Das beste Haus am Platz

Auch wenn es Spannungen zwischen den drei Piratengemeinschaften gibt, treffen sich alle im Teufelsrochen, denn hier kann man noch saufen, raufen und wildes Seemannsgarn spinnen. Außerdem erfährt man hier die neusten Gerüchte der Piraten.
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Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Samstag 14. April 2012, 12:47

[Pallas Mercator kommt von Der Hafen Rumdetts]

Im inneren der Taverne war es warm und stickig. Fackeln entlang der Wände und Kerzen auf den Tischen sowie ein Feuer im Kamin spendeten dämmriges Zwielicht. Die Flammen warfen flackernde Schatten an die Wand. Pallas trat in den Raum und auf den Tresen zu. Unter den Sohlen seiner Stiefel knarrten die alten Holzdielen. Die Stimmung war ausgelassen und die Piraten waren zu sehr mit Trinken, Lachen und Würfeln beschäftigt um ihn zu beachten. In der Ecke neben dem Kamin saß ein Pirat der auf seinem Schifferklavier spielte und dazu ein zotiges Lied anstimmte. Diejenigen, die ihm am nächsten Saßen erhoben ihre Krüge und stimmten mit ein. Bald sangen ein Großteil der Anwesenden mit.
Derweil setzte Pallas sich auf einen alten Holzhocker vor den Tresen. Am anderen Ende des Tresens bediente der Wirt, ein beleibter Seeräuber mit einer fleckigen Schürze, einen bärtigen Piraten mit rotem Kopftuch.

Vielleicht sollte ich mir auch so eins zulegen ,dachte sich Pallas, dann wäre ich Perfekt getarnt.

Der Wirt spuckte in das Glas, welches er in der Hand hielt und wischte es mit einem Tuch „sauber“.
Er stellte es zurück in das Regal hinter ihm und schlurfte dann auf seinen neuen Gast zu.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Montag 16. April 2012, 17:46

Was der Wirt des Teufelsrochen da hatte, war wohl „das Tuch“. Der Wirt einer jeden schummrigen Spelunke hatte ein solches Tuch. Das Tuch, das er benutzte, um die Gläser zu reinigen, den Dreck schön gleichmäßig auf dem Tresen zu verteilen, den schlimmsten Schmutz vom Boden zu beseitigen und dann ohne es zu waschen wieder für die Gläser benutzte.

Der Wirt beäugte den Händlerssohn und ließ sich einige Zeit, bevor er sich ihm näherte, um ihn zu bedienen. Mit aller Gemütlichkeit der Welt machte er sich auf den Weg und fragte dann: „Was will'ste denn?“

Bevor jener jedoch eine Bestellung aufgeben konnte, kam plötzlich etwas dazwischen. Die Eingangstür der Taverne wurde aufgerissen und der Wirt zeigte ein grimmiges Grinsen. Über die Schwelle kam ein Pirat. Dann folgten zwei, dann ein ganzer Strom von ihnen. Sie sahen zerzaust und aufgewühlt, aber amüsiert aus. Und Pallas würde sie vermutlich wiedererkennen. Es war die Mannschaf, die das Schiff überfallen hatte, auf dem er gewesen. Zumindest der Teil von ihnen, der die Schlägerei überstanden hatte (und dementsprechend jetzt volle Taschen hatte).
Innerhalb von wenigen Augenblicken war die Schenke zum Teufelsrochen gerammelt voll von diesen zwielichtigen Gestalten. Offenbar war der Teufelsrochen sehr beliebt, weshalb die ganzen Männer hierher kamen. Immerhin hatten diese Seeräuber ordentlich Beute gemacht und wo sollten sie dann sonst gehen, in eine Kirche?
Der Wirt befasste sich nicht mehr mit einzelnen Gästen, sondern wies einen Gehilfen an, mehr Bier aus dem Keller zu holen. Er selbst hatte Stellung an einem Fass bezogen und ließ Bierkrug für Bierkrug volllaufen, die er dann auf den Tresen schob, wo sie sich ein jeder eines nehmen konnte. Die Piraten, die vorne waren, bemühten sich nicht, ihr Geld abzuzählen, sondern warfen großzügig Münzen auf den Tresen und versenkten ihren Schnabel im lauwarmen Gerstensaft, bis sie von ihren drängelnden Kumpanen zurückgezogen wurden, die ebenfalls Bier wollten.

Der Pianist hatte angefangen, lauter und schneller zu spielen, was die Stimmung zusätzlich anheizte. Und Pallas Mercator war immer noch unerkannt, aber in der Menge eingeklemmt.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Montag 16. April 2012, 23:12

Pallas wollte gerade bestellen, als ein Schwung Piraten, welche Pallas verdächtig bekannt erschienen, durch die Vordertür hereinströmte. Der Wirt grinste und zeigte seine schlechten Zähne. Er witterte nämlich fette Beute, die ihm von den Piraten nur allzu bereitwillig übereignet werden würde.

Da er wenig Gewicht in die Waagschale zu legen hatte, wurde Pallas ziemlich schnell einfach vom Tresen weggeschoben und fand sich mitten im Gewühl wieder.

Verdammt! Anscheinend hab ich diese Taverne nicht als Einziger gefunden! Der Lärm schwoll merklich an und Pallas wurde kräftig durchgeschüttelt. Die Piraten waren bester Laune und in Feierstimmung. Die Sache begann Pallas zu gefallen und ein verstohlenes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Wer bin ich, eine ordentliche Feier wie diese vorschnell zu verurteilen?

Der Musiker stimmte das Lied "Der trunkene Segler" an und die Piraten sangen im Chor:
"Was solln' wir tun mit dem trunkenen Segler?
Was solln' wir tun mit dem trunkenen Segler?
Was solln' wir tun mit dem trunkenen Segler?
Hay, so früh am Morgen?..."
Der "Teufelsrochen" war nun gerammelt voll und alle tanzten was zu Pallas Vorteil war: Selbst sämtliche Dämonen aus Harax würden ihn in diesem Durcheinander nicht finden. Fragte sich nur, wo Pallas jetzt etwas zu Trinken her bekommen würde. Die Piraten sangen jetzt:
"...Rasiert ihm den Bauch mit 'nem rost'gen Messer!
Rasiert ihm den Bauch mit 'nem rost'gen Messer!
Rasiert ihm den Bauch mit 'nem rost'gen Messer!
Hay, so früh am Morgen!..."
Er sah sich im Schankraum um und versuchte sich auf den Tresen zu zu bewegen, wurde stattdessen jedoch immer weiter abgetrieben. Plötzlich fand er sich in der hintersten Ecke wieder.
...Steckt ihn ins Bett mit des Käptn's Tochter!
Steckt ihn ins Bett mit des Käptn's Tochter!
Steckt ihn ins Bett mit des Käptn's Tochter!
Hay, so früh am Morgen!
Diese Strophe schien den Piraten besonders gut zu gefallen und sie Tanzten und becherten nur noch wilder. Irgendwoher bekam Pallas eine Schulter ins Gesicht und landete auf einem Stuhl der vor einem runden Tisch stand. Er betastete sein Gesicht und kam zu dem Schluss, sich nichts getan zu haben.
Dann sah er auf. Vor Pallas saßen drei fremde Piraten um den Tisch und spielten Karten. Links von Pallas saß ein Pirat mit schulterlosem, gestreiften Hemd, Kopftuch und mit glatt rasiertem Gesicht. Zu Pallas rechter saß ein dürrer Mann mit Kinnbart und unordentlichem Haar. Zwischen ihnen, genau gegenüber von Pallas, saß ein Seeräuber in dunkler Kleidung mit langem, dichtem, schwarzem Haar und langem Bart.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. April 2012, 19:47

