Wo bin ich da bloß reingeraten?

Der Hafen ist wohl das gefährlichste Pflaster Rumdetts. Hier laufen nicht nur die Schiffe der drei Piratengemeinschaften ein und aus, nein, hier wird auch am häufigsten Prügel bezogen.
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Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 12. April 2012, 12:10

Pallas lief an der nächsten Straßenecke in einen leeren Hinterhof. Der Kampflärm war hier immer noch gut zu hören. Erschöpft von der Reise im Fass lehnte Pallas sich an die Wand und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Er war in Rumdett gelandet, das war klar. Wohin sonst bringen Piraten ihre Beute? Er konnte nicht in Rumdett bleiben, wenn er sich keiner Bande anschließen wollte, das war ebenfalls klar. Und er wollte sich keiner Piratenbande anschließen. Er war vielleicht seit zehn Minuten in der Stadt und sie gefiel im jetzt schon nicht. Aber er konnte auch nicht einfach aus der Stadt laufen. Ohne die richtige Ausrüstung und vor allem ohne Proviant würde Pallas vor den Toren der Stadt nicht lange überleben, das wusste er.
Außerdem neigte sich der Tag gerade dem Ende entgegen, was bedeutete dass er eine Unterkunft bräuchte. Über alles andere könnte er sich später Gedanken machen. Ein passendes Gasthaus zu finden dürfte gar nicht so schwer werden.

Wo bin ich da bloß reingeraten? dachte sich Pallas, als er sich auf die Suche nach einem Gasthaus machte.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 12. April 2012, 20:24

Rumdett war als die Hauptstadt der Piraterie bekannt. Ein jeder Bewohner solle Pirat sein, Angehöriger eines Piraten sein oder für sie arbeiten. Es gab kein Gesetz, wie man es aus anderen Städten kannte. Hier gab es keine Stadtwachen, aber ein jeder führte eine Waffe mit sich, vom jungen Burschen bis zur alten Greisin. Die einzige Ordnungsstruktur in Rumdett waren die Hierarchien der Piratenbanden. Dass sich Männer am Hafen um gestohlene Waren prügelten, schien niemanden zu stören. So manch ein Passant ließ sich sogar mitreißen, sich selbst einen Anteil zu sichern, obwohl er gar nicht mit dabei gewesen war.

Ein Trio verlauster Buben rannte an ihm vorbei. „Keilerei am Hafen!“, rief einer erfreut.
„Da gibt’s ordentlich was zu sehen und wenn wir Glück haben, können wir die Bewusstlosen ausplündern.“, fügte ein anderer hinzu. Die Freuden der Jugend eben.
Keiner von ihnen nahm von Pallas Mercator Notiz und selbst wenn, hätten sie sich vermutlich trotzdem nicht geniert, ihre Pläne auszuplaudern.

Das Stadtbild Rumdetts war nicht besonders schön, viele Häuser waren heruntergekommen und dreckig und die wenigen Läden, die man sehen konnte, hatten eindeutig ein gestohlenes Warensortiment. Vermutlich geschah das, wenn das Säbelschwingen lukrativer als ein handwerklicher Beruf war.
Trotz des Unterschiedes zu anderen Städten gelang es Pallas sich dort zurecht zu finden. Die Seitengassen waren verwinkelt, aber es gab eine breite Hauptstraße zwischen Hafen und Stadttor und sehr nah an dieser Straße gab es ein Gebäude, das zumindest ansatzweise wie eine Herberge war.

Die Fassade war etwas sauberer als die Umgebung, auch wenn die Tür und die Fensterläden leicht schief in ihren Angeln lagen. Ebenso hing das Schild, welches das Gebäude als das auszeichnete, was es war, ein bisschen schief.
„Zum Teufelsrochen.“, stand auf dem Schild und für die Analphabeten zeigte es das Bild eines Rochen mit Fangzähnen und roten Augen. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, ob es nur eine Taverne zum Trinken war oder ob es auch Zimmer zu mieten gab.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Samstag 14. April 2012, 12:44

Da stand Pallas nun, vor dem "Teufelsrochen". Er hatte die Taverne schnell gefunden, schließlich unterschied sich Rumdett gar nicht so stark von anderen Städten, wie man vielleicht, auf den ersten Blick annehmen würde. Abgesehen vom verwahrlosten Stadtbild und den Piraten natürlich. Selbst die Kinder waren schon richtige Schlitzohren, wie Pallas feststellen musste.

Unsicher beäugte Pallas das Gebäude vor sich. Er hatte Geschichten von Piraten, die Blut trinken, gehört. Außerdem war noch gar nicht sicher, ob man in diesem windschiefen Haus auch übernachten kann. Oder will.

Es half alles nichts, eine bessere Möglichkeit würde Pallas wohl kaum finden. Er näherte sich der Tür und wollte diese gerade aufziehen, als sie von innen aufgestoßen wurde und ein sturzbetrunkener Pirat hinaus torkelte. Er streifte Pallas an seiner gesunden Schulter und fiel der Länge nach auf die dreckige Straße. Dann versuchte er wieder aufzustehen, schaffte es aber bloß sich auf den Rücken zu drehen und laut zu rülpsen.

"Ich freue mich auch, Euch kennenzulernen" , sagte Pallas, wischte sich mit der Hand, nicht vorhandenen, Staub von der Schulter und betrat den "Teufelsrochen" durch die offene Tür.

[Weiter in Taverne "Teufelsrochen"]

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 26. September 2013, 20:43

[Pallas Mercator kommt von Bei Ferim]

"... ein paar hundert Schritt rechts von uns fangen die Anlegestellen von Finns Flotte an. Und wenn du nach links schaust, wirst du einen Teil von Catties Flotte sehen. Ähm, leider doch nicht. Da gibt es einen Knick in der Kaimauer und direkt dahinter fängt ihr Gebiet an. Hier dazwischen ist sozusagen ein neutraler Bereich, damit sich verfeindete Piraten nicht in die Quere kommen. Außerdem braucht keine der großen drei Banden den Platz hier. Deshalb hat Betram sein Schiff immer hierher gebracht."

Atlas ging auf einem wackeligen Anlegesteg in Richtung des einzigen Schiffes, das da war. Ein kleines Boot, acht Schritt lang, drei Schritt breit, mit einem Mast mit Segel und allen drum und dran. Es gab nur das Oberdeck und eine kleine Kajüte. Und auf dem Deck lagen einige Pfund Fische. Frische Fische. Und auf den Boot arbeiteten zwei junge Männer. Beide waren gleich groß und schwarzhaarig.

