Einige der Stalaktiten begannen bedrohlich zu wackeln. Doch zum Glück hingen sie weiterhin an der Decke.
Das Wesen setzte sich in Bewegung und stürmte auf den Mann zu, der, im Vergleich zu der Eisbestie, winzig wirkte. Für einen Außenstehenden musste es aussehen, als würde eine Kakerlake gegen ein Mammut kämpfen wollen und so fühlte sich Baltos auch. Doch jetzt war keine Zeit für Angst sondern für Taten!
Der rechte Fuß des Mannes schob sich nach hinten, der Oberkörper drehte sich mit der linken Seite zur heranstürmenden Eisbestie hin. Baltos’ rechter Arm ragte in die Höhe, der Speer lag gut in der Hand. Er wartete bis sie in der Nähe war. Den Koloss störte es nicht, dass Stalagmiten den Weg zu seinem Opfer versperrten. Es rannte einfach durch sie durch und zertrümmerte sie in tausend Einzelteile. Das Vieh war nur noch 20 Schritte, für einen Menschen, entfernt und 5 Schritte für die Eisbestie. Baltos brüllte als er mit all seiner Kraft den Speer dem Monstrum entgegenwarf. Niemand konnte diesen Gegner verfehlen. Das Legendenwesen wollte die Wurfwaffe wie eine Fliege mit der Pranke verscheuchen, zu dumm nur, dass der Speer angespitzt war, dieser drang tief in die Hand ein und hellblaues Blut suppte aus der Verletzung. Doch die Eisbestie ließ sich davon nicht aufhalten und stürmte weiter auf Baltos zu. Dieser war gleich nach seinem Wurf in Richtung seines nächsten Speers gerannt. Doch der Koloss holte ihn vorher ein und schlug mit der unverletzten Klaue nach dem Mantroner. Dieser hatte keine Chance mehr auszuweichen und wurde hart von der linken Pranke erwischt. Baltos verlor den Bodenkontakt und sämtliche Luft wurde bei dem Aufprall aus seiner Lunge gequetscht. Mit einem lauten „Mrhmrhhmpf“ flog er 20 Meter durch die Höhle und schlug hart auf dem Boden auf. Sein Körper überschlug sich noch einige Male bei seiner Bruchlandung. Zum Glück verhakte sich seine Axt zwischen einer kleinen Erhebung im steinernen Boden und stoppte die Schleuderpartie.
Baltos brauchte einen Moment um wieder zu Sinnen zu kommen. Sein Blick war noch leicht verschwommen und ein schmerzhaftes Stechen peinigte ihn auf der Höhe seiner Rippen. Wahrscheinlich hatte er sich Einige gebrochen. Leicht wankend kam er wieder auf die Beine. Die Eisbestie war gerade dabei sich den Fremdkörper aus der Hand zu ziehen.
Das Adrenalin im Körper des jungen Mannes begann den Schmerz zu vertreiben und Baltos wurde wieder Herr seiner Sinne. Das Vieh hatte Probleme den Speer zu greifen, die Pranken waren nicht dafür geschaffen etwas Filigranes herauszuziehen. Der Jäger nutzte den Moment und begab sich auf die Suche nach einem weiteren Speer. Ventha war ihm anscheinend hold! Durch seinen Sturzflug war er direkt neben dem Torso gelandet, bei dem er seinen ersten Speer deponiert hatte. Er bückte sich schnell nach der Waffe und das Ziehen in seinen Rippen erinnerte ihn schmerzlich daran, dass er verletzt war. Doch war Baltos keine Memme, er schluckte den Schmerz herunter, griff seinen Speer und näherte sich vorsichtig dem weißen Koloss. Dieser hatte es endlich geschafft, die Holzwaffe aus seiner Pranke zu reißen. Das blaue Blut tropfte auf den Boden und fluoreszierte. Das Monstrum lenkte jetzt wieder seine Aufmerksamkeit auf den Verursacher dieser Verletzung, wieder einmal rannte es auf ihn zu und zermalmte alles, was ihm auf seinem Weg in die Quere kam.
Baltos hatte schmerzlich lernen müssen, wie schnell sein Gegner war und diesmal warf er seinen Speer früher. Diesmal zielte er auf das linke Schlüsselbein, wenn dieses Wesen überhaupt so etwas besaß. Er wollte das Ungetüm seiner beiden Arme berauben, schnell lief er zu seinem nächsten Wurfversteck.
Sein Speer sollte auch diesmal sein Ziel nicht verfehlen und glitt laut schmatzend in die Schulter der Eisbestie. Doch es kümmerte sie weniger und sie stürmte weiter auf Baltos zu.
Nur kam diesmal der Wolf Geri zu Hilfe und sprang hinter einem Stalagmiten hervor. Der Wolf vergrub sein Gebiss in die Kniekehle seines Gegners. Der Feind ging durch die Verletzung kurz in die Knie, der Wolf wartete nicht bis sich die Eisbestie wieder erhob, sondern verschwand wieder in der Dunkelheit.
Baltos selbst hatte sich jetzt auch hinter einer dieser Säulen versteckt und hatte wieder einen Speer zur Hand. Kurz blickte er auf seine Rüstung, diese hatte einen Großteil der Wucht des Aufpralles abgefedert. Doch einige Metallplatten, die in das Leder genäht waren, gab es nicht mehr. Die scharfen Krallen hatten diese zerstört als beständen sie nur aus Schnee. Der Mantroner blickte noch einmal kurz aus seinem Versteck hervor. Die Eisbestie schnüffelte nach ihm, aber noch hatte sie ihn nicht entdeckt. Baltos nutzte den Moment um sich schnell und leise die Rüstung auszuziehen. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich seines Oberkörperschutzes entledigt. Er hatte nur noch seine Hose und seine Schuhe an, auf Höhe seiner Rippen bildete sich gerade ein deutliches Hämatom. Man konnte es fast beim Wachsen beobachten.
Den Speer in der Linken und die Streitaxt in der Rechten, atmete Baltos noch einmal kräftig ein und rief darauf kurz: „Hey!“ Durch das Echo der Höhle verdoppelte sich der Schrei und es schien, als würde der Ruf von überall ertönen. Der Mantroner nutzte den Moment und die Verwirrung des Wesens und rannte, so leise wie möglich, zu einem Stalagmiten von dem aus er sein altes Versteck gut im Blick hatte und trotzdem vor den Augen der Bestie sicher war.
Hoffentlich viel das Monstrum auf diesen Trick herein und würde den Ort zuerst aufsuchen, an dem er seine Rüstung zurückgelassen hatte.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Samstag 24. November 2012, 19:20

Ein ungleicher Kampf

Baltos hatte den langen Weg durch die Finsternis gewagt, hinein ins Herz des Bösen. Er hatte den unheiligen Ort hinter sich gelassen und war in die Tiefen eingedrungen, die von Verwesung und Verderben bewohnt wurden. Er stand seinem Gegner gegenüber und jetzt gab es kein zurück mehr.
Jetzt oder nie!
Es ging alles so schnell!
Baltos Gedanken rasten und er hatte den Speer geworfen, die Hand des Bestie durchlöchert, doch den ungebremsten Ansturm unterschätzt. Der Aufprall in gut 20 Metern Entfernung presste ihm nicht nur die Luft aus den Lungen, es brachte ihm auch zwei gebrochene Rippen. Der Koloss hatte seine erste Wut genutzt um ihn quer durch die Höhle zu schleudern und zum Glück des Mantroners, war er kurz mit seiner Hand beschäftigt. Baltos fand sich in der Nähe des halb verwesten und halb gefressenen Brustkorbs wieder wo auch ein weiterer Speer lag. Dieses Mal wartete er nicht so lange und traf die Bestie in die linke Schulter, was sie jedoch kaum störte. Voller Entsetzen sah er sie schon näher kommen, als der schwarze Schatten des Wolfes hervor schoss, seine Zähne in die Kniekehle des Monsters versenkte und gleich wieder verschwand. Das Knie knickte ein und stolpern krachte die Bestie auf ihre rechte Schulter. Das Donnern ließ die Erde beben. Sie überschlug sich, rutschte und krachte dann gegen eine der gewaltigen, natürlichen Säulen der Höhle, die gefährliche Risse bekam. Schüttelnd und vor Wut brüllend erhob sie sich langsam wieder und wirkte kurz irritiert, was sie da erwischt hatte. Schnüffelnd hob sie den Kopf, riss grob den nächsten Speer aus ihrer Schulter und schrie noch einmal vor Wut und Schmerz so laut, dass die Höhlendecke erzitterte. Die witternde Nase ruckte umher und erneut machte sich die Eisbestie auf die Suche nach ihrem Opfer. Baltos hatte währenddessen seine ramponierte Rüstung eilig und leise abgelegt um sie als Duftmarke zurück zu lassen. Sein kurzer lauter Ruf hallte von den Wänden wieder und verwirrte kurz seinen Gegner. Er nutzte die Gunst der Sekunde und rannte geduckt zum nächsten Versteck. Ein Speer wurfbereit in seiner Hand, ein weiterer zu seinen Füßen wartete er darauf, dass das Biest seiner Fährte folgte. Das Adrenalin in seinen Adern ließ ihn kaum den Schmerz spüren, der sich an seiner Seite ausbreitete und einen langen dunkelroten Flecken unter seiner Haut malte. Vorsichtig spähte er um den Rand des Felsens hinter dem er sich verbarg. Gut fünf mal so groß wie ein Mantroner, gebeugt, sich mit den Armen am Boden abstützend schnüffelte der Koloss nach seiner Beute. Auch wenn blau-blutige Spuren sein weißes Fell mit kleinen Rinnsalen verzierte, so schien es noch nicht ernsthaft verletzt zu sein. Das Loch in der Klauenhand die einen Mann umspannen konnte, schien es noch nicht mal großartig zu stören. Auch die Wunde an der Schulter subte, jedoch machte es nur auf Dauer langsamer. Das linke Knie hatte zur Hälfte an Stabilität verloren, doch auch das hielt sie nicht auf. Das Grollen, tief aus der Kehle klang so grausam, dass es jedem lebenden Wesen bis ins Mark unvergesslich sein musste. Langsam kam es in Sichtlinie und Baltos erkannte fast humanoide Formen im Körperbau, auch wenn ein einzelner Arm, ein Bein oder selbst der Rumpf alleine schon die Größe und Masse eines Mannes hatten. Aufgerichtet maß es bestimmt seine sechs Meter Das zottelige Fell war an Kopf und Rücken länger und verfilzt. Grünlicher Schimmer lag darin wie Schimmel auf weißem Käse. Die Arme und der Bauch waren schmutzig gelb und rötlich verfärbt von seinem letzten Mahl und sicher auch von vielen davor. Die Ohren waren spitz und die Augen wie bei jedem guten Jäger weit auseinander stehend, um die Entfernung besser einschätzen zu können. Die Nase war breit und die Löcher schmal, eng und schwarz wie die Augen darüber. Genauso schwarz waren die Krallen die die Länge von Dolchen hatten. Die Innenseiten der Hände waren haarlos wie bei Affen und es besaß auch einen Daumen. Selbst wenn die Geisterfrau nicht gelogen hatte und dieses Wesen früher mal ein Mensch gewesen sein sollte, so war davon nicht viel übrig geblieben! Mit geöffnetem Rachen flehmte die Bestie wie ein Tier nach dem Geruch des Eindringlings und kostete so seine Witterung. Die Ohren zuckten in verschiedene Richtungen und Baltos musste sich zwingen langsam zu atmen. Immer weiter bewegte es sich auf seine Rüstung zu und entblößte damit seine Seite und die weiche Stelle unter seinem Arm, auf die Baltos gewartet hatte. Der Mantroner wartete auf den richtigen Moment, sprang aus der Deckung und schleuderte dann seinen dritten Speer. Mit einem schmatzenden Geräusch drang dieses Mal die Spitze deutlich tiefer ein und die Bestie schrie und zuckte deutlich zur Seite. Doch der Kampf war noch lange nicht zu Ende. Ohne die Waffe zu beachten, die in seiner Seite steckte, rannte der Koloss nun wieder auf Baltos zu. Der Mantroner, griff nach dem vierten Speer und wich zurück. Der Felsen, hinter dem er sich versteckt hatte, wurde mit einem wütenden Schlag beiseite gefegt. Der Mantroner setzte nun auf seine Gewandtheit und heckte wie ein Kaninchen zwischen der natürlichen Deckung hin und her, um möglichst wieder eine gute Wurfposition zu bekommen und in die Nähe des letzten Speers zu gelangen. Donnernd jagte ihm das Monster hinter her und nahm dabei seine Umgebung auseinander. Gesteinsbrocken hagelten gegen eine Wand, als es eine Kurve nicht ganz so elegant schaffte wie sein Opfer und krachend einen weiteren Stalagmiten pulverisierte. Die Wutschreie waren manchmal so nah hinter Baltos, dass er den stinkenden Atem der Bestie schon zu riechen glaubte, dann hechtete er wieder um eine Ecke und gewann so wieder an Vorsprung. Ein endlose gehetzte Herzschläge lang lockte er so die Bestie durch die Höhle an den Ort seiner Wahl. Ein paar sehr dicht stehende Säulen versperrten der Eisbestie den Weg wo er kleiner und gewandter einfach hindurch rennen konnte. Die Bestie krachte mit voller Wucht in die Spalte. Mit einer gleitenden Bewegung wandte er sich immernoch weiter schlitternd um und warf seinen vierten Speer. Zischend fand er sein Ziel und drang in die harten Muskelpartien des Bauchs der Bestie ein. Sie wollte gerade zurück weichen, da sauste im gleichen Moment der Wolf von hinten heran und riss ein Stück Fleisch aus der unteren Wade der Bestie. Geri wollte gerade wieder verschwinden, da hatte der Koloss ihn mit einer wischenden Bewegung doch noch an seiner hinteren Seite erwischt und schleuderte das viel kleinere Tier mit solcher Wucht gegen den nächsten Widerstand, dass Geri dort reglos liegen blieb. Ein Blick genügte um ihn zwar noch atmen zu sehen, aber dunkelrotes Blut quoll unter seiner Hüfte hervor.
Ein weiterer Wutschrei grollte donnernd durch die Höhle und ließ sie erzittern, doch dann schien eine Veränderung durch seinen Gegner zu gehen. Anstatt Baltos weiter nachzujagen standen die beiden Kontrahenten für kurze Sekunden sich gegenseitig fixierend voreinander. Es trennten sie kaum sechs Meter und Baltos sah sich im Angesicht eines weit überlegenden Gegners der wohl langsam anfing zu denken. Die Fratze der Bestie verschwand hinter der gewaltigen Säule und tauchte seitlich davon wieder auf. Ohne Baltos aus den Augen zu lassen, bewegte sich die Eisbestie nun langsam auf den Wolf zu. Baltos letzter Speer lag noch in einiger Entfernung. Er musste sich schnell entscheiden. Entweder er sprintete zum nächsten Versteck um sich erneut zu bewaffnen, oder der griff das Monster mit seiner Handaxt an, bevor es den Wolf erreichte. War es Zeit für den Nahkampf? War es Zeit das er Haros wieder gegenüber trat?

