Zwischen Jersa und Rugta

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.
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Baltos
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Freitag 7. November 2014, 13:16

Kaum als sie das Anwesen betreten hatten, kam es den Mantroner so vor als würden sich die Möbel neu ausrichten um sich so anzuordnen, wie er es gewohnt war.
„Da hat sich doch gerade..!“ Der Jäger zeigte auf einen Schrank, der seiner Meinung nach eben noch an einer ganz anderen Stelle gestanden hatte. Möbel, die sich bewegen und Wände, die sich verschieben, mal sehen was als Nächstes kommt!
Baltos wollte gerade zu der Tür gehen, die leicht offen stand und aus der er dumpf Stimmen vernahm als in Rukulla an der Hand zog.
"Hihi! Nächste Prüfung! Pass auf, mein Großer!" Der Mantroner folgte den Blick von Rukulla und bemerkte erst jetzt das dass Gebäude mehrere Etagen hatte. So ein großes Haus für fünf Menschen? Wovon zwei zufällig hier sind? Baltos kam das alles suspekt vor, als ihm eine Bewegung in der oberen Etage auffiel.

Die Dame, die da die Treppe herunter kam, war der Inbegriff von erotischer Ausstrahlung und der Jäger gab sich noch nicht mal die Mühe sie unauffällig zu mustern. Warum auch, für einen Mantroner war das normal. Darauf würde eigentlich ein anzüglicher Spruch oder ein Kompliment folgen aber Baltos wusste bei seinen Talent würde das alles nur schief laufen, also beschloss er wie immer so gut wie keinen Wortwechsel mit ihr einzugehen.
"Mein Name ist Neroli. Bitte folgen sie mir. Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer." Die Frau hat keine Angst! Wenn das Gunther sehen würde! Baltos nickte der deutlich kleineren Frau zu und stellte sich ebenfalls vor.
„Mann nennt mich Baltos Bestientod! Ich folge dir.“ Kurz darauf drehte sich Neroli um und Baltos folgte ihr. Dabei begutachtete er ausgiebig ihre Hinteransicht und kam zu dem Schluss das hier Ventha mit nichts gegeizt hatte.
"Bitte ...!" Der Mantroner fühlte sich schon ertappt, aber dann stellte er zur seiner Erleichterung fest das er ihr nur weiter folgen sollte. Bis jetzt läuft es ja ganz gut! Der Mantroner war sich zwar bewusst das Rukulla immer noch seine Hand hielt aber diese Neroli schaffte es irgendwie ihn das Gefühl zu geben, das nur sie Zwei hier wären. Was für normal Sehende wahrscheinlich ja auch stimmte.
Während sie so den langen Gang entlangliefen, fragte sich der Jäger kurzzeitig was das für seltsame Felle waren, die hier den kompletten Boden bedeckte, doch bevor er näher darüber nachdenken konnte, hatten sie wohl schon das Ziel erreicht. Mit einen seltsamem Funkeln in den Augen gab sie Baltos mit einer Geste zu verstehen, dass er zuerst das Zimmer betreten sollte. Der Jäger kam der Aufforderung auch umgehend nach und sah sich den neuen Raum gründlich um.
Was ist das denn für ein riesiges Bett? Baltos hatte ja schon viel gesehen, aber so eine große Schlafstätte war auch für ihn neu. Neroli hatte den staunenden Blick des Jägers bemerkt war aber nicht weiter darauf eingegangen, was Baltos auch weniger störte.
... wenn sie morgen früh frische Laken wünschen sagen sie es bitte. Legen sie bitte ihre Kleidung ab. ..."
Was sind Laken und warum dreht sie sich um? Der Jäger hatte zwar Probleme sich mit Frauen zu unterhalten sich aber vor ihn ausziehen gehörte nicht dazu. Denn, wer in kleinen Hütten lebte und das auf engsten Raum sah doch des Öfteren den einen oder die eine Nackte.
... Ich werde sie reinigen und ihnen ein Bad bereiten. Sie können diesen hier tragen so lange sie im Haus sind." Baltos fand die Idee Kleidung in der Wand zu verstauen echt praktisch, da man so viel Platz sparen konnte, aber was er nicht verstand war, warum ihn die Frau reinigen wollte? Er war sich bewusst das er roch und verdreckt war aber er hatte doch zwei gesunde Hände um sich selbst zu waschen.
Wahrscheinlich ist das bei denen halt so. Und mit diesen Gedankengang begann der Jäger sich zu entkleiden.
Da er nicht wusste wohin mit seinen Waffen, packte er sie einfach auf den Boden und daneben landete auch sein ganzer anderer Krempel. Am Schluss begann er dann seine Rüstung auszuziehen. Dabei bekam er erst jetzt so richtig mit wie stark verdreckt er eigentlich war. Seine komplette Kleidung so wie auch ein Großteil seines Körpers war mit Schlamm und Blut verdreckt. Der Geruch, den er verströmte, war auch alles andere als angenehm!
Es war also wirklich aller höchste Zeit, dass er sich wieder wusch.
Am Schluss warf er noch seinen Lendenschutz beiseite und blickte auf Nerolis Rücken.
„Wo ist das Bad?“ Der Jäger stand zwar vollkommend nackt vor einer Frau und einer Geisteroma aber es war für ihn nichts Peinliches oder Anormales außer vielleicht das Rukulla eine Geisteroma war oder was auch immer sie ist.

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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Samstag 8. November 2014, 11:31

Gunthers Worte schienen die junge Frau zu erreichen. Ihre schier unendliche Traurigkeit berührte ihn tief und er schenkte ihr seine Aufmerksamkeit und seinen Trost. Sie schien sich nach dem Weinen dicker Tränen nun wieder langsam zu beruhigen und begann sofort wieder, sich mit Arbeit abzulenken. Sie bot ihm an, ihn auf sein Zimmer zu begleiten.

"Ich weiß wo euer Zimmer ist. Bitte kommt mit ... und wenn ihr mir nur einen Gefallen tun könntet? Wenn der große Mann zum Essen kommt, sind sie dann auch da? Ich möchte nur nicht mit ihm alleine sein."

Gunther lächelte ihr aufmunternd zu und nickte gutmütig. Er wusste, dass er den selben Fehler nicht noch einmal machen durfte, aber er wusste auch, dass es wohl in seinem erschöpften Zustand nicht so einfach war, jetzt diesen ungestümen Mantroner zu suchen und ihm bis zum Essen nicht von der Seite zu weichen. Langsam folgte er Luci die Treppe hinauf und ging mit ihr einen Gang entlang, auf dessen Hälfte sie eine Tür öffnete. Das Zimmer hinter der Tür war warm und gemütlich eingerichtet. Ein schon fast monströses Bett lud zum Umfallen ein und ein Hausmantel lag am Fußende bereit.

"Wenn sie wünschen kümmere ich mich um die Reinigung ihrer Rüstung.", bot Luci an. Der Inquisitor ging einige Schritte über die weichen, dicken Teppiche und betrachtete den Luxus des Zimmers. Noch vor wenigen Stunden waren sie dem Tode nahe durch den Nebel geirrt, und jetzt hatte er die Möglichkeit in einem richtigen Bett gepolstert, warm und gemütlich zu ruhen.
Langsam löste er die Haltespangen seines Umhangs und legte den feuchten, verschlammten Stoff beiseite. Von dessen einstiger Pracht und purpurnen Farbe war kaum noch etwas zu erkennen.

„Ich bräuchte deine Hilfe beim Ablegen der Rüstung. Keine Angst, du kannst dabei nichts falsch machen. Ich sage dir genau was wir machen müssen, und du wirst sehen, alles wird funktionieren.“, meinte er freundlich zu der verunsicherten Dessarierin.
Danach nahm er den goldenen Stickerei-Gürtel mit den heiligen Insignien seines Gottes ab, strich sanft über dessen Stoff und faltete ihn liebevoll und ordentlich. Bevor er ihn mit auf das Bett legte, küsste er ihn sanft und widmete sich dann seinem Waffengurt. Er schnallte die schwere und breite Klinge ab. Da er ahnte, dass Luci sich vor der Waffe fürchten würde, reichte er ihr das Schwert nicht, sondern lehnte es so weit wie möglich fort von ihr an die Wand.

Danach begannen die beiden Gunthers Rüstung abzulegen. Das Mädchen stellte sich sehr geschickt dabei an. Gunthers geringe Körpergröße erleichterte ihr das Herankommen an die oberen Teile. Sie brauchte zwar klare Anweisungen, welcher Riemen wann zu lösen war, und vor allem welches Teil in welcher Reihenfolge abzunehmen war, doch gemeinsam schafften es die beiden, Gunthers Rüstung nach einiger Zeit abzulegen.
Je mehr des Metalls abgelegt wurde, desto kleiner schien Gunther zu werden. Es schien, als wenn die Rüstung für ihn wie eine zweite Haut gewesen wäre, die ihn groß und stark wirken lies. Als sie fehlte, wirkte er verletzlich, schwächer und vor allem: älter.

„Vielen Dank Luci. Würdest du mir freundlicherweise eine Schüssel mit warmem Wasser bringen? Ich stinke erbärmlich und würde mich vor dem Essen gern waschen.“

Er würde sich erst waschen wollen und danach auch die Lederfütterung der Rüstung ablegen. Die letzten Tage musste er in voller Rüstung schlafen, was nicht sonderlich erholsam war. Wenn er wirklich genügend Kräfte haben wollte, um die Mädchen zu beschützen, dann musste er die nächste Zeit ausgiebig nutzen, um sich zu erholen.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Montag 10. November 2014, 09:25

Bei Baltos

„Wo ist das Bad?“
Neroli drehte sich um und hielt mitten in der Bewegung inne. Ihre Brauen hoben sich und die Augen wanderten kurz über den nackten Mann. Kaum ein Muskel verriet eine Regung, nur ein kurzes Zucken ihrer Mundwinkel und ein leichtes Kräuseln ihrer kleinen Nase ließ erahnen, dass ihr durchaus gefiel was sie da vor sich hatte. Sie schluckte einmal und legte dann ihre Hand auf ihren Unterarm, dort wo der Hausmantel für Baltos ruhte. Anstatt ihn ihm zu geben ging sie langsam an ihm vorbei und öffnete ein Fenster. Unter ihren schweren, langen Wimpern betrachtete sie dabei verstohlen seine Rückansicht und schmunzelte. Das Fell seiner Kleidung hatte sich schon teilweise mit den Salzkrusten auf seiner Haut verbunden und war zu dunklen Schatten auf einer hellen Oberfläche verschmolzen. Gesicht, Nacken und Hände waren vom Wetter gegerbt und deutlich dunkler, als der Rest des Körpers, wobei der breite, muskulöse Oberkörper auch gelegentlich ein wenig Sonne abgekommen haben musste, ganz im Gegensatz zu seinem Hinterteil. Ein angenehm kühler Lufthauch entließ einen großen Teil des Gestankes den Baltos verbreitete und Neroli wandte sich ihm wieder zu:
„Ich bringe sie hin.“
Während sie wiederum an dem jungen Jäger vorbei ging sprach sie:
„Ich nehme an, sie sind nicht aus der Gegend... Als ich sagte, sie sollten ihr Kleidung ablegen, meinte ich eigentlich vor allem ihre Rüstung und erst wenn ich gegangen bin. Hierzulande ist es normalerweise nicht üblich, sich vor einer Frau vollständig zu entblößen, außer man hegt romantische Absichten. Falls sie romantische Absichten mir gegenüber hegen, bitte ich sie diese auf später zu verschieben, denn ich habe viel zu tun. Wir erwarteten schließlich keine Gäste und ich habe noch einiges für das Abendessen vorzubereiten. Wenn sie mir dann bitte folgen würden.“
Sie stand an der Zimmertür und wartete auf Baltos. Der Hausmantel hing noch immer über ihrem Arm, als ob sie ihn dort vergessen hatte.

Bei Gunther

Luci hatte sich gefangen und solange ihr Hände etwas zu tun hatten, wirkte sie wieder ganz wie eine eifrige junge Frau aus Dessaria die fest im Leben stand. Gunther hörte förmlich im Geiste seiner Erinnerungen seinen alten Lehrmeister sagen: „Gebt den fleißigen Händen ein Ziel und der schwache Geist wird folgen.“ Sie begriff schnell, folgte den Anweisungen des Inquisitors und half ihm so beim Ablegen seiner Rüstung. Schicht um Schicht seines Schutzes wanderten auf einen Tisch und lagen dort für die spätere Reinigung bereit. Was wie eine zweite Haut gewesen war verließ ihn und eine ungewohnte Leichtigkeit kribbelte durch seinen Körper.
„Vielen Dank Luci. Würdest du mir freundlicherweise eine Schüssel mit warmem Wasser bringen? Ich stinke erbärmlich und würde mich vor dem Essen gern waschen.“
"Natürlich."
Kurz bevor er nur noch in Unterwäsche da stand rumpelte es hörbar vor der Tür und Luci hielt in ihrem Tun inne. Sie sah Gunther an und sagte:
"Einen Moment bitte, ich sehe nach, was das war."
, erhob sich und ging zur Tür, die sie einen Spalt breit öffnete und dann mit einem freudigen:
"Oh."
weit auf riss. Sie ging hinaus und das Rumpeln setzte erneut ein. Das Dienstmädchen schob eine Kupferne Sitzbadewanne in den Raum, die auf einem recht massigem, hölzernen Podest auf Rollen fuhr. Dampfendes, duftendes, warmes Wasser schwappte darin umher und an einem drum herum laufenden Handlauf hingen Kräuterbüschel und weiße, warme Tücher. Im Podest selbst befanden sich kleine Schubladen, die Luci neugierig auf zog und inspizierte. Sie beförderte Schwämme und Bürsten mit weichen Borsten zu Tage, mit denen man sich die Haut schrubben konnte. Sie holte kleine Tiegel mit Salben und Violen mit Ölen hervor und lächelte wenn sie an ihnen roch.
"Sehr gut."
Sie drehte sich zu Gunther um und meinte etwas leiser:
"Wenn sie wünschen, helfe ich ihnen beim Baden. Ansonsten würde ich gern nach meiner Herrin sehen bitte."
Das würde Gunther noch alleine hin bekommen und ihn war vermutlich auch wohler, wenn jemand nach den Mädchen im Stallhaus sah.
"Der Gong wird sie zum Essen rufen, wenn es soweit ist. Wenn sie einen Wunsch haben, ziehen sie bitte dort an der Kordel."
Luci machte einen Kniks und ließ den Inquisitor allein mit seinen schmerzenden Gelenken. Eine angenehme Stille legte sich über den Raum und für einen Moment verließen ihn vielleicht seine Sorgen. Der Blick aus einem der beiden großen Fenster zeigte den friedlich und still da liegenden Vorplatz, mitsammt dem Bären, der inzwischen von noch mehr Schmetterlingen umschwirrt wurde. Sah er weiter nach links, erblickte er am Torbogen des Stallhauses Delilah und Kadia wie sie mit großen Augen den Bären beobachteten und einander an den Händen hielten. Sie waren beide nich dumm, sich solch einer Bestie unbedacht zu nähern und dieser Ort ... ja, er spendete Frieden. Vielleicht konnte auch er wohl verdient einmal durchatmen und sich etwas gutes tun. Der Duft der Kräuter, Minze, Wacholder und wilder Tymian begann den Raum zu durchfluten und weckte seine Lebensgeister. Das warme Wasser lud zum Entspannen ein und sein geschundener Körper hatte gewiss eine Pause und etwas Zuwendung verdient.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Dienstag 11. November 2014, 19:53

