Auf zu neuen Abenteuern!

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.
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Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. Mai 2011, 10:04

Alea kommt von Das Königreich Jorsan -> Handelsdorf Ganda -> Das fröhliche Dorf

Ganda lag weit hinter ihnen. Devin war die ganze Nacht über gefahren und jetzt erhoffte er sich einen freundlichen Sonnenaufgang, als sie die Grenze zum Königreich Jorsan hinter sich ließen. Doch das Abenteuer des Jungen begann mit einem heftigen Regenschauer. "Schnell!", rief er, bremste das Pferd ab und kletterte nach hinten zu Alea und Rejan in den Laderaum. "Dort sind lange Holzstehlen. Stelll sie auf und spann eine der Decken darüber." Dafür dass es Alea war, die bereits auf Abenteuern gewesen war und Devin der Neffe des Wirts, für den er die Böden gewischt hatte, stellte sich der Bursche äußerst geschickt in seinem von ihm erwählten neuen Leben an. Er zückte ein kleines Messer und durchtrennte den Strick, mit dem sie in der Nacht zuvor den noch immer unter einem Fluch leidenden Rejan aus dem ersten Stock in den Wagen gelassen hatten. Er gab Alea jeweils zwei abgeschnittene Stück und teilte den Rest des Seils gleichmäßig auf. So gelang es, die Stehlen an den Ecken des Karren festzubinden.
Insgeheim ärgerte sich Devin, dass sein Onkel nie erwogen hatte, einen Karren zu kaufen, der ein Bogendach besaß. Aber er fuhr bei schlechtem Wetter nicht heraus und der Karren hatte bisher lediglich dazu gedient, kleinere Dinge aus den entfernteren Enden des Dorfes Ganda abzutransportieren oder wenn Devin kleinere Botengänge zu den umliegenden Höfen machen sollte. Er war nie dazu gedacht, einfach auszureißen und länger als einen Tag fortzubleiben. Aber der Onkel würde sich nun wundern. Devin war fort, der Karren und das Pferd ebenfalls. Keines der drei sollte der Mann jemals wiedersehen, das hatte sich der Junge geschworen. Vielleicht würde sein Oheim von ihm hören. Eines Tages, wenn er es zu etwas gemacht hatte. Wenn Celcia ihn als Helden kannte! Wunschträume eines jeden Burschen.

Devin sprang aus dem inzwischen abgedeckten Laderaum. Er löste das Pferd aus der Vorspannung, so dass es ein wenig Bewegungsfreiraum bekam. Zunächst stapfte es ein paar Schritte, schnupperte an dem wilden Gras, das hier über die vielen Hügel wuchs wie ein dichter Teppich. Es fraß sogar, aber letztendlich entschied das Tier, dass der Regen auch kein Wetter für es war. So kehrte es zum Karren zurück, streckte seinen Kopf unter die Überdachung. So blieb wenigstens dieser trocken. Auch Devin war dorthin zurückgekehrt. Er hockte sich in eine Ecke, wrang sein strohblondes Haar aus und winkelte anschließend die Beine an, um Arme und Kopf auf den Knien zu betten. "Rumdett ist noch ein ganzes Stück", versuchte er, ein Gespräch anzufangen. "Gibt es dort wirklich nur Piraten? Sind sie böse? Warum willst du an ihren Strand?" Der Junge stellte einen Haufen Fragen, schon seit Alea ihn kennen gelernt hatte. Aber er war so wissensdurstig, fürchtete er doch, die interessanten Dinge des Lebens könnten ihm entgehen, wenn er nicht fragte. So schaute er Alea neugierig an, auf die vielen Antworten gespannt, die sie ihm noch schuldig war.
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Dienstag 31. Mai 2011, 19:51

Wie geheißen hatte Alea Decken über Rejan ausgebreitet und sich einfach neben ihn unter die Decke gesetzt, damit er es warm hatte. Und für sie selbst war das auch nur ein Vorteil. Inzwischen war sie sogar recht froh und überzeugt von ihrer eigenen Entscheidung, Devin mitzunehmen. Er kannte sich hier besser aus als sie und er konnte den Wagen lenken. Ihr war es gerade mal gelungen sich an den Zügeln eines Pferdes festzuklammern. Das Hab und Gut auf einem Karren traute sie sich dann doch nicht zu lenken. Schließlich sollte alles heil am Ziel ankommen.
Das Schaukeln des Karrens hatte eine beruhigende Wirkung auf sie und die dunkle Nacht trug nicht gerade dazu bei, dass sie wacher wurde. Daher döste sie friedlich neben Rejan und vertraute Devin voll und ganz.

Geweckt wurde sie von den ersten Tropfen des Regens und schlug die Augen auf. Da hielt auch schon ihr neuer Reisebegleiter an und rief ihr zu, was sie zu tun hatte. Zuerst schaute Alea ihn recht irritiert an. Holzbalken aufstellen und eine Decke darüber spannen? Dann verstand sie aber, was er vorhatte und half ihm dabei, das seltsame Gebilde aufzubauen, indem sie die Stehlen wie gewünscht aufstellte und mit den Seilen fixierte, die er ihr gab. Danach breitete sie eine Decke über die vier Stehlen auf, während der Regen immer stärker wurde. Die Enden der Decke fixierte sie wiederum an den Holzstehlen und bevor das Unwetter wirklich los ging, saßen sie alle zusammen unter dem provisorischen Dach. Auch durch Aleas Kopf schlich einen Moment der Gedanke, wieso sie keinen Karren mit einem Dach besaßen. Allerdings schob sie diesen Umstand, an dem sie nun eh nichts mehr ändern konnten, zur Seite und war froh, dass sie überhaupt so ein Gefährt besaßen.

Außerdem war Devin schon wieder dabei, sie auszufragen. Nichts, was sie störte. Im Gegenteil, es freute sie, dass er sich so sehr für ihr Leben interessierte. "Ob es dort nur Piraten gibt, kann ich dir nicht sagen. Ich selbst war sogar nur ein paar Stunden dort. Wir haben gerade erst von Xytras dort angelegt." Sie grinste leicht, in freudiger Erwartung seines sicherlich neu entfachten Interesse. Sie konnte selbst kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen war und wie viele Orte sie in der letzten Zeit besucht hatte. Sicherlich rechnete er nicht damit, dass sie geradewegs aus der Amazonenstadt kam. Sie war gespannt auf seine Reaktion. "Ich kann dir aber auf jeden Fall sagen, dass Amazonen mit uns gereist sind und es außer Piraten mindestens sie zur Zeit dort gibt. Ich hatte schon den Eindruck, dass die Piraten nicht sehr umgänglich und eher rau sind. Männer eben." Sie grinste kurz und scherzhaft, damit er nicht auf die Idee kam, sie würde ihn damit dazu zählen. "Aber ob sie böse sind, kann man so pauschal wohl nicht sagen. Ich habe Cattie kennen gelernt und sie erschien mir sogar recht nett."

