Der Nebel der Dunsthügel

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.

Re: Der Nebel der Dunsthügel

Beitragvon Erzähler » Dienstag 31. Juli 2012, 11:37

Träume waren entweder das, was der Verstand bei Nacht noch zu verarbeiten hatte oder Botschaften der Götter, vornehmlich Manthala, denn sie war Herrin über die Nacht, Wächterin der Schlafenden und Sendbotin der Träume. Doch ganz gleich, wie man einen Traum nun auslegte, man wurde im Allgemeinen selten schlau aus dem, was er mitteilen wollte. Warum hatte Isildur sein elfisches Selbst gejagt? Was hatte es zu bedeuten? Ihm war klar, dass er sich im Rausch einer Hatz und im Körper des Wolfes nicht verlieren durfte, doch er selbst war auch bereits dieser Wolf. Er verlor nichts.
Der Traum zerrte noch an ihm, als Bryoja ihn bereits weckte und um wieder etwas Ruhe zu finden, floh er in eine Umarmung. Im ersten Moment rührte sich die Mantronerin nicht, war überrascht von der plötzlichen Handlung des Wolfselfen, den sie zwar für ein Plappermaul hielt, aber ebenso für einen ernsten Krieger - jemandem, dem man Respekt zollte. Es fühlte sich etwas ungewohnt an, ihn so dicht an sich zu spüren, aber bei weitem nicht unangenehm. Ihre Hände legten sich um Isildurs Körper, die Finger fuhren durch das Fell. Im ersten Augenblick gegen den Strich, aber Bryoja bewies ihre Kenntnis und den Umgang mit Wölfen. Schon strich sie das Fell wieder glatt, behielt nur einen kleinen Büschel zwischen den Fingern, wo sie kraulte. Es war knapp unterhalb des Nackens. Sie drückte Isildur an sich, sagte aber nichts. Das war vermutlich das Beste, was sie tun konnte. Sie und er brauchten nicht reden, das war etwas, das zu ihnen beiden nicht passte, wenn derartige Zärtlichkeiten ausgetauscht wurden. Gefühle und Beistand gingen über Worte hinaus.
Erst als sich Isildur löste, drang seine Stimme ans Ohr der Mantronerin. Sie nickte. "Schon gut. Gute Wacht", erwiderte sie und kniff ihm keck lächelnd ins linke Ohr, ehe sie sich den Platz zwischen Atka und Otis suchte. Die Stelle war noch angenehm warm. Sofort kuschelte sich der Schneewolf an seine Schwester heran. Otis lag mit dem Rücken zu ihr, ein kleiner Menschenberg, der bedrohliche Schnarchlaute von sich gab, aber keineswegs Gefahr darstellte. Allenfalls für Schlafmangel könnte er wohl derzeit sorgen.

Isildur übernahm die letzte Wachschicht. Sie lief ereignislos ab. Er hatte viel Zeit zum Nachdenken und während nächtlicher Nebel sich wie ein Film aus feuchten Wassertröpfchen über das Land legte und es in einen undurchsichtigen Schleier tauchte, brannte das Feuer nach und nach aus. Als nur noch die Glut matt glomm, keine Wärme mehr spendete, sank der Nebel auf Knöchelhöhe. Das Rauschen des Meeres schien mit dem Geschrei der Möwen lauter zu werden. Ein neuer Tag brach an.
Otis kam zuerst aus dem Zelt. Verschlafen kratzte er sich am Hintern, schlurfte ein wenig abseits und erleichterte sich erst einmal in die Dunsthügel. Kurz darauf huschte auch Atka aus der Schlafstatt. Er hatte es jedoch eiliger, zu Isildur zu kommen, hockte sich sofort vor den großen Wolf. "Meine Schwester ist ziemlich beeindruckt von dir. Die ganze Nacht hat sie deinen Namen gebrummelt." Er legte den Kopf schief. "Wirst du endgültig fester Teil des Rudels?" Er wartete keine Antwort mehr ab, denn er erspähte Möwen auf den Dünen, die zur Küste führten. In kindlichem Drang gefangen stürmte er auf die Vögel zu, jagte sie die Dünen herunter und sprang ihnen hinterher, dass Sand aufgewirbelt wurde.
Inzwischen näherte sich Otis, noch immer mehr verschlafen als wach. Das Hemd hing ihm aus der Hose, er machte keinen sehr ordentlichen Eindruck; schon gar nicht, als er seinen kleinen Finger ins Ohr steckte und ihn auf "Schatzsuche" schickte. "Im Eisreich kann ich euch nich' als Führer dien'n", meinte er. "Kenn mich da auch nich' aus. Das muss die Barbarin mach'n."
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Re: Der Nebel der Dunsthügel