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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Samstag 1. Dezember 2012, 10:07

Zum Glück hatte die Eisbestie seinen Versteckwechsel nicht bemerkt. Wenn die Falle funktionieren sollte, konnte Baltos einen weiteren Speer in den Leib des Wesens versenken und da Ventha weiterhin an ihn glaubte, lag zu seinen Füßen der vorletzte Speer.
Das Mistvieh fiel auf seinen Trick herein und näherte sich vorsichtig seiner vorherigen Position. Der Mantroner musste so leise wie möglich sein damit sein Plan gelang, denn die Ohren der Bestie filterten jedes noch so kleine Geräusch heraus. Das Wesen näherte sich immer weiter und war kurz vor Baltos‘ liegengelassener Rüstung, der junge Man fackelte nicht lange, sprang wieder einmal hinter seinem Versteck hervor und versenkte zielsicher seinen Speer in die Flanke seines Gegners. Ohne weiter nachzudenken, schnappte er sich im Vorbeirennen den Speer am Boden. Jetzt begann die Verfolgungsjagd, der Einäugige rannte im Zickzackkurs an den natürlichen Hindernissen vorbei. Viele der Stalagmiten wurden durch die Eisbestie zerstört, die es gar nicht einsah auszuweichen. Doch einige waren zu massiv, sodass der Gegner von Baltos sie nicht einfach zerschmettern konnte.
Diese Hindernisse brachten dem Jägersohn den entscheidenden Vorsprung. Er selbst konnte auch nicht mehr lange die Hetzjagd weiterführen, als ihm eine Nische auffiel, die ihm eine gewisse Erholungspause einbringen konnte. Mit seinem letzten Atemzug sprintete er zwischen die Stalagmiten, die sich vor einer Wand im Halbkreis formiert hatten und somit eine Art Gefängnis schufen. Sie waren zu groß um von der Eisbestie einfach zertrümmert werden zu können.
Das dröhnende Geräusch der Fußtritte des Wesens war nicht mehr zu überhören, es musste direkt hinter ihm sein. Baltos dachte nicht einmal daran sich umzudrehen. Er lief so schnell wie es seine Beine zuließen. Mit einem beherzten Sprung verschwand er zwischen den Säulen. Der Untergrund war hier etwas glitschig und die Füße des Mantroners glitten über den Boden. Er nutzte den Schwung und warf noch im Drehen seinen Speer. Ans Zielen war bei dieser Schlitterpartie nicht zu denken, aber das brauchte er auch nicht. Die Eisbestie war, angetrieben durch ihre Instinkte, mit voller Wucht gegen die Säulen gelaufen und wurde etwas zurückgeschleudert. Für die Wurfwaffe gab es genug Treffermöglichkeiten und der Speer versank Tief in den Bauchmuskeln des Wesens. Der Einäugige wurde von der massiven Gesteinswand gestoppt. Er lehnte sich mit seinem Rücken gegen das Gestein und musste erst einmal wieder zu Atem kommen. Baltos erblickte, wie sein Gegner zurückweichen wollte, als Geri wie ein schwarzer Blitz aus dem Nichts geschossen kam und seine Reißzähne in die Wade seines Gegners versenkte. Zu früh! War der Gedanke des Jägers und dieser sollte auch bestätigt werden. Das Monstrum erwischte den Wolf an der hinteren Flanke, als dieser verschwinden wollte. Baltos schloss kurz das Auge vor Mitleid, als sein Verbündeter gegen einen entfernte Säule krachte und blutend liegen blieb. Jetzt war die Eisbestie richtig angepisst! Ein markerschütterndes Gebrüll verließ ihre Kehle und die Säulen von Baltos’ Versteck erzitterten. Der Mundgeruch, der ihm entgegenwehte, brachte ihn fast dazu sich zu übergeben. Es roch nach Maden, Eiter, Fäkalien, Blut und vergammeltem Fleisch. Der Einäugige stieß sich von der Wand ab und näherte sich dem Ausgang. Als die Bestie Blickkontakt mit ihm aufbaute, blieb er stehen. Die Beiden fixierten sich mit Argusaugen. Wenn man die Verletzungen betrachtete, führte die Eisbestie, sie sah weitaus schlimmer aus als der Mantroner. Das Blut quoll in dicken Brocken aus jeder Verletzung, die ihr Baltos und Geri zugefügt hatten. Aber anscheinend schien es das Monstrum nicht weiter zu kümmern. Baltos hingegen merkte seine Verletzung an den Rippen und um Geri sah es noch weitaus schlimmer aus. Im Kopf seines Gegners schien sich etwas zu tun, zum Anfang lief die Bestie zwischen den Säulen und hielt Ausschau nach seinem noch stehenden Gegner. In dieser Zeit bewegte sich der Einäugige kein Stück und verfolgte jeden schritt seines Feindes. Dieser entfernte sich vom natürlichen Schutzwall und ging langsam auf den Wolf zu. Ab und an blickte die Bestie nach hinten, ob sich dieser winzige Mensch auch ja nicht bewegte!
Lange wartete Baltos nicht, als die Bestie kurz vor Geri war lief er aus seinem Versteck. Bis zum Speer würde er es nicht mehr schaffen und der Wolf hatte Baltos das Leben gerettet. Jetzt war es an ihm sich dafür zu revanchieren. Der Jägersohn ließ seinem Zorn freien Lauf und brüllte mit all seiner Kraft einen Kriegsschrei. Die Axt lag fest in seiner rechten Hand und seine Füße beschleunigten immer mehr. Ihn trennten vielleicht noch fünf Meter von seinem Gegner. Dieser hatte sich sofort bei dem Schrei umgedreht und rannte Baltos entgegen. Im Laufen hob Baltos die Streitaxt über seinen Kopf, seine freie Hand schloss sich ebenfalls um den Griff. Die Bestie schlug mit einem Seitwärtshieb nach ihm. Der Jäger sprang dem Handrücken entgegen und versenkte, kurz vor dem Aufprall, das Axtblatt in die Pranke. Die Wucht des Aufschlages presste ihn wieder einmal die Luft aus der Lunge und Baltos hörte es erneut knacken, aber er ließ den Griff seiner Waffe nicht los und hing nun an der Hand seines Feindes. Dieser probierte ihn abzuschütteln, aber der Mann war hartnäckig. Noch im Herumschleudern stemmte er seine Beine gegen den Handrücken und probierte die Axt herauszuziehen. Bei dieser Rüttelaktion bemerkte er, wie die Axt die Hand seines Gegners erheblich verletzte. Knochen brachen und Sehnen wurden zertrennt. Die Eisbestie schrie vor Schmerzen und schlug, rein instinktiv, ihre Hand auf den Boden. Durch die Wucht gelang es dem Mantroner seine Axt zu befreien und er stieß sich im selben Moment von der riesigen Hand ab. Sein nackter Rücken wurden durch den Aufprall mit dem knochenübersäten Boden ziemlich malträtiert. Er rutschte einige Meter über die Abfallkammer der Bestie, bis er endlich zum Stehen kam und sich wieder aufrichtete. Dabei spürte Baltos, dass es wohl noch ein paar Rippen erwischt hatte, der Schmerz trieb ihm Tränen in die Augen, doch durfte er jetzt nicht aufgeben. Er schluckte die Hilfeschreie seines Körpers herunter und blickte seinen Feind an. Dieser war noch ganz verwirrt von den Schmerzen, die sich in seiner Hand abspielten. Anscheinend war es noch niemandem gelungen dieses Mistvieh so zu verletzen.
Der Einäugige nutzte den Moment um sich zu orientieren und suchte nach seinem Speer. Er wusste genau wo dieser lag, das Problem war nur, dass durch den Kampf und die zertrümmerten Säulen, die Umgebung nicht mehr so aussah wie zum Anfang. Knochenreste rieselten von Baltos‘ Rücken als er die Umgebung absuchte. Hätte er einen Spiegel würde dieser ihm die Ausmaße seiner Schlitterpartie vor Augen führen. Sein ganzer Rücken war mit Striemen und Abschürfungen übersät, an manchen Stellen war die Haut so dünn, dass man die Muskeln schon erahnen konnte. Doch die Schmerzen in seinem Brustkorb waren größer und verdrängten die Neudazugekommenen. In dem Moment als sich die Bestie wieder auf ihn konzentrierte, erblickte Baltos seinen letzten Speer. Diese ragte eine Handbreit unter dem Geröll eines zerstörten Stalagmiten hervor. Er nahm die Beine in die Hand und rannte auf ihn zu. Das Gleiche tat die Bestie. Sie war so wütend wie noch nie in ihrem langen Leben und wollte diesen Kampf endlich beenden. Der Mantroner erreichte einen kurzen Augenblick vor seinem Gegner den Speer und zog diesen unter dem Schutt hervor. Dieser war zum Glück nicht beschädigt. Die Bestie trennte nur noch wenige Meter von Baltos. Dieser wusste, dass es jetzt darauf ankam die hölzerne Waffe im richtigen Winkel zu versenken, sonst war er so gut wie tot. Er stemmte sein rechtes Bein gegen einen Felsbrocken, der Halt versprach. Seine rechte Hand umfasste fest den Speer, in seiner Linken ruhte die Axt. Als die Bestie nah genug war schleuderte er die Wurfwaffe in die Richtung des Brustkorbes, diesmal wollte er das Herz treffen. Nach der Anatomie seines Gegners musste es sich dort befinden, Baltos hoffte dies inständig. Die Axt war kurz nach dem Wurf wieder in der Rechten Hand und bereit zum ausholen. Vielleicht zum letzten Mal?

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Samstag 1. Dezember 2012, 17:47

