Die eisige Jagd

Auf der Eisinsel leben die Mantroner, die Hüter der Küste des Eisreiches. Sie sind raue Gesellen, doch tun loyal ihre Pflicht. Sie handeln auch mit den Eiselfen.
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Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. September 2019, 10:36

(Bilgar kommt von: Nornas Wolfshütte)

Im Eisreich existiert kein Leben.

Das ist die Aussage vieler Celcianer, die das Eisreich nur vom Hörensagen kennen und sich nichts Anderes darunter vorstellen können als eine eisige, gefrorene Wüste, die das ganze Jahr über Schnee trägt. Bilgar wusste es besser, wusste um die Besonderheiten des Landes. Er war hier zu Hause, ein Jäger, der die Bäume kannte, das Eis und den Schnee. Es war seine Heimat.
Als die Wölfe auf seinen Ruf hin sich in Bewegung setzten, ging ein Ruck durch seinen Körper. Eine Veränderung stand bevor. Nicht nur seine Knochen sangen davon. Es lag etwas im Wind, in der Luft, in dem Anblick der fernen Wipfel... Es war ein Versprechen, ein Gefühl, dass dort draußen etwas auf ihn wartete.

Wärend seine Hände auf dem hohen Haltegriff des Schlittens ruhten und ihn fest umspannten, die Gurte seinen Körper hielten und sein Blick in die Ferne wanderte, dachte er an seine Heimat wie ein Fremder, der er bald sein würde - Ein Fremder, denn jede Reise brachte Wandel und Veränderung. Würde er noch der gleiche sein, wenn er zurück kehrte? Würde Esra noch die gleiche schöne Insel sein, wenn seine Augen anderes gesehen hatten?

Bilgars Ziel war die Küste. Als Jäger wusste er von den Vor- und Nachteilen seines Landes. Vor allem an den Küsten ließen sich zahlreiche Vogelarten jagen, die von den reichen Fischgründen ebenso angelockt wurden wie Eisbären, Pinguine und Seehunde. Das Eisreich ist war zauberhaftes Land, von den Jahreszeiten geprägt. Selbst in der Zeit der Abendsonne wurde es niemals wirklich warm hier. Die Temperaturen stiegen äußerst selten über 10° Celsius. Dafür konnte man im Laufe eines Jahres fantastische Naturphänomene beobachten. So hatte es den Anschein, dass in der Zeit der Abendsonne niemals wirklich Nacht herrschte und in der Zeit der dunklen Tage man in einer immer wärenden Dunkelheit lebte. Doch darunter mischte sich das wohl schönste Farbenspiel am Himmel, das man auf Celcia beobachten konnte. Die Beheimateten des Eisreiches nannten es das Polarlicht oder Aurora, einen faszinierenden Farbschleier, der wie pure Magie am Himmel erschien. Es soll Glück bringen, ihn zu sehen, doch für Bilgar verhüllten sich die Himmelslichter hinter dicken Wolken. Das Eisreich zeigte sich heute von seiner gefährlichen Seite. Schneestürme, Eishagel, frostige Nächte standen ihm bevor, das spürte er in seinen Narben, als er Mantron verließ und in die Weiten der Insel eintauchte.

Ersa war in weiten Teilen bedeckt von "Zauberwäldern", so nannten es die Alten manches Mal, denn Ungewöhnliches gab es hier viel zu finden. Sie war voller Wälder aus Nadelhölzern. Die immergrünen Fichten, Tannen und Föhren schützten so manchen Wanderer vor den eisigen Winden, die über das übrige Eisreich fegten. Selten, sehr selten, entdeckte man Kuhlen überall im Eisreich, in denen sich einige Pflanzen angesiedelt und kleine Oasen in der weißen Umgebung gebildet hatten. Es mochte überraschen, dass hier vor allem sehr widerstandsfähige Kirschbäume wuchsen, die schützend ihr rosiges Blütendach über Heidel- und Brombeersträucher ausbreiteten. Eben eine dieser Eis-Oasen musste er vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, denn der vor wenigen Stunden noch leichte Schneefall, begann sich jetzt schon langsam zu verdichten. Noch waren die dunklen Schatten der Wälder durch den Tanz der Schneeflocken gut zu sehen, doch das würde nicht lange andauern, wenn Ventha ihren manchmal tödlichen Mantel über das Land legte.

Bilgar war nicht töricht. Auch wenn er mit den Wölfen und dem Schlitten noch etwas unsicher umging, so wusste er um die Gefahren des Landes. Nur ein Wahnsinniger würde Nachts reisen! Selbst wenn seine Wölfe Nachts gut sehen konnten und alleine hervorragende Jäger waren, so würde er in der Dunkelheit das Rudel gefärden, wenn er den Schlitten in dann unsichtbare Spalten lenkte. Er war nun Teil des Rudels und Freki sein bester Freund.
Die Schlittenfahrt war am Anfang noch etwas anstrengend, aber sobald er lernte, dass das Gurtzeug durchaus seinen Nutzen hatte, wurde es besser. Er musste sich einfach ein wenig fallen lassen und sich wie ein Kind in eine Schaukel setzten. Dann schwang sein Körper ohne viel Anstrengung mit den Bewegungen des Schlittens mit und er konnte sich ganz auf seine Umgebung konzentieren.
Die erhofften Spuren dünnten sich um Mantron schnell aus und verschwanden schnell unter dem nun dichter fallenden Neuschnee ...genauso wie zu hoch gesetzte Hoffungen.
Ein unerfahrerener Jäger hätte sich gefragt, wie er bei diesem Schneetreiben überhaupt eine einzelne flüchtende Person finden sollte. Der Schnee verschwischte jede Spur, ob sichtbar oder für die feinen Nasen der Wölfe. Doch ein Jäger suchte seine Beute nach dessen Zielen. Wild sammelte sich an Wasserlöchern und Jäger jagte man in der Nähe ihrer Beute. Bilgar hatte eine grobe Idee, wo seine Beute sein würde und wenn er richtig lag, dann konnte er sie vielleicht noch vor der Stadt der Eiselfen sogar einholen. Immer vorausgesetzt, Ventha machte ihm kein Strich durch die Rechnung. Aber selbst wenn die Göttin übel gelaunt war, so traf ihr Zorn doch immer alle und nicht nur einen. Darin war sie gerecht.

Die Nachmittagssonne verbarg sich immer mehr hinter den dichter werdenden Wolken und bald sah Bilgar vor sich eine schwarze Wand am Himmel. Der befürchtete Sturm zog auf und ein stechender Schmerz in seinem Bein bestätigte jede seiner Ängste. Heute Nacht würde er werde in einem warmen Bett, noch in einer der kleine Oasen des Landes schlafen. Heute Nacht würde er frieren!

Der geübte Jäger sah sich um. Die Küste war nicht mehr weit, nicht einmal mehr eine viertel Stunde entfernt. Er könnte es vor dem Sturm dort hin schaffen. Es gab dort scharfe Klippen die etwas Schutz vor den eisigen Winden versprachen und auch so manche Höhle... oder er blieb hier im dichten Wald, wo er sich noch schnell einen provisorischen Unterstand bauen konnte, wo die Bäume den Sturm etwas milderten.
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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Samstag 12. Oktober 2019, 21:42

Krachend schlugen die Kufen des Schlittens auf, als sich die zwölf Tiere, geführt von Freki, über eine Schneewehe hinwegsetzten. Geschickt umfuhren die Wölfe die Bäume und natürlichen Hindernisse, so dass Bilgar mehr als einmal seinen Stand und Griff festigen musste, um nicht herunter geschleudert zu werden. Erst nach der dritten, unliebsamen Beinahekollision mit einem aus dem undurchsichtigen Weiß hervorbrechenden Felsens, verstand sich der Jäger zusehends auf die Nutzung und die Wirksamkeit der Gurte. Immer mehr konnte Schneeblick das angeschlagene Knie entlasten und verließ sich dabei oft auf die Leitfähigkeit des Rudels, zu dessen Teil er mit Beginn dieser Reise geworden war, selbst, wenn der die menschliche Natur ihn dies noch nicht erkennen ließ. Immer häufiger legte sich das Mischblut rechtzeitig in Kurven oder konnte einen Sprung erkennen, bevor er geschah. Je länger diese Unternehmung andauerte, umso mehr wusste Bilgar mit den Tücken zurechtzukommen. Wenngleich sein Übermut das mangelnde Erfahrung kaum auszugleichen vermochte. Insgeheim musste er sich eingestehen, dass ein Großteil der Arbeit der Ausbildung der Tiere geschuldet war. Trotzdem wich die anfängliche Bestürzung, über den rasanten Aufbruch, schnell der Freude und der Aufregung in Anbetracht eines unbekannten Abenteuers. Und auch wenn der Westländer Schuld darüber empfinden sollte, dass eine doch recht ernste Aufgabe und ein wahrscheinlich blutiger und gefährlicher Weg vor ihm lag, so konnte er nicht umhin, ein beinahe unerschöpfliches Lächeln auf den Lippen zu tragen. Ein kurzes Jaulen ließ Schneeblick jedoch aufhorchen. Kuu, ein silbrigweißes Tier, und ihre Schwester Aurinko, mit einem fließenden, hellen Braunton, liefen links Außen und machten den Reisenden auf die nahe Küste aufmerksam. Der Wald würde also nicht mehr lange für Schutz und Geborgenheit sorgen. Allerdings hätte den Jäger das schwindende Tageslicht ohnehin bald aus dem Frost getrieben, denn in tiefster Nacht hätte man unter keinen ernstzunehmenden Umständen einen sicheren Weg zwischen den Nadelhölzern gefunden. Die linke Hand löste sich vorsichtig vom Griff und untersuchte einen winzigen Hohlraum unterhalb der Gurtaufhängung. Nach ein paar erfolglosen, und durch das Wackeln des Gefährts erschwerten, Versuche, umschlossen die Dinger endlich das gesuchte Lederband. Erfreut über die Verlässlichkeit der Wolfsherrin, musste er sich das Kleidungsstück nur noch um den Kopf wickeln. Ein scharfer, deutlich zu hörenden Befehl drang aus seiner trockenen Kehle. Die Kälte biss sofort zu. Sein Hals zog sich zusammen und er musste husten, aber die anweisung wurde von Freki umgesetzt. Sie verlangsamten das Tempo. Während Ahne, ein graues Tier mit schwarzen Markierungen an den Pfoten die Anweisung zu begrüßen schien, war er doch der schwerste seiner Artgenossen, schnappte die ungeduldige Villi wild nach seiner Rute. Mit einem weiteren Ruf, lenkte Bilgar das Transportmittel nach Links, in Richtung der Küste. Auch, wenn er sich um Wald wohl fühlte und für den aufkommenden Sturm dort sicherlich einen Unterschlupf finden würde, so war es im wichtiger noch bevor das Reisen unmöglich wurde, einen Teil des Kanals zu überqueren. Durch das geringe Tempo wagte es der junge Mann beide Hände kurz vom Griff zu lösen und sich das Lederband vor die Augen zu binden. Es hatte zwei schmale Sehschlitze, durch die man zwar nur wenig von der Umgebung wahrnahm, aber die einem bei Schneetreiben eine bessere Sicht ermöglichte. Da der Sturm bereits dichter wurde und sich als schwarze Wand am Ende des Horizontes abzeichnete, stand für diesen Mantroner bereits fest, dass es keine angenehme Nacht werden würde und vor allem, dass er seinem Ziel eine ganze Nacht Vorsprung gewährte. Es gab nur zwei Dinge, die ihn dabei beruhigten. Zum Ersten würde dieser aufkeimende Zorn Venthas überall wüten und zu anderen, wäre es auch vor Eirik nicht sinnvoll bei Nacht zu reisen. Aber diese Punkte waren nur dann relevant, sollte der Feigling nicht bereits sein Ziel erreicht haben. Und zudem wusste Bilgar auch nicht um den Zustand von Eisläufer, der zwar ein guter Mann war, aber den Zorn einer Göttin nicht lange standhalten würde. Die Hände legten sich wurde fest um die Griffe und ein letzter Blick hinter sich, bestätigte Bilgar, dass die Reise nun unumkehrbar war. Mantron war bereits verschwunden und nur wenige, schmale Rauchsäulen zeigten die Heimstatt. Mit einem erneuten, starken Knacken brach das Rudel aus dem Schutz der Wälder und sofort schlug der Wind zwischen die Gurte und ließ diese Surren. Freki bellte laut und die Meute richtete sich nach ihm aus. Durch den starken Schneefall war das Eis zu einem gewissen Grad befahrbar, aber auch tückisch, da Spalten und Hindernisse nicht auszumachen waren. Egal wie sehr sich Schneeblick dagegen sträubte, es war notwendig die Nacht zu rasten. In der Ferne, im letzten Licht des sterbenden Tages, erkannte der junge Mann eine Klippe, der äußerste Ausläufer der Nachbarinseln. Dort gab es Höhlen oder zumindest einige, tiefe Kerben, welche man als Unterschlupf nutzen konnte. Ein weiteres 'Hike' beschleunigte die Tiere erneut. Es blieb keine Zeit einen Fächer vorzuspannen, denn jedes Mal wenn Bilgar nach Norden blickte, sah er eine gewaltige, weiße Wand schreiend und brüllend näher kommen. Es kam ihm vor, als wären sie eine unendlich lange Zeit durch die wachsende Dunkelheit geflogen, als die Gruppe die hohen Klippen erreichte. Sofort ließ der Jäger das Tempo verringern und nährte sich den zerklüfteten Felsen, so gut es ihm möglich war. Tatsächlich bemerkte er einen Vorsprung, der eine kleine Nische vor der Witterung zu schützen schien. In dieser Lücke klaffte ein unförmiges, in Innere gerichtete Loch. Vielleicht eine Eissprengung, wenn sich das Wasser des Kanals in den Ritzen sammelte und beim ersten Frost Teile des Steins abrissen. Die Entstehung war Bilgar jedoch egal, denn es verlangte ihm nach Rast. Der Sturm flüsterte in seinem Knien und zwang die rasant angestrebte Suche nun zu pausieren. „Whoa! WHOA!“, schrie der Mann gegen das Peitschen Venthas an. Freki knurrte und bellte laut, so dass jedes Tier so gut stoppte, wie es das Eis zuließ. Jeder Knochen in Bilgars Körper schien erstarrt oder bereits gebrochen. Die Muskeln waren seltsam steif. Ohne es zu bemerken, hatte diese Fahrt einen körperlichen Tribut gefordert. Eine Tatsache, die sich Schneeblick merken würde, wenn es weiterging. Doch jetzt lösten die streifen Finger mehr schlecht als recht die Gurte. Noch bevor er sich um seine Ausrüstung kümmerte, beherzigte der Jäger den Ratschlag Nornas und befreite zuerst das Rudel. Freudig schüttelten viele Wölfe die gewaltigen Schädel. Loutettava schob ihren rötlich gefärbten Schädel unter Bilgars Hand, welcher ihr eine kurze Streicheleinheit nicht verwehrte. Dann allerdings schob er sie in Richtung der Aushöhlung und gab auch Freki ein deutlichen Zeichen, dort zu verschwinden. Der Rest sollte dem Leittier folgen. Erst dann sammelte der Mann die Ausrüstung auf und warf sie vor den Rand ihres nächtlichen Unterschlupfs. Die Tiere rollten sich zusammen und sorgten untereinander für Wärme. Viele waren eingeschlafen. Der Gedanke daran, einen Teil der Vorräte bereits jetzt zu leeren keimte in Schneeblicks Verstand auf, doch es gab hier keine Möglichkeit diese wieder aufzustocken. Am nächsten Tag, beim erreichen der nord-westlichen Wälder, hätte man sicherlich die Möglichkeit ein oder zwei Mal Beute zu machen und daher war ein gutes Frühstück einem kläglichen Nachtmahl vorzuziehen. Um darauf zu achten, dass sich keine Bestie oder etwas ähnliches an ihnen gütlich tat, setzte sich Bilgar an den Rand ihres Rastplatzes und platzierte seine Hand auf dem Griff des Jagddolches seines Vaters. Und noch während der junge Mann das Band von seinen Augen zog, verfiel er in einen unruhigen, aber gerechten Schlaf.

