Zum ersten Mal Wärmeglück

Dieser Landstrich ist so hügelig, dass man vergeblich nach einem flachen Stück Erde suchen wird. Tagsüber eine saftige Landschaft mit Wiesen, Wäldchen und Grasebenen. Doch nachts kommen die Nebel über das Reich und mit ihnen unheimliche Schrecken.

Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Donnerstag 25. Dezember 2008, 12:51

Kommend von: Das Eisreich --> Ein letztes Mal Kälteglück

Selyns Blick glitt über das Land. Ihr Kopf konnte es nicht begreifen und ihre Augen konnten nicht genug sehen. Für Selyn war die gesamte Welt, ja ganz Celcia, schon immer in Schnee und Eis versunken. Viele der Eiselfen glaubten an die Existenz anderer Länder auf der Welt doch nur wenige vermochten auch darüber zu berichten. Und wenn diese ihre Geschichten erzählten, hörten sich ihre Worte so unglaublich an, dass sie Selyn schon immer als Wunder abgetan hatte.
Doch in diesem Moment stand sie an der Schwelle zu diesem Wunder. Ihre Augen schienen ganz neue Farben zu entdecken und die allgegenwärtige Luft selbst, schien hier ganz anders zu riechen. Der Boden schimmerte wie der Schnee, den Selyn aus ihrer Heimat her kannte, doch es war die braune Erde selbst, die glitzerte und funkelt. Am meisten beeindruckte sie jedoch die Farbenpracht des Landes. Die Dunsthügel, wie die kleinen weitläufigen Hügel vor ihnen genannt wurden, waren mit graugelb bis graugrünem kurzem Gras bedeckt und vereinzelt standen Bäume mit ihren massiven braunen Stämmen und ihren dunkelgrünen Blättern und Nadeln auf den flacheren Teilen des Landes.
Zwei oder drei schwarze Vögel kreisten über einem der Bäume und schienen sich gegenseitig anzufeuern. Zumindest erzeugten sie Geräusche, die Selyn noch nie gehört hatte. Immer wieder zogen Winde über das Land, was die Wärme dieses Ortes für Selyn doch einigermaßen erträglich machte. Alles in Allem hätte der Anblick dieser Länder in so gut wie jedem Betrachter ein leichtes schaudern ausgelöst, aber für Selyn, die ja nur ihre weiße Heimat kannte, war bereits dieser eigentlich recht düstere Ort der Inbegriff von Farbe und Fröhlichkeit.
Lange Zeit stand sie da und Blickte auf die Welt vor ihr. Eine Windböe wehte verspielt um sie herum und ließ dabei ein kleines Heulen erklingen.

<span style="color:D4F8FD;"><i> “Ja, das ist ein unglaublicher Anblick, meinst du nicht auch?“</i></span>, flüsterte ihr Ranarion ins Ohr und legte seine Hand erneut auf ihre Schulter, was bei Selyn ein kleines Unbehagen auslöste. In solch einem Moment brauchte sie einfach keinen Kontakt mit anderen, der sie wie ein Stein am Boden festzuhalten schien, während sie über das Land schweben wollte um all die Wunder zu erblicken. Sie wurde gegen ihren Willen aus ihrer fantastischen Welt herausgerissen, was bei ihr eben dieses negative Gefühl auslöste. Doch der Eiself fuhr unbeirrt fort.

<span style="color:D4F8FD;"> <i>“Was deine Fragen von eben betrifft kann ich dir folgendes sagen: Nein, du bildest es dir nicht ein. Diese Pflanzen existieren wirklich und sind Teil der großen Schöpfung. Ja, es handelt sich wirklich um echtes grünes Gras und nicht nur das. Noch viele andere Arten sind darunter zu finden und ja, sie kämpfen sich hier an der Grenze des Eisreiches durch den Schnee, um Zeugnis dafür zu sein, dass es selbst für die Kälte eine Grenze gibt. Hier, wo es wärmer und nicht ganz so frostig ist, wie in deiner und meiner Heimat, schafft es die eine oder andere Pflanze sich der Witterung zu widersetzen und zu erblühen.“</i> </span>

<span style="color:D4F8FD;"> „Ja danke, das habe ich schon mitbekommen, so dumm bin ich auch wieder nicht!“ </span>, antwortete Selyn mit genervter Stimme und schob Ranarions Hand von ihrer Schulter. Auch Flocke, der es sich bis zu diesem Zeitpunkt auf Selyns anderer Schulter gemütlich gemacht hatte, schien jetzt immer wieder mit zuschnappendem Gebiss zeigen zu wollen, das der Platz ihm vorbehalten war. Zusätzlich setzte sich das Tier trotzig auf die Schulter, auf der eben noch Ranarions Hand gewesen war und streckte dem verblüfften Eiselfen den Hintern entgegen.

Selyn ging langsam einige Schritte voran in die neue Welt. Sie wollte sie nicht nur sehen, sie wollte diese Welt fühlen und erforschen. Kaum war sie einige Schritte weiter gegangen, streckte sie ihre Hand aus und ließ sie über die Grashalme gleiten. Sie fühlten sich kalt und nass an aber auch irgendwie frisch und lebendig. Da sie sich etwas bücken musste, um bis an das Gras zu reichen, roch sie jetzt auch den süßen Geruch von feuchter Erde, der sie komplett zu umgeben schien. Sie kannte diesen Geruch bereits aus ihrer Heimat, doch war er dort eher selten anzutreffen. Hier jedoch schien er der einzig wahre und allgegenwärtige Duft zu sein, nur ab und zu durch die frische Luft der Windböen unterbrochen.
<b>Das ist der wahre Geruch der Natur!</b> dachte sich Selyn und atmete ihn mit geschlossenen Augen und mit genussvollem Gesichtsausdruck ein, bevor sie weiter in die neue Welt schritt.
Zuletzt geändert von Selyn am Montag 9. März 2009, 18:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Samstag 3. Januar 2009, 00:20

Es war schlichtweg beeindruckend, was die beiden Eiselfen dort vor sich sahen.
Eigentlich kannten sie, oder zumindest Selyn, nur den Anblick des weißen und reinen Schnees und eventuell nur einzelne Bilder einer grünen Landschaft aus einem alten, vergilbten Büchern, aber dieser Anblick, welcher sich ihnen auftat, war einfach atemberaubend. Dieser ganze Landstrich, den sie erblicken konnten, war übersäht von Hügeln und es mochte den Anschein haben, dass nicht ein Flecken der Erde ohne eine Erhebung beziehungsweise Vertiefung war. Flächen saftig grünen Grases überwucherte alles und an einzelnen Stellen fanden sogar Bäume genügend Platz und die richtigen Voraussetzungen um sich zu entfalten. Aber nicht nur einzelne, sonder ganze Grüppchen der Sinnbilder des Lebens schlossen sich zu kleinen Hainen zusammen. Auch waren ganze Hügel und Täler mit vielen verschiedenen, bunten Blumen übersät. Sie wiegten sich leicht im, für Bewohner wärmeren Regionen, kalten Luftzug und schwangen von einer Seite zur Anderen, immer in Richtung des Windes. Alles in allem eine Traumhafte Gegend mit dem Namen: <b>Das Reich der Dunsthügel</b>

Ranarion war völlig in diesen Anblick versunken und so bemerkte er gar nicht, dass er noch immer seine Hand auf ihrer Schulter hatte. Jedoch sollte er bald daran erinnert werden. Nachdem er Selyns Fragen, welche sie offenbar nicht wirklich ernst gemeint hatte, beantwortete erhob diese ihre Stimme und ein erneuter und plötzlicher Stimmungswechsel ergriff von ihr besitz.

<i><span style="color:D4F8FD;">“Ja danke, das habe ich schon mitbekommen“</span></i>, wetterte sie ihn mit genervter Stimme an und fuhr fort: <i><span style="color:D4F8FD;">“so dumm bin ich auch wieder nicht!“</span></i>

Zudem wischte sie ihm unwirsch seine Hand von ihrer Schulter, als wolle sie ihm damit sagen oder vielleicht sogar drohen, dies niemals wieder zu tun. Etwas erschrocken schwebte seine Gliedmaße noch in der Luft und genau diesen Momentan nutzte der kleine Flocke aus, sich wieder auf seinem eigentlichen Stammplatz breit zu machen – jene Schulter, auf welcher der Erwachsene seine Hand gelegt hatte.
<b>Aber… was…?</b>, huschte der Gedanke durch den Kopf des Elfen aber schon war er wieder abgelenkt, denn das Frettchen schien ebenfalls beschlossen zu haben Ranarion seine Grenzen zu zeigen und so streckte es ihm sein Hinterteil entgegen, während er es sich auf seinem Platz gemütlich machte.

<span style="color:D4F8FD;">“Dieses…</span>, nuschelte der Mann in seinen nicht vorhanden Bart hinein und beobachtete, wie die junge Adeptin ein paar Schritte in die für sie neue Welt machte.

Er lies sie auch ganz gehen, war doch ihre Geste deutlich genug gewesen, dass er sie verstanden hatte und er wollte sie allein diese fabelhafte und vor Leben strotzende Gegend erkunden lassen. So hielt er sich zurück, verweilte weiter an Ort und Stelle und rührte sich nicht, lies nur seinen Blick auf seiner Begleitung und hin und wieder über die Weiten streifen, damit ihm nichts gefährliches entging – sollte etwas auftauchen.

Ein leichtes, fast kaum merkliches Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als er beobachten konnte, wie sich die junge Eiselfe zum grünen und braunen Boden hinab bückte, um den Geruch zu erschnuppern, den es an sich hatte. Sie schien völlig in ihrem Erstaunen versunken zu sein, nahm ihre soziale Umwelt offenbar gar nicht mehr richtig wahr und, so mochte es den Anschein haben, hatte sie nur noch Augen für das Gras, die Blumen und die Erde.

Der Himmel war klar und nur wenige, einzelne Quellwolken bedecken kleine Bereiche des sonstigen Firmament. Der Wind wehte immer wieder in geringen Böen und trug die Luft mit sich mit, durchzog die Landschaft von einer unendlichen Seite zur anderen, verlor sich dann irgendwo, weit weg von ihrem Sichtfeld.

<span style="color:D4F8FD;">“Bei Ventha, ist das lange her…“</span>, murmelte der Elf vor sich hin, während er die Entscheidung traf sich nun auch endlich in das völlig andere Gebiet zu wagen.

Jedoch hatte er den Ausbruch Selyns noch nicht vergessen und ging einfach, ein paar Schritte von ihr entfernt, an ihr vorüber und marschierte einfach weiter, ohne auf die junge Elfe zu warten. Er wandte sich auch nicht nach ihr um und wenn er wirklich ehrlich zu sich war, so würde er sich eingestehen müssen, dass es ihm eigentlich sogar egal sein konnte, was sie gerade tat. Allerdings hatte er einen Narren an ihr gefressen und er wusste wohl selbst nicht, warum er sich dermaßen um sie kümmerte. Dennoch wog der letzte Stimmungswechsel dermaßen schwer auf seiner Selbst, dass er einfach weiter stapfte.

<span style="color:D4F8FD;">“HE SELYN!“</span>, rief er ihr zu, ohne sich umzudrehen. <span style="color:D4F8FD;">“KOMM ENDLICH, ODER ICH LASS DICH HIER EINFACH ZURÜCK! WIR HABEN NOCH EINEN WEITEN WEG VOR UNS!“</span>
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Freitag 16. Januar 2009, 14:57

Selyn blickte Ranarion genervt hinterher.

<b>Pff, was bildet der sich den ein. Der benimmt sich ja, als wäre er mein Vater. Bisher war er doch so nett zu mir und jetzt plötzlich will er, dass ich das Leben des armen Grases auslösche und ist gereizt. Tja, so wies aussieht kommt jetzt sein wahres Ich zum Vorschein. Ich sollte wirklich besser aufpassen, mit wem ich durch die Gegend laufe. Aber… vielleicht vermisst er auch nur seine Eisheimat wie ich es tue und ist genervt, dass er sie wegen mir und meinen Drachen verlassen musste. Hm… eigentlich musste er das ja gar nicht. Eigentlich tut er mir einen Gefallen, weil er von Beginn an freiwillig mit mir reiste. Ich glaube, ich sollte doch etwas netter zu ihm sein und selbst wenn ich falsch liegen sollte, Fröhlichkeit ist niemals fehl am Platz!</b>

<span style="color:D4F8FD;">„Was meinst du Flocke, kann man ihm trauen?“</span>, fragte sie ihr Frettchen, das prompt begann, zu dem Eiselfen rüber zu schielen, der nach wie vor unbeirrt weiter in das Land stampfte und dabei wohl ungewollt durch seinen etwas erzwungen wirkenden Trotz leicht komisch aussah. Nach einer kurzen Weile begann Flocke langsam mit seinem Kopf auf und ab zu wippen und kuschelte sich kurz darauf an Selnys Hals.
<span style="color:D4F8FD;"> „Ja, das habe ich mir auch schon gedacht.“ </span>, antwortete diese mit einem Lächeln auf die Reaktion ihres besten Freundes.

<span style="color:D4F8FD;"> „Hey, Ranarion!“ </span>, rief sie, während sie einfach auf ihn zu sprintete. <span style="color:D4F8FD;"> „Warte auf mich! Ich bin doch noch nie hier gewesen und du wirst doch wohl kein junges Mädchen allein in einer unbekannten Welt lassen wollen, oder?“ </span>

Fröhlich sprang sie die letzten Meter und klammerte sich beim erreichen ihres Begleiters an dessen Arm.

<span style="color:D4F8FD;"> „Schau doch nur diese Bäume und diese Vögel am Himmel und erst der Boden! Das Alles ist das pure Leben und ein weiterer Beweis dafür, dass das Herz des Eisdrachens doch einen guten Teil haben muss. Sonst hätte er nicht so einen schönen und großen Platz des Lebens in mitten des Eisreiches gelassen. Ich kann noch nicht einmal den Beginn der nächsten Eislandschaft erkennen, so groß ist diese Fläche! Ob hier noch andere Lebewesen leben?“ </span>
Sie schaute Ranarion mit großen Augen fragen an.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Sonntag 18. Januar 2009, 13:32

Ein erneuter Stimmungswechsel schien die junge Eiselfe zu packen, denn als Ranarion damit drohte sie einfach hier zurück zu lassen und allein weiter zu gehen, sprang diese auf und kam fröhlich auf ihn zugesprintet – natürlich nach einer kurzen Verzögerung als sie sich so ihre Gedanken über den Mann gemacht und ihren kleinen Freund Schneeflocke darüber gefragt hatte.
Der Erwachsene unterdessen war einfach stur geradeaus gegangen, hatte nicht inne gehalten und sich auch nicht zu dem Mädchen umgewandt. Ihre letzten Worte und ihr dazugehöriges Verhalten hatten ihn doch tief verletzt, selbst wenn er es sich nicht wirklich eingestehen wollte. Nun, daraus hatte er gelernt, dass man die Kleine nur mit einiger Vorsicht genießen konnte.