"Äh, ich glaube, Bertram hat einmal etwas von zwei Gehilfen beim Fischfang geredet...", meinte Atlas kleinlaut. Mit seinen großen Stiefeln lief er trotzdem weiter den Steg entlang auf das Boot zu. Die beiden Männer blickten gleichzeitig auf. Sie sahen weder mürrisch, noch verärgert aus, aber sie wirkten trotzdem nicht gerade wie freundliche Mitmenschen. "Was wollt ihr?", fragte einer von ihnen misstrauisch.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 11. Oktober 2013, 15:30

Atlas führte sie zum Anlegesteg und erklärte ihm währenddessen dessen Aufteilung unter den Piratenbanden. Pallas drehte sich beim Gehen ein paar mal um, da sie vielleicht verfolgt wurden, aber ihm fiel niemand Verdächtiges auf. So kamen sie ohne Zwischenfall an dem Teil des Hafens an, welcher laut Atlas zur neutralen Zone deklariert worden war. Tatsächlich schien dieser Teil des Hafens kaum genutzt zu werden, da fast alle Bewohner der Stadt in einer der Piratenbanden waren; nur ein einziges Boot war hier vertäut.
Vielleicht sind die anderen draußen beim Fischen, überlegte sich Pallas. Das Wetter schien dafür perfekt zu sein, die Sonne schien freundlich vom Himmel und es wehte eine sanfte Brise, die die wenigen Schäfchenwolken über den Himmel trieb und die Takelage leise knarzen ließ.
Berties Boot war nicht besonders groß, schien aber, soweit Pallas das beurteilen konnte, seetauglich zu sein.
Es schwimmt. Das sollte fürs Erste genügen.
Pallas hätte sich das Boot gerne näher angeschaut, da waren jedoch zwei große Kerle auf dem Boot. Atlas meinte es wären Fischer, die Bertram, geholfen hatten. An Deck befanden sich außerdem noch ein Haufen Fische, dem Geruch nach zu urteilen frisch. Auch einige kecke Möwen hatten den Fisch entdeckt und zogen lärmend ihre Kreise über dem Kutter.
Als sich die Beiden dem Boot näherten, fragte einer der Fischer: „Was wollt ihr?“

Pallas war sich sicher, dass die Vaiante, 'wir brauchen Berties Boot um wegzufahren' wohl nicht klappen würde. Sie würden etwas raffinierteres brauchen und Pallas hatte da auch schon einen Einfall.
„Das ist Berties Boot, stimmts? Dann seid ihr bestimmt Berties Männer. Es wird euch gewiss schon zu Ohren gekommen sein, und falls nicht, erfahrt ihr es jetzt von uns: Bertie hat vergangene Nacht seine Reise ins Jenseits angetreten. Aber bevor er dort seinen Frieden finden kann, muss zuerst sein auf dem Sterbebett formulierter letzter Wunsch erfüllt werden: Eine Seemannsgrab, draußen im Meer.“
Pallas kannte den letzten Willen Berties nicht, aber nach dem was er über ihn wusste, war er sich sicher, dass er sich eine Seebestattung gewünscht hätte. Außerdem glaubte er nicht, dass Rumdett einen anständigen Friedhof hatte.
„Zu diesem Zweck wurde mir aufgetragen, seinen Leichnam, einige enge Freunde sowie einen Priester mit seinem Boot rauszufahren, um die Zeremonie abzuhalten."

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 17. Oktober 2013, 19:38

Die beiden Männer hörten mit der Arbeit auf und verschränkten die Arme, als Pallas mit ihnen redete. Sie blickten ihn kritisch an.

„Na, wenn das nicht der älteste Trick der Welt ist...“, sagten sie wie aus einem Munde.
Atlas entgegnete sofort: „Aber Bertram ist tot! Ihr wisst doch bestimmt, dass er krank war.“

„Ja, das wissen wir.“
„Wir haben in der Zwischenzeit sein Geschäft ordentlich verwaltet.“
„Und als Verwalter haben wir das Vorrecht, die Angestellten am Geschäft zu beteiligen.“
„Mit einhundert Prozent! Das Boot gehört jetzt uns.“

„Das nennt man Veruntreuung!“, schimpfte der junge Atlas, sich der Komik dessen nicht bewusst.

Einer der Männer stieg mit einem Sprung vom Schiff und näherte sich Atlas.
„Du verstehst wohl keinen Spaß? Dann sage ich offen. Das hier ist Rumdett. Selbst wenn ich deinem geliebten Bert ein Messer zwischen die Rippen gerammt hätte, um das Boot zu bekommen, das interessiert hier keine Sau. Wer nicht auf seinen Kram aufpasst und keine gefährlichen Freunde hat, hat es nicht anders verdient. Und ein Toter hat ganz besonders kein Recht sich zu beschweren.“
Der andere Gehilfe johlte vom Boot aus: „Schau dir an, wie rot der Kleine ist. Der braucht dringend eine Abkühlung!“

Der Fischer auf dem Steg packte den wütenden Atlas unter den Achseln, hob ihn hoch und warf ihn ins Wasser des Hafenbeckens. Dann wandte er sich an Pallas. „Siehst du? Eine solche Seebestattung wäre für Betram viel angemessener! Hahaha!“

Atlas Haarschopf tauchte unter der Wasseroberfläche auf. Mit zusammengekniffenen Augen paddelte er nach in Richtung Steg zurück.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 8. November 2013, 00:40

Das Gespräch verlief nicht so wie Pallas sich das gedacht hatte, ja eigentlich lief es grauenhaft. Er musste sich eingestehen, dass er die Gehilfen eines hilfsbereiten Menschen wie Bertram anders eingeschätzt hatte und sich deshalb bei diesen beiden verkalkuliert hatte. Die Fischer würden ihm das Boot wohl nicht „kurz mal“ ausleihen, da sie schon damit rechneten dass sie es niemals wieder sehen würden. Geld oder einen Tauschhandel einzugehen wäre ebenfalls nicht ratsam, da diese Halunken nicht zögern würden sie über den Tisch zu ziehen.
Das diesen Piraten aber auch nichts außer ihrem eigenen Profit heilig war! Wenn er doch bloß seinen Säbel nicht verloren hätte, dann würde er diesen respektlosen Rüpeln mal ordentlich die Meinung geigen!
Aber sein Säbel lag unter einem Kartentisch, oder wahrscheinlicher, bereits auf einem Ladentisch im Schwarzmarkt, was für Pallas bedeutete dass er höflich bleiben musste, schließlich würde er auf ein Bad im Hafenbecken lieber verzichten. "Verzeiht das verhalten meines Freundes, er neigt zu... Impulsivität. Es ist ganz und gar nicht unsere Absicht, euren Anspruch auf das Boot in Frage zu stellen. Wir wollen euch auch gar nicht weiter stören, denn ihr habt sicherlich noch viele wichtige Aufgaben bei der Verwaltung zu bewerkstelligen. Lasst mich ihm nur schnell aus dem Wasser helfen und ehe ihr euch verseht sind wir auch schon weg."

Es war vermutlich das Beste, sich für den Moment erst einmal zurückzuziehen und die weitere Vorgehensweise mit den anderen zu besprechen und eine gemeinsame Strategie zu planen. Zumindest wussten sie jetzt mehr über das Boot und seine Verfügbarkeit, was in diesem Fall heißt, dass es nicht verfügbar ist.
"Lebt wohl", verabschiedete sich Pallas. Er ging in die Knie und half Atlas sich zum Anleger hochzuziehen. Dann wandte er sich zum gehen. "Bring uns zu Dora, wir müssen uns mit den anderen besprechen", sagte er dann zu Atlas, "mach dir nix draus, diesen Kerlen zeigen wir schon noch wo der Hammer hängt!", versuchte er ihn aufzumuntern.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Montag 18. November 2013, 19:48

Die beiden Fischer ließen Pallas in Ruhe, während er den jungen Atlas aus dem Wasser zog. Sie verkniffen sich aber nicht das schäbige, schadensfrohe Lachen. Der Junge war völlig durchnässt, aber es ging ihm gut. Er hatte kein Wasser geschluckt und das Salzwasser hatte seine Augen nicht einmal gerötet.
„Ja, lass uns gehen.“, sagte er und lief den Steg zurück. Er trug weiterhin seine Stiefel, die so voller Wasser waren, dass bei jedem Schritt etwas davon heraus schwappte, aber er machte keine Anstalten, stehen zu bleiben und sie auszuleeren.
Betrams Gehilfe begaben sich wieder zurück aufs Boot und widmeten sich ihren Fischen.

