Vor den Toren Estrias

Wie weißes Gestein sieht es aus, doch tatsächlich besteht das große Stadttor vollkommen aus Eis. Da es hier so kalt ist, reicht nicht einmal ein Lagerfeuer, um es zum Schmelzen zu bringen.
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Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Dienstag 22. April 2014, 08:27

(Baltos kommt von: Der Eiskanal)

Das Stadttor

Es war ein schöner Tag. Ein paar vereinzelte Wolken zogen eilig über den Himmel als der junge Jäger sich zur Mittagsstunde Estria, der Stadt der Eiselfen näherte. Schon vor einigen Stunden hatte er erste Spuren im Schnee entdeckt, die auf Leben und einen regen Handel schließen ließen und nun sah er schon die Turmspitzen über die gewaltige Stadtmauer hinaus ragen. Besonders ein Turm war weithin sichtbar und seine goldene Kuppel glänzte in Licht des jungen Tages. Baltos folgte dem Weg, der gebogen und immer wieder verborgen von eisigen Hügeln auf das beeindruckende östliche Stadttor zu führte, als er Nanuqs zuckende Ohren bemerkte und sein Eisbärenfreund die Nase in die Höhe streckte.
„Viel viel Duft … versteckt in Holz … Mensch … und Fressen.“
Wie immer wenn sein bäriger Freund in der Tiersprache sprach, war es für Baltos so, als verstünde er sie mehr mit dem Herzen als mit seinem Verstand. Das Geschenk der alten Zauberin, oder was auch immer sie war, hatte ihm ein tiefes Verständnis gegeben, das über Worte weit hinaus ging. Auch Nanuq verstand seinen neuen Begleiter und auch wenn der Zweibeiner in dann und wann noch immer in seiner eigenen Sprache ansprach, so wusste er doch meistens was er wollte. So war es auch jetzt gerade, als der Bär seine Nase in den Wind hob. Baltos fühlte Nanuqs leichte Verwirrung über die Vielfältigkeit der Gerüche, von denen er die meisten nicht kannte. Sie folgten weiter dem Weg, der an seiner linken Seite immer steiler ab fiel und in einer langgezogenen Schneewehe endete. Um so weiter sie liefen um so deutlicher hörten sie auch bald das Gezeter eines wütenden Mannes, der sich lautstark über sein Schicksal beschwerte.
„Verfluchtes Mistvieh! Ich bin auch müde, aber ich leg mich nicht einfach hin! Nicht nur, dass deine Mutter die hässlichsten Kinder sammelt, sie hat auch noch ein ausgesprochen faules Stück in die Welt gesetzt! Auf die Beine! Looos doch!“
Baltos kam gerade noch rechtzeitig über den Hügelkamm um zu sehen, wie ein sehr kleiner Mann verzweifelt versuchte sein behaartes Zugtier dazu zu bewegen seinen Karren aus der Schneewehe zu ziehen. Das Rindvieh war von breiter Statur und so extrem wollig, dass man auf den ersten Blick nicht genau einschätzen konnte wo vorne war. Einzig die langen breit abstehenden Hörner ließen die Vermutung nahe, dass an diesem Ende irgendwo der Kopf sein müsse. Auch ein breiter Ring um den vermeintlichen Hals des Tieres bestätigte diese Ahnung. Der kleine Mann zerrte an einem Ring, der dem Ochsen durch die Nase gezogen worden war, aber dieser zuckte und rührte sich nicht.
„Steh auuuuf, du Ausgeburt des Harax! Ich schlachte dich, wenn du hier liegen bleibst! Wir sind schon fast da und du machst schlapp? Willst du mich ruinieren? “
Der kleine Mann war auf den ersten Blick fast genauso haarig wie sein Zugtier. Auch ihm wallten rostrote verfilzte Haare wie ein Mantel über den Rücken, doch noch war nicht ganz sicher, ob es nicht doch das Fell des Vorgängers war, der als letzter den Wagen gezogen hatte. Das Gefährt hing schief den steilen Abhang hinunter und eine Seite hatte sich tief in die Schneewehe gegraben. Es fehlte nicht mehr viel, dann würde der ganze Planwagen umstürzen. Der Wind kam von vorne, weswegen der Ochse vermutlich selbst weder Mantroner noch Bären gewittert hatte. Auch sah er so erschöpft aus, dass selbst wenn, er vermutlich nicht mehr in der Lage sein dürfte, den Wagen auch nur noch einen Zentimeter zu bewegen. Baltos konnte unbemerkt und gemütlich seinen Weg zur Stadt fortsetzen, oder dem Händler in Not seine Hilfe anbieten.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Mittwoch 23. April 2014, 09:15

Der Mantroner war eigentlich nur einen Katzensprung von der Stadt der Eiselfen entfernt als er auf einen kleinen Mann aufmerksam wurde der seine Hilfe benötigte. Baltos sah schon von weiten das der Händler mit seinen Karren niemals die Schneewehe hochkommen würde. Also gab er Nanuq kurz zu verstehen langsam in Richtung des Karrens zu laufen, aber er sollte darauf achten weiterhin gegen den Wind zu laufen. Damit der erschöpfte Ochse oder was auch immer das für ein haariges Tier war, nicht noch vor lauter Panik sich vom Geschirr losriss, wenn es den Bären witterte.
Als sie nur noch wenige Meter vom Händler entfernt war, stieg Baltos von seinem Schlitten ab und gebot Nanuq zu warten. Danach ging er zu Fuß weiter in Richtung des untersetzen Mannes. Dieser war so beschäftigt sein Zugtier mit sämtlichen Schimpftriaden Celcias zu belegen das er den Jäger erst bemerkte als er schon fast bei ihm war.
„Wie es aussieht, braucht ihr Hilfe!“ Wie selbstverständlich verfiel Baltos in die Handelssprache die er schon seit seiner Kindheit in den Häfen Mantrons gelernt hatte. Natürlich konnte man dabei den deutlichen Akzent seiner Heimatsprache hören, doch das hatte bis lang noch niemanden gestört und Baltos wäre das auch egal gewesen.
Ohne auf eine weitere Reaktion des kleinen Mannes zu warten schaute er sich die Misere genauer an und umrundete einmal den Karren. Am Schluss ging er zu dem entkräfteten Tier und streichelte diesen einmal kräftig über den Rücken. Dabei ignorierte er die harten Worte des Händlers über sein eigenes Zugtier.
Nachdem der Jäger dem Ochsen durch das Fell gefast hatte und dabei bemerkte das, dass Fell schon am Haaransatz von Schweiß durchtränkt war, konnte Baltos nur mit den Kopf schütteln. Er war zwar kein Experte was die pflege von Tieren anging, aber er wusste worauf man im Estria achtgeben musste, um zu überleben.
Das Zugtier musste schnell ins Trockene und ordentlich abgetrocknet werden damit es nicht an einer Erkältung zugrunde ging.
„Ich bringe schnell mein Schlitten nach oben, danach werdet ihr wenn ich wieder bei euch bin euer Tier ableinen und es zu meinen Schlitten führen. Ich kümmere mich dann, mit meinen Bären, darum euren Wagen wieder in Fahrt zu bringen. Danach lasst ihr euer Zugtier meinen Schlitten ziehen, das sollte für ihn kein Problem darstellen und ich fahre mit euren Wagen hinterher. Achtete aber darauf, dass ihr gegen den Wind lauft damit euer Rind, nicht die Witterung von meinen Eisbären aufnimmt. Bis nach Estria ist es ja nicht mehr weit und ich muss auch in diese Richtung. Seid ihr damit einverstanden?“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. April 2014, 18:54

„Wie es aussieht, braucht ihr Hilfe!“
Eine erschrockene Verwünschung wurde unterdrückt und gleichzeitig ging die Hand des Mannes nach oben, als wollte er nach dem Griff einer Waffe langen, die dort hätte sein müssen. Da jedoch dort nur ein Gurt zu tasten war, huschte sein Blick missmutig zu seinem Wagen. Er hatte seine Armbrust auf dem Kutschbock liegen lassen. Argwöhnisch musterte der kleine Mann den Großen, wie dieser sich den Wagen betrachtete und umrundete. Als Baltos aber keinerlei Anstalten zeigte, dass er ihn ausrauben wollte, entspannte sich der Händler merklich.
„Ich bringe schnell mein Schlitten nach oben, danach werdet ihr, wenn ich wieder bei euch bin, euer Tier ableinen und es zu meinen Schlitten führen. Ich kümmere mich dann, mit meinen Bären, darum euren Wagen wieder in Fahrt zu bringen. Danach lasst ihr euer Zugtier meinen Schlitten ziehen, das sollte für ihn kein Problem darstellen und ich fahre mit euren Wagen hinterher. Achtete aber darauf, dass ihr gegen den Wind lauft damit euer Rind, nicht die Witterung von meinen Eisbären aufnimmt. Bis nach Estria ist es ja nicht mehr weit und ich muss auch in diese Richtung. Seid ihr damit einverstanden?“
Der Mund des Händlers stand eine Sekunde lang sprachlos offen, doch dann gewann er seine Fassung zurück.
„Euch schicken die Götter!“
Sein Mund klappte zu und er grinste breit. Er schlug sich kräftig in die Hände, dass es nur so klatschte und nickte mehrmals.
„Ihr seid … Ihr seid Mantroner, richtig? Hilfsbreite Burschen! Man sieht euch ja nicht all zu oft weit weg von eurer Insel. Freut mich, freut mich! Ich bin Rumpert Knulburbur, kurz Rumpel genannt. Freut mich, freut mich, dass ihr helfen wollt! Ja dann werd ich mal ...“
Er rieb sich voller wiedergewonnenem Tatendrang die Hände und machte sich daran das Geschirr des wolligen Rindes zu lösen. Dabei brummte er vergnügte eine Melodie in seinen rotbraunen Bart, während Baltos den Abhang wieder hinaus stiefelte und Nanuq von seinem Schlitten löste. Der junge Jäger hatte noch nie in seinem Leben einen Zwerg gesehen. Vielleicht hatte er Geschichten über dieses Volk gehört, aber so ganz sicher, ob Rumpel auch nun ein solcher war, war er sicher nicht. Der breit gebaute Mann maß grade mal 1,30 Meter in der Höhe, war mit 1,10 fast genauso breit. Die breite Nase war wohl mehrfach gebrochen worden, denn sie hing ihm schief im Gesicht und malte eine Kurve zu seiner linken behaarten Wange. Vom Mund war durch den dichten Bart nichts zu sehen, aber die kleinen Augen funkelten fröhlich, als er den Mantroner betrachtete. Seine Hände waren proportional ausgesprochen groß und die Beine viel zu kurz. Der ganze Mann schien nur aus Rumpf und Bart zu bestehen, dennoch war er fröhlich und der Vorschlag wurde herzlich angenommen. Vielleicht lag es auch daran, dass Baltos sein Hab und Gut in seine fremden Hände legte und Rumpel seinen Schlitten ziehen sollte, während der Junge das Hab und Gut des Händlers bewegen sollte, wenn es auch sicher mehr wert war. So machten sich beide an die Arbeit und unter einigem Schnaufen gelang es Rumpel das Rindvieh den Abhang hinauf zu zerren und vor den Schlitten zu spannen. Hier wurde das arme Tier jedoch trotzdem etwas unruhig, aber so müde wie es war, machte es wenigstens keine Anstalten auszubrechen. Der Wechsel war bald vollzogen und Schlitten und Zwerg machten sich auf das Stadttor zu, während Nanuq einiges an Kraft aufbringen musste um den schweren Wagen aus der Schneewehe zu ziehen. Baltos musste hinten schieben, aber als sie dann endlich wieder oben auf dem Weg waren, ging alles deutlich schneller voran.