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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 16. Oktober 2019, 15:41

Das Lager, dass Bilgar gefunden hatte, war ein Spalt in einer Felswand. Es war hier nicht gemütlich wie im Wald, den er kannte und liebte, es war hart, scharfkantig und grau. Der Jäger beherzigte den Ratschlag Nornas und befreite zuerst das Rudel. Freudig schüttelten viele Wölfe die gewaltigen Schädel und das Fell, dass die Feuchtigkeit auf ihren nur so spritzte. Weiche weiße Schneeflocken hatten durch die ständige Bewegung keine Zeit gehabt sich zu dicken Brocken zu verdichten, aber jetzt da sie standen, zuckten die Wölfe mit dem Fell und drückten sich tatsächlich gerne eng zusammen in den Spalt. Loutettava schob ihren rötlich gefärbten Schädel unter Bilgars Hand, welcher ihr eine kurze Streicheleinheit nicht verwehrte. Dann allerdings schob er auch sie in Richtung der Aushöhlung und gab auch Freki, der aufmerksam gewartet hatte, ein deutlichen Zeichen, auch dort zu verschwinden. Erst dann sammelte der Mann die Ausrüstung auf und warf sie vor den Rand ihres nächtlichen Unterschlupfs. Die Tiere rollten sich zusammen und sorgten untereinander für Wärme. In Bilgars Magen meldete sich ein leichter Hunger, aber erst am nächsten Tag, beim erreichen der nord-westlichen Wälder, hatte er sicherlich die Möglichkeit ein oder zwei Mal Beute zu machen und daher war ein gutes Frühstück einem kläglichen Nachtmahl vorzuziehen. Um darauf zu achten, dass sich keine Bestie oder etwas ähnliches an ihnen gütlich tat, setzte sich Bilgar an den Rand ihres Rastplatzes unter den Vorsprung, der ihn wenigstens ein bisschen vor dem Schneetreiben schützte. Seitliche Windböhen trafen ihn aber doch ab und an. Er zog ein dickes Fell zu sich, dass die Ladung gesichert hatte und platzierte seine Hand auf dem Griff des Jagddolches seines Vaters. Und noch während der junge Mann das Band von seinen Augen zog, verfiel er in einen unruhigen, aber gerechten Schlaf....
Er schreckte auf. Seine Hand war eiskalt. Sie hatte sich unter dem Fell hervor gestohlen... er zog sie schnell wieder ein und fiel wieder in unruhigen Schlummer...
Immer wieder traf ihn eine Windböhe und eisiger Schnee, so dass er letztendlich sich ganz fest zusammen rollte...
Warum war er nicht hinten in der Höhle, sondern die Wölfe?
Irgendwo in der Ferne knarrte brechendes Eis...
Warum wollte er über die Wölfe wachen, wenn ihre Sinne selbst im Schlaf besser waren als seine? Im Rudel war immer eine so wach, dass er hörte was um ihn herum vor sich ging.
Bilgar erinnerte sich nicht, wann er denn nun endlich doch so fest einschlief, dass erst ein Traum ihn wieder weckte...

...

**Bilgar lief nackt über eine türkis schimmernde Eisfläche. Unter ihm knirschte die gefrohrene See und die scharfen Kanten schnitten in seine Solen. Seine Zehen spürte er schon garnicht mehr. Dafür zitterte er um so mehr und fühlte sich unendlich müde... Vor ihm in der Ferne sah er einen schemenhaften Umriss, der umwirbelt von Schnee sich im Kreise drehte... Ventha! Sie musste es sein... Doch über wen beugte sie sich da? Er sah einen Körper am Boden liegen. Er glaubte etwas zu erkennen was er kannte... War das sein Vater? Er wollte näher, doch wann immer er versuchte einen Schritt nach vorne zu machen, da schob ihn der Wind wieder nach hinten. Dunkelroter Schnee trieb ihn im die Augen und bedeckte sein Gesicht. Es gab keine Möglichkeit zu ihr zu kommen.**

...

Bilgar erwachte mit einem komischen Gefühl, dass er sicher nicht erwartet hatte.
Ihm war warm! Sehr warm!
Das zweite was er wahr nahm, war das etwas felliges auf seinem Gesicht lag und einige Haare sich auch in seinen Mund verirrt hatten. Er drehte vorsichtig den Kopf und gelangte mit seiner Nase in eine Spalte, in die kalte klare Luft drang. Der Druck auf seinem Körper war schon ordentlich, aber auszuhalten. Seine Hand ertastete eine Pfote, Krallen zwischen viel Fell und raue Fußballen, seine andere hielt immernoch den vertrauten Dolch fest. Es half nichts, er musste sich aufsetzen. Dabei rollte er die schlafende rotbraune Wölfin Loutettava von seinem Brustkorb und gab dann den Blick auf den Rest des Rudels frei, die sich alle um ihn herum drapiert hatten und teilweise halt auch auf ihm. Auch seine Beine waren voll Wolf. Der Schnee hatte nachgelassen, aber eine Handbreit lag auf dem Pelz der außen zum Eingang der Spalte hin liegenden Tieren. Durch seine Bewegung kam etwas Unruhe in das Rudel, aber viele steckten einfach noch einmal den Kopf unter den Schwanz. Es war noch dunkel, klirrend kalt, aber am Horizont, den man am aufklarenden Himmel gut sehen konnte bildete sich schon ein schmaler blauer Streifen.
Der Sturm hatte sich heute Nacht wohl ausgetobt... oder ein Opfer gefunden. Er war jetzt auf jeden Fall besänftigt. Die seltsamen Bilder, die verblassenden Eindrücke der letzten Nacht, ließen einen fahlen Beigeschmack zurück.
Genauso wie das Wolfsfell, dass Bilgar im Mund spürte. Kratzend, etwas muffig und juckend rutschte ein Haar immer weiter gen Rachen und ließ ihn leichte Übelkeit verspüren. Da half kein Würgen. Nur Essen!
Bilgar befreite sich von den letzten Wölfen auf seinem Körper und stellte fest, dass die Wärme seinem Bein sogar gut getan hatte. Die Schmerzen des Vortages waren fast verschwunden und nur ein leichter Muskelkater an untypischen Stellen zeugte von der ungewohnten Aktivität der Schlittenfahrt. Wenn es nach dem Zustand seines Beines ging, könnte es ein guter Tag werden. Noch etwas steif vom Schlaf robbte er gänzlich aus der Spalte. Seine Blase forderte eine zeitnahe Entehrung, sowie sein Magen nach Füllung schrie. Er war es gewohnt auch mal einen Tag gar nichts zu essen, aber es war nicht nötig zu hungern. Außerdem musste er bei der Kälte hier draußen bei Kräften bleiben, also ging er an sein Proviant, aß und kümmerte sich dann um die Wölfe. Diese musste er heute jagen lassen. War nur die Frage wann? Als Bilgar gerade seinen letzten Happen tat, sah er zu Freki der wohl jeden Bissen mitgezählt hatte. Sollte er sie heute erst jagen lassen und dann den Kanal überqueren? Auf dem Eis gab es zu wenig Beute, dass wusste er. Er stand an der Klippe und ließ seinen Blick über das scheinbar unendliche Eis wandern. Hier und da hatte es Aufbrüche, scharfe Kanten, wenn sich eine Eisscholle über die andere schob und dann wieder miteinander verbanden. Er hatte auch heute Nacht gehört, da war er sich ziemlich sicher, dass das Eis gebrochen war. Er musste heute vorsichtiger sein. Das Fächergespann war heute ein muss.
Hinter ihm und bald um ihn herum erwachten und tollten bald die Wölfe umher. Er sah zu Freki, der immer still an einer etwas erhöhten Position saß und auf etwas zu warten schien. Also gab Bilgar das Zeichen und mit einem kurzen Jaulen rannte Freki gefolgt von seinem Rudel davon.
Als Bilgar sich wieder zur See umdrehte, da entdeckte er, das er doch nicht alleine geblieben war. Loutettava, die treue Seele, mit ihrem rötlich gefärbten Schädel saß hechelnd ein paar Schritt von ihm entfernt und schaute auf die See und das geborstene Packeis. Es war wohl seine Aufgabe sie zu füttern. Sie sah ihn nur kurz schmatzend an und schaute dann wieder in eine Richtung. Bilgar folgte ihrem Blick und sah tatsächlich etwas weißes rundes über das Eis ziehen.
Ein Eisbär suchte in den Spalten vermutlich nach Löchern um seine Lieblingsmahlzeit zu jagen. Robbenfleisch war nichts schlechtes. Etwas tranig, aber sehr nahrhaft. Der Wind kam von Meer, so dass er Bilgar und sein Rudel nicht gewittert hatte und er zog auch bald weiter.
Der rötliche Kopf drückte sich an Bilgars gesundes Bein und verlangte gekrault zu werden, während der Horizont im Osten sich von nächtlichem Schwarz in dunkles Blau und dann in erste rote Töne tauchte. Der Wind hing heulend über dem Eis und ließ die Spalten singen. Der Schnee, der am Vortag gefallen war, tanzte in kleinen Tornados über die glatten Flächen um sich an den Bruchkanten dann aufzureiben. Das Land in seiner Schönheit tauchte sich zu dieser Stunde in die schönsten Farben und Himmel und Erde verschmolzen miteinander. Man könnte auch sagen, Lysanthor entstieg nach einer stürmischen Nacht, dem Bett und den weißen zerknitterten Laken seiner Geliebten. Sein Glanz erwachte, legte sich über das Land und ließ es erstrahlen. Und Ventha lächelte.

Das Rudel blieb nicht lange fort und Freki bekam seine blutige Schnauze von Loutettava geleckt, als er wieder kam. Er hatte ihr sogar ein kleines Stück Fleisch mitgebracht, was ihre Entbehrungen an der Freude an der Jagd linderte. Dann konnte es also weiter gehen. Der Tag war noch am erwachen und Bilgar hatte den Fächer schon vorbereitet. Er holte sich nacheinander jedes Tier und spannte es vor den Schlitten. Die Gurte wurden kontrolliert, der Sitz der Geschirre fest gezogen und dann konnte es los gehen.
Voller Tatendrang zog das Rudel an. Bilgar musste sie ein wenig bändigen, da sie nach der Jagd noch aufgewühlt waren. Aber nach ein paar Minuten liefen sie einheitlich nebeneinander, Freki an der langen Leine voran. Das weite Eis vor sich, die Heimat hinter sich, tauchte ein Abenteuer am Horizont auf und rief Bilgars Namen.
Nach dem gestrigen Tag war die Fahrt in der Fächeranspannung deutlich gemütlicher und auch der Schlittenfahrer hatte sich an die Gurte gewöhnt, die ihn entspannt in der Spur hielten. Der junge Jäger lernte sich den Bewegungen des Schlittens und dem seines Rudels anzupassen und so wurde die Fahrt angenehm und sogar recht schnell. Das Eis unter ihnen war jedoch ein ständiger Unsicherheitsfaktor.
Die dritte Stunde waren sie schon unterwegs, da trafen sie auf einen Eisbären. Er hatte hinter einer Eisverwerfung gewartet und bäumte sich brüllend auf. Das Rudel reagierte mit lauten Heulen und Knurren und zeigte seine Gemeinschaft, seine Stärke. Am liebsten wären sie wohl auf ihn los, aber Bilgar hatte zum Glück die Bremse tief ins Eis gegraben. So gab es kein Blutvergießen, sondern der Bär schüttelte nur seinen massigen Kopf, schnaufte wütend und zog weiter. Hätte er angegriffen, so hätte Bilgar nur die Leiden lösen müssen und das Rudel hätte für ihn gekämpft. Danach war das Rudel noch eine Weile unruhig und die Fahrt wurde etwas holpriger. Freki an der Spitze schaute sich immer wieder um, ob der Bär ihnen auch nicht folgte.
Da passierte es.
Er war plötzlich weg!
SPALTE!
Bilgar reagierte so schnell er konnte. Er rammte die Bremse in den Boden, so sehr sein Bein dabei auch schmerzte und brüllte sein:
„WHOA!“
Das Rudel stemmte die Pfoten in den Schnee, doch es rutschte. Der Schlitten begann sich zu drehen und schräg auf die plötzlich auftauchende Kante herumzurutschen. Binnen einer Sekunde musste Bilgar entscheiden, ob er abspringen sollte, oder es wagte mit aller Kraft den Schlitten herum zu reißen, damit dieser sich in die Schlucht verkeilte und nicht quer hinein stürzte. Letzteres lag wohl eher seinem Naturell, denn er hatte nicht bewusst entschieden. Er spürte wie sich seine Muskeln spannten und dankte den Göttern, dass er wenigstens ein halber Mantroner war! Sein Bein fühlte sich an, als ob es noch einmal brechen würde, aber hielt. Dann dehnte sich die Zeit...
Der Abgrund kam näher und Bilgar rutschte mitsamt des Schlittens unaufhaltsam in die Spalte. Er kippte und betete zu allen Göttern, dass er sich nicht verschätzt hatte. Der Moment, wo die Kufen den Halt verloren, war der schrecklichste! Ab hier gab es keine Kontrolle mehr. Der Schlitten rutschte, knarrte, als er sich über die Kante bewegte und fiel ein Stück.
Dann kam das erlösende Geräusch von Kufen, die sich auf der anderen Seite in das Eis gruben. Rund herum hörte Bilgar nun auch wieder das Jaulen seines Rudels. Atemlos hielt er erst einmal still um die Lage zu begutachten. Er war geistesgegenwärtig auf die Ladefläche des Schlittens gehechtet, die nun ein einem 30 Grad Winkel, also etwas schräg in der Spalte hing. Die Eiswände verliefen wie die Längen eines „H“'s und der Schlitten war der Querbalken. Wenn er nach unten sah, erwarteten ihn scharfe Kanten und ein grausiger Tod. Außerdem hing an seiner Führungsleine ein winselnder Freki. Der Anblick ließ sein Herz rasen, also zwang er sich nach oben zu sehen. Die Gurte zeigten, dass das Rudel tat, worauf sie trainiert waren. Sie hielten die Seile auf Spannung und damit den Schlitten an Ort und Stelle. Nur einer der Wölfe hatte sich wohl beim Absturz seines Ruderführers in der Leine Frekis verhangen und lag halb auf der Seite winselnd an der Kante. Die Leine schnürte ein Bein ein, aber er blieb noch still liegen.