„Zu Dora? In Ordnung.“

Atlas führte sie wieder auf zahlreichen Seitengassen zum Ziel. Dieses Mal verzichtete er auf seine enthusiastischen Erklärungen über den Rumdetts Stadtplan, sondern schwieg völlig. Es war ein kleines Häuschen. Die Straße davor sauber gefegt, das Haus war im guten Zustand. Es hatte einen Türklopfer, den Atlas betätigte, dann aber einen Schlüssel hervorzog, um aufzuschließen. Bevor Pallas die Diele durchqueren konnte, hielt der Junge ihn mit einer Hand zurück.
„Psst, Schuhe abtreten. Das ist ganz wichtig. Du willst nicht wissen, was sonst passiert! Das stimmt vermutlich nicht, weil die meisten Leute besonders neugierig werden, wenn man ihnen sagt, dass sie etwas gar nicht wissen wollen.“

Eine Stimme kam aus einem folgenden Raum: „Atlas! Ich hör's an deinen Stiefeln. Der neue ist dabei? Hast du ihm schon gesagt, dass er nicht wissen will, was passiert, wenn er mit dreckigen Schuhen hier reinkommt?“

Atlas Blick sagte tausend Worte. Er trat seine Stiefel ab und entfernte ein Stück Seegras, das ihn bis zu diesen Augenblick begleitet hatte. Der nächste Raum war ein Flur, der die Diele mit zwei weiteren Räumen verband. Ein Raum war abgeschlossen, beim anderen stand die Tür offen. Dies war die Küche, wo gerade gekocht wurde.
Ferim saß am Küchentisch und hob grinsend die Augenbrauen, als der Händlerssohn eintrat. Die liebreizende Dora, wie der Schauspieler sie genannt hatte, war eine Frau, die schon weit in die Jahre gegangen war. Sie war klein, faltig und hatte ihre schneeweisen Haare in einen strengen Knoten nach hinten gebunden. Dora briet gerade in einer Pfanne Reis und Meeresfrüchte, die außerordentlich gut dufteten.
Der angebliche Priester ergriff das Wort. „Schwester Dora, ist es überhaupt noch wichtig, hier alles sauber zu halten? Wir verlassen bald die Stadt und da wäre es doch nicht schlimm, wenn wir alle ein einziges Mal nach Herzenslust mit dreckigen Schuhen durch deine kleine Küche spaz...“
Ferim riss den Kopf zur Seite und entging haarknapp den Kochlöffel, der jetzt hinter ihn an die Wand knallte. Wohlgemerkt, es war ein sauberer Kochlöffel, der keinen Fleck an der Wand hinterließ
„Heb' den Löffel auf und mach' ihn sauber! Und du – Neuer – deck' den Tisch zusammen mit Atlas! Aber flott.“
Die liebreizende Dora.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Dienstag 10. Dezember 2013, 23:35

Die Fischer ließen die beiden gehen und so führte sie der sichtlich verstimmte Atlas durch die Gassen Rumdetts zu einem kleinen Haus. Trotz der fehlenden Erläuterungen Atlas' zum Straßenbild bekam Pallas langsam das Gefühl sich hier auszukennen, was keinesfalls damit verwechselt werden durfte, dass er sich hier sicher oder heimisch fühlte.

Das Haus, oder eher Häuschen vor dem sie hielten, musste das sauberste Haus in ganz Rumdett sein. Ja es war so sauber, dass es sogar die umstehenden Häuser optisch aufwertete, was womöglich auch an der sauber gefegten Straße davor lag.

Atlas öffnete die Tür, hielt Pallas aber davon ab einutreten. „Psst, Schuhe abtreten. Das ist ganz wichtig. Du willst nicht wissen, was sonst passiert! Das stimmt vermutlich nicht, weil die meisten Leute besonders neugierig werden, wenn man ihnen sagt, dass sie etwas gar nicht wissen wollen.“
Tatsächlich interessierte es Pallas brennend, was, abgesehen von der Verschmutzung der ebenfalls blitzblanken Diele, passieren würde, wenn er sich nicht die Stiefel abtrat, kam aber nicht dazu eine entsprechende Frage zu formulieren:
„Atlas! Ich hör's an deinen Stiefeln. Der neue ist dabei? Hast du ihm schon gesagt, dass er nicht wissen will, was passiert, wenn er mit dreckigen Schuhen hier reinkommt?“
Atlas beantwortete das nur mit einem vielsagenden Blick und die beiden machten brav ihre Schuhe sauber.
Durch die Diele und einen Flur ging es vorbei an einer abgeschlossenen Türe in die Küche, aus der der Geruch nach Essen drang. Meeresfrüchte mit Reis, so gut hatte er seit Tagen nicht mehr gegessen. Ferim begrüßte sie mit einem Grinsen, während Dora zu beschäftigt mit Kochen zu sein schien, um großartig von den Neuankömmlingen Notiz zu nehmen.
„Schwester Dora, ist es überhaupt noch wichtig, hier alles sauber zu halten? Wir verlassen bald die Stadt und da wäre es doch nicht schlimm, wenn wir alle ein einziges Mal nach Herzenslust mit dreckigen Schuhen durch deine kleine Küche spaz...“, sagte Ferim, doch ein präzise geworfener und absolut sauberer Kochlöffel schnitt ihm das Wort ab. Dora verstand keinen Spaß wenn es um ihr Haus ging. Sich wieder dem Herd zuwendend befahl sie: „Heb' den Löffel auf und mach' ihn sauber! Und du – Neuer – deck' den Tisch zusammen mit Atlas! Aber flott.“
Zugegeben, Pallas hatte sich die liebreizende Dora anders vorgestellt, zum einen jünger und zum anderen... liebreizender. Aber was hatte er erwartet? Das war schließlich Rumdett. Zu perplex um sich ihr zu wiedersetzten begann er mit Atlas den Tisch zu decken.
Als sie damit fertig waren, setzte er sich zu Ferim an den Tisch und berichtete ihm von ihrer Erkundung am Hafen: "Wir haben Berties Boot gefunden, es gibt allerdings... sagen wir, Komplikationen. Zwei Fischer, die behaupten Berties einstmalige Mitarbeiter zu sein beanspruchen das Boot für sich und wollen es auch nicht rausrücken. Wir brauchen einen Plan wie wir es ihnen abluchsen können oder ein alternatives Transportmittel." Vielleicht sollten sie einfach Dora am Hafen vorbeischicken damit sie den Fischern die Ohren lang zog, überlegte sich Pallas, behielt diesen Gedanken, aus Angst vor weiterem fliegenden Küchengeschirr, jedoch für sich. "Wir könnten es Nachts in einer Nacht- und Nebelaktion kapern, oder unsere Überzahl gegen sie ausnutzen", schlug er stattdessen vor. Die Fischer würden bestimmt mal Abends einen Trinken gehen und mit den anderen, von denen Ferim heute Morgen gesprochen hatte, sollte es möglich sein, das kleine Boot zu entern.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Samstag 21. Dezember 2013, 15:12

Der Tisch wurde für die vier anwesenden Personen gedeckt und Dora brachte die heiße Pfanne zum Tisch. Bevor Pallas den Mund aufmachen konnte, zischte Dora ihn an. „Zuerst das Tischgebet.“

Ferim erhob sie sich und sprach in einem ernsten und persönlichen Ton, so als ob er ein alter Priester wäre, ein Gebet.

