Das Versteck an der Küste

Diese Küstenstadt ist verrufen, gefürchtet und niederträchtig. Hier leben Rassen aller Art und sie sind Piraten, Hehler und Gesindel. Neue Besucher sollten sich einer Gemeinschaft anschließen, wenn sie in Rumdett überleben wollen.
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Hinweis zu Rumdett
Die Piraten haben sich den Dunkelelfen angeschlossen!
Sie erhielten Freibriefe für ihre Raubzüge auf See. Teilweise haben sie hierzu auch Amazonen angeheuert.
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Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. August 2011, 10:28

Alea kommt vom Reich der Dunsthügel -> Auf zu neuen Abenteuern

Die Reise dauerte bis in den frühen Nachmittag an. Das Wetter besserte sich nicht sonderlich, abgesehen davon, dass der Regen endlich eine geraume Zeit ausblieb und ihre Sachen trocknen konnten. Die Feuchtigkeit war sogar aus dem Fell des Pferds General gewichen, der den Karren tapfer voran zog, in dem sich Alea und Rejan befanden. Devin saß auf dem Kutschbock, lenkte den Wagen wie ein ausgebildeter Kutscher und schwieg die ganze Zeit über. Das kostete ihn einiges an Überwindung, aber er wollte nicht sinnloses Gefasel von sich geben. Nicht jetzt, da er spürte, wie schlecht es seiner Reisegefährtin ging. Sie hatte schon nach dem Erwachen sehr bedrückt gewirkt, als sei all ihre Hoffnung dahin. Auch sprach sie nun sehr negativ über das Abenteuer, das beide gemeinsam bestreiten wollten. Sie würden unter den Schätzen, die ihre verheißungsvolle Karte versprach, nicht finden, wonach die schattenmagisch begabte Frau suchte. Sie glaubte, die Schriftrolle der Schattenmagie nicht vorzufinden und jene war es, die sie am meisten brauchte. Diese Schriftrolle sollte ihren geliebten Gefährten Rejan zurück ins Leben rufen, denn dieser litt unter einer seltsamen ... Krankheit? Devin wusste den Zustand des Mannes nicht zu beschreiben. Graue Haut, tanzende Schattenflecken darunter, die sich aber nach Alea ausrichteten, wenn sie ihn berührte. Rejan schien Nahrung nicht zu brauchen, um zu überleben, nahm sie aber ebenso auf wie Wasser, wenn man es ihm an die Lippen hielt. Beinahe dankbar wirkte er dann, reagierte aber sonst in keinster Weise. Er lag da und atmete. Es war ein schrecklich bedrückendes Bild. Man wollte ihm helfen.
Und so hatte Devin keine Kosten und Mühen gescheut, den Karren möglichst schnell durch das Reich der Dunsthügel bis an die Küste des Kontinents zu fahren. In der Nähe lag Rumdett. Die Piratenstadt ragte trotz mangelnder Stadtmauer wie eine Festung aus dem hügeligen Gelände auf. Von hohen Türmen wehten Piratenflaggen mit unterschiedlichen Symbolen. Das bekannteste mochte der Schädel auf gekreuzten Knochen oder Säbeln sein. Weiß auf schwarzem Grund. Aber es gab noch andere Fahnen, die heftig im Wind flatterten. Sie kennzeichneten zugleich die Viertel, in die sich Rumdett aufteilte. Es gab derer drei und Alea hatte eines davon bereits in der Vergangenheit betreten. Es war das Viertel der furchtlosen Cattie gewesen, der sich einige Amazonen aus Xytras hatten anschließen wollen. Wie die Verhandlungen wohl gelaufen sein mochten? Kämpften die Amazonen nun für, mit oder gegen die Piratin? Wie ging es der kleinen Gruppe, die Alea separat angeführt hatte? Ob man sie suchte?
