Die Suche nach der Prophezeiung

Die Wüste erstreckt sich über die ganze Südhälfte der Insel Belfa und schon mancher hat sich in ihrer Tiefe verlaufen. Ohne Kamel und Wasservorrat sollte man sich nicht zu weit hineinwagen. Am besten heuert man einen Wüstenführer an.
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Miriel Lefay
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Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 19. Oktober 2009, 14:35

[komme mit Maurizius von Die große Bibliothek]

Sengend heiß brannte die Sonne auf die beiden Gestalten hernieder, die einsam und verloren in den sich endlos ausbreitenden Sanddünen der Wüste Sar standen. Aus der Ferne betrachtet sah es so aus, als stünden zwei leblose Statuen inmitten der Wüste, und doch handelte es sich um zwei lebende Wesen. Zwei Menschen, einen älteren Mann und eine junge Frau, denen lediglich der Schock in den Knochen saß und sie bewegungslos verharren ließ.
Schließlich regte sich Miriel, denn um keine andere handelte es sich bei der jungen Frau, blickte sich ungläubig um, und begann fürchterlich zu schimpfen und zu fluchen:
„Dieses dreimal vermaledeite Drachenweib! Sie hat es tatsächlich getan! Natürlich, für sie wäre das ja auch normal und höchstens ein kleiner Spaziergang, aber dass wir keine Drachen sind, daran hat sie keinen einzigen Gedanken verschwendet. Warte, wenn ich diese geschuppte Feuerspuckerin nochmal in die Finger kriege! Von wegen helfen, ha, der werde ich was husten, jawohl, was husten werd ich dieser schuppigen Bestie.
Was fällt ihr eigentlich ein, uns hier auszusetzen, ohne Brot, ohne Wasser, ohne alles!
WAS IST DENN!“, fuhr sie ihren Begleiter, bei dem es sich um niemand anderen als Maurizius, den Magier aus Zyranus handelte, ungehalten an.

Der versuchte bereits seit einer Weile den Redefluss der Erdmagierin zu unterbrechen und diese wieder zu beruhigen, doch Miriel war keineswegs bereit sich so leicht besänftigen zu lassen. Ganz im Gegenteil, begann sie erneut zu zetern: „Nein Maurizius, ich will mich nicht beruhigen. Auch du musst zugeben, dass dieses Schuppenweib …, ach hör doch auf, natürlich ist sie ein Drache, was denn sonst? Versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen, das bin ich nämlich ganz und gar nicht!
Was wollte ich sagen? Ach ja, auch du musst doch zugeben, dass diese schuppige Vettel uns völlig überstürzt hierher verfrachtet hat. Schau dich doch selbst an, du hast ja noch nichtmal ordentliche Schuhe an. Stattdessen rennst du in dieser Einöde, wo meilenweit nichts weiter als Sand und Sonne ist, mit Pantoffeln herum. Und an meinen Zustand, an mein Kind, hat sie auch keinen Gedanken verschwendet!
Ja verdammt noch mal, was soll denn aus uns werden, so vollkommen ohne Ausrüstung und Verpflegung? Hast du vielleicht schon mal daran gedacht?“

Dass Miriel so ungehalten wetterte lag daran, dass Ni-Sha, als sie von der Prophezeiung hörte, meinte, dass diese noch in der Wüste Sar aufbewahrt werden müsste. Kurzerhand hatte sie die beiden, so wie sie waren, auf eine wohl nur ihr bekannte Weise von Zyranus in die Wüste Sar gebracht. Da sowohl Miriel, als auch Maurizius nur auf einen Sprung in die Bibliothek von Zyranus wollten, waren sie natürlich nicht für eine solche Reise gerüstet, hatten weder Verpflegung noch Ausrüstung dabei. Dies war dann auch der Grund, warum Miriel Ni-Sha so lautstark verwünschte. Wenigstens, so dachte sie, als sie die Unabänderlichkeit ihrer Lage akzeptiert hatte, habe ich meinen Geldbeutel und meinen Dolch mitgenommen. So können wir uns, falls wir hier je lebend rauskommen, zumindest Verpflegung und etwas Ausrüstung kaufen. Mit dem kleinen Vermögen, was Miriel durch den Verkauf der Tränke erworben hatte, sollten sie keine Not leiden. Doch dazu mussten sie erst einmal eine Ansiedlung oder eine Handelskarawane finden.
An die möglichen Gefahren, welche in der Wüste auf sie lauerten, wollte sie im Augenblick lieber nicht denken.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Montag 26. Oktober 2009, 22:33

Die Sonne brannte auf den Sand herunter. Der kleine Skorpion, der sich wagte, in der großen Mittagshitze zu jagen, hatte es fast bereut. Nicht das dieses Wesen einen sehr hohen Intellekt besaß, doch war es immerhin für die heiße Gegend erschaffen.
Doch etwas stimmte nicht. Ein Beben ging durch den Sand.
Gerade wollte es über einen für es großen Hügel klettern, da landete ein riesiges Etwas vor ihm. Der Skorpion machte einen Satz nach hinten. Es stellte bedrohlich und verteidigungsbereit seinen Schwanz hoch. Der Stachel war seine beste Verteidigung, doch wirkte er gegen Riesen?
Der Riese verschwand und es folgten wohl die seltsamen Töne, welche solche Riesen von sich gaben.
So würden die Riesen nie überleben, würde es wohl denken, wenn es sich über so was Gedanken machen könnte. Doch der Skorpion beruhigte sich so rasch wie der Sand, welcher schnell die Spuren verschluckte.

Maurizius war ebenso überrascht gewesen, wie Miriel. Doch neigte er nicht dazu dies laut Kund zu tun. Wie es nun seine Art war, war alles andere sowieso viel zu interessant. Er war fasziniert davon wie sie so schnell in die Wüste Sar transportiert wurden. Er konnte überhaupt nicht verstehen, dass sich Miriel so aufregte. Immerhin konnten sie jetzt nichts mehr ändern.
Mehrmals versuchte er sie zu beruhigten, doch das brachte nichts.

Dieses dreimal vermaledeite Drachenweib! Sie hat es tatsächlich getan! Natürlich, für sie wäre das ja auch normal und höchstens ein kleiner Spaziergang, aber dass wir keine Drachen sind, daran hat sie keinen einzigen Gedanken verschwendet. Warte, wenn ich diese geschuppte Feuerspuckerin nochmal in die Finger kriege! Von wegen helfen, ha, der werde ich was husten, jawohl, was husten werd ich dieser schuppigen Bestie.
Was fällt ihr eigentlich ein, uns hier auszusetzen, ohne Brot, ohne Wasser, ohne alles!


„ aber du solltest es…. sie meinte es doch gut… .Natürlich ist es kein Spaziergang…. Wahrscheinlich dachte sie , da wir… Miriel… Miriel! Kind, Beruhige dich!…HÖR MIR GEFÄLLIGST ZU, KIND“

WAS IST DENN!“ fauchte sie Maurizius an. Natürlich hatte Miriel gutes Recht sich zu beklagen. Ni-Sha, der Drache, wie Miriel erfahren hatte, hatte die beiden ohne Vorwarnung einfach in die Wüste teleportiert.

Nein Maurizius, ich will mich nicht beruhigen. Auch du musst zugeben, dass dieses Schuppenweib …,
„ Wieso Schuppenweib, das ist nicht höflich.Und Drache? Sie gehört nur zum altem Volk“

…ach hör doch auf, natürlich ist sie ein Drache, was denn sonst? Versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen, das bin ich nämlich ganz und gar nicht!

Maurizius schloss zu ihr auf. Er humpelte und stolperte mit seinen Pantoffeln durch den Sand.
Mit den Ärmel seines Gewandes wischte er sich den Schweiß von der Stirn.

„DAS, mein Kind, habe ich nicht behauptet. Immerhin lernst du Magie, dafür muss man schon eine gewisse Intelligenz besitzen…. aber ihr jungen Dinger versteht das komplexe Gefüge zwischen Magie , der Zeit, der arkanen Strömungen…oh, ich schweife ab. Habe ich dich unterbrochen?

Was wollte ich sagen? Ach ja, auch du musst doch zugeben, dass diese schuppige Vettel uns völlig überstürzt hierher verfrachtet hat. Schau dich doch selbst an, du hast ja noch nichtmal ordentliche Schuhe an. Stattdessen rennst du in dieser Einöde, wo meilenweit nichts weiter als Sand und Sonne ist, mit Pantoffeln herum. Und an meinen Zustand, an mein Kind, hat sie auch keinen Gedanken verschwendet!
Ja verdammt noch mal, was soll denn aus uns werden, so vollkommen ohne Ausrüstung und Verpflegung? Hast du vielleicht schon mal daran gedacht?“


Maurizius blickte sie an. Es war ja nicht so, dass er sich keine Sorge machen würde. Sie war schwanger und sie waren mit so gut wie nichts ausgerüstet. Er trug tatsächlich nur Pantoffeln, obwohl eigentlich sogar nur noch einen. Den anderen hatte er irgendwo verloren. Nur seine Socke schützte ihn vor einer Verbrennung am Fuß.
Er hob die Hände, als wollte er die Situation erklären, doch dann ließ er sie sinken. Maurizius wusste nicht, was er sagen sollte. Er war immerhin nicht mehr der Jüngste und ein Kämpfer war er auch nicht. Er war Magier.
Sein Blick ging zu Boden.

„ ich bin vielleicht doch schon älter als ich dachte. …jaja, …das kannst DU leicht sagen. Wie ich bin Magier? natürlich, das weiß ich!… ja und… DAS habe ich NICHT vor!… ich werde sie und ihr Kind schützen!… jawohl!“ Begann Maurizius mal wieder vor sich hinzuplappern.

Die Hitze schien sich schon bemerkbar zu machen. Wie lange würde überhaupt dieser alte Mann durchhalten?
Doch so verzweifelt Maurizius noch einem Moment zuvor war, konnte Miriel sehen, dass etwas wieder an Kraft gewann.
Der Kampfgeist wurde geweckt.

„ Wir schaffen das schon, Kindchen!… wo viel Sand ist, kommt auch irgendwann Wasser. …den Sand muss ich befragen… Sie her, Mädchen. Tja, man lernt an den ungewöhnlichsten Orten. Wollen wir mal!“
Maurizius kniete sich zu Boden, nahm etwas Sand, den er mit einem „AUtsch, ah! Ist das heiß“ schnell wieder fallen lies. Er schüttelte seine Hand.
„ Na warte! Das haben wir gleich! Immerhin wollen wir doch nur den Weg zu Wasser gezeigt bekommen“
Der Magier stampfte auf. Murmelte fremdartige Worte. Und es bildete sich eine kleine Wolke aus der es zu regnen begann. Die Hände , obwohl schon alt, führten geschickte Geste aus. Zu geschickt und flink.
Wasser benetzte den Sand und zischte auf, als sich Hitze und Wasser trafen.
„Richtung Süden“ sagte Maurizius mit der seltsam klaren Stimme, mit der er schon damals in Zyranus sprach. Seine Augen strahlten Kraft und Zuversicht aus.
Seine Haltung straffte sich.
„ Wir müssen uns eilen“
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 18. November 2009, 15:20

Es war schon seltsam und irgendwie paradox, dass sich der alte Magier weniger Sorgen um ihre Zukunft machte als die junge Frau, obwohl er doch gerade wegen seines Alters weit schlechtere Aussichten hatte, aus der vertrackten Situation, in welche sie von Ni-Sha gebracht hatte, mit heiler Haut heraus zu kommen.
Was wollte er vorhin sagen? Die Jugend würde das komplexe Gefüge zwischen Magie, Zeit und arkanen Strömungen nicht mehr verstehen? Vielleicht hatte er recht, vielleicht war Magie wirklich mehr als nur die Beherrschung der Elemente. Was wusste sie schon von den Strömungen von Raum und Zeit? Allein ihre zeitlose räumliche Versetzung hierher zeigte ihr, dass es weit mehr Möglichkeiten der Magienutzung gab als sie sich wohl je vorstellen konnte.
Und mit einem Mal fühlte sie sich so einsam wie nie zuvor in ihrem Leben. „Du fehlst mir so.“, seufzte sie leise auf, sich nicht bewusst, dass ihre Gedanken unweigerlich zu Kri’il gewandert waren und sie unbewusst laut gedacht hatte. Ja, er fehlte ihr, er, der immer der ruhigere Teil von ihnen gewesen war. Dort wo sie selbst ungestüm und aufbrausend daher kam, blieb er fast immer pragmatisch und gelassen. Wahrscheinlich hätte er ihre Versetzung vollkommen nüchtern analysiert und bereits an möglichen Auswegen gearbeitet.

Noch einmal seufzte sie auf, als sich ihr eine Hand beruhigend auf die Schulter legte und Maurizius zuversichtlich meinte:
„ Wir schaffen das schon, Kindchen!… wo viel Sand ist, kommt auch irgendwann Wasser. …den Sand muss ich befragen… So sehr ihr der alte Magier auch manchmal auf die Nerven ging, in diesem Moment war sie froh, dass er bei ihr war, ihr Zuversicht gab und beherzt zur Tat schritt wo sie zögerte. Trotzdem war und blieb er ein sonderbarer Kauz.
Wie anders sollte sie sich seine Worte sonst erklären? Den Sand befragen …ts.