Sie machte eine kurze Pause und wartete auf Devins Gegenfragen, die sie erwartete. Dabei griff sie in ihre Hosentasche und zog die gefaltete Schatzkarte heraus. Das Stück Papier hielt sie Devin auffordernd hin. "Deshalb muss ich an ihren Strand. Sieh es dir an." Auffordernd wedelte sie mit dem Zettel, damit er ihn nahm. "Ich glaube, dort finde ich die Schriftrolle", schloss sie und ließ Einzelheiten, die sie gerne erzählt hätte, aus. Aber sie befürchtete dann in einer Flut von Fragen zu versinken, dabei wollte sie jede so gut es ging beantworten, um seinen Durst nach Abenteuern und Geschichten zu stillen.

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 1. Juni 2011, 15:56

Es schien richtig gewesen zu sein, den Jungen mitzunehmen. Er mochte auf Abenteuer aus sein, aber vor allem verstand er etwas vom Karren lenken und reagierte schnell auf seine Umwelt. Alea und Rejan wären möglicherweise klatschnass gewesen, ehe sie eine Art Unterstand hätte herrichten können. Devin war da flink wie ein Wiesel und so konnte man es ihm verdanken, dass sie nun alle im Trockenen saßen. Der Regen prasselte auf die überspannte Decke, aber er drang nicht zu ihnen durch. Das rhythmische Geräusch der Tropfen, die hart auf das Leinentuch trafen, weckten den Wunsch, es sich mit einer heißen Tasse Tee vor einem Kamin gemütlich zu machen. Die Gruppe besaß weder das eine noch das andere, also mussten sie damit vorlieb nehmen, sich mit Gesprächen abzulenken. Devin sorgte für die nötigen Fragen, die eine solche Unterhaltung ins Rollen brachten und Alea lieferte die Antworten. Der Junge wollte eine Menge wissen. Vor allem aber saugte er jedes Wort der Diebin auf wie ein Schwamm.
Ein großer Schwamm hätte nun vielleicht auch gegen den Regen geholfen. In Sarma schüttete es so gut wie nie und schon gar nicht mit solcher Heftigkeit. Das musste selbst für Alea ein naturphänomenisches Abenteuer darstellen. Aber dies war nichts im Vergleich zu dem, was Alea alles Wunderbares in Devins Augen bereits erlebt hatte. "Xytras?!" Er keuchte. Seine Augen waren weit aufgerissen und schon rutschte er ein Stück näher an Alea heran. Neugier sprang ihr entgegen wie ein geifernder, hungriger Wolf, der sich auf seine Beute stürzte. Sie troff dem Jungen quasi aus den Mundwinkeln heraus. "Aber ... das ist doch die Insel dieser schlagfertigen Frauen. Dieser Amazonen!" Nun klappte ihm auch noch die Kinnlade herunter, als die Diebin genau dies bestätigte. Er rieb sich die Augen, blinzelte mehrmals und hauchte aufgeregt: "Kneif mich, ich glaub, ich träume. Erst Piraten, dann Amazonen und du hast auch noch die furchtlose Cattie kennen gelernt? Ihr Name ist sogar auf dem Festland bekannt. Mein Onkel erzählt Geschichten von ihr - nicht mir!" Er schüttelte heftig beide Hände. "Jeder weiß ja, wie blutrünstig Erzählungen mit der furchtlosen Cattie enden. Nichts für kleine Jugnen wie mich, sagt mein Onkel, aber ich hab sie trotzdem alle mitanhören können und dann nächtelang schlecht geschlafen. Woaaahhhh und diese Cattie kennst du wirklich? Donnerwetter, da soll mich doch der Faldor holen!" Dann jedoch verschränkte er die Arme vor der Brust. Außerdem legte sich ein keckes Grinsen auf sein Gesicht. "Aber dass sie nett ist, sagst du nur so, nicht wahr? Jeder weiß, wie Cattie sein kann. Die ist blutrünstig und brutal. Sie schneidet ... sie ..." Er wurde plötzlich ruhig, blickte sich verstohlen um. Aber hier, mitten im Reich der Dunsthügel, zwischen Gräsern und jeder Menge Regentropfen, hörten ihn niemand außer Alea und das mächtige Zugpferd. "Sie soll Männern die ... du weißt schon was und wo ... abschneiden. Macht sie das?" Er schauderte. Kein Mann und kein Junge wollte daran auch nur denken.
Die Antwort darauf interessierte Devin wirklich sehr. Allerdings konnte er sich auch für die Karte begeistern, die Alea ihm entgegen streckte. Er nahm sie vorsichtig in Augenschein. Für ihn waren es jedoch nur eine Menge Kritzeleien auf einem zerfledderten Stück Papier. Devin war nicht geübt im Kartenlesen. "Und aus diesem Bild heraus weißt du, wo du hin musst? Du bist wirklich eine richtige Abenteurerin! Ich sehe nur Striche, Kreise und ein großes Kreuz."
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Freitag 3. Juni 2011, 14:31

Devin reagierte so, wie sie es erwartet hatte. Und ihr machte es ungemein Spaß, den Jungen in Erstaunen zu versetzen. Außerdem wurde ihr mit jedem kleinen Teil, den sie aus ihrer eigenen Abenteuergeschichte erzählte, eben diese immer bewusster. Sie hatte das Gefühl, um die halbe Welt gereist zu sein. Und es würde weitergehen, sobald sie die Schriftrolle gefunden hatten. Dann konnte sie weiter mit Rejan reisen. Aleas Grinsen wurde zu einem Lächeln, bis Devin sie weiter über Cattie ausfragte. Das Grinsen kehrte zurück auf ihre Lippen. "Nein, ich fand sie wirklich recht umgänglich", bekräftigte sie dann, zuckte aber mit den Schultern, "aber das darfst du ihr wahrscheinlich nicht vorhalten, falls wir sie sehen sollten. Ich muss dir aber ehrlich sagen, dass ich nicht viel über das restliche Celcia weiß. Ich habe mein Leben lang auf Sarma gelebt, deshalb kenne ich eure Geschichten hier auch nicht so gut. Ich kann dir aber sagen, dass sie in meiner Gegenwart niemanden irgendetwas abgeschnitten hat." Sie musste kurz lachen und schüttelte den Kopf. Gleichzeitig beschloss sie, Stillschweigen über die Amazonen zu halten. Sie hätte ihm erzählen können, was die Amazonen mit Rejan geplant hatten, aber sie wollte ihm keine Angst einjagen. Und sie hoffte, dass die Frauen Erbarmen mit ihm zeigen würden, immerhin war er noch ein Kind. Hoffentlich waren Caitlin und die anderen überhaupt noch da..

Etwas misstrauisch schaute Alea den Pferdekopf an, der ihr bedenklich nahe kam und an ihm vorbei in den strömenden Regen. Er erinnerte sie an die Regenzeit, aber mehr konnte sie mit dem Nass auch nicht in Verbindung bringen. Es erstaunte sie, dass das Unwetter kein Ende nahm. "Genau, und zu dem roten Kreuz müssen wir." Sie sah zurück zu Devin und rutschte dann ein Stück näher, bis sie auf die Karte zeigen konnte. Sie zeigte auf einen Punkt, über dem ein Schriftzug ragte. "Das hier ist Rumdett, die Piratenstadt. Und hier verläuft die Küste, das Meer." Ihr Finger strich die Konturen der Küste entlang, bis er auf das rote Kreuz in der Bucht traf. "Und hier .. ist der Schatz. Die Schriftrolle, hoffe ich." Ihre Augen leuchteten. Im Gegensatz zu ihm konnte sie mehr Begeisterung für die Schatzkarte aufbringen als für die Piratenfrau, deren Legenden über sie ihr nicht ganz so sehr vertraut waren. Alles in ihr sträubte sich gegen den Gedanken, dass sie nur einen alten Stiefel unter dem Kreuz finden würde. Es musste einfach die Schriftrolle darunter liegen. Es war etwas Magisches, so viel stand fest. Hoffentlich die Schriftrolle der Schattenmagie.

