Zwischen Jersa und Rugta

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.

Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 9. April 2015, 20:28

Bei Baltos

„Ihr habt hier Met aus meiner Heimat? Das kann ich zwar nicht glauben da wir unseren Alkohol eigentlich nicht weiterverkaufen aber ich würde davon gerne vier Flaschen trinken!“
Die Dienerin lächelte höflich und erklärte:
„Nicht direkt aus eurer Heimat, aber sicher wird euch unser Met auch munden.“
Neroli nickte dienstbeflissen und wollte schon gehen, blieb dann jedoch plötzlich still stehen. Langsam drehte sie sich wieder um und ihr Blick zeigte zum ersten Mal echte Verwunderung. Sie blinzelte ein paar Mal schnell und kam dann zurück an Baltos rechte Seite. Etwas zögerlich fragte sie:
„Habe ich das eben richtig verstanden? Ihr sagtet .. Vier?“
Baltos breites Grinsen und Kadias einsetzendes Lachen verwirrte sie anscheinend noch mehr, denn sie fragte gleich noch einmal nach:
„Herr Bestientod, seid ihr sicher? Vier Flaschen?“
Sie blinzelte abermals schnell hintereinander und schaute etwa verunsichert zu Kadia hinüber, die die Szenerie beobachtet hatte und wohl recht amüsant fand. Nerolis Mundwinkel zuckten, als würden sie jeden Moment ihre professionelle Haltung verlieren. Sie sah wieder den Mantroner an und faltete die leicht zitternden Hände vor dem Bauch. Baltos machte nicht den Eindruck, als ob seine Bestellung ein Scherz gewesen war und so nickte sie erneut und huschte dann etwas zu eilig aus dem Speisesaal.
„Hahahaha, damit habt ihr die Arme jetzt aber ganz schön verstört.“
Kadia sah den jungen Jäger mit offenem Blick an und kicherte leise.
„Meine Eltern sind …“
Sie räusperte sich.
„Meine Eltern waren Händler, deshalb kenne ich einige kleine Geschichten über das Volk der Tapferen aus dem ewigen Eisreich. Ihr steht in dem Ruf „fast“ so viel zu vertragen wie ein Zwerg es würde. Kennt ihr Zwerge? Habt ihr vielleicht schon mal mit einem Zwerg gezecht?“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Dienstag 14. April 2015, 09:08

„Nicht direkt aus eurer Heimat, aber sicher wird euch unser Met auch munden.“
Dachte ich mir schon! Der Jäger lehnte sich etwas in seinen Stuhl zurück und blickte in Richtung dieser Kadia die ihn schon des Öfteren seit er an diesem Tisch saß einen Blick zugeworfen hatte.
„Habe ich das eben richtig verstanden? Ihr sagtet .. Vier?“ Baltos lächelte Neroli an die anscheinend die Bestellung des Mantroners für einen Witz gehalten hatte.
„Herr Bestientod, seid ihr sicher? Vier Flaschen?“ Der Jäger blickte irritiert die strenge Dame an, die wohl gerade ihre Fassung verlor. „Ja ich bin mir sicher!“ Lies er sie wissen und daraufhin dackelte sie auch gleich los um das Gewünschte zu holen.
„Hahahaha, damit habt ihr die Arme jetzt aber ganz schön verstört.“
Kadia sah den jungen Jäger mit offenem Blick an und kicherte leise.
Der Jäger zwinkerte der Jungen Frau zu nur war das Zwinkern mit nur einem Auge schwer und die meisten nahmen es gar nicht war. Manche Angewohnheiten legte man halt nicht ab, auch wenn sie eigentlich motorisch nicht mehr möglich waren.
„Meine Eltern sind …“
Sie räusperte sich.
„Meine Eltern waren Händler, deshalb kenne ich einige kleine Geschichten über das Volk der Tapferen aus dem ewigen Eisreich. Ihr steht in dem Ruf „fast“ so viel zu vertragen wie ein Zwerg es würde. Kennt ihr Zwerge? Habt ihr vielleicht schon mal mit einem Zwerg gezecht?“
Die Augenbraue von Baltos wanderte nach oben. „Fast soviel??? Ich glaube da hat man dir eine Halbwahrheit erzählt. Hast du schon mal einen Zwerg gesehen? Diese Kerlchen sind zwar fast genauso breit wie wir, aber sie sind auch viel kleiner. Also passt auch weniger Met in sie rein.“
Er lachte herzlich und aus voller Brust, so dass man sein Gelächter wahrscheinlich bis nach draußen hören konnte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Dienstag 14. April 2015, 22:46

Bei Baltos

„Fast soviel??? Ich glaube da hat man dir eine Halbwahrheit erzählt. Hast du schon mal einen Zwerg gesehen? Diese Kerlchen sind zwar fast genauso breit wie wir, aber sie sind auch viel kleiner. Also passt auch weniger Met in sie rein.“
Er lachte herzlich und aus voller Brust, so dass man sein Gelächter bis nach draußen hören konnte. Nur gut, dass das nicht Rumpel hören konnte! Kadia stimmte in das Gelächter mit ein und Gunther schmunzelte wenigstens. Zwerge waren bekannt für ihre Streitsucht, besonders wenn es um das Vertragen von Alkohol ging. Bei Bier waren sie unschlagbar, aber wie war es bei Met? Vielleicht sollte Baltos Rumpel einmal zu einem ordentlichen Gelage herausfordern. Es wäre interessant herauszufinden, wer als erster den Zapfen strich.
"Wir haben mal eine Gruppe Zwerge auf unserem Handelsweg nach Jorsa getroffen, aber da war ich noch klein. Genauer gesagt, so groß wie sie und sie waren nett. Unglaublich laut, aber nett. Kann mich an kaum mehr erinnern was mit denen war, aber was mir im Gedächtnis geblieben ist, dass sie all unser Bier gekauft hatten. Einfach alle Fässer die wir dabei hatten. Ich kann mich deshalb noch daran erinnern, weil ich dann endlich Platz zum Spielen auf der Ladefläche hatte."
Kadia lächelte einen Moment lang still vor sich hin und sah dann zu Gunther, der sich ein Gähnen unterdrücken musste. Sie sah wieder zu Baltos und nickte mit dem Kopf in Richtung des Inquisitors, der noch immer von der Geisteroma in Beschlag genommen wurde.
„Unser Tag war sehr anstrengend. Ich glaube, wir werden sehr bald ins Bett gehen. Ich auf jeden Fall. Die Betten hier sind so unglaublich weich! Es ist wie auf einer Wolke zu schweben. Ich freu mich schon richtig auf meine Träume. Entschuldigt, ich komme schon wieder ins Schwärmen … ist aber auch ein traumhaftes Anwesen, findet ihr nicht auch?“
Was Baltos als mantronischer Jäger von all dem Prunk wohl hielt? Der Luxus hatte gewiss seine Vorteile, aber notwendig war er gewiss nicht. Zumindest fiel ihm gewiss keine Notwendigkeit ein, wozu man auf Daunenfedern schlafen sollte, wenn es Felle auch taten. Es war eben alles ein wenig anders und andere Leute würden es auch anders empfinden. Stellte sich nur die Frage, ob Baltos den Zauber dieses Hauses mit seiner manchmal etwas ruppigen Ausdrucksweise zerstören würde, oder doch etwas abgewinnen konnte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Samstag 18. April 2015, 16:17

„Ich... ich verstehe die Bilder...“, murmelte das blonde Mädchen. „Ich weiß nur nicht, was ihr mir damit immer sagen wollt.“ Wieder war sie verwirrt. Hatte Verano sich da gerade mit einer Pflanze verglichen oder hatte sie nur wieder etwas falsch verstanden? Mit „Ihr“ waren mehrere Personen gemeint, das waren Verano, Rukulla... eigentlich fast alle, mit denen sie momentan zu tun hatte. Vielleicht waren es auch die Götter.

„Die Götter...“ Delilahs Stimme war nur ein Hauch. „Als du mich in die Grotte gebracht hast, hab ich gedacht, sie hätten mich alle verlassen.“ Wieder fuhr ihr ein kalter Schauer über den Rücken und Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus, als sie an all das Gold dachte und diese eisige Kälte. Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie je wieder ein Bad würde nehmen können, ohne an diesen schrecklichen Ort zu denken. Es wäre ziemlich ironisch gewesen, dachte sie für einen Moment, wenn sie in all dem Licht und dem Gold und der Magie ertrunken wäre. Wo doch so viele behaupteten, sie hätte ein Talent dafür. Aber Delilah war noch nie gut mit Ironie zurechtgekommen.
„Ich glaube nicht, dass die Götter mir antworten werden. Sie sollten Wichtigeres zu tun haben, als einem kleinen Mädchen mit seinen Sorgen zu helfen.“ Haben sie denn dir geantwortet? War das hier, das Haus, die Geister... war das ihre Antwort? Doch Delilah schwieg.

Sie stand stumm an der Balustrade und blickte in den Garten, den sie nicht sehen konnte. Delilah war dankbar, dass Verano sich ihr endlich öffnete, selbst wenn er sie wieder verletzt hatte. Er glaubte, er beschütze sie auf diese Art und Weise. Er hatte seine Frau verloren, Leon seine Mutter. Sie wusste wie es war, wenn man um eine geliebte Person trauerte, sie spürte noch immer den sanften Kuss ihres Vaters auf ihrer Stirn... wie musste das erst sein, wenn man Jahrhunderte zu leben hatte? Man musste viel länger mit all dem Schmerz leben, all de Fragen und Schuldgefühlen.
Sie wolle ihm auf irgendeine Art Trost spenden, doch seine Worte hielten sie fern und ihr fielen keine passenden Worte ein. So betrachtete sie nur stumm seine Gestalt. Also hatte Verano ihr geholfen, weil er sich an die Geschehnisse mit seiner Frau erinnert fühlte... das erklärte wenigstens etwas. Wieder lösten sich Fragen aus dem Schneesturm.
Wie war sie? Wie starb sie? Wie lang ist es her? Wie alt seid ihr - du und Leon?

Doch Delilah schob die Fragen fort und stützte sich stattdessen mit beiden Armen so kräftig sie konnte von der Balustrade ab, um sich selbst darauf zu heben. Es fiel ihr nicht leicht, sie war wirklich schwach geworden und der Gedanke ärgerte sie. "Wie lange bin ich schon hier?", traute sie sich leise zu fragen, als sie endlich auf dem kalten Stein saß. Wie viel Zeit war vergangen, in der ihre Liebsten sich um sie sorgten? In der der Hauch sich ausbreiten konnte?

Sie seufzte, während sie nun hinüber zum Haus blickte, in dem sie eben noch getanzt hatte. „Ich freue mich darauf, Leon wiederzusehen.“, sagte sie leise und lächelte schief. „Er ist immer sehr nett zu mir gewesen, aber er scheint sich oft Sorgen zu machen...“ ...wegen eines gewissen Verwandten mit einem Händchen dafür sich in Schwierigkeiten zu bringen., setzte sie in Gedanken hinzu. War es nicht das gewesen, was er einmal gesagt hatte? Als seine Maske für einen Augenblick gefallen war? Er hatte gesagt, sie hätte das Zeug zur Spionin... war das nun gut oder schlecht? „Das da mit den Fingern...“, sie deutete auf Veranos eigenes Fingerspiel. „Das macht er auch immer.“ Sie lächelte sanft bei dem Gedanken. Sie freute sich wirklich auf die Akademie mit Brit und Leon. Noch mehr allerdings freute sie sich auf ihre Großmutter, es fehlte ihr, sich einfach in die Arme ihrer Moma stürzen zu können und zu wissen, dass alles gut werden würde.

„Dieser Ort ist merkwürdig... und der schlafende Eisbär im Vorhof macht ihn nicht gerade gewöhnlicher.“, murmelte sie irgendwann. In ihr war eine merkwürdige Ruhe aufgezogen, all ihre Gefühle schienen irgendwie gedämpft. Vielleicht hatten sie die vielen Eindrücke und starken Gefühle aber auch einfach nur abgestumpft.

„Wieso fühle ich mich mehr und mehr wie ein kostbares Relikt, das kaputtgegangen ist und das nun unbedingt wieder zusammengesetzt werden muss?“ Delilah hatte die Frage nicht zurück halten können. Einige Dinge die in letzter Zeit gesagt wurden hatten in ihr immer stärker das Gefühl gegeben, dass sie nicht die Herrin über sich selbst war. Als wäre sie eine Kostbarkeit … oder ein Werkzeug, als müsste sie noch irgendwem oder irgendwas nützen und hätte das durch vergangene Taten in Gefahr gebracht. Dabei ging es nicht mal unbedingt um ihre Blindheit, aber was Rukulla und Verano über ihre Neugier und ihre Unschuld und „Reinheit“ gesagt hatten. Es war doch normal, dass man sich auf dem Weg des Erwachsenwerdens veränderte, seine Naivität verlor... Es war doch auch nicht gut, wenn man „blind“ durch die Welt ging... Sie erkannte immer noch nicht, warum Neugier etwas so schlechtes sein sollte. Wenn sie neugierig war und viel lernte würde sie eine gute Heilerin werden, das hatte Nova ihr gezeigt. Und das war es doch, was sie wollte!?
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Sonntag 19. April 2015, 13:01

Verano hatte ihr aufmerksam zugehört und keine ihrer Gedanken unterbrochen. Vieles von dem was sie gesagt hatte, hätte er vielleicht noch etwas genauer erläutern können, doch er schwieg. Diskussionen über Götter und Vorhersehungen brachten nie ein erfüllendes Ergebnis. Wenn die Menschen es doch taten, dann war es wie bei zwei Kindern die stritten, wer den tolleren imaginären Freund besaß. Er als Geistermagier wusste nur eins mit vollkommener Sicherheit. Die Geister entstanden meistens dann, wenn sie von ihren Göttern verlassen worden waren oder es zumindest glaubten. Und Delilah? Sie war noch so rein, dass sie, wenn sie stürbe, sicher nicht den Weg in die Zwischenwelt antreten würde. Sie würde auf direktem Weg ins Licht gehen. Doch gleichzeitig begann er zu ahnen, dass dies nicht immer so bleiben würde.
[i]„Wieso fühle ich mich mehr und mehr wie ein kostbares Relikt, das kaputtgegangen ist und das nun unbedingt wieder zusammengesetzt werden muss?“ [/i]
Delilah hatte die Frage nicht zurück halten können und Veranos Umrisse wandten sich ihr zu.
„Das ist eine jener Fragen, die ich dir nicht beantworten kann. … Aber vielleicht könnte dir Rukulla dazu ein neues Rätsel aufgeben.“
Seine Stimme klang sogar fast einen Hauch sarkastisch, aber nur ganz leicht. Dann wurde er wieder ernst.
„Aber was ich dir beantworten kann ist die Frage, nach der Zeit du du schon hier bist. Sicher kürzer als du glaubst. Seit dem Tag als wir uns auf diesem kleinen Hof begegneten sind, hat der Mond sich erst ein paar Mal gewendet. Es kommt mir selbst viel länger vor… „
Er senkte den Kopf wieder.
(Zeit ist auf Celcia immer relativ. Genauere Angaben mache ich nicht.)
„Und als Leon hier auftauchte, nachdem du nicht zurück kehrtest und dieser Templer in der Akademie von Morgerias Hauch berichtete … Ich hielt es für besser, die Akademie nicht zu informieren wo du genau bist. Ich schätze normaler Weise keine uneingeladenen Gäste … In jüngster Zeit kann ich wohl nicht all zu viel dagegen tun … Leon sollte aber der Akademie und deiner Großmutter die Nachricht überbringen, dass du in Begleitung auf einer Exkursion bist, fernab aller Gefahren, die einige Zeit in Anspruch nehmen würde … auf der Suche nach einem Heilmittel. Das klag für mich am plausibelsten, nachdem dieser kleine Naturmagier aufgetaucht war … und Rukulla meinte, es wäre auch so geschehen, wenn du deine Kräfte besser kontrollieren könntest.“
Verano schaute auf zum Haus und meinte:
„Es wird Zeit. Ich habe noch Verpflichtungen. Ich bringe dich hinein.“
Er stand auf und Delilah spürte seinen warmen Arm unter ihrem. Der Weg durch den Ballsaal bot noch etwas Zeit zum Reden, doch vor der Tür würde es enden und er sie wieder alleine lassen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Montag 20. April 2015, 00:28