Sie konnte sich darum nun keine Gedanken machen, sie hatte eine eigene Mission von großer Wichtigkeit. Sie musste das geheime Piratenversteck finden, in dem sich der auf der Karte markierte Schatze befand. Sie konnte nur hoffen, dort doch noch die Schriftrolle der Schattenmagie zu finden. Und wenn nicht, dann etwas Anderes, das Rejan vielleicht half. Im Traum hatte er sie angetrieben, diesen Weg zu gehen und dennoch darauf hingewiesen, sie möge nicht enttäuscht sein, wenn sie nicht vorfand, wonach sie suchte. Das Ergebnis ihrer Reise blieb ungewiss, aber Zweifel wuchsen. Zum Glück war Devin noch da, der ihr hin und wieder einen aufmunternden Blick zu warf. Schließlich aber auch Worte, als er in die Stille des Nachmittags hinein fragte: "Sind wir denn noch weit von diesem Versteck entfernt und weißt du überhaupt, wonach wir Ausschau halten müssen?"
Er lenkte den Karren soeben von dem grasigen Untergrund der Dunsthügel herunter und in den Sand, der einen breiten Streifen Strand an der Küste bildete. Der arme General musste nun mehr Kärfte aufbringen, den Wagen vorwärts zu treiben, denn die Räder blieben teilweise im Sand stecken. Vielleicht würde man zu Fuß weiter voran kommen müssen.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 28. August 2011, 11:46

Alea seufzte leise und überlegte, ob sie Devin die Wahrheit erzählen sollte. Doch bisher sah sie keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen. Schließlich war er ein Kind, voller Neugierde und wenn es ihm an etwas fehlte, dann an Hinterlist und Verschlagenheit. "Ich habe davon geträumt", sagte sie deshalb leise, "Von Rejan und dass er mir sagte, ich soll nicht enttäuscht sein, wenn ich nicht das finde, was ich erwarte. Das ist ziemlich eindeutig, nicht wahr?", meinte sie sarkastisch, aber irgendwie kraftlos. Es zerrte an ihren Nerven und sie sah betrübt ihren leblos wirkenden Rejan an, der neben ihr lag. "Ich weiß noch nicht, wo die Suche danach weitergeht. Vielleicht ist der Schatz wenigstens ein Hinweis." Eine Hoffnung war dies und nichts weiter. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sonst nach der Schriftrolle suchen sollte. Sonst würde sie wohl bis zur nächsten Nacht warten müssen, bis zum Traum, den sie inzwischen fast mehr als alles andere ersehnte. Dort war Rejan zumindest lebendig, doch sie wollte, dass dies auch in der Realität so war. Devins Frage war tatsächlich schmerzlich und Alea wandte den Blick ab. Von Rejan, von Devin, von General. "Ich hoffe es", sagte sie dann nur, mit erstickter Stimme. Zu mehr war sie nicht fähig, wenn sie auch nur im Entferntesten daran dachte, dass Rejan es nicht schaffen würde. Ihr Herz verkrampfte sich schmerzhaft und sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen, die sie nur schwer davon blinzeln konnte. Er würde es schaffen. Bestimmt.
Devins Worte waren da nur eine geringe Aufmunterung, auch wenn sie die Worte des Jüngling durchaus zu schätzen wusste. Ein Lächeln konnte es jedoch nicht auf die dunklen Lippen zaubern. Alea zwang sich, an etwas anderes zu denken und rief sich das Bild Sarmas in Erinnerung. Ihr Zufluchtsort, ihre Heimat. In Gedanken schritt sie durch die Stadt, ließ Devin ungestört das Pferd vor den Karren spannen, genauso wie er sie nun ungestört ließ. Es war wohl auch besser so.

Das Ruckeln des Wagens, als es dann endlich weiter ging, beruhigte sie ein wenig. Am Liebsten hätte sie einfach geschlafen, sich in Rejans Arme geflüchtet. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Dunkle Gedanken hielten sie davon ab, schmerzhafte Befürchtungen. Schweigend saß sie da und schaute in das nasse Grau hinaus, beschaute sich der Landschaft und blickte immer wieder zu Rejan, der sich kein Stück bewegte.