Kurz vor dem Tor hörten sie ein langgezogenes:
„Haaaalt!“
Die volltönerden Stimme gehörte einer Stadtwache, die die ungleichen Reisenden mit erhobener Hand zum Stehen brachte. Nanuq blieb nicht sofort stehen, da der schwere Wagen in seinen Rücken drückte. Auch war er kein ausgebildetes Zugtier und hörte ausschließlich auf seinen Menschenfreund. Er brummte nur missmutig, da es weiter vorne nicht mehr weiter ging und starrte dem Rind auf seine sicher schmackhaften Lenden. Rumpel, der schon stehen geblieben war antwortete fast ebenso laut:
„Ich bin Händler aus Rugta, Rumpel mein Name. Qanik Nordlicht erwartet meine Lieferung. Seid bitte so freundlich und informiert ihn, dass ich da bin.“
Die Miene des blauhäutigen Elfen erhellte sich kaum, jedoch lag nun eine Art kühles Erkennen in seinem Blick. Trotzdem schaute er abschätzend über den kleinen Mann hinweg zum großen Wagen und musterte Baltos. Eiselfen waren für ihre unterkühlte Art bekannt und dieses Exemplar machte da anscheinend auch keine Ausnahme.
„Gehört er zu euch?“
Rumpel drehte sich um und grinste. Sein linkes Auge zwinkerte und dann wandte er sich wieder an die Stadtwache:
„Na klar, oder glaubt ihr ich reise ohne Schutz durch die Eislande, wenn ich solch wertvolle Wahre mit mir führe?! Bitte! Wofür haltet ihr mich?! Für einen sich selbst überschätzenden Zwerg? HAHAhaha!“
Der Eiself schaute auf ihn nieder und hob nur sanft die harten Augenbrauen. Es wirkte, als ob er genau DAS gedacht hatte. Das laute Lachen ließ seine spitzen Ohren zucken, aber er stellte den langen Dreizack und das Schild mit der Schneeflocke nun endgültig bequem neben sich ab. Dann sah er wieder zum Wagen.
„Der Bär muss aber draußen bleiben! Zahm oder nicht, er könnte versehentlich erlegt werden, oder selbst Ärger machen.“
Rumpel drehte sich zu Baltos und zuckte mit den Schultern.
„Und wie soll ich dann meinen Wagen in die Stadt bekommen? Mein alter Muffel macht's nicht mehr.“
Damit klopfte er dem Ochsen auf eines der Schulterblätter, dass es nur so staubte. Für einen kurzen Moment konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass besagter „Muffel“ gleich unter dem Schlag zusammen brechen würde.
„...aber wenn ein paar Männer mit anpacken kriegen wir den Wagen vielleicht auch alleine zum Marktplatz?“
Der Gardist runzelte die makellose Stirn und die Augen verengten sich.
„Ich werde sehen, was ich tun kann. Wartet hier!“
Damit ging er durch eine kleine Tür im Haupttor und verschwand für ein paar Minuten. Dies war die Zeit um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Eisbären nicht so recht in große Städte passten. Nanuq brummte leise vor sich hin und hielt neugierig die Nase in den Wind. All die neuen Düfte, das viele einfach zu bekommende Fressen machten ihn hibbelig. Um so unruhiger er wurde, um so mehr ängstigte sich auch Muffel, auch wenn der Ochse in Größe und Statur dem Bären ähnelte, so war er doch ein Opfer. Es stellte sich die Frage, ob Baltos gleich in der ersten Stadt mit der Erziehung des Bären beginnen wollte? Noch war er Zweibeiner nicht sonderlich gewöhnt und benahm sich wie ein kleines Kind, dass alles anfassen, bzw. in seinem Fall, alles in den Mund stecken wollte. Gerade jetzt kaute Nanuq genüsslich auf der Deichsel herum, die schnell etliche Bissspuren zeigte und diese Tortur wohl nicht lange überstehen würde.
Rumpel wandte sich an Baltos:
„Ist doch in Ordnung, dass ich behauptet habe, dass du mein Begleiter bist? Ansonsten hättest den erst mal Rede und Antwort stehen müssen. Die Spitzohren hier haben's nicht so mit Herzlichkeit oder Vertrauen. Du hast mir geholfen, dafür verschaff ich dir sozusagen eine Eintrittskarte, hehe. Nur benimm dich! Sonst kann ich mich hier nicht mehr blicken lassen und sie bezahlen gut für meine Waren. Ist halt Mist so weit im Eis zu leben. Immer nur Trockenfleisch den ganzen Tag lang … Na ja, ich hätt' nichts gegen, aber die hier würden für Gemüse ihr letztes Hemd geben! Muss wohl an ihrem Erbe liegen. Spitzohren bleiben halt egal wo sie leben echte Baumkuschler, haha.“
Rumpel war eine echte Frohnatur, der wenn er einmal ins Reden kam, kaum noch zu unterbrechen war. Den Mantroner hatte er ins Herz geschlossen, auch wenn Baltos noch kaum etwas gesagt hatte. Jetzt da sie einen Moment nicht mit dem Dirigieren der Tiere beschäftigt waren und einfach warten mussten, stellte der Zwerg jedoch erste neugierige Fragen:
„Du bist also aus Mantron, wie man sieht … aber kein Seemann, hm. Wie verbringt man auf einer Insel im Eis so sein Leben? Äääh … Der Bär … er ist doch zahm? Kannst du ihm bitte sagen, er soll nicht meinen Wagen fressen?!“
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Freitag 25. April 2014, 13:30

Der kleine Mann war sichtlich erfreut über das Angebot und machte sich auch gleich daran sein Zugtier von dem Geschirr zu befreien. Baltos stellte sich dann ebenfalls, nachdem der Zwerg ihn seinen Namen genannt hatte, kurz mit seinen neuen Namen vor und machte sich dann ebenfalls an die Arbeit.
Den Schlitten nach oben zu bekommen war keine große Schwierigkeit gewesen, dafür aber der Wagen des Händlers. Dieser saß so tief im Schnee fest das der Mantroner und sein Bär mehr als nur einmal ihre Muskeln spielen lassen mussten.
Baltos grub mit seinen Händen die Hinterräder wieder frei, die sich in den Schnee gefressen hatten und machte sich daran den Wagen ein Stück anzuheben.
Der Wagen sah bei seiner Inspektion nicht so schwer aus, wie Baltos feststellen musste als er versuchte ihn ein Stück anzuheben. Erst beim dritten Versuch gelang es ihn die Hinterräder ein Stück in die Luft zu bekommen. Dabei kamen die Muskeln und Sehnen des Mantroners so deutlich zum Vorschein das es fast so aussah als würde seine Haut unter der Spannung aufplatzen. „ZIIIIIIIIEHHHH!!!!!!!“ Gab er Nanuq mental zu verstehen und der Bär setzte den Befehl gleich um und warf sich mit aller Macht in die Halterung. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Wagen sich bewegte und Baltos hatte zwischenzeitlich schon Angst, dass der Karren gleich auseinanderbrach, denn dieser gab mehr als nur einmal ein bösartig knackendes Geräusch von sich. Doch die Befürchtung des Jägers traf zum Glück nicht ein und der Wagen setzte sich kurz bevor Baltos keine Kraft mehr hatte ruckartig in Bewegung.
Der junge Mann viel darauf hin der Länge nach in den Schnee, weil er mit diesen schlagartigen Vorankommen des Wagens nicht gerechnet hatte. Nanuq der das nicht mitbekommen hatte zog währenddessen den Wagen weiter nach oben.
Baltos musste während er mit dem Gesicht im Schnee lag kurz über seine eigene Tollpatschigkeit lachen. Danach ging er ebenfalls nach oben und schlug sich beim Laufen den Schnee von der Kleidung.
Oben angekommen nahm er auf dem Kutschblock platz und gab Rumpel ein Zeichen, das es weiter gehen konnte.

Am Tor

Der Weg zu den Toren der Stadt erwies sich als ereignislos und Baltos fragte sich mehr als einmal zu welchem Volk dieser Rumpel wohl gehören mochte. Er konnte sich dabei an eine Geschichte von einem Seemann aus seiner Sippe erinnern der von einem kleinen kriegerischen Volk berichtete, was angeblich tief unter der Erde lebte, aber der Mantroner konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie die Bezeichnung für dieses Volk lautete.
Als sie vor den Toren der Stadt ankamen, wurden sich gleich darauf lauthals zum Anhalten aufgefordert. Nanuq brauchte einen gewissen Moment um den Karren zum Stehen zu kriegen und beschwerte sich dann bei Baltos warum es nicht weiterging.
Der Eisjäger konnte ihn verstehen, schließlich würde es wieder einiges an Muskelschmalz erfordern den Wagen wieder in fahrt zu bringen. Doch man musste sich halt an die gebotenen Gesetzte halten.
Während des Gespräches zwischen der Stadtwache und Rumpel nahm Baltos instinktiv, wie es sein naturell war, eine passive Haltung ein und lies die Beiden anderen reden. Der kleine Mann schien sich ja anscheinend mit den hier dargebotenen Gepflogenheiten auszukennen.
Als Rumpel sich selbst als Zwerg bezeichnete, wurde Baltos hellhörig. AHH! Stimmt so hatte Jagason dieses Volk genannt! Wer hätte gedacht, dass ich mal so einen zu Gesicht bekomme. Meinte er nicht auch das Zwerge wasserscheu sind?
Als der Elf sich jetzt direkt an ihn wendete und den Mantroner bat seinen Bären draußen zu lassen verdunkelte sich sein Gesicht. Ihn war nicht wohl bei der Sache seinen neuen Freund draußen vor der Stadt alleine zu lassen, schließlich konnte die ihn hier ansässigen Jäger gefährlich werden. Doch was sollte er mache?
Noch während er darüber nachdachte, kam Rumpel nach dem Gespräch mit der Wache zu ihm gelaufen und verwickelte Baltos in ein Gespräch.
Erst als ihn der Zwerg darum bat Nanuq zu bitten nicht den Karren zu fressen, bemerkte Baltos das sein Freund sich schon deutlich an der Deichsel zu schaffen machte. „Oh entschuldige!“ Er sprang von den Karren und gab seinen Freund gleich zu verstehen, dass er nicht den Wagen anzuknabbern brauchte, wenn er Hunger hatte. Also gab er ihn den Rest von seinem Trockenfleisch und somit war nun auch sein Reiseproviant am ende. Mit dieser ernüchternden Erkenntnis wendete er sich wieder dem Zwerg zu.
„In Mantron leben wir von der Jagd und vom Handel. Wobei das Erste überwiegt. Bei uns kommen seltener Händler an und in unserer Freizeit sitzen wir zusammen, trinken und genießen das Leben. Aber sag! Du hast vorhin gesagt, dass du aus Rugta kommst! Liegt das zufällig in der Nähe von Jorsa? Denn das nächste Ziel meiner Reise liegt dort.“
Baltos war gespannt auf die Antwort des Zwerges denn wenn dieser ihn vielleicht beschreiben könnte wie er nach Jorsa kam oder ihn vielleicht sogar ein stück des Weges dorthin begleiten würde, wäre ihn bei seiner Suche nach Maruka schon sehr geholfen.

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. April 2014, 18:51

„In Mantron leben wir von der Jagd und vom Handel. Wobei das Erste überwiegt. Bei uns kommen seltener Händler an und in unserer Freizeit sitzen wir zusammen, trinken und genießen das Leben. Aber sag! Du hast vorhin gesagt, dass du aus Rugta kommst! Liegt das zufällig in der Nähe von Jorsa? Denn das nächste Ziel meiner Reise liegt dort.“
Rumpels Augenhöhlen weiteten sich.
„Das klingt nach einem Leben ganz nach meinem Geschmack! Vor allem das Trinken! In Rugta halten wir es nicht anders, außer das mit der Jagd. Wir haben anderer Qualitäten und meine ist eben der Handel. Nach Jorsa will der junge Mantroner also. Erwartet dich da ein Mädchen?“
Seine Augen glitzerten amüsiert. Er gluckste leise über die Anspielung, aber fuhr gleich fort:
„Na ja, der Weg nach Jorsa ist leicht. Du musst Schnur-gerade nach Osten reisen, aber der Weg birgt ein paar Gefahren. Kommst du auch nur ein wenig zu weit nach Norden ab, so werden die Hügelgeister dich im Nebel verirren lassen und brichst du zu weit nach Süden aus, sind da die Piraten. Beides ist allein recht gefährlich, kennt man sich nicht aus...“
Er rieb sich die krumme Nase und überlegte.
„ ... aber wenn du zwei … maximal drei Tage Zeit hast, so könnte ich dich die Hälfte der Strecke begleiten. Muffel muss sich erst erholen … Du hast uns geholfen, ohne dass ich darum gebeten habe. Ich würde dir auch einen kleinen Lohn bezahlen, damit dein Bär und du mir zur Seite stehen. Ich mach dir ein Angebot. Trete bei mir in Sold und ich verrate dir am Ende unserer gemeinsamen Reise den besten Weg nach Jorsa. Vielleicht finde ich ja sogar hier in Estria ein lohnendes Geschäft was mich nach Jorsa führt, aber wetten würde ich nicht darauf ...“
Gerade in diesem Moment erklang eine weithin hörbare und wunderschöne Melodie. Das Instrument klang hell wie der Gesang des Wale und doch noch viel klarer als Ein Eisvogel. Rumpel hielt sich abrupt die Ohren zu und sprach beton laut gegen den Klang des Liedes an, als würde seine Stimme das feine Spiel sonst nicht übertönen können.
„ … ACH JA, DAS EINZIGE WAR DIE HIER WIRKLICH GUTES HERSTELLEN, WAS SICH AUCH VERKAUFT, SIND DIESE VERDAMMTEN FLÖTEN!“
Der Zwerg näherte sich Baltos, damit er nicht mehr so zu schreien brauchte.
„Vielleicht brauch ich auch nur ein oder maximal zwei Tage … ist ja nicht zum aushalten! HERJEH, KÖNNT IHR NICHT EINEN TAG LANG RUHE GEBEN? LASST HALT DEN DRACHEN ERWACHEN, ES KANN KAUM SCHLIMMER SEIN ALS DIESES GEJAULE!“
Rumpel drohte der Stadt mit erhobenen Fäusten, aber wahrscheinlich nur, da er sich sicher sein konnte, dass er gerade weder gehört noch gesehen worden war. Dann wandte er sich wieder an Baltos:
„Und was sagst du? Wenn sie dich wegen deinem Bären nicht hinein lassen, könntest du in der Nähe auf mich warten, wenn nicht … na ja, dann erfreue ich halt alleine Muffel mit meiner liebreizenden Gesellschaft. So oder so, ich glaube, gibt man einem Rindvieh Zeit genug, gewöhnt es sich an alles. Vielleicht sogar an deinen Bären, haha. Auf jeden Fall läuft er bestimmt schneller, wenn du und dein Freund dabei wäret, HAHAHA!“
Hinter den Toren hörte man leise Schritte wieder näher kommen. Gleich würde sich heraus stellen, ob Nanuq hinter diesen Toren willkommen geheißen wurde.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Montag 26. Mai 2014, 09:43

Baltos war sichtlich erfreut über das Angebot vom Rumpel. Natürlich würde die Reise mit dem Zwerg länger dauern aber andererseits würde er auch nichts gewinnen, wenn er auf eigene Faust weiterreiste und sich vielleicht noch verirrte.
Andächtig lauschte er den spiel der Flöte die die Eiselfen beherrschten wie kein Zweiter, und wäre Rumpel mit seinen Rumgebrülle nicht gewesen hätte sich Baltos entspannt hingesetzt und weiter der Musik gelauscht. Doch wie kaum zu überhören mochte der Zwerg die Melodie nicht und nahm das Gespräch wieder mit den Mantroner auf.