Delilahs Hand löste sich von der Wand und glitt zu ihrer Halsbeuge, doch sie fand nicht wonach sie suchte. Das Medaillon und die beiden Blütenblätter darin waren ihr letztes und wichtigstes Andenken an ihre Eltern, doch hatte sie es sicher verstaut in ihrer Schublade in der Akademie gelassen als sie mit Raphael Richtung Jersa geritten war. Bang fragte sich die junge Licht-Magi, ob sie es dort in ihrer Schule wieder erwartete, wenn sie zurück kehrte... irgendwann? Anfangs hatte sie sich oft allein und auf eine Art und Weise ... nackt gefühlt, als sie es in der Akademie nicht mehr tragen durfte. Schließlich war es ihr Anker gewesen, eine ständige Erinnerung daran, dass sie nicht allein auf der Welt war. Doch mit der Zeit hatte sie sich daran gewöhnt, es nur noch jeden Abend kurz betrachten zu können. Die völlige Abwesenheit ihres Schmuckstückes jedoch bedrückte die junge Licht-Magi noch immer, auch wenn sie es nun nicht mehr so sehr als Stütze benötigte wie früher. Nur manchmal, wenn sie etwas einschüchterte oder sie sich bei einer Sache unsicher war, glitt ihre Hand wie von selbst an den Platz wo früher zu jeder Tages- und Nachtzeit das Medaillon gehangen hatte. Aber das war schon lange her. Schließlich war der Beginn ihrer Ausbildung an der Akademie vor mehreren Zeitenwechseln gewesen. Damals hatte es geschneit... und nun wurde es schon wieder merklich kühler. Irgendwann in diesem Zeitraum war sie fünfzehn geworden...

Nun jedenfalls war Delilah leicht verunsichert... oder aber sie suchte Kraft um diesen Gestank auszuhalten. Ihr wurde schon beinahe schwindelig davon und der Ekel hockte ihr weiter im Nacken.
Aber...Woher kamen die magischen Schmetterlinge? Golden flatterten die Fünkchen um das weiß-blaue Glühen herum, das starr in der Luft schwebte. Delilah war ein wenig zusammengezuckt als sie das gleißende Gold der Schmetterlinge gesehen hatte... ihre Haut fing bei der Erinnerung an die goldene Grotte unangenehm zu prickeln an und ein Schauder lief über ihren Rücken. Sie hatte wirklich geglaubt, sie würde an diesem schrecklichen Ort sterben...
Sie schüttelte den Gedanken fort. Jedenfalls machte ein ruhender Bär nach so einer Erfahrung irgendwie weniger Angst, als er es vielleicht davor getan hätte. Die Fünkchen verwirrten das Mädchen weniger als das andere Leuchten. Die Schmetterlinge waren leicht zu erklären: Jemand hatte den Bären verzaubert. Aber sie hatte noch nie die Aura eines Tieres gesehen! Aber bei dem Bären war wohl etwas anders. Und seine gesamte Aura war das sicher auch nicht... Die Funktion der Fünkchen schien Deli jedenfalls vollkommen klar. Vermutlich war das auch der Grund dafür, dass er so ruhig da lag. Eine andere Erklärung gab es für Deli nicht... aber wer würde einen Bären auch ohne so eine "Schutzmaßnahme" alleine draußen lassen? Das >wer< erschien der Magi hingegen noch unklar, irgendwie glaubte sie nicht, dass der große "rote" Mann ihn verzaubert hatte. Und wenn doch... dann wollte sie ihn unbedingt nach dem Zauber fragen!

"Lass uns ins Haus gehen... irgendwie bezweifele ich, dass der Bär sich wirklich von uns stören lässt."
Sie ging einen Schritt nach vorn, Kadia noch immer an der Hand. "Die Schmetterlinge bezaubern ihn... glaub mir."
Delilah lächelte Kadia ermutigend zu.

Sie fühlte sich mit dem Mädchen verbunden, sie teilten ein ähnliches Schicksal, auch wenn Delilah Kadia ein wenig um die Geschichten beneidete, die sie erzählen konnte. Sie hatte ihre Eltern nicht lange genug gekannt, um dazu wirklich in der Lage zu sein. Aber vielleicht konnte Delilah mit ihr irgendwann frei über Geschehenes reden. Bei Kadia schien die Wunde jedoch noch zu frisch und Delilah fragte sich was passiert war.. und ob es damit zu tun hatte, dass der Inquisitor so dringend mit Verano hatte reden wollen...
Jedenfalls würde sich Delilah mit Erzählungen über ihren Vater erst einmal zurück halten. Dieses violette Flackern in Kadias Aura... hatte die Licht-Magi kurz beunruhigt, zu sehr hatte die Farbe sie an Nerolis Aura erinnert...
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 12. November 2014, 07:38

Baltos bemerkte zwar das die Frau ihn von oben bis unten begutachtete aber er fürchtete sich nicht vor ihrem Urteil. Denn Mantroner achteten stets auf ihre körperliche Fitness. Als Neroli das Fenster öffnete schloss Baltos für einen kurzen Moment sein Auge und genoss die kühle Luft die ihm umgab.
„Ich bringe sie hin.“
Der Jäger öffnete sein Auge und sah, wie die Frau wieder an ihm vorbei ging und vor der Zimmertür stehen blieb.
„Ich nehme an, sie sind nicht aus der Gegend... Als ich sagte, sie sollten ihr Kleidung ablegen, meinte ich eigentlich vor allem ihre Rüstung und erst wenn ich gegangen bin. Hierzulande ist es normalerweise nicht üblich, sich vor einer Frau vollständig zu entblößen, außer man hegt romantische Absichten. Falls sie romantische Absichten mir gegenüber hegen, bitte ich sie diese auf später zu verschieben, denn ich habe viel zu tun. Wir erwarteten schließlich keine Gäste und ich habe noch einiges für das Abendessen vorzubereiten. Wenn sie mir dann bitte folgen würden.“
"Und warum sagst du dann ich soll mich ausziehen? Wenn du das dann nicht willst?"
Der Jäger lachte kurz. „Ich werde euch nie verstehen!“ Und mit diesen Worten ging er auf Neroli zu, diese aber bewegte sich kein Stück. Nicht einmal als der Jäger nur wenige Zentimeter vor ihr stehen blieb. Baltos blickte auf die Frau herab.
„Ich folge dir!“

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 12. November 2014, 22:05

Bei Delilah

Die nackte Stelle auf Delilahs Brust, dort wo sonst so lange das Medalion gelegen hatte hielt schmerzende, wie schöne Erinnerungen unsichtbar verborgen. Das Bild der Rosenblätter darin war ihr plastisch vor Augen. Die orakelhaften Worte die ihre Moma ihr verraten hatte, hallten durch ihre Gedanken:
...Wird Leben bringen den Hoffnungslosen,
wird Schatten besingen, im Paar der Rosen.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht...

Manchmal erinnerte sie sich an die Weissagung und heute war so ein Tag. Vielleicht sollte sie den Grafen bitten, dass Leon es bei seinem nächsten Besuch vielleicht mitbringen könnte. Damit würde sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie hätte ihr Erbstück wieder und eine Verbindung zur Außenwelt. Wie es wohl den Anderen ging? Das eigentümliche Verhältnis zwischen Leon und Verano zu ergründen, nagte vielleicht auch noch immer an ihrer Neugierde und wenn der Graf nichts sagte, dann vieleicht sein Verwandter. Es waren nur wage Möglichkeiten, aber sie konnte so vielleicht sich an der Hoffnung festhalten, bald etwas von Resa oder ihren Freunden zu hören. Allein der Gedanke an ihre Moma trieb sie an.
"Lass uns ins Haus gehen... irgendwie bezweifele ich, dass der Bär sich wirklich von uns stören lässt."
Sie ging einen Schritt nach vorn, Kadia noch immer an der Hand.
"Die Schmetterlinge bezaubern ihn... glaub mir."
Delilah lächelte Kadia ermutigend zu und es zeigte Wirkung. Auch wenn das Mädchen mit der blauen Aura vorichtig wirkte, so vertraute sie Delilahs Aussage. Der Druck ihrer Hand wurde etwas stärker und gemeinsam gingen sie langsam an dem Bären vorbei, wobei Kadia die Führung übernahm. Sie waren dem Tier so nah, dass die junge Licht-Magi seinen gleichmäßigen Atem hören konnte. Leider schnürte ihr gleichzeitig der Gestank die Kehle zu, so dass sie die Luft anhalten musste, wollte sie sich nicht übergeben. Ihre geschärften Sinne hatten definiv auch ihre Nachteile!
"Vorsicht, Stufen."
Kadia hatte wie selbstverständlich Lucis Rolle übernommen und führte sie die Treppe hinauf.
"Noch eine. Jetzt sind wir da. OHHHhhhhh ... Äh entschuldigung, ich hab mich hinreißen lassen. Muss ein Traum sein hier zu leben! Wohin jetzt?"

Bei Baltos

"Und warum sagst du dann ich soll mich ausziehen? Wenn du das dann nicht willst?"
Der Jäger lachte kurz.
„Ich werde euch nie verstehen!“
Und mit diesen Worten ging er auf Neroli zu, diese aber bewegte sich kein Stück. Nicht einmal als der Jäger nur wenige Zentimeter vor ihr stehen blieb. Baltos blickte auf die Frau herab und hatte damit auch eine hervorragende Aussicht in ein leicht gerötetes Tal zwischen zwei sich sanft wölbenden, weißen Hügeln. Auch hier hatte Ventha dieser Frau ihre Vorzüge geschenkt, auch wenn das eng geschnürte Kleid einiges weg drückte.
„Ich folge dir!“
Er stand nur eine Handbreit vor ihr, als sie sich leicht weg drehte um sich mit der Hand Luft zu zu fächeln. Ob aus innerer Hitze oder seinem Geruch geschuldet, war dabei nicht zu erkennen. Sie machte einen Schritt nach hinten und stieß dabei mit der Schulter leicht gegen die geöffete Tür in ihrem Rücken. Platz zum ihm auszuweichen gab es keinen und doch war sie kein Schneehase. Noch in der Bewegung drehte sie sich gewand und entwich damit seiner Nähe. Für einen kurzen Augenblick hatte er ein grünes Feuer in ihren Augen brennen sehen, doch draußen auf dem Flur war sie wieder kühl und sachlich.
"Ich sehe schon, es könnte noch zu einigen Missverständnissen kommen, aber das ist nicht schlimm, solange sich keiner beleidigt fühlt. Ein Treffen der Metalitäten ist immer sehr spannend, wie finde ich. Wie sagt der Graf immer: Der Gast ist König und wir erfüllen seine Wünsche. Da der Graf aber auch wünscht, dass seine Gäste sich gegenseitig "gut riechen" können, werden sie jetzt baden."
Hatte sie eben geschmunzelt? Sie drehte sie sich um und schritt mit dem nackten Mantroner über den Flur, um einige Meter weiter eine Tür zu öffnen. Baltos folgte ihr. Der Raum war überall mit weißen Stoffbahnen behängt, Laken und Tücher ließen unmöglich erahnen wie groß er wirklich war. Büschel mit duftenden Kräutern hingen zwischen den Bahnen und liehen ihnen so ihren Duft. Neroli hob eine dieser Leinenwände beiseite und Baltos ging hindurch. Dahinter stand ein hölzener, runder Zuber, an dem ein paar Stufen zum leichten Einsteigen angebracht waren. Ebenso gab es innen zwei kleine Sitzbänke, so dass theoretisch zwei Personen darin gemütlich Platz finden konnten und sogar ein breites Brett stand bereit, dass man zum Beispiel für ein Gelage darüber legen konnte. Das Prinzip war dem jungen Jäger sicher nicht ganz unbekannt. Baltos Blick wanderte weiter durch den Raum. Neben einer erhöhten, gepolsterten Bank mit einem Loch an einem Ende lagen auf einem Beistelltisch Bürsten, Schwäme, Seifenstücke, Tiegel mit Salben und Violen mit Ölen bereit. Einiges von dem was es hier gab hatte der Mantroner sicher noch nie gesehen. Besonders spannend war der gebogene "Ast" aus dem Neroli Wasser in den Zuber ließ. Dafür hob und senkte sie einen geschwungenen Hebel und schon sprudelte das kühle Nass hervor. An der gegenüber liegenden Seite des Zubers gab es einen Ablauf der mit einer Rinne und einem Loch in der Außenwand verbunden war. In Mantron gab es zwar für die extremen Sommer einen Brunnen, aber selbst dann musste er manchmal von Eis befreit werden. Fließendes Wasser hatte etwas fasinierendes, vor allem wenn es nicht aus Schnee- oder Eisblöcken gewonnen werden musste.
"Ich nehme an, sie möchten kein warmes Wasser?"
Die Frage war nicht nur überflüssig, ihr Inhalt war vor allem wahr. Mit einer Handbewegung lud sie den nackten Mantroner ein sich in den Zuber zu setzten und pumpte noch ein paar mal kräftig. So zierlich diese Menschen hier waren, waren sie doch nicht vollkommen kraftlos. Nach ein paar mal Pumpen floss das Wasser ganz von alleine und Neroli richtete sich auf. Sie klemmte ein Brett an den Rand und legte ein Stück Seife, ein an einer Seite zerfranstes Holzstöckchen und eine Bürste darauf.
"Wenn sie genug Wasser haben, stecken sie bitte diesen Stopfen in das Loch dort. Wenn sie fertig sind, ziehen sie bitte einmal an dem Band dort drüben an der Wand."
Damit zeigte sie erst auf den "Ast" und dann auf die beschriebene Klingel. Die Luft wurde zunehmend feuchter und ein leichter Nebel bildete sich zwischen den Stoffbahnen. Alles zeichnete sich ein wenig weicher und auch Nerolis Züge schienen freundlicher. Die feinen Härchen in ihrem Nacken und an den Schläfen begannen sich zu kräuseln. Wo war Rukulla eigentlich abgeblieben? Egal!
"Haben sie noch einen Wunsch?"
Da war es wieder, dieses Glitzern.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Donnerstag 13. November 2014, 01:10

Ein Kind erkoren aus längster Nacht,
ein Kind geboren am helligsten Tag,
wird erstrahlen im Licht, heilig und rein,
wird Leid erfahren, bis tief ins Gebein,
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.