Daher war sie froh, als sie nach ein paar Stunden den Kopf wandte und in der Ferne Rumdett erkannte - so schmerzlich die Erinnerung daran auch war, was ihr das Verlassen der Stadt zuteil gekommen war. Wäre sie einfach nur bei den Amazonen geblieben und hätte diese Schatzkarte ignoriert. Oder wären sie erst am nächsten Tag zu dem Versteck gegangen, dann wären sie Sethek nicht begegnet. Devins Worte rissen sie aus ihren Vorwürfen und ihr Blick fiel auf den sandigen Strand vor und nunmehr auch unter ihnen. "Leider weiß ich das nicht. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Auf der Karte erkennt man nur eine Bucht, die von dem Kreuz fast überlagert wird. Ich hoffe, wir finden am Strand einen Hinweis." Überlegend verzog sie das Gesicht. "In den Unterlagen war von etwas Wertvollem und Magischen die Rede. Und von einer geheimen Lagune", fiel ihr dann beim genaueren Überlegen ein, obwohl sie sich nicht sicher war, ob das jetzt ein genauerer Anhaltspunkt war. Einen Moment musterte sie General, der sich auf dem Untergrund abquälte und sie beschloss, dass nicht noch mehr wegen ihr leiden mussten. Ob Mensch oder Tier.
"Ich glaube, es dürfte nicht mehr weit sein. Lass uns doch lieber laufen. Dann kann sich General ausruhen und wir sind schneller", schlug sie vor, wartete kurz und machte sich dann schon daran, aufzustehen und vom Wagen zu klettern. Erneut fiel ihr Blick auf Rejan. "Denkst du, wir können ihn auf Generals Rücken setzen?" Wobei die Frage wohl eher war, ob sie es alleine schaffen würden, Rejan auf den Rücken des großen Hengstes zu legen. Alea hegte da ihre Zweifel, die sich deutlich in ihrem Gesicht widerspiegelten. Ihn hier zu lassen, behagte ihr jedoch noch weniger. Gerade sie sollte nur zu gut wissen, wie gefährlich die Fremde sein konnte und was für bedrohliche Wesen Celcia bevölkerten und was sie aus einem lebensfrohen Menschen machen konnten.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Samstag 3. September 2011, 02:24

Devin war wohl derzeit der einzige in Aleas Leben, dem sie noch trauen konnte. Bei Sethek hatte es jedenfalls nicht funktioniert, der befand sich vermutlich immer noch in der Herberge. Er hatte sie einfach ignoriert, nachdem er Rejan diesen schrecklichen Fluch angetan hatte. Er würde ihr auch künftig wohl nicht mehr helfen. Vielleicht war es sogar besser so, wenn er ihr ein für alle Mal fern blieb. Und Rejan? Ihm war zu trauen. Alea vertraute ihm vermutlich blind. Die beiden empfanden viel füreinander. Aber auch er konnte ihr nun nicht helfen. Das Maximale, was er hatte tun können, war, ihr in ihren Träumen zu begegnen. Doch selbst dort schien seine Kontaktaufnahme auf eine Enttäuschung hinaus zu laufen. Seinen Worten nach zu urteilen würde sie die Schriftrolle der Schattenmagie nicht vorfinden. Doch was erwartete sie dann am Versteck des Schatzes? Etwas, das ihr dennoch helfen könnte? Diesen letzten Hoffnungsschimmer durfte sie nicht aufgeben, andernfalls käme es damit gleich, auch ihren geliebten Wüstendieb aufzugeben. Diese Option stand demnach außer Frage. Doch allein würde sie es wahrscheinlich nicht schaffen. Gut, dass der Blondschopf bei ihr war. Ja, sie könnte ihm die Wahrheit erzählen. Er hatte bisher keinerlei Anstalten gemacht, ihm nicht zu trauen.
Also teilte sie ihm von ihrem Traum mit. Devin hing ihr buchstäblich an den Lippen. Fasziniert, die Kinnlade herunter hängend, lauschte er ihren Worten, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Wenn General nicht ein dermaßen gut ausgebildetes Kutschpferd wäre, hätte er sie möglicherweise in die nächste Böschung gefahren. So aber führte er sie auf den Sandstrand der Küste - so weit es ging. Die Räder des Karrens blieben irgendwann einfach stecken. Doch da hatte Alea mit ihren Ausführungen bereits geendet.
