Der Schatten zieht nach Rumdett

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.

Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Sethek » Mittwoch 3. Juni 2009, 07:50

Kommend von Reich der Dunsthügel --> Die Zwergensiedlung Rugta --> Twickels Laden --> Twickels Sortiment


Auf die geknurrte Aufforderung des Wächters reagierte Sethek mit einem siegessicheren Lächeln. Er wusste, dass er mehr getan hatte, als die beiden hirnlosen Dunkelelfen mitbekommen hatten. Er hatte jemandem, der drauf und dran war, alles zu verlieren, was ihm Furcht und Angst hätte bereiten können, wieder in die richtigen Bahnen gelenkt und wer weiß, vielleicht würde dieser kleine Zwerg ja wirklich einen Aufstand anzetteln. Sethek war es gleich, welche Partei am Ende den Sieg davon tragen würde. In jedem Krieg gab es Verluste, Trauer und Angst, von denen sich Setheks Seele ernähren konnte und ein bischen wünschte er sich auch, dass die Zwerge erneut die Oberhand gewinnen würden. Bei diesen Wesen war es um einiges leichter die geliebte Angst hervorzurufen, als bei den ach so arroganten und abgestumpften Dunkelelfen. Selbst jetzt, wo Sethek sich noch einmal an diese Situation erinnerte, konnte er sich eine leichte Vorfreude nicht verkneifen.
Behutsam rückte er noch einmal seine neu erworbene Ausrüstung zurecht. Einen Reisesack mit einigen Gegenständen hatte er schon oft genug durch die Welt getragen, doch so ein Zweihänder auf dem Rücken war doch etwas anderes. Eigentlich kämpfte er nicht mit solch schweren Waffen, zumindest nicht, seitdem er als Halbdämon auf Celcia existierte. Doch dieses Schwert hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Es sollte mehr zur Abschreckung dienen, als wirklich im Kampf eingesetzt zu werden, aber im Notfall war es durchaus eine Tot bringende Waffe.
Sein Blick schweifte über das Land, in dem er sich mittlerweile befand. Seitdem er die letzten Häuser der ehemaligen Zwergenstadt hinter sich gelassen hatte, spürte er die Einsamkeit, die dieses Gebiet in sich trug. Der Nebel, der in diesem Landteil allgegenwärtig war, schmiegte sich an seine Beine und bildete einen leichten Film auf den immer taunassen Grasflächen. Die Hügel, die wie Wellen in einem stürmischen Ozean vor ihm lagen, machten das Reisen in diesem Gebiet nicht gerade einfacher.
Seth war schon einige Male durch dieses fast schon unwirkliche Land gezogen, um Mordaufträge für seinen momentanen Herren zu erledigen. Daher kannte er diese Gegend mittlerweile recht gut, doch nach wie vor löste sie in Seth etwas Unbehagen aus.
Die Fledermaus, die als Führer für Sethek mitgegeben wurde, flatterte keine 2 Meter vor dessen Kopf mit aller Kraft voran. Warum wurde ihm eigentlich solch ein Wesen mitgegeben? Glaubte man nicht, dass er selbst die Zielstadt oder den Zielpriester finden könnte? Er hatte doch schon einige Male bewiesen, dass er seine Opfer nicht nur schnell und präzise töten, sondern auch finden konnte. Aber wahrscheinlich zweifelte der Priester eher an seinen eigenen Fähigkeiten, als an denen von Sethek. Er wusste um seine Stärken und deshalb verschwendete er keinen weiteren Gedanken an das flatternde Wesen vor ihm und stampfte weiter durch das Gras in Richtung Süden.
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 4. Juni 2009, 10:00

