Auf der Suche

Rumdett hat kein Stadttor. Hier kann kommen und gehen, wer will. Die drei Anführer werden schon merken, wenn sich Neue in „ihrer“ Stadt herumtreiben. Zugang nach Rumdett erhält man durch mehrere unbewachte Torbögen in der recht rustikalen Stadtmauer.
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Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Dienstag 11. Oktober 2011, 18:48

Kommt von Das Eisreich


Xiara war stundenlang am Meer entlang gewatet, hatte dem Rauschen der Wellen gelauscht und war tief in Gedanken verloren. Irgendwie konnte sie nicht umhin an die Greisin aus dem Iglu zu denken. Es tat ihr leid, dass sie nicht mehr für sie tun konnte. Aber irgendetwas verriet der jungen Halbelfe, dass die Greisin mehr wusste, als sie preisgegeben hatte. Woher sonst wusste sie, wohin sie Xiara schicken musste damit diese Antworten auf ihre Fragen fand?
Zögernd strich sie sich über ihren verfärbten Unterarm, der durch ihre Kleidung und die dicken Bärenfelle verdeckt war und kniff die Augen zusammen, während ihr der kalte Wind ins Gesicht blies.
Dort, weit in der Ferne konnte sie Umrisse erkennen. War das etwa eine Stadt? Für einen kurzen Augenblick machte ihr Herz einen Hüpfer. Seit Tagen war sie über die Eisfelder geirrt, ohne Kontakt zu irgendwelchen Wesen Celcia's zu haben. Mit Ausnahme der Greisin. Doch das zählte nicht wirklich als Konversation für die Halbelfe. Normalerweise scheute sie auch große Anhäufungen von Wesen, doch jetzt sehnte sie sich danach neue Gesichter zu erblicken, vielleicht sogar mit jemandem reden zu können und wenn sie nur einen heißen Ingwertee bestellen würde und damit für einen kurzen Augenblick Aufmerksamkeit erhielt.
Sie schlang die Arme um den Oberkörper und setzte einen Fuß vor den Anderen, während sich die Umrisse langsam zu etwas Greifbarem manifestierten und sie schon bald Rumdett erkennen konnte. Rumdett kannte sie nur aus Erzählungen. Die Piratenstadt, dort wo sich das Gesindel herumtrieb und keine Tasche sicher war. Ob es wirklich eine so gute Idee wäre, dort hineinzugehen? Sie hatte keinerlei Ahnung wonach sie genau suchen sollte, nicht einmal einen wirklichen Grund sich in Gefahr zu begeben. Dennoch musste sie irgendwo anfangen. Hatte die Greisin nicht irgendeinen Namen geflüstert, ehe ihre Seele in den Himmel aufstieg? Wie war der Name? Xiara überlegte krampfhaft und bemerkte erst, dass sie die unbewachten Stadttore erreicht hatte, als sie jemand anrempelte. Er hielt es nicht einmal für nötig sich zu entschuldigen.
Mürrisch blickte die junge Halbelfe dem Fremden hinterher, durchwühlte aber sogleich ihre Tasche um zu überprüfen, ob etwas gestohlen wurde. Sie hatte nicht viel bei sich, dennoch war der Plunder in ihrer Tasche wichtig für ihre Reise.