Sie lehnte sich wieder zurück und schaute nun ihrer statt neugierig Devin an. "Du scheinst dich recht gut in der Wildnis auszukennen. Warst du oft mit deinem Onkel unterwegs?", fragte sie frei heraus, aber freundlich und nicht drängend. Sie wollte mehr über den Burschen wissen, den sie mit sich genommen hatte. Immerhin war er nicht nur der Kutscher und sie die Reisende. Es verband sie nun mehr, sie waren Gefährten und da musste man dem anderen vertrauen lernen. Darauf kam es auf der Straße an. "Was bedeuten die Soldaten in eurem Gasthof? Es herrscht Krieg oder?" Sie traute sich nicht danach zu fragen, hoffte aber, er würde ihr sagen, wo er überall herrschte. Auf dem Meer hatte sie nur die Pläne Finns entdeckt. Er würde die Dunkelelfen unterstützen. Aber was hatten sie vor? Welche Städte wollten sie einnehmen? Und in welchen ist ihnen dies inzwischen gelungen..?

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Sonntag 5. Juni 2011, 11:53

Jetzt musste Devon doch die Stirn runzeln. Cattie, die furchtlose Piratin, sollte nett sein? Und sie verzichtete darauf, es einem Mann heimzuzahlen, indem sie ... Dinge ... abschnitt? "Bist du sicher, dass du auch die richtige Cattie getroffen hast und sich mit dir nicht bloß jemand einen Scherz erlaubt hat?" Dann aber schüttelte er über seine Frage selbst den Kopf. "Schon gut. Sie muss es gewesen sein. Niemand würde sich trauen, ihre Doppelgängerin zu spielen. Wahrscheinlich würde sie so einem dreisten Menschen den Kopf vom Hals trennen." Er lachte.
"Wir haben viele schöne und aufregende Geschichten. Sarma liegt auf einer Insel, nicht wahr? Der Händler Dorscho meinte, es soll dort so heiß sein, dass sogar die Luft flimmert. Ist das wahr? Und von dort kommst du? Kann man bei einer solchen Hitze überhaupt einen klaren Gedanken fassen? Ich finde schon die Sommer in Jorsan zu heiß. Da rinnt einem der Schweiß in Sturzbächen vom Rücken, wenn man unter der brütenden Sonne den Stall ausmisten oder das Dach reparieren muss." Ohne es bewusst zu wollen, teilte Devin der Wüstendiebin unglaublich viel von seinem Leben mit. Sie erfuhr so von seinen Tätigkeiten und Pflichten, außerdem konnte sich Alea wohl nun einen deutlicheren Reim darauf machen, wie Devin von seinem Onkel behandelt und genutzt wurde - nämlich als Arbeitskraft und nicht als der Sohn eines Bruders oder einer Schwester, um den er sich liebevoll zu kümmern hatte. Kein Wunder, dass es den Jungen da in die große weite Welt hinaus zog.

Das bevorstehende Abenteuer gab Alea mit ihrer Karte vor. Sie versuchte, das Interesse des Jungen dafür zu wecken, doch Linien und gezeichnete Landabschnitte auf einem Stück Papier waren nicht das, was Devin in helle Begeisterung versetzten. Er lauschte lieber ihren Worten, guckte sich immer wieder um anstatt einen konzentrierten Blick auf die Karte zu werfen. "Du wirst den Weg schon finden, oder?" Eine Frage, aus der hervor ging, dass er sich nicht näher mit der Navigation und Geographie beschäftigen wollte. Lieber wurde er bei dem Wort Schatz hellhörig. "Kann denn eine Schriftrolle ein Schatz sein? Ich ... kann nicht sehr gut lesen. Nur ein paar Wörter. Mein Onkel meinte, ich muss es nicht können, um die Schankstube auszufegen." Gefördert worden war er also auch nicht. Das Verhältnis zu seinem Onkel schien nicht das beste zu sein. So kam von Devin auch nur ein schnaubendes Lachen, als Alea im Plauderton nach gemeinsamen Unternehmungen mit dem Wirt fragte. "Der war nie mit mir unterwegs. Aber manchmal bin ich ausgerissen und hab versucht, das Leben meines Vaters nachzuahmen. Er war ein umher ziehender Schausteller. Meine Mutter war Seiltänzerin. Sie haben so viele Städte und Dörfer besucht! Ich erinnere mich leider nicht mehr wirklich an diese Zeit. Nur, dass ich mit dem Elfen der Gauklertruppe oft in den Wäldern umher gestreift bin. Ein echter Elf, das musst du dir mal vorstellen! Er konnte sogar zaubern, glaube ich. So wie du, nur ... anders. Also nicht mit Schatten, verstehst du? Sein Name war Tanmérel. Ich mochte ihn." Devin verfiel für einen Moment in Schweigen, aber es war keines von der melancholisch traurigen Sorte. Der Bursche schaute vor sich ins Nichts, träumte. Man sah es seiner Nasenspitze an und dem Lächeln, das auf seinen Lippen lag. Offensichtlich erinnerte er sich an die Zeit mit Tanmérel.

Erst Aleas Frage zu den in Ganda stationierten Soldaten und ob denn auch hier Krieg herrschte, brachten ihn in die Realität zurück. Er zuckte mit den Schultern. "Es herrscht doch immer Krieg, jedenfalls zwischen den beiden Königreichen. Jorsan und Grandessa mögen sich nicht besonders. Die Könige verschwenden einen Haufen ihrer Ressourcen, um sich gegenseitig an den Grenzen zu bekämpfen. Manchmal breitet sich der Krieg aber auch ins Landesinnere aus. Die Soldaten sind eigentlich immer mal in Ganda unterwegs. Sie beschützen uns. Aber in letzter Zeit wurden es mehr. Der König fürchtet einen heftigeren Angriff auf sein Reich, weil Grandessa sich mit den dunklen Völkern zusammengetan haben soll. Die ziehen zwar gegen ... öhm ... Andia oder so ähnlich, aber wenn sie zurückkommen könnten sie es anschließend auf Jorsan abgesehen haben. So eine Art Übereinkunft zwischen Grandessa und den Dunkelelfen. Die helfen denen und verlangen dann umgekehrt, dass man ihnen hilft. Aber wir sind ja jetzt nicht mehr dort. Wir erleben andere Abenteuer, ohne Krieg. Nicht wahr?"
Der Regen wollte nicht aufhören. Das Pferd wieherte. Ihm gefiel es nicht besonders, so klatschnass zu werden. Immer wieder schlug es mit seinem Schweif oder drängte den Kopf dichter an die geschützten Personen unter der Plane. Devin kraulte dem Tier die Ohren. "Ist schon gut, General. Wir ziehen bald weiter."
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Donnerstag 7. Juli 2011, 12:06