Sethek kam gut voran, auch ohne Blutzahn die Fledermaus. Das kleine Flattertier aber führte ihn weiterhin und zielstrebig, als hätte es ihr ganzes Leben lang nichts Anderes getan.
Der Nebel hatte sich etwas gelegt, wie es tagsüber in dieser Umgebung oft vorkam. Wirklich schlimm wurde es erst nachts und Sethek hatte im Dorf Rugta die Zwerge schon mehrfach von den Tha'Roon erzählen hören. Obwohl einige dieser Wesen unter den zu kurz geratenen Männern lebten, schienen sie den violetten Humanoiden Skepsis und gewisses Misstrauen entgegenzubringen. Manchmal schmeckte Sethek sogar Furcht wie Feuchtigkeit in der Luft liegen. Man fürchtete sich vor den Tha'Roon, zumindest jenen, die sich in der Hügellandschaft und im Nebel verbargen. Während des ersten Tages seiner Reise - er würde vermutlich knapp drei Tage brauchen - kam immer wieder der Eindruck auf, beobachtet zu werden. Sogar Blutzahn flatterte manchmal auf der Stelle, umkreiste Sethek dann weiträumig und verschwand zwischendurch im Nebel, nur um an anderer Stelle wieder aufzutauchen.

Am zweiten Reisetag fand der Halbdämon einen kleinen Bachlauf, doch das eher unnatürliche Plätschern lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Vor ihm im Nebel entdeckte er sich bewegende Schatten und zwei Augenpaare, die sich plötzlich ihm zuwandten und ihn anstarrten. Rötlich und Orange funkelten sie ihn an, dann eine flinke Bewegung und fort waren die Schatten. Furcht lag nicht in der Luft, eher ... ein Gefühl von Vorsicht, aber ob Sethek in der Lage war auch dies wie Nahrung in seinen Körper aufzusaugen?

Während der hereingebrochenen Nacht, die den zweiten Reisetag hinter sich ließ um den dritten in einigen Stunden einzuleiten, hörte Sethek plötzlich leises Rascheln. Etwas knickte Gras in der Umgebung nieder. Blutzahn flatterte zum Halbdämon zurück und umkreiste langsam seinen Kopf. Die Fledermaus wagte es nicht, sich am Kleidungssaum der dämonischen Wesenheit zu klammern wie sie es bei Haelra Alafay getan hatte. Wenn Sethek rastete, war Blutzahn immer in die Nebel geflogen und später zurückgekehrt. Wo immer sich das ledrige Tierchen dann aufhielt, es fand offensichtlich jedes Mal einen passenden Schlafplatz.
Jetzt jedoch schien es entweder Schutz bei dem Halbdämon zu suchen oder ihn als kleiner Beschützer beistehen zu wollen. Ein Kreischen ging von Blutzahn aus, als rings um die beiden sich erneut Schatten im Nebel aufbauten. Geisterhafte Laute und dunkle Gesänge entstanden. Die Schattengestalten zeigten sich nicht. Dann meldeten sich plötzlich Stimmen in Setheks Kopf, die eindeutig nicht von seinem Wirt Seth stammten.

Schleicher durch die Hügel ... schattenhafte Finsterkeit ... bewahre dein Leben, solange du kannst ... Wir holen dich, wir finden dich, wir suchen deine Seele auf. Geister der Nacht, Spuk der Nebel ... uns entkommst du nicht. Opfere, opfere uns ... und ziehe weiter. Weigere dich oder fliehe ... und wir kommen über dich ...

Erneut stieß Blutzahn einen ins Schallende gehenden Schrei aus. Die Fledermaus tanzte etwas unkoordiniert durch die Luft. Dann zog sie zwei eierförmige Ellipsen und flog in die Nebel davon. Kurz darauf war ein Geräusch zu hören, wie wenn jemand einen schweren Sack über einen Gegenstand stülpt. Dann nichts mehr, außer der sich wiederholenden Stimmen in Setheks Kopf, die immer wieder von Opferungen sangen.
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Sethek » Mittwoch 24. Juni 2009, 16:50

