Zwischen Jersa und Rugta

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Montag 8. Dezember 2014, 20:27

Endlich wieder zu helfen, selbst etwas zu tun und für einen Augenblick nicht selbst die Hilfsbedürftigte zu sein, erfüllte Delilah mit einer so reinen Freude, dass ihr strahlendes Lächeln genau wie früher nicht von ihrem Gesicht zu wischen war. Wenn sie ehrlich war, war es wohl das gewesen, was sie all die Zeit am meisten gequält hatte; ohne Aufgabe zu sein, ohne Nutzen, ständig auf Hilfe angewiesen und ohne Aussicht auf Rückkehr in den Heilerberuf. Sie war auch früher schon dann am meisten aufgeblüht, wenn sie helfen durfte, wenn sie flink im Heilertrakt umhergelaufen war um die verschiedenen Heiler und Magi zu unterstützen oder sogar selbst Hand anlegen zu dürfen.
Und auch jetzt hatte sie das Gefühl, dass pures Glück aus ihr herausbrechen könnte, nur weil sie einem Hungrigen den Weg zeigen konnte. Es pulsierte in ihr, drängte an die Oberfläche... doch Delilah überkam kurz die Furcht und sie versuchte es im Zaum zu halten. Sie wusste, was passieren konnte... wenn es... "aus ihr herausbrach"... nicht ohne Grund hatte man sie Nova getauft und nicht ohne Grund waren bei Olia alle Dämme gebrochen, nicht ohne Grund war sie aus eigener Unvernunft hier gelandet. Sie durfte es nicht unkontrolliert lassen... nie wieder.
Selbst wenn >es< eigentlich nur der Wunsch zum Helfen war, wenn er im Ureigensten etwas Gutes war, konnte er gefährlich werden. Für andere und für sie selbst. Nie wieder! Also hielt sie es zurück, entließ es nicht.
„Wir sind gleich da.“
Das strahlende Lächeln, das ihr nie fremd geworden war, schmückte noch immer ihr herzförmiges Gesicht. Die herausgelösten Locken hingen wild und frei darum herum und in ihren Augen stand trotz der Blindheit die pure Freude.
Sie betrat nach dem Inquisitor die Küche, Luci hatte sie gewarnt, dass es nicht der rechte Ort für sie war. Überall Messer und heiße Öfen... da ließ sie lieber die Hände von. Es klapperte und klirrte, man hörte ein schnippeln und rühren, das Quietschen von Öfen und es duftete herrlich nach den verschiedensten Dingen. Es schien alles sehr geschäftig, doch Delilah sah nur einen einzigen Lichtschatten.

Es war eine ziemlich kleine Gestalt, die wohl mit dem Rücken zu ihnen stand, während Gunther sie sanft an allen Gefahrenstellen vorbei führte. Sie kamen dem kleinen Wunder immer näher und Delilah war völlig abgelenkt von den hellblauen Funken und der seltsamen Struktur der strahlenden Aura. Manchmal schien es zu schweben... mitten in der Luft.. oder stand die Gestalt auf einer Erhöhung? Sie flitzte hin und her. Und so schnell! Das war doch kein Mensch, oder? Ihr Begleiter schien es hingegen gar nicht wahrzunehmen... er war doch sonst immer so höflich?! Sie reckte den Kopf an Gunthers Licht vorbei um weiter dem merkwürdigen Licht mit den Augen folgen zu können. Sie hörte ein Summen, eine ihr bekannte Melodie...
Bilder schossen ihr durch den Kopf, tausend und abertausend Bilder und Eindrücke ihrer Großmutter. Wie sie in der Küche stand und sang, wie sie im kleinen Garten die Apfelbäume pflegte und den Vögel Futter in den Schnee streute. Das Mädchen musste die plötzlich aufsteigenden Tränen unterdrücken und ein dicker Kloß bildete sich in ihrem Hals. Das Lied war ihr so vertraut... jeder Ton ließ sanfte Rosenblüten auf sie regnen.
„Soll ich euch vielleicht lieber den Brief abnehmen? Ich schwöre euch, ihn nur zu verwahren. Ich werde ihn nicht öffnen… doch ich kann ihn zumindest in die Tasche meines Mantels stecken. Ihr seid ja eher…. leicht bekleidet…“, der Inquisitor räusperte leise und zog damit nicht nur Delilahs Aufmerksamkeit auf sich. Sie blinzelte verwirrt und sah ihn wieder an, blickte an sich herunter und schien ihre Bekleidung erst jetzt zu bemerken. Aber was hätte sie auch tun sollen? Alleine wäre sie nie in das Kleid gekommen und der Inquisitor hatte jetzt Hunger. Das lied hallte durch ihre Gedanken. Brief...welcher Brief nochmal? Ach, DER Brief!
"Ähh..." Sie wollte antworten, als plötzlich alles still wurde und ein knarrendes "Oh..." ertönte.
Die Gestalt sprang von einem... Hocker (?) und kam auf sie zu. Gunthers Griff um ihre Schultern wurde fester. Er sprach unruhig und unter brach dabei fast die knarrende Stimme. Wie... Bäume die im Wind knarzten, wenn der Wind sie der Erde näher brachte.
„Wo bleiben nur meine Manieren! Entschuldige mein Kind! Mein Name ist Rukulla. Deinen kenne ich schon. Du bist die kleine Delilah, stimmt's? Ich freue mich so dich endlich persönlich zu treffen… und deinen neuen Freund hast du auch mitgebracht, sehr praktisch. Sehr schön! Kommt nur herein.“
Das Mädchen stand einen Augenblick stocksteif. Wenn sie alles hier erwartet hatte... aber nicht das... nicht ... sie. Etwas in der jungen Lichtmagi zog sich unangenehm zusammen. "Rukulla...", wiederholte sie leise, beinahe verstört den Namen. Was hatte die Frau hier zu suchen? War es dieselbe >Freundin< ihrer Großmutter, die ihre Geburt und den Tod ihrer Eltern vorausgesagt hatte? Wie war das möglich? Und es schien auch noch, als hätte sie das Mädchen schon lange hier erwartet...
Den Inquisitor in ihrem Rücken nahm Deli nur noch vage wahr, doch schließlich wurde sie sich ihrer Aufgabe bewusst. "Er hat Hunger...", murmelte sie. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander, wie im schlimmsten Zentrum eines Sturms.
Wie in Trance reichte die blonde Magi der Gestalt ihre schmale Hand. "Du bist Momas Ulla?" Das konnte kein Zufall sein. Nicht hier.
Was verbarg Veranos nebliges Anwesen denn noch alles? Sie würde mit ihm sprechen müssen. Dringend.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. Dezember 2014, 21:38

Bei Baltos

Der Jäger war noch nicht in das Labyrinth vorgedrungen, als ihm unversehens seine kleine Pfeife aus der Tasche viel und sich auf unsichtbaren Füßchen von dannen machte. Ein hoher Pfiff erklang alsbald und ein großer Kolkrabe in der Nähe seine Kreise zog. Er landete auf einem Ast des weit verzweigten Baumes und ein ungesehenes Männlein stieg auf seinen Rücken. Schon bald war der Vogel, samt Reiter und Pfeife im Nebel verschwunden.

Bei Gunther und Delilah

Ein kleiner goldene Faden hatte sich gerade aus dem Gürtel des Inquisitors gelöst, als er und das Mädchen sich auf dem Flur getroffen und dann den Weg zur Küche gegangen waren. Von den Ereignissen dort vollkommen gefangen, hatte er nichts davon bemerkt und ein einzelner Faden würde das Ganze nicht vermissen.

„Vorsicht, Fräulein Delilah.“ „Achtung… kommt hier entlang... „Nein lieber nicht dort…Soll ich euch vielleicht lieber den Brief abnehmen? Ich schwöre euch, ihn nur zu verwahren. Ich werde ihn nicht öffnen… doch ich kann ihn zumindest in die Tasche meines Mantels stecken. Ihr seid ja eher…. leicht bekleidet…“
Plötzlich hielten alle Gegenstände wie auf ein Kommando hin in der Bewegung inne und schienen zu erstarren. Delilah konnte spüren, dass Gunthers Anspannung in diesem Moment stieg, denn der Griff um ihre Schulter wurde etwas kräftiger.
"Ähh..."
Delilah wollte antworten, als plötzlich alles still wurde.
„Irgendetwas scheint passiert zu sein… vielleicht sollten wir lieber wieder gehen. Ich kann wirklich bis zum Essen warten…“
Die junge Frau musste heraushören, dass dem Inquisitor all das hier definitiv nicht geheuer war. Die junge Licht-Magi stand stocksteif da und ihre Augen hüpften umher, bis sie anscheinend etwas direkt vor ihr fixierten.
"Rukulla..."
, wiederholte sie leise, beinahe verstört den Namen, der auch in Gunthers Gedächtnis widerhallte. Das Mädchen war ein wenig blass geworden, aber außer größtem Erstaunen zeigte sie keine Furcht oder Angst.
"Er hat Hunger..."
, murmelte sie in einem leider nur einseitig hörbaren Zwiegespräch vertieft und ihre blinden Augen wanderten zu Gunther dem sein Misstrauen ins Gesicht geschrieben stand.
„Wunderbar!“
, kam sofort knarrend die Antwort und der lichte Schemen hüpfte lustig auf und ab. Die junge Frau hatte dem Licht die Hand entgegen gestreckt, doch bevor diese sie ergriff, zögerte sie.
„Mädchen, glaubst du an mich? Ich weiß das ist in Anbetracht der Umstände eine seltsame Frage, aber es könnte gewaltig helfen. Du bist war noch jung und Kinder sind im allgemeinen leichtgläubiger, aber der gute Verano hat da wohl ein nicht wieder gut zu machenden Fehler begangen.“
Irgendetwas in Delilahs Magengegend krampfte sich bei diesen Worten zusammen. Hatte sie recht?
„Du musst doch zugeben, dass du vor seiner Bekanntschaft keinen „Zweifel“ in deinem kleinen Herzchen getragen hast?! Auch dein schmucker neuer Bekannter könnte mich mit weniger Zweifel im Herzen hören, aber so ist er taub wie eine Nuss. So hat alles im Dasein sein Für und wieder. Niemand sollte das besser wissen als du. Ohne Zweifel ist meine Magie viel mächtiger und alles wäre so herrlich einfach zu erklären! Na ja, dafür ist es wohl nun schon zu spät. Aber das heist nicht, dass ich dir nicht deine Fragen beantworten kann, mein Liebes. Die gute Resa würde mich mit ihren Stricknadeln erdolchen, wenn ich dich nicht gut behandeln würde, ha ha!“
Das Licht ihrer glitzernden Aura berührte einmal kurz ihre Hand und fühlte sich wie kalter Wind mit feinem Sand darin an. Keine warme Haut, kein Widerstand von Fleisch und Blut berührte die junge Licht-Magi und sie erschauderte unwillkürlich.
„Was wollt ich noch gleich …?“
Sie wirbelte ein mal um die eigene Achse und hob dann einladend die Arme.
„Natürlich! Er hat Hunger! Setzt euch, ich serviere. Das Essen ist zwar noch nicht fertig, aber es spricht nichts dagegen, wenn ihr den Nachtisch als Vortisch probiert, ha ha!“
Ein paar schabende Laute deuteten darauf hin, dass Möbel durch die Gegend gerückt wurden und der Weg zum Speiseraum geebnet wurde.

Gunther traute dem Ganzen nicht und für seinen doch recht rationalen Geist war das wirre Treiben um sie herum doch schon recht verwirrend. Er hatte den Namen der kleinen Geisterfrau aus dem Mund des Mädchens vernommen, der er im Traum begegnet war. Sie hatte sich ihm vorgestellt. Jetzt rückten die Schemel beiseite und Eimer rutschten über die steinernen Fliesen. Ein breiter Gang quer durch die Küche zum Speiseraum öffnete sich und von den Beistelltischen erhoben sich kleine Kuchen und Pralinen. Eine Damastdecke faltete sich aus einer Schublade, legte sich über den Tisch und Besteck, Teller, Tassen tanzten im Reigen dazu. In einer schwungvollen Bewegung setzte sich alles auf seinem Platz ab und der Tisch war gedeckt. Seine Augen konnten dem allem noch nicht so recht trauen, aber sie erkannten sofort die süße runde Form, den Zuckerguss und den feinen Duft nach milden Teig und Marmeladenfüllung. Auf dem ihm am nächsten stehenden Teller lag ein kleiner Süßkuchen, fast identisch mit einer noch viel süßeren Gedanken an ein fast vergessenes Bäckermädchen. Mit dem geliebten Geruch kamen auch die glücklichen Erinnerungen und ein warmes Gefühl ersetzte schnell das brennende Ziehen in seinem Bauch. Delilah schien nicht im geringsten geneigt jetzt gehen zu wollen, also sprach auch nichts dagegen sich zu setzen und etwas zu naschen.

Nachdem sich beide gesetzt hatten und die Zauberhände ihnen Gebäck und warme Milch mit Honig, Tee oder sogar heiße Schokolade serviert hatten, wurde es stiller. Das Mädchen schien wieder einer Stimme zu lauschen:
„Und schmeckt es euch? Ach ist wirklich zu schade, dass er mich nicht verstehen kann.“
Rukullas Umrisse zeigten, dass sie die Ellenbogen auf die Tischplatte abgestellt hatte und ihr Kinn in den gefalteten Händen ruhte. Sie saß ihm gegenüber und schmachtete ihn an, wie ein Schulmädchen und damit kannte sich Delilah noch recht gut aus. Plötzlich sprang sie auf und stand dabei auf der Sitzbank. Trotzdem war sie kleiner als jeder im Raum.
„Ich hab eine Idee! Oh ...“
Sie hüpfte von der Bank, lief hier und dort hin, bedankte sich dort und hier bei ihren unsichtbaren „kleinen Freunden“ und kam zurück.
„Ach, ich liebe diese Tage. Geschenke, Geschenke erfreuen die Herzen und vertreiben die Schmerzen.“
Sie hob eine kleine auch für Delilah sichtbare golden schimmernde Robe und eine ebenso schimmernde Sichel in die Höhe.
„Die wirst du vielleicht noch gut brauchen können, wenn du wieder sehen kannst, mein Liebes. Du sammelst doch Kräuter und hilfst deiner Moma fleißig im Garten, oder?! Für deine Apotheke wird sie dir ein nützlich Ding sein, ja ja.“
Die vor allem weiße Robe mit den kunstvollen blauschwarzen Stickereien legte sie neben Gunther auf die Tischplatte und Nadel und Faden schwebten aus einem Korb heran. Dann begann die Nadel in Windeseile ein weiteres Zeichen in den Stoff im Nacken zu sticken. Es sah ein bisschen aus wie ein schief geratenes „F“ dessen Querbalken herab hingen. Ein Runen-kundiger hätte sie als „Ansuz“ identifizieren können, eine Hilfe bei mangelnder Inspiration.

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Als sie fertig war, meinte Rukulla dann zu Delilah:
„Sag ihm bitte, dass er sich nicht erschrecken soll.“
Schwuppdiwupp, ohne ihre Reaktion abzuwarten, hatte sich der Stoff gedehnt, gestreckt und umfing den Inquisitor damit. Jauchzend und kichernd schwirrte sie um ihn herum und mit jeder Umdrehung wurden ihre Laute auch für ihn besser hörbar. Manchmal hatte die kleine alte Frau vielleicht auch ein wenig was von einem Wichtel. Als sie wieder von ihm abließ war Gunther vielleicht etwas schwindelig und sie hörten Rukullas herzliches Lachen von den Wänden wieder klingen.
„Ha ha, so ist besser! Fein fein, so wird es gehen.“


(Gunther und Delilah wurden gewichtelt!)
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Mittwoch 17. Dezember 2014, 23:46

„Mädchen, glaubst du an mich? Ich weiß das ist in Anbetracht der Umstände eine seltsame Frage, aber es könnte gewaltig helfen. Du bist zwar noch jung und Kinder sind im allgemeinen leichtgläubiger, aber der gute Verano hat da wohl ein nicht wieder gut zu machenden Fehler begangen.“
Irgendetwas in Delilahs Magengegend krampfte sich bei diesen Worten zusammen. Sie hatte recht. Einen Moment schwieg das Mädchen.
"... ich zweifle inzwischen an Menschen und Wesen, aber nicht an den Wundern dieser Welt. Du bist eine alte Freundin... und ... ein Geist, oder? Ich traue Moma. Ich will an dich glauben ..."
Vielleicht war es besser, wenn sie nicht mehr ohne Vorbehalte jedem traute. Obwohl sie inzwischen auch das Gefühl hatte... sehen zu können, ob ihr jemand etwas böses wollte. Auf jeden Fall hatte sie Vertrauen in ihre blauen Lichtgestalten gefasst, bis etwas ihre Theorie verwerfen würde. Und Verano ... war nicht vollends blau.
„Du musst doch zugeben, dass du vor seiner Bekanntschaft keinen „Zweifel“ in deinem kleinen Herzchen getragen hast?! Auch dein schmucker neuer Bekannter könnte mich mit weniger Zweifel im Herzen hören, aber so ist er taub wie eine Nuss. So hat alles im Dasein sein Für und wieder. Niemand sollte das besser wissen als du. Ohne Zweifel ist meine Magie viel mächtiger und alles wäre so herrlich einfach zu erklären! Na ja, dafür ist es wohl nun schon zu spät. Aber das heißt nicht, dass ich dir nicht deine Fragen beantworten kann, mein Liebes. Die gute Resa würde mich mit ihren Stricknadeln erdolchen, wenn ich dich nicht gut behandeln würde, ha ha!“
Rukulla reichte ihr die Hand und das Mädchen erschauderte bei diesem Handschlag, der sich nur halb real anfühlte. Sie konnte quasi spüren wie die Körner reinster Magie über ihre Haut strichen. Sie musste mächtig sein, wenn sie selbst nach ihrem ... Tod? ...die Kraft hatte sich durch Magie in eine physische Form der einen oder anderen Art zu wandeln. Was war sie? Wirklich ein Geist? War sie ein Mensch gewesen oder hatte ihre Moma sie schon damals so kennengelernt? Ihre Großmutter hatte nicht viel über ihre ... Freundin erzählt.
Immer aufmerksamer folgten Delilahs blasse Augen den Bewegungen der Lichtgestalt. Es ließ sich jedoch nicht ganz erkennen, welcher Ausdruck darin lag. Wartende Ruhe, Neugier, Misstrauen, Zweifel... Hoffnung?
"Ja... Lysanthors Wege sind unergründlich.", ein leiser Seufzer entfuhr dem Mädchen. "... ich habe viele Fragen.", sprach sie eine sanfte Warnung. Ein leiser Hauch Traurigkeit lag in ihrer Stimme. Sie war enttäuscht. Warum hatte Verano sie ihr nicht beantwortet? Warum ihr nicht von Rukulla erzählt? Hatte die alte Dame ihm nicht erzählt, dass sie ihre Großmutter kannte. Obwohl...
"Er kann dich nicht sehen?! Und hören auch nicht?!" Mit einem Mal wurde Delilah bewusst, wie skurill das Ganze auf den Inquisitor in ihrem Rücken wirken musste. Sie drehte sich zu ihrem "Begleiter" um und meinte beinahe entschuldigen: "Das muss...wirklich... merkwürdig für Euch sein..." Es tat ihr leid, dass sie seine Anwesenheit so wenig beachtet hatte... aber ... Rukullas Anwesenheit hatte so viele neue Fragen aufgewirbelt, dass sie die Überraschung vollkommen eingenommen hatte.
Die Küche hinter ihr begann zu leben, sie hörte es, Geschirr klirrte, Möbel rückten und war nicht auch wieder ein leises Lied zu hören? Was war denn das für ein Akzent...?? "Ich erkläre es Euch beim Essen.", ihr sanftes Lächeln lockte ihn in Richtung Speiseraum. Vorsichtig ging sie voran, auch wenn sie ahnte, dass alle Gefahren beseitigt waren.

Bedächtig schob sich die Licht-Magi ein Stück warmes Gebäck in den Mund und ließ es sich auf der Zunge zergehen. "Wie ich gerade erfahren habe, gibt es hier im Haus unsichtbare... Freunde. Rukulla ist einer von ihnen. Ich denke, ihr seid ihr sympathisch. Glaubt Ihr an Geister, Herr?", fragte das Mädchen schelmisch lächelnd. Sie behielt die Allgemeinsprache bei. Anscheinend war die alte Geisterdame des Garmischen nicht mächtig und es wäre doch reichlich unhöflich sich der Gastgeberin unverständlich gegenüber auszudrücken. Delilah war glücklich... oder nein... eher zufrieden. Sie hatte den Inquisitor in die Küche geführt, nun konnte er essen so viel er wollte. Und sie hatte die Aussicht auf Antworten... hoffentlich auch zu jenen Fragen, die Verano stets verweigert hatte. Antworten waren Delilah kostbar und noch immer tat es ihr weh, dass Verano sie ihr nicht gab. Sie wollte ihm ja vertrauen!
„Und schmeckt es euch? Ach ist wirklich zu schade, dass er mich nicht verstehen kann.“
Die knarrende Stimme der Geisterdame riss Delilah aus ihren Gedanken. Rukullas Umrisse zeigten, dass sie die Ellenbogen auf die Tischplatte abgestellt hatte und ihr Kinn in den gefalteten Händen ruhte. Sie saß ihm gegenüber und schmachtete ihn an, wie ein Schulmädchen und damit kannte sich Delilah noch recht gut aus, auch wenn ihr die Ungezwungenheit dieser Tage irgendwie fremd geworden war. Plötzlich sprang Rukulla auf und stand dabei auf der Sitzbank. Trotzdem war sie kleiner als jeder im Raum.
„Ich hab eine Idee! Oh ...Ach, ich liebe diese Tage. Geschenke, Geschenke erfreuen die Herzen und vertreiben die Schmerzen.“
Sie hob eine kleine auch für Delilah sichtbare golden schimmernde Robe und eine ebenso schimmernde Sichel in die Höhe.
„Die wirst du vielleicht noch gut brauchen können, wenn du wieder sehen kannst, mein Liebes. Du sammelst doch Kräuter und hilfst deiner Moma fleißig im Garten, oder?! Für deine Apotheke wird sie dir ein nützlich Ding sein, ja ja.“
Delilahs Kopf fuhr hoch und plötzlich saß sie stocksteif da, auf ihrem Gesicht lag Unglauben, ihre Augen fixierten fest Rukullas Licht. "Was hast du gesagt??" Ihr Herz schlug wie wild, sie hatte leider keine Augen für das ihr dargebotene Geschenk, denn etwas viel verlockenderes verhieß ihrem gepeinigten Geist Heilung. Licht! Licht! Lysanthors wundervolles Geschenk... war es wirklich möglich??
"> Wenn ich ... wenn ich wieder sehen kann...<?", ihre Stimme brach. Hoffnung keimte in ihr auf, gleichzeitig aber auch die schreckliche Angst vor einer Enttäuschung. "Du kannst mich wieder sehend machen...?" Es war alles was sie sich wünschte und alles was sie fürchtete. Ihre Hände zitterten und waren eiskalt, die Licht-Magi verschränkte sie in ihrem Schoß. Licht... bei Lysanthor, sie konnte sich nichts Schöneres vorstellen als wieder sehen zu können! Stunden- und tagelang würde sie den Garten ihrer Moma bewirtschafteten, ja das gesamte Anwesen von Weißenfels!