Ein würziger Geruch stieg in ihre feine Nase und für einen kurzen Augenblick blieb sie stehen, um diesen in sich aufzunehmen. Im nächsten Augenblick drang eine unangenehme Lautstärke an ihre empfindlichen Ohren, die zur Bestätigung leicht zuckten. Gebrülle und Getose hallten durch die Gassen der Stadt, die wohl, so wie Xiara es vermutete, aus einer Taverne drangen. Vielleicht eine Rauferei?
Nur zögernd setzt Xiara den ersten Fuß in die Stadt Rumdett. Niemand schien die Eiselfe zu bemerken, geschweige denn zu beachten.
Mit weiten Augen sah sie sich um. Das was sie in der Abenddämmerung noch erkennen konnte, zog ihre Neugier auf sich. Sie kannte nichts anderes außer Estria und den Eisfeldern und Estria war eine Stadt voll von Ästhetik. Alles dort war weiß, hell und kühl. Rumdett dagegen war dreckig und düster.
In den finsteren Ecken der Gassen trieben sich merkwürdige Wesen herum, feindseelige Augenpaare beobachteten die Halbelfe, die langsam tiefer in die Stadt eindrang, ohne sich wirklich bewusst zu sein, wo sie überhaupt gelandet war.
Alle Gedanken, die in ihrem Kopf umher gekreist waren, verflogen mit einem Mal und galten nun der Piratenstadt.
Wohin sollte sie zuerst gehen? In die Taverne dort hinten aus der lautes Getose drang? Oder sollte sie jemanden suchen, der ihr etwas über die Person sagen konnte, die die Greisin meinte? Dafür aber musste ihr zuerst einmal der Name wieder einfallen.
Ratlos schlenderte sie durch die Gasse, die vom Stadttor ins innere Rumdett's führte, immer eine Hand an ihrem Gürtel und dem Dolch, der daran war. Sie hoffte, dass ihr auftreten selbstbewusst genug war, damit sie in Ruhe gelassen wurde, sicher war sie sich dabei allerdings nicht. Sie war nicht die Einzige, die ein oder mehrere Schwerter bei sich trug, vielleicht war gerade das ein Vorteil. So würde sie nicht so schnell auffallen, auch wenn ihre blasse Haut ihre Herkunft verriet.
Zuletzt geändert von Xiara am Sonntag 16. Oktober 2011, 20:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Sonntag 16. Oktober 2011, 14:15

Die Torbögen der Stadt Rumdett waren nicht viel anders als die Törbögen anderer Städte. Nur was fehlte machte den Unterschied: Ein Tor und Wächter. Hier konnte jeder rein und raus gehen, wie er gerade Lust hatte.
Manche Straßen waren verschmutzt, in anderen Vierteln dagegen waren die Straßen halbwegs in Ordnung. Die Leute sahen zäh und gerissen aus und selbst die Betrunkenen wirkten, als würden sie einen Kampf gegen die ganze Welt aufnehmen können.

Alle trugen sie Waffen an ihrer Seite und Xiara tat gut daran, auch ihre Klingen zu präsentieren, besonders da jeder sie als Fremdling identifizierte. Es gab auf der Straße keine alten Männer und die wenigen alten Frauen trugen Knüppel und Messer griffbereit, während sie im völligen Kontrast zu der angespannten Haltung ihre Wocheneinkäufe erledigten.

Nicht unweit von lief ein gehetzt wirkender Mann, den auf einmal eine kräftige Hand am Kragen packte und in eine Seitengasse zerrte. Zwei kräftige Kerle mit tätowierter Haut stellten sich sofort mit verschränkten Armen vor den Eingang der Gasse, während das Opfer vom dritten malträtiert wurde.
„Er hat versucht, Finn zu betrügen.“, ertönte der düstere Bass des linken Mannes. Als die Menge das hörte, wurden kollektiv Köpfe geschüttelt und einige gingen weiter, während andere gafften.

Plötzlich war hinter Xiara eine Stimme zu hören: „Verzeihen Sie, gute Frau.“
Es kam von einem Mann, der überhaupt nicht in das Stadtbild Rumdetts passte. Ein makelloses Hemd, eine saubere Weste, ein glatt rasiertes Gesicht und zu guter letzt war an seinem Gürtel keine Waffe.
„Ich freue mich, Sie in Rumdett zu begrüßen. Ich bin ein Vertreter der örtlichen Handwerkszünfte und auch wenn wir in der politischen Landschaft nur ein Zwerg sind, so tun wir unser Bestes, das Bild unserer Stadt gegenüber Auswärtigen zu verbessern.“ Aus seiner Westentasche zückte er ein zusammengefaltetes Papier, auf dem ein Siegel mit einer Zange und einer Säge war. Die Urkunde verschwand ebenso schnell wieder in seiner Tasche. „Der Eindruck, den solche Szenen…“ er deutete auf die Seitengasse „…auf Besucher macht überschattet in der Regel die reiche Geschichte und Traditionen unserer Stadt.“