Bilgar musste irgendwie da rauf! Und das ohne, dass der Schlitten ins Rutschen kam. Ein Balanceakt. Er musste das Rudel ruhig halten und Freki musste still hängen bleiben. Er musste klettern... aus einem Schacht... rückten die Wände schon enger?
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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Mittwoch 23. Oktober 2019, 20:37

Natürlich war dieser junge Mensch unvorsichtig gewesen. Und wenngleich seine tiefen Gedanken eine Ausrede waren, die Umgebung so töricht zu ignorieren, so war es kein Grund das Leben bereits zu Beginn dieser Reise in diesem Ausmaß zu gefährden. Natürlich hätte es der natürlichen Idee entsprochen, sich unter die Tiere zu legen und dort von der gegenseitigen Körperwärme zu profitieren. Aber im Normalfall war Bilgar nicht Teil- , sondern jagte einen Teil des Rudels. Vielleicht war es die Kälte oder die anstrengende Fahrt über Hügel und durch Wälder, aber mit der Zeit überkam den Jägersmann die Müdigkeit und die schweren Lider fielen ihm zu. Der Jagddolch fiel klirrend zu Boden, doch das brechende Eis in der Ferne war das letzte Geräusch, welches Bilgar wahrzunehmen vermochte, bevor ihm die Sinne schwanden und er ungemütlich ins Reich der Träumenden hinüber glitt. Leider gönnte ihm auch der Schlaf und seine Erinnerungen dort keine Ruhe. Viele verstörende Bilder umspielten seinen Verstand und verzerrten abstrakte Situationen zu einem Spiel von Fiktion und Wirklichkeit. Plötzlich lief der junge Mann, ohne Kleidung, durch die eiskalte Nacht. Unter ihm das Eis, schneidend und beißend, seine Füße schmerzten. Das sanfte, pulsierende Licht darin widersprach dem Leid das ihm entsprang. Obwohl ihm nicht bewusst war, wie er hier her gekommen war oder was er davor getan haben mochte, rannte Schneeblick einfach weiter, einer schemenhaften Figur entgegen. Die sich drehende Gestalt war für ihn Ventha und zu ihren Füßen jemand, dessen Anwesenheit unmöglich sein musste. Vielleicht wollte es Bilgar nicht wahrhaben oder die Erinnerungen an das Gesicht verblassten mit der Zeit, aber es könnte sein Vater sein, welcher dort lag. Ein letzter Moment, eine letzte Gelegenheit für ihn da zu sein, ihn zu retten und zu erhalten. Doch sobald sich der Mantroner nährte, drückten starke Winde ihn hinfort. Doch er musste es schaffen! Bilgar musste seinen Vater retten. Doch jeder Versuch scheiterte und als Ventha mit ihrem Gesicht dem seines Vaters zu nahe gekommen war, färbte sich der Sturm rot und hinderte den jungen Mann am Luft holen.
Vor Schreck riss Schneeblick die Augen auf und wollte in diesem Moment hochfahren. Allerdings konnte er sich kaum bewegen. Noch immer gefangen zwischen Traum und Wirklichkeit wollte der junge Mann Luft holen, allerdings fiel ihm ein Bündel dichtes, muffiges Fell in den Mund, was ihn zum würgen und husten brachte. Schnell drehte Bilgar seinen Kopf zur Seite und erhaschte tatsächlich etwas frischen Sauerstoff. Erst jetzt, ruhiger und dem Beinehetod entronnen, wurde ihm bewusst, was er bereits vorher bemerkt hatte: Es war erstaunlich warm. Schritt für Schritt kam Leben in seine Glieder, doch das Gewicht auf dem Körper hinderte ihn an weiteren Bewegungen. Etwas nasses tropfte ihm auf die Stirn und als die grünen Augen nach der Quelle suchte, musste der Mantroner feststellten, dass Kestävä, die älteste Wölfin in der Meute, ihre Zunge heraushängen ließ und der Speichel damit begonnen hatte, sich einen Weg auf Bilgars Haut zu suchen. Zwar wogen die Tiere doch eine beachtliche Menge, allerdings brachte das 'Sabberrinnsal' den matten Körper unter ihnen zum Aufstehen. Mit kräftigen Zügen, Drehungen und einigen Verrenkungen befreite sich der Jäger aus dem Knäuel und bis auf ein paar Gähner und dem Knurren Uusis reagierte niemand oder folgte gar seinem Beispiel.
Tatsächlich hatte der junge Mann diese Nacht überstanden. Ohne Feuer, ohne einen richtigen Unterschlupf und ohne Ergebnis. Aber es war besser die Trophäe am nächsten Tag zu erringen, als in der Ewigkeit Met zu trinken. Sein Vater sagte es ihm einst und schon erinnerte sich Bilgar an den Traum. Oder zumindest einige wenige Reste davon, denn je mehr er versuchte die Details zu einem Ganzen zusammenzufügen, umso mehr scheinen sie zu verschwimmen. Nach ein paar Minuten gab er den Versuch auf und blickte, begleitet von einem tiefen Gähnen, in den noch dunklen Morgenhimmel. Nachdenklich zog Bilgar den Schlauch mit dem Schnaps zu sich und genehmigte sich einen großen Schluck. Es brannte in der Kehle und eine scharfe Wärme, anders als das Fell der Wölfe, breitete sich von seinem Hals zum Magen hin aus. Es quietschte gut hörbar, als die schwieligen Hände das Behältnis wieder mit dem Pfropfen verschlossen.
Hm … die Sterne verblassen bereits, aber dort vorne ist 'Ventasil'. Das bedeutete, wir müssen uns von der Klippen entfernen und die Richtung halten, bis wir auf die Säume des Westwaldes treffen. Das letzte Mal war es etwas weniger als einen halben Tagesritt von Mantron entfernt, aber ich war auch in Begleitung erfahrener Fahrer und das Wetter war sehr viel besser. Hoffen wir einfach auf das Beste und das Ventha sich heute Nacht holte, was sie begehrte.“ Als ihm die Gedanken so durch den Kopf gingen, konnte sein bestes Stück wieder Geborgenheit in der Wärme der Unterbekleidung finden, denn der Jäger hatte die kurze, gedankliche Pause zum entleeren seiner Blase verwendet. Den Muskelkater vom gestrigen Tage noch spürend, freute er sich jedoch darüber, dass sein Bein den Dienst wieder zur vollen Zufriedenheit angetreten hatte. Bilgar kam nicht umhin der nächtlichen Wolfsbehandlung einen großen Teil daran beizumessen. Hätte sich mehr als nur ein paar Stücken Kochfleisch in seinem Beutel befunden, so gäbe es für jedes Tier eine kleine Belohnung, aber es musste Haus gehalten werden mit den Vorräten. Zumindest bis man diese irgendwie wieder aufzustocken in der Lage war. Genießerisch schlugen sich die Zähne in das am heimischen Herd zubereitete Fleisch. Es war trocken. Kein Wunder, da es bereits den zweiten Tag umhergetragen wurde. Allerdings machten es die Gewürze mehr als nur erträglich. Knusprig über einem Feuer hätte es dem jungen Mann natürlich besser gefallen, aber wenn man es kannte, einige Tage fasten zu müssen, wenn man sich durch diese Lande bewegte, so war der Genuss dieser Leckerbissen, kalt oder warm, ein wahrer Segen.
Nachdem Bilgar das zweite von fünf Stücken verspeist hatte, regten sich die Fellbündel hinter ihm zusehends. Doch bevor sich wahrhaft alle des Rudels bewegten und ausließen, wanderten die Augen des Jägers über das Eis, welches in der Nacht einiges an Bewegung durchgemacht haben musste. Hier und da, standen Schollen senkrecht in der Luft oder deutliche Risse zeichneten sich ab. Keine wirklich gute Entwicklung, aber es gab auch kein akzeptables Zurück mehr.
Endlich war die Meute erwacht. Freki wachte über seine Artgenossen und hielt immer Ausschau nach einem Zeichen aus Bilgars Richtung. Tatsächlich wäre es unklug, die Tiere nicht ihren Hunger an der nahen Tierwelt stillen zu lassen. Er hatte niemals genügend Proviant mit sich genommen, um zwölf Tiere über Tage hinweg zu versorgen. Da es in der Gegend sicherlich einige sorglose Roben, Vögel oder anderes Getier gab, wischte der junge Mann mit der nackten Hand durch die Luft und gab damit dem Leitwolf die Erlaubnis auszuschwärmen. Zusammen mit ihm, entfernten sich auch die anderen Tiere. Alle, bis auf Loutettava – Sie schmiegte sich erneut an den Jäger, genoss sichtlich die Berührung seiner Hand und setzte sich dann. „Mh, du willst wohl lieber beim bärtigen Schrecken bleiben, als mit deinen Artgenossen zu jagen? Lass' das nur nicht zur Gewohnheit werden, sonst macht sich noch Neid breit.“, witzelte Bilgar etwas, während seine Hand in den Fleischsack glitt und für die Wölfin eine Portion herausfischte. Diese machte sich freudig darüber her und leckte bereits die Schnauze, als ihre animalischen Augen wahrnahmen, dass der Mensch anfing, Schnee in den Ledersack mit der stark stinkenden Flüssigkeit zu schaufeln. Der Mantroner wurde der Tatsache gewahr, beobachtete zu werden und unterbrach die Tätigkeit kurz. Auf sein Knie gestützt, wandte dieser seinen Blick der treuen Seele zu. „Ich weiß du verstehst kein Wort von dem was ich sage, aber ich kann die verraten, was ich hier mache. Weißt du, Loutettva, Alkohol hält dich warm, aber verwirrt dir auch die Sinne. Es ist als Getränk für solche Unternehmungen vollkommen ungeeignet. Allerdings kannst du auch kein Wasser mitnehmen, denn es würde die binnen weniger Stunden zu Eis gefrieren.“ Schneeblick pausierte kurz, schätzte den Inhalt des Schlauches ab und verschloss ihn wieder. „Wenn man jedoch Schnee in den Schnaps gibt, dann schmilzt dieser, verdünnt den Alkohol und gefriert nicht mehr. Natürlich würde dich der gesamte Inhalt immer noch betrunken machen, aber es wäre auch unklug die Wasservorräte in einem Zug zu leeren.“ Über seinen eigenen kleinen Spaß lachend, erhob sich Bilgar und streckte die Knochen, dass es knackte. Diese Fahrt hatte wirklich einen Tribut gefordert. Egal wie gut sich sein Bein jetzt anfühlen mochte, das Schlittern und Schunkeln hatte Spuren hinterlassen. Doch inzwischen hatte die Wölfin etwas von Interesse erspäht und der Mantroner folgte ihrem Blick. Etwas weiter, hinter ein paar frischen Rissen, trottete ein Eisbär über das gefrorene Wasser. Die Windrichtung verbarg die kleine Gruppe vor seiner Witterung. Ein Glücksfall, denn mit diesen riesigen Räubern war nicht zu spaßen. Vermutlich hatte das Biest einen schweren Appetit und es boten reichlich offene Spalten die Möglichkeit Robben oder größere Fische zu ergattern. Es dauerte einen Moment, dann wandte sich die Bestie wieder ab und entschwand in den heller werdenden Morgenhimmel.
Bilgar ließ sich auf einen Felsen fallen und ergab sich Loutettavas Flehen nach Streicheleinheiten. Während er das weiche Fell und die warmen Ohren mit den Fingern verwöhnte, erhob sich immer mehr die Sonne über dem eisigen Traum Esras. Der Schnee tanzte in einer ungehörten Symphonie und die Winde summten die Melodie über den Spalten und Rissen. Eine wunderschöne Welt, die das göttliche Liebespaar dort erschaffen hatten. Als das Rudel jedoch zurückgekehrt war, die Wölfin ihren Jagdanteil verspeist hatte und sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren, sollte die Reise also endlich weitergehen.
Natürlich war dieses Mal der Fächer als Zugformation angespannt worden. „Dann wollen wir mal unsere Beute jagen, Freunde - Hoffentlich freut ihr auch mindestens so wie ich es tue. HIKE!“, brüllte Bilgar das letzte Wort und mit einem knirschenden Geräusch fuhr die Gemeinschaft auf das brüchige Eis. Hier und da, sprangen die Tiere etwas aus der Formation, was den Schlitten ordentlich durchschüttelte. Aber Schneeblick schaffte es durch einige Kommandos und Frekis autoritärer Mithilfe, die jüngsten wieder in die Spur zu bringen. Tatsächlich konnte der Fahrer sich etwas besser auf die Kräfte einlassen, die dort wirkten und statt immer dagegen zu halten, ließ er auch mal eine oder zwei Bewegungen in den Gurten zu. Das vereinfachte das Vorankommen ungemein. Der junge Mann gönnte sich von Zeit zu Zeit einen kurzen Blick zur Seite, um sich an der Küstenlinie zu orientieren. Da jetzt kein Stern mehr zu sehen war, konnte er sich nicht mehr auf den Himmel allein verlassen. Natürlich verriet der Stand der Sonne auch eine Menge über die Richtung in der Mann sich bewegte, aber Schneeblick musste im richtigen Winkel auf die westlichen Wälder zusteuern, sonst wäre es denkbar, dass er im Kanal landete oder an irgendeinem anderen Ort. Immer wieder korrigierte Bilgar die Bewegungen des Schlittens, wenn er vor sich eine Unsicherheit vermutete oder aufragende Bruchstücke im Eis die Weiterfahrt erschwerten. Vermutlich war dies der Grund, warum die Gruppe so von dem plötzlichen auftauchenden Eisbären überrascht wurde. Zwar rammte das Grünauge die Bremse uns Eis, aber dennoch war es ein unerwartetes Treffen gewesen. Ein Kampf war unausweichlich, so dachte er, und hielt bereits die Hand über den Mechanismus, der die Gurte lösen würde. Der Bär jedoch senkte seinen Oberkörper, schnaufte, schüttelte sich und trabte davon. „Hm, der Bär ist mit Sicherheit auf der Suche nach Nahrung, sieht aber eine so große Meute wohl eher als zu großes Risiko. Schade um das Fleisch, dass wir hätten aus seinem Körper gewinnen können, aber vermutlich ist es besser, denn ich habe kaum etwas, um tiefe Wunden, wie die einer Bärentatze, zu versorgen. Erst recht nicht, bei den Wölfen.“, waren seine Gedanken, als das pelzige Hinterteil langsam hinter einer weiteren Verwerfung verschwand. Selbst das Wissen um heilende Kräuter und Pflanzen war nutzlos, wenn es ringsumher kein Grün gab. „Haw, Hike, weiter!“ Schallten seine Worte über das Eis und erneut ratterte das Gefährt los. Die meisten Tiere waren wieder unruhig und auch Freki schien die Gefahr des Angreifers nicht loszulassen. „Du m ...“, wollte Bilgar beginnen, doch da war der Leitwolf verschwunden und viel zu langsam formte sich der Gedanke einer Gefahr in seinem Kopf. So kam auch das 'WHOA' viel zu spät. Die Bremse krachte zum zweiten Mal an diesem Tag in die Eisfläche und ein kratzendes Schreien drang aus der Verankerung. Die Wölfe stemmten sich gegen das Unvermeidliche und der Schlitten stellte sich durch Schneeblicks Entscheidung quer, rutschte immer weiter und plötzlich verlor er den Halt unter den Füßen. Bilgar hatte alles versucht und musste nun auf den Willen der Götter vertrauen.
Für ihn dauerte es eine gefühlte Unendlichkeit und doch war es nur ein Augenaufschlag, als sich die eisernen Kufen des Schlittens in den Eiswänden verkeilte. Harsch wurde der Fall gebremst und Bilgar spürte die Anstrengung in seinem schlechten Bein. Der vorherige Versuch das Unglück zu verhindern hatte die wärmende Behandlung seines Rudels wieder zunichte gemacht. „Verdammt … ich hasse Löcher!“, drang es ernüchternd aus den zusammengepressten Lippen Bilgars. Die grünen Augen versuchten die Situation zu erfassen. Tatsächlich steckte das Gefährt an eine Engstelle in der Spalte fest. Unter ihm klaffte ein schwarzer Abgrund und das entfernte Rauschen vom tief liegendem Wasser verriet ihm den grausigen Tod, der bei einem Absturz drohte. Esras Eis war dick, aber in der größten Tiefe hatte es keine Macht. „Bisher war es ja auch viel zu leicht. Ich weiß, warum ich lieber im Wald Wölfe jage, als mich von Ihnen über das Meer ziehen zu lassen.“, dachte Bilgar für sich und entdeckte Freki an seiner Leine hängend einige Meter unter sich. „Freki, ganz ruhig Junge. Ich versuche uns hier rauszuholen, nur nicht bewegen.“ Jetzt wandte der junge Mantroner den Blick nach oben und entdecke ein weiteres Tier, gefangen in der Schlinge. Die Pfote würde diese Tortur nicht sehr lange aushalten. Die übrigen Gurte sangen vor Spannung und verrieten dem Jäger, dass die restliche Meute gegen die Schwerkraft kämpfte und dafür sorgten, dass das Gewicht von Proviant und Gefährt nicht alle restlos in die eisige Endlosigkeit rissen. Die Umgebung knirschte und einige verirrte Flocken rieselten vom Rand der Spalte hinab. Die Eismassen waren immer noch in Bewegung. Reichte die aus, um den Mantroner zwischen sich zu zerquetschen? Vielleicht nicht, aber je länger Bilgar sich hier aufhielt, desto stärker wurde diese Befürchtung und der Wunsch zu entkommen wuchs. Allerdings waren die Wände rutschig und nicht aus robustem Stein. Der junge Mann konnte sich also nicht darauf verlassen, mit den Füßen ausreichend Halt für eine Kletterpartie zu finden und würde er fallen, bestünde das Risiko, falls er den Schlitten überhaupt treffen würde, jeden der daran hing in den Abgrund zu stoßen. Genervt von der Aussichtlosigkeit, stöhnte Bilgar auf und legte die Hände auf seine Knie. Dabei strich der Arm über den Griff eines der Messer. Ihm kam eine Idee. „Hm … ich könnte versuchen die Klinge als Pickel zu verwenden. Ventha sei Dank, dass ich nur ein Halbling bin und nicht einen Berg Fleisch an den Knochen tragen muss. Dennoch wird mich dieser Plan eine ganze Menge an Kraft kosten.“ Doch es war klar, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab. Bedächtig zog der Mann die Waffen und stieß der Probe wegen in die nackte Eiswand. Es flogen einige Splitter, bevor sich die Klinge tief genug verkeilte, dass man sich daran hochziehen konnte. „Alles oder nichts … man kann ja nicht ewig leben.“, sprach er sich selber Mut zu und begann den unkonventionellen Aufstieg.