Sethek reagierte zunächst nicht auf das Rascheln im Gras. Seelenruhig bereitete er seinen Schlafplatz weiter vor, obwohl er die Taktik, die er in den Tagen seit des Verlassens von Rugta, durchaus kannte. Sethek war sich von Anfang an sicher, dass er sich diese merkwürdigen Begegnungen nicht eingebildet hatte oder diese nur zufällig entstanden waren. Es war die Taktik eines Angreifers, der sich darauf spezialisiert hatte, seinem Opfer Angst einzujagen und ihn so von Beginn an zu demoralisieren und zu schwächen. Es glich dem Heranpirschen eines Adlers oder andere Raubtiere bevor sie zuschlugen. Sethek wusste: noch in dieser Nacht würden sich die Angreifer zeigen und er freute sich bereits darauf.
Mit einer genervten Geste, schlug er nach dem lästigen Flattervieh, das ängstlich um ihn herum tänzelte. „Verzieh dich!“, rief er der Fledermaus zornig zu. „Warum verschwindest du nicht wieder im Nebel, wie du es sonst immer tust, nerviges Etwas!“

Kurze Zeit später ertönten die ersten geisterhaften Laute und um den Halbdämon und seinem tierischen Begleiter bildeten sich gespenstische Abbildungen. Zusätzlich gaben sich Lebewesen wie Schatten im Nebel zu erkennen und merkwürdige Stimmen pulsierten in Setheks Kopf.

„Und? Hast du Angst?“ „Nein, solche billigen Tricks machen mir keine Angst. Außerdem, was soll mir schon Angst einjagen, wo ich doch mit dem Dämon der Furcht herumlaufe“ „Schade, es wäre eine schöne Abwechslung gewesen auch mal wieder von dir echte Angst zu schmecken, aber ich glaube, darauf werde ich noch lange warten müssen“

Sethek ließ alles was er für den Aufbau seines nächtlichen Lagers in den Händen hatte, auf den Boden fallen und richtete sich mit aller Seelenruhe auf.

Schleicher durch die Hügel ... schattenhafte Finsterkeit ... bewahre dein Leben, solange du kannst ... Wir holen dich, wir finden dich, wir suchen deine Seele auf. Geister der Nacht, Spuk der Nebel ... uns entkommst du nicht. Opfere, opfere uns ... und ziehe weiter. Weigere dich oder fliehe ... und wir kommen über dich ... , bildeten sich erneut die Worte in seinem Kopf. Seine Hand griff langsam zu seinem Langschwert und zog es aus der Scheide. Dabei drehte sich Sethek um 360 Grad und begutachtete das Geschehen um sich herum nicht ohne eine gehörige Portion Vorfreude. Nachdem er seinen Rundblick beendet hatte, richtete er die Spitze seines Schwertes auf einen der Schatten, der genau in diesem Moment zwischen dem Nebel auftauchte.

„Endlich zeigt ihr euch. Ich habe mich schon gefragt, wann ihr aus eurem Versteck gekrochen kommt. Ihr wollt also mit der Furcht eures Opfers spielen? Nun, dann versucht es, ihr Narren! In meiner Seele findet ihr nichts weiter als Angst und Furcht. Eure Furcht!“ Kaum hatte Sethek zuende gesprochen, bildeten sich neue, noch düstere Schatten um Sethek. Nur dieses Mal standen sie direkt bei ihm und sie schienen so schwarz wie die Nacht selbst zu sein. Er selbst hatte sie beschworen. Seine Gegner schienen mit Angst und Furcht zu kämpfen, doch gegen einen Dämon, der aus eben jenen Emotionen bestand, sollten sie mit diesen Waffen keinerlei Chancen haben. Sethek wusste, seine Schattenwesen hatten keine besondere Macht. Sie konnten nicht einmal physischen Schaden zufügen, doch gemeinsam mit der Nacht, dem Nebel und seiner Leidenschaft, würden sie seinen Feinden die wahre Furcht zeigen. Außerdem fand er die Gelegenheit für seine Schattenwesen durchaus passend.
Sethek war sich bewusst: Lebewesen, die die Furcht anderer zu ihrem Vorteil nutzen, zeigen unbewusst nur, dass sie selbst Angst haben und deshalb zu solchen Mittel greifen müssen. Nur er war hier eine Ausnahme.
Erwartungsfroh starrte er auf den Schatten direkt vor sich und die innere Freude auf den bevorstehenden Kampf mit Furcht und Schrecken heizten seinen Hunger nach Angst noch zusätzlich an. Immerhin hatte er seit 2 Tagen keine Angst mehr zu schmecken bekommen. Kurz darauf hörte er, wie sein tierischer Begleiter wohl eingefangen worden war.