Die nackte Stelle auf Delilahs Brust, dort wo sonst so lange das Medalion gelegen hatte hielt schmerzende, wie schöne Erinnerungen unsichtbar verborgen. Das Bild der Rosenblätter darin war ihr plastisch vor Augen. Die orakelhaften Worte die ihre Moma ihr verraten hatte, hallten durch ihre Gedanken. Eine alte Freundin ihrer Großmutter hatte sie damals gesprochen, hatte sie erzählt. Wie hieß sie noch? ...Ulla hatte sie ihre Moma wohl genannt. Zu dieser Zeit vor fast einem Jahr glaubte ihre Moma, dass sich ein Teil des Inhalts offenbarte. Omniel war damals in ihr Leben gestürzt und daraufhin hatte sich so vieles verändert, aber irgendwie passten einige Verse auch zu ihrer jetzigen Situation und auf ihre ganz eigene Weise machten sie Delilah Mut.

Was Leben gab, wird wieder genommen,
wird licht geboren und Tod wird kommen.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.
Wird Leben bringen den Hoffnungslosen,
wird Schatten besingen, im Paar der Rosen.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.


Als ihre Gedanken zu ihrem Medaillon zurück gekehrt waren, hatten sie auch einen langen sehnsüchtigen Moment bei jenen verweilt, die sie zurück gelassen hatte. Ihre Moma fehlte ihr schrecklich, ihre Umarmung und ihre warme Stimme, die gutmütigen blauen Augen und das herzige Lächeln. Sie hätte alles gegeben, um sie auch nur einen Moment um sich haben zu können. Ob sie sie je wieder >sehen< würde? Sie schluckte. Hier fühlte sie sich sehr einsam, auch wenn es besser geworden war nachdem Luci kam. Doch.. es war nicht dasselbe. In der Akademie hatte sie wirklich Freunde.. keine Unterstellten... und ihre Großmutter war alles an Familie, was ihr noch geblieben war. Vielleicht könnte Leon ja ihr Medaillon und vor allem Informationen bringen, sollte er wieder diesen Ort aufsuchen... doch sein letzter Besuch war Delilahs Wissen nach lange lange her. Das war während ihrer Zeit am schwarzen Meer gewesen... und sie fragte sich, ob es ihre Anwesenheit war, die ihn so lange fortgehalten hatte. Aber wie oft war er eigentlich früher hier gewesen? Noch immer wusste Delilah nicht, wie Verano und Leon zueinander standen, doch ihre Ähnlichkeit war nicht abstreitbar. Ein kleines Flämmchen Neugier entfachte von neuem in Delilah. Doch es schmerzte auch dumpf in ihrer Brust als sie an seine letzten Worte dachte. Sie würde sich dennoch freuen ihn wiederzuseh...treffen. Sie musste es zugeben... auch er fehlte ihr.
Aber! Sie hatte Verano sowieso fragen wollen, ob und wann sie wieder nach Hause dürfte, schließlich war sie doch soweit genesen wie es möglich war, oder? Delilah glaubte nicht mehr daran, der Dunkelheit irgendwann entkommen zu können...
Das Gold der Grotte hatte sie zerrissen, verschlungen und wieder ausgespuckt und trotzdem war es um sie herum finsterste Nacht. Welchen Weg konnte es sonst noch geben? Das einzige worauf sie noch hoffte war, dass die Magier der Akademie einen Weg kannten die Kinderaugen zu präzisieren, so dass sie sich die Welt um sich herum besser erschließen könnte.

Der Wille wird schwanken, wenn Traumgeister lieben.
Das Licht wird ranken, wenn Schatten obsiegen.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.
Licht und Finsternis gehören zusammen,
nur Glaube kann sie auf Dauer verbannen.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.
Mittwinters erdacht,
Mittsommers gebracht.


War dieser Zeitpunkt jetzt? Ihr Wille schwankte wie ein junger Baum im Sturm, der kurz davor war unter dem starken Wind zu brechen... doch, was sollte es mit den Traumgeistern auf sich haben?
Und sollte sie vielleicht doch die Macht haben, die Finsternis verbannen zu können?



"Vorsicht, Stufen."
Inzwischen beinahe alltägliche Probleme rissen Delilah zurück aus ihren Gedankengängen, mit denen sie beinahe erfolgreich den grauenhaften Gestank aus ihren Denken hatte verdrängen können. Ihr war immer noch übel und sie hielt sich eine Hand vor Nase und Mund, im verzweifelten Versuch einen Teil des Geruchs auszusperren. Er kam ihr vor wie ein giftiger Nebel, gefährlicher als jede physische Waffe.
Kadia hatte wie selbstverständlich Lucis Rolle übernommen und führte sie am Bären vorbei und die Treppe hinauf. Einmal mehr wurde Delilah bewusst, wie hilfsbedürftig sie trotz allem noch war.
"Noch eine. Jetzt sind wir da. OHHHhhhhh ... Äh entschuldigung, ich hab mich hinreißen lassen. Muss ein Traum sein hier zu leben! Wohin jetzt?"

Delilahs Gesichtsausdruck verdunkelte sich einen Augenblick. " ... kein Ort trägt mehr Schönheit in sich als das eigene Heim."
Dann schien sie selbst die dunklen Wolken zu vertreiben und lächelte Kadia wieder zu. Früher hatten ihre großen rehbraunen Augen mit ihrem Lächeln um die Wette gestrahlt, jetzt jedoch schien es als wäre das Licht - wie üblich an diesem Ort - von einer Nebelwand verborgen. Sie hatte nie Blickkontakt gescheut und ihrem gegenüber immer offen ins Gesicht geschaut, doch jetzt schien sie nur noch ungefähr zu wissen, wo sich jemand befand. In einer ihrer blonden Locken fing sich ein einzelner Lichtsrahl, reflektiert von einem der vielen verglasten Fenster, die es hier überall gab.

"ich denke, es wäre am besten, wenn wir ersteinmal hier warten. Luci kommt sicher bald und wenn wir dann in einem anderen Raum sind, denkt sie sicher wir sind noch im Stall. Wir wollen den Bären lieber in Ruhe lassen, oder nicht?"

Delilah ließ ihren blinden Blick einmal um sich schweifen, tiefste Dunkelheit wohin sie auch sah - nur unterbrochen von Kadias blauem Schein -.
Es war als wäre ihre Sinne getrennter Wege gegangen. Alles an ihr erklärte ihr, dass sie in einem großen Raum stand und sie konnte sogar einen leichten Durchzug hören, wodurch sie Türen und Fenster bestimmen konnte. Nur ihre Augen ließen sie glauben sie stünde in einem großen, leeren Nichts, umgeben von unbekannten Gefahren. "Glaubst du auch, dass die Verziehrungen am Boden ein Geheimnis bergen? Luci meinte, sie sähen so aus wie im Märchen... aber ich kann das leider schlecht beurteilen, also was meinst du?"
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 13. November 2014, 08:24

Bei Delilah

... kein Ort trägt mehr Schönheit in sich als das eigene Heim."
Wie sehr sie doch ihr einfaches kleines Bett, mit der harten alten Matte vermisste, ihre eigenen vier Wände, aber vor allem anderen das Lachen ihrer Moma. Im ersten Stock waren für ihre empfindlichen Ohren kurz Schritte und leises Gemurmel zu hören, dann fragte Kadia in die Stille hinein, wohin es gehen sollte.
"Ich denke, es wäre am besten, wenn wir erst einmal hier warten. Luci kommt sicher bald und wenn wir dann in einem anderen Raum sind, denkt sie sicher wir sind noch im Stall. Wir wollen den Bären lieber in Ruhe lassen, oder nicht?"
Die junge Frau neben ihr nickte zustimmend. In Anbetracht, dass Delilah ganz offensichtlich blind war, war das eine herzlich unsinnige Reaktion. Die Magi konnte es alleine durch ihre Magie deuten und es ihr unmöglich übel nehmen. Die Umgebung musste einen ganz besonderen Reiz auf Kadia ausüben. Gemeinsam gingen sie zu einer weich gepolsterten Bank und setzten sich.
"Glaubst du auch, dass die Verzierungen am Boden ein Geheimnis bergen? Luci meinte, sie sähen so aus wie im Märchen... aber ich kann das leider schlecht beurteilen, also was meinst du?"
"Verzierungen am Boden...? Ich sehe nichts. Oder ... Moment..."
Kadia stand auf und entzog sich somit ihrer Hand. Das blaue Leuchten ging umher und ging dann die Treppe hinauf zur Balustrade. Es war seltsam die Schatten des Geländers zu sehen, wie sie sich vor ihrer Aura abhoben. Schatten ... Die Dunkelheit in ihrem Geist war allgegenwärtig. Ein Meer aus Schatten und doch gab es Lichter. Lichter wie dieses Mädchen, dass Delilah zeigte, dass die Welt um sie herum nicht einfach verschwunden war, sondern immernoch da war. Sie hatte sich nur gewandelt.
Der Wille wird schwanken, wenn Traumgeister lieben.
War Delilahs Leben vielleicht an diesem Vers angelangt? Die Bedeutung der Worte schwirrten ihr immer wieder durch ihre Gedanken und suchten nach einer Erkenntnis. Und dann war da auch noch der letzte Teil:
Licht und Finsternis gehören zusammen,
nur Glaube kann sie auf Dauer verbannen.

Glaube ... Glaube zu Göttern ... der Löwe aus Licht und Feuer ... Götter ... Lysanthor ... und jetzt ein Inquisitor...
"Das ist ja seltsam."
Kadias Stimme von halb über ihr, riss sie erneut aus ihren Eingebungen.
"Der Boden ist wunderschön, doch das Muster ist wirklich etwas seltsam. Es sieht von hier aus wie eine sich zusammen ziehende Spirale, die über einem Stern liegt. Es fließt alles in dunklen Fasern zum Mittelpunkt und streut sich dann wieder hell nach außen. In der Mitte ist ein Stück, das Holz ist so fein verästelt, das aussieht wie eine Schneeflocke. Unglaublich! Wäre mir nie aufgefallen, von da unten, hihi. Beeindruckend."
Sie kam wieder die Treppe hinunter und ihre Silhouette tauchte kurz hinter den Schatten einer Skulptur. Die Form der Körpers war zu kurz erschienen, aber menschlich. Das Spiel aus Licht und Schatten begann Formen in ihr Leben zu bringen. Licht und Finsternis ...
Es war als wollten sich mehrere Puzzelteile zusammen fügen, als schwammen sie auf einer schimmernden, bewegten Oberfläche, stießen aneinander und fügten sich doch noch nicht zusammen. Kadias warme Hand griff wieder nach ihrer und drückte sie leicht.
"Du siehst so nachdenklich aus. Kann ich irgendetwas tun? Kann ich dir irgendwie helfen? Brauchst du etwas?"
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Freitag 14. November 2014, 08:37

Baltos lief wie die Göttin ihn schuf Nackt durch das Anwesen und folgte der gut aussehenden Neroli.
"Ich sehe schon, es könnte noch zu einigen Missverständnissen kommen, aber das ist nicht schlimm, solange sich keiner beleidigt fühlt. Ein Treffen der Metalitäten ist immer sehr spannend, wie finde ich. Wie sagt der Graf immer: Der Gast ist König und wir erfüllen seine Wünsche. Da der Graf aber auch wünscht, dass seine Gäste sich gegenseitig "gut riechen" können, werden sie jetzt baden."
Der Mantroner sah, wie die Frau ihn ein leichtes Grinsen zuwarf, er ging aber nicht weiter auf die Bemerkung ein, sondern folgte ihr stumm ins Bad.