Auf Cattie ging sie nicht weiter ein. So weit sie wusste, hatte sie tatsächlich die echte Cattie getroffen und da sie die Geschichten der westlichen Welt nicht kannte, war ihre Beschreibung aufthentisch und konnte sich nicht mit den Furcht einflößenden Gerüchten, die diesen Teil der Welt bevölkerten, messen. Die Piratenbraut hätte die Worte der Wüstendiebin wahrscheinlich nicht gut geheißen, denn statt ihren Ruf zu bestätigen, hatte sie die Piratenbraut gänzlich anders beschrieben. Eben so, wie sie sie erlebt hatte.
Alea freute sich, dass Devin Interesse an Sarma zeigte, der Stadt, in der ihr Herz schlug. "Ja, Sarma liegt auf der Insel Belfar im Osten. Weit weg von hier." Das nahm sie jedenfalls an, denn die Reise bis an diese Ufern war voller Umwege und lang gewesen. Im Endeffekt war es nur ihre persönliche Einschätzung. "Ich bin in Sarma geboren, daher macht mir die Hitze nichts aus. Ich mag die Wärme. Hier bei euch ist es mir eigentlich zu kalt. Ich weiß nicht, ob ich lange hier leben könnte." Sie grinste Devin kurz an. Schon der Weg von Rumdett in Devins Heimatdorf war kalt gewesen. Und jetzt wo es regnete, kühlte sich das Wetter abermals ab. "Ich bin das Wetter dort gewohnt, deshalb macht es mir nichts aus. Die Hitze ist mir lieber als der Regen hier. Obwohl es auch bei uns Regenzeiten gibt. Und ja, die Luft flimmert vor Hitze und in der Wüste muss man aufpassen, dass man sich nicht in Fata Morganas verliert. Das sind Luftspiegelungen, die einem oft schöne Dinge vorgaukeln, die dort gar nicht sind." Sie lächelte bei den Erzählungen über ihre Heimat und sah zu Rejan hinüber. Noch immer wirkte er so leblos und sie hoffte, eines Tages mit ihm zurück nach Sarma reisen zu können.

Über Devins kurze Frage bezüglich des Weges schmunzelte sie kurz und faltete die Karte dann wieder zusammen und steckte sie zurück in die Tasche ihrer Hose. Der Junge zeigte kein Interesse an Schatzkarten, aber das störte sie nicht weiter. Es war schließlich ihr Ziel, dorthin zu kommen. Ob sich der Junge dafür interessierte oder nicht. Scheinbar bezog sich sein Desinteresse aber wirklich nur auf die Karte, der Schatz selber schien ihn in gleiche Aufregung wie sie selbst zu versetzen. "Dort wo ich die Karte gefunden habe, stand etwas von einem magischen Artefakt. Dass ich nicht eher darauf gekommen bin, dass damit die magische Schriftrolle gemeint sein könnte." Das ärgerte sie tatsächlich immer noch und vermutlich würde der Ärger über sich selbst auch so schnell nicht wieder abklingen.

Sie hörte Devin interessiert zu und bekam mit jedem Satz ein besseres Bild von seinem Leben. Sein Onkel hatte ihn wohl aufgenommen, um sich eine teure Arbeitskraft zu sparen. Statt ihn Kind sein zu lassen, hatte er ihn für die Drecksarbeiten eingesetzt und offenbar nicht daran gedacht, Devin eine bessere Zukunft als ihm selbst zu bereiten. Aleas Gesicht verfinsterte sich, als er davon erzählte. Sie selbst hätte so viel für eine bessere Kindheit gegeben. Doch immerhin hatte sie stets Freunde an ihrer Seite gehabt, denen es ähnlich wie ihr ging und mit denen sie viele spaßige Dinge erlebt hatte. Gelernt hatte sie später von den Wüstendieben. Doch im Nachhinein wünschte sie sich nichts sehnlicher, als dass sie mehr Zeit mit ihren Eltern gehabt hätte und diese ihr alles Wichtige fürs Leben gelehrt hätten.
Auch Devin dachte an seine Eltern und erzählte ihr ein wenig von ihnen. Sein Lächeln bei den Erinnerungen war ansteckend. Schausteller als Eltern und Bekanntschaften mit unterschiedlichen Völkern wie Elfen. Das klang allerdings aufregend und spannend. Alea konnte sich den Gaukler und die Seiltänzerin gut vorstellen und verlor sich einen Moment in den Vorstellungen. Dann schaute sie Devin nachdenklich an und zögerte einen Moment, eher sie sich zu der Frage durchrang, die sich ihr bei seinen Erzählungen stellten. Auch wenn er im Moment so glücklich zu sein schien und sie ihn nicht an die Trauer erinnern wollte, fragte sie sich, was mit seinen Eltern geschehen war.
"Darf ich fragen, was mit deinen Eltern passiert ist? Wie bist du zu deinem Onkel gekommen?" Es war sicher schwer für ihn, zum einen die Erinnerungen an die glückliche Zeit mit seinen Eltern zu wissen und in der Realität mit seinem Onkel zusammen zu leben, der nicht viel von seinem Neffen zu halten schien. Dabei schien er klug und gewitzt zu sein, sicher würde noch jemand Großes aus ihn werden, Alea war sich da so gut wie sicher.

Zu den Kriegen zwischen Jorsa und Grandessa nickt sie verstehend. Sie versuchte sich sowohl die Städtenamen als auch die Zusammenhänge zwischen den Städten im Krieg zu merken. Doch das war nicht so einfach, wenn man bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Städte gekannt, geschweige denn gehört hatte. Offensichtlich machte sich Devin keine Gedanken um den Krieg und dass seine Heimat bald davon betroffen sein konnte. Das war traurig, aber inzwischen für Alea verständlich. "Dann ist es gut, dass wir weggehen", meinte sie zustimmend. "Und ich hoffe sehr, dass wir nicht Teil des Krieges werden. Wenn es nach mir geht, reichen die Abenteuer, fern von allen Kämpfen."
Sie schaute zu General - ein seltsamer Name für ein Tier -, der sich näher an ihnen drängte. "In meiner Heimat müsstest du dir die meiste Zeit des Jahres keine Gedanken um so ein scheußliches Wetter machen." Sie lachte kurz und streckte dem Tier dann sehr vorsichtig ihre Hand hin, um es an den Nüstern zu berühren, da sie glaubte, diese Pferde mochten diese Berührung.