Noch achtete Devin nicht auf dieses neue Problem. Er verschränkte nachdenklich die Arme vor der Brust, legte den Kopf schief. "Träume sind eine wichtige Sache, hat meine Mutter immer gesagt. Sie können die Zukunft zeigen oder wichtige Nachrichten vermitteln. Ich glaube, Rejan hat Letzteres versucht. Aber er würde dich dazu auffordern, es ganz sein zu lassen, wenn es in dem Versteck mit dem Schatz nichts gäbe, was dir nicht weiter hälfe." Abwegig war dies nicht. Alea hoffte schließlich selbst darauf. Devin hingegen zuckte mit den Schultern. "Du hast sonst keinen Anhaltspunkt und was verlierst du, wenn du den Schatz findest? Wir sollten es versuchen. Hinterher können wir immer noch überlegen, wie es weiter geht." Er rieb sich an der Nase entlang. "Für mich ist es immer noch ein Abenteuer", sagte er verschmitzt. Jedoch bemerkte er, dass sich die Wüstendiebin mit dem Kopf weg drehte. Mit dem Mund formte er ein "Oh", blieb aber stumm. Dann griff er vor, legte die Hand auf Aleas Schulter. Dieser Junge begriff schnell. "Vergiss, was ich gesagt habe. Er schafft es. Heldengeschichten gehen immer gut aus, nicht wahr?" Kurz drückte er Aleas Schulter, dann jedoch hieß es, sich endlich dem Problem des Sandes und Karrens zu widmen.
"Du meinst, wir sollten den Karren hier lassen? In Ordnung. Es befindet sich nichts von Wert darauf - Rejan können wir mitnehmen. General kann ihn tragen, er hält das aus." Nur ein Problem bestand immer noch. Wie sollte man den leblos wirkenden Dieb auf den Rücken des Pferdes verfrachten? Aber selbst dafür hatte Devin eine Lösung. Er kletterte vom Kutschbock herunter, um das Gespann abzunehmen. Dann führte er General an die Seite des Karrens. Das Tier schlackerte friedlich mit den Ohren. Devin tätschelte seinen Kopf. "Auf die Knie, General. Das haben wir schon ein paar Mal geübt. Das kannst du. Auf die Knie." Und tatsächlich! Das Pferd senkte sich ab. Nun reichte der Karren höher als sein Rücken. "Wenn wir es schaffen, Rejan gemeinsam über den Rand des Wagens zu hieven, wird er sicher auf dem Pferderücken landen. Versuchen wir es!"
Geschwind erklomm der Junge wieder das Transportmittel. Allein würde er Rejan ebenfalls nicht anheben können. Zu zweit sollte es jedoch - wenn auch nur kurz - gelingen.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Freitag 23. September 2011, 17:41

Glücklicherweise schien Devin kein Problem darin zu sehen, den Karren hier zu lassen und Rejan von General tragen zu lassen. Das veranlasste die Diebin zu einem kurzen, zaghaften Lächeln. Der Bursche schien auch gleich eine Idee zu haben, wie sie das bewerkstelligen konnten. Neugierig schaute Alea ihm dabei zu, wie er das Pferd abspannte und neben den Karren lenkte, während sie Rejan nebenbei von allen Decken befreite und den Weg zwischen ihm und dem Rand des Karrens frei räumte. Dann schaute sie erstaunt dabei zu, wie Devin das Pferd dazu brachte sich niederzulegen. Bisher hatte sie nicht gedacht, dass Pferde dazu imstande waren. "Bisher dachte ich, das könnten nur unsere Kamele", gab sie deshalb, sehr erstaunt und auch bewundernd für Tier und Halter gleichermaßen, von sich. Dann nickte sie, zum Zeichen, dass sie Devin verstanden hatte und bereit war, und stellte sich auf die andere Seite von Rejan. "Gut, auf drei." Fragend schaute sie Devin an, ob dieser bereit war, bevor sie anzählte: "Eins .. zwei .. drei!"
