Zwischen Estria und Rugta

Einst war dieser Landstrich grün und schön wie alle anderen. Doch als sich der Drache zum bislang ewigen Schlaf bettete, liegt dieses Gebiet unter einer glitzernden Schneedecke. Es ist kalt und frostig. Hier leben die Eiselfen, aber auch die tapferen Mantroner.
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Zwischen Estria und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. August 2014, 22:43

Baltos kommt von: Vor den Toren Estrias

Gen Abend wurde das Gelände immer unwegsamer und sie mussten früh ihr Lager aufschlagen um im Halbdunkel nicht doch noch eine Spalte zu übersehen. Der Grat auf dem sie hielten fiel zu zwei Seiten steil ab und so mussten sie nur nach vorne und hinten ihre Augen offen halten. Der Wagen hatte über dem Kutschbock etwas versetzt nach hinten einen kleinen Hochsitz, der für eine Überwachung der Umgebung gut geeignet war, sofern man aufrecht saß und über die Plane nach hinten weg spähte. Rumpel grinste breit und zog sich ins Innere des Wagens unter die Abdeckung zurück. Der junge Mantroner hörte ihn noch sagen:
„Ich sollte häufiger in Begleitung reisen. Muss man nicht mit einem offenen Auge schlafen. Weck mich wenn ich mit der Wache dran bin.“
Kurz darauf erklang auch schon ein tiefes sonores Schnarchen. Auch die Landschaft legte sich zu Ruhe und Baltos sah vielleicht für lange Zeit ein letztes Mal einen Sonnenuntergang im ewigen Eis.

Der nächste Morgen begann mit einem kurzen Frühstück aus getrocknetem Fleisch für Nanuq, irgendwelche Körner für Muffel und diesen komischen stopfenden Bällchen für die Zweibeiner. Die Ernährungsumstellung brachte leider auch ihre Nachteile mit sich. In Baltos Bauch rumpelte es ordentlich, unangenehm und heute würden sie immer wieder kleinere Stopps einlegen müssen. Rumpel hatte zu mitternächtlichen Stunde die Wache übernommen und saß nun schon wieder auf dem Kutschbock.
„Heute wird es kniffelig. Ich schätze, zur Mittagsstunde werden wir die Ausläufer des Eisreichs erreichen. Wenn wir gut voran kommen, haben wir heute Abend wieder festen Boden unter den Füßen, aber ich vermute, es könnte auch länger dauern.“
Er rieb sich die Knallnase.
„Es ist sehr warm zu dieser Jahreszeit und da wird das Eis marode und der Untergrund matschig. Mit unserer Überlast ist das gefährlich, also halt die Augen auf. Vielleicht müssen wir vom Weg abweichen und sollte uns jemand belästigen wollen, können wir nicht mal schnell ausweichen.“
Er schnalzte mit der Zunge und ließ die Gerte auf Muffels Hintern sausen. Ungerührt setzte der Ochse sich in Bewegung und zuckte eigentlich nur, wenn der Bär ihm zu nahe kam. Für die Jagd, falls Baltos darauf Lust hatte, gab es in dieser Gegend vor allem Schneehasen, die jedoch eine Überzahl an Verstecken auf ihrer Seite hatten.
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Re: Zwischen Estria und Rugta

Beitrag von Baltos » Freitag 22. August 2014, 12:30

Baltos hörte Rumpel stumm zu und schüttelte leicht den Kopf bei seinen derben Scherzen, die er Muffel zum Besten gab. Der Jäger hörte eindeutig heraus das der Zwerg seine Familie vermisste und sich sorgen um deren befinden machte. Wie lange der kleine Mann wohl schon auf Reisen war? Doch diese Frage würde Baltos seinen neuen Reisegefährten erst bei einer passenden Gelegenheit stellen. Denn jetzt musste er sich auf den Weg der vor ihnen lag konzentrieren. Denn das Schmelzwasser, was hier sein Unwesen trieb, machte das Eisreich, was schon so gefährlich genug war, noch gefährlicher.

Das magische Band, was Rukulla zwischen ihn und Nanuq gespannt hatte, wurde mit der Zeit ihrer Reise immer fester. Baltos ertappte sich öfters dabei, wie er unbewusst die Sinne des Eisbären benutze, um potenzielle Gefahren zu entdecken, die man nicht mit dem bloßen Auge erkennen konnte.
Denn die feine Nase des Eisbären verriet ihm welcher Weg sicher wahr und welcher nicht. Denn das Schmelzwasser hatte einen anderen Geruch als der hier liegende Schnee, es roch irgendwie sommerlich. Wobei dem Jäger selbst die Worte fehlten, um diesen sommerlichen Geruch zu beschreiben. Wobei auch das Wort „sommerlich“ das er zum Beschreiben des Geruches benutze nicht aus seiner Gedankenwelt stammte, sondern aus der des Bären. Doch nicht nur Baltos benutzte das magische Band, auch Nanuq nutze dieses manchmal unwissentlich. Indem er einfach einen Gedanken wie „mein Ohr juckt!“ über dieses Band leitete und der Mantroner sofort das Ohr des Bären kratzte. Obwohl er diesen mentalen Gedankengang des Bären gar nicht bewusst wahrgenommen hatte.
Der Eisjäger fürchtete aber diese Verbundenheit nicht sondern genoss sie regelrecht. Der Bär war mit der Zeit für ihn wie ein Zwillingsbruder geworden.