Die Piratenbande wurde immer lebhafter – die Musik lauter. Was machte es, wenn ein paar Noten falsch waren, die Männer grölten die Texte mit und das rhythmische Aufschlagen der genagelten Stiefel ergab einen eindrucksvollen Begleitklang. Der Alkohol floss in Strömen, die Piraten waren gesellig, was man daran erkannte, dass nur der ein oder andere freundschaftliche Kinnhaken geschwungen wurde.

Die Bewegungen in der Menge waren grob, es gab noch einige, die sich zum Tresen drängelten, niemand achtete auf Pallas Mercator, der weggedrängt wurde und den man durch die Menge presste. Er landete glücklicherweise in eine der ruhigeren Ecken, aber fand sich schlagartig in Gesellschaft dreier Kartenspieler.

Der linke würdigte Pallas keinen Blickes, er hatte die letzte Runde offenbar gewonnen und zog die Münzen auf dem Tisch mit seiner haarigen Pranke zu sich. Der zu seiner rechten hatte wilde Augen mit einem gefährlichen Funkeln. Und der Mann in der Mitte, gegenüber von Pallas: Er war die Ruhe in Person, saß breitbeinig und zurück gelehnt auf seinem Stuhl. Sein linker Mundwinkel hob sich leicht. Die drei waren aber kein Teil der Bande, die hier feierte, sie waren schon vorher hier gewesen.
Der Mann mit Kopftuch mischte die Karten gewissenhaft. Der Seeräuber gegenüber von Pallas meinte bloß: „Einsatz 5 Füchse pro Runde, viel Glück.“
Als der Mann zur linken austeilte, verteilte er die Karten nicht auf drei, sondern auf vier Spieler. Der zusätzliche Satz Spielkarten kam verdeckt vor Pallas auf die Tischplatte. Sie hatten ihm nicht gesagt, was für ein Spiel überhaupt gespielt wurde, blickten ihn aber erwartungsvoll an, seinen Einsatz zu setzen, als sie selbst jeweils fünf Kupfermünzen in die Mitte schoben.

Würde er jetzt noch aufstehen und weggehen können?
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 22. April 2012, 22:44

Die Piraten schoben ihren Einsatz von fünf Fuchsmünzen in die Tischmitte. Fünf Füchse! Das war ein viertel von Pallas gesamten Geld.Wenn er doch wenigstens gewusst hätte, welches Spiel sie den überhaupt spielen. Pallas wog seine Chancen ab. Er könnte sein Kapital unter Umständen erhöhen, wenn er in Erfahrung bringen würde, was hier überhaupt gespielt wurde. Bedächtig nahm er fünf Fuchsmünzen aus seinem Beutel und legte sie, als ordentlichen Stapel, vor sich auf den Tisch. Er hob den Stapel leicht an und ließ dann Münze für Münze wieder zurück auf den Tisch fallen. Das leise pling, welches die Geldstücke dabei verursachten, beruhigten ihn irgendwie. Er strich sich mit der freien Hand übers Kinn und sagte mit einem lächeln:
"Das Glück wird mir wenig nützen, wenn ich die Regeln nicht kenne, meint Ihr nicht?"
Er spielte weiter mit den Münzen vor sich. Der Pirat zu seiner linken spuckte aus und knurrte:
"Aye, dann hört gut zu. Ich werde die Regeln nur ein mal erklären!"

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Freitag 27. April 2012, 22:10

Die Regeln des Spiels wurden Pallas kurz erläutert. Es war ihm zwar unbekannt, aber es war einfach. Viele der Regeln stammten sogar aus anderen Kartenspielen. Im Grunde ging es darum ein besseres Blatt als die Mitspieler zu haben. Eine Chance 1 zu 4 also, ohne dass man irgendeinen Einfluss auf den Ausgang des Spiel hatte. Im Normalfall konnten die Einsätze reihum erhöht werden, aber darauf wurde in diesem Spielerkreis verzichtet. Fünf Füchse, nicht mehr und nicht weniger.

Das ursprüngliche Blatt von Pallas war mittelmäßig und der Münzenstapel ging an den Piraten zu seiner Rechten, der diesen wilden Blick hatte. Die nächste Runde ging an den in der Mitte. Dann wieder zum rechten. Die letzten fünf Münzen, die Pallas einsetzen musste – die Piraten sahen nicht so aus, als würden sie ihn einfach so gehen lassen – brachten aber etwas Glück für ihn.
Dieses Mal ging der Münzenstapel an ihn und stellte sein mageres Startkapital wieder her.
Weil der Gewinner immer mischen und ausgeben musste, bekam der Händlerssohn die Karten in die Hand gedrückt. Der Pirat in der Mitte machte eine Geste mit den Händen und die zwei anderen Piraten standen auf und gingen zum Tresen, vermutlich um sich etwas zu trinken zu holen. Der Schwarzhaarige wirkte amüsiert und meinte dann:

„Diesmal nur ein Blatt für mich und eines für dich. Es geht nicht mehr um Geld, sondern um Informationen. Dein Einsatz ist, dass du mir verrätst, wie du hierher kamst. Mein Einsatz ist ein Ratschlag, der dein Leben in dieser Stadt erheblich verlängern wird.“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 29. April 2012, 09:24

Verdammt! Er weiß dass ich nicht von hier bin , dachte Pallas nur. Es abzustreiten hätte wohl keinen Sinn. Nervös sah sich Pallas nach den anderen Beiden um. Sie standen am Tresen scherzten mit den anderen Piraten. Dann wandte er sich dem Piraten vor sich zu. Er hatte kaum eine andere Wahl, als auf das Angebot des Piraten einzugehen. Aber konnte er ihm vertrauen? Er musste wohl, den Pallas hatte dem Piraten absolut nichts als ein paar Informationen anzubieten.

Dann spielen wir sein Spielchen einfach mit.