„Was meint ihr damit, den Sand …?
Sie her, Mädchen! Tja, man lernt an den ungewöhnlichsten Orten. Wollen wir mal!“, wurde sie mit einer ungeduldigen Handbewegung unterbrochen.
So setzte sich Miriel im Schneidersitz auf den sandigen Boden und schaute Maurizius bei seinem Treiben zu.
Dieser kniete sich zu Boden und nahm etwas Sand, den er jedoch sogleich mit einem schmerzerfüllten „Autsch, ah! Ist das heiß“, schnell wieder fallen ließ. „ Na warte! Das haben wir gleich! Immerhin wollen wir doch nur den Weg zum Wasser gezeigt bekommen“

Verständnislos den Kopf schüttelnd fragte sich Miriel, was das nun wieder werden sollte. Wie wollte es der Alte erreichen, dass ihnen der Sand den Weg zu etwas Wasser wies?
„Maurizius, was soll…?“, fing sie erneut an, wurde aber von einem harschen „NICHT JETZT!“ unterbrochen. Der Magier stampfte auf, murmelte fremdartige Worte und zu ihrem Erstaunen bildete sich eine kleine Wolke, aus der es alsbald zu regnen begann. Die Hände, obwohl schon alt, führten geschickte Gesten aus, zu geschickt und flink, als dass Miriel erfassen konnte was genau er da eigentlich machte. Umso faszinierender war sie als das Wasser den Sand benetzte und aufzischend zu einer kleinen Dampfwolke wurde, als es auf die Hitze des Bodens traf.
„Richtung Süden!“, sagte Maurizius auf einmal mit dieser seltsam klaren Stimme, mit der er schon damals in Zyranus gesprochen hatte. Seine Augen strahlten Kraft und Zuversicht aus und seine Haltung straffte sich.

„Wie …?“, begehrte Miriel nun endlich zu wissen, und wurde zum wiederholten Male abgewiesen:
„Später! Wir müssen uns eilen!“, und schon setzte sich der sonderbare Kauz mit wackerem Schritt in die von ihm besagte Richtung in Bewegung.
Also schön., dachte sich Miriel, und eilte Maurizius hinterher, welcher bereits ein gutes Stück voraus war. Eine Richtung ist so gut wie die andere, und es ist am Ende ziemlich egal in welcher Ecke dieser trostlosen Wüste unsere Knochen in der Sonne bleichen. Warum also nicht auf diesen sonderbaren Magier vertrauen? Er hat ja schon öfters lichte Momente gehabt.
„Wartet Maurizius.“, rief sie ihm hinterher. „Ihr habt mir noch immer nicht erklärt, was ihr da eben gemacht habt. Diese Gesten und Bewegungen … Ich meine, ich führe ja auch bestimmte Handbewegungen aus, wenn ich die Erde manipuliere, aber das …! Wasser aus Sand! Und wie habt ihr die Richtung bestimmt? Ich meine, wie könnt ihr euch so sicher sein, dass es in dieser Richtung Wasser gibt?“
Die Fragen sprudelten nur so aus ihr heraus, während sie den alten Magier endlich einholte und nun gemessenen Schrittes neben ihm her ging.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. November 2009, 14:16

„Wartet Maurizius. Ihr habt mir noch immer nicht erklärt, was ihr da eben gemacht habt. Diese Gesten und Bewegungen … Ich meine, ich führe ja auch bestimmte Handbewegungen aus, wenn ich die Erde manipuliere, aber das …! Wasser aus Sand! Und wie habt ihr die Richtung bestimmt? Ich meine, wie könnt ihr euch so sicher sein, dass es in dieser Richtung Wasser gibt?“ Maurizius blieb nicht stehen, doch drehte sich erstaunt zu Miriel, die ihn inzwischen eingeholt hatte.
Mit einem leichten amüsanten lächeln machten sie sich dann gemeinsam auf den Weg. Es war mühselig. Man kam schlecht voran, da der Sand unter einem wegsackte.
Eine Düne hinauf und wieder hinunter. Wo man auch hinsah, weit und weit nur Sand.

„ Was ich gemacht habe? Den Weg erfragt…obwohl ich das eigentlich anders in Erinnerung hatte. Mein sonst verwirrter Geist hatte diese Formeln schon länger nicht mehr gemacht?...ich verstehe….“ Murmelte er zu sich selbst.
„ich habe die arkanen Strömungen genutzt und gebündelt. Das bewirkte einen auf kleinsten Raum einen drastischen Temperatursturz. In diesem Sand ist verdunstetes Wasser enthalten, was sich beim Kontakt mit der Kältezone zu einer Wolke formt und nachdem sich genügend Wasser angesammelt hat, es regnet lässt. Außerdem war dieses Land einst ebenfalls fruchtbar. Ich bin hier geboren….oh, ich erinnere mich wieder.“ Er zwinkert Miriel zu.
„ jedenfalls im Moment. Tja, Magier und ihr Wahnsinn….Und tief im Inneren ist das Wasser noch verborgen. Außerdem sieht euch mal den Sand genau an - ich nehme ihn jetzt nicht wieder hoch- die Körner sind nicht scharfkantig. Auch ein Hinweis auf Wasser, dass es hier Wasser gab…Und der Sand teilt einem mit, wo sich Wasser befindet, weil es sich danach sehnt. Die Erde sehnt sich danach….Das solltet ihr gerade hören können. Ihr seid doch zur Erdmagie fähig? … oder wurde ihr nie richtig damit ausgebildet? Miriel, ihr tragt hohes Potenzial in euch….ja, in doppelter Hinsicht. Ihr müsst es euch so vorstellen, dass sich Erde wie der Mensch verhält. Die einen prahlen mit Reichtum -fruchtbar durch Wasser und die anderen neiden es ihnen…Versteht ihr wie ich es meine? Ich zeige euch gerne wie es geht. Und das es Süden ist, dafür muss man nur den Stand von Schatten und der Sonne berechnen können. Ach, etwas noch. Haltet bitte still.“
Er zog seine Robe aus und riss mit seinen Zähnen das Innenfutter seiner Robe an. Dann Zog er kräftig an dem material, bis es zerriss. Das wiederholte er ein weiteres mal und zog sich den Rest der Robe wieder über. Aus den Stofffetzen fertigte er für Miriel und sich selbst einen mehr schlecht als recht aussehenden Kopfsonnenschutz.
„ Sonst haben wir bald einen Hitzschlag…Wie gesagt, ich wurde hier geboren…nur ist das lange her.“ Sein Blick wurde schwermütig. Vielleicht wurde ihm gerade bewusst, wie viele schon langst verstorben waren. Er war Miriel in gewisser weise nicht unähnlich. Beide waren sie allein unterwegs.
Nur hatte seine kauzige Art ihn sonst vor solchen Zweifel bewahrt.
Wie lange würde er diesmal so bleiben?
Wieder erklommen sie eine Düne. Aber was war das? Waren dort nicht Palmen? Eine Oase vielleicht?
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 29. Januar 2010, 23:28

Sie bewegten sich immer weiter in südlicher Richtung durch die Wüste, während ihr Maurizius erklärte wie er das kleine Kunststück mit dem Wasser und dem Sand bewerkstelligt hatte. So wie er es erklärte hörte es sich so einfach an, in Wahrheit hatte Miriel jedoch Mühe seinen Ausführungen zu folgen. Das lag nicht unbedingt daran, dass sie zu langsam in ihrem Denken war, sondern vielmehr an der Sonne, die ihnen mit dem Fortschreiten des Tages mehr und mehr auf die Köpfe brannte. Sie trübte den Geist und machte den Fluss der Gedanken schwer und träge. Zudem war das Laufen im Wüstensand ungleich beschwerlicher als auf einem befestigten Weg. Immer wieder sackte der Sand unter ihnen weg und sie mussten höllisch aufpassen, nicht mit ihm zusammen wegzurutschen.
Soviel hatte Miriel jedoch mitbekommen, dass Maurizius die magischen Strömungen bündelte und so in das komplexe Gefüge der Materie eingriff. Sicher hatte er recht damit wenn er meinte, dass sie, wenn sie ihren Kristall nutzte, das Selbe machte, und doch war es ihrer Meinung nach noch lange nicht das Gleiche. Sie konnte bisher nur die Strömungen der reinen Erdmagie bündeln und kanalisieren. Er dagegen schaffte es die magischen Strömungen verschiedener Magiearten zu erkennen und zu manipulieren.

„Sicher,...“, meinte sie daher auf seine Feststellung hinsichtlich ihres Potenzials eher bescheiden, „...ich beherrsche zwar die Erdmagie, allerdings konnten mich meine Eltern nicht darin unterweisen. Meine Mutter beherrschte die Feuermagie und meine Großmutter die Wassermagie. So wurde ich lediglich in den Grundzügen der Elementarmagie unterwiesen, was die Erdmagie selbst angeht musste ich mir jedoch alles selbst aneignen. Ich bin darin sozusagen noch immer ein Lehrling. Alles was ich kann habe ich aus einem Büchlein über die Erdmagie, das mir ein alter Mann aus Andunie einst schenkte. Leider liegt das Buch jetzt bei euch zu Hause in meinem Reisebeutel.“

In der Zeit, in der sie ihm diesen Einblick in ihr magisches Können gab, war Maurizius nicht untätig geblieben und hatte aus Teilen seiner Robe für sie beide eine provisorische Kopfbedeckung gegen die Sonne gebastelt. Dankbar nahm sie den „Stoffhut“ und setzte ihn sich auf den Kopf, der von der Sonne schon ziemlich ausgetrocknet war.
Lag es nun an ihrem ausgetrockneten Gehirn oder einfach nur daran, dass ihnen die Wüste Trugbilder vorgaukelte, denn kaum hatte sie sich den Stofffetzen aufgesetzt vermeinte sie in der Ferne doch tatsächlich Palmen zu sehen. Verblüfft und auch ein wenig irritiert blieb sie stehen, was wiederum Maurizius dazu veranlasste ebenfalls stehen zu bleiben und sie seinerseits verwundert wegen ihres verblüfften Gesichts zu mustern.
Miriel kam seiner unausgesprochenen Frage zuvor und zeigte mit dem Finger in die Richtung der Palmen: „Da, seht doch, Palmen! Ihr seht sie doch auch Maurizius oder nicht? Was meint ihr, gaukelt uns die Sonne etwas vor oder ist das tatsächlich eine Oase? Ich hoffe letzteres. Wir brauchen dringend Wasser und etwas zu essen.“. Bei dem Gedanken an Essen meldete sich sofort ihr Magen mit lautem grummeln und erinnerte sie daran, dass sie ja jetzt für zwei sorgen musste. Gerade deswegen sah sie hoffnungsfroh den Palmen und damit dem vermeintlichen Wasser und der Nahrung entgegen. Je weiter sie gingen desto schärfer wurden die Konturen der Palmen bis es schließlich Gewissheit war, es war tatsächlich eine Oase.

Kurz bevor sie die grüne Insel inmitten des gelben Sandes erreichten blieb Miriel auf einmal stehen und hielt auch Maurizius energisch am Hangelenk fest.
„Wartet Maurizius! Wir sollten vorsichtig sein. Wer weiß, wer sich alles bei dieser Lebensinsel herumtreibt, und ich habe keine Lust Sklavenjägern oder Räubern in die Hände zu fallen. Lasst uns daher mit der gebotenen Vorsicht der Oase nähern.“

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Montag 8. März 2010, 23:33

Tatsächlich hatte Miriel recht. Egal wie heiß es war, es schien keine Fata Morgana zu sein.
Je näher von sich dieser Oase näherte , desto deutlicher konnte man mehrere Palmen und Farne sehen. Eine grün umrundeter kleiner See. Exotische Pflanzen, welche Miriel noch nie gesehen hatte. Eine Vielzahl von bunten Blumen., die sich nicht an von der Hitze der Wüste stören ließen.
“ Ist etwas?…” Mauritis blickte Miriel verwundert an, als diese stehen blieb.
Dann folgte er ihren Blick.
Mit einer Hand schirmte er die Sonne von seinen Augen ab und starrte in die von Miriel gedeutete Richtung.
“ Doch, seit unbesorgt. Ich seh die Oase ebenfalls….es ist dort Wasser! Der Sand deutete in die richtige Richtung.”
Rasch raffte Maurizius seine Kleidung und eilte gemeinsam mit Miriel über die Dünen. Es war als wollte der Sand es ihnen jedoch verwähren.
Nur Mühsam kam man voran, doch die Lebensinsel lockte so sehr, dass man sich nicht aufhalten lies.
Jedoch war Miriel achtsam. Die Zeit, wo sie aktiv auf Abenteuer mit ihren Gefährten war, hatte sie aufmerksamer werden lassen. Sie war nicht mehr die Frau, die nur ihrer Berufung als Töpferin nachkommen wollte.
Kurz vor der Oase griff sie energisch nach seinem Handgelenk und zog ihn zurück.
Fast wäre Maurizius gestrauchelt, konnte sich in letzten Moment jedoch fangen.
Die Erklärung folgte prompt.

“ Ihr habt recht…wir sollten uns der Oase langsamer nähern. Könnt ihr Notfalls einen Schutzzauber wirken…Achtung!”
Damit schupste er Miriel in den Sand, als an ihnen ein surrendes Geräusch vorbeischoss.
Das Geräusch eines Pfeils oder Bolzen.
Sah man von Sand auf, konnte man schemenhaft eine Gestalt in der Nähe der Oase stehen sehen. Sie war schlecht auszumachen, da sie in sandfarbenen Gewändern gekleidet war.
War das der befürchtete Sklavenhändler?
Die Gestalt näherte sich nur langsam.
“ Wer ihr seit…langsam herkommen” Wurde die Stimme eines Mannes zu ihnen getragen. Sein Celcianisch war zwar verständlich, doch hörte man einen starken Akzent raus. Und doch klang die Stimme melodisch.
“..nun, der Herr scheint wohl lieber erst zu schießen und danach zu fragen…Krieger”, zischte Mauritius Miriel leise zu.
Was sollten sie jetzt tun?
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 10. März 2010, 11:12

Eben noch hatte sie mit Maurizius darüber geredet, dass sie vorsichtig sein sollten, und keinen Augenblick später, während Maurizius ihr Recht gebend etwas fragen wollte, fand sie sich auf einmal mit schmerzendem Hinterteil im heißen Wüstensand sitzend wieder.
„Was in Faldors Namen sollte das denn?“, blaffte Miriel. Ächzend erhob sie sich und rieb sich das Steißbein. „Bist du jetzt endgültig von allen guten Geistern verlassen?“, ungläubig sah sie zu Mauritius hinunter und wollte vor ihm zurückweichen, weil er erneut versuchte sie nach unten zu zerren. Wegen ihrer schnellen Bewegung verfehlte er jedoch ihre Hand. Was ihm nicht gelang vollbrachte dafür die Schwerkraft, denn bei dem Versuch zurückzuweichen stolperte Miriel über ihre eigenen Füße und landete erneut unsanft auf ihrem bereits geprellten Hintern.
„Autsch! Verflucht noch eins, jetzt reichts mir aber! Himmel nochmal, wie ich diese saublöde Abenteurerei hasse. Erst die verfluchte Kristallgeschichte, die mich beinahe umgebracht hätte, und kaum ist man da mit Ach und Krach heil davon gekommen und freut sich auf ein ruhiges Leben in seiner Töpferei, da stolpert man unversehens in die nächste himmelschreiende Schauergeschichte! Wann bei Faldors finsterem Arsch hört das endlich auf?“
Es war, als würde sich all der aufgestaute Ärger der letzen Ereignisse ein Ventil suchen und mit aller Macht aus Miriel hervorbrechen.

