Zwischen Jersa und Rugta

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Sonntag 16. August 2015, 18:00

„Morgen schon?“ Delilah konnte die Überraschung in ihrer Stimme nicht verbergen.
Sie würde schon morgen nach Hause kehren können!
Die junge Jorsanerin war sich tatsächlich nicht ganz einig, ob sie sich darüber freuen sollte. Einige Schlieren Wehmut verwischten das Bild der Freude. Verano würde ganz allein bei seinen Geistern zurück bleiben... und nicht alle schienen gut zu sein. War es fair, dass ein Mann so ein Los alleine tragen musste? Aber Delilah konnte ihm dabei auch keine Hilfe sein.
Ihre Aufgabe lag woanders verborgen.

„Dann bis morgen..!“, rief sie Verano über die Schulter zu, als sie ihre zarten Finger in Baltos riesige Hand schob. So ganz sicher war sie bei den wirbelnden Farben noch immer nicht auf den Beinen.

„Nanuq? Ist das dein Eisbär?“, fragte sie den großen Mantroner, dessen Züge sie nun zum ersten Mal wirklich erkennen konnte. „Weiße Bären... wer hätte gedacht, dass ich je einen sehen würde?“
Dass ich je wieder etwas sehen würde... Delilah ließ ihren Blick durch das Innere des prachtvollen Anwesens streifen. Dieser Ort war wirklich voller Wunder... schrecklicher wie schöner.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Dienstag 25. August 2015, 21:21

„Nanuq? Ist das dein Eisbär? Weiße Bären... wer hätte gedacht, dass ich je einen sehen würde?“
Der Jäger lächelte, nickte und hielt die kleine Hand der jungen Frau so vorsichtig fest als wäre sie aus Glas. Denn er hatte wirklich Angst, dass er sie zerbrach. Denn schon bei der ersten Berührung stellte er unterschiede zu seinem Volk fest. Ihre Finger waren viel filigraner und an ihrer Haut befanden sich überhaupt keine Schwielen, wie man sie von harter Arbeit bekam. Es wirkte für Baltos so als hätte die kleine Robe noch nie etwas wirklich Schweres mit ihrer Hand gehoben.
Während er sie an der Hand nach draußen zu Nanuq führte, musste Baltos die kleine Deli einfach fragen. „Sag mal müsst ihr in Jorsa eigentlich jemals körperlich schwer Arbeiten?“ Er bemerkte, dass sie seine Frage nicht ganz verstand. „Ich meine, weil deine Hände und die all der Anderen hier so weich und klein sind. Selbst Verano hat so zerbrechlich zarte Hände wie sie sonst nur die Jüngsten bei uns in der Sippe haben, bevor sie ihren ersten Baum fällen. Was in der Regel so mit fünf Jahren passiert!“

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. August 2015, 08:34

Verano hatte sich zurück gezogen und seine beiden Gäste flanierten Hand in Hand hinaus zu dem schlafenden Eisbären. Sah man zu seinem Flügel hinüber flammten dort kurz Lichter in einem Zimmer auf, aber erloschen nach kurzer Zeit auch wieder.
Nanuq lag mitten im Springbrunnen auf dem Vorplatz. Er lag auf dem Rücken, seinen Kopf lag auf dem Rand und seine Zunge hing ihm aus dem Maul. Sein dichtes Fell trieb im Wasser. Es wirkte, als hätte er nach einem ausgiebigen Spiel im Springbrunnen, sich hin gelegt und wäre darüber eingeschlafen. Die großen Blätter der Seerosen waren teilweise umgekippt oder abgerissen, Wasserlilien lagen außerhalb des Beckens, dass an einer Stelle sogar einen Stein verloren hatte und etwas Wasser verlor. Wenigstens stand die Statur in der Mitte noch und sein Pelz war nun wieder weis.
Als sie näher kamen zuckte erst sein Fell, dann seine Nase und er öffnete die schwarzen Knopfaugen. Seine Lefzen hingen nach oben, da er ja verkehrt herum lag und so „grinste“ er zur Begrüßung die beiden an. Dann kam der massige Leib in Bewegung und rollte sich aus dem Wasser, über den Rand, auf die Füße.
„Fressen?“
Sein Brummen war an seinen Freund gerichtet und er schnupperte nach Delilah, die er jetzt erst wahrnahm. Sein hungriges Interesse galt nicht ihr, denn dass er keine Zweibeiner kauen sollte, hatte er schon gelernt. Er hatte nur so immer Hunger. Langsam trottete er näher und schnupperte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Samstag 19. September 2015, 05:07

„Sag mal müsst ihr in Jorsa eigentlich jemals körperlich schwer Arbeiten?“ Baltos schien zu bemerken, dass sie seine Frage nicht ganz verstand. „Ich meine, weil deine Hände und die all der Anderen hier so weich und klein sind. Selbst Verano hat so zerbrechlich zarte Hände wie sie sonst nur die Jüngsten bei uns in der Sippe haben, bevor sie ihren ersten Baum fällen. Was in der Regel so mit fünf Jahren passiert!“

Delilah lachte leise, während sie weiter durch die kühle Nacht spazierten, ihre kleine Hand in ihrer großen.
„Nun wir haben schon Handwerker und Arbeiter, aber weder Verano noch ich gehören dazu. Ich bin Schülerin der Lichtakademie, ich lerne Menschen magisch und nichtmagisch zu heilen. Das kann auch harte Arbeit sein, aber sowas zeigt sich erst nach vielen Jahren. Es zerrt an Körper und Geist. Aber es ist eine lohnende Arbeit.“
Das Herz der Jorsanerin machte einen kleinen Sprung bei ihrer Erzählung, sie freute sich darauf, ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Mit jedem Augenblick sickerte die Erkenntnis des Wunders, das sie erfahren hatte mehr und mehr in ihren Geist. Sie konnte wieder sehen... welch ein Geschenk! Sie würde diese Gabe nie wieder für selbstverständlich halten, so wie jemand der einmal schrecklichen Hunger erfahren hatte, nie wieder ein Brot fortwerfen würde.
Sie sog jedes flackernde Bild in sich auf, jede verwischende Farbe.

