Das Versteck an der Küste

Diese Küstenstadt ist verrufen, gefürchtet und niederträchtig. Hier leben Rassen aller Art und sie sind Piraten, Hehler und Gesindel. Neue Besucher sollten sich einer Gemeinschaft anschließen, wenn sie in Rumdett überleben wollen.
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Alea
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Samstag 25. August 2012, 18:19

Devin schien dem Kobold im Gegensatz zu ihr sofort zu glauben. Als er ihn fragte, ob er auch zaubern konnte, spitzte Alea die Ohren. Denn daran hatte sie noch nicht gedacht und nicht einmal ansatzweise vermutet, dass sie je einem Wesen begegnen würde, das dazu fähig sein würde. Bis auf Magier natürlich, war sie doch selbst so etwas wie eine. Angeblich konnte er das also auch. Und angeblich konnten auch Kobolde, zumindest Rabaukenheimer, zaubern, wenn sie ihm glauben konnte. Interessant. Die anderen Worte des gefangenen Kobolds registrierte Alea schmunzelnd, konnte man bei seiner Art und Weise doch unmöglich ernst bleiben. Auch beim Thema Nächstenliebe. Natürlich hätte sie den Kobold auch einfach so mitgenommen. Ihre Bedingung war auch mehr scherzhaft gemeint, aber im Grunde war es relativ egal, wie er diese aufnahm, denn scheinbar war er durchaus bereit, ihr etwas über sein Volk zu erzählen.

"Urks?", hakte sie nach, weil sie noch immer nicht ganz verstand, was er damit meinte und dieses Wort noch nie gehört hatte. Vielleicht war ja auch das irgendein gaiaynisches Wort. Rabaukenheimers Bemerkung zur ihrem Namen überging sie geflissentlich, da sie annahm, dass er es sicher nicht ernst meinte. Außerdem trug sie sicherlich nicht den schlimmsten Namen. Das schien auch Devin so zu sehen und bevor sie auf die Frage des Kobolds einging und ihn alle möglichen Fragen über sein Volk stellte, warf sie mit erhobener Augenbraue einen Seitenblick zu ihrem jungen Begleiter. Nicht die Aussage an sich, die sie noch mit einem zufriedenen Lächeln hingenommen hatte, sondern eher der Ton dieses Kompliments ließ sie Devin näher betrachten. Die Röte in seinem Gesicht und Jhins Worte sprachen eigentlich Bände. Wann war denn das passiert? Da Devin sich abwandte und ihm offenbar nichts daran lag, sich näher dazu zu äußern, schaute die Diebin sowohl verwirrt als auch neugierig zu dem Tha'Roon. "Was hat er denn?", flüsterte sie laut genug, dass Jhin sie auch verstehen würde und dabei ganz vergessend, dass es ihr selbst noch vor wenigen Momenten überhaupt nicht recht gewesen war, dass der lilafarbene Fremde in ihrem Kopf gelesen hatte. An Devins Verhalten konnte sie sich schon fast denken, was der Junge hatte, was ihr ein amüsiertes Schmunzeln entlockte.

Dann jedoch schaute sie wieder zu ihrem Finger hinab, an dem der Kobold im Ring fest saß. "Ein richtiger Dschinn..", flüsterte sie ehrfurchtsvoll. "Wie gerne würde ich auch mal so einen sehen und mich davon überzeugen." Noch immer konnte sie sich deren wahre Existenz nicht vorstellen. Aber welche phantasievolle, junge Frau träumte nicht einmal gerne davon, dass all die zauberhaften Geschichten wahr wurden. Waren diese doch oft so viel schöner als die Realität. Doch wer einen Kobold überrumpelte und ihn 100 Jahre lang einsam in einer Höhle, dazu noch eingesperrt in einem RIng, hinterließ.. vielleicht war es doch nicht so gut, sich eine Begegnung mit einem Dschinn zu wünschen und dann vielleicht genauso überrumpelt zu werden.

