Die Suche nach der Prophezeiung

Die Wüste erstreckt sich über die ganze Südhälfte der Insel Belfa und schon mancher hat sich in ihrer Tiefe verlaufen. Ohne Kamel und Wasservorrat sollte man sich nicht zu weit hineinwagen. Am besten heuert man einen Wüstenführer an.
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 27. März 2011, 22:17

Ihr Ansinnen kam für den schweigsamen Dunkelelfen völlig überraschend. Mit vielem hätte er bei Miriel gerechnet, er meinte sie inzwischen doch recht gut zu kennen, doch dass sie ihn so unvermittelt darum bat, ihr seine Muttersprache beizubringen, war selbst für ihn ungewöhnlich. Auch wenn er unter seinem Kapuzenumhang steckte so konnte man ihm doch die Überraschung anhören.
“Warum willst du sie sprechen?… warum?… ich muss besser deine sprechen”
„Warum? Weil ich dein Volk ... weil ich dich besser verstehen lernen möchte. Die Sprache eines Volkes sagt viel über das Volk selbst aus. Außerdem ...“, und dabei grinste sie recht hintergründig, „... kannst du dabei auch ein wenig mehr Celcianisch lernen. Du hast eben selbst gesagt, dass du sie besser sprechen solltest.
Es dauerte eine Weile, in der Ryld wohl über ihre Worte nachdachte, schließlich jedoch nickte er, zeigte auf sich selbst und sprach mit tiefer, kehliger Stimme: “ mein Name ist Ryld De’ vir … also dein Name?”
„Wie? Ach so, mein Name. Äh ... Mein Name ist Miriel. Und? Wie klingt es?“
„Gut. ... etwas tiefer ... mehr von hier.“, er deutete auf seine Kehle, aus der nun ein tiefes Grollen kam. „So ... sonst gut.“
Miriel nickte, stolz darauf, dass sie gerade die ersten Worte in einer den Menschen verhassten Sprache gesprochen hatte. Was die Tonlage anging, sie tiefe , kehlige Aussprache, die in den Ohren der Menschen so hart und unmenschlich klang, nun, so würde sie noch viel üben müssen. Und auch dann war sie sich nicht sicher, ob sie es jemals so wie Ryld hinbekommen würde.

Den Rest des Tages bis zum Sonnenuntergang verbrachten beide damit, sich gegenseitig die Sprache des anderen näher zu bringen. Ryld war zwar kein begabter Lehrer und auch Miriel war alles andere als eine gute Lehrerin, dennoch beherrschten sie als sie zum Nachtlager rasteten jeder einige einfache Sätze, um sich gerade so verständlich machen zu können. Sie unterbrachen den Unterricht an dieser Stelle, sie würden noch genug Gelegenheit für weitere Übungen haben. Auch kam nun Maurizius wieder zu ihnen und versuchte sofort Miriel die kleine Toireasa abspenstig zu machen. Wenn man es recht betrachtete, so fragte er nicht lange, sondern hob die Kleine gleich aus ihrem Tragetuch und begann damit sie zu betutteln.
Ryld verdrehte mal wieder die Augen und Miriel meinte lachend:
„Es ist ja rührend wie du dich um Toireasa kümmerst Maurizius, aber bevor du sie ganz in Beschlag nimmst, sollte ich ihr etwas zu essen geben und ihre Windel wechseln. Dir mag es ja nicht aufgefallen sein, aber sie riecht gerade ein wenig streng.“
Kurzerhand nahm sie ihm ihre Kleine aus dem Arm und machte sich daran sie zu versorgen. Erst als sie satt und zufrieden in ihren Armen lag gab sie Toireasa wieder an Maurizius, der sofort wieder mit ihr schäkerte.
So ging jeder der Beschäftigung nach, die er am besten ausfüllen konnte. Ryld baute das Nachtlager auf, Miriel wusch die Wäsche und Maurizius spielte Kindermädchen bis er völlig erschöpft einschlief, Toireasa wie fast jede Nacht in seinen Armen haltend.

Jetzt endlich fanden auch Miriel und Ryld Gelegenheit ihren Hunger zu stillen. Schweigend saßen sie an ihrer Lagerstatt und verzehrten etwas von dem mitgenommenen Proviant. Nachdenklich betrachtete Miriel den Dunkelelfen, der gerade etwas in seiner Sprache murmelte. Maurizius schnarchte vor sich hin, schrak auf einmal auf und rief etwas von Pelgar, Andunie und beginnender Dunkelheit, sank wieder zu Boden und schnarchte weiter. Miriel fasste den aufgesprungenen Dunkelelfen beruhigend am Arm und zog ihn zu sich runter, wo er sich kopfschüttelnd erneut setzte. Diesmal aber so, dass er der Erdmagierin gegenüber saß. Sein Gesicht wurde von dem kleinen Lagerfeuer beschienen, so dass für Miriel der eindruck entstand, als würden sich seine Narben wie Schlangen im Gesicht winden. Es sah gespenstisch aus und zugleich auch unheimlich schön.
„Was er wohl gemeint hat? Es klang irgendwie bedrohlich. Fast so, als wären Pelgar und Andunie der Dunkelheit zum Opfer gefallen. Ich fürchte wir gehen schweren Zeiten entgegen mein Freund.“ Es war nicht das erste Mal, dass sie Ryld als Freund bezeichnete, aber es war das erste Mal, dass sie es mit Weichheit und Zärtlichkeit in der Stimme sagte. Sie war sich dessen nicht bewusst, doch Ryld entging es nicht. Doch anstatt etwas zu erwidern stand er einfach auf und legte sich auf sein Lager.
„Auch eine Art die Dinge zu sehen.“, murmelte sie vor sich hin, stand ebenfalls auf und legte sich auf ihr Lager. An Schlaf war in dieser Nacht jedoch nicht zu denken. Ständig geisterten ihr Maurizius Worte im Kopf herum. Ja, und dann waren da noch die Stimmen. Seit sie die Mauer errichtet hatte, waren sie zwar immer im Hintergrund präsent, heute jedoch hörte Miriel sie zum ersten Mal wieder deutlich.
“wir hören dich- wir spüren dich- befehle uns!- wir leiten dich“ Was sollte das? Was meinten diese Stimmen damit? Sie spürte doch die Magie, trotzdem sagten die Stimmen etwas anderes. Unruhig wälzte sie sich auf ihrem Lager herum bis sie schließlich aufsprang und sich vom Lager entfernte. Wenn sie schon nicht schlafen konnte, so konnte sie genauso gut erforschen was diese Stimmen meinten. Sie ahnte nicht, dass sie zwei Augenpaare aufmerksam verfolgten. Auf dem das Lager umgebenden Dünenkamm blieb sie stehen, den Blick in die vor ihr liegende Dunkelheit gerichtet.

„Was wollt ihr mir sagen?“ Miriel erwartete keine Antwort, umso erschrockener war sie, als auf einmal ein amüsiertes Lachen in ihrem Kopf erklang. „Was zum ... Wer bist du?“ Das Lachen war anders, als die Stimmen, die sie stetig im Hintergrund hörte. „Ahnst du es nicht? Bisher warst du immer in meiner Sphäre, aber seit du von dieser starken Magie berührt wurdest können wir uns nun auch direkt verständigen.“
„Brosnar?“, fragte Miriel ungläubig. „Bist du das wirklich? Aber wie?“
„Ich weiß es nicht, aber seit dieser Magieexplosion besteht eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Kristall und dir. Deswegen kann ich auch zu dir sprechen ohne dass du den Kristallraum betreten musst.“, erklang es in ihrem Kopf. Das war ja mal interessant. Sie wurde dadurch nie mehr Handlungsunfähig sein, wenn sie künftig mit Brosnar sprach. Das machte vieles einfacher.
„Warum hast du vorhin so gekichert?“, fiel ihr nun wieder ein, wie sich ihr Kristallwächter gerade gemeldet hatte.“Nun, weil du noch immer nicht gelernt hast, wie du deine Magie richtig einsetzt.“
„Was meinst du damit? Ich verstehe nicht ganz.“
„Na, du zauberst noch immer mit deinem Verstand, nicht mit deinem Herzen. Dadurch nutzt du nur die Dinge, die du mit deinen Augen siehst, das ist aber nur ein Teil des Ganzen. Wenn du alle Möglichkeiten deiner Magie nutzen willst, dann musst du auch den teil nutzen, der nicht sichtbar ist. Du musst fühlen, nicht sehen. Du musst alle Sinne nutzen, nicht nur deine Augen. Schließe einfach deine Augen, lass dich nicht durch das was du siehst stören, du musst blind sein, um wirklich sehen zu können.“
Miriel hatte keine Ahnung was Brosnar damit meinte, aber sie wusste, dass sie bisher nur zweimal, wenn auch unbewusst so gezaubert hatte, wie es ihr Kristallwächter gerade erklärt hatte. Das erste Mal in den Trümmern der Taverne „Zum Pony“ in Pelgar und das zweite Mal vor ein paar Tagen, als sie die Mauer errichtete. Vielleicht hatte Brosnar wirklich recht und sie stand sich bisher nur selbst im Weg. Vielleicht war es das, was ihr die Stimmen mitteilen wollten.

„Also gut, ich versuch es.“ Den Blick noch immer in die Dunkelheit gerichtet schloss Miriel ihre Augen. Im ersten Moment geschah nichts, erst als Brosnar meinte, sie solle ihre Magie fließen lassen veränderte sich etwas. Es war, als würde sich ihr eine völlig neue Welt erschließen. Sie konnte auf einmal die Magielinien sehen, selbst kleinste Staubkörnchen, die vom Wind durch die Luft gewirbelt wurden, waren mit magischen Energiefäden an den Boden gebunden. Das war es also, warum sie seinerzeit den Minisandwirbel erzeugen konnte. Es war keine Luftmagie, sie hatte lediglich unbewusst die Magielinien manipuliert. Das war aber nicht alles. Jedes Ding, jedes Wesen, das den Boden berührte und sich dort bewegte, erzeugte Erschütterungen im Geflecht der Magielinien, die Miriel über den Kontakt mit dem Boden wie Wellen auf der Wasseroberfläche wahrnehmen konnte. So sah sie Dinge unter der Oberfläche, die sie normalerweise nie gesehen hätte. Den Skorpion, der sich in einiger Entfernung durch den Sand schob. Eine Wüstenschlange, welche sanft über den Boden glitt und leise Schritte, die sich ihr aus dem Lager kommend näherten. Wahrscheinlich war es Ryld, der sie beim verlassen des Lagers beobachtet hatte.
Es war ein völlig neues Gefühl und mit einem Mal erkannte sie, was sie die ganze Zeit von der vollkommenen Entfaltung ihrer Magie abgehalten hatte. Vorsichtig den nackten Fuß über den Sand schiebend sah sie, wie durch ihre Bewegung die Magielinien verändert wurden, wie sich der Sand ihrer Bewegung anpasste und dementsprechend verschob. Er folgte jeder ihrer Bewegungen, ganz so als wäre er mit ihr starr verbunden. Sie konnte förmlich mit dem ihr so vertrauten Element spielen. Ohne sich umzudrehen spürte sie, dass die Schritte sie beinahe erreicht hatten. Sie konnte später nicht sahen was sie gerade ritt, aber in diesem Moment wirbelte sie herum und führte gleichzeitig mit beiden Händen eine von sich weg schiebende Bewegung aus. Die Folge davon war, dass sich wie aus dem Nichts vor dem Herannahenden eine Mannshohe Wand aus Sand erhob und verfestigte.
Lachend meinte sie dazu: „Es ist nicht sehr fein, sich heimlich von hinten anzuschleichen.“ Die Hände ruckartig nach unten senkend, ließ sie die Sandwand in sich zusammenfallen und stand nun dem aus dem Lager kommenden direkt gegenüber.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. April 2011, 13:16

Er schlief nicht. Doch wollte er nur einer sich aufkommenden Gefühlregung Herr werden. Wieso war das alles in der letzten Zeit so kompliziert? Er spürte Wut, die er sich nicht erklären konnte. Aber wütender war er über sich selbst. Wieso schaffte er es einfach nicht, sein Problem in den Griff zu bekommen.
So hatte er nachdem es wieder hochkam, dies völlig ignoriert und sich hingelegt. Und Miriels Stimme war der Auslöser gewesen.
Miriels Stimme war anders gewesen. Sanfter und Freundlicher. Sie hatte das Wort Freund benutzt. Freund, was bedeutete dies schon? In seinem Volk war es nur ein Wort, welches eher für Kamerad stand als für aufrichtige Freundschaft. Nicht das diese nicht vorkam. Jedoch würde so was gehütet wie ein großer Schatz.
Es war schön das Wort zu hören, aber es war irgendwie nicht richtig. Nicht das, was seine Gefühle aufwühlte. Jedes Mal, wenn er sie sah, wenn sie in ihrer Unbedarftheit etwas sagte oder mit ihrer Tochter spielte, spürte er diese Sehnsucht. Und eine Wut auf diesen Hektor als er es wagte Miriel zu nah zu kommen.
Nein, jetzt ist es anders…was geschieht mit mir.
Er war nie ein Mann für Gefühle gewesen. Es war ihm sogar unter Strafe verboten. Er hatte seine Aufträge zu erfüllen und Emotionen waren nicht erlaubt. Doch vielleicht war er selbst in seiner alten Heimat schon anders. Couruch war der Beweis. Ihn verband eine tiefe Verbundenheit mit den gigantischen Skorpion.
Er horchte auf, als er ein Geräusch hörte. Vorsichtig öffnete er die Augen und konnte gerade noch sehen, dass sich Miriel leise erhob und davon schlich. Jedenfalls bemühte sie sich leise zu sein. Jemand wie Ryld war auf das kleinste Geräusch getrimmt, um eine eventuelle Gefahr auszumerzen. Und obwohl es nur Sand war, konnte Ryld so einiges raushören. Sich die Richtung merken, wohin sie auf war, begann er sich langsam zu erheben. Doch ein lautes Aufschnarchen lies ihn schnell rum fahren. Doch der Magus schnarrte nur wie gewohnt weiter und die Kleine störte sich daran nicht. Die Hand behutsam auf den Kopf von Toireasa gelegt, lag sie weiterhin auf der Brust von Maurizius. Sie klammerte mit ihrer kleinen Hand an einem Finger von ihm.
Der Magier war für Ryld noch immer ein Rätsel. Miriel sagte zwar, dass er nicht dem Schwachsinn heimgefallen war, aber trotzdem wirkte er oft so. War das so typisch für ältere Magier?
Ohne ein Geräusch zu verursachen erhob sich der Dunkelelf nun vollends von seinem Nachtlager. Lautlos schnallte er seine Waffen um.
Er betrachtete den Magus und das kleine Mädchen. Was hatte der Magus nur gemeint, als er aufgeschrien hatte?
Das ergab für den Krieger keinen Sinn, erwusste zwar, dass sich einige Dunkelelfen in Andunie und Sarma aufhielten, aber wieso wurde ihm nicht mitgeteilt. Je weniger man wusste, desto weniger konnte man Ausplaudern. Eine einfache Regel, die auch für ihn galt. Er war zu nützlich und welche seiner Art inzwischen zu rar.
Wachsam sah er sich um und beugte sich dann langsam zu den Schlafenden runter. Wie einfach wäre es nun, ihnen das Leben zu nehmen, doch dies war schon lange kein Gedanke mehr, der in Rylds Kopf herrschte. Er hatte geholfen ein leben zur Welt zu bringen. Er war bei dem Augenblick der Niederkunft sogar als Helfer einbezogen gewesen. Mit leicht zitternden Fingern streichelte er die Wange der Kleinen und spürte die Wärme und die Weichheit ihrer Haut.
ich werde auf deiner Mutter und dich achtgeben, egal was passiert
Dann schlich er Miriel hinterher. Seine Kräfte nutzend, verbarg er sich in Dunkeln. Schwärze floss aus seinen Augen und umhüllte ihn, dass er nur einen Schatten glich. Lautlos näherte er sich in Abstand Miriel.
“mit wem spricht sie” fragte er sich, als er Miriel endlich fand. Sie sprach eindeutig mit jemanden, doch es wirkte nicht als würde sie nur so mir sich sprechen, sondern als gäbe es jemanden, den nur sie hörte. Ryld ging in die Hocke. Seine Augen wanderten über ihren wohlgeformten Körper. Er spürte wieder das eine Sehnsucht in ihm aufstieg, welches, wie er fand, vollkommen fehl am Platze war.
Den sah er ihren Zauber? Erstaunt rieb er sich die Augen. Für einen Moment fiel sein Schutz des Schattens ab. Schnell konzentrierte er sich wieder.
Früher wäre ihm so was nicht passiert, aber Miriel schaffte es unbewusst seine Konzentration zu verwirren. Es hätte an einem anderen ort seinen Tod bedeutet, doch jetzt war es ihm egal.
Er konnte förmlich die Energie spüren, welche von Miriel abging. Sie war Wild , doch wurde mit jedem Moment kontrollierter. Unwerfend. Ein erfreutes Lächeln schlich sich auf seine Züge.
Es vibrierte in seinem eigenem Zauber, Weckte seine Lebensgeister.
mal sehen, ob ich sie überraschen kann.
Mit seinem Zauber auf sich liegend stürmte er schnellen Schrittes los. Waffen hatte er keine Gezogen. Aber Miriel hatte ihn irgendwie bemerkt, wie aus dem Nichts entstand urplötzlich eine mannshohe wand vor ihm. Das Adrenalin pumpte durch seinen Körper. Abwehrend hob er die Hände, um nicht gegen diese zu knallen. Dann nutzte er seinen eigenen Schwung und lief ein paar Schritte an dieser hoch.
Doch so plötzlich wie die Wand da war, entschwand sie wieder. Mit einen letzten Stoss katapultierte sich Ryld in die Höhe. Eine Salto in der Luft schlagend, konnte er einer ungalanten Landung entgegenwirken. Mit einer Geste schaffte er ein Schattenabbild am Boden von sich. Sein Training kam ihn zu Gute, er schaffte es genau hinter Miriel zu landen. Ein Gefühl der Befreiung überkam ihn, ihr Lachen spürte er förmlich in sich. Es entfachte in ihm ein Feuer. Kurz standen sie beide Rücken an Rücken, dann schnellte er herum. Zeitgleich löste sich das vor Miriel stehende Schattengebilde auf.
“ebenso wenig sich davon zu schleichen...das war gut” raunte er ihr von hinten zu.
Griff ihre Schulter und drehte sie zu sich um. Sein Gesicht nur Zentimeter von dem ihren entfernt. Minuten schien zu vergehen, während er sie einfach ansah. Fragend, forschend. Seine Hand fasste vorsichtig in ihr Haar, sein Kopf neigte sich. Kurz bevor seine Lippen, die ihren berührten, hielt er inne.
Was mach ich hier?…ich darf nicht…” Seine Lippen fanden Miriels.
Egal was Ryld auch noch versuchte, er wusste im Inneren, dass er sie wollte. Und auch wenn sie ihn nicht wollen würde, so würde er ihr treu dienen.
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 10. April 2011, 23:04

Wie von ihr erwartet, nachdem sie die Sandmauer fallen ließ stand sie Ryld gegenüber. Zuerst grinste sie schelmisch, doch verging ihr dies sehr schnell, als sie in ihrem Rücken eine Erschütterung spürte. Im selben Augenblick verschwand der Dunkelelf vor ihr und Rylds amüsierte Stimmer erklang direkt hinter ihr:
“ebenso wenig sich davon zu schleichen...das war gut”
Nun, es mochte ja sein, dass sie gut war, aber er war unverkennbar besser, sonst würde er im Augenblick nicht hinter ihr stehen. Zu einer entsprechenden Entgegnung kam sie jedoch nicht mehr, denn unvermittelt wurde sie herumgewirbelt und fand sich in Rylds Armen wieder. Was auch immer sie ihm hatte entgegnen wollen, sie brachte keinen Ton heraus. Starr, zu keiner Bewegung fähig lag sie in seinen Armen, blickte nur leicht verwirrt in seine Augen.
Auch wenn sie sich hätte bewegen können, so war sie im Augenblick wie gelähmt. Auch als er ihr mit einer Hand ins Haar griff und ihren Kopf leicht nach hinten bog war sie noch immer wie erstarrt.
Was war nur los? Was ging mit Ryld, was ging mit ihr selbst vor? Sie sollte sich wehren, sollte ihn von sich stoßen, sollte schreien und das ganze Lager wecken, warum nur tat sie es nicht?
Minuten zogen sich zu Ewigkeiten als er sich immer weiter ihren Lippen näherte, kurz bevor sie sich berührten inne hielt, ehe sie sich schließlich doch trafen.