Baltos hatte kaum Zeit sich in dem Halbrund seines „Gefängnisses“ umzusehen, doch auch wenn hier Knochen lagen, auch hier Skelette ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, so waren ihre Knochen doch nicht so wild durcheinander geworfen wie an anderen Stellen der Höhle. Anscheinend hatten sich schon vor ihm Mutige hier her gewagt, aber waren dann hier gestorben. Vielleicht lohnte es sich später diesen Ort noch einmal zu untersuchen, aber erst einmal hielt das Wutgebrüll seines Gegners Baltos Konzentration gefangen. Sein vorletzter Speer hatte gut getroffen und auch die Attacke des Wolfes hatte das Untier schwer verletzt. Doch der Vorstoß des Wolfes war einen Hauch zu früh gekommen und so hatte die Bestie ihn hart erwischt. Baltos Herz krampfte vor Mitleid, doch es bleib keine Zeit für Sorge. Die Bestie wusste anscheinend sehr genau, wie sie den Menschen aus seinem Versteck locken konnte! Aug in Aug mit dem Mantroner näherte es sich dem schwer verletzten Wolf und Baltos wusste, dass er seinen Tod nur verhindern konnte, wenn er handelte. Sein Wutschrei, sein Ansturm auf den Gegner wurde mit solcher Wucht erwidert, dass er abermals schwer getroffen wurde. Doch dieses Mal war er auf den Schlag vorbereitet gewesen. Seine Axt hatte sich tief in das Fleisch der Klauenhand gegraben und zwischen den Knochen verhakt. Baltos hing an seiner Waffe, ließ nicht los und die Bestie schrie vor Schmerz und Wut, was sich kaum anders anhörte. Er ließ nicht locker und vor Wut schlug die Bestie die Hand, samt dem Krieger auf den Boden. Auf beiden Seiten barsten Knochen und Baltos landete auf dem Rücken, wurde ein paar Meter weg geschleudert und kam in einem Haufen aus Knochen zum Liegen. Die Axt war frei und hatte die Hand des Eismonsters über die Hälfte abgetrennt. Von Schmerz und vor allem wohl durch den Funktionsverlust verwirrt und wütend, beachtete sie den Menschen einen Augenblick nicht, so dass Baltos Luft gewann um aus ihrer Reichweite zu entkommen. Es hockte da und starrte auf das schlaffe Fleisch, dass da an seinem Unterarm herunter baumelte. Nur der Daumen zuckte noch ein klein Wenig willendlich. Auch Baltos hatte erneute Verletzungen davon getragen. Besonders seine linke Seite schmerzte bei jedem Atemzug so sehr, als bohrten sich tausend Nadeln in seine Lunge, doch noch spuckte er kein Blut, was hoffen ließ. Das Adrenalin tötete sowieso viel von den Schmerzen und er orientierte sich neu. Das Schlachtfeld hatte sich verändert. Überall lag glitzerndes Geröll herum. Dann erblickte Baltos seinen letzten Speer. Diese ragte eine Handbreit unter dem Geröll eines zerstörten Stalagmiten hervor. Er rannte auf ihn zu, doch auch die Bestie war durch seine schnelle Bewegung wieder auf ihn aufmerksam geworden und folgte ihm dicht auf den Fuß. Er schlitterte die letzten Meter und seine rechte Hand umfasste fest den Speer, in seiner Linken ruhte die Axt. Er wollte gerade den Speer schleudern, da lief der heiße Atem der Bestie ihm den Nacken hinunter. Es war kein Platz mehr um zu werfen.
Er wusste, dass es jetzt darauf ankam die hölzerne Waffe im richtigen Winkel zu versenken, sonst war er so gut wie tot. Er stemmte sein Bein gegen einen Felsen, drehte sich schnell und richtete so den Speer steil zwischen sich und dem um ein Vielfaches größeren Gegner auf. Er kannte diese Technik aus der Bärenjagd. Jetzt musste die Bestie sich nur noch auf ihn stürzen und das tat sie auch. Die Spitze der hölzernen Waffe drang unter dem Rippenbogen steil aufwärts treibend in den Leib des Untiers, während die verletzten Klauen nach ihm griffen. Baltos stürzte durch die Wucht des massigen Körpers getrieben nach hinten. Die Last ihres eigenen Körpers drückte den Dorn immer tiefer in den festen Leib, durchstieß die halten Muskelschichten und traf auf weichere Organe. Baltos sah das vor Eiter und Ass geifernde Maul auf seinen Kopf zu kommen. Das Gebrüll aus Schmerz und Blutdurst, das ihm entgegen sprühte, klatschte ihm zähe Speichelfäden und faulige Stückchen an die Stirn. Die langen Eckzähne würden reichen um ihn sein Haupt von den Schultern zu trennen und der schwarze Rachen gierte nach ihm abgründig und finster wie der Tod selbst. Geistesgegenwärtig hob er noch seine Axt wie ein kleines Schutzschild vor sein Gesicht und drückte die Klinge in den Mundwinkel der Bestie, zwischen die Zähne. Der Speer brach, er hörte es und Baltos wurde ganz unter dem Monster begraben. Er sah nicht mehr. Überall war schimmelig grünes Fell und stinkendes blaues Blut sickerte in seinen Mund. Plötzlich war es dunkel und für einen Augenblick glaubte Baltos vielleicht sogar, nicht mehr in dieser Welt zu sein, sondern schon die Nächste betreten zu haben. Es war nicht schlimm, denn seine Ahnen würden ihn dort erwarten und er hätte mit Stolz berichten können, dass er nicht allein aus der Welt geschieden war. ER hatte die Eisbestie mitgenommen! Ehrenvoll wäre er gestorben und man würde am Feuer über seine Taten singen und ihn in weiche Ruhmes-wärme betten. Er fühlte die Wärme schon in seinem Rücken … Doch das war ein verwirrender Gedankengang. Wieso fühlte er Wärme in seinem Rücken? Der Schmerz kam mit einem Schlag so heftig zurück, dass er so viel Adrenalin ausschüttete, dass Baltos wieder schlagartig wach wurde.
Doch dann hörte er das schwere letzte Röcheln über sich. Er hörte den langsam werdenden Atem. Er spürte den Druck auf seinem geschundenen Körper und den Tod der über sich zuschlagen. Das dumpfe Klopfen wurde leiser und eine halbe Tonne Muskelfleisch lagen schlaff auf ihm. Er wusste, er musste sich schnell befreien, bevor seine Kraft versiegte und der Schmerz zurückkehrte. Baltos zog seine Knie an. Allein die Kontraktion seiner Muskeln ließ die gebrochenen Rippenbögen knirschen, aber er bis die Zähne fest aufeinander und machte weiter. Er bekam seine Beine so angewinkelt, dass er mit letzter Kraft sie stecken konnte um das Monster von sich herunter zu hebeln. Fahles Licht streichelte sein Gesicht und stinkende Luft drang dankbar wieder in seine brennenden Lungen. Erst jetzt merkte er, dass er in der warmen, offenen, halb abgetrennten Hand der Bestie lag. Fast alle der langen Krallen hatten ihn nur um Haaresbreite verfehlt, nur eine hatte seine rechte Hüfte mit der Daumenkralle aufgeschnitten. Die Wunde war nicht tief, aber allein der Anblick der Kralle ließ eine baldige heftige Infektion erwarten. Baltos lag eine Weile wie erstarrt da. Er lebte! ER LEBTE!!!
Die Eisbestie war tot und er hatte den Kampf überlebt. Bis auf eine gebrochene Rippenserie und dem Schnitt an seiner Hüfte, der seine Lederhose von der Schnalle seines Gürtel bis zum Gesäß aufgerissen hatte, ging es ihm noch erstaunlich gut. Sein Atmen rasselte auf der linken Lunge etwas, aber selbst wenn ein Knochensplitter einen Teil getroffen hatte, so war dieser nur klein und beeinträchtigte nicht das Atmen an sich. Der langsam stärker werdende Schmerz, stand im direkten Zusammenhang mit Baltos Herzschlag. Um so mehr er sich beruhigte, um so intensiver fühlte er seine Verletzungen. Doch langsam kam auch die Sorge um seinen Begleiter wieder. Baltos rollte seinen Kopf zur Seite und schaute zu der Stelle wo der Wolf gelegen hatte. Er war verschwunden! Einzig eine blutig Spur zeigte an, dass er dort gelegen hatte. Vorsichtig versuchte er sich aufzurichten, doch langsam behinderten ihn die Schmerzen doch. Er drehte sich erst einmal aus der Hand der Bestie und richtete sich dann die Seite haltend auf. Baltos war gerade so weit hoch gekommen, dass er saß da hörte er ein kurzes Knurren, gefolgt von dem Geräusch klappender Zähne hinter sich. Sein Blick jagte herum und er konnte gerade noch sehen, wie das Monster seinen Arm erhoben hatte um nach ihm zu greifen, um seine schwarzen Krallen in seinen Rücken zu schlagen. Geri hatte mit seinem Kiefer das Handgelenk erwischt und hielt es am Boden. Eine blutige Schleifspur zeigte deutlich seinen Weg, wie er sich herangeschlichen hatte. Die Bestie hatte nicht mehr genug Kraft um sich zu wehren, aber lebte noch immer. Die schwarzen Augen funkelten wässrig, aber der noch recht gesunde Arm lag gehalten vom Wolf am Boden. Die Bestie wirkte fast, als würde sie weinen, aber die Klauen zuckten immernoch zum Töten bereit. Baltos musste nur noch einmal seine Klinge schwingen und es würde endlich vorbei sein! Der Kiefer öffnete sich röchelnd und eine verzerrte Stimme erklang, wenn gleich sie sich doch irgendwie menschlich anhörte. Ein Schauer lief Baltos über den Rücken. Irgendwann musste dieses Wesen mal eine menschliche Seele besessen haben.
„ … Tö … te ... mich!“

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(noch ... Infektionsgefahr)

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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Montag 3. Dezember 2012, 14:10

Jeder hätte die Augen geschlossen als der riesige Koloss mit weit geöffnetem Maul auf den Mantroner niederschlug, aber nicht Baltos! Er war Jäger und ein Jäger ließ seine Beute niemals aus den Augen, auch nicht im Moment des eigenen Todes. Geistesgegenwärtig riss er seine Axt in die Höhe und vergrub die Waffe zwischen die Zähne und den oberen Gaumen der Eisbestie. Ein Knall von berstendem Holz machte ihm klar, dass sein gewaltiger Gegner von nichts mehr Gehalten wurde und auf ihn stürzen würde. Innerlich schickte er noch einen Gruß zu seinen Eltern, bevor er auf den Boden gedrückt wurde und von Schwärze umgeben wurde.


Die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete war Balsam für die Seele und der junge Gläubige dachte schon, dass ihn Ventha in den Arm nahm, doch dann setzte der Schmerz ein und Baltos wurde bewusst, dass seine Zeit für ein Wiedersehen mit Haros noch nicht gekommen war. Er musste aus seinem lebenden Gefängnis entkommen, bevor ihn seine neu gewonnen Kräfte wieder verließen. Wie er es geschafft hatte diesen Berg von sich zu drücken war ihm unklar. Er war stark, stärker als manch Anderer, aber das er allein durch die Kraft seiner Beine das Fünffache seines eigenen Gewichts stemmen konnte, musste wohl nur gelungen sein durch den Segen Venthas. Der Mantroner war am Ende seiner Kräfte, als er endlich das bläulich Schimmernde entdeckte, dass dieser Höhle Licht spendete. Warum er in der zerteilten Hand der Eisbestie lag war ihm ebenfalls unklar. Als Baltos seinen Kopf, immer noch liegend, hin und her bewegte, stellte er erstaunt fest, dass er der größte Glückspilz auf der Welt sein musste. Die Krallen, die gefährlich nah lagen, hatten ihn kaum erwischt, nur an seiner Hüfte klaffte ein Loch, aber es war nichts Lebensbedrohliches. Nur musste die Wunde gesäubert werden, denn sonst drohte eine Infektion, die ihn dann wahrscheinlich töten würde.
Baltos konnte es immer noch nicht glauben, er lebte und hatte ein Legendenwesen seines Volkes getötet!
Er musste zurück ins Dorf, die Schmerzen wurden immer stärker und der Mantroner hatte nichts dabei um sich notdürftig zu verarzten.
Geri! Blitzte es gedanklich in Baltos auf, schnell suchte er mit seinem Blick nach dem verwundeten Tier. Nur noch eine Blutspur zeugt davon, dass etwas Lebendes an der Stelle gelegen haben musste, an welcher der Wolf vorher gewesen war.
Baltos musste erst einmal wieder auf die Beine kommen, dann konnte er immer noch nach dem Wolf suchen. Die Schmerzen in seinen Rippen weigerten sich vehement dagegen, dass er sich bewegte. Der Jägersohn hatte es gerade mal geschafft sich hinzusetzen, als er ein Knurren hörte. Sein Kopf raste sofort in die Richtung aus der die Geräuschquelle kam. Mit weit aufgerissenem Auge sah Baltos die Pranke seines, eigentlich tot geglaubten, Gegners auf sich zu rasen. Die Zähne von Geri stoppten den Angriff und fixierten die Hand auf dem Boden. Der Mantroner suchte sofort nach dem Kopf der Bestie, Baltos lag seitlich neben ihr auf Höhe der Schulter. In den Augen der Eisbestie konnte man den Schmerz erkennen, es war so gut wie am Ende. Doch wollte es anscheinend noch immer seinen Tod. Als sie dann mit einer verzerrten Stimme, die irgendwie menschlich klang, von ihm verlangte sie zu töten, spürte Baltos, wie ein kurzer Schauer über seinen malträtierten Rücken rann. Unter größten Schmerzen schaffte es der Einäugige sich auf die Beine zu kämpfen. Der Schweiß lief ihm dabei über die Stirn und tropfte auf den von blauem Blut verschmierten Boden. Er hielt sich, während er auf seinen Gegner langsam zulief, die verletzte Stelle an der Hüfte. Kurz vor dem Kopf der Bestie erblickte er auch seine Axt. Mit einem Ächzen bückte er sich nach der Waffe und ging auf den Hals des Monstrums zu.
Ohne ein Wort zu sagen hob er die Axt und ließ sie auf den Hals niederkrachen. Das Axtblatt versank tief, doch musste er dreimal ausholen um den Kopf vom Rumpf zu trennen. Sein Feind war schon nach dem ersten Schlag tot gewesen, aber der junge Mann wollte eine Trophäe! Einen Beweis, dass er die Eisbestie getötet hatte! Als die blutige Arbeit getan war, rammte er die Axt in den unteren Teil des Kopfes, damit dieser an der Waffe hängen blieb.
Erst jetzt ging der Mantroner zum Wolf und kniete sich, abermals unter Schmerzen, zu seinem Waffengefährten und blickte mit seinem einen Auge in das graue Auge des Wolfes.
Geri hatte sich, nachdem der Widerstand der Bestie gelegt hatte, neben die Pranke gelegt.
Er hatte zwei klaffende Wunden an der Hüfte und verlor viel Blut, lange würde das Tier nicht mehr bei Bewusstsein bleiben.
Die beiden Verbündeten blickten sich eine Zeit lang still an, jeder von ihnen war am Ende seiner Kräfte. Die Worte des Jägers durchschnitten die Stille.
„Ich danke dir! Ohne dich wäre ich schon längst tot! Jetzt lass mich dir helfen!“
Der Wolf hatte anscheinend verstanden und präsentierte Baltos seine Verletzungen. Dieser zerriss seine Hose, denn sie hatte eh keinen Nutzen mehr. Gekonnt wickelte er Teile der Lederhose um die Verletzung von Geri und zog sie gut fest, damit die Blutung erst einmal vorzeitig gestoppt wurde. Dann nahm er den Rest seines Ehemaligen Beinkleides und verband seine eigene Verletzung an der Hüfte.
„Ich bin gleich wieder da.“ Mit diesen Worten machte er sich auf die Suche nach seiner Rüstung. Baltos brauchte auch nicht lange, um sie zu finden. Sie anzuziehen würde keinen Zweck erfüllen, selbst seine Mutter konnte diese nicht mehr reparieren. Er nahm die Halterung für die Axt ab, genau wie den weißen Mantel. Der Mantroner legte sich den Wolfsmantel um die Schultern und befestigte dann die Lederschlaufe für seine Axt an seinem Oberkörper. Dadurch konnte der Mantel nicht verrutschen, die Axt hängte er in die Halterung. Durch den Kopf der Eisbestie, der dreimal so groß wie der von Baltos war, sah der Jägersohn aus wie ein Wesen mit einem zweiten Kopf auf dem Rücken. Die Schmerzen ignorierte er so gut er konnte auf dem Rückweg zu Geri. Als er diesen wieder erreichte, bewegte sich der Wolf nicht mehr. Zwar atmete er noch, aber ansonsten zeigte er keine Regung mehr.
Baltos musste ihn so schnell wie möglich zu Norna bringen, aber mit seiner derzeitigen Kleidung waren seine Chancen zu Überleben mehr als gering. Der Jäger suchte die Höhle nach nützlichen Gegenständen ab. Bei all den Leichen musste es hier etwas nützliches geben.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. Dezember 2012, 19:56

Endgültigkeit umgab den Mantroner.
Fast wollte er es noch nicht glauben, aber es war vollbracht. Stille breitete sich in der Höhle aus, die nun das Grab der Eisbestie war. Stille wohnte nun in dem verfluchten Herzen und still lag der abgetrennte Kopf neben dem Körper. Die Klinge hatte das Ende gebracht. Baltos glaubte in der Ferne und ganz nah leise Flüsternde Stimmen zu hören die verklangen, als könnten sie nun endlich diesen verfluchten Ort verlassen.