"Du willst mir drei WÜnsche erfüllen?" Alea musste kurz lachen. Ein Lachen, das ihren Unglauben ein weiteres mal verdeutlichte. So ganz wollte ihr Kopf das Ganze noch nicht fassen. "Nun, lass uns erst einmal diese Höhle verlassen", erwiderte sie stattdessen und machte sich daran, zu General zu treten, der noch immer Rejan auf seinem Rücken trug. Als sie die Zügel des Pferdes in der Hand hielt, streichelte sie kurz zur Beruhigung über seine Schnauze und hob die Hand mit dem Ring so, dass der Kobold das Pferd und Rejan darauf sehen konnte. "Siehst du ihn? Das ist Rejan, mein.. Gefährte." Sie stockte und berührte kurz seine kalte, von Schatten durchflutete Hand. "Wenn du die Schatten aus ihm heraus zaubern oder uns nach Zyranus zaubern könntest.. das wären die einzigen Wünsche, die es wirklich wert wären, erfüllt zu werden." Ihre Stimme hatte einen nachdenklichen Ton angenommen. Sie war zunehmend in Gedanken versunken, aus denen sie nur langsam wieder auftauchte. Ihr Blick klärte sich, bis die Frage auftauchte, ob es nicht vielleicht doch möglich war? Waren das WÜnsche, die für immer unerfüllt bleiben würden, oder..? So etwas wie Hoffnung schimmerte in den dunklen Augen als sie heimlich zu dem Ring sahen und auf eine Erwiderung warteten, die ihre Wünsche vielleicht doch nicht als hoffnungslos, sondern als erfüllbar beurteilen würde. "Ist so etwas möglich?", hauchte sie überlegend und sah zu ihrem bewusstlosen Rejan hinauf. Die Fragen zu Rabaukenheimer und seinem Volk traten in den Hintergrund, als ihr klar wurde, wie sehr die Macht einen Koboldes ihr helfen konnte - wenn es denn ginge.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Kobold » Montag 27. August 2012, 12:09

In der Wüste und den Straßen Sarmas mochte sich Alea wohl auskennen, aber mit der zauberhaften Magie nur soweit, wie es ihre eigenen Fähigkeiten in der Kunst der Schatten zuließen. Dass es nicht nur Magier, sondern auch magisch begabte Wesen auf Celcia gab, musste sie erst noch insofern bewusst entdecken, als dass diese nicht Geschichten aus 1000 und einer Nacht waren. Ja, es gab Wesen wie Kobolde und Dschinne und ja, sie konnten offensichtlich auch allesamt zaubern. Welche Macht Günther Knurspel Rabaukenheimer von und zu Hoppsala allerdings wirklich besaß, würde sich noch zeigen müssen. Für die Diebin bestand allerdings kein Zweifel daran, dass sie ihn nicht mitnehmen würde. Allein der Ring mochte schon so genug Aufmerksamkeit und Faszination bei ihr geweckt haben, ihn einzustecken. Dass sie dadurch nun auch einen Kobold ihren Begleiter nennen durfte, war ein überaus fantastischer Nebeneffekt.
"Urks, jawoll, jawoll!", plapperte Knurpsel munter vor sich her. "Das ist meine Heimat, es liegt unter der Erde, aber da ist nicht alles so ... so ... erdig und braun. Nein, wir Kobolde sorgen dafür, dass es immer munter und bunt hergeht. Glaubt man kaum, dass über unseren Köpfen die Stille Ebene liegt. In Urks ist es nämlich niemals still. Ist manchmal schwierig, bei all dem Gelächter und der Feierlaune Schlaf zu finden, aber wer will schon schlafen, wenn es so lustig zugeht? Ich tanze da am liebsten. Jawoll, jawoll, tanzen ist was ganz Feines! Wenn ich aus dem Ring heraus komme, könnten wir eine heiße Sohle aufs Parkett legen ... oder sonstwo, Parkett ist selten da, aber wir tanzen trotzdem, jawoll, jawoll!" Der kleine Knirps im Ring ließ sich gar nicht mehr bremsen. Er schnatterte wie eine Ente, sprudelte wie ein Wasserfall und erzählte scheinbar zusammenhanglos vor sich her, dass es schwer fiel, all seinen ausgesprochenen Gedankengängen mit einer gewissen Logik zu folgen.
Da wurde Alea schon eher auf Devins Reaktion aufmerksam. Seine Nasenspitze und die Ohren hatten eine rote Farbe angenommen, er druckste leicht herum und wandte sich schließlich ab. Auch Jhin blickte den Jungen einen Moment lang an, jedoch weniger überrascht als vielmehr mit einer wachsamen Faszination über dessen Verhalten. Er war hier ganz der Forscher, welcher ein interessantes Ereignis beobachten und im Geiste Notizen dazu machen durfte. "Er empfindet tiefe Bewunderung für dich, Alea", antwortete der Tha'Roon schließlich, der ganz offensichtlich Devins Gedanken gelesen hatte. Der Junge wurde noch röter, blickte aber zu Alea auf. "Naja, du bist doch sowas wie eine richtige Abenteurerin. Deshalb begleite ich dich doch. Dann kann ich auch Abenteuer erleben und werde von einer Heldin geleitet." Er scharrte verlegen mit dem Schuh über den Boden, dass einige Münzen klirrend umkippten.

