Zwischen Jersa und Rugta

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Montag 20. Oktober 2014, 20:50

Während des Gespräches mit dem Grafen, schien dieser immer wieder abgelenkt zu werden. Sein Blick glitt in Raumecken, als ob dort ein zweiter Gesprächspartner stand mit dem er Konversation betrieb. Gunther fiel diese Eigenart sofort auf, doch zunächst sagte er nichts dazu. Stattdessen folgte er den Blicken Veranos so deutlich, dass dem Grafen auffallen musste, das der Inquisitor diesen Wesenszug bemerkt hatte.
Auch das Gemälde, dass Verano studierte, fing sich eine eingehende Untersuchung des geschulten Inquisitorblickes ein. Die grauen Augen beachteten die nackte Haut, die prallen Kurven und die laszive Haltung nicht im Geringsten. Vielmehr die Augen der gemalten Frau und deren Gesicht versuchte der Inquisitor einzuordnen. Die Frau schien ebenfalls blind zu sein, so wie die junge Frau die Gunther in den Gärten kennengelernt hatte, und die laut allen Aussagen ebenfalls nur Gast in diesem Haus war.
Was geht hier nur vor sich? Ist sie nur Gast, oder mehr? Dann stellte sich Gunther eine Frage, die er sich seiner Meinung nach schon viel früher hätte stellen müssen.
Ist sie freiwillig "Gast"? Ein Hauch von Skepsis trat in seinen Blick, während er weiter das Portrait der fast nackten Frau betrachtete. Während er im Gegensatz zu seinem Gastgeber still und gerade an einem Fleck stand, sah er auch aus den Fenstern. Die milchigen Scheiben ließen nicht zu, eindeutig zu erkennen, was draußen vor sich ging, doch der alte Ritter schien zu vermuten, dass der Nebel wieder aufgezogen war.
Eigenartig... So als wollte der Nebel, dass wir dieses Anwesen finden. Und als ich dem Grafen schilderte, dass wir es mit Hilfe der weißen Steine gefunden haben, schmunzelte er, ganz so als ob er wissen würde, dass dies scheinbar nicht alles war. Wer ist dieser Mann, und was geht hier vor sich?

Er hörte Graf Milagros aufmerksam zu, doch einige seiner Äußerungen riefen auf Gunthers Gesicht offensichtlich Misstrauen hervor. Am allermeisten die Aussagen darüber, dass dieses Anwesen "in normalen Zeiten" keinen Schutz benötigte und das der Graf trotz fehlender Wachen dennoch ein bis zwei Tage für ihren Schutz sorgen konnte. In die alten und schwach werdenden Augen des ehemaligen Templers schlich sich jetzt wieder ein erbarmungsloser Schimmer, gepaart mit Skepsis und Argwohn ein. Das der Graf dann auch noch seine Verbände offenbarte und Gunther bat, sich um Fräulein Delilah zu kümmern, verbesserte diesen Umstand keineswegs. Im Gegenteil... Der Umstand, dass Milagros nicht um Hilfe für sich selbst bat und der Meinung war, er würde sich binnen kürzester Zeit schon von allein erholen, lies alle Alarmglocken im Geist des lysanthortreuen Mannes läuten.

Während des Gespräches sagte Gunther kein einziges Wort. Die Einladung zum Essen und zu einem erneuten späteren Treffen in diesem Raum quittierte er mit einem höflichen und dankbaren Nicken. Auf die Bitte hin, er möge des Grafen Verletzungen nicht erwähnen und sich der blinden Frau annehmen, reagierte er vorerst nach außen hin gar nicht. Warum auch, denn er hatte den Eindruck, dass Verano keine wirkliche Antwort erwartete.

Was soll das Ganze? Es scheint, als läge ihm sehr viel an diesem blinden Mädchen. Doch warum? Warum ist sie hier, und wieso ist hier alles so merkwürdig?
Dieses Gefühl der "Merkwürdigkeit" hatte Gunther schon, seit sie die Gärten betreten hatten. Alles an diesem Anwesen, die Wände, die Bilder, der Garten, ja selbst der Sessel in dem er gesessen hatte, schienen von einer Art mystischem Geheimnis umwoben zu sein. Fremde Wanderer die zufällig hier her kommen könnten, würden dies sicherlich aufregend und auf romantische Art wunderschön finden... nicht jedoch der Inquisitor. Alles was er dabei empfand war Unglaube, Zweifel, Misstrauen und Argwohn. Am Anfang hatte er es auf Paranoia geschoben, dann auf seine Schwäche durch die Entbehrungen der Reise, doch mittlerweile lies sich dieser Verdacht nicht mehr in die hintersten Ecken seines Verstandes drängen. Mittlerweile war er sicher, dass mit diesem Anwesen, und auch mit dessen Herren, etwas ganz gewaltig nicht stimmte. Und genau das war es auch, was ihn dazu bewog, den Grafen nach dessen Verabschiedung nicht einfach wortlos durch die Wand verschwinden zu lassen. Kurz bevor sich Verano durch die versteckte Tür zurückziehen konnte, räusperte sich der alte Ritter. Ein Geräusch, das weder versehentlich noch ohne Bedeutung sein konnte.

"Graf Milagros?" Gunthers Stimme klang nicht fragend. Sie war fest und bestimmend, doch nicht drohend. Der Hausherr hielt in der Bewegung inne und drehte sich noch einmal zu seinem neuen Gast um.

"Ich frage gar nicht erst, warum ihr zwar einen heilkundigen Magier für das Fräulein Delilah erbittet, doch nicht für eure Verletzungen, obwohl sie schwerwiegender sind. Doch eine Frage muss ich euch dennoch stellen. Und da ihr bereit seid, uns eure Gastfreundschaft zu gewähren, erinnere ich euch auch daran, dass jemand wie ich..." Es war mehr als deutlich, was genau Gunther damit meinte, "... derartige Fragen nicht aus trivialen Gründen stellt."

Er er sah dem Grafen noch einmal fest in die Augen, als wolle er prüfen, ob dieser irgendeine Art verräterischen Zeichens von sich gäbe.

"Welcher Art ist der Schutz eures Anwesens und damit auch der unsere, mit dem ihr meine Begleitung, eure Bediensteten, das Fräulein Delilah und nicht zuletzt auch mich, vor dem drohenden Dunkel, das sich im Nebel ausbreitet, schützen wollt?"

Mit festem Blick wartete der alte Ritter auf eine Antwort. Er hatte sich weder von den Stimmungen des Grafen, die er aufgeschnappt hatte, noch von diesem Anwesen einschüchtern lassen und auch jetzt schien es nicht so, als würde er vor diesem mysteriösen und geheimnisvollen Mann Angst haben.
Allerdings war seine Frage mit Respekt gestellt, denn selbst wenn er alles hier höchst verdächtig fand, wusste er immer noch zu schätzen, dass Kadia und er aufgenommen und bewirtet wurden.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. Oktober 2014, 17:49

"Graf Milagros?"
Der Hausherr hielt in der Bewegung inne und drehte sich noch einmal zu seinem neuen Gast um.
"Ich frage gar nicht erst, warum ihr zwar einen heilkundigen Magier für das Fräulein Delilah erbittet, doch nicht für eure Verletzungen, obwohl sie schwerwiegender sind. Doch eine Frage muss ich euch dennoch stellen. Und da ihr bereit seid, uns eure Gastfreundschaft zu gewähren, erinnere ich euch auch daran, dass jemand wie ich..."
Es war mehr als deutlich, was genau Gunther damit meinte,
"... derartige Fragen nicht aus trivialen Gründen stellt."
Er er sah dem Grafen noch einmal fest in die Augen, als wolle er prüfen, ob dieser irgendeine Art verräterischen Zeichens von sich gäbe.
"Welcher Art ist der Schutz eures Anwesens und damit auch der unsere, mit dem ihr meine Begleitung, eure Bediensteten, das Fräulein Delilah und nicht zuletzt auch mich, vor dem drohenden Dunkel, das sich im Nebel ausbreitet, schützen wollt?"
Mit festem Blick wartete der alte Ritter auf eine Antwort. Seine Frage war mit Respekt gestellt worden, denn selbst wenn er alles hier höchst verdächtig fand, wusste er immer noch zu schätzen, dass Kadia und er aufgenommen und bewirtet wurden. So hatte man schließlich als Gast nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Wie zum Beispiel im Falle eines Angriffs, das Haus des Gastgebers nach Kräften zu verteidigen. Um so logischer war seine Frage gewesen, zumal sich der Graf nicht sehr deutlich ausgedrückt hatte.
Als Inquisitor war seine anerzogene und aus trainierte Neugierde schon mit dem ersten weißen Stein entfacht worden. Jetzt gipfelte sie in jenem Moment, in dem sich Hausherr und Gast gegenüber standen und mit Blicken taxierten. Hier stand ein Graf der mit anscheinend mit sich rang, sich von einem Pelgarischen Würdenträger Lysanthors ausfragen zu lassen, oder sich schlicht den veränderten, nicht sehr rosigen Umständen anzupassen und dort ein Inquisitor, gebeutelt durch ein schweres Schicksal, misstrauisch, voreingenommen durch die Umstände und doch durch und durch treu in seinem Glauben.
Verano trat zurück in den Raum und atmete hörbar durch. Für einen winzigen Moment mochte er sich anhören, wie der alte Mann, der dem Kind die Welt erklärt und vielleicht steckte dort in diesem jungen Körper auch ein alter Geist. Jedoch sprach er ruhig und ohne das geringste Zeichen von Überheblichkeit, Fehl oder Lüge. Er sah sein Gegenüber gerade und offen in die Augen. Äußerst sachlich fasste er zusammen:
„Noch nie wurde eine Frage aus trivialen Gründen gestellt. Trotzdem fragt ihr nach sehr privaten Dingen und doch wieder nicht. Ich sehe euren Wissensdurst wie einen Mantel der euch umgibt und doch wisst ihr schon die Antwort.“
Er stützte sich auf seinen Schreibtisch und dann wurde es wirklich „merkwürdig“!
Neben seiner Hand erhob sich ein Federkiel und schwebte über die lederne Schreibunterlage. Ohne Tinte kratzte die metallene Feder einen Satz in die teure Oberfläche. Gunther konnte auch ohne Sehhilfe deutlich ein paar krakelige, große Buchstaben erkennen.
## ERZÄHL ES IHM.##
Die Feder setzte ab und wanderte eine Zeile tiefer.
##ER IST EIN GUTER MENSCH.##
Verano starrte selbst ein paar Herzschläge lang auf seinen Tisch und sah dann Gunther durchdringend an. Auch Gunther musste sich vielleicht erst einen Augenblick sammeln.
„Da lest ihr es selbst, was ich mir anhören muss. Ich soll euch vertrauen. Glaubt mir, auch mir fällt das schwer.“
Er richtete sich wieder zu voller Größe auf und sah so etwas auf den älteren Mann herab. Dann ließ er wie ein ertappter Schuljunge die Schultern fallen und ergab sich, wem auch immer.
„Die Antwort auf eure „ungestellte“ Frage ist, dass ich bei weitem nicht so schwer verletzt bin, wie ihr vielleicht annehmt. Ihr könnt euch gerne überzeugen. Ein Verband mag von außen immer furchtbar aussehen, doch sind es oft die tiefer liegenden Wunden die uns zerbrechen.“
Er war langsam auf Gunther zu gegangen und hatte dabei einen Handschuh ausgezogen. Die Haut seiner Hand wirkte trotz der weißen Paste gerötet und rissig. Trotzdem war es auf den ersten Blick anscheinend wirklich nur so etwas wie eine oberflächliche Verbrühung. Als erfahrener Heiler erkannte er vielleicht sogar den Duft einiger Kräuter.
„Was eure gestellte Frage angeht, so könnt ihr euch sicher meine Antwort denken. Besonders, da wir eine gemeinsame Freundin haben. Eine sehr kleine Freundin.“
Wieder glitt sein Blick an Gunther vorbei, als würde direkt neben ihm jemand stehen.
„Um das unausgesprochene auszusprechen … Meine Berufung ist die Geistermagie und es sind Jene die diesen Ort beschützen.“
Verano zog ein wenig besorgt die Brauen in die Höhe. Vielleicht vermutete er ein stärkere Regung des Inquisitors, aber dieser ließ sich bestimmt nicht aus der Ruhe bringen.
„Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, so kann ich euch nur erneut um Geduld bitten, auf unser späteres Gespräch vertrösten und bitte auch diesen meinen Wunsch zu respektieren, da meine Verbände regelmäßig gewechselt werden müssen und bereits jetzt zu jucken beginnen.“
Sein Blick war erst ernster, dann etwas leidend geworden. Er zog seinen Handschuh wieder über und griff dann nach einem Band an der Wand. Er zog daran und kaum zwei Atemzüge später öffnete Neroli die Tür.
„Unser Gast wünscht jetzt sein Zimmer zu sehen. Bringen sie ihn bitte hinauf und lassen sie ein Bad ein. Er und seine Begleiterin werden heute Abend im kleinen Saal speisen. Wenn Fräulein Delilah es wünscht, decken sie bitte für sie mit.“
Er wandte sich wieder dem Inquisitor zu.
„Bis heute Abend also.“
Dieses Mal blieb er stehen und wartete darauf, dass Gunther von sich aus den Raum verließ.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Freitag 24. Oktober 2014, 14:55

Baltos kommt von: Verloren im Nebel

„Wir sind bald da!“
Er war zusammen mit Nanuq dem Pfad, dem ihn die weißen Steine zeigten gefolgt. Verloren im Nebel hatte er nicht nur seine Orientierung, sondern auch sein Zeitgefühl verloren. War es einmal hell und wieder dunkel geworden oder täuschten ihn seine Sinne? Die Zeit zog sich endlos in die Länge und einzig die weißen Steine führten seinen Geist und Körper. Irgendwann hatte er bei den Steinen auch eine kreuzende Fährte gefunden. Sie war mindestens eine Nacht alt. Ein Trupp von 20 bis 30 Mann war hier durchgekommen. Ganz sicher konnte er sich nicht sein, da die gewaltigen Abdrücke übereinander lagen, als wären sie alle dicht in einer Reihe gegangen. Die Füße waren ohne Schuhe, enorm groß und irgendwie unförmig. Ein solches Wesen hatte er sicher noch nicht gesehen. Nur zwei oder drei andere Spuren fand der kundige Leser. Es mussten noch Berittene dabei gewesen sein, die aber den Trupp anführten. Kurz war Baltos sicher geneigt dem Tross zu folgen, doch die weißen Steine zeigten eine andere Richtung an. Eine Richtung in der der Nebel immer undurchdringlicher wurde. Er ging weiter und ließ sich nicht beirren, bis er auf die Spuren eines Pferdes und zweier Menschen stieß. Die einen waren kleiner und leichter, vermutlich die einer Frau. Die anderen waren tief und kantig von Stiefeln in den weichen Boden gedrückt worden. Sie waren vor noch wenigen Stunden ebenfalls den kleinen Hinweisen des Waldes gefolgt.