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. Juli 2011, 12:14

Der Regen hatte sich in ein rhythmisches Prasseln auf der Decke über ihnen gewandelt, die der Kutsche nun als Plane diente. Sie war eine gute Wahl, saugte sich zwar mit dem Nass auf, ließ aber nichts zu Alea, Devin und Rejan hindurch tropfen. Einzig der arme General, das Pferd, musste sich damit begnügen, einen nassen Hintern zu bekommen. Das gefiel ihm nicht sonderlich. Er schlackerte mit den Ohren und schnaubte, den Kopf immer tiefer in die Kutschenhöhle steckend. Am liebsten wäre er wohl zu den Menschen hinein gekrochen. Brav lauschte das Tier ihren Ausführungen, obgleich es weder von Sarma, Belfa oder Schätzen eine Ahnung hatte. Ein wahrer Schatz wäre jetzt ein schöner Unterstand und etwas frisches Stroh.
Devin aber machte große Augen. "Glaubst du, bei dem Schatz ist noch mehr als eine alte Schriftrolle zu finden? Vielleicht Geld oder Edelsteine? Ich hab mal einen Topas gesehen. Groß und gelb war der. Er ruhte genau auf der Brust eines edlen Mannes, der durch das Land zog. War ein Graf oder Fürst. Er hat sich Geld von den Bauern unseres Dorfes geholt. Stoiertreiber oder so nannte der sich. Ein komischer Mann, er kam mit einem halben Dutzend Soldaten und ging mit einer vollen Truhe." Devin schüttelte verständnislos den Kopf. "Die meisten Bauern haben ihn nicht gemocht. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, warum. Er mochte etwas seltsam gewesen sein, aber der Topas sah toll aus!" Plötzlich gähnte der Junge. Die Müdigkeit hielt bereits Einzug, vor allem, wenn man nicht viel mehr tun konnte, als abzuwarten, dass sich das Wetter besserte. Unschuldig schmiegte sich der Bursche an Alea heran, bis sein Kopf auf ihrer Schulter lehnte. Ein weiteres Gähnen. Die beiden tauschten nun Körperwärme aus. Rejan könnte davon sicherlich auch gut etwas vertragen. Der Regen kühlte das Umland aus.

Doch ehe der Schlaf sie alle einholte, wollte Alea von ihrem kleinen Begleiter noch etwas wissen. Wie kam es dazu, dass er von seinem Onkel weiter großgezogen wurde? Ein Leben bei Schaustellern wäre doch sicherlich um so vieles interessanter gewesen und gerade ein begeisterungsfähiger Junge wie Devin hätte sich dadurch bereichern können. Warum also zog er nicht mit den Eltern durch die Ländereien? "Ich weiß nicht, wo sie sind", gab er zur Antwort. "Mein Oheim hat mir erzählt, sie seien mit ihrer Truppe in Grandea eingezogen. Gefährlich für Jorsaner, aber als Schausteller galten sie wohl als neutral. Trotzdem seien mein Vater und einige andere als Spione bezichtigt worden. Der König hat sie festnehmen lassen. Ich glaube, mein Pa wurde hingerichtet." Kurz verfiel Devin in Schweigen. Diese Nachricht musste für den damaligen kleinen Jungen schon schwer gewesen sein. "Meine Mutter und mich hat man verschont. Sie haben sie fortgebracht, aber ich weiß nicht, wohin. Schickt ihn zum Bruder meines Mannes, soll sie gesagt haben. Damit hat sie mich gemeint. Sie wollte nicht, dass ich mit ihr gehe. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich schützen wollte oder einfach nicht stark genug geliebt hat, als dass sie sich ein Leben mit mir, aber ohne Pa hätte vorstellen können." Er war immer leiser geworden, nun hielt erneutes Schweigen an. Sacht kuschelte er sich noch etwas näher an Alea heran. Sie war weich und das gefiel Devin. Es erinnerte ihn an seine Mutter.
"Nach Grandessa möchte ich nicht unbedingt", meinte er plötzlich. "Das ist ein Königreich, mit dem ich nur Schlechtes verbinde. Ich glaube, da ziehe ich sogar Rumdett und die furchtlose Cattie vor. Werden wir auch auf ein Schiff gehen? Ich war noch nie auf einem Schiff." Langsam fielen ihm die Augen zu. Selbst das Gähnen kam nur noch halbherzig. Manthala forderte ihren Tribut und holte Devin ins Traumland. Ob Rejan schlief? Er rührte sich nach wie vor nicht. Aber Alea hatte ihn in ihren Träumen getroffen. Vielleicht verhieß die heutige Nacht eine weitere Begegnung mit ihrem Wüstendieb.
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Montag 11. Juli 2011, 20:39

Still lauschte sie Devins Erzählungen von dem Steuereintreiber, wie sie grinsend vermutete. Geld und Juwelen, vor allem letztere würden sie auch reizen. Es gab in den Augen der Diebin nichts Schöneres als funkelnder Schmuck. Hatte doch nicht zuletzt eine Brosche mit einer mysteriösen Echsenschuppe sie erst auf dieses große Abenteuer gebracht. Sie seufzte leise und schaute dem gähnenden Jungen von der Seite an. "So sind die Menschen. Holen sich von den Armen das, wovon sie selbst schon genug im Überfluss haben. Geld", murmelte sie leise und ließ Devin lächelnd gewähren, als er sich an sie lehnte, auch wenn es sie überraschte, wie vertraut er schon mit ihr umging. Sie sah auf ihn hinab und betrachtete ihn einen Moment lang. "Edelsteine fände ich nicht schlecht. Die, die ich bisher sah, sind wirklich schön." Verträumt lächelte sie und auch sie befiel langsam die Müdigkeit der letzten Nacht, aus der Devin sie aufgeschreckt hatte.

Ihr Blick wurde ernster als er von seinen Eltern erzählte. Es tat ihr leid, dass er nicht wusste, wo sie waren und das spiegelte sich auch in ihren Augen wider. Die Umstände, wieso er zu seinem Onkel gekommen war, waren alles andere als schön. Es stimmte Alea traurig und weckte ihr Mitleid. Die Vorstellung, dass sein Vater einfach so hingerichtet worden war, schockierte sie und mitfühlend strich sie dem Jungen beruhigend über den roten Haarschopf als er eine Pause machte. Die Gedanken, die er über die Gefühle seiner Mutter aussprach, ließ sie den Kopf schütteln. "Denk so etwas nicht. Sie hat dich bestimmt geliebt und wäre bei dir geblieben, wenn sie gekonnt hätte. Da bin ich mir sicher." Und das war sie wirklich. Sie konnte einfach nicht glauben, dass eine Mutter ihr Kind einfach so alleine ließ. Und dann noch in die Hände eines Mannes gab, der nicht gut für es war. Ja, es war ihr Bruder, aber trotzdem konnte jeder mit gesunder Menschenkenntnis abschätzen, dass er Devin nicht gut tat.

"Vielleicht finden wir deine Mutter. Und vielleicht werden wir auf ein Schiff segeln, mal sehen", murmelte sie und sagte weiter nichts, weil sie merkte, dass Devin langsam einschlief. Die Müdigkeit beschlich auch sie immer weiter und ließ ihre Glieder und den Kopf schwer werden. Mit Devin an ihrer Seite war ihr nicht mehr ganz so kalt und die wohlige Wärme ließ auch sie einschlafen und in das Reich der Träume übergleiten.