„Na gut, Ihr lasst mir ja keine Wahl. Spielen wir um die Informationen“, sagte Pallas schließlich.
„Aye“, knurrte der Pirat als Antwort.

Pallas nahm den abgegriffenen Kartenstapel und begann zu mischen. Die Karten wahren alt und klebrig, und ein paar mal wären ihm die Karten beinahe aus der Hand gefallen. Dann teilte er ein Blatt für seinen Gegenüber und sich aus. Pallas nahm sein Blatt in die Hand und betrachtete es. Er war nicht besonders gut in diesem Spiel, aber gut genug, um zu erkennen, dass sein Blatt ausgesprochen schlecht war.

Wer hat DAS denn ausgeteil... ach mist!

„Deckt auf!“, forderte der Seeräuber.

Pallas deckte sein Blatt auf und wie erwartet verlor er diese Runde.
„Ich kam mit der Sonnwind hierher, die heute anlegte“, sagte Pallas. Er versuchte, den Piraten zu ködern, indem er nicht gleich alles auf einmal verriet. Das war zwar riskant, aber mit etwas Glück und Geschick könnte er den Piraten hinhalten bis... tja das wusste Pallas auch noch nicht so genau.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Freitag 4. Mai 2012, 17:42

Der Sieger beim Kartenspiel hörte sich Pallas Mercators ausweichende Antwort ab. Seine Mundwinkel hoben sich zu einem Grinsen. „Ich glaube, ich werde dir trotzdem den Rat geben. Du wirst ihn brauchen.“

Er lehnte sich vor und sprach mit einem leise, verschwörerischen Ton: „Dein Anker-Ring. Du trägst ihn immer noch. Das zeichnet dies als Santroner aus. Wenn einer eurer Art Pirat wird, dann ist es Sitte, dass er dieses Venta-Symbol ins Meer wirft. Viele Piraten glauben an sie, ja, aber wir sind freie Menschen und wir tragen nichts mit uns, das uns beschwert. Wir sind keine Lämmer mehr, die Ventas Schutzes bedürfen. Wir sind selbst eine Gefahr geworden.
Also verkaufe ihn, werfe ihn weg, verstecke ihn oder schmelze ihn ein.“

Er lehnte sich wieder zurück. Er hatte Pallas Geheimnis von Anfang an durchschaut, aber er tat nichts – noch nichts. Er winkte die beiden Kerle wieder zurück. Jeder hatte einen Bierkrug bei sich.

„Du kannst ruhig weiter mit uns spielen. Hast du am Ende Gewinn gemacht, behälst du die Münzen, wenn nicht, dann gebe ich dir deinen Verlust zurück. Es geht hierbei nicht um Geld, davon habe ich genug. Aber ich brauche Übung, das Minenspiel von Mitspielern zu interpretieren.“

Mehr sagte er nicht, er mischte die Karten und teilte an sich und die zwei Kollegen zu seiner Seite aus. Er zählte auch noch eine weiteres Blatt Karten ab und legte es in die Mitte des Tisches. Pallas konnte es nehmen oder gehen.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 4. Mai 2012, 20:20

Der Ring!, dachte Pallas als der Pirat ihn auf sein Schmuckstück ansprach. Erschrocken griff er danach und drehte es unruhig an seinem Finger, nahm es aber nicht ab. Der Pirat riet ihm den Ring loszuwerden. Pallas wusste nicht recht, was er davon halten sollte. Immerhin war der Ring ein Zeichen seiner Zugehörigkeit. Aber anscheinend war genau das das Problem. Allerdings hatte im Ventha bei der Überfahrt nach Serna auch nicht gerade Glück gebracht, erinnerte er sich grimmig.
Die beiden anderen Piraten setzten sich wieder an den Tisch und der in der Mitte teilte wieder Karten aus. Er meinte, dass er Pallas sein Geld zurückgeben würde, wenn er verlor, dieser seinen Gewinn, falls er welchen machte, aber behalten dürfte. Diese Situation war nur zu verlockend, doch roch es auch irgendwie nach einer Falle. Einen Piraten, der einen Gewinnen lässt, konnte Pallas sich nicht vorstellen.

Aber ich kann nur gewinnen. Soll ich..oder nicht? Pallas sah auf den Bierkrug eines Piraten und merkte, dass er ziemlich durstig war. Er entschied sich etwas zu trinken zu holen und setzte seine Mitspieler davon in Kenntnis: "Meine Herren. Ich hole mir nur schnell etwas zu trinken und kehre dann gleich zu Ihnen zurück" , sagte Pallas während er aufstand.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 9. Mai 2012, 21:31

Der schwarzhaarige Seeräuber machte sich nichts daraus, dass Pallas Mercator den Tisch verließ. Zu dritt spielten sie munter weiter. Die Piratenmeute, die den Teufelsrochen füllte war ruhiger geworden. Ein jeder war vorerst mit einem Getränk versorgt, in das er seinen Schnabel versenken konnte, und zusätzlich fand vor dem Gebäude eine kleine, freundschaftliche Schlägerei statt, die natürlich viele Zuschauer anlockte, die je nach Laune ihre fachkundige Meinung zu den Kämpfenden gab oder sich selbst ins Getümmel warfen. Man konnte sich also wieder frei im Schankraum bewegen, wenn auch der Ausgang vorerst von der gaffenden Menge versperrt war.

Die Musik war im Moment verstummt, der Pianist genehmigte sich selbst nämlich einen Schluck am Tresen. Es war ein Mann, der weniger gefährlich als die anderen Bewohner Rumdetts wirkte, aber immer noch in die Kategorie der bösen Buben fiel. Sein strähniges Haar war in den Ansätzen ergraut, aber er hatte kräftige, tätowierte Arme.
Der Wirt stand im Moment ohne große Beschäftigung da, das Geld vom Tresen hatte er bereits gesammelt und fort geschafft. Er war dabei, einen Bierkrug mit seinem fleckigen Tuch zu säubern.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 10. Mai 2012, 15:10