Morgen, wenn ihre Augen die ersten Sonnenstrahlen wieder erblickten, würde sie Lysanthor danken, dass er ihr seinen Boten geschickt hatte. Sie war Gunther so schrecklich dankbar für seine Hilfe, war er es doch gewesen, der sie aus der Dunkelheit erhoben hatte.
Sie hatte verstanden wie er sie geheilt hatte, besaß sie doch Grundkenntnisse der Lichtmagie. Wie Verano ihr jedoch geholfen hatte, wie er ihren Körper wiedererweckt hatte, das war ihr noch immer ein Rätsel. Sie ahnte nur, dass die Geister irgendwie darin verwickelt waren.
Sie war ihm auch dankbar, doch seine … Magie machte ihr Angst. Sie fühlte sich nicht so wahr und rein und richtig an, wie es die Lichtmagie für sie tat. Wie es ihm selbst wohl damit ging?

„Naja, und Verano ist …“ Delilah überlegte einen Moment. „... er ist ein Graf, von Adel. Diese Leute achten in der Regel auf ein sehr gepflegtes Aussehen und sie müssen nur sehr selten arbeiten, außer wenn sie in der Armee dienen.“ Aber Verano war doch Ritter, oder?
Kurz flackerte das Bild von einem hohen Recken auf einem weißen Pferd durch Delilahs Gedanken. Damals auf dem Marktplatz, kurz bevor die Magie in ihr... kurz vor der Nova. Sie erinnerte sich an das andere Mädchen, mit dessen Vater Omniel in der Gasse … redete... und an Raphael. Doch sie erinnerte sich auch an den fremden Ritter.
War er das gewesen? Hatte er gesehen, wie sie die Kontrolle verloren und all diesen armen Menschen verletzt hatte? Delilah wurde unwohl bei dem Gedanken.
Aber es konnte jeder hohe Mann der Armee gewesen sein... für sie hatten sie doch damals noch alle gleich ausgesehen.

„Aber die Leute bei uns sind nicht faul, wir sind sogar ein sehr fleißiges Völkchen! Wir wirken jedoch nicht durch unbändige Kraft, sondern durch Gemeinschaft. Wenn man bei euch zum Schleppen und Tragen eine Person braucht, sind es bei uns vielleicht zwei. Oder man erleichtert sich die Arbeit durch besseres Werkzeug. Jeder macht einen kleinen Teil der großen Arbeit und so geht es schnell voran!“ Delilah schob sie eine Haarsträhne hinters Ohr und betrachtete kurz verwirrt ihre Hand. Sie sah wirklich nicht sehr kräftig aus. Schmal, blass, unbeschädigt. Wie eine Puppe... Der Gedanke verdüsterte ihre Hochstimmung. Sie war wirklich viel zu lange eine leblose Hülle gewesen. „Ich bin auch noch ein Sonderfall... ich konnte mich eine ganze Weile nicht bewegen, ich war schwer … krank... und das hat mich noch schwächer werden lassen, als ich sowieso schon bin.“ Man hörte den Missmut den sie darüber empfand deutlich ihrer Stimme an.
Delilah wäre gerne um einiges stärker gewesen.

Da sah sie den Eisbären. Er lag mitten in dem Springbrunnen des Vorplatzes. Er lag auf dem Rücken, seinen Kopf lag auf dem Rand und seine Zunge hing ihm aus dem Maul. Sein dichtes Fell trieb im Wasser. Es wirkte, als hätte er nach einem ausgiebigen Spiel im Springbrunnen, sich hin gelegt und wäre darüber eingeschlafen. Die großen Blätter der Seerosen waren teilweise umgekippt oder abgerissen, Wasserlilien lagen außerhalb des Beckens, das an einer Stelle sogar einen Stein verloren hatte und etwas Wasser verlor. Wenigstens stand die Statur in der Mitte noch und sein Pelz war nun wieder weiß.

Die Düsternis in Delilahs Augen verschwand schlagartig und machte der puren Neugier eines junges Menschen Platz. Was für ein Koloss von Tier! Passend zu seinem Herren ein Brocken aus Muskeln und Kraft. Erst mit großen Schritten, dann immer vorsichtiger näherte sich die junge Lichtmagi dem großen Bären.

Als sie näher kamen zuckte erst sein Fell, dann seine Nase und dann öffnete er die schwarzen Knopfaugen. Seine Lefzen hingen nach oben, da er ja verkehrt herum lag und so „grinste“ er zur Begrüßung die beiden an. Dann kam der massige Leib in Bewegung und rollte sich aus dem Wasser, über den Rand, auf die Füße. Delilah stolperte erschrocken einen Schritt zurück, als sich dann auch noch ein tiefes Grummeln aus den Tiefen dieses gewaltigen Tieres erhoben.

Langsam trottete er näher und schnupperte.
Und Delilah verschwand hinter dem Rücken des Mantroners, auch wenn sie neugierig hinter ihm hervorblickte. Die Dunkelheit und ihr noch immer nicht ganz erholtes Augenlicht malten dem Bären komische Grimassen ins Gesicht. Sie hatte Respekt vor dem großen Tier, auch wenn sie es sich zu gerne noch näher angesehen hätte.