Damit packte sie Rejan an der ihr zugewandten Seite so fest sie konnte und zog ihn in die Richtung des Pferdes. Mit Devins Hilfe waren sie stark genug, um den Körper des Wüstendiebes über den Rand des Gefährts, auf den Rücken des Tieres zu bewegen. Schlussendlich lag Rejan bäuchling quer über Generals Rücken, sodass der Kopf rechts nach unten hing und die Beine zur anderen Seite hinab. Alea atmete ob der kurzen Anstrengung tief ein und aus und begutachtete das Ergebnis. Wirklich bequem sah Rejans Position nicht aus. Daher zog und schob sie noch ein wenig an ihrem Geliebten. Abschließend schob sie noch sein Bein von der einen auf die anderen Seite des Pferderückens, sodass er vornüber gebeugt, nun aber mit dem Kopf Richtung Generals Mähne auf diesem saß. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und begutachtete ihr gemeinsames Werk. "Ich hoffe, das hält er so lange aus. Vielleicht sollten wir ihn zur Sicherheit festbinden?", überlegte sie laut und grinste gleichzeitig leicht bei der Vorstellung was Rejan wohl dazu sagen würde, wenn er im gesunden und wachen Zustand wäre.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Dienstag 27. September 2011, 09:32

Devin hatte wirklich keinerlei Sorge, den Karren unbeaufsichtigt am Strand stehen zu lassen. Er kam aus einem Dorf, in dem er nie hatte fürchten müssen, bestohlen zu werden. Mal ganz davon abgesehen, dass der Bursche nichts von Wert besaß, bei dem sich ein Diebstahl überhaupt gelohnt hätte. Aber er machte sich keine Gedanken darüber, dass es in der Welt fernab seiner Heimat anders zugehen könnte. Sie befanden sich nahe Rumdetts - dort könnte jeder einen Karren gebrauchen oder zumindest Teile davon. Radspeichen gaben gute Holzbeine ab.
Aber vermutlich dachte nicht einmal Alea darüber nach, zudem war der Wagen im Augenblick wirklich nur eine weitere Hürde, die sie aber so leicht hinter sich lassen konnten. Einzig Rejan zu verstauen wurde zu einer Herausforderung, aber auch hier zeigte sich Devin überaus gewitzt. Der gute General sollte den Mann tragen. Mit vereinten Kräften war es auch nicht schwer, Rejan auf den Rücken des Pferdes zu bekommen. Alea zupfte ihn noch ein wenig zurecht, brachte ihn in eine angemessene Position. Doch kaum, dass sie ihre Gedanken laut ausgesprochen und General sich wieder in den Stand erhoben hatte, schaukelte der reglose Rejan gefährlich auf seinem Platz. Devin nickte. "Du hast Recht, wir müssen ihn festbinden. Sonst geht er uns unterwegs noch verloren." Er klaubte ein paar Seile zusammen. Es dauerte nicht lange, da hockte Rejan, von Stricken gestützt, fest im Sattel. Devin begutachtete sein Werk, nickte dann wieder. Er war zufrieden mit seiner Arbeit.
"Also weiter. Wohin müssen wir, Alea? Du bist die Abenteurerin und hast die Schatzkarte. Gib die Richtung vor." Eigentlich gab es ohnehin nur zwei Richtungen, die sie einschlagen konnten: den Strand hinauf oder herunter. Es ging weiter durch den Sand, der immer wieder unter den Schuhen weg rutschte. Das Meer rauschte, schlug sanfte Wellen auf den Sand und befeuchtete ihn. Muscheln, Algen und Seesterne wurden von den Fluten ausgespuckt, blieben als die Schätze der Natur am Strand zwischen Sand und Steinen zurück. Aber das waren nicht die Schätze, auf die es die Wüstendiebin und ihr junger Gefährte abgesehen hatten.
Devin führte General am Strick. Das Pferd trottete gemächlich durch den Sand. Die Gruppe näherte sich einigen Steilklippen. Möwen nisteten dort, weshalb der Stein jede Menge weißer Flecken aufwies. Außerdem war das Geschrei der Seevögel extrem laut. Sie stiegen in kreisenden Runden zum Himmel auf und stürzten sich pfeilschnell ins Meer. Einige hatten Erfolg, kehrten mit einem Fisch aus dem Salzwasser zurück. Andere saßen in gewaltigen Gruppen am Strand, pickten frustriert im Sand, weil sie nichts gefangen hatten. Wieder andere ließen sich auf Steinen und Felsvorsprüngen nieder. Einige hatten es sich am Eingang einer Höhle bequem gemacht.
Devin streckte den Finger aus. "Findet man Schätze auch in Strandhöhlen?", fragte er mit wachsender Aufregung. Ob nun Teil der Suche oder nicht, er würde sich diese Höhle ansehen wollen. Er hatte noch nie eine betreten und das allein war dem Jungen Aufregung genug. "Können wir da mal reingehen? Ach bitte, bitte, Alea! Vielleicht schläft ein Höhlentroll da drin!"