Dort angekommen wurde er durch die ganzen weißen Tücher die hier überall hingen kurz an das Eisreich erinnert mit seiner unendlichen Schneepracht. Der Jäger griff nach einem Kräuterbündel, das über ihm hing und einen angenehmen Duft verbreitete. Die Kräuter, die das Bündel enthielt, waren Baltos gänzlich unbekannt, aber das war ja auch nicht weiter verwunderlich. Der Jäger zerrieb mit den Fingerspitzen eine Pflanze die lila Blüten hatte und war erstaunt über die Intensität des Geruches, den sie verbreitet sowie über die ölige Flüssigkeit, die sie durch die Reibung abgab.
Neroli hielt währenddessen ein Tuch beiseite und ermöglichte Baltos somit einen Blick auf den großen hölzernen Zuber. Der Jäger hing darauf das Bündel wieder an seinen Platz und ging an der Frau vorbei und sah sich den neu entstandenen Raum an.
Der Zuber war für Baltos nichts Besonderes aber die Konstruktion, mit der das Wasser in diesen fließ war schon faszinierend. In Mantron war Baden nicht so leicht wie hier! Im Eisreich musste man erst eine Menge Schnee sammeln, diesen dann Schmelzen und das warme Wasser dann sehr schnell zum Waschen benutzen, bevor es wieder gefror.
"Ich nehme an, sie möchten kein warmes Wasser?" Der Jäger schwitzte immer noch wie ein Schwein und blickte Neroli an als wäre das selbstverständlich das er kein warmes Wasser wollte.
„Ich will das kälteste Wasser, das du hast!“ Mit diesen Worten betrat er den schon leicht gefüllten Zuber und lehnte sich entspannt zurück.
Während Neroli dafür sorgte das immer mehr Wasser in den Zuber floss schloss Baltos genießerisch das Auge und legte den Kopf in den Nacken.
"Wenn sie genug Wasser haben, stecken sie bitte diesen Stopfen in das Loch dort. Wenn sie fertig sind, ziehen sie bitte einmal an dem Band dort drüben an der Wand."
Der Jäger öffnete kurz das Auge und besah sich der Sachen auf die Neroli zeigte. Er nickte kurz und legte dann den Kopf wieder zurück und schloss sein Auge. Das Wasser stand ihn gerade mal bis zum Bauchnabel, als die attraktive Dame sich wieder an ihn wendete.
"Haben sie noch einen Wunsch?"
Baltos behielt das Auge geschlossen, als er antwortet.
„Kannst du mir meine Rüstung bringen und ein paar Utensilien um sie zu reinigen?“ Baltos dachte noch nicht mal daran, dass die Frage von Neroli vielleicht eine andere Bedeutung haben könnte.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Freitag 14. November 2014, 09:37

Bei Baltos

Nerolis Stimme antwortete in seine selbst gewählte Dunkelheit hinein:
„Darum wird sich schon gekümmert. Genießen sie ihr Bad.“
Damit zog sie sich zurück und schloss die Tür von außen. Ihre Schritte hielten einen Moment an und entfernten sich dann leiser werdend. Baltos konnte in aller Ruhe dem angenehm kühlen Nass ergeben, dass langsam knisternd seine Krusten löste. Seid dem Bad im Meer hatte er keine Zeit mehr gehabt, sich zu waschen und nun brannte seine Haut schon etwas. Erst jetzt, in diesem Augenblick der Entspannung, wurde ihm gewahr, dass er durch das Salz sogar schon einige kleine wunde Stellen hatte. Mangelnde Hygiene war in Mantron nie der Fall gewesen, da er dort auch nicht so geschwitzt hatte. Seit er das Eisreich verlassen hatte, bedeckte fast dauerhaft ein dünner Schweißfilm seine Haut und verband sich mit Schmutz und den Haaren seiner Rüstung. Nanuq hatte es da besser. Sein enorm dichtes Fell schützte ihn vor Verunreinigungen, die bis auf die Haut gingen und der Zauber der Aquadin schütze ihn vor der Hitze. Hier im Haus ließ es sich jedoch auch für den Mantroner gut leben. Als Baltos sein Auge wieder öffnete schimmerte bereits eine Lache aus Körperfett und Haaren auf der Wasseroberfläche. Wozu wohl all diese Dinge waren? Neroli hatte ihm nur drei an den Rand des Zubers gegeben. Eine Bürste mit langem Stiel, ein Stück grünliche Seife, die würzig roch und dieses kleine, zerfaserte Stück Holz. Womit putzten sich wohl Mantroner gewöhnlich die Zähne, damit sie nicht gelb und hässlich wurden und ausfielen?
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Freitag 14. November 2014, 19:40

Es rumpelte hörbar vor der Tür und Luci hielt in ihrem Tun inne. Sie sah Gunther an und sagte:
"Einen Moment bitte, ich sehe nach, was das war."
, erhob sich und ging zur Tür, die sie einen Spalt breit öffnete und dann mit einem freudigen:
"Oh."
weit auf riss. Sie ging hinaus und das Rumpeln setzte erneut ein. Das Dienstmädchen schob eine Kupferne Sitzbadewanne in den Raum, die auf einem recht massigen, hölzernen Podest auf Rollen fuhr. Dampfendes, duftendes, warmes Wasser schwappte darin umher und an einem drum herum laufenden Handlauf hingen Kräuterbüschel und weiße, warme Tücher. Im Podest selbst befanden sich kleine Schubladen, die Luci neugierig auf zog und inspizierte. Sie beförderte Schwämme und Bürsten mit weichen Borsten zu Tage, mit denen man sich die Haut schrubben konnte. Sie holte kleine Tiegel mit Salben und Violen mit Ölen hervor und lächelte wenn sie an ihnen roch.
"Sehr gut."

Merkwürdig…, dachte sich der Inquisitor …wer hat denn jetzt so plötzlich diese Wanne hier abgestellt? Und auch just in dem Moment, in dem ich das Wort „Waschen“ benutzt habe… Diese Geister beobachten uns scheinbar ohne Unterlass… ich weiß nicht genau, ob ich das gut finden soll…

Sie drehte sich zu Gunther um und meinte etwas leiser:
"Wenn sie wünschen, helfe ich ihnen beim Baden. Ansonsten würde ich gern nach meiner Herrin sehen bitte."
Um Lysanthors Willen, du musst wirklich erbärmlich wirken, alter Mann, wenn dich schon junge Mädchen fragen, ob sie dir beim Baden helfen müssen. Aber das Kind meint es sicherlich nur gut…
Er lächelte sie an und schüttelte den Kopf:
„Nein, ich schaffe das schon, Luci, vielen Dank. Geh nur…“

"Der Gong wird sie zum Essen rufen, wenn es soweit ist. Wenn sie einen Wunsch haben, ziehen sie bitte dort an der Kordel."
Luci machte einen Knicks und ließ den Inquisitor allein mit seinen schmerzenden Gelenken. Während er sich stöhnend seiner letzten Kleidung entledigte, strich er in Erinnerungen versunken über die lange, gezackte Narbe an seiner rechten Flanke, die von der Hüfte aufwärts wie ein Blitz über die Rippen verlief.
Nachdem er alle Kleidung abgelegt hatte, stieg er langsam in das warme, wohltuende Wasser der Wanne, nicht jedoch bevor er nicht sein Schwert in greifbarer Nähe an den Wannenrand gelehnt hatte. Selbst jetzt ließ er seine Wachsamkeit niemals gänzlich sinken. Die Wärme war wie Balsam für seinen geschundenen Körper. Er atmete tief ein, lies sich weiter in die wohlige Wärme hineingleiten und schloss die Augen. Die Düfte der Kräuter, Salben und Öle umspielten seine Sinne, während seine Gedanken in einen Tagtraum abglitten.

Er erinnerte sich an den Geruch von frisch gebackenen Süßkuchen. Er mochte süße Speisen schon immer. Als kleiner Junge war nahe des Tempels, in dem er aufwuchs ein Backhaus, über dem die Wohnung der Bäckerin lag. Noch bevor er zum Knappen wurde, schenkte die freundliche Frau mit dem rundlichen Gesicht ihm ab und an einen ihrer selbstgebackenen Süßkuchen. Es waren die besten, die er je gegessen hatte.
Die Bäckerin hatte eine Tochter, die ungefähr im selben Alter wie Gunther war. Schon als ganz kleine Kinder waren sie Freunde, und so oft es Gunthers strenger Lehrplan zuließ, spielten sie gemeinsam auf dem Platz zwischen Tempel und Backstube.
Als er Knappe wurde, sahen sie sich immer weniger. Doch auch mit noch weniger Zeit, versuchte Gunther die Freundschaft dennoch aufrecht zu erhalten. Manchmal brachte ihm Marie, so hieß das Mädchen, Süßkuchen ihrer Mutter, die sie gemeinsam hinter dem Stall aßen. Er erzählte Marie von seiner Ausbildung bei den Knappen und Marie erzählte ihm davon, dass es ihrer Mutter immer schlechter gehe, und sie selbst wahrscheinlich bald die Backstube übernehmen müsse.
So kam es dann auch. Als beide ungefähr zwanzig Jahre alt waren, verstarb Maries Mutter und sie übernahm die Backstube. Gunther war mittlerweile zu einem ansehnlichen Mann herangewachsen. Doch er kam noch immer jedes Mal freudestrahlend wie ein kleines Kind zu ihr und bat um ihre Süßkuchen. Marie… diese kleine, leicht mollige Schönheit mit dem aschblonden Haar und der kleinen Stupsnase, auf der oft noch Mehl klebte. Er hätte damals nicht genau sagen können, was er für sie empfand, doch heute im Nachhinein betrachtet, vermutete er, dass er sie geliebt hatte. Vielleicht hatte sie ihn auch geliebt, doch sie war verlobt mit einem der Schmiedelehrlinge und zudem war Gunther in der Templerlaufbahn, und somit war es ihm von vornherein verboten eine Frau und Kinder zu haben.
Am Vorabend der Nacht, die er betend vor seinem Gelübde verbrachte, stahl sich Marie heimlich auf den Tempelhof und stellte einen Korb mit Süßkuchen vor sein Quartier, mit einem Brief darauf. In dem Brief erklärte sie, dass dies die letzten Süßkuchen seien, die er von ihr bekommen würde. Sie war schwanger und würde mit ihrem, mittlerweile Ehemann, Pelgar verlassen und zu seiner Familie nach Andunie ziehen. Am nächsten Morgen, nachdem er sein Gelübde abgelegt und in die Reihen der Templer aufgenommen worden war, war sie bereits abgereist. Er hatte sie nie wieder gesehen…

Er wusste nicht, warum er ausgerechnet jetzt an diese Sache zurückdachte. Gunther hatte es nie bereut, Lysanthor sein ganzes Leben lang mit Herz und Seele gedient zu haben…. Doch er hätte Marie gern ein einziges Mal wieder gesehen… und wenn auch nur dafür, um ihr für ihre Süßkuchen zu danken… nur ein einziges Mal…


Gunther schreckte aus seinem Tagtraum hoch. Auf der Wasseroberfläche spiegelte sich sein Gesicht. Er betrachte die grauen Barthaare, die tiefen Furchen, die sein Antlitz durchzogen und die schwachen, faltigen Wangen. Alt… das ist alles was du noch bist…. Nur noch alt. Weder stark, noch stolz, noch edel… nur noch alt… Er seufzte tief. Na los, alter Mann, beweg dich.
Er wusste nicht wieviel Zeit vergangen war, doch er begann sofort damit, sich schnell zu waschen und dann aus der Wanne zu steigen. Nachdem er sich getrocknet hatte, untersuchte er die verschiedenen Tiegelchen und Döschen mit Salben und allerlei anderen Dingen. Eines verströmte einen vertrauten, leicht stechenden Geruch. Er verteilte die Tinktur, die seiner Meinung nach Arnika enthielt auf seinen schmerzenden Knien. Auch seine Flanke rieb er etwas damit ein. Danach legte er den Hausmantel an, der auf dem Bett bereitlag. Allerdings war er immer noch Inquisitor genug, um sowohl sein Medaillon, als auch seinen Gürtel und sein Schwert wieder umzulegen. Ob er damit ein lächerliches Bild abgeben würde oder nicht, war ihm einerlei. Doch diese Symbole waren für ihn heilig, und er würde sie niemals unbeaufsichtigt in einem fremden Zimmer herumliegen lassen. Danach setzte er sich auf das Bett und versuchte, mit einem Lappen aus einem der Schubkästen und etwas Wasser seine Rüstung bereits von grobem Schmutz zu befreien. Das tat er eigentlich nur, um ersten sitzen zu können und zweitens bis zum Essen etwas zu tun zu haben. Er hatte zwar kurz befürchtet, dass er den Gong verpasst haben könnte, doch er kam zu dem Schluss, dass ihn dann bereits jemand versucht hätte abzuholen.

So saß der alte Inquisitor auf dem Bett und polierte die Teile seiner Rüstung, während er seinen eigenen Gedanken nachhing.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Samstag 15. November 2014, 11:13

Bei Gunther

Der Inquisitor war in die Wanne gestiegen und hatte sich seinen Tagträumen ergeben. Die Wärme hielt endlich wieder Einzug in seine steifen Glieder und eine Welle der Entspannung löste seine Muskeln. Der Duft der Kräuter, die Hitze des Wassers, alles hielt ihn geborgen umfangen, wie eine lang vergessene Erinnerung an schöne Zeiten. Endlich hatte er Zeit für sich selbst. Die Erinnerungen kamen ganz automatisch. Ein Lächeln, ein Duft, ein köstlich süßer Geschmack im Mund der seine Lippen kräuselte. Lächelnd lag er mit geschlossen Augen in der Wanne und ergab sich dem Gefühl. Frieden konnte etwas so wunderbares sein, wenn man es zu genießen wusste. Die Jugend hetzte oft von einem Abenteuer zum nächsten, in der Angst etwas verpassen zu können, doch das Alter genoss die stille Schönheit jeglicher Schöpfung. Selbst der Gedanke, dass er in diesem Haus vielleicht nie ganz alleine sein würde, dass die Geister sie beobachteten, konnte den Moment des Friedens nicht zerstören. Gunther war zu alt und zu erfahren, als dass er den Nutzen dieser Augenblicke nicht zu schätzen wusste.

Auch Geister konnten alt und erfahren sein. Einige waren jung gestorben und konnten sich nicht von ihrem Leben lösen, andere waren vor ihrer Zeit gegangen und hatten noch etwas zu erledigen und manche hatten zu viel gesehen und darüber vielleicht einfach vergessen zu leben. Eine kleine Frau saß auf der Bettkante und beobachtete den Träumer in seiner Wanne. Seine harten Züge lösten sich und Entspannung hielt seine Lider geschlossen. Die tiefen Furchen des Lebens hatten sich in seiner Haut verewigt und Erfahrung strahlte aus ihm heraus wie Sonnenlicht.
Ja, er hat ein gutes Herz. Er wird ihr helfen und sie nicht verdammen.
Die kleine halb durchsichtige Gestalt hopste erstaunlich flink vom Bett und landete lautlos in den weichen Teppichen. Sie kam näher und streichelte verträumt seinen Handrücken, die still auf dem Rand ruhte. Ein kleiner Schauer stellte die Härchen auf und sie lächelte.
Träum weiter, mein Hübscher. Ich werd dir einen feinen Kuchen backen.