„Ich werde dich gerne begleiten und dich unter meinen Schutz nehmen!“
Baltos reichte dem Zwerg die Hand um das Angebot zu besiegeln.
„Sollte mir der einlas verwehrt bleiben würde ich hier draußen auf dich warten. Es wäre für Nanuq zu gefährlich alleine hier draußen zu bleiben. Die Eiselfenjäger würden mit ihm kurzen Prozess machen, wenn sie ihn finden. Doch las uns nachher darüber reden, ich glaube die Wachen kommen wieder!“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Montag 26. Mai 2014, 20:59

„Ich werde dich gerne begleiten und dich unter meinen Schutz nehmen!“
Baltos reichte dem Zwerg die Hand um das Angebot zu besiegeln und dieser ergriff sie voller Kaft und mit einem breiten Grinsen.
„Sollte mir der Einlas verwehrt bleiben würde ich hier draußen auf dich warten. Es wäre für Nanuq zu gefährlich alleine hier draußen zu bleiben. Die Eiselfenjäger würden mit ihm kurzen Prozess machen, wenn sie ihn finden. Doch las uns nachher darüber reden, ich glaube die Wachen kommen wieder!“
Der Zwerg ließ seine strahlend weißen Zähne blitzen und rieb sich die Hände. Es war noch kein Wort über Baltos Entlohnung gefallen und doch hatte er schon den Handschlag eines Mantroners und somit ein bindenes Versprechen bekommen. Der kleine Mann schien sehr zufrieden. Rumpel nickte und baute sich so breit er konnte vor seinem Wagen auf, als die Schritte sich dem Stadtor näherten. Das Portal wurde geöffnet und die beiden gewaltigen Flügeltüren schwangen mit leisem Knarren auf. Ein kleiner Trupp bewaffneter Eiselfen trat heraus und musterte kühl die beiden Gäste. Einer trat vor und sprach:
"Herr Knulburbur, ..."
Allein den Namen des Zwerges in den Mund zu nehmen und die ungewöhnlichen Laute rollen zu lassen, bereitete dem armen Elfen sichtlich Schwierigkeiten. Ein Name, wie der Zwerg ihn trug, konnte nur mit rauchiger Stimme und mindestens einem Glas Bier im Blut gut klingen, doch der Gardist der Stadwache besaß wohl beides nicht. Trotzdem bemühte er sich um sachliche Höflichkeit.
"... ihr werdet erwartet."
Dann sah er zu Baltos auf und sein Blick streifte argwöhnisch den Eisbären, der gerade gelangweilt an den Krallen seiner vorderen Pranke nagte.
"Für das Tier haben wir außerhalb der Mauern eine sichere Unterkunft. Genauergesagt eine vergitterte Höhle, die er für den Aufenthalt bewohnen könnte. Ich überlasse es euch. Wir können ihn in der Nähe unserer Kinder nicht herum streifen lassen, selbst wenn ihr euer eigenes Leben für ihn verpfänden würdet. Ihr werdet unsere Vorsicht uns nachsehen müssen."
Allein die Vorstellung, seinen Freund und seelisch verbundenen Gefährten, für vieleicht drei Tage in eine Höhle zu sperren , ließ Baltos die nächste Zeit sich voller quälender Langeweile ausmalen. Der Winterschlaf war lange vorüber und Nanuq würde sicher nur sehr unwillig dieses Gefängnis, den weiten Eisfeldern vorziehen. Die Jagd lag ihm in Blut, genauso wie dem Matroner und dies schien den Beiden in diesem Augenblick auch ins Gesicht geschrieben. Rumpel sah ihn an und zwinkerte:
"Ich seh schon. Begeisterung sieht anders aus. ... oder willst doch deinen Bären in die Höhle bringen und mal wieder ein einem weichen Bett schlafen? Ah, ich könnt mir vorstellen, so was kennst du garnicht, Ha."
Der Gardist unterbrach das Gespräch indem er die Hand hob und ein paar seine Männer an den Wagen und an den Ochsen dirigierte um beides in die Stadt zu schaffen. Rumpel sorgte sogleich lautstark dafür, dass auch jeder seinen Platz fand und nichts kaputt machte. Dann sah er noch einmal zu Baltos und rief ihm über die Schulter gewandt zu:
"Morgen um die Mittagsstunde komm ich her. Wenn du dann da bist, sprechen wir über alles weitere. Mach dir Gedanken, ob du noch irgendwas brauchst."
Er winkte und kurz darauf schlossen sich auch wieder die Tore vor Baltos. Warmherzig und einladend waren die Eiselfen nun wirklichen nicht und Baltos hatte nichts anzubieten was ihn für sie interessant hätte machen und den zu erwartenden Ärger mit seinem Bären hätte aufwiegen können. Sein Blick wanderte über das geschlossene Tor hinauf zu den Kronen der Stadtmauer. Eine einzelne Gestalt, dessen Umrisse gerade nur gegen den helleren Himmel zu erkennen waren, sah von dort zu ihm hinunter, aber rührte sich nicht. Dem Dreizack nach, war es ein Gardist der Wache. Das einzige was Baltos sofort auffiel, war das sie größer war, als die üblichen Eiselfen und auch deutlich größer als der Zwerg. Doch es war müßig aus dieser Entfernung ihn lange zu beobachten, denn Nanuq meldete sich unruhig. Ein diffuses Gefühl von Jagdlaune flutete durch Baltos Gedanken und animierte ihn zum weitergehen. Die nähere Umgebung der Stand würde sicher auch ihre Reize bieten und wenn es nur ausreichend Auslauf war.

Viel Wild gab es nicht, wenn dann sehr kleines, aber Nanuq und Baltos fanden trotzdem ausreichend Nahrung, da sein Eisbärenfreund eine hervorragende Nase besaß und ein paar wohlschmeckende Knollen unter dem Eis ausgrub. Unter Mantron gab es so etwas nicht, aber hier auf dem Festland füllte sich der Speiseplan schnell mit ungewöhnlichen und neuartigen Leckereien. Sie fanden Wurzeln und Keimlinge junger Pflanzen für Baltos und gefrorene Überreste von unglücklich verendetem Aas, die Nanuq sehr lecker fand und das auch durch die Kälte recht frisch war. Es war spannend die neue Umgebung kennen zu lernen und sich ihr anzupassen. Der Bär schien ein sicheren Spürsinn dafür zu haben, was noch genießbar war und was nicht. Ein paar dieser Experimente hatten interessante Folgen. So bekam Nanuq von einer bestimmten Beerenart Schluckauf und Baltos hatte nach dem Genuss einer süßlichen, dunklen Wurzel plötzlich eine azurblaue Zunge. So zog der erste Tag dahin und zum Abend hin schlugen sie unter einem Felsvorsprung ihr gemeinsames Lager auf. Der Wind blies eisig um ihre Nasen, aber mit seinem Neuen Freund an seiner Seite musste sich Baltos nur ab und an „wenden“ um seine der Wärme abgewandten Körperteile wieder aufzutauen. Manchmal knuffte ihn auch Nanuq all zu grob im Schlaf, oder drohte ihn zu erdrücken, aber mit leichten Hieben in die Seite, rollte er sich stets wieder weg, ohne auch nur ein Auge zu öffnen.
Der Morgen kam ohne Überraschungen und nach einem Frühstück aus Proviantresten und ein paar Beeren machten sie sich auf den Rückweg zur Stadtmauer, wo sie zur Mittagsstunde Rumpel treffen sollten. Als Baltos sich näherte, sah er schon den kleinen Mann Pfeife rauchend auf einem Eisbrocken am Wegesrand sitzen und gemütlich vor sich hin paffen. Er hatte seinen dicken Fellmantel eng um sich gezogen und schaute konzentriert den Rauchkringeln hinterher, die er in kurzen Abständen in die Luft blies.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Freitag 6. Juni 2014, 13:18

Baltos hob noch einmal die Hand zum Abschiedsgruß und machte sich dann, nachdem sich die Tore der Eisstadt geschlossen hatten, wieder an die Arbeit. Mittlerweile konnte er Nanuq schon im Schlaf vor den Schlitten spannen und so drehten sie schon nach nur kurzer Zeit der Stadt wieder den Rücken zu. Der Mantroner spürte deutlich wie die Jagdlust von seinem tierischen Begleiter auf ihn überschwappte.
Es ist schwer das magische Band was den Bären und den Mann verbindet zu beschreiben. Einerseits fühlt es sich so an wie der Gedanke an einen guten Freund, andererseits ist da aber eine Art Verbindung, die sich fremd aber trotzdem richtig anfühlt. Wie gesagt es ist fast nicht möglich diese Art von magischer Freundschaft zu beschreiben, wenn man sie nicht selbst erlebt hatte.
Während die Beiden sich immer mehr von der Elfenstadt entfernten, hielten die Zwei, jeder auf seine Weise, nach guten Jagdgründen Ausschau.
Baltos entdeckte als Erster einen Schwarm Vögel. die über eine Stelle kreisten und dirigierte Nanuq direkt zu diesem Ort hin, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Als sie die Stelle erreichten, fing der Bär gleich aufgeregt mit der Nase an zu riechen und nachdem der Mantroner ihn vom Geschirr losmachte, rannte Nanuq zu einer leichten Erhebung im Schnee und holte ein teilweise eingefrorenen Rentier Kadaver hervor.
Der Eisjäger überlies seinem tierischen Begleiter die Beute und machte nicht weit von dem verendeten Tier eine Art Gesträuch aus, an den blaue Beeren hingen.
Mit Früchten hatte er zwar kaum bis gar keine Erfahrung, aber er wusste, dass man stark giftige Pflanzengewächse schon allein daran erkannte, wenn man sie leicht mit der Zunge berührte und ein Brennen danach verspürte.
Gesagt getan nahm sich der Jäger eine Beere und brach sie in der Mitte leicht auf. Nachdem er das Fruchtfleisch mit seiner Zunge berührte und kein Brennen verspürte steckte er die ganze Beere in den Mund.
Der Geschmack war für Baltos Fleisch gewöhnten Gaumen eine wahre Explosion. Die süße der Beere veranlasste ihn kurz dazu das Gesicht zu verziehen und regte seinen Speichelfluss um ein Vielfaches an. Für andere Völker wäre die Frucht eigentlich viel zu sauer gewesen, doch für den Mantroner war es eine richtige Delikatesse und so stopfte er sich gleich mehrere Beeren auf einmal in den Mund.
Nanuq bemerkte, nachdem er sich an den verendeten jungen Rentier gütlich getan hatte, dass sein Begleiter etwas Leckeres gefunden hatte und stapfte freudig zu ihm hin. Baltos reichte darauf den Bären gleich ein paar der kleinen Früchte, die dieser gierig von seiner Hand leckte. Es dauerte auch nicht lange bis Nanuq auf einmal Schluckauf bekam und sich, wie ein kleiner Junge auf seine vier Buchstaben setzte und in einem gewissen Intervall zusammenzuckte. Bei jeden hicks riss der Bär die Augen verwundert auf und Baltos musste sich vor Lachen, bei diesem Anblick, an dem Busch festhalten, damit er nicht umfiel. Es sah einfach zu witzig aus wie Nanuq jedes Mal zusammenzuckte. Nach ein paar Minuten hatte sich, aber der Bär beruhigt und Baltos musste sich erst mal die teilweise eingefroren Tränen, die er vor Lachen verschüttet hatte, aus dem Gesicht wischen. Danach machte er sich daran den Strauch von sämtlichen Beeren zu befreien und verstaute diese in seinen Gepäck. In der Zwischenzeit hatte sich Nanuq schon auf den Weg gemacht etwas anderes zu fressen zu finden. Es dauerte auch nicht lange, bis er auf ein paar Wurzeln stieß, die sich unter dem Schnee befanden.
„Schau ich was gefunden!“ Baltos machte sich umgehend auf den Weg zu seinen Bären und sah schon, wie dieser eine Wurzel zwischen seinen mächtigen Zähnen zerkaute.
Da Nanuq die Wurzel ohne Bedenken verzehrte konnte sie also auch nicht gefährlich für den Mantroner sein. Also fackelte er nicht lange und zerkaute ein Stück der Wurzel, die ebenfalls extrem süß schmeckte. Das seine Zunge sich davon blau verfärbte bekam er erst mit, als der Bär ihn darauf aufmerksam machte und meinte „Maul sehen anders aus!“ Baltos war kurz verwirrt, was sein Freund damit meinte, bis er eins und eins zusammenzählte und seine Zunge herausstreckte und sie dann schielend betrachtete.
Seine Zunge war komplett Blau und er hatte schon Angst, dass sie so bleiben würde, aber als er einmal mit dem Finger rüber wischte, ging die Farbe leicht ab.
So experimentierten die Beiden noch eine Weile mit der Umgebung und ihrer Nahrungsvielfalt herum und suchten sich dann zum Abend eine Schlafstelle.
Als sie diese unter einen Felsvorhang fanden vielen beide todmüde in einen tiefen Schlaf. Zwar musste Baltos den Bären mehrmals eine im Schlaf verpassen, damit dieser ihn nicht zerdrückte, aber diese passierte eher unterbewusst durch seinen stark ausgeprägten Überlebensinstinkt.