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Dienstag 12. Juli 2011, 17:22

Alea versank in einen tiefen Schlaf. Die Tatsache, dass sie am Tag zuvor weit gereist war und sich in der Herberge von Devins Onkel nicht hatte ausschlafen können, weil der Bursche ja unbedingt mit ihr hatte Reißaus nehmen müssen, sorgte nun für die nötige Schläfrigkeit. Manthala forderte ihren Tribut, aber die Göttin war Alea offenbar sehr gewogen. Vielleicht weil sie den Schatz, die Schriftrolle der Schattenmagie, suchen wollte. Auf jeden Fall beschenkte sie die Diebin mit einem lebendigen Traum.
Alea fand sich zwischen den Ständen eines sarmaer Marktplatzes wieder. Sie wusste instinktiv, dass Markttag war und sich ihr somit ein lukratives Geschäft bot. Fettbäuchige Sultane watschelten zwischen den Ständen umher. Edle Haremsdamen besahen sich Schmuck und Reifen, mit denen sie sich selbst verzieren wollten, um so die Aufmerksamkeit wie auch gleichermaßen die Gunst ihrer Herren zu gewinnen. Andere Edelleute ließen sich Gefangene präsentieren, weil sie neue Sklaven für ihren Haushalt benötigten. Aber sie alle hatten etwas gemeinsam: prall gefüllte Geldbörsen.
In Aleas rechter Hand ruhte ein Messerchen. Es diente dem Beutelschneiden und offenbar war sie mitten in einen Traum geplatzt, in dem sie schon an ihrer täglichen Pflicht gearbeitet hatte. Schwer wog die Börse in ihrer linken Hand. Die Schnur, welche zum Verschließen und befestigen eines solchen Beutelchens diente, war angeschnitten. Sie hatte Gewinn gemacht.
"Da! Dort vorn ist sie! Wachen, hierher! Ich habe die dreiste Diebin entdeckt!" Ein Mann, pausbäckig und dick wie ein Schwein, seltsamerweise aber mit dem Gesicht von Devins Onkel, zeigte mit einem seiner ausgestreckten Wurstfinger direkt auf Alea. Von der Fingerspitze tropfte Fett. Ein wirklich merkwürdiger Traum. Doch auch die Wachen Sarmas wirkten ein wenig eigen, denn sie waren drei Mal so groß wie Alea selbst. Ihre langen Beine stakten durch die Menge. Sie hielten Knüppel und Seile, mit denen sie die freche Diebin fesseln wollten. Einer von ihnen bellte Befehle. Er bellte sie wirklich! Wuff, wau, wuff, drang es an ihre Ohren, da bewegten sich bereits ihre Füße wie von selbst. Sie konnte nicht verhindern, dass sie wie eine Wilde über den Marktplatz rannte. Immer schwerer ging es. Menschen standen ihr im Weg und der Sand unter ihren nackten Füßen drohte, zu zerlaufen. Sie versank mit jedem Schrtt tiefer. Die Wächter kamen immer näher und dann...
"Pssssst! Alea, zu mir!" Eine vertraute Stimme und doch konnte sie den Besitzer nicht zuordnen. War es Rejan? Vielleicht. Ein Schatten winkte ihr, sie solle ihm folgen. Er verschwand unerkannt in einer der Gassen. Die Sonne brannte immer heißer auf den Schopf der Diebin herab. Ihre Füße standen schon bis zu den Fesseln im Treibsand und die Wächter kamen immer näher. Links von ihr lugten Mauersteine aus einem Gebäude, das wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Anstatt in die Gasse zu laufen, könnte sie auch versuchen, das Gebäude zu erklimmen und über die Dächer zu entkommen. Sie wusste, dass sie sie nötige Kraft dafür hätte. Auf einem der Dächer hockte Devin zusammen mit seinem Pferd General. Beide winkten ihr zu.
Ein wirklich seltsamer Traum.
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Mittwoch 13. Juli 2011, 14:06

Alea merkte kaum wie sie in den Schlaf überglitt und den Übergang zwischen Realität und Traum nahm sie nicht wahr. Bewusst, dass sie träumte, war es ihr nicht, als sie sich plötzlich in Sarma wiederfand. Dieser Ort war ihr so vertraut, dass sie es als ganz normal ansah, plötzlich inmitten der Stadt zu stehen. Ihr Blick fiel auf den Geldbeutel in ihrer Hand und sofort umspielte ein triumphierendes Lächeln die Lippen der Diebin. Das Beutelschneiden war an sich nichts schwieriges, sich dabei nicht erwischen zu lassen aber umso mehr und dadurch viel reizvoller. Es war leicht verdientes Geld mit ein bisschen Nervenkitzel. Eine gesunde Mischung für Alea.
Nur leider.. dieses mal schienen die empörten Worte ihr zu gelten. Vor Schreck sah Alea auf und direkt in das Gesicht von Devins Onkel. Diesen Umstand nahm sie nur am Rande wahr, die Angst, von den Wachen gefangen zu werden, war da stärker. Da sah sie auch schon diese drei unnatürlichen Männer auf sich zu kommen. Spätestens als ihr bewusst wurde, dass sie mit nur wenigen weiten Schritten bei ihr sein würden, machte sie schwungvoll kehrt und rannte. Ihre Beute noch immer fest in der Hand haltend lief sie los, immer weiter, ohne stehen zu bleiben. Das Bellen drang an ihre Ohren, Alarmglocken schienen in ihrem Kopf laut zu schrillen und die Panik ließ sie weiter laufen. Sie rannte gegen Leute, quetschte sich an ihnen vorbei und riss einzelne Kisten und sogar ein Kind um. Sie fuchtelte um sich, um die Fremden um sich herum zu verscheuchen und Platz zu erhalten. Es gab nur sehr kurze Strecken, über die sie tatsächlich frei laufen konnte. Sie keuchte und ätzte als der Boden plötzlich unter ihren Füßen immer weicher wurde. Es fiel ihr immer schwerer, Fuß um Fuß zu heben und voreinander zu setzen, um den riesigen Wachen zu entkommen.
Als sie plötzlich die Stimme hörte, blieb sie abrupt stehen und sah sich um. Sie sah die schattenhafte Gestalt, konnte aber nicht mehr in der dunklen Gasse erkennen, so sehr sie sich auch bemühte. War das Rejan? War es Sethek? War es Manthala? Gehetzt schaute sie zurück, die Wachen näher kommen sehend, und dann zu der Wand neben sich. Sie sah das Winken von Devin und General, perplex, was sie hier in Sarma suchten und wie das Pferd auf das Dach gekommen war. Doch zu einer Antwort zu kommen, dafür reichte die Zeit nicht. Die Schatten oder das Licht? So kam ihr die Wahl zwischen Gasse und Dach in seinen Grundzügen vor. Die Stimme war verlockend, vertraut und geheimnisvoll in seinem Unbekannten. Und doch. Sie wusste nicht, was sie ihr verheißen würde.
Alea straffte die Schultern, geübt griffen ihre Hände in die heraus stehenden Steine in der Wand und sie begann diese mühelos zu erklimmen. Die Haare klebten ihr auf der schweißnassen Stirn und ihr Atem war ein einziges Keuchen, gehetzt und unkontrolliert. Beim hinauf klettern versuchte sie einen Blick in die Gasse zu werfen. Die Gestalt interessierte sie, aber Devin erschien ihr in diesem Moment der sicherere Platz von beidem.
"Was macht ihr hier?", fragte sie gehetzt, als sie endlich auf dem Dach angekommen war, und "Wir müssen hier weg. Schnell!" waren gleich die nächsten Worte, mit denen sie nach Devins Arm griff, um ihn auf die Beine zu ziehen und mit ihm zusammen die Flucht über Sarmas Dächern anzutreten.