<b>Ich verstehe einfach nicht, warum sie so seltsam ist. Ich habe wahrlich schon viele Persönlichkeiten in meinem Leben kennen, lieben und auch hassen gelernt, aber so etwas ist mir noch niemals unter gekommen. Sie wechselt förmlich sekündlich ihre Stimmung, von fröhlich zu verärgert, von glücklich zu traurig, von zuvorkommend zu trotzig und von freundlich zu beleidigend. Das ist mir ein echtes Rätsel…</b>

Als sie ihn erreichte, hakte sie sich bei ihm ein und schien ihn förmlich fröhlich anzulächeln. Sie machte ein weite Geste zu der grünen und lebendigen Landschaft und erhob ihre Stimme.
<i><span style="color:D4F8FD;">“Schau doch nur diese Bäume und diese Vögel am Himmel und erst der Boden!“</span></i>, meinte sie und man konnte ihre Begeisterung regelrecht in den Worten hören. <i><span style="color:D4F8FD;">“Das Alles ist das pure Leben und ein weiterer Beweis dafür, dass das Herz des Eisdrachens doch einen guten Teil haben muss. Sonst hätte er nicht so einen schönen und großen Platz des Lebens in mitten des Eisreiches gelassen. Ich kann noch nicht einmal den Beginn der nächsten Eislandschaft erkennen, so groß ist diese Fläche! Ob hier noch andere Lebewesen leben?“</span></i>

Unwillkürlich musste Ranarion bei diesen Worten Lächeln. Sie war noch so jung und Naiv und sie schien wirklich fest daran zu glauben, dass an allem der schlafende Drache in Erstria beteiligt war. Er jedoch wusste es besser, lies jedoch zunächst noch nichts davon anmerken. Es erstaunte ihn, dass sie noch immer glaubte im Eisreich zu sein und nun nur eine „Insel“ aus lebendem grün und braun erreicht zu haben. Sie schien wirklich fest daran zu glauben, dass sie irgendwann, wenn sie nur lange genug in die selbe Richtung gingen, wieder auf eine feindliche Eislandschaft treffen würden.

So gingen sie ein paar weitere Schritte, in diese für die junge Adeptin unglaubliche Landschaft hinein und keiner von beiden sagte auch nur ein Wort. Der Eiself schien erneut in Gedanken versunken zu sein, so jedenfalls konnte es den Anschein haben, bis er schließlich seinen Kopf zu ihr hinab senkte und sie aus ernsten Augen heraus ansah.

<span style="color:D4F8FD;">“Ja, diese Gegend ist wahrlich voller Leben. Blühende Bäume, Blumen und Gras. Die Erde ist warm und fruchtbar, der Himmel blau, naja mit ein paar Wolken verhangen. Aber mir scheint, dass du in der Schule nicht wirklich über die Welt, in welcher wir leben, aufgeklärt wurdest. Kann das sein?“</span>, meinte er mit wohl gewählten Worten.

Er wollte sie nicht gleich wieder verärgern, darum hielt er ihr nicht vor etwas nicht zu wissen, sondern hinterfragte den Grund warum sie etwas nicht wusste oder nicht zu wissen vorgab. So war es vielleicht besser in ein Gespräch mit ihr zu kommen, hatte sich der Elf überlegt, während sie beide geschwiegen hatten.
Nun wartete er auf ihre Antwort bevor er eventuell mit irgendwelchen Erklärungen begann, die sie vielleicht schon kannte und ihr somit wieder nur etwas erzählte, dass sie womöglich langweilte.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Dienstag 27. Januar 2009, 16:12

Selyn hörte sich die Worte ihres Begleiters an, während sie weiter ihre schöne Umwelt bestaunte. Vielleicht auch deshalb rieselten seine Worte nur nach und nach in ihren Verstand hinein. Noch kurze Zeit fuhr sie unbeirrt fort, die Welt zu betrachten, doch dann merkte man, wie ihre flinken, hopsenden Bewegungen zusehens langsamer wurden und nach kurzer Zeit ganz zum Stillstand kamen. Langsam drehte sich die Eiselfin zu Ranarion um. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich eine leichte Verwirrung wieder.

<span style="color:D4F8FD;">„Wie meinst du das?“</span>, fragte sie ihren Begleiter langsam und schaute ihm dabei direkt in die Augen.

Ranarion schien sich mit den ersten Worten schwer zu tun. Er wusste nicht, wie er seiner Gefährtin seine Gedanken schonend beibringen konnte. Er wandte seinen Blick auf den Boden und ging einige Schritte weiter auf Selyn zu. Diese starrte weiter unbeirrt in seine Augen und begann rückwärts laufend mit Ranarions Geschwindigkeit mitzuhalten. Neugier hatte jetzt ihre Mimik übernommen und blitzschnell schossen ihr viele Fragen und Gedanken durch den Kopf.

<b>Wie meint er das? Denkt er, ich habe in der Schule nicht aufgepasst? Oder das meine Lehrer schlecht waren? Habe ich etwas gesagt, das falsch war? Etwas Dummes? Er weiß doch ganz genau, dass ich noch nie außerhalb meiner Heimat war!</b>

<span style="color:D4F8FD;"> „Na los, sag schon. Jetzt hast du mich neugierig gemacht!“ </span>
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Sonntag 1. Februar 2009, 22:20

Unsicher ob er nun wieder einen wunden Punkt bei der jungen Eiselfe getroffen hatte, wartete der Erwachsene auf eine Antwort von ihr. Als jedoch auch nach einer Weile nichts kam, senkte er den Blick. Er bemerkte, wie sich die Bewegungen seiner Begleitung verlangsamten, immer weniger wurden, bis sie schließlich vollends verebbten. Selyn war stehen geblieben und schaute Ranarion direkt in seine Augen.

“Wie meinst du das?“, fragte sie ihn endlich auf seine Worte hin.

Dem Elfen schossen viele Gedanken durch den Kopf. Wie meinte sie nun wieder das? Er hatte sich doch eigentlich recht deutlich ausgedrückt, aber anscheinend wohl nicht klar genug. Auch war er sich nicht sicher darüber wie und ob er auf diese Frage antworten solle. Wenn ja – und dies wäre vielleicht besser – wie würde er es ihr dann schonen beibringen, wie sollte er die passenden Wortkombinationen finden, welche sie nicht verletzen würden.

Schließlich jedoch hob er seinen Kopf und Blick und erwiderte ihren direkten Augenkontakt. Auch begann er ein paar Schritte auf sie zuzugehen, langsam aber stetig, immer einen Fuß vor den anderen.
In ihrem Gesicht schien sich die Mimik zu verändern, sodass es deutlich ihre große Neugierde ausdrückte. Diese Optik gab dem Erwachsenen wieder seine Sicherheit zurück und er beschleunigte seine Schritte. Zur selben Zeit mochte sich Selyn dazu entschließen vor ihm zurück zu weichen, denn nun begann sie damit ihre Schritte rückwärts aufzunehmen und schaffte es sogar sich seiner Geschwindigkeit äußerst schnell anzupassen.

Warum weicht sie vor mir zurück?, dachte sich Ranarion, ging aber immer weiter auf sie zu.

Schließlich jedoch erschien es ihm besser zu sein, einfach stehen zu bleiben, denn wie weit sollte er sie denn noch zurück treiben. Und so tat er es dann auch, ganz plötzlich und abrupt hielt er inne und stand nun an Ort und Stelle.
“Na gut Selyn, du willst es wissen? Dann werde ich es dir erklären. Pass auf!“, meinte er und kramte eine Pergamentrolle aus seinem Rucksack hervor. Danach kniete er sich nieder und breitete das Schriftstück auf dem Boden aus.
Dabei handelte es sich um eine Karte, eine Karte, welche mehrere Landstriche zeigte.
Ranarion wartete bis die junge Eismagierin sich zu ihm gesellte und fing dann mit seinen Erläuterungen an.

“Also, ich weiß nicht wie weit du über die Geographie informiert bist. Deshalb fang ich ganz von vorn an. Das hier…“, er deutete auf das Eisreich, “…ist das Eisreich, wo wir noch vor kurzem waren. Dieser ganze Landstrich ist unser Reich und hier liegt unsere Heimatstadt Estria. Momentan befinden wir uns hier im Nordwesten des Reiches der Dunsthügel. Dort hin wollen wir, der Urwald Kapayu. Er bedeckt einen beachtlichen Teil des Südlandes. Dann gibt es noch die Königreiche Jorsan und Grandessa, aber die sind nicht besonders bedeutend für uns.
Wie du siehst ist das Eisreich nur ein kleiner Teil der Welt, auf der wir leben.“


Er blickte nun das erste mal zu seiner jungen Begleiterin auf und hoffte nicht gleich wieder ein beleidigtes Gesicht vor sich zu sehen.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Montag 9. März 2009, 22:40

Selyn schaute ihrem Begleiter gespannt zu, während er die Karte auspackte und auf dem Boden ausbreitete. Seine Worte drangen erneut nicht wirklich zu ihr durch. Irgendwie redete er ihr zu viel und nur das Wenigste interessierte sie wirklich. Doch dieses mal kam auch ein weitere Grund dazu. Die Tatsache, dass ihr Eisreich, im Angesicht der restlichen Welt, so klein war, verschlug ihr die Sprache. Auf der Karte, auf der Ranarion mit seinem Fingern herumwedelte, war ihr geliebtes Eisreich so ein kleiner Fleck, dass er ihr, so abgelegen am Rande der Welt, unbedeutend vorkam und im Gegensatz zu früher konnte sie diese Tatsache nicht einfach verwerfen. Schließlich stand sie mitten in dem Beweis, dass die Karte richtig lag. Um sie herum war kein Schnee, und lange waren die beiden nicht unterwegs gewesen, um diese Grenze zu erreichen.

"Das Eisreich ... ist ... zuende? Es ist nicht die ganze Welt? Es ist Wirklichkeit?", stammelte Selyn verwirrt, wich zwei Schritte zurück und viel dann, mit dem immer noch gleichen verblüfften Gesichtsausdruck, auf ihren Hintern. Obwohl ihr Po etwas schmerzte, ignorieret sie alles um sie herum und starrte weiter in die Leere.

Ranarion, der besorgt aufgesprungen war und zu ihr eilte, befürchtete sie endgültig verstört zu haben. Er stellte sich vor sie und schaute ihr besorgt in die Augen.

Selyn wusste nicht was sie denken sollte. Natürlich hatte sie bereits früher solche Karten gesehen, doch die Vorstellung, dass das Eisreich ein Ende hatte, war für sie immer unmöglich gewesen. Ihr Gedanken zeigten ihr Unmengen von Bildern, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten, bis sie den Schultag, in dem Geographie behandelt worden war, vor sich sah, als wäre sie wieder die kleine Adeptin in ihrer Akademie. Sie sah sich selbst, wie sie gelangweilt aus dem Fenster des großen Turmes blickte und dem Schnee beim Fallen zusah.
Eine Stimme drang an ihr Ohr, doch sie ignorierte sie, bis sie am Arm gepackt und gerüttelt wurde. Ihr Blick wandte sich von ihrem Fenster ab und schaute böse auf ihre Lehrerin, die versucht hatte, Selyns Konzentration wieder auf den Unterricht zu lenken. Die ganzen Worte, die aus dem Mund der Magierin flossen, schienen wie in einem schwarzen Loch verschluckt zu werden, bevor sie zu Selyn durchdrangen, doch für einen kurzen Moment erblickte sie die seltsamen Karten, die an der Wand hingen. Sie zeigten, genauso wie Ranarions Karte, das Eisreich und all die anderen Länder um es herum. Selyn fühlte die aufkommende Wut ins sich. Wie konnte eine Eiselfin es wagen die Macht des Drachens so zu unterschätzen. Niemals würden diese Karten der Wahrheit entsprechen. Kurz darauf zersprangen die Karten an der Wand in tausende kleine Eissplitter und Selyns Blick wandte sich wieder dem Schnee hinter ihrem Fenster zu.

Nur langsam kehrte Selyn wieder in die Realität zurück. Sie blickte sich erst kurz um und sah Ranarion neben ihr knien. Er hatte sie am Arm gepackt und an ihr gerüttelt, wahrscheinlich um sie aus ihrem Tagtraum zu holen. Auf jeden Fall wirkte er erleichtert, als sie seinen Blick endlich erwiderte.

"Es ist wahr, oder?", begann Selyn langsam und sachte zu sprechen. "Das Eisreich ist nur ein kleiner Teil dieser Welt!
Ranarion schaute seine Begleiterin kurz verblüfft an und nickte dann sachte. "Ja, es ist wahr!", bestätigte er Selyns frage zusätzlich.

Selyns blick löste sich von Ranarion und schweifte über das Land um sie herum. Dabei gruben sich ihre Hände in den kalten und nassen Erdboden. Selyn fühlte die Natur in diesem Moment so nahe wie sie es noch nie zuvor gefühlt hatte. Dann schwenkte ihr blickt zu ihrem Begleiter zurück.

"Dann ist es gut! Dann haben längst nicht alle Lebewesen so hart kämpfen müssen und dann gibt es auch noch viele wundervolle Orte, die entdeckt werden müssen!", sagte Selyn mit einem Lächeln und aufsteigender Begeisterung in der Stimme.

Nachdem sie galant nach Ranarions Hand gegriffen hatte und sich an dieser empor zog, rückte sie ihre Sachen wieder zurecht und schaute ihn vergnügt an.

"Also, wo ist jetzt dieser Kapayu, von dem du vorhin gesprochen hast?"
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Freitag 13. März 2009, 08:33

Nachdem Ranarion mit seiner Erklärung fertig war, blickte er wieder zu seiner jungen Begleiterin auf. Er hoffte, sie nicht schon wieder auf irgend eine Art und Weise genervt oder verletzt zu haben, denn langsam aber sicher wusste er nicht mehr wie er noch darauf reagieren sollte und mittlerweile war er es eigentlich sogar satt.
Als er nun so ihr hinauf schaute, sah er in ein eher desinteressiertes Gesicht und so konnte er doch recht schnell daraus schließen, dass Selyn an dem soeben gesagten und erklärten nur recht wenig Anteilnahme zeigte. Was genau sie beschäftigte konnte der erwachsene Elf nur erraten, denn noch gab sie kaum etwas von sich.
Er seufzte vernehmlich, rollte die Karte wieder zusammen und verstaute sie in seinem Rucksack. Danach stand er wieder auf, schulterte den Beutel und wollte sich gerade abwenden, als die junge Eiselfe doch endlich ihre Sprache wiederfand.