Da dieses Thema geklärt war, konnte sich Alea erneut dem Kobold widmen. Dieser lugte aus dem Ring heraus, man sah nur ein einziges großes Auge. Es leuchtete wild gelb. "Oh nein, nein, nein. Du solltest niemals einen Dschinn treffen. Das sind verschlagene Kerlchen. Vonwegen Wünsche erfüllen! Sieh doch, in welchem Schlamassel ich jetzt stecke. Ist doch viel besser, dass du mich getroffen hast, jawoll, jawoll. Ich kann dir helfen und bessere Wünsche erfüllen als jeder unlustige Dschinn!" So hielt Knurpsel ausnahmsweise einmal den Mund, um sich Aleas Wünsche nazuhören und den unter dem Fluch stehenden Rejan zu betrachten. "Kann ich nicht", antwortete er dann. "Aber ich könnte euch alle von hier aus nach Urks schaffen und von dort nach Zyranus. Das sogar blitzschnell! In nicht einmal zwei Stunden könnten wir bei den Kobolden sein, jawoll, jawoll. Ihr müsst nur die große Truhe mit den vergoldeten Metallteilen und dem violetten Samtbeschlag beiseite schieben. Dahinter ist ein Loch, in das ihr hinein springen müsst. Schon können wir nach Urks aufbrechen."
Devin suchte die Reichtümer sofort ab, noch ehe Alea etwas dazu sagen konnte. "Hier ist sie!", rief er herüber und schob bereits besagte Truhe ein Stück. Dahinter tat sich ein schlundartiges Loch auf. Es war breit genug, dass selbst General hinein passen könnte, aber wollte ein Pferd in unbekannte Tiefen springen? Ein mattes, blaues Glühen drang aus dem Schlund hervor, aber es reichte nicht aus, um mehr zu erkennen. Wo dieses Loch endete, war ungewiss.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Freitag 31. August 2012, 15:06

Aleas Blick ließ den Kobold in dem Ring keinen Moment aus den Augen. Jeder Muskel der Diebin war angespannt, während sie auf seine Antwort wartete.
"Kann ich nicht."
Alea ließ den Kopf sinken. Sie wusste nicht wieso, aber so spontan ihr dieser Gedanke gekommen war, so sehr hatte sie sich daran festgehalten. Dass Rabaukenheimer nichts tun konnte.. es trieb ihr die Tränen in die Augen, die sie versuchte wegzublinzeln. Bis sie von ganz alleine trockneten, als Knurpsel weiter sprach. Dabei klappte ihr sogar die Kinnlade herunter. "Nach.. nach Urks und Zyranus? .. Zwei Stunden?", stammelte sie, unvorstellbar, dass so etwas möglich war. Bevor sie auch nur verstand, dass Knurpsel es ernst meinte oder irgendetwas anderes tun oder sagen konnte, verkündete Devin, dass er die Truhe, hinter der sich das Loch nach Urks verbergen sollte, gefunden hatte. Alea schwirrte einige Sekunden lang der Kopf. Eben erst war ihr die Idee gekommen, dass der Kobold ihnen helfen konnte. Und so schnell er ihre Vorstellungen hatte zerplatzen lassen wie eine Seifenblase, so plötzlich sprach er davon, sie blitzschnell nach Zyranus zu bringen.