Trotz ihrer aufgewühlten Stimmungslage kam Delilah Rukullas Bitte nach.
"Ich soll euch warnen, Herr, dass ihr nicht erschrecken dürft."
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Freitag 19. Dezember 2014, 06:35

"Er kann dich nicht sehen?! Und hören auch nicht?!"
Mit einem Mal wurde Delilah bewusst, wie skurril das Ganze auf den Inquisitor in ihrem Rücken wirken musste. Sie drehte sich zu Gunther um.
"Das muss...wirklich... merkwürdig für Euch sein..."
Sie waren durch die Küche gegangen und ein leises Lied hatte sie begleitet. Die Tischdecke wandelte sich zu einem feierlichen Rot, Kerzen entflammten und tauchten das Speisezimmer in ein gemütlich, warmes Licht. Sie speisten in heimeliger Atmosphäre und das noch warme Gebäck mundete vorzüglich.
"Wie ich gerade erfahren habe, gibt es hier im Haus unsichtbare... Freunde. Rukulla ist einer von ihnen. Ich denke, ihr seid ihr sympathisch. Glaubt Ihr an Geister, Herr?"
, fragte das Mädchen schelmisch lächelnd.
„Ich ein Geist? Haha! Nein, mein Kind, ich glaube ich bin mehr und vor allem nicht tot! Daran müsste ich mich doch erinnern, aber ich glaube dir liegen andere Fragen auf der Seele.“
Das stimmte und als Delilah ihre Sichel erhielt und Rukulla von der Zukunft sprach, bemerkte die junge Frau in ihrem Schock nicht einmal, dass eine goldene Haarlocke sich aus ihrer Haarpracht löste und von dannen machte.
"Was hast du gesagt??"
Delilah wirkte einen Moment lang wie erstarrt.
"> Wenn ich ... wenn ich wieder sehen kann...<?"
, ihre Stimme brach.
"Du kannst mich wieder sehend machen...?"
„Nein, … aber er.“
Die glühende Aura sah schmachtend den Inquisitor an.
Trotz ihrer aufgewühlten Stimmungslage kam Delilah gerade noch rechtzeitig Rukullas Bitte nach.
"Ich soll euch warnen, Herr, dass ihr nicht erschrecken dürft."
Dann schwirrte auch schon weißer Stoff um seinen Körper. Als sie wieder von ihm abließ war Gunther vielleicht etwas schwindelig und sie hörten Rukullas herzliches Lachen von den Wänden wieder klingen.
„Ha ha, so ist besser! Fein fein, so wird es gehen.“

Gunther brauchte einen Moment um sich zu fangen und die gold-blaue Aura der kleinen Frau huschte an ihren Platz zurück. Sie sah die junge Novizin an und sprach leise, als wollte sie den Inquisitor nicht erschrecken.
„Liebe liebe Delilah, ich fühle, dass dein Herz meinen Freund verkennt. Es ist nicht leicht für den guten Verano. Er hat dir sehr weg getan, das ist wahr … und geht dir jetzt deshalb aus dem Weg. Er weiß, dass du Angst vor ihm hast und will dich nicht noch mehr beunruhigen. … Und ja, es weilen auch Geister in diesen Mauern. Er mag Herr dieses Hauses sein, aber sie sind hier zu Hause. Sie haben ihn zu dem gemacht was er heute ist. Sie sind Herr und er ist freundschaftlicher Diener. Er hat sie gebeten dich zu heilen und sie haben ihm seine Bitte gewährt. Doch alles im Leben hat seinen Preis.“
Rukulla stockte kurz, aber wischte dann die düsteren Gedanken fort und lachte leise.
„Aber um zurück zu deinem Augenlicht zu kommen. Wie gesagt, ich kann dir da nicht helfen.“
Abermals wandte sich der leuchtende Kopf zum Inquisitor.
„Aber dieser schmucke Kerl hat gute Beziehungen zum Löwen.“

((Delilah eine Haarlocke vom Wichtel entwendet))
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Samstag 3. Januar 2015, 13:33

"Rukulla..." flüsterte die blonde junge Frau plötzlich wie in Trance.
"Du bist Momas Ulla?"

Sie schien schockiert… als stünde sie unter Schock. Gunther konnte nicht verstehen, was hier vor sich ging, doch eines hatte er verstanden. „Rukulla“, das war der Name dieser Geisterdame, die Kadia und ihn aus dem Nebel geführt hatte. Doch woher kannte Fräulein Delilah diesen Namen….

"Er hat Hunger...", murmelte sie und ihre blinden Augen wanderten zu Gunther, dem sein Misstrauen ins Gesicht geschrieben stand.

Dann ging alles ziemlich schnell und Gunthers antrainierte Wachsamkeit wurde überdeutlich. Ein paar schabende Laute deuteten darauf hin, dass Möbel durch die Gegend gerückt wurden und der Weg zum Speiseraum geebnet wurde. Er schien jeder Bewegung im Raum misstrauisch mit den Augen zu folgen, versuchte aber gleichzeitig sich nicht zu schnell oder hektisch zu bewegen. Es schien als beobachtete er ein gefährliches Raubtier, das auf ihn reagieren würde, sollte er eine plötzliche Bewegung vollführen.
"Er kann dich nicht sehen?! Und hören auch nicht?!" Delilah schien mit irgendjemandem oder irgendetwas zu sprechen, dass Gunther nicht sehen konnte. Die ganze Sache wurde immer ungeheuerlicher. Dann drehte sich das blinde Mädchen zu ihm um und fixierte ihn erneut mit dieser Art Blick, der Gunther glauben ließ, sie könne ihn ganz genau erkennen:

"Das muss...wirklich... merkwürdig für Euch sein..."

Um sie herum wirbelten lauter kleine Dinge in der Küche herum, der Tisch am anderen Ende des Raumes wurde wie von Geisterhand gedeckt und Geschirr und Töpfe klirrten überall. Mehr als das…. Viel mehr als das, mein Kind…, dachte sich der Inquisitor, doch er beließ es bei einem zustimmenden Brummen, während er weiter alles um sich herum genau beobachtete. Das Mädchen setzte sich in Bewegung. Sie steuerte zielsicher auf den nun gedeckten Tisch zu. Gunther folgte ihr, denn immerhin konnte er sie an so einem Ort definitv nicht allein lassen. Die linke Hand des Inquisitors stahl sich unbewusst an das Heft seines Schwertes und die Rechte umgriff das Inquisitionsmedaillon an seinem Hals. Er hatte noch nie Derartiges erlebt, und er konnte mit Fug und Recht sagen, dass es ihn mehr als nur beunruhigte. Seine Augen konnten dem allem noch nicht so recht trauen, aber sie erkannten sofort die süße runde Form, den Zuckerguss und den feinen Duft nach milden Teig und Marmeladenfüllung. Auf dem ihm am nächsten stehenden Teller lag ein kleiner Süßkuchen, fast identisch mit einem noch viel süßeren Gedanken an ein fast vergessenes Bäckermädchen. Wie ist das möglich… Was geht hier vor? Mit dem geliebten Geruch kamen auch die glücklichen Erinnerungen und ein warmes Gefühl ersetzte schnell das brennende Ziehen in seinem Bauch.
Delilah schien weiterhin mit den Geistern im Raum zu reden. Sie aß von den Süßkuchen und trank die warme Milch mit Honig, die herangeschwebt kam. Dem Inquisitor lief das Wasser im Mund zusammen. Der Hunger brannte im Magen und im Mund, machte ihn schwach und müde. Jede Faser seines Körpers schrie förmlich nach Nahrung, doch bevor er sich eines der lang ersehnten Stücke nehmen konnte, erschrak Delilah plötzlich. Aus einer Ecke der Küche schwebten eine Robe und eine Handsichel heran.

„Wenn ich ... wenn ich wieder sehen kann...?", Delilahs Stimme brach. "Du kannst mich wieder sehend machen...?"
Gunther hörte es nur nebenbei. Für ihn war die heranschwebende Sichel eine Bedrohung. Der Griff um sein Schwert wurde fester, sein Blick dunkler. Die scharfe gebogene Klinge legte sich langsam neben Delilah auf die Tischplatte. Die Robe flatterte neben den Inquisitor selbst, zusätzlich zu Nadel und Faden, die in Windeseile ein kleines Zeichen in den Nacken stickten.

"Ich soll euch warnen, Herr, dass ihr nicht erschrecken dürft." Sagte Delilah gerade noch rechtzeitig, als der Stoff sich aufblähte, um ihn herum wirbelte und sich um seine Schultern legte. Er stand so heftig von seinem Stuhl auf, dass dieser beinahe nach hinten umgekippt wäre. Im Stehen konnte man sich besser verteidigen, auch wenn Gunther noch nicht recht wusste, wie und vor allem wogegen.
„Was…?“ Mehr konnte er nicht sagen, denn in dem Moment, als sich die Robe auf seine Schultern legte, war es als wären alle seine Sinne zu neuem Leben erwacht. Es schien nicht einmal so, als wenn er viele neue Dinge sah, er hatte eher das Gefühl, dass er jetzt so vieles um sich herum plötzlich wahrnahm, dass er vorher einfach ignoriert hatte.
Glaubt ihr an Geister, Herr? Hatte Delilah das nicht gerade noch gefragt gehabt? Ob er an Geister glaubte? Er hätte nicht gewusst, was er vorher geantwortet hätte, doch nun sah er um sich herum viele schemenhafte Gestalten, hörte sonderbare Dinge… und vor ihm am Tisch saß sie: Rukulla! Die alte Geisterdame, die ihm im Traum erschienen war, während sie im Nebel verloren umherirrten. Ja… die Antwort auf Delilahs Frage wäre nun eindeutig „Ja“ gewesen, wo er doch einen Geist mit seinen eigenen Augen vor sich sah. Doch er sagte gar nichts. Er kam nicht dazu… Die vielen neuen Sinneseindrücke waren zu viel für ihn. Ihm wurde kurzzeitig schwindelig und er musste sich wieder setzen. Er atmete kurzzeitig schwerer, doch es schien als gewöhne er sich recht schnell an die Situation. Rukulla lachte herzlich.

„Lady Rukulla… ich… bin erfreut, euch wiederzusehen.“, begrüßte Gunther die Geisterdame mit einem Nicken so höflich wie ihm möglich war. Doch bevor er mehr sagen konnte, ergriff Delilah bereits wieder das Wort. Da sich der Inquisitor jetzt beinahe sicher war, dass ihnen keine Gefahr drohte, gab er dem Verlangen nun doch nach und aß einen der Süßkuchen und trank etwas Wasser.
"Du kannst mich wieder sehend machen...?" In ihrer Stimme schwang größte Hoffnung mit, gepaart mit der versteckten Angst vor Enttäuschung.
„Nein, … aber er.“ Rukulla nickte verspielt schmunzelnd hinüber zu Gunther, bevor sie fortfuhr:

„Liebe liebe Delilah, ich fühle, dass dein Herz meinen Freund verkennt. Es ist nicht leicht für den guten Verano. Er hat dir sehr wehgetan, das ist wahr … und geht dir jetzt deshalb aus dem Weg. Er weiß, dass du Angst vor ihm hast und will dich nicht noch mehr beunruhigen. … Und ja, es weilen auch Geister in diesen Mauern. Er mag Herr dieses Hauses sein, aber sie sind hier zu Hause. Sie haben ihn zu dem gemacht was er heute ist. Sie sind Herr und er ist freundschaftlicher Diener. Er hat sie gebeten dich zu heilen und sie haben ihm seine Bitte gewährt. Doch alles im Leben hat seinen Preis.“
Rukulla stockte kurz, aber wischte dann die düsteren Gedanken fort und lachte leise.
„Aber um zurück zu deinem Augenlicht zu kommen. Wie gesagt, ich kann dir da nicht helfen. Aber dieser schmucke Kerl hat gute Beziehungen zum Löwen.“

„Moment. Ihr… ihr könnt diesem Kind doch keine Hoffnungen machen, obwohl ihr nicht wisst, ob ich dazu in der Lage bin? Was… was soll das alles hier?“ Verwirrt legte er den angefangenen Süßkuchen beiseite und sah besorgt in das Gesicht der jungen Delilah. Er hasste es ihr die Hoffnung zu nehmen… aber konnte er sie einfach belügen? Nein! Er würde nicht lügen, auch wenn es ihr weh tat.

„Lady Rukulla, ich bitte euch! Ich weiß nicht einmal, was dem Mädchen fehlt, und selbst wenn ich in der Lage wäre ihr zu helfen… was ich allerdings anzweifle… dann bin ich immer noch der Meinung, dass wir im Moment weitaus größere Sorgen haben, meint ihr nicht auch? Graf Verano von Weißenfels erzählte mir, dass ihr und eure Geisterfreunde dieses Anwesen beschützen. Und das glaube ich ihm sogar. Ich halte euch für…“ Er wollte eigentlich ein sehr mächtiges Wesen sagen, doch das hielt er in Anbetracht der Umstände für etwas unhöflich. „… eine sehr begabte und mächtige Magierin, doch selbst ihr und eure Freunde könnt dieses Anwesen und seine Bewohner nicht vor der drohenden Dunkelheit die sich im Nebel verbirgt beschützen. Wir sollten uns vorerst lieber Gedanken darüber machen, wie wir heil aus dem Reich der Dunsthügel entkommen können.“

Der Inquisitor seufzte schwer und sah dann betrübt zu Delilah:

„Es tut mir sehr leid, Fräulein Delilah. Was Lady Rukulla sagt, stimmt zwar, ich bin lysanthorgeweihter Lichtmagus. Nichtsdestotrotz bin ich mir nicht sicher, ob ich euch helfen kann. Meine Magie ist… sagen wir, ich benutze sie meist für andere Dinge. Zudem bin ich im Moment sehr geschwächt, und ohne zu wissen, wie und womit ich euch helfen könnte, kann ich leider gar nichts unternehmen. Bitte verzeiht mir…“

Es tat ihm in der Seele weh, diesem jungen Mädchen sagen zu müssen, dass er nichts für sie tun konnte. Doch er würde nicht lügen und sie hatte ein Recht darauf die Wahrheit zu erfahren, bevor sie sich enttäuschenden Hoffnungen hingäbe.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Samstag 3. Januar 2015, 21:58

Der Atem des Inquisitors ging schwerer und Delilah vermutete einfach, dass Rukulla den älteren Herren "sehend" gemacht hatte.
„Lady Rukulla… ich… bin erfreut, euch wiederzusehen.“ Delilah sah die beiden leicht überrascht an. „Ihr kennt euch?“, fragte sie. "Du bist wohl wirklich kein Geist... aber was bist du dann? Und was tust du hier?" Die Dame hatte ihr doch schließlich Antworten versprochen, oder? Derer hatte sie viele! Doch erst einmal sprach sie noch einmal Gunther an. „Nun wird es euch sicher leichter fallen...nicht mehr verwirren, wenn man nur einen Teil des Gesprächs hört... habt ihr schon gegessen, Herr?“ Auffordernd schob sie ihm den Teller hinüber, dessen Geruch "unübersehbar" war, wandte sich dann jedoch wieder dem eigentlichen Thema zu.
„Du kannst mich wieder sehend machen...?“, ihr Herz schien um Zentner leichter zu werden. Doch blieb sie vorsichtig... ob sie eine Enttäuschung würde ertragen können wusste sie nicht. Dann fiel das schicksalshafte Wort. Nein.
„...aber er.“ Der Blick der blinden Magi richtete sich auf den Inquisitor. Er. Diener des Löwen.

„Liebe liebe Delilah, ich fühle, dass dein Herz meinen Freund verkennt. Es ist nicht leicht für den guten Verano. Er hat dir sehr wehgetan, das ist wahr … und geht dir jetzt deshalb aus dem Weg. Er weiß, dass du Angst vor ihm hast und will dich nicht noch mehr beunruhigen. …“

Die weißen Augen wandten sich wieder der kleinen blauen Lichtgestalt zu. Was sagte sie da...? Angst vor Verano? Leise Wut breitete sich in dem Mädchen aus.
„Ich soll vor Verano Angst haben? Glaubt er das wirklich? Dann weiß er gar nichts!“ Sie war aufgebracht und das hörte man ihrer sonst so sanften Stimme an. Delilah stockte für einen Moment und versuchte die Gedanken zu Worten zu formen, die sie schon länger plagten. Gunthers Anwesenheit berührte sie in diesem Moment der „Rage“ nicht wirklich.
„Ich habe keine Angst vor ihm! Welchen Anlass soll er mir denn dafür gegeben haben!? Aber ich hab es schon einmal gesagt: Er versteht mich nicht! Er mag vielleicht zuhören, aber verstehen tut er gar nichts.“ Das Mädchen versuchte ihre Stimme ruhig zu halten, denn weder der Inquisitor noch die alte Dame waren das Objekt ihrer Wut. Doch in diesem Haus hatte sie mehr als einmal das Gefühl gehabt gegen Mauern zu reden. „Ich vertraue ihm.“ In dem Satz lag etwas Endgültiges. „Er hat mir doch nur geholfen, seitdem ich hier bin. Aber er umgibt sich andauernd mit seinen ganzen Geheimnissen und das... das... das gefällt mir nicht!“ Viele Dinge, die Delilah auf der Seele gelastet hatten sprudelten nun hinaus und sie konnte sie nicht stoppen. „Und diese Frau, die ihn bewacht wie eine wütende Hausgans... sie ist mir unheimlich... ihre Aura ist nicht... nicht... gut.“ Ihre Stimme war leiser geworden, denn dem Mädchen war es nicht angenehm „schlecht“ von jemandem zu reden. „Dass er mir aus dem Weg geht, macht doch alles nur schlimmer...“, grummelte Delilah abschließend und verschränkte dann die Arme vor der Brust.

„Und ja, es weilen auch Geister in diesen Mauern. Er mag Herr dieses Hauses sein, aber sie sind hier zu Hause. Sie haben ihn zu dem gemacht was er heute ist. Sie sind Herr und er ist freundschaftlicher Diener. Er hat sie gebeten dich zu heilen und sie haben ihm seine Bitte gewährt. Doch alles im Leben hat seinen Preis.“
Hier gab es noch mehr Geister? Warum hatte Delilah das noch nie bemerkt? Waren sie nicht sichtbar, wie Rukulla? Nicht einmal ihre Auren? Aber es klärte auf jeden Fall ein paar Dinge. Luci hatte es ja gesagt, das Haus hatte etwas Magisches. Nun war auch klar, was das war. Ein Geheimnis mehr, das gelüftet war. Die wütende Miene Delilahs lockerte sich und wandelte sich zu Besorgnis. „Welcher Preis...?“
Ihr Gesicht wurde ein wenig blasser. „Geht es Verano gut? Braucht er Hilfe?“ Hatte sie ihn deswegen den ganzen Tag noch nicht zu Gesicht bekommen, obwohl er versprochen hatte, sie zu besuchen? Wo war er? Ihr Zorn war verraucht.

„Aber um zurück zu deinem Augenlicht zu kommen. Wie gesagt, ich kann dir da nicht helfen. Aber dieser schmucke Kerl hat gute Beziehungen zum Löwen.“
Delilahs Blick wanderte wieder zu dem Inquisitoren. Ihr Löwe... sie hatte ihm folgen sollen. War es wirklich Lysanthor selbst gewesen, der ihr damals diesen Traum geschickt hatte? Sie lächelte bei der Erinnerung an das gleißende Licht, an die Geborgenheit die sie gespürt hatte. Nur das Ereignis, das dem Ganzen vorangegangen war, bereitete ihr immer noch Unbehagen. Zum Glück ging es den Leuten auf dem Marktplatz bald danach schon wieder gut. Nova.
Ob ihr Löwe ihr nun erneut zur Seite stehen würde?