Der nächste Morgen

Nach einer erholsamen Nacht machten die Zwei sich nach einem kleinen Frühstück wieder auf den Rückweg und als sie zur Mittagszeit die Stadt wieder erreichten, sah Baltos den Zwerg wie er genüßlich an seiner Pfeife zog.
„Und wie laufen die Geschäfte?“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. Juni 2014, 17:57

In der eisigen Luft hielten sich die Rauchkringel erstaunlich lange. Ring um Ring setzte der kleine breite Mann in die Luft und ließ sie solange ineinander laufen, bis sie aussahen wie ein einziger, großer Reif.
„Und wie laufen die Geschäfte?“
Rumpel zuckte zusammen und rutsche vor Schreck von seiner Sitzposition nach hinten. Eine Wolke aus winzigen Eiskristallen stob auf und hüllte sein fluchendes Gesicht in weißen, pulverartigen Reif.
„VERDAMMT!
Murrend setzte er sich auf und starrte Baltos an.
„DAS musst du dir abgewöhnen! Herjeh, dass ihr alle nicht anständig stampfen könnt. Ein Mann muss doch den Boden zum Erzittern bringen, wenn er was auf sich hält! Immer dieses Herumgeschleiche!“
Mit etwas weniger Murren stemmte er sich hoch und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. Weder Baltos noch Nanuq hatten die Angewohnheit zu stampfen. Der Eisbär mit seinen riesigen, pelzigen Pranken verteilte von Geburt an sein Gewicht so gut, dass selbst sonst knirschender Schnee kaum einen Laut von sich gab und Baltos, der junge, ausgebildete Jäger, war es ebenfalls nicht gewöhnt kräftige Spuren zu hinterlassen, oder laut durchs Unterholz zu brechen. Ganz anders verhielt es sich mit Rumpel. Selbst wenn sein Name nicht schon zu mehr als eindeutigen Vermutungen hätte anregen können, so war er doch nach seiner Meinung ein Mann, den man unmöglich übersehen, geschweige den überhören durfte! Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, war er aber auch ein klein wenig schwerhörig.
„Baltos, schön dich zu sehen. Und hast du dir schon Gedanken gemacht, ob du noch was brauchst?“
Kaum war der Händler wieder auf den Beinen strahlte er von Ohr zu Ohr. Dann fiel ihm ein, dass ihm ja selbst eine Frage gestellt worden war:
„Geschäfte? … Jaooooh … Könnte besser laufen, aber ich werde denen schon zeigen, wo der Hammer hängt. Ich denke, den Zuschlag für die dummen Flöten hab ich schon in der Tasche, aber ich hoffe noch auf ein … besonderes Geschäft.“
Mit der letzten Erwähnung hatte er die Stimme gesenkt und Baltos deutlich höher positioniertes Gesicht zu sich hinab gewunken. Auch wenn weit und breit kein Zuhörer zu erwarten war, so achtete Rumpel peinlich genau darauf seine Geschäftsgeheimnisse zu wahren. Zumindest Baltos traute er anscheinend zu, zu wissen wovon er sprach. Als er dann die Augen weit aufriss:
„Eis!“
heraus raunte und dann verschmitzt zwinkerte, hätte man ihn in der gefrosteten Umgebung getrost für schwachsinnig erklären können. Wo wenn nicht hier, gab es denn Eis vollkommen umsonst und im Überfluss? Brauchte man denn nicht nur zuzugreifen? Offensichtlich erwartete er ernsthaft, dass Baltos etwas von „Eis“ verstand, aber warum war ausgerechnet Eis in dieser Gegend etwas besonderes? Vielleicht hatte Rumpel den Anflug von Zweifel in Baltos Gesicht gesehen, denn er fuhr fort:
„Natürlich nicht irgendein Eis! Naaaain! DAS Eis!“
Jetzt war alles klar!
Der Zwerg hatte nicht mehr alle Nieten an der Trommel.
„Du wirst mir helfen das Zeug zu transportieren. Du solltest dich mit Eiskristallen ja auskennen, Mantroner. Ich hab da einen Abnehmer, der bezahlt mich fürstlich, wenn ich ihm das bringe! Ja ja. EIS ist nicht Eis. Frag mich nicht was der damit anfangen will. Ist mir egal. Vielleicht brauch er es ja für eines dieser neumodischen Getränke. Manche sollen sich ja sogar Obst... brrrrr... in ihren Alkohol mischen! Stell dir so was vor! Gutes Bier mit … mit so was wie Banane! Bäh! Was für Banausen! Na ja, auf jeden Fall liegt es auf dem Weg und verspricht ein ordentliches Sümmchen. Für dich bedeutet das genauer, für jedes Kilo, mit dem wir dort heil ankommen, geb ich dir … 10 Prozent des Gewinns. Ach, ich hab heut gute Laune, ich geb dir 15. So haben wir beide was von unserer Zusammenkunft. Und schmilzt es unterwegs gehen wir beide leer aus, haha.“
Damit streckte er die breite, kräftige Hand entgegen und grinste breit. Jetzt lag es an Baltos, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Wie viel waren wohl Rumpel seine Dienste als Transportgehilfe und Personenschützer wert? Wie viel war er wohl bereit zu zahlen und wie geübt war Baltos im Handel? Ab wann würde der Zwerg sich beleidigt fühlen? Es gab einiges zu bedenken.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Donnerstag 3. Juli 2014, 12:41

Eiskristalle? Baltos hatte absolut keine Ahnung, was das sein sollte. Er war schließlich kein Magier, wenn die so etwas überhaupt brauchten. Was konnten man denn mit Eiskristallen anfangen und was noch viel wichtiger war wo fand man diese? Doch diese Frage würde er Rumpel erst nach der Verhandlung über seine Gewinnbeteiligung stellen, wobei sich hier gleich die nächste Frage stellte. Was sind Prozent? Der Mantroner konnte zwar zählen aber von Prozenten hatte er noch nie gehört, wahrscheinlich war das irgend so ein Händlerbegriff, diese hatten ja so ihre eigene Sprache. Doch, obwohl er nicht wusste, was Prozent war kam ihn 15 Prozent zu wenig vor.
Er streckte Rumpel die Hand hin und als dieser einschlagen wollte, zog er seine Hand kurz vorher weg. „25 und kein Prozent weniger! Denn wenn die Fracht beschädigt wird, gehen wir zwar beide mit lehren Händen aus, aber du hast dafür meinen Begleitschutz umsonst bekommen. Außerdem stellst du die Verpflegung für unsere Reise, wir können zwar beide jagen aber wir kennen uns nicht in wärmeren Gefilden aus, das wird unserem Jagderfolg für die erste Zeit ziemlich schmälern.“ Erst jetzt reichte er Rumpel die Hand wieder.
„Einverstanden!?!“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 3. Juli 2014, 18:52

Rumpel zog die Augen zu schmalen Schlitzen, entzog seine Hand vorerst und grinste dabei:
„Schlaues Kerlchen bist du! Verstehst es zu handeln. 25 erscheint mir jedoch ein bisschen viel, da ich das ganze Risiko trage und du mit dem Zeug ohnehin nichts anfangen kannst. Ich habe einen Abnehmer, du nicht. Also wenn ich dich durchfüttern muss, muss ich neu rechnen... Du bist riesig! Du frisst mir die Haare vom Kopf! Und dein Bär erst! Wenn ihr keine Beute macht bin ich für euer Überleben verantwortlich, was mir meine Sicherheit gewährleisten soll. Schwache Krieger kämpfen schlecht ... tz. Sagen wir 20, ich behalte mein Bier für mich und wir teilen alles andere gerecht, auch deine Jagdbeute, sofern sie was her macht. Die Felle könnte ich verkaufen ...“
Abermals streckte er die Hand dem Mantroner entgegen und wirkte nun deutlich entspannter. Dass Baltos nicht gleich „ja“ gesagt hatte, schien dem kleinen Mann imponiert zu haben. Irgendwie sah er ihn jetzt anders an. Es war als wäre der junge Mantroner gerade in seinen Augen zum Manne gereift.
„Dein Kopf ist also nicht nur mit scharfen Augen und feinen Sinnen bestückt, sondern du weist ihn auch zum Handeln zu gebrauchen. Schön, schön ...“
Das Blut eines Händlers floss anscheinend in bestimmten Körperregionen anders als das bei einem Jäger. Auf jeden Fall hatte sich Baltos eben alle Ehre gemacht und Rumpel schien sich auf seine bevorstehende Reise zu freuen, denn seine Ohren leuchteten kräftig rot. Er erhob sich, was nicht viel an seiner Größe änderte, packte Baltos Hand und schüttelte sie kräftig. Sein Händedruck war erstaunlich für so einen kleinen Kerl. Die wurstigen Finger packten beherzt zu und so mussten sie sich wohl so lange die Pranken schütteln, bis sie sich einig waren.
„Also gilt unser Handel?!?“

Nanuq hatte während dem ganzen Gebaren nicht einmal aufgesehen. Seine Schnauze lag bunt-bläulich verfärbt auf seinen gekreuzten Vorderpranken und er genoss das wohlige Gefühl des Satt-Seins. Ab und an wackelte eines seiner verhältnismäßig kleinen Ohren, als würden die gedämpften Geräusche der nahen Stadt ihn stören, doch mehr regte sich nicht an dem ausgewachsenen Eisbären. Nach dem kulinarisch, ungewöhnlichen Mahl war es für ihn Zeit für ein Schläfchen. Er riss gähnend den Rachen auf, präsentierte eine endlose Reihe furchteinflößender Reißzähne und ließ dann die Kiefer geräuschvoll zusammen klappen, dass es nur so krachte. Danach schmatzte er noch einmal, leckte sich die Lefzen und schloss die schwarzen Kulleraugen.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Freitag 4. Juli 2014, 10:18

Baltos musste nun ebenfalls grinsen, als der Zwerg die Gewinnbeteiligung auf 20Prozent herunterdrehte, denn damit hatte er gerechnet und war auch einverstanden. Das sie die Jagdbeute teilen würden erschien ihn auch mehr als gerecht und wahrscheinlich würde Rumpel beim Fälschen mit den Pelzen bessere preise erzielen als er und so konnte er ja vielleicht auch noch was von dem Zwerg lernen.
„Ich bin einverstanden!“
Nachdem also die Verhandlung beendet war, lösten die beiden Männer wieder den Händedruck auf und Baltos musste den kleinen Mann neidlos zugestehen, dass er genauso fest zupacken konnte wie ein echter Mantroner.
„Sag kannst du Kisten bei den Elfen für den Transport des EIS beschaffen? Ich würde mich dann in der Zwischenzeit auf die Suche nach einer Robbenbank machen. Denn wir werden die Haut der Tiere gebrauchen können, um damit die Kisten zu verkleiden, damit das Eis nicht schmilzt, wenn wir das Eisreich verlassen!“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Sonntag 6. Juli 2014, 12:07

Rumpelt war sehr zufrieden. Als Baltos dann nach Kisten fragte zuckte sein Bart.
„Kisten … Die wer ich schon auftreiben können. Aus Holz nicht wahr … Ich hab zwar keine Ahnung was eine „Verkleidung“ bringen soll, aber du machst das schon.“
Er zog noch einmal an seiner Pfeife, klopfte sie dann aus und wandte sich zum Gehen.
„Morgen wieder hier!?!“
Nach Baltos Zustimmung machte er sich dann schlendernd auf den Weg zurück in die Stadt.
Baltos hatte einen Plan. Er musste als erstes eine Robbenkolonie finden. Dabei war Nanuq eine große Hilfe, da er der spezialisierte Jäger für diese Delikatesse war und sie schon aus großer Entfernung wittern konnte. Sein Freund musste nur instruiert werden, dass er sie nicht wie gewohnt in Stücke riss. Dann mussten sie genügend erlegen um die Kisten vollständig umspannen zu können. Sicher hätte Rumpel auch Felle kaufen können, allerdings würde er diese dann wohl gnadenlos von Baltos Gewinn abziehen, da er doch der Jäger war.