Baltos schien keinerlei Scheu vor dem Bären zu haben, aber Delilah hatte bereits gelernt, dass Mantroner und Jorsaner unterschiedliche Auffassungen von „Kraft“ und „Gefahr“ hatten.
„Freut mich dich kennenzulernen, Bär.“, sagte sie mit fröhlicher Stimme, doch ihr sicheres Versteck hinter Baltos gab sie noch nicht auf.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 7. Oktober 2015, 14:41

„Nun wir haben schon Handwerker und Arbeiter, aber weder Verano noch ich gehören dazu. Ich bin Schülerin der Lichtakademie, ich lerne Menschen magisch und nichtmagisch zu heilen. Das kann auch harte Arbeit sein, aber sowas zeigt sich erst nach vielen Jahren. Es zerrt an Körper und Geist. Aber es ist eine lohnende Arbeit.“
Baltos blickte die kleine Robbe an und nickte, er wusste das Heiler nicht die Kräftigsten waren, trotzdem waren ihn die Leute, die er bis jetzt gesehen hatte, einfach viel zu dürre und schlaff. Sie würden alle nicht einen Winter in Mantron alleine überleben können.
„Naja, und Verano ist …“ Delilah überlegte einen Moment. „... er ist ein Graf, von Adel. Diese Leute achten in der Regel auf ein sehr gepflegtes Aussehen und sie müssen nur sehr selten arbeiten, außer wenn sie in der Armee dienen.“
Der Mantroner verzog die Augenbraue.„Er muss hübsch aussehen, wenn er nicht im Krieg ist?" Der Jäger lachte schallend. „Was für ein seltsames Leben ihr hier führt!“
„Aber die Leute bei uns sind nicht faul, wir sind sogar ein sehr fleißiges Völkchen! Wir wirken jedoch nicht durch unbändige Kraft, sondern durch Gemeinschaft. Wenn man bei euch zum Schleppen und Tragen eine Person braucht, sind es bei uns vielleicht zwei. Oder man erleichtert sich die Arbeit durch besseres Werkzeug. Jeder macht einen kleinen Teil der großen Arbeit und so geht es schnell voran! Ich bin auch noch ein Sonderfall... ich konnte mich eine ganze Weile nicht bewegen, ich war schwer … krank... und das hat mich noch schwächer werden lassen, als ich sowieso schon bin.“ Man hörte den Missmut den sie darüber empfand deutlich ihrer Stimme an.

Baltos schüttelte den Kopf. „Euer Volk ist denke ich mal auch nicht faul, sondern einfach nur satt vom einfachen Leben. Wir wären wahrscheinlich genauso wie ihr, wenn wir nicht jeden Tag damit beschäftigt wären, das Feuer am brennen zu halten damit wir und unsere Kinder nicht Erfrieren!“ Der Mantroner musterte Deli und bestätigte ihr Selbstmitleid. „Da hast du recht kleine Robbe, in Estria wärst du wahrscheinlich schon längst gefressen worden!“ Er drückt leicht ihre Hand. „Doch dein Körper ist noch jung, wenn du dich viel bewegst und deinem Körper über seine jetzigen Grenzen hinaus forderst solltest du schnell zu deiner alten Kondition kommen.“
Während ihrer Unterhaltung erreichten sie das Planschbecken von Nanuq oder besser gesagt den ziemlich ramponiert aussehenden Springbrunnen von Verano. Doch den Bären genau wie den Mantroner interessierte dies nicht weiter. Nanuq lag entspannt im Wasserbecken und blickte die Zwei, wie ein übergroßer Hund der auf den Rücken lag, an. Seine Lefzen hingen dabei so herunter, dass es aussah als würde er Grinsen. Wobei Grinsen vielleicht das falsche Wort ist wenn man bedenkt, dass die Zähne eines ausgewachsenen Eisbären nicht gerade klein sind.
Der nasse Bär drehte sich erst um, als die Zwei schon fast sein Planschbecken erreicht hatten und trottete ihn dann entgegen. Dabei nahm er auch noch fast die hälfte des Wassers aus den Brunnen mit, was sich wie ein Sturzbach auf den Boden ergoss.
„Fressen?“ Der Jäger schüttelte grinsend den Kopf. „Später!“ Er war es leid den Bären jedes mal zu erklären, warum er ihn nicht ständig etwas zu fressen geben würde. Währenddessen versteckte sich Deli hinter Baltos und schaute vorsichtig aber nicht ängstlich den Bären an.
„Freut mich dich kennenzulernen, Bär.“ Nanuq schien sich nicht wirklich für Deli zu interessieren, aber das war Baltos auch ganz recht. Schließlich hätte sie nicht wirklich eine Chance, wenn sie der Bär freundlich umarmen würde. Also kniete der Jäger sich so hin, das alle Drei auf gleicher Höhe waren. „Sie ist noch ein Jungtier sie vorsichtig mit ihr!“ Gab der Mantroner den Bären zu verstehen und kurz darauf wendete er sich an Deli.
"Du kannst Nanuq ruhig anfassen, wenn du magst? Er liebt es hinter den Ohren gekrault zu werden! Weil er da so schlecht rankommt."