„Moment. Ihr… ihr könnt diesem Kind doch keine Hoffnungen machen, obwohl ihr nicht wisst, ob ich dazu in der Lage bin? Was… was soll das alles hier?
Lady Rukulla, ich bitte euch! Ich weiß nicht einmal, was dem Mädchen fehlt, und selbst wenn ich in der Lage wäre ihr zu helfen… was ich allerdings anzweifle… dann bin ich immer noch der Meinung, dass wir im Moment weitaus größere Sorgen haben, meint ihr nicht auch? Graf Verano von Weißenfels erzählte mir, dass ihr und eure Geisterfreunde dieses Anwesen beschützen. Und das glaube ich ihm sogar. Ich halte euch für… eine sehr begabte und mächtige Magierin, doch selbst ihr und eure Freunde könnt dieses Anwesen und seine Bewohner nicht vor der drohenden Dunkelheit die sich im Nebel verbirgt beschützen. Wir sollten uns vorerst lieber Gedanken darüber machen, wie wir heil aus dem Reich der Dunsthügel entkommen können.“

Delilah wurde still. Dunkelheit in den Nebeln? Das klang sehr bedrohlich... War es das, was den Inquisitor und Kadia so lange durch den Nebel hatte irren lassen... ohne Begleiter?
Dunkelheit... Dunkelheit welcher Art? Fehlte das Licht? Oder waren es … Schatten, wie sie Omniel verfolgt hatten? Konnte Inquisitor Brockhardt sie auch sehen? Sicherlich... Dunkelheit... sie schien nicht nur in ihrem Inneren eingefallen zu sein. Sie war wohl wirklich überall... selbst die Sehenden waren von ihr geplagt. Es fehlten die Leute, die Lysanthors Licht in die Welt trugen!
Dunkelheit, dunkle Schatten, der Hauch, Zombiefäule und Krieg... die Zeiten waren nicht strahlend.

Nachdenklich nahm Delilah die golden-schimmernde Sichel in die Hand. Es war ein schönes Gefühl einen ganzen Gegenstand wirklich sehen zu können, seine Konturen betrachten zu können, seine Form. Mit ihrem Medaillon wäre das sicher auch möglich gewesen. Aber worin lag die Magie ihres Schmuckstückes? Sie strich mit dem Finger über die spiegelnde Oberfläche. Sie drehte die Sichel und fragte sich worin wohl das Magische dieses Gegenstandes liegen könnte als...

Dem Mädchen fiel mit einem Mal etwas ein. Hatte der Mann im Heilertrakt sich mit der Zombiefäule nicht an einer Leiche mit der Maske eines Dunkelelfen angesteckt? Das Mädchen hatten grausige Geschichten von diesem Volk gehört, die meisten von Fanja der Eiselfe, die manchmal eine Vorliebe für solche Erzählungen zu haben schien... doch... was sollten Dunkelelfen an der grandessanischen Grenze suchen? Delilah hatte das damals für einen Zufall gehalten, allenfalls eine merkwürdige Abschreckungsmethode der Grandessaner... aber nun fiel es ihr wieder ein. Aber die Idee war absurd. Sie legte die Sichel zurück auf den Tisch.
Wollten die Dunkelelfen die benachbarten Königreiche angreifen? So etwas sollte schon mit anderen Städten geschehen sein, hatte man auf den Straßen gemunkelt. Aber trotzdem... War dann Grandessa schon überfallen worden? Dann sollte man sie unterstützen gegen den gemeinsamen Feind. Delilah wusste nur, dass der Vorfall mit der Maske damals gemeldet worden war. Die hohen Leute hatten doch sicher Vorkehrungen getroffen.
… trotzdem. „Was für Dunkelheit? Muss Jorsa gewarnt werden?“
Delilah war besorgt. Sie dachte an die Menschen die an der Grenze zu den Dunsthügeln lebten. Sie dachte an Olia. Wenn das wirklich so bedrohlich war, musste man die Menschen aus der Gefahrenzone bringen!

„Es tut mir sehr leid, Fräulein Delilah. Was Lady Rukulla sagt, stimmt zwar, ich bin lysanthorgeweihter Lichtmagus. Nichtsdestotrotz bin ich mir nicht sicher, ob ich euch helfen kann. Meine Magie ist… sagen wir, ich benutze sie meist für andere Dinge. Zudem bin ich im Moment sehr geschwächt, und ohne zu wissen, wie und womit ich euch helfen könnte, kann ich leider gar nichts unternehmen. Bitte verzeiht mir…“

Delilah schwieg... ihre Hoffnung sank ein wenig, doch Rukulla hatte schon öfter recht behalten. Zum Beispiel, wenn sie merkwürdige Visionen zu ungeborenen Kindern hatte.
„Vielleicht machen wir uns darüber später Gedanken, Herr Inquisitor, im Moment gibt es wohl wirklich Wichtigeres... aber … vielleicht wisst ihr auch einfach nicht, wozu ihr fähig seid. Vielleicht vermag unsere liebe Rukulla mehr zu >sehen< als ihr, Herr.“ Das Mädchen lächelte leise. In ihren Augen stand stille Traurigkeit. „Für mich war Lichtmagie immer etwas... Reines... Licht gibt Hoffnung, es spendet Trost in der Dunkelheit...“ Sie hob die Hand und kleine Perlen aus Licht umspielten ihre Finger, die selbst sie sehen konnte. „Die Lichtmagie gibt uns als einzige Magie die Möglichkeit zu heilen, sie gibt dem Körper eine zweite Chance, sie hilft und ist … gütig. So wie ich mir den Gott erhoffe, dem sie geweiht ist. Ich weiß nicht... ob man sie wirklich für „anderes“ verwenden sollte. Jede Verletzung die ich mit ihr hervorgerufen habe war ein Unfall und ich denke, so ist auch das Wesen dieser Magie. Keine Verletzung, keine Gewalt ist willentlich. Außer der Magier entscheidet sich dazu sie für Gewalt zu nutzen. Es hat sich jedesmal ... falsch angefühlt. Ich habe das auch an der Akademie nie verstanden. Auf mich wirkt es wie der Missbrauch einer wunderschönen, sanften Energie.“ In ihren weißen Augen spiegelten sich die kleinen Lichtquellen, mit denen sie noch immer spielte. Selbstvergessen lächelte sie. Sie sprach leise, sanft wie ihre Vorstellung ihrer geliebten Lichtmagie die sie beschrieb. „Ich habe Raphael sie nie für etwas … anderes nutzen sehen. Aber er ist Templer... er ist bestimmt auch so.“ Einen Moment schwieg sie. „Nicht jeder, der mit der Dunkelheit in Berührung kommt, sollte gleich verurteilt werden... Wenn man ihn so schnell aufgibt, wie soll er dann selbst die Kraft finden für das Licht in sich zu kämpfen?“ Delilah erinnerte sich an ein trauriges Paar brauner Augen und die schwebenden Funken erloschen.
Ich hoffe du hast jemanden gefunden, der an dich glaubt, Omniel. Ich habe es getan.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Dienstag 6. Januar 2015, 08:38

Noch bevor sie sein Zimmer verließen, stoppte die Hausdame den Mantroner mit ausgestrecktem Arm und musterte misstrauisch die Streitaxt.
„Mein Herr, diese ist nicht ganz die Richtige, verzeiht. Ihr habt doch eine Kleinere. Nehmt diese, ihr werdet verstehen, wenn ihr es seht.“
Baltos verzog kurz die Augenbraue und ging dann zu Fluchbrecher. Dabei viel ihn sofort auf das man seine alte Kleidung penibel gereinigt hatte. Er nickte kurz anerkennend und legte sich dann die Halterung für Fluchbrecher an. Das kleine Handbeil ruhte an seiner Hüfte als er zusammen mit Neroli das Anwesen verließ. Seine Streitaxt hatte er aber trotzdem mitgenommen, weil er nicht ganz davon überzeugt war, einen Baum mit einem Handbeil zu fällen. Während er der aufreizenden Dame so folgte und er ihre Kurven und Rundungen auffällig musterte, schrie ihn sein innerer Trieb förmlich an dies Frauen zu packen und Sachen mit ihr zu machen, die er in seinen Leben noch nie getan hatte. Baltos war selbst von dieser schieren Lust überwältigt, die sich da in seinen Körper ausbreitete, da er so ein Verlangen nur einmal bei einer Frau gehabt hatte und genau diese suchte er ja.
Als die zwei die Anfänge des Labyrinths erreichten, war der Mantroner von dieser Anlage mehr als nur überwältigt. Deswegen bekam er auch gar nicht mit das er überhaupt nicht schwitzte wie sonst immer.
„Wie gesagt, es steht euch frei.“
Sie sah ihn nicht an, aber lächelte schmal.
„Für einen großen Mann wie euch dürfte es ein Leichtes sein, sich dort einen Weg hindurch zu schlagen.“
Für einen Mantroner kam solch ein Satz fast einer Herausforderung gleich.
„Nur eine Bitte. Verletzt nicht die Hecke, nur den Baum und nehmt euch in Acht vor seinen Wurzeln. Sie sind tückisch wie Schlangen. Wenn ihr den Stamm erreicht und ihr ihn fällt habt ihr es geschafft. Alles weitere dürfte dann leicht sein. Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr dies für mich tun würdet ...“
Baltos grinste kurz. Dieses Labyrinth war für den körperbewussten Mann die perfekte Trainingsmöglichkeit um seine Muskulatur mal wieder richtig zu beanspruchen.
Neroli sah kurz zu ihm auf und irgendwo viel ein Reissack um. Der Flügelschlag ihrer Wimpern konnte irgendwo ganz sicher einen Tornado aus seinem Schlaf erwecken und ganze Landstriche vernichten. Für einen Moment wirkte sie weicher als sonst, fast etwas verwirrt und unsicher, so wie sie ihn ansah. Dann riss sie sich los und sah in die Ferne.
„ … Dort hinten, hinter all dem, liegt mein Garten. Ich würde so gerne mich meinen Kräutern widmen, aber dieser Baum macht es mir unmöglich. Ihr werdet mir doch helfen? … uns … dem Herrn, meine ich.“
Ihr Augen zuckten unsicher umher und sah dann zurück zum Haus.
„Ihr schafft das allein.“
Sie wandte sich zum gehen um.
„Und beeilt euch, damit ihr nicht zu spät zum Abendessen kommt.“
Damit verschwand sie sehr abrupt zwischen den weißen Bäumen.
„Na dann machen wir uns mal an die Arbeit!" Der Mantroner lies einmal seine Gelenke knacken und marschierte dann mit Fluchbrecher und seiner Streitaxt in den Händen auf das Labyrinth zu. Dabei viel ihn sofort auf das die magische Waffe wie wild in seiner Hand vibrierte.
Das wird wohl doch eine richtige Herausforderung werden! Dachte sich der Mantroner kurz. Denn er hatte vor diesmal beide Waffen gleichzeitig zu benutzen, um sich somit im Kampf mit zwei Äxten zu schulen.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 7. Januar 2015, 22:02

Bei Baltos
Musik

Der Körper des jungen Mannes reagierte auf die Reize dieser Fremden. Baltos hatte noch kaum Erfahrungen im Umgang mit Frauen und zu häufig war er mit seinen Bemühungen auch nicht gut angekommen, aber er war auch nicht abgestumpft und diese Frau hier weckte nicht nur einfache Erinnerungen in ihm. Jenna war das letzte weibliche Wesen gewesen, dass ihm nahe gekommen war, aber in seinen Gedanken spukten anscheinend noch andere Frauen umher, vielleicht sogar eine ganz besonders. Der Mantroner sah der verwirrend, hübschen Bediensteten nicht lange hinter her, denn seine Hände vibrierten. Einerseits vor Tatendrang, andererseits lieferte Fluchbrecher das passende Echo um ihn abzulenken.
„Na dann machen wir uns mal an die Arbeit!"
Der Mantroner lies einmal seine Gelenke knacken und marschierte dann mit Fluchbrecher den kleinen Abhang hinunter, mit seiner Streitaxt in den Händen, auf das Labyrinth zu. Jeder Schritt näher ließ das Beil mehr in seiner Handfläche schwingen, als wollte sie sich selbständig machen. Die Axt schien ganz genau zu wissen, was zu tun war. Baltos brauchte nur seinen Instinkten und der Axt zu folgen. Das Rauschen des Windes flüsterte ihm zu:
„Geeeeeeehhhhh....“
, doch er hörte nur die Blätter wispern. Da hatte er schon die Axt gehoben und schlug auf den ersten knorrigen Ast ein.

Unweit hielt sich eine zierliche Gestalt verborgen und beobachtete was nun geschah. Ängstlich krallten sich ihre Finger in die weiße Rinde eines Baumes und verfolgten die Bewegungen des Mannes, den sie ganz bewusst in den scheinbar sicheren Tod geschickt hatte.
Es war zu viel! Alles war zu viel! All diese Stimmen … zu viele Stimmen! Sie musste zurück ins Haus, doch etwas hielt sie noch zurück. Vielleicht war es nur Neugierde, vielleicht das Prickeln das man erfährt wenn man der Gefahr zu sieht. Vielleicht war es aber auch die bedingungslose Hilfsbereitschaft die dieser Fremde ihr gegenüber gezeigt hatte und die sie zutiefst verwirrte.

Ein Knarren zerriss die Luft wie das Brüllen eines verletzten Tiers. Plötzlich brachen die verschlossenen Wege der Hecke auf und die Arme des Baumes rissen sich in die Höhe. Äste und Zweige peitschten umher und es regnete Rinde und Blätter. Es roch scharf nach dem Schimmel des alten Baumes und nach verdorbener Erde. Fauliger Dreck und in der Erde lebende Insekten, Maden und schleimige Schnecken spritzten durch die Gegend, als Baltos seine Axt erhob und den Kampf aufnahm. In dem Gang vor ihm hob sich der Boden und eine dicke Wurzel rollte eine Welle Erde auf ihn zu und wollte ihm den Boden unter den Füßen weg ziehen. Er sprang gerade noch rechtzeitig in die Höhe um wieder sicher zu landen. Gleichzeitig schlugen zwei Äste mit ihren peitschenden Weidenruten nach ihm. Die Wände der Hecke blieben unbewegt, aber sonst hatte alles den Kampf gegen den Eindringling aufgenommen. Die Wut eines sehr alten Baumes sollte ihn mit voller Wucht treffen und der Mantroner hat gut daran getan seine zweite Waffe auch noch mitzunehmen. Doch er hatte noch nie gegen eine Pflanze gekämpft! Wie die Hiebe einer Peitsche trafen ihn die langen Zweige und wie Faustschläge stießen die dickeren Äste nach ihm um ihn von den Wegen zwischen der Hecke fern zu halten, doch von einem Baum würde der Jäger sich nicht klein kriegen lassen! Brüllend und beide Äxte schwingend bahnte er sich seinen Weg. Kleinere Blessuren blieben nicht aus, aber er merkte auch schnell, dass der Baum wirklich Schmerzen empfand und zurück zuckte. Dabei war es vor allem die kleine Handaxt Fluchbrecher, die den meisten Schaden anrichtete. Das Kreischen des Holzes, das Brechen und Splittern glich entfernt dem Bersten des Schiffes, welches der „Schrecken der Tiefe“ mit sich in die abgrundtiefe See gezogen hatte. Vielleicht bereiteten diese Geräusche dem Mantroner ein paar unangenehme Gedanken, aber er ließ sich nicht von seinem einmal eingeschlagenen Weg abbringen. Wirbelnd wie die Eiswinde Mantrons ließ er seine Klingen kreisen und verschaffte sich so Platz.
Dann geschah es. Eine Wurzel hatte sich tatsächlich im dichtesten Getümmel unbemerkt von hinten genähert und riss ihn von den Füßen. Wie verästelte Schlangen kamen sofort andere und wollten ihn am Boden halten. Eine Schlinge wickelte sich um seinen Hals, als er Fluchbrecher gerade noch rechtzeitig hoch reißen konnte. Der Griff der Waffe drückte sich unangenehm an seinen Kehlkopf, aber die Klinge spaltete den Würgegriff. Kurz darauf war er wieder frei und hackte in den Boden um sich, damit diese Schlangen verschwanden. Etwas vermindert gingen die Angriffe auf ihn weiter, doch der Baum schien Luft zu holen.
„Verfluchst seist du Mensch, dass du es wagst deine Hand gegen mich zu erheben! Verfluchst seist du nie mehr den Schatten unserer Blätter zu empfangen!“
Baltos verstand das Flüstern des Baumes nicht, aber es klang nicht gerade freundlich und Fluchbrecher brummte so stark, dass ihm der Griff fast entglitt. Er hatte Mühe die Klinge nicht fallen zu lassen.
Dann endlich erreichte er das innere des Gartens wo sich der gewaltige Stamm erhob. Auf den ersten Blick waren da tiefe Risse im Baum, aber der zweite enthüllte Formen und Bewegungen wie die eines menschlichen Körpers. Der alte Baumgeist wandte sich ihm knarzend zu und etwas kaltes berührte Baltos Gesicht. Ventha schickte ihre Schneeflocken um sein erhitztes Gemüt und sein heißes Blut zu kühlen. Seine Haut dampfte und jeder Muskel wartete gespannt auf den finalen Angriff. Die drehende Bewegung gab nur halb einen weiblichen Körper frei, soweit man ihn eingewachsen in den Stamm erkennen konnte.
„Mensch, geeeeehhh fort, solange du noch kaaannnnst!“
Hass und Abscheu spuckten ihm entgegen und die mächtige Krone holte zum Schlag aus. Dieses Mal würde sie ihn ernsthaft verletzten können und so trat der Mantroner die Flucht nach vorne an. Er sprintete los und als die Wurzeln ihn packten, löste sich die Klinge gezielt aus seiner Hand. Dann traf ihn etwa hart von der Seite, so dass er nicht sehen konnte ob er getroffen hatte. Er flog ein Stück durch die Luft und landete in einer Hecke. Die kleinen Zweige stachen in seine Haut aber er das war ihm egal. Der hölzerne Schrei der den Park erfüllte war weithin hörbar.
„AAAAAAaaahhhiiiiiiiihhhhh...“

Baltos wischte sich Blätter und Erde aus dem Gesicht und kroch aus dem Gestrüpp heraus. Langsam näherte er sich dem sich krümmenden Baum und konnte noch sehen, wie er langsam mehr und mehr erstarrte und verfiel, als wäre er schon vor Jahrhunderten gestorben. Die Blätter verwandelten sich zu Staub, die Rinde platzte auf und gab morsche Knochen frei. Der menschliche Leib im Innern hingegen verjüngte sich zusehends, fiel ab vom Fluch des Baumes, aber beide starben einen gemeinsamen Tod, der schon lange überfällig gewesen war.
Ein kalter Hauch ging an Baltos vorüber und endgültiger Frieden legte sich über diesen unwirklichen Ort. Frieden und der Seegen Venthas. Bald schon würde all dies unter ihrem weißen Laken verborgen sein und heilen können. Aus der Asche würde neues Leben entstehen und was einst düster und schlecht würde neuen Pflanzen Dünger und Nahrung sein. Der Kreislauf des Lebens konnte von neuem beginnen.
Der junge Jäger trat zu den unglaublich schnell verfallenden Resten des Stamms um Fluchbrecher aus der harzigen Wunde zu ziehen. Dabei fiel sein Blick auf den menschlichen Körper. Einst musste sie eine Schönheit gewesen sein, eine von vielen die in den Irrgarten hinein geraten waren um vom Baum aufgenommen zu werden. Viele Knochen lagen unter den Wurzeln verbogen, viele hatten dem Baumgeist als Nahrung gedient.
Dann sah er ein Glitzern und seine Hand streckte sich unwillkürlich danach aus. Seine Finger berührten etwas hartes und schlossen sich darum. Vorsichtig zog er es an die Oberfläche. Schmutz, Erde und Asche perlten von der glatten Oberfläche ab und gaben den Blick auf zarte Seidenbänder frei. Der Jäger barg den verbogenen Schatz und erhielt Sandaletten mit orange farbenen Seidenbändern. Ganz offensichtlich hatten sie einst einer Frau gehört, so schmal und klein sie waren. Dort wo sich die Bänder an der Spitze kreuzten verzierte jeweils ein großes Juwel das Schuhwerk. Wenn er selbst sicher nicht mit den Schuhen anzufangen wusste, so wusste er doch, dass diese beiden hell gelben, wie die Sonne funkelnden Steine ihn eine ganze Weile ernähren konnten, tauschte er sie irgendwo ein.