„Freunde. Felyn ist unter uns. Er ist immer dabei, wenn mehrere sich gemeinschaftlich sammeln, die Gaben teilen, sich beraten und einander Hoffnung machen. Lasst uns diese vier Aspekte verinnerlichen und sie zur Brücke zwischen unseren verschiedenen Persönlichkeiten machen.
Wir danken Felyn für unsere Freundschaft und den anderen Göttern für die Früchte des Feldes und des Meeres.“

Während des kurzen Gebetes waren Atlas und Dora ruhig. Atlas Hände lagen auf dem Tisch und Dora hatte die ihrigen im Schoss liegen. Beide wirkten auf eine zufriedene Weise nachdenklich. Atlas war nicht mehr wegen der Fischersgehilfen eingeschnappt und Doras faltenreiches Gesicht war kurze Zeit gütig.

Während des Essens konnte Pallas davon berichten, was passiert war. Atlas und Ferim schwiegen, während Dora nur meinte: „Elende Nichtsnutze!“

„Ja, es wäre das beste, wenn wir bereits heute Nacht das Boot nehmen.“, sinnierte Ferim. „Wir haben das gute Recht dazu. Aber auf einen Kampf will ich mich nicht einlassen.“
„Der Mond ist fast voll. Also dürfte es hell genug sein, wenn wir vorsichtig segeln.“, erklärte Atlas.
„Gut. Aber wir sollten überlegen, was für Vorräte wir brauchen, um zu sechst bis nach Serna zu kommen. Und sie dann heute noch besorgen. Pallas, kannst du das übernehmen?“
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 9. Januar 2014, 20:35

Dora bestand darauf vor dem Essen zu beten, also stand Ferim auf und sprach in Feylins Namen ein Tischgebet:

"Freunde. Felyn ist unter uns. Er ist immer dabei, wenn mehrere sich gemeinschaftlich sammeln, die Gaben teilen, sich beraten und einander Hoffnung machen. Lasst uns diese vier Aspekte verinnerlichen und sie zur Brücke zwischen unseren verschiedenen Persönlichkeiten machen.
Wir danken Felyn für unsere Freundschaft und den anderen Göttern für die Früchte des Feldes und des Meeres.“

Pallas hatte geglaubt, der Aufzug als Feylinpriester wäre nur eine Verkleidung Ferims gewesn, doch die Worte die er sprach und die Wirkung auf die anderen Anwesenden legten nahe, dass sie wirklich Gläubige waren. War das eine Art Kult? Eine kleine Gruppe total verschiedener Menschen verbunden durch ihren Glauben? Oder meisterte Ferim die Rolle des Priesters einfach aufgrund seines Talentes als Schauspieler? Wie immer verblieb Ferim ein Mysterium für Pallas.

Anschließend machten sie sich über die Meeresfrüchte mit Reis her, die so gut wie ihr Duft schmeckten. Pallas kam nicht umhin ein Kompliment an die Köchin auszusprechen. Während des Essens erzählte Pallas von der Situation im neutralen Hafen.
Sie einigten sich darauf das Boot still und heimlich des Nachts zu entwenden, da die Bedingungen dafür perfekt waren.
Pallas sollte außerdem Vorräte für sechs Personen besorgen gehen: „Gut. Aber wir sollten überlegen, was für Vorräte wir brauchen, um zu sechst bis nach Serna zu kommen. Und sie dann heute noch besorgen. Pallas, kannst du das übernehmen?“

„Natürlich kann ich die Vorräte besorgen, oder ich will nicht der Sohn meines Vaters, der Händler ist sein!“, antwortete er und zog währenddessen den Geldbeutel, welchen er beim Kartenspiel gestohlen hatte, hervor und warf ihn etwas unsanft auf den Tisch. „Seht was ich gestern noch hab mitgehen lassen, bevor wir gehen mussten“, kommentierte er den Beutel stolz, in der festen Überzeugung, dass er randvoll mit Goldmünzen war. Er hatte zwar noch nicht hinein gesehen, aber was sollte denn auch sonst drin sein?

„Was wir auf jeden Fall brauchen ist frisches Wasser und genug zu Essen, außer ihr habt vor während der Fahrt zu Fischen", schnitt Pallas das Thema Vorräte an, "Und sollten wir vorsichtshalber nicht trotzdem ein paar Waffen besorgen, nur für den Fall? Ein paar Wurfmesser für Dora? Wenn sie Messer so gut werfen kann wie Küchengeschirr könnte uns selbst der Kraken höchstpersönlich nicht aufhalten.“ Augenblicklich bereute er was er gesagt hatte, denn er bekam das beklemmende Gefühl jeden Moment von einer fliegenden Untertasse erschlagen zu werden.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Samstag 18. Januar 2014, 10:45

Pallas warf den Geldbeutel stolz auf den Tisch. Wie war der Händlerssohn noch gleich in Besitz dessen gekommen? Er hatte ihm bei der Flucht aus dem Kartenspielzimmer vom Boden aufgeklaubt. Auf dem Boden hatte der Beutel gelegen, weil Ferim ihn verängstigt als Beschwichtigungsangebot von sich geworfen hatte, als er von Pallas und Caspar bedroht wurde.

Der Besitzer saß also jetzt am selben Tisch! Und Ferim erkannte seinen Geldbeutel wieder. Er war aber nicht der erste, der das Wort ergriff. Atlas kam ihm zuvor: „Mitgehen lassen? Heißt das, du hast das gestohlen?“
Atlas und Dora sahen ihn jetzt besonders misstrauisch an. Hatten sie gerade die Mahlzeit mit einem gemeinen Dieb geteilt? Ferim musste einschreiten:
„Am gestrigen Tag gerieten wir in eine Gesellschaft, die uns ausnehmen wollte. Die Gier, welche die Ganoven in ihrer Tat vereinte, richtete sich aber gegeneinander, als es daran ging, ihre Beute aufzuteilen. Wir entflohen diesem unnötigen Gemetzel, aber ich hätte nicht gedacht, dass Pallas sogar unser weltliches Eigentum retten konnte. Danke Pallas, aber bitte passe beim nächsten Mal auf, denn das Leben eines guten Freundes kann man nicht mit Gold aufwiegen.“

Ein bisschen Wahrheit, ein bisschen Blenderei und Ferim hatte Atlas und Dora wieder beruhigt.
Jetzt kam die Frage auf, ob die Gruppe sich mit Waffen eindecken sollte. Die alte Frau am Tisch ignorierte Pallas Spöttereien. „Atlas nimmt das Beil, mit dem er immer mein Feuerholz hackt. Und ich werde wohl kaum meine guten Küchenmesser hierlassen.“, sagte sie zweideutig,
„Ich habe keinen Bedarf.“, erklärte Ferim. „Du kannst dich auf eigene Kosten ausstatten, wie du willst. Nimm mein Geld für die Vorräte – Ich vertraue auf deine Ehrlichkeit. Ach ja, unsere beiden anderen Begleiter besorgen bereits ein kleines Fass mit Frischwasser. Darum brauchst du dich nicht zu kümmern.“
Damit war es wohl beschlossen.