Zuerst ganz sacht wurde sein Kuss immer fordernder, doch noch war Miriel wie erstarrt. Erst als seine Zunge an ihre Lippen stieß und vehement Einlass forderte, erwachte die junge Mutter aus ihrer Starre. Im ersten Moment stemmte sie sich gegen seinen Kuss, versuchte sich aus seiner Umklammerung zu befreien, doch nach und nach erlahmte ihr Widerstand bis sie am Ende ihre Arme um seinen Hals legte und sich seinen hungrigen Lippen entgegen streckte.

Irgendwann, es schien ihr wie eine Ewigkeit, lösten sie sich aus diesem feurigen Kuss. Verlegen trat Miriel, nachdem sie sich von Ryld gelöst hatte einen Schritt nach hinten. Was bei allen Göttern war soeben geschehen? Das hätte einfach nicht passieren dürfen. Nicht jetzt, wo sie sich gerade endgültig mit Kri'ils Tod abgefunden hatte. Es war ihr, als ob sie Kri'il damit verraten hätte und doch fühlte es sich richtig an. Sie konnte noch immer seine Lippen auf den ihren spüren, doch satt Abscheu zu empfinden, gierte alles in ihr nach mehr.
Verwirrt ließ sie sich auf den nun doch schon recht kalten Sand sinken und schlang ihre Arme um die Knie. Nur unbewusst nahm sie war, dass sich Ryld neben sie setzte. So saßen sie schweigend nebeneinander und blickten auf die funkelnden Sterne am Horizont. Schließlich seufzte die schöne Erdmagierin auf und brach das andauernde Schweigen:
„Und? Was jetzt? Wie geht es nun weiter?“
Es waren genau diese Fragen, die sie bewegten. Dieser eine Kuss hatte alles verändert, hatte das Verhältnis, das zwischen ihnen bestand völlig umgekrempelt. Was mochte er nun denken? Was mochte in ihm vorgehen? Sie konnte sich nicht helfen, aber unweigerlich kamen ihr seine Worte von damals in der Oase, als sie zu im in den kleinen See gestiegen war, in den Sinn.
„das war dumm! ... Mach das nicht wieder… ich habe lange keine… Frau…Frau mehr gehabt. …so was kann gefährlich sein“, hatte er damals zu ihr gesagt. Ein leichtes Frösteln überzog ihre Haut und sie war sich nicht ganz sicher, ob es von der Nachtkühle oder von ihrer Erinnerung kam. Was wollte er von ihr? War es nur sein Hunger nach Zärtlichkeit, den er stillen wollte oder war da vielleicht mehr? Und was war mit ihr? Sie war sich ihrer Gefühle nicht sicher. Ein Teil von ihr hing noch immer der Vergangenheit nach, klammerte sich daran, dass der Vater ihres Kindes doch noch leben könnte. Der andere Teil, von dem sie nicht wusste wie groß er wirklich war, fühlte sich zu dem düsteren Dunkelelfen hingezogen. So hatte sie bis jetzt in diesem Zwiespalt gelebt, ohne sich jemals entscheiden zu können. Doch seit Rylds Kuss war ihr klar, dass sie bald eine Entscheidung würde treffen müssen. Aber noch war sie dazu nicht bereit weswegen sie den Dunkelelfen erst einmal fragte:
„Warum hast du das gemacht Ryld? Warum nur? Du machst alles nur viel komplizierter. Was erwartest du nun von mir?“

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Gestalt » Sonntag 17. April 2011, 16:05

Dort saßen die beide nun. Die schöne Erdmagiern und der Dunkelelf. Er wusste, dass er das nicht hätte tun dürfen. Er war sich bewusst, dass es schwierig war. Aber was hätte er noch tun sollen. Sie hatte ihm den Kopf verdreht und er hat sich von Gefühlen leiten lassen. Das wäre ihm früher nie passiert.
Warum hast du es erwidert, schoss es ihm durch den Kopf. Es war widersprüchlich. Er hatte ein ungewohntes Gefühl im Körper, was ihn glücklich und auch verzweifeln ließ. Er war nicht gewöhnt, zu fühlen.
Und Miriel war jetzt verwirrter als zu vor. Sie hatte sich nicht gegen ihn gewehrt, obwohl sie es erst vorhatte. Doch ihre Gefühle waren selber viel zu aufgebracht.
Ryld sah zu ihr rüber. Die Hände unter ihren Beinen verschränkt, machte sie sich ganz klein. Er wusste, dass sie sich gerade versuchte zu schützen. Er kannte es als Zeichen von Verzweiflung. Früher hatten oft, die Wesen, die er getötet hatte, so eine Haltung eingenommen. Es war ihm egal gewesen. Aber jetzt schmerzte es.
Er war der Auslöser dafür.
Er rieb sich den Nacken und erhob sich, nur um sich bei Miriel nieder zulassen. Er konnte sich nicht mal von ihr abwenden. Er redete ungern, aber das schaffte er nicht. Nur schwer konnte er das Verlangen sie in die Arme zu nehmen unterdrücken. Die Sehnsucht ihres Körpers stillen und auch den seinen.
Er blickte hoch , suchend als würden die Sterne ihm die Worte geben.
“ich erwarte nichts” sagte er sanft.
“ich wollte nicht mehr anders… aber…ich weiß das es kompliziert ist…ich bin ein Dunkelelf, ein Elf, verhasst, von den Meisten der Völker… ich habe getötet… ich versteh nicht was mit mir passiert … so was kenne ich nicht” Er griff in den Sand und lies diesen langsam wieder zu Boden rieseln. Diese Unterhaltung fiel ihm mehr als schwer. Und nicht wegen seiner Unfähigkeit für die Allgemeinsprache. Wieder verging eine Weile bevor Ryld sich räusperte.
“ Miriel es war nicht richtig von mir… von hier nicht richtig…” er zeigte auf seinen Kopf, dann wanderte seine Hand zu seinem Herzen und verweilte dort.
“…aber hier fühlte es sich richtig an” er seufzte auf, seine Finger schlossen sich um ein Symbol um seinen Hals. Das Symbol von Manthala.
“ … das wusste ich, an dem Tag, als ich dich erkannte. … Manthala sagte, ich werde mein Volk verraten. Ich dachte, weil ich sie anstatt Faldor anbetete, …jetzt weiß ich es besser… mir ist es egal… Nur dir und Toiresia soll nichts geschehen… ich habe nie eine Frau, so begehrt… geliebt?… wie… wie Dich” Er trat wütend in den Sand. Es wirkte fast schon kindisch verzweifelt, wenn man den gestandenen Krieger sah.
“… das darf nicht sein” Er schloss die Augen. Seine Atemzüge waren tief und er wurde wieder ruhiger. Das aufgebrachte funkeln in seinen Augen war jetzt wieder zu einem sanften und warmen Rotton geworden, als er sie öffnete. Er wusste was er getan hatte, was nicht durchdacht gewesen. Er hatte aus dem Bauch heraus entschieden.
Dann blickte er sie ernst an. Nicht bösartig sondern eher bewusst. Verletzt und irgendwie traurig. Eine seltsame Mischung in den Augen eines Dunkelelfen.
“ meine Waffen dienen Dir und deinem Kind… Ich diene dir… ich halte mich von dir fern, doch werde ich für dich da sein” Er kniete sich vor sie, den Kopf gesenkt. Sein Schwert reichte er ihr in beiden Händen haltend entgegen.
“ Was ich getan habe war falsch… ich habe dich nur verwirrt… Bitte verzeih mir” Er schluckte schwer. Ryld glaubte nicht, dass eine Liebe zwischen Ihnen eine Chance haben würde. Was konnte er ihr schon bieten?
“ ich gehör nicht in deine Welt, Miriel, das hatte ich vergessen
Die Worte schmerzten mehr als irgendeine Strafe, die er jäh erlitten hatte. Selbst die Brandmarkierung in seinem Gesicht war nichts dagegen, als den Schmerz, diese Frau nicht lieben zu dürfen und sich von ihr zu verziehen. Er spürte wie seine Hände zitterten und er nur schwer dagegen ankam. Er war ein gestandener Elf, nicht mal mehr einer der Jungspunde, aber überfordert mit seinen Gefühlen, die er nie zeigen durfte. Doch vielleicht hatte er Miriel die Entscheidung damit abgenommen.
Er hatte nicht bezwecken wollen, dass sie sich noch mehr Gedanken machen musste.
Wie oft hatte er sie des Nachts beobachten und sich innerlich gewünscht, sie umarmen zu dürfen. Jedes Mal wenn er die Vertrautheit mit Maurizius erlebte, hatte er innerlich einen immer größer werdenen Schmerz gespürt. Anfangs war er nur fasziniert von ihrem Mut und Trotz, doch dies wuchs in der Zeit zu mehr heran. Er hatte versucht dagegen anzukämpfen, aber diesen Kampf hatte er verloren.
Er würde nie Teil davon sein können, egal was passieren würde. Er gehörte dem Volk der Dunkelelfen an und vieles was er getan hatte, konnte nicht vergessen werden.
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 1. Mai 2011, 00:21

“ich erwarte nichts”, waren die ersten Worte des Dunkelelfen, nachdem sich beide in den Sand gesetzt hatten und jeder für sich in den wolkenlosen Nachthimmel blickten. Unter ihnen, am Fuß der Sanddüne, dort wo sich das Lager der Nomadengruppe befand, war alles ruhig. Wahrscheinlich schliefen alle den Schlaf der Gerechten, aber Miriel war nach Rylds Kuss nicht mehr nach schlafen zu Mute.
Na schön, Ryld erwartete also nichts. Nicht dass sie ihm das glauben würde, man küsste nicht einfach so, ohne etwas zu erwarten. Wahrscheinlich redete er sich das nur ein. Es war auch egal. Von wesentlich größerer Bedeutung war für sie vielmehr sie Frage, was sie sich erwartete. Diese Frage geisterte in ihrem Kopf herum, seitdem sie sich von Ryld gelöst hatte.
Was erwarte ich? Was will ich? Ich hätte mich mit Händen und Füßen wehren müssen und was mache ich? Ich erwidere den Kuss! Verdammt Miriel, was ist nur mit dir los? Bin ich etwa in ihn verliebt? Nein, ... oder .... Nein, ausgeschlossen. Nein, Ryld ist so vollkommen anders als Kri'il. Genau, so vollkommen ... hm.
War es wirklich so? Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr Ähnlichkeiten fielen ihr zwischen beiden Männern auf. Beide waren eher schweigsame Zeitgenossen, beiden war eine gewisse Ungeduld gemeinsam, wenn es sein musste waren sie hart und kompromisslos, sowohl gegen sich, als auch gegen ihre Gegner. Gut, Kri'il konnte seine Gefühle besser zeigen, aber das hieß nicht, dass Ryld keine Gefühle hatte. Er war aufgrund seiner Erziehung nur nicht in der Lage diese so offen zu zeigen wie er es gerne wollte.

“ich wollte nicht mehr anders… aber…ich weiß das es kompliziert ist…ich bin ein Dunkelelf, ein Elf, verhasst, von den Meisten der Völker… ich habe getötet… ich versteh nicht was mit mir passiert … so was kenne ich nicht”
Ja, das glaubte sie ihm gern. Dunkelelfen waren Gefühle für ihre Mitmenschen, selbst für die ihres eigenen Volkes unbekannt. Wenn überhaupt, so war bei ihnen der sexuelle Trieb ausschlaggebend für eine Beziehung. Sie lebten immer in Extremen und bei Ryld war es nicht anders.
Ein bitterer Zug legte sich um ihren Mund als sie ihn anblickte und gepresst auflachte:
„Ach Ryld, glaubst du wirklich, es würde mich stören, dass du ein Dunkelelf bist, dass du getötet hast? Meinst du, du wärst der Einzige, der getötet hat? Ryld, ich bin nicht die Heilige, für die du mich hältst. Auch ich habe bereits getötet. Nicht dass ich es unbedingt wollte, aber es musste sein. Warum also soll ich dich für etwas verurteilen, was ich selbst bereits getan habe.“

Ja, sie hatte getötet, nicht mit ihren eigenen Händen, doch das änderte nichts an der Tatsache selbst. Sie hatte getötet. Sie hasste es. Oh ja, wie sie doch diesen vermaledeiten Krieg hasste und das, was er aus ihr gemacht hatte. Sie bekam nur am Rande mit, dass Ryld ihr seine Liebe gestand, erst als er vor ihr kniete und sie um Verzeihung bat, meinte, dass er nicht in ihre Welt gehören würde, erfasste sie die volle Tragweite seiner Worte. Hatte er ihr da gerade seine Liebe gestanden? Und was sollte daran falsch sein? Nur weil er ein Dunkelelf war?
Auch wenn sie selbst sich ihrer Gefühle nicht sicher war, über eines war sie sich vollkommen sicher, Ryld gehörte genauso in ihre Welt, wie es seinerzeit Xune tat. Vielleicht war es an der Zeit ihm ein wenig darüber zu erzählen, ihm die Augen zu öffnen, ihn aus der Welt seiner anerzogenen Konventionen zu holen. Doch zuerst::
„Steh auf Ryld!“ Sanft fasste sie ihn bei seinen Händen und zog ihn langsam hoch. „Steh auf, steck dein Schwert weg und setz dich zu mir.“
Von ihrer Reaktion etwas verwirrt folgte der Dunkelelf ihrer Anweisung, auch wenn er nicht so recht wusste was es sollte. Auch Miriel wusste nicht wo sie überhaupt anfangen sollte. Fahrig strich sie sich ihr welliges Haar aus dem Gesicht bevor sie schließlich begann:
„Was du getan hast war nicht falsch. Mag sein, dass du mich damit verwirrt hast, mag sein, dass ich dafür noch nicht bereit bin, aber wenn es sich dort ...“, sanft legte sie ihm ihre Hand auf die Brust, genau dort, wo sie seinen Herzschlag spüren konnte, „... richtig anfühlt, dann höre darauf, dann ist es auch richtig. Egal was dir dein Verstand auch sagen mag, höre auf dass, was dir dein Herz sagt. Und denke niemals, dass du nicht in meine Welt gehören würdest. Wir alle sind Teil dieser Welt, du, ich und all die anderen um uns herum. Es ist mir egal, was du in deiner Vergangenheit getan hast, denn für mich zählt nur dass was du jetzt in diesem Augenblick tust. Es ist mir egal, ob du ein Dunkelelf bist, denn für mich zählt nicht welcher Rassen du angehörst sondern das was du bist und das was du tust. Nicht alle Dunkelelfen sind schlecht. Es gibt unter ihnen auch solche, die sich gegen das eigene Volk wenden, weil sie erkannt haben, dass der Weg ihres Volkes nur Leid und Kummer bringt. Genau wie es auch Menschen gibt, die wie die Dunkelelfen denken.
Ryld, sieh mich an.“
Sein Blick traf den ihren und sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Ryld, es gibt weder nur gute, noch nur böse Menschen, jeder trägt die Veranlagung zu Beidem in sich. Die Frage ist nur, wie wir uns entscheiden. Ob andere uns für gut oder böse halten bestimmen wir ganz allein.“
Ihre Hände gaben sein Gesicht wieder frei und sie drehte sich erneut so, dass sie auf das Lager hinab blickte. Dort unten schlief der beweis für ihre Worte, Hector. Er gehörte zu ihrem Volk und doch war er ein Werkzeug des Menschen, der ihren Liebsten und den Vater ihres Kindes getötet hatte. Nein, es gab weder gut, noch böse, weder schwarz noch weiß. Es gab nur verschiedene Grautöne, genau wie in dieser verfluchten Prophezeiung, ohne die Kri'il vielleicht noch leben könnte. Ob Ryld ihre Worte beherzigte? Sie wusste es nicht, sie hatte keine Ahnung, wie tief die alten Vorurteile bei ihm verwurzelt waren. So griff sie schließlich in den Ausschnitt ihres Kleides und zog den Kristallanhänger hervor.
„Weißt du, ich kannte eine Dunkelelfe, Xune, auch sie hörte auf ihr Herz. Sie hielt das, was ihr Volk tat für falsch. Sie ging sogar so weit, dass sie sich am Ende selbst gegen Faldor stellte. Wir waren sechs, jeder im Besitz eines der magischen Kristalle. Dies hier ...“, sie zeigte ihm den Anhänger mit dem braunen Stein, „... ist der Erdkristall, Xune war die Trägerin des Wasserkristalls. Den Rest der Geschichte dürftest du sicher kennen. Was ich damit sagen will, Xune war eine eures Volkes und doch so wenig Dunkelelfe wie dieser Hector Mensch ist. Verstehst du was ich meine, was ich dir damit sagen will? Du kannst wie Xune sein, du kannst ein Dunkelelf sein und doch wie ein Mensch fühlen und handeln.“

Wahrscheinlich wusste er nicht einmal, welchen Vertrauensbeweis sie ihm soeben entgegen gebracht hatte, als sie den Anhänger wieder unter ihrem Kleid versteckte. Sie hatten damals beim hohen Rat geschworen, das Geheimnis zu hüten, doch ging es hier um den inneren Konflikt eines Freundes und letzten Endes war es ihre eigene Entscheidung. Sie hatte es selbst gesagt, die Menschen entschieden selbst wer sie sein wollten und was sie taten. Und sie vertraute Ryld.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Freitag 13. Mai 2011, 15:06

Ryld lauschte gebannt ihren Worten. Nicht jedes Wort verstand er auf Anhieb, doch den Inhalt war ihm klar. Als sie dann den Stein offenbarte, blickte er sie erstaunt an. Er hatte geahnt, dass sie besonders war, aber dass sie eine der Kristallträgerin war, damit hätte er nicht gerechnet. Sie war voller Überraschungen.
Und Ryld spürte, dass sie ihm etwas anvertraute, was sie wohl nicht mit jeden teilte.
„ ich verstehe“
So war Miriel im falschen Glauben, dass er nicht wusste, was sie ihn eben mitgeteilt hatte. Tatsächlich war es immer wieder bei seinem Volk im Gespräch gewesen, wann man sich auf die Suche nach diesen Kristallträgern machen sollte. Für Ryld war es nicht von Interesse gewesen, so oder so, wollte man ihn nicht mit dieser Aufgabe mehr betrauen. Seine einst so gefürchtete Einheit, war fast nicht mehr existent und die wenigen die noch existierten versuchte man bei unliebsamen Aufgaben loszuwerden..
Das Einfangen von Flüchtigen war seine letzte Aufgabe für sein Volk gewesen.
„Miriel, zeige keinen den Kristall…“ flüchtig berührte er die Stelle, wo der Anhänger hing.
„so kannst du weiterem Töten entgehen. Mein Volk jagt dich…und“ seine roten Augen fixierten die ihren.
„Danke…das du es mir erzählst hast. Das Wissen bleibt bei mir, das schwöre ich dir bei Manthala“
Zärtlich strich er ihr über die Wange, dann erhob er sich mit einem Seufzen. Er streckte sich und strich sich sein weißes Haar nach hinten. Dann stand er einer Statue gleich da. Das Mondlicht spiegelte sich in seinen Augen und ein flüchtiges Lächeln umspielte seine Lippen.
“Hoffnung?“ flüsterte er mehr zu sich als zu Miriel.
Für ihn, für die beiden, für die Zukunft. Das alles hatte sich eben ergeben.
Heute hatte er mehr gewagt als in all seinen Jahren davor. Er wusste nicht genau was mit ihm geschah, doch Miriel hatte ihm Hoffnung gezeigt. Sie hatte recht mit dem was sie sagte. Es lag ganz allein an ihm welchen Weg er einschlagen würde. Und er wusste auch welcher es war.
Er hatte ihr sein Herz offen gelegt. Sein Leben sogar in ihre Hände gegeben.
Selbst wenn sie noch nicht bereit war. Es schmerzte, doch es war nichts verloren.
Er hatte Zeit und er würde warten. Sie hatte gesagt, dass obwohl er ein Dunkelelf war, er ein Teil ihrer Welt war. Sie hatte gesagt, dass es Hoffnung selbst für jemanden wie ihn gab.