„Rukulla selbst ist ein einziges Rätsel.“, für einen kurzen Augenblick huschte ein kindliches Lächeln über Delilahs Gesicht und als sie weitersprach, schwang in ihrer Stimme dieses Lächeln mit. „Meine Großmutter hat erzählt, sie wären Freundinnen gewesen und dann gibt es noch dieses... Rätsel, dass sie vor meiner Geburt erzählt hat.“ Delilah scheute sich vor dem Wort „Prophezeiung“... es klang so schwer und ahnungsvoll... „Aber jetzt ist sie hier... und ist wie sie ist... Sie ist nicht wie die anderen Geister, oder?“ Die Heranwachsende dachte an den Tanz mit ihrem Vater, die Erinnerung schien leise mit dem Winde zu verweh'n... als wäre es doch nicht mehr als ein Traum gewesen. Doch sie schloss das Gefühl, das sie dabei empfunden hatte tief in ihr Herz ein. Ob sie ihn auf herkömmliche Weise hätte sehen können? Oder hatten ihr erst die Kinderaugen dieses Schauspiel ermöglicht? Sie wusste nicht viel über Geister.
„Ich glaube, ich hab mal von ihr geträumt...“, murmelte sie, als sie die Erinnerung aus den Tiefen ihres Kopfes hervorzog. War das nicht in ihrer Ohnmacht gewesen, nach dem Vorfall auf dem Marktplatz? Eine kleine Gestalt … mit Schirm? … und später... der Löwe.
Ein Prickeln kroch ihre Haut empor als sie an diese Begegnung dachte. Nein... verlassen war sie nicht, nur etwas verloren auf ihrem Weg. Sie wusste, der Löwe würde auf sie achtgeben, wenn sie ihm folgte. Aber... wie? Vorerst schien es ihr jedenfalls mehr als richtig, sich Gunther anzuschließen. An ihm hingen im Moment all ihre Hoffnungen. Die Hoffnung auf Rückkehr nach Jorsa und zur Akademie, zurück zu ihrem Lebenssinn – dem Heilen und Helfen, und die Hoffnung, dass er ihr doch noch das Augenlicht würde wiedergeben können. Außerdem sollte man Rukullas Ratschläge berücksichtigen, da war sich das Mädchen mehr als sicher.

Delilah spürte einen Stich, der tief in ihr Herz drang. „… und Rukulla meinte, es wäre auch so geschehen, wenn du deine Kräfte besser kontrollieren könntest.“
Einen Moment wurde der Ausdruck in ihren verblassten Augen verzweifelt. In ihr kämpften mehrere Emotionen. Wut, Enttäuschung, Scham. Sie hätte die Kontrolle behalten, wenn Nova die Oberhand bis zum Schluss innegehabt hätte! Aber sie war nicht im Gleichgewicht gewesen und so hatte ihr Mitgefühl, Deli, ihr reißender Drang zum Helfen sie selbst in die Zerstörung gestoßen. Delilah war verwirrt. Worauf sollte sie denn nun hören? Auf ihren angeborenen, unschuldigen Hang zum Helfen oder die aufgeklärte Vernunft? In ihrer Zeit hier hatte sie unterschiedliche Signale empfangen. Durch die Vernunft, die Neugierde zu denen neuerdings auch Zweifel gehörten schien sie etwas verloren zu haben... aber ihre kindliches Mitgefühl hatte sie beinahe in den Tod gestürzt...
Sie starrte ins Nirgendwo, während ihre Gedanken durch das Irgendwo jagten.
Wieder suchte sie hilflos nach dem richtigen Weg. Wo war die Mitte? Woher sollte sie wissen, was sie tun sollte? Und sie hatte das Gefühl in letzter Zeit nur Vorwürfe gehört zu haben, also schien sie bereits des Öfteren den falschen Weg gewählt zu haben. Furcht breitete sich in ihrem Herz aus.
Die Furcht davor, sich in diesem Wirrwarr zu verlieren, die falschen Wege zu wählen und herabzustürzen... wie ein Stern, der fällt.

Ob wirklich ein Heilmittel gefunden worden war? Delilah hoffte es so sehr.
Hoffentlich war ihre Moma mit der Geschichte, die Verano sich ausgedacht hatte, nicht allzu besorgt gewesen in der Zeit, die sie fort gewesen war. Die Wahrheit hätte sie sicher viel mehr erschreckt.

Widerstandslos ließ sich Delilah von Verano helfen. Kurz blickte sie verwirrt an seiner Gestalt entlang. War sie gewachsen? Sie hatte das Gefühl, nicht mehr ganz so klein neben ihm zu sein, wie bei ihrem ersten Treffen. Die Schuhe konnten es nicht sein, sie hatte sich ein flaches Paar geben lassen, weil sie in ihrer Blindheit auf Schuhen mit Absätzen nicht gut laufen konnte. Obwohl er sie natürlich immer noch um viele Längen überragte. Mehr als ein paar Zentimeter konnten es nicht sein. Es war ein bedrückendes Gefühl, dass sie diese Zeit ihres jungen Lebens verloren hatte. Ihr Puppenkörper war gewachsen, selbst als sie ihn nicht nutzen konnte. Und das alles, weil sie ihren Weg nicht kannte. Weil sie Fehler begangen hatte. Dumme, große Fehler. Wieder stieg ihr die Schamesröte ins Gesicht. Sie kam sich so schrecklich unwissend vor.
„Ich weiß... du willst es nicht hören, aber trotzdem... danke.“, ihre Stimme war leise, beinahe tonlos. „Ich hab das Gefühl, ich habe in der letzten Zeit nur versagt... alles hat sich verändert, nicht mal ein Lächeln auf deinen Lippen konnte ich dir für all deine Hilfe schenken, obwohl mir das früher bei niemandem schwer fiel... aber ich hab die letzten Monde über nur noch Kummer verursacht, durch die Dinge die ich tat...all jene, die mir wichtig sind, haben wegen mir gelitten.... ich weiß nicht, wie das alles passieren konnte...“ Sie blickte zu Boden, während sich die Seile um ihr Herz enger zogen. Eine Träne, aus Kummer geboren, zog ihren Pfad über das blasse Gesicht der jungen Frau. Sie dachte an ihre Moma, die alleine in ihrem Haus wartete. Dachte an Raphael und die Magi der Akademie, die ihr vertraut hatten und Hoffnungen in sie gesetzt hatten. Sie dachte an Brit, an Leon, an ihre Freunde der Akademie und ihres vorherigen Lebens.
Sie hatte das Gefühl, sie alle im Stich gelassen zu haben.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Dienstag 21. April 2015, 09:27

Bei Delilah

Der jungen Frau, die Delilah war, war ein Gedanke gekommen. All diese Zauber, diese Magie um sie herum … Hätte sie sie wahrgenommen, wenn sie nicht erblindet wäre? Hätte sie Verano dann überhaupt mit sich genommen? Hätte sie Rukulla und ihren Vater gesehen? Ohne ihr Leid, hätte sie da vielleicht niemals die Augen für die Welt hinter den Schatten geöffnet? Hätte sie die wahre Bedeutung ihres kleinen Zaubers überhaupt erfahren? Hätte sie seine Macht verstanden? Seine Bedeutung? Waren „Kinderaugen“ nicht rein und sahen sie nicht Dinge und Auren die nur ein reines Herz sehen konnte?
„Du fühlst dich zerrissen, aber das wird vergehen.“
Veranos leisen Worte spiegelten ihren Zwist, zwischen der kleinen emotionalen Delilah und der Magi Nova wieder, die versuchte Erwachsen zu werden. Vielleicht brauchte es einfach eine gewisse Zeit, bis sie erkannte, dass die Reinheit des Mädchens und die Reife der Frau keine Spaltung ihrer Persönlichkeit verlangte. Nur wenn beides seinen Platz in ihrem Wesen gefunden hätte, nicht mehr einander wie Gegner ansahen, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung blickten, dann könnte Delilah endliche EINS werden. Doch dieser Moment war noch fern und das Leid was sie fühlte, lastete schwer auf ihrer Seele.

„Ich weiß... du willst es nicht hören, aber trotzdem... danke.“
Ihre Stimme war leise, beinahe tonlos.
„Ich hab das Gefühl, ich habe in der letzten Zeit nur versagt... alles hat sich verändert, nicht mal ein Lächeln auf deinen Lippen konnte ich dir für all deine Hilfe schenken, obwohl mir das früher bei niemandem schwer fiel... aber ich hab die letzten Monde über nur noch Kummer verursacht, durch die Dinge die ich tat...all jene, die mir wichtig sind, haben wegen mir gelitten.... ich weiß nicht, wie das alles passieren konnte...“
Sie blickte zu Boden. Eine Träne, aus Kummer geboren, zog ihren Pfad über das blasse Gesicht der jungen Frau. In manchen Momenten gab es einfach keine richtigen Worte um Trost zu spenden.
Sie waren vor dem doppelflügligen Portal zum Speisesaal angelangt und Verano hatte sie angesehen. Delilah sah es nicht sofort, da sie ihren Blick gesenkt hielt, aber als seine Hand sanft ihr Gesicht hob und ein von Stoff verhüllter Finger ihre Tränen auffing, wirkte seine Aura etwas blauer als sonst. Sie spürte seinen Blick auf sich und er steckte das Taschentuch weg. Dann trat er etwas näher und nahm sie ganz sanft in seine Arme. Da sie deutlich kleiner war, ruhte ihr Kopf dabei an seinem gleichmäßigen und ruhigen Herzschlag. Sein Blick war aufrecht und geradeaus gerichtet. Sein Körper fühlte sich stark und warm an.
Wenn du nur wüsstest, wie falsch diese Annahme ist.
Still standen sie einen Moment da und dann entließ er sie aus seiner Geborgenheit. Verano machte zwei Schritte zurück, verbeugte sich in vortrefflicher Perfektion, wies mit einer Geste in die Richtung die Delilah zu gehen hatte und dann verschwand seine Aura in die entgegen gesetzte Richtung um wieder hinter dem Flügel Platz zu nehmen.

Hintergrundmusik

Die Melodie seines Spiels sagte mehr als jedes Wort. Ob sie ihn noch einmal wieder sehen würde? Vielleicht das nächste Mal mit ihren eigenen Augen?
Machte die blutjunge Lichtmagi auch nur zwei Schritte, befand sie sich wieder im Speisesaal bei dem mantronischen Jäger, dem Inquisitor und seiner Begleiterin. Kadia, die sich gerade mit dem Mantroner unterhalten hatte, wurde durch ihr plötzliches Erscheinen vor der geschlossenen Tür aufmerksam und eilte sofort zu ihr um Delilah zu ihrem Platz zurück zu bringen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Donnerstag 23. April 2015, 23:21

Nein, ohne diesen Weg, ohne ihr Leid, hätte sie wohl auch all die Wunder nie erlebt und erfahren. Trotzdem hatten Furcht und Schmerz Kerben in ihr Herz geschlagen und Zweifel hinterlassen... so tat es nun gut, die Wunden in der tröstenden Umarmung Veranos zu waschen.
In diesem Moment fürchtete sie sich nicht vor ihm, egal was er zuvor gesagt und getan hatte. Sie fühlte sich einfach geborgen und wusste, dass sie ihn vermissen würde. Irgendwie. Nein, er würde ihr nichts tun. Ihr Herz sog das Gefühl der Sicherheit in sich auf und sie schlang ihre dünnen Arme fest um ihn, bevor er sich von ihr löste. Sie lächelte sachte zu ihm herauf, auch wenn es in ihren Augen noch leicht feucht glitzerte.
"Gib auf dich Acht, ja bitte?", murmelte sie leise. Leon soll sich keine Sorgen mehr machen, dachte sie noch. Und ich möchte mich auch nicht sorgen müssen.
Seine Aura schimmerte blau und beruhigend, während er in gewohnter Perfektion seine Verbeugung vollführte. Spürte er die Schmerzen nicht?

Einen Augenblick folgte sie seiner Aura noch auf ihrem Weg zum Flügel, dann dachte sie an die Wunder die sie in diesem Ballsaal erlebt hatte, wenn es denn ein Ballsaal war... Leise erklangen Töne, die Bilder zu Delilah herüberwehten, Bilder von Abschied. Die zart angeschlagenen Tasten sprachen und die Melodie erinnerte sie an all die anderen Wunder, die in diesem Haus geschehen waren. Sie hatte solch ein Glück erfahren, die Rückkehr ins Leben. Ob sie sich die Dreistigkeit erlauben durfte, auf ein weiteres Wunderwerk zu hoffen? Oh Götterbund, steh mir auf meiner Reise bei.
Ihre Hand fuhr zu ihrem Medaillon, ihrem kostbarsten Besitz, während sie noch immer hinüber sah zum Ursprung der Musik. Ein warmes Prickeln begleitete sie, wenn sie an ihren Vater dachte, doch trotzdem fühlte sie sich einsam. Menschen würden sie immer verlassen. Ihre Eltern, Verano, sie hatte auch lernen müssen, ohne ihre Moma zu leben. Wie kämpfte man sich allein durch die Welt?
Ein Lächeln umspielte plötzlich Delilahs Lippen. In dem man einen Löwen an seiner Seite hatte?
Sie drehte sich um und schritt mit ausgestrecktem Arm voran, doch sie spürte keinen Widerstand. Sie bemerkte nur, wie sich die Luft veränderte, urplötzlich wärmer war und stiller. Die offenen Türen hatten den Ballsaal mit frischer Luft gefüllt, hier war das nicht der Fall. Vor sich hörte Delilah das leise Geplauder ihrer Tischgefährten und sie blinzelte einen Moment verwirrt, drehte sich um und legte die Hand an das raue Holz der Tür. Die Musik war nun fern... so fern. Delilah ahnte, dass die Tür sich nicht öffnen ließe, wenn sie die Hand an die Klinke legte. Sie schmunzelte leise. Bis zuletzt war Verano voller Geheimnisse.