„Meine Aufgabe ist es, Ihnen alle Fragen zu beantworten. Ich kann ihnen auch den Weg durch die Stadt weisen oder Sie zu einem Gasthaus bringen, das den Bedürfnissen einer Auswärtigen eher gerecht wird, als die schmierigen Spelunken, in denen man im besten Fall nur bestohlen wird.“
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Re: Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Sonntag 16. Oktober 2011, 20:38

Xiara erschrak, als plötzlich die Stimme hinter ihr ertönte. Sie war so fasziniert von der Piratenstadt, dass sie nichts anderes mehr wahrgenommen hatte, außer dem, was sie gerade mit den Augen fixierte und begutachtete. Sie lauschte dem gut gekleideten Mann und nickte, um ihm zu bedeuten, dass sie ihm noch folgte.
Es blieb für eine Weile still, denn der Mann wartete auf die Reaktion der jungen Halbelfe. Diese schien in Gedanken zu versinken. Wahrhaftig dachte Xiara wieder krampfhaft über den Namen nach, den die alte Hexe ihr genannt hatte. Feder... Feder...
"Ihr könnt mir vielleicht wirklich helfen.", entgegnete sie dann plötzlich und blinzelte. "Ich suche jemanden, der auf den Namen Federzoni hört. Kennt ihr ihn? Oder sie?"
Unruhig stieg sie von dem einen Fuß auf den anderen und erwartete eine Antwort. Das Gepolter hinter ihr in der Gasse ignorierte sie. Sie fühlte sich nicht sonderlich wohl in ihrer Haut, schließlich war es in dieser Stadt von Nöten, Stärke zu beweisen um nicht unterzugehen. Das hatte sie bereits am Anfang bemerkt, als sie die Stadt betreten hatte. Hier waren Wesen der übelsten Sorte zuhause. Alleine sollte sie wohl wirklich hier nicht umher irren, wenn sie sich nicht danach sehnte, ausgeraubt in einer Seitengasse zu liegen.

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. Oktober 2011, 19:53

Dass ein Geck wie dieser im Rumdett überleben konnte war gewiss sonderbar. Seine offene, aufrechte Körperhaltung, die ihn größer wirken ließ, und seine gewandten Bewegungen konnten einen Teil dazu beitragen. Vielleicht auch hatte er das Geschick, sich aus Auseinandersetzungen raus zu halten, und zu wenig Geld mit sich zu führen, um die Aufmerksamkeit eines Halunken zu erregen.

Mit einem Lächeln wartete er Xiaras Antwort ab. „Oh Federzoni, den alten Mistkerl kennt hier jeder.“, meinte er leichtzüngig, bevor er auf einmal erschrocken die Hände vor den Mund warf. „Verzeiht, das war natürlich nicht böse gemeint. Ich wollte nur… Ach, diese Sprache färbt leider auf mich ab. Lasst Eure Meinung für Federzoni nicht davon beeinflussen, manche Menschen hier benutzen solche Begriffe fast schon als Lob auf eine Person.“ Noch immer etwas beschämt nestelte er an seinem Hemdkragen herum und blickte kurz zu Boden. Doch er besinnte sich des Besseren und schaute wieder zu Xiara auf.

„Er wohnt unweit des Marktes und auch gar nicht mal fern von hier. Ich würde Euch mit Vergnügen hinführen. Darf ich fragen, ob Ihr geschäftlich oder privat hier seid? Ach, wo bleiben meine Manieren, mein Name ist Mellinguar, aber die meisten nennen mich bloß Mell.“
Er zog sie bereits sanft ohne ihre Antwort abzuwarten in eine Richtung – fort von der schrecklichen Szene, die noch immer nicht vorbei war. Zu dritt schnappten die Piraten sich den angeblichen Betrüger und schleppten seinen ohnmächtigen, möglicherweise toten Körper fort.
Mell war wirklich etwas aufdringlich in seinem Gehabe. Es drängte ihr seine Hilfe auf, wenn auch es vermutlich nur aus Höflichkeit geschah.
„Kommt. Es sind nur ein paar Gassen, dann stehen wir bereits vor seiner Tür, gute Frau.“
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Re: Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Freitag 21. Oktober 2011, 22:08