Wie ich es dachte! Langweilige, normale Lebewesen, die Waffen und Magie verwenden, oder einen einfachen Sack um Fledermäuse einzufangen. Erbärmlich! Wie können sie es wagen sich mir ebenbürtig zu fühlen?

„Greift endlich an! Oder soll ich euch holen kommen?“
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Erzähler » Sonntag 28. Juni 2009, 09:15

Schon damals auf dem Weg nach Rugta, als die Dunkelelfen ihn zuvor geschwächt entdeckt und allerdings bei sich aufgenommen hatten anstatt ihn zu töten, waren Sethek die Geräusche im Nebel des Reichs der Dunsthügel aufgefallen. Des Nachts waren immer seltsame Gesänge oder unheimliche Ruflaute aus dem undurchsichtigen Nebel gekommen, wie die letzten Worte von Geistern. Die Faldorpriester der Dunkelelfen hatten einiges zu tun, um die Moral der dunklen Truppe regelmäßig aufs Neue zu stärken. Nicht, dass ein Dunkelelf grundsätzlich ängstlich war oder sich vor Geistern fürchtete, aber selbst unter den ihren konnte sich Unbehagen breit machen und das wollten die Priester zu verhindern wissen.

Nun war es erneut soweit, dass sich diese merkwürdigen Irreführungen und Angsteinflößungen durch Setheks Körper schlichen und ihn becircten. Eine wohlgewählte Taktik, an der schwache Individuen vergehen konnten. Vor allem die Orks schienen hierfür sehr anfällig zu sein, zeigten sie doch eine deutlichere Spur von Aberglauben als beispielsweise die Dunkelelfen. Goblins hatten jene nicht bis hierher mitgenommen. Diese kleinen Sklaven Morgerias waren wohl daheim geblieben. In Rugta gab es genug Diener, die auch nicht viel größer waren!

Sethek schimpfte seiner Fledermaus-Führerin gerade, sie solle sich verziehen, da dauerte es nicht mehr lange und man hörte ihre Gefangennahme, wo man sie nicht sehen konnte. Blutzahn stieß unhörbare Schallwellen aus, nur ihr vehementer Kampf um Freiheit trug seine Töne durch die dichte Suppe, die der Nebel gebildet hatte. Nebel war nicht Faldors Bereich, aber seine Zwillingsschwester Manthala hatte einen Heidenspaß daran, celcianische Gläubige wie Nichtgläubige in den Nebel zu locken und zu täuschen. Ob das Reich der Dunsthügel ihr persönliches Hoheitsgebiet war? Und die Wesen oder was auch immer dort im Nebel lauerte ... Manthalas Gefolge?

In Setheks Kopf sangen die Geisterstimmen. Sie quälten ihn nicht, sie plagten ihn nicht. Sie zeigten eine geringe Spur von Angst, die man aber vielmehr als achtsame Vorsicht interpretieren sollte - und diesen gewissen Hauch von Nervenkitzel, den sterbliche Wesen beim Durchführen riskanter Handlungen und Aktionen stets verspürten. Die Schwächeren unter ihnen wurden dadurch oftmals derart nervös, dass sie ihre Pläne aufgaben und das Weite suchten oder wahnsinnig wurden. Diese Unbekannten hier zwangen sich, ihren Plan fortzusetzen, selbst dann noch, als der Dämon mit einer skurrilen inneren Ruhe auf die Beine zum Stehen kam und langsam seine Waffe zog. Kein Lichtstrahl fiel auf die Klinge des Breitschwertes und brach sich. In diesem Nebel hätte man nicht einmal Tag von Nacht unterscheiden können, es war einfach nur finster ob der Wolken, die sich am Himmel gebildet hatten und irgendwo in Höhe des Horizontes mit den grauen Schleiern verschmolzen wie mit flüssigem Metall.