Pallas ging auf den Tresen zu. Im Schankraum war es ziemlich ruhig geworden, der Musiker hatte aufgehört zu spielen und es waren nur noch gedämpfte Unterhaltungen zu hören. Draußen vor der Taverne war es dafür ziemlich laut und es wehten Teile von Kampflärm und Anfeuerungen herein. Genervt verdrehte Pallas die Augen.
Können diese Piraten nicht mal fünf Minuten friedlich bleiben?
Er setzte sich auf eine ziemlich alten und wackeligen, dreibeinigen Barhocker vor dem Tresen. Außer ihm saß nur noch der musikalische Pirat am Tresen. Pallas fiel auf, dass er ziemlich viele Tattoos hatte, unter anderem einen Anker. Da fiel ihm sein Ring wieder ein. Schnell zog er seine Hände vom Tisch und zog den Ring vom Finger. Er ließ ihn in seinen Münzbeutel gleiten und konzentrierte sich auf den Wirt. Dieser stand vor ihm und warf sich sein Tuch über die Schulter. "Na, schon zurück?" , fragte dieser mit einem Grinsen. Pallas überging diese spöttische Bemerkung und bestellte ein Bier. Während der Wirt davonschlurfte, um eines zu zapfen, ließ Pallas den Blick durch den Raum schweifen und betrachtete die Unordnung, die entstanden war. Dann fiel sein Blick auf den Kartentisch mit seinem Mitspielern. Pallas beobachtete den bärtigen Piraten, welchen er in Gedanken 'Schwarzbart' taufte.
Was führt er im Schilde?
Er ging seine Optionen durch. Er konnte das Risiko, in eine Falle zu tappen, eingehen, um einen Haufen Geld zu gewinnen. Oder er verschwand einfach ohne ein Wort aus der Taverne, niemand würde ihn aufhalten. Außer der Meute vor der Tür. , bemerkte Pallas. Das konnte er also streichen. Vielleicht sollte er sich einfach ein Zimmer mieten und ins Bett gehen, alles andere kann bis morgen warten. Ja, das war eine gute Idee, angesichts der Tatsache, dass er seit Tagen kein richtiges Bett mehr gesehen hatte. Also wartete er auf den Wirt.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Montag 14. Mai 2012, 17:52

Wie vor einer halben Stunde trottete der Wirt ziemlich gemütlich zu Pallas. Dabei hatte er vorhin gezeigt, wie schnell er sein konnte, wenn es um kaufkräftige Kundschaft ging. Er ließ es sich nicht nehmen, Pallas zu mustern und dann nach hinten zu dem Tisch zu schauen, an dem die drei Piraten spielten. Die drei hielten immer noch den Platz für Pallas frei.

Die Miene des Wirtes zeigte Spott und ein abschätziges, fast schon bemitleidendes Lächeln, als er den Mann mit den schwarzen Bart anblickte. Offenbar wusste er etwas über ihn. Dann schaute er wieder auf den Gast direkt vor seiner Nase.
„Na, genug davon, mit den drei Penner zu spielen? Was darf es denn sein? Hier gibt es Bier, Rum, Schnapps, Bier, Brandwein und Bier nicht zu vergessen.“
Der Pianist hörte dabei mit, denn er grinste über beide Ohren, als das Wort Penner fiel. Der Wirt drehte sich zu ihm um:
„Hör auf damit, Sid, du bist nämlich der Oberpenner hier. Klemm deinen Hintern gefälligst wieder hinters Klavier und sauf nicht so viel.“
„Aye, Kapitän.“, gab dieser scherzhaft zurück, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Der Wirt verdrehte die Augen.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 17. Mai 2012, 15:35

Der Wirt schien etwas über Schwarzbart und seine Kumpanen zu wissen. Seinen Blick konnte man gar nicht missverstehen. Er zählte das Sortiment des Teufelsrochen an den Finger ab, obwohl es hierzu eigentlich nur einer Hakenhand bedurfte. Es bestand nämlich nur aus Bier und Spirituosen. Pallas bestellte ein Bier und rutschte ans Ende der Bar zu Sid, dem Musiker.
"Ihr spielt... schön auf eurem... Klavier?", sagte Pallas mit einem fragenden Blick. Er konnte weit und breit kein Klavier im Teufelsrochen entdecken. Sid drehte seinen Kopf zu Pallas, nickte und gab ein kehliges Lachen von sich. "Klavier? Hör' nicht auf den Wirt, Junge, der will mich bloß ärgern weil ich nur ein Akkordeon mit Tasten habe", sagte Sid, "Und der ist selber ein Penner!" Breit grinsend nickte er in Richtung des Wirtes, der Pallas gerade sein Bier in einem Zinnkrug brachte. "Ich hab gesagt du sollst die Klappe halten und spielen!" meinte der Wirt bloß.
Pallas warf derweil drei Kupfermünzen für sein Bier auf den Tresen und nahm einen tiefen Zug aus dem Krug. Das Bier war kühl und schmeckte gar nicht mal so übel. Sid machte weiterhin keine Anstalten sich zu erheben und schlürfte sein Getränk. Pallas war zwar Hundemüde, aber ein paar zusätzliche Informationen über Schwarzbart könnten sich noch als zu nützlich erweisen, um damit bis morgen zu warten.
Also fragte er in die Runde: "Was wisst ihr über diesen komischen Typen da hinten?" Betont lässig nickte er zu Schwarzbart.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Mai 2012, 20:24

Sid blickte zu den drei Kartenspielern, nahm einen guten Schluck, um seine Kehle anzufeuchten und erklärte dann: „Das ist Caspar mit zwei Mitgliedern seiner Mannschaft. Er ist ein Untergebener von Kapitän Finn, hat aber sein eigenes Schiff und bezahlt Finn in barer Münze, damit er keine Befehle von ihm befolgen muss.“
„Ein Feigling eben.“, knurrte der Wirt.
„Caspar war früher Händler und als er Pirat wurde, wusste er natürlich, was man sich unter den Nagel reißen sollte und wie man es gewinnbringend versilbern konnte. Hat damit ein ansehnliches Vermögen gemacht.“
„Gibt aber verdammt schlechtes Trinkgeld!“
„Seit einem halben Jahr aber hat sein Schiff den Hafen nicht mehr verlassen. Stattdessen treibt er sich in der Stadt herum und spielt ständig Karten, dabei ist er gar nicht so gut, wie er denkt. Aber er hat das Geld, um die Niederlagen zu verkraften. Ich bin aber der Meinung, dass mehr dahinter steckt...“
„Der Penner glaubt jetzt, er wäre was besseres, als hart arbeitende, unehrliche Seeräuber! Bei denen weiß man immerhin, woran man ist. Aber du, Sid, bist genauso schlimm. Tust so als wäre deine Musik etwas besonderes.“
„Du Banause verstehst ja nichts von der hohen Kunst, packende Melodien mit schmutzigen Reimen zu versehen.“

Die beiden neckten sich weiterhin und schenkten Pallas keine Aufmerksamkeit mehr. Sie hatten so ziemlich alles erzählt, was sie wussten. Nach einer Weile stand Sid auf und nahm sein Instrument wieder an sich. Gleich fing die Musik wieder an.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 25. Mai 2012, 15:03

Pallas hörte Aufmerksam zu, als ihm Sid von Schwarzbart erzählte. Sein richtiger Name war Caspar und er gehörte zu Kapitän Finn's Säbelschwingern. Pallas hatte schon einmal von den Säbelschwingern und ihrem ruchlosen Anführer gehört, da dessen Ruf ihm in alle Himmelsrichtungen vorauseilte. In Santros erzählten sich die Seefahrer so manch ein Seemannsgarn über Kapitän Finn. Man munkelte, er wäre mit den teuflischen Dämonen von Harax im Bunde, sodass seine Schiffe gegen den Wind segeln können. Allerdings hielt Pallas das für ein Schauermärchen, dass Mütter ihren kleinen Kindern erzählen, damit sie brav ins Bett gehen.