"Das Eisreich ... ist ... zuende? Es ist nicht die ganze Welt? Es ist Wirklichkeit?", meinte Selyn stammelnd und Ranarion hielt abrupt in seiner Bewegung inner, als er das hörte.

Er drehte sich wieder zu ihr zurück und blickte in das verwirrte Gesicht. Erneut seufzte er, diesmal jedoch kaum merklich, blieb aber weiterhin an Ort und Stelle stehen. Er näherte sich ihr nicht und wollte somit etwas Distanz zwischen ihnen wahren. Als sie seine Hand doch recht grob von ihrer Schulter geschoben hatte, hatte er noch nicht vergessen. Zudem wisch die Schülerin nun noch zwei bis drei Schritte weiter zurück und verlor dabei das Gleichgewicht.
Ranarion konnte sehe, wie sie wie in Zeitlupe rückwärts fiel und unsanft auf ihrem Hintern landete. Aber auch hier machte er zunächst keine Anstallten sie aufzufangen oder aber ihren Sturz auf irgendeine Art und Weise zu mildern.

Was sollte denn das jetzt schon wieder? Mag ja sein, dass sie verwirrt und verstört ist, nachdem sie nun endlich erfahren hat, dass das Eisreich nicht die ganze Welt ist, sondern nur ein kleiner Teil davon. Aber trotzdem muss man ja nicht solch ein Theater veranstalten...

Ein dritter Seufzer entrann sich seiner Kehle, aber schließlich schien sich der Mann dazu zu entschließen, ihr wenigstens beim Aufstehen behilflich zu sein. So trat er vor sie, legte eine einigermaßen besorgte Miene auf sein Gesicht und streckte ihr seine Hand entgegen. Nichts geschah, keine Reaktion der jungen Eiselfe und sie starrte einfach nur starr geradeaus. Ranarion schloss für einen Augenblick die Augen, wollte sich so wieder beruhigen, denn in seinem Inneren stieg bereits die Ungeduld und ein säuerliches Gefühl auf. Jedoch wollte dies nicht seiner Begleitung offen zeigen und so unterdrückte er sie, indem er ein paar mal mit seinen geschlossenen Augen tief durchatmete.
Als er sie wieder öffnete sah er von neuem in das starre Gesicht der jungen Elfe und da schien es ihm, dass sie tief in Gedanken versunken zu sein schien. Er kniete sich nun neben sie und packte sie an ihrem Arm. Eigentlich wollte er sie rütteln, um sie wieder in das Hier und Jetzt zurück zu holen, allerdings entschied er sich dann doch dagegen und wartete einfach. Auch ignorierte er den kleinen Flocke, welche ihn misstrauisch anzusehen schien. Schließlich jedoch, es schien fast eine kleine Ewigkeit zu dauern, kam Selyn wieder aus ihren Gedanken und Erinnerungen zurück und erwiderte den Blick des Erwachsenen.

"Es ist wahr, oder? Das Eisreich ist nur ein kleiner Teil dieser Welt!, fragte sie nun endlich.

Ranarion glaubte kaum, was er dort hörte. Klang in der Stimme nun endlich Verständnis mit? Er konnte es nicht wirklich sagen und ob sie darauf wirklich eine Antwort wollte, wusste er auch nicht. Es war schon so oft vorgekommen, dass sie ihn etwas fragte und als er ihr dann eine passende und erklärende Antwort gab, schien sie diese nicht mehr hören zu wollen. War es diesmal wieder genauso? Er hatte ihr ja schon mitgeteilt, dass das Eisreich nur ein kleiner Teil der Welt war und wenn er dies nun wieder tat, so würde sie wohl wieder nur mit einem Ohr hinhören, wenn überhaupt. So jedenfalls schätzte er die junge Adeptin mittlerweile ein.
Schließlich jedoch schien er zu dem Schluss zu kommen, wenigstens durch ein Nicken seine Zustimmung zu der gestellten Frage zu geben und so erstaunlich es selbst für ihn war, hörte er sich plötzlich "Ja, es ist wahr!" bestätigend sagen.

Nachdem sich Selyn aus seinem Griff befreit hatte, stellte er sich wieder zu seiner vollen Größe auf und streckte ihr erneute seine Hand zur Hilfestellung beim Aufstehen entgegen. Bevor sie diese jedoch ergriff erhob sie noch einmal ihre Stimme und zu der Verblüffung des Mannes sprach sie im perfektem Celcianisch. Sie meinte, dass es gut sei und dass wenigstens nicht alle Lebenwesen so hart ums Überleben haben kämpfen müssen, dass es noch viele Stellen und Orte zu entdecken geben müsse. Erneut nickte er einfach nur und wartete, dass sie endlich aufstand, was sie dann auch tat.
Diesmal konnte er sehen, wie sich ein vergnügter Ausdruck auf ihre Gesicht legte, als sie nach dem Weg zum Kapayu fragte.

"Wir müssen hier entlang. Komm Selyn, wir sollten uns sputen. Vor Sonnenuntergang würde ich die Dunsthügel gerne hinter uns gelassen haben. Ich bin nicht gerade erpicht darauf hier übernachten zu müssen, nicht bei den Geschichten, die man sich über diesen Ort erzählt.", meinte der Elf endlich und ging schon wieder voraus.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Sonntag 31. Mai 2009, 13:59

Selyn folgte Ranarion wie ein gefolgsames Schulmädchen ihrem Lehrer. Obwohl sie die Umgebung mittlerweile schon ausgiebig beobachtet hatte, schienen ihre Augen auf ihrem weiteren Weg noch größer zu werden als sie es ohnehin schon gewesen waren. Selyn selbst schien jede banale Kleinigkeit zu bestaunen, als wäre sie eben erst in dieser Welt angekommen. Die grün glänzenden Grasflächen, die von weitem so üppig erschienen, als wäre es nichts anderes als grüner Schnee der mit der Sonne um die Wette glänzte, erstaunte und begeisterte sie genauso, wie die Baume, die abgesehen von ihren mächtigen Stämmen, das selbe strahlende Grün zeigten und sich faszinierend im Wind bewegten. Blumen tauchten in unregelmäßigen Abständen zwischen den Grasflächen auf und stellten mit ihrer Farbenvielfalt einen wunderschönen Kontrast dar. Überall raschelte es in Büschen und Gräsern. Es schien, als wäre hier jedes noch so kleine Fleckchen Erde von Leben beseelt. Jeder Vogel bekam Selyns volle Aufmerksamkeit und ihre Finger strichen immer wieder durch den Wind und den leichten Nebel, der sich hier immer neu aufzubauen schien. Ihre Nase konnte sich nicht satt riechen an all den bekannten, aber umso intensiver wirkenden, und den unbekannten Gerüchen, die sich nicht selten zu einer faszinierenden Kombination zusammenschlossen. Wie von selbst schloss sie nach und nach zu dem erwachsenen Elfen auf und harkte sich bei ihm ein, ohne dabei ihre blau glänzenden Augen von der Umgebung zu lösen. Selyn spürte ein inneres Glück in ihr aufsteigen, das mit dem Erlebnis mit Flocke durchaus gleichzusetzen war. Sie begann sich zum ersten Mal in ihrer Umwelt richtig wohl zu fühlen. Für sie war es, als hätte sie endlich ihr lang ersehntes zu Hause gefunden und sie wusste, das sie hier richtig war, als wäre über all die Jahre nie etwas anderes als die Natur ihre Heimat gewesen.

Flocke saß triumphierend auf Selyns rechter Schulter und blickte trotz des leichten Windes heroisch ihrem nächsten Ziel entgegen. Auch er schien es kaum noch abwarten zu können, bis sie die nächste Grenze überschreiten und Neues, nie vorher erblicktes, zu Gesicht bekommen würden.

Nach einiger Zeit löste Selyn ihren Blick von ihrem Umfeld und schaute Ranarion direkt ins Gesicht.
"Was sind das für Geschichten, Ranarion? Ich will so viel wie möglich über die anderen Welten erfahren. Vielleicht werde ich ja sogar eines Tages nach Estria zurückkehren und all meinen Artgenossen zeigen, was für Wunder jenseits des Eisreiches liegen. Was weißt du über dieses Reich ... wie hieß es noch gleich? Dunsthügel? Was gibt es hier für Pflanzen? Tiere? Elfen? Und was ist dieses Kapayu den genau? Eine Stadt?"

Selyn schaute Ranarion während ihrer gesamten Fragensalve mit interessiert großen Augen an und er spürte, wie sie sich feste in seinen Arm klammerte. Von Abneigung oder Distanz, wie Ranarion es bei Selyn nach der letzten Situation vermutet hatte, war nichts zu spüren. Sogar Flocke drehte seinen Kopf jetzt neugierig zu Ranarion um. Es schien, als würde dieses Tier jedes Wort verstehen, ob es nun in Celcianisch oder Esera gesprochen wurde, und als wäre es genauso an Wissen des unbekannten Landes interessiert wie seine Herrin.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Dienstag 2. Juni 2009, 22:03

Ranarion hatte sich wieder in Bewegung gesetzt, denn er wollte offensichtlich nicht die Nacht im Reich der Dunsthügel verbringen und wenn man die Geschichten über diesen Ort bereits gehört hatte, war dies auch eine verständliche Reaktion. So ging er voran und achtete zunächst nicht auf seine junge Begleiterin.
Diese war jedoch noch vollauf damit beschäftigt, die für sie erstaunliche Umgebung zu beobachten und zu sämtliche Gerüche, Geräusche und optischen Ansichten in sich auf zu nehmen. Es war eben etwas neues und wundervolles für die Eiselfe, etwas völlig anderes als die Eiswüste ihres Heimatreiches. Trotz der riesenhaften Ablenkung, welche hier auf sie wartete, schaffte es Selyn schließlich wieder zu dem erwachsenen Elfen aufzuschließen. Sie hakte sich während des Gehens bei ihm ein und durch die Berührung, welche er deutlich spüren konnte, schaute er sich das erste mal um, seit sie wieder aufgebrochen waren.

Jetzt scheint sie wieder ganz friedlich zu sein und gute Laune zu haben. Na, dann können wir uns ja etwas beeilen., dachte er sich während sie so zusammen über die blütenübersäten Weiten des Reichs der Dunsthügel schritten.

Stetig ging es auf und ab, immer wieder einen Hügel hinauf und anschließend auf der anderen Seite erneut hinab. Es war nicht eine Stelle zu erblicken, welche auch nur etwas gerade, ähnlich eine Ebene, war. Die ganze Gegend glich vielmehr sich aufbäumenden Wellen eines Meeres, die unaufhörlich ein wahres Spiel an sich türmenden Wassermassen vollzogen.
So verging eine ganze Weile und beide schwiegen, Ranarion hing seinen Gedanken nach und beschleunigte immer wieder ein wenig mehr das Tempo. Doch gab er dabei stets acht, dass Selyn auch mitkam und sich nicht zu sehr verausgabte - schließlich war sie kleiner als er und musste für einen seiner großen Schritte zwei bis drei kleinere machen.
Doch dann, schaffte es die junge Elfe ihren Blick von der Umgebung abzuwenden und schaute direkt zu ihrem Begleiter hinauf. Dieser hatte sei Gesicht direkt weiter gerade aus gerichtet und bemerkte so zunächst nicht, dass sie ihn nun anschaute. Doch dann spürte er in seinem Inneren, dass er beobachtete wurde - zumindest hatte er dieses Gefühl - und wandte seine Aufmerksamkeit der Adeptin zu. Dabei verlangsamte er auch wieder seine Schritte.

"Was sind das für Geschichten, Ranarion?", fragte sie dann und spielte damit auf sein Gesagtes an. "Ich will so viel wie möglich über die anderen Welten erfahren. Vielleicht werde ich ja sogar eines Tages nach Estria zurückkehren und all meinen Artgenossen zeigen, was für Wunder jenseits des Eisreiches liegen. Was weißt du über dieses Reich ... wie hieß es noch gleich? Dunsthügel? Was gibt es hier für Pflanzen? Tiere? Elfen? Und was ist dieses Kapayu den genau? Eine Stadt?"

Durch die wahre Flut an Fragen, war der Elf zunächst etwas verwirrt, denn er konnte bereits ihre erste nicht ganz zuordnen und so schaute er etwas unsicher zu ihr hinab. "Ähm... Geschichten?", meinte er und seiner Stimmlage war die Verwirrung deutlich anzuhören. Doch nach einem kurzen Augenblick schien bei ihm der Groschen zu fallen und er erinnerte sich daran, dass er Selyn etwas über die Geschichten der Dunsthügel im Zusammenhang mit ihrem erneuten Aufbruch erzählt hatte. Er lächelte sie an und ordnete seine Gedanken.

"Naja, viele kenne ich auch nicht, aber einmal, als ich einen Reisenden in der Nähe unserer Grenze zu den Dunsthügeln getroffen hatte, erzählte er mir eine.", begann er zu erklären. "Angeblich sollen hier des Nachts düstere und undurchdringliche Nebelschwaden aufziehen. Sie sollen so dicht sein, dass man sogar die Hand nicht vor Augen erkennen kann, geschweige denn einen Reisegefährten, der etwas vor einem marschiert. Selbst das Licht eines Lagerfeuers oder einer Fackel soll den Dunst nicht vertreiben. Aber, als wäre das noch nicht genug, berichtete mir der Fremde, dass man seltsame Geräusche hören soll. Keiner weiß genau was diese verursacht, aber man erzählt sich, dass es Stimmen von Geistern oder Nebelwesen sein sollen, vielleicht sogar die unserer eigenen Ahnen, welche hier im Rich der Dunsthügel wieder aus dem Totenreich zurück kommen."

Bei seinen letzten Worten lies er seine Stimme etwas zittern, damit deren gespenstische Wirkung noch deutlicher zum Vorschein trat, als es die gesprochenen Worte ohnehin schon taten. Er blickte sie aus düsteren Augen heraus an und sein Lächeln war verschwunden und ein ernster Gesichtsausdruck hatte sich darauf breit gemacht.