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. Oktober 2015, 10:12

„Fressen?“
Der Jäger schüttelte grinsend den Kopf.
„Später!“
Er war es leid den Bären jedes mal zu erklären, warum er ihn nicht ständig etwas zu fressen geben würde,aber der Bär wäre es wohl niemals leid daran zu denken. Aus ihrem Versteck hinter Baltos heraus meinte Delilah:
„Freut mich dich kennenzulernen, Bär.“
Nanuq schien sich nicht wirklich für das Mädchen zu interessieren, aber das war Baltos auch ganz recht. Schließlich hätte sie nicht wirklich eine Chance, wenn sie der Bär freundlich umarmen würde. Also kniete der Jäger sich so hin, das alle Drei auf gleicher Höhe waren.
„Sie ist noch ein Jungtier sie vorsichtig mit ihr!“
Gab der Mantroner den Bären zu verstehen und kurz darauf wendete er sich an Delilah.
"Du kannst Nanuq ruhig anfassen, wenn du magst? Er liebt es hinter den Ohren gekrault zu werden! Weil er da so schlecht drankommt."
„Dein Jungtier? Beschützen oder töten?“
In der Natur waren Eisbärenmännchen dafür bekannt, dass sie manchmal den Wurf eines Rivalen töteten, damit ihr eigenes Blut sich weiter verbreiten konnte. Nanuqs Lefzen zuckten kurz und die kleinen Ohren drehten sich nach hinten, als Delilah näher kam. In freier Wildbahn wären beide Menschen schon nicht mehr am Leben gewesen, wenn sie ihm so nahe gekommen wären, aber hier herrschten andere Bedingungen. Nanuq und Baltos waren durch Magie aneinander gebunden. Der Bär war nicht mit Menschen aufgewachsen, war nie viel gekrault worden, auch wenn er die Zuwendung von seinem Freund genoss. Er war immer noch wild und ungezähmt. Er war ein Freund des Mantroners, nicht der Menschen an sich. Also war es einzig der Magie zu Baltos geschuldet, dass er das Mädchen nicht sofort angriff. Baltos musste Delilah sozusagen „adoptieren“ damit Nanuq sie als teil seiner Familie akzeptierte und vorsichtig behandelte. Auch wenn es eine kleine Lüge war, so war sie in diesem Fall überlebenswichtig.
Dachte man einen Schritt weiter, wäre Nanuq in der Nähe von Menschensiedlungen in echter Gefahr. Die Vorstellung auf seinem Rücken durch eine Stadt zu reiten, ihn wie ein Pferd in einem Stall abzugeben weckte blutige Phantasien. Hätte Baltos ihn von klein auf groß gezogen, wäre das vielleicht etwas anderes. Hier stand immer noch ein Wildbär und das größte Landraubtier, sah man von den seltenen Drachen ab. Als Baltos sich hin kniete überragte der Bär ihn um ein gutes Stück und senkte seinen Kopf.

(Bild für den Größenunterschied per Pm)

Nachdem Baltos den „Welpen“ neben sich seinem Bären vorgestellt hatte und sie „adoptiert“ hatte, fühlte er auch in seinen Emotionen, dass er ruhiger wurde. Die riesige Nase, halb so groß wie Delilahs ganzes Gesicht kam ihr sehr nahe und schnupperte ausgiebig an ihr. Sein Atem roch leider nicht gerade nach Minze und sein Maul war so groß, dass er ihr bequem den Kopf abbeißen könnte. Die langen, starken Reißzähne waren leicht gelblich und seine dunklen Augen musterten sie neugierig. Baltos machte vor, wie sein Bär am liebsten berührt wurde und Delilah vertraute dem Mann blind, dass er sein Tier unter Kontrolle hatte.
Es dauerte eine Weile, bis Nanuq und Baltos alle Feinheiten einer zweiten Person in ihrem Rudel geklärt hatten, aber dann war die junge Lichtmagie außer Gefahr und konnte den Bären streicheln.

Der Abend hatte sich schon lange in eine dunkle Nacht verwandelt und der Nebel zog zwischen den Stämmen der Bäume hindurch auf das Haus zu. Baltos und Delilah waren etwas länger mit dem Bären beschäftigt gewesen, als sie vielleicht geplant hatten und bemerkten die Dunkelheit erst, als im Haus die Lichter gelöscht wurden. Einzig eine einzelne Laterne hing noch flackernd am Geländer des Eingangs und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum hatten sie sich ins Haus begeben, wallten die Nebel um das Anwesen und verschluckten es.
Irgendwann gingen auch sie zu Bett. Aufregung und viel neues hatte sie lange wach gehalten, aber nun verlangte ihr Körper nach dem verdienten Schlaf und kleine Träume verbanden Unterbewusstes mit den Ereignissen des Tages.

Der nächste Morgen kam viel zu schnell und bei beiden klopfte es leise an ihre jeweilige Tür. Bei Delilah war es Luci, bei Baltos war es Neroli die sie weckten und hier und da helfend zur Hand gingen. Neroli wie auch Luci waren eher schweigsam, denn der Tag der Trennung war gekommen. Baltos hatte angedeutet, dass er heute weiter ziehen wollte und Delilah wollte mit ihm gehen. Ein Blick aus den Fenstern genügte um zu zeigen, dass das Wetter umgeschlagen hatte. Der Nebel war so dicht, dass man kaum vier Meter weit sehen konnte und überall lag dichte Feuchtigkeit auf den Gräsern. Es wirkte fast ein wenig so, als wollte das Land sie nicht gerne ziehen lassen.