So verweilten sie eine Weile. Die Nacht schritt voran und die Temperaturen sanken dementsprechend. Wenn man am Tage das Gefühl hatte sich die Haut von Leibe reißen zu wollen, so suchte man des Nachts die Wärme einer Decke.
Ryld zog sein Obergewand aus und legte es Miriel ohne ein weiteres Wort um. Seine Häbnde blieben einen Moment länger auf Miriels Armen. Er selber trug darunter eine schwarze leichte Rüstung. Sie bestand aus keinen Metal und schien ihm auf den Leib geschneidert zu sein. Sonst war er immer unter seiner Beduinenkleidung verborgen. Jetzt sah er noch eher wie ein schwarzer Schatten aus, wo sich nur auf schwarzen schmalen Schnallen Licht reflektierte. Seine weißen Haare waren ein Kontrast zu seinem Körper. Er wusste nicht was er weiter sagen sollte.
Ein Geschichtenerzähler war er nicht und sollte er Gräueltaten erzählen, die er einst getan hatte? Da schwieg er doch lieber.

Doch wie musste es für Miriel sein? Immer mehr zog sie Verbindungen zu der seltsamen Prophezeiung. Vielleicht wusste das Schicksal schon lange, dass sie auf Ryld treffen würde und ihn von der andere Seite erzählen sollte? Vielleicht war sie auch die ganze Zeit auf dem Holzweg.
Der Mond wanderte über den Himmel.
Eine Sternschnuppe sauste über das Firmament.
In Miriel gingen noch immer Gedanken umher, was sie für Ryld tatsächlich empfand. Sie vertraute ihn. Damals am See hatte sie sich sogar nach Körperlichkeit gesehnt. Sie hatte den Kuss genossen, doch konnte sich ihr Herz nicht entscheiden. Wer wusste denn, ob Kri’il nicht doch noch lebte?
Die Wahrscheinlichkeit war gering, aber es könnte sein.
Hector würde es bestimmt wissen, da er scheinbar die Tasche ihres Tochters Vater hatte.
Sie spürte eine leichte Bewegung im Sand, so ähnlich als näherte sich jemand. Ryld war rum gefahren und hatte aus dem Nichts eine schwarze Klinge in der Hand.
„Achtung!“ zischte er Miriel zu.
Jemand kam auf die beiden zu.
Es war keine der Echse.
Der Gang war nicht zu wirr wie bei Maurizius.
Und plötzlich konnte Miriel ihn sehen.
Hektor!
Wenn man vom Teufel spricht kommt er gewöhnlich.
Ryld knirschte mit den Zähnen, ließ vorsichtshalber die Klinge verborgen.
„ Ist alles in Ordnung?...“ fragte Hektor vorsichtig.
Er musterte den Dunkelelfen kritisch und blickte auf die noch immer am Boden hockende Miriel. Wie musste das Bild aussehen?
Das Ryld über sie hergefallen war?
„Euch wurde doch nichts getan?... oder ist euch etwas passiert“ Seine Stimme war fast schon zu freundlich, während er näher ran trat.
Können wir nachholen“ zischte Ryld düster.
Rylds Körper war zum Sprung bereit und man konnte sehen, dass Hektor achtsam war, was der Krieger machte.
Ob er eine Chance gegen Ryld haben würde, würde sich vermutlich früh genug noch zeigen.
„ ich habe mir Sorgen gemacht, dass ihr so lange verschwunden wart, besonders nachdem der Dunkelelf euch folgte…verzeiht, aber ich habe ebenfalls meine Erfahrungen mit euern Volk gemacht“ richtete er entschuldigend seine Worte an die beiden. Der Mann war nicht zu durchschauen, doch seine Augen waren so kalt, wie einst die Augen der Dunkelelfen, welche Miriel mordend rumlaufend gesehen hatte.
Aber was wollte er wirklich hier?
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Donnerstag 2. Juni 2011, 23:21

Es herrschte eine eigenartige Stimmung nachdem sich Miriel ihrem dunkelelfischen Begleiter anvertraut hatte. Beide saßen auf der Sanddüne, schauten zum Lager hinunter und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Die Nacht schritt voran und die Temperaturen sanken immer tiefer. Endlich regte sich Ryld und riet Miriel eindringlich, den Kristall niemandem zu zeigen.
Erzähl mir was Neues., dachte Miriel bei sich. Die Warnung des Hohen Rats war in dieser Hinsicht klar und deutlich, trotzdem war sie Ryld für seine eigene Warnung dankbar.. Ihre Entscheidung, ihn in ihr Geheimnis einzuweihen, erwies sich als richtig.
“Mein Volk jagt dich…und danke…dass du es mir erzählst hast. Das Wissen bleibt bei mir, das schwöre ich dir bei Manthala“ Er sorgte sich um sie und seine Sorge bereitete ihr ein gutes Gefühl.
„Ich weiß.“, meinte sie so leise, dass er es kaum verstand und etwas lauter: „Schon verrückt, was da mit uns passiert. Eigentlich müsste ich dich hassen, immerhin hast du uns gefangen genommen und mich dabei verletzt, doch stattdessen hatte ich ... ich weiß nicht ... ich glaube bereits von Anfang an hatte ich dieses Gefühl, dir vertrauen zu können. Nenne es wie du willst, es war einfach nur ein unbestimmtes Gefühl.“
Erneut schwiegen beide, dann stand Ryld auf und flüsterte ganz leise nur ein Wort: “Hoffnung“. Wahrscheinlich dachte er, dass es Miriel nicht hörte, aber das war nicht der Fall. Und ebenso leise wie Ryld vorher wisperte auch sie: „Ja, Hoffnung.“
Inzwischen war es fast Mitternacht und Miriel begann leicht zu frösteln, was Ryld keineswegs entging. Ohne ein Wort zu verlieren entledigte sich der Dunkelelf seines Obergewands und legte es Miriel vorsichtig um die Schultern. Die Gelegenheit nutzend ließ er seine Hände wie zufällig länger als notwendig sanft auf der warmen Haut ihrer Oberarme verweilen. Er spürte wie sich die feinen Härchen auf ihrem Arm bei seiner Berührung aufstellten. Lag es an der Kälte oder daran, dass ihr die Berührung einen leisen Schauer über den Rücken laufen ließ, er wusste es nicht, hatte nicht die nötige Erfahrung, um dies genau zu unterscheiden. Er war ein Krieger, das konnte man nun noch besser sehen, kein Liebhaber.
Wenn er wüsste was gerade in der Frau vorging, die er in seinen starken Händen hielt. Zu lang schon hatte sie die Berührung eines Mannes vermisst, viel zu lang. Schon der Kuss damals in der Oase hatte das Verlangen in ihr geschürt und nur die Angst vor ihm, weil sie ihn damals nicht einschätzen konnte, hatte sie davon abgehalten das Spiel weiter zu treiben.
Hier und jetzt war es jedoch weitaus schlimmer. Ihre Haut brannte unter seiner Berührung, sie selbst glühte und am liebsten wäre sie ihm um den Hals gefallen und hätte ihre Lippen leidenschaftlich auf die seinen gedrückt. In diesem Augenblick war sie drauf und dran Ryld in eine leidenschaftliche Umarmung zu ziehen und mit stürmischen Küssen zu bedecken. Doch der Augenblick verging und beide standen sich noch immer bewegungslos gegenüber. So sehr Miriel es auch wollte, so hielt sie etwas in ihr davon ab. Es war ihr, als würde sie Kri'il verraten.

Mit einem Blick, der Ryld um Entschuldigung bat löste sie sich aus seinen Händen und wollte es ihm erklären, da spürte sie, dass sie nicht mehr allein waren. Auch Ryld versteifte sich und zischte ihr zu, dass jemand kommen würde. Schnell traten beide ein paar Schritte auseinander und Miriel setzte sich wieder in den Sand als sie erkannten, wer da auf sie zu kam – Hektor! Dieser Kerl wahr nun wirklich der letzte, den Miriel zu sehen wünschte. Da fragte er auch schon, kaum dass er heran wahr, in seiner scheinheiligen Art, ob alles in Ordnung wäre? Am liebsten hätte sie ihm an den Kopf geworfen, dass bis eben, bevor er kam, noch alles in Ordnung war. Auch Ryld sah so aus, als wollte er ihm gleich an die Gurgel gehen, besonders als Hektor nun auch noch wissen wollte, ob ihr von dem Dunkelelfen etwas getan wurde.
Ryld zischte irgendetwas in seiner Sprache was Miriel mal wieder nicht verstand, sei Ton ließ allerdings darauf schließen, dass es nichts schmeichelhaftes war. Beinahe hätte sie gelacht, waren sie beide sich doch in bezug auf diesen Gauner recht ähnlich.
Als er dann auch noch scheinheilig beteuerte, er hätte sich Sorgen gemacht und im selben Atemzug Ryld unterschwellig beleidigte, reichte es der Erdmagierin.
„Ihr habt euch Sorgen gemacht? Wie rührend von euch. Seid gewiss Hektor, ich weiß was ich tue und kann recht gut selbst auf mich aufpassen. Eure Sorge ist also unbegründet.“
Bei ihren Worten hatte sie sich erhoben und legte nun Ryld beruhigend ihre Hand auf die seinige. Erst dann wandte sie sich erneut Hektor zu:
„Ihr könnt mir glauben, es geht mir wirklich gut. Oder war es nicht die Sorge um mich allein, die euch hier hinaus trieb? Verratet ihr mir den wahren Grund? ... Nein? ... Nun gut, ich schätze dann haben wir uns nichts weiter zu sagen.
Komm Ryld, lass uns wieder ins Lager gehen. Ich denke, wir sollten noch etwas schlafen. Die Nacht ist schon reichlich weit fortgeschritten..“
Was immer Hektor wirklich wollte, Miriel hoffte, ihn mit ihrem losen Mundwerk zu provozieren. Hoffte, ihn zu einer unbedachten Äußerung zu verleiten, mit der er wenigstens ein wenig seiner wahren Absichten zu erkennen gab. Hoffentlich erkannte Ryld ihre Absicht und hielt sein Temperament im Zaum.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 15. Juni 2011, 18:20

„Findet ihr es denn so ungewöhnlich, wenn man sich nach einer Person erkundet, weil diese in der Nacht fort schleicht?“ fragte er sie überrascht. Es schien fast so als wäre sein Stolz gekränkt, weil er sorgenvoll der schönen Frau nachgegangen war.
„ ...und dann folgt euch ein Dunkelelf, die ich nun mal als ein grausames Volk erlebt habe…und da könnt ihr mein Verhalten nicht verstehen?“
Seine Augen blickten dabei ohne zu blinzeln in die von Miriel. Eine Kälte schienen diese auszustrahlen, die selbst der Dunkelelf an ihrer Seite nicht innehatte. Es passte so gar nicht zu der gekränkten Haltung, die er gerade zeigte. Sein bis dahin noch freundlich bemühtes Gesicht, wurde jedoch das einer Schlange, als er Miriels Hand die von Ryld ergreifen sah. Nicht dass es Eifersucht war, obwohl Hektor die schöne Erdmagierin mehr als nur ansprechend fand. Er hatte nur gedacht ein leichtes Spiel mit dieser Frau haben zu können. Doch vielleicht hatte er das ganze falsch eingeschätzt. Ryld hielt sich durch Miriels Hand zurück. Das Gefühl ihrer Wärme auf seiner Haut war besänftigend und er behielt besser den Kopf.
Sie lockt ihn…warten wir es ab.
Ryld konnte diesen Mann nicht ausstehen und das aus mehr als nur einen Grund. Er versuchte sich an Miriel ranzumachen und er wollte ihr schaden. Und so was würde der Krieger nicht zu lassen.
Er nickte Miriel zu, dass er sie verstanden hatte.
ich pass auf“ murrte er und hoffte dass sie seine Worte nicht als Drohung, sondern die Bedeutung der Worte verstand. Er hoffte, das er sie gut genug in seiner Sprache unterwiesen hatte. Doch vorsorglich drückte er sanft ihre Hand in der seinen. Eines Dunkelelfen ungewöhnlich sanfte Berührung, wie er selber empfand.
Das Duell, welches die beiden Männer ausfochten, war zu sehen und zu spüren.
Und dann schien sie etwas zu tun. Gerade wollten sie gehen und Ryld war kurz davor seinen Zauber aufzulösen.
Spielerisch erstaunt und ohne es auch nur verbergen zu wollen, legte Hektor sich die Hand auf die Brust. Vielleicht hatte er einfach genug. Miriel würde ihn nicht vertrauen und Ryld schien sie nicht aus den Augen zu lassen.
„ es wurde sich scheinbar die falsche Person vorgeknüpft“ Sprach er seine Gedanken diesmal laut aus.
Miriel hatte es geschafft, er ließ sich tatsächlich provozieren.
Ryld, noch eben ruhig, fuhr energisch herum. Er ließ die Hand der Magierin jedoch nicht los. Wohl unbewusst darauf hoffen, dass sie ihn vor etwas Törichten bewahrte. Mit einer Miene der Entschlossenheit, ballt er die freie andere Hand. Schwarze Schlieren entstanden aus dem Nichts heraus. Die Schattenklinge war lebendig geworden und schnellte vor. Wie lebendig gewordener Nebel umfing diese Wolke der absoluten Schwärze Hektor.
Ein Keuchen war deutlich zu vernehmen und ein Gefühl das sich einem die Nackenhaare aufstellten.
Doch so schnell es entstanden ist, verschwand es wieder. Die Hand an seinem Hals keuchte Hektor. Jede Farbe war aus ihm gewichen, als hätte er den leibhaftigen Gevatter Tod gesehen.
„ Es wäre mir ein leichtes dich zu vernichten“ sprach der Dunkelelf dabei ziemlich ruhig. Jedoch konnte Miriel an seiner Hand spüren, dass er nicht wirklich ruhig war. Er zitterte vor Anspannung.
Er spielte ihr Spiel mit und täuschte an.
Von dem Zauber war nichts mehr zu sehen und zu spüren, als wäre es nur eine kalte Böe der ausklingenden Nacht gewesen. Ryld hielt sich zurück. Würde Miriel ihn bitten, würde er diesen Mensch ohne Gnade dazu bringen alles zu erzählen.
Hektor sah den Dunkelelf mit grimmigem Hass an und dann passierte es.
„ Verfluchter Bastard!....Ich werde dabei zusehen, wenn dir mein Herr die Haut vom Leibe zieht. Glaubst du wirklich, du könntest sie beschützen, dass dachte der andere Elf auch...“
Er stockte.
Zuviel war ihm über die Lippen gekommen. Erst Miriels raffinierte Wortwahl, jetzt der Angriff von dem Dunkelelfen.
Ryld blickte zu Miriel. Er verstand nicht alles, doch konnte er merken, dass es hier um den einen Mann ging, der wohl Miriels Geliebter gewesen war. Wieder dieser seltsame Schmerz in seiner Brust, doch trat er etwas von Miriel zur Seite. Dies sollte ihre Entscheidung sein.
„ Wenn du es tust, gibt es kein zurück“ sagte sein Blick.



OT. sorry, der post ist etwas knapp geworden, nächstes Mal wird es wieder besser!
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 26. Juni 2011, 21:34

Es hatte zu Miriels Bedauern zuerst nicht den Anschein, als würde sich Hektor provozieren lassen. Ryld hatte zwar erkannt, was ihre Absicht war und verhielt sich dementsprechend, aber Hektor ging mit keiner Silbe darauf ein. Lediglich eine fadenscheinige Rechtfertigung dafür, warum er ihnen nachgeschlichen war kam über seine Lippen. Vielleicht war es auch gut so, denn Miriel war sich, nun, da sie ihm den Rücken zukehrte, nicht mehr sicher, ob sie wirklich Gewissheit haben wollte. Deswegen war sie auch ganz froh, als Ryld zögernd seine Magie auflöste und wollte schon mit ihm gemeinsam zum Lager zurück gehen, als auf einmal doch noch Worte zu hören waren:
„Es wurde sich scheinbar die falsche Person vorgeknöpft.“ Mitten in der Bewegung verharrte Miriel, blieb förmlich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Nein, noch hatte er es nicht gesagt. Noch hatte er nur bestätigt, dass Kri'il Sorenus in die Hände gefallen war. Nicht jedoch, dass er tot war, dass er nie mehr zu ihr zurück kommen würde. Wenn sie jetzt weiter ging würde sie die wohl bittere Wahrheit nicht erfahren, würde sie sich den kleinen Funken Hoffnung erhalten. Aber blieb sie stehen, gab es kein zurück, denn es bedurfte nur noch eines kleinen Anstoßes damit Hektor endlich alles Preis gab.

Noch zögerte sie, war unentschlossen, ob sie es nun wissen wollte oder nicht. Und während sie noch mit sich haderte war es Ryld, der ihr die Entscheidung abnahm. Es waren nicht die Worte, die seinen Zorn entfachten, es war der abfällige Ton, in dem sie von Hektor gesprochen wurden.
Ryld fuhr jedenfalls auf dem Absatz herum und entfachte mit ungezügelter Wut seine Magie. Einzig die Tatsache, dass er seine Hand in der Miriels ruhen ließ bewahrte Hektor davor, sofort in Stücke gerissen zu werden. So umfing ihn lediglich die Schwärze der Schattenklinge, schnürte ihn ein und drückte ihm mehr und mehr die Luft ab. Sein Keuchen zeugte davon, dass er nur noch schwer Luft bekam. Miriel blieb von alledem völlig unberührt. Sie stand einfach nur bewegungslos da, ganz so als würde sie Hektors Worte noch immer verarbeiten. Lediglich der sanfte Druck ihrer Hand zeigte Ryld, dass sie nicht wollte, dass er sich an Hektor die Finger schmutzig machte. So schnell wie er entstanden war, so schnell löste Ryld den Zauber, nicht ohne Hektor mit kaltem Blick darauf hinzuweisen, dass es ihm ein leichtes wäre, ihn zu vernichten.