(Baltos, ...
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Bei Delilah und Gunther

Gunther stand so heftig von seinem Stuhl auf, dass dieser beinahe nach hinten umgekippt wäre. Im Stehen konnte man sich besser verteidigen, auch wenn Gunther noch nicht recht wusste, wie und vor allem wogegen.
„Was…?“
Mehr konnte er nicht sagen, denn in dem Moment, als sich die Robe auf seine Schultern legte, war es als wären alle seine Sinne zu neuem Leben erwacht. Es schien nicht einmal so, als wenn er viele neue Dinge sah, er hatte eher das Gefühl, dass er jetzt so vieles um sich herum plötzlich wahrnahm, dass er vorher einfach ignoriert hatte. Dieses halbe Kind vor ihm betrachtete das Ungewöhnliche um sich herum mit einer Gelassenheit, die schon fast surreal wirkte. Delilah hatte nach seinem Glauben gefragt, ob er an Geister glaubte und spätestens jetzt war es so. Sein Glaube zu Lysanthor musste sich jetzt wohl oder übel einen Platz mit all den anderen Wundern dieser Welt in seinem Herzen teilen. Da saß sie und lächelte ihn breit mit ihrem faltigen Gesicht an, Rukulla. Die Geisterfrau, oder was auch immer sie war, die ihm im Traum erschienen war um ihn vor dem Hungertod zu retten. Hunger! Das Brennen in seinem Magen zusammen mit den köstlichen Düften der Küche ließen ihn vielleicht sogar denken, dass dies alles vielleicht nur ein Traum wäre? Welch süße Versuchung hatte da auf ihn gewartet und als sich seine Lippen endlich um das ersehnte Gebäck schlossen, erfasste ihn unwillkürlich ein wohliger Schauer.
Dann entwickelte sich jedoch das Gespräch in eine eher heikle Richtung und auf die kurzen aber bedeutungsschweren Worte der Alten hin, wusste nur nur eins ehrlich zu erwiedern:
„Es tut mir sehr leid, Fräulein Delilah. Was Lady Rukulla sagt, stimmt zwar, ich bin lysanthorgeweihter Lichtmagus. Nichtsdestotrotz bin ich mir nicht sicher, ob ich euch helfen kann. Meine Magie ist… sagen wir, ich benutze sie meist für andere Dinge. Zudem bin ich im Moment sehr geschwächt, und ohne zu wissen, wie und womit ich euch helfen könnte, kann ich leider gar nichts unternehmen. Bitte verzeiht mir…“

Delilah schwieg. Es war fast so, als hätte man einen Eimer Wasser über ihr ausgeleert. Rukulla schüttelte leicht den Kopf und seufzte schwer.
„Vielleicht machen wir uns darüber später Gedanken, Herr Inquisitor, im Moment gibt es wohl wirklich Wichtigeres... aber … vielleicht wisst ihr auch einfach nicht, wozu ihr fähig seid. Vielleicht vermag unsere liebe Rukulla mehr zu >sehen< als ihr, Herr.“
Das Mädchen lächelte leise, genauso wie die Geisterfrau, die ihr liebevoll ihre goldenen Locken aus dem Gesicht streichelte, was erstaunlicher Weise funktionierte. Doch in den Augen des Mädchens stand stille Traurigkeit. Vielleicht tat es dem alternden Inquisitor jetzt schon leid ihre Hoffnung, die dieses Leuchten gerade erst in ihren toten Augen entzündet hatte, so schnell erstickt zu haben.
„Für mich war Lichtmagie immer etwas... Reines... Licht gibt Hoffnung, es spendet Trost in der Dunkelheit...“
Sie hob die Hand und kleine Perlen aus Licht umspielten ihre Finger. Es war ein kleiner Zauber, der kaum Kraft kostete. Gunther erkannte ihn als kleinere, deutlich verspieltere Variante seines eigenen Zaubers: „Lysanthors Sonne“.
„Die Lichtmagie gibt uns als einzige Magie die Möglichkeit zu heilen, sie gibt dem Körper eine zweite Chance, sie hilft und ist … gütig. So wie ich mir den Gott erhoffe, dem sie geweiht ist. Ich weiß nicht... ob man sie wirklich für „anderes“ verwenden sollte. Jede Verletzung die ich mit ihr hervorgerufen habe war ein Unfall ...“
Rukullas Blick wanderte zu Gunthers und hielt seinem Blick stand. Aufmerksam betrachtete sie ihn, wie er wohl auf diese Worte reagieren würde.
„... und ich denke, so ist auch das Wesen dieser Magie. Keine Verletzung, keine Gewalt ist willentlich. Außer der Magier entscheidet sich dazu sie für Gewalt zu nutzen. …“
Hatte sie sich entschieden sie für Gewalt zu benutzen?
„Es hat sich jedesmal ... falsch angefühlt. Ich habe das auch an der Akademie nie verstanden. Auf mich wirkt es wie der Missbrauch einer wunderschönen, sanften Energie. ...Ich habe Raphael sie nie für etwas … anderes nutzen sehen. Aber er ist Templer... er ist bestimmt auch so.“
Einen Moment schwieg sie. Einiges ergab keinen Sinn.
„Nicht jeder, der mit der Dunkelheit in Berührung kommt, sollte gleich verurteilt werden... Wenn man ihn so schnell aufgibt, wie soll er dann selbst die Kraft finden für das Licht in sich zu kämpfen?“
In Delilahs weißem Blick stand eine traurige Erinnerung und die schwebenden Funken erloschen. Gunther hatte einige, wenn bestimmt noch nicht alle Bruchstücke ihrer Geschichte gehört, aber Teilaspekte wie Verletzungen, die dieses Mädchen hervorgerufen haben sollte, gaben ihm sicher zu denken. Die Akademie des Lichts in Jorsa war ihm ebenfalls ein Begriff. Nicht so sehr wie der benachbarte Ast der Inquisition, aber sie arbeiteten zusammen. So wie dieses Mädchen von Lysanthor sprach, war sie nicht all zu gläubig erzogen worden, nicht so sehr wie er, aber doch mit der Gabe gesegnet worden. Doch dass sie von der „Dunkelheit“ sprach, ließ sein Inquisitorherz aufhorchen. Was hatte dieses Kind wohl schon alles gesehen? War sie vielleicht mit etwas dunklem in Berührung gekommen? War es doch vielleicht seine Aufgabe sie zu läutern?
„Eines nach dem anderen.“
, schaltete sich Rukulla ein.
„Was wichtig ist und was nicht wichtig ist jetzt erst einmal ganz und gar unwichtig!“
Dabei grinste sie erstaunlich frech. Dann rieb sie sich die Stirn und murmelte irgendetwas mit
„... Ich hab doch was vergessen...???“
um dann sich die Bernsteinbrille zurecht zu schieben und fortzufahren:
„Erst einmal muss hier und da der Glauben gestärkt werden, bevor ihr den Schatten entgegen treten könnt. Das Licht muss erst trinken damit es Keime sprießen lassen kann. Ihr braucht Nahrung für die Seelen! ...Und ... Ich werde euch gewiss kein blindes Kind anvertrauen, wenn ihr an euch zweifelt. Der Feind obsiegt wenn ihr sie als Waffe schickt. Geht ihr blind in den Kampf, werdet ihr euren Glauben verlieren.“
Erneut rieb sie sich die Stirn und räusperte sich.
„Wo war ich? Ach ja. Delilah erzähl ihm doch von der Akademie, dem Unfall und von der Dunkelheit.“
Hatte sie wirklich schon vergessen, dass sie das schon getan hatte?
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Montag 12. Januar 2015, 20:55

Delilah schwieg. Es war fast so, als hätte man einen Eimer Wasser über ihr ausgeleert. Rukulla schüttelte leicht den Kopf und seufzte schwer.
„Vielleicht machen wir uns darüber später Gedanken, Herr Inquisitor, im Moment gibt es wohl wirklich Wichtigeres... aber … vielleicht wisst ihr auch einfach nicht, wozu ihr fähig seid. Vielleicht vermag unsere liebe Rukulla mehr zu sehen als ihr, Herr.“

Gunther stoppte kurz beim Essen des köstlichen Gebäckes. Es gab Inquisitoren, die solch eine Aussage definitiv als Ketzerei ansehen würden. Und Ketzerei wurde bekanntlich nicht geduldet. Doch Gunther war im Moment in einer heiklen Situation. Er würde sie für einen derartigen Satz nicht bestrafen, aber er sah sie einen Moment durchdringender an, auch wenn ihm bewusst war, dass sie es aufgrund ihrer Blindheit nicht bemerken würde.
Das Mädchen lächelte leise, genauso wie die Geisterfrau, die ihr liebevoll ihre goldenen Locken aus dem Gesicht streichelte, was erstaunlicher Weise funktionierte. Doch in den Augen des Mädchens stand stille Traurigkeit.
Gunther tat es leid, dass er ihr ihre Hoffnung so hart und schnell genommen hatte, doch er wusste, dass es besser so war. Falsche Hoffnungen waren umso enttäuschender, je länger man sie aufrechterhielt.
„Für mich war Lichtmagie immer etwas... Reines... Licht gibt Hoffnung, es spendet Trost in der Dunkelheit...“, fuhr Delilah fort.
Sie hob die Hand und kleine Perlen aus Licht umspielten ihre Finger. Es war ein kleiner Zauber, der kaum Kraft kostete. Der Inquisitor erkannte ihn als kleinere, deutlich verspieltere Variante seines eigenen Zaubers: „Lysanthors Sonne“. Sie ist also doch eine Licht-Magierin. Ich wusste, dass irgendetwas an ihr nicht stimmte. Vielleicht kann sie auch deshalb so erstaunlich gut mit ihrer Blindheit umgehen.
„Die Lichtmagie gibt uns als einzige Magie die Möglichkeit zu heilen, sie gibt dem Körper eine zweite Chance, sie hilft und ist … gütig. So wie ich mir den Gott erhoffe, dem sie geweiht ist. Ich weiß nicht... ob man sie wirklich für „anderes“ verwenden sollte. Jede Verletzung die ich mit ihr hervorgerufen habe war ein Unfall ...“
Rukullas Blick wanderte zu Gunthers und hielt seinem Blick stand. Aufmerksam betrachtete sie ihn, wie er wohl auf diese Worte reagieren würde. Seine Stirn zeigte nun tiefere Furchen, als höre er nun gebannter zu als vorher. Seine Hand legte den letzten Rest des Gebäckes zurück auf seinen Teller, doch noch unterbrach er die junge Frau nicht.
„... und ich denke, so ist auch das Wesen dieser Magie. Keine Verletzung, keine Gewalt ist willentlich. Außer der Magier entscheidet sich dazu sie für Gewalt zu nutzen. Es hat sich jedesmal ... falsch angefühlt. Ich habe das auch an der Akademie nie verstanden. Auf mich wirkt es wie der Missbrauch einer wunderschönen, sanften Energie. ...Ich habe Raphael sie nie für etwas … anderes nutzen sehen. Aber er ist Templer... er ist bestimmt auch so.“
Einen Moment schwieg sie.
„Nicht jeder, der mit der Dunkelheit in Berührung kommt, sollte gleich verurteilt werden... Wenn man ihn so schnell aufgibt, wie soll er dann selbst die Kraft finden für das Licht in sich zu kämpfen?“
In Delilahs weißem Blick stand eine traurige Erinnerung und die schwebenden Funken erloschen. Gunther betrachtete sie ernst und eingehend, als schien er sich seine nächsten Worte genau zu überlegen. Er wusste, dass der Blick der Geisterfrau auf ihm ruhte, doch ihm Moment war ihm das egal. Er wusste, was Delilah meinte. Er konnte nachvollziehen, wie sie dachte. Früher war er ihr gar nicht unähnlich gewesen. Er erinnerte sich noch ganz genau daran, dass auch für ihn die Lichtmagie, die göttliche Kraft Lysanthors selbst, immer etwas Wunderschönes und Heiliges war. Doch die Welt funktionierte nun einmal nach ihren eigenen Regeln, und nicht alles was man sich wünschte oder erträumte, ging auch in Erfüllung. Genauso wenig passierten nur gute Dinge… das wusste er nur zu gut… Für einen Moment schien er abwesend zu sein. Auf seinem Gesicht spiegelten sich unendlich traurige Erinnerungen an die dunkelsten und schlimmsten Dinge, die er im Namen Lysanthors ertragen hatte.
Er seufzte und sah sie nun mit einer Mischung aus Mitleid und großväterlicher Güte an.

„Ihr seid noch so jung… Es freut mich, dass ihr so denkt, und ich bete dafür, dass euch eure naive Unschuld so lang wie nur irgend möglich erhalten bleibt, Fräulein Delilah, denn sie ist rein und vollkommen ohne Sünde. Doch ich befürchte, dass auch ihr früher oder später erkennen werdet, dass dies leider nicht immer ausreicht. Wenn wir die Lichtmagie und unseren Herrn Lysanthor verehren, dann sind wir in der Pflicht sie auch vor allem zu verteidigen, was sie bedroht. Und was könnte heiliger und reiner sein als Lichtmagie, um Bedrohungen dieser Art zu bekämpfen? Nichts vertreibt die Dunkelheit so gut wie Licht…“

Sie hat also an der Akademie des Lichts gelernt… sie lebte also in Jorsa. Und sie hat die Lichtmagie bereits dafür eingesetzt, um andere Menschen zu verletzten? Sehr ungewöhnlich… Was hat sie wohl für Erfahrungen mit Templern gemacht? Und vor allem mit der Dunkelheit, die sie beschreibt? Oh Herr, welche Geheimnisse birgt dieses Anwesen denn noch?
Der Inquisitor seufzte schwer. Führe mich auf deinem lichten Pfad, auf dass ich in deinem Namen das richtige Tun werde Herr…

„Eines nach dem anderen.“, schaltete sich Rukulla ein.
„Was wichtig ist und was nicht wichtig ist jetzt erst einmal ganz und gar unwichtig!“
Dabei grinste sie erstaunlich frech. Dann rieb sie sich die Stirn und murmelte irgendetwas mit
„... Ich hab doch was vergessen...???“, um dann sich die Bernsteinbrille zurecht zu schieben und fortzufahren:
„Erst einmal muss hier und da der Glauben gestärkt werden, bevor ihr den Schatten entgegen treten könnt. Das Licht muss erst trinken damit es Keime sprießen lassen kann. Ihr braucht Nahrung für die Seelen! ...Und ... Ich werde euch gewiss kein blindes Kind anvertrauen, wenn ihr an euch zweifelt. Der Feind obsiegt wenn ihr sie als Waffe schickt. Geht ihr blind in den Kampf, werdet ihr euren Glauben verlieren.“
Erneut rieb sie sich die Stirn und räusperte sich.
„Wo war ich? Ach ja. Delilah erzähl ihm doch von der Akademie, dem Unfall und von der Dunkelheit.“
Nun war der Inquisitor zu einem Teil und zum Anderen erstaunt.

„Ich hoffe ihr meintet nicht mit damit, als ihr sagtet, man müsse erst seinen Glauben stärken. Und ich kann mich auch nicht erinnern, euch gebeten zu haben, mir diese junge Frau anzuvertrauen. Außerdem halte ich es für überaus unhöflich, davon zu reden, sie mir anzuvertrauen, während ihr sie noch nicht einmal gefragt habt, ob sie dies möchte. Bis jetzt hat Fräulein Delilah auf mich den Eindruck gemacht, dass sie bisher auch ohne meine Hilfe gut zurechtgekommen ist.“ In Gunthers Stimme lag nun eindeutig wieder eben jener Tonfall, der ihn unverkennbar als Teil der Inquisition auswies. Doch dies hielt nicht lange an, denn schon lächelte er wieder das blonde Mädchen vor ihm an. Er trank noch einen weiteren Schluck der Milch und wartete. Vielleicht würde sie ihm noch etwas erzählen, vielleicht aber auch nicht. Er konnte nicht abstreiten, dass ihn interessierte, was sie auf der Akademie erlebt hatte und was sie damit meinte, dass sie scheinbar mit der Dunkelheit in Berührung gekommen wäre. Aber er wusste auch, dass es im Moment viele andere wichtige Dinge gab, und er würde sich diese Geschichte auch ein andermal anhören. Was ihn aber noch brennender interessierte, war das, was Rukulla gesagt hatte. Der Feind obsiegt wenn ihr sie als Waffe schickt. Geht ihr blind in den Kampf, werdet ihr euren Glauben verlieren.
Was meinte sie damit? Er würde seinen Glauben nicht verlieren. Sein Leben vielleicht, seine Freiheit vielleicht… alles was ihm lieb und teuer war… aber seinen Glauben? Niemals!

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Dienstag 13. Januar 2015, 10:38

Bei Delilah und Gunther

„Ich hoffe ihr meintet nicht mich damit, als ihr sagtet, man müsse erst seinen Glauben stärken. Und ich kann mich auch nicht erinnern, euch gebeten zu haben, mir diese junge Frau anzuvertrauen. Außerdem halte ich es für überaus unhöflich, davon zu reden, sie mir anzuvertrauen, während ihr sie noch nicht einmal gefragt habt, ob sie dies möchte. Bis jetzt hat Fräulein Delilah auf mich den Eindruck gemacht, dass sie bisher auch ohne meine Hilfe gut zurechtgekommen ist.“
Rukulla nickte eifrig zu den Worten des Inquisitors.
„Natürlich meinte ich euch, aber nicht so wie ihr es verstanden habt.“
Sie lächelte noch breiter, was ihre Falten in die Horizontale verlegte.
„Ihr seid es der SIE stärken solltet. Das ist doch eure Aufgabe, oder? Ihr tragt den Glauben an den Lichten in die Welt hinaus, oder habe ich mich da in euch getäuscht?“
Sie erwartete keine Antwort und ließ ihre erstaunlich weißen Beißerchen glitzern.
„Wozu hab ich wohl euch hier her gebracht? Damit ihr gleich wieder fort in den nächsten Kampf rennt? Ihr werdet gebraucht, Herr Inquisitor. Mehr als je zuvor und ich hoffe mich nicht in eurem Herzen getäuscht zu haben. Wollt ihr denn diesem Kind eure Gabe versagen? Einem Kind Lysanthors?“
Auch hierauf erwartete sie keine Antwort.
„Was meine Höflichkeit anbelangt, tia … da bin ich wohl etwas aus der Übung.“
Sie zuckte mit den Schultern und machte einen kleinen Knicks, bei dem sie ein paar Hand breit über dem Tisch schwebte und eine weit ausladende Armbewegung machte. Es war eine entschuldigende Geste, aber vor allem ungewöhnlich in der Haltung und in der Ausführung. Alles war unglaublich veraltet. Gunther erkannte sie auch nur als eben jene, weil er selbst schon in den Jahren und sehr belesen war. Langsam schwebte sie zurück auf ihren Platz und fuhr dann fort.
„Dieses Mädchen, gerade an der Stufe zur Frau braucht eure Hilfe, die ihr ihr hoffentlich nicht verweigern werdet. Soweit sollte klar sein. Ihr braucht Ruhe und Nahrung um eure Kräfte zu sammeln um ihr zu helfen. Ich bitte euch darum und Delilah sicher auch. Wenn ihr danach ...“
Der hölzerne Schrei, der den Park erfüllte war auch hier leise hörbar.
„AAAaaahhhiiiiiiiihhhhh...“
Rukulla hob den Kopf und ihr Lächeln verschwand für eine Sekunde.
„Dieses ungezogene Kind!!! Entschuldigt mich, ich muss nach dem Rechten sehen!“
Puff, weg war sie.

Gunther und Delilah blieben allein mit den bewegten Utensilien der Küche zurück.

Bei Baltos

Wenn Baltos sich umdrehen würde, sähe er in einiger Entfernung eine traurig drein schauende, ihm wohl bekannte, kleine, weißhaarige Oma stehen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Dienstag 13. Januar 2015, 14:15

Der Eingang zum Labyrinth wurde gleich zum Anfang von einem alten Ast versperrt. Baltos hätte auch einfach über ihn steigen können aber er hatte noch die Warnung von Neroli im Ohr also schlug er gleichzeitig mit beiden Waffen auf den arm dicken Ast ein und zerteilte ihn mit einem Hieb.
Die Reaktion des alten Baumes blieb nicht aus, ein gewaltiges Knarren zerriss die Stille des Anwesens und auf einmal begann das Labyrinth zu leben. Erde wurde Baltos ins Gesicht geschleudert Äste schlängelten sich auf ihn zu wie Schlangen und griffen förmlich nach ihm.
„FÜR VENTHA!!!“ Mit diesem Schrei stürzte sich der Jäger, der eigentlich langsam Krieger bezeichnet werden müsste in die Schlacht.
Der Kampfstil war im ersten Moment ungewohnt für den Jäger da er es gewohnt war seine Streitaxt mit zwei Händen zu führen. Da er jetzt mit nur einer Hand viel langsamer ausholte als sonst nutzte er die Streitaxt dann eher als Meinungsverstärker, wenn er mit Fluchbrecher gerade einen dicken Ast erwischt hatte, der sich nicht sofort mit einem Hieb zerteilen lies. Mehr als einmal bekam der Mantroner einen Schlag oder hieb von einem der gefühlt tausend Äste ab die sich gegen ihn verschworen hatte, aber Baltos war wesentlich stärkere Schmerzen gewöhnt und lies sich von solchen Hieben nicht aus dem Konzept bringen. Nur seine Kleidung litt stark unter den angriffen der Natur und der junge Mann, der jetzt ohne Rüstung kämpfte, würde einige Prellungen und Blutergüsse nach diesem Kampf davontragen. Doch jetzt merkte er diese Verletzungen nicht, das Adrenalin pochte in seinen Venen und lies ihn wie ein wild gewordener Mantroner-Gärtner durch das Heckenlabyrinth pflügen.
Als sich der Erdboden zu einer Welle auftat und ihn davontragen wollte lachte der Jäger kurz im Gefecht mit einer Wurzel und sprang im rechten Moment in die Luft und entging somit das er zu Boden gerissen wurde.
Solche Wellen überspringen schon unsere Kleinsten! Dachte er sich noch abfällig in der Luft, als ihn zwei Peitschenhiebe von zwei Ästen ins Gesicht trafen und etwas Haut von der Wange schälten. Die Wunden Bluten zwar leicht aber das brachte ihn nicht aus seinem Trott.
Je näher er dem Baum kam umso wilder wurde die Gegenwehr, die Äste stürzten sich jetzt so heftig auf ihn das Baltos kurzzeitig nicht außer Holz sah und während dieser Attacke, riss ihn auch eine Wurzel zu Boden. Der Jäger konnte gar nicht so schnell reagieren, wie sich auf einmal das Wurzelwerk auf ihn stürzte und ihn seine Streitaxt entwendete nur Fluchbrecher konnte er retten, als er die Waffe reflexartig vor sein Gesicht hielt während sich ein Ast um seinen Hals wickelte.
So deutlich hatte er noch nie Magie gegeneinander Kämpfen sehen wie jetzt. Fluchbrecher pulsierte wie Faldor persönlich der in eine Kiste gesperrt war und auch der Ast fing von der Magie des Baumes belebt an zu vibrieren. Es war ein kurzes Kräftemessen am Schluss gewann aber die Waffe von Baltos und zerteilte den Ast. Der Mantroner fackelte nicht lang und schlug mit Fluchbrecher schnell um sich um die Wurzel, die ihn am Boden hielten zu zerhacken. Als die letzte Fessel um seinen Fuß gelöst war, erhob er sich so schnell wie möglich und gönnte den Baum keine Verschnaufpause. Noch im rennen griff er sich mit seiner freien Hand seine Streitaxt und schlug die wenigen Äste, die ihn seinen Weg zur Wurzel allem Übels den Weg versperrten in zwei Teile.
Als er endlich das Zentrum der einst schönen Gartenanlage erreichte bebte Fluchbrecher förmlich und Baltos hatte einige mühe die Waffe festzuhalten.
Genau wie damals bei der Eisbestie! Dachte sich der Jäger, als er diese Baumfrau erblickte.
„Mensch, geeeeehhh fort, solange du noch kaaannnnst!“
Der Jäger blickte nur kurz dieses Wesen an, als er aus dem Augenwinkel sah wie sich die Baumkrone auf ihn stürzen wollte.
Baltos lies seine Streitaxt fallen, damit er jetzt schneller war als der Baum und rannte dem Stamm entgegen. Als er in Wurfreichweite war, schleuderte er mit aller Kraft im Lauf sein Handbeil auf die Gestalt, keinen Moment zu spät als er von einem gewaltigen Ast auf Rippenhöhe getroffen wurde und in die gegenüberliegende Hecke geschleudert wurde.
„AAAAAAaaahhhiiiiiiiihhhhh...“
Als er den Schrei wahrnahm lächelte Baltos kurz wischte sich den Dreck aus dem Gesicht und erhob sich aus der Hecke. Der Schnee, der auf ihn herabfiel und sein Blut beruhigte lies Baltos kurz lächelnd in den Himmel schauen
Wieder einmal schulde ich dir meinen Dank!
Danach wendete er seine Aufmerksamkeit wieder den Baum zu, der rasch zu sterben schien als Baltos Fluchbrecher aus dem Körper der toten Frau zog.
Überall lagen die Knochen anderer Wesen die hier ihren tot gefunden hatten.
„Warum Existieren solche Orte überhaupt?“ Sagte der Mantroner leise zu sich als er ein glitzern zwischen den Knochen sah und danach reflexartig griff.
„Was sind denn das für komische Schuhe?“ Der Mantroner hielt das Paar Sandalen mit einer Hand in die Luft und betrachtete das Schuhwerk genauer.
Warum sind da so lange Bänder dran und die Schützen doch überhaupt nicht vor der Kälte? Wer hat sich denn so ein Möwendreck ausgedacht?
Erst am Schluss vielen ihn die großen Juwelen am Schuh auf.
„Gelobt sei Ventha!“ Rief er und band die Sandalen an seine Streitaxt und schulterte diese. Erst als er sich umdrehte viel ihn Rukulla auf die ihn traurig ansah.
Er verzog kurz die Augenbraue und ging der alten Damen entgegen.
„Warum schaust du so bedrückt? Gibt es Probleme?“
Das die Oma traurig wegen den Baum sein konnte kam ihn nicht in den Sinn, schließlich hatte die Göttin ihn ihren Segen gegeben mit den plötzlich auftreten Schneefall.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Dienstag 13. Januar 2015, 18:45