Später trafen sie sich beim Frühstück wieder und auch der Hausherr war anwesend. Er trug verstärkte Lederkleidung, mit beschlagenen Armschienen und einen Wappenrock. Jetzt ähnelte er sehr dem Ritter, den Delilah einstmals auf dem Marktplatz gesehen hatte. Und ja, er sah gut aus. Vor allem erholt, wenn gleich an seinem Hals noch ein winziges Stück seiner Verbände hervor schaute. Als ihr Blick darauf fiel, schob er es unter das Rüstungsteil.
„Ich wünsche einen guten Morgen, Delilah, Baltos Bestientod.“
Nachdem sie sich gesetzt hatten fuhr er fort:
„Ich habe beschlossen, die beide einen kleinen Teil des Weges zu begleiten. Ich muss nach meinen Ländereien sehen und hoffe, meinen Geschäftspartner Rumpert Knulburbur zu treffen. Gleichzeitig hat sich das ...Wetter ein wenig verschlechtert. Die Sichtweite ist heute miserabel und ihr werdet jemanden brauchen, der euch führt.“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Samstag 10. Oktober 2015, 23:00

Delilah schlug am nächsten Morgen die Augen auf und blinzelte gegen das weiße Licht an. Die ungewohnte Helligkeit hatte das Mädchen früh geweckt.
Sie hatte also nicht geträumt. Sie konnte wirklich wieder sehen! Ein breites Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

Draußen gab es nicht viel zu sehen, der Nebel wallte dicht und undurchdringlich vor den Fenstern, doch Delilah ließ sich davon nicht betrüben. Es war so herrlich! Sie sog jede Kleinigkeit in sich auf, die ihr ihr fehlender Sinn vorenthalten hatte.

Das Mädchen, auf dem Weg zur Frau, kniete sich auf die Fensterbank und blickte hinaus in das unendliche Weiß. Nebel hatte schon immer eine sehr eigenartige Schönheit gehabt. Doch heute, an diesem wunderbaren neuen Tag, kam er ihr noch viel schöner vor. Verträumt malte sie eine Sonne an die leicht beschlagene Fensterscheibe.
Verano musste wirklich sehr reich sein, wenn er alle seine Fenster verglasen lassen konnte.

Delilah schloss die Augen und faltete die Hände. Selbst jetzt, wo sie vor ihren Augen die Welt verbarg, wo sie ihre Lider schloss, schimmerte noch immer das Licht in ihr Bewusstsein. Die allumfassende Dunkelheit war gewichen und das Mädchen hoffte, sie nie wieder erleben zu müssen. Doch selbst in all dieser Schwärze hatte sie Licht erfahren, durch die Magie, die ihr gegeben war. Die Magie, die es ihr schließlich durch die Hände des alten Inquisitors zurückgebracht hatte. Dieser wunderbare bärtige Mann! Ihm würde sie später danken.

Jetzt jedoch, wollte sie jemand anderes danken.

„Du bist das Licht,
das Licht ohne Schatten,
das alle Schatten erhellt.

 
Du erleuchtest mich,
damit ich recht sehe
und recht erkenne;
damit ich mehr sehe und erschaue,
als meine Augen sehen.

 
In deinem Licht
sehe ich das Licht.
In deinem Licht
sehe ich alles anders:
Du gibst mir neue Aussichten
und neue Ansichten,
wenn mein Leben
aussichtslos geworden ist.

 
Du gibst mir
Durchblick und Orientierung,
wenn ich mich nicht mehr
kenne und auskenne, -
wenn ich nicht mehr weiß
wo ein, wo aus.

 
Dein Licht
kann ich weitergeben;
denn du bist erleuchtend
für jeden Menschen,
der sich nach dem Licht des Lebens
sehnt.

Meine Finsternis
und die Finsternisse aller Menschen
sind in dir aufgehoben,
bis wir uns bekehren
und uns verwandeln lassen
durch dein Licht:
Das Licht durchdringt die Finsternis,
doch nie die Finsternis das Licht.

Ich danke dir,
Lysanthor,
für dein Licht auf meinen Pfaden,
für deinen Mut in der Dunkelheit,
für die Gnade deiner Heilung
durch deine segenbringenden Boten.
Ich danke dir.“
Delilahs geflüsterte Worte verklangen. Wie leicht ihr die Zeilen des Gebets über die Lippen gegangen waren, wie warm ihr Herz dabei wurde! Sie hatte es früh gelernt, doch von wem, dessen war sich die junge Lichtmagi nicht sicher. Sie hatte ihren eigenen Dank angesetzt und hoffte, dass der lichte Gott ihn empfangen hatte. Sie war es ihm schon lange schuldig. So lange schon schien er eine schützende Hand über sie zu halten, so lange schon schien er sie vor den Schatten dieser Welt zu bewahren. Vor solchen, die einen verfolgten wie Omniels und vor solchen, die in der Blindheit lauerten.

Die Magi hatte noch immer die Hände gefaltet, als es leise an der Tür klopfte und Luci eintrat.
Delilah strahlte sie an und lief auf sie zu, umarmte ihre Freundin, deren Gesicht so fremd für sie aussah und dessen Stimme ihr viel vertrauter war.
„Ach, Luci!“, seufzte Deli fröhlich, doch die rümpfte leicht die Nase.
„Ihr riecht nach nassem Tier, Herrin.“

Ja, vielleicht hätte sich Delilah auch noch bei Florencia und Phaun dafür bedanken sollen, dass der riesige Bär sie nicht gefressen hatte. Das würde sie dann später noch tun.



Beim Frühstück fühlte sich Delilah plötzlich klein und hässlich neben dem stattlichen Ritter, der da mit an der Tafel saß. Und dass, obwohl das Kleid, das sie trug, das schönste war, dass sie je an sich selbst gesehen hatte. Sie hatte in den letzten Tagen sicher noch Schönere getragen, aber die hatte sie ja nicht gesehen. Allgemein fühlte sich die junge Licht-Magi schrecklich deplatziert an dem großen Tisch und in dem großen Haus. So hatte sie vorher auch schon empfunden, aber nun, da sie all die Pracht tatsächlich mit eigenen Augen sah, traf sie dieser Umstand noch viel stärker und drückte sie beinahe zu Boden.