Den ganzen Monolog über versuchte Maurizius vergebens sie zur Ruhe zu bringen, kam aber nicht zu Wort. So deutete er nur mit Blicken und Gesten auf die Sanddüne hinter ihrem Rücken. Diese deutete in ihrer Rage sein Gebaren völlig falsch, meinte er würde ihr nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken und fuhr ihn daher an:
„Hörst du mir überhaupt zu? Und was bitteschön soll das alberne Rumgefuchtel? Es gibt hier keine Fliegen, die du verscheuchen musst!“
Nun, da sich ihre Aufmerksamkeit zumindest teilweise wieder dem alten Magier zuwandte, fiel ihr endlich auf, dass sein Rumgefuchtel, wie sie es so schön nannte, durchaus nicht völlig sinnlos war. So folgte ihr Blick seiner Hand und blieb am gefiederten Schaft eines Pfeils hängen, welcher aus der Düne hinter ihnen ragte. Eins und Eins zusammenzählend realisierte sie augenblicklich, dass Maurizius sie nicht grundlos geschubst hatte. Irgendwer musste auf sie geschossen haben und Maurizius hatte sie geistesgegenwärtig aus der Flugbahn des Pfeils gestoßen.
Beschämt blickte sie ob dieser Erkenntnis zu Boden und hauchte ein zerknirschtes „Danke.“ Zu mehr war sie im Moment nicht fähig, denn sie musste erst einmal die Tatsache verdauen, dass da jemand war, der ihnen mal wieder ans Leder wollte.
Maurizius vergewisserte sich indessen, dass sie sich wieder beruhigt hatte und kroch dann die vor ihnen liegende Düne hinauf. Oben angekommen spähte er vorsichtig über den Dünenkamm, immer darauf bedacht kein gutes Ziel zu bieten. Wenig später schob auch Miriel ihren Kopf über den Kamm der Düne wo beide in einiger Entfernung schemenhaft eine Gestalt erkennen konnten. Kein Wunder dass sie ihnen vorher nicht aufgefallen war, denn die Kleidung verschmolz fast mit der über dem Sand flimmernden heißen Luft.
Dagegen mussten sie selbst recht gut zu erkennen sein, da auf einmal die Stimme der sich zögernd nähernden Gestalt zu ihnen herüberwehte. “Wer ihr seid…langsam herkommen”
Na aber sicher, damit du uns in aller Seelenruhe massakrieren kannst. Da kannst du aber lange warten., dachte Miriel bei sich. Maurizius schien ähnliche Gedanken zu haben, als er leise zischte:
“..nun, der Herr scheint wohl lieber erst zu schießen und danach zu fragen…Krieger” Bestätigend nickte die schwangere Erdmagierin: „Sehe ich auch so, aber was machen wir jetzt? Seiner Aufforderung Folge zu leisten kommt ja wohl nicht infrage. Höchstens er gibt zu erkennen, dass er keine feindseligen Absichten hat.“

Ihren Kopf über den Dünenkamm reckend rief Miriel sogleich dem Unbekannten, die Stimme hatte zumindest männlich geklungen, entgegen:
„Damit ihr uns besser töten könnt, oder was? Den Teufel werden wir tun! Ihr haltet uns wohl für völlig bescheuert? Zeigt uns erst, dass eure Absichten friedlicher Natur sind! Senkt eure Waffe, dann sehen wir weiter!“
Sollte der Kerl erst einmal zeigen, dass er ihnen nichts Böses wollte. Von wegen, auf dem Silbertablett würden sie sich ihm nicht darbieten. Wenn er sie wollte, dann sollte er sie sich gefälligst auch holen, und dabei einige böse Überraschungen erleben.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Samstag 13. März 2010, 17:05

Da lagen sie nun im heißen Wüstensand. Eine leichte Brise wehte den Sand auf und ließ die Gestalt noch schwerer ausmachen.
Aber deutlich konnte man etwas wie einen Bogen ausmachen.
Oder war es eine Falle?

„Sehe ich auch so, aber was machen wir jetzt? Seiner Aufforderung Folge zu leisten kommt ja wohl nicht infrage. Höchstens er gibt zu erkennen, dass er keine feindseligen Absichten hat.“ flüsterte Miriel Maurizius zu, der eine typische Eigenart von Kriegern angesprochen hatte.
Dieser sah sie nachdenklich an.
„Das hat dieser Herr wohl eben gerade gezeigt. Wir schießen zuerst…Kinder..hmmm…“ er schüttelte kurz den Kopf. War da ein auch von seinem verwirrten Ich zu hören. Kurz schloss er die Augen, als er sie wieder öffnete war er wieder klar.
„..doch hat er den Vorteil, dass bei ihm das Wasser ist. Er braucht nur warten…“, dann zeigte er auf eine Düne. Dort lag ein vertrockneter Leichnam eines Rindes. Dies hatte es nicht mehr zur Oase geschafft.
Jedoch schien Miriel dies nicht mehr zu sehen. Gut hörbar rief sie zu den Fremden rüber.
„Damit ihr uns besser töten könnt, oder was? Den Teufel werden wir tun! Ihr haltet uns wohl für völlig bescheuert? Zeigt uns erst, dass eure Absichten friedlicher Natur sind! Senkt eure Waffe, dann sehen wir weiter!“

Es dauerte eine Weile bis eine Antwort folgte. Wahrscheinlich musste er erst versuchen, sich alles Gesagte zu übersetzen. Immerhin rief Miriel es doch recht aufgebracht zu ihm rüber.
Abwartend lagen sie da. Die Sonne brannte weiter auf sie herab.
„ Ich befürchte er versteht uns n…“ flüsterte Mauritius Miriel zu, als er von lautem Gelächter unterbrochen wurde.
Verwirrt blickte er zu der Gestalt, dann zu Miriel. Mit dem Zeigefinger tippte er sich mehrmals an die Schläfe. „ Die Sonne…?“
Die Gestalt hatte inzwischen mit dem Lachen aufgehört.
Soll mir recht sein… ich Waffe weg gelegt… ihr können kommen…keine Gefahr“
Tatsächlich senkte er den Bogen und legte den Bogen in den Sand.
Dann hob er die Hände, um zu zeigen dass er nichts mehr bei sich trug.
Der Fremde war recht groß, vielleicht fast 1,90m. Seine Statur war schwer zu beschreiben, da er in mehrere Lagen Stoff wohl gekleidet war. Sein Gesicht war verdeckt, nur die Augen konnte man sehen, welche in einem tiefen rot zu scheinen schien. Die Haut um die Augen wirkte im Schatten des Kopftuches wie tiefe Nacht.
„ ihr bringen Pfeil mit…“ rief der Fremde ihnen noch zu.
Wer auch immer das ist, die beider schienen ihn jedenfalls zu amüsieren.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 15. März 2010, 21:56

Da lagen sie nun und konnten nichts weiter tun als abzuwarten. Sämtliche Vorteile, da musste sie Maurizius recht geben, lagen auf Seiten des Fremden. Er war derjenige, der bereits an der Oase war, zu der sie noch wollten. Er hatte Wasser, sie brauchten es. Sie würden somit irgendwann gezwungen sein, ihre sowieso recht zweifelhafte Deckung zu verlassen, wollten sie nicht elendig verdursten.
Der Kerl mit dem Bogen war sich seiner überlegenen Position sehr wohl bewusst, was sein Lachen, in welches er nach kurzem Überlegen ausbrach, zeigte.
Auch wenn Maurizius der Meinung war, dass sein Gelächter Ausdruck beginnenden Irrsinns sei, so klang es für Miriel eher überlegen und ein wenig höhnisch, ganz so als würde er sich über ihr Ansinnen köstlich amüsieren. Endlich beruhigte sich der Kerl und rief etwas zu ihnen herüber, was Miriel jedoch nicht verstand, dafür um so besser das darauf folgende:
...ich Waffe weg gelegt… ihr können kommen…keine Gefahr“
Normalerweise wäre die angehende Mutter nun beruhigt, bei diesem Typen jedoch hatte sie trotz seiner scheinbaren Friedfertigkeit ein ungutes Gefühl.

„Was nun?“, wollte sie von Maurizius wissen. „Ich kann mir nicht helfen, aber ich trau dem Kerl nicht über den Weg. Hast du verstanden, was er da zu Beginn gesagt hat? Es war eine vollkommen andere Sprache.“ Und ich habe sie schonmal irgendwo gehört. Wenn ich mich nur erinnern könnte. Die Laute waren tief, kehlig und hart. Es klang irgendwie aggressiv in ihren Ohren, trotzdem fiel ihr einfach nicht ein, wo sie diese Laute schon einmal gehört hatte.
„Wir sollten weiter auf der Hut sein. Ich habe den Eindruck, als fühlte sich der Kerl trotz abgelegter Waffen uns noch immer weit überlegen.
Aber du hast Recht. Wir müssen zum Wasser oder wir sind verloren. Am besten wird es sein, wenn du vor gehst und ich mich etwas im Hintergrund halte. Im Zweifel kann ich dann mit meiner Magie noch eingreifen.“

Beide erhoben sich und Maurizius ging langsam auf den Fremden zu. Miriel indessen holte erst noch den Pfeil und folgte Maurizius schließlich in einigem Abstand.
„Also gut, lasst euren Bogen auf dem Boden liegen, wir wollen doch nicht, dass noch jemand verletzt wird oder?“, rief sie dem Fremden zu, sich dabei auf die Magieströme im Boden unter ihm konzentrierend. Sollte er wider erwarten doch nicht so friedlich sein wie er vorgab, so würde sie ihm einige Überraschungen bereiten.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Samstag 20. März 2010, 18:51

“Verstanden habe ich es tatsächlich nicht.- doch ich bin der Meinung sie irgendwo schon mal gehört zu haben.” Teilte Maurizius Miriel mit.
Auch er schien diese Sprache schon gehört zu haben. Immerhin durfte man nicht vergessen, wie alt Maurizius schon war.
Doch auf ihren Vorschlag nickte er ihr erstmal zu.
“ Gute Idee! …” damit erhob sich Maurizius und machte sich langsam auf den Weg zur Oase.
Miriel ließ sich absichtlich etwas nach hinten fallen. Sie holte zwar tatsächlich den Pfeil, doch zeitgleich konzentrierte sie sich auf den Boden.
Deutlich konnte sie die Strömungen der Erdmagie spüren. Wo würde es auch besser funktionieren, als in der Wüste direkt?
Der Sand wirbelte leicht auf, obwohl kein Wind zu spüren war. Jedes Sandkorn lud sich mit der arkanen Energie auf und wartete nur auf einen Befehl von Miriel.
Ihr Element war bereit! Bereit zu reagieren, wenn sie es befahl.
Dann konnte sie etwas hören.
Als würden tausende von leisen zarten Stimmchen zeitgleich zu ihr sprechen.
Ihr Kristall um ihren hals begann zeitgleich aufzuleuchten.

“wir hören dich- wir spüren dich- befehle uns!- wir leiten dich- suche es- suche es!”
Eine Szene kam ihr in den Kopf. Eine Gestalt -weiblich. Vor ihr Schwärze, hinter ihr Licht- die Frau in der Mitte. Eine Schriftrolle in ihren Händen. Die Schriftrolle schien aus Lehm zu bestehen. Die Frau dreht sich zum Licht. Ein Gesicht, dem von Miriel nicht unähnlich. Feine Gesichtszüge und leicht gespitzte Ohren ließen auf elfisches Blut schließen.
“lehre mich die Magie” sprach die Gestalt und hielt die Schriftrolle hoch.
Dann wahr es vorbei, nur die leisen Stimmen waren noch zu hören.
“wir spüren dich- befehle uns!..”

Senkende Hitze brannte auf der Haut.
Maurizius war inzwischen fast bei dem Fremden angekommen.
Dieser zeigte noch immer kaum eine Regung.

Der Fremde sah zu Ihnen hoch, jedenfalls wirkte es so. Nicht das man wirklich sein Gesicht sah.
Er schmunzelte leicht.
Fast schon gelangweilt, verschränkte er die Arme vor der Brust.
Doch er machte keine anstalten seine Waffe wieder zu heben.
Irgendwie war er fast zu selbstsicher.
Man konnte jetzt sehen, dass er wohl nicht nur von der Kleidung breit wirkte, sondern es wohl auch war. Seine Haltung wirkte leicht kriegerisch und doch mysteriös. Je näher man kam, desto genauer konnte man sehen, dass er wohl alleine war.
Er legte den Kopf leicht schräg.
“wo die Frau?” fragte er Maurizius, den er dabei genau musterte. Eine Stimme, die keinen Widerspruch duldete

Maurizius blieb stehen, warf einen kurzen Blick zurück und antwortete.
“..die Frau?..ja, da hinten! Also schauen kannst du doch, oder?” Die Klarheit war wieder gewichen. Hier stand Maurizius wie ihn Miriel kennengelernt hatte. Verwirrt und zerstreut. Oder war es eine Taktik von ihm?
Der Fremde starrte ihn an. Ein Zucken in den Händen verriet, dass er wohl am liebsten etwas gemacht hätte. Warum er nichts tat, wusste man nicht.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 28. März 2010, 22:39

Maurizius hatte den Fremden schon fast erreicht, so dass auch Miriel nun etwas schneller ging. Sie wollte ja nicht zu weit zurück bleiben. Trotzdem konzentrierte sie sich weiter auf den Sand um den Fremden und Maurizius herum. Es war nicht einfach, sich sowohl auf die beiden Männer, als auch auf die Magieströme in der Erde zu konzentrieren, und wieder einmal bedauerte sie, dass sie so wenig Übung im Umgang mit ihrer Magie hatte, bis auf einmal ...