Sie schaute zu Devin hinüber, der schon dabei war, die Truhe zur Seite zu schieben. Eben noch hatte sie ihn zu seiner Erklärung angelächelt - jedoch so, dass er sich weder belächelt noch ausgelacht wegen seiner Gefühle fühlte. Dass er sie so bewunderte, hatte sie nicht erwartet.. Außerdem hatte sie einen Witz gemacht, dass sie gar keine so tolle Heldin war. Nun jedoch schaute sie ihn regelrecht verstört an. Es gab also wirklich einen Weg. Langsam erwachte die Diebin aus ihrer Starre.
Auch wenn sie es sich noch nicht wirklich vorstellen konnte, sie musste sich wohl darauf einlassen. Also beschloss sie, all die Skepsis über Bord zu werfen. Viel anderes blieb ihr sowieso nicht übrig. Das hier war eine Riesenchance, die sie bestimmt kein zweites Mal bekommen würde!
"Ich würde dich am liebsten drücken und knutschen, Rabaukenheimer", seufzte sie endlich und für einen Moment sprach all ihre Erleichterung und Freude aus ihren Augen und von ihrem Grinsen.
Dann lief sie schnell zu Devin hinüber, trat an den Rand des Lochs und beugte sich darüber, um hinunter zu sehen. Doch viel zu erkennen war nicht.

Dieser Weg sollte nach Urks führen, die Heimat, von der Knurpsel vorhin so freudesprühend erzählt hatte? Sie hatte noch nie etwas von Urks gehört. Kein Wunder, denn auch weder Kobolde noch deren Sprache waren ihr bisher ein Begriff gewesen. Vorhin hatte sie sogar fast bedauert, noch nie in Urks gewesen zu sein und angenommen, dass sie sicherlich nie dorthin kommen würde. In ihrer Vorstellung waren Kobolde kleine Wesen mit dicken Nasen, großen Köpfen und kurzen Gliedmaßen. Dort, wo sie laut Rabaukenheimer feierten und ihren Spaß hatten, konnte Alea in ihrer Vorstellung nicht einmal stehen, ohne sich den Kopf an den Höhlendecken zu stoßen. Kurz schmunzelte sie über die Vorstellungen, die bei der Erinnerung an Rabaukenheimers anschaulicher Beschreibung erneut durch ihren Kopf spukten.

Alea beobachtete das Glühen in der Tiefe für einige Momente, ehe sie sich wieder in eine aufrechte Position zurück lehnte und die Hände in die Hüften stemmte.
"Na gut. Wenn ihr wollt, werden wir mit Rabaukenheimer nach Urks gehen." Sie musste schmunzeln ob des seltsamen Satzes. Es gab Dinge, von denen man vorher nie gedacht hätte, sie je auszusprechen.
"Aber wie bekommen wir General dort hinein?" Sie sah besorgt zu Devin. "Denkst du, er würde mit hinunter kommen. Nicht, dass er sich verletzt.." Sie sah kurz zu dem treuen Pferd hinüber. Dann blickte sie zu Jhin, denn da gab es noch etwas: "Jhin, könntest du vielleicht Rejan tragen? Ich fürchte, ich würde ihn nicht wirklich lange tragen können und du scheinst zäh und stark zu sein.." Sie versuchte es bei dem Tha'Roon mit einem ihrer besten Dackelblicke, falls Devin nicht doch eine Idee hatte oder der Überzeugung war, dass General ihnen ohne zu scheuen brav in das dunkle Loch folgen würde.

Als sie Jhin außer Hörweite glaubte, rückte Alea noch ein Stück näher an Devin heran. Als sie sich flüsternd an ihn wandte, durchzog ein verschwörerischer Klang ihre Stimme. "Denkst du, wir sollten noch ein paar Andenken an diesen wundervollen, glänzenden Ort mitnehmen?" In ihren Augen funkele es verschlagen, ganz die goldliebende Diebin. "Ich finde, wir sollten nicht wie arme Bettler nach Zyranus reisen, die sich dann dort nichts leisten können, um den Anblick der Stadt so richtig zu genießen."