Nun galt es selbst zu überleben, doch nicht nur sein eigenes Leben lag dem Mantroner am Herzen.
Baltos beugte sich zu Geri hinüber und kümmerte sich um seine Wunden.
„Ich danke dir! Ohne dich wäre ich schon längst tot! Jetzt lass mich dir helfen!“
Die Reste seiner Hose gaben einen straffen, wenn gleich nicht sehr gut saugenden Verband ab. Es sollte ja nur eine Weile reichen. Die Hüfte des Wolfes war an zwei Stellen durch die Wucht des Aufpralls einfach aufgeplatzt. Wenigstens schienen seine Wunden sauber und nicht von dem Blut der Bestie infiziert worden zu sein. Baltos hatte notdürftig auch seine Wunde versorgt und sah dann seinen Begleiter an.
„Ich bin gleich wieder da.“
Baltos suchte seine Rüstung und fand sie auch schnell. Von dem einstigen Körperschutz war kaum noch etwas zu gebrauchen, nur sein Mantel, verdreckt, aber wärmend war noch vollständig erhalten. Er sah noch einmal nach Geri, der inzwischen das Bewusstsein verloren hatte und machte sich dann daran seine Umgebung genauer zu untersuchen.
Es war eine schaurige Aufgabe, die er sich da gestellt hatte, aber wollte er überleben, so brauchte er Kleidung und so etwas wie sauberes Verbandsmaterial. Wenigstens gab es frisches Quellwasser zum Reinigen im Überfluss. Baltos streife durch die Höhle und langsam nahm auch wieder der Adrenalinpegel in seinem Blut ab. Dies hatte zwei Folgen. Die eine war schmerzhaft, die Andere war der Umstand, dass er wieder klarer denken konnte. Er streifte umher, fand mal hier, mal da einen Leichnam. Einige waren vollkommen zerstört und selbst die Knochen zu Splittern zermalmt, andere waren noch recht gut erhalten, wenn sie es geschafft hatten sich in kleiner Nischen zu drücken, wo sie dann langsam verendet waren. Jede erzählte ihre eigene Geschichte. Da waren Krieger, Jäger so wie Baltos einer war, groß in Statur und Bau die einst ausgezogen waren das Untier zu erlegen, doch da waren auch kleine Skelette, deren Anblick Baltos die Kehle zu schnürte. Immer hatten die Erwachsenen ihren Kindern gesagt: „Geh nicht allein in den Wald.“
Hier lagen jene, die nicht gehört hatten.
Ein eisiger Schauer rann abermals über seinen Rücken, als er eine winzige Hand, mit einem zerfetzten Stofftier unter einem Berg aus Leichen heraus gucken sah. Das Stofftier zeigte noch deutliche Formen eines Eisbären, war aber sonst schon halb mit Schimmel und Fäulnis überzogen. Das Prickeln auf der Haut nahm kaum ab, als der sich vorsichtig dem Haupt-Fressplatz der Bestie näherte. Es war seltsamerweise erstaunlich warm hier und die Leichen türmten sich an einer Felswand weit hinauf, fast über fünf Meter, wenn der Boden darunter gerade bemessen sein würde. Hier war es erstaunlich trocken, warm und die Leichen fast mumifiziert. Hier gab es Waffen, Kleidungsstücke im Überfluss, doch die Kunst war es etwas zu finden, was passen könnte und nicht so zerrissen war, dass es auch am Leibe hielt. Baltos war auf seiner Suche den Hang ein kleines Stück hinauf geklettert, als plötzlich unter ihm alles ins Rutschen geriet. Um zwischen den Leibern und Knochen nicht zu versinken, reagierte er schnell und breitete Arme und Beine weit auf um oben auf zu „schwimmen“. Ein seltsam staubige Wolke aus den unteren Schichten der verfaulten Leichname stieg empor und raubte ihm den Atem. Das Knirschen der alten Knochen verklang mit dem ausrollen der Körper. Baltos hatte nicht einatmen wollen doch der Gestank war noch nicht einmal das Problem. Das Brennen in den Augen und der Staub der sich auf seine Atemwege gelegt hatten machte ihm mehr Sorgen. So etwas konnte nicht gesund sein. Er hustete heftig und als er wieder sehen konnte, nahm er ein verschwommenes Glühen durch den Tränenfilm seiner Augen wahr. Er erhob sich langsam.

Das Glühen

Der Hang war ins Rutschen geraten und legte die obere Hälfte eines leicht glühendes Materials frei, dass kreisrund noch ein Stück in die Tiefe reichte. Konnte Baltos seinen Augen trauen? Ungläubig zog es ihn magisch an und das Prickeln auf seiner Haut wurde stärker. Der Kreis maß gut fünf Meter in seiner Breite und bestimmt auch in der Höhe, würde man den Rest der Leichen entfernen. Es wirkte wie einer der Tunnel die die Bestie gegraben hatte, doch war er mit etwas … etwas das aussah wie Bernstein verschlossen. Baltos näherte sich vorsichtig durch die Knochen und streckte von seiner Neugierde getrieben die Hand nach der glimmenden Oberfläche aus. Wie ein Kind das etwas das es nicht kennt, musste er es einfach berühren, erfahren, begreifen.
Es fühlte sich warm an. Hart wie Bernstein, gemasert wie gewachsen, als würden feine Adern es durchziehen. Dahinter war das Leuchten. Baltos stand über knietief in Leichen als er heran getreten war und unter seinen Füßen war noch nicht der Boden. Etwas drückte an seinen Oberschenkel und als er geistesabwesend den Knochen mit der Hand wegschieben wollte, ging es nicht. Sein Blick fiel an ihm hinab und sah aus den Knochen die Spitze einer Klinge ragen. Bevor er sich sie näher betrachten konnte hörte er eine Stimme hinter sich:
„Ich hatte dir gesagt, du wärst hier nicht erwünscht. Ich hatte Unrecht.“
Baltos war herum gewirbelt.
„Er hat meinen Geist verwirrt. Es war mein Bruder der uns alle hier gehalten hat. Es war sein Hunger der uns verzehrt hat. Ich erinnere mich nun langsam.“
Die Geisterfrau schritt über die Knochen als hätte sie kein Gewicht und kein Einziger wurde durch ihre Berührung bewegt. Blass und traurig sah sie zu Baltos hinauf, während sie langsam näher kam.
„Ich hatte es vergessen. Es ist so lange her. So viele Jahreszeiten! Einst gab es hier an diesem Ort einen unterirdischen Tempel dem ich diente. Einst gab es hier Leben und Wärme und eine Hohepriesterin des Uhrgeistes der alles erschaffen hat. Ich war nur ein kleines Licht, doch ich war von Glauben durchdrungen. Mein Bruder liebte mich sehr, doch neidete mir meinen Glauben. Er wollte mich nur für sich und entweihte den Tempel. Ich verfluchte ihn dafür in Gestalt der ungeliebten Bestie auf ewig zu wandeln.“
Glitzernde Tränen liefen über ihre fahlen Wangen.
„Du hast sein Werken beendet, doch ich kann ihm noch jetzt nicht verzeihen. Er ist tot, doch ich kann noch nicht gehen. Nicht bevor der Tempel gereinigt wurde.“
Sie sah unverwandt auf die glühende Scheibe.
„Beende was einst begonnen wurde und spalte den Stein. Brich den Fluch und der Stein wird rein.“
Baltos sah sie, doch sie verlor an Materie, wurde langsam durchscheinend. Sie ging zu ihrem Bruder, kniete neben dem Kopf, den Baltos bei Geri zurückgelassen hatte. Sie streichelte seine Stirn und sah voller Leid zu Baltos den kleiner gewordenen Hang hinauf. Ihre Lippen formten das Wort:
„Bitte!“
Doch sie hatte nicht mehr genügend Materie, dass man es hören konnte. Doch würde der Mantroner diesmal dem Geist vertrauen? Sie schien gewandelt …
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Samstag 8. Dezember 2012, 23:53