Miriel:

Stimmen! Ich höre Stimmen! Nicht eine, nicht die von Maurizius oder die des Fremden, nein, es sind viele, sehr viele, vielleicht sogar Tausende.
Blicke mich einigermaßen verwirrt um, kann aber außer Maurizius und dem Fremden niemanden weiter sehen. Woher kommen dann diese Stimmen? Bei den Göttern - muss albern kichern – werde schon so verrückt wie Maurizius. Er hat es ja vorhergesagt, dass jeder Magier früher oder später Stimmen hören würde. Wusste nur nicht, dass es soooo schnell geht.
Na schön, wenn ich schon Stimmen höre, kann ich ihnen auch lauschen. Richte daher meine Konzentration weniger auf die beiden Männer und mehr auf das, was die Stimmen sagen.
“wir hören dich- wir spüren dich- befehle uns!- wir leiten dich- suche es- suche es!” Na aber sicher doch, als wenn ich nicht schon genug gesucht hätte. Bekomme natürlich nicht gesagt was ich suchen soll. Wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. War ja wiedermal so etwas von klar, dass nur nebulöse Andeutungen gemacht werden.
Aber nicht genug, dass ich Stimmen höre, nein, nun sehe ich auch noch Bilder. Sehe eine Gestalt -weiblich. Vor ihr Schwärze, hinter ihr Licht, die Frau in der Mitte. Sie hält eine Schriftrolle in ihren Händen. Die Schriftrolle scheint aus Lehm zu bestehen. Kichere schon wieder, ist aber auch zu verrückt, eine Schriftrolle aus Lehm, ha ha ha. Liegt wahrscheinlich an der Hitze. Jawohl, ich habe einen Sonnenstich, das muss es sein. Kann mir diese Halluzinationen nicht anders erklären. Alles andere würde bedeuten, dass ich nun vollends durchdrehe.
Die Frau dreht sich jetzt zum Licht. Ein Gesicht, dem meinen nicht unähnlich. Feine Gesichtszüge und leicht gespitzte Ohren, muss eine Elfe sein.
“lehre mich die Magie” spricht die Gestalt nun und hält die Schriftrolle hoch. Dann, als ob man mit einem Fingerschnippen eine Fackel löschen würde, ist es schlagartig vorbei, nur die Stimmen sind noch vorhanden, leise, im Hintergrund.

Miriel Ende

Dass sie nun auch Stimmen hörte, genau wie Maurizius, nahm sie mehr mit als sie sich eingestehen wollte. Es waren weniger die Stimmen an sich, als vielmehr der Umstand, dass sie diese einfach nicht einordnen konnte. Sie musste unbedingt mit Maurizius darüber sprechen, der wusste bestimmt mehr darüber als sie selbst. Sie war für den Moment so verwirrt, dass sie nur noch mit ihrem Problem beschäftigt war und den Fremden nicht mehr beachtete. Stattdessen rief sie Maurizius zu:
„Maurizius, ich höre komische Stimmen! Was hat das zu bedeuten? Warte doch, ich weiß nicht was das alles soll. Was geht da vor?“
Mit schnellen Schritten holte sie auf und kam fast gleichzeitig mit dem alten Magier bei dem Fremden an.

[ooc: Hab mal ein neues Stilmittel probiert, hoffe es stört nicht zu sehr, dass eine Sequenz aus Miriels Sicht in der Ich-Form geschrieben wurde.]

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 1. April 2010, 13:19

Fast schon ungläubig sah der Fremde mit Namen Ryld De’vir erst den kauzigen Mann- Maurizius und dann die schnell nacheilende seltsam kichernde Frau -Miriel an.
Das die Sonne einem schaden konnte, wusste Ryld ja, aber innerhalb so kurzer Zeit?
Er selber hatte auch eine ganze Weile gebraucht bis er sich an das heiße Klima gewöhnt hatte. Aber Auftrag war eben Auftrag, egal wie ätzend er sein mochte.
Als die beiden noch bei der Düne waren, wirkten sie jedoch noch ziemlich klar im Kopfe.
Was ihn aber am meisten irritierte, dass sie ihn wohl nicht mal mehr richtig wahrnahmen.
was soll dass denn jetzt?
Fragte er sich.
Der seltsame ältere Mann, blickte sich besorgt nach der Frau um, ging ein paar Schritte zurück und fasste sie an den Schultern. Dabei hob er leicht beschwichtigend die Hände Ryld entgegen.

“ Bitte verzeiht…Mädchen, beruhige dich”

als wenn ich nicht da wäre…jetzt reicht es schoss es ihm durch den Kopf. Er hatte zwar den Bogen bei Seite gelegt, doch dass sollte nicht heißen, dass er unbewaffnet war. Tatsächlich trug er unter den Gewändern das reinste Waffenlager.
So wie es sich eben für jemanden seiner Berufung gehörte.
Mit blitzschnellen Bewegung holte er einen kleine Armbrust hervor. Diese war aus leichten Material und schon mit einen Bolzen bespannt. Man musste immer alles parat haben, wenn man überleben wollte. Das war jedenfalls Rylds Devise.
“Keine weitere Bewegung!” zischte er und schoss den Bolzen ab. Zielsicher, aber nicht tödlich traf der Bolzen Miriels Arm.
Jedenfalls deren Aufmerksamkeit hatte er. Der alte Kauz schrie erschrocken auf.
“ Wie konntet ihr?..” Mal abgesehen das Ryld das nicht so schnell verstand, war er mit etwas anderen beschäftigt.
Er bündelte zeitgleich Energie . Das sah so aus als holte er aus dem Nichts ein tiefschwarzes zweischneidiges Schwert, was er auf die beiden richtete.
Tot oder lebendig?… Tod oder leben?!” übersetzte er für die beiden fast schon automatisch.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 6. April 2010, 22:29

Warum? Wie hatte es nur soweit kommen können? Tränen liefen ihr über die Wangen, Tranen des Schmerzes, Tränen der Wut und Tränen der Scham. Der Schmerz der Wunde in ihrem Oberarm war schier unerträglich. Zu ihrem Glück hatte der Bolzen des Fremden den Oberarm glatt durchschlagen und dabei keine lebenswichtigen Gefäße verletzt. Zumindest hatte Maurizius, der im Moment damit beschäftigt war die Wunde mit einem Streifen Stoffs seines Gewands zu verbinden, dies behauptet.
Doch schlimmer als der Schmerz, der in ihrem Arm tobte, war die Wut und die Scham, die in ihr selbst tobten. Scham darüber, dass sie in ihrer Aufregung über die Stimmen und Bilder, die sie gehört und gesehen hatte, einfach vergaß, den Fremden weiter magisch zu überwachen, so dass der die Gelegenheit nutzte und das Blatt zu seinen Gunsten wendete.
Noch schlimmer als die Scham versagt zu haben, war jedoch die Wut, die Wut auf den Fremden, der ihr diese Schmach antat und der sie, obwohl sie ihm fast vertraut hatten, so schmählich hinterging.

Es war aus heiterem Himmel über sie gekommen. Sie waren zu naiv, zu blauäugig gewesen. Wie hatten sie auch annehmen können, dass der Bogen die einzige Waffe war, die der Fremde bei sich trug. Er hatte ihre Unaufmerksamkeit schnell und kompromisslos ausgenutzt, und noch während Miriel überlegte, wie sie Maurizius das eben Erlebte am besten erklären konnte, wurde sie von seinem Geschoss im Oberarm getroffen. Der Aufschlag war so stark. Dass sie herumgerissen wurde und rücklings in den Sand fiel, wo sie stöhnend und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb. Als sie endlich soweit war und den Schmerz mit zusammengebissenen Zähnen halbwegs ertragen konnte, richtete sie sich ächzend und stöhnend auf, doch da war es bereits zu spät. Der Kerl entpuppte sich zu allem Übel nämlich auch noch als Schattenmagier und richtete im Augenblick eine Schattenklinge auf sie und Maurizius. Egal was sie jetzt noch unternahm, er hätte in jedem Fall immer genug Zeit, der Schattenklinge den tödlichen Befehl zu geben. Sie konnten es drehen und wenden wie sie wollten, er hatte sie in der Hand.

„Also gut.“, presste Miriel schließlich zwischen den zusammen gebissenen Zähnen hervor. „Was wollt ihr von uns? ... Autsch, passt doch etwas auf Maurizius. Ich denke, ich werde den Arm noch benötigen. Also seid bitte etwas vorsichtiger.“
Sie machte sich nichts vor, es konnte nichts Gutes sein, was sie von dem Fremden zu erwarten hatten. Wer so kompromisslos und brutal gegen unbewaffnete Reisende vorging, führte mit Sicherheit nichts Gutes im Schilde.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Sonntag 11. April 2010, 13:21

Ein zufriedenes Grinsen legte sich auf das Gesicht von Ryld. Jetzt reagierten sie wie sie sollten. Angst war immer noch die beste Möglichkeit Respekt zu bekommen.
Zwar war er etwas verwundert, dass der alte Kauz ihn trotzdem erst missachtete und sich um die Frau kümmerte.
Verweichtlich! Die halten aber wirklich nichts aus. Das große Volk der Menschen, dass ich nicht lache.

Die Klinge seiner dunklen Künste schwebte über ihnen. Er selber stand ruhig da. Dann richtete die Frau das Wort an ihn. Sie hatte deutlich hörbar Schmerzen. Ryld wusste, dass Schmerzen jeden verweichtlichen Bewohner Celcias gefügig gemacht hat. Die meisten wurden mit Schmerzen nicht trainiert, dass war bei Faldor Dank nicht bei ihm der Fall. So konnte er für ihn Miriels übertriebene Reaktion nicht nachempfinden.
Doch er war nicht dumm, die beiden trotzdem zu unterschätzen. Er sah wie ein Magier aus und dem wollte er die Möglichkeit des Zaubern nehmen. Später konnte er es notfalls dauerhaft machen.
Ihm fiel dabei eine Geschichte aus seiner Heimat ein, wie man einen hohen Magier die Fähigkeit genommen hatte, indem man ihm die Hände zertrümmert hatte.

Doch vielleicht ist er noch nützlich…abwarten

Sie sah nicht wie eine Kämpferin aus und wenn sie selber Magie wirken konnte, sollte dies jetzt wesentlich schwerer sein. Besonders da sie den Arm nicht mehr gut bewegen konnte.

“Keine Dummheiten…du, Frau, fessel ihn, dann kommen her, … mitkommen” oh, wie er die Sprache hasste. Deutlich hörte man die Abscheu mit der er die Worte sprach.
Mit der einen Hand hielt er die Magie aufrecht, während er mit der anderen unter sein Gewand griff und ein dünnes Seil hervorholte. Dies warf er Miriel und Maurizius vor die Füße.

Maurizius saß Miriel an. Ihre Beschwerde des zu dollen Verbindens, hatte er wie immer ignoriert. Er blickte sie sorgevoll an. Ihm war natürlich auch klar, dass es zu lange dauern würde, bis ein Zauber aufgebaut war. Aber was sollten sie auch tun?
“Verzeiht mir, dass hatte ich alles nicht gewollt” entschuldigte er sich leise bei ihr. Er hob das Seil hoch und gab es Miriel. Dann streckte er ihr die Hände entgegen, wohl wissend, dass mit verbundenen Händen, es kaum möglich war einen Zauber zu wirken. Seine Hände zitterten und er sah alt und gebrechlich aus, jedoch der Mut war immer in seinen Augen zu sehen.

Ryld wartete bis sie fertig waren. Dann nickte er mit dem Kopf in eine Richtung- zur Oase. Dort führte er sie stumm hin. Direkt zu dem kleinen See, wo jetzt deutlich in der Nähe ein kleines Lager aufgebaut war. Doch kein anderer war zu sehen.
Doch! An einem Baum lehnte jemand. Ein dunkelbraun gebrannter Mann. Bei genaueren hinsehen sah man noch drei weitere die am Boden lagen. Alle rührten sich nicht mehr. Aus den dreien lugten kleine Spitzen hervor. Bolzen!
Der am Baum, sah übel zugerichtet aus. Wahrscheinlich war er einer magischen Folterung zum Opfer gefallen. Keiner von denen lebte noch!
“hier trinken…weglaufen!” er zeigte auf die Toten.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 18. April 2010, 23:26

“Keine Dummheiten…du, Frau, fessle ihn, dann kommen her, … mitkommen” Trotzig blickte Miriel zu ihm hoch und entgegnete mit leichter Entrüstung: „Seid ihr von Sinnen? Seht ihr nicht, dass ich ...“ Das Schattenschwert ruckte auf sie zu und sie schreckte regelrecht davor zurück.
„Schon gut, schon gut! Ich hab verstanden.“ Doch noch immer regte sich der Trotz in ihr und ließ sie die Anweisung ignorieren. Bevor ihr jedoch noch mehr Ungemach zuteil wurde hob Maurizius das Seil auf und hielt es ihr bittend entgegen.“Verzeiht mir, dass hatte ich alles nicht gewollt”
„Du bittest mich um Verzeihung? Nein Maurizius, du musst mich nicht um Verzeihung bitten. Ich bitte dich um Verzeihung. Verzeih mir, dass ich versagt habe. Es war meine Aufgabe, den Fremden im Auge zu behalten und ich habe euch bitter enttäuscht.“
Sie sagte nichts mehr, band ihm nur wortlos und mit traurigen Augen die Hände zusammen. Die ganze Zeit über spürte sie die Blicke des Fremden im Nacken, so dass sie schließlich, als sie fertig war, sich ihm zudrehte und mit ätzender Stimme blaffte:
„So, seid ihr nun zufrieden? Was wollt ihr überhaupt von uns?“

Sie erhielt keine Antwort, stattdessen nickte der Fremde nur zufrieden, packte sie grob am Arm und stieß sie einfach in Richtung des kleinen Sees inmitten der Oase. Ihr kurzes Aufbegehren wurde rücksichtslos durch einen weiteren Stoß unterbunden, so dass sie sich schließlich beide in ihr Schicksal fügten und zu dem kleinen See trotteten.
Der Anblick der sich den beiden Gefangenen, denn nichts anderes waren sie nun, dort bot war erschreckend. In der Nähe eines kleinen Lagers lagen drei Leichen, von Bolzenschüssen durchbohrt. Es brauchte keine große Fantasie, um zu wissen wer die drei Männer abgeschlachtet hatte. Doch der Schrecken nicht genug, lehnte am Stamm einer der Palmen ein weiterer Toter. Sein Körper war übel zugerichtet und wies alle Spuren brutaler Folterung auf. Miriel drehte sich angewidert weg. Sie wollte sich garnicht erst vorstellen, was dieser Mann alles hatte erdulden müssen.