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Kobold » Donnerstag 6. September 2012, 08:21

"Bitte, sammle deine Gedanken." Jhin Aviskârta griff sich an die Stirn. Er spürte Aleas Unruhe, er lauschte ihrem Geist, der zuerst in ein augewühltes Meer von Sorgen und Enttäuschung gerissen wurde, nur um daraus voller Hoffnung aufzusteigen, als der Kobold an ihrem Ring verkündete, sie alle binnen kürzester Zeit nach Zyranus bringen zu können. Selbst Jhin spürte Hoffnung in sich wachsen, doch Aleas Gedanken erforderten größere Aufmerksamkeit, dass es ihm schon Kopfschmerzen bereitete. "Bitte", setzte er noch einmal nach. Mit der freien Hand lehnte er sich gegen die Höhlenwand. Es konnte also auch von Nachteil sein, die Gedanken anderer zu hören.
Günther Knurpsel Rabaukenheimer hingegen lunste mit seinem großen Auge aus dem Ring heraus. Dass er die Stirn runzelte, konnte man selbst so am Rand der Fassung erkennen. "Natürlich! Zwei Stunden werdet ihr doch wohl noch laufen können! So weit ist es gar nicht, wenn ich euch magisch beschleunige. Lass mich nur machen!", jauchtze er. "Und drücken kannst du mich, wenn ich aus dem Ring heraus komme. Am besten nimmst du mich nach Zyranus mit, die Zauberer mit ihren dicken Bäuchen und den spitzen Hüten können vielleicht etwas für mich tun. Ich kenne keinen Koboldzauber, der mich aus dem Ring herausholen könne, nein nein. Ich hatte hundert Jahre, zu überleben, mir ist aber nichts eingefallen, nein nein." Er seufzte, allerdings nur kurz. Sein Gemüt konnte wohl gar nichts trüben. Fröhlich blickte er sofort wieder aus seinem Gefängnis und gab lauthals Bestätigungen ab, dass Devin die richtige Truhe und natürlich somit auch den Zugang zum Höhlenweg nach Urks gefunden habe.
Jhin trat an das Loch heran. Er schaute hinab, in die nicht enden wollende und dennoch leicht glühende Tiefe. "Nicht nur euer General wird Probleme haben. Ich möchte mich ebensowenig verletzen." Der Tha'Roon schüttelte sich leicht. So viel Angst hatte er davor, dort hinunter zu steigen oder zu springen? Sicher, es bestand bei ihnen allen die Gefahr, sich zu verletzen, aber die Menschenwesen waren dem Pferd doch noch immer klar überlegen. Rabaukenheimer meldete sich aus dem Ring: "Jaja, schon gut, ich beginne den Zauber. Bitte alle mal im Kreis aufstellen. Alea, du musst mich nacheinander auf die Leutchen, die mitkommen wollen, halten, damit ich sie sehen kann. Zuletzt auf dich selbst, sonst bleibst du hier, jawoll jawoll! Achtung, ich leite den Zauber Urksreise ein, jawoll!"
"Einen Moment", gab Jhin noch einmal zu Bedenken. Entschuldigend blickte er zu Alea herüber. "Ich bin nicht so kräftig wie ich aussehe. Wir Tha'Roon haben es im Kopf, nicht in den Armen. Ich fürchte, lange würde ich deinen verzauberten Freund auch nicht tra..."
"Das mach ich!" Devin schnellte zu General herüber und begann bereits, Rejans Haltefesseln zu lösen. Der Bewusstlose sank sofort seitlich herunter und der Bursche fing ihn unter einem Ächzen auf. Er gab sich alle Mühe, Rejan zu halten. Anfangs gelang es ihm nicht so ganz, doch schließlich - und mit Jhins Hilfe, der heran kam und Rejan in Position brachte - trug Devin ihn auf seinen Schultern, halb Huckepack. Er grinste unter den herab baumelnden Armen des Wüstendiebes hervor. "Geht schon, so schwer ... uff ... ist er nicht." Schon perlte ein Schweißtropfen auf seiner Stirn, aber er nickte, als Alea fragte, ob sie sich am Schatz bedienen sollten. "Wir haben uns eine Belohnung verdient, oder nicht?"