Für einen Säbelschwinger schien Caspar allerdings reichlich friedlich zu sein. Er folgte ja auch nicht wirklich Finn, sondern erkaufte sich seine Unabhängigkeit. Allem Anschein nach war er ziemlich reich und die Goldgier, die jeden Piraten, zumindest teilweise, berechenbar macht, schien bei ihm zu fehlen. Das erklärte auch sein merkwürdiges Angebot. Dem Mann war vermutlich einfach langweilig, immerhin lag sein Schiff seit sechs Monaten im Hafen vor Anker.

Je mehr Pallas über Schwarzbart erfuhr, desto mehr Rätsel gab ihm dieser auf. Er wurde einfach nicht schlau aus diesem Seebären. Aber womöglich war dieser Sonderling Pallas' Fahrkarte weg von diesem üblen Ort.

Nach einer Weile saß Pallas alleine an der Bar. Sid spielte wieder und der Wirt ging anderweitigen Beschäftigungen nach. Viele Fackeln und Kerzen waren bereits heruntergebrannt und niemand machte sich die Mühe, sie wieder anzuzünden. Pallas fragte sich ob, und wann der Wirt die letzte Runde ausrufen würde. Er gähnte herzhaft und sah zu den Kartenspielern hinüber. Eine Runde geht noch, dachte er, nahm seinen Bierkrug und schlenderte zu Caspar's Tisch hinüber. Caspar nickte ihm zu, als er sich auf den freien Stuhl setzte, eine unausgesprochene Erinnerung an das Angebot. Pallas nahm fünf Fuchsmünzen aus seinem Beutel und schichtete sie vor sich auf.
Die Karten kamen und gingen, genauso wie die Münzen auf dem Tisch. Die Taverne hingegen leerte sich zusehends und die Sonne versank langsam hinter den Stadtmauern. Die Nacht brach über Rumdett herein.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 7. Juni 2012, 09:23

Die Zeit verging beim Kartenspiel. Runde um Runde, Spielkarten wanderten bedeutungslos über den Tisch. Es war eintönig, aber Caspar wirkte ständig leicht konzentriert, um das Minenspiel seiner gelangweilten Spielpartner zu studieren. Der Teufelsrochen war nicht mehr annähernd so voll wie nach der Ankunft der Seeräuber. Einige von ihnen lagen auf den Bänken und über den Stühlen und waren bereits betrunken eingeschlafen. Andere waren weg, um um die Häuser zu ziehen oder um zu ihren Mädchen zu gehen.
Die Münzen vor Pallas wurden mal mehr, mal weniger, aber im großen und ganzen machte er einen kleinen Profit. Als Caspar meinte, es sei Zeit, aufzuhören, da waren es fünfundzwanzig Fuchsmünzen. Seine beiden Untergebenen hatten kleine Verluste gemacht, aber Caspar schob ihnen etwas von seinem Geld zu. Wenn Sid recht hatte, dann waren ein paar Fuchsmünzen für diesen Mann ohne Bedeutung, wenn er so viel Geld hatte.
Während der letzten paar Runden war der Kapitän erstaunlich nachdenklich gewesen. Auch nach dem letzten Spiel schaute er den Händlerssohn an. Irgendetwas ging in ihm vor. Er lehnte sich nach vorne, legte die Zeigerfinger an die Stirn und blickte in sein Glas.

„Niemand kennt dich in Rumdett, du kannst gut Karten spielen und du möchtest bestimmt wieder weg – außer der Glanz des Piratenlebens hat dich überwältigt...hehehe...“
Er nahm die Karten und fing an, sie zu mischen. Die beiden Piraten an seiner Seite erhoben sich, um gingen zur Theke, um die Privatsphäre ihres Arbeitgebers zu wahren.
„Es gibt morgen möglicherweise eine Sache, bei ich die Hilfe eines Fremden wie dich brauchen könnte. Aber zuerst musst du absolutes Stillschweigen schwören. Es handelt sich weder um eine schwere, gefährliche noch um eine schmutzige Arbeit. Aber es steckt viel Gold und mit etwas Glück auch eine Fahrt aus Rumdett darin. Also willst du es hören?“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 14. Juni 2012, 21:06

Es hatte sich ein ordentlicher Haufen Fuchsmünzen vor Pallas angesammelt. Fünfundzwanzig Stück! Er war selbst ganz erstaunt und stolz wie viel er gewonnen hatte. Damit war sein Kapital mehr als verdoppelt. Gut gelaunt schob er die Münzen in seinen Beutel. Die letzte steckte er zwischen die Zähne und biss drauf. Sie war echt, also ließ er sie zu ihren hoffentlich ebenfalls echten Artgenossen gleiten.
Caspars Untergebene verließen den Tisch um sich wieder an die Bar zu setzen. Der Kapitän selbst war die ganze Zeit über sehr schweigsam gewesen. Anscheinend hatte er angestrengt über etwas nachgedacht. Er ließ nicht lange auf sich warten, um mit de Sprache herauszurücken.
Caspar benötigte Pallas Hilfe bei einer Sache. Der Pirat tat ziemlich geheimnisvoll und wollte nichts genaueres verraten, außer das die Aufgabe leicht zu bewältigen war. Erst aber sollte Pallas Stillschweigen schwören. Dieser hörte aufmerksam zu und entschied sich fast augenblicklich dafür, mitzumachen. Der Seeräuber hatte seine Abenteuerlust und seinen Geschäftssinn geweckt.