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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Oktober 2019, 10:48

„Alles oder nichts … man kann ja nicht ewig leben.“
, sprach Bilgar sich selber Mut zu und Freki winselte leise in seinem Geschirr hängend unter ihm. Dann begann der Jäger seinen unkonventionellen Aufstieg.
Vorsichtig und sehr langsam tastete sich Bilgar erst einmal bis zur Eiswand. Dort nahm er dann seine Waffen in die Hand und war gerade sehr glücklich auch den Dolch seines Vaters mitgenommen zu haben. Dieser stellte sich sehr bald als ein hervorragender Gehilfe zum Klettern heraus. Jeder Schritt, jeder Verlagerung seines Gewichtes auf dem Schlitten war ein Spiel um Leben und Tod. Allein dieses Bewusstsein trieb Bilgar den Schweiß auf die Stirn. Doch nicht nur das. Die Anspannung und die Anstrengung zusammen zehrten an seinen Kräften und über allem schwebte die Angst vor dem Sturz, dem Fall, die Tiefe, der Abgrund, der Schmerz und die Kälte die ihn dort unten erwartete.
Die Eiswand erreicht, richtete er sich erst einmal langsam auf und trieb probehalber den Dolch in das Eis. Bröckchen spritzen und regneten auf sein Gesicht. Der Wind jaulte einmal lauter in der Spalte und die Wölfe über ihm antworteten mit leisem Winseln. Die Gurte durfte Bilgar nicht berühren, geschweige denn als Hilfe für den Aufstieg nutzen. Zu viel Spannung lag auf ihnen und ruckhafte Bewegungen könnten dazu führen, dass der Wolf mit der eingeklemmten Pfote in Panik geriet. Von hier unten konnte er noch nicht sehen, welches Tier sich da verheddert hatte und so litt. Aber von hier aus hatte er einen besseren Überblick, was genau passiert war. Die linke hintere Kufe des Schlittens hatten sich tief ins Es gegraben und hielt das ganze Gewicht des Schlittens auf dieser Seite. Die Rechte hingegen steckte zwar grob in der Oberfläche, aber nur lose in einer der vielen Risse die die Wände hier überzogen. So unfixiert konnte der Schlitten jederzeit ein Stück zur Seite kippen und das Gewicht würde dann auch die eine feste Verankerung heraus hebeln und alles abstürzen lassen. Um erst sich, Freki und vielleicht sogar den Schlitten zu retten musste Bilgar irgendetwas opfern, dass er in den Spalt stopfen musste um ihn zu stabilisieren, bis er oben war. Was auch immer es war, es würde fallen, sobald das Rudel oben anziehen würde... doch das war Zukunftsmusik. Jetzt erst einmal tat er es und atmete danach einmal tief durch. Das Knirschen und das wackelige Gefühl hatte nachgelassen. Jetzt galt es für ihn die Wand zu erklimmen. Wirklich tief hing er eigentlich nicht, aber drei Mann hoch war die obere Kannte schon über ihm. Das Licht hier unten war schon deutlich blauer und das Eis flüsterte an seinen Ohren. Knarrend und seufzend begleitete es jede seiner Bewegungen.
Vorsichtig!
Linke Hand strecken und in den Spalt schieben, tasten, Halt suchend, prüfen, dann festhalten.
Vorsichtig!
Rechte Hand strecken, mit dem Dolchspitze über das Eis fahren, lose Stellen prüfen, zustoßen, Halt prüfen, festhalten.
Vorsichtig!
Linker Fuß heben, auf den kleinen Vorsprung setzten, leicht Gewicht drauf bringen, halten. Durchatmen! Nachdenken. Drei Punkte fest, jetzt Abstoßen und hoffen, dass der Schlitten und der geopferte Gegenstand halten würden. Muskeln anspannen und …
HOCH!
Atmen! Halten! Alles blieb still. Der Abgrund blieb hungrig und leer unter ihm. Eine blaue rauschende, fauchende Hölle, die ihn und alles fressen wollte. Ein kleiner Blick nach unten – oder doch lieber nicht? Hatte sich da eben etwas bewegt? Bilgar konnte nicht hinschauen. ER hing schon in der Wand, also weiter!
Vorsichtig!
Rechter Fuß. Bein zur Seite strecken, das Gewicht verlagern, die Spitze tasten lassen – DA Halt! Gut. Fest drauf stellen und jetzt umgreifen.
Linke Hand lösen, hoch greifen, Halt suchen.
Vorsichtig!
Da ist ein loser Brocken.
Raus ziehen und fallen lassen oder umgehen?
Entscheidungen.
Vorsichtig!
Rechte Hand lösen, Tasten, Halt suchen, fixieren. Gewicht weiter verlagern...
Und das alles immer wieder von vorne.
Schweiß rann seinen Rücken hinunter. Jeder einzelne Schritt ein drohendes Todesurteil, begleitet von dem Gurgeln der Tiefe. Noch ein Schritt, noch eine Bewegung, noch einmal Strecken und die Zähne zusammen beißen.
Bilgar hatte gut die Hälfte geschafft, als irgendwo in der Ferne ein Donner grollte.
Nein, das war kein Donner. Es waren die Eisplatten die sich gegeneinander verschoben und plötzlich ging ein Zittern durch seine Finger.
Nein, auch das stimmte nicht. Es war der Gletscher der zitterte. Er hörte es ohne hinunter sehen zu müssen. Die Strömung hatte sich verändert und das Wasser drückte sich den Spalt hinauf. War das gut? War das Schlecht? Zumindest trieb es Bilgar zur Eile und damit zu weniger
Vorsicht!
Er spähte einmal hektisch nach unter und glaubte dort gut 10 Meter unter sich abermals eine Bewegung zu sehen. Waren schon Stücken der Scholle abgebrochen und wurden von der Strömung fort gespült? Er musste höher! Er musste hier raus! Schneller! Leuchtete da etwas in der Tiefe? Blaues Licht, oder war es nur ein verirrtes Leuchten, dass durch die Prismen des Eises wanderte? Alles war hier blau. Schneller, nicht ablenken lassen! Hand, Hand, Fuß, Fuß und stemmen! Rauf! Hand, Hand, Fuß, ...ein Kopf? Bilgars Blick ging an seinem Fuß vorbei in die Tiefe und glaubte dort kurz einen Kopf zu sehen. Ein Gesicht mit viel zu großen Augen, dass zu ihm hoch sah. Warum erstarrte er? Er musste weiter! Fuß, Stemmen, Hand, Hand und Fuß... Ein Arm der tief unter ihm die Hand ausstreckte, Schwimmhäute und die Wand berührte.
Fuß! Stemmen! Kurzes Verharren und Schauen. Wachsendes Eis, dass sich schnell zwischen den Wänden ausbreitete und sie einen Moment noch still halten ließ! Das verschaffte ihm Zeit!!!
Jetzt schnell!
Rauf!
Rauf!!
Rauf!!!
Bilgar griff nach der Kante und war oben! Das Eis jaulte in der Tiefe. Er zog sich hoch, sah in die felligen Gesichter seines Rudels. Schnell ein Befehl zum 'Bleibt!' gerufen, zur Seite gesehen. Da war Peto. Er hatte sich mit der Pfote verfangen und jaulte leise auf. Bilgar robbte schnell zu ihm rann, schob seine Hände unter die Leine und zog sie kräftig nach oben. Peto rollte schnell weg und war befreit. Jetzt alle:
Ziehen!
Ziehen!!
Ziehen!!!
und ZIEHEN!!!
Es krachte und der Schlitten löste sich aus seinem Winkel. Ein Ruck ging durch die Leinen und die Last zog alle einen Meter näher zum Abgrund, bevor Pfoten und Stiefel, Klingen und Kraft dagegen halten konnten. Bilgar war so Adrenalin geladen, dass er keine Schmerzen mehr spürte. Er brüllte Befehle, zog mit aller Kraft und die vorderen Kufen zeigten ihre Spitzen am Spaltenrand.
ZIEHEN!!!!
Der senkrecht hängende Schlitten richtete sich auf und kippte über den Rand in die Horizontale auf die Seite. Das schlimmste war geschafft! Sofort eilte Bilgar nach vorne und griff nach Frekis Leine. Schnell zogen seine starken Arme das kräftige Tier nach oben und auch keine Sekunde zu früh!
Grollen, bersten gab der Keil in der Tiefe nach und zersplitterte in tausend Teile, wie ein Schnee-Geysir spritzte das Wasser und das Eis nach oben, erreichte Freki, erreichte Bilgars Arme. Geschützt von seiner dicken Kleidung passierte ihm nichts, also zog er auch sein Leittier aus der Todesfalle und fiel nach hinten.
Freki ging es gut. Er leckte ihm das Gesicht und Gletscher unter ihnen zitterte ein letztes Mal. Mit zur Seite gelegtem Kopf konnte Bilgar sehen, wie sich die Spalte schloss, für immer, fast als wäre sie nie da gewesen.

Durchatmen.

Ruhe.

Nur das leise Winseln von Peto drang an Bilgars Ohr. Als er nach ihm sah, wusste er, dass das Tier jetzt noch nicht wieder laufen konnte. Petos Pfote war ordentlich gequetscht worden. Der etwas unansehnliche Wolf, er hatte eine Fellmusterung, die ihm den Namen 'Biest' eingebracht hatte, war einer der stärksten Tiere des Rudels und so war das Muskelfleisch zwar verletzt, aber vielleicht nicht irreparabel. Auf jeden Fall bekam er jetzt eine Belohnung, in Form von vielen Streicheleinheiten, genauso wie das ganze Rudel, das sich dicht um Bilgar drängte. Der Stress der letzten Sekunden? Minuten? Stunde?..Nein, so lange hatte das ganze nicht gedauert. Aber der Stress fiel langsam wieder von ihnen ab und zurück blieb der Schmerz.
Weile kleine Weile, eine halbe Stunde gönnte sich das Rudel um zu verschnaufen oder um nachzudenken, was da alles eben passiert war. Haflgor, der Schlittenbauer hatte ganze Arbeit mit diesem Gefährt geleistet. Er hatte zwar einige Kratzer abbekommen, aber er hatte gehalten! Trotzdem blieb keine Möglichkeit zu verweilen. Hier im offenen Eis würde wenn nicht Venthas Winde, bald vielleicht doch ein Eisbär sie als lohnende Beute ausmachen. Mit einem verletzten Tier konnte Bilgar reisen, also wurde Peto auf den Schlitten gelegt, angeleint und weiter ging es. Bilgar drosselte jetzt das Tempo deutlich und ließ die Tiere weit auseinander laufen im Fächer. Er war nun vorsichtiger geworden.

Wenn auch langsamer, so waren wenig später die ersten Ausläufer des Festlandes wieder zu sehen und Bilgar fühlte sich versucht das Tempo wieder anzuziehen. Er sah auch eine der Landmarken, eine Klippe in Form einer Schale, die den Weg wies und ihm zeigte, dass er richtig war. Ob Eirik auch an dieser Landmarke orientiert hatte? Bilgar dachte eben darüber nach, als er eine Fährte in einer Schneewehe sah. Sie war nicht mehr ganz frisch, aber es war deutlich ein Eisbär, dafür musste er noch nicht mal den Schlitten verlangsamen, doch was es ihn dann doch tun ließ, war das Blut in dem Abdruck. Ein verletzter Bär? Oder ein Bär der gerade frisch Beute gemacht hatte. Auch das Rudel witterte jetzt das Blut. Der Wind stand in entgegengesetzter Richtung. Bilgar müsste absteigen, das Rudel auf Abstand halten und es genauer untersuchen, um mehr zu erfahren. Spuren waren seine Spezialität als Jäger und konnten einem viel erzählen – Ein paar Minuten mehr... Oder er entschied sich lieber schnell den Wald zu erreichen um seine Reise zügig fortzusetzen.
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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Samstag 2. November 2019, 15:38

Es wirkte wie das Erwachen aus einem Alptraum. Vor wenigen Momenten musste man um sein Leben fürchten, abstrakte Situationen, die man so nicht für möglich gehalten hatte, verfolgten den Schlafenden und nur das abrupte Munter werden versprach Rettung. So starrte Bilgar in den klaren, von der Sonne getränkten, Himmel. Seine grünen Augen blickten in das alltägliche Schauspiel und doch kam es ihm so vor, als wäre es das erste Mal. Freki's raue Zunge glitt erneut über das Gesicht des Jägers. Die kühle, leichte Brise bewies ihm, dass noch Leben in den Knochen steckte und trotz der Tatsache, dass eine Jagd auf ihn wartete, hielt er eine kurze Pause für angebracht. Schon um sich wieder auf das Hier und Jetzt zu besinnen. Erneut wandte er den Kopf zu der Stelle, wo vor kurzem noch der endlos wirkende Spalt klaffte. Jetzt hatten die sich bewegenden Eisplatten die Todesfalle wieder verschlossen und dabei seinen zweiten Dolch mit sich gerissen. Anders wäre aber ein Aufstieg niemals gelungen, denn der Schlitten hatte sich nur zu einem Teil in den Wänden verkeilt. Freki, der mit ihm in die Tiefe gestürzt war, hätte das Gewicht nach Schneeblicks Fehlen, so verlagert, dass das Gefährt abgerutscht wäre. Aber lieber opferte der junge Mann ein Messer, als sich und sogar eines der Tiere, welches Nora ihm überlassen hatte.