"Verstehst du jetzt, warum ich dieses Gebiet so schnell hinter uns lassen möchte?", fragte er sie nun und wartete ihre Antwort ab. Danach erhob er erneut seine Stimme und beantwortete ihre andren Fragen, beziehungsweise nur ihre Letzte. Die anderen lies er zunächst einfach außen vor. "Der Kapayu, ja unser Zielort. Er ist ein wahrlich großer Urwald, welcher sich über den ganzen Norden des Südreiches von Celcia zieht. Sehr viel weiß ich auch nicht über ihn, nur dass es dort unglaublich viele verschiedene Baumarten geben soll und die verrücktesten Tiere ihn bewohnen. Ich selbst war auch noch niemals dort gewesen, daher weiß ich nur das, was wir in der Bibliothek in Estria darüber zur Verfügung haben und dies ist nicht gerade besonders viel - zumindest während meiner Zeit in der Stadt."

Während sie so weiter dahin geschritten waren und Ranarion gesprochen hatte, war erneut eine ganze Weile verstrichen und langsam begann sich die Sonne im Westen auf den Horizont zuzubewegen. Der war bereits recht weit voran geschritten und noch immer war kein Ende der Dunsthügel in Sicht. Hätte man nicht schon am nördlichen Firmament die grünen Gipfel des Kapayu sehen müssen?
Die Miene des Eiselfs verdüsterte sich, als er die voranschreitende Zeit bemerkte. War es jetzt doch soweit, dass sie hier hier Lager aufschlagen mussten? Ausgerecht hier? Genau dies hatte er verhindern wollen, doch schienen sie nicht schnell genug voran gekommen zu sein. Wie sehr es doch täuschen konnte, wenn man nicht über eine Ebene sondern eine hügelige Landschaft marschierte.
Langsam begannen auch die ersten feinen und kaum erkennbaren Nebelschwaden aufzuziehen oder war sein Blick einfach nur durch irgendetwas anderes getrübt? Wohl eher nicht, denn für sein Alter besaß er eine erstaunlich hervorragende Sehkraft.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Mittwoch 3. Juni 2009, 07:05

Selyn musste selbst etwas kichern, als sie die Verwirrung in Ranarions Gesicht ablesen konnte. Ihr war bereits selbst aufgefallen, dass sie ihren Begleiter erneut mit Fragen geradezu bombardiert hatte. Dennoch wich ihr Blick nicht von seinen Lippen, während er sich sammelte und zu einer Antwort ansetzte.

"Naja, viele kenne ich auch nicht, aber einmal, als ich einen Reisenden in der Nähe unserer Grenze zu den Dunsthügeln getroffen hatte, erzählte er mir eine. Angeblich sollen hier des Nachts düstere und undurchdringliche Nebelschwaden aufziehen. Sie sollen so dicht sein, dass man sogar die Hand nicht vor Augen erkennen kann, geschweige denn einen Reisegefährten, der etwas vor einem marschiert. Selbst das Licht eines Lagerfeuers oder einer Fackel soll den Dunst nicht vertreiben., erklärte der Elf und Selyn merkte sofort, dass dieser Ort zumindest des Nachts nicht gerade der beste zum übernachten war. Man kann nicht einmal den Schein von Fackeln direkt vor einem Augen erkennen? Das muss ja wirklich ein beängstigend dichter Nebel sein!, machte sich Selyn selbst Gedanken darüber. Doch während Selyn noch über die ersten Worte nachdachte, fuhr ihr Begleiter fort.

"Aber, als wäre das noch nicht genug, berichtete mir der Fremde, dass man seltsame Geräusche hören soll. Keiner weiß genau was diese verursacht, aber man erzählt sich, dass es Stimmen von Geistern oder Nebelwesen sein sollen, vielleicht sogar die unserer eigenen Ahnen, welche hier im Reich der Dunsthügel wieder aus dem Totenreich zurück kommen.".
Stimmen von Geistern? Vielleicht von denen unserer Vorfahren? Selyn begann leicht zu zittern. Ob es an der langsam aufziehenden Kälte lag, oder an dem Gedanken daran, dass es hier wirklich so etwas wie Geister geben solle, wusste sie selbst nicht genau. Zumindest machte ihr dieser Gedanke Angst, besonders weil ihr eigentlich so starker Begleiter und Beschützer selbst das Gesicht zu einer ernsten Mine verzogen hatte und gerade die Worte über die Urahnen in einem leicht angsteinflößendem Tonfall berichtet hatte. Traurig aber auch ein bisschen ängstlich, schaute sie Ranarion erneut an, nachdem sie bei seinen letzten Worten den Kopf kurz nachdenklich von ihm abgewandt hatte.

"Verstehst du jetzt, warum ich dieses Gebiet so schnell hinter uns lassen möchte?", führ Ranarion mit etwas besorgter Mine fort. Selyn nickte zur Bestätigung. "Ja, das verstehe ich! Und wir sollten uns wirklich etwas beeilen."
Besorgt wanderte Selyns Blick zum Horizont, wo sich die Sonne langsam zu verabschieden begann.
"Der Abend kommt langsam auf uns zu und unser Ziel ist noch nicht in Sicht, oder?, fragte Selyn zusätzlich und schaute ihren Begleiter dabei wieder Sorgenvoll an. Dieser begann gleich darauf seinen Kopf zu schütteln und fuhr mit seinen Erzählungen fort.

"Der Kapayu, ja unser Zielort. Er ist ein wahrlich großer Urwald, welcher sich über den ganzen Norden des Südreiches von Celcia zieht. Sehr viel weiß ich auch nicht über ihn, nur dass es dort unglaublich viele verschiedene Baumarten geben soll und die verrücktesten Tiere ihn bewohnen. Ich selbst war auch noch niemals dort gewesen, daher weiß ich nur das, was wir in der Bibliothek in Estria darüber zur Verfügung haben und dies ist nicht gerade besonders viel - zumindest während meiner Zeit in der Stadt."
Selyn horchte den Ausführungen ihres Begleiters gespannt, doch das eine oder andere leichte Lächeln konnte sie sich nicht verkneifen.
Unglaublich viele verschiedene Baumarten? Die verrücktesten Tiere? Klingt nach einem sehr spannenden und aufregenden Ort. Wenn das unser Ziel ist, habe ich noch einen Grund mehr mich zu beeilen., dachte sich Selyn leicht vergnügt und tatsächlich hätte sie während der Erzählungen über den Kapayu fast all das vergessen, was der Elf ihr über die nächtlichen Dunsthügel erzählt hatte, wenn sie die Gegenwart nicht langsam wieder einholen würde. Die Kälte, die sie zuerst kaum wahrgenommen hatte, war bereits stärker geworden, auch wenn sie dies als Eiselfin bei weitem nicht so extrem merkte, wie zum Beispiel Flocke, der sich bereits eng an seine Freundin gekuschelt hatte. Es fehlte nicht mehr viel und er würde sich so wie sonst in ihrer wärmenden Kleidung verkriechen. Um sie herum bildeten sich bereits die ersten leichten Nebelschwaden und die Sonne war mittlerweile wirklich im Begriff unterzugehen. Und da gab es noch etwas, was ihr Sorgen bereitete. Selyn fiel auf, dass Ranarion während seiner Erzählungen immer schneller geworden war. Wenn ihr kluger und starker Beschützer selbst drauf und dran war, lieber einen Kilometer langen Endspurt einzulegen, als hier zu übernachten, musste es wohl wirklich übel um die Beiden stehen.

"Kann man den Kapayu schon sehen?", fragte die Eiselfin ihren Begleiter mit ängstlicher Stimme, während sie das Lauftempo ihrerseits leicht erhöhte.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Dienstag 9. Juni 2009, 22:04

Kaum das Ranarion seiner jungen Begleiterin verdeutlicht hatte, warum es nicht besonders klug wäre, hier im Reich der Dunsthügel, die Nacht zu verbringen, nickte diese auch schon zustimmend. Er konnte es deutlich sehen, denn er hatte seinen Blick nicht von ihr abgewandt, nachdem er seine Erzählung unterbrochen hatte. "Ja, das verstehe ich! Und wir sollten uns wirklich etwas beeilen.", meinte Selyn und richtete ihren Blick auf den Horizont.

Ja, dort konnte sie einiges entdeckten, viele weitere Hügel, welche sich über den ganzen Landstrich erstreckten. Viele bunte, in fast sämtlichen Farben, blühende Blumen, wanden sich sanft in der Brise des Windes, welche gerade an ihnen vorüber streifte. Hier und dort wuchsen vereinzelt dichte Büche, welche meist bei kleinen, aus ein bis sechs Bäumen bestehenden, Hainen ihr Zuhause fanden. Aber das, was sie dort erblicken wollte, war ihren Augen verwehrt. Selbst so fern am Ende ihres Sichtfeldes konnte sie keine größere Baumreihen erkennen, welche auf einen dichten Wald und wahrscheinlich auch auf einen Urwald hätten deuten können. Als sie dann zu ihrem Beschützer hinauf schaute, schüttelte dieser leicht seinen Kopf, um ihre letzte Frage zu verneinen.

Während Ranarion die junge Eiselfe über den Kapayu aufklärte, hatten sie sich wieder in Bewegung gesetzt und waren stehts weiter gen Norden gezogen. Den restlichen Tag - welcher nur noch weniger als zwei Stunden zu dauern vermochte - waren sie in strengem Tempo unterwegs. Der Erwachsene hatte während der letzten dreißig Minuten sogar noch an Geschwindigkeit zu gelegt, was Selyn offenbar zu verstehen gab, das die Sachlage langsam wirklich ernst zu werden schien.
"Kann man den Kapayu schon sehen?", fragte sie ihn nun und mit leichtem Erstaunen bemerkte er, wie auch sie nun etwas an Tempo zulegte. Zwar hatte der große Mann keine Schwierigkeiten, mit ihr mit zuhalten, aber doch war es verwunderte es ihn. Warum? Das würde er später selbst nicht mehr beantworten können.

Er passte sich nun ihrem Geschwindigkeit an und hob seinen Blick gen Norden. Dort waren mittlerweile schon leichte grüne Wipfel zu erkenne.
"Ja, schau nur!", rief er aus und zeigte mit seiner rechten Hand auf das soeben erblickte. "Die winzige Reihe grüner Dächer. Das müsste der Waldrand zum Kapayu sein. Bald dürften wir unser Ziel erreicht haben."
Jedoch sollte es diese Nacht nicht mehr soweit kommen. Die Sonne hatte sich schneller voran bewegt, als man es für möglich gehalten hatte und auch wenn die beiden Reisenden ein beachtliches Stück Strecke hinter sich gebracht hatten, so würde es doch nicht mehr ganz ausreichen. War die harte Anstrengung nun doch umsonst gewesen?

Die ersten leichten Nebelschwaden waren bereits vor einiger Zeit aufgetaucht. Wie aus dem Nichts heraus, schienen sie von irgendwo hergekommen zu sein, gerade so, als hätte ein geschickter Magier sie vielleicht mit Hilfe seiner Zauberkräfte entstehen lassen. Jedoch war niemand zu sehen und außerdem war es ziemlich Unsinn an so etwas überhaupt zu denken!
Jedenfalls hatten sich diese ersten Schwaden nun weiter verdichtete und kaum, dass der Elf seine erfreulichen Worte ausgesprochen hatte, so schienen sie darauf zu reagieren und der Waldrand war kaum noch zu erkennen - nur wie durch einen hauchdünnen, seidenen Umhang hindurch stachen die Blätter der Bäume des Kapayu zu ihnen herüber.
Wie von Geisterhand wurde der Nebel von Minute zu Minute dicker und undurchdringlicher, bis Raranrion endlich stehen blieb.

"Selyn, warte! Es hat keinen Sinn weiter zu marschieren. Wir haben es nicht geschafft...", rief er ihr zu und packte die Adeptin hart am Arm. "Bitte entschuldige, aber bevor wir uns hier verlieren und nicht wiederfinden. Wir sollten dicht beieinander bleiben."

Dann senkte er seinen Kopf und fügte im Flüsterton noch einen gewaltigen Fluch hinzu.
"Verdammter Eisfischdreck!"
Ob Selyn es gehört hatte oder nicht, war ihm in diesem Moment ziemlich egal. Er musste seinem Frust Luft machen und tatsächlich schien es ihm zu helfen, denn kaum, dass er dieses im Eisreich wohlbekannte und verachtete Schimpfwort genannt hatte, richtete er sich auch schon wieder auf, holte seinen Rucksack hervor und packte zwei der mitgenommenen Holzscheite aus. Er kniete sich hin und stapelte das Brennmaterial übereinander. Dann zückte er zwei Feuersteine und rieb sie aneinander, sodass Funken flogen. Diese wiederum entfachten ein zunächst mickrig aussehendes Feuer, jedoch zehrten die Flammen schnell und schon bald brannte ein kleines aber feines Feuerchen. Ranarion setzte sich.

"Bitte setz dich Selyn. Jetzt können wie sowieso nicht mehr weiter, also können wir uns auch etwas ausruhen und neue Kräfte tanken und bevor wir und einander in dem dichten Nebel verlieren, machen wir es uns hier eben so gemütlich wie es nur geht... wenn es hier denn überhaupt geht..."
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Mittwoch 24. Juni 2009, 15:41

Die Ernüchterung nach der ersten Freude kam schnell. Fast schon zu schnell. Kaum hatte Selyn nach dem freudigen Ausruf ihres Begleiters ihren Kopf nach vorne gewandt um die langsam deutlich werdende grüne Grenze zu erblicken, verdeckten auch schon wieder die ersten Nebelschwaden den Blick auf ihr ersehntes Ziel. Schnell war Selyn klar, dass sie ihre Chance den Urwald noch am heutigen Tage zu erreichen, vertan hatten. Doch ihr Ehrgeiz und ihr Stolz verboten es ihr, ihrer eigentlichen Gewissheit zu folgen und die Realität einzusehen. Stattdessen stürmte sie weiter der grünen Grenze entgegen, die von Minute zu Minute immer verschwommener wurde, bis sie schließlich ganz vor den Augen Selyns verschwand.