Miriel sah nicht, was in ihrem Rücken vor sich ging, konnte es sich aber lebhaft ausmalen. Ihre scheinbare Ruhe und Rylds plötzlicher Rückzug brachten Hektor dazu, keuchend und krächzend aufzulachen. Die Situation völlig missverstehend interpretierte er die Reaktion des Dunkelelfen und der Erdmagierin völlig falsch als Schwäche. Mit irrem Lachen rief er daher hasserfüllt:
„Verfluchter Bastard!....Ich werde dabei zusehen, wenn dir mein Herr die Haut vom Leibe zieht. Glaubst du wirklich, du könntest sie beschützen, dass dachte der andere Elf auch...“
Das war endgültig zu viel für Miriel. Zu wissen, dass Hektor mit für Kri'ils Verschwinden verantwortlich war und trotzdem ruhig zu bleiben hatte sie bis jetzt alle Kraft gekostet. Doch nun, da er mehr oder weniger zugab, dass ihr Geliebter wirklich tot war, brach sich ihre Wut und ihr Hass mit aller Macht Bahn. Ryld hatte ihre Hand noch nicht richtig losgelassen, da wirbelte sie mit einem Aufschrei herum. Ihr Blick war mörderisch und von einer Eiseskälte wie ihn Ryld in all der Zeit noch nie an ihr gesehen hatte. Dumpf drangen ihm ihre Worte von vorhin, auch sie hätte schon gemordet, ins Bewusstsein. Bis gerade eben konnte er es sich beim besten Willen nicht vorstellen, nicht bei Miriel. Doch nun, dieser eiskalte, mörderische Blick! Ihm wurde schlagartig klar, dass sie tatsächlich nicht so sanftmütig war, wie er bislang geglaubt hatte.
Miriel indes ließ bereits in ihrer Drehbewegung den Sand unter Hektor absinken, so dass dieser in das entstandene Loch fiel. Noch im Fallen brachte sie den Sand dazu in das entstandene Loch zu stürzen, so dass Hektor bis zum Hals darin begraben wurde.

Zornbebend stand sie vor ihm und zischte: „Dieser Elf war nicht mein Beschützer! Dieser Elf war mein Geliebter, der Vater meiner Tochter und ihr habt ihn mir genommen! Dafür ... Mensch ... werdet ihr bezahlen!“ Ein zorniger Tritt und eine Sandwolke flog in die Luft, die von der hasserfüllten Erdmagierin zu einem Brocken festen Felsgesteins verdichtet wurde, welcher schließlich über Hektors Kopf in der Luft schwebte. Sie musste nur noch ihre Magie auflösen und Hektor wäre Geschichte.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 6. Juli 2011, 16:56

Es musste geschehen. Es war vorzusehen. Egal wie lange sich die schöne Erdmagierin sich auch beherrscht hatte, jetzt war es vorbei. Die Erde hatte sofort auf ihren Befehl reagiert. Hektor versank im Sand.
Preisgeben ihrer Wut. Der Tod sollte durch Miriels zutun diesen Mann ereilen. Die Trauer und Wut hatte sich bei Miriel entladen. Ryld war erstaunt.
Nie hätte er so eine Kraft in ihr geahnt. Natürlich hatte er sie üben sehen, aber dass. Selbst seine Schatten waren nie so impulsiv wie das.
Nie hätte er so einen Zorn in ihr erwartet oder gesehen. Doch so gut kannte er sie immerhin auch nicht. Er wusste nicht, wie es war, dass Liebste zu verlieren. Doch er war es langsam am begreifen. Ihre Verzweiflung und der Schmerz rammten selbst ihm einen Dolch ins Herz. Sie hatte diesen anderen Mann geliebt. Etwas was er gerade war, sich selber ihr gegenüber einzugestehen.
Wut und Zorn war ihm bekannt. Sein ganzes Volk war schon immer so gewesen. Doch Ryld wusste auch, dass dies Gefühle waren, die einen leicht verschlangen. Nicht umsonst wurde man in seinem Volk nicht alt. Entweder starb man durch die Hand eines anderen oder der eigene Zorn brachte einen unwissend den Tod.
Er sah die Augen von Hektor die vor Angst weit aufgerissen waren. Fast hatte man das Gefühl gleich würden sie aus seinen Schädel quellen. Mitleid empfand der Dunkelelf nicht mit ihm.
Ihre Verzweiflung verstand er.
Genauso hatte er auch früher reagiert. Aber jemand wie dieser Hektor müsste eher einen langsamen Tod erleiden. Im Sand verbuddelt lassen, die Sonne ihre Kraft entfalten und ihn von Ameisen langsam fressen lassen.
Ryld konnte sogar noch eine andere Methode, die er aus der Natur selber hatte.
Es gab Insekten die legten sogar ihre Einer in noch lebende Körper, sodass sich die Larven an dem frischen Fleisch satt fressen konnten. Ryld hatte es schon mal gesehen. Es hatte ihn irgendwie fasziniert, wie das Wesen bei lebendigem Leibe verspeist worden war und anschließend waren wunderschöne libellenähnliche Geschöpfe aus dem Körper geschlüpft. Leider hatte er solche Larven nicht hier, diese lebten an anderen Orten.
Doch Miriel war keine Larve, die sich nach vollbrachtem Tod in eine Libelle verpuppen würde.
Würde sie diesen Mann in Hass töten, so würde es ihr immer leichter fallen. Und Ryld wusste das nur zu gut. Auch wenn sie ihren Zorn gestillt hätte, würde sie etwas in ihrem Inneren fressen und sie von innen zerstören. Es war nach einem Mord nie so, als wenn es keine Spuren hinterließ und man freier war als zuvor. Ryld hatte es damals auch gehofft, als er seinen Ausbilder ermordete. Nein, der Blick des stolzen Mannes hatte sich selbst in die Seele seines dunkelelfischen Lehrlings gebrannt. Deswegen töteten viele ungern, wenn das Opfer einen ansieht.
Er trat ohne sein Zutun vor und ergriff Miriels am Arm.
Er wollte sich nicht einmischen, aber etwas riet es ihm. Eine Stimme nicht mal vor langer zeit.
„Du entscheidest welche Seite du wählst“
Natürlich hatte sie ein Anrecht auf Rache. Aber hatte nicht gerade sie ihm nicht vor kurzem erzählt. Er kann sich selber entscheiden, ob er wie sein Volk sein wollte.
Selbst wenn er dies nicht verhindern konnte, wäre er für sie da. Obwohl er vermutete das sie irgendwann daran zerbrechen würde.
„Miriel! dein Geist ist vernebelt von Zorn. Im Kampf zu töten ist eine Sache, aber dies wäre Mord. Er hat es verdient und ich würde es gerne für dich tun, aber du solltest ihm nicht diesen Wunsch erfüllen. Du solltest deiner Tochter etwas Besseres lehren. Wenn sie dich mal später fragt, dann kannst du ihr mit ruhigem Gewissen erzählen, dass du nicht wie er warst. Zeige ihr nicht die Mörderin, sondern dass du ein Mensch bist…kein Monster. Miriel, komm zu dir“ dass Ryld plötzlich in die Allgemeinsprache seine Gedanken laut kund tat, hatte er nicht bemerkt. Seine Worte waren ruhig und sachlich. Jetzt da er nicht darüber nachdachte, fand er die Worte viel besser. Die Hand weiterhin an ihrem Arm.
Ryld schob sich zwischen Miriel und Hektor.
Seine roten Augen waren dunkel, das Licht der Sonne malte sie leicht braun.
Eine Hand an ihren Schultern. Die andere griff behutsam ihr Kinn, so dass sie ihn ansehen musste. Einen Widerspruch ließ er nicht zu.
„Hör mir zu, werde kein Monster. Es ändert nichts, verstanden? Denk an deine Tochter“ Entweder helfe ich ihr damit oder sie wird mich dafür hassen, dass ich sie zurück gehalten habe. Doch das Risiko ging Ryld ein.
Hektor selber realisierte die Worte nicht. Sein Blick hing an dem Felsen, so wie sein Leben am Faden hing.
Die Zeit schien still zu stehen.

Die ersten Sonnenstrahlen ergossen sich langsam über den Sand. Vertrieben die Kühle der Nacht. Geräusche, dass Leben ins Lager kam, wurde durch den Wind getragen. Die Echsen machten sich bereit. Das klägliche Weinen eines Säuglings hallte herüber. Hunger!
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Miriel Lefay
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Samstag 16. Juli 2011, 23:26

Sekundenlang schwebte der Fels über Hektors Kopf. Noch wurde er von Miriel gehalten, doch Ryld konnte sehen, dass sie kurz davor war, den Fels fallen zu lassen. Scharf beobachtete er die Erdmagierin, schaute konzentriert in ihre Augen. Er wusste, dass er an ihren Pupillen erkennen konnte, wann der Zeitpunkt zum Handeln gekommen war. Es waren genau diese Sekunden, in denen sich Miriel für oder gegen den Weg zur Mörderin einschlagen konnte. Dann endlich war es soweit. Für einen kurzen Moment weiteten sich Miriels Pupillen und Ryld wusste, dass sie sich für Hektors Tod entschieden hatte. Mit einem panthergleichen Satz warf er sich im selben Augenblick zwischen den angstvoll auf Miriel schauenden Hektor und die Erdmagierin.

Müsste Miriel sich gegen Hektor verteidigen, Ryld würde seelenruhig zuschauen, wenn sie Hektor dabei tötete, doch das hier war eiskalter Mord an einem Wehrlosen. Er musste verhindern, dass Miriel sich von ihrem Zorn und ihrer Rache zu etwas hinreißen ließ, was sie später mit Sicherheit sehr bereuen würde.
Seine Aktion bewirkte indes zweierlei. Zum einen wurde Miriel abgelenkt und richtete ihre Aufmerksamkeit ungewollt auf Ryld, was Hektor wiederum einen kleinen, wenn auch ungewissen Aufschub bescherte. Zum anderen richtete sich Miriels Zorn von Hektor auf Ryld.
Eine Augenbraue nach oben ziehend maß sie den Dunkelelfen mit feuersprühendem Blick und knurrte unwillig:
„Was soll das? Wieso stellst du dich mir in den Weg? Tritt augenblicklich beiseite und lass mich meine Rache vollenden!“
Auch wenn er wahrscheinlich gerade dabei war, die Zuneigung Miriels zu verspielen, ergriff er ihren Arm, schüttelte den Kopf und entgegnete:
„Miriel, du entscheidest welche Seite du wählst“
„Sehr richtig Ryld. Ich entscheide! Nicht du! Also geh mir aus dem Weg!“ Ihre Stimme war ebenso kalt wie vorhin bei Hektor, ihr Blick mit unnachgiebiger Härte auf Ryld gerichtet.
Dem Dunkelelfen dämmerte, dass dies schwerer werden und ihn all das, was er bislang gewonnen hatte kosten würde. Trotzdem war er bereit, sie mit aller Kraft von dem verderblichen Weg, den sie einzuschlagen drohte, abzubringen. Statt ihr den Weg frei zu geben, trat er nun ganz dicht vor sie und sprach eindringlich, aber einfühlsam auf sie ein:
„Miriel! dein Geist ist vernebelt von Zorn. Im Kampf zu töten ist eine Sache, aber dies wäre Mord. Er hat es verdient und ich würde es gerne für dich tun, aber du solltest ihm nicht diesen Wunsch erfüllen. Du solltest deine Tochter etwas Besseres lehren. Wenn sie dich mal später fragt, dann kannst du ihr mit ruhigem Gewissen erzählen, dass du nicht wie er warst. Zeige ihr nicht die Mörderin, sondern dass du ein Mensch bist…kein Monster. Miriel, komm zu dir“
Als sie keine Reaktion zeigte, ihn nur stumm und wütend ansah überbrückte er auch noch den letzten Rest an Distanz zu ihr und flehte sie fast schon an: „Hör mir zu, werde kein Monster. Es ändert nichts, verstanden? Denk an deine Tochter“
„Es reicht Ryld!“ Wie Peitschenhiebe knallten diese drei Worte auf ihn ein. Geschlagen sah Ryld zu Boden, als sich der Sand auf dem er stand bewegte und er langsam zur Seite glitt. Es war vergebens, seine Worte waren nicht zu ihr durchgedrungen, hatten ihr Herz nicht erreicht.

Die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages sollten die letzten sein, die Hektor jemals sehen würde. Ihre Handflächen leicht nach unten stoßend entließ Miriel den Felsbrocken aus ihrem Griff. Seines Halts beraubt stürzte dieser der Schwerkraft folgend nach unten. Drei Schreie erklangen gleichzeitig, drei Schreie wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, Hektors letzter Schrei im Angesicht des unvermeidlichen Todes, Rylds gequälter Aufschrei, weil er versagt hatte und der Schrei eines hungrigen Säuglings.

Was darauf folgte ging so schnell, dass Ryld später nicht zu sagen vermochte, was der eigentliche Auslöser war. Die drei Schreie waren noch nicht richtig verklungen, da gab es einen ohrenbetäubenden Knall und jede Menge herumfliegende Steinsplitter. Von dem Felsen, der eben noch auf Hektor zu fallen drohte, war nichts mehr zu sehen. Nur wenige Handbreit über seinem Kopf hatte Miriel ihn in eine herumfliegende Staub- und Gesteinswolke verwandelt.
So wie eben noch die Schreie, konnte Miriel nun das gleichzeitige Aufatmen Rylds und Hektors hören. Was immer Miriels Sinneswandel ausgelöst hatte, Ryld war es egal. Für ihn zählte nur, dass SIE es nicht getan hatte.
Nicht weniger kalt als vorher sah Miriel zu Hektor, der jetzt irre zu lachen anfing, drehte sich schließlich von ihm weg und ging, ohne ihn aus dem Erdloch zu befreien, zum Zeltlager zurück. Auf Rylds Höhe blieb sie kurz stehen, sah ihm noch immer zornig in die Augen und zischte wütend:
„Du hattest recht. Aber! Stell dich nie ... nie wieder zwischen mich und meine Rache!“
Ryld nickte nur, sah zu Hektor zurück und wollte gerade Fragen was mit ihm werden sollte, doch Miriel, die seinem Blick folgte kam seiner Frage zuvor.
„Was mit ihm wird ist mir egal. Von mir aus kann er im Sand verrecken. Ich konnte es am Ende doch nicht tun, soll das Schicksal über ihn entscheiden.“
Wieder nickte Ryld, diesmal allerdings mit einem angedeuteten teuflischen Grinsen. Dass sie Hektor seinem Schicksal überließ war ganz nach dem Geschmack des Dunkelelfen. Den im Sand gefangenen und nun wieder vor Angst tobenden Hektor voller Genugtuung angrinsend, drehte sich Ryld nun ebenfalls weg und folgte Miriel die Sanddüne hinab zum Lager. Dort unten war man inzwischen die Vorgänge auf der Düne aufmerksam geworden, denn mehrere Echsen kamen ihnen entgegen gelaufen.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. Juli 2011, 22:34

Hektor brauchte mehrere Minuten bis er sein Schicksal begriff. Ryld und Miriel ließen ihn zurück. Sich selber zu befreien, würde fast unmöglich sein. Und Gnade konnte er nicht erwarten. Er hatte sich reizen lassen. Durch den Dunkelelfen und durch dieses Weib, jetzt musste er dafür gerade stehen.
„Wartet“ rief er ihnen hinterher, doch es stieß auf taube Ohren. Zu weit waren sie entfernt.
Nicht interessiert ihn zu befreien.
Die Frau war mächtig in ihrer Magie. Der Dunkelelf stand ihr zu Seite und war ebenfalls nicht zu unterschätzen.
Das Volk der Dunkelelfen war bekannt, dass es gefährlich war.
Sein Herr hatte die Lage unterschätz, soviel stand fest.
Die Sonne stieg langsam höher.
Sie brannte umbarmherzig. Jedes Lebewesen verkroch sich um nicht der sengenden Hitze ausgeliefert zu sein.
Durst machte sich breit.
Die noch anfänglichen vergeblichen Mühen sich zu befreien, hatte er aufgegeben. Nun hoffte Hektor nur schnell den Tod zu finden. Er hatte Geschichten gehört, wo Menschen am lebendigen Leibe von Tieren gefressen worden. Ameisen.
Lass es schnell gehen…halt
Der plötzliche Gedanke ließ ihn aus dem Hitzetaumel wach werden.
Fast wäre es ihm entgangen. Wieder lachte er dem irrsinnig auf.
Die Hitze brachte seinen Kopf zum kochen. Ohne Schutz war man schnell des Wahnsinns.
„Ich brauche deine Hilfe“ krächzte er heißer hervor. Die Lippen sprangen auf und waren blutig. Sie zu befeuchten brachte keine Linderung. Außerdem fehlte ihm dafür schon der Speichel.
Ein Schatten legt sich über ihn. Hochschauen vermochte er nicht. Die Sonne blendete.
Düster und kalt, vertrieb der Schatten alle Wärme. Noch gerade zuvor am lebendigen Leibe geröstet, begann er nun zu frösteln.
„Ich…gehorche, …Herr“



Von dem Geschehen bekamen jedoch Ryld und Miriel nichts mit. Dies ereignete sich erst viel später am Tag, als sie weiter gezogen waren.
Ryld folgte Miriel. Ihm war bewusst, dass er sich wohl alles verspielt hatte, was er aufgebaut hatte. Der Klumpen in seiner Brust würde sich vermutlich nicht mehr lösen. Das sich entwickelnde Gefühl würde wohl ebenso vergehen, wie der Schmerz wenn man die Peitsche fühlte.
Aber irgendwie war er froh. Froh, dass Miriel tatsächlich nicht zu den Monster geworden war.
Ihr Blick hatte ihm jedoch deutlich gemacht, dass sie es nicht noch einmal dulden würde, wenn er sich gegen ihren Zorn stellen würde.
Ein Ausdruck der Respekt bei ihm hervorrief. Einen ähnlichen Respekt, den er auch bei Frauen seines Volkes oft verspürte. Der Unterschied war nur, sein Volk zeigte dabei Aroganz, Miriel nicht.
Er schritt ein paar Schritte hinter ihr.
Vermutlich würde sie ihm jetzt ignorieren, doch das verstand er. Er würde ihr den Abstand lassen.
Miriel, ich schütze dich weiterhin…das schwöre ich dir, auch von dir selbst
Den Mann zurück zu lassen empfand Ryld als richtig.
Der hatte einen weit schlimmeren Tod verdient.
Doch das sollte wenigstens ihre Rache sein. So nickte er nur und folgte ihr.