Widerstandslos ließ sich Delilah zu ihrem Platz führen. Wo war Neroli? Vermutlich war sie bereits bei Verano... wirklich erstaunlich, was dieser Mann für eine Wirkung haben konnte... Delilah war auf einmal froh, dass er sie nicht in seinen Bannkreis gezogen hatte.
Umständlich führte sie ihr Essen fort, auch wenn nicht immer alles auf der Gabel blieb. Sie war so hungrig! Um ihren Hals hing mit vertrautem Gewicht ihr Medaillon und ihr Herz war beschwingt und beschwert gleichzeitig, von dem soeben Erlebten.
"Hab ich - Hab ich etwas Wichtiges verpasst?"
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Freitag 24. April 2015, 09:45

Bei Gunther, Baltos und Delilah

„Unser Tag war sehr anstrengend. Ich glaube, wir werden sehr bald ins Bett gehen. Ich auf jeden Fall. Die Betten hier sind so unglaublich weich! Es ist wie auf einer Wolke zu schweben. Ich freu mich schon richtig auf meine Träume. Entschuldigt, ich komme schon wieder ins Schwärmen … ist aber auch ein traumhaftes Anwesen, findet ihr nicht auch?“
Was Baltos als mantronischer Jäger von all dem Prunk wohl hielt? Der Luxus hatte gewiss seine Vorteile, aber notwendig war er gewiss nicht. Zumindest fiel ihm gewiss keine Notwendigkeit ein, wozu man auf Daunenfedern schlafen sollte, wenn es Felle auch taten. Es war eben alles ein wenig anders und andere Leute würden es auch anders empfinden.
Bevor Baltos noch auf die Frage antworten konnte, erschien plötzlich die junge Licht-Magi wieder vor der großen doppelflügligen Tür und Kadia eilte zu ihr um sie zu ihrem Platz zu geleiten. Irgendwie sah Delilah anders aus als vorher, weniger verkrampft und einem geübten Beobachter könnte eventuell das kleine Medaillon auffallen, welches sie nun um den Hals trug.
"Hab ich - Hab ich etwas Wichtiges verpasst?"

Sah man zu dem Inquisitor hinüber, so wurde man Zeuge eines Schauspiels, dass viele der Anwesenden schon in ihrem Leben bei älteren Menschen beobachtet hatten. Ein Gunther Brockenhardt, der eben noch angestrengt gegrübelt hatte, saß nun am Tisch und war ganz offensichtlich eingenickt. Sein Kopf war leicht nach hinten geneigt und die Augen geschlossen. Der ganze Trubel um ihn herum, schien ihn nicht mehr zu berühren. Kadia sah ihn an und lächelte kurz. Sie verstand den Inquisitor nur zu gut. All die Abenteuer die sie in letzter Zeit zusammen erlebt hatten, die Aufregung und die Sorgen hatten ihn ermüdet und auch sie fühlte den Schlaf schon leise ihren Namen rufen, doch sie war jung und voller Neugierde die sie wach hielt. Nachdem sie einen kurzen Blickwechsel von Delilah zu Baltos und wieder zurück vollzogen hatte, wohl um sicher zu gehen, dass Delilah gut versorgt sein würde, stand sie auf und ging zu Gunther.
„Bin gleich wieder da.“
Sie legte ihm sanft die Hand auf die Schulter und er schien so halb zu erwachen. Leise flüsterte sie ihm etwas ins Ohr und er erhob sich leise stöhnend. Sie hakte sich bei ihm unter und die beiden verschwanden aus dem Speisesaal. Kaum hatte sich eine Tür geschlossen öffnete sich eine andere und Neroli und Luci kamen mit einem kleinen Servierwagen herein, auf dem vier Flaschen mit bernsteinfarbener Flüssigkeit standen und ein kleiner Tonkrug mit einem versiegelten Korken. Luci hatte von Delilahs Abwesenheit nicht einmal etwas mitbekommen, da sie in der Küche gewesen war und Neroli schien etwas erleichtert, dass sie wieder da war. Die Hausdame schenkte Baltos den Met ein und stellte die Flaschen in seine Nähe.
„Mit besten Grüßen aus dem Weinkeller und lasst es euch munden. In dem kleinen Krug ist ein Trunk, mit Namen „Bärentöter“. Seid gewiss, er ist nicht giftig, nur eine sehr viel stärkere Variante dessen, was ihr vermutlich kennt. Nur für den Fall, dass euch die vier Flaschen nicht reichen sollten.“
Sie nickte höflich, aber kurz lag tatsächlich ein leichtes Schmunzeln auf ihren Lippen, dass nur Baltos aus seinem Blickwinkel sehen konnte. Neroli machte einen Knicks.
„Bitte entschuldigen sie mich nun. Ich habe andere Aufgaben zu erfüllen. Luci wird sich weiter um ihr leibliches Wohl kümmern.“
Damit verschwand sie zur Vordertür hinaus und Luci schaute teils erleichtert ihr hinterher, teils etwas ängstlich den gewaltigen Mantroner an. Die Drei waren nun vorerst einmal unter sich. Rukulla war dem Inquisitor hinterher geschwebt, wie ein verliebtes Schulmädchen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Mittwoch 13. Mai 2015, 10:04

„Unser Tag war sehr anstrengend. Ich glaube, wir werden sehr bald ins Bett gehen. Ich auf jeden Fall. Die Betten hier sind so unglaublich weich! Es ist wie auf einer Wolke zu schweben. Ich freu mich schon richtig auf meine Träume. Entschuldigt, ich komme schon wieder ins Schwärmen … ist aber auch ein traumhaftes Anwesen, findet ihr nicht auch?“
Baltos blickte die junge Frau an und wollte gerade etwas darauf erwidern, da kam die kleine Robe wieder durch die Doppeltür gelaufen.
Irgendwas an ihr war anders, sieh bewegte sich freier. Wie ein Tier was man von seinen Ketten befreit hatte. Dachte sich der Jäger, dem zwar auch das Medaillon aufgefallen war, was für ihn aber eher nebensächlich war.
"Hab ich - Hab ich etwas Wichtiges verpasst?"
„Eigentlich nicht!“ Der Jäger lächelte die Kleine an und nahm noch mal einen kräftigen bissen von seinen Essen.
Währenddessen kippte Gunther aus den Latschen und musste von Kedia nach oben gebracht werden.
„Bin gleich wieder da.“ Sagte sie zu Baltos und Delilah, der Jäger nickte kurz.
„Möge Ventha über seinen Schlaf wachen!“ Der alte Mann erwiderte darauf nichts und trottete mit Kedia die ihn stütze davon.
Kaum als Gunther und Kedia verschwunden waren kamen auch Neroli und Luci wieder mit einen gut beladenem Wagen auf den einigen Flaschen standen.
Der Jäger lächelte bei diesem Anblick.
Neroli schenkte den Met auch gleich in einen großen Krug ein den sie für Baltos mitgebracht hatte.
„Mit besten Grüßen aus dem Weinkeller und lasst es euch munden. In dem kleinen Krug ist ein Trunk, mit Namen „Bärentöter“. Seid gewiss, er ist nicht giftig, nur eine sehr viel stärkere Variante dessen, was ihr vermutlich kennt. Nur für den Fall, dass euch die vier Flaschen nicht reichen sollten.“
„Hört sich gut an!“ Erwiderte der Jäger darauf und trank den Krug mit dem normalen Met in einen Zug lehr.
Er bemerkte das leichte Schmunzeln auf ihren Lippen und lächelte ebenfalls kurz und trank dann aus der Flasche. Er fand es irgendwie unnötig aus einem Krug zu trinken.
„Bitte entschuldigen sie mich nun. Ich habe andere Aufgaben zu erfüllen. Luci wird sich weiter um ihr leibliches Wohl kümmern.“
Als sie gegangen war, bemerkte er den ängstlichen Blick von Luci auf sich liegen.
Er griff zu noch einer versiegelten Flasche und hielt sie in die Richtung des Schneehasen.
„Alleine trinken macht keinen spass, Luci und Delilah wollt ihr auch was?“
Baltos wusste nicht wie alt die beiden Damen waren aber es war ihn auch egal in Mantron trank man schon seinen ersten Met kaum das man laufen konnte.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Montag 1. Juni 2015, 21:22

Delilah hörte wie Gunthers Atem ruhiger wurde und das leise Kichern Kadias.
Die beiden verließen schließlich den Raum und Delilah wünschte ihnen eine Gute Nacht. Sie selbst spürte auch die Müdigkeit in ihren Gliedern, doch war ihr Herz und ihr Kopf noch zu befreit, ihre Neugier noch zu stark um sich bereits zu Bett zu begeben. Doch sie konnte nicht verleugnen, dass sie immer noch sehr schwach war. Selbst nach dem Schlaf heute Nachmittag, war sie bereits wieder kraftlos nach dem Tanz. Sie musste erst wieder kräftiger werden, ihren Körper die Zeit vergessen lassen, die sie still und stumm im Bett hatte verbringen müssen.
„Möge Ventha über seinen Schlaf wachen!“, kam Baltos Gute-Nacht-Gruß von der anderen Seite des Tisches.
"Ich denke, dass ein anderer Gott den Schlaf unseres Freundes bewachen wird. Er trägt sein Zeichen.", gab Delilah leise an Gunthers Stelle Antwort.

Als Luci und Neroli zurückkamen, glaubte Delilah einen Seufzer der Erleichterung zu hören, der sich aus Nerolis Lungen Bahn brach. Was hatte sie geglaubt, was passieren würde, nachdem sie durch diese Tür gegangen war?

„Mit besten Grüßen aus dem Weinkeller und lasst es euch munden. In dem kleinen Krug ist ein Trunk, mit Namen „Bärentöter“. Seid gewiss, er ist nicht giftig, nur eine sehr viel stärkere Variante dessen, was ihr vermutlich kennt. Nur für den Fall, dass euch die vier Flaschen nicht reichen sollten.“

Vier Flaschen? Wer konnte denn so viel Met trinken? Delilahs Nase zuckte beim Geruch des Alkohols.
„Hört sich gut an!“ Sie gab sich ihre Antwort selbst: ein Mantroner. Sie lachte leise in sich hinein.
Sie hörte ein leises Gurgeln, als er beherzt die alkoholischen Flüssigkeiten zu sich nahm.
„Bitte entschuldigen sie mich nun. Ich habe andere Aufgaben zu erfüllen. Luci wird sich weiter um ihr leibliches Wohl kümmern.“

Delilah folte Nerolis Schatten mit den Augen bis zur Tür. Ob sie die Hausdame von nun an in Ruhe lassen würde??
„Luci?“ Delilah streckte ihre Hand nach ihrer Freundin aus. „Wie geht es dir?“
Die junge Magi lächelte Luci fröhlich an. Sie wollte sich nach all der Zauberei und den Geheimnissen wieder mit normalen Themen befassen.
„Hmmm... welchen Tag haben wir eigentlich? Ich habe völlig das Zeitgefühl verloren...“

„Alleine trinken macht keinen Spaß, Luci und Delilah wollt ihr auch was?“
Die tiefe Stimme des Mantroners erinnerte das Mädchen an das zufriedene Brummen eines Bären. „Hmmm... probieren würde ich schon gerne!“, meinte Delilah lächelnd.

„Was bringt dich denn eigentlich in diese Gegend, Baltos? So weit weg von Schnee und Eis?“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Dienstag 2. Juni 2015, 19:44

Kadia und der Inquisitor waren nach oben verschwunden, während die beiden Bediensteten für Getränke sorgten. Nachdem dann auch Neroli sich verabschiedet hatte war Baltos mit den beiden jungen Frauen und einem ausreichenden Nachschub an Alkohol allein.
„Luci?“
Delilah streckte ihre Hand nach ihrer Freundin aus und erhielt die ihre sofort.
„Wie geht es dir?“
Die junge Magi lächelte Luci fröhlich an.
„Äh ..m alles gut.“
Delilah hörte aus ihrer Stimme ein gewisses Maß an Nervosität heraus.
„Hmmm... welchen Tag haben wir eigentlich? Ich habe völlig das Zeitgefühl verloren...“
„Ich weiß es leider nicht. Ich zähle keine Tage wie die Gelehrten es tun. Entschuldigung. Aber ich glaube es wird bald wieder wärmer werden. Ich hab heute morgen einen warmen Hauch gespürt.“
Sie stockte kurz, und Delilah konnte sehen, dass ihr Leuchten sich zu dem des Mantroners wandte. Dieser hatte sich auch bewegt und anscheinend begonnen zu trinken.
„Alleine trinken macht keinen Spaß, Luci und Delilah wollt ihr auch was?“
Die tiefe Stimme des Mantroners erinnerte das Mädchen an das zufriedene Brummen eines Bären.
„Hmmm... probieren würde ich schon gerne!“
, meinte Delilah lächelnd. Luci stand auf und brachte eine der Flaschen wohl zu Deli hinüber und schenkte ihr in einen Becher ein. Das würzig-süße Aroma verführte schnell ihre Sinne. Kurz bevor Luci jedoch ihrer Freundin und Herrin das Getränk reichte, nahm ihre Bewegung eine abrupt Wendung und sie stürzte den Met selbst hinunter. Danach stellte sie mit einem lauten Geräusch den Krug ab, räusperte sich verlegen und schenkte Delilah erneut ein. Dabei flüsterte sie leise:
„Entschuldige... Jetzt ist mir besser.“
Die junge Licht-Magi bekam die kühle Oberfläche des Bechers in ihren Handflächen und beobachtet wie Luci sich eilig noch einen zweiten Becher einschenkte. Ging es vielleicht beim Trinken darum, so schnell wie möglich zu sein? Auch Baltos hatte sehr eilig seine Flasche geleert. Vielleicht musste man das so machen. Luci setzte sich auch endlich wieder hin und hickste kurz, kicherte leise und trank ihren zweiten Becher etwas langsamer. Endlich war Zeit und Raum da um sich besser kennen zu lernen.

Während Delilah und Baltos sich unterhielten becherte Luci fleißig. Nach spätestens einer halben Stunde stand sie dann unvermittelt auf und setzte sich neben den Mantroner. Mit glasigen Augen und leicht nuschelnder Stimme unterbrach sie das Gespräch, indem sie ihn fragte:
„Darfich?“
und seinen Oberarm versuchte mit ihren Händen zu umspannen, was ihr aber unmöglich gelingen konnte.
„Unjlaublich! Dlili, dasch muscht du mal anfaschen!“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Donnerstag 11. Juni 2015, 10:24

„Was bringt dich denn eigentlich in diese Gegend, Baltos? So weit weg von Schnee und Eis?“
Baltos trank einen weiteren Schluck aus seinem Becher und beobachtete wie Luci Deli etwas einschenkte und dann selbst etwas trank. Als sie sich wieder gesetzt hatte, antwortete Baltos.
„Ich suche eine junge Frau die aus unserer Sippe spurlos verschwunden war!“ Er trank noch einen kräftigen Schluck. Der Met hier war etwas „dünner“ als Baltos ihn gewohnt war, dafür war er aber süffiger.
„Ich habe eine Spur am Grunde des Meeres gefunden was darauf hindeutete, dass sie von morgerischen Piraten oder Sklavenhändler entführt wurde! Und jetzt bin ich auf den Weg nach Jorsa um ein Schiff zu nehmen was mich in die Nähe von Morgeria bringt. Wie es dann weiter geht, weiß ich noch nicht?“ Der Mantroner blickte traurig in den Krug.
Er wusste selbst, wie unmögliche dieses Unterfangen klang, aber er würde nichts unversucht lassen.
Besser hätte der Überfall von Luci auf Baltos nicht passen können, als sie sich neben ihn setzte und seinen Oberarm versuchte mit ihren winzigen Händen zu umfassen.
„Unjlaublich! Dlili, dasch muscht du mal anfaschen!“
Der Jäger lachte lauthals und die Hoffnungslosigkeit, die ihn kurz übermannt hatte, war wie weggeblasen. „Pass mal auf kleiner Schneehase!“ Jetzt erst spannte der Jäger seinen Trizeps an und die Hand der jungen Frau wirkte wie die eines Neugeborenen im Vergleich zu seinem Muskel.
„Eurer Männer sind hier nicht so kräftig oder? Liegt wahrscheinlich daran, dass ihr soviel Karnickelfutter zu euch nimmt!“
Er grinste in seinen Becher und nahm noch einen Schluck.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Dienstag 16. Juni 2015, 04:12

Deli nippte nur an ihrem Becher. Der süße und gleichzeitig bittere Geschmack und Geruch bissen an ihren Sinnen und sie schob das Gefäß unauffällig von sich weg.
Außerdem beunruhigte sie die Wirkung des Getränks auf ihre Freundin, Luci. Was machte sie so nervös, dass sie es mit Alkohol zu betäuben versuchte?? Hatte vielleicht Neroli wieder etwas Gemeines zur ihr gesagt? Sie hatte das Mädchen bisher nie so nervös erlebt! Was war denn los??
Dass Lucis Nervosität vom freundlichen Riesen ausging, das wäre Deli im Traum nicht eingefallen.
Deli beobachtete besorgt ihre Freundin, während sie weiter Baltos' Worten lauschte.