Als sich die Sonne langsam herabsenkte, beschlossen Nanuq und Baltos das es besser war zu rasten. Sie waren beide ausgelaugt vom ständigen Ausschauhalten und so gab er Rumpel das Zeichen zur Rast.
„Rumpel es bringt nichts mehr, wenn wir jetzt noch weiter fahren! Ich kann nur noch schwer erkennen, wo das Schmelzwasser das Eis untergraben hat und auch Nanuq ist Müde. Lass uns hier ein Lager aufschlagen!“
Der Zwerg war auch sofort mit dem Vorschlag einverstanden, da die Position auf der Anhöhe ideal war um ein Lager zu errichten. Er beschloss auch gleich, dass er als Erster schlafen durfte und verzog sich in seinen Wagen. Baltos musste über das Verhalten des Zwerges kurz grinsen und nahm, nachdem Rumpel schon damit begonnen hatte zu schnarchen, auf dem Kutschblock platz und überwachte die Gegend.
Nanuq währenddessen rollte sich gemütlich in den Schnee ein und fing ebenfalls leicht an zu schnarchen.
Baltos genoss, während der Zeit seiner Wache, den Anblick der sich ihn von hier oben bot und beobachtete, wie die Sonne langsam, aber stetig sich immer weiter herabsenkte. Ab und an zog eine leichte Windböe an der Rüstung des Mantroners und außer den rhythmischen Schnarch-Geräuschen von Rumpel und Nanuq , war es ruhig im Eisreich. Als die letzten Sonnenstrahlen versiegten, ging Baltos noch einmal kurz zu seinen Schlitten und holte einem dickeren Holzscheit hervor. Mit dem Holz ging er wieder zurück zur Kutsche des Zwerges und tätschelte, bevor er den Kutschblock bestieg, noch einmal Muffel’s Rücken.
Oben angekommen nahm Baltos ein kleines Messer zur Hand und begann damit das Stück Holz im Schein der Nordlichter zu bearbeiten.

Als einige Stunden vergangen waren und der Klumpen Holz am oberen Ende eine Art Halbkugel darstellte, weckte Baltos seine Reisebegleiter. Rumpel blickte noch etwas verwundert auf die Holzspäne neben seinen Kutschblock, fragte aber nicht weiter nach, was der Mantroner da gemacht hatte. Der Jäger verstaute den teilweise bearbeiteten Holzscheit wieder im Schlitten und legte sich dicht an den Bären geschmiegt zu Ruhe.

In seinen Träumen arbeitete er weiter an dem Holzscheit und unternahm mehrere Versuche um das gewünschte Resultat aus dem Stück Holz zu erzielen. Kurz bevor er aufwachte, hatte er dann den richtigen Weg gefunden und erwachte dann erholsam aus seinem Traum.

Das Frühstück war dasselbe das Baltos schon am gestrigen Tage zu sich genommen hatte. Doch diesmal beschwerte sich der Magen des Mantroners mehrmals und Baltos musste sich sehr oft erleichtern. Das Essen schlug förmlich bei ihm durch und da er wusste, dass er gerade einen starken Flüssigkeitsverlust erlitt, trank er besonders viel um seinen Haushalt wieder zu normalisieren.

Je weiter sie nach Westen zogen umso wärmer wurde es. Auf Baltos Stirn bildeten sich schon leichte Schweißtropfen, da er so milde Temperaturen nicht gewohnt war. Ihn dämmerte schon das es wahrscheinlich noch wärmer werden würden umso weiter sie dem Ende des Eisreiches entgegen kamen.

Als es Mittag wurde, waren sie schon soweit gekommen, das der einst so feste Schnee eine Konsistenz wie Pudding entwickelte. Es war jetzt nicht mehr möglich auf das Schmelzwasser zu achten, da hier der komplette Schnee schon im begriff war zu tauen.
Leider sorgte das auch dafür, dass der Jäger mehrmals den Karren von Rumpel aus dem Schneematsch befreien musste. Doch irgendwie gelang es den Vier immer wieder den Wagen zu befreien.

Jetzt wo die Sonne mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht hatte, konnte Baltos schon in der Ferne Bäume erkennen. Wahrscheinlich waren Sie nicht mehr weit vom Ende des Eisreiches entfernt. Der Mantroner konnte sich überhaupt nicht eine Welt ohne Eis vorstellen, deswegen freute es ihn umso mehr, dass sie bald das ewige Eis verlassen würden, um genau jenes zu sehen. Auch wenn er sich schon ausmalen konnte, das der Temperaturunterschied ihn wahrscheinlich sehr starke Probleme bereiten würde. Denn er schwitzte jetzt schon und das lag nicht daran, dass er ein paar Mal den Wagen von Rumpel aus dem Eis befreien musste.

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Re: Zwischen Estria und Rugta

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. August 2014, 10:12

Immer häufiger wehte ein warmer Hauch über Baltos gerötetes Gesicht. Er hatte gerade zum vierten Mal den Wagen hinten aus einem Schlammloch gehoben und seine Kleidung stand vor Dreck und dunkler Erde. Nanuq sah wenig besser aus, aber es war beiden egal. Sein weißes Fell hatte kaum mehr als einen hellen Streifen auf seinem Rücken und war sonst in fleckiges Braun gehüllt. Trotzdem machte dem Eisbären die steigenden Temperaturen weniger aus, als seinem mantronischen Bruder, was wohl am Zauber der Aquadin liegen musste. Dem jungen Jäger hingegen, rann der Schweiß in Strömen den Rücken hinab. Die Plusgrade, die sie nun erreichten, ließen ihn leiden und der aufklarende, heitere Himmel schien ihn auslachen zu wollen.

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