„Ihr tatet gut daran, mich für diese Aufgabe auszuwählen, denn es gibt wohl kaum jemanden, der dafür besser geeignet wäre als ich“, fing Pallas mit einem feurigen Leuchten in den Augen an zu prahlen, „damals in Santros, da hat meine Wenigkeit sich um so manch eine zwielichtige Angelegenheit gekümmert, sodass -“ „Ja ja, das mag ja sein, aber bei Manthala, rede doch etwas leiser!“, unterbrach ihn der Pirat. Besorgt blickte er über die Schulter in den Raum, doch glücklicherweise hatte niemand Pallas Erläuterungen mitgehört. „Ich höre mir deine Geschichte... später an.“, Caspar wandte sich wieder Pallas zu, „Du bist also dabei? Dann schwöre jetzt bei allen Göttern und so weiter und so fort... dass du Stillschweigen über alles bewahrst was ich dir anvertraue.“ Eilig schwor Pallas Stillschweigen, denn er brannte geradezu darauf mehr zu erfahren.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Sonntag 17. Juni 2012, 10:18

Der Schwarzbärtige beugte sich nicht etwa verschwörerisch nach vorne, dies hätte Aufmerksamkeit erregt. Er sprach aber so leise, dass niemand außer Pallas davon etwas mitbekommen würde. Die übrigen Gäste waren sowieso zu betrunken oder mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, um zu lauschen.
„Ich muss dafür etwas ausholen und eine Geschichte erzählen, damit du verstehst, was ich von dir verlange. In Rumdett findet jedes halbe Jahr ein besonderes Kartenspiel statt, in einem kleinen, sehr exklusiven Kreis. Es gibt keine Einladungen dafür, aber immer einen festen Zeitpunkt und einen festen Ort und wenn man mit einem guten Beutel Gold erscheint, kann man mitspielen, ohne dass Fragen gestellt werden.
Beim letzten Mal war ich auch dabei. Ich hatte eine Glückssträhne, gewann einen guten Haufen Gold und wurde übermütig. Und bei der letzten Runde da hatte ich ein gutes Blatt, ein unglaublich gutes Blatt. Und anstelle, dass ich Gold setzte, da war ich so zuversichtlich, dass ich die Besitzurkunde meines Schiffes als Einsatz gab. Einfach nur, um die Pechsträhne meiner Mitspieler zu verspotten. Aber da war dieser Mitspieler. Er war sehr verschlossen und setzte niemals viel Geld. Er legte auf einmal seine Karten auf den Tisch und rieb seine Hände. Hör gut zu, er fingerte also herum und er trug so lange Ärmel, das ist wichtig. Und auf einmal war er ganz gelassen, grinste und hob seine Karten wieder auf. Du verstehst bestimmt, was dann passiert ist. Er hatte auf einmal das beste Blatt, das man in diesem Spiel haben kann!“
Caspar war sichtlich verärgert und nur mit Mühe konnte er sich zusammenreißen.
„Er hat also betrogen, so viel steht fest. Und damit hat er sich mein Schiff ergaunert. Natürlich wollten die anderen Mitspieler nichts davon gesehen haben, aber die waren erst neidisch auf mein Glück und dann schadenfroh.“
Der Piratenkapitän hatte sich sehr in die Geschichte rein gesteigert, aber jetzt seufzte er nur. „Seitdem ist mein Schiff im Hafen vor Anker. Ein ganzes halbes Jahr schon. Ich habe ihm Geld dafür angeboten, er hat abgelehnt, obwohl er überhaupt nichts mit dem Schiff macht. Ich hätte natürlich auf so etwas wie eine Besitzurkunde pfeifen können, in Rumdett interessiert das kein Schwein. Und in jeder anderen Situation hätte man mich bejubelt, wenn ich mich mit meinen Schiff auf und davon mache. Aber Spielschulden sind Ehrenschulden und er hat den Beweis, dass ich mein Schiff beim Kartenspiel verzockt habe. Ich wäre der Spott von der ganzen Stadt.
Aber morgen Abend findet das nächste dieser exklusiven Treffen statt. Und da kommst du ins Spiel. Meine beiden Adjutanten werden dir einen Beutel Drachmen geben und dich zum Spiel führen. Du wirst einfach die Klappe halten und so tun, als hätten wir beide uns nie zuvor gesehen, klar?
Du wirst ihn unauffällig beobachten und beim ersten Zeichen, dass er schummelt, sagst du es offen. Weil er dann als Betrüger gebrandmarkt ist, kann ich ohne Verlust meiner Reputation mein Schiff zurückbekommen. Guter Plan, nicht wahr? Es ist wichtig, dass du in keinerlei Verbindung mit mir stehst, weil es sonst so scheint, als wäre das nur eine Farce. Aber als Fremder in Rumdett bist du perfekt dafür geeignet.
Natürlich kannst du das Gold und alles was du beim Spiel gewinnst, behalten und wenn dann mein Schiff endlich wieder ausläuft, werde ich dich mitnehmen. Also, was meinst du?“
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 28. Juni 2012, 15:16

Also erzählte Caspar worum es sich handelte. Pallas stützte das Kinn auf seine verschränkten Finger und verarbeitete das Gehörte. Sein Geist war durch das Bier und die späte Stunde träge geworden und so brauchte er ein bisschen dafür.

Es war eine Angelegenheit der Spielschulden und der Ehre, soweit es Pallas verstand, obwohl ihm nicht ganz klar wurde, warum es die, sowieso zweifelhafte, Piratenehre Caspar verbat, sein Schiff einfach wieder zu klauen. Unbescholtene Händler überfallen und entführen war ja schließlich auch in Ordnung. Aber Piraten machten eben ihre ganz eigenen Regeln.

Wenigstens gehen sie nicht gleich mit Säbeln auf einen Los, dachte Pallas und massierte seine linke Schulter. Die Sarmaer hatten da einen weitaus einfacheren Weg entwickelt, die Ehre wiederherzustellen. Obwohl Pallas erwartet hätte, dass sich Piraten wegen jeder kleinen Streitigkeit gleich abmurksen, ohne vorher ein Duell einzuberufen. Muss wohl mit dem berühmten Piratencodex zusammenhängen oder so etwas in der Art. Er würde Caspar ein anderes Mal danach fragen.

So wie Caspar das darlegte, klang das Vorhaben wie ein Spaziergang. Er brauchte nur ein bisschen Karten spielen, den Betrüger entlarven und ehe er sich versah, würde er mit einem fetten Beutel Gold auf einem Schiff sitzen.
Pallas leerte seinen Bierkrug, um seine vor Aufregung trockene Kehle zu befeuchten. Mit dem Alkoholpegel in seinem Blut stiegen seine Selbstüberschätzung und seine Zuversicht, langsam, aber sicher. Er lehnte sich zurück und raunte mit einem breiten Grinsen:
„Einfach mitspielen und den Kerl entlarven, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Ihr werdet euer Schiff zurück haben, bevor ihr 'Ehrenschulden' sagen könnt!“ Caspar sah ihn an und hob eine buschige Augenbraue, um zu zeigen, dass er nicht ganz so überzeugt war wie Pallas.