"Selyn, warte! Es hat keinen Sinn weiter zu marschieren. Wir haben es nicht geschafft..."
Selyn blieb fast augenblicklich stehen und senkte ihren Blick gen Boden. Ihr noch vor kurzem entschlossen kämpferischer Gesichtsausdruck, wandelte sich in völlige Resignation um und ihre Arme, die noch vor kurzem wie ein Boxer in dem besten Kampf seines Lebens vor und zurück geschnellt waren, hingen jetzt schlaff und leblos herunter, was jedoch nichts mit dem rauen Bremsvorgang durch Ranarion zu tun hatte. Dem Schmerz, den die junge Eiselfin dabei gefühlt hatte, gab sie keinerlei Bedeutung, so groß war die Enttäuschung in diesem Moment. Dabei war es gar nicht unbedingt die Angst in einem solch unheimlichen Ort übernachten zu müssen. Es war die Enttäuschung nach der geballten Vorfreude auf das Neue und Unerwartete, dass der Kapayu nach den Geschichten ihres Begleiters darstellte. Sie wäre ihr Leben lang ohne Pause weitergelaufen, nur um die faszinierenden, Pflanzen, Tiere und Bewohner dieser Welt kennen zu lernen. Und wer weiß, vielleicht würde sie das auch tun. Wer konnte ihr das verdenken, nachdem sie so lange Zeit im Eisreich gelebt hatte. Vollkommen abgeschnitten von den anderen Lebewesen dieser Welt.
Jetzt aber drehte sie sich langsam zu ihrem Begleiter um, der sie zu sich gezogen hatte und malte sich traurig in ihren Gedanken all die Fantasiewesen und Pflanzen aus, die sie erhofft hatte, noch heute zu erblicken.

"Bitte entschuldige, aber bevor wir uns hier verlieren und nicht wiederfinden. Wir sollten dicht beieinander bleiben."
Statt einer Antwort nickte die junge Eiselfin nur kurz, ohne ihren Blick dabei vom Boden zu lösen und folgte Ranarions Anweisung, auch wenn der sie sich vielleicht anders gedacht hatte. Sie umarmte den Eiselfen mit beiden Armen und krallte sich leicht in seine Kleidung. Der Nebel, der sie umgab, war innerhalb der kurzen Zeit zu einer dicken Nebelwand geworden, die den Blick auf ihr Umfeld vollkommen unmöglich machte und Selyn ein leichtes frösteln verspüren ließ, was jedoch nicht von der Kälte her stammte. Auch wenn es des Nachts hier gut kalt wurde, war sie als Eiselfin wesentlich tiefere Temperaturen gewohnt. Dennoch sehnte sie sich nach etwas Wärme. Selyn spürte die Erfahrenheit ihres Begleiters in diesem Moment so deutlich wie nie zuvor und sie wusste, dass sie sich einfach fallen lassen könnte, solange er bei ihr war. Er würde mit seiner Weisheit und seiner Güte dafür sorgen, dass sie die Nacht ohne Schaden überstehen würde. Bei dem Gedanken musste Selyn etwas grinsen. Hatte das nicht etwas Romantisches? Mit einem Mann, den sie durchaus schätzte und auch zu einem nicht geringen Teil bewunderte, hier an einem so kalten und unheimlichen Ort zu sein, wo sich zwei Leben gemeinsam wärmten, für einander da waren und sich durch die Kälte halfen? Kurz darauf merkte Selyn bereits die Müdigkeit. Während des Laufens hatte sie sich stark gefühlt und an eine Pause oder gar an Aufgeben, war nicht zu denken gewesen. Jetzt, wo sie ihren Dauerlauf beendet hatten, rächte sich ihr Körper mit Muskelkater und einer Müdigkeit, der Selyn nicht mehr lange standhalten würde.

"Verdammter Eisfischdreck!"
Selyn riss diese unerwarteten Worte Ranarions aus ihren Gedanken und aus ihrem leichten Dämmerzustand, dem sie bereits verfallen war. Ihr waren die Worte als eine verpönte Redensart durchaus bekannt, doch schreckte sie das nicht ab. Im Gegenteil bildete sich ein leichtes Lächeln in ihrem erschöpften Gesicht. Als Ranarion begann seinen Rücksack auszuziehen, lösste sich Selyns Arme von seinem Rücken, um ihm dabei nicht im Weg zu sein. Ihre Augen folgten dem Eiselfen jetzt bei allem was er tat. Aber mehr wusste sie in diesem Moment auch nicht zu tun. Wenn sie ihm half, würde sie ihm bestimmt nur im Weg stehen und mehr als Ranarion sowieso schon tat, fiel ihr in diesem Moment ohnehin nicht ein. So beobachtete sie weiter jeden einzelnen seiner sehr gekonnt aussehenden Handbewegungen und begann erfreut zu lächeln, als sie die ersten kleinen Flammen zu Gesicht bekam.

"Bitte setz dich Selyn. Jetzt können wir sowieso nicht mehr weiter, also können wir uns auch etwas ausruhen und neue Kräfte tanken und bevor wir uns einander in dem dichten Nebel verlieren, machen wir es uns hier eben so gemütlich wie es nur geht... wenn es hier denn überhaupt geht...", Selyn ging sofort auf das Angebot ihres Begleiters ein. Sie setzte sich dicht neben ihn an das Feuer und kuschelte sich nur kurze Zeit später an ihn. „Du hast Recht. Und so wie jetzt, ist es super gemütlich und wir werden uns bestimmt nicht im Nebel verlieren!“ Erklärte sie seine Verwunderung vorausahnend. Dann fielen ihr bereits die Augen zu. Nur Flocke, der es sich zunächst auf Selyn gemütlich gemacht hatte, hob jetzt noch einmal seinen Kopf und beobachtete die Szene misstrauisch. Dann stand er auf, knurrte Ranarion noch einmal eifersüchtig an und verschwand dann im Inneren von Selyns Mantel.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Erzähler » Sonntag 26. Juli 2009, 11:10

Die Nacht kroch langsam aber stetig wie ein Raubtier heran, das sich auf Jagd begeben hatte und das nun im hohen Gras vor seiner Beute geduckt lauerte und auf eine günstige Gelegenheit wartete, dass es zuschlagen konnte.

Ranorion saß nun an dem kleinen Feuer, welches er entfacht hatte und starrte mit trüben Augen direkt in die lodernden Flammen hinein. Den Körper seiner jungen Begleiterin konnte er deutlich an seinem eigenen spüren, denn als Selyn sich zu ihm gesellt hatte, hatte sie sich an ihn geschmiegt und nach ein paar kurzen und zustimmenden Worten war sie auch schon eingeschlafen. Die Erschöpfung, welche die Eiselfe zuvor bei der Wanderung erlitten hatte, musste sich schlagartig in ihr breit gemacht haben, denn noch kurz zuvor hatte sie recht munter und energiegeladen gewirkt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in dem erfahrenen Überlebenskünstler ein wenig Bewunderung gezeigt und er hatte an jene Tage zurück denken müssen, als er selbst noch so jung und voller Kraft gewesen war. Dies allerdings war schon sehr lange her, auch wenn nicht unbedingt sagen konnte, dass er jetzt ein alter Mann war. Für einen Eiselfen befand er sich, mit seinen 156 Jahren, im mittleren Altersbereich, wo man eigentlich seinen Kindern beim heranwachsen zusah, oder bereits seine Aufmerksamkeit seinen Enkeln widmete. Damals jedoch, war er voller Tatendrang gewesen und mit vor Stolz geschwellter Brust über die Ehre, welche ihm mit der ihm übertragenen Aufgabe zu Teil wurde, zusammen mit seinen Freunden durch die kalten Straßen seiner Heimatstadt geschlendert. Das war alles schon so lange her, dass es ihm sogar schwer fiel sich an gewisse Einzelheiten zu erinnern.

So schritt die Nacht voran, kam über sie hinweg und hüllte die beiden in einen dicken und undurchdringlichen Schleier aus Nebel, welcher sich um sie herum legte. Das Feuer brannte immer weiter, was auch daran lag, dass Ranorion immer wieder einen seiner eingesammelten Holzscheite auf die Flammen legte und somit dafür sorgte, dass es nicht erlosch. Stunden und Minuten verstrichen ohne das etwas geschah oder sich regte und man hätte meinen können, dass die ganze Welt ausgestorben wäre. Stille herrschte um den Elf und die Adeptin herum und so kam es, dass der Erwachsene immer häufiger gähnen musste. Zwar war er es gewohnt, des Nächtens wache zu halten, doch hatte auch ihn der gestrige Gewaltmarsch einiges abverlangt.

Es geschah plötzlich und mitten in der Nacht, die Geisterstunde war längst vorüber, als ein Geräusch ihn aufzucken lies. Ein leises stöhnen hatte sich aus den Nebeln um sie herum erhoben und hätte er nicht so einen guten Gehörsinn gehabt, wäre es ihm womöglich sogar entgangen. Sein Kopf ruckte empor und mit seinen scharfen Augen blickte er sich um. Nichts. Alles war ruhig, nichts zu sehen, nur die wabernden schleierhaften Fetzen waberten unheimlich vorbei. Dann erklang es wieder, diesmal etwas lauter, aber immer noch kaum zu vernehmen - das Stöhnen.
Kam es etwa näher? Was war das?
Verdammt, was geht hier vor???, dachte sich Ranarion und reckte von neuem seinen Kopf, suchte die Umgebung ab. Nichts war zu sehen. Das Feuer flackerte, die Flammen schienen von einem Windhauch erfasst worden zu sein, doch konnte der Elf nichts spüren. Instinktiv legte er seinen Arm auf die Schultern der schlafenden Selyn, als ob er sie beschützen wollte. Doch wovor? Es war ja nichts zu sehen, nur das leise Ächzen erklang war zu hören.
Eine Gänsehaut machte sich bei ihm breit, überlief ihn und lies sämtliche seiner Haare zu Berge stehen. Etwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu, dessen war er sich sicher, aber doch konnte er nicht sagen, was es war. Geister? Waren die Gerüchte wirklich wahr, welche er über das Reich der Dunsthügel gehört hatte?
Dann erklang es wieder - das Heulen. Diesmal noch näher und gequälter und als der Eiself seinen Kopf dreht, um hinter sich zu blicken, durchzuckte ihn ein gewaltiger Schrecken. Ein Gesicht hatte sich im Nebel manifestiert. Er blinzelte und dann war es wieder fort. Hatte er wirklich richtig gesehen? Mit seiner freien Hand rieb er sich die Augen und starrte weiter in die wabernde Düsternis. Dann flackerte das Feuer erneut und erlosch. Ranarion wandte sich augenblicklich um und erstarrte vor Grauen...



Kaum das Selyn ihre Augen geschlossen hatte, wurde sie auch schon in das Reich der Träume hinüber getragen.
Sie befand sich in ihrer Heimat Estria. Die Eisstadt lag ruhig in Still vor ihr und kaum ein weiterer Eiself war zu sehen. Offenbar befanden sich all die Bewohner in ihren Häusern und bei ihren Familien. Sie durchstreifte die Straßen und schaute bei ihren einstigen Lieblingsplätzen vorbei. Keine Lichter von brennenden Lampen waren in den Bauten zu erkennen. 'Warum?', musste sie sich wohl fragen, aber mit einem Schulterzucken tat sie die Tatsache wieder ab und schritt weiter voran. Dann kam sie auf den großen Platz, wo der Eisdrache tief unter Schnee und Eis schlafend begraben lag. Die Vitrine, in welcher die magische Flöte aufbewahrt wurde glänzte in der zwielichtigen Helligkeit, welche sich urplötzlich über alles legte. Dann erhaschte ihr Blick eine kleine Gestallt, auf einem Hügel aus Schnee. Flocke!
Das kleine Frettchen saß auf dem kalten Boden und starrte sie aus seinen Augen heraus an, wandte den Blick nicht von ihr ab. Es war sonderbar, denn wie konnte ein Tier solch ein Verhalten an den Tag legen. Die meisten Tiere konnten einen ertrugen einen direkten Blickkontakt nicht und so war es für gewöhnlich auch bei Schneeflocke. Dennoch saß er einfach nur da und starrte Selyn unverwandt an. Das Zwielicht wurde immer dunkler und dann geschah es! Eisige Stille herrschte um sie herum und es hatte den Eindruck, als sei sie völlig allein auf der Welt. Etwas erschien über dem Frettchen. Zunächst noch kaum zu erkennen. Es wurde deutlicher, dann verschwamm es wieder. 'War das ein Gesicht?' Dann erschien es wieder und verschwand von neuem. Ein eiskalter Windzug kam auf und fegte über die Adeptin hinweg. Sie fror. Wie konnte das sein? Sie war doch eigentlich diese Temperaturen gewohnt. Dann erschien das Gesicht von neuen. Diesmal schärfer. Es manifestierte sich. Dann huschte es hinab, direkt auf Flocke zu und verschlang das kleine Tier. Nur ein markerschütternder Schrei des Frettchens war noch zu hören... dann verlang auch dieser und erdrückende Stille herrschte von neuem...
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Mittwoch 19. August 2009, 03:31

Selyn erwachte und schaute sich um. Der Schnee auf dem sie lag knirschte leise und ein Gefühl von vertrauter Einsamkeit kroch durch jedes ihrer Glieder. Sie fühlte wie die längst vergangenen Sorgen und Ängste wieder in ihr hochstiegen, besonders aber das Gefühl der Einsamkeit. Aber hatte sie es nicht mittlerweile geschafft diesem Gefühl zu entfliehen? Ja! Natürlich! Sie hatte Flocke kennen gelernt. Ihren Flocke, der sie niemals im Stich lassen würde und da war noch mehr! Hatte sie nicht auch einen Eiselfen als Freund gefunden? Ja! Die Erinnerung schlug wie ein Blitz in ihren Schädel ein. Ranarion! War sie nicht an seiner Seite eingeschlafen? Warum fühlte sie sich dann so einsam?

Endlich schaffte sie es sich aus ihren Gedanken loszureißen und blickte in das weiße Meer das sich vor ihr ausbreitete. Nur wenige Augenblicke später wurde ihr schlagartig klar, wo sie sich befand. Ruckartig drehte sie sich herum. Sie starrte fassungslos auf das massive Tor Estrias, das sich in diesem Moment wie von Geisterhand mit leichtem Schneeknirschen öffnete. Wie war sie an diesen Ort gekommen? War sie der Kälte und besonders diesem Gefühl der Einsamkeit nicht gerade erst entkommen? Selyn schüttelte den Kopf, schloss ihre Augen und machte sie kurz darauf wieder auf um aus diesem düsteren Traum aufzuwachen, doch sie war noch da. Am selben Ort an dem sie erwacht war. Angst machte sich langsam in ihr breit. War sie verflucht? Würde sie immer und immer wieder an diesen Ort zurückkehren? Verhinderten die obersten Magier ihres Volkes so, dass Mitglieder Informationen über die Welt außerhalb ihres Eisreiches sammelten? Mächtig genug wären sie, das wusste Selyn. Doch da war noch mehr. Jetzt wo Selyn die leere Gasse hinter dem Tor unbewusst angestarrt hatte, während sie ihren Gedanken verfallen war, fühlte sie es ganz deutlich und plötzlich viel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie war die Einzige weit und breit. Kein Eiself lief durch die sonst so belebte Gasse und nicht einmal die prunkvoll gerüsteten Stadtwächter schienen an ihrem Posten zu sein. Nein! Sie konnte nicht wirklich in Estria sein. Sie musste träumen aber irgendetwas war an diesem Traum anders. Es war zu Real. So konnte sie jede Kleinigkeit fühlen als wäre sie wirklich dort.