Die zwei Echsen, welchen ihnen entgegen kamen, blickten sie fragend an.
Das dort hintem im Sand noch jemand war, ignorierten sie oder sahen es nicht. Es war die Erdverbundene, deren Handeln würden sie nicht in Frage stellen. So blickten sich stumm an, die Mienen waren nicht zu deuten und folgten ihnen zurück.
Im Lager wurden sie schon begrüßt.
„Wo wart ihr Kinder nur! Die kleine Maus hat Hunger!“
Maurizius war sichtlich erleichtert, dass er das hungernde Kind an die Mutter weitergeben konnte. Man konnte fast meinen, dass er alte Mann es bedauerte, dass Kind nicht selber stillen zu können. Er betüdelte sie sonst immer.
Ryld wich Miriel in den nächsten tagen aus. Nachts wachte er über sie und manchmal konnte sie auch seinen seltsamen Gesang hören. Tags über überließ er seinen Skorpion ihr und wich ihr aus. Natürlich wirkte es immer so, als wenn er beschäftigt wäre.
Zwei Tage ging das so.
Sie wanderten weiter über die Dünen.
Am dritten Tag geschau es. Miriel konnte plötzlich ein Summen spüren.
Ein Gefühl der freudigen Erwartung.
Es war gerade mittags, als es geschah.
Eine Echse deutete Miriel ihr zu folgen.
Die Anführerin kniete neben Maurizius, der wild im Sand Muster zeichnete. Die Anführerin der Echsen blickte zu den beiden Neuankömmlingen.
„Der Prophet…noch bevor die ersten Strahlen der Sonne sich zeigten, huschte er herum. Selbst ich kann ihn nicht deuten“
Tatsächlich sah Maurizius wirrer als in all der Zeit aus, die Miriel ihn kannte. Ständig huschte er von einem Fleck zum nächsten.
„Dunkelheit…nicht gut…gar nicht gut…ich habe es ja gewusst“ er blickte zu Miriel, dann zu Ryld.“
„..noch nicht jetzt…weiß wird schwarz, schwarz wird grau, weiß wird grau…alles gleich und doch anders….viel zu früh… sag mal, wo bei allen Göttern, wie soll man denn seine Notizen finden“ er setzte sich in den Sand, malte Kreise und wirkte fern von allen.
„ Die Dunkelheit zieht sich über Land, vieles wird sich ändern, alles wird fallen…Die wahren Kräfte müssen gefunden werden. Jetzt das sie den Sand ruft, muß sie es finden…ich bin zu alt dafür, jaja…du kannst das sagen…ich bin nur dein Gefäß, oder?“
Ryld verzog das Gesicht. Jetzt war der Kautz wirklich übergeschnappt.
„ Miriel!“ entfuhr es plötzlich Maurizius und sprang in ihre Richtung.
„Kindchen, ich weiß du hast viel durchgemacht…aber folge den Stimmen. Ich mein es gut…aber du wirst mich irgendwann hassen und dann wirst du mich versteh…eigentlich versteh ich mich selber nicht, aber egal…der Tempel ist hier“ Er zeigte mit den Finger in die Luft und stieß ihn in den Boden.
„Ganz einfach , oder?...wir müssen ihn nur ausgraben“
Die Logik in diesen Worten wirkte wie blanker Hohn.
Er grinste sie dabei wie ein seniler alter Mann an.
„ Es hat sich mir offenbart, als die Erde plötzlich durch die arkanen Ströme deiner Kraft geweckt wurden…das ich nicht vorher darauf gekommen.“
Wirrer als jä zuvor, wurde Ryld endgültig damit überfordert. Vermutlich würde es Miriel ähnlich gehen. Obwohl er selber spürte, dass hier etwas geschah.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Samstag 6. August 2011, 15:35

Die beiden Echsen, die ihnen aus dem Lager entgegenkamen schauten der Erdmagierin und dem Dunkelelfen fragend entgegen, bekamen aber keine Erklärung. Ryld hatte keine Veranlassung, die beiden auf Hektor aufmerksam zu machen. Seiner Meinung nach war es nur recht und billig, dass der Kerl im Sand verschmachtete. Und Miriel? Nun, der war es diesmal auch egal. Zu einer anderen Zeit, früher, als sie noch vorbehaltlos daran glaubte, dass in jedem Menschen irgendwo ein guter Kern stecken würde, da hätte sie Mitleid mit Hektor gehabt und Gnade walten lassen. Aber die Zeit und die Geschehnisse hatten die einst so sanftmütige Frau verändert, hatten sie härter und kälter werden lassen. Die Miriel von einst existierte nicht mehr und der heutigen Miriel war das Schicksal dieses Lumpen dort oben im Sand völlig egal. Er verdiente es, das war alles was sie interessierte.
So kam es, dass die beiden Echsen dem ungleichen Paar ins Lager folgten und Hektor damit endgültig seinem Schicksal überlassen wurde. Möge seine finstere Seele von Faldor gefressen werden., war alles was Miriel für den einsam im Sand zurückbleibenden an Gedanken übrig hatte.

Im Lager kam ihnen als erstes Maurizius entgegen, der sie recht lautstark begrüßte und mit leichtem Vorwurf wissen wollte wo sie denn waren, weil Toireasa Hunger hätte. Ryld versuchte den alten Magier durch leichtes Kopfschütteln darauf aufmerksam zu machen, dass Miriel im Moment nicht in der Stimmung für Vorwürfe oder Diskussionen wäre, doch wie immer ließ sich Maurizius nicht abhalten. Ryld zuckte daher nur mit den Schultern und kümmerte sich nicht weiter um den Alten. Sollte er doch zusehen, wie er Miriels „guter Laune“ entkam.
Maurizius hatte Glück und der Kelch ging noch einmal an ihm vorüber. Miriel hatte sich inzwischen an seine Marotten gewöhnt. Sie nahm ihm ihren kleinen Sonnenschein mit einem, nur für Ryld sichtbaren, gequälten Lächeln ab und zog sich zum Stillen in ihr Schlafzelt zurück. Während die Erdmagierin ihre Tochter versorgte, packte Ryld bereits ihre Sachen zusammen und Maurizius kümmerte sich um ihr Frühstück. Später dann zog der Tross weiter, einen dem Tod geweihten Mann allein im Sand zurücklassend.

Die nächsten Tage vergingen immer im selben Trott, ohne dass sich etwas Erwähnenswertes ereignet hätte. Ryld wich Miriel wo es nur ging aus, lediglich den Sprachunterricht mit ihr führte er weiter. Mit jedem Tag wurde Miriels Lerium besser, aber auch Rylds Celcianisch machte erhebliche Fortschritte. Aber auch Miriel beschränkte den Kontakt zu Ryld nur auf die Sprachstunden. Sie wusste, dass sie dem Dunkelelfen Unrecht tat, fand aber nicht den Mut, ihn um Verzeihung zu bitten. Dass sie ihn so harsch angefahren hatte, lag nicht, wie Ryld fälschlicherweise vermutete, daran, dass er sich ihr in den Weg gestellt hatte. Es war eine rein gefühlsmäßige Reaktion darauf gewesen, dass Ryld in diesem Moment ebenso gehandelt hatte wie es Kri'il getan hätte. Es war einfach, weil Ryld in diesem Moment ihrem Liebsten so sehr ähnelte. Auch er hätte sich ihr in den Weg gestellt und Hektor lieber selbst getötet, nur um sie vor etwas derart schrecklichem zu bewahren. Die Erkenntnis, wie ähnlich sich die beiden Männer doch waren, warf sie völlig aus der Bahn und sie musste sich erst wieder fangen. Tja, und Maurizius wunderte sich, warum zwischen den beiden, nachdem sie sich in der letzten Zeit näher gekommen waren, nun auf einmal wieder so eine Distanz herrschte.

Dann, am dritten Tag nach den Geschehnissen um Hektor, war etwas anders als die Tage vorher. Eine eigenartige Stimmung hatte den Tross erfasst. Gegen Mittag machte die Karawane unerwartet halt. Dies war an sich schon außergewöhnlich, da sie bisher nie am Tag halt gemacht hatten. Miriel, die wie immer gemeinsam mit Ryld auf Curouch saß schaute den Dunkelelfen ebenso fragend an wie dieser sie selbst.
„Weißt du was da los ist?“ Doch Ryld schüttelte noch den Kopf. Als dann eine der Echsen kam und Miriel bat ihr zu folgen, wurde die Sache noch mysteriöser. Was die Nomaden diesmal wohl von ihr wollten? Von Ryld begleitet, denn der ließ Miriel natürlich nicht aus den Augen, folgte sie der Echse bis zu ihrer Anführerin, die neben Maurizius im Sand kniete. Der alte Magier zeichnete unaufhörlich irgendetwas in den Sand und murmelte seltsame Worte vor sich hin. Die Anführerin der Nomaden indes schien ebenso ratlos wie Miriel und der Dunkelelf.
„Ich hab den alten Zausel ja nie verstanden.“, meinte Ryld verwirrt, „Aber jetzt dreht er völlig durch. Oder verstehst du was er will?“ Miriel zuckte nur mit den Schultern. Es hatte mal wieder irgendwas mit dieser selten dämlichen Prophezeiung zu tun, so viel war ihr klar, aber was genau? Wer konnte schon sagen, was in Maurizius Kopf vorging.
Plötzlich sprang er auf und sprang auf Miriel zu. Dabei faselte er irgendwas von einem Tempel im Boden und sie müsse auf die Stimmen hören. Gut, er sagte noch mehr, aber das ergab noch weniger Sinn als das vorherige. Wie kam er denn auf die Idee, sie würde ihn hassen?
„Wovon redet er nun schon wieder? Das macht doch alles keinen Sinn!“, raunte Ryld ihr von hinten ins Ohr. „Nein Ryld!“, ohne darüber nachzudenken griff Miriel nach seinem Arm und umklammerte ihn. „Nein, es macht Sinn. Zumindest zum Teil verstehe ich was er will. Der Tempel ... Ryld .... der Tempel, den du in deiner, ... in deinem Traum gesehen hast ... er ist hier.“
Ruckartig drehte sie sich zu ihm um und traf auf seinen erstaunten Blick, der wie gebannt an ihrer Hand hing, die seinen Arm umklammert hielt. Verlegen errötend ließ sie ihn sofort wieder los. Erst jetzt sah Ryld zu ihr auf, glücklicherweise hatte sich ihre Gesichtsfarbe bereits wieder normalisiert. Dafür schien Ryld, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, nun auch an ihrem Verstand zu zweifeln, was sich sogleich bestätigte:
„Der Tempel? Hier? Und warum sehe ich dann nichts?“
„Weil er unter dem Sand begraben ist. Genau an dieser Stelle hier. Zumindest scheint Maurizius davon überzeugt. Jetzt ergibt es auch einen Sinn, warum die Nomaden mich, oder besser gesagt eine Erdmagierin oder einen Erdmagier, erwartet haben. Der Tempel muss erst freigelegt werden und das geht mit Magie am schnellsten. Warte, ich zeig es dir.“

Mit ein paar einfachen Gesten machte sie den Echsen klar, dass sie sich zurückziehen sollten. Erst als im Umkreis von vielleicht fünfzig Schritt niemand mehr war konzentrierte sie sich auf ihren Kristall und ließ ihre Magie fließen. Schicht um Schicht schob sie mitkreisenden Handbewegungen den Sand nach außen bis nach etwa 50 Fuß in der Tiefe die Spitze eines Turms oder auch einer Pyramide auftauchte.
„Siehst du Ryld,“, rief sie aus dem Krater heraus nach oben, „die Spitze des Tempels.“ Die Arbeit hatte sie allerdings derart angestrengt, dass sie völlig erschöpft auf den Boden sank. Toireasa, die im Tragetuch auf Miriels Rücken steckte fand das alles hingegen absolut toll und spielte mit ihren aus dem Tuch herausragenden Füßen im Sand auf dem Miriel nun saß.
„Für den ganzen Tempel reichen meine Kräfte bei weitem nicht.“, murmelte die erschöpft zu Ryld und Maurizius, die gemeinsam mit den Echsen zu Miriel in das Loch gestiegen kamen. „Allein werde ich Tage dafür brauchen. Kannst du mir nicht helfen Maurizius?“
Sie erinnerte sich daran, wie der alte Magier am ersten Tag in dieser Wüste Wasser aus dem Sand gezaubert hatte. Vielleicht konnte er ihr auch hierbei helfen.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Dienstag 16. August 2011, 16:14

Es lag wirklich daran, dass Miriel Maurizius inzwischen so gut kannte. So wusste sie gleich was er ihr mitteilen wollte. Das der alte kauzige Magus so verwirrenden und ungewöhnlichen Aussagen neigte, kannte sie nur zu gut. Es war immerhin schon lange her, dass er wieder klare Momente hatte. Ryld war sich nicht mal sicher, ob es diese Momente wirklich je gegeben hatte. Der Magus war seit dem ersten Tag seltsam gewesen. Dem Wahnsinn näher als manch andere Person.
Doch Miriel zeigte gleich, was sie zu der Erdverbundene machte. Ihre Kräfte strömten nur so durch sie hindurch und die Echsen verneigten sich.
Ryld staunte über ihre Macht und auch Stolz mischte sich in seine Gefühle. Er hatte zwar selber geglaubt, dass sie inzwischen dem Wahnsinn des Magus verfiel, aber ihr Handeln bewies ihm das Gegenteil. Sie wirkte ihren Zauber und er strich sich, den Blick von ihr nicht abwendend, flüchtig über seinen Arm, wo sie sich bei ihm festgehalten hatte. Hatte sie ihm verziehen?
Ein Ausdruck der Erleichterung legte sich über seine Züge. Tief atmete er durch.
Er konnte also doch noch hoffen.
Das Loch, das Miriel erschaffen hatte, war schon gewaltig. Doch wenn man gerade die Spitze sah, so ahnte man, wie groß das Ganze wohl sein musste.
Dafür reichten ihre Kräfte noch nicht.
Ryld eilte zu Miriel. Ebenso Maurizius und die Echsen. Diese warfen sich wieder ehrfürchtig vor der erschöpften Magierin und dann der sichtbaren Spitze des gesuchten Tempels nieder. Ryld hielt Miriel den Wasserschlauch hin. Sie sah geschafft aus.
Eine Hand ihr sanft auf die Schulter legend, kniete er sich zu ihr. Toireasa spielte noch immer mit ihren Füßen im Sand. Einem Impuls folgend, strich er dem Kind unter einen Fuß mit dem Finger. Sie quietschte freudig auf. Ein flüchtiges Lächeln folgte von ihm.
„Miriel, wie soll er dir helfen…der kann sich selber kaum helfen. Du brauchst eine Pause.“
Es könnte täuschen, aber zeitweilig wirkte Maurizius selber wie ein Kind, wenn er in einen seiner seltsamen Wahns verfiel und unverständliches Zeug sprach. In Rylds Augen war Maurizius nicht nur meschugge sondern auch irgendwie unheimlich. Oft sagte der alte Kauz etwas, was auf den ersten Blick ohne belang war, aber er lag immer richtig.
Maurizius blickte mit den verzückten Augen eines Kindes auf die Spitze. Vorsichtig wedelte er mit seiner Hand darüber, als wollte er die letzten Körner des Sandes wegfegen.
„ziemlich klein“ nuschelte er zu sich selbst.
„ das kannst du nicht ernst meinen“ Ryld schüttelte den Kopf. Das der Magus überhaupt den Ort gefunden hatte, erstaunte ihn.
„Was?!...dir helfen?...aber Kindchen, wie denn?“ er hob verloren die Hände, so als wisse er nicht, was sie von ihm verlangte.
„das ist ein Tempel?“ er kniff die Augen zusammen und starrte auf die Spitze.
„Ein Ameisentempel?...das ist gefährlich, mein Kind…nein! Ich drücke mich nicht….es ist immerhin mein Verstand, der darunter leidet“ Fluchte er plötzlich.
Ryld warf Miriel einen Blick zu, der ihr sagte, sie solle ihre Frage überdenken.
„ Wenn alle helfen, könnte man…“
„Könnte man was?“ fuhr ihn Maurizius ins Wort. Die Anführerin der Echsen war inzwischen zu Miriel getreten und half ihr vorsichtig aufzustehen. Auch sie sah, soweit man es bei einer Echse beurteilen konnte, verwirrt aus. Aber sie vertraute dem Propheten.
Ryld sah verdutzt und überrumpelt den Magus an. Dieser hatte inzwischen seine Hände in die Hüfte gestemmt und funkelte nur den Dunkelelfen an.
Es war ein witziges Bild, so hatte Maurizius noch immer seine zerfetzte Kleidung an. Er trug inzwischen einen verzausten Bart und sein Haar war wild zusammen gebunden.
„ wollt ihr alle es mit den Händen ausbuddeln…das wird ewig dauern…da helfe ich lieber! Jawohl!...ich bin mehr als du glaubst, Junge!“
„Junge?“ …
„ Miriel, was du verlangst…du kennst die Konsequenz. Jaja…Dein Körper kann es vielleicht nicht mehr halten…Es ist es wert!... es wird mich was kosten…als wenn ich Geld hätte….die Kosten meinte ich auch nicht…. Stell dich nicht so naiv an….Oh Naiv also…du kannst leicht reden…mach endlich! konzentrier dich!…du hast die Kraft, ich gebe dich frei.“
„Miriel was hat er?“ Ryld hatte inzwischen Abstand zu dem Magus genommen. Nur zu deutlich hörte man das Gespräch von bis zu drei Personen. Eine seltsame weit entfernt klingende Stimme, Maurizius Stimme, welche klar und ruhig sprach und die Stimme und Betonung, wie sie üblicherweise von Maurizius kam.
„ Miriel, ich helfe dir….es ist wichtig, dass du im Tempel etwas holst. Du wirst es erkennen…doch wir müssen es jetzt machen…sofort!.“ Der Magus, der jetzt sprach hatte die klaren Augen, welche Miriel schon gesehen hatte. Mit diesem Mann war sie in der Wüste gelandet, bevor er wieder zum Kauz wurde. Die Haltung straffte sich. Er krempelte die Ärmel hoch.
„ich werde die Energie der Erde für dich leiten. Beruf dich auf deine Kräfte, ich werde sie bündeln. Ryld, bringt bitte die Echsen und auch die Kleine nach oben. Dann komme her. Du musste Miriel halten. Bau deine Schattenmagie als Schutzschild um sie auf. …Kind hör mir genau zu. Die Kräfte, die ich entfessele, kannst du nutzen…ich kann es nur mit der Hilfe des Quellarkanum…UND nur einmal!. Dich wird die Urkraft selbst durchfließen. Du wirst einen Anker brauchen, der wird …hmm, ja…der jetzt Ryld darstellen musst. Dein Kind ist dafür noch nicht bereit.“
Er trat auf Miriel zu. Nahm ihre Hand in die seine.
„ Du bist wie eine Tochter für mich geworden…dir wird nichts geschehen…ich gebe dir die Kraft…damit sich deine nicht aufbraucht….Bereit?“
Maurizius sah sie nochmals liebevoll an und rückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„ ich werde nicht vergehen, meine Aufgabe ist noch nicht erfüllt…wir müssen es jetzt machen. Ich weiß, dass ich dich überrumpele“
Damit wartete er bis die Echsen und auch ihr Kind in Sicherheit war. Er setzte sich im Schneidersitz vor Miriel. Als Ryld wieder da war, blickte er noch immer irritiert Maurizius an. Warum er sich von dem Magus etwas befehlen lies, verstand er selber nicht. Gerade wieder bei den Magiern angekommen, deutete Maurizius ihm, sich ebenfalls neben Miriel zu setzen. Dem Dunkelelfen war es reichlich seltsam zu mute.
Aber als Krieger ließ er es sich nicht anmerken.
Maurizius summte leise.
Worte und Gesten folgten, die keinen Sinn ergaben. Sie schienen wie aus einer anderen Welt. Miriel konnte deutlich spüren, wie ihr Kristall ebenfalls in das Surren einging. Dann erhob sich Maurizis legte beide Hände auf Miriels Schultern.
Obwohl kein Wind herrschte, begann seine Kleidung zu flattern. Sein Haar wehte, während er im monotonen Singsang wieder und wieder Worte sprach. Miriel konnte eine Wärme spüren, die sich von Maurizius Händen durch den ganzen Körper erstreckte. Sie fühlte sich als würde sie fliegen. Sah sich neben sich stehen. Nur Rylds Hand schien sie zu halten, der obwohl die Augen geschlossen, ihre Hand festhielt.
Maurizius strahlte von innen heraus. Es war unbeschreiblich. Wie gleißendes Licht, welches sich wellenartig ausbreitete. Es schien die Gestalt des Magus zu verbrennen. Miriel selber konnte fühlen, wie es auch versuchte sie zu verbrennen. Doch es kam nicht an sie ran. Ryld hielt es irgendwie von ihr weg. Er schützte sie, durch ein Schild aus tiefer Schwärze. Auch griff das Licht nach ihm und kurz war es als fesselte das Licht Ryld an Miriel. Dann wurde es vertrieben. Miriel konnte sehen wie ihr Körper erst zu leuchten begann und sich dann die Schwärze schützend um sie lag.
Von irgendwo konnte sie leise eine Stimme hören.
„ …nutze es… jetzt!!!...schnell….es verbrennt…mich“ Es war Maurizius. Sein schmerzerfüllter Schrei hallte auf.
„ Miriel, jetzt!“ konnte sie deutlich hören. Ryld!
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 5. Oktober 2011, 23:01