Mit einem mal lichtete sich der Nebel und Baltos trat ins Helle. Für einen Moment blieb er stehen und ließ die Umgebung auf sich wirken. Die Natur hatte sich ihr Recht genommen und den einstig wunderschönen Garten zurück erobert. Nicht weit von ihm stand eine halb verfallene Statur in einem kleinen See voller Seerosen. Ihr Körper musste einst der Inbegriff von weiblicher Schönheit gewesen sein, doch heute sah der einäugige Jäger nur noch einen halben Rumpf, eine eine einzelne Brust und der gesamte obere Rest war abgebrochen. Blätter wehten über einen halb von Moos bedeckten Weg der durch den wilden Garten führte. Nanuq nieste einmal heftig und folgte seinem Freund dann ebenfalls neugierig geworden. Sie kamen an einem verfallenen Pavillon vorbei. Auch die Spuren der beiden Anderen und des Pferdes führten hier entlang und gesellten sich zu zwei weiteren. Die beiden neuen Fußabdrücke waren ebenfalls sehr klein, beschuht und leicht. Sehr alt waren sie nicht, ganz so, als wären sie vor weniger als einer Stunde hier entlang gegangen. Die flexiblen Gräser hatten sich noch nicht wieder aufgerichtet. Als er sich von seiner Untersuchung wieder erhob sah er durch die Wand aus wildem Efeu das Anwesen.
Der rechte Flügel glich einer Ruine. Zerfallenes Mauerwerk ragte wie die Zähne einer alten Frau aus dem Untergrund. Dort konnten nur sehr wenige Räume wirklich erhalten geblieben sein. Der linke Flügel war noch recht gut in Schuss gehalten worden und zeugte von Liebe zum Detail. Das weiße Mauerwerk war zwar fast vollständig von Ranken überwuchert worden, doch die einstige Pracht schien noch durch den Blättermantel hindurch. Ein paar Kristallglasfenster funkelten sogar hier im sanften Sonnenlicht. Der Weg führte näher an das Haus heran und Baltos beobachtete seine Umgebung genaustens. Eine kleine Eidechse huschte vor ihn über dem Pfad, Nanuq brummte erschrocken und riss die Vorderpranken hoch. Der Bär hatte noch nie ein solches Tier gesehen. Neugierig wollte er dem kleinen Wesen folgen, doch Baltos hielt ihn zurück. Sie sollten zusammen bleiben. Sie umrundeten den linken Flügel und kamen auf den Vorplatz des Anwesen. Ein zweiter Weg der sich schnell zwischen den Nebelbäumen verlor, kam hier aus dem Wald, bildete eine Schlaufe, geformt wie eine Träne und schloss sich in sich selbst. An seiner engsten Stelle stand ein altes Stallhaus mit einem erleuchteten Fenster. Ein paar Stufen führten zur Tür des Anwesens hinauf, die halb offen stand. Nanuqs Ohren waren auf den Stall gerichtet und seine Nase witterte.
„Menschen und Pferde … lecker!“
Auch der Eisbär hatte nach seinem letzten Mahl keine Zeit gehabt sich sein Fell sauber zu lecken und so mussten die beiden mit ihren von Blut verschmierten Gesichtern ein äußerst gruseliges Bild abgeben.

(ooc: Baltos befindet sich mit Nanuq auf dem Vorplatz, Delilah und Kadia im Stallhaus und Gunther mit dem Grafen im Anwesen. Der Vorplatz ist von allen anderen Seiten gut einsichtig.)
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Samstag 25. Oktober 2014, 21:30

„Noch nie wurde eine Frage aus trivialen Gründen gestellt. Trotzdem fragt ihr nach sehr privaten Dingen und doch wieder nicht. Ich sehe euren Wissensdurst wie einen Mantel der euch umgibt und doch wisst ihr schon die Antwort.“
Er stützte sich auf seinen Schreibtisch und dann wurde es wirklich „merkwürdig“!
Neben seiner Hand erhob sich ein Federkiel und schwebte über die lederne Schreibunterlage.
Magie... ich wusste es! Sei nicht zu voreilig, alter Mann. Nicht alles, was nicht der Kirche selbst entspringt, ist wirklich böse...
Gunther versuchte zwar sich selbst zu ermahnen, seinen Vorurteilen und Zweifeln weniger Platz einzuräumen, doch was ihn wirklich überzeugte, waren nicht etwa seine eigenen inneren Monologe, sondern das, was dann geschah.
Ohne Tinte kratzte die metallene Feder einen Satz in die teure Oberfläche. Gunther konnte auch ohne Sehhilfe deutlich ein paar krakelige, große Buchstaben erkennen.
ERZÄHL ES IHM.
Die Feder setzte ab und wanderte eine Zeile tiefer.
ER IST EIN GUTER MENSCH.
Verano starrte selbst ein paar Herzschläge lang auf seinen Tisch und sah dann Gunther durchdringend an.

„Da lest ihr es selbst, was ich mir anhören muss. Ich soll euch vertrauen. Glaubt mir, auch mir fällt das schwer.“

Gunther brauchte einen Moment, um zu verstehen, was gerade geschehen war. Im ersten Moment hatte er gedacht, das Schweben der Feder und die erschienen Worte seien wieder eine Art von Tagtraum gewesen, ähnlich der Traumvision, die er im Nebel hatte. Er hielt die geschriebenen Worte auf der Tischplatte die ersten zwei oder drei Sekunden für eine Nachricht an sich selbst. Erst als der Graf sprach, und damit verdeutlichte, dass er sie auch sah und sie für eine Nachricht an sich interpretierte, begann Gunther zu verstehen.

Der Graf wirkte immer noch hin- und hergerissen, doch er fuhr fort:
„Die Antwort auf eure „ungestellte“ Frage ist, dass ich bei weitem nicht so schwer verletzt bin, wie ihr vielleicht annehmt. Ihr könnt euch gerne überzeugen. Ein Verband mag von außen immer furchtbar aussehen, doch sind es oft die tiefer liegenden Wunden die uns zerbrechen.“
Er war langsam auf Gunther zu gegangen und hatte dabei einen Handschuh ausgezogen. Die Haut seiner Hand wirkte trotz der weißen Paste gerötet und rissig. Trotzdem war es auf den ersten Blick anscheinend wirklich nur so etwas wie eine oberflächliche Verbrühung.

Der Blick des Inquisitors ruhte nur kurz auf den Wunden und wechselte dann sofort wieder zu den Augen seines Gegenübers.
Dann Frage ich mich doch... wenn es die tiefer liegenden Wunden sind, die ihm Sorgen machen, warum soll ich mich dann um das Fräulein Delilah kümmern? Sie schien nicht verletzt... ist sie also innerlich verwundet? Moment! Ist das vielleicht auch der Grund, warum sie an einem Ort wie diesem ist?

„Was eure gestellte Frage angeht, so könnt ihr euch sicher meine Antwort denken. Besonders, da wir eine gemeinsame Freundin haben. Eine sehr kleine Freundin.“ erklärte Verano weiter.
Der Graf hätte dies eigentlich gar nicht mehr aussprechen müssen, denn in dem Moment, in dem die Feder begann zu schweben, war sich Gunther dessen schon fast sicher gewesen. Er folgte dem Blick des Grafen und begann jetzt sogar ein wenig zu Lächeln.

„Um das unausgesprochene auszusprechen … Meine Berufung ist die Geistermagie und es sind Jene die diesen Ort beschützen.“

Noch immer matt lächelnd, nickte der alte Ritter verstehend. Er betrachtete die Geistermagie zwar nicht als "lysanthortreue Magie", doch er wusste, dass dieser Geist ihn und Kadia hier her geführt hatte. Doch wer hatte den Geist auf die beiden aufmerksam gemacht? Er blickte in die Flammen des Kamins... die Flammen spiegelten sich in seinen alten Augen. Der goldene Schimmer lies seine Falten noch tiefer und sein Gesicht noch kantiger wirken, während er Lysanthor innerlich dafür dankte, dass ER ihn und das Mädchen gerettet hatte.

„Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, so kann ich euch nur erneut um Geduld bitten, auf unser späteres Gespräch vertrösten und bitte auch diesen meinen Wunsch zu respektieren, da meine Verbände regelmäßig gewechselt werden müssen und bereits jetzt zu jucken beginnen.“

"Ich verstehe. Nun Graf Milagros, ich muss mich wohl bei euch für eure Offenheit bedanken... und auch dafür, dass ihr uns gerettet habt." Den letzten Teil des Satzes sagte er so, als ob er nicht nur für den Grafen bestimmt war, sondern vielleicht auch für noch jemandem im Raum.
"Ich hoffe ihr erholt euch schnell. Ich danke euch auch für eure Gastfreundschaft und lasse euch nun allein. Wir sehen uns dann nach dem Essen." erwiderte der Inquisitor und verbeugte sich höflich vor dem Hausherren.

Veranos war erst ernster, dann etwas leidend geworden. Er zog seinen Handschuh wieder über und griff dann nach einem Band an der Wand. Er zog daran und kaum zwei Atemzüge später öffnete Neroli die Tür.
„Unser Gast wünscht jetzt sein Zimmer zu sehen. Bringen sie ihn bitte hinauf und lassen sie ein Bad ein. Er und seine Begleiterin werden heute Abend im kleinen Saal speisen. Wenn Fräulein Delilah es wünscht, decken sie bitte für sie mit.“
Er wandte sich wieder dem Inquisitor zu.
„Bis heute Abend also.“

Neroli führte den Inquisitor aus dem Arbeitszimmer heraus und zurück die Eingangshalle. Während er der Dienerin folgte, hing Gunther seinen Gedanken nach. Das der Graf so besorgt darauf reagiert hatte, dass das dunkle Volk im Nebel lauerte, bestärkte den ehemaligen Templer nur in seiner Wachsamkeit. Selbst wenn irgendwelche Geister das Anwesen verbergen konnten, so war es für Gunther nur eine Frage der Zeit, bis sie gefunden werden würden. Er begann im Geiste bereits, Maßnahmen zur Verteidigung zu ergreifen. An jeder Tür, an der sie vorbeikamen, sah er sich um, in welche Richtung sie geöffnet wurde und welche Möbelstücke man benutzen konnte, um sie zu verbarrikadieren. Jedes Fenster schien eine Gefahr darzustellen, denn Pfeile oder Bolzen konnten sie nicht aufhalten.

Nerolis Schritt war straff, und der alte Mann hatte Mühe, ihr zu folgen, doch lies er sich dies nicht anmerken. Er mochte zwar dem Grafen vertrauen, nicht jedoch ihr.
Als sie durch die Eingangshalle schritten, glitt Gunthers Blick zur noch geöffneten Flügeltür.
Offene Türen... das sollten wir als erstes vermeiden, wenn wir überleben wollen. Halt... sind das? Spuren? Die waren doch vorhin noch nicht da...

Der Inquisitor blieb stehen. Neroli drehte sich fragend und scheinbar etwas entnervt zu ihm um, doch er ignorierte sie vorerst. Langsam näherte er sich der Tür. Sein jahrelanger, im Kampf geschulter Instinkt trieb ihn zu dieser Entscheidung. Es waren keine Huf- oder Stiefelabdrücke, die ihn irritierten. In dem kleinen Flecken Gras, den er von hier aus erkennen konnte, sah er die Spuren eines viel größeren Tieres.

Als er die Tür erreicht hatte, war er bereits darauf gefasst, allem möglichen zu begegnen. Er öffnete sie weiter und was er sah, lies sein Herz einen Schlag lang aussetzen.
Herr steh uns bei...

"Holt den Grafen, schnell!" rief er Neroli durch die Halle hinzu. Sein Tonfall war nun nicht mehr höflich oder der Etiquette entsprechend. Dies war ein Befehl, einer von der Sorte, die man lieber nicht ignorieren sollte. Ohne auf ihre Reaktion zu warten, trat er aus der Tür hinaus auf das zu, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Auf dem Vorplatz des Anwesens waren "Besucher", die scheinbar nicht nur auf Gastfreundschaft aus waren. Ein gewaltiger Bär, verdreckt und durchnässt, und ein ebenso gewaltiger Mann standen dort. Beide waren über und über mit Blut befleckt. Gunther konnte den Geruch des Todes selbst an der Tür wahrnehmen. Und das schlimmste an allem war: Diese Bestie starrte in Richtung des Stalles. Dort wo Kadia und Delilah warteten.
Ich flehe dich an Herr, lass sie wohl auf sein!

Er durfte nicht zulassen, dass den unschuldigen Mädchen etwas zustieß. Der Inquisitor, selbst noch müde und entkräftet, verdreckt und zerschunden, trat aus dem Schatten der Tür heraus. Das wenige Licht der Sonne funkelte auf seiner Rüstung. Seine Hand lag auf dem Griff seines Schwertes, bereit, die Gerechtigkeit Lysanthors durch diese Waffe zu verbreiten. Der Mann auf dem Hof war mindestens einen ganzen Kopf größer als er selbst, ganz zu schweigen davon, dass dieser Hüne selbst ohne Rüstung wahrscheinlich auch schwerer war als Gunther mit seinem metallenen Schutz. Dass er dazu noch diese monströse und starke Bestie von einem Bären bei sich hatte, machte die Sache noch gefährlicher. Gunther wusste wohl, dass er einen Kampf mit diesen beiden Gegner niemals gewinnen konnte... und dennoch! Er ging erhobenen Hauptes die Stufen hinab, den Blick ohne Furcht auf den Mann vor ihm gerichtet. Er musste alles tun, um die Frauen im Stall zu retten. Vielleicht konnte er zumindest genügend Zeit gewinnen, damit sie fliehen konnten.

"HALT!" donnerte er mit einer Inbrunst in der Stimme, die man einem Mann seines Alters niemals zugetraut hätte. Bereits jetzt versuchte er etwaige Schwachstellen an seinen Gegnern zu suchen. Der Hüne vor ihm hatte zwar riesige Muskeln und schien kräftiger als jeder Mann zu sein, den Gunther je gesehen hatte, doch er hatte auch nur noch ein Auge. In einem Kampf hätte ihm das vielleicht zum Vorteil gereicht, doch der Bär wär im Moment ein noch größeres Problem.
"Was wollt ihr hier?" rief er dem Fremden und seinem tierischen Begleiter entgegen. Er war bereit, jederzeit seine Waffe zu ziehen und einem Angriff alles entgegenzusetzen, wozu er im Stande war.
Ich muss sie vom Stall weglocken... Weg von den Frauen...

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. Oktober 2014, 17:19

Offene Türen... das sollten wir als erstes vermeiden, wenn wir überleben wollen. Halt... sind das? Spuren? Die waren doch vorhin noch nicht da...
Der Inquisitor war stehen geblieben und starrte auf den kleinen Flecken gepflegten Rasens, der mehr als nur für einen Jägerblick ersichtlich, von etwas großem mit langen Krallen durchpflügt worden war. Der Tatzenabdruck war schlammig und tief ins Wurzelwerk gefräst. Nanuq hatte sein neues Revier markiert. Bevor der alte Templer hinein gegangen war, hatte der Vorgarten in romantischer, unberührter Makellosigkeit im Nebel verborgen gelegen, nun war etwas eingedrungen. Gunther erstarrte regelrecht bei dem Anblick und riss sich dann los.
"Holt den Grafen, schnell!"
rief er Neroli durch die Halle hinzu. Diese zögerte nicht einmal, denn sie hatte es anscheinend auch gesehen. Sie raffte die Röcke und hechtete immer zwei Stufen nehmend die Treppe zur linken hinauf.
Der Inquisitor ging derweil erhobenen Hauptes die Stufen hinab, den Blick ohne Furcht auf den Mann vor ihm gerichtet.
"HALT!"
donnerte er mit einer Inbrunst in der Stimme, die man einem Mann seines Alters niemals zugetraut hätte. Der Hüne vor ihm hatte zwar riesige Muskeln und schien kräftiger als jeder Mann zu sein, den Gunther je gesehen hatte, doch er hatte auch nur noch ein Auge. In einem Kampf hätte ihm das vielleicht zum Vorteil gereicht, doch der Bär wär im Moment ein noch größeres Problem.
"Was wollt ihr hier?"
rief er dem Fremden und seinem tierischen Begleiter entgegen. Seine Hand ruhte bereits auf seinem Schwertgriff. Der Bär sah aus der Nähe nun doch noch ein wenig schrecklicher aus, als er es schon aus der Entfernung getahn hatte. Das Fell musste ursprünglich einmal sehr hell, vielleicht sogar weiß gewesen sein. Die Kuppe über seinen starken Hinterbeinen schimmerte sandig hell. Vorderbeine. Bauch und Kopf waren dunkelrot vor Blut und Schlamm, dazwischen gab es alles von Braun- bis zu Grüntönen. In dem Augenblick in dem Gunther seine Stimme erhoben hatte, schwenkte der Kopf des Tiers zu ihm und lange Reißzähne entblößten einen glutroten Rachen. Der Bär war, genau wie sein menschlicher Begleiter, das größte Exemplar, welches Gunther je gesehen hatte. Von Nasenspitze bis zum Stummelschwanz mochte er besstimmt 3,40 messen und brachte sicher seine 500 kg Kampfgewicht auf die Wage. Gunther sah sich mit dieser Bestie Aug in Aug gegenüber stehen. Wie als Anwort auf seine erhobene Stimme brumte der Bär ihn an und stellte sich drohend auf die Hinterbeine. Seltsamer Weise wirkte er dabei nicht sonderlich agressiv, sondern eher abwartend. Er stand seitlich zu "seinem" Menschen und sah ihn an.
"Fressen?"
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Montag 27. Oktober 2014, 12:23

Die Zwei folgten unbeirrbar den Pfad der weißen Steine, bis sie auf eine Fährte stießen, die Baltos nie zuvor gesehen hatte. Vorsichtig befühlte er die Fußabdrücke, um festzustellen wie frisch und tief sie waren.
Wahrscheinlich 20 bis 30 Mann und ein paar die auf Pferden geritten sind. Seltsam sie sind alle in einer Reihe gelaufen. Das war sicherlich kein weiterer Sklavenkonvoi!
Baltos festigte den Griff um Fluchbrecher und wollte der Spur am liebsten folgen nur leider führten ihn die weißen Steine genau in die andere Richtung.
Hoffentlich führt mich der Pfad zurück zu Rumpel! Wahrscheinlich braucht er bald meine Hilfe.
Der Jäger blickte noch einmal kurz auf die Fußabdrücke und ging danach tiefer in den Nebel hinein.
Wie lange er und Nanuq den Pfad folgten konnte er nicht sagen die Lichtverhältnisse in dieser Nebelbank waren so verschwommen das Baltos nie wusste ob es gerade Tag oder Nacht war. Er folgte einfach stur den Weg und vertraute dem Wort der kleinen alten Dame. Auch wenn sie eine ziemlich seltsame Persönlichkeit war, so hatte sie den Mantroner bis jetzt immer gut beraten und deswegen Vertraute er ihr auch!
Irgendwann entdeckte er in dieser verschleierten Welt weiteren Spuren von zwei Personen und einem Pferd die den gleichen Weg genommen hatten wie er und das vor nicht all zu langer Zeit. Die Frage war nur ob sie Freund oder Feind waren. Zur Sicherheit wechselte der Mantroner die Waffe, da er mit seiner Streitaxt besser gegen jemanden zu Pferd kämpfen konnte als mit Fluchbrecher.