((Du kannst jetzt den selbst beschreiben, wie du zum Markt gehst und einkaufst. Ferims Geld reicht problemlos für die Vorräte. Wenn du Eigenbedarf decken willst – mit Feilschen bekommst du Gegenstände 20% unter dem Preis, der auf der Webseite angegeben ist. Verlasse in deinem Post den Schwarzmarkt aber noch nicht))
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Freitag 21. Februar 2014, 17:45

Im Nachhinein war es ziemlich ungeschickt von ihm gewesen, mit dem Gold anzugeben. Als er es erbeutet hatte, war Ferim zwar noch ein mysteriöser Unbekannter, ja sogar ein Gegner oder Feind gewesen, mittlerweile könnte man aber sagen, dass er ein mysteriöser Freund geworden war.
Nachdem das weitere abgeklärt war, schickte sich Pallas an, seinen Auftrag zu erledigen. Er stand auf, bedankte sich bei Dora für das Essen und verabschiedete sich vom Rest.
Ihm kam in den Sinn, dass er mit seinem verletzten Arm möglicherweise gar nicht in der Lage sein würde, Proviant für sechs Personen vom Markt bis hierher zu tragen. Er fragte die Anwesenden, ob ihm jemand beim Tragen helfen könne: „Eins noch: Ich bräuchte vermutlich etwas Hilfe, da ich eine hinderliche Kampfverletzung habe. Es wäre gut, wenn mir jemand beim Tragen helfen könnte.“
((Ich gehe jetzt im folgenden davon aus, dass er es entweder alleine schafft oder Hilfe bekommt))

Schließlich verließ er Doras Haus und machte sich, jetzt wieder in Stiefeln, auf die Suche nach einem Händler, der ihm die gewünschte Ware anbieten konnte.
[Weiter bei Der Schwarzmarkt ]

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Samstag 31. Mai 2014, 23:55

[kommen vom Schwarzmarkt - Caveat Emptor]

Ferim und Atlas kannten die Seitenstraßen Rumdetts nur zu gut und führten Pallas ein letztes Mal auf geschwungenen geheimen Wegen zum Hafen. Der Treffpunkt war ein Hinterhof nahe der Anlegestelle des Fischerbootes.
Wenig später traf Dora ein. Sie stützte sich auf zwei Stöcke gleichzeitig. Anscheinend waren die weiten Laufwege anstrengend für sie. Aber sie beklagte sich nicht.

Es war Zeit für die zwei letzten Gefährten. Die Lichtverhältnisse waren im Hinterhof nicht die besten, so konnte man vorerst nur die Silhouetten ausmachen, die sich näherten. Ein Mann schob eine Schubkarre mit einem Fass drauf und eine Frau trug sowohl einen Kugelbauch, wie auch etwas, was wie ein rechteckiger Kasten aussah – beides mit Vorsicht.
„Schön, dass ihr auf uns gewartet habt.“, sagte der Mann. Aus nächster Nähe zeigte sich, dass Pallas den Mann kannte. Es war Sid, der Musiker aus dem „Teufelsrochen“.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Samstag 28. Juni 2014, 15:40

Atlas und Ferim führten Pallas in einen Hinterhof in der Nähe der Anlegestelle. Sie waren noch allein, aber nach kurzer Zeit traf erst Dora ein, dann die anderen beiden. Es waren ein Mann und eine scheinbar schwangere Frau. Der Mann schob das Wasserfass in einer Schubkarre vor sich her. Als er ins Licht trat erkannte Pallas den Musiker aus dem "Teufelsrochen" wieder.
"Sid? Du kommst auch mit?!" Sid wäre einer der letzten gewesen, die Pallas vermutet hätte. Er schien so gut hierher zu passen, als Musiker in der Kneipe. Wie die anderen Mitglieder dieser Reisegruppe hatte er sich optimal in die Gesellschaft Rumdetts eingepasst. Auch war er der erste gewesen, mit dem Pallas über Caspar geredet hatte. Pallas war also schon lang bevor er es geahnt hatte Teil dieser Verschwörung geworden.

"Wo hast du denn dein Akkordeon gelassen... ah da ist es ja", sagte Pallas, als er den Kasten den die Frau trug, erblickte. Das war schon eine Merkwürdige Truppe. Ein Schauspieler, eine Messerwerferin, ein Musiker und... Atlas. Pallas wurde das Gefühl nicht los, hier mit einer Gauklertruppe unterwegs zu sein. Es würde sich schon noch zu seiner Zeit rausstellen, doch jetzt stand Wichtigeres an.

"Ich bin Pallas", stellte er sich der Frau vor, "ich wurde zum Kapitän der... von Berties Schiff gewählt." Zu Ferim gewandt sagte er dann: "Hat das Boot eigentlich einen besseren namen als 'Berties Boot'?"
"Naja, wie dem auch sei, wir sind jetzt ja komplett. Meinetwegen kann es losgehen, ich bin bereit wenn ihr es seid."

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Juli 2014, 13:09

Damit war vermutlich das letzte Rätsel der Geschichte gelöst. Irgendwoher hatte Ferim ja herausfinden müssen, dass Pallas im Dienste Caspars stand, um ihn am Markt abzufangen. Es passte, dass Sid die Lücke schloss.
Der Musiker ließ das Wasserfass ruhen und reichte Pallas seine Hand für einen kräftigen Händedruck.

„Bertrams Boot... Nun ja...“, Atlas schluckte. Ferim ergriff das Wort und nannte den Namen so, dass es sich wie ein Schiff aus alten Sagen anhörte, das jahrelang im Dienste mythischer Helden fuhr:
„Die Seegurke.“

Man konnte am Himmel eine breite, dunkle Sturmfront sehen, die vom Süden auf Rumdett zusteuerte.
Die Gruppe zog Strohhalme, wer zur Anlegestelle gehen sollte, um zu schauen ob die Luft rein war. Ferim zog den kürzeren, aber wer wusste schon, ob der seltsame Schauspieler das so eingerichtet hatte. Kurz später kam er zurück. „Ich konnte nichts verdächtiges sehen.“

Mit allem Gepäck schlichen sich die Reisegefährten auf den Steg. Beim Schiff angekommen, erwartete sie ein weiteres Hindernis: Die Seegurke war mit einer Eisenkette festgemacht. Bevor sich Verzweifelung breit machen konnte, trat Atlas vor. Er hatte Doras Feuerholzbeil gezückt.
„Da helfen alle Eisenketten der Welt nicht, wenn es nur an popeligen Holz festgemacht ist.“, flüsterte er, bevor er sich an die Arbeit machte. Er achtete darauf, nicht die Kette zu treffen, was einen helles Metallgeräusch machen würde, sondern nur das Holz. Der dumpfe Ton war so nur ein paar Meter weit zu hören, aber das reichte aus. Im Boot begann ein Haufen Netze sich zu regen und hervor kletterte einer der beiden Fischersgehilfen. Seine Augen weiteten sich, aber so schnell wie er reagierte, hatte vermutlich auf der Lauer gelegen. Er sprang mit einem Satz auf den Steg und rannte wie der Teufel los, anstatt die Gruppe zu Rede zu stellen. Da war etwas faul.