Geistesabwesend streichelte er durch Frekis Fell und ließ die letzten paar Minuten noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen. Was war es, dass ihn aus der Tiefe heraus angeschaut hatte. So eine Kreatur hatte er noch niemals gesehen und auch die Augen wollten zu keinem der Tiere passen, die er in seinem Leben sehen durfte. Die Schwärze in dieser schier endlosen Tiefe und das glühen der Stecknadelkopfartigen Pupillen verursachte ein Gefühl der Bedrohung. Der Trieb sich zurückzuziehen war durch das tosende Gebrüll des tiefen Meeres nur noch verstärkt. Vielleicht war das Gefühl Fliehen zu müssen auch der Antrieb der den Ausschlag gab, sich auf jeden Schritt und jede Bewegung zu konzentrieren. Am Ende war diese Begegnung vielleicht der Grund gewesen, dass es Bilgar aus den Tiefen dieser Todesfalle geschafft hatte. Im Innersten verabscheute der Jäger einem unbekannten, unter Umständen sogar gefährlichen, Wesen etwas zu schulden, aber dennoch war alles besser als Tod zu sein. Inzwischen kamen auch die anderen Tiere zu den Beiden und schmiegten sich dicht in die Gruppe. Die Kälte der vergangenen Momente entschwand Stück für Stück. Viele Wölfe begannen mit dem Schwanz zu wedeln und verlangten energisch auch einen Anteil an der Streicheleinheit, welche Freki bisher für sich allein beansprucht hatte. Versonnen kraulte der Hüne Ohren und Nacken, nicht ohne dabei ein schmales Lächeln auf den Lippen zu tragen. Noch immer hörte man das ferne Knacken der aufeinander berstenden Eisplatten, doch inzwischen war der Hauch der Furcht unter dem blauen Himmel verblasst. Es war immer wieder amüsant, dass das Volk der ewig mutigen Mantroner, trotz der allgemeinen Meinung, doch Angst und Furcht verspürte. Doch immer war es die Pflicht der Westmänner dieser Emotionen entgegenzuwirken. „Jetzt lasst uns weitermachen – Wir haben uns lange genug ausgeruht. Kommt.“, meinte Bilgar nach einer halben Stunde und erhob sich aus dem pelzigen Knäul. Viele Tiere begehrten auf, war doch dieser seltene Moment der Zärtlichkeit zu schnell vorbei. Allerdings hatte der junge Jäger nicht den Willen und die Ambition sich tiefer auf diese frühe 'Beziehung' einzulassen. Für einen Menschen mit seiner Profession gab es noch keine deutliche Grenze zwischen den Zugwölfen und denen, die er im Wald jagen musste. Am Horizont wirbelten einige Schneeflocken umher und zeugten vom aufkommenden Ostwind. Er brachte immer etwas Wärme mit sich und war harmlos, doch stand er auch für den Aufbruch. Nun führte Schneeblick die Tiere wieder an ihre Positionen und verschnürte jedes Geschirr mit dem Gurt. Dabei wurde der verletzte Peto ausgelassen. Nachdem die Fächerposition wieder eingenommen war, überprüfte Bilgar noch einmal den Schlitten und war erstaunt, dass es kaum ernstzunehmende Schäden gab. Hier und da gab es Bruchstellen und einige Verbindungsstücken saßen nicht mehr lückenfrei aufeinander. Halfgor war ein erstaunlicher Konstrukteur, abseits seines fahrlässigen Äußeren. Allerdings durfte sich Bilgar mit seinem zerfransten Gesichtshaar und der doch recht wild wirkendem Frisur, sicherlich nicht über das Aussehen anderer Menschen beschweren. Nichtsdestotrotz war dies nicht der Zeitpunkt sich über andere Personen Gedanken zu machen, als sich selbst und denjenigen, auf deren Spur man ich befand. Langsam ging Bilgar in die Knie und löste die Seile, welche die Ausrüstung zusammenhielten, damit er den Bestand überprüfen konnte. Das Messer war natürlich in den Tiefen verloren, aber mit ein wenig Glück war dem Rest nichts passiert. Leise vor sich hinmurmelnd zählte er Proviant, Waffen und Werkzeuge ab. Es war wirklich ein Wunder, aber bei dem Unfall schien nichts kaputt oder verschollen gegangen zu sein. “Manchmal muss man auch etwas Glück haben, aber dass gleich zweimal hintereinander ...“, dachte der junge Mann bei sich, verschnürte das Bündel wieder gründlich mit dem Schlitten und rief dann Peto zu sich. Das Tier humpelte etwas, schien aber sonst bei guter Gesundheit zu sein. Vermutlich hatte es die Situation inzwischen schon wieder vergessen. „Na los, mein Kleiner, rauf auf den Schlitten. Ich bin zwar kein Experte, aber deine Pfote dürfte nicht gebrochen sein. Du wirst bald wieder mit den anderen Laufen.“, sagte er versöhnlich und sorgte dafür, dass der Wolf einen bequemen Platz fand. Nach einem kurzen Streicheln, stand Bilgar auf und stellte sich breitbeinig und locker hinter die Lenkstange. Mit inzwischen geübten Fingern und vertrauten Bewegungen verband sich der Mantroner mit dem Gefährt. Sein letzter Blick galt der Stelle im Boden, die, zwar geschlossen, immer noch einen unangenehme Aura verbreitete. Es wurde Zeit von diesem Eisfeld herunter zu kommen und wieder den vertrauten, festen Boden eines Waldes unter den Füßen zu spüren. „HIKE!“, rief der junge Mann mit tiefer Stimme und nach einem kurzen Moment hatte das kleine Rudel wieder volle Fahrt aufgenommen, während Peto die Zunge im Wind baumeln ließ und sichtlich die kleine Pause genoss.
Dieses Mal vernachlässigte Bilgar nicht einen Augenblick auf die Strecke zu achten. Sicherheitshalber umfuhr er Schneewehen oder kleinere Felsformationen in der Nähe der Klippen. Aber weder Tier und Unheil begegnete ihm und tatsächlich nährte sich in der Ferne der Wald den er zu erreichen suchte. Obwohl er bisher das Tempo geringer hielt als es möglich gewesen wäre, war es ihm nicht sicher genug, jetzt die Geschwindigkeit zu erhöhen. Das er richtig war, bestätigte die Landmarke in Form einer schalenartigen Klippenformation. Da plötzlich erschienen Spuren im Schnee. Die Fährte eines Bären. Die Klauen waren abgespreizt und die Ballen weit voneinander gestreckt. Deutliche Merkmale, allerdings machte ihn das Blut sehr aufmerksam, dass sich hin und wieder abzeichnete. Natürlich reagierten die Tiere darauf, aber Schneeblick hatte nicht vor deswegen anzuhalten. Vielleicht war es nicht sehr schlau, diese Spur zu untersuchen, aber sein Instinkt und seine Erfahrung sagten ihm, er müssen es nicht beachten. Eirik und Fin hatten bereits einen halben Tag Vorsprung und in letzter Nacht gab es einen heftigen Schneesturm. Folglich konnte das Blut nicht von einem der beiden Männer stammen. Dies würde bedeuten, der Bär hätte gerade Beute gemacht oder wäre verletzt. In beiden Fällen wäre das wilde Tier kein Grund für Gefahr. Trotz der Meinung vieler Mantroner war ein Bär nicht grundsätzlich gefährlich. Aber die Reise war gerade einmal einen Tag alt und es war schon vieles passiert, also lenkte der Mann den Schlitten etwas auf Abstand und beschloss den Saum des Waldes weiter östlich zu betreten.

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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Sonntag 3. November 2019, 16:00

„Jetzt lasst uns weitermachen – Wir haben uns lange genug ausgeruht. Kommt.“
, meinte Bilgar und erhob sich aus dem pelzigen Knäuel, das die Tiere um ihn gebildet hatten, nur damit jeder jedem ein wenig Zuwendung zu Teil werden lassen konnte. Dieser seltene Moment der Zärtlichkeit war zu schnell vorbei. Allerdings hatte der junge Jäger nicht den Willen und die Ambition sich tiefer auf diese frühe 'Beziehung' einzulassen. Für einen Menschen mit seiner Profession gab es noch keine deutliche Grenze zwischen den Zugwölfen und denen, die er im Wald jagen musste. Er hatte schon vielen Wölfen das Leben genommen, deshalb war dies hier für ihn noch immer sehr ungewohnt.
Am Horizont wirbelten einige Schneeflocken umher und zeugten vom aufkommenden Ostwind. Er brachte immer etwas Wärme mit sich und war harmlos, doch stand er auch für den Aufbruch. Bilgar verschnürte seine Habseligkeiten wieder gründlich mit dem Schlitten und rief dann Peto zu sich. Das Tier humpelte etwas, schien aber sonst bei guter Gesundheit zu sein. Vermutlich hatte es die Situation inzwischen schon wieder vergessen.
„Na los, mein Kleiner, rauf auf den Schlitten. Ich bin zwar kein Experte, aber deine Pfote dürfte nicht gebrochen sein. Du wirst bald wieder mit den anderen Laufen.“
, sagte er versöhnlich und sorgte dafür, dass der Wolf einen bequemen Platz fand. Nach einem kurzen Streicheln, stand Bilgar auf und stellte sich breitbeinig und locker hinter die Lenkstange. Es wurde Zeit von diesem Eisfeld herunter zu kommen und wieder den vertrauten, festen Boden eines Waldes unter den Füßen zu spüren.
„HIKE!“
, rief der junge Mann mit tiefer Stimme und nach einem kurzen Moment hatte das kleine Rudel wieder volle Fahrt aufgenommen, während Peto die Zunge im Wind baumeln ließ und sichtlich die Fahrt genoss.

Weit hinter ihm flammte noch einmal ungesehen kurz das Licht unterm Eis auf, drehte eine weiter werdende Spirale und verschwand dann in der Tiefe. Was auch immer dort unten Bilgar gesehen hatte, es war Vergangenheit.
Eine Vergangenheit, die nun um einen Dolch reicher war, die tief in das Vergessen des Ozeans hinab sank.

Dieses Mal vernachlässigte Bilgar nicht einen Augenblick auf die Strecke zu achten. Sicherheitshalber umfuhr er Schneewehen oder kleinere Felsformationen in der Nähe der Klippen. Wohl auch zu seinem Glück, denn weiteres Unheil verschonte ihn und tatsächlich nährte sich in der Ferne der Wald den er zu erreichen suchte.
Da plötzlich erschienen Spuren im Schnee. Bilgar betrachtete sie nur kurz im Vorbeifahren und folgerte, es konnte nicht das Blut von einem der beiden Männer sein. Der Bär hatte gerade Beute gemacht oder war verletzt. In beiden Fällen wäre das wilde Tier keine Gefahr. Trotz der Meinung vieler Mantroner war ein Bär nicht grundsätzlich gefährlich. Es hatte sogar einen alten Mann in Mantron gegeben, der sich Bärenherz nannte. Dieser soll auf einem Bären geritten sein. Aber dies war eine alte Geschichte. Nur wenige Mantroner besaßen noch ein Herz für Bären. Beim Betrachten der Spur erinnerte sich Bilgar an einen Abend, an dem Jenna etwas erzählt hatte...

„Halt den Rand, wenn ich erzähle! Es ist ja fast, als hättest du am Lebertran genascht und dir sprudeln die Worte jetzt oben raus, wo sonst unten die Ka...“
Über den Rest sollte er lieber nicht nachdenken! Sein verbaler Durchfall war auf jeden Fall erst einmal versiegt. Unflätigere Worte hatte er selten von Jenna gehört, aber er hatte sie in einem nachdenklichen und fast melancholischen Moment mit einem derben Witz unterbrochen, wo sie halt dann halt so bösartig reagierte.
„Und Jaaaaaaahhhaaa, ich kenne … kannte jemanden der das Herz hatte, und den Mut, und den Willen sich den Bären zu nähern und hab sie dabei sogar einmal beobachtet. Natürlich nur aus der Ferne! Sie ist mit ihnen im Eis getaucht! Schau nicht so! Das ist die Wahrheit! Willst du Schläge, dann behaupte, dass ich lüge!!!“
Die Drohung hatte ausnahmsweise nicht ihm gegolten, denn Bilgar wusste, dass Jenna niemals log. Doch dass ein Mädchen in ihrem Alter sich an Eisbären heran traute, dass war schon etwas besonderes und nicht jeder glaubte es. Leider war dieses Mädchen dann verschwunden und konnte Jennas Aussage nicht bestätigen. Wie war nur ihr Name gewesen... Irgendetwas mit 'M'...

Bilgar wandte den Blick ab. Die Reise war gerade einmal einen Tag alt und es war schon so vieles passiert, also lenkte der Mann den Schlitten etwas auf Abstand zu den Spuren im Schnee und beschloss den Saum des Waldes weiter östlich zu betreten.
Bald erreichte er die dortigen Klippen und fand einen Strand mit einer Furche für den Aufstieg, an dem er den Schlitten umspannen konnte. Notwendig war es diesmal ungemein, denn mit einem Fächer wischen die Bäume zu fahren, wäre dumm und selbstmörderisch. Also gab es eine kurze Rast, eiliges Umspannen, währen er sich schnell einen Happen zwischen die Zähne schob und dann ging es auch schon weiter. Wolf und Mensch hatte eine gewisse Umtriebigkeit und Unruhe erfasst. Jeder spürte es beim jeweils anderen. Etwas trieb sie an, ohne dass man sagen konnte, warum dies so war. Und wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, das spornte das ganze Rudel an. Freki hielt immer wieder die Nase in den Wind und schnüffelte.
Hatte er eine Witterung aufgenommen?
Bilgar ließ ihm Leine und sein Rudel laufen. Jetzt kam es auf Vertrauen an. Sie rannten auf gerader Ebene, als wenn Ventha hinter ihnen die Welt unter gehen lassen würde. Der klare Himmel sprach aber gegen ihr Wirken und so konnte Bilgar darauf vertrauen, dass die Wölfe wussten wonach sie suchten. Das Rudel gab alles und verausgabte sich gewaltig, aber etwas ließ Bilgar glauben, dass dies jetzt das einzig richtige war. Der Instinkt der Tiere war stärker als die des Menschen. Viel zu lange hechteten sie durch den Wald, über kleine Hügel, sprangen sogar ein paar Mal über Bodenwellen, bei der rasanten Fahrt.
Dann war es soweit.
Freki zeigte durch ein kurzes Winseln und deutliches Drosseln des Tempos an, dass etwas in der Nähe sein musste. Und tatsächlich. Bilgar sah Vertiefungen im Schnee, die zwar nicht mehr ganz frisch und schon halb verweht, aber deutlich die eines Schlitten zeigten. Freki hielt seine Nase in den Schnee und auch die anderen Tiere pflügten kleine Wellen des der weißen Pracht vor ihren Schnauzen umher. Bilgar hatte kurz ein wenig Mühe das Rudel davon abzuhalten sich in den Leinen zu verheddern, aber ein paar kurze Befehle brachten sie wieder auf Kurs. Dann jaulte Freki plötzlich kurz auf und in der Ferne antwortete ein zweites Heulen. Auch wenn die Spur in eine andere Richtung wies, so hatte der andere Trupp eben seine Position verraten. Freki zog sofort an und dann ging es querfeldein zwischen den Bäumen hindurch. Äste peitschten durch die Luft und griffen nach Bilgars Gesichtshaar. Das grenzenlose Weiß war hier den Schatten der Bäume gewichen und immer wieder glaubte er im Rauschen des Windes ein Heulen zu hören. Dort vorne antworteten Wölfe Frekis Ruf.
Dann brach er aus dem Unterholz und musste scharf bremsen um nicht in einen umgestürzten Schlitten zu fahren. Die Lichtung war klein und schmal und eigentlich viel zu eng für drei Schlitten und ihre Rudel.
Bilgar kam gerade zum stehen und sah erst dann den dick in Felle gehüllten Mann, der die Arme nach oben gesteckt hatte und mit tiefen Lauten die Wölfe beruhigte. Bilgars Rudel hechelte und sie tapsten noch aufgerieben von Adrenalin umher. Auch Bilgar musste sie zu Ruhe bringen, da sie in diesem Zustand eine ernst zu nehmende Gefahr waren. Sogar Freki knurrte und schnappte nach seinen eigenen Rudelmitgliedern, wenn sie zu nahe kamen. Es dauerte ein paar Atemzüge, bis er sich wirklich umsehen konnte.
Da stand Fin Eisläufer, der Getreuer von Thure. Er winkte ihn heran, nahe an einen Felsen der kantig aus dem Schnee ragte, aber durch die Wurzeln eines Baumes kaum zu sehen war. Dahinter verlief die Spur zum umgestürzten Schlitten und ohne ein einziges Wort zu sprechen zeigte Fin Bilgar was hier geschehen war.
Eirik Eulenruf musste den Schlitten zu nah an den Bäume manövriert haben. Er war der Sohn eines Bootsbauers. Auf offener Fläche war er noch gut voran gekommen, aber hier im dichter werdenden Wald hatte er einfach keine Erfahrung mit der Umgebung. Er hatte die Wurzeln und den dahinter verborgenen Stein nicht bemerkt, war auf ihn aufgefahren, war gekippt und die Kufe hatte die Führungsleine in der Drehung durchschnitten. Der Aufprall musste heftig gewesen sein.
Bilgar sah dies alles und suchte instinktiv nach dem Fahrer...
Eirik...
Wo war er?
Fin sah sein fragendes Gesicht und hob langsam den Arm in eine Richtung. Eirik musste einige Meter weit geflogen sein. Bilgar wandte den Blick, ging ein paar Schritte und …

...und sah, dass die rote Blume des Todes im Schnee erblüht war. Wie die sich öffnenden Blätter eine Knospe hatte sich purpurn der Lebenssaft des jungen Mannes um seinen Kopf herum ausgebreitet. Die Kälte hatte das Blut wieder erstarren lassen und so in funkelnde Rubine zwischen Milliarden Diamanten verwandelt. Seine Haut war fast so weiß wie der Schnee und auch die wenigen Kristalle, die auf seinen Augäpfeln lagen, sei schmolzen nicht mehr. Es war ein grausames Bild, aber auch merkwürdig schön. Es war still und endgültig. Ventha hatte den unvorsichtigen Mann zu sich geholt. Lange gelitten hatte er nicht. Aber was Bilgar gerade erstarren ließ, war die Position seines Körpers, die Lage seiner Gliedmaßen.
Er lag genauso da wie die Gestalt, von der er geträumt hatte... Wie die Gestalt, von der sein Unterbewusstsein suggeriert hatte, dass es sein Vater hätte sein können, doch hier... Das war Eirik. Eine weitere von vielen Seelen die Ventha sich holte, wenn Unwissenheit, Leichtsinn und gnadenloses Eis aufeinander trafen.
Fin stand still neben ihm und sah ebenfalls auf den Leichnam. Auch die Wölfe gaben Ruhe und außer dem leisen Wind zwischen den Bäumen war eine Weile kaum etwas zu hören.
Irgendwann wandte sich Fin ab und ging ein paar Schritte weg.
Er stand mit dem Rücken zu Bilgar und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Unterdrückte Wut klang in seiner leisen, gepressten Stimme mit:
„Das ist ...so... so sinnlos!“
Ja, der Tod hatte selten einen Sinn. Nur die wenigsten starben einen Heldentod, wenn man es genau nahm. Viele starben am Alter, an Unfällen, ja auch an Unvorsichtigkeit, wie man hier einmal mehr sah. Aber hier kam noch der Umstand hinzu, dass Eirik Eulenruf vor etwas geflohen war... für jemanden geflohen war und das machte es nur um so sinnloser. Eirik war ein Zeuge und nun war er tot. Bilgar musste an die Gesichter seiner Eltern auf der Versammlung denken und wie sie leiden würden, wenn sie es erführen. Leid...
Leid, dass er kannte. Eben jenes Leid, wenn man einen geliebten Menschen verlor.
Ja, es war sinnlos! Er war in der Hoffnung hier hinaus gefahren, Eirik zurück zu holen. Vielleicht hatte er auch gehofft, das Geheimnis um Olofs Einfluss auf ihn aufzudecken, aber manchmal war das Schicksal eben schneller als man selbst.