Baltos legte seine Axt neben Geri, der Kopf seines nun toten Gegners steckte immer noch in der Klinge.
Die Schmerzen auf Rippenhöhe wurden immer penetranter. Es war erstaunlich was dieser junge Mann alles wegstecken konnte und dabei immer noch bei klarem Verstand blieb.
Die Mantroner lebten schon seit langer Zeit in diesen Gefilden und hatten sich angepasst. In jeden von ihnen brannte ein Feuer lichterloh, das wahrscheinlich nicht einmal von den Göttern gelöscht werden konnte.
Der Mantroner verzog kurz das Gesicht und atmete mehrere Male tief ein. Das Atmen fiel schwer mit der Verletzung, aber er spürte kein Rasseln in seiner Lunge. Was ein wirklich gutes Zeichen war! Sein Blick glitt noch einmal zu dem kleinen See. Seine Wunden konnte er wenigstens mit dem sauberen Quellwasser reinigen, damit diese sich nicht infizierten. Aber dies würde er erst nach seiner Suche tun, denn bei all dem Dreck in dieser Höhle brachte es nichts die Wunden vor der Suche zu reinigen.
Baltos lief einige Zeit durch die Höhle, den Blick immer auf den Boden gerichtet. Wie viele Skelette hier lagen war nur schwer zu zählen. In den Augen des Mannes waren es aber zu viele. Tapfere Männer waren hier gestorben, auch Teile von verstümmelten Frauenkörpern waren noch zu erkennen. Aber als er die Hand eines Kindes sah, die knochigen Hände die selbst im Tod ihr geliebtes Stofftier nicht hergaben, zerriss es dem Mantroner das Herz.
Er ging vor dem Andenken des Kindes in die Knie und befreite die abgetrennte Hand mit dem Stofftier aus dem Knochenberg. Voller Respekt hielt er die kleine Hand in seiner wesentlich Größeren. Das Stofftier sollte wohl einen Eisbären darstellen, aber war es von Staub und Schimmel überzogen. Als er die Überreste des Kindes betrachtete, wurde sein eines Auge glasig. Wenn man Baltos betrachtete, konnte man schnell zu dem Trugschluss kommen, dass diesen Mann selten etwas zu Tränen rührte, aber dieser Verdacht war schlichtweg falsch! Auch er hatte ein Herz und dieses schlug wie wild bei diesem Anblick. Behutsam legte er die Hand und den Bären auf einen kleinen Fels und wischte sich mit seinem Handrücken die einzelne Träne aus dem Gesicht. Er wusste, dass es nicht seine Schuld war, dass er dieses Kind nicht gerettet hatte. Es war wahrscheinlich schon lange vor seiner Geburt gestorben, aber er gab sich trotzdem die Schuld. Wenn er es aus der Höhle lebend schaffen sollte, würde er mit einigen Männern zurückkommen und den hier Verstorbenen die letzte Ruhe verschaffen. Das war er ihnen einfach Schuldig!
Der Mantroner folgte dem Pfad, bei dem es die meisten Knochen gab und erreichte die Futterkammer der Eisbestie. Ein Berg von Leichen türmte sich an der Wand und überragte Baltos um gut fünf Köpfe. Wieder einmal musste er schwer schlucken, bei all diesen ausgelöschten Existenzen. Erst jetzt wurde ihm kläglich bewusst, wie viel Leid dieses Wesen gebracht hatte. Etwas Gutes hatte dieser schaurige Fund jedoch: Die Familien aus Mantron konnten vielleicht ihre verschollenen Familienangehörigen wiederfinden, um endlich Abschied zu nehmen, ein kleiner Trost bei all diesem Leid. Wieder einmal tauchte das Bild der Frau auf, die er schon seit seiner Kindheit kannte, die aber unter mysteriösen Umständen nicht mehr auffindbar war. Baltos wusste nicht, ob der Fund ihrer Leiche den Eltern beim bewältigen ihrer Trauer helfen konnte, aber er wollte sich auch nicht weiter mit diesen traurigen Gedanken beschäftigen. Der Jäger brauchte wärmende Kleidung und so etwas wie Verbandsmaterial. Die Leichen am Grund des Berges waren schon fast vollständig verwest, das brachte ihn dazu, lieber auf der Spitze nach etwas Brauchbarem zu suchen.
Vorsichtig begann er nach oben zu klettern, woran er sich teilweise festhielt, wollte Baltos lieber nicht wissen. So kämpfte er sich von Leiche zu Leiche und mehr als einmal starrte er in eine von Schmerzen verzogene Fratze. Als der Mantroner kurz davor war die Spitze des Leichenbergs zu erreichen, begann der Haufen einzustürzen. Geistesgegenwärtig, breitete Baltos seine Gliedmaßen aus um nicht verschüttet zu werden, um auf den Leichen zu „schwimmen“. Etliche tote Hände griffen nach ihm, verweste Körper knallten gegen seinen Oberkörper und ließen ihn vor Schmerzen kurz aufstöhnen. Irgendwann war die Totenlawine zum Stehen gekommen. Der Jägersohn hatte mehr Leichenstaub abbekommen als ihm lieb war. Mit tränenden Augen begann er bei all dem Staub zu husten und seine Rippen ließen ihn jedes Mal wissen, was sie davon hielten. Der Berg war jetzt nur noch halb so groß und als sich sein Blick langsam wieder neutralisierte, konnte Baltos ein Leuchten erkennen. Es zog ihn magisch an und auch sein Körper begann langsam zu kribbeln, als würde er wissen was dort vor ihm lag. Der Jäger schlug sich durch die Leichen durch, dabei war er bis zur Hüfte von toten Körpern begraben. Es kostete ihn einiges an Kraft sich durch die Leiber zu schieben, aber am Ende erreichte er das Objekt seiner Begierde. Dieser Gegenstand war beträchtlich groß und hatte eine runde Form, der junge Mann musste es einfach anfassen. Seine Hand berührte den Gegenstand, er konnte spüren, wie die Wärme von diesem Ding in ihn überging.
Die Fläche der Scheibe war eben, doch feine Maserungen durchliefen sie. Irgendetwas beleuchtete dieses Objekt, was es war, konnte Baltos nicht sagen. Doch es wirkte, als wäre die Scheibe eine Art Deckel, der etwas vor der Außenwelt schützen sollte! Der Jäger wollte sich gerade auf den Weg zurück zur Axt begeben, als ihn etwas an Ort und Stelle festhielt. Erst dachte der Mantroner, es wäre nur ein Knochen, aber als er genauer hinsah, konnte er ein Stück einer Klinge erkennen. Aber was das für eine Waffe war, konnte er nicht sagen. Als auf einmal eine Stimme die Ruhe der Höhle durchbrach, wirbelte Baltos herum und seine lädierten Knochen bedankten sich lautstark bei ihm.
Da war sie wieder: Das Geistermädchen! Nur wirkte sie diesmal auf den Mantroner anders. Traurig und doch gleichzeitig dankbar. Sie erklärte dem Mann, was hier vorgefallen war und das ihr Bruder der Auslöser all dieses Übels war. Endlich wurde auch das Geheimnis gelüftet, welcher Gott hier einst verehrt wurde, der Urgeist. Dieser war der Vater aller Götter, wie Baltos noch aus dem Schulunterricht wusste. Das ein Mann all dieses Leid bringen konnte, war kaum vorstellbar. Stumm beobachtete der Jäger, wie sich der Geist seiner Position näherte. Keine Leiche bewegte sich, als die Gestalt diese berührte, jetzt war es offiziell! Keine fünf Meter vor ihm befand sich ein Geist. Normalerweise sollte man Angst bekommen, wenn man eine verstorbene Seele erblickte, aber Baltos hatte heute schon genug gesehen, als das ihn diese ernüchternde Erkenntnis die Angst in die Knochen trieb.
Das Wesen verlangte von ihm, dass er die Scheibe zerstörte, damit auch ihre Seele endlich den Frieden bekam, denn sie sich wünschte. Der Mantroner hatte eh vor diese zu zerstören, schließlich wollte er wissen, was sich dahinter befand. Das Geistermädchen verabschiedete sich noch einmal von seinem Bruder, bevor er sich in Luft auflöste.
Baltos wollte gerade losgehen, als ihm die Klinge an seinem Bein wieder einfiel. Zuerst einmal wollte er wissen, was dies für eine Waffe war. Der Jägersohn machte sich an die Arbeit, die Leichen beiseite zu schieben um den entdeckten Schatz genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. Dezember 2012, 09:00

Hintergrundmusik

Ein kleiner, schimmeliger, staubiger und ganz furchtbar müffelnder Stoffeisbär beobachtete Baltos bei seinem Treiben. Die kleine Hand die neben ihm lag war so winzig! Das Kind dem sie einst gehört hatte war kaum vier Jahre alt geworden, hatte aber all seine Liebe dem kleinen Bär geschenkt und ihm Nachts seine Ängste erzählt. Nun thronte er neben den Knochen auf einem der abgebrochenen Felsen und überschaute den ausgebreiteten Leichenberg. Geisterfrauen wie Krieger die in verwesten Gebeinen schwammen, vermochten ihn nicht mehr zu rühren. Sein Körper war an der Seite aufgerissen und die Füllung lugte aus ihm heraus wie flauschige Gedärme. Er war ein Zeugnis einer lang vergangenen Zeit, wie so viele Gegenstände hier.
Nachdem die Geisterfrau verschwunden war, machte sich Baltos auf den nun deutlich flacheren Berg zu durchwaten und begann die Körper vor der mysteriös glühenden Scheibe weg zu räumen. Es war leichter als er sich vorgestellt hatte, denn die Bestie hatte vom schweren Fleisch ihrer Opfer wenig übrig gelassen, sodass er nur noch hauptsächlich Knochen beiseite schieben musste. Das Meiste ging recht einfach in dem er seine Beine benutzte. Nur ab und zu musste er sich doch einmal bücken um größere und schwerere Teile wie ein Skelett im sperrigen Brustharnisch fort zu hieven. Seine Verletzungen prickelten, pochten und stachen bei jeder Anstrengung, so das er immer wieder kleine Pausen brauchte, aber die Neugierde und ein gewisser Antrieb, eine begonnene Aufgabe auch zu Ende zu bringen, brachten den Jägersohn dazu nicht nach zu lassen und bald leuchtete das vollkommene Rund vor ihm. Atemlos stand Baltos davor. Jetzt, da sich der Staub wieder legte, den er aufgewirbelt hatte, konnte er auch die Waffe deutlich erkennen, die inmitten der bernsteinfarbenen Scheibe steckte. Winzige Risse gingen von der Klingenspitze aus und als Baltos näher trat, konnte er erkennen, dass das Licht nicht nur eine Reflexion auf dem glatten Metall war, sonder tatsächlich auch die immernoch scharfe Schneide aus sich heraus glühte. Feinste Ornamentiken zogen sich über das anthrazitfarbene, fast schwarze Blatt. Der Schaft war aus dem selben Material und nur der griff mit verrottetem Leder umwickelt. Am Ende und über der Mitte gab es jeweils einen Ring der früher einmal sicher Bänder für die Aufhängung getragen hatte. Das alles müsste wohl erneuert werden, aber sonst war diese Axt das wohl schönste, wie auch mysteriöseste, was Baltos je erblickt hatte.

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Der obere Teil der Klinge steckte fest im Stein und war tief darin verkeilt. Alles wirkte so … Baltos spürte den Drang in sich größer werden den Griff zu fassen und aus dem Stein zu ziehen. Als seine Finger jedoch das Metall berührten, erfasste ihn ein kalter Schauer und ließ ihn erstarren. Es war keine Unfähigkeit sich zu bewegen, mehr die Schrecksekunde die er durchlebte, als er vor seinem inneren Auge miterlebte, wie der einstige Träger gefallen war.

Baltos sah aus den Augen eines Kriegers die letzte Sekunde seines Lebens, fühlte seine Kraft und auch die Endgültigkeit und das Wissen dass er gleich sterben würde. Er sah seinen starken Arm der doch nicht seiner war, denn viele Bänder und eine geschwärzte Armschiene verhüllten die pulsierenden Muskeln. Der Blick hob sich fort von der Scheibe und er sah die Eisbestien, die Monster die einst diese Höhle bewohnt hatten. Neun dieser Monster, fünf gleich da, eines in Schlagreichweite stürmten auf ihn zu und er hob zu letzten Mal seine Axt „Fluchbrecher“. Es gab nur diesen einen Schlag und er legte sein Herzblut hinein, holte aus, schrie und ließ die Klinge gegen den Stein fahren, auf dass der Fluch mit seinem Tod ein Ende finden würde. Baltos spürte das Reißen in seiner Wirbelsäule, als die Krallen der Monster seinen Rücken öffneten.

Dann war alles wieder normal. Baltos Herz raste, aber der Schmerz war fort und die Axt fühlte sich warm und gut an in seiner Hand. Was für eine seltsame Art sich vorzustellen?!
Die Klinge schimmerte kurz und Baltos wusste, „Fluchbrecher“ hatte ihn als ihren neuen Träger akzeptiert. Einst würde sie dem nächsten Träger seinen Tod zeigen und dem nächsten und dem nächsten, bis sie vergessen und verloren in den Zeiten verschwinden würde, aber noch war dieser Tag fern. Kampfesslust durchströmte Baltos wie ein Echo vergangener Schlachten. Diese Klinge hatte schon viel Blut gekostet, aber ihr wahrer Zauber lag in ihrem Namen. Einen Namen, den nur der Träger kannte. Doch noch steckte sie tief im Stein und rührte sich nicht. Baltos zog einmal vorsichtig, einmal kräftig und einmal mit ganzer Kraft und einem Schmerzensschrei an ihr. Dann hörte er das Knirschen und sah, den feinen Riss ein wenig länger die Adern des Steins durchtrennen. Ein Lufthauch streifte ihn und er sah sich um, doch da war nichts.

Der Eisbär beobachtete den Mantroner bei seinem Treiben und zwinkerte einmal.

Baltos stemmte seinen Fuß gegen die Wand, fasste mit beiden Händen kräftig zu. Er spannte seine Muskeln, wie ein Korsett um seine gebrochenen Rippen und dankte seiner enormen Statur, Ausdauer und Kraft. Ein Stoßgebet floss durch seine Gedanken, dann konzentrierte er sich und zog an dem Griff. Knirschen … Reißen … der Stein schien zu brüllen und Wind kam auf, doch Baltos ließ sich nicht ablenken. Es war kein natürlicher Wind, es waren die Seelen die durch jeden neuen Riss der Freiheit sehnsüchtig entgegen eilten. Ein kleiner Ruck und Baltos stand im Tosen eines Sturms, der an ihm vorbei strömte. Er fühlte die Energie von all den Verstorbenen, den gequälten und verfluchten Seelen, wie sie flohen, wie sie dem Leuchten entgegen eilten. Dann mit einem letzten gewaltigen Kraftakt riss er den Stein auseinander. Baltos stürzte nach hinten und der aufgewirbelte Staub schliff seine Haut, als zwei gehaltene Atemzüge lang der Wind über ihn hinweg fegte. Erst als es wieder stille war, konnte er die Augen öffnen. Er lag wieder rittlings im Leichenberg und ein mannhoher Spalt, so breit, dass er gerade so hindurch passen würde, klaffte in dem Stein. Der Staub der Jahre war verflogen, als hätte das Loch ihn mit seinem Atem aufgesaugt. Baltos sah die Bruchstücke zu seinen Füßen und fühlte die Axt in seiner Hand. Das Glühen der Klinge war erloschen, genauso wie das Licht hinter der Scheibe. Nur ein sanftes Zucken, war im Innern noch auszumachen. Baltos musste blinzeln um es zu erkennen. Baltos stand auf, die Axt lag so gut in der Hand, dass er sie kaum spürte. Langsam schritte er durch den Eingang. Es war still, doch irgendwie anders als zuvor. Er hörte das Plätschern des Wassers genauso hinter sich wie vorher, aber doch klang es … reiner?
Langsam zwängte er sich durch den Spalt, getrieben von seiner Neugierde und der kurze Gang mündete in eine kleine Höhle. Rund, fast wie gewachsen, ganz sicher sogar, formte sie sich aus der Erde. Doch Baltos Blick wurde nicht von den weichen Wänden angezogen, die gespickt mit Bernsteinelementen waren, sondern von dem was in der Mitte über dem Boden schwebte. Inmitten dieser so natürlichen Umgebung strotzte ein Steinerner Altar allen Naturgesetzen. Auf seiner Oberfläche waren mehrere kleine Mulden zu sehen in denen sich etwas bewegte. Ein kleines Stück über der porösen Oberfläche schwebte ein goldenes, leicht pausierendes Licht. Als Baltos näher trat zerfaserte es in millionen kleinere Partikel und formte dann eine kleine Gestalt. Kaum anderthalb Meter messend, wirkte die gebeugte Gestalt mehr wie ein Erdhaufen, als ein Mensch, doch das war sie. Sie hob einen der Würmer auf und streichelte ihn liebevoll. Sie hielt ihre Hand an eine der Wände und entließ den Wurm ins Erdreich. Baltos war sich nicht ganz sicher, ob er träumte, oder vielleicht doch schlimmer verletzt war, als er angenommen hatte, das er jetzt halluzinierte. Die kleine Gestalt aus tausend glühenden Staubpartikeln kam auf ihn zu. Langsam, kleine Schritte voreinander setzend kam sie näher. Der Kopf hob ich zu ihm hinauf und nickte ihm wohlwollend zu. Eine Hand streckte sich nach seinem linken Arm aus und berührte ihn sacht, doch ein Stromstoß durchzuckte Baltos und er schnellte in die Höhe. Er sah sich verwirrt um und fand sich immernoch sitzend in vor dem Spalt der Bernsteinhöhle. Unwillkürlich fasste er sich an seinen linken Unterarm und fand dort ein Zeichen eingebrannt. Es sah aus wie ein auf die Seite umgekippter Tisch, deren Beine nach innen eingeknickt waren. Das Licht in der Höhle vor ihm war erloschen und sollte er noch einmal den Kopf hineinstecken war sie vollkommen leer. Selbst der Altar war verschwunden, einzig ein kleiner sandiger Haufen würde etwas zerfallenes vermuten lassen und die neue kleine verödete Wunde an seinem Unterarm begann schon zu jucken. Hatte er das geträumt? Dann war es ein verflucht realer Traum gewesen und der Geist der Hohepriesterin hatte eine seltsame Art „Danke“ zu sagen.