Auf dem Gesicht der Jorsanerin zeichnete sich Mitgefühl ab. Das klang wie eine böse Geschichte aus einem der Sagenbücher. „Ich finde es sehr ehrenvoll von dir, dass du dich auf die Suche nach ihr machst...Ich hoffe Lysanthor erhellt ihr diese dunklen Stunden in der Stadt der Finsternis! Vielleicht sagen ihr die Götter, dass du auf dem Weg bist. So ein Gedanke kann ein Herz mit Mut und Zuversicht füllen und die bringt einen durch jede schwere Lebensphase!“ Dann jedoch seufzte Delilah leise... „Aber...“ Sie hielt inne.
„Ich weiß nicht, ob du in Jorsa ein Schiff finden wirst, dass dich nach Morgeria bringt...“, murmelte die blinde junge Frau. „Im Moment hat das Land einige Probleme mit dem Krieg und der Lebensmittelknappheit... und Handel in diese Richtung der Landen wird nicht betrieben... sowas würde ich eher den Grandessanern zutrauen... mit Dunkelelfen handeln... da macht man nur selbst Verluste... und zwar an Menschenleben! … das hab ich mal einen Händler auf dem Markt sagen hören.“

Auf das Gespräch mit Baltos konzentriert hatte Delilah Luci aus dem Blick verloren, bis diese sich mit einem „Darfich?“ neben Baltos setzte und mit einem beherzten Griff versuchte seinen Arm zu fassen. Dieser fand die Situation wohl erheiternd, doch bei dem blondgelockten Mädchen klangen alle Alarmglocken. So verhielt sich Luci nie! Das war der Alkohol...

„Unjlaublich! Dlili, dasch muscht du mal anfaschen!“ Rief die Freundin lautstark aus, als der Eisjäger das Spiel mitspielte. Keine „Herrin“, kein scheues Reh. Auch wenn Delilah nicht viel von Etikette hielt, so wusste sie doch, dass Luci stets bedacht war, alle Regeln des Hauses zu befolgen … dass sie jetzt so ungestühm gegen die Vorschriften verstieß war mehr als beunruhigend. Die Blinde stand auf und machte einen zögerlichen Schritt auf die Freundin zu und fasste sie sanft am Arm.
„Luci... ich glaube, ich möchte schlafen gehen.“ Sie versuchte die Freundin von ihrem Treiben zu lösen, doch der Met hatte die Sinne des Mädchens vernebelt.

„Sie hätte nicht trinken sollen...“, sagte das blonde Mädchen an Baltos gewandt. „Ich... ich bring sie ins Bett.... und dann komm ich wieder.“

Deli war sich sicher, dass Luci dieses Verhalten bereuen würde und sie wollte verhindern, dass etwas Schlimmeres passierte als betrunkene Alberei.
„Luci...“, versuchte es die Magi-Schülerin erneut, diesmal eindringlicher. „Was wird denn der Graf sagen? Und Neroli? Wir müssen den Tisch räumen... “

Doch etwas schien Luci gefangen zu halten. War es Angst, die sie da zwanghaft fortzudrängen versuchte? Aber Angst wovor?
„Denk an deine Beurteilung!“, ermahnte Delilah leise, sich an den letzten Strohhalm klammernd.

Sollte auch das nichts helfen, so würde die Tänzerin mit dem goldenen Medaillon nur noch eine Möglichkeit sehen.
LUCIL!“, nicht der liebe Spitzname würde durch den Raum hallen. „Deine Herrin wünscht zu schlafen und verbittet sich dein unverschämtes Benehmen! Willst du das Graf von Weißenfels erfährt, dass du seine Gäste belästigst!?“ Scharf wie geschliffenes Glas würde die sonst so sanfte Stimme der jungen Blume durch den Raum schneiden, auch wenn sie bedacht darauf wäre, dass kein Wort nach draußen zu neugierigen Ohren hallen könnte. Und sie würde jedes Wort sofort bereuen.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Dienstag 16. Juni 2015, 22:35

Baltos beobachtete amüsiert den Schneehasen an seiner Seite und ihre winzigen Hände auf seinem Arm. In seiner Heimat vertrugen selbst Kinder mehr als dieses Mädchen. Ihre kleinen Finger hafteten wie die Saugnäpfe eines Tintenfischs an ihm.
„Luci... ich glaube, ich möchte schlafen gehen.“
Die junge Licht-Magi versuchte die Freundin von ihrem Treiben zu lösen, doch der Met hatte die Sinne des Mädchens vernebelt. Leise glucksend hüpften ihre Schultern im Takt iherer Stimme:
„Schooon?“
„Sie hätte nicht trinken sollen...“
, sagte das blonde Mädchen an Baltos gewandt.
„Ich... ich bring sie ins Bett.... und dann komm ich wieder.“
Deli war sich sicher, dass Luci dieses Verhalten bereuen würde und sie wollte verhindern, dass etwas Schlimmeres passierte als betrunkene Alberei.
„Luci...“
, versuchte es die Magi-Schülerin erneut, diesmal eindringlicher, aber Luci ließ sich nur widerstrebend vom Arm des Mantroners schälen..
„Was wird denn der Graf sagen? Und Neroli? Wir müssen den Tisch räumen... Denk an deine Beurteilung!“
, ermahnte Delilah leise, sich an den letzten Strohhalm klammernd. Sollte auch das nichts helfen, so würde die Tänzerin mit dem goldenen Medaillon nur noch eine Möglichkeit sehen.
„LUCIL!“
, nicht der liebe Spitzname hallte durch den Raum.
„Deine Herrin wünscht zu schlafen und verbittet sich dein unverschämtes Benehmen! Willst du das Graf von Weißenfels erfährt, dass du seine Gäste belästigst!?“
Delilahs schneidender Ton hatte die erwünschte Wirkung. Die Dienerin zuckte heftig zusammen und starrte sie mit riesen großen Augen an. Die Erwähnung des Grafen Weißenfels hatte wohl ihr Unterbewusstsein erreicht. Delilah starrte die Aura ihrer Freundin an und nahm plötzlich eine Veränderung an ihr wahr. Ein Teil ihrer Aura löste sich von ihr, sammelte sich kurz zu einer schemenhaften Gestalt und flog dann zerfasernd davon. Luci zitterte kurz und ihr glasiger Blick wanderte von Delilah zu Baltos und zu ihren Händen. Erschrocken zog sie sie zurück, als hätte sie heiße Kohle berührt und versteckte sie unter ihren Achseln. Ihr Kopf hatte die freundliche Farbe einer Tomate angenommen und ihre Ohren glühten in einem noch dunkleren Kirschton. Sie jappste nach Luft, hauchte ein eiliges:
„Entschuldigung!“
, und lief dann fast panisch davon. Delilah hatte Mühe sie einzuholen, aber sobald sie den Speisesaal verließ, sah sie Luci am Fuß der Treppe sitzen.
„Entschuldige, dass ich weg gerannt bin. Ich … *hiks* … Du musst mich jetzt für verrückt halten. Ich trinke sonst nicht so … viel … aber hatte Lust dazu … manchmal macht er mich ruhiger … und dann ...“
Sie vergrub kurz ihre Hände im Gesicht und nuschelte durch die leicht gespreizten Finger:
„Ich hatte plötzlich Lust mit ihm zu flirten. Ich kenn mich kaum wieder! Oh, ist mir das peinlich! Am liebsten würde ich mich irgendwo verkriechen! Oh ihr Götter versteckt mich, ist mir das peinlich!!“
Delilah hatte alle Mühe die aufgebrachte Dienerin zu beruhigen, aber ihre Anwesenheit schien schon so weit zu reichen, dass Luci aufstand und ihren Arm nahm. Sie schwankte doch noch ganz schön, auch wenn der Schreck sie wohl etwas nüchterner gemacht hatte. Auf dem Weg nach oben fragte sie leise:
„Er hat über mich gelacht, oder? Hat er mich ausgelacht?“
Ihr Gesicht war blass und ihr Augen glasig von nahen Tränen. Der Alkohol tat sein übriges und als sie oben angekommen war, war Luci schon sehr schläfrig. Auch wenn Delilah nicht viel von Geistermagiern und ihren Techniken verstand, so schien der Einfluss von Bewusstseinsverändernden Substanzen den Weg in den Körper eines Menschen für einen Geist leichter zu machen. Sollte sie Luci erzählen was sie gesehen hatte oder würde es sie vielleicht noch mehr ängstigen? Die Vorstellung von einem Geist besessen worden zu sein, war sicher kaum beruhigender als die Vorstellung im Rausch etwas unbedachtes getan zu haben. Luci war ohnehin schon halb auf dem Weg zu Delilahs Bett und zog die Decke schon beiseite, setzte sich schlaff auf die Bettkante und schnaufte. Ihre Freundin musste sie eigentlich nur noch sanft in die waagerechte drücken und schon war sie eingeschlafen. Das Bett war definitiv geräumig genug für eine Kleinfamilie und niemand würde Luci anklagen, wenn Delilah sie bei sich haben wollte. Die Novizin der Lichtmagie könnte immernoch behaupten einen Albtraum gehabt zu haben und Lucil gebeten haben, die Nacht bei ihr zu bleiben. Es dauerte kaum mehr als fünft Atemzüge und ihre Dienerin schlief tief und fest und Delilah konnte sich auf den langen, aber zum Glück einfachen Weg zurück zum Speisesaal machen. Schließlich saß dort noch Baltos und trank fleißig den süßen Met des Hauses.
Sehr weit kam sie jedoch nicht, denn die Tür zum Zimmer des Inquisitors stand offen. In dem Moment, in dem sie an ihr vorbei ging, sah sie auch seine leuchtende Aura in kniender Haltung ihr seitlich zugewandt.
„Wäret ihr so freundlich, mir eure Aufmerksamkeit zu schenken? Ich denke, ich bin jetzt so weit, dass ich es versuchen möchte.“
Delilah musste nicht lange nachdenken um zu wissen war er meinte. Sie beide hatten in den letzten Stunden jeder auf seine Weise mit dem Schicksal gerungen, um zu erkennen, dass sie zueinander geführt worden waren. Der alte Mann hatte ein Zeichen seines Gottes gebraucht um seinen Weg zu finden und Delilah … Sie hatte auf den Löwen gewartet. Doch fand sie jetzt den Mut in sich, sich in diese fremden Hände zu begeben?


Baltos hatte die beiden Mädchen hinaus schwanken sehen. Sie wirkten ein bisschen wie zwei Matrosen auf stürmischer See, die sich an einander fest hielten. Der Met in seinem Mund verhinderte weiteres Gelächter, schmeckte köstlich und da gab es ja auch noch die andere kleine Flasche mit dem „Bärentöter“. Ein gesundes Maß an Neugierde hatte er schon immer besessen und kosten würde sicher nicht schaden, also öffnete er den Korken und schnupperte an der scharfen Flüssigkeit. Das deutliche Honigaroma wurde getragen von schweren hölzernen Noten, umweht vom duftenden Wiesenblumen und dem leichten Brennen in der Nase, der den hohen Alkoholanteil verriet. Delilah und Luci waren gegangen und eigentlich machte alleine trinken wenig Freude, aber irgendwie hatte er auch in diesem Haus nie das Gefühl ganz alleine zu sein. Er schenkte sich ein und prostete dem Gesicht eines Löwen zu, der vom Kamin auf ihn herab schaute. Plötzlich flackerte eine Kerze auf dem Tisch, dann eine zweite und plötzlich erloschen sie alle. Bis auf die Feuer in den Kaminen war der Raum nun in Dunkelheit gehüllt. Seltsamer Weise fühlte sich Baltos aber nicht bedroht. Etwas anders ging hier vor. Aus dem Augenwinkel nahm er eine kleine Bewegung auf dem Tisch wahr und schaute hin. Kleine unsichtbare Fußabdrücke auf dem weißen Damast näherten sich langsam seinem Teller. Schritt für Schritt umrundeten sie die erloschenen Kerzenhalter, die Schüsseln mit Essensresten und dann schob sich sein Geschirr beiseite. Der Abdruck eines wohl geformten weiblichen Hinterns setzte sich vor Baltos auf die Tischplatte und der Jäger hatte das Gefühl, dass die Füße rein theoretisch nun zwischen seinen Beinen abgesetzt worden waren. Der Geist der Frau die hier anwesend war, sprach war nicht zu ihm, zeigte sich auch nicht, aber er spürte trotzdem ihre Nähe. Sie war ein hungriger Geist, vielleicht ein wenig zu hungrig für seinen Geschmack? Aus irgendeinem Grund fühlte er sich an die jüngst vergangene Szenerie im Badezimmer erinnert, als Neroli ihm so nah gekommen war. Das Knacken des Feuers, das leise ferne Rauschen des Windes verbarg das Flüstern des Geistes. Es war wie ein leises sich wiederholendes Zischen in dem der Hauch des Lebens fehlte:
„k...ssss...m...chhhh...k..ssss..m...chhhhh...“
Ein kühler Windhauch berührte seine Wange und lockte ihn sich vorzubeugen, doch da wurde mit lautem Knarren die Tür in seinem Rücken aufgerissen.
„Vergangene – erinnert Kata Mayan.
Unser Platz ist nicht eurer und eurer nicht unserer.
Heimkehren jeder zu seinesgleichen soll,
findet Ruhe, im Nebel,
haltet Rast, stille Seele!"