Sie war ein einfaches Mädchen. Sie hatte es sich nicht verdient, so vornehm behandelt zu werden, weder durch Taten noch Geburtsrecht. Sie hätte früher nie auch nur zu träumen gewagt, sich einmal in so einem Anwesen bewegen zu dürfen. Das Unbehagen schmälerte ihre Trauer, dass sie diesen Ort verlassen würde. Die Vorfreude auf die Heimkehr war eh viel zu groß.

Dieses unangenehme Gefühl der Fehlplatzierung, des merkwürdigen Rollentauschs, des Traumes aus dem sie langsam erwachte, machte Delilah ungewöhnlich still an diesem Morgen. Die Müdigkeit tat ihr übriges. Die Nacht war nicht lang gewesen.
Sie erwiderte leise Veranos „Guten Morgen.“ und stellte auch fest, dass es sich sehr merkwürdig anfühlte, ihn zu sehen. Er sah wirklich aus wie der Ritter auf dem Marktplatz... ob er es gewesen war? Oder sahen sie alle so … märchenhaft aus?
Delilah fühlte sich merkwürdig eingeschüchtert, dabei war es doch derselbe Verano. Der, der sie im Arm gehalten hatte, der ihren Körper aus seinem Schlaf erweckt hatte, sie von dem Bauernhof, dem Ort des Schreckens hierher gebracht hatte... der Verano, der ihr am Klavier vorgespielt hatte und ihr eine Begegnung mit ihrem Vater ermöglicht hatte.
Auch dieser Verano hatte dunkle Seiten gehabt, die noch immer größtenteils vor ihr verborgen waren, aber dieser neue Verano, den sie sehen konnte, fühlte sich wiederum fremd an. Der Gedanke daran, dass er sie durch das dunkle Anwesen in die Grotte getragen hatte kam ihr nun völlig absurd vor.

Da blieb ihr Blick an einem Verband an seinem Hals hängen und die alte Sorge erhob sich in Delilah. Er war noch immer verletzt! Schuld durchflutete das blondgelockte Mädchen. Und das nur wegen ihr... wieder war da dieser Impuls in ihr, dieser Drang in ihr, der nach der Verletzung sehen wollte, Verano helfen wollte... ihn von dem Schmerz befreien wollte, den sie ihm unwissentlich zugefügt hatte.
Da schob er den Verband unter seine Rüstung und Delilah ließ leicht erschrocken den Blick wieder auf ihr Essen sinken. Er hatte ihren Blick bemerkt... wie beschämend! Schließlich hatte er gestern überdeutlich gemacht, dass ihm nicht helfen konnte... beziehungsweise sollte.

„Ich habe beschlossen, euch beide einen kleinen Teil des Weges zu begleiten. Ich muss nach meinen Ländereien sehen und hoffe, meinen Geschäftspartner Rumpert Knulburbur zu treffen. Gleichzeitig hat sich das ...Wetter ein wenig verschlechtert. Die Sichtweite ist heute miserabel und ihr werdet jemanden brauchen, der euch führt.“

Das ließ Delilah dann doch aufhorchen und sie hob den Blick wieder, der an Baltos großer Gestalt hängen blieb. Er musste um einiges jünger sein als Verano und war doch um so vieles größer und kräftiger! Fanja hatte nicht übertrieben mit ihren Erzählungen... Wenn Delilah nicht von den Eigenheiten der Mantroner gewusst hätte, hätte sie vielleicht auch erst Furcht empfunden, bei der großen, wilden Gestalt. Aber so hatte sie einen netten Mann und einen Eisbären kennengelernt.

„Dann bleibt Gunther doch noch hier?“ Delilah machte sich Sorgen. Auf ihr Klopfen heute morgen, hatte niemand reagiert und er war noch immer nicht aufgestanden. Hatte ihn ihre Heilung so ausgezerrt, dass er sich erst davon erholen musste?
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Donnerstag 22. Oktober 2015, 12:45

„Dein Jungtier? Beschützen oder töten?“
Der Mantroner war kurz überfahren von der Frage. Er hatte ja gehört (von anderen männlichen Mantroner) das Frauen einem schnell ein Kind unters Robbenfell legten, aber so schnell und das auch noch von einem männlichen Eisbären, hätte er nicht erwartet.
„Beschützen!“ Lies er den Bären wissen und beobachtete genau die ersten Annäherungsversuche der Beiden. Die reise mit Nanuq hatte seine Vorteile, aber Baltos wollte sich nicht ausmalen wie wohl der ersten Stadtbesuche mit der Killermaschine aus Plüsch werden würde.
Die Begegnung zwischen der kleinen Robbe und dem Eisbären verlief wie erhofft positiv und die Zeit rannte förmlich während Deli und Nanuq sicher kennenlernte.
Irgendwann, war es so dunkel, dass man kaum noch etwas erkennen konnte.
„Deli lass uns reingehen!“ Der Mantroner erhob sich. „Morgen werden wir weiterziehen!“ Ließ er Nanuq wissen und ging dann mit Deli an der Hand zurück ins Anwesen. Wo jeder sein Zimmer getrennt bezog.