Ein Schatten hob sich langsam aus dem Grau ab. Er war von humanoider Gestalt, Zweibeiner mit zwei Armen und einem Kopf, soviel erkannte Sethek sofort. Sethek stellte sich dem Fremden furchtlos entgegen. Tatsächlich sprach er sogar dessen Angst an, vermutlich um ihn einzuschüchtern. Der Schatten blieb einen Moment lang ungerührt stehen ... aber der Dämon konnte es wie zuckende Blitze in der Luft sehen und als bitteren Geschmack aus den feinen Nebeltröpfchen schmecken. Unsicherheit machte sich für einen Augenblick lang breit. Und für diese Zeit schwanden auch die Stimmen in seinem Kopf vollkommen. Sie zogen sich zurück und blieben verschwunden. Wie schnell einfache Worte doch einen Plan zunichte machen und ihre Ausführer aus dem Konzept bringen konnten!

„Greift endlich an! Oder soll ich euch holen kommen?“

Das Wesen schien nicht zu verstehen, was nur deutlicher seine Menschlichkeit zeigte. Einfache Lebewesen, keine Geister aus den Nebeln. Es stand da und die Konturen des Kopfes legten sich bei Setheks Drohung in eine leichte Schieflage. Versuchte es, haraxisch zu verstehen oder lauschte es gar auf den Inhalt, eben weil es doch verstand?
Das Wesen beugte sich vor. Gemurmelter Sprechgesang einer Männerstimme erklang. Dann erhob sich der Schatten und mit ihm stiegen weitere wie aus dem Nichts empor. Diese traten nah genug an den Dämon heran. Es handelte sich um gut ein halbes Dutzend. Und es waren Geister!
Sethek erkannte sofort die durchscheinenden Krieger und Kämpfer, Söldner vergangener Zeiten. Ihre Augen waren leer, ebenso wie ihre Seelen. Nur ein Wunsch schien ihre schimmernden Leiber zu durchströmen wie Lebende das Blut in deren Adern: Verteidigen. Was immer die Geister vorhatten, sie sahen den Dämon als eine Bedrohung und mit stoischer Sturheit hoben sie ihre Waffen, um ihn fortzujagen. Jeder einzelne der Geisterwesen trug einen großen Zweihand-Speer. Die Spitzen funkelten, obwohl auch auf sie kein Sonnenlicht traf. Einer holte aus, um Sethek direkt in die Brust zu treffen. Konnten Geister Wunden zufügen?
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Sethek » Dienstag 28. Juli 2009, 15:25

Sethek war verblüfft. Ja auch Dämonen können veblüfft und überascht werden, nur lassen sie sich dies niemals anmerken. Er hatte fest mit einer Schar Lebewesen gerechnet die dieses Land verteidigten und den Nebel und ihre Stimmen als Waffe einsetzten. Er hätte sogar darauf gewettet, dass er jetzt ein paar Tha'Roon gegenüber stehen würde, doch es handelte sich um echte Geistern, was Sethek sehr überraschte. Waren Geister doch Gegner, gegen die auch er nichts ausrichten konnte. Seine Waffen konnten sie vermutlich nicht verletzen und Furcht besaßen solche Wesen bestimmt auch nicht, zumindest spürte er keine.

Viel Zeit um über dies unerwartete Wendung nachzudenken hatte er eh nicht. Der erste der Geister stürmte bereits heran und führte einen mächtigen Stoß mit seinem Speer auf Setheks Brust aus, dem der Dämon elegant auswich. Er kannte sich zwar mit Geistern nicht wirklich aus, aber er war sich sicher, dass sie ihre Waffen nicht zum Spaß trugen und wieso sollten sie angreifen, wenn sie nichts damit ausrichten konnten. Das seine Schattenwesen bei Sterblichen keinen Schaden hinterließen, war schließlich der einzige Grund, warum er ihnen bisher noch nicht den Angriffsbefehl gegeben hatte.