Beitragvon Isildur Ranarion Ni'Tessin » Freitag 3. August 2012, 13:18

Seine Gedanken wanderten entweder zu seinem Traum oder aber, und das war ein viel schönerer Gedanke, an die Mantronerin. Sie hatte ohne weiteres ihn Halt gegeben, so wie er es innerlich gespürt hatte. Sein Fell im Nacken gekrault und ihn gehalten.
Der silberne Wolf schüttelte leicht den Kopf, warf den Zweig, den er hielt, in die Glut.
In der letzten Zeit gab es vermehrt Frauen in seinem Leben, die ihn etwas gaben, selbst obwohl er wölfisch war. Die Hymlianerin Sylcia, hatte sich in ihn verliebt. Zwar in den Elfen, aber sie war von den Wolf auch mehr als angetan, als er als Vierbeiner vor ihr gestanden hatte. Aber sie hatte ebenso geschockt, wie Yavanna geschaut, als sie mich so sah
Wäre ihn seine Wandlung nicht dazwischen gekommen, so hätte er bestimmt mindestens etwas für eine Nacht gehabt, auch wenn sie scheinbar mehr gewollt hatte.
Cattie und er hatten der Lust gefront, ohne das etwas daraus folgen musste. Die Piratin war von seinem wölfischen Aussehen sogar fasziniert gewesen und hatte es sichtlich und hörbar genossen.
Und Bryoja?
Tja, was ist mit ihr?
Sie hatte alles was er an einer starken Alphafrau mochte. Sie war kampferprobt, mutig und doch blieb ihre Weiblichkeit. Er fühlte eine Verbundenheit zu ihr, die er eben nicht bei Cattie fand. Cattie war eher wie der Wind, den man nicht lange halten konnte. So wie er auch immer war, keinen Abenteuer mit dem anderen Geschlecht ausschlagend.

Bin ich in der Zeit, wo ich tatsächlich auch über etwas Festes nachdenke?..oder will der Wolf es?
Die Stille der Nacht wich mehr und mehr. Die Luft roch frisch von Salz und den Dunst des Nebels.
Möwen erhoben sich aus ihren Nestern und begannen ihren Flug.
Das Feuer war nur noch eine leichte Glut, die kaum noch Brennstoff hatte.
Er erhob sich und machte eine kleine Runde, bevor die anderen wach wurden.
Seine morgendliche Wäsche war anders als früher, so dass sie eher aus einem sich kräftigen Schütteln und ordentlichen Trinken bestand, bevor man sich ebenso erleichterte.
Die Geräusche aus dem Zelt wurden weniger. Das Schnarchen endete und er konnte Atka hören, wie er scheinbar Bryoja wecken wollte. Isildur grinste, als er sich den Schneewolf bei seiner Weckaktion vorstellte. Vermutlich ähnlich wie es Nachtschatten mit Yavanna machte, oder Sturmkralle bei ihm.
Jedoch schnell vertrieb er die Erinnerung, es schmerzte.

Etwas Proviant aus dem anderen Zelt holend, setzte er sich nochmals auf den Stein. Kaum hatte er wieder platz genommen, da raschelte die Zeltwand und Otis trat raus. Fit sah der wirklich nicht aus.
na da bin ich froh, dass du keine Wache gehalten hast
Der Silberwolf sah den Piraten nach, doch nur bis zu dem Moment, wo Atka rausgewetzt kam. Skeptisch schaute der große Wolf auf seinen kleineren Freund.
“Guten morgen!”
Weiter kam nicht, Atka hatte wichtiges zu berichten.
bitte, sie hat meinen Namen gebrummelt?... oh?
"hab ich das?" konnte Isildur gerade noch erwidern, da folgte schon die nächste Frage. Nur antworten konnte er nicht mehr. Die Möwen nicht unweit entfernt riefen den Spieltrieb wach. Isildur konnte spüren, dass auch ein Teil von ihm Atka nachwetzen wollte, doch er blieb, wo er war. Das Knirschen auf den Boden ließ ihn zu Otis blicken.
"Morgen! Die Barbarin ist eine Mantronerin...und sie hat dir ihren Namen genannt, oder?" knurrte er entgegen. Er erhob sich.
"Sie hat gesagt, dass sie uns führen wird, wenn wir da sind!... wie fit fühlst du dich? Du kannst etwas zu essen vorbereiten, wir werden bald aufbrechen"
Befehle, das würde auch Otis merken, welche keinen Widerspruch duldeten.
"ich wecke Bryoja!" damit ging der Silberwolf zu dem Zelt und begab sich ins Innere. Einen Moment betrachtete er die Mantronerin, hielt einfach inne.
"Bist du wach?
Die Gedanken an das was Atka von ihr gesagt hatte, schlichen sich in seinen Geist. Hatte er nicht auch die Nacht über sie nachgedacht?
Seine Hand griff nach ihrer Schulter und zärtlich berührte er ihre Haut. Selbst wo er jetzt mehr Wolf war, sein Tastsinn hatte sich nicht verändert, dass konnte er nach der Sache mit Cattie beurteilen.
Er legte sanft seine hand auf, atmete dann tief durch und rüttelte sie energischer wach.
"Der Morgen ist da... du musst den Weg weiterführen!"
Sie konnten sich keine Zeit lassen, sie waren auf wichtiger Mission.
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Re: Der Nebel der Dunsthügel