Die Worte die Graf Weißenfels sprach klangen wie ein sanfter Windhauch, doch vermochten sie den Nebel herauf zu beschwöhren. Binnen Sekunden lag lag eine dünne Schicht der weißen Magie über dem Boden und wölbte sich vor Baltos empor. Was auch immer den Mantroner versuchte hatte zu verführen, es versank im Nebel. Nachdem der Graf langsam durch den Raum geschritten war, eines der langen höhen Fenster geöffnet hatte um den Nebel entweichen zu lassen, kehrte er zu Baltos an die Tafel zurück, ergriff ein Glas und schenkte sich Met ein. Der hoch gewachsene Mann trug über einer Stoffhose einen Hausmantel, wie sie alle bekommen hatten und hatte ihn wohl nur in aller Eile über geworfen, denn seine nackte Brust war zu sehen, dort wo sie nicht von Verbänden verborgen lag. Er wirkte etwas geschwächt, aber das mochte täuschen. Er hob den Kelch in seinen Händen.
"Baltos Bestientod.“
Er nickte.
„Baltos ... nennt mich Verano und lassen wir die Floskeln beiseite."
, damit stürzte er den Met hinunter und lächelte etwas schief.
„Ich muss mich wohl für das schlechte Betragen meiner Hausgeister entschuldigen.“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Mittwoch 17. Juni 2015, 09:30

Baltos blickte Deli verwundert an, er verstand nicht was daran schlimm war das Luci seinen Arm umfasste. Sie war betrunken na und? Sie benahm sich doch weiterhin anständig! Der Jäger verstand die hiesige Etikette einfach nicht, sie war ihm zu verklemmt zu steif. Deswegen mischte er sich auch nicht ein als Deli mit der Betrunkenen abdampfte. Als er alleine war, schüttelte er den Kopf.
„Weiber! Wahrscheinlich versteht selbst Ventha sie nicht!“ Er griff sich die Flasche, die sich Bärentöter nannte und öffnete den Verschluss. Der süße Honig Geruch, vermischt mit einer holzigen Noten und den beißen Duftstoff des Alkohols lies ihn anerkennend nicken. Er goss sich zwei kleiner Schlücke in den Krug und prostete dem Kopf einer zu groß geratenen Katze zu. Als er den beißenden Schnaps in einen Zug herunter gespült hatte, schüttelte er kräftig den Kopf.
„Mwwaaah! Nicht schlecht.“ Der Jäger schob die Flasche beiseite und schenkte sich den einfachen Met ein.
Die Worte von Deli hingen noch in seinen Kopf das wohl kein Schiff nach Morgeria fahren würde. Das hatte er auch nicht erwartet, er wollte auch nur in der Nähe abgesetzt werden. Notfalls würde er auch zu fuß weiter Reisen, irgendwie würde er schon ankommen.

Baltos bemerkte das Flackern der Kerze und als auf einmal alle Lichter im Raum erloschen und nur noch der Kamin brannte wusste der Jäger, dass er nicht mehr alleine war. Er befühlte kurz die Klinge von Fluchbrecher, doch die Waffe reagierte nicht!
Das reichte den Jäger, um zu wissen, dass er nicht in Gefahr war. Er lehnte sich zurück und beobachtete das Geschehen was sich vor ihn abspielte.
Als das Geschirr vor ihn beiseitegeschoben wurde und sich eine deutliche Präsenz vor ihn setzte die er nicht sehen noch riechen konnte legte der Jäger den Kopf leicht schief und sah in die ungefähre Richtung, wo er das Gesicht des Geistes vermutete.
Ventha warum prüfst du mich ständig mit Geistern? Dachte er sich und dann hörte er dieses Zischen. „k...ssss...m...chhhh...k..ssss..m...chhhhh...“
Ein kühler Windhauch berührte seine Wange und lockte ihn sich vorzubeugen, doch da wurde mit lautem Knarren die Tür in seinem Rücken aufgerissen.
„Vergangene – erinnert Kata Mayan.
Unser Platz ist nicht eurer und eurer nicht unserer.
Heimkehren jeder zu seinesgleichen soll,
findet Ruhe, im Nebel,
haltet Rast, stille Seele!"

Baltos blickte den Grafen an und konnte dann beobachten, wie sich im Saal Nebelschleier bildeten. Diese verfolgten den Grafen und verschwand dann durch das geöffnete Fenster nach draußen. Danach setzte sich der Hausherr zu Baltos an die Tafel und schenkte sich selbst etwas ein.
"Baltos Bestientod.“
Er nickte.
„Baltos ... nennt mich Verano und lassen wir die Floskeln beiseite."
, damit stürzte er den Met hinunter und lächelte etwas schief.
„Ich muss mich wohl für das schlechte Betragen meiner Hausgeister entschuldigen.“
Der Mantroner lächelte und trank seinen Becher ebenfalls aus.
„Ich habe schon Schlimmeres erlebt Verano!“
Baltos schenkte sich und den Hausherren noch etwas ein.
„Sag mir kannst du den Nebel steuern oder ihn dazu bringen mir zu helfen? Ich muss einen Zwerg finden, der meine Hilfe braucht!“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 17. Juni 2015, 21:48

Bei Baltos

Verano sah den mantronischen Jäger etwas nachdenklich an und erwiderte:
„Auf gewisse Weise schon ...“
Er stellte seinen Becher ab und neigte leicht den Kopf.
„Das ist interessant. Ich bräuchte nämlich unbedingt einen Zwerg der mir hilft.“
Er sah in Baltos Gesicht, als suche er darin etwas.
„Ihr seid auf eurem Weg hier her nicht zufällig einen Zwerg begegnet der ein Bison seinen Freund nennt, Handel treibt und, sagen wir, recht eingewachsen ist?“
Die Beschreibung war nicht perfekt, aber Rumpels Auftreten war einmalig genug um ihn in des Grafen Worten wieder zu finden.
„Sein Name ist Rumpert Knulburbur, ein Zwerg wie man sich ihn vorstellt. Etwas grob, trinkt gern viel und ist sehr ehrlich.“
Etwas in Baltos Mienenspiel musste Verano schon verraten haben, dass sie wohl den gleichen Zwerg meinten. Zufall? Wohl eher nicht. Vielleicht hatte Rukulla deshalb die Schritte des Jägers in diese Richtung gelenkt.
„Hmhmmm...“
Verano schenkte nach und trank nun langsamer.
„Vielleicht können wir einander helfen. Ihr spracht davon, dass der Zwerg Hilfe benötigt? Was ist denn geschehen? Rumpert wirkte mir gegenüber nicht wie jemand der so schnell um Hilfe bittet.“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Donnerstag 18. Juni 2015, 03:01

Delilah war froh, als ihr letztes Mittel Wirkung zeigte, auch wenn ihr der harsche Ton, den sie genutzt hatte, noch in den Knochen steckte. Sie sah Lucis Silhouette in all dem schwarz zurück taumeln, als sich plötzlich ein blasser Teil ihrer Aura löste und zerstob. Diesmal war es Deli, die zurück zuckte. Sie war also nicht ohne Grund so nervös geworden!

Sie würde Luci nicht hier lassen... Verano schien nicht alle seine Geister unter Kontrolle zu haben. Auch wenn es sein Name gewesen zu sein schien, der die Bande zwischen Luci und diesem Geist zerschnitten hatte... Allein die Erwähnung seines Namens... dieser Mann war... außergewöhnlich. Deli runzelte die Stirn. Inzwischen schien Luci begriffen zu haben, was geschehen war. Delilah deutete es aus den Gesten und dem erschrockenen Ausatmen ihrer Freundin. Sie wollte eine helfende Hand austrecken, als Luci schon aus dem Zimmer gestürmt war.

Besorgt stolperte Deli hinterher, einen letzten Blick auf Baltos gewaltige Schemen gerichtet, was sie prompt gegen einen Türrahmen rennen ließ. Sie rieb sich stöhnend die Schulter, stolperte aber weiter hinter der blauen Gestalt Lucis hinterher, die auf der Treppe Ruhe suchte.
„Luci? Ist alles gut?“

„Entschuldige, dass ich weg gerannt bin. Ich … *hiks* … Du musst mich jetzt für verrückt halten. Ich trinke sonst nicht so … viel … aber hatte Lust dazu … manchmal macht er mich ruhiger … und dann ...Ich hatte plötzlich Lust mit ihm zu flirten. Ich kenn mich kaum wieder! Oh, ist mir das peinlich! Am liebsten würde ich mich irgendwo verkriechen! Oh ihr Götter versteckt mich, ist mir das peinlich!!“
Delilah wusste nicht, was sie sagen sollte, die Wahrheit hätte die Ärmste sicher nur noch mehr aufgeregt, also streckte sie einfach die Arme nach dem blauen Leuchten aus und nahm sie in den Arm. Sie strich ihr sanft übers Haar, versuchte Luci zu beruhigen.
„Er hat über mich gelacht, oder? Hat er mich ausgelacht?“
Ein kleines Lächeln stahl sich auf Delilahs Lippen. „Nein, glaube mir. Das hat er nicht. Die Mantroner halten nichts von unseren Sitten und Regeln... er hielt das sicher nur für einen Spaß. Wir sind noch Kinder für ihn.“ Sie strich Luci noch einmal über den Kopf.

„Er ist sehr nett und denkt nicht schlecht von dir. Lass uns schlafen gehen.“
Wieder versuchte Delilah ein tröstendes Lächeln. Es war schwerer Gefühle zu deuten, wenn die Gesichter kaum mehr waren als blendende Schemen. In all dem Schwarz waren sie meist zu hell, um präzise Mimiken zu erkennen. Deli musste sich auf ihr Gefühl und ihr Gehör verlassen, was das betraf.

In ihrem Zimmer angekommen, die blinde Magi-Schülerin hatte sich schon wieder einen Zeh auf dem Weg dorthin gestoßen! - ihre Füße mussten inzwischen grün und blau sein!-, taumelte Luci wie von allein in das große geräumige Bett. Mit sanftem Druck gab sie Luci zu verstehen, dass sie sich ruhig ausruhen könnte und zog ihr die Decke vorsichtig bis zum Kinn. Sie strich ihr mit den Fingerspitzen über die Wange, nahm die Konturen des Gesichts überdeutlich war.
„Es tut mir leid, Luci... ich wollte wirklich nicht so böse werden...aber...“, murmelte Deli, doch ihre Freundin war schon in einen verdienten Schlaf geglitten.

Einen Moment lang saß Delilah auf der Kante ihres Bettes und lauschte den Atemzügen ihrer Freundin. Sollte sie bei ihr bleiben? Würde das andere Geister fernhalten?
Vielleicht sollte sie nach Verano suchen? Musste er nicht erfahren, wenn einer seiner Schützlinge sowas tat?
Als sich nach weiteren zehn entspannten Atemzügen immer noch nichts Verdächtiges tat, entschloss sich Delilah sich langsam auf den Rückweg zu machen... sie könnte dann immer noch entscheiden, was sie tun wollte.

Mit langsam tastenden Schritten und einem ausgestreckten Arm an der Wand machte sich Deli auf den Weg durch die Finsternis, die keine Aura erhellte. Doch dann nahm sie ein Leuchten aus dem Augenwinkel wahr und blickte zur Seite. Die Tür des Inquisitors stand offen. Hatte sie das beim vorbeigehen nicht bemerkt? Vermutlich war sie zu sehr auf Luci konzentriert gewesen...
Der ältere Herr kniete am Boden, vielleicht war er ins Gebet vertieft gewesen. Lysanthor hatte in ihm einen treuen Gefolgsmann.
Vielleicht hatte Delilah zu lange zu ihm herüber gestarrt, denn Gunther schien sie bemerkt zu haben, und rief nach ihr.
„Wäret ihr so freundlich, mir eure Aufmerksamkeit zu schenken? Ich denke, ich bin jetzt so weit, dass ich es versuchen möchte.“

Dem Mädchen stockte der Atem. Wirklich? Ein neuer Hoffnungsfaden? Ob er wieder zerriss? Warum hatte er sich so schnell besonnen? Hatte ihm sein Gott, der auch der ihre war, Antworten geschenkt? War Lysanthor ihr wieder gewogen? War er wirklich ihr Löwe?
Sie musste ziemlich verdutzt aussehen, bevor sie sich wieder auf ihre Situation besann und mit etwas zu hastigen Schritten auf den Inquisitor zuging. Ihr Herz schlug schnell.

Viele Fragen lagen auf ihren Lippen. Warum? Wie? Wird es wehtun?
Die Luft roch nach Leder, schmutziger Haut, überdeckt vom Geruch nach Seife und vorallem der Brennesselsalbe.

Ein paar Schritte vor der knieenden Gestalt blieb sie stehen.
„Was hat euch bewogen, eure Meinung zu ändern?“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 18. Juni 2015, 10:19

Bei Delilah

Gunthers Haltung änderte sich merklich, denn er stand auf und reichte der Novizin die Hand um sie durch die Dunkelheit zu seinem Bett zu führen. Dabei fiel Delilah noch eine andere Presence auf, die mit im Zimmer weilte. Gleich einem runden Ball, oder einem dicken, kleinen, aufgeplusterten Vogel hocke Rukulla auf dem linken Bettpfosten, aber ihre Aura war blass, als wäre sie nicht komplett anwesend. Bei genauerer Betrachtung sah sie aus, als hätte sie lange Schwanzfedern, was sich aber schnell als pulsierende Energiestränge herausstellte. Delilah brauchte dafür nicht einmal ihre Sicht der „Kinderaugen“ zu verstärken. Sie waren so deutlich, dass mein meinen könnte sie stofflich berühren zu können. Rukulla nickte langsam und flüsterte:
„Komm, Kind. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich sorge schon dafür, dass er nicht versagt.“