Nach ein paar Stunden Suche war der perfekte Ort gefunden. Auf seinem Weg hatte Baltos noch eine zweite Spur eines Jägers gefunden, aber ihn bisher nicht entdeckt. Vermutlich war es ein Eiselfenjäger, der hier ebenfalls auf Beutezug war. Die Eisdecke war hier von den häufigen Bewegungen der Seehunde aufgebrochen und ein paar Schollen trieben an den Uferkanten.
Auf einer erhöhten Position thronte ein gewaltiger Bulle und hatte seinen Harem um sich geschart. Faul lagen sie in der Sonne und ihre Laute erfüllten die Luft.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Donnerstag 10. Juli 2014, 14:44

Es freute den Mantroner das sie eine Einigung gefunden hatten und das Rumpel ohne zu murren die Kisten beschaffen würde. Somit lag es jetzt an Baltos sich um seinen Teil der Materialbesorgung zu kümmern. Mit Nanuq an seiner Seite brauchte der erfahrene Jäger auch nicht wirklich lange um eine ergiebige Robbenbank zu finden. Wobei eine
drei-Stunden-Suche vielleicht für einen Nicht-Jäger eine lange Zeit war.
Sie befanden sich mittlerweile wieder in Küstennähe und sahen auf einer Eisbank mehrere Robben, wie sie sich gemütlich von der Abendsonne den Pelz braten ließen.
Baltos war auf ihrer Suche mehr male auf die Spuren von einem anderen Jäger gestoßen doch bislang konnte er seinen Berufskollegen nicht ausmachen. Wahrscheinlich war dieser schon längst wieder auf den Heimweg.
Der Mantroner nahm die Eisschollen die sich auf den Weg zur Robbenkolonie befanden genau unters Auge. Es sollte für ihn kein schweres Unterfangen werden auf die Eisbank zu kommen, Nanuq würde es noch einfacher haben, die Bank zu erreichen, da dieser auch getrost durch die eisigen Fluten schwimmen konnte, wenn es gefordert war.
Baltos überlegte kurz, wie er den Bären verständlich machen sollte was er von ihm wollte und als er die richtige Idee hatte, wendete er sich an seinen Begleiter.
„Du wirst dort lang schwimmen!“ Dabei zeigte er auf die linke Seite, wo die Eisschollen weit auseinander standen und einen schwimmenden Eisbären gut verbergen konnten.
„Wenn du nah bei den Robben bist, jage sie zu mir! Ich werde von dort kommen!“
Dabei zeigte Baltos auf die rechte Seite der Eisbank. „Wenn du eine Robbe erwischen kannst, beiße ihr nur in den Kopf oder in den Schwanz. Ich brauche ihre Haut, danach kannst du alles andere haben!“ Der Bär war ganz außer sich vor Freude über das bevorstehende Festmahl, was er sich in seiner simplen Fantasie ausmalte.
„Warte kurz!“ Der Jäger ging schnell zu seinen Schlitten und holte noch seinen Speer. Die große Streitaxt wurde noch einmal kontrolliert, ob sie auch sicher an seinen Rücken befestig war, sowie sein Handbeil. Nachdem alles sicher verstaut war, ging er wieder zu Nanuq und kraulte ihn kurz hinter dem Ohr. "Gut lass uns anfangen!“
Der Bär sprang darauf sofort in die Fluten und schwamm seinem Ziel entgegen. Baltos setzte nun ebenfalls zum Sprung an und machte sich dann, mehr hüpfend als laufend, auf den Weg.
Mehrmals kontrollierte der Jäger, ob ihn eine der Robben bemerkte, wenn er zu einer weiteren Eisscholle sprang, doch die pelzigen Tiere waren mehr damit beschäftigt sich zu sonnen und rülpsende Geräusche zu fabrizieren als das sie auf die komische Gestalt achteten die sich ihnen, mit den Sonnenstrahlen, näherte. Für Zuschauer musste es einfach aussehen, wie der Jäger von Scholle zu Scholle sprang, aber in Wirklichkeit war es das nicht. Baltos musste jedes Mal genau abschätzen, ob ihn das Eis tragen würde, beim Absprung darauf Achten nicht wegzurutschen und das er bei jeder Eisscholle in der Mitte landete, damit diese nicht kippte. Des Weiteren musste er seine Route so planen, dass die Sonne auch immer in seinen Rücken blieb, damit die Robben ihn nicht gleich sahen.

Als er nach einer knappen halben Stunde endlich nur noch einen Sprung von der Eisbank entfernt war, musste Baltos erst einmal kurz durchatmen. Doch viel Zeit zum Erholen hatte er nicht denn Nanuq machte mit lautem Gebrüll deutlich auf sich aufmerksam. Das war Baltos Zeichen jetzt ebenfalls an Land zu gehen und der nächstbesten Robbe das Lebenslicht auszulöschen.

Blutiges Handwerk

Für Baltos und Nanuq war es eine ganz neue Art des jagen und wie sich später auch herausstellen sollte wesentlich ertragreicher als die Einzeljagd. Der Bär scheuchte mit seinem Gebrüll die komplette Kolonie auf und die ersten Robben, die sich in der Nähe des Wasser befanden, verschwanden gleich mit einem tollkühnen Sprung ins Meer. Ihre anderen Artgenossen, die sich in der Mitte der winzigen Insel befanden, hatten diese Möglichkeit nicht und rutschten auf ihren Bäuchen so schnell es ging vor Nanuq weg. Nur mussten sie dabei feststellen, dass sie genau ihn die Arme eines anderen Jäger gerieten, der sie gnadenlos mit einem Speer in den Händen empfing.
Baltos löschte den ersten drei kleineren Roben aufgrund des Überraschungseffektes, schnell die Lichter aus. Sein Speer durchfuhr dabei geschickt, in schnellen Intervallen, die Schädeldecke der Tiere, doch somit hatten die restlichen Tiere trotzdem genug Zeit zu entkommen. Doch zum glück hatte der Eisbär ein mächtiges Walross in der Mitte der Eisbank festgenagelt und somit den Mantroner eine Möglichkeit verschafft einen großen Fang zu machen. Baltos beeilte sich seinen Freund schnell zur Hilfe zu kommen, da dieser kein leichtes Spiel mit der Beute hatte. Denn die großen Hauer des Walrosses waren eine mächtige Waffe. Doch zu Zweit hatten sie mit den Bullen leichtes Spiel. Nanuq lenkte das Opfer mit angetäuschten Angriffen ab und Baltos rammte bei der erstbesten Gelegenheit den Speer in den Kopf des Walrosses und perforierte somit das Stammhirn des Tieres.
Dieses fiel wie ein nasser Sack zu Boden und der Mann und sein Bär konnten erst einmal durchatmen. Das Abschlachten der Tiere hatte nicht mehr als 15 Minuten gedauert, aber trotzdem waren die beiden ganz schön aus der Puste.
Das Ergebnis ihrer Jagd lies sich sehen. Baltos hatte drei kleinere Robben erlegt, Nanuq hatte eine mittlere und eine kleinere Robbe zu fall gebracht und zusammen hatten sie noch ein Walross erlegt. Somit sollten sie genug Häute erbeutet haben, um die Kisten von Rumpel zu bespannen und der Rest der Tiere konnte als Proviant und Verkaufsware verarbeitet werden.
Hier auf der ehemaligen Robbenbank aber wollte der Jäger die Tiere nicht auseinandernehmen, also mussten sie die Jagdbeute erst einmal heil zurück zum Schlitten bringen. Leichter gesagt als getan, aber wenn Baltos eins nicht war dann war es einfallslos.
Der Jäger nahm seine Streitaxt in die Hand und wendete sich an den Eisbären.
„Du kannst dir bald den Bauch vollschlagen, aber zuerst müssen wir die Robben zurück zum Schlitten bringen.“
Nanuq verstand zwar nicht, warum er nicht gleich die Robben essen konnte, aber er vertraute seinen neuen Freund. „Siehst du die Eisscholle dort!“ Der Bär blickte zu einer großen Scholle auf die der Mantroner zeigte. „Ja ich sehen!“
„Gut, die müssen wir zu uns bringen, dann bekommen wir die Beute auf die andere Seite!“
Mit diesen Worten machte sich Baltos auf den Weg und sprang von Scholle zu Scholle und näherte sich somit dem ausgemachten Ziel. Der Bär nahm eher den praktischen Weg und schwamm direkt zur ihr. Als Baltos auf der großen Scholle landete, nahm er seine Streitaxt und trieb sie mit voller Wucht seitlich ins Eis, so das der Griff über das Eis ragte.
Damit hatte er Nanuq eine Möglichkeit gegeben die Scholle an die Eisbank zu schieben. Er selbst nahm seinen Speer und nutzte diesen, wann immer es möglich war, um damit der Scholle mehr Geschwindigkeit zu geben indem er diesen gegen andere Eisschollen, die sich in der Nähe befanden, stieß.
Somit kamen die Beiden auch schnell ans Ziel, nur musste Baltos den Bären mehrmals sagen, dass er nicht zu fest in den Griff beißen sollte, da dieser sonst brach. Als sie am Ziel angekommen waren, verlud der Mantroner die Robben und zog sie in die Mitte des Eisfloßes, dabei lief ihn der Schweiß in Strömen den Rücken herab. Denn die Robben waren alles andere als leicht. Beim Walross brauchte Baltos die Hilfe von Nanuq, denn dieser Koloss war selbst für einen Mantroner zu schwer. Doch die Zwei schafften es irgendwie ihn zu verladen und Baltos überprüfte noch einmal, bevor sie ins Meer stachen, ob das Floß Schlagseite hatte. Doch zum Glück war dem nicht so, da der Mantroner das Gewicht des Walrosses mit den anderen vier Robben gut ausgependelt hatte. Die Scholle lag nur etwas tiefer im Wasser und ab und an schwappte etwas Wasser, durch die Strömung, aufs Eis. Das war aber bei diesen Temperaturen nicht weiter schlimm.
Somit machten sich die Zwei wie vorhin mit ziehen und abstoßen auf den Weg zurück zum Ufer, wo Baltos Schlitten stand.

Das große Festessen

Die Beiden erreichten mit dem letzten Sonnenstrahl das Ufer und verluden die Tiere. Nanuq schüttelte sich dabei unglücklicherweise direkt neben Baltos das Eiswasser vom Pelz. So das sich der Mantroner danach fühlte als hätte er gerade ein Bad genommen. Doch den jungen Mann störte das weniger, er wollte eh ein Feuer entzünden, um beim Licht des Lagerfeuers die Tiere auszuweiden.
Baltos brauchte nicht lange, um aus seinen Feuerholzresten ein kleines Feuer zu entzünden und machte sich danach gleich an die Arbeit. Nanuq wurde als Erster mit einem Großteil der Fette der Robben gefüttert. Zum Abschluss bekam der Bär noch quasi als Dessert einen großen Knochen vom Walross. So legte der Bär sich zufrieden in die Nähe des Feuers und kaute dabei schon halb im Schlaf auf den Knochen herum. Baltos währenddessen arbeitete die ganze Nacht durch und verarbeitete die Tiere.
Dabei briet er ein Großteil des Fleisches gut durch, damit es sich länger hielt und somit als Proviant dienen konnte. Die Häute legte er separat beiseite, ein Großteil der Knochen, sowie die Hauer des Walrosses, die zur Weiterverarbeitung genutzt werden konnten, befestigte er mit den Sehnen der Tiere am Schlitten. Das restliche Fleisch zerschnitt er in handliche Portionen und rieb sie gründlich mit sauberem Schnee ein, danach stapelte er das Fleisch etwas abseits vom Feuer und ließ es über die Nacht gefrieren. Danach gönnte er sich auch etwas von dem gebratenen Fleisch und blickte über den Feuerschein in die dunkle Nacht. Dabei beschlich den Jäger das Gefühl das er Beobachtet wurde. Lange Zeit blickte er in die Nacht, um vielleicht einen eventuellen Beobachter auszumachen, doch ihn viel nichts in der dunklen verschneiten Ebene auf.
So verbrachte der Mantroner die restlichen Stunden bis zum Sonnenaufgang im Halbschlaf und als die ersten Sonnenstrahlen sich am Horizont zeigten, machte er sich zusammen mit Nanuq und ihrer Beute auf den Rückweg. Dabei waren sie deutlich langsamer als zuvor, da der Schlitten bis zum Bersten mit Robbenteilen gefüllt war.

Während sie so durch die Gegend fuhren, wurde Baltos einfach nicht das Gefühl des beobachtet werden los. Auch als er sich mehrmals umdrehte, konnte er keine Verfolger ausmachen. Als er Nanuq fragte, ob er etwas riechen konnte, meinte auch dieser, das er keine andere Fährte außer die ihre ausmachte.
Baltos akzeptierte die Tatsache zwar das es vielleicht keinen Verfolger gab, aber so richtig wohl war ihn trotzdem nicht. Deswegen spornte er den Bären noch etwas an, um schneller die Eisstadt zu erreichen.