Die harte Stimme des Fremden ließ sie erschreckt zusammen zucken: “hier trinken…weglaufen!” Mit einer umfasenden Geste zum Lager hin machte er ihnen deutlich was sie zu erwarten hätten falls sie auch nur einen Gedanken an Flucht verschwendeten.
Der Anblick des Lagers und diese harte, fast schon bellende Sprache, die wie Kommandos beim Heer Pelgars klang, mit einem Mal kehrte ihre Erinnerung zurück. Bilder stiegen in ihr hoch, Bilder vom Fischerdorf im Grasland, Bilder von Dunkelelfen, die dort beinahe ein Massaker angerichtet hatten. Sie waren damals mit ähnlicher Brutalität vorgegangen und nur die Vereinigung der Kristalle hatte ihre kleine Gruppe damals vor einem ähnlichen Schicksal wie das der vier armen Teufel hier bewahrt.
Und die Dunkelelfen sprachen genau die gleiche harte, bellende Sprache wie der Fremde. Miriel war sich ziemlich sicher, dass sie es hier ebenfalls mit einem Dunkelelfen zu tun hatten. Die Erkenntnis brachte zeitgleich eine Veränderung in ihr selbst mit sich. Dort, wo sie vorher noch ängstlich war, wich die Angst glühendem Hass. Hass auf diesen Vertreter derjenigen, welche sie indirekt aus ihrem beschaulichen Leben gerissen und in eine Rolle gezwängt hatten, welche sie nie haben wollte. Egal was dieser Dunkelelf ihnen auch androhen mochte, sie würde jede sich bietende Gelegenheit zur Flucht nutzen. Alles war besser, als eine Gefangene eines Dunkelelfen zu sein.
Vorerst jedoch stillte sie ihren Durst, indem sie mit den Händen Wasser aus dem See schöpfte. Auch Maurizius gab sie zu trinken. Bei dieser Gelegenheit flüsterte sie ihm zu:
„Hör zu, ich habe noch meinen Dolch. Der Kerl hat es zu unserem Glück versäumt, uns nach Waffen zu untersuchen. Wahrscheinlich hält er uns für ängstlich und schwach. Wir sollten ihn in diesem Glauben belassen. Sobald er dann schläft versuche ich euch von den Fesseln zu befreien.“

Sie wartete nicht Mauriziu's Antwort ab, da der Dunkelelf bereits misstrauisch zu ihnen schielte. Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, als würden sie etwas vor ihm verbergen wollen.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 22. April 2010, 20:40

Der Fremde, beobachtet die beiden Menschen genau. Jede für ihn seltsame Bewegung konnte eine Gefahr sein.
Doch die Hitze machte es schwer zu denken, egal wie geübt man war.
Und die Aufmerksamkeit litt ebenfalls darunter.
Verfluchte Sonne..“ grummelte er vor sich hin. Er trat zu den beiden und zerrte dann erst Miriel und anschließend Maurizius hoch. Wobei Maurizius ins stolpern geriet und sich fast in den See setzte.
das kann doch nicht wahr sein…. Da glaube ich dass es endlich Abwechslung gibt, und dann so was… ein alter Mann und ein Weib…Hoch! Mitkommen!... ich hasse diese Sprache.“ Grummelte er zwischen seinen celcianischen Befehlen.

„Wenn ich nicht gefesselt wäre, dann könnte ich auch besser mich vom stolpern bewahren…ach vergisst es“ nörgelte Maurizius, doch als der Fremde ihn eine Klinge vor den Hals hielt, ließ er von einem weiteren Kommentar ab. Jedoch konnte man sehen, dass es für den kauzigen Magier noch nicht erledigt war. Dann packte der Fremde Maurizius ruckartig am Arm und ehe der alte Mann sich versah hatte er ein Sklavenhalsband um. Erschrocken griff sich Maurizius an den Hals. Der Fremde wartete auch nicht lang und packte Miriel an dem verletzen Arm und zog sie zu sich.
„ Hör Frau…wenn du weglaufen…Er stirbt…aber versuch es!“ Miriel konnte deutlich ein Grinsen raushören.
Es wäre immerhin etwas Abwechslung.
Der Fremde lenkte die beiden zu einem Zelt, wo gegenüber ein weiteres war. Er deutete da hinein. Es war wohl ursprünglich ein Zelt von den Ermordeten gewesen. Zwei Schlafgelegenheiten waren da.
Er selber machte es sich in einem anderen Zelt bequem. Sein Blick weilte jedoch auf den beiden, doch sie waren wenigstens außer Hörweite von ihm. Nach einer Weile sackte er etwas in sich zusammen.
War er eingeschlafen?

Maurizius seufzte.“ Soviel dazu!...welchem Volk gehört er wohl an…irgend ein Dunkles, da bin ich mir sicher“ Murmelte Maurizius. Sah dann zu Miriel, untersuchte noch mal ihren Arm und nahm sie einfach in die Arme. Sehr darauf bedacht sie nicht zu doll zu drücken
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 25. April 2010, 23:52

Miriels Worte ließen wieder ein wenig Hoffnung aufkeimen, was sich auch in Mauriziu's Augen zeigte. Sie wirkten für einen kurzen Augenblick lebendiger als vorher. Sie mussten nur noch abwarten bis der Dunkelelf, Miriel war sich inzwischen sicher, dass es einer war, schlief und dann konnten sie ihn überwältigen und fliehen. Sie mussten nur vorsichtig sein und ihn so wenig wie möglich reizen, auch wenn es Erniedrigung bedeutete. Noch einmal schöpfte die schwangere Frau Wasser, um es Maurizius zu reichen, wurde aber von dem Dunkelelfen hochgezerrt. Auch Maurizius wurde diese rüde Behandlung zuteil, doch im Gegensatz zu ihr begehrte er dagegen auf und hatte postwendend eine Klinge am Hals sitzen, mit der ihm das Wort unmissverständlich abgeschnitten wurde.
Es bedurfte nicht Miriels mahnendem Blick, er begriff auch so, dass er besser zurückstecken sollte, wollte er ihren Plan nicht gefährden. Doch wenn sie gedacht hatten, der Dunkelelf würde sich einlullen lassen, so wurden sie schnell eines Besseren belehrt. Noch ehe sie wussten wie ihnen geschah hatte Maurizius ein Halsband der Züchtigung um den Hals sitzen, was ihre Pläne mit einem Schlag null und nichtig machte. Miriel konnte ganz deutlich die Symbole und Zeichen auf dem Halsband sehen.
Mauriziu's geschocktes Gesicht, seine impulsive Handbewegung an das Sklavenhalsband und das höhnische Gelächter des Dunkelelfen gaben ihr die letzte Bestätigung. Auch Maurizius wusste demnach was das Halsband bedeutete. Seine vor Schreck geweiteten Augen sagte alles.

Viel Zeit, sich mit der geänderten Situation abzufinden bekamen sie nicht. Kaum hatte der Dunkelelf dem alten Magier das Halsband angelegt griff er Miriel brutal um ihren verletzten Arm und zerrte sie zu sich heran, ihren Schmerzensschrei nur mit einem verächtlichen Knurren quittierend.
Mit der freien Hand auf das Halsband deutend grinste er sie herausfordernd an und meinte lauernd:
„Hör Frau…wenn du weglaufen…Er stirbt…aber versuch es!“
Sie brauchte ihm nicht die Wehrlose vorzuspielen, der Schmerz in ihrem Arm, den er noch immer eisern umklammerte, war so stark, dass ihr die Tränen in die Augen schossen und sie laut stöhnend und zwischen zusammengepressten Lippen atmete. Sagen konnte sie in diesem Moment nichts, geschweige denn ihrem Peiniger den Gefallen tun und einen Fluchtversuch wagen.
Willenlos ließ sie sich gemeinsam mit Maurizius zu einem der Zelte schleppen. Dort schleuderte sie der Dunkelelf auf den Boden, wo sie schwer atmend liegen blieb. Maurizius ließ er einfach stehen und begab sich in das gegenüberliegende Zelt zur Ruhe. Die Eingänge ließ er offen, so dass er seine Gefangenen immer gut im Blick hatte.

Kaum dass sie allein waren, kniete sich Maurizius zu Miriel und kümmerte sich um die Verletzung ihres Arms. Während er den Verband richtete, um die Wunde, welche wieder zu bluten begonnen hatte, ordentlich zu verbinden murmelte er leise vor sich hin: “Soviel dazu!...welchem Volk gehört er wohl an…irgend ein Dunkles, da bin ich mir sicher“
„Er ist ein ... ein Dunkelelf.“, ließ sie ihn aufblickend ihre Vermutung wissen. „Die Sprache ... sie kam mir gleich bekannt vor, doch erst ... vorhin, am See, fiel ... es fiel mir dort wieder ein.“ Die Worte kamen abgehackt und immer wieder vom stoßweisen Atem Miriels, die ihre Schmerzen nun tapfer verbiss, unterbrochen. Es war nicht einfach und sie musste sich sehr auf das Sprechen konzentrieren.
„Ich bin ,,, schon einmal Dunkelelfen begegnet. Damals, ... im Fischerdorf, ... als wir die Kristalle ... die Kristalle suchten. Wir wurden von einem Trupp Dunkelelfen, ... der ebenfalls auf der Suche ... nach den ... den Kristallen war, ... überrascht. Es kam ... es kam zum Kampf, den wir ... gerade so ... und unter Verlusten gewannen. Die Dunkelelfen damals ... sie unterhielten sich in der gleichen Sprache. ... Es waren die gleichen ... harten, bellenden Laute. Ich hatte das ,,, grausame Erlebnis nur zu ... zu weit ins Unterbewustsein verdrängt.“
Das Sprechen strengte sie sehr an, weswegen sie zum Ende hin immer leiser wurde bis sie erschöpft an Maurizius Schulter sank.
Vorsichtig und so gut er es dank seiner gefesselten Hände vermochte hob er die schwangere Frau auf und trug sie zu einem der Ruhelager, wo er sie behutsam hinlegte und mit einer Decke zudeckte. Er selbst setzte sich an ihr Lager und betrachtete sie sorgenvoll. Noch hatte sie nur Schmerzen im Arm, doch er kannte sich mit Verwundungen aus. Er wusste, dass dies nur der Anfang war. Ihre Wunde musste schnellstens von einem Medicus versorgt werden, ansonsten würde sie sich innerhalb der nächsten Stunden entzünden. Schüttelfrost, Wundfieber, Fieberwahn, all das wäre dann noch das geringste Übel. Im schlimmsten Fall würde Miriel ihren Arm verlieren oder ganz und gar an einer Blutvergiftung sterben. Er hoffte inständig, dass ihr dies erspart bliebe, aber dafür müsste schon ein wunder geschehen. Von ihrem Peiniger konnte er weder Hilfe noch Mitgefühl erwarten.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Samstag 1. Mai 2010, 14:14

Miriel war von der Verletzung ziemlich erschöpft. Die Hitze verstärkte das ganze nochmals und ihr Peiniger war nicht gerade sanft mit ihr gewesen. Maurizius hatte sich um Miriels Wunde so gut es ging gekümmert. Doch machte er sich Sorgen. Wie lange würde es wohl dauern, bis sich diese entzündete. Besonders, da sie nicht besonders Sauber gehalten werden konnte.
Maurizius blickte wieder und wieder zu ihr und man konnte dem alten Herrn ansehen, dass er etwas machen wollte. Nur wie?

Miriel selber konnte deutlich spüren, wie sie mehr und mehr der Schlaf einzunehmen versuchte. Wieder und wieder fallen ihr die Augen zu. Die Welt um sie herum wurde unwirklich und die Farben vermischten sie.

„ Finde es…sende uns…lehre es mich“ hörte sie wieder und wieder. Eine Leuchtende Gestalt näherte sich ihr. Leise und kristallklar hörte sie ihren Namen. War die Stimme besorgt? Sie klang wie die andere Seite in Maurizius.
„ Ihr müsst durchhalten…“
„ haltet fest!“ drang eine bellende männliche Stimme zu ihr durch.
Schwärze strich über ihren Arm. Finger? Sie drückten an ihrer Verletzung. Hitze machte sich breit. Ein Leuchten konnte sie sehen. Was war das?
Ihr Arm leuchtet in Flammen auf. Ihr Arm brannte. Was war das? Wieder die Stimmen.
„ Finde es…sende uns…befehle uns…lehre es mich“
Eine Explosion an Schmerzen schoss durch die Wunde weiter in ihren Körper. Sie hörte Maurizius aufschreien, erstpanisch dann gefolgt von einem Schmerzensschrei.
Die Welt wirbelte um sie herum. Bilder aus der Vergangenheit, Dunkelelfen in einem Fischerdorf. Ihr Kristall! Der Brand im Gasthaus von Pelgar, Die Klinik in Zyranus. Kri’ il Gesicht und das Geständnis der Liebe. Das erste Antreffen von Maurizius.. Sorenus Auftritt bei Maurizius. Die Prophezeiung. Ni-Sha…dann ein neues Bild. Miriel in der Mitte, neben ihr, ein Dunkelelf. Er steht als Deckung vor Miriel. Seine schwarze Klinge, auf einen nicht sichtbaren Feind gerichtet. Die andere Seite wird von einem anderen Mann gedeckt. Seine Haut ist dunkel und er hat eine Glatze. Einen Kampfstab hält er als Waffe. Maurizius ist nicht anwesend, doch deutlich kann Miriel ein großes Gebäude sehen, welche an ein Dreieck erinnert, welches hinter ihnen steht.
„ Dort musst ihr ihn“ hört sie wieder die klare Stimme.
Dann schwindet das Bild.