Irgendwann hörte der Nebel schlagartig auf und der Jäger brauchte erst einmal einen Moment um sich daran zu gewöhnen, dass er nicht mehr einen milchigen Schleier vor den Augen hatte. Nach dem sich sein Auge an die gegebenen Lichtverhältnisse gewöhnt hatte, erblickte er ein Anwesen was aus seiner Sicht, den Kampf gegen die Natur verloren hatte. Denn es war nicht so angelegt worden, dass es sich mit der Umgebung vereinte, sondern war eher so gebaut, dass es etwas Neues und Anderes sein sollte. Wahrscheinlich etwas Schöneres. Doch für den Mantroner war dieses Haus mit seinem Garten nichts Schönes, es war eher Verschwendung von Platz.
Als er sich einen Überblick verschaffen hatte folgte der Mantroner weiter den Spuren der zwei anderen Personen, die den gleichen Weg genommen hatten wie er. Jetzt bei Licht konnte der erfahrene Jäger auch erkennen, dass sie diesen Pfad erst vor wenigen Stunden genommen hatte.
Baltos wollte Nanuq gerade sagen das er vorsichtig sein sollte, als dieser eine Echse sah und versuchen wollte dieser zu folgen
„Warte! Wir wissen nicht, ob wir beobachtete werden!“
„Gefahr?“
„Vielleicht!“

Baltos behielt die Fenster im Auge und folgte zusammen mit Nanuq so leise wie möglich den frischen Fußspuren.
Als die Spuren endeten, befanden sich die Zwei auf einer Art Vorplatz. Wenn man geradeaus lief, konnte man über eine Treppe in das große Haus gehen.
„Seltsam die Tür steht leicht offen?“
„Menschen und Pferde … lecker!“
Nanuq mache Baltos mit dieser Bemerkung auf den Stall aufmerksam der etwas abseits vom Anwesen stand und in dessen Fenstern man ein Licht brennen sehen konnte.
„Du hast recht es riecht nach Tieren, lass uns ...“
"HALT!" Baltos und Nanuq drehten sich ruckartig um und blickten den Fremdling in seiner seltsamen eisernen Kleidung an.
"Was wollt ihr hier?"
"Fressen?"
Erst jetzt bemerkte Baltos das sich Nanuq auf die Hinterbeine gestellt hatte, ihn gefiel die Reaktion seine tierischen Begleiters und deswegen lies er ihn auch seine Körpersprache weiterhin so aufrecht halten.
Der Mantroner selbst lehnte selbstbewusst die Streitaxt auf der Schulter ab und fixierte den Neuankömmling.
Er ist Alt, trägt Kleidung, die ihn langsam macht und ist alleine, er würde nicht gegen uns gewinnen, aber er will uns trotzdem aufhalten.
Wenn der Mantroner eins respektierte dann war es Mut, er gab den Eisbären einen Stoß mit den Ellbogen in die Seite.
„Der ist nicht zum Fressen!“ Die knurr Laute die der Mantroner in die Richtung des Bären machte musste wohl den alten Ritter noch mehr in den Glauben bestärken, dass er es mit einem Banditen zu tun hatte als vorher. Denn Baltos Gesicht so wie sein Körper waren von oben bis unten mit Blut und schlamm verschmiert, selbst sein blondes Haar war so verdreckt, dass man wahrscheinlich eher dachte, dass er braunes oder schwarzes Haar hatte.
„Man nennt mich Baltos Bestientod! In meiner Gegend stellt man sich erst mit seinen Namen vor, bevor man jemand unbekannten eine Frage stellt!“ Baltos blickte noch einmal kurz auf die Hand des Unbekannten die auf dem Griff seines Schwertes lag.
„Oder bevor man ihn zum Zweikampf herausfordert!“ Der Jäger hackte seine Axt wieder in der Rückenhalterung ein und verschränkte dann seine massiven Arme vor der Brust.
„Wo ist eure Begleitung, Unbekannter?“
Der Jäger bliebe nach außen hin entspannt denn er hatte die leise Vermutung, dass es sich bei dem Fremden um einen der Verursacher der Fußspuren handelte, die er gefolgt war.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Montag 27. Oktober 2014, 20:16

Als sich der gewaltige Bär auf die Hinterbeine stemmte, und seine fingerdicken Reißzähne entblößte, schluckte Gunther schwer. Das war der Moment, an dem er sich sicher war, dass er hier, in diesem verlassenen Anwesen, auf dem feuchten und matschigen Gras, sterben würde. Doch sein Blick wurde nicht angsterfüllt oder panisch... lediglich bedauernd. Der alte Inquisitor bedauerte, dass er nicht noch ein einziges Mal die Sonne, dieses strahlende Symbol seines Gottes, in voller Pracht gesehen hatte.
Lysanthor, strahlender Herr der Aufrichtigkeit und Wahrheit, vergib mir meine Sünden. Ich stehe hier als dein demütiger Diener, bereit meinen Leib und meine Seele dem Heer der Märtyrer anzuschließen, die deinen Namen bis in alle Ewigkeit lobpreisen. Schenk mir nur ein letztes Mal die Kraft, im Angesicht dieses Feindes standhaft zu bleiben und nicht zu wanken.
Er flehte seinen Gott im Geiste um Beistand an, während er festen Schrittes auf die beiden Eindringlinge zuging. Er versuchte sich so unauffällig wie möglich zwischen sie und den Eingang zum Stall zu stellen. Auch sein offensichtliches Humpeln unterdrückte er krampfhaft so gut es ging. Er durfte jetzt keine Schwäche zeigen... Er durfte nicht versagen!

Der blutüberströmte und brutal wirkende Mann knurrte wie ein wildes Tier in Richtung des Bären, bevor er den Inquisitor taxierte und mit tiefem und akzentreichem Celcianisch sprach:

„Man nennt mich Baltos Bestientod! In meiner Gegend stellt man sich erst mit seinem Namen vor, bevor man jemand unbekanntem eine Frage stellt!
Oder bevor man ihn zum Zweikampf herausfordert!“

Danach steckte dieser Hüne doch sogar seine riesige Streitaxt weg und verschränkte die Arme vor der Brust, wie ein Henker, der neben dem Richtblock wartete, bis die Anklage verlesen wurde.

Er nimmt mich nicht mal als Gegner ernst. Er verspottet mich... Bist du schon so alt und grau geworden, dass du nicht einmal mehr einem dahergelaufenen Banditen Respekt einflößen kannst, alter Mann? Ich kann diesen Kampf nicht gewinnen, aber bei Lysanthor, wenn ich schon durch die Zähne dieses Monsters oder die Axt dieses Barbaren fallen muss, dann werde ich mir vorher nicht noch von ihm auf der Nase herumtanzen lassen!

Nachdem der bullige Hüne seine Waffe wieder verstaut hatte, wurde Gunthers Gesichtsausdruck grimmiger... entschlossener.

Du willst mir also die Regeln einer Begegnung dieser Art erklären? Versuchs nur, Bürschchen... Versuchs nur...


„Wo ist eure Begleitung, Unbekannter?“

Gunther war zu erfahren, um jetzt aus Verwunderung heraus kurz innezuhalten, denn das hätte dem Fremden verraten, dass er Recht hatte, und Gunther nicht allein unterwegs war. Aber er fragte sich dennoch, woher dieser Kerl das Wissen konnte. War er Kadia und ihm etwa gefolgt? Hatten die beiden vielleicht unbewusst diese Gefahr zum Anwesen geführt? Gunther konnte nur hoffen, dass die Mädchen im Stall nicht nach draußen kamen, um zu sehen, was die Ursache dieses Tumults war. Vielleicht konnte er Zeit gewinnen, bis Graf Milagros zu Hilfe eilte, und vielleicht konnten wenigstens die jungen Frauen davonkommen.

Er lies die Frage des Fremden vollkommen unbeachtet. Das es sich dieser Streuner erlaubte, ihm derart dreist entgegenzutreten, konnte Gunther auch mit dem sicheren Tod vor Augen, nicht durchgehen lassen. Erhobenen Hauptes ging er weitere Schritte auf den Mann und den Bären zu, während er mit fester Stimme erklärte:

"Da wo ihr herkommt, stellt man sich also vor, ja?"

Der Ritter ging einen weiteren Schritt auf den Mann zu. Sein Blick wurde bohrend und aus seinen grauen Augen schien jede Güte und jede Gnade getilgt zu sein.

"Ist es da wo ihr herkommt also auch üblich, mit gezogener Waffe, blutüberströmt und mit einer gefährlichen Bestie im Schlepptau, das Anwesen anderer Leute zu betreten?"

Noch einen Schritt näher.

"Ist DAS etwa, da wo ihr herkommt, üblich, Bursche?"

Noch einen Schritt... Er war nur noch vier Meter von den beiden entfernt.

"Ihr wollt meinen Namen wissen?"

Wenn Blicke hätten verbrennen können, dann hätte Gunthers Blick in diesem Moment jeden Scheiterhaufen zum Lodern gebracht.

"Mein Name ist Gunther Brockhardt, Inquisitor der Heiligen pelgarischen Inquisition, und ich frage euch erneut, Baltos Bestientod:"

Gunther stand jetzt nur noch zwei Meter von seinem sicheren Tod entfernt. Er wusste, dass er niemals eine Chance gegen den Bären und den Mann hatte, und dennoch... aus seinen Worten sprach tiefsitzende und kochende Verurteilung, und er betonte jedes einzelne seiner nächsten Worte mit enormem Nachdruck.

"Was. Wollt. Ihr. Hier?"

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. Oktober 2014, 08:15

Was die Mädchen im Stallhaus in der Zwischenzeit taten blieb im Verborgenen, aber wenigstens waren sie schlau genug um nicht einfach neugierig heraus zu stürmen, jemanden zu erschrecken und die Situation eskalieren zu lassen.

Gunter fragte sich, was in Lysanthors Namen dieser Barbar hier verloren hatte, was er auch lautstark äußerte. Sein ganzes Erscheinungsbild paste nicht in seine Realität. Seine blutigen Muskelberge zwischen Rosensträuchern und Zierrasen wirkten einfach deplaziert.

Baltos betrachtete seinerseits den mutigen alten Mann. Alt wie das Haus, ungepflegt, staubig und verhungert wie die mageren Hagebuttensträucher und die mosige Wiese mit dem von Spuren aufgewühlten Herbstlaub. Ob er der Hausherr war?

Der Inquisitor hatte sich todeswillig dem aufgerichteten Bären bis auf zwei Schritt genähert der nun verwirrt auf seinen Kopf hinunter schaute. Da sein Menschenfreund sich gegen eine weitere Mahlzeit entschieden hatte, ließ er sich also einfach nach vorne fallen, zurück auf seine Pfoten und für einen Moment, setzte unwillkürlich das Herz des alternden Inquisitors aus. Wenn dieses Monster sich einfach auf ihn fallen ließ, wäre es wenigstens abgelenkt und die Mädchen hätten eine Chance zu fliehen. Ob er noch sein Schwert hervor kriegen würde um wenigstens nicht kampflos zu gehen?
Die Pranken des Eisbären erreichten den Boden, der unter dem Gewicht leicht bebte. Nanuq hatte in der Bewegung seine Hinterbeine einknicken lassen und saß nun brav auf seinem Hintereil. Ein verirrter Sonnenstrahl traf seine feuchte, schwarze Nase und ließ sie lustig glitzern. Eine lange Zunge kam aus seinem Rachen und leckte sich die Schnautze, die nur noch knapp eine Armlänge von Gunthers Gesicht entfernt war. Er schmatzte, schluckte und glotzte weiter den Inqusitor an, wie ein zu groß geratener Hund der brav "Sitz!" machte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Dienstag 28. Oktober 2014, 08:56

Schon interessant, wie unterschiedlich eine Geste von anderen Kulturen aufgefasst werden konnte. Baltos hatte eigentlich nicht die Absicht gehabt den Inquisitor zu verspotten, sondern wollte ihn nur klarmachen, das er die Hände von seiner Waffe nehmen sollte. Denn in Mantron war das Verhalten was dieser alte Mann da an den Tag legte mehr als nur unhöflich.
Schon seltsam der Kerl reagiert auf mich so wie es sonst nur Frauen tun!
Auf die Frage von Baltos wo denn seine Begleitung sei ging der fremde Mann gar nicht ein sondern näherte sich immer mehr den Beiden.
Was wird das?
"Da wo ihr herkommt, stellt man sich also vor, ja?" Baltos legte bei dieser Frage den Kopf leicht schief und beobachtete, wie der Kerl einen weiteren Schritt auf ihn zuging.
"Ist es da, wo ihr herkommt, also auch üblich, mit gezogener Waffe, blutüberströmt und mit einer gefährlichen Bestie im Schlepptau, das Anwesen anderer Leute zu betreten?
Ist DAS etwa, da wo ihr herkommt, üblich, Bursche?"
Baltos blickte kurz zu Nanuq und dann wieder zu den Mann, der sich immer mehr in rage redete. Ja ist es! Wahrscheinlich würde er tot umfallen wenn er nach Mantron kommt.
Bei diesen Gedanken musste der Jäger kurz schmunzeln leider sah das aber auch der Templer und wurde dadurch wahrscheinlich noch wütender und machte einen weiteren Schritt auf Baltos zu. Der Mantroner wiederum verharrte weiter in seiner Position.
"Ihr wollt meinen Namen wissen? Mein Name ist Gunther Brockhardt, Inquisitor der Heiligen pelgarischen Inquisition, und ich frage euch erneut, Baltos Bestientod.
"Was. Wollt. Ihr. Hier?"
Der Jäger beobachtete wie sich Nanuq auf den Boden setzte und seine Nase ableckte und dann wieder den wütenden Mann anstarrte.
„Wir wollen nichts Gunther Brockhardt, Inquisitor der Heiligen pelgarischen Inquisition!“ Hätte Baltos gewusst das sein Name mit Brockhardt endete hätte er die anderen Titel nicht mit erwähnt aber bei den Mantroner war so etwas nun mal unter Fremden brauch. Auch wenn der Jäger mit Inquisitor der Heiligen pelgarischen Inquisition absolut nicht anfangen konnte. Was soll denn ein Inquisitor und Inquisition sein?
„Wir sind genau wie du im Nebel verschollen gegangen und sind den weißen Steinen gefolgt. Eigentlich will ich zurück zu meinem Freund Rumpel um ihn dabei zu helfen die von uns befreiten Menschen und Zwerge wieder sicher nach Hause zu bringen!“
Der Jäger lächelte kurz, was an sich bestimmt ziemlich verstörend wirkte mit dem ganzen Blut im Gesicht.
„War das die Antwort, die du hören wolltest und tu mir und dir einen Gefallen und nimm die Hand von deiner Waffe! Ich werde dir und deiner Begleiterin nichts tun und den Anderen, falls hier überhaupt jemand Anderes wohnt!“

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Mittwoch 29. Oktober 2014, 08:57

Der Bär schien vollkommen unbeeindruckt von dem Inquisitor. Warum auch nicht, denn außer das harte, schimmernde Metallkleid, dass der Mann trug, würde das Tier fast nichts daran hindern, ihn nur als weitere Mahlzeit zu betrachten. Als er sich auf sein Hinterteil fallen lies und der Boden unter dem enormen Gewicht des Raubtieres erzitterte, schluckte Gunther erneut. So hatte er sich seinen Tod definitiv nicht vorgestellt, doch der Herr des Lichts wachte auch in diesem Moment über ihn. Er lies nicht zu, dass das Tier auf ihn fiel. Stattdessen saß der Bär da wie ein Hund, den man ermahnt hatte sich ruhig zu verhalten. Und vielleicht war ja auch genau das geschehen, als dieser wild aussehende Barbar ihm zugeknurrt hatte.