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 10. Juli 2014, 20:40

In einer Welt aus Eis einen Morgen wie diesen zu erleben, war für deren Einwohner selten etwas besonderes. Jedes andere Wesen würde vor Ehrfurcht erstarren, wenn die glühenden Lichter der Nacht, am Himmel sich langsam auflösten. Zwischen dem zarten Rot der erwachenden Sonne und dunklem Indigo der vergehenden Dunkelheit, lag ein schmaler Streifen, der keine Farbe zu haben schien und doch jede. Es war jedes Mal ein herausragendes Schauspiel, das schon so manchen in seinen Bann gezogen hatte. Farben von leuchtendem grün, das auf der dunkelblauen Nacht in großen, weichen Wellen getanzt hatte, hob sich gegen den scharfen Kontrast des kantigen Horizonts ab, der sich erst ins Violette und dann langsam in Symphonien aus Rosa und Gold tauchte. Vor dieser unwirklichen Szenerie glitt mit leisem Rauschen der Kufen ein überladener Schlitten entlang, gezogen von einem gewaltigen Eisbären, gesteuert von einem beeindruckenden Mann.

Baltos hatte die ganze Nacht geschuftet. Seine Handinnenflächen brannten wie lange nicht mehr. Das Abziehen der Häute, das Schneiden des Fleischs und trennen der Knochen hatte seinen Körper wach gehalten, genauso wie das Gefühl, dass er beobachtet worden war. Am morgen hatte er dann Nanuq geweckt, ihn angeschirrt und den Schlitten mit Fleisch und den Häuten beladen. Das Holz des kleinen Jagdschlittens, der einst Maruka gehört hatte, war für solche Lasten nicht ausgelegt, obwohl sie schon viel selbst gegessen und noch mehr hatten zurück gelassen. Bei jeder Bodenwelle knirschte er gefährlich, so dass Baltos Nanuq nicht so schnell antreiben konnte, wie er es gerne getan hätte. Trotzdem war der Anblick der Umgebung vielleicht auch eine Freude für ihn. Eine merkwürdige Stimmung lag in der Luft und ein Geräusch war manchmal im Wind wie von Ferne zu vernehmen. Es hörte sich an, als ob eine klare Stimme, getragen von bewegter Luft, etwas rief und doch war es dafür zu melodiös. Es könnte eine Art fremdartiger Gesang sein oder nur das Flüstern des Eises, doch er war weit weg.
Gemütlich zogen sie dahin, so das Baltos für eine Sekunde zu lange die müden Augen schloss. In der Ferne tauchte bereits die beruhigende Silhouette der Eiselfenstadt auf, als eine Schneewehe plötzlich den Schlitten trudeln ließ. Die ganze linke Seite sackte weg und drohte das Gefährt kippen zu lassen. Einen solchen Sturz würde der Schlitten nicht überstehen. Baltos war, trotz seiner jungen Jahre, ein erfahrener Jäger und das Lenken von Hundeschlitten waren ihm fast schon früher zu Fleisch und Blut geworden als das eigene Laufen. Er verlagerte sein Gewicht, sprang schnell hinüber auf die rechte Kufe, so dass er seinen ganzen Körper als Ausleger benutzen konnte. Er hatte dieses Manöver schon bei Seeleuten gesehen, die eine schnelle Wendung auf See vollziehen mussten, aber im Schnee bedeutete sie sehr viel mehr Krafteinsatz. Die Lederriemen des Schlittens knirschten und ein schwerer Schlag traf die linke Kufe, als sie wieder festen Boden erreichte. Das Knacken, wie die Wucht des Aufschlages trafen Baltos tief in der Magengegend. Eines war die Sorge, dass etwas schwer beschädigt sein würde, das andere einer der Handläufe. Als hätte ihn jemand die Faust in den Bauch gerammt viel er hinten vom Schlitten und verfing sich im Sturz in den Riemen. Ein paar Meter wurde er durch eine aufwirbelnde Schneewolke geschleift die ihm jede Sicht nahm. Er konnte die Eiskristalle in seinem erhitzen Gesicht wie Nadelstiche fühlen, als sie sich legten und kurz darauf die warme feuchte Zunge seines Begleiters. Das Echo seiner Sorge, der Instinkt, einen Freund abzulecken, der am Boden lag war gewaltig. Es brauchte einen Moment bis Baltos sich soweit wieder gefangen hatte, dass er sich aufrichten und einen Überblick verschaffen konnte. Der Schlitten schien noch intakt, aber er erinnerte sich an das Knacken und wusste, das er eine sorgfältige Überprüfung bedurfte. Auf den ersten Blick und einigem prüfenden Rütteln schien er jedoch stabil zu sein und eine langsame Weiterfahrt auszuhalten. Baltos ging es auch gut und nur sein voller Magen rebellierte leicht unter den Nachwirkungen des Schlages. Mehr als einen blauen Fleck würde es jedoch nicht geben, da Baltos ausgeprägte Muskulatur das meiste abgefangen hatte. Er hatte schon deutlich schlimmeres erlebt. Während er noch bei der Untersuchung war, nahm er plötzlich eine Bewegung im Augenwinkel war und musste erst einmal blinzeln. Der Schnee erhob sich. Nein, er wirbelte in einer ungewöhnlich festen Wehe rasend schnell auf ihn zu und schien mit jedem Meter an Substanz zu gewinnen. Erst als die Erscheinung auf gut 30 Schritt heran war, erkannte der Mantroner eine Gestalt darin. Wind und Eiskristalle beendeten ihren Tanz und eine vollkommen weiße Gestalt näherte sich langsamer werdend. Ein Arm hob sich zum Gruß und blass-bläuliche Haut blitzte auf. Eine breite Kapuze wurde zurück geschlagen und ein Gesicht in dem nur die Pupillen wirklich dunkel waren sah ihm entgegen.
„Ich grüße euch. Seid ihr unverletzt?“
Sein Esera klang wie fallender Schnee. Noch nie hatte Baltos eine so klangvolle Stimme bei einem Mann gehört. Selbst im gesprochenen Wort lag eine ganz eigene Melodie hinter den Silben, die verzaubernd wirkte. Wäre er eine Frau, er hätte sich den Titel „Sirene“ wohl verdient. Sein Mantel aus langem weißen Fell passte sich der Umgebung vollkommen an, genauso wie die schneeweißen Haare und selbst die Haut war kaum wirklich dunkler als seine Umgebung. Die Eisblauen Augen wirkten kalt und steckend, doch waren sie in gewisser Neugierde auf den Mantroner gerichtet. Der Eiself vor ihm, kam nun noch näher und ließ seinen Blick zu Nanuqs Geschirr wandern. Ein Ausdruck von Achtung huschte über das helle Gesicht. Er war fast 1,90 m groß und damit wohl einer der größten seiner Art, auch wenn der Jäger vielleicht ahnte, dass er nicht ganz reinrassig war. Die Form der Wangenknochen war etwas zu breit, genauso wie das Kinn zu energisch. Der ganze Körperbau ließ eine sehr entfernte Verwandtschaft mit Mantron vermuten. Das Alter war schwer einzuschätzen, wie es bei Elfen immer war, aber in den offenen Augen lag funkelnd ein gewisser Erfahrungsschatz verborgen. In früheren Jahren hätte man es für jugendlichen Leichtsinn halten können. Heute war es Willensstärke. Er stellte sich vor:
„Mein Name ist Androkan. Wie ist der eure?“
Nanuq schnupperte lautstark in seine Richtung und brummte:
„Ich ihn nicht riechen.“
Diese Tatsache schien ihn zu verstören und missmutig über sein Unvermögen rieb er seine Nase mit der Pranke. Das seltsamste an dem Kerl war die merkwürdige, große, platte Scheibe, die er hinter sich her zog. Sie schien aus blank poliertem Metall zu sein, sah fast aus wie ein Schild, doch hatte sie keine Griffe auf der Innenseite. An zwei Punkten am Rand waren an Ösen lange Bänder angebracht die teils aus hellem Leder, teils aus Metall bestanden. Eine sehr filigrane Arbeit in jedem Falle.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Dienstag 22. Juli 2014, 09:36

Das musste ja passieren! Mit diesen Gedanken machte der Mantroner alles Menschenmögliche um den Schlitten weiterhin auf Kurs zu halten. Doch dann schlug ihm ein Schlag, wie aus dem Nichts, vom Schlitten und der Jäger wurde von seinem eigenen Reiseutensil noch einige Meter mitgezogen.
Erst die riesige Zunge und das mentale Echo der Besorgnis des Bären brachte Baltos wieder zurück ins Hier und Jetzt. Was ihn da getroffen hatte, wusste der Jäger zwar nicht, aber der Schlag hatte wehgetan. Doch Baltos hatte schon schlimmer Verletzung erlitten und rappelte sich wieder auf. Seine größte Sorge galt den Schlitten und so machte sich der junge Mann gleich daran den Schlitten auf eventuelle Beschädigungen zu untersuchen.

Zu seiner Erleichterung stellte Baltos fest das der Schlitten nicht all zu sehr beschädigt worden war. Sie würden zwar etwas länger nach Estria brauchen als geplant, aber sie würden, wenn sie langsam fuhren, ankommen.
Noch während er seine Jagdbeute wieder sicher in seinem Schlitten verstaute bemerkte der Jäger aus dem Augenwinkel heraus wie sich etwas ihn schnell näherte.

Auf den ersten Blick sah es aus wie ein kleiner Schneesturm, aber als sich das Wetterphänomen nur noch ein paar Meter von ihm entfernt befand verwandelte es sich in eine Gestalt, die den Arm zum Gruß erhoben hatte.
Baltos wäre wahrscheinlich in seiner Kindheit von so einem Auftritt begeistert gewesen, aber mittlerweile hatte er einfach schon zu viel gesehen um sich davon verzaubern zu lassen.
Der Jäger lies zur Sicherheit seine Hand ruhig auf den Waffengurt um seine Hüfte liegen. So das er im Ernstfall schnell seine Handaxt ziehen konnte, um sich und seine Beute zu verteidigen. Doch der Elf, wie sich später herausstellen sollte, schien wohl mehr daran interessiert zu sein, ob es ihn gut ginge.
„Hab schon Schlimmeres erlebt! Aber trotzdem danke!“ Der Jäger blickte kurz an den Elf vorbei und betrachtete die seltsame Platte, die dieser hinter sich herzog. Das es ein Schild sein sollte bezweifelte der junge Mann, denn dafür war es eindeutig nicht gebaut worden. Er hatte eher den verdacht, dass es ein Schlitten sein sollte, den man ohne ein Zugtier benutzen konnte.
Als sich der Elf vorstellte, machte Nanuq den Mantroner gleich darauf aufmerksam das er an diesen keinen Geruch ausmachen konnte.
Diese Tatsache verwunderte den Jäger schon sehr, denn jedes Lebewesen hatte normalerweise einen Geruch an sich. Nach außen hin aber lies sich der Mantroner nichts anmerken und antwortete, wie es die Höflichkeit verlangte, auf die Frage des Elfen.
„Man nennt mich Baltos Bestientod! Sei ihr ebenfalls auf den Weg nach Estrias?“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 23. Juli 2014, 21:54

„Hab schon Schlimmeres erlebt! Aber trotzdem danke!“
Der Eiself nickte sacht und musterte den Bären.
„Man nennt mich Baltos Bestientod! Sei ihr ebenfalls auf den Weg nach Estrias?“
„Nicht direkt.“
Sein Blick veränderte sich ein klein wenig, als er die Felle auf dem Schlitten betrachtete. Die Lippen wurden etwas schmaler und dann überwand er sich:
„Eine interessante Jagdtechnik habt ihr da und euer … Gefährte. Ich hatte die Ehre, Zeuge zu sein.“
Dabei sah von Nanuq zu Baltos zurück und fuhr fort:
„Habt ihr vor eure Beute in der Stadt im Rohzustand zu verkaufen oder wollt ihr sie selbst gerben um sie höherwertig zu verkaufen? Ihr seid aus Mantron, oder? Ja, natürlich. Der Name … klangvoll.“
Er nickte abermals leicht, wie zur Selbstbestätigung, dann griff er hinter sich und drehte seinen merkwürdigen Schlitten um. Dieser bildete nun einen kleinen, metallenen Hügel und sein Besitzer setzte sich darauf. Der weiße Mantel schwang dabei auf und von seiner Oberfläche rieselte feiner, glitzernder Schnee. Nanuqs Nase zuckte und er brummte:
„Jetzt ich riechen. Riechen Salz und Zweibein, aber wenig.“
„In Mantron gerbt ihr mit Fetten oder benutzt ihr inzwischen auch Mineralsalz wie wir?“
Irgendetwas war nicht ganz richtig mit dem Kerl. Er begann voller Inbrunst über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Techniken des Gerbens zu reden, als hätte er lange keinen Zuhörer mehr gehabt. Ansonsten wirkte er nett und fast harmlos, etwas einsam vielleicht. Anscheinend war er eine Art Jäger, denn zwischendurch erwähnte er, dass Baltos wohl „sein“ Jagdgebiet mit seinem Erfolg ordentlich ausgedünnt hatte.
„... also bei diesen feinen Seehunden, ihren Häuten ist die Gerbung mit Mineralsalz, vor allem die Gerbung mit Zirkonsalz erfolgversprechend. Wir verwenden es hauptsächlich bei der „Weißgerbung“ für Pelzfelle in größeren Mengen. Als Vorbehandlung erfordern alle Mineralgerbstoffe einen „Pickel“. Der Pickel besteht aus Säuren wie Schwefelsäure oder Ameisensäure und Neutralsalz, versteht ihr? Durch das Sauerstellen der Haut können die Mineralgerbstoffe die Haut vollständig durchdringen und machen sie so besonders geschmeidig. Im Anschluss daran werden die Gerbstoffe durch die schrittweise Zugabe von Laugen im Leder fixiert. Die Durchführung erfolgt in rotierenden Gerbfässern. Die Gerbung ist in 10 bis 15 Stunden fertig, also recht schnell. Zur Vervollständigung der Ledereigenschaften ist aber eine Neutralisation, Nachgerbung, Färbung und Fettung erforderlich. Die Vorteile der Fettgerbung liegen da ja wohl auf der Hand! Bei der Fettgerbung walkt ihr doch spezielle Öle mit gerbender Wirkung, wie eure Waltrane in die Häute ein. Sind die Häute mit Gerbstoff durchdrungen, dann wartet ihr die Oxidation der Öle ab. Nach dem Trocknen werden die überschüssigen Gerbstoffe ausgewaschen und die Leder erneut getrocknet. Eine besondere Nachgerbung ist nicht erforderlich. Einfach und effektiv, wenn man Muskelkraft, Tran und Zeit zur Hand hat. Ihr habt mein Gebiet ja ganz schön ausgedünnt, also wie wollt ihr eure Felle haltbar machen?“
Dieser Androkan hatte so schnell und so viel geredet, dass einem fast schwindelig werden konnte. Die plötzliche Stille hatte etwas überraschendes und sogar Nanuq hob irritiert den Kopf, da er fast eingeschlafen war. Die Stimme des Elfen hatte etwas magisches an sich. Je nach dem wie er sie einsetzte, hatte sie etwas beruhigendes, aber auch immer viel Melodie zwischen den Silben, die sicher auch fesselnd wirken konnte. Der seltsame Kauz saß auf seinem Schild und sah den Mantroner an, als erwartete er ernsthaft eine Bestätigung seiner Ausführungen und eine Antwort. Was war ihm da nur wieder über den Weg gelaufen? Eine Chance, ein Ärgernis oder einfach nur eine Ablenkung? Früher oder später würde es sich schon herausstellen.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Freitag 15. August 2014, 10:28