Der alternde Templer betrachtete sich einen Augenblick im Spiegel, der in einer Ecke zwischen zwei langen Vorhängen stand. Der silbergraue Hausmantel passte erstaunlich gut zu dem Gürtel und seinen Insignien. Der breite Kragen hatte etwas militärisches und der Schnitt war gerade und streng. Das eingenähte Jabot aus einfacher weißer Seide, das man unterm Kinn zusammen stecken konnte, gab allem einen aristokratischen Hauch und perfektionierte so sein Spiegelbild. Ließ man es offen, wirkte es ein wenig wie die Stola eines Priesters, ein langer, schlanker, heller Schal.
Er hatte seine Seite und die Knie mit der Salbe eingerieben und kurz darauf begann die Haut dort zwar leicht zu brennen, aber gleichzeitig durchströmte ihn auch an diesen Stellen eine heilende Wärme. Es dauerte eine Weile, in der er auf dem Bett saß und seine Rüstung putzte, aber dann schwand tatsächlich der Schmerz und eine herrliche Beweglichkeit stellte sich ein. Kurz war der alte Templer vielleicht sogar versucht ein paar Kniebeugen zu machen, aber rief sich dann zur Räson. Er sollte es nicht gleich übertreiben, aber diese Salbe wirkte wahre Wunder. Sehr … sehr lange hatte er sich nicht mehr so gut gefühlt! Da er von der Salbe auch einiges noch an den Fingern hatte, fühlten diese sich ebenfalls prächtig an. Mit flinken Bewegungen säuberte er seine Rüstung und erfreute sich an dieser einfachen Tätigkeit. Viel zu schnell war sie erledigt und er begann schmerzfrei durchs Zimmer zu wandern. All die wunderbaren Details, die Schnitzereien, die feinen Stoffe und Gemälde hinterließen ihre Wirkung. Er war wer er war, doch an solch einem Ort konnte ein Mann zu sich selbst finden. Das Leben war schön. Fast automatisch wanderten seine Füße zur Tür und warum auch nicht. Er öffnete sie einen Spalt und sah den Flur auf und ab. Niemand war zu sehen. Gegenüber lag eine verschlossene Tür und neben ihr stand auf einem kleinen Tisch eine silberne flache Schale. Etwas helles darin zog Gunthers Aufmerksamkeit in seinen Bann. Als er einen Schritt nach draußen machte, konnte er auch sehen was es war. Ein Brief, gerollt und mit einem cremefarbenen Band zusammen gehalten lag dort und wartete auf seine Bestimmung. In diesem Zimmer wohnte vermutlich die Dame Delilah. Die frisch geputzten kleinen Damenschuhe unter dem Tischchen nährten diesen Rückschluss zusätzlich.
Plötzlich fing ein anderer Sinn seine Aufmerksamkeit, ein Duft, süß und leicht und herrlich verlockend.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Samstag 15. November 2014, 20:44

Ja, Delilahs Welt hatte sich gewandelt. Sie war vom Licht in den Schatten getreten und die Welt um sie herum hatte sich verfinstert. Aber es war wie immer, wenn man aus der Sonne in die Dunkelheit tritt. Zuerst ist man blind und dann gewöhnt sich das Augenlicht daran, Formen treten erneut hervor bis schließlich alles wieder sichtbar wird. Doch Delilah jedoch hatte sich noch nicht angepasst und sie war sich auch nicht sicher ob es das war was sie wollte. Sie wollte das Licht!
Ihr inneres Licht fühlte sich nicht mehr von seiner Umgebung geborgen und wiedergespiegelt, es kam sich verloren und allein auf schwarzer See vor, kämpfend gegen turmhohe Wellen aus Finsternis. Aber es war stark. Sie war stark, wollte stark sein!

Licht und Finsternis gehören zusammen,
nur Glaube kann sie auf Dauer verbannen.


Sie hatte sich bereits eine Kerze angezündet, denn die Menschen um sie herum erleuchteten ihre Welt... wenn auch nur ein bisschen.
Noch fühlte sich Delilah von der Dunkelheit beträgt, eingesperrt und umgeben wie von dichtem Nebel... aber ein kleiner Teil in ihr war sich sicher, dass sie bald ohne Probleme durch die schwarze Welt würde laufen können. Sie hatte ihr eigenes Licht, Lysanthor hatte sie noch nicht ganz vergessen. Vor ihrem inneren Auge sah sie den flammenden Löwen, der sie durch das Feuermeer geführt hatte, vielleicht konnte sie ihm auch jetzt wieder aus ihrem Leid folgen.
Es war nur so schwer, den Willen ihres Gottes zu erkennen. Er konnte sich in so vielem zeigen... sie hatte lange geglaubt, ihr Schicksal liege in der Akademie, im Heilen und Helfen. War das falsch gewesen? Konnte sie das überhaupt noch??
... hätte sie Leon mit der Löwenmähne schon früher folgen sollen? War sie mit Dunkelheit bestraft worden, weil sie nicht vorher hierher gekommen war? Wäre sie damals mit ihm gegangen, hätte sie Verano bereits getroffen... oder aber sie kehrte mit dem Inquisitor nach Jorsa zurück, zurück in die Arme ihrer Freunde und Familie, ihrem seit langem geplanten Schicksal. So viele Wege... was, wenn sie wieder den falschen wählte?!

Kadias Stimme von halb über ihr, riss sie erneut aus ihren Eingebungen und Ängsten.
"Der Boden ist wunderschön, doch das Muster ist wirklich etwas seltsam. Es sieht von hier aus wie eine sich zusammen ziehende Spirale, die über einem Stern liegt. Es fließt alles in dunklen Fasern zum Mittelpunkt und streut sich dann wieder hell nach außen. In der Mitte ist ein Stück, das Holz ist so fein verästelt, das aussieht wie eine Schneeflocke. Unglaublich! Wäre mir nie aufgefallen, von da unten, hihi. Beeindruckend."
Sie kam wieder die Treppe hinunter und ihre Silhouette tauchte kurz hinter den Schatten einer Skulptur. Die Form der Körpers war zu kurz erschienen, aber menschlich. Das Spiel aus Licht und Schatten begann Formen in ihr Leben zu bringen. Licht und Finsternis ...
Es war als wollten sich mehrere Puzzelteile zusammen fügen, als schwammen sie auf einer schimmernden, bewegten Oberfläche, stießen aneinander und fügten sich doch noch nicht zusammen. Kadias warme Hand griff wieder nach ihrer und drückte sie leicht.
"Du siehst so nachdenklich aus. Kann ich irgendetwas tun? Kann ich dir irgendwie helfen? Brauchst du etwas?"

"Ich..." ... ich brauche Licht, Klarheit... endlich wieder einen sicheren Weg vor mir... früher war doch immer alles so sicher gewesen...also nichts, was du mir geben kannst, liebe Kadia. , dachte Delilah. Der kühle Fußböden war angenehm unter ihren bloßen Füßen. Nach dem wechselnden Untergrund draußen; feuchtem glatten Gras, spitzen unbequemen Steinen und heißen Wegplatten, fühlte er sich beruhigend beständig an.
"... ich brauche wohl einfach ein wenig Ruhe.", sagte sie stattdessen mit einem leisen Lächeln. Tatsächlich fühlte sich die Licht-Magi körperlich vollkommen ausgeruht und lebendig - vielleicht noch etwas schwach von der mangelnden Bewegung- , doch es war ihr Geist der Ruhe benötigte. Es war so viel passiert in letzter Zeit... heute war erst der zweite Tag gewesen, an dem sie wieder hatte laufen können! Bis vor kurzem noch war ihr eigener Körper ihr das schlimmste Gefängnis gewesen. Noch letzte Nacht hatte sie geglaubt in flüssigem Gold sterben zu müssen und heute gehorchte ihr Körper wieder ihrem Kommando. Sie hatte nichtmal Zeit gehabt, sich an diesen Umstand zu gewöhnen bevor plötzlich fremde Inquisitoren und exotische rote Männer mit großen Bären auftauchten. Kein Wunder, dass es Delilah nach geistiger Ruhe verlangte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Montag 17. November 2014, 19:17

Bei Delilah

"Ich... ich brauche wohl einfach ein wenig Ruhe."
Die Ereignisse hatten sich in kürzester Zeit überschlagen und Delilah sehnte sich nach einem Moment der Stille für ihre Gedanken. Kadia drückte voller Verständnis ihre Hand und dann hörten sie, wie sich Schritte näherten. Luci erreichte den oberen Treppenabsatz und ihr Saphir-blaues Leuchten kam näher. Sie knickste und sprach:
„Wunderbar, ihr habt meine … Herrin hinein geleitet. Ich habe euch ein Zimmer neben dem eures Begleiters hergerichtet.“
Anscheinend wusste Luci noch immer nicht genau, was Delilah für sie war, deshalb auch ihr kurzes Zögern. Sobald sie das Haus betreten hatten, verfiel sie aber immer in die höfliche Anrede und nutzte auch die Sprache der Gemeinschaft Celcias, so wie der Herr es wünschte.
„Er ist oben und macht sich bereits frisch. Bitte, ich bringe euch hinauf.“
Delilah fühlte ihre warme, leicht feuchte Hand, vermutlich Badewasser, auf ihrer und gemeinsam gingen die drei jungen Frauen die Treppe hinauf. Der weiche Teppich war wie warmes Moos für ihre gereizten Füße und ein süßer Duft von frisch Gebackenen begleitete sie. Luci zeigte Kadia ihr Zimmer, aus dem es irgendwie warm, feucht und würzig roch und begleitete dann Delilah in ihr eigenes. Dort setzte sie sie auf ihr Bett und kniete sich vor sie.
„Eure Füße sind ganz kalt und schmutzig. Ich werde sie waschen und fragen, ob ihr ein paar Schuhe haben könnt. Nicht, dass ihr euch erkältet.“
Fleißig lief sie hin und her und bald tauchten Delilahs Füße in angenehm warmes Wasser. Während die junge Magi ihr Füße badete, lief Luci hinaus und kehrte nach ein paar Minuten wieder.
„Neroli sagte, dass heute ein gemeinsames Abendessen für die Gäste gegeben wird. Wollt ihr daran teilnehmen, oder soll ich euch etwas auf euer Zimmer bringen?“
Sie legte warme Tücher um Delilahs Beine und rubbelte sie trocken. Die Frage erübrigte sich bei Delilahs Neugierde eigentlich, aber Luci musste sie trotzdem stellen. Es war viel geschehen und Ruhe für den Geist war wichtig, doch was wenn sie etwas wichtiges verpassen würde? Irgendwie begann die junge Magi zu ahnen, dass die beiden Männer nicht ganz zufällig den Weg hier her gefunden hatten und sich in diesem Haus noch viel mehr Geheimnisse verbargen, als jene die man mit bloßem Auge entdecken konnte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Donnerstag 20. November 2014, 07:22

Zähne putzen? Womit sollte sich denn ein Mantroner die Zähne reinigen? Im Eisreich wuchs keine besondere Pflanze, die zur Erhaltung der Zähne diente, des Weiteren wurde man im Eisreich nicht besonders Alt um sich sorgen, um die Dritten zu machen.
Dazu kam noch das die meisten Zähne im Kampf herausgeschlagen wurden, was auch der Grund war das Baltos jetzt schon zwei Zähne fehlten.
Baltos hatte also noch nie in seinen Leben von einer Zahnbürste gehört und deswegen benutzte er auch das zerfaserte Stück Holz im Kombination mit der Seife zum Reinigen seiner Füße.
Als diese zu seiner Zufriedenheit gereinigt waren, war das Wasser im Zuber schon sehr stark verunreinigt und da Baltos gesehen hatte wie Neroli frisches Wasser eingelassen hatte versuchte es der Jäger jetzt auch einmal. Er zog den Stopfen und wartete, bis das Wasser durch das Loch im Zuber verschwand. Wo das wohl hinfließt? Danach verschloss er wieder den Abfluss, pumpte neues Wasser in den Bottich und wusch sich an einer anderen Stelle am Körper.
Diesen Vorgang wiederholte der Mantroner dreimal und kurz vor den letzten Badegang stellte er gleich zwei Sachen auf einmal an.

Zuerst hebelte er zu doll am Pumpenarm und brach ihn dadurch in der Mitte durch. Baltos blickte kurz verdutzt auf das abgebrochene Stück Holz und dann zum Zuber. Zum Glück für ihn lief kein Wasser mehr weiter in die Wanne. Ist hier alles so zerbrechlich?
Der Jäger versteckte den abgebrochenen Teil des Pumpenarmes hinter einen Schrank, wobei ihn sein zweites Missgeschick passierte. Denn er hatte den kleinen Schrank mit den Flakons oben drauf ein Stück gerückt und dabei fiel eine der Flaschen herunter und zerbrach auf den Boden. Die Flüssigkeit spritzte gleich in alle Himmelsrichtung und erwischte auch die Füße des Mantroners. Diese rochen jetzt nach Sommerwiese, wenn man dem Etikett des zerstörten Flakons glauben konnte.

Baltos fand eher, dass das nach Robbenkotze roch anstatt nach Sommerwiese, wobei er natürlich nicht wusste, was eine Sommerwiese sein sollte. Vielleicht bedeute ja Sommerwiese bei denen, ja Robbenkotze bei uns?
Da der Jäger nichts hatte womit er die Scherben aufsammeln konnte riss er einfach ein Tuch von der Decke und warf dieses auf den Scherbenhaufen. Das er dabei auch ein Kräuterbündel von der Decke gerissen hatte bemerkte er überhaupt nicht.

Baltos beschloss bevor er noch mehr schaden anrichtete in diese zerbrechlichen Zimmer, dass er sofort in die Wanne ohne Umwege ging, den Rest von sich säuberte und dann Neroli mit dieser komischen Klingel rief. Dies tat er dann auch und nachdem er sauber war, betätigte er die Klingel.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Dienstag 25. November 2014, 19:52

Delilah war froh, als Luci kam. Auf diesem Anwesen war sie ihre Welt, ihre beste und einzige Freundin. Die Erblindete wusste nicht, was sie ohne das aufgeschlossene Mädchen tun würde. Die Welt um sie herum wäre vermutlich um einiges dunkler, denn Luci war ihr Augenlicht. Sie war so froh, wenn Luci ihr vorlaß oder mit ihr über Belangloses sprach. Es fühlte sich alles weniger unwirklich an, wenn man solch alltäglichen Dingen nachging.