Xiara war viel zu überrascht, als das sie hätte reagieren können. Die aufdringliche Art von Mell war auf irgendeine Weise freundlich, dennoch war es ihr unangenehm, dass ihr jemand so nah kam. So drückte sie sich leicht von ihm weg, folgte ihm aber ohne zu zögern. Sie wollte endlich wissen, was Federzoni über ihre Flecken wissen könnte. Trotzdem warf sie noch einmal einen Blick über die Schulter und sah, wie die Piraten den leblosen Körper des Betrügers aufhoben und forttrugen. Sie wollte nicht wissen, was sie mit ihm noch so anstellen würden. Wenn er überhaupt noch am leben war.
Kopfschüttelnd drehte sie den Kopf wieder nach vorn und folgte Mell eiligen Schrittes. Dieser war bereits einige Fuß voraus gegangen.
Neugierig sah sie sich um, während sie tiefer in die Stadt Rumdett eindrangen. Hier und da sah sie merkwürdige Gestalten in dunklen Gassen, die Handel zu betreiben schienen. Andere wieder rum waren so volltrunken, dass sie kaum noch gerade aus laufen konnten. Xiara konnte so etwas nicht begreifen. Wie konnte man sich nur so gehen lassen? Es lag nicht in der Natur der Eiselfen, die Würde so zu verlieren. Die Eiselfen waren ein stolzes Volk und zeigten sich nur sehr selten schwach und das nur im Kreise ihrer engsten Vertrauten. All die Eindrücke die auf Xiara einströmten bereiteten ihr nach wenigen Minuten Kopfschmerzen.
Zähneknirschend legte sie eine Hand an die Schläfe und schloss die Augen. Der Lautstärkepegel in dieser Stadt war für sie enorm.
Abermals drang die Frage Mell's an ihr Ohr, ob sie nun privat oder geschäftlich hier sei.
"Ich denke privat.", erwiderte sie und öffnete ihre Augen. Mell war zum stehen gekommen und hatte vor einem Haus halt gemacht. Hier war es ohne Zweifel ruhiger, als ein paar Straßen weiter. "Wie meint Ihr das, ihr denkt?", bohrte Mell weiter.
Dieser Kerl war einfach zu neugierig für ihren Geschmack.
Ohne es wirklich zu wollen, legte Xiara einen abweisenden Blick auf und fixierte Mell stumm. Ohne, dass sie etwas zu sagen brauchte, hob Mell abwehrend die Hände. "Verzeiht."
Stumm nickte die Halbelfe und sah dann zu der schäbigen Bruchbude, die Mell als Haus bezeichnet hatte.
Ihre Antworten waren zum greifen nah. Es würde nicht mehr lange dauern und sie würde endlich wissen, was es mit den schwarzen Flecken auf ihrer Haut auf sich hatte. Sobald sie nur an sie dachte, spürte sie das Brennen auf ihrem Unterarm. Wie auf Kommando. Sie bemühte sich, nicht das Gesicht zu verziehen, als das Brennen und das tiefe Stechen einsetzten, als würde man ihr bei lebendigem Leib das Fleisch vom Knochen trennen.
Dennoch bebte ihre Unterlippe.
"Lasst uns endlich reingehen.", presste sie zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor.

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Montag 24. Oktober 2011, 19:24

Die Seitenstraßen, durch die Mell sie führte, waren ruhiger, wenn auch die Wohngegend arm und schäbig war – wenn das in der Piratenhochburg überhaupt noch eine Rolle spielte. Es war nur wenig los, das Getümmel der Stadt schien sich auf die unmittelbare Nähe von Tavernen oder vom Hafen zu konzentrieren. Der Menschenmann lief zielstrebig, wehrte einen Bettler ab, führte Xiara um einige Betrunkene herum.