Irgendetwas schien hier nicht ganz zu passen. Wenn der Kerl hier wäre, um zu morden und zu plündern, wieso war er dann, von seinem Haustier einmal abgesehen, allein unterwegs? Er hätte schon längst den Kampf eröffnen können, doch er wartete noch immer ab. Entweder er verspottete Gunther wirklich maßlos, oder er versuchte, es nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen. War das möglich? Aber wieso?

Während Gunthers Gedanken rasten, klarte der Himmel ein weiteres Mal kurz auf. Ein einzelner und verloren wirkender Sonnenstrahl stahl sich herab und fiel auf die vor Feuchtigkeit schimmernde Schnauze des Bären. Das Licht reflektierte sich in den winzigen Tropfen aus Speichel und Tau und einen kurzen Moment trafen sich die Blicke von Bär und Inquisitor. Die komplett schwarzen Augen des riesigen Räubers, treu und fragend, trafen die stechend grauen Augen des alten Mannes, skeptisch, zweifelnd... aber dennoch angstlos. Gunther konnte nicht erklären warum, doch er wusste in diesem Moment, dass das Tier ihm nichts tun würde. Seufzend nahm er die Hand vom Schwertgriff und sah nun wieder das "Herrchen" dieser Bestie an.

Der Mann war enorm breit, muskelbepackt und um gut anderthalb Köpfe größer als der Greis. Jedoch war er auch noch enorm jung. Der blutüberströmte Mann atmete schwerer als Gunther, obwohl er offentsichtlich keine Angst vor dem Inquisitor zu haben schien. Erst jetzt, aus nächster Nähe, bemerkte Gunther, dass das Blut definitiv nicht frisch war. Es wirkte nur so, da der Fremde unheimlich stark zu schwitzen schien, und die Feuchtigkeit auf seiner Haut hielt auch das Blut über längere Zeit konstant feucht. Wieso war dem Mann warm? Es war zwar noch nicht ganz Winter, aber durchaus frisch, da sich die Sonne in dieser Gegend auch nicht allzu oft blicken lies. Dann fiel es dem vergesslichen alten Mann wieder ein. Er hatte einst von einer Gruppe Menschen gehört, die weit im Westen im ewigen Eis lebten. Sie waren ein Volk von hünenhaften Berserkern, so sagte man und wären vollkommen angepasst an Schnee, Eis und Kälte. Auch der Name des Jünglings
passte zu Gunthers These. Baltos Bestientod... der Ritter glaubte sich daran zu erinnern, dass die Namen dieses Volkes für ihre Persönlichkeit und Taten sprachen, und man sie sich erst verdienen musste. Nun war sich der Inquisitor fast sicher, hier einen waschechten Mantroner vor sich zu haben, weit von der Heimat entfernt. Aufgrund des Namens und des tierischen Begleiters schlussfolgerte Gunther, dass dieser Mann vielleicht ein Jäger seines Volkes war.

"Wir sind genau wie du im Nebel verschollen gegangen und sind den weißen Steinen gefolgt. Eigentlich will ich zurück zu meinem Freund Rumpel, um ihm dabei zu helfen, die von uns befreiten Menschen und Zwerge wieder sicher nach Hause zu bringen!" antwortete der Fremde auf die Frage des Inquisitors.

"Soso... den weißen Steinen gefolgt..." echote der alte Mann scheinbar gedankenversunken. "Ihr seid weit weg von der Heimat, junger Mantroner. Und ihr habt euch trotz eurer Kenntnisse verlaufen. Ich kann euch nicht helfen, euren Freund wieder zu finden. Und ich kann euch auch nicht ins Haus lassen, solange der Hausherr dem nicht zustimmt."

Gunther erinnerte sich, dass die Mantroner als ehrliches und aufrichtiges Volk galten, die allerdings statt Lysanthor lieber dessen Geliebte Ventha verehrten. Doch er hoffte, sich auf das Wort dieses jungen Mannes verlassen zu können. Wie zur Bestätigung seiner Vermutung fiel auch auf das Lächeln des Fremden ein goldener Schimmer Sonnenlicht. Mehr brauchte der ehemalige Templer nicht. Er vertraute den Zeichen seines Gottes.

"Ihr müsst entschuldigen Junge, aber die Zeiten sind sehr gefährlich, und ich muss sicher gehen, dass ich euch trauen kann. Habe ich euer Wort, dass ihr niemandem auf diesem Anwesen Leid zufügen werdet und ihr euch den Wünschen des Hausherren beugt?"

Jetzt trat Gunther den letzten Schritt an Baltos heran und reichte ihm die Hand. Sein Blick war noch immer nicht warm und gütig, doch es sprach keine offene Drohung mehr daraus. Auch wenn er so vor ihm stand, klein, abgemagert und unrasiert, wirkte er dennoch wie jemand, dem es mit diesem Handschlag ernst war und der jeden Verrat an diesem "Vertrag" unerbittlich bestrafen würde.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 29. Oktober 2014, 09:56

"Soso... den weißen Steinen gefolgt..." echote der alte Mann scheinbar gedankenversunken. "Ihr seid weit weg von der Heimat, junger Mantroner. Und ihr habt euch trotz eurer Kenntnisse verlaufen. Ich kann euch nicht helfen, euren Freund wieder zu finden. Und ich kann euch auch nicht ins Haus lassen, solange der Hausherr dem nicht zustimmt."
In dieser Gegend herrschen seltsame Regeln. In Mantron kann man jederzeit das Haus von Thure betreten.
"Ihr müsst entschuldigen Junge, aber die Zeiten sind sehr gefährlich, und ich muss sicher gehen, dass ich euch trauen kann. Habe ich euer Wort, dass ihr niemandem auf diesem Anwesen Leid zufügen werdet und ihr euch den Wünschen des Hausherren beugt?"
Der Mantroner blickte die Hand an die ihn entgegen gestreckt wurde. Der Jäger erwiderte die Geste und ergriff den ihm entgegen gestreckten Unterarm und zog Gunther an sich heran. Dabei bemerkte der Mantroner aber das der alte Mann mit dieser Art des Händeschütteln nicht vertraut war. Baltos gab ihn noch freundschaftlich einen Schlag auf die Schulter und lies dann den Unterarm des Mannes los.
„Ich und auch Nanuq haben nicht vor dir oder den Anderen etwas zu tun, aber wir beugen uns Niemanden!“ Baltos betonte diese letzten Worte mehr als nur deutlich. Warum sollte jemand über mich bestimmen den ich nicht kenne?
„Wer ist dieser Hausherr das er er von mir verlangt, das ich das Knie vor ihn beuge, obwohl ich ihn noch nie gesehen habe?“ Gunther wurde wahrscheinlich klar das der Mantroner andere Sitten und aussprachen in der Handelssprache gewohnt war als der Inquisitor.
„Ist der Hausherr stärker oder Weiser als du das du vor ihn kniest?“
Baltos konnte nicht recht glauben das dieser Mutige und vor allen alte Mann sich irgendjemanden beugte außer vielleicht seines Gottes.
Er ist der älteste Mensch, den ich je gesehen habe, außer Rukulla, aber die ist glaube ich kein Mensch! Für den Mantroner war Gunther wirklich steinalt, denn die meisten in seinem Volk wurden nicht älter als 50 Jahre und wenn sie dieses Alter erreichten, hatte ihr Wort viel Gewicht.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Mittwoch 29. Oktober 2014, 10:46

Als der kräftige junge Mann ihm die Hand reichte, fühlte sich Gunther kurzzeitig, als wolle er ihm den Arm ausreißen. Dieser fremde Jäger strotzte nur so vor Kraft, doch er hatte auch das typisch ungestüme und oft unüberlegte Verhalten der Jugend an sich. Als er dem Inquisitor einen Klaps auf die Schulter gab, wurde dem alten Mann endgültig bewusst, dass von diesem Jäger keine Gefahr ausging, aber auch, dass er mit den hiesigen Sitten und Gebräuchen in keinster Weise vertraut war. Hätte er den Inquisitor in Pelgar auf diese Weise begrüßt, wären vermutlich sofort ein halbes dutzend Templer herbeigeeilt, um ihn in eine Kerkerzelle zu verfrachten. Doch die ungestüme und unbekümmerte Art des jungen Mannes wirkte wie ein Trostpflaster nach all den Tagen des Leids und der Entbehrungen. Es schlich sich sogar ein kleines Lächeln auf das faltenreiche Gesicht des Ritters.

"Ich und auch Nanuq haben nicht vor, dir oder den Anderen etwas zu tun, aber wir beugen uns niemandem! Wer ist dieser Hausherr, dass er von mir verlangt, dass ich das Knie vor ihm beuge, obwohl ich ihn noch nie gesehen habe? Ist der Hausherr stärker und weiser als du, dass du vor ihm kniest?"

Jung, dynamisch... und dumm. Das kann ja heiter werden..., dachte sich der alte Mann und seufzte. Auch die Tatsache, dass der Jüngling ihn sofort dutzte, störte den alten Mann weniger. Woher sollte er es denn wissen... aber das war etwas, das er ihm bei Gelegenheit vielleicht auch erklären sollte. Wenn er damit an die falschen Leute geriet, konnte ihm das mit Sicherheit Probleme bescheren.
Er betrachtete noch einmal den verdreckten Bären, der noch immer wie ein zu groß geratener Hund dasaß, der auf Anweisungen seines Herrchens wartete. Nanuq hieß das Tier also... Gunther hatte keine Ahnung, ob auch dieser Name auch etwas bedeutete, aber er musste ihn sich merken. Wenn er später den Bären nicht beim Namen nennen konnte, würde er den Mantroner eventuell beleidigen.

"Du sollst nicht vor ihm knien. Du sollst lediglich seine Wünsche respektieren. Und ich kann dich nicht ins Haus lassen, bevor ich weiß, dass er damit einverstanden ist, verstehst du das? Dieses Haus ist nicht meines, und ich kann nicht über das Eigentum anderer Menschen bestimmen, solange ich keinen Grund dafür habe." Gunther hörte sich an wie ein Lehrmeister, der seinem Schüler die erste Lektion erteilte. Und genau so fühlte er sich auch. Irgendwie ahnte er jetzt schon, dass es wohl nicht die Letzte sein würde...

"Du bist nicht mehr in Mantron, Baltos Bestientod, und hier gelten andere Regeln. So wie ein Reisender sich in Mantron den dortigen Sitten und Gebräuchen unterordnen muss, so solltest du es auch hier tun. Du sollst dich ihm nicht zu Füßen werfen, du sollst lediglich höflich sein und stets Fragen, wenn du etwas willst. Hast du das verstanden? Er mag vielleicht nicht stärker sein, als du, aber weiser ist er definitiv!"

Der Inquisitor klang weder herablassend noch sarkastisch. Er wirkte eher wie ein Vater, der seinem Sohn die natürliche Ordnung der Welt erklärte.
Danach besah er sich den Körper des Mantroners noch einmal genauer. Es war offensichtlich, dass das meiste Blut an dem jungen Jäger nicht von ihm stammte, aber Gunther war sich nicht sicher, ob er nicht vielleicht doch verletzt war.

Er winkte Baltos, ihm in Richtung Eingangstür zu folgen. Während sie beide langsam über den Vorplatz schritten, Baltos mit großen und starken Schritten, Gunther humpeln und mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht, fragte er den Mantroner:

"Bist du verletzt Junge?" Vieleicht musste er nicht nur Delilah magisch behandeln, sondern auch den jungen Jäger. "Du siehst aus, als hättest du die letzten Tage in einer Schlacht gekämpft. Was ist da draußen im Nebel passiert? Du sagtest, du hättest mit einem Freund zusammen Leute befreit? Wie bist du dann hier gelandet?"

Die Neugier und Wachsamkeit des ehemaligen Templers waren wieder erwacht. Was immer der Mantroner zu berichten hatte, konnte wertvolle Informationen zu den Bewegungen des Dunklen Volkes im Nebel liefern. Immerhin mussten sie auch weiterhin jederzeit damit rechnen, hier entdeckt zu werden.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 29. Oktober 2014, 12:12

"Du sollst nicht vor ihm knien. Du sollst lediglich seine Wünsche respektieren. Und ich kann dich nicht ins Haus lassen, bevor ich weiß, dass er damit einverstanden ist, verstehst du das? Dieses Haus ist nicht meines, und ich kann nicht über das Eigentum anderer Menschen bestimmen, solange ich keinen Grund dafür habe."
Warum sagt er das nicht gleich! Der Mantroner schüttelte leicht lächelnd den Kopf.
Diese Südländer mit ihren ganzen Regeln und Gesetzen. Danach hörte er wieder aufmerksam den Ausführungen des alten Mannes zu.
„Du bist nicht mehr in Mantron, Baltos Bestientod, und hier gelten andere Regeln. So wie ein Reisender sich in Mantron den dortigen Sitten und Gebräuchen unterordnen muss, so solltest du es auch hier tun. Du sollst dich ihm nicht zu Füßen werfen, du sollst lediglich höflich sein und stets Fragen, wenn du etwas willst. Hast du das verstanden? Er mag vielleicht nicht stärker sein, als du, aber weiser ist er definitiv!"
Vielleicht, Vielleicht auch nicht!
Nachdem Gunther Baltos kurz erklärt hatte was er meinte forderte er den Mantroner auf ihn zum Eingang zu folgen.
„Komm mit!“ Wieder gab der Mantroner animalische Geräusche von sich und Nanuq folgte ihn im gemächlichen Tempo.
"Bist du verletzt Junge? "Du siehst aus, als hättest du die letzten Tage in einer Schlacht gekämpft. Was ist da draußen im Nebel passiert? Du sagtest, du hättest mit einem Freund zusammen Leute befreit? Wie bist du dann hier gelandet?"
Baltos musste kurz über die Frage lachen, ob er verletzt sei, und blickte auffällig auf das leicht humpelnde Bein des Templers. „Mir geht es gut hab schon Schlimmeres erlebt!“ Dabei deutete er auf seine Augenklappe und wenn Gunther sich die freie Haut des Mantroners genau ansah konnte er mehrere dutzende Narben von unterschiedlicher Größe und breite am Körper des jungen Mannes entdecken.
„Wir sind gerade hier bei euch im Süden angekommen, als wir einen Sklaventransport entdeckten!“ Der Jäger knurrte das Wort Sklaventransport förmlich
„Wir haben ihnen eine Falle gestellt und sie überwältig nur leider konnte einer entkommen. Wir..“ Dabei machte Baltos eine Geste die sich auf ihn und Nanuq bezog. „.. haben die Verfolgung aufgenommen damit der Dunkelelf..“ Wieder wurde die Stimme des Mantroners wesentlich tiefer. „...nicht Verstärkung holen konnte. Mein Partner blieb zurück um sich um die Verletzten zu kümmern. Als wir dann den Dunkelelf erlegt hatten war der Nebel überall. Ich konnte meine Markierung nicht mehr finden und Nanuq fand ebenfalls den Weg nicht mehr zurück. Aber wenn Ventha dir eine Prüfung stellt gibt man nicht auf also sind wir weiter gegangen und haben die Fährte einer großen Truppe entdeckt von ungefähr 20 bis 30 Mann und kurz darauf fanden wir die weißen Steine und deine Spuren.“ Dabei deutete er auf die mit Metall beschlagenen Stiefel.
„Wir sind dann einfach euren Weg gefolgt und hier angekommen.“
Der Mantroner verschwieg bewusst das ihn Rukulla geholfen hatte, da er bezweifelte das ihn der alte Mann diese Geschichte glauben würde.