Schritt für Schritt gingen sie zurück zu ihrem Zimmer und Delilah versuchte sich erneut den Weg einzuprägen. Weich umspielte der Teppich ihre Füße, beruhigte ihre strapazierten Sohlen. Dabei war sie schon immer gerne barfuß gelaufen... aber wenn man nicht sah wo man hintrat...
Sie verabschiedete sich für den Moment von Kadia.

Als Luci gerade die Folgen von Delilahs Entscheidung ohne Schuhe herum zulaufen begutachtete, streckte Delilah eine Hand nach ihrer Freundin aus und strich ihr übers Haar. "Weißt du, wie froh ich bin, dass du hier bei mir bist...?"

"Ich konnte so schlecht laufen mit den kleinen Absätzen...", gab Delilah geknickt zu. "Die Schuhe sahen bestimmt sehr schön aus, aber ... Es war um einiges leichter als ich barfuß ging... vieleicht ja ein ganz flaches Paar... am besten sehr stabil, damit ich nicht mehr so leicht umknicke... ich sehe die Absätze ja leider so schlecht." Mit dem letzten Satz hatte sich die Magi an einem kleinen Witz versucht und grinste Luci schelmisch an. Den Schmerz über die Dunkelheit konnte jedoch ein Scherz nicht vertreiben, höchstens erleichtern.

Luci hatte das Zimmer verlassen, Delilah hörte wie sich ihre raschen Schritte immer weiter entfernten. Sie saß auf der Bettkante und blickte nun einmal im Kreis. Ohne das Licht ihrer Freundin sah sie rein gar nichts, nicht einmal die Schatten waren ihr geblieben. Die Magi streckte die Hand aus, dorthin wo sie den kleinen Nachttisch vermutete, und tatsächlich strichen ihre Finger bald über das glatte Holz und stießen schließlich an das dicke Buch das dort lag. Sie hatten es noch nicht zuende gelesen, obwohl Luci immer besser darin wurde. Delilah legte es sich in den Schoß und öffnete die schweren Buchdeckel. Sie hörte das leise Rascheln der Blätter, die von den Dingen zu flüstern schienen, die sie vor Delilah verborgen hielten. Verheißungsvoll und lockend. Dem Mädchen wurde das Herz schwer. Wie oft hatte sie sich früher in die Bücher geflüchtet? Und jetzt... jetzt schwiegen sie. Hauchzart ließ Delilah ihre Fingerspitzen über die Seite gleiten, ganz leicht spürte sie darunter das grobe Papier und den glatten Strich der Tinte. Am oberen linken Rand war ein ganz glattes Viereck, das war sicher einer der reichverziehrten Buchstaben der den Anfang eines Kapitels begründete. Luci hatte ihr einige davon genau beschrieben. Mit den Ranken und Blättern, den Tieren und Helden die sich um den Buchstaben versammelten. Delilah hatte so etwas nur einmal in einem der Bücher der Bibliothek gesehen und jenes war zu wertvoll, als dass sie es hätte lesen dürfen. Veranos Bibliothek musste beeindruckend sein. Luci hatte sie einmal dorthin geschoben, in dem Stuhl mit den Rädern, als sie noch eine Puppe war. Es hatte nach Staub und Leder, nach Papier und Pergament gerochen und Delilah hatte sich eingebildet zu spüren wie viel Wissen sich dort versammelt haben musste. Die öffentliche Bibliothek an der größten Schule in Jorsa war abgenutzt und größtenteil zerschlissen gewesen. Im andauernden Krieg blieb wohl nicht mehr genug Geld für sie, doch Delilah wusste welch ein Glück es war so einen kleinen Hort von Geschichten und Wissen in der Stadt zu besitzen. Sie war immer eine Stunde bis dortin gelaufen um sich die Bücher anzusehen.
Da hörte das blinde Mädchen Lucis nahende Schritte und mit einem entgültigen "Pompf" schloss sie das Buch und schob es vorsichtig zurück auf den Tisch. Sie hatte gute Ohren, denn sie ließ bereits wieder gemütlich die Füße im warmen Wasser kreisen ehe Luci zurück im Zimmer war.

„Neroli sagte, dass heute ein gemeinsames Abendessen für die Gäste gegeben wird. Wollt ihr daran teilnehmen, oder soll ich euch etwas auf euer Zimmer bringen?“
Delilah sah Lucil skeptisch an. War das ihr ernst?
"Natürlich möchte ich dahin!", lachte die junge Licht-Magi leise. "Glaubst du ich lasse mir so viel Leben hier im Haus entgehen?" Dann verstummte sie jedoch noch einmal kurz. "Aber meinst du, ich könnte mich vorher noch einmal hinlegen und vielleicht einen Augenblick schlafen? Ich bin irgendwie... erschöpft."
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. November 2014, 08:16

Bei Baltos

Das unter mantronischer Einwirkung einiges zu Bruch gegangen war, das Baltos grobschlächtigen Versuche der neuartigen Technik Herr zu werden Spuren hinterlassen hatten, blieb auch Neroli nicht verborgen, als sie das Badezimmer betrat. Herunter gerissene Lacken und Kräuterbüschel, ein Haufen zerknüllter, stark riechender Stoff mit ein paar darunter hervorlugenden Scherben vermochten sie auch nicht sich aus der Fassung zu bringen. Das jedoch der unerwartete Besucher nun sauber und glänzend in all seiner nackten Pracht vor ihr stand und sich noch immer nicht den bereit liegenden Hausmantel angezogen hatte, ließ sie leise seufzen. Mit einem höflichen, vielleicht sogar freundlichen, durchaus etwas amüsierten Lächeln nahm sie die silbergraue Gewandung vom Tisch und reichte sie Baltos.
„Bitte zieht euch dies hier über.“
Der dünne Stoff war leicht und seidig auf der Haut. Er kühlte mehr, als das er wärmte, was Baltos Sinnen schmeicheln dürfte. Passende Filzpantoffeln gab es ebenfalls dazu und die schwarzhaarige Dienerin half dem Jäger alles richtig anzulegen, sodass aus der mantronischen Bestie, ein ansehnlicher junger Mann wurde. Neroli trat einen Schritt zurück und betrachtete wohlwollend ihr Werk. Schmunzelnd meinte sie leise:
„So dürften die Mädchen nicht mehr schreiend vor euch davon laufen … eher auf euch zu.“
Sie machte einen Knicks und fuhr fort:
„Der Herr lässt fragen, ob ihr euch eventuell nützlich machen wollt? Es steht euch natürlich frei. Es gibt da einen Baum, der einen Teil des Anwesens überwuchert und versperrt. Ein starker Arm und eine scharfe Axt wäre hier sehr willkommen.“
Fragend sahen ihre grünen Augen mit dem schwarzen Wimpernkranz ihn an.

Bei Delilah

"Natürlich möchte ich dahin!"
, lachte die junge Licht-Magi leise.
"Glaubst du ich lasse mir so viel Leben hier im Haus entgehen?"
Dann verstummte sie jedoch noch einmal kurz.
"Aber meinst du, ich könnte mich vorher noch einmal hinlegen und vielleicht einen Augenblick schlafen? Ich bin irgendwie... erschöpft."
Luci lächelte ungesehen und ihre Aura nickte.
„Natürlich! Ich wecke euch dann rechtzeitig.“
Sie half Delilah wenigstens das Überkleid abzulegen und bettete sie unter weichen Daunen. Sie verließ auf Zehenspitzen den Raum und die Tür schloss sich mit einem leisen Knirschen hinter ihr. Delilah hatte schon jetzt einen so aufregenden Vormittag hinter sich gebracht wie schon seit Wochen nicht mehr. Kaum war sie ihrer puppenhafter Gestalt entkommen, da überschlugen sich auch schon die Ereignisse. Müde sackte sie in die Kissen und war schnell eingeschlafen.

Es war geraume Zeit vergangen, als etwas ihre feinen Sinne berührte und sie weckte. Hatte sie ein Geräusch vor der Tür vernommen?
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Freitag 28. November 2014, 08:31

Gunther fühlte sich erstaunlich gut. Er hatte schon seit langer Zeit keine derartige Schmerzfreiheit empfunden, wie durch diese Salbe. Er genoss den Umstand, dass er nun endlich einmal allein mit sich und seinen Gedanken war. Während er liebevoll das Metall seiner Rüstung polierte, dachte er darüber nach, was Kadia und er nun eigentlich tun konnten. Sie konnten nicht allzu weit entfernt von Jorsa sein. Wenn Sie also vielleicht als Gruppe in diese Richtung aufbrechen würden, hätten sie bessere Chancen, sicher durch den Nebel zu gelangen. Aber was dann? Könnte er das Mädchen einfach so zurücklassen? Vielleicht in die Obhut des Tempels geben? Könnte er sie allein bei Fremden Menschen lassen, nach allem, was sie durchgemacht hatten? Er seufzte.... Die Arbeit an der Rüstung war fertig, doch er war mit seinen Überlegungen zu keinem Ergebnis gekommen.
Konzentrier dich erst mal auf das wesentliche, Alter Mann! Noch stecken wir irgendwo im Nebel auf einem fast verlassenen Anwesen fest...

Nachdem er seine Arbeit beendet hatte, begannen er den Flur zu erkunden. Er entdeckte direkt gegenüber seines Zimmers eine geschlossene Tür, vor der ein Tischchen mit einer silbernen Schale stand. Darin lag ein gerollter Brief. Unter dem Tischchen konnte Gunther kleine Damenschuhe ausmachen, die definitiv nicht einer Dienerin gehörten. Das könnte also das Zimmer des Fräulein Delilahs sein. Aber wer schreibt einer Blinden einen Brief und lässt ihn außerhalb des Zimmers liegen? Gunther war kurz davor, den Brief zu ergreifen, und nach einem Klopfen in das Zimmer zu gehen, doch er besann sich eines besseren. Immerhin ging es ihn überhaupt nichts an. Vielleicht wollte sie den Brief ja gar nicht...
Er erinnerte sich an die Bitte seines Gastgebers, er möge sich doch aus heilerischer Sicht des Fräulein Delilahs annehmen. Doch war jetzt der richtige Augenblick, um über so etwas zu sprechen? Er konnte ihr im Moment ohnehin nicht helfen, so ausgehungert und erschöpft wie er war. Also konnte er auch genau so gut bis morgen damit warten. Immerhin kannte er sie kaum. Vielleicht kamen sie ja beim Essen ins Gespräch.
Der alte Ritter hatte sich gerade dazu entschlossen, sich von der Tür abzuwenden, als ihm ein süßer, verlockender Duft in die Nase stieg. Der Geruch lies dem ausgehungerten Inquisitor das Wasser im Mund zusammenlaufen, doch er konnte nicht genau sagen, woher der verführerische Duft kam. Er drehte sich zu der Richtung, in der er die Treppe ins Erdgeschoss vermutete, um zu prüfen, ob es aus dieser Richtung intensiver duftete. Schließlich konnte er ja vielleicht bereits vor dem großen Essen eine Kleinigkeit aus der Küche bekommen.
Jedoch blieb er während der Drehung mit seinem Schwertgurt an dem kleinen Tischchen hängen und brachte es zusammen mit Silberschale und Brief laut scheppernd zu Fall. Ärgerlich über sich selbst begann Gunther erst das Tischchen wieder aufzustellen, und dann die Schale vom Boden zu heben. Der Brief war einige Meter weiter gerollt und der Inquisitor musste ein paar Schritte laufen, um ihn aufzuheben.
Die Salbe Tat seinen Gelenken zwar sehr gut, doch sie konnte nicht alle Schmerzen verdecken, sodass das Bücken für ihn noch immer keine angenehme Sache war.

„Das hast du nun von deiner Tollpatschigkeit, du seniler Trottel...“ murmelte er sich selbst missmutig zu.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Freitag 28. November 2014, 11:31

Ja, es war wirklich viel passiert in letzter Zeit. Kaum war sie ihrer puppenhaften Gestalt entkommen, da überschlugen sich auch schon die Ereignisse.
Sie war von der langen Zeit, in der sie keine Kontrolle über ihren Körper hatte geschwächt, bereits der kurze Vormittag hatte ihre Glieder vollkommen entkräftet. So tat es gut sich in die weichen Daunen zu legen und die Decke über sich zu ziehen.
Schnell war sie in einen ruhigen, beinahe traumlosen Schlaf gefallen. Nur der Löwe bewegte sich schweigsam am Rande ihres Bewusstseins entlang.

Als Delilah erwachte fühlte sie sich ausgeruht und erholt, der kleine Moment der Stille hatte ihr gut getan. Doch etwas hatte sie geweckt, ein Geräusch... da war jemand vor ihrer Tür. Delilah schwang ihre Beine aus dem Bett und setzte die nackten Füße auf den weichen Teppich. Vielleicht war es Verano? Hatte er sie nicht eigentlich heute besuchen wollen? Sie hatte so viele Fragen nach den Geschehnissen der vergangenen Nacht und sie wollte ihn auch noch darum bitten, dass Leon ihr Medaillon bei seinem nächsten Besuch mitbringen könnte. Außerdem wollte sie wissen, wie lange er sie noch auf seinem Anwesen zu beherbergen beabsichtigte.
Neugierig was vor ihrer Tür vor sich ging und warum derjenige noch nicht hereingetreten war, bewegte sich Delilah mit vorsichtigten Schritten auf die Tür zu. Sie konnte sich inzwischen in ihrem Raum besser orientieren und so den Stolperfallen aus dem Weg gehen. Etwas unsicher durch die Dunkelheit wandelt, erreichte sie schließlich mit ausgestrecktem Arm die Tür, fuhr am Holz entlang bis sie den Knauf fand. Das Unterkleid war zum Glück nicht so lang, als dass sie sich darin verfangen hätte können.