Deutlich kann sie etwas Kühles und Nasses an ihren Lippen spüren. Wasser!
Jemand scheint ihr zu trinken zu geben.
Wenn sie die Augen öffnet, kann sie Maurizius über sich gebeugt sehen. Er sieht erschöpft und doch erleichtert aus.
Ihr Arm schmerzt nun anderes. Ein neuer Verband ist umgelegt. Dieser ist farblich seltsam. Der Verband ist tiefschwarz.
Hinten im Zelt sitzt der Dunkelelf, als wenn nichts wäre.
Er hatte ihr doch bestimmt nicht geholfen.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Samstag 1. Mai 2010, 23:40

Sie spürte schon nicht mehr wie sie von Maurizius auf die Ruhestatt gelegt wurde Sie war zu schwach, um noch klar bei Bewusstsein zu sein. Stück für Stück driftete ihr Verstand ab in das Reich der Träume. Ihre Wahrnehmung unterschied nicht mehr zwischen Realität und und den Trugbildern, welche ihr Fieberwahn erzeugte.
Unruhig wälzte sie sich auf ihrem Lager herum, Bilder spukten ihr durch den Kopf, Vergangenheit und Gegenwart bildeten ein Kaleidoskop an Bildern und dazwischen quälten sie immer wieder stechende Schmerzen. Sie wusste nicht mehr wie lange sie schon mit den Geistern ihres Fieberwahns kämpfte, jegliches Zeitgefühl hatte sie längst verloren. Stunden, Tage, sie wusste es nicht.
Dann endlich fühlte sie auf einmal wieder etwas. Feuchtigkeit benetzte ihre Lippen, kühl und labend. Ihr Verstand klärte sich allmählich und gierig versuchte sie mit der Zunge mehr von dem kühlenden Wasser zu ergattern.
Mühsam schaffte sie es, ihre Augen zu öffnen. Das erste was sie sah war Mauriziu's Gesicht. Erleichterung sprach aus seinen Augen, aber auch eine tiefe Erschöpfung. Wie lange hatte er hier über sie gewacht, wie lange war sie überhaupt weg gewesen?
„Wie ... chrr hrrr ...?“ Ein heißeres Krächzen war alles, was sie zustande brachte. Beruhigend strich ihr Maurizius über die Stirn und gab ihr erneut zu trinken.
„Ruhig, hier, trink. Du musst wieder zu Kräften kommen. Wie fühlst du dich?“
Das Wasser und die beruhigende Stimme des alten Magiers taten ihr gut. Nach einer Weile, in der sie immer wieder kleine Schlucke des Wassers zu sich nahm, versuchte sie erneut zu sprechen. Diesmal ging es schon besser und Maurizius hörte sie leise sagen:
„Wie lange war ich weg? Was ist geschehen?“
Ihr Arm schmerzte noch, aber nicht mehr so stark und stechend, es war mehr ein pochender Schmerz. In einer instinktiven Bewegung fasste sie sich an den Arm und spürte eine saubere Binde anstatt dem Fetzen Stoff, mir dem sie Maurizius notdürftig verbunden hatte. Ihr Blick fiel auf tiefschwarzen Stoff.
„Hat er ...?“, wollte sie ungläubig wissen.
Stumm nickte der alte Mann. „Du hattest hohes Fieber, warst mehr tot als lebendig und auf einmal war er da.“

Warum? formte sich die Frage in ihrem Kopf. Warum brachte er sie erst fast um, um sie dann vor dem Tod zu retten. Was erhoffte er sich.
„Miriel, wie fühlst du dich“, drang Maurizius Stimme in ihre Gedanken und unterbrach ihre Überlegungen.
„Es geht mir soweit gut.“, Ein gequältes Lächeln umspielte ihren Mund. „Na ja, zumindest besser als noch vor ...“
„Drei Tagen. Du lagst drei Tage im Fieber.“, half ihr Maurizius auf die Sprünge.
Drei Tage! Kein Wunder, dass ich mich so schwach fühle.
Der Schock stand ihr ins Gesicht geschrieben, und mit dem Schock kamen auch Erinnerungsfetzen. Sie konnte sich nicht an sehr viel erinnern, aber ein Bild hatte sich beinahe wie eingebrannt in ihrem Gedächtnis verankert.
Sie stand halb verdeckt zwischen dem Dunkelelfen, welcher seine Schattenklinge auf einen nicht sichtbaren Gegner gerichtet hatte, und einem ihr unbekannten Mann. Es sah dabei so aus, als würden beide schützend vor ihr stehen, im Hintergrund ein dreieckiger Gebäudekomplex. Das Bild sagte ihr nichts, es war weder Vergangenheit noch Gegenwart. Hatte sie in ihrem Fieberwahn auch eine Zukunftsvision? Zeigte das Bild etwas, was erst noch geschehen sollte?
„Maurizius! Sag, kennst du einen dreieckigen Gebäudekomplex? Und wenn ja, was weißt du darüber?“ Sein fragendes und zugleich erstauntes Gesicht veranlasste sie dazu, ihm auch noch den Rest zu erzählen.
„Ich habe so ein Gebäude in meinen Fieberträumen gesehen. Es muss hier irgendwo auf Sarma sein, denn der Dunkelelf und ein mir unbekannter Mann kamen auch mit vor. Auch habe ich wieder diese Stimme gehört. Sie sagte immer wieder „ Finde es…sende uns…befehle uns…lehre es mich“
Ich habe keine Ahnung was sie mir damit sagen will. Was soll ich finden, wen senden, wem befehlen? Es ist alles so ... so mysteriös. Maurizius, ich habe Angst, dass mir alles über den Kopf wächst, dass meinem Kind dabei etwas geschieht.“
Die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit hatten ihr wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie gefährlich es doch war wenn man sich in Abenteuer stürzte. Sie hätte gleich von Anfang an diese Prophezeiung vergessen und nach Andunie zurückkehren sollen. In ihrer kleinen Töpferwerkstatt lebte es sich mit Sicherheit gesünder. Das Leben wäre zwar eintöniger, dafür aber auch ungefährlicher. Ihre jetzige Zukunft war dagegen äußerst ungewiss.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Samstag 8. Mai 2010, 12:57

Maurizius sah sie an. Jedes von Miriels Worte lauschte er aufmerksam und schien sie im Kopfe nochmals durch zu gehen. Dann wechselte sein Ausdruck von Erstaunen zu Verstehen, als habe er eine Erkenntnis.
Behutsam nahm er Miriels Hand in die seine. Die Emotionen aus seinem Gesicht schienen zu weichen. Er strahlte Weisheit und Alter aus und als er zu reden anfing, war es ruhig und sachlich.
„Miriel, hattest wohl eine Vision. Das Gebäude gibt es. Ich war eins vor dem Gebäude- das war wo mich der Splitter traf…jedoch wo es ist, weiß ich nicht mehr. Es ist zu lange her und hier sieht auch alles gleich aus. Ich glaube nicht, dass es Zufall war, dass wir auf den Dunkelelfen getroffen sind, es ist Schicksal. …Ich verstehe, dass du Angst hast- jeder hätte sie. Besonders wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. Du sagst, dass du Stimmen hörst- nun, ich will bezweifeln, dass dich der Wahnsinn eines Magiers befallen hat. Du bist noch zu jung dafür. …Ich spüre in dir große Kräfte, doch schläft der größte Teil noch. Aber sie scheinen durch deinen Kristall anders zu fließen. Der Kristall schützt dich, so wie ich durch meine andere Seite geschützt werde. Versuche den Stimmen zu folgen und sei gewiss, dass man auf dich achtet.“
Er gab er einen Kuss auf die Stirn.
Dann atmete Maurizius tief durch. Seine Hand strich an seinen Hals, wo noch schwach eine leichte Verbrennung von Sklavenkragen zu sehen war. Doch auch diese war versorgt worden. Ein Schatten legte sich über die Beiden und der Dunkelelf stand neben ihnen. Noch immer konnte man sein Gesicht nicht sehen. Was er wollte, wusste man nicht. Maurizius sah zu ihm hoch.
„das Gebäude?...so?“ Er formte mit seinen Händen ein Dreieck.
„ ich es sehen!“ war seine Antwort auf die eindeutigen Reaktionen der beiden.
„ Wir müssen dorthin!“, platzte es aus Maurizius raus. Er war schlagartig aufgesprungen.
Der Dunkelelf drehte sich um, sah zu den beiden rüber und nickte.
Mehr Regung gab es nicht.

Und eine Erklärung folgte auch nicht. Als es Miriel wieder besser ging, drängte der Dunkelelf die beiden zum Aufbruch. Er ließ die Ausrüstung der Toten einsammeln, packte Proviant ein, dann zog er eine kleine Flöte hervor. Sie machte nicht einen Ton, jedoch hatte er nach kurzer Zeit ein pferdegroßes spinnenähnliches Tier da, welches riesige Scheren und einen langen Stachel hatte. Ein Riesenskorpion, wie Maurizius aufklärte.
Der Dunkelelf verstaute dort alles drauf und sie marschierten durch den Sand. Wohin das wusste man nicht. Auch nicht warum er ihnen half?
Die Sonne war heiß, die Tage verschwammen ineinander.
Leben sahen sie so gut wie nie. Doch der Dunkelelf wusste, wo man Essen und Trinken bekam.
Worauf man beim Wind achten musste, um einen Sandsturm zu erkennen. Und so was machten sie mehr als einmal mit.
Der Dunkelelf, Ryld war seine Name, war nicht besonders besprächig. Was aber auch an seinen mangelnden Kenntnissen an Celcianisch lag.
Er erklärte nicht, warum er half oder warum er etwas tat. Es war dann so und man fragte nicht nach. Vieles was an Zwischenmenschliches bei den beiden Menschen passierte, registrierte er immer mit Skepsis. Er schein es nicht zu verstehen.
Jedoch konnte man bemerkten, dass er für den Skorpion eine Freundschaft wie zu einem Hund empfand.
Die meiste Zeit verstand Ryld es nicht, besonders als bei Maurizius mehr und mehr die Schusseligkeit durchkam und sein andere klare Seite mehr und mehr verdrängte. Die Phasen, wo er klar war, wurden immer geringer. Er selbst sagte in einen seiner klaren Momente zu Miriel, das sein Geist wohl in diesen Selbstschutz geht- er habe darüber keine Macht, es wird durch das Wesen in ihm gelenkt. So wusste man sich widerwillig damit abfinden.
So konnte dann Miriel zum ersten Mal miterleben, wie überfordert ein Dunkelelf sein kann. Denn, der ihr wohl bekannte schusselige Magier, bequatschte den Dunkelelfen, wie er es bei jedem tat. So kam es doch des öfteren vor, dass Miriel von einem fast schon verwirrten und hilfesuchenden Blick von Rlyd getroffen wurde.
Die Stimmen hörte Miriel in dieser Zeit nicht. Und es verging einiges an Zeit, wo sie von Oase zu Oase wanderten, mal in der Nähe einer Küste lang liefen und auch einmal eine Karawane von Sklavenjägern trafen. Doch den Dunkelelfen ließen sie in ruh.
Miriels Schwangerschaft schritt voran und als es langsam für sie zu anstrengend wurde zu wandern, so setzte sie der Dunkelelf einfach auf seinen Skorpion.
Um Erlaubnis wurde nicht gefragt.
So vergingen mehrer Tage, Wochen und auch Monate. Miriel war inzwischen im achten Monat. Er war viel Zeit vergangen.
Sie nächtigten gerade an einer kleinen Oase, welche etwas behütet durch einige große Felsen war. Die beiden Menschen hatten ein gemeinsames Lager, Ryld hielt sich immer etwas entfernter davon auf. Er wusste immerhin, wie Menschen zu seinem Volk standen.
Maurizius war schon am schlafen. Sein Schnarchen drang an Miriels Ohr. Immerhin war es auch für ihn recht anstrengend. Das Alter zeigte sich.
Ryld war bei der Quelle. Inzwischen ließ er die beiden unbeaufsichtig. Er hielt immer Wache und selbst wenn man es versuchen sollte abzuhauen, so kam man doch nicht weit. Man wusste nicht, ob er je schlief.
Der Mond stand am Himmel, es war Vollmond. Der Skorpion hatte sich irgendwo im Sand vergraben, so wie er es meist tat.
Doch Ryld war diesmal nicht bei seinem Lager. Ein leises Plätschern war zu vernehmen, wenn man genau hinhörte.
Dort im Wasser stand der Dunkelelf. Jedenfalls sah man es jetzt mal wirklich. In all der Zeit hatte er sich ihnen nie nicht verhüllt gezeigt. Jetzt war es der Fall.
Nun stand er vollkommen entkleidet im Wasser und wusch sich.
Seine Haut war tiefschwarz und er hatte langes weißes Haar, welches er zu einem Pferdeschwanz trug. Sein Körper war durchtrainiert und überall mit Narben gezeichnet. Sein Gesicht war auf der einen Seite ebenfalls entstellt. Fast die halbe Seite sah so aus, als hätte man ihm mit einem glühenden Eisen Schriftzeichen eingebrannt.
Bei jeder Bewegung sah man die Muskeln arbeiten. Er schien perfekt zum Töten trainiert sein. Um seinen Hals trug er ein Symbol, welches einen Mond mit einer Rose zeigte.
In griffweite von ihm, lag auf einem Stein, eine seiner Waffen.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Donnerstag 13. Mai 2010, 23:10