Baltos wischte sich mit seiner Hand einmal quer übers Gesicht, weil ihn sein Schweiß in den Augen brannte.
„Ist der Sommer bei euch immer so unerträglich?“ Am liebsten hätte der Jäger sich seine Kleidung bis auf das minimalste entledigt aber er vermutete, dass Gunther etwas dagegen hätte wenn er nur im Ledenschutz bekleidet in das Anwesen ging.
„Verdammte Hitze!“

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Mittwoch 29. Oktober 2014, 19:59

„Mir geht es gut, hab schon Schlimmeres erlebt!
Wir sind gerade hier bei euch im Süden angekommen, als wir einen Sklaventransport entdeckten!“ Der Jäger knurrte das Wort Sklaventransport förmlich. „Wir haben ihnen eine Falle gestellt und sie überwältig nur leider konnte einer entkommen. Wir..“ Dabei machte Baltos eine Geste die sich auf ihn und Nanuq bezog, „.. haben die Verfolgung aufgenommen damit der Dunkelelf..“ Wieder wurde die Stimme des Mantroners wesentlich tiefer, „...nicht Verstärkung holen konnte. Mein Partner blieb zurück um sich um die Verletzten zu kümmern. Als wir dann den Dunkelelf erlegt hatten, war der Nebel überall. Ich konnte meine Markierung nicht mehr finden und Nanuq fand ebenfalls den Weg nicht mehr zurück. Aber wenn Ventha dir eine Prüfung stellt, gibt man nicht auf, also sind wir weiter gegangen und haben die Fährte einer großen Truppe entdeckt von ungefähr 20 bis 30 Mann und kurz darauf fanden wir die weißen Steine und deine Spuren.“ Dabei deutete er auf die mit Metall beschlagenen Stiefel.
„Wir sind dann einfach eurem Weg gefolgt und hier angekommen.“

Gunther hörte dem jungen Mantroner aufmerksam zu, während dieser seine Reise zum Anwesen schilderte. Er war also auch auf Angehörige des Dunklen Volkes gestoßen. Dass er nicht allein unterwegs gewesen war, verwunderte den alten Ritter weniger, immerhin war er sehr weit von seiner Heimat entfernt. Aber das Baltos sich verlaufen hatte und im Endeffekt nun hier gelandet war, hieß nur, dass sein Freund nun allein da draußen der Gefahr durch marodierenden Banden ausgesetzt war.

Baltos wischte sich mit seiner Hand einmal quer übers Gesicht, weil ihn sein Schweiß in den Augen brannte.
„Ist der Sommer bei euch immer so unerträglich?“

Wieder seufzte Gunther schwer, als wenn ein Kind ihm eine Frage gestellt hatte, deren Beantwortung eigentlich auf der Hand lag, bevor er antwortete:
„Es ist Herbst, und es ist bei weitem nicht warm.“ Das schien für den alten Inquisitor als Antwort auszureichen. Baltos würde schon früh genug am eigenen Leib erfahren, wie warm es wirklich werden konnte, wenn Hochsommer herrschte.
„Auf dem Anwesen befinden sich zur Zeit meines Wissens nach vier Frauen und drei Männer. Die Pferde und Nanuq einmal außen vor gelassen. Ich erinnere dich noch einmal höflich daran, dich bitte den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen. Vieles wird dir sicher merkwürdig vorkommen, aber einem gestandenen Kerl wie dir dürfte von niemandem hier Gefahr drohen. Ach und noch etwas… So wie du im Moment herumläufst, würde ich dich bitten, dich von den Frauen fernzuhalten. Ich möchte sie ungern durch dein blutverschmiertes Äußeres erschrecken oder beunruhigen. Wir haben in den letzten Tagen genug schreckliche Dinge erlebt.“

Sie waren an der Eingangstür angekommen und Gunther gab dem Jäger ein Zeichen, dass er hier kurz warten solle. Danach stieg er mit einigen Mühen die wenigen Stufen zur Tür hinauf und betrat die Eingangshalle. Er versuchte Neroli oder eventuell gleich den Grafen zu finden, um sie über die Ankunft eines weiteren Besuchers zu informieren.
„Lysanthor, was hat das nur alles zu bedeuten? Was hast du mit mir vor?...“ murmelte Gunther in seinen Bart während er über die Schwelle trat.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Oktober 2014, 14:16

„Es ist Herbst, und es ist bei weitem nicht warm.“
Das schien für den alten Inquisitor als Antwort auszureichen. Baltos würde schon früh genug am eigenen Leib erfahren, wie warm es wirklich werden konnte, wenn Hochsommer herrschte. Dem armen Mantroner lief der Schweiß in Rinnsalen über die Brust und ließ jedes einzelnes Haar seiner Fellkleidung an der Haut kleben. Das Jucken würde sich bald zu dem männlichen Geruch gesellen, den Baltos inzwischen verströmte. Einzig, und durchaus verwunderlich, war Nanuqs entspannter Anblick. Der junge Jäger hatte ihn brummend gerufen, doch der Bär hatte seine Vorderbeine ebenfalls einknicken lassen, sich flach gemacht und beobachtete gerade voller Faszination einen kleinen Wirbel aus verdorrten Blättern und Staub. Drehte Gunther sich zu dem Bären um, so würde er ihn in gleicher Position, bäuchlings wie ein Bettvorleger, da liegen sehen, doch tanzten vier oder fünf kleine, weiße Schmetterlinge über seiner breiten Nase.
„Auf dem Anwesen befinden sich zurzeit meinem Wissen nach vier Frauen und drei Männer. Die Pferde und Nanuq einmal außen vor gelassen. Ich erinnere dich noch einmal höflich daran, dich bitte den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen. Vieles wird dir sicher merkwürdig vorkommen, aber einem gestandenen Kerl wie dir dürfte von niemandem hier Gefahr drohen. Ach und noch etwas… So wie du im Moment herumläufst, würde ich dich bitten, dich von den Frauen fernzuhalten. Ich möchte sie ungern durch dein blutverschmiertes Äußeres erschrecken oder beunruhigen. Wir haben in den letzten Tagen genug schreckliche Dinge erlebt.“Sie waren an der Eingangstür angekommen und Gunther gab dem Jäger ein Zeichen, dass er hier kurz warten solle. Baltos konnte mit jedem Schritt den er in Richtung des Hauses setzte eine zunehmende Vibration an seiner Seite fühlen. Seine Handaxt machte sich leise bemerkbar. Es war nicht das Glühen von einst, nur ein sanftes Zittern in seiner Hand, wenn er sie an den Griff legte.

Der alte Mann stieg er mit einigen Mühen die wenigen Stufen zur Tür hinauf und betrat die Eingangshalle.
„Lysanthor, was hat das nur alles zu bedeuten? Was hast du mit mir vor?...“ murmelte Gunther in seinen Bart während er über die Schwelle trat. Wenn das eine Prüfung war, dann sicher für seine Geduld und Führungsqualitäten. Der junge Mann in seinem Rücken war der Inbegriff von Kraft und Willenstärke. Vor seinem geistigen Auge reihten sich schon die Fettnäpfchen aneinander, hatte Baltos doch den Blick eines rebellischen Jugendlichen, der jede Autorität als erstes anzweifelte. Er konnte nur hoffen, dass der Graf milde gestimmt war.
Fast wäre er in Luci hinein gerannt, die etwas blass hinter der Tür gewartet hatte. Scheinbar hatte sie aus ihrem Versteck heraus gelauscht oder wenigstens den Neuankömmling vorsichtig beobachtet. Nachdem Gunther sie leicht an der Schulter angerempelt hatte, sortierte sie sich und fing stotternd und mit gedämpfter Stimme an zu sprechen, während ihr ängstlicher Blick immer wieder aus den Schatten heraus nach draußen huschte.
„Ich … äh … Ja … Ich soll euch sagen … Nein … Neroli hat gesagt, dass ich euch sagen soll, dass der Graf zu dem großen Mann sagt, ich zitttriere …wiederhole:“
Sie holte Luft.
„Mein Name ist Graf Weißenfels. Ich bin erfreut, euch endlich kennenzulernen, habe euch erwartet und eure Ware wird dringend benötigt. Wenn ihr das Haus betreten wollt, so bitte ich euch, nehmt eure Augenklappe ab, es wird sich dann einiges für euch klären. Wenn ihr möchtet, könnt ihr während eures Aufenthaltes hier, diese tragen. .“
Damit hob sie einen Silberteller mit einer seidenschwarzen Augenklappe von einem kleinen Tischchen und sah Gunther flehend an.
„Wäret ihr so freundlich diese Nachricht wortgetreu zu überbringen? … Ich trau mich nicht. Verzeiht.“
Sie sah beschämt zu Boden. Es fehlte ihr ganz offensichtlich an Mut dem blutüberströmten Barbaren entgegen zu treten.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Freitag 31. Oktober 2014, 07:54

„Es ist Herbst, und es ist bei weitem nicht warm.“
„Oh Ventha es wird noch wärmer werden?!“ Der Jäger wischte sich noch einmal den Schweiß aus dem Gesicht während Gunther weiter auf ihn einredete.
„Auf dem Anwesen befinden sich zur Zeit meines Wissens nach vier Frauen und drei Männer. Die Pferde und Nanuq einmal außen vor gelassen. Ich erinnere dich noch einmal höflich daran, dich bitte den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen. Vieles wird dir sicher merkwürdig vorkommen, aber einem gestandenen Kerl wie dir dürfte von niemandem hier Gefahr drohen. Ach und noch etwas… So wie du im Moment herumläufst, würde ich dich bitten, dich von den Frauen fernzuhalten. Ich möchte sie ungern durch dein blutverschmiertes Äußeres erschrecken oder beunruhigen. Wir haben in den letzten Tagen genug schreckliche Dinge erlebt.“
„Ich bin nicht dumm, du musst mir nicht immer alles zweimal sagen!“ Der Mantroner blickte kurz den Templer verärgert an. „Und mach dir nicht immer sorgen um die Frauen das sind schließlich keine Schneehasen!“
Baltos verstand nicht warum dieser alte Mann sich immer sorgen um die Frauen machte, konnten sich diese nicht selbst verteidigen?
In Mantron würde sich kein Weib hinter einen Mann verstecken! Eher würden sich die Männer hinter den Frauen verstecken! Kurz wurde der Jäger an seine Mutter erinnert wie sie einmal den betrunkenen Rolf und seinen noch viel betrunkeneren Vater aus dem Haus geprügelt hatte weil diese den Boden mit dreckigem Schnee beschmutzt hatten. Beide hatten am nächsten Tag zwei blaue Augen und ein angebrochenes Nasenbein.
Eine Mantronerin musste nicht beschützt werden!

Als sie den oberen Bereich der Treppe erreichten, gab ihn Gunther zu verstehen, dass er warten sollte und der Jäger kam der Aufforderung nach, als er bemerkte wie Fluchbrecher (seine Handaxt) begann zu vibrieren. Doch die Intensität der Vibration die, die Waffe aussendet, war diesmal anders.
Seltsam! Der Jäger legte kurz seine Hand auf das Beil und blickte zum Eingang, wo sich Gunther gerade mit jemand unterhielt.
„Wahrscheinlich sind hier alle Schneehasen!“
Während er so das Eingangsportal betrachtete viel ihn auf das Nanuq überhaupt nicht in seiner Nähe war! Der Jäger drehte sich auf der Suche nach seinen Freund um und sah, wie er am Anfang der Treppe lag und verdorrte Blätter auf seiner Nase tanzten.
Baltos begann lautstark zu Lachen, als er den dümmlichen Blick seines Freundes sah.
„HA HA HA HA HA HA HA HA HA! Eben noch tötest du Pferd und Reiter und jetzt? HA HA HA HA!“
Es war lange her das der Mantroner so gelacht hatte, zu lange her. Die Göttin hatte ihn mit diesem Begleiter wahrlich einen guten Wegbegleiter gesendet.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Freitag 31. Oktober 2014, 11:37

Der alte Mann stieg er mit einigen Mühen die wenigen Stufen zur Tür hinauf und betrat die Eingangshalle.
„Ich bin nicht dumm, du musst mir nicht immer alles zweimal sagen!“ Der Mantroner blickte kurz den Templer verärgert an. „Und mach dir nicht immer sorgen um die Frauen, das sind schließlich keine Schneehasen!“ ertönte missmutig die Antwort des muskulösen Jägers. Gunther registrierte die Worte des Mantroners, doch er wartete mit einer Antwort vorerst ab.

Anscheinend muss man dir doch alles zweimal sagen… und selbst das scheint nicht oft genug zu sein. Herr steh mir bei, dieser Mann braucht trotz seiner Größe und Kraft dringend einiges an Unterweisungen.

Für einen kurzen Moment musste Gunther an seinen einstigen Knappen denken, Harald. In gewisser Weise ähnelte Baltos diesem jungen Mann, den Gunther vor vielen Jahren als Lehrling aufgenommen und unterrichtet hatte. Jung, stark und unerfahren. Doch mit Schrecken und grauenhaftem Selbstzweifel erinnerte sich der Inquisitor auch, dass Harald damals vom Dunklen Volk geschlachtet worden war wie Vieh. Das Bild des verletzten Jünglings, durchbohrt von Bolzen, blutspuckend und im blutigen Schlamm kniend, blitzte vor dem geistigen Auge des alten Mannes auf. Er durfte nie wieder zulassen, dass durch seine Fehler etwas derartiges passierte.

So in seinen eigenen Erinnerungen versunken, wäre er fast in Luci hineingelaufen, die etwas blass hinter der Tür gewartet hatte. Scheinbar hatte sie aus ihrem Versteck heraus gelauscht oder wenigstens den Neuankömmling vorsichtig beobachtet. Nachdem Gunther sie leicht an der Schulter angerempelt hatte, sortierte sie sich und fing stotternd und mit gedämpfter Stimme an zu sprechen, während ihr ängstlicher Blick immer wieder aus den Schatten heraus nach draußen huschte.
„Ich … äh … Ja … Ich soll euch sagen … Nein … Neroli hat gesagt, dass ich euch sagen soll, dass der Graf zu dem großen Mann sagt, ich zitttriere …wiederhole:“
Sie holte Luft.
„Mein Name ist Graf Weißenfels. Ich bin erfreut, euch endlich kennenzulernen, habe euch erwartet und eure Ware wird dringend benötigt. Wenn ihr das Haus betreten wollt, so bitte ich euch, nehmt eure Augenklappe ab, es wird sich dann einiges für euch klären. Wenn ihr möchtet, könnt ihr während eures Aufenthaltes hier, diese tragen. .“
Damit hob sie einen Silberteller mit einer seidenschwarzen Augenklappe von einem kleinen Tischchen und sah Gunther flehend an.
„Wäret ihr so freundlich diese Nachricht wortgetreu zu überbringen? … Ich trau mich nicht. Verzeiht.“

Sie sah beschämt zu Boden. Es fehlte ihr ganz offensichtlich an Mut dem blutüberströmten Barbaren entgegen zu treten. Während sie so verloren und ängstlich vor ihm stand, bekam er Mitleid mit ihr, doch in seinem Geist entstand eine Idee. Er konnte sowohl Baltos als auch dieser jungen Frau eine Hilfe sein, indem er sie zusammenführte. Er legte die Hände auf Lucis Schultern und lächelte sie an. Warm und aufmunternd erklang seine Stimme:

„Luci, vertraust du mir? Du brauchst dich nicht zu fürchten. Derr Herr beschützt dich durch meine Hand. Ich werde dich begleiten, doch du wirst die Nachricht selbst überbringen. Du wirst diesem neuen Gast deines Herren seine Worte überbringen, genau wie du es gerade mit mir getan hast. Hab keine Angst, Kind. Ich versichere dir, es wird nichts geschehen. Ich bleibe stets an deiner Seite und passe auf dich auf.“
Dann legte er einen Arm um ihre Schultern und drängte sie langsam zur Tür. Er hatte zwar keine Ahnung, was diese Sache mit der Augenklappe bedeuten sollte, doch er hatte schon genügend merkwürdige Dinge in diesem Anwesen erlebt. Er hinterfragte die Entscheidung des Grafen im Moment nicht, doch er würde beim nächsten Gespräch der beiden sicherlich eine Antwort verlangen. Zögernd und unendlich schüchtern trat Luci in Richtung des Fremden. Ihre Aufregung und Angst schnürten ihr zwar im ersten Moment die Kehle zu, doch sie schluckte und sah noch einmal in das Gesicht des ehemaligen Templers. Dieser nickte ihr nur aufmunternd lächelnd zu und führte sie weiter die Treppe hinab in Richtung des blutüberströmten und wild aussehenden Mantroners. Als das ungleiche Pärchen vor Baltos stand, ergriff zuerst der alte Mann das Wort:

„Diese junge Frau hier heißt Luci. Sie ist Dienerin des Hausherren und hat eine Nachricht von ihm für dich, Bursche.“ Gunthers Stimme war nun bestimmend und streng. Scheinbar war er leicht erbost übe die letzte Aussage des jungen Jägers. Zuallererst hatte Gunther zwar nicht gewollt, dass die Frauen Baltos in diesem Zustand begegneten, doch da Luci ihn nun ohnehin schon von der Tür aus gesehen hatte, konnte sie ihm genauso gut gegenübertreten. Er hoffte, dass sie dadurch die Angst vor dem wilden Mann verlieren würde.
Schüchtern und stotternd wiederholte die kleine Dessarierin die Nachricht von Graf Milagros. Danach hielt sie Baltos den Silberteller mit der Augenklappe entgegen, den sie bisher schier panisch umklammert hatte. Die ganze Zeit über beobachtete Gunther Baltos Reaktionen. Als Luci geendet hatte, trat er seitlich an Baltos heran und sah ihm streng in die Augen.