Doch was jetzt?
Was würde das hier für Folgen haben?
Was war zu tun?

Fin Eisläufer ging zu den Tieren des umgestürzten Schlittens und kraulte die dortige Leitwölfin. Freki winselte und zerrte an der Leine, als wolle er auch zu ihr. Die beiden kannten sich anscheinend. Sie sahen einander sehr ähnlich. Fin hatte sich zu ihr in den Schnee gehockt und drehte sich nun zu Bilgar um:
„Wir sollten ihn nach Hause bringen.“
Sein Gesichtshaar war mit Eiskristallen durchzogen, dass es ganz weiß aussah. Seine Augen strahlten Traurigkeit aus. Er sah zu dem Schlitten hinüber und fragte Bilgar:
„Kannst du mir die Decke holen? ...Wir... sollten ihn einwickeln.“
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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Sonntag 3. November 2019, 22:51

Die Hand fuhr langsam und andächtig über die Ohren des Leitwolfes. Gedanken und Bilder umspielten den Verstand des Mushers, während dieser die Tiere des Rudels in neuer Formation anzuordnen suchte. Dichte Nebel, aus den tief hängenden Zweigen der alten Bäume, hatten nur die Umrisse des Waldes in der Ferne preisgegeben. Doch nun, wo sich der Jäger kniend vor einer Schneise befand, ragten die beinahe schwarzen Stämme mächtiger Tannen vor ihm auf. Unwirtliche Riesen aus alten Tagen, die darauf aus waren den Eingang zu ihrem Reich zu schützen. Die Welt war still in solchen Momenten und das urtümliche Knarren der Hölzer kam dem fernen Grollen wilder Wesen nah, welche nach dem Tod des Fremden trachteten. Dieser Forst war alt. Älter noch als Mantron selbst und von Menschenhand unberührt. Ungewollt stellten sich die Nackenhaare des jungen Mannes auf, als sich der hochgewachsene Körper neben Peto auf den Schlitten fallen ließ. “Als würde jeder Winkel von Leben durchströmt werden – Wild, unbändig und frei von Moral oder Verstand. Nicht Angst ließ ihn vorsichtig werden, sondern der Respekt vor so etwas urtümlichen und die Erhabenheit, welche dieser Ort bereits an den Grenzen verströmte. Bilgar fühlte sich an den Punkt zurückversetzt, als seine Füße das erste Mal den Wald seiner Heimatstadt betraten. Das unliebsame Gefühl wich' nun beinahe ekstatischer Anspannung. Ohne die Wachsamkeit fallen zu lassen, zog man den alten Jagddolch des Vaters hervor, begann die letzten Stücke Fleisch aus dem Beutel zu zerteilen und unter den Wölfen zu verteilen. Nur den letzten Bissen, schob Schneeblick sich in den Mundwinkel, kaute gedankenverloren und vergaß den Geschmack des mütterlichen Herdes. Kurz vor der Ankunft erweckte eine Erinnerung an Jenna die alten Legenden und Geschichten wieder zum Leben. Doch nicht nur über Bären und Menschen erzählten sich die Westmenschen etwas, auch über die Geister der Ewigen und Alten, die in den Bäumen, Steinen und Tieren der Welt lebten und herrschten. Nicht die Götter, sondern Wesen, die einst Götter waren oder von Ihnen berührt wurden. Ein lautes Knacken durchfuhr das Gehölz und ein Vogelschwarm durchbrach den Nebel laut schreiend. „Skokskung, der König des Waldes.“, raunte Bilgar leise, beinahe so als befürchte er die Kreatur aus mythischen Geschichten könnte ihn anfallen und verschlingen. Peto legte den Kopf schief, schaute seinen Menschen an und winselte etwas. Dieser hob die Hand und schluckte das Stück Fleisch zwischen den Zähnen lautstark herunter. Ein wenig überzeugtes Lächeln legte sich auf die Lippen des Jägers. „Nur keine Sorge, es sind nur Geschichten.“, gab er etwas dünn von sich, denn es gab ausreichend Kreaturen und Monster in dieser Welt. Die Götter existierten, also könnten auch diese alten Erzählungen einen Funken Wahrheit enthalten. Schneeblick war nicht dumm, aber hatte Ehrfurcht vor dem Geschlecht der hohen Kräfte. In den Augen des Wolfs jedoch fand Bilgar nicht die gewünschte Regung und später verfluchte er sich, diese überhaupt im Gesicht eines Tieres danach gesucht zu haben, aber zu diesem Zeitpunkt war das Bedürfnis die Legende zum Besten zu geben stärker. Vielleicht war es auch ein Versuch, die leichte Nervosität oder Aufregung zu unterdrücken. So kraulte der junge Mann Peto hinter dem Ohr und erzählte durch das Schmatzen des Rudels hindurch, die Geschichte von Skokskung, des Waldkönigs.

Einst, am Anfang dieser Welt, streifte ein Mann durch die Lande des Westens. Es war warm und grüne Wiesen überragten alles bisher gesehene. Niemand beanspruchte diese Wiesen und so geschah es, dass der Mann sein Haus dort erbaute. Die Götter klopften an seine Tür und ermahnten ihn, dass diese Lande nicht die seinen wären und er Buße zeigen sollte. Er war ergriffen, beugte das Knie und zollte den Göttern Respekt. Sie gingen. Doch ein paar Jahre später, wanderte dieser Mann weiter gen Westen und entdecke ein Meer, so voller Fisch und Leben, dass es für ein ganzes Reich ein Segen hätte sein sollen. Doch er wob Netze, groß und schwer und zog beinahe alles essbare aus dem Nass. Die Götter ersuchten ihn erneut, voller Zorn über die Anmaßung und die Maßlosigkeit. Sie ließen das Meer gefrieren und verbannten die Sonne sieben Tage lang. Der Mann jedoch war Stolz geworden und Eitel. Sein Weg führte ihn über das Eis und dort erklomm er die hohen Klippen. Auf diesen Klippen wuchs ein Wald, alt und mächtig. Hier hatte der Wind und die Kälte keine Wirkung mehr. Der Mann schwor sich ein Langhaus zu errichten, so riesig, dass die Götter voller Neid auf ihn blicken mussten. Er fällte Baum um Baum und als die Götter dieses Mal erschienen, verfluchten sie den Mann, der all' die Geschenke ihres Wirkens eitel für sich beansprucht hatte. Er würde ein Teil des Waldes werden. Mit dem Geweih der Tiere, der Haut der Bäume und der Langlebigkeit der Steine, verdammt dazu, den Wald zu schützen und jeden Eindringling in einen Teil des alten Forstes zu verwandeln. Seit diesem Tag wuchs das schwarze Gehölz mit jeder armen Seele, die es wagte, einen Fuß hinein zu setzen!

Mit einem leisen 'Plopp' entfernte der Mann den Pfropfen aus dem Schlauch und trank mit langen Zügen. Der Schnaps brannte noch etwas, aber dank des Wassers war es gut zu ertragen. Während die Hitze in seinem Rachen brannte, erhob er sich und verstaute das Getränk ordnungsgemäß an seinem Gürtel. „Aber, es ist nur eine alte, alte Legende. Trotzdem sollte wir vorsichtig sein – Es gibt gefährlicheres als mystische Könige in den hiesigen Wäldern.“ Mit der flachen Hand gen Boden zeigend, bedeutete Bilgar Peto sich niederzulegen. Der Wolf folgte der Aufforderung widerwillig, aber so konnte es auch endlich weitergehen. Die Anhöhe war steiler als erwartet, aber selbst mit den verbleibenden elf Tieren sollte es schaffbar sein. „HIKE!“, brüllte der junge Mann und ein schier endloses Echo brüllte ihm aus den Wäldern entgegen. Knirschend und knarzend setzte sich der Schlitten in Bewegung. Tatsächlich hatte das Rudel ein paar Schwierigkeiten halt auf dem, zu Teilen mit Frost überzogenen, Boden zu finden. Das sanfte Aufsetzen, als die ersten Wehe überwunden war, fühlte sich grandios an. Die feste Erde unter dem Schnee zu wissen, wirkte beruhigend und zugleich anspornend. Freki, Bilgar und die anderen Teile des Rudels wirkten wie verwandelt. Je tiefer sie jedoch in den nebeligen Hain einzudringen suchten, desto dichter wurden wie Bäumen. Schnell beschloss der junge Mantroner die Geschwindigkeit zu drosseln. Immer wieder tauchten schwarze Schatten auf. Bäume, Büsche und Äste griffen nach der Gruppe oder versuchten sie gar umzustoßen. Tatsächlich kam es Schneeblick zu vor, als würde der Wald wirklich versuchten, die Fremden am vorankommen zu hindern. Mehr als einmal traf ein mit Schnee beschwerter Nadelzweig das ungeschützte Gesicht Bilgars. „Verdammtes … Venthas Sinn für Humor ist unumstößlich. Bittet sie die Ihrigen uns auch hier am Weiterkommend zu hindern?“, brachte man grummelnd hervor, während versucht wurde, einige verirrte Nadeln aus dem Mund zu spucken. Doch dann hob Freki den Kopf und schien sich zu orientieren. Ein Geruch in der frischen, klaren Luft des Waldes. Der Leitwolf wollte ausbrechen, aber anstatt ihn daran zu hindern, verlängerte Schneeblick dessen Leine. So wurde das Rudel auf eine beinahe gerade Strecke geführt. Es wirkte, als wäre das Dickicht verschwunden und man befände sich der alten Handelsstraße in die Elfenreiche. Vielleicht war dies hier wirklich ein alter Pfad. Da es bis auf ein paar Schlenker und gelegentliche Sprünge über Wehen nichts bedrohliches gab, verließ such der Jäger auf die Instinkte der Tiere und überließ die Wahl der Geschwindigkeit ihnen. Es dauerte nicht lange, da entdecke das Kind Mantrons Kerben in der weißen Unversehrtheit unter Ihnen. Die Spuren von Kufen waren leicht zu erkennen, denn sie zogen eine spitz zulaufende Vertiefung mit sich und der lose Schnee löste sich in Richtung der Fahrt ab, da die Geschwindigkeit recht hoch gewesen sein mochte. „Wir kommen näher!“, schrie er gegen den Wind an und musste voller Ärger erkennen, dass sich das Rudel in der Freude der Jagd beinahe gegenseitig umrannten. „Ahne, Gee halten! Und, Arinko, Kuu, HAW halten!“ Gegen das aufbrausende Heulen der knatternden Luft anzubrüllen, schmerzte im Rachen, der beinahe augenblicklich auskühlte. Doch es half, die drei Tiere kehrten auf die jeweiligen Positionen zurück. Dann ein durchdringendes Heulen. Zuerst dachte Bilgar er würde ein Echo in der Ferne wahrnehmen, doch dann erkannte der Jäger, dass es sich um eine anderes Tier handeln musste, als Freki. Doch gab es kaum Zeit zu reagieren, als der Leitwolf ohne jede Vorwarnung zwischen die Bäume sprintete. Mit Mühe trat der junge Mann die Bremse, doch das Rudel war so aufgepeitscht, dass es dem Gefährt wohl eher die Bremse gekostet, als den Stillstand bei geführt hätte. So gut es ihm möglich war, verlagerte der Musher das Gewicht immer im rechten Moment, um bei den schnellen Manövern nicht umzukippen. Mit einem gewaltigen Sprung brach das Gespann aus dem Forst und landete auf einer beinahe winzigen Lichtung. In dem Moment, als Bilgar merkte, dass Freki langsamer wurde, trat er auf die Bremse und schrie aus ganzer Kehle; „WHOA!
Als alles zum Stehen kam, atmete der junge Jäger schwer. Die Wölfe zerrten an den Leinen und waren sehr unruhig. Es dauerte einen kurzen Moment, bis ihm die vermummte Gestalt in Freki's Nähe auffiel, welche mit hoch erhobenen Händen und Befehle brüllend, das Rudel in Schach hielt. Das schwere Hecheln und ständige vibrieren der Gurte veranlasste Bilgar das Gespann in einem Harken zu arretieren. Mit Hilfe seiner Kommandos konnten die beiden Männer endlich dafür Sorgen, dass jedes Tier wieder zu sich kam und langsam die Erschöpfung über sich hereinbrechen ließ. Mit ein paar Handgriffen löste sich der Jäger aus dem Schlitten und stand mit etwas wackeligen Beinen im Schnee. Kurz erlaubte er sich das beruhigende Knirschen von Schnee unter den Stiefeln zu spüren. Allerdings brach die Realität sehr schnell über ihn herein und sein Blick suchte den seltsamen Fremden, welcher mitten im Wald aufgetaucht war. Das Gesicht war von einem dichten Schal vermummt und erste als das Gegenüber diesen entfernte, konnte Schneeblick Fin Eisläufer erkennen. „Ich habe ihn gefunden … aber wo ...“, waren die Gedanken, als ein Winken jede Überlegung im Keim erstickte. Fin sprach nicht, vermutlich wegen der Kälte, der Tiere oder weil seine Kehle trocken war. Nichtsdestotrotz gereichte ein kurzer Gruß und Bilgar folgte Eisläufer ohne sich nach dessen Befinden zu erkunden. Der Gefolgsmann des Thure wollte ihm eindeutig etwas zeigen, etwas, dass sogar die Frage nach Schneeblicks auftauchen überschattete. Im Innersten drängte sich ein Schatten in Bilgars sonst so unbekümmertes Gemüt, welcher das wache Herz immer noch zu bekämpfen versuchte. Sie umrundeten einen von Wurzeln verdeckten Stein, als ein stark ramponierter Schlitten in das Sichtfeld der beiden Männer rückte. Ganz unbewusst, ging Schneeblick in die Knien, entfernte seinen Handschuh und strich mit den Finger über Oberflächen und Spuren. Nur leise flüsternd drang eine kehlige, trockene Stimme hervor. Doch in der toten Stille des Waldes war es zu laut wie ein Donnerschlag. „Kufen, sie brechen links und rechts aus, das Gefährt kam in Schleudern. Abschabungen an den Wurzeln und am Baum selbst. Tiefe Einkerbungen. Der Schlitten hob ab und prallte gegen diesen Stein.“ Der Jäger griff in den neuen Schnee und zog einen zerfetzten Teil einer Leine hervor. „Ausgefranst. Unsauber abgetrennter Gurt. Vermutlich durch die Kufe beim Drehen des Schlittens, aber … wo ...“, flüsterte Bilgar beinahe schon. Seine grünen Augen suchten das Gesicht des anderen Mannes. Etwas war geschehen und schon hob sich Eisläufers Finger und wies in eine Richtung, ungefähr fünfzehn oder zwanzig Fuß tiefer in den Wald hinein. Langsam erhob sich der junge Mantroner, steckte den Handschuh in seinen Gürtel und folgte der Weisung. Hinter einer kleinen Erhebung blieb er wie angewurzelt stehen. „Nein ...“, war das leise, endgültige Wort der unfassbaren, aber doch so realen Erkenntnis. Dort lag Eirik Eulenruf, der Kopf zerschmettert an einer der alten Tannen. Sein Körper ausgestreckt. Die Haut so weiß und wächsern, mit Augen klarer als die reinste Schneeflocke sein konnte. Das Blut war bereits gefroren und umfing das Haupt des Schiffsbauers mit einem Bett aus roter Seide. Vermutlich brach sich der Flüchtling das Genick und starb dann am Blutverlust. Ein grausames Ende, wenngleich es wenig leidvoll war. Diese Jagd hatte einen fahlen Beigeschmack, denn es gab nur wenige Momente im Leben eines Jägers, da das Ableben der Beute kein Grund zu Freude war. Sein Abenteuer dauerte nur knapp einen Tag und es fühlte sich an, als wäre das Leben bis zu diesem Moment verschwendet. Die Finger des jungen Mannes verkrampften sich und am liebsten hätte er seine Wut und seinen Unbill herausgeschrien, doch das wilde Wesen in ihm gemahnte sich zur Ruhe. Es war vorbei, egal wie viel Zorn sich nun aus ihm entlud. Ein so junges Leben war für die Machenschaften und die Eitelkeit von Abschaum beendet worden. Und er, Bilgar, hatte Eirik einen Feigling genannt und ihn verflucht. Vielleicht hatte Ventha ihn erhört und die Vision seines Todes zu ihm gesandt, um zu zeigen, dass sein Glaube ihr Anlass gab, einen Segen zu spenden, welcher hier und jetzt, einer Bestrafung gleich kam. “Die Zweigesichtige trägt ihren Namen zu Recht.“, dachte Schneeblick noch. Anders konnte er sich die Haltung des Toten und der Gestalt in seinem Traum nicht erklären. Bilgar drehte sich herum und blickte auf Eisläufers Rücken. Die breiten Schultern zeigten, dass die Arme verschränkt waren. „Sinnlos ...“, wiederholte der Jäger das letzte Wort Fins. In diesem Moment wünschte er sich, dass der Alkohol in seinem Schlauch nicht verdünnt gewesen wäre. Dennoch bot er Eisläufer einen Schluck davon an. „Auf Eirik, dass er in der großen Halle einen Platz finden möge!“, ehrte Schneeblick den Toten, denn egal wie Eirik im Leben war, so ein Ende sollte keinem Mantroner je widerfahren. Als der Schlauch an ihn ging, zog der kräftig und sprach in Gedanken einen neuen Fluch aus. “Ventha, dein Zorn traf den Falschen, die Schlangen in Mantron trugen ihr Gift in mein Herz und spie Galle gegen Eulenruf. Sei seinem Geiste gnädig und geleite ihn.“ Der Schlauch war beinahe leer. Bilgar hätte nicht gedacht, dass es in so kurzer Zeit, so oft einen Grund gäbe, etwas zu trinken. „Eirik floh, richtig … es war sinnlos. Aber es war auch meine Schuld. Hätte ich ihm in dieser besagten Nacht nachgestellt, hätte das Trollgesicht von einem Vergewaltiger niemals seine Mutter auf Eulenruf ansetzen können.“ Entschlossen dass es das Weibsbild war, wandte sich Schneeblick um und ging schnurstracks auf den Leichnam zu. Was würde jetzt passieren? Eirik war der einzige Zeuge und hätte Jenna, ihren Bruder und ihn, Bilgar, entlasten können. Jetzt war es nur eine Frage der Zeit, bis der Hundsfott die Zelle verließ und da weitermachte, wo er aufgehört hatte. Die Familie dieses niederträchtigen Schweins würde sich an dem Mädchen rächen, dass deren Ruf zerstörte. „VERDAMMT!“, brach es aus Schneeblick heraus, er ging nur wenigen Meter vor Eirik in die Knie und stieß die Faust fest in die Kälte des frischen Schnees. Das Eis brannte auf der Haut. “Ich habe es vom ersten Moment an vermasselt.“, dachte Bilgar bei sich. Allerdings, nach einem kurzen Moment, wehrte sich etwas gegen den all' umfassenden Schatten in seinem Herzen. Der Dolch seines Vaters blitzte im schwachen Licht es nebeligen Waldes auf. “Ich werde hier nicht aufgeben, nicht so, nicht jetzt. Es wird einen anderen Weg geben. Es gibt immer einen anderen Weg!“, sprach er sich in Gedanken Mut zu. Zögerlich, dann mit einem kräftigen Ruck, stand der junge Mann auf und setzte seinen Weg fort. Vor ihm lag der geschundene Körper Eiriks. Das Gesicht überströmt von gefrorenen Bächen aus Blut. Ohne zu zögern, wälzte Bilgar den Toten auf den Rücken. Es knackte laut. Das Fleisch war beinahe zur Gänze gefroren. Die Hand ergriff etwas Schnee und wischte damit vorsichtig über das Gesicht des Bootsbauers. Entfernte das Blut und den Unrat. Eisläufer rief etwas von den Schlitten aus herüber und bestätigte die Anfrage des Mantroners. Doch bevor Schneeblick dies in die Tat umsetzten konnte, kam ihm eine Eingebung. Vielleicht hatte Eirik etwas bei sich? Einen Brief oder eine Botschaft. Etwas, dass er mitnehmen musste, damit es in Mantron niemand fand. Das Volk der Westmenschen war nicht gerade zart besaitet und doch war es nicht gerne gesehen, wenn man sich an den Körpern der Toten verging. Aber in diesem Moment diente es einem hohen Ziel und war kein einfaches Leichenplündern. „Vielleicht hatte, Eirik etwas bei sich, einen Brief oder eine Botschaft, die seinen Grund für die Flucht darlegt.“, rief er lautstark zu Thures Getreuen hinauf. Dann begann der junge Mann mit dem nötigen Respekt den Toten zu durchsuchen.