Der Inquisitor hatte sich mit Kadia nach oben begeben und mit ihrer Hilfe sich für die Nacht zurecht gemacht. Die Rüstungsteile lagen säuberlich aufgereiht auf einem Sessel und er selbst trug nur noch eine Schlafhose und ein langes Nachthemd. Kadia war gegangen und er hatte sein Nachtgebet gesprochen und sich zu Ruhe gelegt, doch Ruhe war es nicht die er hinter seinen geschlossenen Lieder fand. Ein paar Minuten wälzte er sich hin und her. Die Müdigkeit lag bleiern in seinen Knochen, doch sein Kopf war hellwach. Auch wenn er todmüde war und schon bei Tisch kurz eingenickt war, so war es jetzt sein Geist der ihn marterte. Er war ein ehrenvoller Mann der seine Pflicht tat, doch hier hatte er gezweifelt und auf ein Zeichen seines Gottes gewartet. Er hatte eine offene Aufgabe und diese rotierte nun durch seine Gedankenwelt. Er konnte nicht liegen und schlafen, wenn dort unten eine Lysanthor geweihte Seele seiner Hilfe benötigte. Plötzlich hörte er leise Stimmen. Er stand auf, öffnete die Tür und erkannte Delilah, als sie mit ihrer Dienerin gerade in ihrem Zimmer verschwand. Leise betend flüsterte er:
„Herr des Lichts, ich bin bereit. Sende mir dein Geschöpf, dann will ich geben, was ich kann.“
Er ließ die Tür offen stehen und kniete sich zum Gebet vor sein Bett, bis er leise Schritte hinter sich vernahm und sich zur Seite drehte.
„Wäret ihr so freundlich, mir eure Aufmerksamkeit zu schenken? Ich denke, ich bin jetzt so weit, dass ich es versuchen möchte.“
Dem Mädchen stockte hörbar der Atem. Ein paar Schritte vor ihm blieb sie stehen.
„Was hat euch bewogen, eure Meinung zu ändern?“
„Es war nicht meine Meinung die sich geändert hat. Das ich euch helfen werde stand nicht in Frage, es war mein eigener Zweifel, den ich ablegen musste. So wie ihr mir erzählt hattet, dass ihr zu viel gegeben habt, so habe ich Zweifel im Herzen getragen, selbst nicht genug geben zu können. Das hat sich geändert. Bitte...“
Er reichte ihr die Hand um sie zu seinem Bett zu führen. Delilah schien kurz ein wenig abgelenkt, aber setzte sich brav hin.
„Legt euch hin. Ich werde euch untersuchen, damit ich weiß wohin ich Lysanthors Seegen leiten muss.“
Delilahs Aufregung ließ ihr Herz wie wild in ihrer Brust schlagen und ihre Hände wurden feucht. Trotzdem legte sie sich folgsam auf das Bett und ließ sich von dem alten Mann führen. Er berührte sie nur ganz sanft und strich ihr dann zart das Haar aus dem Gesicht, berührte ihre Stirn, wo seine kühle Hand dann liegen blieb.
„Ich werde nun eine Reihe von Segen über dich sprechen, Zauber, wie ihr Licht-Magier sie nennt. Manche dienen der Vorbereitungen, manche werden in euch wirken. Bitte wehrt euch nicht dagegen, sonst könnten manche nicht funktionieren. Es wird eine Weile dauern.“
Rukulla, die am Kopfende von Delilah auf dem Bettpfosten thronte, legte ihre glühende Hand auf seine Schulter und der Energiefluss wurde von ihr auf ihn umgeleitet. Gunther schien von alle dem nichts zu bemerken, einzig seine Worte drückten sein Empfinden aus:
„Lysanthor ist bei uns. Ich werde beginnen.“
Die Aura über Delilahs blinden Augen begann intensiver zu leuchten und sie sah das Gesicht des Inquisitors klar und deutlich vor sich. Jede Falte war in die Aura geprägt, gleich einer dünnen Haut, die von innen angestrahlt wurde, umgeben von Licht.
„Habt keine Angst, mein Kind. Ihr seid reinen Herzens und habt vor mir nichts zu befürchten. Ich werde euch die ganze Zeit erklären, was ich tue.“
Seine zweite Hand legte sich auf ihren Bauch.
„Eure Stirn, euer Geist beherbergt euren Willen und die Fähigkeit die Magie zu kontrollieren, aber es ist das Sonnengeflecht in euren Eingeweiden, dass uns unsere Macht verleiht. Irgendwo dazwischen ist es, so vermute ich, zu einem Riss gekommen. Ich werde mich mit einem Gebet vorbereiten diesen Riss zu finden und ihn dann versuchen zu heilen.“
Er atmete tief durch und ließ den Kopf in den Nacken fallen, als schaue er zum Himmel auf.
„Ich beginne mit dem Erwecken des Verstand des Heilers.
Dies ist ein Zauber, der dem Gläubigen ein grobes Verständnis der Anatomie und physiologischen Abläufe seines Ziels vermittelt. Nicht, dass ich euch als Mensch nicht erkenne, aber in diesem Fall will ich besonders sicher sein..."
Rukulla gluckste kurz.
"...Hierfür übertrage ich einen Lichtpunkt, den ich aus meiner Stirn ziehe, in den Körper meines Ziels, der dort mindestens eine Stunde verweilen muss, um dann zurück genommen zu werden. Die Magie wirkt der Zauberer auf sich selbst."
Damit hatte also das Ritual begonne. Der Inquisitor zog sich eine kleine goldene Flamme, etwas kleiner als das Licht einer Kerze, aus der Stin und setzte sie auf ihre. Tatsächlich musste Delilah sich bewusst dafür entscheiden, die Magie in sich eindringen zu lassen, denn es fühlte sich kurz so an, als hielte er ihr ein kleines Stück glühender Kohle über die Stirn. Es war warm, nein sogar sehr heiß, denn es war nicht ihre Magie, sondern fremde. Derweil rezitierte Gunther mit monotonier Stimme ein Gebet, dass sich immer wiederholte, solange Delilah brauchte um sich auf seine Magie einzustimmen und die kleine Flamme in sich auf zu nehmen.
"Offenbarung! Zeige mir die Wahrheit hinter allem! ... Offenbarung! Zeige mir die Wahrheit hinter allem! ... Offenbarung! Zeige mir die Wahrheit hinter allem! ..."
Eine Stunde lang sprach der Inquisitor sein Gebet und lullte so Delilahs Gedanken ein. Seine Stimme schwand ihrendwann und mischte sich mit den leisen Umgebungsgeräuschen, während ein kleines Leuchten durch die Dunkeheit irrte und nach dem Grund für alles suchte. Delilah fiel dabei in eine leichte Trance. Sie war nicht mehr allein in der Finsternis und fühlte sich geborgen. Über ihrem Herzen lag ihr goldenes Medalion, sie hatte mit ihrem Vater getanzt und war glücklich. Sie war nun bereit in die Welt zurück zu kehren.

Gunther erwieß sich als ausdauernd und hartnäckig. Eine Stunde lang wartete er auf das Wirken seiner Magie, auf das Spiegelbild, dass der Funke ihm offenbaren sollte, doch als er das Licht wieder aus ihrer Stirn zog und wieder in sich auf nahm, fühlte es sich verändert an. Es brauchte einen Moment, damit der alte Mann begriff was geschehen war, und was er sah, doch dann atmete er tief durch und sah mit blinzelnden Liedern das Kind vor sich an. Ihr goldenes, mit ein paar fliederfarbenen Blüten verziertes Haar, lag in großen Wellen ausgebreitet auf den Laken. Auf ihrer Stirn hatte seine Magie einen kleinen dunklen Punkt hinterlassen. Ihre Augen waren geschlossen, der zarte Aprikosenmund leicht geöffnet und ihr Atem ging ruhig. Sie war wach und doch nicht. Sie war ein Kind, an der Grenze zur Frau, noch unschuldig und doch schon erwachsen. Eine dünne Goldkette lag um ihren Hals und verschwand unter ihren Gewändern. Sie war schön und sich dieser Tatsach nicht bewusst. Doch noch viel schöner, war das was er gesehen hatte. Er lächelte wie ein stolzer Großvater. Nun war er sich vollkommen sicher! Er lächelte, seufzte voller Gewissheit über ihr Schicksal und begann seinen nächsten Zauber.
"Nun vertraue dich der Erleuchteten Führung an.
Das Gebet kann bei sich oder einem Ziel, das der Gläubige berührt, Angst und Panik lindern oder gar verschwinden lassen. Der Zauber kann auch bei Schlafenden benutzt werden, um Alpträumen entgegenzuwirken. Der Betroffene fühlt sich mutiger und bestärkt in dem was er tut. Dies ist eine der stärksten Waffen gegen Manthalas Wirken und kann sogar bei von ihr verfluchten Wesen zum Erwachen führen. Nicht das ich glaube, dass Mathala hier gewirkt hat, aber ich will lieber alles auschließen"
Rukulla gluckste abermals. Gunther war ein Mann des Glaubens, aber hatte im Laufe seines Lebens so viel erlebt, dass er immernoch Zweifel in sich trug. Zweifel die seine Fähigkeiten hatten wachsen lassen, ihn zu einem mächtigen Mann gemacht hatten, einem hervorragenden Inquisitor, aber eben Zweifel waren. Er btete erneut und wiedeholte die Worte neun mal.
"Vertraue auf die Führung des lichten Gottes! Er ist bei dir und wacht über dein Schicksal! Er wandert mit dir duch die Dunkelheit und tritt duch die Finsternis mit dir hinaus ins Licht."
Danach ging es nahtlos weiter.
"Ich dringe nun ein..."
Der Druck seiner Hände verstärkte sich etwas und die vorher kühle Haut wurde merklich wärmer.
"Lichte Innenschau... Ein besonderer Zauber der ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Ich lasse mein Licht in den zu Heilenden fließen, aber behalte es dort unter Kontrolle, bis ich die zu behandelnden Stellen vor meinem inneren Auge visualisieren kann. Erst dann, lasse ich mein „Licht“ frei und kann so gezielt und schonender mit meinen eigenen Kräften haushalten. Mein dort frei gelassenes Licht wird einen Anker setzten der das "Band" knüpfen wirde. Der Fluss des Lichts wird so in eine ausgewogene Balance gesteuert, benötigt aber einige Zeit an Vorbereitung und innerer Kontemplation."
Das daugehörige Gebet folgte:
"Zeige was zerstört, oh Herr! Zeige was zerstört, oh Herr! Zeige was zerstört, oh Herr! ..."
Er redete ohne Punkt und Komma weiter, denn jetzt hatte er sein Ziel gefunden und auch Delilah spürte, dass etwas hinter dem schwazem Samt auf sie wartete.
"Sonnenaura! Ich umgebe mich mit einer Aura aus Licht, die in der Lage ist, die Umgebung zu erhellen. Lichtscheue Kreaturen fliehen meist, weil sie die Helligkeit nicht ertragen können. Solange der Magier die Sonnenaura aufrecht erhält, ist er in der Lage, seine Heilzauber zu verstärken, allerdings benötigt er dazu absolute Konzentration. Schon die kleinste Ablenkung kann seine Pläne zum Scheitern verurteilen und sogar Schaden verursachen. Heilung im Zusammenspiel mit der Sonnenaura ist gefährlich und kräftezehrend, doch auch sehr wirksam, also vertaut mir. Ich habe das schon of getan und bin willens es wieder zu tun."
Das Gebet folgte:
"Gewähre mir Kraft! Schenke mir Stärke, auf dass ich deine Gnade denjenigen zuteil werden lassen kann, die sie verdienen!"
In ihrer Trance konnte Delilah nun eine weiter Veränderung bemerken, denn Sonnenlicht legte sich auf ihr Gesicht und auf die Stellen an ihrem Körper die nicht von Kleidung bedeckt waren. Es war als läge sie auf einer Seidenwiese in der Sonne und erlebte einen Tag voller Frieden.
"Das Band" oder Woge der Kraft!
Der Glöäubige kann Erschöpfung oder Entkräftung bei sich oder einem Ziel lindern. Geübte Lichtmagier können sie sogar gänzlich verschwinden lassen. Der Zauberer muss das Ziel mit mindestens einer Hand berühren. So kann zum Beispiel ein Magier einem anderen Zauberer seine Energie übertragen, wenn dieser über einen Spruch verfügt die gerade dringend benötigt wird. Beide Magier müssen willens sein den Austausch vorzunehmen."
Plötzlich sah Delilah etwas in dem schwarzen Samt ihrer Wahrnehmung glitzern, als drückte sich etwas glänzendes durch dünnen Stoff, aber er wollte nicht reißen.
"Herr des Lichts, schenke uns die Gnade deiner Stärke. Gewähre uns die Kraft, die Prüfungen auf unserem Wege zu bestehen, auf dass wir stolz deinen Namen preisen!"
Er widerholte den Versuch ein paar Mal, dann kam er ins Stocken. Rukulla flüsterte kaum hörbar:
"Na los! Trau dich! Tu es, sie wird es aushalten!"
Gunther hatte sie sicher nicht gehört, aber sprach kurz zu sich selbst.
"Hmm... so nicht, also dann anders ..."
Er veränderte sie Lage seiner Hände und Delilah fühlte sie nun beide warm und väterlich über ihren Augen ruhen.
"Sonnenstrahl ... Aus den ausgestreckten Händen des Magiers fährt ein kleiner Lichtblitz. Er ist so schnell, dass der Magier sein Ziel vorher im Geist fest gewählt haben musste, denn der Sonnenstrahl sucht sich seinen eigenen Weg. Er wählt ihn sogar durch feste Materie hindurch, weshalb er nur mittels gleichwertiger Schattenmagie aufgehalten werden kann. Dieser Sonnenstrahl brennt bei normalen Wesen wie Feuer auf der Haut und kann sogar zu kleinen Brandwunden oder Sonnenbrand führen, ist aber selten tödlich. Gegen Nachtelfen kann ein solcher Zauber erheblich gefährlicher sein; alles andere lichtscheue Gesindel fürchtet sich jedoch nicht minder davor.
Das Gebet bereitete Delilah auf den Einsatz der Magie vor und sie öffnete wissentlich ihre Lider unter seinen Händen:
"Neige dein Haupt in Ehrfurcht und sehe … das … LICHT!"
Beim letzten Wort wurde ihre Welt in gleißendes Licht getaucht. Der Stoff, der sie in Dunkelheit gehüllt hatte riss und alles wurde hell. Zu hell, denn nichts anderes war zu sehen außer die Sonne Lysanthors. Entfernt hörte sie Gunthers Stimme weiter sprechen, während ein kräftiger innerer Sog einsetzte.
"Fluss des Lichts. Dieser Zauber lässt reine Energie von einem Wesen zum anderen fließen. Man kann Kraft geben, anderen aber auch entziehen. Letzteres wird unter Lichtmagiern einzig und allein zur Sterbehilfe eingesetzt. Es ist die reinste Form der Heilung, aber nicht sehr zielgerichtet, außer man hat vorher einen Anker mit dem Zauber „Lichte Innenschau“ gesetzt. Der Zauberer verbraucht immer doppelt so viel Energie wie er geben kann und muss deswegen immer auf der Hut sein, sich nicht zu verausgaben. Die Stärke und Intensität des Zaubers ist abhängig vom Grad der Ausbildung, die er genossen hat. Ein junger Magi vermag so vielleicht nur leichte Schnittverletzungen behandeln, wo ein Meister ganze Gliedmaßen ersetzen kann.“
Seine Stimme erhob sich ein letztes Mal zum Gebet:
"Lasse dein Licht erstrahlen über deine Dienerin! Schenke ihr Kraft, heile ihre Seele und lasse ihn wieder in deinem Lichte wandeln."
Dann war es still. Hinter Delilahs brennenden Lidern tanzten kleine goldene Sterne. Gunthers Hände waren verschwunden. Etwas hatte sich verändert. Es war „angenehm“ dunkel und die Auren waren verschwunden. Delilah versuchte nach einer kleinen Weile, die sie brauchte um sich zu sammeln, die Augen zu öffnen. Es tat weh, als hätte sie in die Sonne gesehen, aber da waren zarte Umrisse. Sie waren noch unscharf aber unleugbar da! Eine Welle des Glücks übermannte sie. Sie konnte wieder sehen! Es waren verschwommene Bilder, aber sie konnte wieder sehen! Das Licht spielte ihr noch Streiche, es ließ die Farben davon treiben wie auf Wasser, aber sie konnte sehen! Und was sie sah!
Gunthers liebes Gesicht, voller Erschöpfung, faltig, alt und ausgezehrt, schwamm vor ihren Augen.
„Ich brauche nun Ruhe, Kind.“
Instinktiv half sie ihm aus seiner immernoch knienden Position ins Bett und er schloss sofort die Augen. Seine knittrigen Lippen flüsterten:
„Jetzt – ist – alles – gut.“
Ein tiefer Atemzug hob seinen Brustkorb, dann erschlaffte er.
„Geh, Kind. Man schaut keinem alten Mann beim Schlafen zu.“
Rukulla saß nicht mehr auf dem Bettpfosten, sondern stand halb durchscheinend neben Delilah. Sie sah ebenfalls komplett anders aus. Fast wie eine blasser werdende Erinnerung. Delilah merkte wie sie ihre Aurensicht verlor und dafür ihr Augenlicht wider bekam. Mit einem sanften Lächeln beförderte die alte Frau das Mädchen aus dem Zimmer und meinte noch:
„Ich komme später nach.“
Delilah stand auf dem Flur den ihre Füße erkannten und betrachtete nun mit klarer werdendem Blick die Umgebung die sie seit Wochen oder sogar Monaten umgeben hatte. Alles wirkte seltsam fremd und doch vertraut. Kleine Fehler in der Beschreibung von Luci fielen ihr sofort auf. Da waren Fratzen in den Sockeln der Säulen und sie waren aus grünlichem Marmor nicht rot. Es würde vermutlich noch einen Tag dauern, bis sie wieder ganz klar sehen konnte, aber sie wusste, sie war geheilt.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Freitag 19. Juni 2015, 01:33

Delilah sah mit offenen Kinderaugen dem Spiel des Lichts zu, sah die Strömungen und Verwirblungen, sah den ruhigen Strom Rukullas, das zuckende Flämmchen des Verstandes des Heilers. Warum er wohl ihre Anatomie kontrollieren wollte? Was für Zweifel hatte er?