„Sieh sie dir genau an, junger Mantroner! Sieh sie dir an und versuche endlich die Unterschiede zu Mantron zu erkennen! Und komm nicht noch einmal auf die Idee, mir erklären zu wollen, um wen ich mir Sorgen machen müsse und um wen nicht. DAS, junger Mantroner, kann ich wohl schon noch ganz gut selbst entscheiden! Wenn einer dieser Frauen etwas passiert, dann… Ich bin verantwortlich dafür, sie zu beschützen, und ich mache mir Sorgen um wen ich will und wann ich will!“ Er seufzte leicht und die Strenge wich aus seiner Stimme, als er fortfuhr. „Sei nicht so ignorant, zu denken, die Maßstäbe, die du aus Mantron gewohnt bist, würden auch hier gelten. Und lass nicht zu, dass jemand durch diese Art unangebrachter Ignoranz zu Schaden kommt.“ Er nickte Luci kurz zu. Falls sie nun gehen wollte, sobald der Jäger seine neue Augenklappe genommen hatte, durfte sie das tun.

Anstatt eine Antwort von Baltos abzuwarten, drehte sich der Inquisitor um und ging geradewegs in Richtung des Stalles. Es wurde Zeit, die anderen jungen Frauen darüber zu informieren, was vor sich ging. Und manchmal war es auch gut, einen Schüler allein mit seinen Gedanken über eine erteilte Lektion zu lassen, anstatt mit ihm darüber zu diskutieren. Auf dem Weg über das nasse Gras beobachtete er den Bären, der verspielt und träumerisch mit Schmetterlingen spielte. Er kümmerte sich nicht weiter um das Verhalten des großen Tieres und setzte mit schmerzendem Knie seinen Weg in Richtung Stalltor fort.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Freitag 31. Oktober 2014, 13:13

Baltos wischte sich gerade vor lauter Lachen eine Träne aus dem Auge als er den stockenden Schritt von Gunther hörte. Sofort drehte sich der Jäger um und musste zu seinen entsetzen feststellen, dass der alte Mann in Begleitung einer Frau auf ihn zugelaufen kam.
„Ventha warum prüfst du mich ständig mit deinen gefährlichsten Wesen!“ Sagte er zu sich selbst und wartete ab, bis ihn Gunther und seine Begleitung erreichten. Dabei viel ihn gleich dieser silberne Teller auf den die unbekannte wie ein Schild vor sich hertrug.
„Schneehase!“ Abfällig stieß der Mantroner luft aus der Nase.
„Diese junge Frau hier heißt Luci. Sie ist Dienerin des Hausherren und hat eine Nachricht von ihm für dich, Bursche.“ Baltos verzog die Augenbraue und legte den Kopf leicht schief. Warum stellt sie sich nicht selbst vor? Der Mantroner verstand dieses ganze seltsame und vor allem verklemmte Verhalten der anderen nicht.
Mit stotternder und zitternder Stimme begann diese Luci den Text den sie sagen sollte herunter zu leiern.
„Mein Name ist Graf Weiß..ßßßßenfels. Ich bin erfreut, euch ennnndlich kennenzulernen, habe euch erwartet und eure Ware wird dringend benötigt. Wenn ihr dddddas Haus betreten wollt, so bitte ich euch, nehmt eure Augenklappe ab, es wird sich dann einiges für euch klären. Wenn ihr möchtet, könnt ihr während eures Aufenthaltes hier, diese tragen. .“
Woher weiß dieser Hausherr von den Kristallen und warum soll ich die Augenklappe abnehmen und eine Neue aufsetzen, das kann doch nur bedeuten....
„Rukulla!“ Der Mantroner sagte das zwar mehr zu sich selbst als zu den anderen, aber sie hatten auch den Namen gehört, auch wenn er in ihrer Sprache keinen Sinn ergab.
„Danke!“ Mit diesem Wort nahm der Mantroner die ihn angebotene Augenklappe entgegen und wollte sie gerade begutachten, als ihn Gunther noch einmal ansprach.
„Sieh sie dir genau an, junger Mantroner! Sieh sie dir an und versuche endlich die Unterschiede zu Mantron zu erkennen! Und komm nicht noch einmal auf die Idee, mir erklären zu wollen, um wen ich mir Sorgen machen müsse und um wen nicht. DAS, junger Mantroner, kann ich wohl schon noch ganz gut selbst entscheiden! Wenn einer dieser Frauen etwas passiert, dann… Ich bin verantwortlich dafür, sie zu beschützen, und ich mache mir Sorgen um wen ich will und wann ich will!“ Er seufzte leicht und die Strenge wich aus seiner Stimme, als er fortfuhr. „Sei nicht so ignorant, zu denken, die Maßstäbe, die du aus Mantron gewohnt bist, würden auch hier gelten. Und lass nicht zu, dass jemand durch diese Art unangebrachter Ignoranz zu Schaden kommt.“
Nach dieser Moralpredigt humpelte der Templer an Baltos vorbei und ging Richtung Stall.
„Was ist, wenn du stirbst, wer passt dann auf sie auf!“ Er hatte bewusst in seiner Sprache gesprochen, er hatte keine Lust sich noch einmal belehren zu lassen. Leider hatte er aber dabei unbeabsichtigt die kleine Frau angesprochen, die ihn jetzt, da sie alleine war, völlig verängstigt anstarrte und sich nicht sicher war, ob er sie angesprochen hatte.
Der Mantroner blickte auf das zitternde Etwas herab und überlegte was er jetzt tun konnte um diese Frau wieder zu beruhigen. Was soll ich denn jetzt machen? Der Mantroner hatte gerade viel mehr Angst vor Luci als Luci vor Baltos. Denn er befürchtete das er gleich wieder etwas falsches tat und sie darauf schreiend wegrannte und Gunther dann angerannt kam.

Der Jäger hockte sich hin und blickte weiter Luci an die sich immer noch nicht rührte. Was mach ich jetzt mit ihr? Der Jäger überlegte einen Augenblick und zog dann Fluchbrecher hervor, aber so das der Griff in ihre Richtung zeigte und hielt ihr die Waffe hin.
„Hier nimm ruhig, ich tu dir nichts!“ Die Frau stand immer noch wie angewurzelt vor ihn und starte entsetzt auf die Handaxt, die für sie wahrscheinlich eher eine Streitaxt war.
„Warum hast du Angst vor mir? Wenn ich gewollt hätte, wärst du schon längst Tot! Also...“
Das war wohl zu viel für sie, denn kaum als er das gesagt hatte rannte sie schon los. Baltos erhob sich noch aus der Hocke und wollte noch nach ihr greifen, aber sie entwand sich sofort panisch seinen Griff und verschwand ins Innere des Anwesens.
Der Mantroner rechnete schon mit den Schlimmsten und drehte sich langsam in die Richtung, in die Gunther gegangen war. Doch zu seinem Glück war dieser bereits im Stall verschwunden.
„Ventha sein Dank!“ Erleichtert entließ der Mantroner Luft aus seinem Mund und sah sich dann die Augenklappe an die ihn dies Luci geschenkt hatte. Denn der Jäger hatte schon aufgehört darüber nachzudenken, warum die Dame weinend vor ihn weggerannt war, da ihn so etwas leider nicht zum ersten Mal in seinem Leben passiert war.

Er rieb den Stoff zwischen den Fingern und überprüfte vorsichtig ihre Festigkeit. Im Kampf würde sie nichts taugen, aber es gab bestimmt einen Grund, warum er sie tragen sollte. Also nahm er seine Alte ab und band sich die neue Augenklappe um und was er dann sah verwunderte ihn so sehr das er vor lauter Schreck einen Schritt nach hinten machte.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Samstag 1. November 2014, 21:12

Als Gunther den ungestümen Mantroner stehen ließ, hörte er noch, wie dieser in seiner Muttersprache etwas sagte, doch der Inquisitor kümmerte sich nicht weiter darum, was sich als fataler Fehler heraus stellen sollte. Den für einen Moment hatte der alte Mann unbedacht gehandelt; er hatte Luci mit dem Mantroner allein gelassen, da er gehofft hatte, dass seine Ermahnungen an beide Parteien ausreichen würden, um ein normales Miteinander zu gewährleisten. Dies stellte sich nun als Irrglaube heraus.

Er hatte das Stalltor beinahe erreicht, als er plötzlich von der Eingangstür einen spitzen Schrei wahrnahm. Sofort wirbelte er herum, bereit für alles, was ihn erwarten konnte… nur nicht für diese Situation. Er konnte gerade noch erkennen, wie Luci weinend ins Haus rannte und Baltos verdutzt, mit seiner gezogenen Handaxt, in Gunthers Richtung starrte. Vermutlich hatte er sie nicht bedrohen wollen, denn der Griff der Waffe zeigte in Richtung der Tür, doch Luci hatte dies wahrscheinlich als Akt der Bedrohung interpretiert.
Lysanthor, gib mir Kraft! Wer weiß, was dieser unbeholfene und trottelige Tölpel dem armen Mädchen erzählt hat! Ich fasse es nicht! Ist dieser grobschlächtige Muskelprotz nicht in der Lage ein einziges Wort, von dem was ich sage, zu verstehen?
Gunther seufzte so schwer, dass man glauben konnte, er hätte gerade zum zehntausendsten Mal ein Gebet abgeschrieben und es noch immer nicht fehlerfrei geschafft.

Sein Blick wurde wieder der strenge und unbarmherzige und er marschierte straff und so schnell es ihm sein Knie erlaubte wieder in Richtung des jungen Jägers. Trotz seiner gereizten Erscheinung fühlte sich Gunther müde und ausgelaugt. Er musste ein Bad nehmen, etwas Essen und vor allem schlafen. Der alte Mann war zwar noch nicht ganz am Ende seiner Kräfte, doch er spürte, dass er bald ruhen musste. Vor allem da er ahnte, dass der Neuankömmling ihn viel an Ausdauer und Nerven kosten würde.

Als Gunther bei Baltos angekommen war, hatte dieser gerade die ihm dargebotene Augenklappe aufgesetzt und wirkte ziemlich erschrocken. Doch darauf nahm der Inquisitor in diesem Moment keinerlei Rücksicht, als er begann ihn (wieder einmal) verbal zu schelten:
„Was hast du getan? Verstehst du überhaupt, was ich gerade gesagt habe? Bemüh dich gefälligst, dich in andere hineinzuversetzen! Ich suche sie, und du rührst dich nicht von der Stelle, Bursche!“

Mit diesen Worten humpelte er die Treppe hinauf und verschwand in der Eingangshalle, die er mit Blicken nach der jungen Dienerin absuchte und ihren Namen rief. Vielleicht konnte er sie finden und beruhigen. Er musste ihr erklären, dass Baltos es nicht böse gemeint hatte, denn ansonsten würde sie für immer Angst vor ihm haben. Und der Stratege und Taktiker in ihm wusste, dass das nicht gut war. Wenn sie angegriffen werden würden, musste jeder jedem vertrauen können, und das funktionierte nicht, wenn Luci genauso viel Angst vor dem Mantroner wie vor dem Dunklen Volk hatte. Er hoffte, dass er sie finden und danach Baltos eine Entschuldigung abringen konnte.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. November 2014, 18:36

Woher weiß dieser Hausherr von den Kristallen und warum soll ich die Augenklappe abnehmen und eine Neue aufsetzen, das kann doch nur bedeuten....
„Rukulla!“
Baltos sagte das zwar mehr zu sich selbst als zu den anderen, aber sie hatten auch den Namen gehört, auch wenn er glaubte, dass er in ihrer Sprache keinen Sinn ergab. Nur hatten Namen eines immer gemeinsam. Ob in der Sprache der Dunkelelfen, des Eisvolks oder der Händler, ein Name klang immer gleich, selbst wenn man seine Bedeutung nicht verstand. Zum Beispiel “Bestientod“ klang in jeder Sprache gleich, doch nur eine verriet die wahre Bedeutung. Selbst in den Worten der Gemeinen war „Bestientod“ nur ein schwacher Schatten seiner Taten.
Luci reagierte, als hätte er so etwas wie „Hopla“ gesagt und behielt ihn verwirrt und ängstlich im Blick. Sie kannte auf jeden Fall nicht seine Bedeutung und Gunther schien vielleicht das Wort „Rukulla“ im Sturm der Ereignisse überhört zu haben. Er hielt seine Predigt und wandte sich dann ab um zum Stall zu gehen.
„Was ist, wenn du stirbst, wer passt dann auf sie auf!“
Er hatte bewusst in seiner Sprache gesprochen, er hatte keine Lust sich noch einmal belehren zu lassen. Leider hatte er aber dabei unbeabsichtigt die kleine Frau angesprochen, die ihn jetzt, da sie alleine war, völlig verängstigt anstarrte und sich nicht anscheinend unsicher war, ob er sie angesprochen hatte. Er hielt ihr Fluchbrecher mit dem Griff voran entgegen.
„Hier nimm ruhig, ich tu dir nichts!“
Die Frau stand immer noch wie angewurzelt vor ihn und starrte entsetzt auf die Handaxt, die für sie wahrscheinlich eher eine Streitaxt war.
„Warum hast du Angst vor mir? Wenn ich gewollt hätte, wärst du schon längst Tot! Also...“
Luci hörte nur noch das Rauschen in ihren Ohren und wusste, entweder sie würde gleich in Ohnmacht fallen, oder sie rannte. Letzteres schien ihr sinnvoller, wenn sie diesem grobschlächtigen Mann nicht in die Finger fallen wollte. Diese Hände, all das Blut, der metallische Geruch gemischt mit scharfem Männerschweiß war zu viel für sie. Auch sie hatte eine Vergangenheit und fast verdrängte Bilder tauchten wieder in ihr auf. Von den heißen Tränen auf ihren Wangen spürte sie dabei nichts. Sie hatte gehofft hier endlich einen sicheren Hafen gefunden zu haben, vielleicht sogar eine Freundin, aber wenigstens eine Möglichkeit ihrem eigenen schrecklichen Dasein zu entschwinden. Das Geld was sie hier verdiente, hätte sie weit weg von ihren Albträumen bringen können und nun stand einer leibhaftig vor ihr. Fast automatisch setzten sich ihre Beine in Bewegung und sie flüchtete ins Haus.

" ... Ich bleibe stets an deiner Seite und passe auf dich auf.“
Das waren Gunthers Worte zu Luci gewesen, bevor er sie väterlich am Arm zu Baltos geführt hatte. Nachdem sie ihren Spruch brav aufgesagt hatte, hatte er jedoch sein Wort gebrochen und so prompt die Strafe dafür erhalten, dass es ihn fast an ein Gericht Lysanthors erinnerte. Er war gerade mal um die Hausecke gebogen, als er Lucis kurzen Schrei hörte. Sofort drehte er um und sah sie noch im Haus verschwinden. Was hatte dieser Bär von einem Mann jetzt schon wieder angestellt? Die Tränen des Dienstmädchens glitzerten verhängnisvoll auf ihren Wangen. So schnell ihn seine müden Beine trugen humpelte er zu Baltos Bestientod zurück, der gerade die Augenklappen wechselte.