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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Montag 4. November 2019, 09:54

„Sinnlos ...“
, wiederholte der Jäger das letzte Wort Fins. In diesem Moment wünschte er sich, dass der Alkohol in seinem Schlauch nicht verdünnt gewesen wäre. Dennoch bot er Eisläufer einen Schluck davon an. Dieser nahm ihn gerne und trank nach dem ersten Schluck auch gern noch etwas mehr. Ein Tod war immer ein Grund zu trinken.
„Auf Eirik, dass er in der großen Halle einen Platz finden möge!“
, ehrte Schneeblick den Toten, denn egal wie Eirik im Leben war, so ein Ende sollte keinem Mantroner je widerfahren. Als der Schlauch an ihn ging, zog der kräftig und sprach in Gedanken einen neuen Fluch aus.
“Ventha, dein Zorn traf den Falschen, die Schlangen in Mantron trugen ihr Gift in mein Herz und spie Galle gegen Eulenruf. Sei seinem Geiste gnädig und geleite ihn.“
Es war kein Fluch, eigentlich schon mehr ein Zwiegespräch mit der stürmischen Göttin. Der Schlauch wechselte noch ein paar mal die Hand und wurde beinahe leer. Bilgar hätte nicht gedacht, dass es in so kurzer Zeit, so oft einen Grund gäbe, etwas zu trinken.
„Eirik floh, richtig … es war sinnlos. Aber es war auch meine Schuld. Hätte ich ihm in dieser besagten Nacht nachgestellt, hätte das Trollgesicht von einem Vergewaltiger niemals seine Mutter auf Eulenruf ansetzen können.“
Entschlossen dass es das Weibsbild war, wandte sich Schneeblick um und ging schnurstracks auf den Leichnam zu. Sein Unterbewusstsein brauchte einen neuen Schuldigen und jetzt war es also Olofs Mutter. Doch was würde jetzt passieren? Eirik war der einzige Zeuge und hätte Jenna, ihren Bruder und ihn, Bilgar, entlasten können. Jetzt war es nur eine Frage der Zeit, bis der Hundsfott die Zelle verließ und da weitermachte, wo er aufgehört hatte. Die Familie dieses niederträchtigen Schweins würde sich an dem Mädchen rächen, dass deren Ruf zerstörte. Hinzu kamen noch Bilgars selbst auferlegte Schuld, dem jungen Eirik nicht gefolgt zu sein, aber hätte er es wirklich ändern können? Hätte, Wäre, Wenn... das waren schlimme Gedankenspiele, die wirklich nie zu etwas sinnvollem führten.
„VERDAMMT!“
, brach es aus Schneeblick heraus, er ging nur wenigen Meter vor Eirik in die Knie und stieß die Faust fest in die Kälte des frischen Schnees. Das Eis brannte auf der Haut.
“Ich habe es vom ersten Moment an vermasselt.“
, dachte Bilgar bei sich. Allerdings, nach einem kurzen Moment, wehrte sich etwas gegen den all' umfassenden Schatten in seinem Herzen. Der Dolch seines Vaters blitzte im schwachen Licht es nebeligen Waldes auf.
“Ich werde hier nicht aufgeben, nicht so, nicht jetzt. Es wird einen anderen Weg geben. Es gibt immer einen anderen Weg!“
, sprach er sich in Gedanken Mut zu. Zögerlich, dann mit einem kräftigen Ruck, stand der junge Mann auf und setzte seinen Weg fort. Vor ihm lag der geschundene Körper Eiriks. Das Volk der Westmenschen war nicht gerade zart besaitet und doch war es nicht gerne gesehen, wenn man sich an den Körpern der Toten verging. Aber in diesem Moment diente es einem hohen Ziel und war kein einfaches Leichenplündern.
„Vielleicht hatte, Eirik etwas bei sich, einen Brief oder eine Botschaft, die seinen Grund für die Flucht darlegt.“
, rief er lautstark zu Thures Getreuen hinauf, der um die Decke gebeten hatte. Dann begann der junge Mann mit dem nötigen Respekt den Toten zu durchsuchen. Durch den steif gefrorenen Körper und auch die genauso steifen Lagen der Kleidung war das leider kein leichtes Unterfangen, aber etwas in Bilgar wollte nicht einfach so aufgeben. Es kam der Moment, in dem er es trotzdem fast getan hätte. Seine Hände waren schnell voller Blut und irgendwie passte der Anblick sogar zu seiner sich selbst zugesprochenen Schuld im Innern. Ja, einiges hätte anders ablaufen können, doch dann hätte es wahrscheinlich andere Opfer gegeben. Das Leben suchte sich immer ein Gleichgewicht und wenn den Göttern ein Opfer entkam, dann holten sie es sich an anderer Stelle – sei es nun ein heroischer Tod oder ein sinnloser.
Bilgar durchsuchte den Leichnam weiter und zierte sich dabei dann sicher nur einen kurzen Augenblick auch in seine Hose zu greifen. Das Lendentuch kam ihn dabei zwischen die Finger und etwas fühlte sich merkwürdig an. Seine Finger steiften über kleinste Knubbel... Verzierungen? Stickerei? Seit wann trug ein Mantroner Unterwäsche die mit Stickereien verziert waren? Das ließ Bilgar dann doch etwas grober werden und unter Fins etwas verstörtem Blick zog er Eirik die Hose herunter. Der Getreue Thures wollte gerade den Mund öffnen um aufzubegehren, als sein Blick, wie auch der von Bilgar, auf den Lendenschutz des Toten fiel.
Hell gelbe und zart rosafarbene Blüten zierten den Saum in den Leisten und wirkten auch im Schnitt nicht stimmig. Die Nähte waren unlogisch und … Eulenruf hatte sich den Brustwickel eines Mädchens um die Lenden gebunden? ...Warum?... Warum trug ein Mann Mädchenunterwäsche?
Bilgar zupfte vorsichtig und löste das Tuch mit einigem Widerwillen. Seine emotionale Achterbahnfahrt dabei musste er einfach hinunter schlucken. Als er die Überreste des Hemdchens dann endlich in den Händen hielt, denn mehr waren es nicht mehr, sagte ihm sein Sinn für Spuren, dass manche der Nähte neuer waren als andere und auch aus anderer Hand angefertigt sein mussten. Er versuchte so neutral wie möglich das Ganze zu betrachten, aber das Bild in seinem Kopf begann ihm mehr und mehr die Kehle zu zu schnüren.
Dieses feine Stück Stoff, einst von liebevoller zarter Hand bestickt und genäht, war brutal zerrissen worden. Die neueren Nähte, die es zu einem Lendenschutz gemacht hatten, waren deutlich gröber und ungeübt, ja regelrecht hässlich. Dieses Kleidungsstück erzählte eine Geschichte, die er vielleicht lieber niemals erfahren hätte.
Ein Mädchen... vielleicht Imke?...vielleicht eine junge Frau hatte dies getragen. Es war ihr mit Gewalt entrissen worden und Eirik... den er eben noch als Toten in den Rang der Opfer eingestuft hatte, der trug es nun um seine Lenden? Welch kranker Geist musste in einem Mann wohnen, um so etwas zu tun? Hatte Olof ihn dazu gezwungen oder war er beteiligt gewesen? Letzteres wurde immer wahrscheinlicher, wenn auch nicht ganz klar war, auf welche Weise und warum.
Die weitere Untersuchung hatte nichts mehr zu Tage befördert, außer die üblichen Dinge, die man auf einer Reise dabei haben sollte. Was noch etwas ungewöhnlich war, war die reich gefüllte Geldkatze, die sich Eirik um den Leib gebunden hatte. Anscheinend hatte er sogar seine Eltern noch ausgeraubt und die Einkünfte des Bootsbauers mitgenommen. Er hatte wohl definitiv nicht vor gehabt wieder zu kommen.

Fin trat neben Bilgar und blickte mit der gleichen Abscheu, die auch der Jäger empfand auf das Fundstück. Er streckte die Hand danach aus, zögerte und nahm es dann an sich, genauso wie das Geld. Er reichte Bilgar das Leder, damit er den Leichnam einwickeln konnte und gemeinschaftlich trugen sie Eirik auf seinen Schlitten.
„Ich werde ihn zurück nach Mantron bringen und ihn seinen Eltern übergeben. Das... das Tuch...“
Er konnte auch nicht so recht aussprechen was er dachte.
„Ich bring es zu Thure und werde ihm jedes Detail berichten. Er wird entscheiden, wie es dann weiter geht. Aber eines ist gewiss! Olof wird nicht einfach davon kommen!“
Etwas dunkles blitzte in seinen Augen und Bilgar konnte ihm sicher nachfühlen. Als sie ihre Schlitten wieder beriet gemacht hatten, fragte Fin:
„Reisen wir gemeinsam?“
Ach ja, Bilgar hatte ja noch einen weiteren Auftrag.
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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Bilgar Schneeblick » Sonntag 17. November 2019, 22:41