Bei Baltos

„Gelobt sei Ventha!“
Rief der siegreiche Mantroner und band die Sandalen an seine Streitaxt, wie die Trophäe nach einer erfolgreichen Jagd. Erst als er sich umdrehte viel ihn die Geisteroma auf. Er verzog kurz die Augenbraue und ging der alten Damen entgegen.
„Warum schaust du so bedrückt? Gibt es Probleme?“
Das die Oma traurig wegen den Baum sein konnte kam ihn nicht in den Sinn, schließlich hatte die Göttin ihn ihren Segen gegeben mit den plötzlich auftreten Schneefall.
„Ach Großer, das ist eine lange Geschichte, vermutlich dauert sie länger als du lebst, wenn ich sie dir erzählen soll. Früher war sie mal ...gut... Sie war einmal meine Freundin, doch dann … Heute war sie nur noch böse … nur noch wütend. Es sind so viele wegen ihr gestorben und alle konnten sie nicht gehen. … Neroli hat dich her gebracht, nicht wahr?“
In Baltos Gesicht musste die Antwort gestanden haben, denn sie nickte mit leicht verärgerter Miene.
„Da passt man mal einen Moment nicht auf und dann macht sie so was! Du hättest dich verletzten können oder sterben und dann? Wer soll dann Fluchbrecher führen? Die blinde Kleine, oder der hübsche Inquisitor? Sie hat es sicher nur gut gemeint, aber … Was hat sie sich nur gedacht! Vermutlich wieder gar nichts! Das ist ihr Ding! Nicht denken, nur fühlen und handeln. Ach, hätte sie doch etwas mehr Seele in ihrem hübschen Körper hätte ich weniger Ärger mit ihr!“
So schimpfte sie vor sich hin, während sie sich mit dem kriegerischen Jäger langsam auf den Rückweg machte. Plötzlich blieb sie ruckartig stehen und starrte zu Baltos hinauf.
„Du hast dich doch nicht in sie verguckt, oder? Sie ist nicht ganz ungefährlich, das arme Ding! Lass lieber die Finger von ihr, wenn du nicht länger hier bleiben willst. Sie kann einem Mann die Sinne verwirren! Versprich mir, dass du brav bist, Großer! Sie kann nichts dafür. Sie ist einfach so.“
Misstrauisch beobachtete sie Baltos Mienenspiel auf Hinweise, ob ihre Vermutungen zutrafen und schnappte sich seine Hand. Das hab vertraute, halb reale Gefühl ihrer Berührung kannte er ja schon ein wenig. Langsam gingen sie weiter und bald kam das Anwesen wieder in Sicht. Auf der Treppe wartete in ihrem schwarzen Kleid eine steif da stehende Neroli. Ein paar Minuten waren auf dem Weg vergangen und Rukulla hatte begonnen ein altes mantronisches Kinderlied zu summen. Als sie auf gleicher Höhe zu der Hausdame waren, flüsterte Neroli ihr zu:
„Wehrte Rukulla, habt ihr nicht etwas vergessen?“
„Oh, ja mein Kind! Dankeschön. Ich hab ja zu tun!“
Puff, weg war sie und Neroli stand mit Baltos vor der Tür. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte sie seinen ramponierten Hausmantel und die teils blauen, teils blutigen Striemen auf seiner Haut. Ihr Zeigefinger umschrieb grob seine Gestalt, während sie sprach.
„DAS müssen wir jetzt noch eilig in Ordnung bringen. So könnt ihr nicht dem Grafen begegnen. Folgt mir bitte und … und … Danke.“
Sie blinzelte und schlug kurz die Augen nieder. Das letzte Wort schien ihr nicht al zu gewohnt über die Lippen gegangen zu sein. Damit drehte sie sich schon wieder um, nahm ihre vertraut, kühle Haltung an und strebte durch die Eingangshalle der Treppe zu den privaten Gemächern hinauf.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Dienstag 13. Januar 2015, 19:33

Rukulla nickte eifrig zu den Worten des Inquisitors.
„Natürlich meinte ich euch, aber nicht so wie ihr es verstanden habt.“
Sie lächelte noch breiter, was ihre Falten in die Horizontale verlegte. Gunther konnte nicht anders, als in dieses liebevolle Gesicht zurückzulächeln. Er wusste noch immer nicht, wer oder was diese Frau war, doch er hielt sie nicht für eine Bedrohung… vorerst.

„Ihr seid es der SIE stärken solltet. Das ist doch eure Aufgabe, oder? Ihr tragt den Glauben an den Lichten in die Welt hinaus, oder habe ich mich da in euch getäuscht?“

Sie erwartete keine Antwort und ließ ihre erstaunlich weißen Beißerchen glitzern.

„Wozu hab ich wohl euch hier her gebracht? Damit ihr gleich wieder fort in den nächsten Kampf rennt? Ihr werdet gebraucht, Herr Inquisitor. Mehr als je zuvor und ich hoffe mich nicht in eurem Herzen getäuscht zu haben. Wollt ihr denn diesem Kind eure Gabe versagen? Einem Kind Lysanthors?“

Gunther hielt sich vorerst mit einer Antwort zurück, doch er konnte nicht dementieren, dass sie in gewisser Weise Recht hatte. Ob es allerdings so kommen würde, wie Rukulla sich die ganze Sache vorstellte, blieb abzuwarten.

„Was meine Höflichkeit anbelangt, tja … da bin ich wohl etwas aus der Übung.“

Sie zuckte mit den Schultern und machte einen kleinen Knicks, bei dem sie ein paar Hand breit über dem Tisch schwebte und eine weit ausladende Armbewegung machte. Es war eine entschuldigende Geste, aber vor allem ungewöhnlich in der Haltung und in der Ausführung. Alles wirkte unglaublich veraltet. Als ehemaliger Templer war er auch in ritterlichen Manieren erzogen worden, und so nahm er ihre Entschuldigung mit einer eleganten Andeutung einer höfischen Verbeugung an, mit dem Unterschied, dass er nicht aufstand. Langsam schwebte sie zurück auf ihren Platz und fuhr dann fort.

„Dieses Mädchen, gerade an der Stufe zur Frau braucht eure Hilfe, die ihr ihr hoffentlich nicht verweigern werdet. Soweit sollte es klar sein. Ihr braucht Ruhe und Nahrung um eure Kräfte zu sammeln um ihr zu helfen. Ich bitte euch darum und Delilah sicher auch. Wenn ihr danach ...“

„AAAaaahhhiiiiiiiihhhhh...“ Ein schriller, gedämpfter Schrei ertönte irgendwo aus Richtung des Gartens. Gunther drehte sich herum, die Hand sofort am Griff seiner Waffe. Rukulla hob den Kopf und ihr Lächeln verschwand für eine Sekunde.
„Dieses ungezogene Kind!!! Entschuldigt mich, ich muss nach dem Rechten sehen!“ Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde war sie vollständig verschwunden.
Der Inquisitor und das blonde Mädchen blieben allein mit den bewegten Utensilien der Küche zurück.

„Was in Lysanthors Namen geht hier vor sich?“ murmelte der Inquisitor zu sich selbst, bevor er aufstand und zu Delilah sprach. Haben sie uns schon gefunden? Jetzt? Verdammt…
„Sie ist verschwunden. Das ist wahrscheinlich kein gutes Zeichen. Steht auf, Fräulein Delilah, wir sollten nicht hierbleiben.“

Schnell stopfte er sich den letzten Bissen Kuchen in den Mund und spülte ihn mit warmer Milch hinunter, bevor er sich suchend in der Küche umsah und nach weiteren Schreien lauschte.

„Habt ihr das auch gehört? Das klang nicht nach einem Ork… und Dunkelelfen schreien auch anders… wenn sie denn schreien. Was also war das?“

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Dienstag 13. Januar 2015, 22:42

Die sanfte Geste Rukullas spürte die junge Licht-Magi nur wie einen Hauch auf der Haut, als würde Traum auf Wirklichkeit treffen. So hell glitzerte die Aura der alten Dame vor ihren Augen, dass sie für einen Augenblick gegen die Helligkeit anblinzeln musste... unglaublich aber wahr.

Delilah fühlte sich an eine Geschichte erinnert, die sie einmal gelesen hatte, im Schein ihrer eigenen Lichter - den ersten und einzigen Zauber den sie damals mehr unbewusst als bewusst beherrschte. Heimlich unter der Decke, wenn die Großmutter schon schlief und das alte Haus leise zu flüstern begann. Sie hatte von einem Buch gelesen, dass einem jede Frage beantworten konnte, doch man durfte nie mehrere auf einmal stellen, denn es behielt sich nur die letzte gestellte Frage... und ob die Antwort die es gab wirklich klar und verständlich war, stand zumeist auch in den Wolken.
Daran erinnerte Rukulla das Mädchen ein wenig. Sie wusste, dass die alte Geister... Dame ein wahrer Hort des Wissens war, doch manches blieb noch immer ungeklärt. Zum Beispiel, wie es Verano ging! Sorge überschattete die Gedanken des Mädchens. Wie dunkle Gewitterwolken am Horizont türmten sich Delilahs Gedanken im Moment auf.
Sie traute sich nicht mehr, daran zu glauben, ihr Augenlicht noch einmal wieder zu erlangen.

„Ihr seid noch so jung… Es freut mich, dass ihr so denkt, und ich bete dafür, dass euch eure naive Unschuld so lang wie nur irgend möglich erhalten bleibt, Fräulein Delilah, denn sie ist rein und vollkommen ohne Sünde. Doch ich befürchte, dass auch ihr früher oder später erkennen werdet, dass dies leider nicht immer ausreicht. Wenn wir die Lichtmagie und unseren Herrn Lysanthor verehren, dann sind wir in der Pflicht sie auch vor allem zu verteidigen, was sie bedroht. Und was könnte heiliger und reiner sein als Lichtmagie, um Bedrohungen dieser Art zu bekämpfen? Nichts vertreibt die Dunkelheit so gut wie Licht…“


Das wollte Delilah nicht einsehen. Nein! Wie konnte man Lichtmagie besser verbreiten und verteidigen, als sie in ihrer reinsten Form zu leben? Wenn man sie zu Waffe formte, konnte sie alles verbrennen und nicht bliebe übrig... Auch keine Gläubiger. Innerlich knirschte Delilah mit den Zähnen. Wenn man blindlings um sich stach und nur auf das Unkraut blickte, konnte es zu schnell geschehen, dass man eine unschuldige Blume dabei zerschnitt!

„Erst einmal muss hier und da der Glauben gestärkt werden, bevor ihr den Schatten entgegen treten könnt. Das Licht muss erst trinken damit es Keime sprießen lassen kann. Ihr braucht Nahrung für die Seelen! ...Und ... Ich werde euch gewiss kein blindes Kind anvertrauen, wenn ihr an euch zweifelt. Der Feind obsiegt wenn ihr sie als Waffe schickt. Geht ihr blind in den Kampf, werdet ihr euren Glauben verlieren. Wozu hab ich wohl euch hier her gebracht? Damit ihr gleich wieder fort in den nächsten Kampf rennt? Ihr werdet gebraucht, Herr Inquisitor. Mehr als je zuvor und ich hoffe mich nicht in eurem Herzen getäuscht zu haben. Wollt ihr denn diesem Kind eure Gabe versagen? Einem Kind Lysanthors?“

Ja, Delilah war sich erneut sicher. Diese Frau wusste viel... vielleicht nicht alles, aber doch sehr... sehr viel. Wie viele Fäden sie wohl gezogen hatte, um diese merkwürdige Gesellschaft zusammenzubringen, die heute hier Abend essen würde? Und war Verano wirklich der Diener der Geister? Aber warum sollte ihr Glaube gestärkt werden? Ihre Großmutter hatte ihr beigebracht allen Göttern gleichermaßen Respekt zu zollen, denn selbst die Dunkelheit hatte ihre Berechtigung, so gab die Nacht doch der Welt die Möglichkeit sich zur Ruhe zu betten. Ein jeder von ihnen hatte seine Aufgabe, seine Stärken und Schwächen. Sie hatte nie an der Existenz der Götter gezweifelt... und zu manchen fühlte sie eine tiefe Verbindung. Feylin und Florencia, denen früher ihre Gebete allzu oft gegolten hatten und seitdem das Licht in ihr spross fühlte sie sich mehr und mehr dem Lichtgott verpflichtet. Wo also musste man ihren Glauben stärken?? Damit sie begann zu kämpfen? Immerzu war von Kampf die Rede. Kampf, Kampf, Kampf. Kämpfe waren Krieg und Krieg kennt keine Sieger. Bis auf den Tod.
Wenn es etwas gab, das Delilah verabscheute auf der Welt, dann war es Kampf, Krieg, Zerstörung, Hass und Gewalt. Ein jeder von ihnen brachte nur inneren und äußeren Schmerz. Und sie wollte doch die Welt vom Schmerz befreien!

„Dieses Mädchen, gerade an der Stufe zur Frau braucht eure Hilfe, die ihr ihr hoffentlich nicht verweigern werdet. Soweit sollte es klar sein. Ihr braucht Ruhe und Nahrung um eure Kräfte zu sammeln um ihr zu helfen. Ich bitte euch darum und Delilah sicher auch. Wenn ihr danach ...“

Ihr helfen... vielleicht konnte er ihr doch helfen, wieder zu sehen? Sie sollte sich lieber keine Hoffnungen machen, doch sie glaubte und vertraute der Seherin und so glomm ein kleiner Funken Hoffnung in ihrer Brust auf. Sie würde sich an den Inquisitor halten, bis sich ... ja.. bis wann, darüber war sich Delilah noch nicht klar. Bis sie wieder zuhause war, in der Akademie oder ihr Augenlicht zurück erhalten hatte.

„AAAaaahhhiiiiiiiihhhhh...“ Ein schriller, gedämpfter Schrei ertönte irgendwo aus Richtung des Gartens. Delilahs empfindliche Ohren konnten den Schrei nicht einordnen, der Klang war ihr fremd - hölzern und hohl, doch die Stille die er hinterließ ... verhieß den Tod.

„Dieses ungezogene Kind!!! Entschuldigt mich, ich muss nach dem Rechten sehen!“ Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde war sie vollständig verschwunden.
Der Inquisitor und das blonde Mädchen blieben allein mit den bewegten Utensilien der Küche zurück.

„Was in Lysanthors Namen geht hier vor sich?“ murmelte der Inquisitor zu sich selbst, bevor er aufstand und zu Delilah sprach. "Haben sie uns schon gefunden? Jetzt? Verdammt…"
„Sie ist verschwunden. Das ist wahrscheinlich kein gutes Zeichen. Steht auf, Fräulein Delilah, wir sollten nicht hierbleiben.“

Schnell stopfte er sich den letzten Bissen Kuchen in den Mund und spülte ihn mit warmer Milch hinunter, bevor er sich suchend in der Küche umsah und nach weiteren Schreien lauschte.

„Habt ihr das auch gehört? Das klang nicht nach einem Ork… und Dunkelelfen schreien auch anders… wenn sie denn schreien. Was also war das?“

Auch Delilah erhob sich. "Es klang merkwürdig... hölzern und knorrig, noch stärker als Rukulla schon. Fast wie das Ächzen von Ästen."
Das neugierige Mädchen grübelte über den Klängen, ihr Blick schweifte zum Fenster - man hörte dort die Geräusche von draußen stärker. "Aber egal was es war... jetzt ist es tot...", man hörte leises Bedauern aus ihrer Stimme. Für sie hatte kein Tod eine gute Seite. "Rukulla kümmert sich schon darum.", sie lächelte aufmunternd. In letzter Zeit fehlte ihrem Lächeln immer öfter die Überschwänglichkeit und die Freude, manchmal schien es nur noch ihre Freundlichkeit zu sein, die ihr Lächeln am Leben erhielt... und Luci. Aber wenn ihr altes Strahlen zurückkehrte, dann tat es noch immer seine alte Wirkung und verbreitete sich im ganzen Raum.

"Also...", Delilah war ganz ruhig. "Ich soll Euch... wie darf ich Euch eigentlich ansprechen? ... ich soll euch von Vergangenem erzählen, Rukulla weiß natürlich schon wieder alles, aber sie will wohl, dass ihr es auch erfahrt. Ich weiß gar nicht, was sie an meinem Glauben auszusetzen hat.", murmelte sie noch. Die Vorkomnisse draußen schienen sie nicht zu beunruhigen, nur zu interessieren. "Wollen wir nachsehen gehen, was draußen los ist? Ich erzähle euch währenddessen, warum man mich >Nova< nennt. Und dann erzählt ihr mir, warum eure Begleiter im Nebel geblieben sind, abgemacht? ... warum wolltet ihr überhaupt nach Jorsa?" Sie trat einige Schritte in Richtung Tür und streckte dem Inquisitor vertrauensvoll die Hand entgegen. "Wollen wir gehen?"