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Samstag 16. Juli 2011, 11:03

Aleas Entscheidung offenbarte, dass sie zwar stets offen für unbekannte Abenteuer war, in Gefahrensituationen letztendlich aber lieber auf das Vertraute zurückgriff. Und so erklomm sie lieber das Dach, auf dem Devin und General saßen - ja, das Pferd saß wirklich! - anstatt sich zu dem ominösen Fremden in die Dunkelheit zu begeben. Glück für sie, denn prompt eilten die Wachen durch die Straßen. Sie teilten sich auf, suchten nach ihr, aber den Blick gen Himmel richteten sie nicht. Die Diebin hatte etwas Zeit gewonnen. Genug, um Devin nach seinem Verbleib zu fragen. Weshalb war er hier? Der Junge grinste sie an, legte dann aber den Kopf fragend schief. "Ja, wir müssen weg, aber weißt du auch, wohin? Ich sag dir, wohin." Dann erhob sich Devin. Er griff nach Aleas Hand - und sprang. General winkte beiden nach, als sie in einem dichten Strudel aus Finsternis verschwanden. Alles drehte sich, die Umgebung wandelte sich zu verschwommenen Farben. Aber plötzlich hielt es an. Jemand fing Alea auf. Sanft und doch stark waren die Arme, die sich um ihren Körper schlangen. Warm drückte sich ein Körper an ihren. Doch es war wohl die bekannte Stimme, die die Umgebung zum Verlaufen brachte, als sich ihr geliebter Wüstendieb meldete: "Alea, da bist du ja. Ich habe dich schon gesucht. Ich habe gewartet." Küsse, heiß brennend, suchten sich einen Weg über ihren Hals.

"Es wird immer schwieriger für mich, dich zu erreichen. Du schläfst nicht viel und sie gewährt mir nur selten Zugang in deine Träume. Du musst dich beeilen. Aber", und da löste sich Rejan von ihr, "sei nicht enttäuscht, wenn es nicht das ist, wonach du gesucht hast. Gib nicht auf. Gib mich nicht auf, Alea." Seine Stimme zerrann, zusammen mit dem Traum. Beides wurde fortgespült, hinterließ nur eine unangenehme Feuchtigkeit. Tatsächlich rührte dieses Nasse von Generals Zunger her. Das Pferd hatte seinen gewaltigen Kopf an Aleas freier Schulter gebettet und sabberte ihr nun den Hals voll. Noch immer prasselte der Regen auf die schützende Plane, aber inzwischen hatte er sich zu einem leichten Nieseln abgeschwächt. Der Tag war nur als solcher zu erkennen, weil das dämmrige Zwielicht nicht ganz so finster war wie noch wenige Stunden zuvor.

Devin befand sich bereits auf den Beinen. Leider stiegen weder der rauchige Geruch eines brennenden Lagerfeuers noch das Appetit anregende Aroma einer guten Mahlzeit zu Alea herüber. Ein wenig hilflos hockte Devin vor den Vorräten, aus denen er ein minderwertigen Frühstück zusammengestellt hatte. Als er bemerkte, dass sich Alea ein wenig regte, schaute er entschuldigend zu ihr herüber. "Tut mir leid, ich konnte kein Feuerholz finden. Bei dem Wetter würde es sowieso nicht brennen. Wir müssen uns auf das hier beschränken." Er schob ein Holzbrett zu der Diebin hinüber. Darauf lagen etwas Hartwurst, Brot und ein rotgoldener Apfel, den der Junge einmal in der Mitte zerteilt hatte. Er lange gerade zum Wasserschlauch, um zu trinken. "Wir reisen so schnell es geht weiter. Rumdett sollten wir bald erreicht haben und dann auch die Küste, wo sich der Schatz versteckt. Weißt du schon, was du mit all dem Reichtum anstellen wirst? Glaubst du, die Schriftrolle rettet deinen Freund?" Wie immer stellte der Bursche aufgeregt Fragen, aber es war nicht alles, womit er aufbieten konnte. Er hatte Rejan in eine sitzende Position gehievt, flößte ihm nun Wasser ein und deckte ihn anschließend zu.
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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Alea » Donnerstag 21. Juli 2011, 15:04

Sie hielt Devins Hand und folgte ihm. Als wäre er derjenige, der die Straßen und Dächer Sarmas in und auswendig kannte. Sie vertraute ihm vollkommen und sprang mit ihm in die Tiefe. Wo der Abgrund auf einmal her kam, blieb nur eine dumpfe Frage irgendwo in ihrem Kopf. So wie man es aus Träumen kannte, wenn man wusste, all das war nicht real und doch alles als wahre Realität ungefragt hinnahm. Es war eben ein Traum, die Flucht aus der Realität in eine Welt, die viel schöner war.
Sie fiel in starke, haltende Arme und legte wie von selbst ihre eigenen in den Nacken des Mannes, den sie instinktiv als Rejan erkannte. "Rejan", hauchte sie glücklich seinen Namen und genoss seine Berührungen, die sie schon so lange vermisste.
Sie kam gar nicht dazu, selbst irgendetwas von sich zu geben, zu sehr fesselten seine Worte sie und zu froh war sie darüber, bei ihm zu sein. Aufmerksam lauschte sie seinen Worten, ihn mit einem glücklichen Lächeln ansehend. Doch mit jedem Satz wurde es nachdenklicher und schwächer. Sie? Alea hatte keine Zeit, weiter nachzufragen von wem er sprach. Ob er tatsächlich von ihr sprach. Viel zu überraschend kamen seine nächsten Worte. Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht das ist, wonach du gesucht hast.
"Was meinst du damit? Wie soll ich dir helfen, dich retten?", fragte sie, überrascht und mit aufkeimender Verzweiflung, Enttäuschung und Trauer. Sie wusste sehr wohl, was er meinte. Sie hielt ihn umklammert und bettete den Kopf an seiner Schulter. "Bitte bleibe bei mir", flehte sie und spürte, wie er ihr entglitt, so sehr sie ihn auch bei sich halten wollte.

Sie wusste, dass der Traum vorbei war. Und mit ihm Rejan. Die Verzweiflung, die sie die letzten Tage geglaubt hatte, tapfer nieder kämpfen zu können, drang plötzlich mit gewaltiger Kraft auf sie ein. Immer wieder liefen Rejans Worte wie in einer Schleife durch ihren Kopf. Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht das ist, wonach du gesucht hast. Was sollte das bedeuten? Wie konnte sie so sehr auf dem falschen Weg sein? Egal, wohin sie ging, sie glaubte in die falsche Richtung zu laufen. Und egal was sie tat, sie glaubte, dass sie das Falsche machte! Sie wollte nicht die Augen öffnen, sie wollte weiter schlafen, sie wollte zurück zu Rejan. Lieber würde sie ein ganzes Leben von ihm träumen, als diese völlige Hilflosigkeit ertragen zu müssen.