Kaum war er dem ersten Angriff ausgewichen, tauchte bereits der nächste Geist hinter ihm auf und ließ seinen Speer auf seinen Körper zufliegen. Da Sethek noch mitten in der Bewegung war, schaffte er das Ausweichen dieses zweiten Angriffs bei weitem nicht mehr so elegant. Im Gegenteil, er hatte Mühe sich dabei nicht ausversehen sämtliche Bänder in den Beinen zu reißen. Mit einer Hand fing er gerade noch seinen sturz ab, sonst wäre er mit voller Wucht auf den Boden aufgeschlagen. Mit bösem Blick funkelte er den Geist an, der ihn so hinterhältig von hinten angegeriffen hatte. Einer seiner Schatten hatte sich dem Geist entgegengeworfen, doch der Speer war glatt durch ihn durch geschlagen. Klar, wie sollte ein Schatten auch einen Speer aufhalten? Aber da war noch etwas. Der Schatten hatte durchaus Sethek geholfen, ihm vielleicht sogar das Leben gerettet, denn noch einem Angriff hätte er nicht wirklich ausweichen können. Der Schatten hielt zwar nicht die Waffe des Geistes auf, aber den Geist selbst schon. Es schien als könne der Schatten dem Geist nicht wirklich schaden, aber durch ihn durchtauchen konnte oder wollte der Geist auch nicht. Statt erneut anzugreifen blieb er vor dem Schatten stehen und schaute ihn mit leerem Gesichtsausdruck an. Langsam drehte Sethek seinen Kopf und bemerkte, dass rings um ihn herum das selbe passiert war. Das war der Grund, warum er nicht noch von weiteren Geistern angegriffen worden war, sie wurden von seinen Schatten aufgehalten.

Langsam stand Sethek auf und schaute an sich herunter. Es war immer noch dunkel aber durch das glänzende Licht der Geister und dem Mondlicht, dass durch den Nebel reflektiert wurde, konnte man auch in dieser eigentlich dunklen Nacht noch ganz gut sehen.
"Pah", entfuhr es ihm, "Deine Geister kommen nicht gegen meine Schatten an! Deine Zeit ist jetzt abgelaufen, Geisterbeschwörer!" Mit einem diabolischen Grinsen starte Sethek in den Nebel vor ihm, wo er den Mann der sich dort hinter seiner Geisterarmee versteckte, gerade noch erkennen konnte. "Ich kann es spüren! In dieser Nacht werden noch viele Schreie das Land erfüllen!", fügte Sethek noch hinzu, bevor er seine Arme hob und nur einen Augenblick später eine Schattengestalt aus ihm herauslief, die genau seinen Körperumrissen entsprach, aber statt des Mundes und der Augen rotglühende Schlitze besaß, die zu einer erwartungsfroh grinsenden Gruselfratze geformt waren.

"Wie gefällt dir mein Schrecken der Finsternis? Ich bin schon gespannt wie laut deine Schreie sein werden!"
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Erzähler » Donnerstag 30. Juli 2009, 12:20

In den Nebeln und von Sethek nur als Schattenkontur erkennbar, stand der einzige Tha'Roon der Gruppe, die bis eben noch ihre Gedanken in den Kopf des Fremden gesendet hatten. Sie sahen ihn als Eindringling in ihr Reich wie auch die anderen Dunkelelfen, die sich nun in Rugta breit gemacht hatten. Die Tha'Roon versuchten, die Wesen zu vertreiben - natürlich mittels Geistermagie und ihrer Fähigkeit, sich in die Gedanken anderer einzuschleichen. Bei den meisten gelang es nicht, denn es war schwierig, mit Fremden zu kommunizieren, wenn man deren Sprache nicht beherrschte.
Auch dieser Fremde hier, der von Schatten umkreist wurde wie der Tha'Roon von seinen herbeigerufenen Geisterwächtern, wollte sich nicht einschüchtern lassen. Wenn es zum physischen Kampf käme, würde der Tha'Roon den Kürzeren ziehen. Seine Gefährten hatten sich bereits zurückgezogen und ihm mitgeteilt, dass auch er den Angriff abblasen sollte. Aber dieser Tha'Roon stellte sich stur - noch! Er wollte seine Heimat verteidigen und schickte die mit Geistermagie gerufenen toten Wächter los.