Beitragvon Erzähler » Sonntag 5. August 2012, 11:08

Otis zuckte nur mit den Schultern. Ihm war es egal, wie er Bryoja nannte. Wichtig war doch, dass man sofort wusste, wer mit "Barbarin" gemeint war, oder nicht? Er selbst war der Halunke, der Pirat oder die arme Sau, die hier mit einem Wolfsmann umher irren musste, den er verraten hatte. Ja, und eben der Wolfsmann. Den jüngeren Schneewolf ignorierte er bislang vollkommen. Atka und Otis hatten keinen Draht zueinander, aber die beiden gingen ohnehin nicht groß auf den jeweils anderen ein. Genau dort konnte es wohl am besten funktionieren. Sie ließen einander in Frieden.
Der Schurke kam an das, was man nicht mehr Feuer nennen konnte. Er hockte sich auf einen der Felsen, die man genau zu diesem Zweck hierher gerollt hatte. Das Gras war noch zu feucht von Morgentau und Nebel. Otis wischte sich übers Gesicht und kniff sich in die Nasenwurzel. "Ich bin wach und munter. Gib mir einen Kaffee mit Rum und etwas Zeit, dann ... ach, verdammt!" Er stöhnte auf. Unter ihren Habseligkeiten war auch eine kleine Kanne, in der man Wasser aufkochen könnte, aber sie hatten das kostbare, schwarze Kaffeepulver vergessen. Etwas, das man in den nördlicher gelegenen Gebieten Celcias nicht unbedingt kannte. In Rumdett, Jorsan und Grandessa war es aber alltäglicher Stoff, um munter zu werden. Die Kaffeebohne wuchs am Rande des Kapayu und war beim südlichen Celcia-Volk sehr beliebt. Die Piraten tranken ihn zwar nur mit einem Schuss Rum, aber viele brauchten ihn gerade am Morgen, um dem Tagwerk nachgehen zu können. Otis schien einer dieser Piraten zu sein. Heute würde er keinen Kaffee bekommen und vermutlich auch für eine lange Zeit erstmal nicht. Er brummte, erhob sich. Ohne Widerrede ging er zum Vorratszelt und suchte Utensilien zusammen, um ein Frühstück vorzubereiten. Das lenkte wenigstens ab und dabei würde er schon richtig wach werden.

Es fehlte nur noch die Mantronerin. Isildur machte es sich zur Aufgabe, sie zu wecken. Sie lag halb zusammengerollt mitten auf den Fellen im Zelt. Sie schlief noch, wenn auch nicht mehr so tief wie wenige Stunden zuvor. Auf Isildurs Frage antwortete sie nur mit einem Laut, es konnte aber auch Zufall sein. Sie drehte sich, so dass sie dem Wolfselfen ihren Rücken präsentierte. Der Kopf schwand unter den weißblonden Haaren und ihrem rechten Arm. Erst als sie das Rütteln an ihrer Schulter spürte, regte sie sich. Gähnend hockte sie sich auf, strich ihre Mähne zurück. Sie schaute Isildur an. Selbst verschlafen strahlte sie doch diese mantronische Stärke aus, mit einer Spur Schönheit, wie jede Frau sie besaß, wenn sie erwachte. Natürlich stritten diese stets ab, in so einer Situation hübsch auszusehen, aber das waren sie. Denn niemals zeigten sie sich natürlicher.
"Morg'n ... mhm ... mach ich", burmmelte sie, rieb sich einen Moment lang den Schlaf aus den Augen, nur um dann überraschend schnell einen Arm um Isildur zu legen. Sie drückte ihn, kraulte sein Ohr und löste sich wieder von ihm. Es ging alles sehr schnell, dass man glauben konnte, es wäre gar nicht geschehen. Erst dann krabbelte sie aus dem Zelt, um sich eine Stelle zu suchen, wo sie sich frisch machen konnte.

Das spätere Frühstück bestand aus Möweneiern, die Atka am Strand aufgetrieben hatte, sowie Brot und einem Rest Krabbenfleisch und Fisch vom Vorabend. Es war genug da, um satt zu machen und Otis verstand wenigstens etwas vom Kochen. Dann begann man damit den Platz zu räumen, die Zelte abzubauen und aufzubrechen. Es nahm gute zwei Stunden Zeit in Anspruch, aber sie erreichten - wie von Bryoja vorausgesagt - am frühen Mittag die Grenze zum Eisreich. Zunächst merkte man die nahende kalte Landschaft an der Veränderung des Reichs der Dunsthügel. Der Bewuchs nahm ab, das Land formte sich in eine trockenere Tundra, in der nur noch die robusten Pflanzen eine Chance hatten. Hier und dort lag Reif wie ein kleiner, weißer Teppich auf hartem Erdboden. Pfützen besaßen eine leichte Eiskruste und das Land wurde zusehend karger. Schließlich wechselte es in ein noch trostloseres Bild, bis das Eisreich erreicht war, wo sämtliche natürliche Schönheit einem weiten Teppich aus weißer Schneepracht wich.


Du kannst hier gern noch einmal schreiben. Danach geht es weiter im Eisreich -> Schlittenfahrt
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