„Soso, privat also. Aber ihr wisst nicht einmal, wer Ferzoni ist, wie?“, bohrte er nach einiger Zeit doch nach, wobei schelmisch grinsend. Hatte er gerade den Namen falsch ausgesprochen? Unbeirrt führte er sie weiter.
„Ah, da sind wir. Sein Quartier, nicht besonders standesgemäß, aber in dieser Stadt ist unklug zu präsentieren, was man in der Börse hat.“

Das Gebäude war heruntergekommen und klein in einer schmutzigen Wohngegend. Mell überließ Xiara nicht sich selbst, sondern er drängte wie üblich seine Hilfe aus. Er klopfte sogar und als die Tür sich einen Spalt weit öffnete, sagte er: „Herr Feronni! Diese gute Frau will zu ihnen, sie sagt es sei privat.
Die Tür öffnete sich und im Rahmen stand ein muskelbepackter Bursche. „Ihr seid es!“, meinte er lächelnd und streckte die Arme aus zu seiner Umarmung. „So lange habe ich euch nicht mehr gesehen.“

Und die Umarmung, die er Xiara gab, wandelte sich in einen festen Klammergriff. Mell lächelte honigsüß. Ein dritter im Bunde erschien hinter ihr und packte ihre Schwerter an den Seiten, um sie zu entwaffnen.

„Es war nett, Eure Bekanntschaft zu machen.“, säuselte Mell. „Aber Rumdett ist kein Ort für Leute wie Euch. Seid lieber froh, dass wir Euch kein Haar krümmen werden, solange Ihr uns dafür keinen Grund gebt. Das Geld und die guten Klingen genügen uns völlig.“
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Re: Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Montag 24. Oktober 2011, 20:08

Xiara beäugte Mell skeptisch. Kam es ihr nur so vor, oder sprach er den Namen Federzoni's jedes Mal anders aus?
Ehe sie sich versah, umklammerte sie ein riesiger Kerl, er glich eher einem Affen, als einem Menschen. Sie spürte wie jemand versuchte, ihr die Klingen vom Rücken zu nehmen. Panik stieg in ihr auf. Ihr ganzer Körper versteifte sich, jeder Muskel stand unter Anspannung. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Was sollte sie tun?
"Lasst mich los!", zischte sie dem riesigen Mann, der sie umklammerte warnend zu, doch dieser lachte nur tief und verstärkte den Griff um ihren schmalen Körper. Hektisch versuchte sie sich aus dem Klammergriff zu befreien, doch sie hatte das Gefühl, mit jeder Bewegung pressten sich die gewaltigen Arme noch enger um ihren Körper. Ohne großartig darüber nachdenken zu können, in was sie da überhaupt hinein geraten war, holte sie mit dem Knie aus und rammte es mit all ihrer Kraft in den Schritt des bulligen Typens. Wenn Männer eine Schwachstelle hatten, dann war es definitiv diese.
Der Kerl stolperte zurück und lies die Halbelfe los, um sich in den Schritt zu fassen. Der Tritt war nicht fest genug, um ihn endgültig außer Gefecht zu setzen, aber zumindest stark genug, um ihn einige Zeit abzulenken.
Xiara atmete tief durch, als sie endlich wieder Luft bekam, fuhr im gleichen Atemzug herum, um dem Dritten im Bunde irgendetwas anzutun. Was wusste sie selbst nicht. Doch das spielte keine Rolle, sie war nicht schnell genug, um ihn davon abzuhalten, ihr wenigstens ein Schwert abzunehmen.
"Gib mir sofort das Schwert zurück! Das ist ein Erbstück!", sprach Xiara und bemühte sich, Festigkeit in ihre Stimme zu bringen, die vor Angst nur so bebte. Ihre eiskalten Hände umklammerten das andere Schwert, das ihr geblieben war und hielten es vor ihr. "Sofort!", legte sie nach.
Binnen weniger Sekunden schossen tausend Gedanken und Möglichkeiten durch ihren Kopf, doch einer war schwachsinniger als der andere. Was sollte sie gegen drei riesige Kerle anrichten? Wie sollte sie vorgehen? Sie wollte doch nur Antworten. Keinen Kampf. Konnte sie diesem Kampf nicht einfach damit entgehen, indem sie den Männern gab, was sie wollten? Gold? Die Schwerter würde sie nie freiwillig hergeben. Sie waren von ihrem Vater. Sie waren alles was sie hatte.
Ihr Druck verstärkte sich um den Schwertgriff, während sie Mell und dem anderen Mann gegenüber stand. Der dritte Riese kniete hinter ihr auf dem Boden und rieb sich weiterhin den Schritt.