Wenn sie dachte, dass Maurizius ihr erneut so mir nichts dir nichts helfen würde, wie er es schon so oft getan hatte, so wurde sie diesmal, auch wieder wie schon so oft, von ihm verblüfft. Denn diesmal fing er an zu lamentieren. Zu gefährlich, nicht nur für ihn, sondern auch für Miriel selbst usw. usw..
Ryld schüttelte nur noch den Kopf über Miriels Ansinnen und meinte schließlich:
„Glaubst du wirklich, er kann dir helfen? Also wenn du das glaubst, dann ... Was um alles in der Welt treibt er da überhaupt?“
Nach Rylds Meinung hatte Maurizius einfach nicht mehr alle Sandkörner im Sandkasten. Miriel kniete noch immer im Sand und wartete einfach ab was da kam. Die Einzige, die das alles keinen Deut interessierte war Toireasa, die vor Freude jauchzend und lachend mit ihren Füßen den Sand herumwirbelte.
„Ich sag es ja nur ungern, aber die Kleine ist von allen hier noch die Vernünftigste. Vielleicht solltest du es doch allein ... so Stück für Stück ...“ Ryld wollte es wenigstens versuchen, aber Miriel hatte keinen Nerv mehr, noch wer weiß wie viele Tage hier in der Wüste zu hocken.
„Nein Ryld, das dauert mir zu lange. Ich habe die Nase voll von Sand und Flöhen, von Wanzen, Spinnen, Sandvipern und Skorpionen. Entschuldige, ich meinte damit nicht Curouch, sondern diese kleinen Biester, die sich unter die Decken schleichen und dann unverhofft zustechen. Nein, wir machen das jetzt oder garnicht!“
„Sehr gut.“, grinste Ryld plötzlich. „Dann also garnicht. Komm wir gehen.“ Natürlich meinte er das nicht ernst und Miriel wusste das, trotzdem musste sie lachen.
„Lieb von dir, dass du mich aufmuntern willst.“, lächelte sie ihn an. „Warte, ich glaub da tut sich was. Maurizius scheint einen Weg gefunden zu haben.“

Tatsächlich schienen sich die Geister in Rylds Kopf auf irgendetwas geeinigt zu haben. Miriel verstand allerdings nur die Hälfte von dem was er anschließend erklärte und Ryld zuckte sowieso nur die Schultern. Er hatte es schon längst aufgegeben, aus dem Wirrwar des Magiers schlau zu werden. Alles was sie aus seinen Erklärungen heraushörten war, dass Maurizius mehr Magie freisetzen würde als je zuvor und Miriel Rylds Unterstützung brauchen würde, da sie sonst dier Magie aufzehrte. Vor allem aber, dass sie es sofort machen mussten. Ryld versuchte nicht einmal, es Miriel auszureden. Er wusste, dass es keinen Zweck haben würde. Er kannte sie inzwischen viel zu gut. Miriel gab ihr Kind in die Obhut der Anführerin der Echsen und diese zogen sich in sichere Entfernung zurück.
Was dann kam übertraf alles was Miriel jemals zuvor an Magie gesehen oder erlebt hatte. Was Maurizius da entfesselte und durch die Erdmagierin gebündelt wurde war beinahe ebenso mächtige Magie wie damals die Vereinigung der Kristalle. Wäre da nicht Ryld, der sie mit seiner Magie einhüllte und schützte, Miriel wäre von dem Feuer der Magie, das in ihr tobte, aufgezehrt worden.
Auf dem Höhepunkt des magischen Sturms hörte sie wie aus weiter Ferne Maurizius rufen, dass sie es jetzt tun solle.
Mit der ganzen Kraft der sie durchströmenden Magie griff sie nach dem Tempel. Anfangs schien sich nichts zu tun, doch dann begann die Erde um sie herum zu vibrieren. Selbst die Echsen, die weit weg standen, spürten wie der Boden bebte und dann sahen sie es. Stück für Stück schob sich der Tempel aus dem Boden und der lose Sand rutschte in den Hohlraum darunter. Es war eine gewaltige Kraftanstrengung und fast sah es so aus, als würden sie es nicht schaffen, als würde die gesamte entfesselte Magie nicht ausreichen. Doch dann, mir einer letzten gewaltigen Kraftanstrengung, legte Miriel den Tempel vollständig frei.

Das magische Leuchten um Maurizius und sie selbst wurde schwächer und erlosch schließlich vollständig. Mit einem leisen Seufzer brach die Erdmagierin zusammen. Auch Maurizius konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und sank bewusstlos zu Boden. Ryld hielt sich als einziger aufrecht, leicht schwankend und etwas benommen, aber er stand. Nun, da der Boden nicht mehr schwankte kamen die Echsen zurück und sahen scheu zu dem gewaltigen Tempel. Dann jedoch bemerkten sie die beiden im Sand liegenden Magier und plötzlich überschlugen sich alle, ihnen zu helfen. Sie kamen aber nur dazu, sich um Maurizius zu kümmern, denn Ryld knurrte jeden an, der sich Miriel auch nur ansatzweise zu nähern versuchte. Sanft hob er sie hoch und trug sie zu Curouch, legte sie dort auf die Decke ihres Lagers und tupfte ihr schweißnasses Gesicht mit einem feuchten Tuch ab. Als die Magierin dann die Augen aufschlug, setzte er ihr den Wasserschlauch an die Lippen: „Hier, trink. Es wird dir helfen. Langsam, nicht zu hastig. Du hast dich völlig verausgabt.“
„Und?“, hauchte sie matt. „Haben wir es geschafft?“
„Ja, ihr habt den Tempel geborgen. Irgendwie habt ihr es geschafft, wenn ich auch nicht weiß wie, aber der alte Mann hatte tatsächlich recht.“
Erleichterung zeigte sich in Miriels Gesicht, wusste sie zu gut, dass es am Ende auf des Messers Schneide stand. Nun, da sie es geschafft hatten, entspannte sich ihr Körper und sie ließ sich in Rylds Arme sinken.
„Und Maurizius?“, flackerte ihr Interesse noch einmal auf.
„Dem geht es auch gut.“, zumindest hoffte es Ryld als er beruhigend meinte: „Keine Sorge, er ist genauso geschwächt wie du, aber ich bin sicher, dass es ihm gut geht.“
Ein Blick in ihr Gesicht ließ Ryld lächeln, denn Miriel hatte seine Antwort nicht mehr gehört. Sie war in seinen Armen eingeschlafen. Ryld jedoch hielt sie einfach nur fest, während er sich fragte, wie es nun weitergehen sollte.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Freitag 21. Oktober 2011, 20:10

Über Miriel wurde gewacht. Ryld sorgte dafür, dass sich ihr niemand näherte. Und trotzdem näherte sich Miriel jemand. Wenn auch nicht als Person. Sie konnte es spüren auch ohne dass sie die Augen öffnete. Die Person war kurz vor ihrem Ziel. Eine Hand strich ihr sanft über die Wange. War das Ryld? Oder war es jemand anderes?
“ab jetzt Kind, wirst du ohne mich gehen müssen!…ich muß erst regenerieren. Bitte verzeih, wenn ich dich nicht vorher aufgeklärt habe. Es war so bestimmt. Ich habe dich gesehen, noch bevor dich dein Weg zu mir geführt hat. Schwarz, weiß und grau. Du warst so nah dran und doch ist es nicht für dich. Noch nicht! Dein Weg ist der Tempel! Du wirst erkennen, was es für dich birgt….Kind, achte bitte auf mich!”
Die Stimme war Miriel vertraut. Es war die von Maurizius. Ein Abschied? Weswegen?

In der Zwischenzeit lagerte Ryld Miriel auf einer Decke. Wenn sie kurz zu sich kam, flösste er ihr etwas zu trinken ein oder legte ihre Tochter zu ihr.
Verdammt, so war das bestimmt nicht gedacht.
Zum xten Mal sah er zu den Echsen rüber, welche sich um den alten Magus kümmerte.
Der Dunkelelf hatte Miriel erzählt mit dem Magus wäre alles in Ordnung, dass war aber nicht der Fall. Seit er erwacht war, quasselte er noch wirreres Zeug als vorher. Redete von Sandkisten oder ähnliches.
Ryld war ja vorher schon der Meinung gewesen, dass Maurizius verrückt war, aber jetzt über traf er alles. Es war als wenn er nicht mehr auf dieser Welt leben würde. Noch seltsamer und abwesend in den Himmel schauend. Das Haar des alten Magus war seit der Aktion schneeweiß und gab ihm etwas Gespenstiges..
Nur kurz nachdem der alte Kauz wach geworden war, rief er Miriels Namen und bat sie um Verzeihung, dann begann er furchtbar zu weinen und schrie.
“Warum soll das mein Los sein! Warum?…ich habe dir gedient?…bitte…bitte erlöse mich….hmm, wollt ihr Echsen mit mir spielen?…hihi…” Die Echsen waren erschrocken aufgesprungen.
Er sprang auf und hüpfte im Kreis, machte wilde Grimassen und steckte sich Sand in den Mund.
“Celcia wird vergehen… Celcia wird dunkel… oh, ich mag keine Dunkelheit… aber…so was…jaja, wird Celcia verschlingen…. die Dunkelheit…sie werden fallen….plumps! tada…da waren sie da!!!…” er hielt sich die Hände vor die Augen, torkelte blind durch den Sand.
“keiner wird entkommen…viele werden vergehen…ich gehe…wohin?…hihihi…weiß nicht”
Und das wiederholte sich ständig wieder.
Bei Maurizius waren alle Sicherungen durchgebrannt.
Und er ließ sich nicht anfassen. Kam ihm jemand zu nah, kreischte er los. Oder er schmiss sich zu Boden und jammerte kläglich. Ryld nervte es gewaltig. Besonders weil Maurizius immer wieder Richtung Miriel und Toiresia schlich. Und einem Verrückten wollte er das Kind nicht in die Hand geben.
Nach einem halben Tag des seltsamen Theaters von Maurizius, hatte auch der Dunkelelf genug davon, egal wie nachsichtig die Echsen waren, Ryld reichte es. Er sprang auf und lief schnurstracks auf Maurizius zu. Dieser blickte ihn treudoof in die Augen, bevor er sich in den Sand warf und losgackerte. Natürlich machte er es damit nicht besser.
Mir reicht das
Ryld wollte gerade ausholen und den Magus mit einen gezielten Schlag schlafen legen, da wurde seine Hand gepackt. Wütend drehte er sich um. Er sah zwei Reptilienaugen, die ihn finster und ernst anstarrten.
“bleibt ihr bei der Erdverbundenen, ich kümmere mich um den Propheten.”
Die Anführerin duldete keinen Widerspruch und Ryld musste es akzeptieren.
“Ihr wollte nicht, dass sich jemand ihr nähert, so werde Ich verhindern, dass ihr dem Propheten etwas anhabt.”
Ryld nickte.
“soll mir recht sein!” Er wusste, er würde durch den Schutzwall der Echsen ebenso wenig durchdringen, wie die Echsen an ihn vorbei zu Miriel durchkamen. Es war Gleichstand. Das wusste die Schamanin und der Dunkelelf. Jetzt musste eben gewartet werden.
Denn besorgt waren sie alle.
Er stampfte zurück, beugte sich zu der Menschenfrau und strich Miriel eine Strähne aus dem Gesicht. Die Kleine brabbelte und Ryld legte sie in den Arm ihrer Mutter.
“ was jetzt?…Miriel, wach auf…ich dreh sonst den Alten den Hals noch um”
Hinten sah man wie die Anführerin der Echsen Maurizius vorsichtig aufhob und ihn zu ihrer Reitechse brachte. Sie sorgte sich um ihren Propheten, aber er schien nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein. Er kicherte und gackerte und war nicht zu erreichen.
Mit einem Seil befestigte sich den alten Mann, damit er nicht herunterfiel. Er Blick ging dann zum Tempel, der ihre Vorfahren schon gekannt hatten. War das der preis für das Finden des Tempels? Die Echse wusste es nicht.
So war die seltsame Gruppe vor dem riesigen Tempel, welcher die Form einer Pyramide hatte. Ein Tor mit Säulen machte den Eingang erkennbar. Vor den Säulen standen Statuen von riesigen echsenähnlichen Tieren, welche wohl den Eingang bewachten und zur Abschreckung dienten. Noch war keiner in das Innere getreten.
Ryld war der Meinung, er hörte wieder und wieder Miriels Namen aus dem Eingang. Er war kein Mann von Angst, aber unheimlich fand selbst er das. Er nahm sie in die Arme. Vor ein paar Wochen hätte er dies für unmöglich gehalten, doch wie sich die Wüste in ihrem Verlauf ändert, so hatte auch er sich verändert. Würden sie auf andere seines Volkes treffen, so würde er kämpfen müssen um sich und ihr Kind zu schützen. Sein Blick wanderte aber auch zu Maurizius, der jetzt mal ruhig war.
Er küsste, mehr unbewusst, Miriel auf die Wange.
“Der Tempel ruft dich!” flüsterte er leise ihr ins Ohr.
“Bitte sei bei Sinnen, Manthala ich flehe dich an….lass sie zurückkehren”





OT: so mal etwas kürzer :drop:
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Samstag 14. Januar 2012, 22:06

Rylds Gesicht war das Letzte was sie sah, bevor ihr die Sinne schwanden. Was danach kam ließ sich nur damit beschreiben, dass ihr Geist irgendwo zwischen Leben und Tod schwebte. Zeitweise hatte Miriel das Gefühl, als würde sie neben sich stehen, als würde sie sich selbst von außen sehen. Dann wieder war ihr, als hörte sie Stimmen, verrückte, aufgebrachte, beruhigende und dann war da noch ein Kind. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass dieses Kind ihr die notwendige Kraft gab, diesen Ort nicht einfach zu verlassen. Das Kind und diese Männerstimme, die sie recht häufig hörte und die in einer ihr fremden Sprache redete, welche sie aus ihr unverständlichen Gründen sogar verstand.

Der Zustand, in dem sich Miriel befand, war am ehesten mit dem Wort Regeneration zu beschreiben. Die Pyramide an die Oberfläche zu holen hatte sämtliche magische Reserven Miriels verbraucht und wäre nicht Ryld gewesen, so wären ihr sicher auch sämtliche Hirnzellen durchgebrannt. So war sie lediglich völlig ausgebrannt und musste sich einfach nur erholen und ihren magischen Kern aufladen.
Hätte Ryld nur den Hauch einer Ahnung davon gehabt, wäre er wesentlich ruhiger gewesen, so jedoch verzweifelte er schier an der Tatsache, dass Miriel einfach nicht aufwachen wollte. Und der einzige Mensch, der ihm alles erklären konnte, hatte wie befürchtet nun endgültig den Verstand verloren.

So jedoch saß er die meiste Zeit an Miriels Lager und bat Manthala darum, sie wieder ins Leben zurückkehren zu bringen, während sich die Echsen um den inzwischen völlig verwirrten Maurizius kümmerten.
Nach fünf Tagen schien es endlich so, als ob Rylds Gebete erhört worden wären. Immer wenn Ryld die kleine Toireasa in Miriels Arme legte, schien es ihm, als ob sie darauf reagieren würde. Mit fortlaufender Zeit nahm der Dunkelelf jedoch an, dass er sich nur täuschte, dass ihm sein Wunsch etwadenkens vorgaukelte was nicht da war. Trotzdem legte er die Kleine regelmäßig in die Arme ihrer Mutter, was sich schließlich als richtig erwies.
Während die Kleine friedlich schlafend in Miriels Arm lag und Ryld wie immer daneben saß und beide beobachtete, schien es ihm, als hätten Miriels Augenlieder für einen kurzen Moment geflattert. Er wollte es bereits wieder als Wunschdenken abtun, als sich die kurze Bewegung wiederholte. Zur Salzsäule erstarrt und mit angehaltenem Atem schaute Ryld wie gebannt auf die Erdmagierin. Da! Wieder dieses Lidflattern! Doch nicht genug damit, plötzlich begannen ihre Augen unter den geschlossenen Lidern zu rollen, ganz so wie es bei einem träumenden Menschen der Fall war. Für Ryld ein untrügliches Zeichen, dass Miriel endlich wieder ins Leben zurückkehrte.

Mit einem Satz war er auf den Beinen und überbrachte Syr'raz die Nachricht, dass die Erdverbundene endlich erwachte.
Als dann, nach fünf langen Tagen Miriel mit einem Seufzer die Augen aufschlug stand so ziemlich das ganze Lager um ihre Liegestatt und blickte gespannt auf sie hernieder. Nur Ryld kniete neben ihr und hielt sanft ihre Hand in der seinen.
Verwirrt schaute die Erdmagierin auf den Menschenauflauf um ihre Lagerstatt herum, nur um sogleich Ryld mit fragendem Blick in die Augen zu blicken.
„Was ...?“
„Ruhig, du ... hast lang geschlafen.“
„Wie lang?“
„Fünf Tage. Wir dachten, du würdest nie mehr aufwachen. Die meisten, ich nie. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass du nicht mehr da wärst. Und wer hätte sich dann um deine Kleine kümmern sollen? Maurizius ...“
„Was ist mit ihm? Wie geht es ihm?“ Durch Rylds Unterweisungen in der Sprache der Dunkelelfen hatte sie genug verstanden und war nach Rylds letzten Worten leicht um den Magus besorgt. Es sollte sich auch gleich erweisen, dass ihre Besorgnis zu recht bestand.
Verlegen kratzte sich der Dunkelelf über die Bartstoppeln am Kinn ehe er leise meinte: “Körperlich gut, nur sein Geist ... Er war ja schon immer wunderlich, aber seit ihr den Tempel ... Na ja, er ist jetzt völlig verwirrt.“ Er hätte es auch krasser ausdrücken können, aber Ryld wollte Miriel nicht sofort überfahren. Es war für sie sicher schon schwer genug die ganzen Informationen zu verdauen.
„Ich muss ...“, Miriel versuchte sich aufzurichten, um selbst nach Maurizius zu sehen, wurde aber sofort unnachgiebig von Ryld auf das Lager zurückgedrückt.
„Nichts musst du. Du brauchst noch Ruhe. Musst zu Kräften kommen.“
„Aber ..!“, wollte die Erdmagierin protestieren. “Nichts aber! Du bleibst schön liegen.“
„Aber ich muss in den Tempel. Du hast doch Maurizius gehört. Ich muss dort etwas holen.“
„Mag sein.“, meinte Ryld darauf nur lakonisch. „Aber nicht heute. Und morgen auch nicht gleich. Zuerst musst du dich völlig erholen. Denk an dein Kind. Willst du, dass es ohne seine Mutter aufwächst, nur weil du zu ungeduldig warst?“
Betreten blickte Miriel auf Toireasa, die friedlich in ihrem Arm lag und schlief.
“Du hast recht, ich vergesse manchmal noch , dass ich nicht mehr nur für mich allein verantwortlich bin. Also gut, aber sobald es mir besser geht statten wir dem Tempel einen Besuch ab.“
Ryld nickte. Anerkennung lag in seinem Blick. Anerkennung darüber, wie gut Miriel bereits seine Sprache beherrschte. Und wieder dankte er in Gedanken Manthala, dass die junge Magierin auf so wundersame Weise seinen Weg gekreuzt hatte.