Ohne mit der Wimper zu zucken oder besonders vorsichtig zu sein, warf der Jäger mit Eisläufers Hilfe, die Leiche Eiriks auf die Ladefläche des Schlittens. Es knackte laut und für einen kurzen Moment hätte man glauben können, dass das Paket seitlich in den Schnee rutschte. Allerdings gab es keinen Grund für Fins reflexartige Bewegung, denn der Leichnam verblieb auf dem ihn zugewiesenen Platz. Der letzte Blick war erfüllt von Verachtung, aber für Bilgar war es auch dieser letzte Blick, der das Ende der Sorge um das Schicksal des miesen Trolls bedeutete. So in Gedanken versunken, reagierte der junge Mann anfangs nicht auf die Anfrage seines Nebenmannes. Begleitet von einem schweren Seufzen, wandte er den Kopf und setzte ein unbeholfen, entspanntes Gesicht auf. „Nein. Nein, ich kann dich nicht zurück begleiten. So sehr ich mein Gesicht auch in einer heißen Suppe oder einem ebenso heißen Paar Brüsten versunken sehen will, habe ich immer noch etwas für Norna zu tun. Ein kleiner Botengang, der keinen Aufschub erlaubt.“ Ohne darauf zu achten, prüfte der junge Mann den korrekten Sitz seiner Handschuhe und tippte sich dann an die Stirn, als hätte er so eben vergessen, die Eier der Hühner im heimischen Stall einzusammeln.
Aber bevor du aufbrichst, solltest du dich an einem Feuer ausruhen. Eirik wird nicht wieder auftauen und davonlaufen, aber du kannst immer noch in der toten, kalten Hand Venthras sterben. Und wenn wir diesem Kerl schon den Einzug in die Hallen wünschten, so wollen wir uns darüber verständigen, dass die Ahnen ihm den Platz verwehren.“ Nur selten zeichnete sich so etwas wie Ernsthaftigkeit in dem wettergegerbten Gesicht des Jägers ab, aber in diesem Fall war die Bestürzung doch so groß gewesen, dass es kaum möglich war so etwas an der eigenen Seele abprallen zu lassen. Der Versuch, die gerade erlebte und erfahrene mit einem schmalen Lächeln zu überspielen, gelang nur schlecht. Ein Mantroner war nicht dafür bekannt seine Gefühle zu verstecken. Man trug die Seele in den Augen. Ein kurzer Wind frischte auf und Fin hatte kein Problem damit, sich kurz an einem Feuer aufzuwärmen. „Ich trage Feuerholz zusammen, hebe du eine Stelle aus und lasse die Tiere frei. Etwas Auslauf und eine kleine Jagd sollten die Gemüter beruhigen. Wir sehen uns gleich wieder.“, verteilte Bilgar die Aufgaben. Natürlich wäre Fin als Vertrauter von Sturmschreier und als eigentlich mit dieser Aufgabe betrauter in der Führungsrolle gewesen. Allerdings befanden sich die beiden Männer hier in dem Reich des Jägers, also wäre es dumm nicht auf dessen Worte zu hören. Knirschend pressten die schweren Lederstiefel den weichen Schnee unter sich zusammen, als Bilgar weiter in den Wald hineinging. Es dauerte auch nicht lange, bis er einen toten Baum entdeckte und damit begann Stücke aus der Rinde zu schlagen. Mit der Wurfaxt in der Hand, trennten sich dürre, trockene Äste vom Stamm. Zusammen mit einigen herabgestürzten Ästen machte man sich wieder auf den Rückweg. Während die schwarzen Tannen seinen Weg flankierten, rannten ihm drei oder vier Tiere entgegen, umrundeten den Jäger und entschwanden dann in Richtung der wandernden Sonne. „Sorgenfrei wie Kinder … , waren seine Gedanken und tatsächlich stahl sich ein kurzes Zucken in seinen Mundwinkel. Eisläufer rief etwas zu ihm herüber und veranlasste den jungen Mann dazu, sich wieder auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Der ältere Mantroner hatte mithilfe eines der Bretter aus Eiriks Schlittenwrack eine Kuhle ausgehoben und damit den Boden des Waldes freigelegt. Dieser war vollkommen gefroren. Ohne viel miteinander zu sprechen, arrangierte Bilgar das gefundene Material in der Feuerstelle, zog Feuerstein und Zunder hervor und begann die dürren Zweige, welche er auf die Innenseite der toten Rinde gelegt hatte, zu entfachen. Es dauerte zwar etwas, aber bald qualmte das Holz ordentlich und nachdem eine winzige Flamme entstanden war, legten die Beiden auch das restliche Material nach und nach darüber, bis ein ansehnliches Feuer entstand. Die Wärme war ein willkommener Geselle. Man legte sich Decken oder Beutel und den Hintern und versuchte die Kälte aus den Knochen zu verbannen. Gerade Bilgar war darauf angewiesen, seinen Körper von Zeit zu Zeit aufzuwärmen. Wenngleich seine Kleidung ausreichend Schutz bot, so vergaß Schneeblick schnell, dass ihm seine Mutter etwas von der Empfindlichkeit des Ostvolkes mitgegeben hatte. Während die Mantroner dort verharrten, füllte der Jäger seinen Trinkschlauch mit Schnee und ließ diesen in der Nähe der Flammen zu frischem Wasser werden. Fin sagte nicht viel. Hin und wieder wollte er wissen, warum man Bilgar geschickt hatte und ob etwas vorgefallen war. Aber beide Männer waren sehr zufrieden damit, die Stille zu genießen und einem jeden seine Gedanken zu belassen. Irgendwann jedoch, es durfte eine oder zwei Stunden her sein, die meisten Wölfe waren von der Jagd zurück und hatten sich um das Feuer gelegt, war es Zeit für den Aufbruch. Mit einem schmalen 'Danke' auf den Lippen, überreichte Eisläufer einen Teil seiner Vorräte und spannte sein Rudel wieder vor den Schlitten, welcher das Siegel Thures trug und dessen Fahrer als Mitglied des inneren Kreises auszeichnete. „Wenn du zurückkehrst … “, begann das Mischblut, “ … sage bitte meiner Mutter, dass ich noch etwas für Norna zu erledigen habe und habe ein Auge auf Jenna. Ich traue dieser Brut Eisenherz und dessen gesamter Sippe nicht mehr über den Weg. Der Sturm hinter dir, die Heimat vor dir, Fin Eisläufer, auf dass du mir Heil zurückkehrst. Und halte dich so lange an den Klippen wir möglich. Das Eis ist in Bewegung.“ Beide umfassten des anderen Unterarm. Der Gruß der Krieger. Dann setzte sich der Schlitten in Bewegung und nach nur wenigen Lidschlägen hörte man nur noch das kratzen der Kufe und das Bellen der Tiere in der Ferne. Bilgar war wieder allein, als sich ein felliger Kopf unter seine Hand schob. Dieses Mal war es Freki. „Naja, vielleicht nicht ganz allein, was?“, begrüßte der junge Mann das Erscheinen des vertrauen Tieres und streichelte sacht durch das dicke Fell hinter dessen Ohren. Schlitternd kehrte Schneeblick zum Feuer zurück, trat es aus und verteilte etwas von der getauten Erde darüber. Es zischte etwas, aber bald schon verriet nur noch ein kläglicher Streifen Rauch von der Lagerstätte. Sein Weg wandte sich zurück zu seinem Schlitten, aber dann streiften die grünen Augen noch einmal die verblassende Stelle, an der Eiriks Lebenssaft den Boden benetzt hatte. Es war kein schönes Ende, aber nach alledem, was der Mantroner gesehen hatte, geschah es vielleicht nicht ohne Grund und vielleicht war es auch der Traum aus der letzten Nacht, in welchem Venthra von einer Vergeltung erzählte, die niemand sonst hätte jemals verüben können.
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Miksi sinä istut haudani?
Warum sitzt du auf meinem Grab?
Ja tulee kuolleita huulet puhumaan?
Und werden tote Lippen sprechen?
Miksi sinä itket haudani?
Warum weinst du auf meinem Grab?
Ja ei anna minun nukkua?
Und lässt mich nicht schlafen?
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Mögest du Ruhe finden, wenn dein Gewissen rein war, Eirik, und mögest du niemals Ruhe finden, wenn nicht. Ich werde an deinem Grab weder Tränen noch Bier vergießen. Hoffen wir nur, dass deine toten Lippen noch genug sprechen, um Unschuld zu wahren und Bestien zu töten.“, sprach er zu sich und gemahnte mit dieser letzten Zeile eines Totenliedes den Göttern, über die Wege der Sterblichen zu wachen. Dann pfiff er schrill und scharrte die Wölfe um den Schlitten. Es wurde laut gejault und gebellt, einige stritten sich um ihre Plätze vor dem Gefährt doch schnell sorgen Freki und Bilgar für eine angemessene Ordnung. Leider war das verletzte Tier, Peto, immer noch angeschlagen. Also verstaute der Jäger die Vorräte unter der Lederabdeckung, damit nicht doch das gefräßige Maul des 'Kriegers' ein üppiges Mal fand. Inzwischen waren das Rudel, zu dem sich Schneeblick ebenfalls zählte, zu einem guten Team geworden. Die Griffe saßen und schnell war die Gruppe zum Aufbruch bereit. Mit neuer Energie und gewisser Erleichterung, diesen Ort verlassen zu können, suchte der Mann einen Punkt am Horizont, welchen er mit der Sonne verbinden konnte. Es gab für jemanden seines Standes ausreichend viele Möglichkeiten die Himmelsrichtung zu bestimmen, doch die Sonne war dabei ein gerne gesehener Verbündeter. Schnell war der Westen ausgemacht, denn es war Notwendig die Eisstadt zu erreichen, um vor deren Mauer nach Süden zu schwenken. „Norna sagte, Noam würde sich südlich der Stadt befinden, nahe eines toten Baumes auf einer Klippe. Wenn ich Glück habe, reichen Vorräte und Wasser, so dass ich nicht bei den blassen Elfen einkehren muss. Sie stellen immer wieder zu viele Fragen.“, dachte er bei sich. Mit einem lauten „Hike“ und einem kleinen Lied auf den Lippen, rauschte die Meute davon, unwissend, was noch bevor stand.

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Re: Die eisige Jagd

Beitrag von Erzähler » Dienstag 19. November 2019, 17:55

Das Lagerfeuer, das Bilgar vorgeschlagen hatte, wurde von Fin Eisläufer gern angenommen, denn es wärmte nach den unheilvollen Eindrücken nicht nur den Körper, sondern wollte gerade keiner von beiden gern allein sein. Im Nachhinein wussten beide, dass der Qualm des nassen Holzes meilenweit zu sehen war, aber andererseits war es eher unwahrscheinlich, dass sie hier in der Einöde des Eisreichs Besuch deshalb bekamen. Solange sie dort saßen geschah auch nichts.
Eine ganze Weile saßen sie schweigend da und starrten in die Flammen. Sie sprachen nicht mehr darüber, was sie da beide gesehen hatten und ihre beiden Seelen waren doch froh mit diesem Grauen nicht allein zu sein. Fin summte eine seemännische Totenmelodie … vielleicht war er in Gedanken mehr bei Imke Sternenblick der Matrosin als bei Eirik Eulenruf dem Bootsbauer... und auch Bilgar hatte seine seine Art mit den Geschehnissen der letzten Stunden umzugehen. Und so wie der Schnee um das Feuer herum schmolz, so schmolz auch das Grauen in ihrem Geist. Der Leichnam war geborgen, die Geschichte erzählt und der Epilog eröffnete die Möglichkeit auf einen neuen Band, ein neues Kapitel, eine ungewisse Zukunft voller neuer Abenteuer.

Bilgar hatte sich von Fin verabschiedet:
„Wenn du zurückkehrst … sage bitte meiner Mutter, dass ich noch etwas für Norna zu erledigen habe und habe ein Auge auf Jenna. Ich traue dieser Brut Eisenherz und dessen gesamter Sippe nicht mehr über den Weg. Der Sturm hinter dir, die Heimat vor dir, Fin Eisläufer, auf dass du mir heil zurückkehrst. Und halte dich so lange an den Klippen wir möglich. Das Eis ist in Bewegung.“
Beide umfassten des anderen Unterarm und Fin's stilles Nicken reichte dem jungen Jäger als „Wort“, dass er das erbetene tun würde. Dann setzte sich der Schlitten in Bewegung und nach nur wenigen Lidschlägen hörte man nur noch das Kratzen der Kufen und das Bellen der Tiere in der Ferne. Bilgar war wieder allein, als sich ein felliger Kopf unter seine Hand schob. Dieses Mal war es Freki.
„Naja, vielleicht nicht ganz allein, was?“
Er löschte das Feuer und sah noch einmal auf die Stelle, wo Eiriks Lebenssaft die rote Blume hinterlassen hatte.
„Mögest du Ruhe finden, wenn dein Gewissen rein war, Eirik, und mögest du niemals Ruhe finden, wenn nicht. Ich werde an deinem Grab weder Tränen noch Bier vergießen. Hoffen wir nur, dass deine toten Lippen noch genug sprechen, um Unschuld zu wahren und Bestien zu töten.“
, sprach er zu sich und gemahnte mit den letzten Zeilen eines Totenliedes den Göttern, über die Wege der Sterblichen zu wachen. Dann pfiff er schrill und scharrte die Wölfe um den Schlitten um sie anzuspannen. Leider war das verletzte Tier, Peto, immer noch angeschlagen, auch wenn er schon ein bisschen humpelnd herum gelaufen war. Die Griffe saßen und schnell war die Gruppe zum Aufbruch bereit. Mit neuer Energie und gewisser Erleichterung, diesen Ort verlassen zu können, suchte der Mann einen Punkt am Horizont, welchen er mit der Sonne verbinden konnte. Bilgar fand immer seinen Weg.
Norna sagte, Noam würde sich südlich der Stadt befinden, nahe eines toten Baumes auf einer Klippe. Wenn ich Glück habe, reichen Vorräte und Wasser, so dass ich nicht bei den blassen Elfen einkehren muss. Sie stellen immer wieder zu viele Fragen.
, dachte er bei sich. Zumindest hatte er davon gehört, denn eigentlich hatte er selbst noch nie die Stadt der Eiselfen betreten. Auch ihre Bewohner kannte er kaum. Einzig die Händler Mantrons, die ab und an zu ihnen fuhren erzählten Geschichten über das eisige Volk. Bilgar hatte ihnen immer gern gelauscht. Geschichten waren nicht immer Wahrheit, aber sie waren immer spannend! Vielleicht glaubte er auch deshalb, sie schon zu kennen. Mit einem lauten:
„Hike“
und einem kleinen Lied auf den Lippen, trieb er das Rudel an und knirschend drückten sich die Kufen in den Schnee. Westwärts ging es und dem Lauf der Sonne hinterher. Auch stellte der junge Jäger bald fest, dass das Schlittenfahren garnicht so schlimm war und er sich auch als Teil des Rudels betrachten konnte. Freki schien so langsam seine Befehle zu ahnen, bevor er sie ausrufen musste und auch die anderen Wölfe harmonisierten immer mehr miteinander. So wandelte sich die Fahrt von der anfänglichen Qual, langsam in ein rechtes Vergnügen. Die Geschwindigkeit trug dazu bei sich frei zu fühlen, ganz so, wie wenn die Seemänner erzählten, wenn sie am Bug der Drachenschiffe standen, der Wind ihnen günstig gewogen war und man meinen könnte zu fliegen.
Es war eine schöne Reise!
Der Tag war klar und der Sturm hatte sich verzogen. Ventha grollte nicht mehr über ihre Diener und das vergangene Grauen und ließ Lysanthor seinen Glanz verbreiten. Sonne in einer schneebedeckten Landschaft hatte aber auch den Nachteil, dass wirklich ALLES furchtbar HELL war! Bilgar hatte das Band mit dem Schlitz wieder über die Augen gezogen, aber trotzdem blendete ihn das strahlende Weis in all seiner Pracht. „Es war als blicke man in die Augen eines Königsdrachen“, so hatte einmal sein Vater gesprochen, als er noch klein war. Sein Vater hatte viele wunderliche Geschichten gekannt und die meisten hatte er schon längst wieder vergessen. Gerade jetzt erinnerte er sich aber an diese Worte, denn wenn das Weiß zu brechen begann und all seine Farben zeigte, dann war es als glitt man über eine Regenbogenbrücke. Die Farben tanzten nur so vor Bilgars Augen und manchmal musste er sie einfach kurz schließen. Inzwischen war das auch nicht mehr so schlimm, denn sein Team spielte sich immer mehr ein und sie kamen so gut voran, wie man im Eisreich halt voran kommen konnte. Bilgar hatte einen groben Plan im Kopf und er würde noch ungefähr eine Stunde bis zur Eiselfenstadt als er auf erste Spuren ihrer Eissegler traf. Er kannte die Geschichten und Beschreibungen, sogar eine Zeichnung hatte er mal gesehen, von den „Booten“ die vom Wind getrieben über das Land segelten. Dann sah er sogar kurz einen in der Ferne hinter einem Hügel verschwinden. Die Stadt musste nicht mehr weit sein. Dann drehte der Wind und er roch wieder das Meer. Sogar das Rauschen der Wellen, wie sie an der Küste brachen, glaubte er kurz zu hören, dann drehte der Wind abermals und es war fort.
Es war Zeit einen neuen Kurs zu setzten und Freki warf munter seinen Kopf in die Höhe, als er zur Kurve ansetzte. Der Schlitten knarrte und das Geräusch war Bilgar inzwischen vertraut und brachte ihm keine Sorgen mehr ein. Das Holz arbeitete unter der sich verschiebenden Last, aber es würde halten.

(weiter bei: Unweit der Eismauern /ein kleines Heim)
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