Der erste Geist stieß mit seinem Speer nach Sethek, aber dieser konnte in einer einzigen fließenden Bewegung ausweichen. Dafür kam nun ein Stoß eines zweiten Geistes von hinten und schnell würde Sethek feststellen müssen, dass der Speer in seinem Rücken ihn nicht verletzte, aber etwas Anderes geschah. Seine Beine wollten ihm nicht mehr gehorchen, sie waren wie gelähmt. Er würde nicht weglaufen können. Interessanterweise gaben sie aber auch nicht nach, wie es bei Lähmungen üblicherweise der Fall war. Sie standen einfach still und regungslos und weigerten sich, dem Willen des Dämons zu gehorchen. Nicht einmal der Wirt würde sie steuern können. Es lag eine Todeskälte auf den Gliedern, verursacht durch den Geisterspeer. Das war der wahre Grund für die Geister, die Speere zu tragen.
Da Sethek auf diese Weise nun gewissermaßen "augeschaltet" war, hetzte er seine Schatten auf die umher schwebenden Geisterwächter - mit Erfolg. Schatten und Geist standen sich gegenüber. Keiner der beiden griff den anderen an. Sie schienen zu wissen, dass einerseits ein Schatten einem Geist nicht schaden konnte und andererseits der geheimnisvolle Speer eines solchen Geistes nicht in der Lage war, einen Schatten zu lähmen. So befanden sich beide Parteien in einer Patt-Situation. Sie starrten sich aus leeren Höhlen der Finsternis an. Die Geister schwebten auf und ab. Die Schatten rührten sich nicht. Es herrschte ein erzwungener Waffenstillstand. Würde eine von beiden Parteien angreifen, würde die andere sie aufhalten. Es gab keine Sieger bei diesem Duell.

Sethek bemerkte dies und versuchte etwas Anderes. Der Tha'Roon in den Nebeln hatte sich noch immer nicht gezeigt, aber mit deutlichem Ärger sah er zu, dass sein Geisterzauber an dieser Stelle nutzlos wurde. Er würde die toten Wächter wieder fortschicken und sich etwas Anderes überlegen müssen, wie er diesem schattenhaften Fremdling habhaft werden konnte.
Doch dann geschah, womit der Tha'Roon nicht gerechnet hatte: Der Fremde reckte die Arme und ein Ebenbild seiner Selbst erschien, schwarz wie die Nacht mit rot glühenden Augen wie eine Bestie des Harax selbst. Die Körperumrisse waberten verschwommen. Es erinnerte an den Nebel, der sie alle umgab, aber die Dunkelheit des Wesens zeugte von der Finsternis, aus der es geschaffen worden war. Es würde Dinge verschlucken, es war eine Bestie aus tiefster Abneigung. Eine Ausgeburt von Hass, Verderbtheit und Schwärze.

Der Tha'Roon strömte nun Furcht aus. Sethek konnte sie in der Luft schmecken. Sie prickelte auf seiner Haut. Unterdessen ließ der Tha'Roon seinen Geisterzauber fallen. Die Geisterwachen lösten sich in Wohlgefallen auf. Die Schatten umkreisten ihren Herrn und wurden wieder eins mit ihm. Zurück blieb der unheimliche, finstere Doppelgänger, welcher nun das Maul aufriss und einen Schrei wie den Ruf einer Todesfee austieß.
Augenblicklich sandte der Tha'Roon seine Gedanken an die Heimat, wo die Zusammenkunft der Weisen - die Regierung der Tha'Roon - eine Entscheidung traf. Rückzug lautete der Befehl und die Zusammenkunft duldete keine Widerrede.