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. Oktober 2011, 18:42

Der dritte Ganove - er war etwas zu kurz geraten, hatte aber flinke Finger - hatte bereits ihr bereits eine Waffe entrissen, bevor sie sich gegen den Grobian zur Wehr setzen konnte. Nicht nur das. Mit ihrer eigenen Klinge schnitt er ihr den Geldbeutel vom Gürtel und schnappte ihn sich. Ein paar der Kupfermünzen fielen in den Dreck, aber den Großteil hatte jetzt der Dieb.

Der Hühne war von ihrer Gegenwehr überrumpelt und verzog sein Gesicht vor Schmerzen. Tränen glitzerten in den Winkeln seiner zusammengekniffenen Augen. „Du Gör! Arg…“, ächzte er.

Mell blieb immer noch ruhig. Ein Funkeln in seinen Augen trat auf und sein Grinsen war ihm vergangen, aber er war nicht in Rage. Seine Hand fuhr in die Innenseite seiner Weste und seelenruhig holte er etwas heraus. Er war nicht unbewaffnet gewesen, wie es den Anschein hatte. Er trug zwar keine Klinge oder Knüppel an der Seite, aber wie eine Wespe hatte er einen verborgenen Stachel.
Bei der stählernen Klinge handelte es sich um ein Stilett. Eine gefährliche Waffe in den Händen eines schnellen Kämpfers. Natürlich bot es gegen ein Schwert wenig Schutz und sollte es zu einer Konfrontation kommen, würden beide Seiten eine schlimme Verletzung davonziehen.
Der Möchtegernchameur und Betrüger offenbarte keine Anzeichen, sie anzugreifen. Da meinte der Langfinger hastig: „Das wird mir hier zu heiß, ich hau ab, wir treffen uns wieder.“ Und er nahm die Beine in die Hand. Mell deckte dessen Rückzug, indem er sich vor die Gasse stellte, in welcher dieser verschwand. Jetzt konnte er auf Zeit spielen. Je mehr Sekunden vergingen, desto sicherer war die Beute: Das Geld und eine Klinge. Außerdem erholte sich der Bär hinter ihr langsam. Sollte sie ihren Hintermann angreifen, dann hätte Mell ausreichend Chancen, sie zu erstechen.
Mell ließ ihr aber dezent einen Ausweg: Eine Gasse ließ er ihr zur Flucht frei. Der Weg verlief in die entgegen gesetzte Richtung, in die der Dieb verschwunden war. Offenbar legte er es nicht wirklich auf eine Konfrontation an, jetzt da sein Gefolgsmann ihr Geld und ein Schwert hatte.
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Re: Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Sonntag 30. Oktober 2011, 20:07