Im Kampf würde sie genau sowenig taugen wie die andere, aber es gab bestimmt einen Grund, warum er sie tragen sollte. Also nahm er seine Alte ab und band sich die neue Augenklappe um und was er dann sah verwunderte ihn so sehr das er vor lauter Schreck einen Schritt nach hinten machte. Als hätte die Sonne nie schöner geschienen, als wäre das Gras nie grüner gewesen, so verwandelte sich mit einem Wimpernschlag die Welt um ihn herum in einen war gewordenen Traum. Er musste unwillkürlich schlucken. Sein Verstand sagte ihm sofort, dass das alles Magie sein musste, hatte er doch seinen Schutz gerade abgenommen, aber seine Sinne verführten ihn auch gleichzeitig diesen Zauber auf sich wirken zu lassen. Ein leichter angenehmer Wind streichelte seine erhitzten Wangen und ein unbekannter süßer Duft lag in der Luft. Die Blätter über Nanuqs Nase hatten sich in Schmetterlinge verwandelt, die wilden Wiese in gepflegten Rasen, das halb verfallene Anwesen in eine romantisches Bild des Zeitenwandels. Efeu umrankt lag es in der Sonne und lud zum Verweilen ein. Es war noch das gleiche Haus, doch strahlte es Eleganz und Wärme aus. Das Kristall der Fenster glitzerte, die steinernen Stufen schimmerten sauber und nach dem er seinen Blick so hatte wandern lassen, sah er den kleinen Erdhaufen vor sich.
„Na endlich! Großer, ich hab schon gedacht das Ding sei mit deinem Kopf verwachsen! … Oder willst du mich los werden?“
Rukulla stand mehr oder weniger deutlich sichtbar vor ihm. Fluchbrecher vibrierte leicht im Takt ihrer knarrenden Stimme. Diese Klinge war es schließlich gewesen, die sie einst befreit hatte.
„Hattest du vergessen, dass die Rune dich vor Magie schützt? Her je, da finde ich endlich jemand der es würdig ist Fluchbrecher zu tragen, seine Kraft auch nutzen will und dann schließt du mich aus. Du solltest dir angewöhnen die Klappe wenigstens ab und zu abzunehmen, sonst entgeht dir so viel zauberhaftes auf der Welt. Oh ...“
Gunther näherte sich und sie schlug ihren erdfarbenen Umhang über die Schulter zurück.
„Er ist ja auch schon da. Gut, gut! Dann kann es ja bald los gehen.“

Als Gunther bei Baltos angekommen war, hatte dieser gerade die ihm dargebotene Augenklappe aufgesetzt und wirkte ziemlich erschrocken. Doch darauf nahm der Inquisitor in diesem Moment keinerlei Rücksicht, als er begann ihn (wieder einmal) verbal zu schelten:
„Was hast du getan? Verstehst du überhaupt, was ich gerade gesagt habe? Bemüh dich gefälligst, dich in andere hineinzuversetzen! Ich suche sie, und du rührst dich nicht von der Stelle, Bursche!“
Sie umkreiste ihn derweil schmunzelnd, ohne dass er von ihr wahrgenommen wurde. Dann stapfte der alte Inquisitor schon wieder zurück zum Anwesen um nach Luci zu sehen.

Rukulla faltete die Hände vor ihrer Brust und seufzte tief ihm verträumt nachblickend hinterher.
„Was für ein hübsches Kerlchen! … und so viel Temperament! Wäre ich doch ein paar Jährchen jünger … “
Dann wandte sie sich wieder ernst Baltos zu.
„Großer, ich will dir immernoch helfen, aber auf deinem Weg liegen viele Steine. Es gibt viele Seelen die es zu retten gilt. Willst du uns weiter beistehen?“
Baltos hatte gelernt an Geistermagie zu glauben, noch bevor er seine Heimat verlassen hatte, doch was er jetzt sah, brachte auch seine Knie ein wenig zum zittern. Mit der letzten Frage hatte es begonnen und trotz der Hitze lief ihm eine eisiger Schauer über den Rücken. Es war keine Angst die sich da bemerkbar machte, nur die Gewissheit, das ihm etwas Großes bevor stand. Hinter Rukulla lag nicht weit entfernt die Waldgrenze und mit jedem Wort hatten sich dort mehr und mehr Gestalten zu formen. Die weiße Masse schien lebendig zu werden und auch wenn sie sie noch halb verbarg konnte Baltos ahnen, dass sie weit mehr als nur vier Frauen und drei Männer hier waren.
„Der Graf wird euch helfen so weit er kann. Er ist ein alter Freund von mir, also sei bitte nett zu ihm. Ach ja, mach dir wegen Rumpel erst einmal keine Sorgen, sie haben ein gutes Versteck gefunden und wir haben ihn im Auge. Oh gut dass wir gerade von reden, ich hab ganz vergessen ihm zu sagen, dass das Eis noch nicht kommt.“
Sie nahm seine Hand und wie schon zuvor fühlte sie sich gerade so real an, wie er es ertragen konnte.
„Komm lass uns hinein gehen.“
Sie schaute mit lachenden Augen zu ihm hinauf.
"Wir müssen den Süßen noch an mich gewöhnen."

Gunther hatte die Eingangshalle betreten und sah sich nach Luci um. Die Tür zu seiner Rechten stand einen Spalt offen und so näherte er sich vorsichtig. Schon durch den Spalt konnte er sie sehen. Sie saß zusammengekauert auf einem thronartigen Stuhl mit hoher Lehne, von dem es noch 20 andere gab. Die lange Tafel war noch nicht gedeckt aber wirkte schon jetzt einladend. Silberne Leuchter standen in regelmäßigen Abständen auf weißen Darmastläufern. Ansonsten dominierte Holz und weißer Stein die Farben des sonst eher rustikalen Speisezimmers. Drei graubraune Felle lagen vor einem offenen Kamin in der äußersten Ecke und drei weitere Türen führten von hier ab. Außerdem gab es Kohlebecken, wenn noch mehr Wärme gebraucht wurde und einen massiven Kronleuchter der an einer dicken Kette von der Decke hing. Vor den Fenstern gab es kleine Bänke und alle paar Schritte stand ein kleiner Tisch. Lucis Schluchzen ließ ihn jedoch den wunderbaren Anblick der Umgebung nicht genießen und er eilte zu ihr. Sie hatte den Kopf unter ihren Armen verborgen und schluchzte leise. Bisher hatte sie ihn wohl nicht gehört.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Montag 3. November 2014, 08:59

War Baltos gerade in einer anderen Welt? Der Jäger konnte absolut nicht glauben, was er sah.
Magie!!! War sofort das erste Wort. was ihm einfiel als er dieses Märchenschloss und sein Prunkgarten erblickte. Mit offenem Mund starrte er die Umgebung an, die sich innerhalb von Sekunden verändert hatte, als ihn eine bekannte Stimme ansprach.
„Na endlich! Großer, ich hab schon gedacht das Ding sei mit deinem Kopf verwachsen! … Oder willst du mich los werden?“ Der Jäger musste kurz lächeln als er die Alte wieder sah die, wie aus dem nichts aus einem Erdhaufen entstanden war.
„Hattest du vergessen, dass die Rune dich vor Magie schützt? Her je, da finde ich endlich jemand der es würdig ist Fluchbrecher zu tragen, seine Kraft auch nutzen will und dann schließt du mich aus. Du solltest dir angewöhnen die Klappe wenigstens ab und zu abzunehmen, sonst entgeht dir so viel zauberhaftes auf der Welt. Oh ...“ Baltos folgte ihren verwunderten Blick und sah dann Gunther, der wie ein wütender Vater auf ihn zugestampft kam. Was will er denn jetzt schon wieder? Sie ist doch schon weggelaufen!
Genervt verdrehte der Mantroner sein eines Auge und lies die Standpauke über sich ergehen.
„Was hast du getan? Verstehst du überhaupt, was ich gerade gesagt habe? Bemüh dich gefälligst, dich in andere hineinzuversetzen! Ich suche sie, und du rührst dich nicht von der Stelle, Bursche!“
Nach dieser Schimpftriade humpelte der alte Templer auch sofort ins Anwesen, um wahrscheinlich Luci zu trösten.
„Der führt sich auf!“ Der Mantroner schüttelte kurz den Kopf und blickte wieder zu Rukulla die Gunther hinterher starrte wie ein junges Schulmädchen einen strahlenden Ritter.
„Was für ein hübsches Kerlchen! … und so viel Temperament! Wäre ich doch ein paar Jährchen jünger … “
Baltos starrte die alte Frau entsetzt mit weit aufgerissenem Auge an. Sie und Gunther? Der Jäger blickte noch einmal in die Richtung des Templers. Dabei spiegelte sich kurz ein Lichtstrahl auf der kahlen Kopfhaut des Mannes. Obwohl, sie sind wahrscheinlich fast im gleichen Alter!
„Großer, ich will dir immer noch helfen, aber auf deinem Weg liegen viele Steine. Es gibt viele Seelen die es zu retten gilt. Willst du uns weiter beistehen?“
Baltos lief ein Schauer der Erregung über den Rücken. Denn wenn Rukulla sagte das ihn etwas Großes bevorstehen sollte, dann musste es auch wirklich was Besonderes sein.
„Ich werde euch wieder helfen!“ Baltos hatte unbewusst in seiner Muttersprache mit ihr gesprochen, aber er wusste auch das sie ihn verstand!
Kaum als er ihr seine Hilfe versprochen hatte, sah er wie sich an der Grenze zum Grundstück des Anwesen der Nebel veränderte und die grobe Gestalt von mehreren Menschen annahm. Der Mantroner nickte kurz respektvoll in die Richtung der Toten und wendete dann seine Aufmerksamkeit wieder Rukulla zu.
„Der Graf wird euch helfen so weit er kann. Er ist ein alter Freund von mir, also sei bitte nett zu ihm. Ach ja, mach dir wegen Rumpel erst einmal keine Sorgen, sie haben ein gutes Versteck gefunden und wir haben ihn im Auge. Oh gut dass wir gerade davon reden, ich hab ganz vergessen ihm zu sagen, dass das Eis noch nicht kommt.“
Baltos war froh das es Rumpel und den ehemaligen Gefangenen gut ging. Denn so konnte er sich dem was bald kommen würde beruhigt entgegentreten.
Rukulla nahm seine Hand und wie schon zuvor fühlte sie sich gerade so real an, wie Baltos es ertragen konnte. „Komm lass uns hinein gehen.“
Sie schaute mit lachenden Augen zu ihm hinauf.
"Wir müssen den Süßen noch an mich gewöhnen." Der Jäger lachte kurz über ihre letzte Aussage und ging dann Hand in Hand mit ihr ins Anwesen.
Was wohl diesmal passiert?

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Dienstag 4. November 2014, 15:13

Nachdem Gunther den Mantroner angeblafft und stehen gelassen hatte, folgte er, so schnell es seine müden Knochen erlaubten, der Dienerin ins Innere des Gebäudes. Zu seiner Rechten entdeckte er eine offene Tür aus der leises Schluchzen drang Langsam und vorsichtig näherte er sich, sehr darauf bedacht weder laut noch stürmisch zu wirken. Dort fand er sie, zusammengekauert wie ein verletztes Jungtier das sich in seine schützende Höhle zurückzieht. Sein Blick wurde traurig und mitfühlend. Mit langsamen Schritten kam er näher. Noch schien Luci ihn nicht bemerkt zu haben. Der Anblick tat ihm in der Seele Leid und er konnte voll und ganz nachvollziehen, dass sie Angst vor dem Neuankömmling hatte.

„Luci?“ Diese Frage stellte er aus dem Grund, damit sie Notiz von ihm nahm.

Er hockte sich mit knackenden Gelenken vor der jungen Frau hin und sah ihr mitfühlend ins tränenreiche Gesicht. Wenn sie es zuließ, würde er ihre Hand nehmen, während er versuchte, sich zu entschuldigen.

„Luci… es tut mir Leid. Ich hätte dich nicht allein lassen dürfen. Ich hätte nicht von dir verlangen sollen, dass du dem Mann entgegentrittst. Bitte vergib mir. Ich wollte dir nur helfen, deine Angst zu überwinden. Doch jetzt weiß ich, dass das ein Fehler war. Ich hoffe du kannst mir verzeihen.“

Der alte Mann seufzte schwer und sah einen kurzen Moment zu Boden. Er machte sich Vorwürfe. Er hatte ihr gesagt, er würde bei ihr bleiben. Nicht im Ansatz hätte er damit gerechnet, dass nach der Übergabe der Augenklappe noch etwas Derartiges passieren könnte.

„Vielleicht willst du es nicht hören, aber… der Mann ist weder bösartig noch aggressiv. Er meinte es nicht böse, bitte glaub mir das. Er ist einfach nur…“ Gunther schien einige Momente nach dem passenden Wort zu suchen. „…nicht besonders clever, was den Umgang mit anderen Menschen angeht. So scheint es mir zumindest. Bitte versuch, ihn nicht als Bedrohung zu sehen. Gib lieber mir statt ihm die Schuld für das, was passiert ist.“

Als er wieder hoch sah, erwartete er Lucis Urteil. Vielleicht würde sie ihn anschreien, vielleicht würde sie ihn wegschicken. Vielleicht würde sie aber auch verstehen, was er beabsichtigt hatte, mit ihm reden und versuchen, die Sache zu verarbeiten. Aber ganz gleich, was ihn erwarten sollte, er würde es hinnehmen und versuchen, das Beste aus der verfahrenen Situation zu machen. Sein Blick war weder fragend noch verurteilend, er lächelte einfach sanft das verloren wirkende Mädchen vor ihm an und wirkte wie ein geduldiger Zuhörer und guter Freund, dem es wirklich wichtig war, dass es ihr gut ging.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. November 2014, 10:16

Bei Delilah

"Nur? Aber Kadia... ich bin auch nur die Tochter einfacher Leute. Mein Vater war Soldat..."
Die junge Frau neben ihr blinzelte, was Delilah aber sah, war die Bewegung ihrs Kopfes in ihre Richtung. Die blaue Aura bekam kurz einen violetten Schimmer, dann war er aber auch schon wieder verschwunden. Was war das? Das ein einzelnes Wort in einem Menschen so viel verändern konnte, war schon unglaublich. Man sagte ja auch Worte können tiefer schneiden als jedes Schwert und so hatte ihr Satz: Mein Vater war Soldat, mehr über sie verraten und gleichzeitg mehr mit ihr vereint, als Delilah vielleicht vermutete.
"Ich habe mich... so könnte man es sagen... auch hierher verlaufen. Ich kann dir nicht viel mehr über dieses Haus berichten, als dass es meines Wissens nach von vier Leuten bewohnt wird, tausendundeinen Geruch verbirgt und man nachts das Holz flüstern hört. Ansonsten weißt du mehr als ich, denn ich kenne jeden Stock und jeden Stein hier nur aus den Beschreibungen von Luci.
Und bitte! ... bitte nenn mich Delilah!"

Sie berührte Kadia sanft am Arm. Sie wollte nicht weiter nach ihren Eltern fragen, um den Schmerz nicht zu nähren. Kadia würde von selbst sprechen, wenn es sie danach verlangte.
Sie redeten über Märchen und Legenden, über Träume und Phantasien und schnell kam heraus wie sehr die beiden einander ähnelten und doch ganz anders waren.
"Kennst du das Märchen vom "Sprung in der Schüssel"? Das hat mir ... *schluck* ... meine Mutter vorgelesen. Magst du es hören? Sie hatte es immer erzählt, wenn ich etwas falsch gemacht hatte und mich deswegen schlecht fühlte."
Delilah nickte.
"Es war einmal eine alte Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.
Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft." Die alte Frau lächelte. "Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?" "Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."

Eine Weile schwieg sie und Delilah übernahm das Reden. Mit der Zeit war es fast, als unterhielten sich zwei Schwestern, die beide ihre Eltern verloren hatten. Kadia taute vollkommen auf. Ob es an diesem Ort oder an Delilah lag? Vielleicht beidem. Sie waren beide verletzte Seelen die bei Verano Unterschlupf gefunden hatten.
Irgendwann kamen sie zurück ins Hier und Jetzt und Kadia erinnerte sich an Delilahs Antwort zu der Anzahl der Personen, die das Anwesen verwalteten.
"Nur vier Personen? Das ist wenig für so ein Haus! Wer sind denn die vier?"
Bevor Delilah antworten konnte, hörten sie Schritte die sich näherten und dann stehen blieben. Kadia lauschte. Delilah hörte sogar ein leises Grummeln. Es klang ärgerlich und dann entfernten sich die Schritte wieder. Kadia stand vom Tisch auf und ging zum Fenster.
"Da geht irgendetwas vor sich. Gunther steht bei einem Mann ... IST der groß! Er hat einen ganz roten Kopf, so wie ich das von hier aus sehen kann. Jetzt geht Gunther ins Haus und da ... OH, heiliger Lysanthor! Da liegt ein BÄR!"
Kadia trat ein paar Schritte vom Fenster weg und kam zurück zu Delilah. Ihr Hand zitterte leicht, als sie die ihre ergriff. Jetzt flüsterte sie fast.
"Keine Sorge ... ich ... Ich hab einen Heuboden gesehen. Da können wir uns verstecken und wenn wir die Leiter hoch ziehen kriegt uns keiner."
Schon zog sie sie auf die Beine und wollte sie in den Hinteren Teil des Stallhauses führen, wo Delilah bald die schmalen Sprossen einer Leiter an ihren Händen fühlte. Sollten sie sich verstecken? Warum war Gunther hinein gegangen? Wo war Verano? Was war das mit dem Bären? Delilahs Neugierde und ihre Vorsicht rangen heftig miteinander.