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 9. Oktober 2011, 15:16

Es dauerte nicht lange, da saß Rejan wie ein Bündel fest geschnürt auf dem Pferderücken. Alea war sich noch immer nicht sicher, ob das die bequemste Art des Sitzens war, aber so konnten sie ihn ganz einfach mit sich führen. Den Karren ließen sie hinter sich zurück und die Wüstendiebin schlug den Weg die Küste hinauf ein. Im Grunde hatte sie keine Ahnung, wo lang es ging und hoffte auf ihr Glück. Sie wusste auch nicht, wonach sie Ausschau halten sollte. Ein rotes Kreuz würde wohl kaum auf dem Sandstrand prangen und ihr die Stelle zum Schatz deuten. Das wäre auch zu schön. Trotzdem hielt Alea Augen und Ohren offen, während sie sich stellenweise durch den Sand kämpften. Aber diesen war sie schließlich aus ihrer Heimat gewöhnt und kam daher vielleicht sogar leichter als ihr jugendlicher Begleiter voran.
Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen und beäugte die Möwen, als diese in Sicht kamen. Diese Vögel waren ihr suspekt und auch wenn keine von ihnen Anstalten machte, sich auf die Samaerin stürzen, blieb diese doch wachsam. Devin machte sie auf die Höhle aufmerksam, vor der ein paar dieser Tiere hockten. Der Schatz in einer Höhle? Sie dachte nach und ihr fiel kein Grund ein, der dagegen sprechen konnte. Sie lag immerhin direkt am Meer und vielleicht waren diese Klippen ja der Ort, von dem sie auf der Karte angenommen hatte, der Schatz läge in einer Lagune. Oder die Lagune lag in der Höhle? So ganz konnte Alea nicht glauben, dass dies hier die Stelle sein sollte, an der sie den Schatz finden würden - schon allein weil ihr Höhlen im Allgemeinen keinen Mut machten -, aber letztlich ließ sie sich von Devin überzeugen. "Ein Höhlentroll?", wiederholte sie und blieb stehen. Skeptisch sah sie den Jungen an. "Ich hoffe, auf solch eine Begegnung würdest du dich nicht freuen?" Diese Möglichkeit beunruhigte sie. Es musste nicht mal ein Höhlentroll sein, ein Bär reichte aus, um ihnen gefährlich zu werden. "Wir sollten vorsichtig sein. Du weißt doch gar nicht, was im Inneren auf uns warten könnte."
Doch Devin wollte unbedingt in diese Höhle und würde sich vermutlich nicht davon abhalten lassen. Die Sorge um den Jungen ließ sie weiter gehen und abermals schärfte sie ihn ein, dass er vorsichtig sein sollte. Genauso folgte sie ihm dann auch, den Weg zur Höhle hinauf. Die Möwen würden wohl nicht vor dem Höhleneingang sitzen, wenn dort ein Ungeheuer hausen würde, versuchte sie sich zu beruhigen. Und trotzdem schlug ihr Herz mit jedem Schritt schneller. Auch wenn sie Abenteuer liebte, wollte sie dieses doch nicht mit ihrem Leben bezahlen.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Montag 10. Oktober 2011, 17:08

Die Möwen interessierten Devin herzlich wenig. Er hatte zwar vorher noch nie welche gesehen, aber es gab etwas Aufregenderes, das seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. Eine Höhle. Der Eingang war enorm und von Klecksen versehen, die nur von den fliegenden Seejägern stammen konnten. Einige hockten auf Felsen vor dem Eingang und stießen ihre gedehnten Schreie aus. Zum Glück stürzte sich keines dieser geflügelten Wesen auf Alea oder Devin. Sie waren friedlich, denn sie sahen den Menschen offenbar nicht als Feind an. Waren sie ihn gewöhnt? Konnte das Rückschlüsse darauf zulassen, dass es häufiger Menschen in die Nähe der Höhle trieb? Piraten, die ihre Schätze dort versteckten?