Xiara sah zu, wie sich der Langfinger aus dem Staub machte. Schweißperlen traten ihr auf die Stirn und ehe sie einen Schritt nach vorn hechten konnte, hielt Mell die Klinge des Stiletts an ihre Kehle.
"Du Mistkerl!", entfuhr es ihr. "Komm sofort wieder zurück!"
Auch wenn sie wusste, dass er nicht zurückkehren würde, hoffte sie inständig das er es täte. Wut keimte in ihr auf und bevor sie die Wut überrannte, erschrak sie vor diesem Gefühlsausbruch. Sie hatte nie zuvor eine solche Wut gespürt. Aber war es nicht normal, dass sie wütend wurde? Schließlich rannte dieser Bastard gerade mit ihrem Schwert davon! Um das Gold scherte sie sich wenig. Das Schwert war ihr mehr wert, als alles andere.
Mell stand ihr noch immer gegenüber und machte keine Anstalten zur Seite zu treten. Er schien aber ebenfalls wie sie, über seine Möglichkeiten nachzudenken.
"Wenn Du mir nicht aus dem Weg gehst, dann mach ich mir den Weg frei.", presste Xiara anstrengt zwischen den Zähnen hervor. Ihre rechte Hand umgriff den Schwertgriff so fest, sodass die Sehnen unter der dünnen und blassen Haut der Halbeiselfe hervor traten. Die langen Ohren zuckten, als sie hinter sich die stöhnenden Laute des dritten Mannes vernahm. Er schien sich gerade aufzurichten. Xiara fuhr herum und stieß ihn mit dem Fuß zurück auf den Boden. "Halt Dich da raus!", zischte sie und sah den Halunken eindringlich an. Dieser entgegnete ihrem Blick mit weiten, erstaunten Augen.
Bevor sich die Halbelfe wieder zu Mell herumdrehen konnte, spürte sie den kalten, dünnen Stahl an ihrer Kehle. Sie schluckte schwer.
Ehe ein Kampf überhaupt beginnen konnte, war es schon vorbei. Schnaubend ließ sie ihr Schwert sinken und schloss die Augen.

Nein.
Sie war nicht soweit gekommen, um jetzt aufgeben zu müssen. Diese Gauner würden ihr nicht im Weg stehen. Xiara ließ die Augen geschlossen und begann damit, ihre Konzentration zu steigern und ihre Gedanken zu sammeln.
Ein sanftes, weißes Licht entstand in ihrer linken, freien Handfläche. Es war kein besonders starker Eismagiezauber, doch es sollte für den Menschen genügen. Sie öffnete die linke Hand und griff nach der Klinge von Mell. Zwar spürte sie den Schmerz, als sich die dünne Klinge in ihre Haut schnitt, doch sie biss die Zähne zusammen und fuhr herum. Stumm blickte sie dem Gauner in die Augen, während sich das weiße Licht in ihrer Hand über die Klinge ausbreitete und diese einfror.
Das Blut tropfte aus ihrer zusammengepressten Faust auf den Boden und hinterließ eine dunkle, feucht schimmernde Fläche. Dann holte sie mit ihrem Schwert aus und zerschlug die eingefrorene Klinge. Dies sollte ihn für eine Weile "außer Gefecht" setzen. Doch wie sollte es nun weiter gehen?

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. November 2011, 14:01

Xiara griff offenbar zu drastischen Maßnahmen, um ihr Erbstücke zurückzubekommen. Mell hatte eine Finte erwartet, einen direkten Angriff oder Flucht, aber dass sie wirklich seine Klinge mit ihrer blanken Hand packte, das haute ihn vom Hocker. Das Stilett zitterten in seinen Händen und die Eiselfe hätte die Gelegenheit gehabt, jetzt mit dem Bruder des vermissten Schwertes zuzustechen und der Sache ein Ende zu machen.

Ihre Hand blutete, aber die Tropfen, die auf Mells Unterarm rannen waren eiskalt. Sie verausgabte sich für dieses magische Schauspiel, aber sie hatte unzweifelbar Erfolg dabei. Das Stilett, dessen Stahl Temperaturschwankungen aushalten musste, die einen Menschen umgehauen hätten, gab vorerst nicht nach.

Mit großen Augen starrte Mell auf seine Waffe. Die Luft gab an der Metalloberfläche Kondenswasser ab und er versuchte, loszulassen. Es funktionierte nicht, seine Haut klebte nämlich am Griff fest. „Was tust du da? BIST DU NOCH VON SINNEN!“, brüllte er seine Irritation heraus.
Es gab ein Knacken, als das Material der Klinge sich so verformte, dass es sich es aus dem Griff sprang und als das Schwert zuschlug, zersplitterte die ganze Waffe

„Du Hexe!“, rief Mell, aber seine Wut wich Resignation. Das nächste Mal wäre sein Arm dran. „Ich bin hier raus, ich bin hier sowas von raus.“, murmelte er und nahm die Beine in die Hand. Während er wegrannte, fiel auch der Griff, der sich in seiner Faust festgefroren hatte, zu Boden.