"An dem Tag an dem man meine Kräfte entdeckte, begegnete ich einem gepeinigten jungen Mann. Seine braunen Augen waren voller Trauer und es schien als flüchte er vor etwas. Das war vor vielen Monden. Er trug etwas in sich, das ihn kontrollieren wollte und gegen das er kämpfte mit all der inneren Kraft, die ihm noch geblieben war. Er war ein guter Mensch!"
Delilah wollte ihren letzten Worten Nachdruck verleihen und sah dem Inquisitor fest ins Gesicht. Rukulla vertraute diesem Mann, also tat Deli es nun auch, doch von Omniel zu erzählen, kostete Überwindung. "Ich konnte sehen, was ihn quälte. Es besetzte andere Menschen und versuchte meinem Freund in den Wahnsinn zu treiben oder in den Tod, ich weiß nicht was die Schatten wollen. Denn das war es... pure Dunkelheit, Schatten die sich wanden wie Schlangen und in die Körper der Menschen fuhren und sie böse Dinge tuen ließen." Sie erinnerte sich an den armen Mortimer, den unschuldigen Schneider, der nicht wusste wie ihm geschah als er aus der Trance erwachte. "Ich war die einzige, die sie sehen konnte und es war noch etwas anderes ... Ungewöhnliches. Sie hielten sich von mir fern. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wichen vor mir zurück... und wenn ich ...meinem Freund, die Hand reichte, sah ich wie die Dunkelheit aus seinem Blick wich und nur der Junge zurück blieb, der er wirklich war... "
Sie wurde stiller. Sie erinnerte sich an Omniel, den Deserteur, den Flüchtenden, den Gehetzten. Etwas in seinen Augen hatte sie damals tief berührt und sie hatte sich sofort für ihn verantwortlich gefühlt. Er hatte den selben verlorenen Blick gehabt, den auch ihre Mutter trug in ihrem letzten Jahr, dem Jahr nach dem Tod des Vaters. Es war der Blick, den man hatte, kurz bevor man selbst den letzten Schritt über die Klippe tat.
"Er wurde aber nicht nur von den Schatten heimgesucht..." Sie biss sich auf die Unterlippe. "Die Inquisition suchte nach ihm... oder eher ... nach den Schatten... sie hinterließen wohl ihre Spur in der Stadt..." Sie verstummte, dann holte sie tief Luft und sprach weiter. "Das war doch gar nicht er, der das alles tat. Es waren nur die Schatten!" Er musste es begreifen! "Ich hatte Angst um ihn, Angst, dass die Templer und all die anderen nicht verstehen würden... Angst, dass man in ihm nur ein korrumpiertes Werkzeug sah und ihm wehtun würde." Sie wurde leiser, bis ihre Stimme anschwoll und ihre Verzweiflung hinaus brach. "Dabei war er das Opfer... was, wenn ihr ihm nicht geholfen hättet!?! Wenn man ihn bestraft hätte für etwas, was er gar nicht beeinflussen konnte?! Ich hatte Angst ihr könntet BLIND sein für das Gute in der Welt bei der fixierten Suche nach dem Schlechten." Delilahs Kehle war zugeschnürt und eine heiße Träne bahnte sich ihren Weg.
Ihre Stimme wurde immer schneller, sie wollte sie endlich loswerden, die ganze Wahrheit, die ganze Geschichte, alle Sorgen einfach dem Wind überlassen. Sie hatte damals versagt, sie hatte ihm nicht helfen können, weil sie nicht hatte bei ihm bleiben können. Sie. Hatte. Nicht. Helfen. Können. "Und dann hab ich ihn verloren... Raphael, der Templer von dem ich bereits sprach, fand uns und ich sprach mit ihm... er sollte meinen Freund nicht finden. Dann ließ er etwas fallen... einen Kompass, der ihn zu uns führte, eine Seite gefüllt mit Licht und eine mit Schatten. Ich hob ihn auf und dann... dann bin ich explodiert. Man hat mir später erzählt, dass eine große Menge an Lichtmagie freigeworden ist... eine Nova, die in der ganzen Stadt zu sehen war, für die Sehenden jedenfalls. ... dabei wurden Menschen verletzt... sie sind zeitweise erblindet!! ICH habe sie verletzt..." Ihre Hände zitterten bei dem Gedanken. "So etwas will ich nie nie nie wieder auslösen..."
Sie atmete stark aus, sie hatte immer weniger den Inquisitor angesehen, einfach auf ihre Füße gestarrt und die Hände geballt. Nun versuchte sie sich wieder zu entspannen. "Ich war bewusstlos... mehrere Tage lang... und mein Freund war fort, sie haben ihn wohl nie gefunden." Bei den folgenden Worten sah sie wieder die Lichtgestalt an ihrer Seite an. "Mir ist ein flammender Löwe erschienen... überall war Licht, Strahlen, Wärme und Geborgenheit. Er kam auf mich zu... er nannte mich Schwester... und er wollte, dass ich ihm folge." Ihre Stimme nahm einem abwesenden Ton an, als stünde sie in Gedanken wieder nebem der flammenden Gestalt und hielte die Hand in seinem Fell um seiner Führung zu folgen. Man merkte, dass sich die Licht-Magi noch immer nicht sicher war, auf welche Weise sie dieses Zeichen deuten sollte. "Die folgenden Monate habe ich in der Akademie gelernt... im Heilertrakt. Raphael hatte mich nach dem... Unfall.... dorthin gebracht, damit man sich um mich kümmern würde. Er ist immer sehr freundlich zu mir und passt auf mich auf. Er könnte Verano bestimmt nicht leiden." Delilah lachte leise auf und ein heller Glockenklang durchdrang die Luft.
"Dann starb ein Mann bei uns an Zombiefäule und ich sollte zusammen mit Raphael seine Frau und Kinder benachrichtigen. Doch ... als wir dort ankamen, war die Frau bereits tot und sein Sohn verschwunden, ... bei meinem Versuch dem Mädchen... Olia zu helfen, verlor ich die Kontrolle über meinen Magifluss und ... er hat mich fortgeschwemmt. Das war das zweite Mal, dass ich jemanden mit meiner Magi geschadet habe... aber das war nur ich. Verano war zufällig an der Bauernhütte vorbeigekommen, Raphael war losgeritten um Jorsa zu berichten und Alarm zu schlagen... und Verano hat mich hierhergebracht und mir geholfen zu ... genesen. Ich kann erst seit kurzem wieder laufen... dank der Hilfe der Geister, wie Rukulla sagte. Ich sollte mich noch bei ihnen und Verano bedanken..."

"Übrigens ... Rukulla weiß sehr viel... meine Großmutter ist mit ihr befreundet... und.... sie wusste, wann und unter welchen Umständen ich geboren werden würde... und dass meine Eltern sterben würden... sie kann sehr viel sehen... man sollte ihrem Wort vertrauen..."

Licht und Finsternis gehören zusammen,
nur Glaube kann sie auf Dauer verbannen.
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Sonntag 18. Januar 2015, 20:43

Auch Delilah erhob sich. "Es klang merkwürdig... hölzern und knorrig, noch stärker als Rukulla schon. Fast wie das Ächzen von Ästen."
Das neugierige Mädchen grübelte über den Klängen, ihr Blick schweifte zum Fenster - man hörte dort die Geräusche von draußen stärker. "Aber egal was es war... jetzt ist es tot...", man hörte leises Bedauern aus ihrer Stimme. “Rukulla kümmert sich schon darum.", sie lächelte aufmunternd.
"Also...", Delilah war ganz ruhig. "Ich soll Euch... wie darf ich Euch eigentlich ansprechen? ... ich soll euch von Vergangenem erzählen, Rukulla weiß natürlich schon wieder alles, aber sie will wohl, dass ihr es auch erfahrt. Ich weiß gar nicht, was sie an meinem Glauben auszusetzen hat.", murmelte sie noch. Die Vorkommnisse draußen schienen sie nicht zu beunruhigen, nur zu interessieren. "Wollen wir nachsehen gehen, was draußen los ist? Ich erzähle euch währenddessen, warum man mich >Nova< nennt. Und dann erzählt ihr mir, warum eure Begleiter im Nebel geblieben sind, abgemacht? ... warum wolltet ihr überhaupt nach Jorsa?" Sie trat einige Schritte in Richtung Tür und streckte dem Inquisitor vertrauensvoll die Hand entgegen. "Wollen wir gehen?"

Das schier unendliche Vertrauen, dass dieses junge Mädchen ihm entgegenbrachte, schien den Inquisitor zu rühren. Er wusste nicht was da draußen geschrien hatte, und er war noch immer beunruhigt, doch sie mussten so oder so aus der Küche gehen, warum also nicht zusammen. „Ich habe noch nie Wert darauf gelegt, mit meinem Titel angesprochen zu werden. Ich heiße Gunther Brockhardt…. Nenn mich wie du magst, Kind.“ meinte er lächelnd, während er die Hand des blonden Mädchens ergriff. Der alte Ritter gab sicherlich ein recht merkwürdiges Bild neben diesem jungen und hübschen Geschöpf ab, grau und in die Tage gekommen wie er war, doch das störte ihn im Moment weniger. Auf ihr >Geschäft< ging er nicht ein. Er würde es bevorzugen, wenn er ihr nicht erzählen musste, warum sein Gefolge nicht bei ihnen war. Das war keine Geschichte für derartig junge Gemüter. Eigentlich sollten solche Geschichten gar nicht passieren müssen…
Als Delilah begann zu reden, hörte ihr der gutmütige Ritter aufmerksam zu, während er sie vorsichtig durch die Küche führte.


"An dem Tag an dem man meine Kräfte entdeckte, begegnete ich einem gepeinigten jungen Mann. Seine braunen Augen waren voller Trauer und es schien als flüchte er vor etwas. Das war vor vielen Monden. Er trug etwas in sich, das ihn kontrollieren wollte und gegen das er kämpfte mit all der inneren Kraft, die ihm noch geblieben war. Er war ein guter Mensch!" Delilah wollte ihren letzten Worten Nachdruck verleihen und sah dem Inquisitor fest ins Gesicht. "Ich konnte sehen, was ihn quälte. Es besetzte andere Menschen und versuchte meinem Freund in den Wahnsinn zu treiben oder in den Tod, ich weiß nicht was die Schatten wollen. Denn das war es... pure Dunkelheit, Schatten die sich wanden wie Schlangen und in die Körper der Menschen fuhren und sie böse Dinge tuen ließen. Ich war die einzige, die sie sehen konnte und es war noch etwas anderes ... Ungewöhnliches. Sie hielten sich von mir fern. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wichen vor mir zurück... und wenn ich ...meinem Freund, die Hand reichte, sah ich wie die Dunkelheit aus seinem Blick wich und nur der Junge zurück blieb, der er wirklich war... "


Sie wurde stiller. Klingt ganz nach einem Besessenen. Sie hat ein gutes Herz, diese Kleine. Sie empfindet mit jenen Mitleid, auf die das Licht Lysanthors nicht mehr scheint. Doch sie scheint einen wichtigen Punkt gänzlich außer Acht zu lassen…


"Er wurde aber nicht nur von den Schatten heimgesucht..." Sie biss sich auf die Unterlippe. "Die Inquisition suchte nach ihm... oder eher ... nach den Schatten... sie hinterließen wohl ihre Spur in der Stadt..." Sie verstummte, dann holte sie tief Luft und sprach weiter. "Das war doch gar nicht er, der das alles tat. Es waren nur die Schatten. Ich hatte Angst um ihn, Angst, dass die Templer und all die anderen nicht verstehen würden... Angst, dass man in ihm nur ein korrumpiertes Werkzeug sah und ihm wehtun würde." Sie wurde leiser, bis ihre Stimme anschwoll und ihre Verzweiflung hinaus brach.

Ganz wie ich dachte… sie versteht es noch nicht… Gleich passiert es… dachte der ehemalige Templer, während die beiden kurz stehen blieben. Plötzlich wurde Delilah lauter und inbrünstiger. Diese Reaktion auf ähnliche Erzählungen hatte er schon dutzende Male erlebt.

"Dabei war er das Opfer... was, wenn ihr ihm nicht geholfen hättet!?! Wenn man ihn bestraft hätte für etwas, was er gar nicht beeinflussen konnte?! Ich hatte Angst ihr könntet BLIND sein für das Gute in der Welt bei der fixierten Suche nach dem Schlechten." Delilahs Kehle war zugeschnürt und eine heiße Träne bahnte sich ihren Weg.

Gunther wusste nicht, ob sie es verstehen würde, doch er versuchte es ihr zu erklären. Er legte ihr einen Hand auf die Schulter und ging vor ihr auf die Knie, damit sie nicht zu ihm aufsehen musste.

„Bevor du weiterredest Kind, möchte ich dir versuchen etwas zu erklären. Du sagtest du hättest Angst davor, dass die Inquisition Blind handelt, ohne das große Ganze hinter all dem zu sehen.“ Gunther stockte kurz und seufzte… es fiel ihm jedes Mal schwer, diese Dinge zu erzählen, und es schien, als wisse er nicht ganz, wie er anfangen solle.
„Jedes Mal, wenn die Templer einen Ketzer töten, jedes Mal, wenn ein Büßer sich dem heiligen Ritual stellt und scheitert… jedes Mal ist das ein schwerer Verlust. Ein zutiefst bedauernswertes Opfer. Beklagenswert und unendlich traurig. Und dennoch… es ist ein Opfer, absolut notwendig und absolut unabdingbar. Stell dir vor dein Freund von damals hätte der Dunkelheit in seiner Seele nicht mehr standgehalten und sich vielleicht in etwas verwandelt, das vielen Unschuldigen Menschen das Leben gekostet hätte. Die Inquisition ist genau dafür da. Jeder Templer lernt während seiner Ausbildung, dass er jeden Schwertstreich mit absoluter Überzeugung zu Ende führen muss, auch wenn das Ergebnis dessen bedauernswert ist. Wir sind dazu verpflichtet das Volk und alle lysanthortreuen Menschen zu beschützen und sie und ihren Glauben zu verteidigen. Und dafür müssen wir Entscheidungen treffen und Opfer bringen, die tiefe Trauer und Schmerz verursachen, nur um die Welt vor noch mehr Leid und Dunkelheit zu bewahren.“
Gunther erinnerte sich daran, dass ihm als Knappe von seinem Lehrmeister früher gesagt wurde, der beste Inquisitor sei derjenige, der ohne zu Zögern die schwierigsten Entscheidungen treffen kann, und mögen sie auch noch so hart sein, um im Namen des Herren des Lichts zu handeln und dessen Glauben zu verteidigen und seine Diener zu beschützen. Aber dieser Inquisitor muss auch jeden Tag Reue für seine Handlungen empfinden und sich unentwegt fragen, ob es andere Wege gegeben hätte, denn nur so wäre er absolut unfähig der „Machtblindheit“ zu erliegen. Gunther hatte all die Jahre versucht, eben dieser Inquisitor zu werden. Er bedauerte jeden Tod, den seine Männer in seinem Namen verursachten und bereute jedes Leid, dass er verursachte, doch er hielt sich immer wieder vor Augen, dass es alles einem höheren Zweck diente: nämlich dem Kampf gegen die Finsternis und der Verteidigung des lichten Glaubens.

„Verstehst du, was ich meine?“ Er hoffte, dass sie es verstehen würde, doch vielleicht war sie auch einfach noch zu jung dafür. Er lächelte sie wieder auf seine großväterliche, warme Art an und sagte:
„Aber erzähl weiter mein Kind. Was passierte dann?“

"Und dann hab ich ihn verloren... Raphael, der Templer von dem ich bereits sprach, fand uns und ich sprach mit ihm... er sollte meinen Freund nicht finden. Dann ließ er etwas fallen... einen Kompass, der ihn zu uns führte, eine Seite gefüllt mit Licht und eine mit Schatten. Ich hob ihn auf und dann... dann bin ich explodiert. Man hat mir später erzählt, dass eine große Menge an Lichtmagie freigeworden ist... eine Nova, die in der ganzen Stadt zu sehen war, für die Sehenden jedenfalls. ... dabei wurden Menschen verletzt... sie sind zeitweise erblindet!! ICH habe sie verletzt..." Ihre Hände zitterten bei dem Gedanken. "So etwas will ich nie nie nie wieder auslösen..."


Sie atmete stark aus, sie hatte immer weniger den Inquisitor angesehen, einfach auf ihre Füße gestarrt und die Hände geballt. Nun versuchte sie sich wieder zu entspannen. "Ich war bewusstlos... mehrere Tage lang... und mein Freund war fort, sie haben ihn wohl nie gefunden." Bei den folgenden Worten sah sie wieder die Lichtgestalt an ihrer Seite an. "Mir ist ein flammender Löwe erschienen... überall war Licht, Strahlen, Wärme und Geborgenheit. Er kam auf mich zu... er nannte mich Schwester... und er wollte, dass ich ihm folge." Man merkte, dass sich die Licht-Magi noch immer nicht sicher war, auf welche Weise sie dieses Zeichen deuten sollte. "Die folgenden Monate habe ich in der Akademie gelernt... im Heilertrakt. Raphael hatte mich nach dem... Unfall... dorthin gebracht, damit man sich um mich kümmern würde. Er ist immer sehr freundlich zu mir und passt auf mich auf. Er könnte Verano bestimmt nicht leiden." Delilah lachte leise auf und ein heller Glockenklang durchdrang die Luft.

Sie scheint eine ziemlich starke Lichtmagierin zu sein. Doch in ihrem jungen Alter kann sie wahrscheinlich ihre Magie noch nicht zu hundert Prozent kontrollieren. Gunther nahm wieder ihre Hand und führte sie weiter durch das stille Anwesen in Richtung der großen Eingangshalle.

"Dann starb ein Mann bei uns an Zombiefäule und ich sollte zusammen mit Raphael seine Frau und Kinder benachrichtigen. Doch ... als wir dort ankamen, war die Frau bereits tot und sein Sohn verschwunden, ... bei meinem Versuch dem Mädchen... Olia zu helfen, verlor ich die Kontrolle über meinen Magiefluss und ... er hat mich fortgeschwemmt. Das war das zweite Mal, dass ich jemanden mit meiner Magi geschadet habe... aber das war nur ich. Verano war zufällig an der Bauernhütte vorbeigekommen, Raphael war losgeritten um Jorsa zu berichten und Alarm zu schlagen... und Verano hat mich hierhergebracht und mir geholfen zu ... genesen. Ich kann erst seit kurzem wieder laufen... dank der Hilfe der Geister, wie Rukulla sagte. Ich sollte mich noch bei ihnen und Verano bedanken..."

„Verstehe…“ brummte der Inquisitor, während er darüber nachdachte. Sie war also eine Lichtmagierin, eine Heilerin. Ausgebildet wurde sie in der Akademie des Lichts in Jorsa. Aber sie war definitiv nicht nur in der Lage zu heilen, denn der gewaltige Ausbruch lichtmagischer Energie den sie beschrieben hatte, war dem Inquisitor nicht unbekannt. Er war in der Lage ähnliche Zauber zu wirken, um Feinde Lysanthors niederzustrecken. Allerdings durchschaute er diese >Vision< die das Mädchen beschrieben hatte etwas besser als sie selbst. Er hielt es für unwahrscheinlich, dass der lichte Gott ihr persönlich erschienen war, doch er hielt es für definitiv möglich, dass ein Sendbote Lysanthors dem Mädchen geholfen hatte. Als Inquisitor der heiligen pelgarischen Inquisition konnte und durfte er diese Tatsache nicht ignorieren. Er musste mehr darüber erfahren…
Vielleicht konnte er auf diese Art auch herausfinden, wie er ihr helfen konnte ihr Augenlicht wiederzuerlangen.
Auch der Aubruch dieser Zombiefäule, von der sie berichtete, ließ ihn aufhorchen. Falls er es nach Jorsa schaffen sollte, musste die dortige Inquisition davon erfahren. Unbedingt...


"Übrigens ... Rukulla weiß sehr viel... meine Großmutter ist mit ihr befreundet... und.... sie wusste, wann und unter welchen Umständen ich geboren werden würde... und dass meine Eltern sterben würden... sie kann sehr viel sehen... man sollte ihrem Wort vertrauen..."

„Das bleibt abzuwarten…“
murmelte Gunther nur geheimnisvoll. Sie waren in der großen Empfangshalle angekommen. Dort erkannte Gunther den jungen Mantroner-Jäger, der sehr mitgenommen aussah. Auf der Treppe stand außerdem die Dienerin des Grafen, diese Neroli. Ihr gegenüber konnte der Inquisitor keinerlei Sympathie empfinden. Sie war ihm einfach suspekt, und meist bestätigte sich ein solcher Verdacht auch als richtig.
„Wir sollten uns später noch einmal ausgiebig darüber unterhalten, Fräulein Delilah. Doch tut mir einen Gefallen…“ Er beugte sich etwas näher an ihr Ohr und flüsterte ihr zu:
„Redet nicht mit Neroli über diese Sache… egal was sie sagt, erzählt ihr kein Wort.“

Mit diesen Worten führte er sie näher an die beiden anderen heran und sprach zu Baltos:

„Was ist passiert? Ihr seht aus, als wäret ihr in einen Kampf geraten? Werden wir angegriffen?“ Gunther war sofort in Alarmbereitschaft. Es schien keine unmittelbare Gefahr in der Umgebung zu sein, sonst wären die beiden sicherlich nicht so ruhig, aber dennoch machte er sich Gedanken über den Zustand des Mantroners.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Sonntag 18. Januar 2015, 21:59

„Jedes Mal, wenn die Templer einen Ketzer töten, jedes Mal, wenn ein Büßer sich dem heiligen Ritual stellt und scheitert… jedes Mal ist das ein schwerer Verlust. Ein zutiefst bedauernswertes Opfer. Beklagenswert und unendlich traurig. Und dennoch… es ist ein Opfer, absolut notwendig und absolut unabdingbar. Stell dir vor dein Freund von damals hätte der Dunkelheit in seiner Seele nicht mehr standgehalten und sich vielleicht in etwas verwandelt, das vielen Unschuldigen Menschen das Leben gekostet hätte. Die Inquisition ist genau dafür da. Jeder Templer lernt während seiner Ausbildung, dass er jeden Schwertstreich mit absoluter Überzeugung zu Ende führen muss, auch wenn das Ergebnis dessen bedauernswert ist. Wir sind dazu verpflichtet das Volk und alle lysanthortreuen Menschen zu beschützen und sie und ihren Glauben zu verteidigen. Und dafür müssen wir Entscheidungen treffen und Opfer bringen, die tiefe Trauer und Schmerz verursachen, nur um die Welt vor noch mehr Leid und Dunkelheit zu bewahren.“

Er verstand es einfach nicht... Dabei hatte sie es ihm doch erzählt. Sie hatte die Schatten zurückdrängen können, ohne Gewalt, alleine mit ihrem Licht. Es hätte sicher einen Weg gegeben, Omniel auf sanfte Weise helfen zu können ohne ihn zu foltern, zu läutern, zu töten. Da war sich das Mädchen sicher. Sie musste nur lernen, lernen ihre Magie richtig einzusetzen. Die Dunkelheit war Gewalt und sie war das, was diejenigen die auf den Pfaden des Lichts wandelten verabscheuten. Aber wenn sie ihr wieder mit Gewalt begegneten, verloren sie in den Augen Delilahs gleichzeitig einen Teil ihrer Seele an etwas Böses. Es musste einfach einen sanften Weg geben, um der Dunkelheit zu begegnen. Es musste!
Sie war damals einfach zu schwach gewesen, zu unerfahren. Irgendwo musste es jemanden geben, der ihr zeigen konnte, wie man diese Kraft von damals verstärken konnte. Sie hatte die Schatten durch ihre reine Anwesenheit vertrieben! Wenn sie diese Macht kontrollieren könnte, ließe sich das Dunkle verdrängen... ohne dass die Menschen, die unter ihnen litten, geschadet werden musste. Sie wollte helfen, niemanden verletzten. Sie wollte das Licht nie als Waffe benutzen! Leid und Gewalt konnte keinen Frieden bringen! Sie brachten nur noch mehr Leid.