Es war bereits spät am Abend, andere würden vielleicht sagen es war frühe Nacht, letztendlich war es jedoch egal wie man es betrachtete, entscheidend war, dass Miriel auf ihrem Lager lag und die Sterne über sich am Himmel betrachtete. Sie konnte, wie so oft in letzter Zeit, einfach nicht einschlafen. Es lag nicht nur an Mauriziu's Schnarchen, wenn es nur das gewesen wäre. Nein, da ihr Bauch immer weiter gewachsen war spürte sie das Leben in ihr immer deutlicher. Manchmal, so wie heute, waren die Bewegungen ihres Kindes so stark, dass sie einfach keinen Schlaf fand. Es würde wohl das beste sein, wenn sie sich ein wenig bewegte. Meistens half die sanfte Schaukelbewegung, ihr Kind wieder zu beruhigen. Außerdem nutzte sie diese Zeit immer, um über die vergangenen Monate nachzudenken.
Sie verstand einfach nicht, warum ihnen der Dunkelelf half, sie aber gleichzeitig die ganze Zeit über wie Gefangene hielt. Was versprach er sich davon? Er war ihr ein Rätsel, ein Buch mit sieben Siegeln. Ihre Gedanken schweiften ab zu dem Tag, an dem sie aus ihrem Fiebertraum erwacht war. Maurizius hatte ihr indirekt bestätigt, dass es maßgeblich dem Dunkelelfen, Ryld wie sie inzwischen wusste, zu verdanken war, dass sie das Wundfieber ohne größere Schäden überstanden hatte. In der Folge war er sogar bereit, ihnen bei der Suche nach dem Gebäude, welches sie in ihrem Fiebertraum gesehen hatte, zu helfen.
Seine Bereitschaft ging aber nie so weit, dass er ihnen in irgendeiner Weise näher kam, oder ihnen gar die Freiheit schenkte. Egal wie lange sie auch unterwegs waren, und es waren viele Monde gewesen, er blieb immer für sich, blieb immer auf Distanz zu ihnen, vermied es irgendeine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Er hatte mehr Kontakt zu seinem Schoßtierchen als zu ihnen, und trotzdem war er bereit, sie bei ihrer Suche zu begleiten.

Die Suche! Das war auch so ein Kapitel für sich, dachte Miriel, während sie ihre Schritte unbewusst zu der Quelle lenkte, an der sie ihr Lager aufgeschlagen hatten. Sie waren nun schon fast 5 Monate lang unterwegs und dem Ziel ihrer Suche um keinen Schritt näher gekommen. Fast kam es Miriel so vor, als würde Ryld sie absichtlich sinnlos herumführen, als würde er ihre Suche absichtlich hinauszögern. Warum dies so war vermochte sie allerdings nicht zu ergründen. Sie hatte schon mit Maurizius darüber gesprochen und dessen Vermutung ging dahin, dass Ryld einfach ihre Gesellschaft suchte, weil er sonst ein sehr einsamer Mensch ... Dunkelelf wäre. Es blieben jedoch alles nur Vermutungen, und eine Erklärung war so gut wie jede andere. Auch hatte sie immer mal wieder versucht mit Ryld ins Gespräch zu kommen, aber all ihre Versuche scheiterten kläglich. Sie fand keinen Weg, zu dem verschlossenen Mann durchzudringen. Maurizius war ihr dabei auch keine Hilfe, ganz im Gegenteil. Durch seine wieder stärker werdenden ... Anfälle ... hatte er es sogar noch schwerer mit Ryld auszukommen. Der Dunkelelf war mit Mauriziu's Marotten gelinde gesagt überfordert.
Eins stand jedenfalls fest, wenn sie das dreieckige Gebäude nicht bald fanden, würden sie eine längere Zwangspause einlegen müssen. Schon jetzt fiel es ihr schwer, jeden Tag aufs Neue von Ort zu Ort zu reisen, und schon bald würde sie ihr Kind bekommen, wodurch alles noch viel schwieriger werden würde Überhaupt, wie wollte sie ein Baby versorgen und gleichzeitig irgendwelchen Visionen nachjagen? Was war das denn für ein Leben? Das Beste wäre, sie würde nach Andunie gehen und dort ihre Töpferei wieder eröffnen. Ja, das wäre die richtige Umgebung für ein Kind und nicht dieses Vagabundendasein.

Während ihr all diese Dinge durch den Kopf gingen, erreichte sie die kleine Quelle mit dem flachen See, in den das Wasser floss. Gerade wollte sie die letzten Büsche durchqueren, als sie das sanfte Plätschern von Wasser hörte, das mit irgendeiner Art Gefäß geschöpft wurde. Vorsichtig und leise bog sie die Blätter der Büsche zur Seite und traute ihren Augen nicht. Vor ihr im Wasser stand Ryld, nackt wie er wohl einst zur Welt kam und wusch sich. Er stand dort, den Rücken ihr zugedreht, so dass er sie nicht wahrnehmen konnte. Schon wollte sie sich leise wieder abwenden und ihn nicht bei seiner Tätigkeit stören, als ihr ein Ast aus der Hand rutschte und den Dunkelelfen aufmerksam machte. Wie ein Blitz wirbelte er herum und blickte in Miriels erschrockenes Gesicht. Es war schon eine pikante Szenerie, auf der einen Seite der nackte Dunkelelf im Wasser, auf der anderen, die zu Stein erstarrte hochschwangere Magierin und alles vom Vollmond in silbernes Licht getaucht.

Aus welchem Grund auch immer, Miriel erholte sich als erste vom Schreck des unverhofften Anblicks. Rasch erfasste sie, dass sie hier wohlmöglich endlich die erhoffte Gelegenheit hatte, etwas über ihren Entführer und gleichzeitigen Helfer zu erfahren. Entschlossen trat sie aus dem Gebüsch heraus und setzte sich auf einen nahe gelegenen Stein. Ryld hatte ihr in der Zwischenzeit wieder den Rücken zugekehrt und führte seine Reinigung fort. Minuten des Schweigens in denen Miriel genügend Zeit fand, den Dunkelelfen genauer zu betrachten. Schließlich ergriff sie das Wort, eigentlich war es nur ein einziges Wort:
„Warum?“
Seine Bewegungen erstarben und langsam drehte er seinen Kopf in ihre Richtung. Kein Wort kam über seine Lippen, nur an seinem etwas erstaunten Blick konnte Miriel erkennen, dass er ihre Frage nicht einordnen konnte. Er schenkte ihr nur diesen einen Blick, dann drehte er sich wieder weg und wusch sich langsam weiter. Leise aufseufzend stieg die schwangere Erdmagierin von dem Stein. Es war sinnlos und im ersten Moment wollte sie einfach gehen, doch dann überlegte sie es sich anders. Wenn sie so nichts erreichte, dann musste sie wohl oder übel zu ungewöhnlicheren Mitteln greifen. Entschlossen streifte sie ihre Wäsche ab bis sie schließlich ebenso nackt neben dem Dunkelelfen im Wasser stand. Sie hatte sowieso eine Reinigung nötig, warum dann nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Nun konnte er sie nicht mehr ignorieren, nicht wenn er ein richtiger Mann war.
Wohlig ließ sie ihren Körper von dem angenehm kühlen Nass umspielen während sie ihn erneut fragte:
„Warum Ryld? Warum helft ihr uns und haltet uns doch zugleich wie deine Gefangenen? Hilf mir, es zu verstehen.“

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 19. Mai 2010, 18:25

Ryld hatte die Nacht endlich mal für sich genutzt. Wie lange war er schon mit dieser Frau und diesem seltsamen alten Mann unterwegs? Eine Ewigkeit so hatte er das Gefühl.
Und als sie diese Oase erreichten, fand er es an der Zeit sich mal wieder gründlich zu baden. Das kühle Wasser auf der Haut genoss er. Er war zwar inzwischen die Hitze gewohnt, doch sehnte er sich manchmal auch nach etwas Abkühlung.
jedoch blieb er auch währenddessen wachsam.
Gerade war er dabei sich wieder etwas Wasser über die Haut zu schütten, da hörte er es. Blitzartig drehte er sich zum Geräusch, auf alles gefasst.
Die Frau, Miriel, hockte im Gebüsch. Erschrocken sah sie ihn an.
sollte es nicht mir eher peinlich sein?
Deutlich konnte Ryld sehen, dass es in ihrem Kopf am arbeiten war und als sie dann Mut gefasst hatte, trat sie hervor und setzte sich auf einen Stein.
sie ist unbewaffnet… bemerkte der Dunkelelf nur und drehte sich dann wieder um. Von ihr schien er nichts zu befürchten. Und wenn sie daran Vergnügen hatte ihm beim Baden zu beobachten, sollte es ihm auch gleich sein.
Er war auf jeden Fall eine bessere Aussicht, als dieser alte kauzige Mann.
Dann fragte sie ihn.
„Warum?“
Nur ein einziges Wort und doch lag sehr viel darin.
Er hielte inne. Sein Blick traf den ihren.
was meinst du damit? Es war Verwirrung zu sehen, doch wieder antwortete er nicht. Er drehte sich weg und wusch sie einfach weiter.
Der Mann war wirklich mehr als stur.
Doch Miriel ließ sich nicht so schnell abwimmeln. Als sie selber sich entkleidete und ins Wasser stieg, schienen die Bewegungen von Ryld einzufrieren. Er starrte er auf die Bewegungen im Wasser und als sie ihn dann wieder ansprach, drehte er sich abermals zu ihr um.
Für einen Moment schien sein Blick kurz zu entgleisen. Deutlich konnte Miriel sehen, dass er sie mehr als nur musterte. Seine Hand zuckte, als wollte er etwas machen.
Wie lange war dieser Mann schon ohne die zärtlichen Berührungen einer Frau unterwegs? War es von Miriel wirklich so klug gewesen?
Sein Körper reagierte auf die Reize von ihr, besonders wenn sie unbekleidet im Wasser vor ihm stand. Und sagte man nicht auch, dass eine schwangere Frau eine noch verstärkte erotische Ausstrahlung hätte.
Käftemäßig war er ihr weit überlegen.
„ ich helfe, weil es mir im Traum gezeigt wurde – dich und dein Baby zu schützen, Gefangene seid ihr, weil es meine Pflicht gegenüber meinen Volk war und ist, …Flüchtige zu fangen und zu töten…“
Dann wurde sein Blick wieder eisig.
Sie noch immer fixierend, trat er ein paar Schritte auf sie zu. Ohne eine Vorwarnung schnellten seine Hände an die ihren und er hielt sie an den Handgelenken. Seine Muskeln schienen sich dafür nicht mal anzustrengen. Mit einem festen Griff hielt er sie. Seine Augen wanderten über ihren Körper.
Was hatte er vor?
Er näherte sich wie eine Schlange sich einem hypnotisierten Maus näherte, jedoch obwohl sein Körper ihr sehr nah kam, berührte er sie nicht weiter. Er beugte sich zu ihrem Ohr. Deutlich konnte sie jetzt sehen, dass er tatsächlich Schriftzeichen auf der einen Gesichtsseite eingebrannt hatte. Seine Stimme war emotionslos, als er mit drohendem Unterton ihr zuflüsterte.
„ das war dumm! ... Mach das nicht wieder… ich habe lange keine… Frau…Frau mehr gehabt. …so was kann gefährlich sein“ damit ließ er sie los und drehte sich weg.
„ Lerne daraus! Unterschätze nie die Gefahr!“ Für ihn war die Unterredung beendet.
Er hätte etwas machen können, doch er tat es nicht.
Er entfernte sich ein paar Meter von Miriel und fuhr mit seiner Wäsche fort. Ihr immer den Rücken zugewandt. Keine Entschuldigung oder desgleichen.
„ …Traum oder Pflicht folgen?“ konnte Miriel noch hören. Die Frage schien noch an Miriel gerichtet zu sein.
Doch würde sie nach so einer Aktion noch reagieren, geschweige denn antworten?
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 24. Mai 2010, 21:52

Miriels Kalkulation schien tatsächlich aufzugehen. Kaum mit ihrer Wäsche begonnen erstarben Rylds Bewegungen. Sein Kopf ruckte herum und sein Blick richtete sich starr auf ihren nackten Körper. In seinem Gesicht spiegelte sich eine Palette an Emotionen, von Erstaunen über Verwunderung bis hin zu Lust und Gier. Auch wenn Miriel das Risiko einkalkuliert hatte, so erkannte sie doch erst jetzt, wohin ihre Aktion führen konnte.
Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Was hatte sie sich dabei nur gedacht? Es kostete sie einige Mühe, seinen Blick zu ignorieren und in ihren Reinigungsbewegungen fortzufahren, ganz so als würde es sie nichts angehen.
„Ich helfe, weil es mir im Traum gezeigt wurde – dich und dein Baby zu schützen, Gefangene seid ihr, weil es meine Pflicht gegenüber meinen Volk war und ist, …Flüchtige zu fangen und zu töten…“
Ein kleiner innerlicher Jubelschrei, sie hatte es tatsächlich geschafft, ihm eine Information zu entlocken. Als sie jedoch den eisigen Blick sah, mit dem Ryld sie bedachte, kam bei ihr die Frage nach dem Preis, den es kosten würde erneut auf. Sie fragte sich noch, was sein Blick wohl bedeuten mochte, als er mit zwei Schritten an sie herantrat und blitzschnell, so schnell, dass ihr keine Chance der Abwehr blieb, ihre Handgelenke ergriff und sie eng an sich heranzog.
Er zwang ihr die Arme dicht an den Körper, hielt ihre Hände wie mit Schraubzwingen umklammert, so dass sie sich nicht einen Schritt bewegen konnte. Sein Blick bohrte sich in den ihren, sein heißer Atem streifte ihre Wange und beinahe war es ihr, als könnte sie seine harte Männlichkeit körperlich spüren.