Langsam hob sie ihren Fuß und setzte ihn behutsam vor sich in den Schnee um den ersten Schritt in Richtung Estria zu wagen. Der Schnee knirschte und Selyn spürte sofort Nässe an ihrem Fuß. Ihre Schuhe schienen wohl ein kleines Loch zu haben, aber das war in diesem Moment Selyns kleinstes Problem. Noch einmal schaute sie sich um. Sie war allein! Sie war wirklich allein! Selbst Flocke, der sich sonst immer irgendwo bei ihr befand, war verschwunden und das eiskalte Gefühl der Einsamkeit kroch erneut und stärker als zuvor in ihr empor, bis sie es nicht mehr ertragen konnte. Sie schloss ihre Augen und rannte einfach los um dieses verhasste Gefühl abzuschütteln. Ihr einziger Gedanke den sie in diesem Moment hatte war so schnell wie möglich von diesem Ort und besonders von diesem Gefühl wegzukommen.

Als sie sich beruhigt hatte und ihre Augen wieder öffnete, befand sie sich bereits im Herzen der Stadt. Dort drüben stand der Magierturm mit seinen glänzend weißen Mauern und den Torbögen, auf denen sie sich früher immer so gerne aufgehalten hatte. Weiter die Straße runter und nach ein paar Abzweigungen würde sie zu ihrem Elternhaus gelangen.
Mama! Papa!. Sofort lief sie los. In den Häusern an der großen Straße konnte Selyn nicht ein einziges leuchten erkennen. Normalerweise brannte bei diesen Temperaturen in jedem bewohnten Haus ununterbrochen ein Feuer um die Bewohner und besonders die Einrichtung des Hauses vor dem Erfrieren zu bewahren. Erst nach einiger Zeit bemerkte sie, dass sie regelrecht durch die Straße zu fliegen schien. Die Häuser sausten immer schneller an ihr vorbei und auch das abzweigen in die Nebenstraßen schien fast wie von allein zu laufen. Das alles interessierte Selyn jedoch nicht. Sie wollte endlich ihre Eltern sehen und sie in den Arm nehmen. Sie war zwar noch nicht sehr lange von zu hause weg aber zum ersten Mal merkte sie, wie sehr sie ihre Eltern vermisste. Schon kurze Zeit später stand sie vor der Tür zu ihrem alten Haus. Alles war wie sie es in Erinnerung hatte. Nichts war verändert. Sogar die Eiszapfen, denen sie kurz vor ihrer Abreise lustige Spitznamen gegeben hatte, waren noch in genau der selben Form vorhanden.

Langsam öffnete sie die Tür. ihre Hände zitterten leicht und sie selbst wusste nicht ob es die Vorfreude oder die Anspannung der ungewöhnlichen Situation war. Langsam setzte sie ihren Fuß auf den Holzboden, der sofort zu knarzen begann, wie er es immer getan hatte, wenn jemand zur Tür herein kam.
Mama? Papa?, rief sie mit fragender Stimme und blieb stehen, um angestrengt nach einer Antwort zu horchen, doch nichts geschah. Selyn ging weiter in das Haus hinein bis sie im Wohnzimmer stand. Im Kamin brannte ein wärmendes Feuer. Waren nicht in all den anderen Häusern die Feuer aus gewesen? Waren ihre Eltern vielleicht doch irgendwo in ihrer Nähe?
Mama? Papa?, rife sie noch einmal durch das Haus und begann ein Zimmer nach dem anderen nach ihren Eltern abzusuchen, doch ohne Erfolg und kurz darauf schien schon wieder dieses unangenehme Gefühl der Einsamkeit in Selyns Körper zu schleichen.

Sie verließ das Haus und lief erneut die Straßen entlang, dieses mal jedoch mit einer Entschlossenheit, die sie selbst überraschte. Sie wusste nicht was mit ihr passierte aber sie wollte es herausfinden und das so schnell wie möglich. Sie war sich sicher, wenn sie Antworten finden könnte, dann an einem Ort, der sie seit ihrer Geburt magisch anzuziehen schien. Schnell wie der Wind sauste sie erneut durch die leeren Gassen der Stadt und schon bald erkannte sie den legendären Turm der Ahnen zu dessen Füßen der Platz des schlafenden Eisdrachens lag.

Langsam und immer noch leicht zittern ging sie auf den Drachen zu. Sie war sich innerlich absolut sicher gewesen, dass er hier war, doch auf der anderen Seite schien in dieser unwirklichen Realität nichts sicher zu sein. Nichtsdestotrotz hatte sich dieses Mal ihre Vermutung bestätigt. Wie gewohnt lag er ruhig und friedlich in der Position, die er seit 400 Jahren nicht mehr verändert hatte und der Schnee auf ihm glitzerte mit ihm um die Wette. Kaum hatte sie den großen Platz betreten, erfüllte die gesamte Stadt ein merkwürdiges Leuchten das von den Wolken über ihr zu kommen schien. Der Schnee und die eisigen Mauern der Stadt glitzerten, als würde die Sonne all ihre Strahlen gleichzeitig auf die Stadt Estria schicken, doch merkwürdiger Weise schien die Helligkeit selbst gedämmt zu sein. Ihr Blick wanderte zu den Wolken, die sich so gut wie immer über Estria befanden, doch sie konnte nichts Besonderes erblicken. Als sie ihren Blick von den Wolken abwandte, bemerkte sie einen kleinen Eishügel der vorher mit Sicherheit nicht an dieser Stelle gewesen war. Auf diesem Hügel saß Flocke und starrte sie mit trüben Augen an.

Flocke!, rief Selyn freudig und begann auf ihren Freund zuzulaufen, stockte jedoch nach wenigen Schritten und blieb kurz vor dem Hügel endgültig stehen. Ihr Freund schaute sie noch immer mit dem selben eiskalten Gesichtsausdruck an, der Selyn nach ihrer anfänglichen Freude frösteln ließ. Warum lief ihr Flocke nicht entgegen, warum blieb er einfach auf diesem Hügel sitzen und starrte sie auf diese unheimliche Art an? Woher war dieser Hügel überhaupt gekommen und warum begann in einem Moment, in dem sie einen Freund wieder gefunden hatte, wieder der stechende Schmerz der Einsamkeit in ihrer Brust zu schlagen? Während sie da stand und ihr all diese Fragen durch den Kopf schossen, begann sich die Wolken über ihr in rasendem Tempo zu bewegen. Zunächst wechselte sich Licht und Schatten durch die Bewegung der Wolken immer wieder ab, was ein merkwürdig bizarres Schattenspiel auf den Fassaden der sonst so hell glänzenden Gebäuden Estrias hinterließ. Dann, als wäre dies alles nicht schon unheimlich genug, schien sich das Licht ohne jeden Grund immer weiter zu verdunkeln. Selyn Spürte echte Angst in ihr aufkommen. Was war hier los? Panisch beobachtete sie immer wieder den Himmel und die Wolken, die sich langsam um einen Punkt direkt über ihnen drehten. Dann fiel ihr Blick wieder auf ihren Freund, der sie unverändert mit beängstigender Starre anschaute. Winde begannen durch die Stadt zu fegen und wirbelten die feinen Schneeflocken von überall auf um sie kräftig durchgeschüttelt an einem anderen Ort wieder loszulassen.

Was ist hier los? Was wollt ihr von mir?, rief Selyn ängstlich in die tobenden Winde, doch sie erhielt keinerlei Antwort. Weiter peitschten die Winde durch die Straßen und die Schatten der Wolken schienen sich immer schneller zu bewegen bis alles von einer Sekunde auf die Andere stehen Blieb. Kein Wind war mehr zu hören und die Schatten an den Wänden waren zum Stillstand gekommen. Ein eisiger Hauch streifte Selyns innerste Seele und das Gefühl der Einsamkeit gewann nun die Kontrolle über sie. Sie fühlte sich, als wäre sie das einzige Lebewesen auf der ganzen Welt und eine starke Mischung aus Trauer und Furcht machte sich in ihr breit. Tränen kullerten wie von selbst aus ihren Augen, über ihre Wangen und verwandelten sich zu Eistropfen noch bevor sie den Boden berührten und dort mit einem fast unhörbaren knacken zerplatzen. Selyn war nicht mehr in der Lage irgendetwas zu tun. Ihr Körper fühlte sich leer und bewegungsunfähig an und sie verschwendete auch keinen Gedanken mehr daran, was sie tun sollte oder musste. War das ihr Ende?

Weiterhin starrte sie auf ihren Freund, den wohl das selbe Schicksal wie sie ereilt hatte, bis sie etwas seltsames bemerkte. Etwas schien sich in den Wolken über Flocke zu bilden. zuerst konnte Selyn es nicht wirklich einordnen, doch dann erkannte sie ein verschwommenes Gesicht. Kurz darauf war es bereits wieder verschwunden. Hatte sie sich das Gesicht nur eingebildet? War sie gerade dabei endgültig ihren Verstand zu verlieren? Noch bevor sie sich weitere Gedanken machen konnte, spürte sie wie eiskalte Winde ihren Körper durchströmten. Winde, die so kalt waren, dass selbst eine Kälte erprobte Eiselfin zu frösteln begann. Wie automatisch drückte Selyn ihre Arme an ihren Körper und begann sich zittern warm zu reiben doch es half nicht. Die Kälte schien in ihr zu sein und kein Feuer der Welt hätte sie vertreiben können. Dann erschien das Gesicht von neuem und dieses Mal war es klar und deutlich sichtbar.

Wwwwweerrrrr bissstt ddddduuu uuuuund wwwaas wwwwwillst ddddduuu vvvvvonnnn mmmmmirrrrr, stammelte Selyn zitternd vor Kälte und Furcht. Statt einer Antwort begann das Gesicht hämisch zu grinsen. Kurz darauf stürzte es sich vom Himmel herab. Dabei öffnete es seinen Mund, der, je näher das Gesicht dem Boden kam, immer größer zu werden schien. Selyn verschlug es den Atem als sie bemerkte, was das Gesicht vorhatte. Es stürzte geradewegs auf ihren Flocke zu. Nein! Flocke!, brachte sie noch heraus, dann hatte das Gesicht ihren Freund erreicht. Im selben Moment schien das Tier aus seiner Starre zu erwachen, konnte jedoch nur noch einen markerschütternden Schrei abgeben, während es von dem Gesicht verschluckt wurde.

Nein! Flocke!, schrie Selyn und sprang auf. Es dauerte einige Augenblicke, bis sie bemerkte, dass sie sich nicht mehr in Estria befand. Verstört schaute sie sich um und entdeckte zuerst den verschreckten Flocke, der durch ihr plötzliches Manöver aus ihrem Mantel gepurzelt war.
Flocke!, Rief Selyn erneut und nahm das noch etwas verschlafen und erschrocken dreinschauende Frettchen sofort in ihre Arme um es fest an sich zu drücken. Dann wandte sie sich um und erblickte Ranarion, der auch bereits wach zu sein schien. Erleichtert dem bösen Traum endlich entkommen zu sein wollte sie auch ihn freudig begrüßen, als sie sein verschreckt starren Blick bemerkte. Noch bevor sie fragen konnte, sah sie in den dichten Nebel vor ihnen, was Ranarion vor Angst erstarren ließ und sofort spürte sie wieder das schmerzende Gefühl der Einsamkeit in ihrer Brust, das sie noch aus ihrem Traum kannte. Vor Ihr im Nebel konnte man mal mehr mal weniger stark ein Gesicht erkennen, dass Selyn noch zu Gut kannte.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Dienstag 22. September 2009, 19:05

Noch während Ranarion wie erstarrt in eben jene Richtung hinter ihnen starrte, erwachte Selyn plötzlich und völlig unerwartet aus ihrem Schlaf. Sie schrie nach ihrem Frettchen, stemmte sich so abrupt empor, dass sie den Arm des Eiselfen, welchen sie schützend festgehalten hatte, fort schleuderte. Der Erwachsene jedoch schien es nicht zu spüren, er schaute weiter in die besagte Richtung und gab nicht ein Zeichen des Lebens von sich. Man hätte meinen können, dass er auf seltsame Weise zu schlafen schien, doch seine wachen und vor Erschrecken geweiteten Augen verrieten, dass es nicht so war. Und kaum, dass die junge Eiselfe seinem Blick folgte, schien auch sie zu erstarren.

Direkt in jener Richtung, in welche sie schauten, manifestierte sich ein Gesicht. Jedoch war es kein gewöhnliches Gesicht, nein ganz im Gegenteil. Es schien grauenerregend verzerrt zu sein und seinen Mund, welchen es weit geöffnet hatte, formte es immer wieder zu einem Trichter, weitete es wieder zu einem Schlund und vollzog das ganze von neuem. Dabei lies es einen klagenden Laut vernehmen. Dieser war zum einen so tief und markerschütternd, dass es einem schlecht von werden konnte, und zum anderen dermaßen hoch, hell und klar, dass einem mehr als nur eine Gänsehaut überlief. Es jaulte und grölte, sodass Ranarion nicht mehr in der Lage war einen klaren Gedanken zu fassen.

Bei... großen... Göttin! Verdammt es ist WAHR!

Plötzlich begann das Gesicht zu verschwimmen. Es flackerte, löste sich kurz auf und erschien aufs Neue. Dann begann es wieder undeutlich zu werden, aber diesmal kam es mit einem Schwung auf die beiden Reisenden zugerauscht, dass der Eiself kurzerhand zusammen zuckte. Es durchfuhr ihn und hielt auf den kleinen Flocke zu, welcher bei Selyns Aufstehaktion aus ihrem Mantel gepurzelt war. Der körperlose Kopf hatte sein Maul sperrangelweit geöffnet und es machte Anstalten, dass gleiche zu tun, was schon im Traum der Adeptin geschehen war. Flocke fiepte auf und begann im Kreis zu rennen, hatte jedoch keine Chance dem Ding zu entwischen. Dann hatte es das Tier fast erreicht, als es sich wieder auflöste und verschwunden war. Einzig das grausige Heulen war noch zu hören.