Wenn Pallas Mercator sofort hinterher rannte, dann würde er erkennen, dass der Schurke auf der Geraden viel her machte, aber im Gegenzug etwas Zeit verlieren würde, wenn er eine scharfe Kurve lief. Wenn der Kaufmannssohn richtig erahnte, welche Richtung der Dunkelhaarige am Ende vom Steg einschlagen würde – links oder rechts - könnte er ihn noch erwischen!
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Donnerstag 24. Juli 2014, 17:29

Gemeinsam schlichen sie zum Steg der “Seegurke”. Ferim hatte vor ihnen ausgekundschaftet und nichts Verdächtiges entdecken können.
Atlas machte sich asbald ans Werk, den Holzpflock, an dem das Boot mit eienr Eisenkette befestigt war, zu zerlegen. Pallas wollte sich währenddessen mit den anderen daran machen, das Gepäck im Boot zu verstauen, doch ihnen kam eine Gestalt zuvor, die aus dem Boot sprang und auf dem Steg davonlief. Pallas erkannte einen der Fischer, der anscheinend zwischen den Netzen und Seilen an Deck auf der Lauer gelegen war. Er setzte sofort zu einem Sprint an, ohne sich um die Gruppe zu kümmern.

Er holt bestimmt Verstärkung! Schoss es Pallas durch den Kopf, da rannte er schon hinter dem Fischer her, welcher schon einen kleinen Vorsprung hatte und sich zudem als guter Sprinter herausstellte. Pallas hatte sichtlich Mühe ihm hinterher zu kommen. Seine einzige Chance, den Piraten aufzuhalten, würde sich bieten, wenn dieser vom Steg abbog. Aber würde er rechts oder links entlang laufen?
Rechts oder links? Rechts? Links? Das Ende des Steges kam immer näher, und er konnte sich nicht so recht entscheiden Rechts? Nein doch LINKS!
Pallas setzte alles darauf dass der Pirat links entlang laufen würde und machte sich bereit, ihn dabei abzufangen.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Montag 28. Juli 2014, 19:40

Die einzige Möglichkeit Bertrams ehemaligen Gehilfen aufzuhalten, war ein beherzter Sprung. Das würde natürlich sehr dumm aussehen, wenn er ins Leere sprang, aber mit der Wahl der linken Richtung traf Pallas den Mann und riss ihn mit sich zu Boden.
Der Mann zappelte und war kräftiger als Pallas, aber nur wenige Augenblicke später waren Sid und Ferim zu seiner Seite. Beide packten den überwältigten Wachposten. Sein Gesicht war aufgeschrammt. „Dann hast du mich halt erwischt. Die Schreckschraube hat Patrou...“ In dem Moment stopfte der Musiker ihm ein Stofftaschentuch in den Rachen.

Sie schleppten den Mann zum Steg, wo Dora die Kette bereit hielt. Die alte Frau kettete den Geknebelten mit offener Schadenfreude am Steg fest.

Wenn man das Schiff begutachtete, erkannte man, dass jetzt drei Dinge zu tun waren. Die Vorräte aufs Schiff schaffen war das einfachste und schnellste. Das Schiff war aber noch mit einem Steingewicht als Anker fixiert und das Segel war eingeholt. Bertrams Gehilfen hatten das Segel zum Quermast hochgezogen und es dann so festgemacht, dass jemand am Mast hochklettern musste, um es wieder zu lösen. Das Schiff schaukelte mehr als nur leicht, der Mast war aber glücklicherweise nur einige Schritt weit hoch und hatte eiserne Spangen, an denen man klettern konnte.

Seine Begleiter zeigten nur Eigeninitiative, indem sie das Wasserfass, den Rucksack voller Vorräte und ihr eigenes Gepäck auf das kleine Fischerboot brachten. Bei den anderen Sachen erwarteten sie seine Anweisungen.

Die Zeit dränge. Wenn die Amazone wirklich Patrouillen angeordnet hatte, war vielleicht schon jetzt Ärger im Anmarsch. Und die Wolken wurden mit jeder Minute dichter und dunkler.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Mittwoch 20. August 2014, 00:13

Er hatte es tatsächlich geschafft den Fischer niederzuringen! Pallas konnte sich jedoch nur kurz darüber freuen, da sich der viel kräftigere Mann im Handumdrehen wieder befreit hätte, wären Sid und Ferim nicht schnell zur Hilfe geeilt. Der Fischergehilfe schien sich schnell mit seinem Schicksal abzufinden und gab sogar eine kostbare Information preis, bevor Sid ihm das Maul stopfte: „Dann hast du mich halt erwischt. Die Schreckschraube hat Patrou...“
Es war klar was hiermit gemeint war: Die Amazone war schon mit Verstärkung auf dem Weg. Der Mann stand seiner Gefangennahme ziemlich gleichgültig entgegen, so als ob er eh gleich gerettet werden würde. Die Amazone musste also in der Nähe sein. Pallas hätte gerne noch mehr aus dem Wachmann herausgequetscht, aber ihnen blieb keine Zeit. Ihre Flucht stand jetzt auf Messers Schneide, Messern in Amazonenhänden. Zu allem Überfluss sammelte sich auch noch ein Sturm am Himmel.
Während Dora mit sichtlichem Genuss den Fischer an den Steg fesselte, verstauten die anderen ihre Habseligkeiten auf der Seegurke. Bevor sie ablegen konnten musste noch das Segel gesetzt und der Anker gelichtet werden. Bei einer erfahrenen und eingespielten Mannschaft, so hatte es Pallas schon oft beobachten können, musste der Kapitän lediglich "Segel setzten!" und "Anker lichten!" rufen. Dies hier einfach ins Blaue hinein zu rufen würde wohl in einem heillosen Durcheinander enden, also teilte Pallas seine Begleiter für die Aufgaben ein: "Sid, Ferim! Lichtet den Anker! Atlas, klettere hinauf uns setzte das Segel", ordnete er leise aber bestimmte an. Atlas schien ihm der geschickteste Kletterer, während Ferim und Sid bei der Überwältigung des Fischers ausreichend Körperkraft unter Beweis gestellt hatten. Er selbst war aufgrund seiner jüngsten Verletzung nicht in der Lage sich bei einer der beiden Aufgaben nützlich zu machen, also half er den übrigen Passagieren an Bord.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 24. August 2014, 18:21

Die Aufgaben waren verteilt, jetzt blieb nur zu schauen, wie sich die Beteiligten anstellten. Atlas stand ein wenig unschlüssig vor dem Mast und schaute nach oben. Hatte er etwa Höhenangst? Doch dann schritt er einfach nur um ihn herum und fing an der anderen Seite an, zu klettern. Die Feuerholzaxt ließ er am Fuß des Mastes zurück. Er blieb vorsichtig und entfernte entfernte nie mehr als eine Gliedmaße von den Metallspangen. Je höher er kam, desto weiter schwankte der Mast hin und her.