Eine Woche später war es dann endlich soweit. Miriel hatte sich weitgehend erholt und war nun bereit, gemeinsam mit Ryld und Maurizius, sie hatte trotz Rylds vehementer Proteste darauf bestanden, den alten Magus mitzunehmen, den Tempel zu betreten.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Sonntag 22. Januar 2012, 14:34

Eine Woche war vergangen und als Miriel wieder fit war, war ihr Weg in den Tempel. Ryld hatte sie so lange es ging von den alten Magus entfernt gehalten. Sie sollte erst mal selber wieder richtig fit sein, bevor sie sich vielleicht noch Sorgen um den alten Mann machte. Dieser beobachtet Miriel immer aus der Ferne oder sah auf die Tochter. Eine Ausdruck in den Augen, als würde man viel zu viel wissen aber nicht fähig sein darüber zu sprechen. Sein Wirrwarr hatte sich nicht verändert. Man müsste auf ihn achten wie auf ein Kind. Wenn man ihn ansprach, dann waren meist seine Augen leer und er quasselte nichts Verständliches vor sich hin. Doch auch Ryld hatte die letzte Zeit sehr zu schaffen gemacht, Miriel konnte sehen, dass es auch bei Dunkelelfen Augenränder gab. Erst als es Miriel besser ging, gönnte er sich eine Auszeit und nutzte die Zeit um sich zu rasieren und zu pflegen. Als Elf konnte er tatsächlich von Glück reden, dass diese nicht zu starken Bartwuchs, wenn sie überhaupt welchen hatten, neigte.
Sein Verhältnis zu den Echsen hatten sich eher verschlechtert. Nur die Anführerin verhielt sich weiterhin neutral.
Fragte Miriel nach, so erklärte die Anführerin.
“Euer Gefährte hat euch mit allen Mitteln beschützt. Keiner durfte sich euch ohne ihn nähern. Er hat euch zu Trinken und gegeben und euch eure Tochter gegeben. Selber hat er wenig geschlafen geschweige denn gegessen. Den Propheten ließ er nur unter Aufsicht zu euch, seit er wirr ist. Dieser Dunkelelf hat, so glaube ich , für euch gebetet und oft hörten wir einen leisen Gesang des nachts von hier. … aber dies ist Vergangenheit. Euch geht es besser, was jedem hier im Lager freut.” Sie drückte behutsam die Hand von Miriel, bleckte die Zähne. Ein Lächeln.
Ryld kam auf die beiden Frauen zu, legte den Kopf skeptisch schräg. Er war wieder frisch rasiert, doch wirkte sein Körper leicht ausgezerrt und magerer als sonst. Er blickte Miriel an, versuchte sich in einem Lächeln. Noch immer wirkte es leicht befremdlich bei ihm, doch es strahlte auch eine Wärme aus, die man bei einem Dunkelelfen nicht erwarten würde.
Er trug Toireasa und reichte sie an die Echse der Anführerin weiter. Liebevoll nahm sie diese in die Arme.
“kommt eiligst zurück, sie vermisst euch schnell” sagte sie sanft zu Miriel.
dann trat sie zurück-
"möge euch kein Unheil wiederfahren!"
“sie muss mit!!..mit..mit mit….wichtig! oder nicht, keine Ahnung….alles zu schwierig! Oh! Hallo hübsche Frau… hast du es gefunden?…das?“ Maurizius tippte sich an die Stirn. Meinte er seinen Verstand.
Der Magus grinste wie ein kleines Kind. Das weiße Haar hatte sich aus den Zopf gelöst und wehte wild umher. Ein wahnsinniger hätte nicht anders ausgesehen. An einer Hand war ein Lederband befestigt, welches am handgelenk von Ryld endete. Die Vorsichtsmaßnahme damit er nicht einfach wegrannte, was er leider zeitweilig jetzt machte. Sein Blick war leer, doch als er Miriel sah, blitzte kurz ein Erkennen auf und tiefe Trauer und Schmerz. Ob er sich noch an alles erinnerte?
Wenn Miriel zurückdachte so würde ihr vielleicht auch einfallen, dass er bevor sie alle den Zauber gewirkt hatten er über einen preis gefaselt hatte. War der Verstand der Preis für diesen Zauber gewesen?
Er stellte sich ganz dicht vor Miriel, seine Nase berührte fast Miriels.
“ es ist gefallen!… weiteres wird folgen! Du wirst es sehen…weiß wie Licht, schwarz wie Dunkelheit, grau wie…oh!..” er duckte sich, hob einen Stein auf. Der Stein war sandbraun, also nicht besonders.
“Hmm, ein Stein…glänzt er nicht schön” Liebevoll strich er darüber. “ Es tut mir leid” flüsterte er sehr sanft zu diesem.
Ryld verzog das Gesicht.
“Du bist dir sicher das er mit soll?“ Er war nicht sonderlich begeistert.
Doch Miriel hatte es sich nun mal in den Kopf gesetzt.
So machten sie sich auf den Weg.
Der Sand war rutschig und füllte gleich wieder die Fußspuren auf. Ryld hatte eine Waffe gezogen , ging vorsichtig voran und führte Miriel zum Eingang.
“Den haben wir zwei Tage nach den ihr den Tempel hoch geholt habt, gefunden. Oder eher Maurizius hat ihn gefunden. Er stand davor und hatte irgendetwas gequasselt, wodurch sich die Tür öffnete. Keine Ahnung was, er weiß es ja selber nicht mal.”
“gefunden ist gefunden… hmm, eine neue Streitmacht von den Kleinen aus den Bergen…” tuschelte dieser vor sich hin. Immer abwesend, die Augen gingen immer suchend umher. Er zog am Lederband und Ryld zerrte ihn zurück.
Dann stand sie vor dem Eingang.
Es war wirklich gewaltig.
Eine große Pyramide, welche man von der Höhe nicht abschätzend konnte. Ein gigantisches Tor welches nach innen aufschwang, ließ keinen Blick ins Innere erhaschen. Es war nur einen Spalt weit auf. Riesige Statuen von Echsen standen an beiden Seiten und hielten wohl ewig Wache. Die Spuren der zeit waren deutlich an ihnen zu erkennen. Früher war diese wohl mal bemalt gewesen, heute bestanden sie aus massiven Sandgestein.
“Es war noch keiner im Inneren” meinte Ryld nur kurz zu Miriel. Seine Wachsamkeit ließ nicht nach. Wie ein Raubtier auf der Pirsch setzte er einen Fuß vor den anderen. Eine kleine Gestalt aus Schatten löste sich aus Ryld Schatten und huschte voraus.
“ich schaue nach einer Falle.”
“Alles in Ordnung….sie ist da! Die Bewahrerin des Kristall der Erde, Mutter von Erde und Kraft. Suchende auf einer Reise von Schicksal und Schmerz und Liebe. Die Erdverbundene1” rief Maurizius dazwischen.
Ryld zuckte zusammen, fuhr herum. Der Magus stand so nah am Dunkelelfen, dass diesem sein Trommelfell fast platzte.
“beim harax”
Plötzlich schwangen die Türen mit einen Knarren auf.
Rylds Magie löste sich auf, verwirt sah er zu Miriel, dann wurde er vom Magus mitgerissen.
Eine große Halle war zu sehen, welche hell strahlte.
Das Licht der Sonne wurde von menschengroßen glänzenden Flächen am Boden an die Wände gestrahlt. Es hatte etwas von gigantischen Spiegeln, die das Licht reflektierten.
Es sah alles so aus, als würde es aus allen Elementen der Erde bestehen.
An den Seiten standen riesige Gefäße, welche alle Arten von Gestein und Erde beinhielten. Dort woe das Licht am besten drauf schien, waren große Flächen mit der furchtbarsten Erde aufgefüllt, die man sich denken konnte. Ein Rohr ragte an einem schwenkbaren Verankerung aus der Wand, woraus tatsächlich Wasser floss.
Jeder Schritt fühlte sich gedämpft an. Kein Sandkorn knirschte unter den Füßen. Die Luft roch muffig und roch nach Stein.
Die Wände erstreckten sich meterhoch. Aus der Haupthalle gingen mehrer Treppen zu irgendwelchen Räumen, die verdunkelt waren.
Am Ende der Halle, welche ca 200 Schritt maß, war eine große Säule um die sich ein gigantischer Drache schlängelte. Der Kopf des Drachen lag auf dem oberen Ende und hatte das Maul weit aufgerissen, während sich die Pranken an der Säule festhielten. Er sah fast wie lebendig aus, doch sah man keinem Atem oder eine Bewegung.
Zu der Säule hoch erstreckte sich eine kleine Treppe, welche ohne Geländer war. Sie endete genau vor dem Maul.
Hatte man dort etwas rein geworfen?
“Erstaunlich” flüsterte Ryld ehrfürchtig.
Dann blieb er schlagartig stehen.
“bei Manthala! Das gibt es doch nicht!”
“doch…ein Weg ist erkoren, andere Länder und Orte zu besuchen. Sprich und er führt dich” gackerte der Magus neben dem Dunkelelfen.
Ryld zog Miriel vor einen Spiegel.
Er war so groß wie vier Menschen nebeneinander und er war halbrund. Die Oberfläche sah wie fein rieselnder Sand aus. Die Hand konnte man mühelos durchstecken, eine leichte Kühle empfand man dabei.
Seltsamen Symbole oder Runen waren auf dem Rahmen verzeichnet. Ungewöhnlich war dabei eine kleine Gestaltung eines lachenden kleinen Wichtels mit Mütze, welche man fast übersehen konnte. Natürlich nicht jemand wie Maurizius.
Er zuckte unbekümmert mit den Schultern und ließ sich auf seinen Hintern plumpsen. Von dort blickte er auf die Wand und sagte “Autsch” bevor er leicht seinen Kopf dagegen schlug, dies wiederholte er , bis ihn Ryld grob da wegzog und ihn festhielt.
“Verrückter Narr!… Miriel, dies ist ein Portalspiegel… aber ich dachte, die existieren nicht mehr. Ich kenne Legenden darüber. Damit kann man an jedem Ort, wo man hin will, reisen. Man tritt hin durch… verdammt halte still!… du!… wir könnten aus der Wüste wegkommen! Egal wo hin, der als Erstes hindurch tritt, bestimmt den Weg. Mein Vater erzählte mir davon, er hatte angeblich mal einen gehabt. Sie wurden alle zerstört, …scheinbar dieser nicht. Wir können weg!”
Maurizius war plötzlich still, sah Miriel traurig an. Wieder sah es nach Abschied aus. Tränen fühlten die Augen.
Ryld ließ ihn los.
“Bin ich allein… nein!… du gehst, ich bleibe… denke, was du holen musst…. Ihren Weg wirst du bestimmen, meiner ist nicht geschrieben… verzeih meine Tochter, verzeih…” Die Tränen kullerten dem Mann herunter, während er zur Säule zeigte. Dort im Maul, konnte Miriel plötzlich etwas aufblitzen sehen. Lag da etwas?
Ryld trat von den alten Kauz weg, hob die Hände, dass er nichts gemacht hätte.
“Was will er von dir?”

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 13. März 2012, 23:23

Sie waren schon früh auf den Beinen und bereiteten ihren Ausflug in die Pyramide vor. Ryld lief, wie so häufig in den letzten Tagen, mit grimmiger Miene herum und versuchte alles, um Miriel vor seiner Meinung nach allzu lästigen Echsen abzuschirmen. Die Stimmung zwischen den Wüstenechsen und dem Dunkelelfen hatte sich seit Miriels Erwachen nicht wesentlich gebessert. Man konnte sagen, dass Ryld mit seiner Beschützerrolle bei Miriel letztendlich das Gegenteil von dem erreichte was er eigentlich damit bezweckte. Denn die Erdmagierin hatte alle Hände voll damit zu tun, die Wogen, die Ryld verursachte, wieder zu glätten. Bis auf Syr'raz, die Anführerin der Echsen, waren diese nicht mehr allzugut auf den Dunkelelfen zu sprechen. Miriel hegte sogar die Befürchtung, dass die eher froh wären, wenn sie beide so schnell wie möglich wieder verschwinden würden. Auch wenn Syr'raz etwas anderes sagte, so glaubte Miriel nicht mehr uneingeschränkt daran, dass sich alle Echsen über ihre Anwesenheit freuten. Immerhin hatte sich die Einstellung der Anführerin nicht geändert, was Miriel am Ende dazu bewog, ihr Toireasa anzuvertrauen solange sie sich in der Pyramide aufhielten.
Zwar protestierte Maurizius vehement, gebärdete sich regelrecht wie toll und meinte unablässig, dass die Kleine unbedingt mit müsse. Doch in diesem Punkt, sosehr Miriel im Gegensatz zu Ryld für das seltsame Verhalten Maurizius Verständnis hatte, zeigte sie sich ebenfalls, ganz zu Rylds geheimer Freude, unerbittlich. Sie war nicht bereit, ihre Tochter irgendeiner Gefahr auszusetzen.
Syr'raz nahm Toireasa sehr liebevoll entgegen und wünschte den drei so unterschiedlichen Menschen viel Glück, als diese sich endlich anschickten, die Pyramide oder den Tempel oder was auch immer es war zu betreten.

Sicherheitshalber hatte Miriel noch etwas Proviant eingepackt, denn man wusste ja nie was geschah. Ihre Erfahrung in den Katakomben unter der Bibliothek in Zyranus hatten sie in der Beziehung vorsichtig gemacht. Immerhin begaben sie sich auf unerforschtes und möglicherweise gefährliches Gebiet. Auch wenn Maurizius ständig das Gegenteil versicherte und davon faselte, dass es Miriels Bestimmung wäre, irgendeinen ominösen Gegenstand aus dem Tempel zu bergen. Das war dann auch der Grund warum Miriel darauf bestand, dass Maurizius mit von der Partie war. Sehr zu Rylds Leidwesen, da er derjenige war, der den verrückten Magier unter Kontrolle halten musste,was dem Dunkelelfen so garnicht schmeckte. Doch Miriel war sich sicher, dass sie Maurizius mitnehmen sollten, auch wenn dieser nun endgültig in den Wahnsinn abdriftete.

Und dann betraten sie endlich das, wofür sie so hart gearbeitet hatten und wofür Maurizius mit seinem Rest an Verstand bezahlt hatte.
Was immer Miriel erwartet hatte, es war auf keinen Fall die nüchterne Einfachheit, die sie zu sehen bekamen. Es war eine riesige Halle, die sich vor ihnen auftat und in die sie förmlich von Maurizius gezogen wurden. Sie war hell erstrahlt vom Licht, welches von den spiegelnden Wänden und dem blanken Boden reflektiert wurde. Man sollte doch meinen, dass nach so vielen Jahren unter dem Sand der Boden dick mit Staub bedeckt wäre, aber nichts von alledem war der Fall. Der Boden war wie geleckt, fast so, als wäre er gerade gereinigt worden.

„Sag mal, kommt dir nicht auch alles hier viel zu sauber vor? Fast so, als hätte man es die ganze Zeit über in Ordnung gehalten.“, meinte Miriel skeptisch. Ryld knurrte nur etwas Unverständliches. Es lag wohl daran, weil er gerade wieder damit beschäftigt war, Maurizius am ausbüchsen zu hindern. Schließlich richteten sich ihre Blicke auf des Ende der Halle und die hohe Säule, um die sich ein in Stein gemeißelter Drache schlängelte. Sein aufgerissenes Maul ruhte auf dem oberen Sockel der Säule. Eine kleine Treppe führte ringsum bis zu ebenjenem Maul.
“Bei Manthala! Das gibt es doch nicht!” Rylds erstaunter, ja fast schon ehrfürchtiger Ausruf ließ Miriel zu ihm herumfahren. Im selben Augenblick wurde sie von dem Dunkelelfen gepackt und vor ein Gebilde gezogen, das entfernt an einen Spiegel erinnerte.
„Sehr schön Ryld“, meinte sie leicht sarkastisch, da sie an dem „Spiegel“ oder was es auch immer sein sollte nun wirklich nichts besonderes entdecken konnte.
„Ein Spiegel. Und? Soll ich mir jetzt die Haare richten oder weswegen hast du mich vor diesen Spiegel gezerrt?“ Sie verstand noch immer nicht, was Ryld an dem Ding so aufregend fand.
“Spiegel? Ich verstehe nicht was du meinst? Weißt du denn nicht, was wir hier gefunden haben?“, meinte Ryld verwirrt. Er konnte sich seinerseits nicht erklären, dass Miriel nicht wusste was sie da entdeckt hatten.
“Ah, also keine Spiegel. Und ja, ich habe keinen Schimmer wovon du gerade redest. Also schön, und was ist dann so besonderes an dem Ding?“ Miriel hasste es, wenn sie keine Ahnung hatte und man das Gegenteil voraussetzte. Außerdem war nun ihre Neugier geweckt.
“doch…ein Weg ist erkoren, andere Länder und Orte zu besuchen. Sprich und er führt dich”
Jetzt wurde es der Magierin endgültig zu bunt. Anscheinend wussten alle beide was sie da vor sich hatten, nur sie war völlig ahnungslos.
„Danke Maurizius, sehr aufschlussreich. Wie immer herrlich in Rätseln gesprochen. Aber schön, dass ihr zwei mich gleich mit eurer Weisheit erleuchten werdet. Denn anscheinend bin ich die Einzige, die nicht weiß was wir hier so Bedeutungsvolles entdeckt haben.“ Ihre Stimme troff nun regelrecht vor Sarkasmus, was bei ihr noch nie ein gutes Zeichen war und darauf hin deutete, dass sie kurz davor stand, zu explodieren.
Ryld kannte sie inzwischen gut genug, um zu wissen, dass gleich der Teufel los sein würde und beeilte sich schnell zu erklären, worum es sich bei dem vermeintlichen Spiegel handelte.
„Halt, Moment mal. Ich komm da nicht mehr mit“, wurde er von der Erdmagierin unterbrochen.
„Willst du mir allen Ernstes weis machen, dass man durch dieses Ding gehen kann und, egal an welchen Ort man dabei denkt, genau dort ankommt?“
“Ja, genau das will ich sagen.“ „Aber dann muss es noch mehr als diesen einen geben. Oder braucht man am Zielort kein Gegenstück?“
“Hm...“, nachdenklich strich sich Ryld über das Kinn. “Du könntest Recht haben, aber dann hätte mein Vater gelogen als er sagte, sie wären alle zerstört. Dann wusste er , dass es noch welche gab, hielt das Wissen jedoch geheim. Aber warum?“
„Vielleicht weil man die Spiegel als Waffe missbrauchen kann und er nicht wollte, dass dies geschieht?“, mutmaßte Miriel. Wenn Ryld seinen Charakter von seinem Vater geerbt hatte, dann musste dieser ein ebenso rechtschaffener Dunkelelf gewesen sein. Es würde Miriel jedenfalls nicht wundern, wenn er den Dunkelelfen die Existenz der Spiegel verschwiegen hatte, damit sie von ihnen nicht zur Eroberung missbraucht werden konnten.
Hier und jetzt bedeutete dieser Spiegel aber, dass sie endlich aus dieser verdammten Wüste heraus konnten. Egal wohin, sogar nach Hause, nach Andunie. Ob ihr Haus, ihre kleine Werkstatt noch stand? Wohl nicht. Viel zu lang war sie bereits von ihrem Zuhause fort. Wahrscheinlich hatte es bereits einen neuen Besitzer gefunden. Aber sie konnte zurück nach Zyranus. Sie konnten Maurizius nach Hause bringen. Sie konnte ihr Hab und Gut bei ihm holen und dann mit Ryld gehen wohin sie wollte.
Sie merkte nicht, dass sie von Ryld sehr genau beobachtet wurde, kam erst wieder zu sich, als Maurizius zu lamentieren anfing.
“Was will er von dir?“
Miriel zuckte mit den Schultern. „Was weiß ich. Aber ich hab da so eine Ahnung. Komm mit!“
Entschlossen fasste sie seine Hand und zog ihn hinter sich her. Ihr Weg führte sie die Treppe hinauf bis hin zum geöffneten Maul des Drachen. Noch als Maurizius lamentierte, war ihr, als hätte sie im Drachenmaul etwas kurz aufblitzen sehen.
Und tatsächlich, ihre Sinne hatten sie nicht getäuscht. Mitten im Maul des Drachen befand sich ein kleiner Altar.
„Ich glaube er meinte dies hier.“

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 28. März 2012, 16:55

Sie erklommen die Stufen. Jeder Schritt hallte ein wenig mehr.
Maurizius war unten geblieben, doch er sah zu ihnen hoch. Anfangs noch an seinem Gewand am rumnesseln, dann als sie außer Sichtweite für ihn waren, strich die Hand nur noch über den Stoff. Ein leises Aufseufzen.
Aufmerksam und tatsächlich jetzt mal wieder mit diesen seltsamen Augen, wenn das andere in ihm sich meldete. Dieses Wesen welches permanent zu ihm sprach.
Er nickte nur stumm, während er sich zu dem Schwanzende der Drachenstatue begab und diese berührte.
"Es ist an der Zeit" flüsterte er sanft. Dann schritt er in den Drachenkörper hinein, als wäre dieser nur eine Illusion. Verschmolz mit dem Tier. Ein Beben ging durch den versteinerten Körper. Der Stein bekam Risse und wurde zu Sand. Dieser fiel zu Boden.darunter kam ein glänzen zu Vorschein, Schuppen wie aus Diamant.
Die steinerne und sandige Hülle fiel mehr und mehr ab, fraß sich nach oben zum Kopf. Das Rieseln von Sand war hörbar und leises Knacken.