Bei diesem skeptischen Blick merkte der Händlersohn, dass er ja noch gar nicht wusste, wie dieser mysteriöse Trickser denn aussah und wo das Kartenspiel stattfand. Auf seine Frage hin antwortete der Pirat nur:
„Du siehst Müde aus. Besorgt dir ein Zimmer hier im Teufelsrochen und schlaf dich aus. Ich brauche dich Morgen ausgeruht. Um alles andere kümmern wir uns beizeiten. Aber vergiss nicht: Kein Sterbenswörtchen zu niemanden. Wir dürfen auf keinen Fall in Verbindung gebracht werden!“ Er warf ihm einen prüfenden Blick zu und Pallas setzte eine steinerne Miene auf und erhob sich. Es war von äußerster Wichtigkeit, dass niemand wusste, für wen Pallas arbeitete, weshalb sich dieser gleich daran machte, seine Tarnung auszubauen. „Es war mir ein Vergnügen, mit euch Geschäfte zu machen“ sagte er in einem unterkühlten Tonfall, als wäre er nicht gerade stundenlang mit Caspar am selben Tisch gesessen, allerdings nicht ohne dem Seeräuber noch einmal verschwörerisch zu zuzwinkern.

Er verließ den Tisch ging auf den Wirt zu um sich nach einem Zimmer zu erkundigen. „ Ihr könnt ein erstklassiges Zimmer haben. Nur zehn Fuchsmünzen!“, verkündete dieser mit einem wölfischen Grinsen. Pallas hatte jedoch nicht vor, sich wie ein gewöhnlicher Gast ausnehmen zu lassen, auch wenn die Bezeichnung „gewöhnlich“ wohl auf keinen der Stammgäste dieser Taverne passte.
Er versuchte mit dem Wirt um den Preis zu Feilschen, ein gefährliches und hoch psychologisches Spiel, welches sich jedoch in den meisten Fällen lohnt: „Sagen wir... drei Fuchsmünzen.“ Dabei handelte es sich selbstverständlich nur um ein Einstiegsangebot, Pallas hatte vor, sich mit dem Wirt irgendwo in der Mitte zu treffen. Je näher an den drei Fuchsmünzen desto besser. „Ich bleibe bei meinem Angebot, zehn Fuchsmünzen, keine weniger, aber gern ein paar mehr!“, entgegnete der Wirt. Er war also ein härterer Brocken, aber Pallas würde schon ein paar Münzen zu seinem Vorteil herausschlagen können.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Dienstag 3. Juli 2012, 22:01

Caspar und seine zwei Schergen machten sich schließlich vom Acker. Der Schankraum war nicht mehr besonders voll, der Flut der Piraten folgte die Ebbe in Form der wenigen Stammgäste.

Der Wirt entgegnete dem Angebot mit einem missbilligenden Blick und verschränkte die Arme. „Drei Füchse, also wenn du das für einen angemessen Preis hältst, dann bist hier an der falschen Adresse. Aber es gibt ja noch das Gasthaus zur Straße, das hat immer Betten frei, ist gut belüftet und kostet überhaupt nichts. Da kannst du ja übernachten“

Auch wenn der Wirt schroff wie immer war, konnte man ein leichtes Grinsen erkennen. Das alte Ritual des Feilschen war auch in Rumdett nicht unbekannt. Es gab zwar wilde Piraten, aber auch normale Menschen, die in der rauen Umgebung Wurzeln gefasst hatten. Zwar war der Wirt sehr bissig, aber doch umgänglich. Nach einer Weile gegenseitiges Anstarren, öffnete er seinen Mund und eröffnete etwas, das wie ein Gegenangebot klang.

„Es sind und bleiben 10 Fuchsmünzen und wenn du jetzt bezahlst, dann könnte ich mich vielleicht dazu überwinden, aber nur vielleicht, dir noch ein Bier auszugeben.“

War das etwa sein großzügigstes Angebot? Von der Ecke des Raumes schaute der Musiker Sid ihnen mit einem verschmitzten Grinsen zu.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 8. Juli 2012, 12:41

Das war ja nicht gerade die feine Art. So ein Rüpel, dachte sich Pallas. Bei Manthala, wie er diesen Ort hasste. Wie er diese Piraten hasste, welchen es an jeglichen Umgangsformen fehlte.
Sein Gegenangebot klang mehr nach einer Drohung als nach einem Versuch zu verhandeln. Er war sich nicht mehr so sicher ob der Wirt wirklich verhandeln wollte, aber nach den langen Nächten im Fass, mit der ständigen Angst entdeckt zu werden, wünschte sich Pallas nichts mehr als ein richtiges Bett. Der Alkohol tat das Übrige. Gereizt antwortete er: „Das nennt Ihr einen Preis? Ich glaube, ich suche mir lieber im Gasthaus „zur Straße“ ein Weib mit mehr Geschäftssinn, bei dem ich die Nacht verbringe!“

Pallas unbeabsichtigter Ausbruch verfehlte seine Wirkung nicht, der Wirt sah in verdutzt an, mit dieser Reaktion des schmächtigen Kerls hatte er nicht gerechnet. Er hatte ihn falsch eingeschätzt und Ihm dämmerte, dass er seinen Kunden mit der flinken Zunge an ein Freudenmädchen, von denen es bei Ventha ja nicht zu wenige in Rumdett gab, zu verlieren drohte. Und das war immerhin Geld, welches er im Schlaf verdiente.
Pallas hingegen schalt sich in Gedanken für seine Worte:
Verflucht, das war gerade verdammt unprofessionell! Schlimmer noch, er hatte sich auf eine Ebene mit dem Piraten begeben! Aber am Gesichtsausdruck des Wirtes konnte er ablesen, dass das der ortstypische Verhandlungston war. So gesehen gaben seine harschen Worte einen ganz passablen Bluff ab. Blieb nur noch zu hoffen, dass er wirkte.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 11. Juli 2012, 21:44

Kurz nachdem Pallas seine Alternative vorlegte, prustete der Wirt vor Lachen. Er hielt seinen feisten Bauch und gackerte hallend. „Gerade heute? Du willst also wirklich zu einer gehen, weil dir die paar Münzen zuviel sind? Die Mietzen dieser Stadt schrauben nämlich kräftig an der Preisschraube, wenn ein Piratenschiff einläuft. Das wird teuer, das wird teuer. Außerdem wirst du's bereuen, spätestens wenn bei dir dann die Rosen anfangen zu blühen, untenrum meine ich.“ Und dann lachte er wieder.
Als er sich wieder einkriegte, wischte er sich die Augen. Doch er merkte, dass die wenigen Piraten, die noch da waren, ihn anstarrten, also fasste er sich wieder und legte eine finstere Miene auf.
Er überlegte kurz und meinte dann:
„Sechs Fuchsmünzen. Letztes Angebot. Sogar mit Frühstück, wenn ich es nicht vergesse. Kann gut sein, dass ich es vergesse."
Das war das bereits das zweite letzte Angebot für heute. Zumindest war es etwas großzügiger.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 12. Juli 2012, 13:23