Aber Gunther verstand es einfach nicht... er verstand es einfach nicht.
„Verstehst du, was ich meine?“ Seine Stimme war sanft, doch Delilah ahnte, dass seine Hände mehr als einmal Leid und Tod gebracht hatten. Sie schwieg auf seine Frage.

Doch sie erzählte weiter und beruhigte sich wieder, verdrängte die dunklen Gedanken ein wenig. Gunther nahm wieder ihre Hand und führte sie weiter durch das stille Anwesen in Richtung der großen Eingangshalle.
Sie sollte sich wirklich noch bei Verano bedanken... hoffentlich kam er heute zum Abendessen... aber er hatte ja auch versprochen, sie heute noch zu besuchen... so hatte es Luci jedenfalls gesagt. Er würde doch sicher nicht sein Wort brechen?!

"Übrigens ... Rukulla weiß sehr viel... meine Großmutter ist mit ihr befreundet... und.... sie wusste, wann und unter welchen Umständen ich geboren werden würde... und dass meine Eltern sterben würden... sie kann sehr viel sehen... man sollte ihrem Wort vertrauen..."

„Das bleibt abzuwarten…“
murmelte Gunther nur geheimnisvoll. Sie waren in der großen Empfangshalle angekommen.
„Wir sollten uns später noch einmal ausgiebig darüber unterhalten, Fräulein Delilah. Doch tut mir einen Gefallen…“ Er beugte sich etwas näher an ihr Ohr und flüsterte ihr zu: „Redet nicht mit Neroli über diese Sache… egal was sie sagt, erzählt ihr kein Wort.“
Überrascht sah Delilah Gunther an. Er schien ihr auch nicht zu trauen. Er wurde ihr trotz aller Meinungsunterschiede sympathischer und sympathischer. Sie vertraute ihm. "Ich rede nicht sonderlich viel mit ihr... ihre Aura ist mir nicht geheuer."

Dann erblickte auch Delilah die beiden Auren in der Eingangshalle. Die eine war unverkennbar, violett und beunruhigend, Neroli. Die andere... war.... GIGANTISCH! Ein blauer Klotz stand da vor ihr, riesig und breit, ein BERG von einem Mann. Er roch nach Holz und Harz, Blättern, Gras und nach Schweiß, Blut... er roch nach... Mann. In seiner Hand glitzerte golden der Umriss einer Axt, einer Axt, die Delilah vermutlich nicht einmal heben konnte.

"Bist du aber groß!", entfuhr es dem Mädchen mit aufgerissenen, blassen Augen in denen die pure Neugier stand. Sie ließ Gunthers Hand los, ignorierte seine Worte und ging ein paar Schritte auf die riesenhafte Gestalt zu. Sie musste den Kopf in den Nacken legen um zu ihm hochzuschauen. "So hab ich mir immer die Mantroner vorgestellt...!", meinte sie offen. Wie oft hatte Fanja, die Eiselfe und Freundin ihrer Großmutter, von den Tapferen erzählen müssen! Auch wenn die Elfe meist etwas herablassend von diesem Volk gesprochen hatte, hatten die Erzählungen dem kleinen Mädchen doch immer imponiert. Auch jetzt flogen ihr die Erinnerungen daran durch den Kopf und ein breites, ehrliches Lächeln erstrahlte auf ihrem Gesicht. Kein Wunder, dass ihr bei der hünenhaften Gestalt des "roten" Mannes zuerst dieses Volk in den Sinn kam.
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Baltos
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Montag 19. Januar 2015, 09:51

„Ach Großer, das ist eine lange Geschichte, vermutlich dauert sie länger als du lebst, wenn ich sie dir erzählen soll. Früher war sie mal ...gut... Sie war einmal meine Freundin, doch dann … Heute war sie nur noch böse … nur noch wütend. Es sind so viele wegen ihr gestorben und alle konnten sie nicht gehen. … Neroli hat dich her gebracht, nicht wahr?“
Der Mantroner musste nichts sagen Rukulla hatte die Antwort aus seinem Gesicht abgelesen.
„Da passt man mal einen Moment nicht auf und dann macht sie so was! Du hättest dich verletzten können oder sterben und dann? Wer soll dann Fluchbrecher führen? Die blinde Kleine, oder der hübsche Inquisitor? Sie hat es sicher nur gut gemeint, aber … Was hat sie sich nur gedacht! Vermutlich wieder gar nichts! Das ist ihr Ding! Nicht denken, nur fühlen und handeln. Ach, hätte sie doch etwas mehr Seele in ihrem hübschen Körper hätte ich weniger Ärger mit ihr!“
So schimpfte sie vor sich hin, während sie sich mit dem kriegerischen Jäger langsam auf den Rückweg machte. Plötzlich blieb sie ruckartig stehen und starrte zu Baltos hinauf.
„Du hast dich doch nicht in sie verguckt, oder? Sie ist nicht ganz ungefährlich, das arme Ding! Lass lieber die Finger von ihr, wenn du nicht länger hier bleiben willst. Sie kann einem Mann die Sinne verwirren! Versprich mir, dass du brav bist, Großer! Sie kann nichts dafür. Sie ist einfach so.“
Warum soll ich mich in sie verguckt haben? Was ist das wieder für einen Redewendung.
Der Jäger war verwirrt und die alte Frau sah es den jungen Mann an, wahrscheinlich nahm sie deswegen seine Hand. Dieses seltsame Gefühl was er jedes Mal bei einer Berührung durch Rukulla empfand, war mittlerweile für den Mantroner nicht mehr besonders. Er nahm es wie üblich gelassen hin und folgte ihr.
Als sie die Treppe des Anwesens erreichten, summte die alte Dame ein Kinderlied aus Baltos Jugend. Der Text war auch gleich in seinem Bewusstsein.

Wir fahren, wir fahren,
Der Weg ist ungewiss

Wir singen, wir trinken
Der Sieg ist uns gewiss.

Zum Kämpfen geboren und zum siegen erzogen!

Wir fahren, wir faheren,
Der weg ist ungewiss.


Das Lied hatte noch viel mehr Strophen doch Neroli die dort oben auf sie wartete brachte das Lied von Rukulla zum Verstummen.
Als sie auf gleicher Höhe zu der Hausdame waren, flüsterte Neroli ihr zu:
„Wehrte Rukulla, habt ihr nicht etwas vergessen?“
„Oh, ja mein Kind! Dankeschön. Ich hab ja zu tun!“
Schlagartig war die alte Frau verschwunden und Baltos stand alleine mit der Hausdame da. Er blickte Neroli in die Augen und versuchte ihren seltsamen Blick zu deuten.
„DAS müssen wir jetzt noch eilig in Ordnung bringen. So könnt ihr nicht dem Grafen begegnen. Folgt mir bitte und … und … Danke.“
Sie blinzelte und schlug kurz die Augen nieder. Das letzte Wort schien ihr nicht al zu gewohnt über die Lippen gegangen zu sein. Damit drehte sie sich schon wieder um, nahm ihre vertraut, kühle Haltung an und strebte durch die Eingangshalle der Treppe zu den privaten Gemächern hinauf.
Baltos zuckte nur kurz mit den Schultern und lief der Frau hinterher als sie in der Eingangshalle von Gunter und einen jungen Mädchen abgefangen wurden. Der Blick des Jägers richtete sich sofort auf die Augen der blonden Gestalt.
Für eine Blinde bewegen sich ihre Pupillen aber zu zielorientiert!
Baltos konnte sich aber keine weiteren Gedanken über diese kleine Dame machen, da Gunther wie üblich gleich alles hinterfragte was der Jäger gemacht hatte.
„Was ist passiert? Ihr seht aus, als wäret ihr in einen Kampf geraten? Werden wir angegriffen?“
Der junge Mann lächelte kurz. „Mach dir keine Sorgen, das war nur ein Baum, der gefällt werden musste!“ Er blickte kurz zu Neroli ob er irgendwas in ihren Blick lesen konnte aber da war nichts, als die kleine Dame seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
"Bist du aber groß!" Die Kleine gab auf Baltos neugierig zugelaufen.
"So hab ich mir immer die Mantroner vorgestellt...!"
Der Mantroner lachte herzlich und ging dann auf die Knie. Damit er so halbwegs auf Augenhöhe mit ihr war. „Woher kennst du denn meine Sippe, kleine Robbe?“
Der Jäger legte Fluchbrecher auf den Boden und reichte der Kleinen die Hand.
Wobei seine Hand mindestens dreimal so groß war wie ihre.
„Mann nennt mich Baltos Bestientod und wie heißt du?“ Er lächelte sie freundlich an, fragte sich aber gleichzeitig wie sie wissen konnte, dass er größer war als sie wenn sie doch Blind war oder konnte sie etwa doch sehen?

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Montag 19. Januar 2015, 16:41

Baltos und Neroli hatten gerade die Eingangspforte passiert, als Gunther und Delilah aus einer Tür zur rechten kamen. Neroli fiel zurück und stand an der Tür hinter dem Mantroner um den Winter auszusperren. Der Wind hatte kleine Flocken hinein geweht die nun wie winzige Diamanten auf dem kalten Marmor glitzerten.

Hintergrundmusik

Ein warmer Hauch berührte ihre Stirn und sie strich sich eine schwarze Strähne hinter ihr Ohr. Der Schneefall begann sich schon langsam zu verändern. Lange würde er nicht mehr halten und schon jetzt war ein leises Plätschern in der Stille des Nebels zu hören. Der Tag neigte sich dem Ende hin und der Nebel verdichtete die undurchdringlichen Mauern um das Anwesen. Jadegrüne Augen sahen hinaus, betrachteten die feinen verästelten der Zweige, den Schemen einer Statur, die Formen die im Nebel versanken, als würden sie vergessen werden. Langsam schloss ihre Hand sich um die Klinke. Ein leichter Druck und die Tür verbarg den Blick auf ihren Traum.

Neroli trat ein Stück beiseite als die drei Gäste sich im Foyer sich zu unterhalten begannen. Sie faltete die Hände vor ihrem Bauch und stand ganz still dabei. Genau wie viele andere Diener auch, verschwand sie dabei fast vollkommen aus der Wahrnehmung der Gäste. Begünstigt wurde der Effekt auch noch durch die dunklen Hintergründe der Holz getäfelten Wände. Delilahs Konzentration war ganz auf Baltos gerichtet, Baltos Konzentration ganz auf Delilah und Gunther grübelte wie immer über die Zusammenhänge der Geschehnisse. Nachdem sie die Küche verlassen hatten, hatte er die Hand des goldgelockten Mädchens genommen und wenn er sich einen Moment der Stille erlaubte, fühlte er noch immer die leichte Wärme, die ihn durchflutet hatte. Die junge Licht-Magi hatte ihm so viel erzählt und er war sich sicher, dass kein Lug oder Trug darunter gewesen war. Lysanthors Sendbote hatte dieses Wesen gesegnet, da war er sich ganz sicher. Dieses Gefühl, als er sie berührte … war wie Sonnenschein auf seiner Seele. Dieses Mädchen trug seine eigene kleine Sonne in sich. Es war kein Wunder für ihn, dass sie ihre Kräfte noch nicht kontrollieren konnte. Und so wie der Schnee draußen langsam zu schmelzen begann, so begannen auch seine Mauern langsam zu fallen, als ihre herrlichen blauen, blinden Augen ihn so voller Vertrauen ansahen.

Delilahs geschärfte Sinne hörten das Summen der Alten und die leise Stimme des Mantroners schon bevor sie die Eingangshalle betraten.

„Wir fahren, wir fahren,
Der Weg ist ungewiss

Wir singen, wir trinken
Der Sieg ist uns gewiss.

Zum Kämpfen geboren und zum siegen erzogen!

Wir fahren, wir fahren,
Der weg ist ungewiss.“


Sofort keimten in ihr Kindheitserinnerungen auf und erblühten im mächtigen, blauen Schein des Mantroners und seiner goldenen Axt. Still erinnerte sie sich an die Geschichten des Eisreiches, an die zarte Stimme der freundlichen Elfe, die sie erzählt hatte und an die Träume die sie dabei immer gehabt hatte. Und nun, plötzlich, stand ein waschechter Mantroner vor ihr, ein Baum, ein Berg, ein Bär von einem Mann und kniete sich zu ihr nieder um sich mit ihr Aug in Aug zu unterhalten.

„Woher kennst du denn meine Sippe, kleine Robbe?“
Der Jäger legte die Axt auf den Boden und reichte der Kleinen die Hand, wobei seine Hand mindestens dreimal so groß war wie ihre. Eine warme Welle durchfloss seinen Körper, als er dieses Mädchen, an der Schwelle zum Erwachsensein berührte. Es war wie flüssiger Sonnenschein, der durch seine Adern pulsierte und reines Wohlsein zurück ließ, anstatt der unangenehmen Hitze dieser Landstriche.
„Mann nennt mich Baltos Bestientod und wie heißt du?“
Delilah wusste von Fanja, dass Mantroner sich ihren Namen verdienen mussten und „Bestientod“ hatte sicherlich nicht nur einen starken Klang, sondern hatte der Träger dieses Namens sicher dazu auch eine Geschichte zu erzählen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Montag 19. Januar 2015, 17:13

„Was ist passiert? Ihr seht aus, als wäret ihr in einen Kampf geraten? Werden wir angegriffen?“
Der Inquisitor schien sich noch immer Sorgen zu machen, doch die beiden wären um einiges aufgeregter, wenn wirklich etwas das Anwesen angegriffen hätte. Streiften da draußen wirklich Dunkelelfen durch den Nebel?
„Mach dir keine Sorgen, das war nur ein Baum, der gefällt werden musste!“
Die Stimme des Mannes war tief und dröhnend... aber er hörte sich trotzdem noch recht jung an.
"Bist du aber groß!" Delilah ging neugierig auf Baltos zu. "So hab ich mir immer die Mantroner vorgestellt...!"
Der Mantroner lachte herzlich und ging dann auf die Knie. Damit er so halbwegs auf Augenhöhe mit ihr war. Sein Lachen war warm und unverfälscht, und schallte in dem Mädchen wieder. „Woher kennst du denn meine Sippe, kleine Robbe?“ Kleine Robbe... so hatte Fanja sie auch oft genannt und Delilah musste bei der Erinnerung lachen. Die beiden eisigen Völker schienen mehr gemeinsam zu haben, als die Elfe hatte zugeben wollen.
Der Fremde legte seine Axt auf den Boden und reichte der Kleineren die Hand. Wobei seine Hand mindestens dreimal so groß war wie ihre. Seine Hand war rau und stark, ihre war weich und sanft.
Wenn es möglich war, wurden Delilahs Augen noch größer und ihr Lächeln noch breiter, noch strahlender. War er wirklich ein Mantroner? Er musste einer sein, sie kannte das Lied, das vorhin zu ihr herüber geweht war! Obwohl es noch viele weitere Strophen hatte...
Oh, wenn sie das Fanja erzählen könnte! Es war als wäre eine ihrer Märchenfiguren aus seinem Buch gesprungen. Was die Eiselfe dazu sagen würde, dass jemand aus ihrer alten Heimat so nah an ihrer Neuen weilte?
Delilah wollte so viel wissen! Wie empfand er das Leben in Schnee und Eis? Wie viele Mantroner gab es? Zogen wirklich Hunde ihre Schlitten? Wie wohl sein Dialekt klang? Fanja erzählte, dass sich das Esera der Elfen und der Menschen stark unterschied. Und hatten sie wirklich keine Häuser aus Eis, so wie sie die Eiselfen bauten? Wo kam dann das Holz her? Wovon ernährten sie sich, wenn sie doch kaum Pflanzen hatten? Wirklich auch nur von Fleisch wie die Eiselfen? Und... und war das da draußen ein Eisbär? Ein echter WEISSER Bär? Fanja hatte nie erzählt, dass Mantroner von Eisbären begleitet wurden! Oh, wenn sie doch nur sehen könnte! Sie wollte wissen, ob er wirklich einen Bart hatte, der bis zum Bauchnabel reichte, so wie Fanja das abfällig behauptet hatte. Ob er Narben hatte? Ihm musste hier doch so unglaublich warm sein!!
„Mann nennt mich Baltos Bestientod und wie heißt du?“ Seine Stimme lächelte.
Bestientod... das war ein starker Name. Delilah wusste, dass man sich bei den Tapferen den zweiten Namen verdienen musste. Hatte er wirklich eine Bestie im Kampf erschlagen?
Ihr aufgeregtes Herz schlug ihr bis zum Hals und die Fragen, die ihr auf der Zunge lagen brachten sie für einen Moment zum Schweigen. Sie musste erst wieder ihre Gedanken sortieren.

Leicht ging ihr die Sprache des Eises über die Lippen, die sie von Kindesbeinen an gelernt hatte. Sie hatte den Akzent der Eiselfen inne, ihre Sprechweise war sanft, heiter und klang wie fallender Schnee, im Gegensatz zu den Eiselfen fehlte ihr jedoch das Schneidende wenn sie sprach.
„Es freut mich wirklich dich kennenzulernen, Baltos Bestientod! Meine Name ist Delilah Tesséras… und eine Eiselfe hat mir oft von euch erzählen müssen und von eurem Land im ewigen Schnee... dem schlafenden Eisdrachen... Sag... hast du dir deinen Namen wirklich durch den siegreichen Kampf mit einer Bestie verdient? Dann musst du sehr mutig sein.“ Ein breites Lächeln begleitete ihre Worte und in ihren braunen Augen funkelte es fröhlich. In diesem Moment, wo sie sich so sehr in frühere Tage zurückversetzt sah, war das Strahlen ihres Lächelns genauso rein und klar wie früher, ihre Augen trotz ihrer Blindheit die Fenster ihrer Seele. Sie war glücklich.

Sie drehte sich kurz zu Gunther um. "Oh, warum habt ihr mir nicht erzählt, dass unser Gast ein Bewohner des Eisreiches ist? Ich hätte schon viel früher mit ihm sprechen wollen! ...ich hab so viele Fragen!" Die Aufregung und Freude in ihrer Stimme ließ jeden leisen kindlichen Vorwurf verschwinden. Sie wandte sich erneut dem Jäger zu. Er würde das ganze Ausmaß ihrer Neugier ertragen müssen.
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Gunther Brockhardt
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Gunther Brockhardt » Montag 19. Januar 2015, 18:50

„Mach dir keine Sorgen, das war nur ein Baum, der gefällt werden musste!“, war die Antwort des jungen Mantroners auf Gunthers Frage hin.
Ja genau, und deswegen siehst du auch aus als wärst du gerade in die schlimmste Kneipenschlägerei Pelgars verwickelt gewesen. Dein ignoranter Hochmut wird dir irgendwann gefährlich... dachte sich der alte Inquisitor. Er hatte dieses Verhalten schon öfters bei jungen Rekruten erlebt, die sehr geschickt im Kampf waren. Er war sich mittlerweile sicher, dass ihnen keine unmittelbare Gefahr drohte, dafür waren Neroli und Baltos einfach zu ruhig, aber ab einem gewissen Punkt erkannten diese Leute echte Gefahr nicht mehr, und gefährdeten dadurch oft sich und andere unnützer Weise. Vielleicht war dieses Verhalten in Mantron, der Heimat dieses muskelbepackten Mannes, ja von Vorteil, doch hier könnte es ihm früher oder später zum Verhängnis werden. Doch es war nicht Gunthers Aufgabe ihn zu erziehen, von daher sagte er nichts auf diese nebulöse Antwort Baltos', und ermahnte sich einfach selbst nochmals zu uneingeschränkter Wachsamkeit. Immerhin mussten sie jederzeit mit einem Angriff rechnen, und wenn dieser "Kämpfer" schon nichts in dieser Hinsicht ernst nahm, musste Gunther eben selbst aufpassen.


Delilah schien sofort begeistert von der Erscheinung des Mannes. Sie ließ Gunthers Hand los und stürmte regelrecht auf den Jäger zu. Mit funkelnden Augen blickte sie zu ihm auf. Der blonde Hüne ging in die Knie und die beiden stellten sich einander vor.
Zumindest habe ich mich nicht in ihm getäuscht... Er hat ein gutes Herz. dachte sich Gunther, als er sah, wie liebevoll Baltos Delilah begrüßte und sich mit ihr unterhielt. Der Inquisitor nutzte die Zeit, um Neroli noch einmal eingehend aber unauffällig zu mustern. Sie hatte sich etwas zurückgezogen und zeigte das typische Verhalten von Bediensteten, wenn sie eine Situation abwarteten in der sie entweder wieder gebraucht wurden oder wieder das Wort an ihre "Herren" richten konnten. Doch irgendetwas störte ihn immer noch an dieser Frau. Er konnte nicht genau sagen ob es mit ihrer Körpersprache oder ihrer distanzierten Art zu tun hatte, aber egal wie viel Mühe er sich gab, er konnte keine Sympathie für sie entwickeln. Und derartige Leute behielt er nun mal im Auge...