"Irgendetwas stimmt nicht" murmelte Ryld. Er sah sich nervös um. Den alten Magus sah er nicht von hier oben. Aber zu sehr mochte sich Ryld nicht über den Rand nach unten blicken, tatsächlich war es Ryld etwas zu hoch.
Wo ist er wieder hin?
ich hätte ihn anbinden sollen.

Sie waren oben angekommen.
Ein gigantischer Drachenkopf ruhte auf der einen Seite eines kleinen Altars.
Miriel und Ryld standen dem Steinkopf gegenüber.
Auf dem Altar, welcher auch ohne einen Kümmel Staub war leer. Aber nicht komplett, im Altar selbst war ein Muster und ein Stein eingelassen. Es sah dem von Miriels Familienwappen sehr ähnlich. Jedenfalls der Kette, welche sie schon ewig getragen hatte. Dies Zeichen war nur größer, so einen Fuß im Durchmesser und in den Altar eingemeiselt..
Es ließ sich nicht entfernen oder bewegen.
„Das ist ein Scherz" brummte der Dunkelelf und war kurz gegen den Altar zu treten.
Da kam ein Windhauch. Nein, eher ein Atem. Ryld trat zurück, sah Miriel fragend an.
Sand löste sich vom Drachenkopf. Es knirschte und raschelte leise, dann öffnete sich die Augen des Drachen.
" Nur wer der Erde dient , darf dies nehmen." Grollte eine tiefe Stimme, als sich die Zähne des Drachen bewegte.
"Wer schickt dich dies zu holen und sage das Richtige, Kind!"
„Bei Manthala" Ryld schob sich vor Miriel. Die Gestalt war gewaltig und sah jetzt gar nicht mehr nach einer Statue aus. Doch sie strahlte nicht diesen Wahnsinn aus, wie der Drache aus Zyranus. Dieser hier hatte eine Vertrautheit und etwas Lehrendes wie es nur zu oft Maurizius hatte.
Kurz war es als würde man das Gefühl haben, dass Maurizius neben einem stand. Und tatsächlich schien er da für einen kurzen Moment wie ein Geist zu stehen, fast durchsichtig.
Nicht der verwirrt alte Kauz, sondern der weise Magier. Er strich sanft über Miriels Wange- oder bildete sie es sich ein?
„Die Wahl war die richtige, dein Ziel erreicht" sagte der Drache dann ohne ersichtlichen Grund. Seine Nüstern blähten sich auf und er pustete über den Altar.
Zuerst geschah nichts!
Dann begann es aus der Mitte heraus ein Funkeln und Sandkörner sammelten sich mehr und mehr. Sie krochen gegen aller Gesetzte der Schwerkraft zu Trotz vom Boden auf den Altar hoch. Wie als hatte man es auf Rücklauf gestellt.
"Wir riefen dich...wir suchten dich...er fand dich...lehre dich, lehre sie...wir sind Wissen! Fürchte uns nicht! Wir dienen dir! Nimm das Wissen, dass der Prophet dich hier verlässt und dich irgendwann ersuchen wird...aber nicht jetzt!“
Hörte Miriel die ihr nur vertrauten Stimmen, welche sie damals schon in der Wüste gehört hatte. Flüsternd und klar zugleich. Dann bedeckten sie den Altar und sie wurden zu Erde,zu Papier welche dann wie ein große Schriftrolle sich wellte.
Tatsächlich lag da jetzt eine Schriftrolle.

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"dies ist euer...Die Schriftrolle der Erdmagie!...Er hat den Preis dafür bezahlt und seine Aufgabe für jetzt erledigt. Lass das Opfer nicht umsonst sein! " dann versteinerte der Drache augenblicklich. War für keine Antwort mehr zu haben.
Von Maurizius gab es keine Spur mehr, aber vielleicht erinnerte sich Miriel daran, dass es der Magus wohl wusste was kommen würde. Er hatte es öfters in seinem Geschwafel losgelassen.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 11. April 2012, 23:35

„Das ist ein Scherz.“, war alles was Ryld auf Miriels Bemerkung den Altar betreffend sagte. Auch Miriel blickte relativ ungläubig auf den Altar. Der hatte zwar ein schönes Muster eingraviert, welches ihr irgendwie bekannt vorkam, ansonsten war er jedoch vollkommen leer.
Nichts, absolut garnichts.
„Ja was...?“ Sie hatte es doch ganz deutlich blinken gesehen, oder war dies nur eine Täuschung gewesen? Ihr Gesichtsausdruck musste wirklich einmalig sein, als dröhnendes Lachen hinter ihr erklang. Mit funkelnden Augen fuhr sie herum, nur um zu sehen, wie sich Ryld beinahe vor Lachen bog.
„Ach ne, auf einmal entdeckt der Herr, dass er auch lachen kann. Du scheinst dich ja königlich auf meine Kosten zu amüsieren.“
Noch immer prustend schüttelte der Dunkelelf den Kopf. „Nein, eigentlich nicht. Ich musste nur über unsere Einfalt lachen. Da suchen wir monatelang diesen Tempel, tappen einem wirren Magier hinterher, nur um am Ende vor einem leeren Altar zu stehen. Oh, wenn ich diesen Magier erwische. Wo steckt der Kerl überhaupt? Ich hätte ihn doch anbinden sollen.“
Beide waren so auf den kleinen Altar fixiert, dass sie dem steinernen Drachenkopf daneben keinerlei Beachtung schenkten. Etwas, das für Ryld sehr ungewöhnlich war, wie ihnen sogleich drastisch vor Augen geführt wurde. Ein kurzer Windhauch aus der Richtung des Drachenkopfes ließ sie beide gleichzeitig dorthin schauen. Miriel war es fast vorgekommen, als hätte der Drache ausgeatmet, doch das war völlig unmöglich. Sie hätte es besser wissen müssen, denn schließlich war hier Magie im Spiel. Dann wäre sie auch nicht so zusammengezuckt als der Drachenkopf auf einmal die Augen öffnete und grollend zu sprechen anfing.
"Nur wer der Erde dient, darf dies nehmen. Wer schickt dich dies zu holen und sage das Richtige, Kind!"
“Bei Manthala!“
, entfuhr es Ryld, gleichzeitig drängte er sich vor die Erdmagierin und schob sie hinter sich.
“Nicht schlecht Ryld.“, meinte nun Miriel lachend und sah ihm schelmisch über die Schulter. “Ich bin mir aber recht sicher, dass dies nicht der Name war, den unser Drachenkopf dort vorn hören wollte.“
“Pfffft“, war alles was der Dunkelelf dazu meinte, als er verächtlich die Luft ausstieß. “Hi hi hi.“, kicherte Miriel. Du übst eindeutig einen schlechten Einfluss auf mich aus.“
Was sollte man dazu noch sagen? Ryld sagte jedenfalls nichts mehr, dafür grinste er sie über seine Schulter hinweg schmutzig an. Doch dann konnte er sich ein: “Du hast es ja so gewollt.“, einfach nicht verkneifen. Miriel wusste, dass er damit auf ihre erste Annäherung in der Oase anspielte und grinste ihm ihrerseits wissend zu.
Wahrscheinlich wäre das Geplänkel noch weiter gegangen, hätte sich Miriel nicht endlich besonnen. So trat sie hinter Ryld hervor und wollte dem Drachenkopf, der ihr verdächtig nach Maurizius geklungen hatte, antworten, als dieser unvermittelt das Wort ergriff.
„Die Wahl war die richtige, dein Ziel erreicht" “Ach, tatsächlich, war sie das?“. Rylds Frage war hohntriefend und die reinste Provokation, weswegen Miriel ihn nun doch leicht verstimmt anzischte: „Kannst du das jetzt endlich mal lassen Ryld? Wenn du so weiter machst werden wir von dem Ding noch gefressen.“ “Hoffentlich verschluckt es sich daran.“
Ungewollt prustete die Erdmagierin ob des trockenen Kommentars leise los, verschluckte sich prompt selbst und bekam einen Hustenanfall. Als sie wieder einigermaßen Luft bekam, schaute sie den Dunkelelfen nur vorwurfsvoll an, was dieser mit einem lapidaren “Was?“ schulterzuckend abtat.
Über ihren Hustenanfall hatten beide nicht mitbekommen, dass der Sand sich zu bewegen begann. Erst langsam, dann immer schneller und entgegen aller Gesetze floss er auf den Altar hinauf wo er sich mehr und mehr verdichtete. Dazu hörte Miriel wieder die Stimmen, die aus dem Sand selbst zu kommen schienen. Am Ende wurde aus dem Sand eine Schriftrolle, die langsam auf dem Altar auspendelte.
"dies ist euer...Die Schriftrolle der Erdmagie!...Er hat den Preis dafür bezahlt und seine Aufgabe für jetzt erledigt. Lass das Opfer nicht umsonst sein! " Mit diesen letzten Worten wurde der Drachenkopf erneut zu Stein und Ruhe kehrte in die Halle ein.
Vorsichtig, so als könne die Rolle jeden Augenblick wieder zu Staub zerfallen, griff Miriel zu und nahm sie an sich. Was hatte der Drachenkopf gesagt? Die Schriftrolle der Erdmagie? Hatte sie nicht in der Bibliothek von Zerhauenes ... oder war es die in Pelgar gewesen? Genau konnte sie es nicht sagen, aber sie war sich sicher, irgendwann einmal von dieser magischen Schriftrolle gelesen zu haben. Wissen sollte sie bergen. Wissen über die Stufen und Zauber eines Erdmagiers.
„Weißt du was das hier ist?“, meinte Miriel erfurchtsvoll zu Ryld und rollte dabei langsam die Pergamentrolle auf.
„Ja sicher.“, entgegnete ihr der Dunkelelf, worauf sie kurz innehielt und ihn verblüfft ansah. Anscheinend dachte sie, er würde sie auf den Arm nehmen. Was er ja auch tat, wie seine nächsten Worte zeigten: „Eine Pergamentrolle. Was steht denn drin? Rezepte für Dracheneier?“ Sie hätte es wissen müssen, Ryld ritt heute eindeutig der Schalk. Bei einem Dunkelelfen schon etwas sehr Außergewöhnliches. Anscheinend übte sie einen ebenso schlechten Einfluss auf ihn aus wie er auf sie.
„Haha, sind wir heute zu Scherzen aufgelegt? Nein Ryld, keine Dracheneierrezepte, nur Wissen, Wissen über die Erdmagie. Siehst du, hier steht zum Beispiel ...“
„Ja ja, unheimlich interessant. Du solltest es später lesen. Ich denke du hast was du bekommen solltest. Sehen wir zu, dass wir wieder raus kommen. Nicht dass es sich der Drachenkopf doch noch anders überlegt. Wenn ich es recht bedenke, so möchte ich doch besser nicht als Drachenfutter enden.“

Auch wenn die Neugier Miriel gepackt hatte, musste sie Ryld zustimmen. Sie hatten was sie wollten und sollten wirklich zusehen, dass sie wieder ans Tageslicht kamen. Außerdem wollte sie ihre kleine Tochter nicht über Gebühr allein lassen. So rollte sie das Pergament wieder zusammen und ließ es in den Tiefen ihres Kleids verschwinden.
„Du hast recht, sehen wir zu, dass wir hier raus kommen. Ein oder zwei Tage gönnen wir uns noch Ruhe und dann gehen wir durch den Spiegel, fort von hier.“
„Weißt du denn schon wohin du gehen willst.“, erkundigte sich Ryld beiläufig auf dem Rückweg nach draußen. Miriel schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht genau. Ich bin mir noch nicht schlüssig. Auf der einen Seite zieht es mich in meine Heimat nach Andunie und auf der anderen sind da noch meine Sachen in Zyranus, die ich ungern dort zurück lassen möchte.“ Auch wegen ihrer Unentschlossenheit wollte sie noch einen oder zwei Tage ruhen bevor sie durch den Spiegel gehen würden. Bis dahin, so dachte sie, würde sie eine Entscheidung getroffen haben.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. April 2012, 08:09

Jetzt hatte Miriel also die Schriftrolle der Erdmagie. Sie waren einen magischen Drachen begegnet, der wie Maurizius gesprochen hatte. Miriel hatte eine süße Tochter und gelernt, dass Hass eine gefährliche Sache war. Sie hatte sich neu verliebt und die Sprache der Dunkelelfen gelernt. Und ihr neuer Liebster, Ryld hatte seine Art von Humor entdeckt.
Tja es hatte sich so einiges im Leben der Erdmagierin aus Andunie getan. Ob alles zum Vorteil war, konnte man noch nicht werten.

Jetzt jeden Fall würde sie erst mal noch zwei Tage ruhen und sich dann entscheiden, wohin der Weg sie führen würde.
Ryld war nach seiner Frage recht still wieder. Irgendwie war er sich unsicher, ob er sie tatsächlich begleiten sollte. Dunkelelfen waren nicht gerade gern besehende Besucher, egal wie ihre Einstellungen zu anderen Völkern waren. Aber sein Herz, er hätte nie damit gerechnet, dass er mal darauf hören würde, riet ihm sie zu begleiten. Er hatte Liebe kennengelernt, nicht die, welche nur den körperlichen Akt betraf, sondern die, welche dem Herzen entsprang. Ein seltener Luxus für einen dunkelelfischen Krieger und Assassinen.
Die Treppe ging er dadurch tatsächliche eine Spur nachdenklich runter. Ihre Worte wogen etwas schwer. Sie hatte einen Ort, wo sie hingehen konnte.
"soll ich dich begleiten?" , obwohl er wusste, dass er sie auch in Gefahr bringen konnte. Vermutlich würde auch Miriel dies wissen.
Zwar wusste Ryld nichts von der Übernahme Andunie durch die Dunkelelfen und dass er dadurch ein besserer Schutz war, als er annahm.
"Es wird ein Risiko werden, wenn ich dich begleite... ich war nicht ohne Grund hier in der Wüste" Hatte er ihr je erzählt, dass was er wirklich war. Was die Schriftzeichen im Gesicht bedeuteten?
Er nahm die letzte Stufe, drehte sich um und reichte Miriel seine Hand um ihr die letzten Stufen zu helfen.
Die Ernsthaftigkeit schlich sich langsam in seine Züge. Das er da oben beim Altar so einen Lachanfall bekommen hatte, war eigentlich untypisch für ihn. Ebenso dass er seine so gut antrainierte Wachsamkeit dort nachgelassen hatte. Aber Miriel machte es möglich, so wie sie es geschafft hatte ihn von Anfang an in den Bann zu ziehen.
"Was wirst du mit dem Pergament machen?...wenn es kein Dracheneirezept ist? Und wieso wollte der verrückte Kauz, dass DU es findest?" Er sah sich suchend in der großen Halle um.
Von Maurizius fehlte jede Spur. Ein fragender Blick über seine Schulter zu Miriel?
"Hey! Du seltsamer Kauz, wo bist du?..Maurizius!" Rief er hart in die Halle. Ein leichtes wie ein Echo klingendes Geräusch war zu hören, aber keine Antwort.
Rylds Miene wurde finster, er knurrte und schritt dann suchend durch die Halle.
"geh du schon mal zurück! ich such den Kerl!...den binde ich danach so fest zusammen, dass er überhaupt nicht mehr laufen kann" Brummte der Dunkelelf abwesend.

Vielleicht würde Miriel sich der Worte erinnern, welcher der Drache noch gesagt hatte. Vielleicht würde ihr auch einfallen, dass Maurizius sich bei ihr irgendwie verabschiedet hatte, als sie die Stufen erklommen hatte.
Ryld kniete bei der Säule. Er hatte etwas gefunden.
Das Seil, welches Maurizius um seinen Körper gehabt hatte, lag jedenfalls auf den Boden. Der Dunkelelf hielt es in den Händen, blickte auf die Statue, wo das Seil im Körper des Drachen endete, als wäre es da rausgewachsen.
Fragend und doch ohne ein Wort, stand Ryld auf.
"Es war von einem Preis geredet worden, oder?"
Er nickte stumm zu der Statue hin, presste beide Hände gegen seine Brust. Ein stiller Abschiedsgruß, dann machte er kehrt und griff sich Miriel am Arm.
"Er hat einen Auftrag erfüllt, komm!"
Der Griff von Ryld war nicht hart, sanft und führend. Er hinterfragte nicht. Eigentlich wollte er nicht mal hinterfragen, was das alles zu bedeuten hatte.
"Deine Tochter wartet auf dich...und die Echsen" Innerlich hoffte Ryld, dass die Echsen nicht glauben würden, dass er den alten Magus umgebracht hatte. Immerhin hatte er mehr als deutlich gemacht, was er von dem Magus hielt. Und er wollte sich von seinem Gefährten verabschieden, denn durch den Spiegel, würde man wohl den Riesenskorpion nicht bekommen.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 29. Mai 2012, 22:00

Die letzten beiden Tage vergingen wie im Flug. Nun, da sie den Tempel gefunden und sein Geheimnis ergründet hatten, hielt Miriel nichts mehr in der Wüste. Zu lange schon war sie von Zuhause fort und jede Faser in ihr zog es unweigerlich in die Heimat nach Andunie.
Aus dem Tempel zurück wurden sie von den Echsen mit allen möglichen Fragen bestürmt. Vor allem das fehlen von Maurizius bewegte die Gemüter. Es dauerte eine Weile und brauchte eine Menge Überzeugungskraft der Erdmagierin, um die Echsen davon zu überzeugen, dass es nicht Ryld anzulasten war, sondern dass Maurizius seine Aufgabe erfüllt hatte und sein Geist in den Tempel eingegangen war. Sie erklärte den Echsen, was sie im Tempel erlebt hatten und dass der Tempel nun wieder den Echsen allein gehören würde. Auch dass sie und Ryld die Wüste über den gefundenen Portalspiegel verlassen würden, ließ sie Syr'Raz wissen.
Die folgenden beiden Tage waren erfüllt mit Reisevorbereitungen. Nachdem sich Miriel nach längerer Überlegung dazu entschlossen hatte, nach Andunie zurückzukehren, packten sie etwas Proviant und zwei Decken zusammen, da sie nicht wussten, was sie in Andunie erwartete. Es war immerhin einige Zeit her, dass Miriel die Stadt verlassen hatte. Auch musste sie Rylds Bedenken zerstreuen, der sich nicht sicher war, ob er für Miriel nicht eher eine Belastung denn eine Hilfe war. Miriel war das egal, sie kannte den Dunkelelfen inzwischen gut genug. Auch was er in der Vergangenheit getan hatte interessierte sie nicht. Es war Vergangenheit und hatte mit dem Dunkelelfen, der Ryld heute war, nichts mehr zu tun. All das machte sie Ryld klar, was ihm die Entscheidung, Miriel zu begleiten am Ende erleichterte.

Nun endlich war es soweit. Alle hatten sich zum Abschied im Tempel versammelt. Miriel bedankte sich bei den Echsen für deren Hilfe und selbst Ryld zollte der Gruppe durch das Neigen seines Hauptes Respekt. Die kleine Toireasa saß wie immer in ihrem Tragetuch auf dem Rücken ihrer Mutter, als diese vor den Spiegel trat. Sich das Bild des Marktplatzes von Andunie ins Gedächtnis rufend trat die Erdmagierin zögernd an den Spiegel. Ein kurzer Blick zurück, dann ging sie entschlossen hindurch und verschwand. Kurz darauf durchschritt auch Ryld den Spiegel und ließ die Wüste Sar hinter sich.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juni 2012, 16:54

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