Das Baltos im Jagdgebiet von diesen Androkan gewildert hatte kümmerte ihn weniger. Schließlich konnte kein Wesen auf dieser Welt Anspruch auf Wildbestände erheben, zu mindest in den Augen des Mantroners.
Als der Monolog des Gerbers, wie sich später herausstellen sollte, begann, blickten sich Nanuq und Baltos kurz gegenseitig an. Dieser Mann war wirklich eine seltsame Persönlichkeit und der Mantroner versuchte dem Monolog so gut es ging zu folgen, aber irgendwann stellte sich auch sein Gehirn ab. Baltos verstand zwar die groben Techniken des Gerbens, schließlich gehört dies auch teilweise zu seinem Beruf, aber so verliebt in dieses Handwerk war er nicht, wie dieser Androkan.
„Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht! Zuerst wollte ich zurück zur Stadt und mich mit meinem Partner treffen. Wir werden wahrscheinlich einen Großteil der Felle verkaufen und nur einige behalten. Wenn ihr aber Interesse an unserer Ware habt, dann könnt ihr gerne mit meinem Begleiter später verhandeln.“
Damit war hoffentlich dieses Thema erledigt, denn Baltos würde nicht einmal ansatzweise auf die Idee kommen diesen seltsamen Kauz einen Teil seiner Ware zu schenken. Nur weil das angeblich sein Jagdgebiet war.

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Freitag 15. August 2014, 18:58

Die kurz gehaltene Antwort wurde mehrfach nickend zur Kenntnis genommen und der seltsame Eiself schien zu spüren, dass Baltos nicht mit ihm fachsimpeln oder gemütlich plauschen wollte, so sehr er es vielleicht auch gehofft hatte. Er wiederholte leise seine Worte zu sich selbst und stand dabei langsam auf.
"... keine Gedanken gemacht, soso ..."
Dann legte er den vereisten Mantel wieder enger um seine Schultern und musterte noch einmal den mantronischen Jäger abschätzend. Besonders seine lederne Kleidung aus Fellen und Häuten wurde dabei genaustens inspiziert. Leicht kopfschüttelnd erwiderte er nun wieder mit Augenkontakt:
„Nein danke, kein Interesse. Es ging mir um ein nettes Gespräch unter Jägern, aber ihr wirkt beschäftigt. Ich werde euch nicht länger aufhalten, als nötig. Nur eins noch ...“
Er griff nach den Bändern seines merkwürdigen Schlittens und wies mit dem freien Arm gen Norden.
„Ihr solltet den Norden meiden, wenn ihr mit viel Last reist. Das Schmerzwasser der warmen Länder unterhöhlt zum Teil unserer Grenzen und lässt tiefe Spalten im Verborgenen entstehen.“
Ohne ein weiteres Wort, aber mit einer verabschiedenden Geste hob er die Hand und ging ein paar Schritte davon, bevor sich die Schneeflocken um seine Beine zu bewegen begannen und der Eiswirbel in wieder einhüllte. Bald war er so schnell verschwunden, wie er gekommen war und Nanuqs Nase zuckte erneut.
„ Sein Eisfell schlecht für Witterung.“
Anscheinend wollte er damit ausdrücken, dass er den Kerl wieder nicht riechen konnte. Für den Bären war dieser Fakt etwas äußerst verwirrendes und durchaus unangenehmes, da er sich hauptsächlich auf dieses Organ verließ. Er schnaufte missmutig. Vielleicht hatte sich seine Abneigung auf Baltos übertragen, und wohl möglich hätte sich sonst noch eine interessante Begebenheit entwickeln können. So hatten sie nun wieder ihre Zweisamkeit gewonnen. Schnell war der Rest verstaut und Nanuq gab sich größte Mühe keine weitere Schneewehe zu übersehen und langsam zurück in Richtung Estria zu traben.

Mit etwas Verspätung trafen sie wieder vor den Toren der Stadt ein und Rumpel erwartete sie schon ungeduldig. Freudestrahlend, soweit man sein Gesicht unter dem ganzen Bart erkennen konnte, trat er ihnen entgegen.
„So spät … Oh! Wunderbar! Reichte Ausbeute, die ihr da gefangen habt! Respekt, mein Bester!“
In die großen Hände klatschend, begutachtete der Zwerg nun eingehend die Ware. Leise murmelnd gab er kurze Zahlenreihen von sich und machte sich wohl gedanklich schon mal eine Liste, was sie noch brauchten.
„Mir scheint, mit dir habe ich auch einen guten Jäger unter Sold genommen.“
Er grinste abermals zufrieden und zupfte ein paar Sehnen zwischen den frischen Häuten hervor. Nachdenklich strich er dann seine blutigen Finger an seinem Mantel ab.
„Auch ich habe gute Nachrichten. Wir können schon morgen los. Zu früher Mittagsstunde werden wir aufbrechen können. Wir machen noch einen kleinen Abstecher nach Norden, aber dann geht es schnurstracks in die Heimat. Ach, wie ich mich nach meinen Rugta sehne! Unser Bier ist einfach das beste! Ich war schon viel, viel, viel zu lange nicht mehr da. Ha Ha Ha, ob mein Weib mich noch erkennen mag? Ach ist doch gleich! Erst ein Bier und dann zum Weib ins warme Bett.“
Seine breiten Schultern zuckten vor glucksendem Lachen.
„Ich werde heute Abend noch, diese Felle gegen Gegerbte eintauschen. Wer weiß wie gut wir voran kommen und fauliges Armoma kommt bei den meisten Kunden nicht gut an, hehe. Und? Bei dir alles in Ordnung? Alles bereit?“
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Montag 18. August 2014, 08:17

Baltos nickte den Mann zum Abschied zu und bedankte sich noch einmal kurz für die Warnung und machte sich dann ebenfalls auf den Rückweg. Mit etwas Verspätung erreichten sie dann den freundlichen Zwerg, der sich bei der reichen Beute die Baltos und Nanuq gemacht hatten, kräftig die Hände rieb.
Das sie schon Morgen aufbrechen würden, freute den Mantroner ebenfalls, der schon neugierig auf die Welt fernab des Eisreiches war. Als ihn aber Rumpel sagte das sie erst nach Norden gehen würden viel ihn wieder die Warnung des Gerbers ein.
„Im Norden müssen wir Beide sehr vorsichtig sein, ich habe von einem anderen Jäger erfahren, dass das Schmelzwasser aus den wärmeren Gefilden die Eisdecke unterhöhlt! Wir werden also nur langsam vorankommen. Deswegen solltest du Reparaturmaterialien für deinen Wagen und meinen Schlitten einplanen. Sonst sind wir nachher mit den Kristallen aufgeschmissen.“

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Montag 18. August 2014, 22:10

„Schmelzwasser! Na wunderbar!“
Tiefer Groll rollte in seiner Stimme mit.
„Ist ja nicht so, dass Wasser an sich schon schauderhaft genug ist, egal in welcher Form, aber im flüssigen Zustand mag ich es noch weniger als im harten, pah! Mir Zwerge sind halt für Stein und Erde gemacht, so ist das. Mein Bruder hat mich immer für verrückt gehalten, so weit nach Westen zu reisen. Viel zu nass und viel zu kalt, hat er gesagt. Aber ich bin mutiger als er, war ich schon immer! Ha!“
Rumpels Stirn hatte sich bei den Worten des jungen Jägers zunehmend in Falten gelegt.
„Na gut, dann werde ich noch Werkzeug besorgen. Ein wenig hab ich noch selbst, aber ein paar Nägel können sicher nicht schaden.“
Jede Form von Extrakosten bereiteten ihm persönliches Gräuel. Trotzdem nickte er leise in seinen Bart murmelnd und begann dann die Felle auf einen flachen Handschlitten umzuladen. Klatschend landete Fell um Fell auf dem flachen Gefährt, bis es vollkommen darunter verschwunden war. Dann nahm Rumpel den langen Lederriemen und band ihn sich um den massigen Bauch.
„Gut, dann bis Morgen. Ach, das hätte ich fast vergessen ...“
Er griff in seinen Mantel und warf Baltos ein kleines Päckchen zu.
„Guten Hunger!“
Knirschend spannten sich die Gurte als er die kurzen Beine kräftig in den Schnee stampfte. Kleine Wölkchen stiegen vor seinem Mund auf, als der ihre Beute zum Haupttor zerrte, aber jede Anwandlung von Hilfe von Baltos Seite, wurde mit einem Abwinken abgewendet.
Baltos packte das Mitbringsel aus, was sich als kleine Abendmahlzeit entpuppte. Der Zwerg nahm seine Aufgabe, ihn zu versorgen, wie Baltos auch ihn versorgte, also schon jetzt sehr ernst. Der Inhalt war ihm teilweise vollkommen fremd, aber es gab immer ein erstes Mal für alles. Es sah aus, wie irgendwelche getrockneten Früchte und Wurzeln, aus denen man kleine Fladen gebacken hatte. Der leicht süßliche Geschmack war ungewöhnlich, aber nicht abstoßend. Das Reisen an sich hatte schon seine guten Seiten. Man lernte auch kulinarisch viel neues kennen. Nur Nanuq konnte den kleinen Fladen absolut nichts abgewinnen, schnupperte und trottete dann ein paar Meter, samt Schlitten weg von der Stadtmauer, kratzte gelangweilt und träge im Schnee und gähnte dann mit weit aufgerissenen Rachen. In seinen beeindruckenden Zähnen, hingen noch ein paar Fetzen des ausgiebigen Mals. Baltos und sein Bär suchten sich in der Nähe eine kleine windgeschützte Senke und bereiteten ihr Nachtlager vor. Die Temperaturen waren hierzulande so gut wie nie im Plusbereich, doch die Lichtbögen am Himmel kündeten von fernen wärmeren Winden. Letzte Nacht hatte Baltos fast gar nicht geschlafen, weswegen ihn die Müdigkeit schnell übermannte. Er konnte sich sicher sein, dass Nanuqs feine Nase sie wecken würde, sollte sich jemand nähern, außer natürlich es handelte sich um jemanden der sich in Eismagie hüllte.

Traumlos und erholt erwachten beide bei Sonnenaufgang und hatten so noch den Vormittag für sich. Rumpel brachte ihm ein kleines undefinierbares Frühstück und ein paar Werkzeuge und verabschiedete sich dann bis in ein paar Stunden. Er hatte noch einiges zu tun und verschwand wieder eilig, so dass Baltos noch Zeit blieb seinen Schlitten noch einmal genau zu betrachten. Nachdem er gründlich alle Decken und Aufbauten entfernt hatte, fand er im Rahmen einen winzigen Riss, der unter voller Belastung jedoch zu einem Problem hätte werden können. Er hatte sich also nicht verhört, als es so geknirscht hatte und machte sich daran diesen Teil zu verstärken. Als er fertig war, schnüffelte Nanuq an seinem Werk und brummte zufrieden; weniger durch ein eigenes Verständnis für die Vorgänge, mehr durch die emotionale Verbundenheit ihrer Seelen. Noch während des Vormittags beobachten sie ein paar Eissegler die von der Jagd nach Hause kehrten und bewunderten diese eigentümlichen Gefährte. Dann war es auch schon so weit zum Aufbruch. Gewissenhaft kontrollierte der Jäger noch einmal alles und machte sich dann auf zum Treffpunkt.