Sein Bluff ging gehörig schief. Kaum hatte Pallas geendet, fing der Wirt an ihn schallend auszulachen und ihn über den „Geschäftssinn“ der „Miezen“ aufzuklären, den Pallas vorgegeben hatte so gut zu kennen. Wieder ein mal war seine Klappe schneller gewesen als sein Verstand. Dieses mal war es noch gut gegangen, der Wirt hatte ein vernünftiges Angebot gemacht. Pallas willigte sofort ein, ohne nochmal genauer darüber nachzudenken. Er wollte diese peinliche Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen und übergab dem Wirt sechs Fuchsmünzen.
Dieser zählte das Geld und wies dann auf die Tür am anderen Ende des Raumes: „Treppe hoch, dann die dritte rechts!“ Hinter der Tür fand Pallas eine steile und enge Holztreppe vor, die aussah, als ob sie jeden Moment zusammenbrechen würde. Vorsichtig stieg er sie empor. Sie brach nicht zusammen, knarrte aber bei jedem Schritt furchtbar, dass es einem die Nackenhaare aufstellte. Oben angelangt ging Pallas den schmalen Flur entlang bis zu seinem Zimmer. Die Tür war nicht verschlossen, es gab kein Schloss, sondern nur einen Riegel den man von innen zuschieben konnte.

Pallas sah sich in der kleinen Kammer um, die in schwaches Mondlicht, welches durch die Ritzen im windschiefen Fensterladen fiel, getaucht wurde. Links neben der Tür stand das Bett, ein roh gezimmertes Holzgestell mit Strohmatratze und Wolldecke, Bettlaken und Kissenbezug waren aus Stoff und Pallas konnte von hier aus erkennen, dass es nicht gerade santronische Seide war. Die besten Zeiten des Kissens waren wohl schon lange vorüber, der Bezug war mehrfach geflickt und Strohhalme standen seitlich daraus hervor, wo er gerissen war. Gegenüber dem Bett, vor dem Fenster, stand ein kleiner Tisch und ein Stuhl. Auf dem Tisch befand sich eine hölzerne Waschschüssel, allerdings ohne Wasser.

Mit einem Seufzen trat Pallas in die Kammer und verriegelte die Tür hinter sich. Er traute der Stadt und ihren Bewohnern nicht über den Weg. Er entkleidete sich und hängte seine Kleider über die Stuhllehne. Dann ließ er sich auf das Bett fallen. Es war das weichste, auf dem er seit Tagen gelegen hatte. Er deckte sich zu und fiel fast augenblicklich in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Erzähler » Montag 16. Juli 2012, 20:43

In der oberen Etage gab es zwar mehrere Zimmer, aber sie waren leer. Der Wirt hatte das vermutlich verschwiegen, weil das den Preis drücken würde, wenn klar war, dass sonst keine Nachfrage nach Zimmern kam.
Alles wirkte etwas heruntergekommen, aber es war nicht allzu schmutzig und es gab kein Ungeziefer. Und eine verriegelbare Tür war auch noch geboten. Diese Nacht würde Pallas gewiss weder aufgeschlitzt noch ausgeraubt.

Die Nacht war eigentlich schon zur Hälfte vorbei, aber es kümmerte niemanden, wenn Pallas bis zum Mittag schlafen würde. Sollte er am Vormittag sein Zimmer verlassen, so würde die Treppe in einen leeren Schankraum herabführen. Fast leer jedenfalls. Auf einer der Bänke lag ein schnarchender Musikant, der gute alte Slim. Vom Wirt war nichts zu sehen, vermutlich schlief er tagsüber, um seine Kräfte für die Nacht zu sparen. Irgendwann zur späten Stunde hatte der Wirt sogar sein Versprechen eingelöst: Auf dem Tresen stand Frühstück. Ein Teller mit etwas Brot, dünn mit Schinken belegt. Der rustikale Charme einer Bauernmahlzeit leicht getrübt von der Tatsache, dass der Wirt selbst einmal rein gebissen hatte.

Rumdett war am Morgen um einiges friedlicher, als zu den Nachmittagsstunden, am Abend und in der Nacht. Kaum einer war auf den Straßen, die wenigen, die es waren, waren in der Regel normale Leute oder verkaterte Piraten mit Restalkohol im Blut, die sich mühsam über die Straßen schleppten. Bis zur der Vereinbarung mit Caspar war noch lange Zeit.
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Re: Das beste Haus am Platz

Beitrag von Pallas Mercator » Mittwoch 18. Juli 2012, 20:01

Es war schon später Vormittag, als Pallas erwachte. Im ersten Moment wusste er noch nicht recht, wo er sich befand. Erst nach und nach fielen ihm die Ereignisse der letzten paar Tage, insbesondere des gestrigen Tages, ein. Wie still Rumdett um diese Uhrzeit sein konnte. Wenn er die Augen schloss, war er fast wieder zu Hause in Santros. Pallas blieb noch eine Weile liegen und lauschte den gedämpften Geräuschen der Straße, welche durch das Fenster herein fielen. Nach einer Weile setzte er sich auf, gähnte herzhaft und Streckte sich. Er hatte seit Tagen nicht so gut geschlafen, was nichts heißen muss, wenn man die Nächte davor in einem Fass verbracht hat.
Auf einmal fuhr ein stechender Schmerz durch seine linke Schulter und Pallas hörte schlagartig auf mit seiner "Morgengymnastik". Au!
Er hatte sie ein bisschen zu weit gestreckt sodass die Narbe anfing zu schmerzen. In Gedanken versunken massierte er seine Schulter und betrachtete den Staub, wie er durch das hereinfallende Sonnenlicht tanzte.
Irgendwann bekam er Hunger und beschloss sich sein Frühstück zu holen. Er kleidete sich an und stieß den Fensterladen auf, sodass der ganze Raum mit Sonnenlicht geflutet wurde. Er blickte auf die Straße hinunter, welche bei Tag ganz anders aussah als Nachts. Die wenigen Menschen die Unterwegs waren bemerkten ihn nicht oder beachteten ihn nicht. Pallas wollte sich waschen, merkte aber, dass kein Wasser in seiner Waschschüssel war. Wo er bloß welches her bekommen sollte? Naja, dann würde er eben ungewaschen Frühstücken gehen. Hier in dieser Stadt kümmert das wahrscheinlich eh niemanden., dachte er achselzuckend. Er verließ sein Zimmer und stieg wieder die knarrende Treppe hinab.
Unten angekommen, fand er einen verwaisten Schankraum vor. Auf dem Tresen stand ein belegtes Brot. Angebissen. War das etwa das „Frühstück" welches ihm vom Wirt versprochen hatte? Es musste wohl so sein, da sonst niemand da war, der das Brot für sich beanspruchen könnte, nicht mal der Wirt selbst.
Pallas nahm das Brot mit zu einem Tisch in der Nähe des Eingangs und verspeiste es, während er auf Caspars Untergebene wartete.

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