Sie zog die Tür ein wenig auf und schob den Kopf heraus, auf der Suche nach dem Licht einer Aura. Neugierig blickte sie sich um.
"Ja?", fragte sie ins Blaue hinein.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Montag 1. Dezember 2014, 08:00

Baltos schob gerade noch schnell ein Kräuterhalm mit dem Fuß weg als Neroli das „leicht“ demolierte Bad betrat. Doch zu Baltos glück war sie nicht wütend auf ihn. Wenn doch nur alle Frauen so wären! Dachte sich der Mantroner als er auf einmal von der Frau angezogen wurde. Der Mantroner verzog kurz die Augenbraue als sie versuchte ihn in diesen seltsamen Fummel zu zwängen. Was ist das nur für ein Volk, wo man nichts selbst machen brauch! Für Baltos war das alles mehr als seltsam, schließlich kam er aus einem Volk das die Kinder schon früh darin Unterricht alleine und ohne Hilfe von Anderen in der Wildnis zu überleben.
Das war auch der Grund warum er sich von Neroli nur bei den Feinheiten wie das Zurechtzupfen der Kleidung helfen ließ. Den Mantel, seine Hose und die anderen Sachen zog er dann doch lieber alleine an.
Als er dann die neue Kleidung angezogen hatte, bemerkte er sofort den kühlenden Effekt der Kleidung.
Wie geht das? Der Mantroner befühlte umgehend den Stoff konnte aber nicht erkennen, woher diese angenehme frische kam. Hier ist wahrscheinlich alles verzaubert!

Nachdem Baltos seine neuen Kleider anhatte und auch Neroli mit dem Ergebnis zufrieden war, wie sie verkündete: „So dürften die Mädchen nicht mehr schreiend vor euch davon laufen … eher auf euch zu.“
Machte sie so eine komische Geste, wobei sie leicht in die Knie ging. Aber anscheinend musste er darauf nicht weiter reagieren denn Neroli fuhr gleich in ihren Redeschwall fort.
„Der Herr lässt fragen, ob ihr euch eventuell nützlich machen wollt? Es steht euch natürlich frei. Es gibt da einen Baum, der einen Teil des Anwesens überwuchert und versperrt. Ein starker Arm und eine scharfe Axt wäre hier sehr willkommen.“
Baltos machte kurz eine kreisende Bewegung mit dem Kopf, wobei sein Nacken leicht knackte.
„Ich hole meine Axt!“ Der Mantroner ging an der Dienerin vorbei und lief zu seinem Zimmer, während in Neroli verfolgte. Dort angekommen packte er seine gewaltige Streitaxt und ging wieder nach draußen in den Flur. Dort überließ der dann wieder der mehr als nur attraktiven Frau die Führung und lief ihr mit der Axt auf der Schulter hinterher.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Montag 1. Dezember 2014, 18:54

Bei Baltos

Noch bevor sie sein Zimmer verließen stoppte die Hausdame den Mantroner mit ausgestrecktem Arm und musterte misstrauisch die Streitaxt.
„Mein Herr, diese ist nicht ganz die Richtige, verzeiht. Ihr habt doch eine Kleinere. Nehmt diese, ihr werdet verstehen, wenn ihr es seht.“
Neben seinen frisch gereinigten Fellsachen auf einer Kommode die am Fußende des Bettes stand, lag auch Fluchbrecher. Neroli zeigte auf die deutlich kleiner Handaxt und Baltos nahm sie mit. Ob er den „Schlachter“ da ließ, blieb ihm überlassen. Er folgte der jungen Frau und hatte dabei einmal mehr ungehinderten Blick auf ihre reizende, bei jedem Schritt schwingende Kehrseite. Aber auch ihr schlanker Nacken, wo jetzt wieder jedes Haar streng in einem festen Knoten mit schwarzen schlichten Kämmen zusammengesteckt war, hatte etwas. Wie lang musste diese Haarpracht wohl sein, wenn sie den dicken Knoten lösen würde? Der starke Kontrast von heller Haut zu nachtschwarzem Haar, die schimmernden Schatten, dort wo der elegante, disziplinierte Körper unter der Kleidung verschwand, zupfte lockend an seiner Phantasie. Manchmal drehte sie den Kopf ganz leicht und schielte unter ihren dichten Wimpern zu ihm zurück, ob er ihr auch weiterhin folgte. Es wirkte nicht, als ob sie sich dessen unsicher wäre, es war … mehr. Was genau? Baltos wusste es nicht.

Schnell hatten sie das Haus verlassen und draußen schlug Baltos wieder eine gewisse „Wärme“ entgegen. Die Kleidungsstücke die er jetzt trug, machten sich sofort bezahlt und er brach das erste Mal nicht gleich in maßloses Schwitzen aus. Neroli führte ihn an seinem spielenden Bären vorbei, vorbei an den Stallungen, an einem dahinter gelegenen Brunnen und über eine recht wild anmutende Wiese mit schlanken jungen Bäumen. Die Rinde der Bäume schälte sich ganz selbständig in langen weißen Fetzen, so dass alles ein wenig mystisch wirkte. Neroli verschwand immer wieder kurz aus seinem Blickfeld, aber wartete dann immer am nächsten Baum. Dann lichtete sich der Park und ein karger Streifen, von gut zehn Schritt bildete die Grenze zu einem wilden Labyrinth. Sie standen etwas erhöht, so dass man die Irrwege gut sehen konnte. Eine hohe Hecke formte Gassen und Tunnel, sogar Brücken und Treppenabsätze waren aus der Ferne zu erkennen. Weit und breit war kein Nebel zu sehen. Das beeindruckendste war jedoch der gewaltige Baum, der in der Mitte entsprang und schon fast alles mit seiner Krone überdachte. Seine Äste hatten sich teilweise durch die immergrünen Mauern der Hecken gebohrt und versperrten die Wege. Da es schon spät im Jahr war, war wenigstens wenig Laub an den Ästen und man konnte gut eines vom anderen Unterscheiden. Jetzt war auch klar, warum die Streitaxt hier nicht passend gewesen wäre. Mit Fluchbrecher konnte Baltos in den engen Gängen des Labyrinthes gezielter vorgehen. Neroli trat nah neben Baltos, so nah, dass er durch die kühlende Kleidung ihre Körperwärme spüren konnte.
„Wie gesagt, es steht euch frei.“
Sie sah ihn nicht an, aber lächelte schmal.
„Für einen großen Mann wie euch dürfte es ein Leichtes sein, sich dort einen Weg hindurch zu schlagen.“
Für einen Mantroner kam solch ein Satz fast einer Herausforderung gleich.
„Nur eine Bitte. Verletzt nicht die Hecke, nur den Baum und nehmt euch in Acht vor seinen Wurzeln. Sie sind tückisch wie Schlangen. Wenn ihr den Stamm erreicht und ihr ihn fällt habt ihr es geschafft. Alles weitere dürfte dann leicht sein. Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr dies für mich tun würdet ...“
Sie sah kurz zu ihm auf und irgendwo viel ein Reissack um. Der Flügelschlag ihrer Wimpern konnte irgendwo ganz sicher einen Tornado aus seinem Schlaf erwecken und ganze Landstriche vernichten. Für einen Moment wirkte sie weicher als sonst, fast etwas verwirrt und unsicher, so wie sie ihn ansah. Dann riss sie sich los und sah in die Ferne.
„ … Dort hinten, hinter all dem, liegt mein Garten. Ich würde so gerne mich meinen Kräutern widmen, aber dieser Baum macht es mir unmöglich. Ihr werdet mir doch helfen? … uns … dem Herrn, meine ich.“
Ihr Augen zuckten unsicher umher und sah dann zurück zum Haus.
„Ihr schafft das allein.“
Sie wandte sich zum gehen um.
„Und beeilt euch, damit ihr nicht zu spät zum Abendessen kommt.“
Damit verschwand sie sehr abrupt zwischen den weißen Bäumen.

Baltos war allein und Fluchbrecher vibrierte in seiner Hand, sobald er sie berührte. Mit jedem Schritt den er in Richtung des Baumes tun würde, fühlte es sich an, als würde der Schaft seiner Waffe gleich explodieren wollen. Das der Baum magisch war, war ihm sicher schon in den Sinn gekommen, doch mit Fluchbrecher in der Hand, fühlte er das Echo von Dunkelheit vor sich aus dem Boden steigen. An diesem seltsamen Ort war wohl nicht alles so freundlich wie es auf den ersten Blick scheinen mochte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Dienstag 2. Dezember 2014, 08:41

Als Gunther gerade den Brief vom Boden im Flur aufhob, ertönte hinter ihm die zaghafte fragende Stimme Delilahs.

"Ja?" fragte sie zögernd.

Gunther drehte sich ruckartig zu der Stimme um. Wenn sie ihn hätte sehen können, hätte er sichtlich ertappt wirken müssen. Es war ihm peinlich und unangenehm, dass er ihren Tisch umgestoßen hatte. Doch zu allem Überfluss musste er sie gerade auch damit geweckt haben, denn die junge Frau wirkte noch ziemlich verschlafen und einige der Strähnen ihres gelockten Haares hingen ihr wirr um den Kopf herum.
Er hatte nun jedoch keine andere Wahl, als sich bei ihr zu entschuldigen.

Das Räuspern des Inquisitors war laut genug, um auch die Aufmerksamkeit der blinden jungen Frau auf ihn zu lenken. Er ging mit dem gerollten Brief in der Hand auf sie zu und begann leise und höflich zu sprechen.

"Verzeiht, wenn ich eure Ruhe gestört habe, Fräulein Delilah. Ich bin aus versehen an dieses Tischchen vor eurem Zimmer gestoßen und habe die Schale und euren Brief auf den Boden gestoßen. Es tut mir Leid..."
Mit diesen Worten legte er den Brief wieder in die Schale auf dem kleinen Beistelltisch und lächelte die junge Frau an, auch wenn sie ihn nicht sehen konnte.

"...doch jetzt ist alles wieder an Ort und Stelle. Bitte verzeiht die Störung."

Er neigte kurz seinen Kopf, als wolle er sich verabschieden. Doch kurz bevor er davon ging, schien er sich an etwas zu erinnern, und fragte das blonde Mädchen:

"Ach sagt... dieser köstliche Geruch... wisst ihr zufällig, wo der herkommt? Ich will natürlich nicht ungeduldig sein, doch ich hatte die Hoffnung, vielleicht schon vor dem Essen eine Kleinigkeit bekommen zu können. Ihr müsst wissen, Kadia und ich haben in den letzten Tagen reichlich wenig zu essen gehabt."

Dies war zwar heillos untertrieben, doch er musste keine kleinen, blinden Mädchen mit der grausamen Wahrheit konfrontieren. Weder um sie zu beeindrucken, noch um sie zu beunruhigen. Alles was sie wissen musste war, dass er Hunger hatte.
Während er mit ihr sprach und ihr dabei in die Augen sah, erinnerte er sich erneut an die Bitte Veranos, sich um das Mädchen zu kümmern und ihr zu helfen. Doch was genau konnte er damit meinen?

Vielleicht hat es etwas mit ihrer Blindheit zu tun. Sie kann zwar eindeutig nicht sehen, was sie umgibt, aber wie eine hundertprozentig Blinde wirkt sie auch nicht immer... irgendetwas an ihr ist anders. Aber was?

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Dienstag 2. Dezember 2014, 09:46

Delilah erkannte den Inquisitor erst an seiner Stimme, denn sein Geruch hatte sich im Vergleich zuvor doch reichlich verändert. Er musste wohl ein Bad genommen haben, denn es roch nach den sanften Ölen des Badezimmers und nach Kräutern. Brennessel vermutlich, also vielleicht eine Salbe gegen Gelenkschmerzen. Delilah hatte so eine in der Akademie einmal für einen älteren Patienten zusammenrühren dürfen. Dazu mischten sich die üblichen Gerüche des Anwesens; eine Mischung aus Staub, Stoff, Papier, Holz und Politur, von fern der Duft des Gartens mit seiner langsam verblühenden Schönheit. Weiter roch es köstlich nach etwas Süßem vielleicht Gebackenen, das die Vorfreude auf das Abendessen steigerte.
Er war anscheinend Auslöser des plötzlichen Lärms geworden und entschuldigte sich hastig, nun konnte Delilah auch langsam die Form und Farbe seines Lichtsscheins einordnen. Sie war sich immer noch unsicher, wie sie einem Inquisitor gegenüber aufzutreten hatte, aber trotzdem ließ sie sich ein warmes Lächeln nicht nehmen.
"Ich habe mich nicht gestört gefühlt, keine Sorge, mein Herr. Ich wäre sowieso bald aufgestanden."
Automatisch übernahm sie die Sprache der Allgemeinen, auch wenn sie sich über den Wandel wunderte.
Dann fiel ihr etwas auf. "Ein Brief?", fragte sie reichlich verwundert und blickte auf die hellblauen Umrisse seiner Hand, die eben mit einem raschelnden Geräusch etwas weggelegt hatte. Sie streckte ihre Finger aus, den Ort suchend, wo eben noch seine Hand verweilt hatte bis sie etwas unvorsichtig gegen eine kühle Schale stieß und sie - beinahe - wieder vom Tisch schlug. Darin befand sich wirklich ein Brief, ihre Hand schloss sich darum. Luci würde ihn ihr wohl vorlesen müssen.


"Ach sagt... dieser köstliche Geruch... wisst ihr zufällig, wo der herkommt? Ich will natürlich nicht ungeduldig sein, doch ich hatte die Hoffnung, vielleicht schon vor dem Essen eine Kleinigkeit bekommen zu können. Ihr müsst wissen, Kadia und ich haben in den letzten Tagen reichlich wenig zu essen gehabt."