Der Morgen kam schnell und Baltos wurde durch das leichte Klopfen von Neroli an seiner Tür geweckt. Wie eine muskelbepackte Katze öffnete der Mantroner mal wieder nackt die Tür und ließ die Bedienstete herein. Erst wusste er nicht, was sie wollte, bis ihn wieder einfiel, dass sich in diesem Haus ja die Leute nichts selbst anzogen. Wer wohl Neroli anzog? Fragte er sich kurz und ließ sich dann von der adretten Frau dabei Helfen seine Rüstung anzuziehen, obwohl er dafür keine Hilfe benötigt hätte. Der Jäger begann wieder stärker zu schwitzen, aber er tat dies mit einem Schulterzucken ab. Er musste sich halt an die hiesigen Temperaturen gewöhnen. Baltos war gerade dabei seine Waffen anzulegen, als Neroli ihn unterbrach und darauf aufmerksam machte, dass sie noch Frühstücken würden. Baltos nickte kurz und Schulterte nur seine Waffen, damit er sie beim Frühstück, wie ihn Gunther gelehrt hatte, die Waffe nur anlehnen musste.
Gesagt getan, ging der Mantroner in seiner Kampfmontur nach unten und begrüßte Verano und Deli im Speisesaal. „Morgen!“ Sagte er knapp und lehnte Fluchbrecher gegen den Stuhl und seine Streitaxt auf den Boden. Da diese sonst den Tisch überragt hätte. Da sie fast genauso groß war wie die kleine Robbe.
„Ich habe beschlossen, die beide einen kleinen Teil des Weges zu begleiten. Ich muss nach meinen Ländereien sehen und hoffe, meinen Geschäftspartner Rumpert Knulburbur zu treffen. Gleichzeitig hat sich das ...Wetter ein wenig verschlechtert. Die Sichtweite ist heute miserabel und ihr werdet jemanden brauchen, der euch führt.“ Sagte Verano worauf Deli kurz darauf erwiderte
„Dann bleibt Gunther doch noch hier?“ Delilah machte sich Sorgen. Auf ihr Klopfen heute morgen, hatte niemand reagiert und er war noch immer nicht aufgestanden. Hatte ihn ihre Heilung so ausgezerrt, dass er sich erst davon erholen musste?“
Der Mantroner hörte still zu.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Samstag 24. Oktober 2015, 17:41

„Morgen!“
Sagte Baltos Bestientod knapp und lehnte Fluchbrecher gegen den Stuhl und seine Streitaxt auf den Boden, da diese sonst den Tisch überragt hätte. Der Graf erklärte:
„Ich habe beschlossen, sie beide einen kleinen Teil des Weges zu begleiten. Ich muss nach meinen Ländereien sehen und hoffe, meinen Geschäftspartner Rumpert Knulburbur zu treffen. Gleichzeitig hat sich das ...Wetter ein wenig verschlechtert. Die Sichtweite ist heute miserabel und ihr werdet jemanden brauchen, der euch führt.“
, woraufhin Delilah fragte:
„Dann bleibt Gunther doch noch hier?“ Delilah machte sich Sorgen. Auf ihr Klopfen heute morgen, hatte niemand reagiert und er war noch immer nicht aufgestanden. Hatte ihn ihre Heilung so ausgezehrt, dass er sich erst davon erholen musste?“
Der Mantroner hörte still zu, während Verano erklärte und dabei ab und an zum Flackern des Kamins sah.
„Herr Brockhard und seine Begleiterin werden noch eine Weile hier bleiben. Als ich den Inquisitor zuletzt sprach, waren seine Worte, … er hätte seine Aufgabe hier beendet und könnte jetzt gehen. Luci und Neroli werden sich um ihr beider Wohlergehen kümmern, sorgt euch nicht... Er braucht nur noch ein wenig Zeit für sich. Sein gut gemeinter Rat ...für euch war, dass ihr euren Weg im Licht suchen sollt und dass ihr ihm schon gestern Abend ausreichend gedankt habt.“
Verano sprach heute Morgen wohl etwas abgehakt und machte ein paar Atempausen, aber sonst wirkte alles ganz normal.
„Wir sollten bald aufbrechen. Der Nebel wird immer dichter.“
Damit nahm er noch einen Schluck aus seinem Becker, stellte ihn ab und sah die beiden fragend an, ob sie bereit waren. Nach kurzem Nicken, stand er auf und schritt voran hinaus in einen trüben, von dichten Nebeln verhangenen Morgen. Neroli hatte wohl während des Frühstücks das Pferd des Grafen bereit gemacht und stand nun etwas zögerlich am Eingang des Stalls. Verano sah sie und sah zu dem Mantroner
„Vielleicht wäre es grundsätzlich eine gute Idee eurem Freund zu erklären, dass Pferde oder Zweibeiner im allgemeinen kein Futter für ihn sind, außer ihr nennt ihm Ausnahmen. Das würde unsere gemeinsame Reise enorm erleichtern.“
Er lachte leise, dann ging er zum Stall und Neroli führte seinen silbernen Hengst und ein weiteres weißes Streitross heraus. Der Silberne blähte seine Nüstern und der Huf schlug fest auf den Boden, beim Anblick des Raubtiers im Hof. Verano drehte sich zu einer Seite und sprach leise, aber hörbar:
„Rukulla ich brauche noch einmal kurz deine Hilfe … Ja … So sei es. Auch für Delilah. … Gut.“
Delilah spürte eine kurze Berührung zwischen den Augen, leicht wie ein Lufthauch, als ihr Name erwähnt wurde und Sekunden später beruhigte sich die Tiere merklich und schauten den Bären eher nur noch neugierig an. Auch Nanuq machte keinerlei Anstalten dem Pferden zu nahe zu kommen.
„Das weiße Streitross ist Ganbu. Es ist für den Kampf trainiert und wird jetzt euch gehorchen Delilah. Seht es als ein Geschenk eines alten Mannes und als Erinnerung an eine gemeinsame Zeit.“
Instinktiv ahnte Delilah vielleicht, dass Verano mit der Bezeichnung >alter Mann< nicht sich selbst gemeint hatte und sah zu dem weißen Hengst. Seine dunklen Augen waren auf sie gerichtet und blickten treu ergeben. Eine merkwürdige emotionale Verbindung wob sich in diesem Augenblick zwischen ihr und dem Tier. Die junge Licht-Magi fühlte ihn … sie fühlte seine Lust zu laufen, seinen starken Herzschlag und auch die Neugierde auf ihre eigene Person. Er wollte sie riechen. Um so näher sie kam, um so stärker wurde das Band und besiegelte sich, als sie ihre Hand dann auf seine weiche Nase legte. Es war ein leichtes Kribbeln, dass sich von der Berührung bis zu ihrer Stirn hinauf zog, dort wo der Wind sie kurz zuvor berührt hatte.
Irgendwie wussten sie wohl alle, dass Rukulla ihre Finger hierbei im Spiel gehabt hatte, doch im Gegensatz zum Tag zuvor, ließ sie sich nicht blicken und sprach auch nicht mir ihnen. Es war ein wenig so, als würde die Magie um sie herum langsam verblassen und sie aus ihrem Bann entlassen. Auch Baltos sah sie nicht mehr, obwohl er noch nicht einmal seine Augenklappe wieder aufgesetzt hatte. Luci kam aus dem Haus gelaufen und brachte Pakete mit Lebensmitteln für die Reise. Die Satteltaschen wurden beladen und man machte sie bereit zum Aufbruch. Wenn es noch offenen Fragen gab, dann wäre die Ruhe in der allgemeinen Strebsamkeit ein perfekt geeigneter Moment um sie zu stellen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Mittwoch 11. November 2015, 01:25