Ferim und Sid mussten zusammen den Ankerstein lichten. Musiker und Schauspieler waren in der Regel nicht als die Muskelprotze bekannt, aber gemeinsam schafften sie es, das Seil mit dem Gewicht Ruck für Ruck hochzuziehen.

Pallas half den Frauen an Bord. Die schwangere Begleiterin Sids brauchte Pallas Hand und stellte sich geschickt an. Gemeinsam halfen sie der Dora rüber. Das Alter hatten ihr Körpergröße geraubt und damit war der Überstieg an Bord etwas breit für sie. Aber zu dritt schafften sie es. Dann durchstieß ein Schrei die düsterne Stille.

Das war Ferim. Er hatte sich den schweren Stein aus Versehen auf seinen Zehen fallen lassen. Der junge Mann presste sich die Hände auf den Mund, bevor nach hinten auf ein paar Netze umkippte. In dem Moment stürzte Segeltuch raschelnd nach unten. Atlas hatte es geschafft.
„Pallas.“, kam es von oben. „Wir haben Probleme. Fast gar kein Wind. Und wir können es uns nicht leisten, lange darauf zu warten. Ich glaube ich sehe da Leute kommen. Hinter dir ist eine Stange. Ich glaube damit könnt ihr uns vom Steg wegschieben.“

Der Junge klammerte sich weiter oben am Mast fest und machte keine Anstalten, den Weg nach unten zu klettern. Stattdessen hielt er weiter Ausschau.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Sonntag 7. September 2014, 19:55

Ferim und Sid hatten den „Anker“ erfolgreich gelichtet, nur dummerweise hatte der Schussel von Schauspieler den Stein auf seinem Fuß abgesetzt, was ihm einen Schmerzenslaut entlockte. Er schien, so hoffte Pallas zumindest, nicht weiter schlimm verletzt zu sein, doch sein Schrei würde weit über den Hafen zu hören sein. Dummerweise befanden sich schon feindlich gesinnte Gestalten in der Nähe, wie Atlas von seinem Aussichtspunkt aus vermelden ließ, nachdem er das Segeltuch herabgelassen hatte.

So weit war die Seegurke bereit zur Abfahrt. Passagiere und Proviant waren sicher verstaut, das Segel war gesetzt und der Anker gelichtet. Höchste Zeit loszulegen und so viel Seemeilen wie möglich zwischen sich und Rumdett zu bringen.

Dass sie in Eile waren schien den Wind, oder das Boot nicht zu interessieren. Von selbst bewegte sich die Seegurke keinen Fingerbreit weit. Atlas hatte eine Stange im Boot entdeckt, die Pallas jetzt aufhob, und gegen die Kante des Steges stemmte. Mit etwas Hilfe der Anderen würde sich das Boot schon wegschieben lassen, es war ja nicht allzu groß oder schwer. Vorsichtshalber schickte Pallas in Gedanken ein knappes Stoßgebet an die Meeresgöttin Ventha. Man weiß ja nie.

O Ventha, Schutzpatronin der Santroner und Herrscherin der Ozeane! Schicke deinen Wind und Hilf uns aus dieser misslichen Lage!

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 14. September 2014, 13:05

Pallas Mercator ergriff die Stange und machte sich an die Arbeit. Er setzte sie an der Stegkante an und presste. Seine Begleiter hatten bisher nur wenig Initiative gezeigt und vielleicht wäre es besser gewesen, ihnen einen direkten Befehl zu geben, ihm dabei zu helfen. So dauerte es einige kostbare Augenblicke, bis sie ihren Platz an der Stange einnahmen. Sid und der nun humpelnde Ferim halfen ihm.

Der Himmel war nun voller dichter, fette Gewitterwolken, aber der Wind kam nicht in Wallung. In diesem spärlichen Licht sah man eine dunkle Meute näher kommen. Der angefesselte Fischersgehilfe hatte den Knebel ausspucken können. „Hilfe!“, schrie er und aus der Verfolgergruppe löste sich eine Gestalt, die auf ihn zu rannte. Unzweifelhaft war es dessen Kollege.

Das Stoßgebet, das Pallas ausgestoßen hatte, schien erst keine Auswirkungen gehabt zu haben, doch dann wurde eine Wärme in seiner Hand spürbar. Er musste feststellen, dass das vom Ring mit den Ankersymbol herkam. Hatte er ihn überhaupt angesteckt?
Und die Wärme wurde intensiver. Wenn das so weiter ging, würde der Ring gleich schmerzhaft heiß werden!

Der Schwarzhaarige, der über den Steg zu seinem gefesselten Spießgesellen rannte, wurde schlagartig gestoppt – durch einen großen Stiefel, der ihn Sohle voran ins Gesicht traf. Die Wucht traf den Mann unvorbereitet, er stürzte und rutschte über das nasse Holz, bis er im Meerwasser landete. Von oben am Mast kam Atlas Stimme: „Kommt ruhig! Wo der her kam, gibt es noch mehr!“
Wer auch nur eine Sekunde über die Drohung nachdachte, würde feststellen, dass Atlas eigentlich nur seinen zweiten Stiefel werfen konnte, mehr nicht. Aber er hatte es seinem ehemaligen Peiniger mit gleicher Münze zurück gezahlt.
Die Meute war nun vorsichtiger, nur die Amazone betrat den Steg mit schnellen Schritten. Nur noch wenige Augenblicke und sie würde die Seegurke erreichen. Die bunte Truppe hatten sich bisher nur wenige Ellen weit wegdrücken können, da die Stange ständig von der Kante abrutschte.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Montag 15. September 2014, 22:34

Es dauerte erst einige Momente bis Pallas Hilfe mit der Stange bekam. In der Eile hatte er gar nicht daran gedacht einen Befehl auszusprechen. An sein neues Amt musste er sich erst noch gewöhnen.
Die Piraten waren jetzt schon sehr nah, geführt vom gefesselten Fischer, der seinen Knebel losgeworden war und die Meute mit seinen Hilferufen zum Anlegeplatz der Seegurke führte. Sie hätten ihn doch im Hafenbecken versenken sollen, dann wären sie ihn wenigstens los! Immerhin versenkte Atlas den zweiten Fischer mit einem gut gezielten Wurf seines Stiefels.

„Kommt ruhig! Wo der her kam, gibt es noch mehr!“

Allzulang würde sie Atlas nicht aufhalten können, er hatte ja nur einen weiteren Stiefel übrig.