Devin hoffte ja auf einen Höhlentroll. Er sprach davon ganz begeistert, als sei es etwas Tolles, einem ausgewachsenen Troll zu begegnen. In Sarma gab es keine Trolle. Diesen Wesen war die Wüste einfach zu heiß, sie bevorzugten kühlere Gebiete wie die Berge. Das erklärte der Junge nun auch. "Ich hab Geschichten von Trollen gehört. Das sind riesige, starke Zweibeiner - nicht ganz Mensch und auch nicht wirklich Monster. Es sei denn sie sind hungrig, dann verprügeln sie dich mit einer gewaltigen Keule, an der noch die Rückstände ihrer vorherigen Mahlzeiten hängen. Sie leben in Höhlen. Das hat zumindest der Wanderer erzählt, von dem die Geschichte stammt. Er sagte, er suche nach Kroar. Weißt du, wo Kroar liegt?" Wieder einmal konnte Devin seinen Mund nicht halten. Die Worte sprudelten wie aus einer nicht versiegen wollenden Quelle hervor und doch machte ihn diese Art irgendwie sympathisch. Nur wenige Leute, als Beispiel sein Onkel, störten sich an seinem Wissensdurst und seiner Neugier. Er glaubte fest daran, dass beides dem Burschen einmal zum Verhängnis werden könnte. Ganz unrecht hatte er damit sicherlich nicht, denn wenn in der Höhle wirklich ein Troll hauste, dann brächte Devin sich selbst und auch Alea in Gefahr, wenn er jetzt hinein ginge. Aber er wollte es so sehr! Nichts und niemand würde ihn davon abhalten - außer vielleicht Alea. Bittend schaute er sie an.
"Natürlich weiß ich nicht, was da drin ist. Vielleicht nur Steine und noch mehr Vogelkot. Oh, lass es uns herausfinden, Alea, bitte!", drängte er. Was er neben Plappern auch noch sehr gut konnte, war, einen Dackelblick aufzusetzen, den sonst nur Rejan beherrschte - oder andere Männer. Sie schienen Experten darin zu sein. "Bitte, bitte!", setzte er seine Bettelei fort. "Es ist bestimmt deine Schatzhöhle und wenn wir jetzt nicht gleich nachsehen, dann verpassen wir das Abenteuer. Willst du das denn wirklich? Du bist doch eine reisende Heldin!" Unter einer Heldin stellte sich der Junge nun einmal etwas Anderes vor als die meisten. Für ihn konnte schon ein einfacher Bauer ein Held sein, der seine Mistgabel gegen die Scheune lehnte und stattdessen in die weite Welt hinaus zog. Devin hatte ja selbst so lange darauf gewartet, diese Möglichkeit zu bekommen. Nun war sie da, stand vor ihm in Form eines gewaltigen Lochs im Fels. Und Alea wollte nicht hinein gehen?!
Sie ließ sich erweichen, wenngleich mit gemahnender Vorsicht. Devin stieß einen Freudenschrei aus, der viele der Möwen in die Höhe trieb. Er machte einen Salto, dass er mit dem Hosenboden im Sand landete, aber das störte ihn nicht. Lachend rappelte er sich auf und zog Alea kurz am Arm. "Komm schon. Oh, das ist so aufregend!"
Er betrat als erster die Höhle. Das Dunkel des Inneren schluckte das Licht. Vor ihnen lag ein schwarzer Gang. Zum Glück leuchteten darin keine roten Augen auf und auch Geräusche blieben aus. Es wurden weder Fledermäuse aus dem Schlaf geschreckt, noch zeigte sich ein hungriger Bär. Die Höhle war eigentlich nur eines: verdammt dunkel. "Schattenmagier können kein Licht machen, oder?", erkundigte sich Devin. Er ließ es sich dennoch nicht nehmen, die Höhle weiter zu betreten. "Lass uns an den Händen fassen." Schritt für Schritt tastete er sich voran.
Der Gang war lang, der Boden wies glitschige Stellen auf. Ob das nun glatter, feuchter Fels oder Schleim war, konnte man in der Dunkelheit nicht ausmachen. Mehrmals wand sich der Tunnel, in dem sich Alea und Devin nun befanden. Sie waren beinahe zehn Minuten unterwegs, obgleich es den beiden vermutlich wie Stunden vorkam. Schließlich ging es im Gänsemarsch tiefer. Dann aber drang ein wenig Helligkeit von vorn zu ihnen. Erste graue Konturen waren zu erkennen. Das Licht flackerte nicht, es handelte sich also um kein Feuer. "Schneller!", feuerte Devin seine Gefährtin an. Er wurde mutiger, aber auch unaufmerksamer. So stolperte er einmal und legte sich erneut auf den Hosenboden. "Nichts passiert!", rief er. War das klug? Vielleicht befand sich doch ein Troll in der Höhle. Falls ja, wäre er durch das Rufen des Jungen nun auf ihn aufmerksam gemacht.