Mit sanften, regelmäßigen Bewegungen streichelte Delilah das weiße Fell des Pferdes, während sie leicht irritiert der neuen Verbindung ... lauschte.
Ganbus Gefühle durchfluteten ihren eigenen Geist, berührten sachte ihre Wahrnehmung. Rukullas Zauber verwunderten Delilah immer wieder auf's neue.
"Ich werde Moma von dir grüßen, ja Rukulla?", flüsterte sie leise.
Die junge Licht-Magi schmiegte ihr Gesicht an den Hals des Rosses, während sie weiter sein warmes Fell streichelte. Sie beide schienen Ruhe und Kraft aus der gegenseitigen Nähe zu ziehen. Aber warum überließ Gunther sein sicher treues Pferd einfach so einer beinahe Fremden? Hatte er nicht schon mehr als genug für sie getan? Doch Delilah war dankbar für seine Unterstützung, auch jetzt. Sie würde sich nicht gegen seine Entscheidung stellen.
Als Luci mit Neroli aus dem Haus kam, die Hände voller Pakete, erwachte in Delilah wieder der Drang mitanzufassen. Ihr Tatendrang hatte es hingenommen, dass sie blind und hilflos wie sie gewesen war, nicht hatte helfen können, nicht hatte arbeiten können. Doch nun, da sie das Geschenk des Augenlichts wiedererhalten hatte, konnte sie ihre Hände kaum still halten. Sie war keine Adelige und spätestens, wenn sie dieses Anwesen verlassen hatte, würde sie auch niemand mehr so behandeln. Sie konnte es kaum erwarten nach Hause zu kommen, zu all ihren Lieben, auch wenn ihr Herz schwer wurde, wenn sie daran dachte, dass Luci hierblieb.
All das würde verblassen, wie die Magie um sie herum, die Delilah gerade erst wirklich zu spüren bekommen hatte. Nun verschwand der Zauber bereits wieder, genau wie die "Herrin" verschwinden würde bis sie wieder eines von vielen Mädchen wäre. Der Tanz war vorbei. Zugeben, sie war nun ein Mädchen mit außergewöhnlichen Erfahrungen, einem lange anhaltenden Traum, einer verwirrenden Illusion aus Licht und Schatten .... und Nebel.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Montag 30. November 2015, 13:51

Als der Zauber von Rukkula wirkte merkte Baltos schnell die Veränderung von Nanuq auf die Pferde und andersherum. Ich hoffe nur das er jetzt nicht denkt das jedes Pferd ein Freund sei! Dachte sich Baltos im Stillen, aber er ging kurz darauf auch davon aus das Rukulla soweit mitgedacht hatte.
Es verwunderte ihn schon sehr das die Alte am Tag ihrer Reise nicht erschienen war, aber er hinterfragte es auch nicht weiter und setze wieder seine normale Augenklappe auf.
Baltos schüttelte kurz den Kopf als er das wirklich Aussehen des Anwesens von Verano sah.
Ob die Anderen eigentlich wissen, wie das Gebäude wirklich aussieht? Fragte der Mantroner sich kurz, bevor Luci mit einen Paket ihn entgegen kam.
Er nahm die Verpflegung die ihn von ihr gegeben wurde dankbar entgegen: „Ich danke dir!“ Sagte er knapp zu Luci und wartete dann auf ein Zeichen das es endlich losging.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. Dezember 2015, 10:18

Der Graf ritt an jeden einzelnen heran und übergab ihnen ein Seil, das von ihnen zum nächsten führen sollte. Baltos war der letzte und somit der erste in der von hinten aufgezäumten Reihe. Von ihm ging es zu Delilah, wo er das gut 15 Schritt lange Seil locker durch die Zügel führte, damit ihr Pferd sich trotz der Verbindung frei bewegen konnte. Dann setzte er sich an die Spitze der kleinen Gruppe. Er sah sich noch einmal um und lenkte dann sein Ross der Nebelwand entgegen. Ein neuer Abschnitt begann und wie er ausgehen würde war sowenig zu erkennen, wie der Reiter vor ihnen, sobald sie das undurchdringliche Weiß betreten hatten.

(weiter bei: Verloren im Nebel. )
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