Bei Baltos

Rukullas Hand drückte kühl und unwirklich seine Hand, als sie die Stufen zum Anwesen hinauf stiegen. Ihr Kopf wanderte noch einmal über den Platz zum Bären und zum Stallhaus. Sie schmunzelte und schlüpfte dann durch den Türspalt, den Baltos erst aufdrücken musste. Die Eingangshalle war zwei mal so geräumig wie Thure Sturmschreiers Langhaus und angenehm kühl. Baltos war, als würde das Haus sich seinen Wünschen anpassen und sah sich aufmerksam um. Zu seiner Rechten stand eine weitere Tür ein Stück offen und gedämpfte Stimmen waren dahinter zu hören. Gerade als er sich dieser nähern wollte, zupfte Rukullas Hand an seiner.
"Hihi! Nächste Prüfung! Pass auf, mein Großer!"
Baltos sah zu ihr und damit streifte sein Blick die große doppelflüglige Treppe die hinauf in den zweiten Stock führte. Was für Menschen bauten nur zwei Häuser aufeinander? Eine Bewegung lockte seinen Augen nach oben und dort kam langsam, aber äußerst selbstsicher eine Frau die Treppe hinunter. Ihr Leib war in ein schwarzes Kleid, das für mantronische Verhältnisse mehr zeigte als verhüllte. Man konnte genau die Formen ihres Körpers erkennen. Die stolzen Schultern, die weiblichen Wölbungen, die schmale Taille. Darunter schritten lange Beine die Stufen hinab. Sie war zwar nicht so groß und stark wie die Mantonerinnen die er kannte, doch auch nicht so zierlich wie dieser Schneehase Luci. Ihr hoch gestecktes Haar war schwarz wie der Nachthimmel, entblößte ihren schlanken Nacken und ihre grünen Augen waren geformt wie Mandelkerne. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, bis sie aufrecht zu ihm aufschauend vor ihm stand und mit bestimmte Stimme sprach:
"Mein Name ist Neroli. Bitte folgen sie mir. Ich zeige ihnen ihr Zimmer."
Diese Frau wusste was sie wollte! Mit schwingenden Rock drehte sie sich wieder um und ging vor ihm die Treppe hinauf. Vielleicht lag es an dem seltsamen dünnen Stoff, aber Ventha hatte dieser Frau Schwingungen wie Sturmwellen gegeben. Sie hatte etwas fast aggressives in ihrem Gang, wie ein Wolf, der an seinem Geschirr riss. Sollte er ihr folgen? Sie wollte es ganz offensichtlich! Gunther hatte schließlich gesagt, er sollte sich anpassen, also warum nicht. Rukulla ließ seine Hand nicht los und grinste die ganze Zeit, als ahnte sie etwas. Von ihr war wohl im Umgang mit Frauen keine Hilfe zu erwarten! Wenigstens ließ sie ihn nicht allein.
"Bitte ...!"
Neroli wartete am oberen Treppenabsatz auf ihn und wies ihn an ihr weiter zu folgen. Sie gingen einen langen Gang entlang, dessen Boden mit seltsamen Fellen ausgelegt waren. Sie waren unglaublich lang und schluckten die Geräusche seiner Schritte. Dann öffnete sie ganz am Ende eine Tür, trat vor ihm ein und ihr Arm streckte sich zur einladenden Geste. Sie lächelte nicht, aber doch war da kurz ein Glitzern in ihren Augen. Nachdem er eingetreten war, schloss sie die Tür und ging zum Bett. Rukullas unterdrücktes Kichern begleitete ihn.
"Das Bett ..."
Ein Bett war das? Die Oberfläche war so groß, das eine ganze Familie darin schlafen konnte!
"... wenn sie morgen früh frische Laken wünschen sagen sie es bitte. Legen sie bitte ihre Kleidung ab. ..."
Rukulla gluckste. Und Neroli dreht sich um, anscheinend damit er sich ausziehen konnte. Sie öffnete eine Tür in der Wand und dahinter kam merkwürdige Kleidungsstücke zum Vorschein. Sie betrachtete eingehend eine Art Mantel, denn sie dann heraus nahm und über ihren Arm legte.
"... Ich werde sie reinigen und ihnen ein Bad bereiten. Sie können diesen hier tragen so lange sie im Haus sind."
Dann drehte sie sich wieder um.

Bei Gunther

„Luci… es tut mir Leid. Ich hätte dich nicht allein lassen dürfen. Ich hätte nicht von dir verlangen sollen, dass du dem Mann entgegentrittst. Bitte vergib mir. Ich wollte dir nur helfen, deine Angst zu überwinden. Doch jetzt weiß ich, dass das ein Fehler war. Ich hoffe du kannst mir verzeihen.“
Der alte Mann seufzte schwer und sah einen kurzen Moment zu Boden. Er machte sich Vorwürfe. Er hatte ihr gesagt, er würde bei ihr bleiben. Nicht im Ansatz hätte er damit gerechnet, dass nach der Übergabe der Augenklappe noch etwas Derartiges passieren könnte.
„Vielleicht willst du es nicht hören, aber… der Mann ist weder bösartig noch aggressiv. Er meinte es nicht böse, bitte glaub mir das. Er ist einfach nur…“
Gunther stockte einen Moment. Luci schniefte leise im Schutz ihre Arme.
„…nicht besonders clever, was den Umgang mit anderen Menschen angeht. So scheint es mir zumindest. Bitte versuch, ihn nicht als Bedrohung zu sehen. Gib lieber mir statt ihm die Schuld für das, was passiert ist.“
Der alte Inquisitor hatte ja schon viele Tränen in seinem Leben gesehen, jene die ein Sünder heraus presste, um seine Strafe zu mildern und jene die vergossen wurden um wahre Trauer fort zu spülen, doch diese hier waren einfach nur herzzerreißend! Als Luci langsam ihren Kopf zu ihm hob, standen die Fluten auf ihren Wimpernkränzen und alle Dämme brachen. Dicke runde Diamanten kullerten aus ihren rosa geäderten Augen und blickten so traurig, dass es einem die Kehle zu schnüren konnte. Ein dicker Klos drückte sofort auf seinen Adamsapfel. Was war das nur? Wo war er hier nur gelandet? Sammelte der Graf vielleicht verletzte Seelen um ihnen hier an diesem warmen schönen Ort eine Pause vom Leid der Welt zu verschaffen? War das alles nur Zufall? Dieses Kind vor ihm, trug die Last eines Lebens auf seinen Schultern, dass er ihr nicht gewünscht hätte, dafür musste er noch nicht einmal wissen, worin diese Last bestand. Manchmal war es nur eine stille Geste, eine ernst gemeinte Entschuldigung die die Hoffnung zurück brachte.
"Nein, das kann ich nicht."
Sie wischte sich mit dem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich kann euch nicht dafür verantwortlich machen. Es ist meine Schuld. Ich sollte stärker sein."
Dann schien sie sich zu erinnern wo sie war und wechselte prompt in die Sprache der Gemeinen.
"Entschuldigt bitte, ich sollte euch nicht mit meinen Tränen belästigen. Ich ... mache euch euer Zimmer fertig. Fleißige Hände klären den Geist, hat mein Vater immer gesagt. Ja!"
Sie setzte sich auf, strafte die Schultern und stand auf.
"Ich weiß wo euer Zimmer ist. Bitte kommt mit ... und wenn ihr mir nur einen Gefallen tun könntet?"
Gunther nickte geflissentlich.
"Wenn der große Mann zum Essen kommt, sind sie dann auch da? Ich möchte nur nicht mit ihm alleine sein."
Das sollte kein Problem darstellen, wenn Gunther einfach bei Baltos bliebe und ihn im Auge behielt. Wo war der Mantroner eigentlich gerade? Luci stand auf und knickste. Dann führte sie den Templer die Treppe hinauf in den rechten Flügel. Weiche Teppiche dämpften ihre Schritte und Samtene Vorhänge säumten ihren Weg. Luci öffnete eine Tür die ziemlich mittig im Gang lag und bat Gunther einzutreten.
"Bitte."
Das Zimmer war warm und gemütlich eingerichtet. Ein schon fast monströses Bett lud zum Umfallen ein und ein Hausmantel lag am Fußende bereit.
"Wenn sie wünschen kümmere ich mich um die Reinigung ihrer Rüstung."
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Donnerstag 6. November 2014, 17:01

"Nur vier Personen? Das ist wenig für so ein Haus! Wer sind denn die vier?"
Bevor Delilah antworten konnte, hörten sie Schritte die sich näherten und dann stehen blieben. Kadia lauschte. Delilah hörte sogar ein leises Grummeln. Es klang ärgerlich und dann entfernten sich die Schritte wieder. Kadia stand vom Tisch auf und ging zum Fenster.
"Da geht irgendetwas vor sich. Gunther steht bei einem Mann ... IST der groß! Er hat einen ganz roten Kopf, so wie ich das von hier aus sehen kann. Jetzt geht Gunther ins Haus und da ... OH, heiliger Lysanthor! Da liegt ein BÄR!"
Kadia trat ein paar Schritte vom Fenster weg und kam zurück zu Delilah. Ihr Hand zitterte leicht, als sie die ihre ergriff. Jetzt flüsterte sie fast.
"Keine Sorge ... ich ... Ich hab einen Heuboden gesehen. Da können wir uns verstecken und wenn wir die Leiter hoch ziehen kriegt uns keiner." Schon zog sie sie auf die Beine und wollte sie in den Hinteren Teil des Stallhauses führen, wo Delilah bald die schmalen Sprossen einer Leiter an ihren Händen fühlte.

"Ein Bär?"
Delilah entzog ihre Hand Kadia. "Warte doch..." Was war denn heute für ein Tag? Die Licht-Magi hatte das Gefühl schon Wochen oder gar Monde hier verbracht zu haben und immer waren sie hier alleine gewesen. Woher kamen heute all die Fremden?
Aber wenn Gunther ins Haus ging, an dem Mann vorbei... "Ich glaube nicht, dass dein Begleiter uns hier ungeschützt zurück lassen würde."
Sie klang überzeugt. "Wenn er den Mann alleine draußen lässt, muss er ihm zu einem gewissen Grad trauen, oder nicht?"
Delilah war neugierig auf den Fremden. Hatte er den Bär mitgebracht? "Und der Bär liegt einfach nur da?"
Sie drehte sich um und versuchte den Weg zurück zur Tür zu finden, eine Hand an der Wand... sie stieß sich nur einmal den Fuß...
Dann lauschte sie. Sie hörte vieles, aber zum größten Teil waren es die normalen Geräusche ihrer Umwelt: Vogelgezwitscher, leises Blätterrauschen,... nur Kadia störte das "Bild".
Obwohl... hörte sie da ein leises Schnaufen? Menschen waren jedenfalls keine mehr auf dem Vorhof, die machten für gewöhnlich mehr Lärm.
Inzwischen hatte sie die Tür gefunden und ihre Neugier war es die sie trieb, langsam drückte sie die Klinke herunter und öffnete sie einen Spalt breit. Hinter sich spürte sie die Anspannung Kadias. Fast augenblicklich wollte Delilah die Tür wieder zuschlagen. Eine ekelerregende Wolke von Gestank schlug ihr entgegen. Blut, so viel Blut und Schweiß! Davon hatte Kadia nichts gesagt... Altes Blut, rostig, metallisch und ... Oder nahm sie ihn nur intensiver war als sont? "War der Mann verletzt?", flüsterte Delilah, den Ekel noch in der Stimme. Kadia und der Inquisitor hatten ja auch keinen Rosenduft verströmt, aber das hier eben war nur ein Fetzen des eigentlichen Geruchs und er traf bereits ihre überempfindsame Nase hart. Etwas Tierisches war darin... und der leichte Hauch von.... Fisch? Da musste sie sich irren...
Sie hielt die Türklinke noch immer in der Hand.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 6. November 2014, 19:05

Bei Deli

"Ein Bär? Warte doch... Ich glaube nicht, dass dein Begleiter uns hier ungeschützt zurück lassen würde."
Sie klang überzeugt und entzog sich Kadias Hand.
"Wenn er den Mann alleine draußen lässt, muss er ihm zu einem gewissen Grad trauen, oder nicht?"
Kadia war jedoch noch unsicher. Irgend so etwas wie " ... vielleicht Hilfe zu holen ..." drang an Delilahs Ohr, aber war wohl gerade nicht für sie bestimmt. Gunthers Begleiterin sah hin und her gerissen zu wie sich die junge Frau in ihrem traumgesponnenen Kleid langsam zur Tür tastete, sie öffnete und sofort das Gesicht verzog.
"War der Mann verletzt?"
, flüsterte Delilah, den Ekel noch in der Stimme.
"Das konnte ich aus der Entfernung nicht sehen. Wollen wir nicht lieber warten?"
Mutig war sie nicht, aber vielleicht waren die letzten Tage auch einfach zu viel für sie gewesen.
"Was ist wenn Gunther lieber den Grafen oder die jemand von den Anderen holt? Er hätte uns doch auch rufen können, wenn er gewollte hätte das wir uns zeigen. Aber … Ein Bär! Es ist ein Bär! Die können einen Menschen mit einem Hieb töten!"
Kadia war wieder zu Delilah aufgeschlossen und ihre blau glühende Aura ergriff vorsichtig ihre Hand. Vielleicht mehr um sich selbst Mut zu spenden, als um die blinde Frau an ihrer Seite zu führen. Delilahs Neugierde hatte bisher immer gesiegt, wenn es galt Entscheidungen zu treffen, so war es auch jetzt nicht anders gewesen. Sie hatte die Tür geöffnet und der Wind hatte gedreht. Eine Flutwelle an Gerüchen rollte über ihre Sinne und ließ sie fast würgen. Die Schärfe von Männerschweiß war fast erträglich, aber im Zusammenspiel mit altem Blut, leicht säuerlichem Atem und verfaulendem Fisch war das Aroma einfach umwerfend im wörtlichen Sinne. Zu nah wollte sie dieser Quelle sicher nicht kommen, da sie sonst befürchtete ohnmächtig zu werden. Vielleicht, wenn sie diesem Geruch nah genug kam, so konnte ihn sie vielleicht sehen, so stellte sie es sich hier schon aus der Ferne vor. Wie furchtbar musste dieser Bär aus der Nähe riechen! Trotzdem hielt ihre Hand die Tür offen und sie spähte hinaus. Dunkelheit, nichts als Dunkelheit. Sie ging ein paar Schritte vorwärts durch den Mittelgang des Stallhauses, immer eine Hand an der Wand, die andere wurde von Kadia fest umschlossen. Dann hatte sie anscheinend den Torbogen erreicht und schluckte einmal instinktiv. Selbst die Geberhöfe in Jorsa hatten nicht so gestunken, oder sie hatte jetzt einfach die feinere Nase. Langsam schob Delilah ihren Kopf um die Ecke, als hoffte sie etwas zu sehen - und tatsächlich! Ein winziges helles Glühen, weiß-blau und silber-gold glitzernd schwebte reglos ungefähr einen Meter im Nichts und darüber tanzten vier kleine goldene Funken. Das musste Magie sein! Doch was war an einem Bären magisch? Was waren die goldenen Funken, obwohl die Farbe ihr vertraut war. Mehr als das, war für sie jedoch nicht zu sehen.
Kadia war nah an ihre Seite getreten und späte nun ebenfalls um die Ecke. Sie war um einiges größer, so dass sie sich nur ein wenig über sie beugen musste. Delilah roch ihren Atem nach Trauben und Brot, als sie atemlos flüsterte:
„Das gibt’s doch nicht! Der liegt nur still da und beobachtet Schmetterlinge! Unglaublich!“
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