Gunther staunte nicht schlecht, als das kleine blonde Mädchen plötzlich anfing, den Mantroner in seiner Muttersprache anzusprechen. Er selbst Verstand kein Wort von dem, was die beiden sagten.
Delilah drehte sich kurz zu Gunther um. "Oh, warum habt ihr mir nicht erzählt, dass unser Gast ein Bewohner des Eisreiches ist? Ich hätte schon viel früher mit ihm sprechen wollen! ...ich hab so viele Fragen!" Die Aufregung und Freude in ihrer Stimme ließ jeden leisen kindlichen Vorwurf verschwinden. Sie wandte sich erneut dem Jäger zu. Er würde das ganze Ausmaß ihrer Neugier ertragen müssen.

Gunther schmunzelte nur. Sie freute sich, einen waschechten "Tapferen" zu sehen. Sollte sie ihm ruhig Vorwürfe machen, solange sie lachte war alles noch in Ordnung. Erneut schweiften seine Gedanken zu dem, was Delilah ihm offenbart hatte. Sie war "berührt"... "gesegnet"... Wie auch immer man es nennen wollte, sie hatte definitiv etwas an sich, dass vollkommen rein und gut war. Und vor allem auch beschützendswert. Warum auch immer der Herr des Lichts ihn zu diesem geheimnisvollen Anwesen geführt hatte, er vermutete, dass es mit diesem Mädchen zusammenhing. Doch im Moment schien sie überglücklich und zudem beschäftigt, so dass der alte Ritter sich langsam in Richtung seines Gemaches zurückzog, nicht jedoch ohne Neroli beim Umdrehen noch einmal prüfend anzusehen. Kurz überlegte er, ob er Delilah Fragen sollte, ob er Ihren Brief, den sie ja immer noch in Händen hielt, wieder in ihre Schale legen solle, doch als er sie so ansah wusste er, dass sie mit anderen Dingen beschäftigt war. Also beließ er es bei einem anerkennenden Lächeln und machte sichwortlos auf den Weg zu seinem Gemach.

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Montag 19. Januar 2015, 19:07

Bevor Gunther ganz verschwinden konnte, trat Neroli zu ihm und sprach leise:
„In einer halben Stunde wird das Abendessen serviert. Ihr werdet vorher einen Gong hören der euch ruft und wenige Minuten später noch einmal zwei Schläge, dann solltet ihr euch auf den Weg zum Speisesaal machen.“
Dann machte sie eine knappe Verbeugung und verschwand wieder in ihre steife Haltung in der Ecke.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 21. Januar 2015, 07:58

„Es freut mich wirklich dich kennenzulernen, Baltos Bestientod! Meine Name ist Delilah Tesséras… und eine Eiselfe hat mir oft von euch erzählen müssen und von eurem Land im ewigen Schnee... dem schlafenden Eisdrachen... Sag... hast du dir deinen Namen wirklich durch den siegreichen Kampf mit einer Bestie verdient? Dann musst du sehr mutig sein.“
Als Baltos seine Muttersprache aus dem Mund der kleinen Deli vernahm blickte er sie erstaunt an. Er hat ja mit vielen bei seiner Suche nach Maruka gerechnet aber das er auf jemanden treffen würde der in diesen Breitengrad Esera sprach war wirklich erstaunlich, vor allen mit dem Akzent der Eiselfen, auch wenn er sich ein wenig anders anhörte.
"Oh, warum habt ihr mir nicht erzählt, dass unser Gast ein Bewohner des Eisreiches ist? Ich hätte schon viel früher mit ihm sprechen wollen! ...ich hab so viele Fragen!"
Baltos drehte sich ebenfalls in die Richtung von Gunther, der sich etwas entfernt hatte, nickte ihn kurz zu und wendete sich dann wieder an Delilah.
„Unsere Göttin scheint ein Auge auf dich geworfen zu haben kleine Delilah Tesséras!“
Dabei deutete er auf seine Augenklappe, auch wenn das blinde Mädchen wie es schien diese Geste nicht sehen konnte oder doch?
„Um deine Frage zu beantworten ich habe tatsächliche gegen eine Eisbestie gekämpft die mindestens doppelt so groß war wie ich und habe sie erschlagen!“
Den Mantroner war klar das jetzt noch viele weitere Fragen folgen würden, aber Neroli wollte das er sich noch einmal Umkleidete. Also schnell weiter reden bevor Delilah noch eine weitere Frage stellen konnte.
„Delilah Tesséras ich muss noch einmal in mein Zimmer, Neroli will, dass ich mich schon wieder umziehe, aber beim Essen nachher können wir uns gerne weiter unterhalten!“
Der Mantroner erhob sich und bemerkte schon wieder das die Augen von Deli ihn verfolgten. Er musste sie einfach fragen.
„Sag kleine Robbe kannst du eigentlich sehen oder sind deine Augen geblendet?“
Das war die typische Mantroner-Taktlosigkeit, die wahrscheinlich jemand aus dieser Region nicht an den Tag legen würde, aber so waren sie nun mal die Tapferen!

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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Delilah » Mittwoch 21. Januar 2015, 10:37

„Unsere Göttin scheint ein Auge auf dich geworfen zu haben kleine Delilah Tesséras!“
Es war wirklich interessant, einmal jemand anderes als Fanja Esera sprechen zu hören. Doch im Vergleich zu dem Akzent der Eiselfe, der wie klirrendes Eis klang, erinnerte sie Baltos Sprachweise eher an berstende Eisschollen. Ihr breites Lächeln brach nicht ab.
"Götter befassen sich doch sicher nicht mit einfachen Mädchen wie mir. Sie haben bedeutendere Dinge zu tun."
Er machte eine Handbewegung und deutete auf sein Gesicht... doch worauf genau, das wurde ihr nicht klar. Wahrscheinlich sah sie im Moment auch etwas verwirrt aus. Aber sie würde ihm sowieso noch einige Fragen stellen wollen! Wie er wohl aussah? War er blond oder braunhaarig? Hatte er wirklich so blaue Augen wie das Meer? Sie hatte ja schließlich auch braune Augen, obwohl die typische Jorsanerin mit blauen Augen beschenkt war. Obwohl ihre Augen im Moment... sie wusste es gar nicht... konnte man sehen, dass sie blind war? Die meisten hatten es gemerkt, also waren ihre Augen vermutlich wirklich ... weiß. Der Gedanke war ihr unangenehm, blinde Augen hatten sie immer beunruhigt. Selbst bei den Magi der Akademie war es immer ein ... seltsamer Anblick gewesen. Ob die sich auch nur mit den Kinderaugen orientierten? Sie kannten sich in der Akademie sicher gut aus... aber wir sollte man Kräuter pflanzen, wenn man die Erde nicht sah, die man bepflanzen wollte? Es musste noch etwas geben, dass sie selbst nicht kannte. Die Magi der Akademie hatten mit Sicherheit stärkere Zauber um sich in der Dunkelheit zu orientieren.
„Um deine Frage zu beantworten ich habe tatsächliche gegen eine Eisbestie gekämpft die mindestens doppelt so groß war wie ich und habe sie erschlagen!“
Delilah konnte sich kaum vorstellen, dass es etwas Größeres gab als ihn, aber sie glaubte ihm sofort, dass er den Kampf gewonnen hatte. Eine Eisbestie... das klang bedrohlich. Aber wie sah diese Bestie aus und warum begleitete ihn ein Eisbär und war er wirklich rot oder warum hatte Kadia das gesagt? Doch bevor sie auch nur eine ihrer Fragen formulieren konnte, sprach Baltos Bestientod bereits weiter.
„Delilah Tesséras ich muss noch einmal in mein Zimmer, Neroli will, dass ich mich schon wieder umziehe, aber beim Essen nachher können wir uns gerne weiter unterhalten!“
Für einen Augenblick war die junge Licht-Magi enttäuscht, doch dann trat wieder ihr Lächeln in ihr Gesicht. "Dann darf ich dir alle meine Fragen stellen?", hakte sie nach. Die Neugier glitzerte in ihren verblassten Augen. Nach all der Zeit, abgeschirmt nach außen, blühte das Mädchen geradezu auf bei all den neuen Menschen, die sie umgaben. Sie freute sich mehr und mehr auf dieses Abendessen.
Der Eisberg erhob sich und überragte sie weit. Verano war ja auch groß, aber Baltos war sooo breitschultrig! Beeindruckend. Delilah kam sich gleich noch kleiner vor, als sonst schon. Ihre ganze Familie war größer gewesen als, all ihre Freunde,... warum war sie nur als Einzige so klein gewachsen? Allein neben Rukulla konnte sich das Mädchen "groß" fühlen, denn die freundliche Dame war definitiv kleiner als sie.
„Sag kleine Robbe kannst du eigentlich sehen oder sind deine Augen geblendet?“
Das war direkt! Delilah lachte, auch eine Eigenschaft, die die Eiselfe nicht an diesem Volk geschätzt hatte. Ihr selbst war diese Angewohnheit überhaupt nicht unangenehm. Sie hatte des Öfteren auch solche Anwandlungen.
"Sagen wir es so: Ich weiß nicht, welche Haar- oder Augenfarbe du hast oder wo hier die nächste Tür ist, aber ich kann sehen, dass du ein gutes Herz hast, Baltos Bestientod." Das Mädchen grinste. Sie blickte sich um und erkannte, dass Gunther bereits die Halle verlassen hatte. Dann fuhr sie sich etwas peinlich berührt durch die blonden Locken. "Ich muss dir sehr schwach vorkommen. Heißt es nicht, dass bei euch selbst die Frauen Baumstämme heben können? Und ich brauche sogar Hilfe um die Treppe zu finden..." Ein leise Bitte nach Hilfe verbarg sich in diesen Worten. Wenn sie in ihr Zimmer zurückkehren wollte, sie war ja noch immer nur mit ihrem Unterkleid bekleidet, musste sie die Treppe finden. Sie hatte auch immer noch den Brief in ihrer Hand, die Sichel hatte sie leider in der Küche vergessen. Sie würde später Luci bitten, sie ihr aufs Zimmer zu bringen. Was wohl in dem Brief stand? Aber jetzt musste sie ersteinmal die Treppe nach oben finden. Von dort kannte sie den Weg, doch sie hatte Angst, dass sie an diesem Ort irgendetwas Wertvolles umwarf, wenn sie ziellos durch den Raum irrte. Sie deutete in eine Richtung, in der sie die Treppe vermutete. "Sie ist da irgendwo, oder?"
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 21. Januar 2015, 22:06

Bei Gunther

Als Gunther hinauf zu seinen Gemächern ging hörte er ein Geräusch. Luci und Kadias Lachen waren hinter Kadias Zimmertür zu hören. Anscheinend verstanden sich die beiden Mädchen auch sehr gut. Durch die dicken Türen konnte er zwar nicht die genauen Worte verstehen, aber ihr Klang war fröhlich. Dieses Lachen war frei von Sorge und vielleicht war es genau das, was die Mädchen jetzt brauchten. Vielleicht war es auch das, was die kleine alte Geisterfrau gemeint hatte, als sie davon sprach, dass „die Seelen Nahrung“ brauchten. Vielleicht hatte sich aber auch von etwas ganz anderem gesprochen. Die alte Dame schien zeitweise etwas verwirrt zu sein und trotzdem hatten ihre Worte wohl meistens einen verborgenen tieferen Sinn. Aber wie bei allen Weissagungen, von denen der Inquisitor je gehört hatte, waren sie meistens sehr verworren oder enthüllten ihren Sinn erst wenn die Zeit dafür gekommen war. Die Jugend schien sich über al das keine Gedanken zu machen, aber so war Gunther nicht. Er grübelte und ging seinen Erfahrungsschatz durch. Er war der Kopf dieser wild zusammen gewürfelten Gemeinschaft. Er war schon fast vor seiner Tür angekommen, als sein Blick zufällig auf eines der Bilder fiel, welche die Gänge schmückten. Es stellte wohl einen der ehemaligen Besitzer des Anwesens dar, also einen Verwandten des Grafen? Der Mann saß mit übereinander geschlagenen Beinen in einem der Sessel, die der Inquisitor auch im Arbeitszimmer gesehen hatte. Er war klein, ein wenig untersetzt, um nicht zu sagen etwas rundlich. Sein schwarzes Haar war zu einem Schwanz im Nacken zusammengebunden und sein Blick war auf ein Glas Wein gerichtet, das er in der Hand hielt. Das Profil zeigte deutlich eine Kartoffelnase und ein recht kleines Kinn, was dem jetzigen Besitzer beides so gar nicht zu eigen war. Verano hatte ein charakterstarkes Kinn und eine sehr gerade Nase. Auch war Der Herr von Weißenfels deutlich größer. Dann fiel sein Blick auf das Taschentuch, dass der Mann auf dem Gemälde in der anderen Hand hielt. Darauf war ein Wappen zu sehen und irgendetwas in Gunthers Geist begann zu arbeiten. Er war viel herum gekommen und kannte sich mit heraldischen Abbildungen ausgezeichnet aus. Hier waren zwei Löwen zu sehen, die ein Schild hielten. Der Rest war leider zu klein um es deutlich erkennen zu können. Vielleicht war es aber gut, sich dieses Symbol zu merken. In Jorsa, in einer Bibliothek, vielleicht am Hof könnte er sicher mehr über die Hintergründe dieser Familie herausfinden. Es war nur ein kleines Detail zwischen al den anderen Puzzlestücken, aber vielleicht würde es eines Tages mehr Licht ins Dunkel bringen und zum Glück war Gunther noch nicht vergesslich. Sein Misstrauen dem Grafen, der Geisterfrau, ja vielleicht sogar allem und dem Leben gegenüber war ihm angeboren. Er hinterfragte, analysierte und oft hatte ihn genau das das Leben gerettet. Die Tür zu seinem Zimmer lag in Griffreichweite und es war still im Gang. Von Unten konnte er nur leise und gedämpft das unverständliche Brummen des Baritons eines Mantroners hören. Delilahs hohen laute erreichten sein betagtes Ohr schon nicht mehr. Er hatte noch eine halbe Stunde Zeit zu tun was er wollte, darüber zu sinnieren, was Lysanthors Wege in diesen Tagen für ihn bereit hielten. Die Stille ließ seinen Geist frei schweben und Fragen tauchten aus dem Nebel. Warum zögerte er sich dem Schicksal dieses Kindes anzunehmen? Er trug die Magie in sich, genauso wie sie. Er könnte sie untersuchen, könnte herausfinden was in ihrem Innern geschehen war, die „Lichte Innenschau“ auf sie anwenden, um dann zu herauszufinden, was zu tun sei. Auch wenn die meisten Zauber seiner Magie tatsächlich eher dem Kampf gegen die Dunkelheit gewidmet waren, so war er doch auch ein Heiler und ein weit aus besser ausgebildeter allemal. Er war das Skalpell, gezielt und schneidend genau, wo diese Novizin, sachlich betrachtet, mit ihrer ungebändigt Kraft anscheinend nicht nur für sich selbst eine Gefahr darstellte. „Nova“ war wirklich ein passender Name. Sicher würde ein Gespräch mit ihren Lehrern der Lichtakademie noch mehr Klarheit bringen, aber die waren nicht hier. Nur er war hier und ihre einzige Chance ihr Augenlicht wieder zu erlangen, wenn man den Worten einer Geisterfrau glauben mochte. Glauben … glaubte er? Glaubte er an sich, an seine Fähigkeiten? War es das was „hier und da“ gestärkt werden musste? Der Glauben an sich selbst? Sein Erfahrungsschatz war gewaltig und er hatte schon viele jüngere Lysanthorgläubige auf den rechten Weg gebracht. Meistens hatte Demut oder Willenskraft gefehlt, manchmal Überzeugung oder schlicht und einfach Talent, aber bei Delilah fehlte etwas anderes. Das wusste er jetzt schon tief in seinem Innern. Er hatte es gesehen. Er hatte es ihn ihren Augen auflodern sehen, diesen ungezügelten Hang helfen zu wollen, ohne jeden Egoismus, ohne ein gesundes Maß an Selbstschutz. Dieses Mädchen würde selbst für den schlechtesten aller Dunkelelfen ihre Seele opfern, wenn sie glaubte, dass sie damit der Welt helfen würde. Und was würde dann aus all den Anderen werden, die noch ihre Hilfe bräuchten? Selbstaufgabe war nur ein einziges Mal hilfreich. Ein „Danach“ gab es dann nicht mehr. Die Jugend dachte nicht weiter als bis zum nächsten Herzschlag, aber das Alter wägte auch die Möglichkeiten der Zukunft ab.

Bei Baltos und Delilah

Gleich einem überschäumendem Quell aus Heiterkeit und Fragen, brach Delilahs ungestüme Neugierde über dem Mantroner herein. Es war angenehm die kühlen Klänge des Eisreiches aus einem so freundlichen Munde zu hören und dieses Mädchen mit ihren vielleicht gerade 15 Sommern, strahlte wie die Sonne selbst. Den Hinweis auf seine Augenklappe verstand sie aber nicht. Delilah sah dort nichts anderes als auf der anderen Seite. Baltos hatte die Augenklappe mit der magischen Rune oben auf seinem Zimmer zu liegen und trug die, die der Hausherr ihm gestiftet hatte, damit er die Wunder dieser Gegend auch sehen konnte.
„Um deine Frage zu beantworten ich habe tatsächliche gegen eine Eisbestie gekämpft die mindestens doppelt so groß war wie ich und habe sie erschlagen!“
Den Mantroner war klar das jetzt noch viele weitere Fragen folgen würden, aber Neroli wollte das er sich noch einmal umkleidete. Also schnell weiter reden bevor Delilah noch eine weitere Frage stellen konnte.
„Delilah Tesséras ich muss noch einmal in mein Zimmer, Neroli will, dass ich mich schon wieder umziehe, aber beim Essen nachher können wir uns gerne weiter unterhalten!“
In diesem Moment trat auch Neroli wieder aus den Schatten der Eingangshalle und wartete neben Baltos, um ihn zu begleiten. Dabei musterte sie betont auffällig die junge Licht-Magi, die immernoch im Unterkleid und barfuß vor ihr stand. Der Mantroner erhob sich und bemerkte schon wieder das die Augen von Deli ihn verfolgten. Er musste sie einfach fragen:
„Sag kleine Robbe kannst du eigentlich sehen oder sind deine Augen geblendet?“
"Sagen wir es so: Ich weiß nicht, welche Haar- oder Augenfarbe du hast oder wo hier die nächste Tür ist, aber ich kann sehen, dass du ein gutes Herz hast, Baltos Bestientod."

Das Mädchen grinste. Sie blickte sich um und erkannte, dass Gunther bereits die Halle verlassen hatte. Der Inquisitor neigte ein wenig dazu junge Mädchen mit dem Mantroner allein zu lassen, just in dem Moment in dem sie ihn kennen lernten. Delilah fuhr sich etwas peinlich berührt durch die blonden Locken.
"Ich muss dir sehr schwach vorkommen. Heißt es nicht, dass bei euch selbst die Frauen Baumstämme heben können? Und ich brauche sogar Hilfe um die Treppe zu finden..."
Ein leise Bitte nach Hilfe verbarg sich in diesen Worten. Ob Baltos diesen Wink verstand, wusste jedoch nur er und vielleicht die Götter. Wenn sie in ihr Zimmer zurückkehren wollte, sie war ja noch immer nur mit ihrem Unterkleid bekleidet, musste sie die Treppe finden. Sie hatte auch immer noch den Brief in ihrer Hand, die Sichel hatte sie leider in der Küche vergessen. Sie würde später Luci bitten, sie ihr aufs Zimmer zu bringen. Was wohl in dem Brief stand? Aber jetzt musste sie erst einmal die Treppe nach oben finden. Von dort kannte sie den Weg, doch sie hatte Angst, dass sie an diesem Ort irgendetwas Wertvolles umwarf, wenn sie ziellos durch den Raum irrte. Sie deutete in eine Richtung, in der sie die Treppe vermutete.
"Sie ist da irgendwo, oder?"
Neroli stand zwar daneben, aber schwieg die ganze Zeit über. Ihrer Miene war nicht anzusehen, ob sie auch nur ein Wort des Gesagten verstand oder nicht. Geduldig wartete sie darauf, dass der ihr zugewiesene Gast sich in Bewegung setzte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitrag von Baltos » Mittwoch 28. Januar 2015, 07:42

"Sagen wir es so: Ich weiß nicht, welche Haar- oder Augenfarbe du hast oder wo hier die nächste Tür ist, aber ich kann sehen, dass du ein gutes Herz hast, Baltos Bestientod."
Sie kann was?Der Jäger wusste nicht, was er von dieser Aussage halten sollte, aber er musste auch nicht alles verstehen!
Im Augenwinkel bemerkte Baltos wie sich Neroli zu ihm stellte, wahrscheinlich wollte sie jetzt mit ihm nach oben gehen, aber der kleinen Deli lag noch etwas auf dem Herzen.
"Ich muss dir sehr schwach vorkommen. Heißt es nicht, dass bei euch selbst die Frauen Baumstämme heben können? Und ich brauche sogar Hilfe um die Treppe zu finden..."
"Sie ist da irgendwo, oder?"

Der Mantroner lachte, packte Deli an der Hüfte und hob sie so spielend hoch als wäre sie eine Puppe. Wie ein kleines Kind platzierte er sie auf seine Schulter und nahm seine Waffen wieder in die Hand. Das junge Mädchen konnte sich ja an seinen Kopf festhalten
„Kinder in deinem Alter tragen bei uns schon Baumstämme! Du musst nur trainieren und viel Fleisch essen dann kannst du das auch!“ Für den Mantroner wirkte Deli von der körperlichen Verfassung im Vergleich zu den Kindern aus seiner Heimat wie eine 10-Jährige. Deswegen behandelte er sie auch so, er hatte ja keine Ahnung wie Alt sie wirklich war.
Der Mantroner marschierte ohne ein weiteres Wort zu sagen los und ignorierte die Bedienstete völlig. Schließlich brauchte Deli ja Hilfe.
„Wo ist denn dein Zimmer?“

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