Ranarion schaffte es endlich aus seine Starre zu erwachen, wandte sich schnell um und schaute seine Begleitung an. Er schien sich überhaupt nicht darüber zu wundern, dass Selyn bereits aufgewacht war - auch wenn er es nicht wirklich mitbekommen hatte - und stemmte sich auf seine Füße. Er stellte sich zu seine Begleiterin, nahm sich schützend in seinen Arm und schaute sich mit wachsamen Augen um.
"Ist alles in Ordnung bei dir?", fragte er sie besorgt. "Geht es dir auch gut?"
Dann begann das Stöhnen ebenfalls leise zu verstummen und verschwand vollends. Was war eben geschehen? Waren es wirklich Geister aus der Geisterwelt, welche durch den dichten Nebel, welcher sie noch immer umhüllte in die ihre gekommen? War das überhaupt möglich? Viele unbeantwortete Fragen standen im Raum und warteten darauf eine Antwort zu bekommen.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Freitag 2. Oktober 2009, 15:58

"Ist alles in Ordnung bei dir? Geht es dir auch gut?"

"Ja mir schon aber Flocke ..." Selyns Stimme war noch immer ängstlich, ja sogar weinerlich als sie den Namen ihres Freundes ausrief. Schnell befreite sie sich aus der schützenden Umarmung Ranarions und rannte zu ihrem Flocke. Selyn dachte dabei nicht mehr an ihren Begleiter, der sie ja auch nur hatte schützen wollen. Auch dachte sie nicht mal mehr an die unheimliche Gestalt oder die noch immer zu hörende Geisterstimme. Das Einzige was sie sah war ihr Flocke, der starr vor Angst auf dem kalten Boden saß. In diesem Moment war all ihre eigene Angst vergessen. Sie musste zu ihrem Flocke.

"Flocke! Mein armer Flocke! Fast hätte ich dich verloren!"
Wärend sie ihn nicht gerade behutsam aufhob und ihn mit etwas zu viel Kraft an sich drückte, begannen die ersten Tränen der Erleichterung von ihren Wangen zu tropfen. Verletzend war es für sie ihren Flocke in ihrem Traum zu verlieren, doch unvorstellbar grausam wäre es gewesen, wenn dasselbe kurz danach in der Wirklichkeit passiert wäre. Kaum auszudenken, was in Selyn in diesem Fall vor sich gegangen wäre. Besonders wenn man bedenkt, was sie vor Flocke gewesen war und nur mit ihm geworden ist.

Weiter drückte sie ihren kleinen Schatz an sich und dieser begann sofort sich erfreut an sie zu schmiegen. Das zittern das das kleine Wesen bis dahin beherrscht hatte, begann langsam wieder abzuklingen. Ein kleines Lächeln kehrte auf Selyns besorgte Mine zurück, als sie noch einmal bemerkte, dass ihr Freund wirklich gerettet war. Nicht aufgefressen von einem merkwürdigen saugenden Mund. Nicht einmal verletzt schien er zu sein.
"Mein tapferer Flocke!" flüsterte sie ihm noch einmal mit einer gehörigen Portion Stolz in der Stimme zu.
"Uns wird niemals etwas trennen, nicht wahr mein Kleiner, Süßer?"

Sie hob ihren Arm, auf dem Flocke saß und hievte ihn so zu ihrem Kopf, damit sie diesen an seinen schmiegen konnte, als wäre sie nun zu einem Frettchen mutiert. Dann drehte sie sich wieder zu Ranarion um, der das Ganze beobachtet hatte.

"Wir sollten zusehen das wir schnell von diesem Ort verschwinden", murmelte sie, als sie Ranarion nah genug war. Sie begann bereits ihre Sachen zu packen, als noch einmal das gruselige Geräusch erklang. Selyn zuckte unwillkürlich zusammen, doch hinderte sie das nicht daran, weiter ihrem Plan zu folgen. Im Gegenteil packte sie dadurch nur noch schneller. Sie wollte von diesem Ort verschwinden. So schnell wie möglich.

All ihre Prinzipien, all ihre Neugier um dieses ihr unbekannte Land waren in diesem Moment vergangen. Sie hatte genug in dieser düsteren Region erlebt, um damit ein Buch zu schreiben. So kam es ihr zumindest vor. Überall war es besser als in den verfluchten Landen, in denen sie sich gerade befanden. Zum ersten Mal seit ihrer Reise begann sie sich nach ihrer Heimat zu sehnen. Natürlich, dort war es kalt und die Natur war erbarmungslos, doch es war vertraut und irgendwie bekam sie ein wärmendes Gefühl, wenn sie an ihre Stadt dachte. An die Häuser und ihre immer brennenden Öfen, an denen sich die Eiselfen gerne versammelten und Karten spielten. Auch wenn das Land selbst eine eisige Fassade bot, so war das innere, die Bewohner des Landes, nur im Stande zu überleben, weil sie sich gegenseitig wärmten, ob es ihnen bewusst war oder nicht. Hier jedoch gab es nichts. Keine Einwohner weit und breit. Keine Dörfer, keine Städte. Zumindest hatte Selyn noch keine gesehen. Keine Tiere, außer ein paar Vögeln. Im Eisreich wimmelte es im Gegensatz dazu gerade so vor Tieren und freundliche Wesen wie Durma, der Eisriesin, die den beiden auf ihrer Reise begegnet war.
Auch die saftig grünen Grashalme, die Selyn damals, beim erreichen dieser neuen Welt so fasziniert hatten, konnten ihre schlechte Meinung über diesen Ort nicht mehr aufhellen. Dieses Land, das sie damals als das blühende Leben selbst gesehen hatte, war in der Nacht ein Ort des Grauens und des Todes. Im Eisreich wusste man wenigstens um die Gefahren und was einen erwartete wenn man sie ignorierte. Hier schlichen sie sich unbemerkt von hinten an und vergingen sich mit voller Absicht an den Hilflosesten der Gruppe. Nein, Das war nicht der Ort, den Selyn zu sehen gewünscht hatte, als sie ihre Reise begann. Auf einmal war es ihr auch egal, ob hier ein Drache in der Nähe war oder nicht. Sie wollte nur weg. Weit weg von diesem Ort.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Dienstag 6. Oktober 2009, 22:37

Selyn schien sich von dem ersten Schock recht schnell erholt zu haben, denn anstatt in eine Starre aus Furcht zu verfallen, hatte sie sich direkt zu ihrem kleinen Freund begeben, wozu sie sich zunächst aus der schützenden Umarmung von Ranarion befreite. Schnell nahm sie Flocke auf ihren Arm, drückte ihn an sich, als ob sie ihn nie wieder sehen würde und machte sich mit den Worten "Wir sollten zusehen das wir schnell von diesem Ort verschwinden", daran ihre noch verstreuten Habseligkeiten einzupacken.

Der Eiself regte sich nicht. Er stand einfach nur da und beobachtete seinen jungen Schützling, wie sie all ihre Neugier und Wissbegierde über diese neue Welt verloren zu haben schien. Zurück blieb zur Zeit einfach nur der Drang und der Wunsch so schnell es geht von diesem Ort zu verschwinden. Auch wenn hier tagsüber die grasbedeckte Landschaft nur so vor Leben strotzte, ob es nun Blumen, Bäume oder etwas anderes waren, so verwandelte er sich des Nächtens zu einer wahr gewordenen Alptraumlandschaft. Der Nebel vermochte alles zu verschlucken und schaffte es sogar sämtliche Anzeichen des Lebens verschwinden zu lassen. Zurück blieb nur ein trostloses Stück Erde, welcher einem Gast nicht gerade sehr einladend erscheinen mochte.

Nun jedenfalls raffte sich Ranarion zusammen und kehrte aus seiner Starre zurück ins Hier und Jetzt. Er regte sich, nickte - was wohl mehr für ihn selbst als für einen anderen bestimmt war - und schloss sich Selyn an. Es war höchste Zeit diesen Ort zu verlassen, auch wenn es noch mitten in der Nacht war und der Neben kein Ende zu nehmen schien. Doch war ihm ebenfalls nicht geheuer, wenn er daran dachte, weiter hier zu verweilen und sich und seiner Begleiterin der Gefahr auszusetzen, noch einmal von diesen Geistern heimgesucht zu werden.
Natürlich gab es keine Garantie dafür, dass sie unterwegs nicht noch einmal ein solches Erlebnis haben würden, aber doch verschaffte es dem Erwachsenen ein besseres Gefühl etwas zu tun, anstatt einfach nur hier herum zu hocken und abzuwarten, während er wachsam durch die Dunstschleier schaute. Letztes konnte er auch beim Wandern tun und das musste er sogar, soviel war ihm von vornherein klar.

Er packte seine Nahrungsmittel und die noch zu gebrauchenden Holzscheite vom Lagerfeuer wieder in seinen Rucksack, stellte sich aufrecht, während er das Behältnis schulterte und nun auf die Adeptin wartete. Gerade als sie fertig war, gesellte er sich direkt zu ihr und erhob seine Stimme.
"Wir sollten versuchen weiter nach Norden zu kommen und so schnell es geht diese verfluchten Dunsthügel hinter uns zu lassen. Ich hoffe nur, dass es das letzte Erlebnis dieser Art war, dem wir hier begegnet sind."

Nachdem er diese Worte gesprochen hatte, schaute er sich noch einmal ganz genau in ihrer näheren Umgebung um und schien nach etwas zu suchen, dass er offensichtlich nicht fand und ein erleichtertes Seufzen entrann seiner Kehle. Dann packte er Selyn an der Hand. "Wir sollten uns nicht verlieren, denn sonst finden wir uns womöglich niemals wieder in dieser dicken Suppe.", sprach er und zog sie bereits leicht in eine Richtung, fort von ihrem Lagerplatz.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Mittwoch 7. Oktober 2009, 20:34

Selyn war erleichtert als sie bemerkte, dass Ranarion ihrem Aufruf folgte. Auch wenn sie nach außen unmissverständlich klar gemacht hatte, dass sie so schnell wie möglich von diesem Ort verschwinden sollten, war es doch nur die Angst, die sie dazu trieb. Ob diese Entscheidung klug war oder nicht konnte sie nicht einschätzen. Aber Ranarion konnte es. Mit seiner Erfahrung hatte er die Beiden bisher gut und sicher durch Gefahren gebracht und die Tatsache, dass auch er ohne Widerworte begann zu packen, war für Selyn der eindeutige Beweis, dass sie der Erfüllung ihres Wunsches, diesem Schrecken zu entfliehen, nahe war.

"Wir sollten versuchen weiter nach Norden zu kommen und so schnell es geht diese verfluchten Dunsthügel hinter uns zu lassen. Ich hoffe nur, dass es das letzte Erlebnis dieser Art war, dem wir hier begegnet sind."

Auch Selyn machte der Gedanke an eine Wiederholung des Erlebten große Angst und die Tatsache, dass auch der erfahrene Ranrion dieses Land als verflucht bezeichnete, war ein weiterer Beweis dafür, dass sie hier in ernster Gefahr schwebten. Gleichzeitig jedoch gab es Selyn wieder neues Selbstvertrauen. Sie war nicht die Einzige, die sich hier nicht wohl fühlte. Selyn nickte und drückte ihren Flocke noch einmal an sich. Bis sie dieses Land verlassen hatten wollte sie ihn nicht mehr aus der sicheren Umarmung lassen. Keinesfalls wollte sie noch einmal riskieren, dass er schutzlos angegriffen wurde. Noch immer schlotterten ihre Knie, was die Schritte von Gepäckstück zum Rucksack nicht gerade einfacher machte. Ob sie nun vor Kälte zitterten oder ob es doch die Angst war, die sich in ihr breit gemacht hatte, vermochte sie selbst nicht zu sagen.
Kurz darauf hatte sie auch ihre Sachen fertig gepackt und näherte sich Ranarion, der bereits abmarschfertig dastand und die Gegend beobachtete. Als er sie entdeckte, nahm er sie an der Hand.

"Wir sollten uns nicht verlieren, denn sonst finden wir uns womöglich niemals wieder in dieser dicken Suppe."

Selyn nickte erneut und begann im selben Moment wieder zu zittern. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb drückte sie Flocke mit ihrer anderen Hand noch einmal fest an sich. Dann begann Ranarion sie mit einem sachten Ziehen zum Aufbruch zu bewegen und sie folgte.
Hand in Hand liefen sie durch die Kälte des Landes. Die Nebelschwaden streiften um sie als wäre jedes von ihnen selbst ein Gespenst das es auf die Seelen der Wanderer abgesehen hatte. Nicht selten schaute Selyn ängstlich nach hinten. Sie hatte das Gefühl, dass sie beobachtet wurden und obwohl sie sich selbst klarmachte, dass sie einfach nur Angst verspürte, konnte sie nicht anders als sich immer wieder umzuschauen. Noch fester drückte sie die Hand ihres Begleiters. Sie war froh, dass er da war. Alleine wäre sie schon lange verrückt geworden. Alleine bei dem Gedanken, dass sie eigentlich vorgehabt hatte alleine durch die Welt zu wandern, kam ihr in diesem Moment mehr als verrückt und naiv vor. Ohne ihren Ranarion hätte sie hier niemals überlebt.

"Ich freue mich schon auf Kapayu und den Drachen", flüsterte sie Ranarion zu, als wollte sie ungebetenen Zuhörern das Mithorchen erschweren.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Dienstag 20. Oktober 2009, 23:19

Hand in Hand marschierten die beiden Gestalten Schritt für Schritt voran. Um sie herum waberten die dichten Nebenschwaden bedrohlich auf und ab, zogen an ihnen vorbei und streiften ihre Kleidung und Haut, wobei sie dabei die Kälte und Nässe darin und darauf abluden. Auch vermittelten sie den Eindruck, als würden die Elfen von irgendwo her beobachtete werden, als könnte aus sämtlichen Richtungen plötzlich jemand wie aus dem Nichts auftauchen, sie packen und fort zerren - sie von einander trennen. Es war sicherlich kein angenehmes Gefühl, welches diese Umgebung auf Selyn und Ranarion machte, aber doch blieb ihnen momentan nur zwei Lösungen offen. Erstens, an einem Ort verweilen und warten bis der Tag anbrach, wobei dann die unheimlichen Nebelschwaden verschwinden würden, oder aber zweitens, einfach weiter gehen und hoffen, dass sie dieses spukende Land bald hinter sich haben würden.