Plötzlich bemerkte Pallas, wie sich sein Ventha-Ring in seiner Tasche erwärmte. Merkwürdigerweise hatte er aber zuerst bemerkt, wie sich sein Finger, an der Stelle wo sich der Ring normalerweise befand, erwärmte, ja geradezu erhitzte. Wie war das möglich? War das ein göttliches Zeichen, und wenn ja, was hatte es zu bedeuten? Am Wetter hatte sich nichts geändert, sie Seegurke kam immer noch furchtbar schlecht in Fahrt und die Amazone hatte sie fast eingeholt. Es sah ganz so aus als würde es zum Kampf kommen. Pallas konnte in der Dunkelheit nicht genau erkennen wie viele Männer zur Meute zählten, es waren aber sicherlich viel zu viele um es mit allen aufzunehmen. Die Amazone schien aber fest entschlossen alleine vorzustürmen. In einem Kampf einer gegen eine hatte Pallas, mit Hilfe der anderen, womöglich eine Chance. Er musste nur unbedingt verhindern, dass sie die schmale Lücke zwischen Steg und Boot überschritt, denn dann war es aus.

Pallas ließ Ferim und Sid alleine mit der Stange weitermachen. „Versucht euch mal vom Grund abzustoßen, da habt ihr besseren Halt. Wenn das nicht klappt müsst ihr auf jeden Fall genug Abstand zwischen uns und ihr bringen“, wies er sie an und zeigte dabei in richtung Steg.
Er zog seine Waffe und legte seinen Ring wieder an. Der Ring war ziemlich heiß, aber vielleicht bedeutete es ja dass Ventha gerade mit ihm war. Dann stellte er sich in Verteidigungsposition an die der Amazone zugewandten Seite des Bootes auf.
„Atlas! Pass auf die Amazone auf! Aber warte auf mein Zeichen!“ Die Distanz war zwar viel kleiner, aber eine gewandte Kriegerin wie sie würde einem Stiefel leicht ausweichen, vor allem da sie darauf vorbereitet war. Wenn Pallas die Amazone ein bisschen ablenkte, könnte Atlas wieder einen Volltreffer landen und die Amazone vielleicht ebenfalls ins Meer stoßen.

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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Erzähler » Sonntag 21. September 2014, 09:24

Pallas Mercator zog den Ring an und zückte seine Waffe, um die Amazone zu empfangen. Die Frau hatte den Nachteil, dass sie aufs Boot springen müsste, während der Händlerssohn seine Stellung halten konnte. Außerdem war Atlas oben am Mast bereit, ein weiteres Wurfgeschoss zu schleudern.

Der Ring hatte seine höchste Temperatur erreicht und verbrannte ihm die Haut um den Ringfinger. Das war der Moment, als der Steg taghell wurde. Ein gleißender Blitz fuhr nämlich auf halbem Weg zwischen Amazone und Boot ein. In einem Bruchteil eines Bruchteils einer Sekunde dröhnte der ohrenbetäubende Donner auf.
Der erste Blitz des Unwetters, der anstelle des Mastes der Seegurke oder den Giebel eines Hafengebäudes den flachen Steg wählte, zerbarst die Holzplanken die Amazone musste nach hinten zurückweichen, um den fliegenden brennenden Holzsplittern zu entgehen. Man konnte einen stechenden Geruch in der Luft wahrnehmen.

Pallas Mercators Finger wurde nicht länger gemartert, denn der Ring kühlte ab. Das glänzende Silber hatte sich binnen Sekunden in eine dreckige Patina verwandelt, als hätte der Ring ein Jahrzehnt im korrodierenden Salzwasser am Grunde des Meeres verbracht. Und während das Ding an Hitze verlor, kam ein gewaltige Sturmwind auf, der das Segel füllte.
Das Fischerboot gewann schlagartig an Fahrt und noch bevor das Pfeifen in den Ohren aller Beteiligten aufhörte und sie wieder normal hören konnten, hatten sie den Hafen hinter sich gelassen, in Richtung offenes Meer. Heftiger Regen setzte ein und wenn nicht gerade ein Blitz einschlug, um Rumdett zu erhellen, war es zappenduster.
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Re: Wo bin ich da bloß reingeraten?

Beitrag von Pallas Mercator » Montag 6. Oktober 2014, 23:50

Der Ring wurde uneträglich heiß und Pallas war kurz davor sein Schwert fallen zu lassen und ihn herunter zu reißen, als sich der Sturm über Rumdett entlud und ein gewaltiger Blitz in die Planken des Steges fuhr. Der Blitzschlag war ohrenbetäubend laut und gleißend hell, sodass Pallas einige Minuten nach dem Einschlag weder hören noch sehen konnte. Obwohl er den aufkommenden Wind über das Pfeifen in seinen Ohren nicht hören konnte, so spürte er ihn doch, wie er an ihm zerrte und wie sich das Boot rasch in Bewegung setzte. Der Himmel öffnete seine Pforten und innen weniger Sekunden waren alle auf der Seegurke bis auf die Haut durchnässt.
Betäubt ließ sich Pallas aufs Deck plumsen und befühlte den Ring. Er war wieder kalt wie zuvor, aber seine Oberfläche fühlte sich rauer und rostiger als zuvor an. Sein Ringfinger war unter dem Ring verbrannt und Wund von der Hitze. Er nahm den Ring ab und ließ die Brandwunde ein bisschen im Regenwasser kühlen, um den Schmerz zu lindern.
Er ließ sich das, was gerade passiert war, nochmal durch den Kopf gehen, um es vollkommen zu begreifen. Ventha hatte sein Gebet tatsächlich erhört! Dass der Blitz statt in ein höher gelegenes Objekt in den flachen Steg eingeschlagen war, konnte kein Zufall sein. Es war ein Wunder, wie in den Göttersagen und Legenden! Es war ein Zeichen. Ventha beschützte die kleine Reisegesellschaft. Pallas stellte fest, dass ihn das vorangegangene Ereignis ziemlich in seinem Glauben an die Meeresgöttin bestärkt hatte. Sie würden ihr später ein Dankopfer darbringen, um sie nicht zu verärgern, schließlich war Ventha eine sehr wankelmütige Göttin.

Wie er so über das Geschehene nachdachte kehrten langsam seine Sinne wieder zurück und seine Augen gewöhnten sich etwas an das Dunkel der Nacht, welches nur gelegentlich von Blitz und Donner durchsetzt wurde. Zeit, die Lage zu überprüfen. Soweit er sehen konnte waren noch alle an Bord und die Lichter Rumdetts wurden hinter ihnen immer kleiner und unscheinbarer. Pallas konnte nicht sagen in welche Richtung sie unterwegs waren, er hoffte bloß, die Seegurke würde nicht noch weiter hinaus treiben. Selbst hier, wo sie noch relativ nah am Festland waren schaukelte das kleine Boot schon bedenklich durch die Wellentäler.
Auf jeden Fall konnte er die Seegurke nicht führungslos durch die Gegend treiben lassen. Schwankend rappelte er sich auf und machte sich auf die Suche nach dem Steuerruder. Er hatte zwar keine Ahnung wohin er das Boot steuern sollte, aber mit Rumdett als Fixpunkt und göttlicher Hilfe konnte er verhindern, dass das Boot zu weit auf das offene Meer hinaus getrieben wurde.

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