Goldene Farben verflossen mit den leisen Wiederholungen seines Gebets, nachdem sie die fremde Magie in ihren Fluss ließ. Die goldenen Wellen umspülten ihr Bewusstsein und trugen sie sanft auf ihren Wogen, lullten sie in ein ruhiges Träumen. Es war wie eine warme Umarmung, wie ein Tanz auf den Funken, wie ein Ball aus Licht. Das Gewicht des Medaillons auf ihrem Brustkorb war beruhigend vertraut, das Bild ihres Vaters in ihren Gedanken, dass sich mit dem faltigen, guten, leuchtendem Gesicht über ihr vermischte.

Leise drangen Gunthers Worte in ihr Bewusstsein. Sie kannte viele der Zauber aus der Akademie, hatte gesehen wie die hohen Magi sie nutzen, doch sie hatte sie nie selbst ausgeführt oder so am eigenen Leib erfahren wie jetzt. Nun kannte sie ihre Wirkung genau.

„Vertraue auf die Führung des lichten Gottes! Er ist bei dir und wacht über dein Schicksal! Er wandert mit dir durch die Dunkelheit und tritt durch die Finsternis mit dir hinaus ins Licht.“

Die Worte weckten Erinnerungen, Erinnerungen an den Löwen, der an ihrer Seite durch das Licht geschritten war... damals hatte sie die Dunkelheit noch nicht gekannt. Doch... kannte sie sie jetzt? Delilahs Finger kribbelten, als strichen sie wieder durch das brennende Fell und sie fühlte sich beschützt und geborgen.

"Neige dein Haupt in Ehrfurcht und sehe … das … LICHT!"

Der Käfig zersprang. Die Mauer fiel. Der Vorhang riss auf.
Die Welt legte ihr schwarzes Kleid ab und schmückte sich im hellsten Sonnenlicht.
Der Stoff, der sie in Dunkelheit gehüllt hatte riss und alles wurde hell.
Die Finsternis floh wie ein gejagtes Tier und war fort. Das Licht umarmte sie wie eine verlorene Tochter und ließ sie nicht mehr gehen. Lysanthors Segen brannte in ihren Augen, ließ nichts anderes zu als seine Präsenz. Ein eifersüchtiger Liebhaber. Doch Delilah begrüßte ihn, ihr Herz nannte jeden Fetzen Licht beim Namen, ergötzte sich an der Herrlichkeit, die sie geglaubt hatte, nie wieder erleben zu dürfen.

"Lasse dein Licht erstrahlen über deine Dienerin! Schenke ihr Kraft, heile ihre Seele und lasse sie wieder in deinem Lichte wandeln."

Dann war es still. Delilahs Augen brannten, als hätte man zu lange in die Sonne gesehen. Unter ihren Lidern tanzten die Flammen wie kleine goldene Sterne. Schon jetzt war es nicht mehr die allumfassende Dunkelheit, die sie umgab. Es war das schummrige Dunkel geschlossener Augen, während man das Licht dahinter schon erahnen kann.
Gunthers sanfte Hände waren verschwunden, Delilahs griff nach dem Medaillon. Sie war aufgeregt, ihr Herz tanzte in ihrer Brust die schönsten Reigen und ihr Atem ging schnell. Sie brauchte einen Moment um sich zu fassen, sich zu trauen, obwohl sie wusste, dass sich etwas verändert hatte.

Und dann... schlug sie die Augen auf. Noch immer brannten sie, von Lysanthors starker Präsenz doch... doch... da war etwas. Keine Auren... keine Lichtschatten in der Dunkelheit.
Sie konnte sehen! Sie konnte sehen! Es hatte funktioniert!
Delilah setzte sich auf und strahlte in Gunthers verschwommenes Gesicht, das sie nun zum ersten Mal wirklich „sah“. Das Licht spielte ihr noch Streiche, ließ Farben und Formen verschwimmen und treiben wie auf Wasser, aber sie konnte sehen!

Ihre Arme schlangen sich um diesen wundervollen, wundervollen Mann, der ihr das Licht zurückgebracht hatte.
Noch vollkommen überwältigt hauchte sie ein „Danke!“ in sein Ohr, nahm sein Gesicht in ihre Hände und gab ihm einen hauchzarten Kuss auf die kahle Stirn.
„Danke!“ Ihr Lächeln erstrahlte wie die frühe Morgensonne.
Die Farben tanzten vor ihren Augen, die fasziniert ihre Umgebung erkunden wollten. Doch die Umrisse glitten noch weg, wie Schollen auf Eis.

„Ich brauche nun Ruhe, Kind.“
Sie blinzelte mehrmals, was den Farbentanz nur noch stärker zum Kreisen brachte, doch instinktiv half sie im auf das Bett. „Natürlich, Va... Natürlich!“, haspelte sie.

„Jetzt – ist – alles – gut.“ Delilahs Lächeln wurde noch breiter, wenn das möglich war. „Ja.“
Ein tiefer Atemzug hob seinen Brustkorb, dann erschlaffte er. Delilahs Blick ruhte einen Moment auf ihm, als sie Rukulla aus dem Farbenspiel riss.
„Geh, Kind. Man schaut keinem alten Mann beim Schlafen zu.“
Rukulla saß nicht mehr auf dem Bettpfosten, sondern stand halb durchscheinend neben Delilah. Sie sah ebenfalls komplett anders aus. Fast wie eine blasser werdende Erinnerung. Delilah merkte wie sie ihre Aurensicht verlor und dafür ihr Augenlicht wider bekam. Mit einem sanften Lächeln beförderte die alte Frau das Mädchen aus dem Zimmer und meinte noch:
„Ich komme später nach.“

Delilah drehte sich noch einmal um. „Es wird ihm gut gehen, ja?“ Die Tür war zu.
Dann genoss sie mit großen Augen das Wunder des Sehens, das zu ihr zurückgebracht worden war.
Ihre nackten Füße erkannten den weichen Boden des Flurs und fasziniert erforschten Delilahs wiedererweckte Augen den fremdvertrauten Ort. Die Maserung der Holztür, die Statuen und Bilder, den Teppich – ihre Füße waren nicht blau. Die Heilung? Alles flimmerte noch. Doch sie erkannte Dinge wieder, die sie erfühlt hatte oder die Luci ihr mal mehr mal weniger treffend beschrieben hatte.
Noch immer war die Sicht nicht klar, doch die junge Frau mit den goldenen Haaren wusste: Sie war geheilt!

Ein lautes, befreites Lachen löste sich aus Delilahs Brust und sprengte die Ketten, die ihr in der Dunkelheit das Atmen schwer gemacht hatten. Es hallte weit über den Flur und sie fürchtete Luci zu wecken, doch die Freude in ihr war zu groß um im Inneren zu verweilen. Sie eilte zu ihrer Tür und riss sie auf, sah das Zimmer in dem sie das erste Mal erwacht war. Heute war ihr zweiter Morgen!
Sie wollte tanzen, wollte laufen, wolle springen! Sie wollte sehen!

„Luci! Luci! Luci!“ Rief sie fröhlich aus. Sie lachte immer noch. „Ich kann sehen! Ich kann sehen! Ich kann sehen!“ Sie tanzte durch den Raum, wollte Fenster und Türen aufreißen, Bilder in die Luft malen.
Sie rannte wieder aus dem Zimmer ihrer ehemaligen Gefangenschaft und begann den Flur entlang zu laufen. Was war fremd, was erkannte sie? Der Weg war vertraut, doch die Gefahren kleiner sich zu stoßen. Sie sog jedes Bild in sich auf, jeden Hauch von Licht und Farbe, von schwarz, grün, gold, rot, braun, gold. Die Farben tanzten vor ihren Augen und Licht in ihrem Herzen. Ihr Lächeln und Lachen erhellte das Haus. Sie könnte die Welt umarmen.
Ob Baltos noch wach war? Jetzt hatte sie Lust zu feiern!
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Mittwoch 24. Juni 2015, 09:56

„Vielleicht können wir einander helfen. Ihr spracht davon, dass der Zwerg Hilfe benötigt? Was ist denn geschehen? Rumpert wirkte mir gegenüber nicht wie jemand der so schnell um Hilfe bittet.“
„Würde er auch nicht!“ Der Jäger grinste kurz und nahm noch einen Schluck, bevor er weiter redete.
Auf den Weg haben wir einen Sklaventransporter überfallen, von den Dunkelelfen hat keiner überlebt, dafür haben Rumpel und ich schon gesorgt. Der Jäger blickte in seinen Becher als würde er über etwas nachdenken.
„Von den Sklaven haben wir erfahren das Rugta die Heimat von Rumpel von den Dunkelelfen besetzt wurde. Rumpel macht sich denke ich sorgen um seine Frau und wenn dein Anwesen nicht zufällig auf dem Weg liegt, glaube ich nicht das er einen Umweg in Kauf nehmen würde, anstatt seine Heimat zu retten!“
Der Jäger trank seinen Becher aus und füllte sich noch einmal nach.
„Rumpel hat mir bevor ich mich auf die Suche nach einem flüchtigen Dunkelelfen gemacht habe zwei Tage Zeit geben wieder zu ihm zurückzukehren, sonst würde er sich alleine auf den Weg machen!
Wenn du mir hilfst, ihn wieder zu finden werde ich ihn gerne ausrichten, dass du seine Hilfe benötigst. Du solltest ihn aber einen guten Grund geben, damit er zu dir kommt. Wir transportieren nämlich gerade eine schnell verderbliche Ware!“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Mittwoch 24. Juni 2015, 20:41

Bei Delilah

„Luci! Luci! Luci!“
Rief sie fröhlich aus. Sie lachte immer noch.
„Ich kann sehen! Ich kann sehen! Ich kann sehen!“
Sie tanzte über die weichen bekannten Teppiche und erkannte erst jetzt richtig, dass es nicht ihr Zimmer gewesen war, in dem sie geheilt worden war. Delilahs unbändige Freude stieß auf stille Gestalten, die ihr aus verschwommenen Bildern auf dem Gang entgegen lächelten, auf Schwellen, die ihre Füße nur zu gut kannten und Mobiliar die ihr den Weg wiesen. Tänzelnd lief sie die Flure entlang und ihr Lächeln und Lachen erhellte das Haus. Sie könnte die Welt umarmen! Ob Baltos noch wach war? Jetzt hatte sie Lust zu feiern, also lief sie zur Treppe. Kurz stand sie am oberen Absatz und schaute hinunter in die Empfangshalle. Spielten ihr ihre Augen einen Streich? War die Treppe wirklich so lang und gewunden? Nein. Langsam ging sie die Stufen hinab und hielt sich am Geländer fest. Mit jedem Schritt den sie ihre wieder gewonnenes Sichtfeld veränderte, veränderte sich auch das Bild vor ihr. Was für einen Moment so ausgesehen hatte, als würden die Stufen in einer gewaltigen Spirale im Boden versinken, das stellte sich als kunstvoller Mosaikboden heraus. Dann hörte sie die leisen Stimmen zweier Männer aus dem Speisesaal. Auch hier stellte sie fest, dass ihre Wahrnehmung sich wieder verändert hatte. Sie klangen ferner, dumpfer. Sie hörte Verano, konnte ihn aber erst verstehen, wenn sie den Raum betrat.


(Zwischensequenz:

Rukulla schloss langsam die Tür hinter dem Mädchen. Delilahs Lachen hallte fröhlich durch die Gänge. Sie hatte gefragt, ob es ihm gut gehen würde. Ihr sanftes Lächeln umspielte ihre runzligen Lippen und sie wandte sich dem Bett zu, in dem der Inquisitor lag. Kaum hörbar antwortete sie:
„Ja, mein Mädchen. --- Jetzt --- geht es ihm gut.“
Ihr Blick fiel auf den eingesunkenen Brustkorb, die halb geöffneten Hände, die in den Flächen wie ausgedorrt waren. Die Wangen wirkten seltsam hohl, der Mund schmaler und die Augenhöhlen waren eingesunken. Sie sah das alles und doch sah sie noch viel mehr. Die alte Frau ging langsam zu ihm und wartete. Sie wartete auf seine Seele. Nachdem der Tod vorbei geschaut hatte und sein Anrecht eingefordert hatte, gab es nur diesen einen kurzen Moment um sich zu begegnen. Sie sahen einander. Sie setzte sich auf die Bettkante zu ihm und wünschte ihm flüsternd eine gute Reise.
Gunther Brockhardt, Inquisitor der Pelgarischen Inquisition, Templer und Bruder des Lichts, ein Freund und Helfer, ein Mann mit festen Prinzipien und tiefen Glauben folgte seinem Gott in sein lichtes Reich um dort Frieden zu finden. Einen Frieden, den er sich verdient hatte.

Der kleine goldene Vogel, der die ganze Zeit außen am Fenster gesessen hatte, erhob sich und flog lautlos davon.)


Bei Baltos

„Würde er auch nicht!“
Der Graf hörte aufmerksam zu.
"Auf den Weg haben wir einen Sklaventransporter überfallen, von den Dunkelelfen hat keiner überlebt, dafür haben Rumpel und ich schon gesorgt."
Der Jäger blickte in seinen Becher als würde er über etwas nachdenken.
„Von den Sklaven haben wir erfahren das Rugta, die Heimat von Rumpel, von den Dunkelelfen besetzt wurde. Rumpel macht sich denke ich sorgen um seine Frau und wenn dein Anwesen nicht zufällig auf dem Weg liegt, glaube ich nicht das er einen Umweg in Kauf nehmen würde, anstatt seine Heimat zu retten!“
Veranos Mine hatte sich zusehends verfinstert.
„Rumpel hat mir bevor ich mich auf die Suche nach einem flüchtigen Dunkelelfen gemacht habe zwei Tage Zeit geben wieder zu ihm zurückzukehren, sonst würde er sich alleine auf den Weg machen! Wenn du mir hilfst, ihn wieder zu finden werde ich ihn gerne ausrichten, dass du seine Hilfe benötigst. Du solltest ihn aber einen guten Grund geben, damit er zu dir kommt. Wir transportieren nämlich gerade eine schnell verderbliche Ware!“
Die Brauen des Grafen schnellten bei dem letzten Satz in die Höhe und er grinste breit.
„Natürlich helfe ich.“
Er verzog das Lächeln etwas und schwenkte nachdenklich den Kopf, als würde er sich über etwas wundern, aber nun zu einer Erkenntnis gelangt sein. Entspannt lehnte er sich zurück und legte sogar seinen Mantel ab. Es war warm im Raum, denn zwei große Kamine spendeten Hitze und sie waren unter sich. Seine Verbände schimmerten hell im Schein des Feuers
„Ich nehme an, unser Bekannter hat Eis geladen?“
Er las in Baltos Mienenspiel, dass er damit Recht hatte.
„Dann ist es ganz einfach, denn ich bin euer Käufer.“
Er ließ das Gesagte einen Moment sacken. Baltos war schließlich im Eisreich angeheuert worden und Rumpel, ein gewiefter Händler und hatte ihn und seine Kenntnisse mit der kalten Materie gut brauchen können. Doch wozu brauchte der Graf das Eis?
„Rumpert wird krank vor Sorge sein und ich befürchte, er wird nicht länger warten, als er versprochen hat.“
Er tippte sich in Gedanken an sein Kinn und musterte sein Gegenüber.
„Ich werde noch heute Nacht meine „Freunde“ aus schicken um Informationen einzuholen. Ihr solltet euch bald zu Ruhe begeben, denn morgen werden wir mehr wissen und entsprechend handeln.“
Ein Geräusch an der Eingangstür zum Speisesaal ließ Verano aufschauen.