Einstimmig hatten sie sich für das Zweite entschieden und so wanderten sie ohne Unterlass voran. Aber selbst für einen so erfahrenen Mann, wie Ranarion es war, war es nicht gerade leicht, die richtige Richtung in solch einer Suppe aus grauem und weisen Dunst zu finden. Sie mussten nach Norden, wenn sie ihr eigentliches Ziel, den Urwald Kapayu, erreichen wollten, aber wie sollte man die Himmelrichtungen bestimmen, wenn man gar keinen Orientierungspunkt hatte und nur wenige Schritte voraus oder zu den Seiten sehen konnte?
Keine leichte Aufgabe, jedoch versuchten sie sich daran und so blieb ihnen nichts weiter, als einfach zu hoffen, dass sie die richtige Entscheidung des Weges getroffen hatten.

"Ich freue mich schon auf Kapayu und den Drachen", flüsterte die Adeptin plötzlich ihrem Beschützer zu und ebenfalls bemerkte der Elf, wie seine Hand fester gedrückt wurde.

Er erwiderte diesen Druck und versuchte seinem Schützling damit deutlich zu machen, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um sie vor diesen Geistern zu schützen, auch wenn er nicht recht wusste, wie er das eigentlich anstellen sollte. Es war schon eigenartig, aber niemals hätte er sich träumen lassen, dass er solche Gefühle für das Mädchen empfinden würde. Als er sie das erste Mal getroffen hatte, war er mürrisch und hatte eigentlich gar keine Lust sie zu begleiten. Allerdings hätte es sein Gewissen damals nicht verkraftet, sie allein in die Welt hinaus ziehen und all diese Gefahren, welche sie nun schon erlebt hatten ganz ohne einen Begleiter überstehen zu lassen. So hatte er sich ihr angeschlossen, sie geführt und versucht vor größerem Unheil zu bewahren, was ihm auch recht gut gelungen war. Nun jedoch, sah er sich an seine Grenzen gebracht. Er konnte sie vor körperlichen Gegner verteidigen, aber gegen so etwas wie es hier lebte konnte selbst er kaum etwas ausrichten. Oder vielleicht doch? Eine Sache gab es noch, welche er nicht versucht hatte, aber dies hatte auch seinen Grund.

"Ja, ich freue mich auch schon auf den Urwald. Den Drachen bräuchte ich jetzt nicht unbedingt, aber er ist doch höchstwahrscheinlich wesentlich angenehmer, als irgendwelche Geister.", antwortete er auf das von Selyn Gesagte. "Bald müssten wir es auch geschafft haben. Gestern sind wir schon ziemlich weit gekommen und da wir schon die ersten Bäume eines großen Waldes entdeckte haben, sollten wir ihn auch bald erreichen. Was hältst du dann von einem ausgiebigen Essen? Ich weiß nicht, irgendwie knurrt mir der Magen."

Der plötzliche Redeschwall des Überlebenskünstlers mochte vielleicht komisch auf die junge Elfin wirken, aber so verschaffte sich der Erwachsene Sicherheit und vielleicht würde er sogar ihr damit etwas ihrer Selbstsicherheit zurück geben. Sicherlich würde es nicht schaden jetzt einfach etwas zu schwatzen, um sich daran zu hindern, in die eigenen Gedanken abzusacken und ihnen nach zuhängen.

Allerdings sollten sie nicht sonderlich lange die Gelegenheit haben, sich miteinander zu unterhalten. Die ganze Zeit, seid ihrem Aufbruch von ihrem Nachtlager, hatten sie weder die Geister gesehen, noch gehört, aber jetzt kam wie aus dem Nichts ein donnerndes Geräusch auf sie zu. Woher mochte es genau kommen? Irgendwie schien es aus allen Richtungen zu erklingen und es kam näher... wurde lauter... bedrohlicher, bis es sie nach wenigen Sekunden direkt umschloss.
Ranarion zuckte zusammen, schaute sich hektisch um und wirkte fast panisch. Seine Lider flackerten, seine Hände zitterten und seine Knie drohten beinahe nachzugeben. Aber dann stand er plötzlich still da, bewegte sich keinen Millimeter und starrte stur in eine Richtung. Sein Atem war fast zum erliegen gekommen und Augen waren halb geschlossen. Er hatte die Hand von Selyn losgelassen.

Dann wandte er sich mit einem dermaßen heftigen Ruck zur entgegengesetzten Seite um, dass es den Anschein hatte, er würde schweben. Gleichzeitig hob er seine Hände und tat so, als würde er etwas von sich werfen. Augenblicklich erschien aus dem Nichts eine kleine Flamme, welche sich zu einem Geschoss formte und und von seinen Fingern in die Düsternis des Nebels flog.
"VERSCHWINDET UND LASST UNS IN RUHE!", rief er in einer anderen Sprache und sackte anschließend kurz zusammen.
Aber schnell raffte er sich wieder auf, schaute sich um, entdeckte Selyn und packte sie erneut an den Händen.

"Bitte jetzt keine Fragen. Später haben wir genügend Zeit, aber jetzt nicht. Wir sollten die Hügel und den Nebel so schnell es geht verlassen."
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon Selyn » Montag 2. November 2009, 11:59

Selyn spürte sofort den Gegendruck, der von Ranarion kam und in dieser Welt der Kälte begann sie eine Art lodernde Wärme in sich zu spüren, die von seiner Hand auszugehen schien. Sie begann sich irgendwie belebter zu fühlen. Als würde all ihre Unbeschwertheit, die sie durch die zuletzt erlebten grausamen Erfahrungen verloren zu haben schien, in sie rückfließen. Ein Gefühl der Geborgenheit erfüllte den letzten Rest ihres Körpers und ein Lächeln, dass von keinem Wesen hätte schöner sein können, legte sich auf ihr Gesicht.

"Ja, ich freue mich auch schon auf den Urwald. Den Drachen bräuchte ich jetzt nicht unbedingt, aber er ist doch höchstwahrscheinlich wesentlich angenehmer, als irgendwelche Geister."
Selyn begann leicht zu kichern und blickte erfreut zu ihren Begleiter. Selbst in solchen Situationen schaffte er es fast immer die Situation durch eigentlich nebensächliche Bemerkungen aufzuhellen.

"Bald müssten wir es auch geschafft haben.", fuhr er fort. "Gestern sind wir schon ziemlich weit gekommen und da wir schon die ersten Bäume eines großen Waldes entdeckte haben, sollten wir ihn auch bald erreichen. Was hältst du dann von einem ausgiebigen Essen? Ich weiß nicht, irgendwie knurrt mir der Magen."
Selyns Augen begannen zu leuchten.

"Oh, ja! Das wäre so wunderbar! Was meinst du werden wir dort finden? Pflanzen? Eine Eisra vielleicht? Oh sie sieht so wundervoll aus! Gibt es die überhaupt im Urwald? Oder etwas Vergleichbares? Oh ich freu mich ja schon so ..."
Selyns Stimme versagte von einer Sekunde auf die Andere. Waren da nicht gerade wieder die Stimmen der Geister zu hören? Angestrengt begann sie in die Dunkelheit hineinzuhorchen und blieb dabei automatisch stehen.
Zunächst konnte sie nichts Auffälliges entdecken, dann jedoch, wie bei einer Explosion, schossen die Stimmen der Geister plötzlich aus dem Nichts hervor und umkreisten die Beiden Elfen. Selyn begann zu schreien. Zu plötzlich hatten sich die Geister bei ihnen manifestiert. Ihre Stimme donnerte ohrenbetäubend durch die kalte Luft und wäre wohl in der Lage gewesen Tote auferstehen zu lassen, wenn diese nicht schon alle als Geister um sie herum fliegen würden.
Selyn starrte fassungslos auf die Nebelschwaden und drückte den ebenso verängstigten Flocke ganz dicht an sich. Auch Ranarion schien von dem Vorfall nicht unbeeindruckt zu sein. Seine Bewegungen ließen auch bei ihm auf eine gewisse Panik schließen, die bei Selyn schon lange angekommen war. kein vernünftiger Gedanke wollte sich jetzt noch in ihrem Kopf bilden. Ihr Körper begann zu schlottern und all ihre Fähigkeiten, all ihre Stärken, die sie einst durch ihre Emotionslosigkeit gehabt hatte, schienen sie verlassen zu haben. Noch einmal schaute sie sich panisch in alle Richtungen um, dann bemerkte sie wie Ranarion ihre Hand losließ. Instinktiv richtete sie ihren Blick auf Ranarion. War er von den Geistern erfasst worden? Würde er ohne sie die Flucht ergreifen? Wieso sonst sollte er sich gerade in solch einem Moment entfernen? Doch als sie ihren Blick auf Ranarion gerichtet hatte, sah sie etwas vollkommen unerwartetes. Ihr Begleiter schien vollkommen entspannt und konzentriert. Dann plötzlich schnellte er herum. Flammen loderten plötzlich auf und verschwanden im Nebel. Selyn sah wie Ranarion seinen Mund öffnete und Worte aus ihm herauskamen, die sie vorher noch nie gehört hatte, doch klangen sie elegant und stark.
Selyn schaffte es nicht sich auf irgend eine Weise zu bewegen. Zu viel war in zu wenig Zeit passiert, als das ihr noch Junges Gehirn damit hätte fertig werden können. Auch die Tatsache, dass sie die Sprache durchaus bei den höchsten Magiern Estrias schon gehört hatte, wenn diese sich zu einem privaten Gespräch zurückgezogen hatten, war ihr vollkommen entfallen. Das einzige was sich in Selyns Kopf festgesetzt hatte, war eben jene letzte Szene.
Ranarion war mehr als nur ein einfacher Einsiedler und er wusste mehr über die Wesen, die sie angriffen, als er bisher zugegeben hatte und er konnte, wie es schien, sogar mit ihnen sprechen. So stand sie noch immer bewegungsunfähig da, als Ranarion ihre Hände packte, ihr etwas zurief und sie begann weckzuzerren. Die Zeit um sie herum schien extrem langsam zu verlaufen und eine starke Taubheit legte sich auf ihre Ohren. Ein Zeichen extremer überanstrengung ihrer Nerven. Sie ließ sich einfach mit Ranarion mitzerren und rannte mit ihm zusammen um ihr Leben.
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Re: Zum ersten Mal Wärmeglück

Beitragvon fremder Mann » Donnerstag 19. November 2009, 08:37

So vieles geschah in so kurzer Zeit und die Ereignisse schienen sich zu überschlagen. Zunächst waren Selyn und Ranarion noch voller Vorfreude weiter nach Norden marschiert, wollten so schnell es geht diesen unheimlichen Ort verlassen und nicht riskieren, dass jene Geister der Nebel, welche sie bereits bei ihrem Lagerplatz angegriffen hatten, noch einmal zu ihnen kamen. Doch leider hatten die Beiden keinen Erfolg damit gehabt. Noch während sie immer weiter gegangen waren und sich bereits über den Urwald unterhalten hatten, waren die Wesen unverhofft und urplötzlich wieder aufgetaucht. Zunächst waren ihre Stimmen noch fern gewesen, doch auf einen Schlag schienen sie direkt bei ihnen zu sein und Panik hatte von den Reisenden Besitz ergriffen. Die junge Eiselfe war wie erstarrt und drückte einzig ihren treuen Freund Flocke an sich. Der Erwachsene hatte die Hände von seinem Schützling los gelassen und sprach plötzlich etwas in einer anderen Sprache. Für sie musste es den Anschein haben, dass er mit den Geistern kommunizieren konnte, jedoch diente dieser eine kurze Satz einzig dazu, seinem Schock freien Lauf zu lassen und damit eine Art von Magie zu entfesseln, welche Ranarion am liebsten niemals wieder eingesetzt hätte. Danach packte er die Adeptin wieder und begann sie erneut einfach weiter zu ziehen. Seine Worte auf Esera schien sie gar nicht wahr genommen zu haben.

Stille herrschte nun um sie her... unheimliche, vollständige Stille. Keine Tiere waren zu hören, kein Brausen des Windes. Nur ihre eigenen Schritte und der eigene Atem erklangen um sie herum und erfüllten ihre Ohren.
Waren die Geister wieder verschwunden? Hatten sie sich wieder in ihre neblige Welt zurück gezogen? Würden sie sie jetzt vielleicht in Ruhe lassen?
Diese und noch viele weitere Fragen standen offen im Raum, doch gab es darauf keine klaren Antworten und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als einfach weiter zu gehen und zu hoffen, dass sie dieses verfluchte Gebiet endlich hinter sich lassen würden. Keiner von ihnen sprach und vielleicht war das auch gut so, denn zumindest Ranarion stand jetzt nicht der Sinn danach etwas von sich zu geben. Er wollte nur noch weg von hier, sicher aus den Dunsthügeln hinaus und dafür würde er schon sorgen - egal auf welche Art und Weise.

Bald... bald haben wir es geschafft! Der Kapayu ist nicht mehr weit... bald haben wir es...

Diese Gedanken waren momentan die Vorherrschenden in seinem Verstand und sie sorgten dafür, dass er sich auf ihre Umgebung konzentrieren konnte und wachsam nach einem erneuten Angriff Ausschau hielt. Immer wieder huschte sein Blick von der einen Seite auf die Andere, horchte in die Stille hinein und schickte hin und wieder ein Stoßgebet an Ventha.

So verging eine ganze Weile, in welcher sie weiter marschierten und nichts weiter außergewöhnliches geschah. Und dann... endlich begannen sich die dichten Nebelschwaden etwas zu lichten. Sie mussten dem Urwald endlich näher gekommen sein. Zunächst war die Veränderung noch kaum wahrzunehmen, aber es dauerte nicht sonderlich lange, da konnten sie bereits wieder einige Umrisse in der Ferne erkennen. Zwar konnten sie diese noch nicht wirklich irgendetwas zuordnen, aber ein Anfang war gemacht und nachdem sie eine weitere halbe Stunde auf diese Konturen zugelaufen waren, zeichneten sich endlich Bäume davon ab. Der Wald lag nun kurz vor ihnen und der Nebel zog sich immer weiter zurück. Auch der Himmel wurde langsam wieder etwas heller. Die Nacht schien sich dem Morgen zu beugen und vielleicht war dies auch ein Grund dafür, dass die Nebel immer durchsichtiger wurden. Und dann hatten sie ihr Ziel endlich erreicht! Der Kapayu bäumte sich vor ihnen auf, wie ein dicht verstrickter Schal. Bäume standen dicht an Bäume und Lianen hingen von den Ästen herab.

Ranarion blieb stehen, schaute beeindruckte auf die Szenerie und öffnete nach Stunden das erste mal seinen Mund, um etwas zu sagen:
"Wir haben es geschafft, Selyn! Der Urwald Kapayu!"


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