Kalkuliertes Risiko hin oder her, Erfolg hin oder her, so dicht wie er gerade bei ihr stand wurde ihr schon ein wenig anders. Sie hatte einfach nicht bedacht, was sein Blick ihr nun offenbarte. Ryld war ein einsamer Mann, seine ganze Ausstrahlung musste auf jede Frau auf Anhieb abschreckend wirken, und sein Äußeres tat noch ein Übriges dazu. Allein die entstellte Gesichtshälfte, die aussah, als wären Schriftzeichen dort eingebrannt, würde jede Frau schreiend davonlaufen lassen.
Auch Miriel war es inzwischen nicht mehr einerlei, als er sich ihrem Gesicht näherte und schließlich dicht an ihrem Ohr mit leicht drohendem Unterton meinte:
„das war dumm! ... Mach das nicht wieder… ich habe lange keine… Frau …Frau mehr gehabt. …so was kann gefährlich sein“
Ja, das merkte Miriel nun auch. War es das wirklich wert gewesen? Das Risiko wert, von ihm vielleicht nit Gewalt genommen zu werden. Ja., beantwortete sie die Frage für sich selbst. Allein ihn zum Reden gebracht zu haben war ihr das Risiko Wert gewesen, auch wenn sie innerlich dabei fröstelte und die Angst um sich und ihr Kind langsam Besitz von ihr ergriff. Äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, anderenfalls hätte sie sich erst garnicht dazu hergegeben.

So bohrten sich ihre Blicke ineinander, jeder bestrebt den anderen zum Nachgeben zu zwingen. Doch anstatt sich, ausgehungert wie er wohl war, auf sie zu stürzen, ließ er sie genauso schnell wie er sie gepackt hatte wieder los. Da war er wieder, sein ewiger Zwiespalt, den sich die schwangere Magierin einfach nicht erklären konnte. Erst der eiskalte, skrupellose Jäger und dann, ganz plötzlich, der verständnisvolle Helfer, was seine folgenden Worte ... „Lerne daraus! Unterschätze nie die Gefahr!“ ... bestätigten. Als wenn sie das nicht selbst wüsste. Seit sie ihre kleine Töpferwerkstatt verlassen hatte, um dem Geheimnis einer fragwürdigen Kette nachzugehen, hatte sie sich eigentlich fast permanent in Gefahr begeben.
So meinte sie denn auch düster klingend: „Ich weiß was es heißt, sich in Gefahr zu begeben. Ich weiß auch, dass man dabei Gefahr läuft, darin umzukommen.“

Zur Vorsicht entstieg sie jedoch dem Wasser, nicht dass er es sich am Ende noch anders überlegte. Dabei hörte sie ihn vor sich hin murmeln: „…Traum oder Pflicht folgen?“
Ja, das war sein ureigenstes Dilemma, dies hatte Miriel aus den wenigen Worten erkannt. Während sie sich ankleidete fragte sie sich immer wieder ob und wenn ja, wie sie ihn in seiner Entscheidung beeinflussen konnte. Sie war bereits im Begriff zu gehen, als sie sich noch einmal umdrehte:
„Was auch immer ihr tut, dies müsst ihr für euch selbst entscheiden. Ich müsste lügen, würde ich euch raten die Pflicht über den Traum zu stellen, denn natürlich möchte ich frei sein, aber ich werde euch nicht darum bitten. Viel eher glaube ich, ihr habt euch schon längst entschieden, wollt es vor euch selbst nur nicht zugeben. Oder warum habt ihr uns bis jetzt noch nicht getötet? Es wäre doch eure Pflicht, nicht wahr Ryld? Denkt einmal in Ruhe darüber nach. Ich bin sicher, ihr werdet die richtigen Schlüsse ziehen.“

Es war ihr klar, dass sie ihn mit ihren Worten unter Umständen herausforderte, andererseits machte sie sich auch nichts vor, solange er sie als Gefangene betrachtete und Maurizius an das Halsband gefesselt war, war ihr Leben keinen Pfifferling wert. Es wäre ihr ein leichtes, ihn in diesem Augenblick in den Grund des Flusses versinken zu lassen, doch was nützte ihnen das. Nur er konnte Maurizius von dem Halsband befreien. Es musste ihr gelingen, diesen schweigsamen Dunkelelfen als Freund oder wenigstens als Weggefährten zu gewinnen, alles andere würde ihnen nicht weiter helfen.

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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. Mai 2010, 21:14

Er hielt bei dem was Miriel sagte, inne. Wieviel tatsächlich zu ihm durchdrang, konnte man jedoch nicht wissen. Einen kurzen Blick warf er über die Schulter und sah gerade noch, wie Miriel dem Wasser entstieg und sich wieder ankleidete.
Er selber hatte auch das Interesse an einem Bad verloren. So entstieg er selber dem Wasser. Aber auf der entgegen gesetzten Seite von ihr.
Sein Blick war nachdenklich.
Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, seine Zweifel laut in celcianisch auszusprechen, doch hatte er es getan.
Er suchte wohl nur eine von außen kommende Meinung.
Seine Kleidung hatte er in einem Gebüsch liegen, nicht weit davon entfernt lag der große Skorpion.
Als Ryld auf das Tier zukam, klapperte es mit den Scheren. Das tat der Skorpion öfters. Es war so was wie eine Begrüßung. Wieder warf er einen Blick zu Miriel rüber.
Dann kniete er sich, so nackt wie er war, vor den Skorpion. Leise murmelte er was.
„ Manthala, wieso prüfst du mich so?…doch ich habe dein Zeichen verstanden.“ Dann begann er sich anzukleiden.
Ryld schien es sehr konzentriert durch zu führen, als wäre es ein Ritual. Er ließ sich dabei Zeit, machte nichts vorschnell.
Doch schaute er sich immer wieder nach allen Seiten um.
Seine Wachsamkeit litt dabei nicht. Jedenfalls hatte es so den Schein. Als er seine Waffen begann umzulegen- und das waren nicht wenig- konnte man ihn leise summen hören.
In all der langen Zeit hatte Miriel nie mitbekommen, dass er so was machte, geschweige denn, dass er summte. Doch es war, als hätte sie des Nachts, wenn sie aus dem Schlafe wach wurde, dieses Summen schon mal gehört.
Es klang befremdlich, düster aber auch irgendwie fast schon schön.

Jede Klinge überprüfte Ryld sorgfällig, strich über sie und hielt sie dem Mond entgegen, dann befestigte er sie an seinen Körper. Es war wie ein routiniertes Ritual.
Und so wie er mehr und mehr wieder zu den schweigsamen Jäger wohl wurde, den Miriel bis jetzt kennengelernt hatte, so wurde auch sein Blick gefühllos und ernst.
Ein Elf, dessen Bestimmung ein Todesbringer war, schien wieder Gestalt anzunehmen.
Hatte Miriel ihn wieder an seine Pflicht erinnert?
Wollte er jetzt zu Ende bringen, was seine Pflicht war?
Sein Skorpion klapperte aufgeregt, als sich Ryld wieder in voller Montur zu Miriel und auch zu den Schlafenden Maurizius drehte.
Dieser hatte sich in der ganzen Zeit nicht gerührt gehabt und war am Bäume sägen. Und das machte er indem er seinen Hintern in die Höhe streckte und scheinbar die Nacht anbetete. Ein merkwürdiger Anblick.
In solchen Fällen konnte Miriel davon ausgehen, dass wenn sie ihn wecken würde, er sein verwirrtes Ich hätte.
Aber Ryld schien sich nicht für ihn interessieren. Langsam ging er auf Miriel zu. Vielleicht wollte er sie als erstes erledigen, weil sie ihn herausgefordert hatte.
Sein Gesicht war wieder unter Tücher verborgen, sodass man keine Mimik sah. Obwohl es auch ohne die Tücher schon schwierig war, eine Reaktion aus seinem Gesicht abzulesen.

Ein frischer Wind kam auf und wie auf Bestellung schob sich eine großer Wolke vor den Mond. Es war als wolle der Mond selber nicht sehen, was geschehen könnte. Miriel konnte Ryld auf sich zukommen sehen, doch hören tat sie nichts. Es war als würde jeder Ton und jedes Geräusch von der Nacht geschluckt werde. Dann stand er vor ihr. Ein Krieger, der mit Sicherheit schon viele getötet hatte. Einige dieser Opfer hatte Miriel bei der ersten Begegnung mit Ryld gesehen.
Sekunden vergingen.
Eine Bewegung von ihm…

…und ging mit gesenkten Kopf vor ihr in die Knie.
„helfe ich, werde ICH sterben…ihr …hattet recht!…ich habe mich bereits entschieden…„“
Seine Faust schnellte nach vorne. Jedoch anstatt das er sie schlug, hielt er sie vor Miriels Gesicht. Langsam öffnete er sie.
„ …aber der Traum ist wichtiger!“
In seiner geöffneten Hand lag der Schlüssel zu dem Halsband von Maurizius.
„ ich werde helfen, wenn ich soll..“ sagte er klar und deutlich, erhob sich und ging dann ohne ein weiteres Wort zu seinem Skorpion. Dort machte er sich sein Lager zurecht.
Miriel war es selber überlassen zu reagieren.
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Re: Die Suche nach der Prophezeiung

Beitrag von Miriel Lefay » Samstag 5. Juni 2010, 00:25

Sie sah nicht mehr, wie Ryld nachdenklich im Wasser stand, als sie schließlich das Lager wieder erreichte. Maurizius lag noch immer so da, wie sie ihn verlassen hatte und schnarchte vor sich hin. Manchmal beneidete sie den alten Magier um seine Ruhe. Wie konnte er nur so seelenruhig schlafen, wo sie doch dermaßen in Ungewissheit lebten.
Bei ihr war jedenfalls nicht mehr an Schlaf zu denken, zu sehr hatte sie ihr kleines Abenteuer eben aufgewühlt. So wurde sie auch sofort aufmerksam als Ryld ebenfalls von seiner Reinigung zurück kam.
Gebannt verfolgte sie, wie er sich wieder ankleidete, seine Waffen anlegte, sich dabei immer nach allen Seiten sichernd. Zum ersten Mal überhaupt nahm sie sich die zeit ihn genauer zu betrachten. Sein Körper war muskulös, durchtrainiert, dabei jedoch nicht unästhetisch. Sie ertappte sich dabei, wie sie in ihren Gedanken mit ihren Händen über seinen wohl geformten Körper strich.
Was bei Florencia waren das nur für Gedanken? Lag es daran, dass sie seit nunmehr fast einem Jahr keinen Mann mehr berührt hatte, sich ihr Körper nach zärtlichen Berührungen sehnte oder sie einfach nur die Lust überkam?
Nein! Es durfte nicht sein, es käme einem Verrat an Kri'il, dem Vater ihres Kindes gleich. Und doch, Ryld hatte eine Ausstrahlung, die sie auf seltsame Art in seinen Bann zog. Sie konnte einfach nicht ihren Blick von ihm abwenden. Als er dann auch noch zu summen begann war es ihr, als ob sie sein Summen schon öfters gehört hätte. War es in ihren Träumen oder hatte sie es wirklich gehört? Was geschah hier überhaupt?
Verdammt! Er ist ein Dunkelelf! Wir sind seine Gefangenen!“ Aber waren sie das denn überhaupt noch? Wenn sie es recht bedachte, so zeugte eigentlich nur noch das Sklavenhalsband, das Maurizius trug davon, dass sie mehr oder weniger Gefangene waren. Noch konnte er sie nach belieben töten und somit seiner Pflicht gegenüber seinem Volk nachkommen.

Als er schließlich fertig war und zu ihrem Lager herüberkam, sah sie an seinem Gesicht, dass er eine Entscheidung gefällt hatte. Vision oder Pflicht? Leben oder Tod? Langsam erhob sie sich von ihrem Lager. Egal wie er sich entschieden hatte, sie wollte dem wenigstens aufrecht entgegen sehen.
Dann stand er vor ihr, mit unbewegtem Gesicht und ausdrucksloser Mine. Nichts an ihm verriet ihr wie er sich entschieden hatte. Bange Sekunden des Wartens vergingen, Sekunden in denen Miriel bereits mit ihrem Leben abschloss, doch dann kam alles ganz anders.
Ryld kniete vor ihr nieder und stieß seine Faust nach vorn. Im ersten Moment dachte Miriel, dass er nun kurzen Prozess machen würde und schloss ihre Augen in Erwartung des Schmerzes. Doch als sie nach einigen Augenblicken noch immer unversehrt dastand konnte sie es einfach nicht glauben. Erst seine Stimme holte sie in die Wirklichkeit zurück:
„helfe ich, werde ICH sterben…ihr …hattet recht!…ich habe mich bereits entschieden… „ …aber der Traum ist wichtiger!“
Die Faust, welche er ihr entgegenhielt öffnete sich und Miriel blickte ungläubig auf den Schlüssel in seiner nun offenen Hand.
„Ich werde helfen, wenn ich soll..“ Dann erhob er sich wieder und ging zu seinem Lager bei seinem Schoßtier zurück. Den Schlüssel hatte er mitgenommen. Es wäre ihm ein einfaches gewesen, das Halsband zu öffnen und ihnen die Freiheit zu geben, aber das war anscheinend nicht seine Art. Er wollte wenigstens, dass sie ihn darum baten, sie freizulassen. Es sollte nicht sein, sondern ihr Gewissen belasten, wenn er für seine Hilfe irgendwann von seinem Volk getötet wurde.
Früher wäre Miriel wahrscheinlich weich geworden, hätte sein leben über das ihre gestellt. Hier und heute war das anders, jetzt dachte sie in erster Linie nur an sich und ihr Kind, alles andere war zweitrangig, auch das Leben Rylds.
Langsam trat sie zu ihm an sein Lager und setzte sich neben ihn. Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander bis sie schließlich ohne jeglichen Pathos sagte:
„Ich bitte dich, hilf uns.“
Keine großen Worte, keine tränenreiche Szene, nur diese einfache Bitte

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