Während Mell Fersengeld gab, da hatte andere diebische Halunke schon einen guten Vorsprung. Ob es möglich war, einen Einheimischen durch die verwinkelten Gassen hindurch einzuholen? Er mochte vielleicht klein sein und kurze Beine haben, aber wer die Wege und Schlupflöcher kannte, der war stark im Vorteil.
Der Hüne, der sich insofern wieder erholt hatte, dass er mit vorgebeugten Oberleib und verschränkten Armen gehen konnte, war auf einmal auch weg. Aber man konnte sehen, dass die Tür des Hauses, in dem er sich anfangs verborgen hatte, in einem anderen Winkel stand.

Drei Halunken in einer fremden Stadt. Sie könnte versuchen, den ersten, der abgehauen war, einzuholen, vielleicht aber reichte es auch, sich Mell oder den großen Kerl zu schnappen, um zu erfahren, wo der Unterschlupf der Ganoven war – vorausgesetzt, dass es überhaupt einen gab
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Re: Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Sonntag 6. November 2011, 21:14

Keuchend ging Xiara in die Knie. Die Magie die sie gewirkt hatte, hatte sie stark beansprucht. Sie war nicht so gut in Eismagie, wie es vollblütige Eiselfen waren. Auch wenn ihr ihre innere Stimme zurief, sie müsse den Männern folgen, hörten ihre Beine nicht auf sie.
Wütend schlug sie mit der Faust auf den staubigen Boden dieser heruntergekommenen Hütte.
Sie würde die Männer jetzt ohnehin nicht mehr einholen können. Was sollte sie tun?
Schnaubend richtete sich die Halbelfe wieder auf, ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding und sie wankte langsam aus dem Haus, um sich umzusehen. Verdammte Bastarde, dachte sie still bei sich und schloss für einen Augenblick die Augen, um ihre Gedanken zu sammeln. Die Wut die in ihr aufgekeimt war, herrschte noch immer über sie. Ihr ganzer Körper zitterte und stand zum bersten unter Anspannung. Dieser Mell, sofern er denn wirklich so hieß, hatte wirklich Glück gehabt. Sie wusste nicht, ob sie ihre Wut hätte weiter unter Kontrolle halten können. Noch immer spürte sie dieses unglaubliche Gefühl und schluckte schwer. Es machte ihr selbst Angst.
Langsam torkelte Xiara die verlassenen Gassen der Piratenstadt Rumdett entlang, in der Hoffnung einen der Männer noch zu entdecken und sich schnappen zu können. Ihre blutende Hand ignorierte sie. Und auch das Brennen auf ihrem rechten Unterarm, der durch ihre Kleidung verdeckt war.
Stundenlang, so kam es ihr vor, suchte sie die Gassen ab, ohne Erfolg. Sie blieb erst stehen, als sie vor den Türen der Taverne "Zum Teufelsrochen" stand. War es eine glückliche Fügung? Vielleicht konnte ihr dort jemand helfen, ihr Schwert und Gold wieder zu bekommen.
Zögernd stieß sie die Türen zur Taverne auf und trat ein...

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Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Sonntag 13. November 2011, 17:06

Die drei Verbrecher waren abgehauen, zwei mit einem mittelgroßen Vorsprung und auf flinken Beinen und einer relativ langsam. Dieser jedoch würde sich in Kürze erholen und würde am Ende vielleicht sogar den Spieß umdrehen, wenn sie ihm nachsetzte.
Stattdessen quälte sie sich durch düstere Gassen. Vereinzelt blickte jemand ihr nach, entschied aber, dass bei Xiara nichts zu holen war. Die Sonne stand so tief, dass man sie hinter den Häuserfassaden nicht erkennen konnte.
Rumdett war ein schlimmes Pflaster. Es gab zu wenig Licht und schlechte Luft. Aber an einer Stelle traf sie auf etwas, was wenigstens so ähnlich wie Freude und Miteinander war. An diesem Ort schien Licht durch die Fenster und es war sogar Gelächter zu hören.

[Weiter inder Taverne zum Teufelsrochen
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