"Wie gefällt dir mein Schrecken der Finsternis? Ich bin schon gespannt wie laut deine Schreie sein werden!" Sie waren sogar sehr laut. Aber der Schrecken, dieses Scheusal, hatte noch rein gar nichts getan. Trotzdem drangen gequälte Rufe aus den Nebeln. Der Tha'Roon hatte versucht, sich dem Befehl seiner Herrschenden zu widersetzen. Er wollte doch die Heimat verteidigen. Welch krankhaftes Ehrgefühl. Das wurde nicht geduldet und nun durfte der Tha'Roon das erste Ausmaß der Strafe erhalten. Schreiend und unkontrolliert rannte er durch die Hügel. Er kam an Sethek vorbei, ein violetter Schemen, und hechtete quer durch den Nebel. Dann schwand er, die Schreie verstummten mit der Zeit. Setheks Schrecken stand ungerührt neben seinem Herrn. Er würde folgsam Befehle ausführen und sich nicht weigern. Er war ja nur ein Schatten.

Endlich, nach geraumer Zeit, schwand die Lähmung aus Setheks Beinen und er würde seinen Weg wieder fortsetzen können. Die Fledermaus Blutzahn war jedoch verschwunden und stand ihm fortan nicht mehr zur Seite.
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Sethek » Freitag 21. August 2009, 13:34

Sethek hatte sich nach dem beschwören seines Schreckens schon lange gesehnt. War es nicht schon einige Zeit her, dass er seinen ihm eigenen einzigartigen Zauber angewandt hatte. Seine Vorfreude war unbändig gewesen und obwohl er sich nicht sicher sein konnte, welchem Gegner er gegenüber stand, konnte er es einfach nicht mehr erwarten. Ihm war klar, dass dieser Zauber maßlos übertrieben für die Situation sein würde, doch konnte er sein Verlangen nicht länger zügeln. Umso enttäuschter war er, als der Feind von sich aus die Flucht ergriff und trotz lauter Schreie noch lange nicht das Ausmaß an Schmerz und Furcht produzierte, das er sich erträumt hatte. Wut kroch in ihm hoch. Er mochte es nicht wenn sein Verlangen nicht gestillt wurde.
Mit einer Kopfbewegung befahl er seinem Schrecken dem armen Opfer zu Folgen und für jeden Meter den er sich von Sethek weiter entfernen würde grausamere und lautere Schreie ausstoßen zu lassen.
Während sich sein Schrecken gehorsam und mit einem Blut gefrierenden Schrei auf die Verfolgung seines Opfers machte, wandte sich Sethek um. Dieser Ort war ihm zu wieder geworden. Er versprach einem ein schönes und fast einzigartiges Mahl, aber er hielt es ganz und gar nicht. Vielleicht könnte er ja sein Glück in der nächsten Stadt versuchen zu der er sowieso unterwegs war. Hier in der Einöde war wohl nichts für ihn zu holen.

Obwohl es noch immer dunkle Nacht war packte Sethek seine Sachen zusammen. Ihm war die Lust am schlafen vergangen und sein nichtsnutziger Schreckensdiener hatte immer noch keine Nahrung für ihn in der Luft hinterlassen. wütend machte er sich auf den Weg weiter zur Stadt, zumindest ging er davon aus. Als Dämon brauchte er kaum Orientierung. Er war schließlich nie wirklich aus seiner Domäne herausgekommen bevor er in diese Welt beschworen wurde. Daher griff er auf die Fähigkeiten Seths zurück, die jedoch auch nicht unbedingt die besten waren, wovon Sethek jedoch nichts wissen wollte. Immerhin war er ein Dämon! Wie könnte man ihm also nachsagen, sich zu verlaufen.

Trotz alledem folgte Sethek seinem Bauchgefühl, dass ihn zuversichtlich in die Dunkelheit hinaus geleitete.
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Re: Der Schatten zieht nach Rumdett

Beitragvon Erzähler » Samstag 22. August 2009, 19:42

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