Wieder vereint

Delilah betrat den Speisesaal und der Graf erhob sich augenblicklich aus seinem Stuhl. Wo vorher die Stimmung fast locker und kameradschaftlich gewesen war, konnte man nun sofort Spannung fühlen. Baltos, der sehr nah bei Verano saß, sah in seinem Gesicht fast so etwas wie Ehrfurcht - vor diesem Mädchen?? - sehen. Er selbst kannte diesen Ausdruck wenn Krieger zu ihrem Anführer aufsahen.
„Delilah ...“
Die junge Licht-Novizin hielt sich am Türrahmen fest und sah, ja sie sah seit unendlich langer Zeit das erste Mal das Gesicht des Mannes der sie gerettet hatte. Und sie hatte es anders in Erinnerung. Irgendwann mussten seine Haare ausgeblichen sein, denn jetzt war er fast so blond wie Leon. Sein Kinn war härter, aber nicht weniger interessant. Die Konturen hatten sich nicht verändert. Er hatte immernoch die gerade Nase, die hohen Wangenknochen und den ernsten Mund. Und seine Augen hatten diesen silbrigen Schimmer, der irgendwelche Farben aus der Umgebung spiegelte.
Verano war so hastig aufgestanden, sodass er seinen Mantel vergessen hatte. Er hatte einen Schritt auf Delilah zu gemacht, zögerte dann und stand mit dem Rücken zu einer der bepflanzten Alkoven in denen sich Efeu an gedrechselten Säulen die Decke empor schlängelte. Delilahs Augen kämpften noch immer mit der Schärfe, aber sie sah deutlich sein ernstes und auch irgendwie besorgtes Gesicht.

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(Delilah's Sicht auf Verano)
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Delilah » Donnerstag 25. Juni 2015, 01:13

Delilah stürmte mit all ihrer leuchtenden Freude in den Raum hinein, das breiteste Lächeln auf den Lippen, ein Strahlen in den neuerwachten Augen...doch bereits kurz darauf zuckte sie zurück wie ein gescholtenes Kind. Verano war bei ihrem Eintreffen aufgesprungen und die Novizin durchzuckte der Gedanke, ob er vor ihr „flüchten“ wolle. Seine Reaktion ließ sie sich fühlen wie ein Schneeball, der einen plötzlich von hinten am Kopf traf und aus dem freundlichen Gespräch riss. Ob dem wirklich so war, wusste sie jedoch nicht.
„Delilah ...“
Die Überraschung war aus seiner Stimme herauszuhören, doch da war auch noch etwas anderes, dass Delilah in ihrer Euphorie und dem „Schrecken“, ihn doch noch einmal zu treffen, nicht hinausfiltern konnte.
Sie musste sich am Türrahmen stützen, denn noch tanzten die Formen vor ihren Augen und sie war zu schnell in den Raum hineingesprungen. Einem Impuls folgend, wollte das Mädchen sich hastig entschuldigen und wieder nach oben gehen, ehe sie noch mehr Schaden anrichten konnte.
... doch Veranos Anblick brachte sie ins Straucheln und ließ die Worte ungesagt weiterziehen.
Sie blinzelte zweimal, was die Schlieren vor ihren Augen nur noch stärker ins Wanken brachte.
„Oh.“, war das Erste was Delilah herausbrachte.
Sie hatte vergessen wie ähnlich sich Leon und Verano sahen. Oder hatte der Graf nicht doch etwas anders ausgesehen beim letzten Mal? Es war so lange her, dass sie nicht nur seinen graublauen Lichtschatten gesehen hatte! Hatten seine Haare an diesem grauen und kalten Tag auf dem Bauernhof nur dunkler gewirkt, oder waren sie jetzt wirklich heller als damals?

Ihre Haare hatten sich schon lange aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst, nur noch die Blüten in ihrem Haar zeugten davon, wie viel Mühe Kadia und Luci sich noch vor einigen Stunden mit den goldenen Locken gegeben hatten. Das Mädchen kümmerte es wenig.

Delilahs Blick streifte über Veranos Züge und seinen ernsten Blick, der schwer auf ihr wog. Seine Augen waren immer noch so irritierend silbern, mit Spiegelungen verschiedenster Farben, die die Licht-Novizin plötzlich an ihre eigenen Fähigkeiten erinnerten. Ob sich ihre „Kinderaugen“ in ihren verblassten Iriden gespiegelt hatten?
Die Blondgelockte konnte dem silbernen Blick nicht mehr standhalten und so senkte sie den ihren. Das war ein Fehler, denn nun kam sie wirklich aus dem Gleichgewicht.
War Verano schon die ganze Zeit halbnackt durch das Haus gelaufen?!?! Nicht, dass sie es zuvor bemerkt hätte...

Delilah sah die Verbände über den Wunden, die sie zuvor ohne ihre Augen wahrgenommen hatte. Sie sah, dass seine Haut dort rötlich verfärbt war, wo das schneidende Gold ihn berührt hatte, wo er sie in die heilende aber doch schreckliche Quelle getaucht hatte. Warum war ihre Haut unversehrt?

„Er... er hat es geschafft...“, murmelte sie zögernd, auf ihre ursprünglichen Belange zurückkommend. Zaghaft schlich sich ihr Lächeln zurück auf ihre Lippen, das Veranos ernster Blick zuvor weggewischt hatte. Erst war es schief, als wüsste es nicht, ob es auf dem Aprikosenmund gut aufgehoben wäre, doch dann fasste es Vertrauen, als Delilahs Freude zurückkehrte.

Ihre Hand löste sich vom Türrahmen, als sie in den Raum eintrat, darauf bedacht, Verano nicht zu nahe zu kommen. Er hatte schon mehr als einmal sehr... merkwürdig darauf reagiert.

„ Er hat es getan! Er hat es wirklich geschafft! Es ist so wundervoll! Ihr beide seid so wundervoll! Es ist unglaublich, wie stark seine Magie ist... seine Verbindung muss ….unfassbar sein! Er schläft jetzt oben, Rukulla passt auf ihn auf... ich muss ihr auch noch danken...“ Ein unstoppbarer Fluss aus Worten flutete aus Delilah hinaus, als der Damm gebrochen war. „Als ich nach letzter Nacht nichts sehen konnte, hatte ich solche Angst! Aber Lysanthor hat mir seinen zweiten Engel geschickt und mir das Licht wiedergegeben!“ Ein Seufzer der Erleichterung löste sich aus ihrem Brustkorb, während sie wie auf Wolken durch den Speisesaal wanderte, unruhig, mit den Augen jeden Winkel erkundend.
Sie mied es absichtlich Verano, ihren Lebensretter, anzusehen, aus Furcht, in seinen Augen Wut zu sehen oder Ablehnung... und weil er irritierend spärlich bekleidet war. Stattdessen lief sie auf Baltos zu, den sie nun zum ersten Mal sah.

„Also haben die Männer bei euch wirklich so lange Haare und Bärte?!“, rief sie neugierig aus. Da waren ja Zöpfe in seinem Bart! Und sie hatte gedacht, Fanja hätte gescherzt. Aber Eiselfen scherzten wohl wirklich nie. Er wirkte so fremd! Seine Kleidung, seine Augenklappe! Delilah strahlte ihn an.

Ihr Blick fiel auf die Krüge mit Met und ihre Gedanken glitten zu Luci, die Jorsanerin sah zur verzierten Decke – davon hatte Kadia gar nichts erzählt! Oder? -, wo irgendwo ihre Freundin schlief. Sollte sie Verano erzählen was geschehen war? Doch Delilah entschied sie erstmal dagegen, sie wollte nicht, dass Luci doch noch Ärger bekam, weil sie sich betrunken hatte.

Sie konnte sehen! Wie verrückt! Wie unglaublich! Wie fantastisch!
Sie hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt, die Hoffnung fast verloren. Wenn Verano ihr nicht hatte helfen können, wer dann? Doch der Löwe hatte ihr Hilfe gebracht! Gunther, dieser wundervolle, sanfte, alte Mann! Sie musste ihm morgen früh noch einmal danken, das Mädchen war sich nicht sicher, ob er ihren gehauchten Dank vernommen hatte.

„Jetzt kann ich nach Hause! Ich kann wieder lernen, ich kann wieder helfen!“ Mit jeder Erkenntnis wurde die Freude in der Stimme des Mädchens deutlicher, ihr Lächeln breiter. Sie war Verano immer noch dankbar. Dankbar für alles, für seine Rettung, seine Heilung, den Tanz mit ihrem Vater. Sie wollte ihn einfach in ihre Freude einschließen und hätte er sie nicht bereits zurück gestoßen, wäre sie ihm wohl fröhlich lachend um den Hals gefallen. Doch sie blieb mit ihrem Lachen auf Baltos' Seite des Tisches.„Ich werde alle meine Liebsten wiedersehen!“ Mit dem Gedanken drehte sie sich freudestrahlend wieder zu Verano um und schenkte ihm ihr sonnigstes Lächeln.

„Ist das nicht wundervoll!? Ich kann wieder sehen!“
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Baltos » Donnerstag 25. Juni 2015, 09:15

„Natürlich helfe ich.“
Der Jäger nickte und prostete Verano zu. Als dieser seinen Mantel ablegte, konnte der Mantroner sich genauer die Verbände anschauen. Das sieht mir nicht so aus als wäre er im Kampf verletzt worden!
„Ich nehme an, unser Bekannter hat Eis geladen?“
Baltos zuckte kaum merklich mit seiner linken Augenbraue.
„Dann ist es ganz einfach, denn ich bin euer Käufer.“
Der Jäger grinste kurz, mit diesem Angebot würde er den Zwerg auf jeden fall dazu bewegen das Anwesen von Verano aufzusuchen.
„Rumpert wird krank vor Sorge sein und ich befürchte, er wird nicht länger warten, als er versprochen hat.“
Die Beiden Männer blickten sich kurz wortlos an. „Das denke ich auch!“
„Ich werde noch heute Nacht meine „Freunde“ aus schicken um Informationen einzuholen. Ihr solltet euch bald zu Ruhe begeben, denn morgen werden wir mehr wissen und entsprechend handeln.“
Eigentlich wollte Baltos gerade etwas erwidern als Delilah plötzlich den Raum betrat. Die Haltung vom Hausherr veränderte sich sofort. Er wirkte angespannt, wie ein Krieger der auf den Befehl seines Anführers wartete.
Seltsam!!!

Der Mantroner beobachtete die verklemmte Unterhaltung zwischen den Beiden, warum sich die kleine Robe und Verano so seltsam verhielten war den Jäger ein Rätsel aber er war auch nicht daran interessiert dieses zu lösen. Es freute ihn aber zu sehen das sich die Augen der jungen Frau verändert hatten.

„Er... er hat es geschafft...“, murmelte sie zögernd.
„ Er hat es getan! Er hat es wirklich geschafft! Es ist so wundervoll! Ihr beide seid so wundervoll! Es ist unglaublich, wie stark seine Magie ist... seine Verbindung muss ….unfassbar sein! Er schläft jetzt oben, Rukulla passt auf ihn auf... ich muss ihr auch noch danken...“ Ein unstoppbarer Fluss aus Worten flutete aus Delilah hinaus, als der Damm gebrochen war. „Als ich nach letzter Nacht nichts sehen konnte, hatte ich solche Angst! Aber Lysanthor hat mir seinen zweiten Engel geschickt und mir das Licht wiedergegeben!“

Der Jäger grinste und trank aus seinem Krug. Er wusste das Delilah laaaange reden konnte, ohne Luft zu holen.
Also haben die Männer bei euch wirklich so lange Haare und Bärte?!“ Baltos blickte von seinem Getränk auf und sah die strahlende kleine Robe an. „Natürlich haben wir das!“ Er lachte.

„Jetzt kann ich nach Hause! Ich kann wieder lernen, ich kann wieder helfen!“
„Ich werde alle meine Liebsten wiedersehen!“ Mit dem Gedanken drehte sie sich freudestrahlend wieder zu Verano um und schenkte ihm ihr sonnigstes Lächeln.
„Ist das nicht wundervoll!? Ich kann wieder sehen!“

Baltos erhob sich von seinem Platz er merkte kurz den Alkohol aber dieses Gefühl verschwand genauso schnell, wie es gekommen war. Er legte der jungen Frau freundschaftlich seine riesige Hand auf ihre winzige Schulter. Wie dürr sie ist! Dachte er sich dabei. "Verano wollte gerade gehen kleine Robe! Er wird mir bei meiner Abreise Helfen. Willst du vielleicht mit mir kommen und meinen Freund Nanuq kennenlernen?“
Er nickte kurz Verano zu als Zeichen das dieser jetzt gehen konnte, er würde sich um Delilah kümmern.
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Re: Zwischen Jersa und Rugta

Beitragvon Erzähler » Montag 29. Juni 2015, 10:12

Speisesaal

„Jetzt kann ich nach Hause! Ich kann wieder lernen, ich kann wieder helfen! Ich werde alle meine Liebsten wiedersehen!“
Sie drehte sich freudestrahlend wieder zu Verano um und schenkte ihm ihr sonnigstes Lächeln.
„Ist das nicht wundervoll!? Ich kann wieder sehen!“
Der Graf konnte nicht anders als dieses Lächeln zu erwiedern, auch wenn dieses Lächeln seine Augen nicht ganz erreichte und ein Schatten über seinem Blick lag.
"Ja, es ist wundervoll ... Ihr könnt jetzt wieder nach Hause."
antwortete er leise und beobachtete dann, wie Delilah sich dem Mantroner zuwandte. Die Zeit des Abschieds war schneller gekommen, als er gedacht hatte und Baltos Worte bestätigten dies.
"Verano wollte gerade gehen kleine Robe! Er wird mir bei meiner Abreise helfen. Willst du vielleicht mit mir kommen und meinen Freund Nanuq kennenlernen?“
Er nickte kurz Verano zu als Zeichen das dieser jetzt gehen konnte, er würde sich um Delilah kümmern. Verano nickte zurück und griff nach seinem Mantel. Zu einer anderen Zeit, in einer anderen Situation hätte man die Worte des Jägers auch falsch verstehen können, aber Verano wusste um die Geradlinigkeit dieses Volkes. Er hatte ihn gewiss nicht in seinem eigenen Haus hinaus komplimentieren wollen, also schmunzelte er nur kurz und nickte sich verabschiedend Delilah zu. Seine Worte waren jedoch an den Mantroner gerichtet:
„Bitte sorgt dafür, dass sie sich bald ausruht. Die Nacht ist nicht mehr lang und ihr werdet morgen sicher früh aufbrechen wollen. …
Er wandte sein Gesicht der jungen Licht-Novizin zu.
„Wir sehen uns dann morgen.“
Er deutete eine leichte Verbeugung an und zog sich dann zurück. Baltos und Delilah blieben allein in dem großen Saal zurück, voller Farben, Düfte und herrlichen Eindrücken. Delilahs Welt begann sich neu zu formen und nun endlich konnte auch sie der Zauber dieses Anwesens erreichen. All die kleinen und großen Wunder, die filigranen Schnitzereien an den Stühlen, die eleganten Lüster, das sanfte Flackern der Flammen in den gewaltigen, von steinernen Löwen bewachten Kaminen; das alles war wie ein wahr gewordener Traum. Alles begann wieder Konturen zu bekommen und sanfte Lichter von Kupfer, Silber und dunklem Grün tanzten über die Tischdecken, wo sich das Feuer, die Reflektionen der Kelche und der Schatten der Pflanzen im Hintergrund, mit einander vereinten. Es war einfach ein perfekter Abend.
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