„Bitte halte dich im Hintergrund, wenn wir zur Miene kommen. Ich habe Absprachen mit den Elfen hierzulande, aber dich kennen sie nicht. Sie sind nicht gerade die herzlichsten Wesen, möchte ich meinen. Haha. Liegt wohl am Wetter.“
, witzelte der Zwerg. Insgesamt war er ein recht angenehmer Reisegefährte. Wenn sie alleine waren machte er seine Späßchen, erzählte gerne kleine Geschichten, schwieg eine Weile oder redete über seine Familie in Rumdett, die er ewig nicht gesehen hatte und war auch sonst ein eher freundlicher Geselle. Wie vermutet brauchten sie lange, bis sie ihr Ziel, eine schmale Spalte im Eis, erreichten. Die Warnung des Gerbers war durchaus gerechtfertigt gewesen, denn immer wieder knirschte der Untergrund gefährlich. Sollten sie mit dem großen Wagen einbrechen, wäre ihr ganzen Vorhaben gescheitert. Baltos musste an den kritischsten Stellen mit Nanuq vorsichtig vorangehen und stocherte mit einer dünnen Leiste vom Wagen im Schnee. Der Bär war auch eine große Hilfe, da er seine eigenen Sinne für die Vermeidung von diesen verborgenen Untiefen nutzte, doch gemeinsam schafften sie es, ohne große Zwischenfälle.
Ein Trupp Eiselfen erwartete sie in voller Rüstung und wirkte wirklich mehr als eisig. Hier war Rumpert Knulburbur dann wie ausgewechselt und nickte höflich, hielt sich kurz und hatte sich wohl an die Umgangsformen dieses unterkühlten Volkes angepasst. Auch Baltos wurde misstrauisch beäugt, aber nicht direkt angesprochen. Nachdem der Zwerg die Formalitäten erledigt hatte, verschwand der größte Teil des Trupps in der Spalte. Baltos und Rumpel blieben mit zwei Wächtern draußen beim Wagen, Muffel und Nanuq. Der Ochse musste ruhig gehalten werden, da die Anwesenheit des Bären ihm noch immer nicht geheuer war. Dann erklangen die ersten schabenden Geräusche der Schlitten und die ersten Blöcke des seltsamsten Eises, das Baltos je gesehen hatte, wurden von den Elfen auf kleinen Transportschlitten aus dem schmalen Schacht geschoben. Die Felle waren bereitgelegt und Baltos musste nun seine Aufgabe erledigen, die Ware in Empfang zu nehmen und sicher im Wagen zu verstauen. Die Brocken waren erstaunlich schwer. Schwerer als normales Eis war und ihre Oberfläche war härter. Falls Baltos es einmal mit der bloßen Haut berührte, durchzuckte ihn ein kurzer heftiger Schmerz. Dieses Eis war auch kälter als alles was er bisher kannte. Seine Oberfläche schimmerte sanft wie das Innere von Muscheln in den Farben des Regenbogens.
„Schön vorsichtig.“
, dirigierte Rumpel die Träger und packte am liebsten gleich selbst mit an, da er den dürren Wesen nicht als zu viel Kraft zu sprach. Als alles verladen war, verbeugte er sich sehr respektvoll vor einem der Wächter und sie verabschiedeten sich wortlos. Rumpel stieg auf den Kutschbock, Baltos stand auf den Kufen seines Schlittens und die Reise konnte beginnen.
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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Baltos » Dienstag 19. August 2014, 09:48

Als sich Baltos den Päckchen von Rumpel widmete, war dieser schon lange mit der Ware verschwunden. Der Mantroner wünschte dem Zwerg viel Erfolg beim Veräußern der Felle und sah sich, während er so über seinen neuen Reisegefährten nachdachte, die Reiseverpflegung an. Was das genau sein sollte, konnte Baltos nicht definieren, es sah aus, wie irgendeine getrocknete Pampe die man zu einer Kugel geformt hatte. Er leckte einmal vorsichtig an dem Gebilde, konnte danach aber trotzdem nicht einordnen, aus was dieser Ball bestand. Auch Nanuq kam an getrappt da es Aussicht auf essen gab, aber als ihn der Jäger etwas von seinem Mahl entgegen hielt, rümpfte der Bär nur die Nase und ging weg. Baltos zuckte über das Verhalten seines Freundes nur mit den Schultern und biss in den komischen Klumpen. Schon wieder bemerkte er diese süße Note in dem Gebäck, die für ihn so ungewohnt war, aber trotzdem schmeckte es irgendwie gut. Vor allen war der Jäger erstaunt, wie schnell er davon satt wurde. Er schaffte gerade mal drei dieser handgroßen Klumpen zu essen, wo er doch sonst ohne Probleme ein halbes Rentier verspeisen konnte, wenn er ausgehungert war.

Nach der Mahlzeit suchten sich Baltos und Nanuq eine Windgeschütze Nische, in der Nähe der Mauer und schlugen dort ihr Nachtlager auf.
Baltos war so todmüde das er auch sofort einschlief, als er sich neben den Eisbären legte und erst am nächsten Morgen durch die Sonnenstrahlen auf seinen Gesicht aufwachte.
Die Zwei machten sich danach sofort auf den Rückweg zur Stadt, wo sie auch nicht lange auf den Zwerg warten mussten, der sie mit Frühstück und Werkzeugen für die Reparatur versorgte. Danach machte sich Rumpel auch gleich wieder auf den Weg zurück zu Stadt, um noch einige Sachen zu erledigen.

Währendem der Jäger den Schlitten inspizierte, verspeiste er sein Frühstück, was irgendeine Pampe war, die man kaum beschreiben konnte, aber trotzdem machte sie satt und das war für ihn das Wichtigste. Als er den Schlitten bis auf das Gerüst auseinandergenommen hatte, entdeckte er auch die beschädigte Stelle. Ein schöner langer Riss hatte sich durch eine tragende Holzleiste gezogen und hätte ihn bei hoher Geschwindigkeit zum Verhängnis werden können. Also machte sich Baltos mit den von Rumpel gelieferten Materialien an die Reparatur. Als diese erledigt war, unterzog er den Schlitten noch einmal einen Belastungstest, indem er sich auf die geflickte Stelle raufstellte und mehrmals hin und her wippte. Die reparierte Leiste machte keine Anstalten und so machte sich Baltos mit einem zufriedenen Grunzen wieder daran den Schlitten zu verkleiden.
Während er so den Schlitten wieder instand setzte, konnte Baltos in der Ferne einige Eissegler ausmachen, die auf den Weg zurück zur Stadt waren. Diese Schlitten mit ihren weißen Segeln erinnerten Baltos irgendwie an Möwen, wenn diese in großen Schwärmen vor der Küste Mantrons flogen. Was wohl gerade seine Mutter und sein Vater machten? Noch während er so an seine Familie dachtem kam Rumpel mit seinen Karren aus der Stadt und die Reise konnte weitergehen.

Die Zwei einigten sich darauf das Baltos mit Nanuq vorfuhren, um die sicherste Route auszumachen. Damit der deutlich schwerere Wagen des Zwerges nicht im ewigen Eis stecken blieb.
Der alte Ochse Muffel hatte sich in der Stadt wieder richtig gut erholt und zog in unerschütterlicher Manier den Wagen über das Eis.
Während ihrer Fahrt unterhielt sich Rumpel lauthals mit Baltos über das Leben in Rugta und der Mantroner konnte so einiges über das leben der Zwerge erfahren. Irgendwie faszinierte dieses Volk den Jäger und er freute sich richtig diesen Ort einmal selbst mit eigenen Augen zu sehen.

Je näher sie den Berg kamen, wo die Kristalle abgebaut wurden, um so weniger sprachen der Mantroner und der Zwerg miteinander. Denn hier merkte man deutlich, dass das Schmelzwasser allgegenwärtig war. Mehr als einmal mussten sie einen Umweg in Kauf nehmen, da die gängige Reiseroute durch das unterirdische Schmelzwasser beschädigt war. Aber das gute Auge von Baltos und die feinen Sinne von Nanuq geleiteten sie sicher durch das gefährliche Gebiet.

Als sie die Miene erreichten, wurden sie auch gleich von einer Schar bewaffneter Eiselfen empfangen. Baltos hielt sich wie abgesprochen im Hintergrund und überließ den Zwerg das Reden. Dieser war wie ausgewechselt und verhielt sich ebenfalls ruhig und höflich. Nach einem kurzen Austausch von Formalitäten und Münzbeuteln verließen ein paar Elfen das Reisegespann und gingen ins Innere der Miene.
Baltos machte sich gleich daran schon einige Felle in den Kisten auszubreiten und mit Schnee zu befüllen. Damit die Kristalle kühl gelagert werden konnten und kaum als er fertig war mit den Vorbereitungen kam die Elfen mit den versprochenen Kristallen.
Baltos war sofort von dem Anblick dieser seltsamen Gebilde fasziniert, vor allem von dem Farbspiel, wenn Licht auf die Oberfläche des Kristalles traf. Doch genauso interessant war, wie unglaublich schwer diese Eisbrocken waren und Baltos war nun einmal mehr der festen Überzeugung, dass dieses Eis nichts mit normalem Eis zu tun hatte. Besonders als er einen der Kristalle berührte und sofort einen stechenden Schmerz in der Hand verspürte, von der schieren Kälte, die dieser ausstrahlte bei Berührung. Nach diesem schmerzhaften Erlebnis hatte der Mantroner auch keine Lust mehr einen weiteren Kristall anzufassen und verlud vorsichtig die restlichen Eisgebilde.

Als sie fertig waren, lag der Wagen von Rumpel deutlich tiefer im Schnee, was gleichzeitig bedeutet das sie nun noch vorsichtiger auf ihren weiteren Weg durch das Eisreich sein mussten. Doch Nanuq und Baltos würden schon dafür sorgen, dass sie das ewige Eis sicher verlassen würden.
Der Mantroner freute sich schon auf die Welt hinter dem Eis, doch gleichzeitig wusste er auch, das er diese Reise nur unternahm um eine Frau aus seinem Volk zu finden und diese wieder sicher zurück zu ihrer Familie zubringen.

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Re: Vor den Toren Estrias

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. August 2014, 22:38

Das Verladen der Kristalle war ohne Zwischenfall von statten gegangen. Baltos hatte die Kisten mit Fellen ausgelegt, sie zusätzlich noch mit Schnee befüllt und als er die Kristalle darauf legte, verdichtete sich dieser sofort zu einer massiven Hülle aus mattem Eis. Noch etwas Schnee oben drauf und die Tarnung war perfekt. Die Idee war gut gewesen, denn nun sah man auch das mystische Schimmern nicht mehr und selbst wenn die überfallen wurden, würden die Räuber den Inhalt der Kisten hoffentlich nur für normales Eis halten.
Sie waren aufbruchbereit und der Wagen lag deutlich tiefer im Schnee. Die Räder hinterließen tiefe Spuren und das Holz knarzte und arbeitete unermüdlich gegen die schwere Last. Vorsichtig holperten sie voran und Muffel schien die zusätzliche Last in seinem Tempo kaum zu beeindrucken. Er kannte nur eine Geschwindigkeit und die war langsam. Baltos und Nanuq gingen wieder voraus und suchten den besten Weg zwischen den tiefen Spalten im Gletschereis. Von jetzt an würde es immer westwärts gehen und Rumpel sinnierte:
„Ich freu mich auf Zuhause! Ob meine Süße mich wohl schon für tot erklärt hat? HA! Ein Mann sollte sein Web nie lange alleine lassen, dann passieren immer schlimme Dinge, hat mein Vater immer gesagt. Ich bin der Meinung, man sollte grundsätzlich Weiber nichts allein machen lassen, egal ob man mit ihnen verbunden ist oder nicht. Sie bereiten immer Ärger. So ist es doch, Muffel?“
Er klopfte mit der langen Gerte zweimal freundlich das breite Hinterteil des Ochsen und lachte kehlig.
„Und was machen wir? Wir ziehen jahrelang durch die Gegend und fahren Plunder von einem Ort zum anderen. Bin gespannt, ob meine Jungs in der Zwischenzeit ein paar UNERWARTETE Geschwister bekommen haben. Ha ha ha. Sicher vom Nachbarn ...“
Für ein feinsinniges Wesen mit Familiensinn lag unter den ganzen derben Scherzen ein Hauch von Sorge und Sehnsucht verborgen. Rumpel sah dem Horizont entgegen und lauschte dann eine Weile schweigend dem Kirschen des Schnees. Auch Baltos hatte eine Familie zurück gelassen, auch die Mantroner hatten Familiensinn, vielleicht mehr als manch anderes Volk unter diesem Himmel. Er hatte sich aufgemacht ein Mitglied einer anderen Familie wieder in die Heimat zurück zu bringen. Es lagen Abenteuer und unbekannte Landschaften, fremde Wesen und Erfahrungen vor ihm. Vielleicht war es doch nicht nur der Auftrag, der ihn in die Ferne rief, vielleicht war es auch ein wenig Abenteuersinn und Neugierde.

Weiter bei: Zwischen Estria und Rugta
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