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(Axt - „Fluchbrecher“)
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Freitag 21. Dezember 2012, 07:30

[Post erfolgt mit Einverständnis des Moderators]
Angetrieben von der Neugierde was das für eine Waffe war die er dort gesehen hatte, begann Baltos mit seiner Bergungsarbeit. Zum Glück war die Bestie ziemlich gründlich gewesen was das Abnagen des Fleisches ihre Opfer belang. Größtenteils musste er nur vereinzelte Knochen beiseite schieben, aber es gab auch vollständige Skelette die noch in ihren massiven Rüstungen steckten und diese waren trotz der Tatschache das sie kein Fleisch mehr auf den Knochen hatten, erheblich schwer. Bei jeden Bücken oder Heben stachen kleine Dolche in seine Flanke, auch seine Hände waren durch das Graben leicht aufgerissen. Von weiten konnte man den Jägersohn schon gar nicht mehr erkennen, denn er wirbelte eine menge Staub auf. Doch irgendwann war auch diese Arbeit geschafft, Baltos kniff mehrmals sein Auge zusammen, damit der Dreck verschwand. Durch die Wühlaktion kam er ganz schön ins Schwitzen und das hatte den Nachteil das der Staub an seiner Haut kleben blieb und ihn jetzt auch wie ein Geist aussehen lies. Später musste er sich unbedingt in der Quelle säubern.
Nachdem sich der herumfliegende Staub gelegt hatte, stellte der Mantroner erstaunt fest, dass die Waffe in der Bernsteinplatte steckte und dass das Licht von der Schneide der Einhandaxt ausging. Solch ein Beil hatte er noch nie gesehen, allein wie das Axtblatt graviert und ausgearbeitet war, lies auf einen Meisterschmied schließen. Der Griff musste erneuert werden, das Leder hatte schon besser Zeiten gesehen, aber wenn man sich die Schneide anschaute war ein sofort klar das die Axt trotz der vergangenen Zeit scharf war wie nichts was Baltos kannte. Auch das glühen was von der Waffe ausging war ihn ein Rätsel und schrie ihn förmlich an den Griff des Beiles zu ergreifen und dies tat er auch.
Genau in den Moment wo sich seine Hand um die Waffe schloss durchfuhr ihn etwas. Der Mantroner blieb wie versteinert in seiner Bewegung stehen, die Axt immer noch fest im Griff.

Er sah einen Krieger, fühlte was er fühlte. Baltos war ein Besucher in einen fremden Körper. Hilflos musste er mit ansehen wie der Mann sein Leben opferte, um diese Platte zu zerstören und trotzdem scheiterte. Der Jäger wusste nicht ob er den Mut aufgebracht hätte sich gleich Neun dieser Eisbestien zu stellen, aber sein Vorgänger hatte dies getan. Als die Klauen der herannahenden Eisbestie sich in den Rücken des Kriegers bohrten, spürte Baltos den Schmerz am eigenen Leib. Dieser brachte ihn zurück in die Gegenwart. Die Rückblende verschwand. Die Axt gab eine Wärme ab die in Baltos Körper überging. Ein Name schwirrte durch seine Gedankengänge „Fluchbrecher“. Der Mantroner wusste aus einen unerklärlich Grund wie diese Waffe hieß und das sie eines Tages sich nach seinen Ableben einen neuen Träger suchen würde. Doch noch war dieser Tag nicht gekommen, im Körper des jungen Mannes breitete sich das verlangen aus noch einmal gegen die Eisbestie zu Kämpfen. Diese Klinge verlangte nach Blut und Kampf und das würde sie bei Baltos Lebenseinstellung bestimmt genug bekommen. Der Jägersohn blickte die Scheibe an, die Axt steckte tief in diesen Material. Zuerst zog er etwas vorsichtiger am Griff von Fluchbrecher, als dies nicht half, probierte er es mit mehr Körpereinsatz, doch auch das sollte nicht reichen. Er wollte diese Waffe besitzen so wie Fluchbrecher ihn besitzen wollte. Baltos zog mit all seiner Kraft und schrie die Schmerzen die dabei entstanden fort. Dann hörte er das ersehnte Knacken und im gleichen Moment verlängerte sich der Riss in der Platte. Dann wurde er von einem Windhauch erfasst und verstand ein Gemurmel. Der Jäger blickte sich um, doch da war nichts. Zuerst hatte er vermutet dass die Geisterfrau wieder da war, aber er war alleine mit Geri in dieser Höhle.
Baltos brauchte eine bessere Hebelwirkung wenn er Fluchbrecher von dem Gestein lösen wollte. Zum glück befand sich die Wand der riesigen Höhle direkt hinter der Scheibe und der Mantroner konnte sie mit seinen Füßen erreichen. Seine Beine stemmten sich gegen das Massiv und beide Hände zogen am Griff. Der Einäugige dachte nicht mehr an seine ganzen Verletzungen, er wurde ausschließlich davon angetrieben die Waffe aus ihren Gefängnis zu befreien. In Gedanken schickte er Ventha ein Gebet. Göttin der Winde und des Wassers, sende mir einen Sturm gleich deine Kraft, damit ich dies vollbringen kann wozu ich ohne deine Hilfe nicht in der Lage wäre. Er zog und zog und jedes Mal bekam er Fluchbrecher ein kleines Stück weiter befreit. Ein Lichtschein entstand in den Rissen und wieder einmal bäumte sich der Wind auf. Doch davon bekam er nichts mit, einzig das knackende Geräusch der Platte trieb ihn an noch mehr aus sich heraus zu holen. 110 Kilo Muskelmasse kämpften jetzt gegen einen Gegner, der sich vehement wehrte, aber trotzdem keine Chance hatte. Mit einem Lichtblitz riss er Fluchbrecher heraus und flog dabei zu Boden. Baltos wusste nicht wie lange er am Boden lag, aus den Windzug war ein ausgewogener Sturm geworden der alles über ihn Hinwegfegte. Der Einäugige schloss sein Auge und schirmte sich von den vorbei fliegenden Knochen ab. Es wurde wieder Windstill und der Jägersohn öffnete sein Auge, der Staub war davon gewirbelt und ein Großteil der Skelette lag jetzt weit verteilt in der Höhle. Die Bersteinfarbende Scheibe existierte nicht mehr. Ihre Bruchstücke lagen verteilt und gaben eine Öffnung preis, durch die er sich hindurch zwingen konnte. Langsam erhob sich der Mantroner wieder, das er Fluchbrecher immer noch fest in der Hand hielt bemerkte er kaum. Die Axt fühlte sich an als wäre sie mit ihn verschmolzen, quasi eine tödliche Verlängerung seines Armes. Er wollte wissen was sich hinter der zerstörten Scheibe befand, welchen Schatz sie behütete. Baltos zwang sich durch die Öffnung und folgte einen kurzen Gang in geduckter Haltung. Dieser mündete in einer Höhle dessen Wände mit feinen Bernstein gespickt waren. Das interessante aber war, das in der Mitte dieses kleinen Raums ein Altar stand, über den eine Lichtkugel schwebte. Es sah fast so aus wie eine kleine Sonne, es zog ihn Magisch an und als er näher treten wollte zersprang das Gebilde in Tausend Einzelteile und rieselte wie frisch gefallener Schnee auf den Höhlengrund. Das war aber noch nicht das erstaunliche daran. Denn aus diesem feinen Staub formte sich ein Kindsgroßes Wesen, was mehr ein Erdhaufen war als ein Mensch. Dieses etwas bückte sich und streichelte einen Wurm liebevoll, als wäre es sein Kind, danach half er den Geschöpf den Weg zurück ins Erdreich zu finden. Die Kreatur näherte sich Baltos und nickte ihn wohlwollend zu. Innerlich wusste der Jäger, dass von dieser Gestalt keine Gefahr ausging. Das Ding griff mit seiner Hand nach Baltos’ Arm und ein Stromstoß durchfuhr ihn. Auf einmal befand er sich wieder am Eingang in Sitzender Position. Hatte er das gerade geträumt? Ein blick auf seinen linken Unterarm bestätigte ihn das dies kein Traum war!
Was war das eben? Der Mantroner war sichtlich verwirrt. Er ging noch einmal durch den kleinen Durchgang, doch diesmal fand er keinen Altar mit einer leuchtenden Kugel, nur ein Haufen Sand befand sich in der Höhle. Der Jäger hockte sich mit einen ächzen hin und durchwühlte mit seiner Hand den Schuttberg, als ein Röhrenartigen Gegenstand seine Hand berührte.
Er zog das Objekt aus dem Erdhaufen und betrachtete es: Es handelte sich um eine Eisenröhre die an beiden Seiten mit einen Korken geschlossen war. Der Mantroner legte Fluchbrecher kurz auf den Boden, damit er beide Hände frei hatte.
Baltos zog einen dieser Korken heraus und lies den Inhalt in seine freie Hand rutschen. Es handelte sich um einen Schriftrolle, vorsichtig öffnete er das Wachssiegel das das gleiche Symbol hatte wie auf seinen Unterarm.

Schriftrolle Runenmagie

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Runenmeisterin: Jolanta Synapse
Aufenthaltsort: Zyranus

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Runenmeister, Forscher und Verfasser der Schriftrolle: Inzinath Nazar
Aufenthaltsort: zuletzt gesehen in Sarma

Ein Diener und Meister seiner Kunst grüßt den Lehrling. Nun, auch wenn Ihr mit Euren Kräften nur Grundkenntnisse der Magie allgemein besitzt, so werden Euch diese Aufzeichnungen sicher helfen, wenn Ihr den Weg eines Runenmagiers einschlagen wollt. Ich hoffe, Ihr habt Eure Initiantenrune bereits eintätowiert bekommen.
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Runen besitzen viel Macht, jede einzelne von ihnen. Und da wir die Mächte nur führen wie ein Werkzeug und die Magie an sich nicht wirklich aus uns heraus strömt, sondern aus der Kraft der Runen, ist dies wohl keine typische Magieart. Vermutlich schätzen daher die Zwerge sie sehr, denn sie können sich selten mit den üblichen Magiearten „anfreunden“. Doch will ich Euch mit meinen Forschungen nicht von Eurem Studium abhalten. Es sei nur noch soviel gesagt: Die Runenmagie erlernt sie anders, aber das werdet Ihr noch früh genug erfahren.

Ein Runenmagier kann jegliche Rune nach seinem Wunsch verwenden. Denn nur in dieser Magieart stehen dem Anwender von Anfang an alle Mittel zur Verfügung. Die wahre Macht liegt in der Nutzung und Kombination der Runen.
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Je nach Erfahrung des Magiers kann er verschieden lange Kombinationen aus den Runen legen, beispielsweise um Gegenstände zu besprechen, Personen zu heilen oder die direkte Umgebung zu beeinflussen. Je nach Erfahrung halten die Zauber unterschiedlich lang an. So kann ein noch unerfahrener Magier, der soeben erst die rudimentären Kenntnisse erlangt hat, keine Runenkombinationen legen. Ihm steht immer nur eine Rune und deren Kraft zur Verfügung, welche in der Dauer vielleicht bei einer Stunde seine Grenzen erreicht. Die Reihenfolge der Runen ist dabei nicht wichtig, wie man herausgefunden hat.

Bei überdurchschnittlichen Runenmagiern können die Kombinationen (die aus maximal drei Runen bestehen) schon einen halben Tag ihre Wirkung entfalten, gute Magier schaffen ihr Pensum auf einen Tag (mit maximal vier Runen).
Wer eine fünffache Runenkombination zustande bringt, ist schon sehr gut in seiner Macht. Hier können die magischen Kräfte der Rune eine permanente Wirkung behalten, wenn der Magier dies wünscht.
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Doch nur wahre Meister wie beispielsweise Jolanta Synapse oder ich selbst schaffen mit viel Konzentration eine siebenfache Runenkombination. Dies erfordert jedoch eine Menge Übung und jahrelanges Studium.
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Da die Kombinationen schier ins Überdimensionale gehen und nicht alle schritflich niedergelegt werden können (weil auch immer wieder neue Kombinationen entstehen), habe ich hier nur einige wichtige Anschauungskombinationen hinterlegt. Sie dienen der Übung und dem Verständnis für den Einsatz der Runen.

Kombination des Händlers (2 Runen)
Verkettet die Runen Fehu und Gebu miteinander, um nicht nur die Gnade der Götter bei wichtigen Geschäften und Verhandlungen auf Eurer Seite zu haben. Händler bedienen sich dieser Runenkombination gerne und lassen sich Amulette mit ihnen besprechen. Geraten sie an einen erfahreneren Runemagier, so kombiniert er womöglich noch mit der Rune Sowelo, um einen höheren Erfolg zu erzielen.

Kombination des Mutigen (2 Runen)
Gegen die Angst oder vor einer schweren Aufgabe lassen sich die Nervösen gern mit der Runenkombination aus Kenaz und Ehwaz besprechen. Die steigert nicht nur den Mut, sondern auch das Selbstbewusstsein.