Aus dem Ring an Aleas Finger lachte es. "Ihr macht euch alle umsonst sorgen. Deute auf Rejan, Alea! Ich zauberere!!!" Der Kobold sprach einige seltsame Formeln. Was immer er in dem Ring anstellte, war nicht zu erkennen. Aber plötzlich brach ein Regenbogen daraus hervor. Farben aus dem gesamten Spektrum schossen auf Rejan und Devin zu, trafen ebenfalls General. Und etwas Seltsames geschah. Die drei begannen zu schrumpfen. Gleichzeitig formten sich lange, dünne Tentakel an ihrem Rücken, die jedoch schnell die Form von Ranken und schließlich Libellenflügeln annahmen. Generals Flügel wirkten irgendwie pelzig, sie waren braun und ocker. Devin hatte wunderschön geschwungene, blassblaue Flügel, die an den Enden spitz zuliefen. Rejans Schwingen, die seinen Körper von ganz allein in der Luft hielten, waren schwarz und violett. Außerdem formten sie sich zu etwas, dass man als schwebenden Fetzenmantel hätte bezeichnen können. Es verlieh ihm eine mystische bis unheimliche Note, vor allem, weil der Rest von ihm so leblos wirkte.
Jhin tippte sich ans Kinn, betrachtete die schwebenden Gestalten, die auf die Größe von Handpuppen geschrumpft waren. "Interessant", sagte er, während Devin freudig überrascht seine Runden in der Luft drehte. Er flatterte wie ein aufgeregter Schmetterling umher, wie ein Falter, der vom Licht angezogen worden war. Auch General machte erste Flugbversuche. Seine Pelzschwingen hinterließen winzige Pollen in der Luft.
"Na? Naaaaaaa?", kam es aus dem Ring. "Jetzt ihr beiden! Zeig auf den violetten Denker und dann auf dich. Oder wollt ihr nicht mit nach Urks?"

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Freitag 19. Oktober 2012, 20:36

Jhin schien die ganze Sache mit dem Loch im Gegensatz zu ihr eher beängstigend zu finden. Ja, sicher. Auf jemanden zu hören, der in einem Ring gefangen und angeblich ein Kobold war, war vielleicht nicht die beste Idee. Aber er konnte ihr helfen, wenn sie ihm glauben konnte! Alea schüttelte kurz den Kopf und konzentrierte sich auf Rabaukenheimers Worte. Sie wollte Jhin nicht noch mehr Gefühlschaos aussetzen. Der Kobold wollte einen Zauber wirken? Alea hob skeptisch eine Augenbraue, nickte jedoch zu seinen folgenden Anweisungen. Sie wollte schon zu Devin eilen, um ihm mit Rejan zu helfen, doch dann tat dies Jhin wider seiner vorherigen Worte. "Danke." Sie lächelte Devin ehrlich zu. Sie bewunderte seinen Tatendrang und auch wenn sie glaubte, fast stärker als der Bursche zu sein, ließ sie ihn Rejan tragen. Doch dieses Problem sollte sich bald von selbst lösen.

Alea blieb nur noch Zeit, sich die Schätze genauer zu betrachten, denn ehe sie eine Auswahl treffen konnte, was sie genau mitnehmen wollte, wies der Kobold sie an, mit dem Ring auf Rejan zu zeigen. Reflexartig tat sie wie geheißen, ballte die Hand zur Faust und richtete sie so zu Rejan aus, dass das Koboldauge direkt auf ihn zeigte. Als der Regenbogen aus dem Ring hervor geschossen kam, riss Alea die Augen auf. "Wooow", hauchte sie beeindruckt und stierte den farbenfrohen Bogen an. Erstarrt vor Erstaunen verharrte sie an Ort und Stelle und beobachtete fasziniert, wie die drei Begleiter schrumpften und am Ende sogar Flügel bekamen. "Unmöglich", flüsterte die Diebin zutiefst beeindruckt und konnte sich von dem Anblick gar nicht los reißen. Ein Pferd mit Flügeln hatte sie noch nie gesehen, genauso wenig wie geflügelte Menschen. Jhins 'Interessant' war eine pure Untertreibung. Vermutlich hätte sie die drei Geflügelten noch Stunden mit offenem Mund anstarren können, hätte der Kobold sie nicht aus der Starre geweckt. "Bekomme.. ich dann auch Flügel?" Ihr Herz wummerte bereits bei dem Gedanken an diese neue, unglaubliche Erfahrung. Es würde sich wohl zeigen. Sie zeigte mit dem Ring zuerst auf Jhin und dann auf sich selbst, angespannt und erwartungsvoll. Die Schätze um sie herum waren schon wieder vergessen durch das Unglaubliche, was sie im Moment erlebte.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. Januar 2013, 10:33