Sie überlegte, ob sie sich schlafen stellen sollte, doch da sprach Devin sie auch schon an. Trotz der Tränen in den Augen, öffnete sie diese ein wenig, bemühte sich aber, den Burschen nicht direkt anzusehen. Kurz wischte sie sich Generals Sabber von der Haut und schob den Pferdekopf dann sanft, aber bestimmt von sich weg. "Das macht nichts", murmelte sie auf Devins Worte, die ihr irgendwie unwichtig erschienen. Genau genommen, kam ihr alles in diesem Moment unwichtig vor. Sie wischte sie wie zufällig kurz über die Augen, griff dann nach dem Brett und biss etwas von dem Brot und der Wurst ab. Dabei sah sie sich kurz um, zum einen, um zu sehen, wie spät es war und ob alles noch beim alten war, und dann natürlich, um nicht Devins Blick zu begegnen. Der morgendliche Himmel im Regen wirkte so grau wie sie sich auf einmal fühlte. Lustlos biss sie von dem süßlichen Apfel ab und hing dem Traum nach. Bis Devin sie auf den Schatz ansprach, auf die Schriftrolle. Eben das, was sie glaubte, dort zu finden und eben das, was sie nicht finden würden.
"Ich glaube, die Schriftrolle ist gar nicht dort", antwortete sie dumpf, einen schmerzlichen Ausdruck in den Augen, die sich an den halbierten Apfel in ihrer Hand hefteten. Woher sie dies wusste, verschwieg sie. Diese plötzliche Umstellung allein warf wohl einige Fragen in Devin auf. Wenn sie erzählte, Rejan hätte ihr dies in ihrem Traum erzählt, dann würde er sie wohl für verrückt erklären. "Offenbar werden wir die Schriftrolle nicht dort finden. Aber ich glaube, wir sollten trotzdem dorthin und sicher gehen." Rejan hatte ihr nicht gesagt, dass sie nicht zum Schatz zurück gehen sollte. Darauf vertraute sie. Er hatte lediglich gesagt, dass sie dort nicht das finden würden, was sie dachten. Vielleicht aber einen Hinweis. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, an den sich Alea festklammerte wie eben noch an Rejan, den sie immer noch bei sich spürte. Die Entwicklung ihrer Reise schmerzte sie, die Aussicht auf Misserfolg nach tagelanger Reise und so vielen Anstrengungen war unerträglich.

"Wir sollten uns beeilen und aufbrechen, so schnell es geht", meinte sie dann und aß nun auch die Hartwurst und das Brot auf, nachdem sie den Apfel vertilgt hatte. Sie hatte keine große Lust mehr über den Schatz zu reden. Sie wollte einfach nur dorthin, erfahren, was der Schatz wirklich beinhaltete und hoffen, dass Rejan sie weiterhin lenken würde. Um Devin nicht direkt sagen zu müssen, dass ihr nicht nach Reden zu mute war, denn vor den Kopf stoßen wollte sie ihn nicht, beließ sie es bei ihren kurzen Worten und widmete sich dem spärlichen Mahl, das sie dennoch zu schätzen wusste.

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Re: Auf zu neuen Abenteuern!

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. August 2011, 10:29

Der Traum endete. Er hinterließ bei Alea vermutlich andere Gefühle als sie diese erwartet hätte, durfte sie in Manthalas Welt Rejan doch eng umschlungen halten und seine Nähe spüren. Jetzt aber war da nichts mehr außer seinen Worten, die schwer über ihrem Gemüt hingen. Sie sollte nicht enttäuscht sein, wenn sie nicht fand, wonach sie suchte. Es war eindeutig, aber Rejan hatte ihr zuvor in einem anderen Traum doch dringend geraten, ihre Suche fortzusetzen. Warum forderte er das, wenn sie doch etwas Anderes erwartete? Er konnte ihr diese offene Frage nicht beantworten, denn Rejan war im Traum lebendiger als in der Realität. Sein Körper lag unter dem Schutz der gespannten Deckenplane, die den Regen abhielt. Er rührte sich nicht, sah man einmal von seinen flachen Atemzügen ab. Das Gesicht war weiterhin entspannt, kein Muskel verkrampft. Er lag friedlich und doch sah er nicht gut aus. Das ungesunde Grau seiner Haut und die wirbelnden Schatten darunter verrieten, dass er auf irgendeine Art und Weise krank war. Alea musste ihn retten - nur wie? Verzweiflung machte sich breit.
Aber es gab da noch einen Jungen, der sie ein wenig ablenken konnte. Devin. Er ahnte nicht, wie stark sie der Wunsch quälte, endlich eine Lösung für Rejans missliche Lage zu finden. Er konnte sich höchstens denken, wie sehr die Diebin an ihrem Liebhaber hing und wie groß das Vermissen war, ihn lebendig zu erleben. Ob Devin da jedoch der richtige junge Mann war, um Alea ein wenig zu trösten? Nun, im Moment war er zumindest der einzige, abgesehen von dem breitköpfigen General, von dessen nasser Mähne das Regenwasser tropfte, um im Karren kleine Pfützen zu bilden. Das Pferd ließ es zu, dass Alea seinen Kopf ein Stück zurück schob. Es schnaubte unwillig, denn auch der Hengst wollte so wenig nass wie möglich werden, akzeptierte aber, dass der Mensch da höhere Privilegien hatte als er selbst. Er ließ Alea in Frieden, ebenso wie der Junge, der abwartete, bis sie gegessen hatte. Er selbst knabberte an einem Ende der Hartwurst, kaute auf der Ummantelung aus Darm, die sich nur schlecht herunter schlucken ließ, wenn man erst einmal das Innere heraus gesogen und vertilgt hatte. Er würde die Hülle letztendlich wegwerfen müssen, wollte sich aber noch nicht von dem daran haftenden Geschmack des Fleisches trennen.

Irgendwann begann aber doch ein Gespräch. Devin konnte sich nun einmal schwer zurückhalten, wenn ihn seine Neugier drängte und er wollte mehr über den Schatz wissen - über diese ominöse Schriftrolle, nach der Alea die Schattenmagierin suchte. Doch er wurde enttäuscht. Eher gesagt entsetzt, als sein Gegenüber meinte, die Rolle nicht am auf der Karte markierten Ort vorzufinden. "Hat die Magie dir das verraten? Wo willst du denn dann nach der Schriftrolle suchen und glaubst du, dein Freund hält noch lange genug durch?" Das war wohl eine sehr schmerzliche Frage, aber durchaus berechtigt. Wie lange konnte Rejan sich noch dieser schattenhaften Kraft in seinem Körper erwehren? Würde man ihn retten können und wäre er überhaupt noch derselbe Mann, den Alea kennen und lieben gelernt hatte?
Selbst Devin schaute nun zu dem Wüstendieb herüber. Er verzog keine Miene. Der Junge hingegen legte den Kopf ein wenig schief, ehe er ihn plötzlich schüttelte. "Es wird nur eine Ausdehnung des Abenteuers, ganz bestimmt! Sagen und Legenden enden immer gut. Diese Geschichte hier wird es ebenfalls tun, Alea. Wir sind doch Abenteurer. Wir bestehen und es wirde gut ausgehen." Zuversichtlich lächelte er der Diebin entgegen, ehe er die Hülle seines Stücks Hartwursts tatsächlich aus dem Karren warf, um zum Kutschbock nach vorn zu klettern. "Komm schon, General! Vorspannen und weiterfahren, das Abenteuer will gemeistert werden!" Er kümmerte sich um das Pferd, die Deckenplane ließ er allerdings noch bestehen. Der Himmel war grau, es nieselte hin und wieder. Sie sollten den einzigen trockenen Platz nicht aufgeben in der Hoffnung, dass sich das Wetter möglicherweise bald besserte.


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