Kombination der Hoffnung (2 Runen)
Kleine Kinder haben in der Ferne oder auf Reisen oft Heimweh, weinen bitterlich und können kaum beruhigt werden. Das Sprechen von Othela und Dagaz schenkt ihnen Frieden und gibt ihnen Hoffnung und den Glauben, die Heimat immer in ihrem Herzen zu tragen.
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Kombination des Bauern (3 Runen)
Als Beeinflussung über ein Feld gelegt oder auf das Werkzeug bzw. den Saatbeutel des Bauern gesprochen, versprechen die Runen Jera, Ingwaz und Bekana in einer Kombination eine reichhaltige Ernte, auch wenn das Wetter nicht ganz so mitspielen mag.

Kombination des ruhigen Geistes (3 Runen)
Nicht nur Angst verlangt einen ruhigen Geist, sondern auch schwierige Aufgaben, die den Ausüber unter massiven Druck setzen können. Um dem entgegen zu wirken, stehen dem Runenmagier Isa, Nauthiz und Wunjo zur Verfügung.

Kombination des Streitschlichters (4 Runen)
Eine stärkere Variante der Kombination des ruhigen Geistes ist die Verkettung von Wunjo, Isa, Mannaz und Raidho. Neben Beruhigung des eigenen Geistes hilft diese Kombination auch, einen aufkeimenden Streit zu ersticken und legt dem Schlichter eventuell die richtigen Worte in den Mund.

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Kombination des Kämpfers (4 Runen)
Eine sehr beliebte Runenkombination bei Befehlshabern großer Armeen, denn die Verkettung aus Teiwaz, Sowelo, Uruz und Kenaz schenkt den Kämpfern nicht nur Mut, sondern verspricht auch einen gewissen Erfolg im Kampf und greift unterstützend unter die Arme.

Meisterliche Runenmagie: die Kombination der Kampfkunst (7 Runen)
Nur wahren Runenmeistern gelingt diese einzigartige Kombination – und das ohne Folgen! Uruz und Teiwaz als Unterstützung im Kampf, Kenaz und Ehwaz für den Mut, Hagalaz, Algiz und Eiwaz als Schutz vor Magie, Verletzungen und allgemein als Abwehrrunen und zu guter letzt noch Sowelo, um den letzten Erfolg zu versprechen. Das ist wirklich eine mächtige Kombination, die den Runenmeister in einen geschützten Kämpfer verwandelt.
Schriftrolle Fuss
Baltos konnte kaum fassen was er dort in den Händen hielt. Er kannte sich zwar nicht mit der Verwendung von Runen aus. Aber laut dieser Rolle konnte jeder diese Magieart beherrschen. Vorsichtig packte er die Rolle wieder in den Behälter und verschloss sie und nahm seine neue Axt wieder in die Hand. Er hatte genug Zeit vertrödelt, der Mantroner brauchte Kleidung und so etwas wie Verbandsmaterial. Vielleicht lies sich auch eine Trage für Geri bauen, damit er den Wolf nicht bis nach Mantron schleppen musste. Der Einäugige ging wieder zum Wolf und legte die Rolle und die Axt neben den Kopf der Bestie, der immer noch von Baltos alter Streitaxt gehalten wurde. Dann begab er sich wieder zu dem Leichenberg. Der jetzt wesentlich niedriger dalag, aber dafür Großflächiger verteilt war. Baltos kramte einige Zeit und fand eine löchrige braune Tunika, sowie mehrere Pelzumhänge, dazu gesellte sich noch eine Stoffhose die schon bessere Tage gesehen hatte. Die Kleidungsstücke packte er ebenfalls neben Geri und betrachtete diesen kurz. Seine Atmung wurde immer langsamer. Er musste ihn unbedingt zu Norna bringen, sie kannte sich am besten mit Wölfen aus und wusste sicher wie man Geri helfen konnte. Eilig lief der junge Mantroner zu den Skeletthaufen, er fand eine Lederweste die einen ziemlich fetten Menschen gehört haben musste. Anziehen konnte Baltos sie nicht, dafür war sie erstens zu groß und zweitens zu sehr beschädigt. Aber das Leder konnte man gut in Streifen schneiden um sie als Schnüre zu benutzen. Dann fielen ihm wieder seine Speere ein. Eilig ging er zu der gefällten Eisbestie und zog die Wurfwaffen aus dem Körper. Mit seiner neuen Axt zerschnitt er die Lederweste und nach kurzer Zeit hatte er mit Hilfe der Holzwaffen eine provisorische Trage gebaut. Ein Pelz hatte er als liege Fläche benutz. Nachdem er die Konstruktion noch einmal auf ihre Stabilität getestet hatte, hievte er vorsichtig Geri auf die Trage. Der Wolf fiepte kurz auf, blieb aber sonst ruhig.
Als dies erledigt war kümmerte sich Baltos nun um seine Verletzung. Er ging zu dem kleinen See und entledigte sich seiner Kleidung und den notdürftigen Verband.
Der Einäugige wollte erst gar nicht Testen wie kalt das Wasser war, sondern sprang einfach in das vermeintlich kühle Nass. Mit einen lauten Platschen versank er in dem See, das Geräusch hallte noch einige male in der Höhle auf.
Zur Verwunderung des Jägersohns war das Wasser angenehm warm, dies musste der Grund sein warum es auch in dieser Höhle so angenehm Temperiert war. Als er wieder auftaucht reinigte er die Wunde und das Wasser um ihn herum färbte sich langsam rot. Eigentlich wollte sein Körper noch länger in dieser wohltuende Quelle bleiben, die seine Muskeln so herrlich entspannte, aber dafür war keine Zeit.
Baltos stieg aus der Wassermasse und ging zu seiner neuen Kleidung. Zuerst schnürte er mit einen Lederband die Verletzung an seiner Hüfte ab, damit er nicht zufiel Blut beim laufen verlor. Von seiner alten Rüstung trennte er das Innenfutter, reinigte es noch einmal kurz im Wasser und befestigte den Stoff an der Schnittverletzung. Dann zog er sich schnell an. Mit der löchrigen Hose und den ganzen Pelzen die er sich um seinen Oberkörper gewickelt hatte, wirkte er wie ein Braunbär. Der Mantel und seine Streitaxt befanden sich wieder auf seinen Rücken. Der Kopf der Eisbestie blickte nach hinten und hing weiter an der Klinge. Das Beil Fluchbringer befestigte er mit einigen Schnüren an seine Hüfte. Für den Fall der Fälle das er sie einsetzen musste. Man konnte nie Wissen was ein im Frostwald erwartete.
Baltos fixierte Geri noch vorsichtig an der Trage, damit er nicht herunterfiel und zog diese dann hinter sich her.
Es dauerte eine Weile und einige Schmerzensstiche bis er den Wolf hinaus ins freie gezogen hatte. Die frische Luft die ihn entgegenwehte war eine willkommene Abwechslung. Bei dem Gestank der in der Höhle der Eisbestie herrschte. Der Kampf und die Suche hatten länger gedauert als Baltos gedacht hatte. Denn es Dämmerte schon und die Lichtverhältnisse kündigten einen neuen Tag an. Trotz der wärmenden Pelze spürte Baltos die Kälte. Er kannte dieses Gefühl, damals als er sein Auge verloren hatte. Er musste schnell nach Mantron, für sich und Geri. Der Mantroner verfiel in einen leichten Trab und zog den Wolf hinter sich her. Jeder Schritt war eine Pein, aber er musste es einfach Schaffen. Hoffentlich war Ventha in noch einmal Hold!

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Sonntag 23. Dezember 2012, 00:39

Was war das eben?
Die Gedankengänge des Mantroners hatten noch nicht ganz zu ihrer gewohnten Ruhe zurück gefunden, da zog seine Neugierde ihn auch schon wieder erneut … oder zum ersten Mal in die Höhle. Der kleine Sandhaufen zog seine Aufmerksamkeit auf sich und schnell fand Baltos die fein gravierte Metallröhre mit den alten, etwas brüchigen Stopfen. Er legte Fluchbrecher auf die Seite und öffnete das Fundstück. Gebannt las er was dort auf der Schriftrolle stand und begann zu ahnen was für einen Schatz er da gerade entdeckt hatte. Seine Hand hatte das Siegel gebrochen, welche das gleiche Symbol wie das Brandmahl seines Armes trug. Seine Hand hielt leicht zitternd das lang gesammelte und noch länger behütete Wissen eines Runenmeisters. Dies war ein geheimes und mächtiges Dokument und seine Geheimnisse würden sich nicht jedem einfach Preis geben. Aufmerksam und langsam las Baltos Wort für Wort die Einleitung. Die Beschreibungen, was man mit dieser Art von Magie alles anfangen könnte eröffneten dem Jägersohn vollkommen neue Wege der Erkenntnis. Besonders die kriegerischen Hilfestellungen die diese Magie vollbringen konnte, war sicher interessant für das mutige Mantronerherz. Nach einer Weile schwirrten seine Gedanken vor seltsamen Namen wie Ehwaz und Kenaz und Mannaz …
Baltos fühlte, dass die Rune auf seinem Arm eine Art Initiation in ihm ausgelöst hatte, doch offenbarte sich ihm noch keines der Zeichen. Es war als fehlte noch ein entscheidender Teil. Gedankenversunken rollte er das Pergament wieder zusammen als sein Blick auf die Rückseite fiel. In einer scheinbar willkürlichen Positionierung fanden sich alle Zeichen ohne weitere Erklärung darauf abgebildet. Sie reihten sich um die erste Rune, wie die Sterne um die Sonne, doch noch waren es einfach nur Symbole für ihn. Er steckte die Rolle andächtig zurück in ihren Schutz und verließ mit ihr die kleine Tempelhöhle. Er musste unbedingt seine Wunde reinigen, die langsam zu pochen begann und vor allem Geri hier weg bringen. Norna Wolfsruf würde ihn sicher helfen können. Die Mantronerin war berühmt dafür, mit Wölfen umgehen zu können und man sagte sie beherrsche sogar ihre Sprache. Baltos beeilte sich eine Trage für den Wolf zu bauen. Dafür suchte er sich Kleidung aus dem Leichenberg, säuberte sie so gut es ging im erstaunlich warmen Wasser und baute zusammen mit den Speeren eine stabile Konstruktion für seinen Begleiter, der leise winselte, als er umgebettet wurde. Als er damit fertig war kümmerte er sich um seine eigenen Blessuren. Baltos zog sich aus und sprang in den kleinen unterirdischen warmen See. So etwas hatte er noch nie gefühlt! Wie warme Hände streichelte die Wärme die Anspannungen aus seinem Körper und als er wieder auftauchte sah er auch nicht mehr aus wie ein Geist. Das Wasser brannte etwas in der Wunde, aber reinigte sie auch gründlich. Der seltsame Geruch der nur dich über der Wasseroberfläche wahrzunehmen war, fiel Baltos auch jetzt erst auf, da er sonst vom Verwesungsgeruch überdeckt wurde. Chlorkalk, färbte das Wasser leicht milchig um so mehr der Mantroner sich darin bewegte, was auch das Brennen in der Wunde erklärte. Auch Baltos Augen waren leicht gerötet, als er gereinigt aus dem Wasser stieg um dann seine Wunde gründlich abzudecken. Er zog in mehreren Lagen die zusammen gesammelten Schickten alten Fells an, schürte sich mit Lederstreifen alles um den Leib und befestigte Fluchbrecher an seiner Hüfte über dem dicken Verband. Der Kopf der Eisbestie war das schwerste Stück Ballast, was er tragen wollte, doch diese Trophäe würde er nicht zurücklassen, sonst wäre er kein Mantroner. Man konnte nie wissen was der Frostwald für einen bereit hielt und ob man einen Ort zwei mal betreten würde. Baltos hatte sich vorgenommen gehabt, die Toten die er hier gefunden hatte zu bestatten. Er wollte zurück kehren und der einstigen Tempelhöhle wieder zu neuem Glanz verhelfen, aber die abgebrochenen Säulen die die Decke hielten, die Stalagmiten und Stalaktiten die dem Kampf zum Opfer gefallen waren, wirkten nicht sehr vertrauenerweckend. Mit ein paar starken Stämmen könnte man sicher viel erreichen, doch Bergbau war nicht sein Spezialgebiet. Außerdem hatte er noch so viel vor und es gab noch mehr zu tun. Geris Gesundheit stand an erster Stelle. Der Wolf hatte ihm das Leben gerettet. Er hatte ihn hier her geführt und gemeinsam hatten sie die legendäre Eisbestie erlegt. Baltos spürte den Stich des Stolzes in seiner Brust und er trieb ihn an seinen Freund jetzt so schnell wie möglich von hier fort zu bringen. Er umrundete die rissigen Gesteinsmassive weiträumig und schleppte den Wolf die Schräge hinauf. Die Gänge dahinter waren nicht mehr ganz so anstrengend und als die frische kalte Luft an der Oberfläche endlich wieder seine Lungen füllte, dämmerte es schon und ein neuer Tag kündigte sich an. Trotz der wärmenden Pelze spürte Baltos die eisige Kälte. Er kannte dieses Gefühl, damals als er sein Auge verloren hatte. Er musste schnell nach Mantron, für sich und für Geri. Der Mantroner verfiel in einen leichten Trab und zog den Wolf hinter sich her. Jeder Schritt war eine Pein, aber er musste es einfach schaffen. Hoffentlich war Ventha ihm noch einmal Hold!
Der Jägersohn orientierte sich neu, denn in der Nacht hatte die Welt verändert. Eisiger Wind von -24° Grad hatte waagerechte Kristalle an den feinen Äste der Bäume wachsen lassen. Doch auch wenn sie in der Nähe des Friedhofs alles gen Osten zeigten, hieß das nicht, dass es überall so war. Baltos sicherte sich lieber zwei Mal ab, bevor er einen falschen Weg einschlagen würde und wertvolle Zeit verlieren würde. Die einfache Herausforderung zur Jagd von Ornos hatte ungewöhnliche Blüten getragen und ihm viel eingebracht. Doch erst einmal musste er den Weg zurück nach Mantron überleben, genauso wie der Wolf auf der Trage. Immer wieder musterte Baltos das bewusstlose Tier, das nur noch flach atmete. Er war einige Stunden unterwegs gewesen und die Position des Friedhofs im Wald war ihm auch nicht bekannt gewesen. Geri wurde immer schwächer, während der Wind und die eisige Kälte in die Glieder des Jägers krochen. Die Sorge peitschte ihn weiter voran, ließ ihn nicht rasten oder Luft holen. Er war es seinem Freund schuldig, denn das war er: Ein FREUND!
Plötzlich fiel ihm eine Zeile aus der Magie-Rolle ein. Dort wurde von einer heilenden Rune gesprochen, doch welche war es?
Baltos schüttelte den Gedanken ab, denn er führte zu nichts. Er wusste noch nicht einmal wie er die Rune überhaupt wirken sollte, oder doch? Sollte er es einfach wagen oder doch lieber auf alt Bewährtes setzten wie seinen Überlebenswissen und -willen! Er hatte schon vieles überstanden und er war sich gewiss, dass er auch dies überstehen würde, doch was war mit Geri? Hatte er den gleichen Willen zu leben? Würde es helfen mit ihm zu sprechen, damit er hörte, dass Baltos da war, dass er sich um ihn kümmerte? Wenigstens hatte der Eissturm der Nacht aufgehört und war dank Venthas Willen zu starkem Wind zusammen geschrumpft der einem die Nasenhaare im Innern gefrieren ließ. Schritt um Schritt kämpfte der Jägersohn sich weiter durch den Schnee, zog die Bahre über Schneewehen, über blank geschliffenes Eis und gelangte endlich in Gefilde die er zu kennen glaubte. Es war nicht mehr weit. Hoffnung lag in der Luft und er sah über seine Schulter zu Geri. Reglos lag er angebunden auf der Bahre. Seine Zunge hing bläulich aus seinem aufklaffenden Maul. Baltos spürte den Stich heftig in seinem Herzen. Gestern war der Todestag seines Freundes gewesen. Heute durfte es einfach nicht der Nächste werden!
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Re: Die Jagd