"Natürlich bekommst du auch Flügel!", raunte es aus dem Ring, dem ein keckes Lachen folgte. Was der Kobold in seinem schmuckhaften Gefängnis anstellte, blieb unklar. Man wusste ja nicht einmal, ob er sich überhaupt bewegen konnte, aber derzeit amüsierte er sich offenbar sehr gut darin. "Nur wie sie aussehen, kann ich nicht sagen. Ist von Person zu Person unterschiedlich, hoho! Siehst du ja, jawoll!"
Zunächst war aber erst einmal Jhin dran. Der Tha'Roon neigte den Kopf etwas. Er kratzte sich die Wange. Es war wohl seine Art, Nervosität auszudrücken. Zumindest konnte man dies wohl in sein Verhalten gerade noch hinein interpretieren. Die Miene blieb nämlich sehr emotionslos. Er wartete, nickte dann. "Ich bin bereit." Schon wurde er von einem weiteren Regenbogen zauberhafter Farben getroffen, der seinen Tanz vom Ring aus begann und sich um den violetten Jhin legte, als wollte sich eine zweite, buntere Haut auf ihn legen. Kaum, dass das Licht des Regenbogens ihn berührte, verschmolz es mit dem Tha'Roon, dem sofort ein Paar interessant anmutender Flügel aus wässrigen kleinen Tröpfchen zu wachsen schien, die an einen Nebel erinnerten, zuckten dazwischen nicht immer wieder kleine Blitze auf. Schwingen aus einem Gewitterschleier, so hätte man sie wohl am besten umschreiben können. Und was war mit Alea? Auch auf sie hielt der Regenbogen nun zu. Nein, sie wurde nicht verschont, auch ihr sollten Flügel wachsen. Auch sie sollte schrumpfen, wie es jetzt mit Jhin geschah. Nur wie würde sie aussehen?

"Oh, Alea! Du bist die Schönste von uns allen!" Devin, nun wieder auf ihrer Größe, weil auch die Wüstendiebin geschrumpft worden war, flatterte wie ein munterer Schmetterling um sie herum. Seine bläulichen Libellenflügel sirrten in der Luft, die er durch ihre Schläge zerschnitt. Bei Alea konnte man vielmehr ein leises Rauschen wahrnehmen. Es würde sie vermutlich an die Wüstenstürme erinnern, die ihrer Heimat anhafteten und wofür die Sar so bekannt war wie sie als gefährlich bezeichnet wurde.
Der Junge umrundete Alea, schwirrte immer wieder an ihr vorbei und ihm folgte der wiehernde General. Dem Pferd gefiel es offenbar, zu einer "Pferdefliege" gemacht worden zu sein. Die pelzigen Schwingen schickten ihn als braunen Pfeil durch die Luft. Jhin hingegen schwebte nahezu mit seinen Elektoflügeln. Neben ihm waberte Rejan reglos in der Luft. Aber abgesehen von ihm, der ja nicht konnte, richteten sich alle Augen auf die Diebin - besonders auf ihre Schwingen, die sich mit jedem Flügelschlag neu zu formen schienen. Sie waren winzige Sandkörnchen, ein wahrer Wirbelsturm, der sie trug. Wenn die kleinen Steinchen aufeinander trafen, knirschten sie leise, erzeugten dieses sandige Geräusch, wie wenn man in Sarma spazieren ging. Und sie waren warm. Eine angenehme Wärme, die sich über Aleas Schultern und die Wirbelsäule entlang legte. Es war beinahe so, als sei sie zu Hause, wo die Wüstensonne ihren Rücken erhitzte.
"Sind wir soweit?", quiekte es aus dem Ring. Der Kobold drückte sich ungeduldig an das einzige Fenster zur Welt. Er gab aufgeregte Laute von sich. "Einfach dem Tunnel folgen! Ihr werdet schneller als sonst sein und wenn ihr kräftig genug mit euren Flügelchen schlagt, dann sind wir bald in Zyranus, jawoll! Los, los, ich vermisse die anderen Kobolde! Eilt euch, jaja?"
"Interessant", gab Jhin nur von sich. Er musterte noch einmal seine Schwingen, berührte einen der Blitze und zuckte merklich mit der Hand zurück. Es war wohl Zeit, aufzubrechen. Wo würden sie ankommen? Wäre die Stadt der Magier tatsächlich ihr Ziel? Sie würden es nur heraus finden, wenn sie dem Tunnel folgten, wie Rabaukenheimer es angeraten hatte.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 27. Januar 2013, 20:30