Delilah glaubte ihm das aufs Wort, so wie Kadia vorhin über das Essen im Stallzimmer hergefallen war, mussten sie schon sehr lange ohne Nahrung durch den Nebel gewandert sein. Jetzt fiel es ihr erschrocken ein. "Habt ihr vorhin überhaupt etwas gegessen?", fragte sie und beinahe tadelnd mit der Stimme der Heilerin, die einen Patienten zur Bettruhe ermahnt, fügte sie hinzu. "Warum habt ihr nicht schon viel früher etwas gesagt?! Ihr müsst am verhungern sein!" Jetzt reckte sie das kleine Näschen in die Luft, der Duft lockte. "In der Küche bekommt ihr bestimmt etwas."
Ohne zu zögern schloß sie die Tür hinter sich und lief, mit den Fingerspitzen der rechten Hand stets an der Wand, voraus. Den Weg hatte sie sich heute morgen gut eingeprägt, schließlich war es derjenige gewesen, der sie zum Frühstück geführt hatte und so konnte sie leise in Gedanken ihre Hinweise sprechen. 12 Schritte ... der Tierkopf... hier ist eine Teppichkante, also vorsicht... der Bilderrahmen... Sie orientierte sich an Schrittfolgen, an Veränderungen von Tapete, an der Anzahl der Türrahmen an denen sie vorbei kamen... so kam sie beinahe ohne Probleme bis nach unten, stieß nur einmal etwas schmerzhaft mit der Hüfte gegen einen schweren Schrank, mit den Fingerspitzen fuhr sie die Maserungen des Geländers nach. Nun galt es jedoch ein kleines Stück durchs freie zu laufen, deshalb ging sie um einiges bedachter, unter ihren nackten Füßen den Boden und vor sich ausgestreckt den rechten Arm, bis sie wieder ihren Halt fand.
"Wir sind gleich da.", meinte sie zu ihrem neuerkorenen Schützling, egal ob nun Inquisitor oder nicht.
In ihrer linken Hand hielt sie noch immer den Brief.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Dienstag 2. Dezember 2014, 22:10

Bei Gunther und Delilah

Nach Gunthers unfreiwilligem Beinahe-Sturz und dem Lärm den er dabei verbreitet hatte, öffnete sich die Tür hinter ihm und die junge Licht-Magi trat nur in ihrem Unterkleid bekleidet auf den Flur. Das Mieder war gelockert und die langen Bänder hingen offen über ihren langen Unterrock. Der weiche, weiße Stoff verbarg gerade so viel, wie es für sein Verständnis noch gerade so schicklich war. Sie selbst schien sich dieser Tatsache gänzlich unbewusst. Bei ihrem kurzen Wortwechsel konnte er abermals beobachten, wie sie seinen Bewegungen durchaus mit Augen folgte, jedoch jede Orientierung zu verlieren schien, sobald es etwas totes betraf. Er hatte gerade den Brief zurück gelegt, als sie unsicher danach tastete und ihn aber dann aber fand. Sie hatte schon etwas besonderes an sich und ihr Lächeln wirkte so warm und hell wie Lysanthors Segen selbst. Immer wenn dieses Kind ihn anlächelte fühlte er sich seltsam geborgen. Ihre Worte waren ehrlich besorgt, als sie auf das Thema „Essen“ zu sprechen kamen und der Klang ihrer Stimme erinnerte wahrlich an eine Heilerin. Ein wenig herrisch im Unterton, aber voller Fürsorge und Hingabe. Es war als ginge ein Wandel durch die junge Frau. Plötzlich hatte sie eine Aufgabe. Als hätte ihr ganzes Wesen darauf gewartet, breitete sich ihre Presence vor ihm aus und übernahm die Führung. Ihre Lippen zählten lautlos die Schritte, ihre Finger streiften hier und da Wegmarken, aber sie führte ihn zielsicher hinab ins Erdgeschoss und durch drei verwinkelte Gänge. Ihr nackten Füße tapsten dabei vorsichtig über den Boden und er erinnerte sich unter dem umgestürzten Tischchen auch ein paar flache Schuhe gesehen zu haben. In ihrer linken Hand hielt sie die ganze Zeit selbst vergessend den Brief.

Delilahs Seelenfeuer loderte hell auf. Etwas hatte eine Tür in ihre Dunkelheit geöffnet und der Flamme Sauerstoff und damit Nahrung gegeben. Sie hatte eine Aufgabe und sei sie noch so klein. Sie würde diesen Mann füttern, wenn es nötig wäre, aber sie würde sich nicht daran hindern lassen. So einfach und so simpel ihr dieser Gedanke vielleicht auch erscheinen mochte, doch plötzlich war sie zu etwas nütze. Sie konnte jemandem helfen!
Plötzlich waren da Wellen in der Dunkelheit, geboren aus tiefster Finsternis, die an die Oberfläche drängten und mit einem Mal war ihr alles klar. Genau dafür war sie geboren worden … anderen zu helfen! Nichts erfüllte sie mehr, nicht ließ mehr am Leben teil nehmen! Irgendwo unter den schwarzen Fluten ihres dunklen Meeres, tief im Verborgenen, dort kreiste ihre goldenes Seelenfeuer, gleich einem gigantischen Schatten unter dem belebten Spiegelbild ihrer eigenen Stille, wie ein Wal unter dem Meer. Es drängte an die Oberfläche, doch ein winziges Zögern hielt es zurück. Hatte sie verstanden, ihre Seelenfeuer, ihren Seelendrachen zu bändigen? Wenn Verano etwas in dieses unschuldige Herz gepflanzt hatte, dann war es Zweifel. War das vielleicht Sinn und Zweck seines Wirkens gewesen? Zweifel zu sähen, wo wilde Unvernunft die Triebe steuerte, auch wenn der Trieb die reine Lust zu helfen war? Delilah war noch jung, aber hatte sie aus all dem was geschehen war etwas gelernt? Der Funke war zur kleinen Flamme erwacht und nun bekam sie Nahrung. Hungrig nach Bestätigung, nach dem Gefühl etwas Gutes für jemanden anderen zu tun, steuerte ihr ganzes Sein sie dem süßen Geruch entgegen.

Der Duft nach frischem Backwerk war schon fast unerträglich geworden und Gunther lief unwillkürlich das Wasser im Munde zusammen. Er musste auf dem Weg mehrfach schlucken. Als Delilah dann vor einer Tür hielt und ihn über die halbnackte Schulter hinweg anlächelte, hätte er schwören können, dass es durch die schmalen Spalten des Rahmens hell leuchtete.
„Wir sind gleich da.“
Die Tür schwang auf und gab den Blick auf eine geräumige Küche frei. Aus Schüsseln stieg Dampf, die Öfen glühten und auf den Herdfeuern brodelten glänzende Töpfe. Kochlöffel rührten, Messer schnitten und Teigklumpen rollten über die Anrichte. Aus einem gewaltiger Kaminabzug in der Mitte des Raumes war das leise Rauschen des Windes zu hören und das Geschirr klirrte in den Schränken. Körbe mit Äpfeln, Kartoffeln und Wintergemüse standen bereit. Backobst, Marmeladen und Zuckerwerk standen herum und an einer Seite des Raumes türmten sich schon erste fertige Kreationen auf einem mehrstöckigen Servierwagen. Auf der anderen Seite des Raumes gab es hinter mehreren offenen Bögen einen kleinen Speiseraum, wohl für das Personal. Was Gunther vielleicht als merkwürdig empfinden mochte, war, dass weit und breit keine Person zu sehen war. Alles bewegte sich von allein und bis auf das Klingen der Töpfe war auch sonst nichts zu hören. Etwas merkwürdig war es schon und noch ein Detail fing sein geschulter Blick auf. Vor den Arbeitsflächen standen überall kleine Tritthocker.

Delilah ließ dem Inquisitor hier sicher gern den Vortritt, denn für gewöhnlich standen hier viele, auch manchmal scharfkantige Dinge herum, um die Luci sie immer herum gelotst hatte. Außerdem hörte sie nur zu deutlich, dass hier eifriger Betrieb herrschte. Als sie dann hinter ihm den Raum betrat, sah sie eine kleine Gestalt. Drei Käse hoch, wie man so sagte und dürr wie ein Zweig, hopste die strahlende Aura aus hellblauen Funken umher und bei genauerem Hinsehen zog sie dabei einen goldenen Schweif hinter sich her. 1,40 klein, aber flink wie ein Wiesel huschte sie merkwürdig auf und nieder hopsend umher und verbreitete ihren Staub. Delilah hörte ein leises Summen, so wie ihre Moma Resa es immer getan hatte, wenn sie beim Kochen die Welt um sich herum vergaß. Und wirklich, es war das gleiche Lied!
"Wenn der holde Frühling lenzt
und man sich mit Veilchen kränzt,
wenn man sich mit frohem Mut
Schnittlauch an sein Rührei tut,
wachsen in des Menschen Säfte
neue, unbekannte Kräfte.
Jegliche Verstopfung weicht.
Alle Herzen werden leicht.
Nur das meine fragt sich still:
"Ob mich dies Jahr wohl einer will?"
Selbst die leise knarrende Stimme hatte etwas Vertrautes an sich. Dann wurde es plötzlich still und die kleine Gestalt blieb wie versteinert stehen.
„Oh ...“
Die Aura machte einen kleinen Sprung nach unten und näherte sich den beiden. Sehen und hören konnte nur Delilah das Phänomen, doch Gunther bemerkte, dass plötzlich alles still stand.
„Wo bleiben nur meine Manieren! Entschuldige mein Kind! Mein Name ist Rukulla. Deinen kenne ich schon. Die bist die kleine Delilah, stimmt's? Ich freue mich so dich endlich persönlich zu treffen… und deinen neuen Freund hast du auch mitgebracht, sehr praktisch. Sehr schön! Kommt nur herein.“
Die funkelnde Aura streckte ihr die Hand entgegen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Montag 8. Dezember 2014, 19:07

Die junge Frau war für Gunthers Geschmack viel zu kühl gekleidet, um in dieser Jahreszeit so herumzulaufen. Nicht ein einziger abwegiger Gedanke keimte in ihm auf, während er die hübsche junge Frau vor sich, die nur leicht bekleidet war, betrachtete. Der Inquisitor war einfach zu sehr Inquisitor, um auf solche Gedanken überhaupt zu kommen. Jedoch bemerkte er, dass sie ernsthaft besorgt um ihn schien. Fast wie eine Mutter, die ihrem Kind unter allen Umständen helfen musste, befahl sie, dass er ihr in die Küche folgen solle. Der alte Mann schmunzelte ob der Selbstsicherheit, die dieses Mädchen in diesem Moment ausstrahlte. Er lies sie gewähren, denn er war sich sicher, dass sie reinen Gewissens und guten Herzens war. Und sie brauchte eine Aufgabe… das wurde mehr als deutlich.

Weiterhin bemerkte sein geschultes Auge, dass sie nur Richtungen und Bewegungen von Personen nachvollziehen konnte, jedoch keinerlei unbelebte Gegenstände zu erkennen vermochte. Während sie sich barfuß und im Nachthemd durch die Flure tastete, folgte er ihr schweigend, auch wenn er am liebsten ermahnend erwähnt hätte, dass sie sich zumindest ihre Schuhe anziehen solle. Doch er ließ es bleiben… das Mädchen hatte etwas zu tun und das allein schien ihr zu genügen. Und dabei beließ es der Inquisitor auch.

Der Duft nach frischem Backwerk war schon fast unerträglich geworden und Gunther lief unwillkürlich das Wasser im Munde zusammen. Er musste auf dem Weg mehrfach schlucken. Als Delilah dann vor einer Tür hielt und ihn über die halbnackte Schulter hinweg anlächelte, hätte er schwören können, dass es durch die schmalen Spalten des Rahmens hell leuchtete.
„Wir sind gleich da.“

Die Tür schwang auf und gab den Blick auf eine geräumige Küche frei. Aus Schüsseln stieg Dampf, die Öfen glühten und auf den Herdfeuern brodelten glänzende Töpfe. Kochlöffel rührten, Messer schnitten und Teigklumpen rollten über die Anrichte. Aus einem gewaltiger Kaminabzug in der Mitte des Raumes war das leise Rauschen des Windes zu hören und das Geschirr klirrte in den Schränken. Körbe mit Äpfeln, Kartoffeln und Wintergemüse standen bereit. Backobst, Marmeladen und Zuckerwerk standen herum und an einer Seite des Raumes türmten sich schon erste fertige Kreationen auf einem mehrstöckigen Servierwagen. Gunther lief bei diesem Anblick noch mehr das Wasser im Mund zusammen, doch er beherrschte sich, denn etwas erregte seine Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite des Raumes gab es hinter mehreren offenen Bögen einen kleinen Speiseraum, wohl für das Personal. Alles bewegte sich von allein und bis auf das Klingen der Töpfe war auch sonst nichts zu hören. Etwas merkwürdig war es schon und noch ein Detail fing sein geschulter Blick auf. Vor den Arbeitsflächen standen überall kleine Tritthocker.

Was ist das hier? … Geistermagie! Das komplette Anwesen scheint damit zu funktionieren. Das erklärt natürlich auch, warum der Graf keine Bediensteten benötigt, um die Gärten oder Ställe zu bewirtschaften. Aber kann man diesen Geistern auch wirklich allen trauen?....

Gunthers Misstrauen und Skepsis äußerte sich auch in seinem Blick. Er beobachtete jede Bewegung in der Küche ganz genau mit ernster Miene und hielt zu den scheinbar von allein fliegenden Messern gebührenden Sicherheitsabstand.
Er trat näher an Delilah heran und legte ihr einen Arm um die Schulter, um sie weiter in die Küche herein und um einige der Hocker herum zu führen.
„Vorsicht, Fräulein Delilah.“ „Achtung… kommt hier entlang…“ und „Nein lieber nicht dort…“ waren die Bemerkungen, die er ihr zuflüsterte, während er sie um Hocker, Tischkanten und scharfkantige Gegenstände herum führte. Er war unverhofft sanft und liebevoll, wirkte wie ein Großvater der seinem Enkelkind mit Freude und voller Wonne bei den ersten Gehversuchen hilft. Warum er flüsterte konnte er nicht genau sagen, doch vermutlich war seine antrainierte Skepsis so groß, dass er keinem der geisterhaften Wesen im Raum traute und sie auch nicht an der Konversation mit der jungen Frau beteiligen wollte.

„Soll ich euch vielleicht lieber den Brief abnehmen? Ich schwöre euch, ihn nur zu verwahren. Ich werde ihn nicht öffnen… doch ich kann ihn zumindest in die Tasche meines Mantels stecken. Ihr seid ja eher…. leicht bekleidet…“, versuchte er ihre momentane Kleidung mit einem Räuspern zu umschreiben.

Plötzlich hielten alle Gegenstände wie auf ein Kommando hin in der Bewegung inne und schienen zu erstarren. Delilah konnte spüren, dass Gunthers Anspannung in diesem Moment stieg, denn der Griff um ihre Schulter wurde etwas kräftiger, auch wenn er darauf achtete, sie nicht zu verletzen.

„Irgendetwas scheint passiert zu sein… vielleicht sollten wir lieber wieder gehen. Ich kann wirklich bis zum Essen warten…“ Die junge Frau musste heraushören, dass ihm all das hier definitiv nicht geheuer war.

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