Beitrag von Baltos » Montag 7. Januar 2013, 08:28

Der Frostwald machte seinen Namen alle Ehre! Es war nicht das erste Mal das Baltos Eiszapfen so lang wie sein Arm, Waagerecht vom Baumstamm abstehend sah. Doch verzauberten ihn die Formen der Eisspitzen die sich niemals ähnelten jedes Mal aufs Neue. Seine Heimat war schon etwas Besonderes und der Mantroner hatte sie gerade ein Stück sicherer gemacht! Die Eisbestie war Tot und ihr Kopf hing an Baltos alten Streitaxt. Es hatte sich mehr als gelohnt gegen sie zu Kämpfen. Zum einen hatte er ein Handbeil namens Fluchbrecher gefunden, sowie eine Schriftrolle die die Runenmagie der Zwerge erklärte und zum anderen einen neuen Gefährten. Nur diesen ging es je länger sie Unterwegs waren immer schlechter.

Der Jägersohn zog den Wolf mit seiner Trage durch den Schnee, zum glück war dieser durch den Sturm der fast vergangenen Nacht, leicht gefroren. Somit rutschte die Trage wesentlich besser über den weißen Boden und dies Beschleunigte den Weg zurück nach Mantron. Die Eiszapfen zeigten alle nach Osten und für einige war dies Indiz genug, welchen Weg sie nehmen sollten, aber nicht für Baltos. Er kannte die Launen der Natur zu gut und das man schnell etwas Fehlinterpretieren konnte. Der Jäger sicherte sich lieber noch einmal ab und betrachtete den stand der Sonne und des untergehenden Mondes. Danach war ihm klar in welche Richtung er gehen musste.

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Wie lange die Beiden sich jetzt schon durch den Schnee kämpften war Baltos nicht mehr klar. Er agierte nur noch und versuchte so wenig wie möglich zu denken und seinen Überlebenswillen handeln zu lassen. Ab und An blickte er zu dem verwundeten Freund, um sich zu vergewissern das dieser noch sicher auf der Trage lag. Sein Fell war mit Schnee gesprenkelt und glitzerte durch das einfallende licht der Sonne, die immer höher stieg. Eigentlich hätte es jetzt Wärmer werden müssen, wärmer für einen Mantroner wohlgemerkt. Jedes andere Wesen außerhalb der Eiswelt würde wahrscheinlich immer noch frieren.
Nur dieser Wind hielt die Kälte trotzig aufrecht und lies die Sonne wie ein Lügner wirken.

Als wieder einmal eine Heftige Windböe versuchte den Einäugigen zum stehen zu bringen. Kam Baltos auf die Idee seine neue Schriftrolle einzusetzen. Schließlich stand dort doch etwas geschrieben von einer Heilenden Rune!
Der Gang vom Jäger wurde im langsamer, es sah schon fast so aus als wolle er stehen bleiben, doch dann beschleunigte er wieder urplötzlich. Was für eine törichte Idee! Schelte er sich selbst. Was wusste er schon von dieser Form von Magie und was wäre wenn er die Rune falsch zeichnete und sie etwas tat was sie nicht sollte? Nein das war alles viel zu gefährlich und vor allen, wenig Erfolg versprechend! Des Weiteren würde er nur Zeit verschwenden, die er und vor allen Geri nicht mehr hatten.
Das er eigentlich selbst Verletzt war und besser nicht ein 35 Kilo schweres Gewicht hinter sich her ziehen sollte, ignorierte er gekonnt. Wahrscheinlich würde er einfach Umfallen wenn er Norna erreicht hatte.

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Wie viel Stunden abermals vergangen waren wusste er nicht, aber es musste mittags sein. Das zumindest verriet ihn der stand der Sonne. Geri war am ende und Kämpfte wahrscheinlich schon gegen den Tod persönlich. Seine Zunge war blau angelaufen und sein Brustkorb bewegte sich nicht mehr. Baltos blieb fast stehen, so fassungslos machte ihn der Anblick seines Begleiters, der ihn das Leben gerettet hatte.
„NEIN!!! Du stirbst mir heute nicht weg! HAST DU GEHÖRT?!“ Er schrie den Wolf immer noch im Laufen an. Der Körper von Baltos dampfte regelrecht vor Wut. Die Angst davor noch einen Freund zu verlieren und das einen Tag nach dem Todestag von Haros schlug schlagartig in Wut um. In seinen Zorn konnte er erkennen dass sein Geburtsort nicht mehr weit weg war. Der Mantroner rannte jetzt so schnell er konnte. Geris Leben hing an einen seidenen Faden und lange würde es nicht mehr dauern das dieser Riss.
Als endlich die Baumreihen sich um ihn lichteten und Baltos die ersten Dampfwolken am Himmel erkannte, holte der junge Mann alles aus seinen lädierten Körper heraus und flog fast über den Schnee. Das Tranig mit den Baumstämmen hatte sich wahrlich gelohnt! Das erste verschneite Dach war schon zu erkennen und der Jägersohn brüllte so laut er konnte.
„HHHHHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIERRRRRRRRRRR! ICH BRAUCHE HIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIILLLLLLLLLLLLLLLLLLFEEE!!!“
Vielleicht wäre dieser Ruf in einer anderen Stadt nicht gehört worden, aber Mantron war nicht wie jede beliebige Stadt hier lebten nicht umsonst die Tapferen!!!

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Re: Die Jagd

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. Januar 2013, 11:18

Die Sonne stand hoch am Himmel und ließ ihren milchigen Ball hinter den Wolken erahnen. Nur ab und an glitzerten ein paar Strahlen hinab auf die Erde und verzauberten dann die Eiswelt in einen Palast aus tausend Diamanten. Die Luft war so kalt, dass selbst sie glitzerte, wenn das Licht sie traf. Mantron lag im Südosten der Insel Ersa. Wind und Wetter vermochten einen unerfahrenen Wanderer in dieser Umgebung schnell verwirren, manchmal sogar blenden, doch nicht Baltos. Er kannte sein Ziel und wusste genau aus welcher Richtung er auf die Stadt zusteuerte. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Weder die Schönheit der Natur noch der Stand der Sonne lag im am Herzen. Einzig der Wille voranzukommen hämmerte von innen gegen seine breite Brust. Um nichts in der Welt wollte er zulassen, dass sich ein zweiter Todestag eines Freundes genau auf einen anderen folgte. Immer wieder ruckte sein Blick über die Schulter zu dem schwarzen Wolf. Allein sein Fell machte ihn in dieser Umgebung zu etwas Besonderem. Er musste seine Wurzeln sehr viel weiter im Norden haben und sein einzelnes graues Auge verband ihn auf eine äußerliche Weise mit dem Mantroner. Doch was das wichtigste war, er war ein Freund!
Er war ein Freund, der im Sterben lag. Es war ein Spiel auf Zeit und Baltos wagte es nicht eine ihm vollkommen unbekannte Magie einzusetzen. Es war zu gefährlich! Wenn sein Versuch fehl gehen würde, so hätte er wertvolle Minuten verloren oder schlimmer noch, er hätte vielleicht durch ein falsches Zeichen den Tod schneller herbei führen können. Nein! Baltos verließ sich auf das was ihn selbst sein ganzes Leben lang begleitet hatte! Seine Kraft und Zähigkeit, seine Ausdauer und sein Wille trieb ihn immer weiter durch den Schnee. Sogar der Wind in seinem Rücken schien ihn voran treiben zu wollen und peitschte ihm immer wieder die Haare ins Gesicht.
Er wusste nicht mehr wie lange er schon gelaufen war, als endlich die ersten dunklen Punkte hinter einer kleinen Erhebung auftauchten. Der Wald lichtete sich langsam und er begann zu rennen, denn ein Blick auf Geris blaue Zunge reichte um jede Sorge in brennende Wut auf das drohende Schicksal umschlagen zu lassen!
„NEIN!!! Du stirbst mir heute nicht weg! HAST DU GEHÖRT?!“
Sein Körper dampfte wie die Kaminschächte in der Ferne und reine Willenskraft ließ ihn über die offene Eben fliegen. Geri durfte Haros noch nicht folgen, auch wenn er sicher einen Platz in den Reihen der großen Kämpfer, der Ahnen Mantrons erhalten hätte. Baltos weigerte sich schlicht anzuerkennen, dass der Wolf vielleicht seine letzte Reise schon angetreten hatte.
„HHHHHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIERRRRRRRRRRR! ICH BRAUCHE HIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIILLLLLLLLLLLLLLLLLLFEEE!!!“
Baltos hatte all seine Kraft in den Ruf gelegt, der nun mit dem Wind weit über die schneebedeckten Hügel hinab zu den Häusern getragen wurde. Irgenwo weiter vorne ging eine Tür auf und eine in weißes Fell gehüllte Frau schaute heraus. An anderer Stelle blieben zwei Männer stehen, die gerade auf dem Weg im Zentrum liegende Langhaus waren. Baltos sah die kleinen Punkte kaum noch, denn er kämpfte selbst schon gegen einen Schwarm der vor seinen Augen tanzte. Würde er zurück sehen, wäre ihm die leichte Blutspuhr aufgefallen, die er hinterließ. Im letzten Spurt war seine Wunde wieder aufgerisssen und brannte an seiner Hüfte. Er fühlte es kaum, denn die Wut und die Sorge waren größer als jeder Schmerz. Etwas weiter rechts von den dunkeln Punkten mit den schneebedäckten Dächern lag der Zwinger Norna Wolfruf und das war sein Ziel. Er lief weiter, schie immer wieder und die Schatten vor seinen Augen formten nächerkommende Gestalten. Ein Mann rannte ihm entgegen, gefolgt von zwei weiteren. Hande packten ihn an den Schultern und seine Beine drohten im Angesicht eines bärtigen Schatten, der die sichere Hilfe versprach, einfach unter ihm weg zu knicken. Er hörte leise den Ruf:
"HOLT DEN HEILER!"
und eine weiter von hinten sich hähernder Gestalt drehte wieder um. Baltos wies auf den Wolf auf der Bare.
"UND SAGT NORNA BESCHEID! ... wenn sie noch da ist ..."
Die letzten leiseren Worte tröpfelten in seinen Geist, wie der scharfe Gestank von Amoniak. Er machte wach, aber war nicht schön. Bestand die Gefahr, dass er sich ganz umsonst so gequält hatte? War er zu spät gekommen? Baltos Beine knickten endgültig ein und er landete mit den Knien im Schnee.
Arme umschlangen seinen Körper und schoben sich unter seine Schultern, hoben ihn auf und stützen ihn. Mechanisch schlurfte er mit. Ein anderer Mann schnappte sich die Bare und zerrte sie sammt dem Wolf hinter sich her. Langsam verschwammen die Umrisse der Welt vor Baltos Augen und mühsam musste er sich jeden wachen Moment erkämpfen. Sein ganzes Denken richtete sich auf seinen Freund und das zeigte sich deutlich in jeder seiner Handlungen. Die Häuser kamen näher und ein Heulen drang in sein Bewustsein. Die Schneewölfe Nornas kündigten ihr Kommen an.

Weiter bei: Der Zwinger der Schneewölfe
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