Rabaukenheimers Worte ließen ihr Herz nicht unbedingt langsamer schlagen. Nervös schaute sie dabei zu, wie auch Jhin seine Flügel bekam, während sie auf ihre eigenen immer neugieriger wurde. Gleichzeitig fragte sie sich, ob der Tha'Roon wirklich so gelassen war, wie es den Anschein hatte. Aber dies wiederum würde sie vermutlich nie erfahren. Plötzlich und viel schneller als gedacht, sah sie den Regenbogen dann auch auf sich zurasen. Gespannt versuchte sie den Bogen mit den Augen zu verfolgen, doch alles passierte viel zu schnell. Nur ein paar Wimpernschläge später sah sie sich Devin gegenüber, der die gleiche Größe wie sie besaß. Alea sah sich um und konnte gar nicht glauben, wie riesig die Schatzhöhle auf einmal war. Auch sie war innerhalb von wenigen Sekunden geschrumpft. Und auch sie besaß Flügel! Die sandigen Geräusche in ihrem Rücken bemerkte sie sofort und auch die Wärme auf ihren Schultern spürte sie nur zu deutlich. Für einen Moment schloss sie die Augen und sah die Sar vor sich, mit ihrem Sand, der Trockenheit und der Hitze. Als sie die Augen wieder öffnete, wurde ihr bewusst, dass alle anderen sie anschauten. Devins Worte waren also nicht nur ein bloßes Kompliment gewesen. Daher drehte Alea den Kopf über die Schulter zurück und bewunderte ihre Flügel, soweit sie sie sehen konnte. "Wie schön", hauchte sie und war sofort verliebt in ihre eigenen Flügel. In Normalgröße würde jeder normale Mensch Angst vor solch einer Art Wirbelsturm haben. Aber in Form von Flügeln konnte sich Alea keine besseren vorstellen. Selbst das Gefühl des Fliegens fühlte sich mit ihnen an, als wäre es das Normalste auf der Welt.

Rabaukenheimer trieb sie schließlich zur Weiterreise und Eile an. "Du hast Recht", erwiderte zu dem Ring im Miniformat an ihrem Finger. Sie grinste zufrieden und seltsam glücklich. Nie hätte sie sich vorstellen können, so klein zu sein und Flügel zu besitzen. Aber das alles hier war kein Traum. Das war ihr nun schon lange bewusst. "Dann machen wir uns auf den Weg!"
Instinktiv und seltsamerweise konnte Alea ihre Flügel sofort kontrollieren. Es war so unglaublich einfach, zu fliegen! Selbst erwartete Schwindelgefühle blieben aus, sodass sie das Ganze vollkommen genießen konnte. Ohne weitere Sekunden zu verlieren, flog sie auf den freigelegten Tunnel zu, während ihr Herz erneut kräftiger zu schlagen begann. Wo der Tunnel nun wirklich hinführen würde? Würden sie wirklich über diesen Weg schneller in Zyranus landen? Ihre Skepsis konnte sie nicht vollkommen ablegen, aber ihre Hoffnung blieb dennoch eisern bestehen.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Sonntag 17. Februar 2013, 13:53

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