Doch die Vorsicht blieb - vorerst - unbegründet. Das Licht nahm zu. Alea und Devin erreichten das, was die Diebin laut ihrer Schatzkarte vermutet hatte. Hier gab es eine unterirdische Lagune. Durch ein winziges Loch in der Höhlendecke, das zum Teil von irgendwelchem Unkraut überwuchert war, schien Licht herein. Der Stein schimmerte in einem Gemisch aus Grün und Blau, denn er reflektierte die Oberfläche eines kleinen Sees. Das Meerwasser musste irgendwie durch einen anderen Zugang in die Höhle gelangt sein. Ruhig lag die Lagune da, lud beinahe zu einem Bad ein. Aber wer wollte baden, wenn er sah, was sie noch verbarg.
"Die Schatzhöhle! Alea, wir haben deinen Schatz gefunden, schau nur!" Devin stürmte über den Fels hinweg, bremste aber ebenso schnell ab wie er losgerannt war. Ehrfürchtig schaute er auf die Haufen aus Gold, Juwelen und Edelsteinen, Pokalen, Trinkkelchen, Perlenketten, Kronen und anderem Schnickschnack. Hier lehnten sogar kostbar aussehende Gemälde an den Felswänden. Zusammengerollte Teppiche, die Alea eindeutig als sarmaer Sultansläufer erkennen konnte, reihten aneinander auf. Sie wären wohl das einzige, das hier unter an Wert verloren hatte, denn ihr moderiger Geruch drang bis zu den Entdeckern herüber. Doch es gab noch mehr: Kisten und Truhen, die weitere Schätze beherbergten. Ein Traum wurde wahr. Es handelte sich tatsächlich um eine Schatzhöhle.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Montag 21. November 2011, 21:08

Alea betrachtete die Möwen skeptisch beim Vorübergehen und wappnete sich innerlich für einen Angriff dieser seltsamen Vögel. Dieser blieb aber glücklicher Weise aus. Devins Begeisterung für diese Trolle konnte sie keineswegs teilen und hoffte, er meinte es einfach nicht so ernst, wie es klang. "Kroar?", wiederholte sie und schüttelte den Kopf. "Davon habe ich noch nie gehört, was ist das?" Wirklich beruhigend waren seine Worte in Anbetracht des Höhleneingangs nicht und Alea musste sich zusammen reißen, um dem Jungen zur Höhle zu folgen. Immer noch skeptisch betrachtete sie seinen Dackelblick, der die erhoffte Wirkung zeigte. Vor allem das "deine Schatzhöhle" und "Heldin" rang ihr ein Lächeln ab, gerade weil sie sich als solche gar nicht sah, ihr die Vorstellung aber natürlich gefiel. Noch mehr gefiel ihr allerdings die Möglichkeit, dass sie sich ganz in der Nähe der Schriftrolle befanden. Sie warf einen Blick in die Höhle hinein, doch ihr schaute nur Dunkelheit entgegen. Ob sich dort tatsächlich der Schatz befand? Wenn sie Devin nicht nachgab, würde sie es niemals erfahren und Rejan wäre vielleicht für immer verloren. Ein grausamer Gedanke, der danach rief, jeden Strohhalm zu ergreifen, der in Aussicht stand. Deshalb gab sie nach einer gefühlten Ewigkeit dem Drängeln des Burschen nach und verfolgte sein Kunststück mit einem Grinsen, bevor er sie direkt zum Höhleneingang zog.

Auch wenn sie der Schattenmagie mächtig war, fühlte sie sich inmitten des Höhlenganges unwohl und angreifbar. "Nein, können sie nicht", erwiderte sie mit einem leichten Lächeln. Sie wusste nicht, wieso sie auf einmal flüsterte, vermutlich, weil sie nichts und niemanden auf sich aufmerksam machen wollte. Sie versuchte an Devin vorbei zu schauen, doch rund herum war nur tiefes Schwarz und sonst nichts zu sehen. Ob das gut oder schlecht war, das wusste die Diebin noch nicht zu beurteilen. "Sei vorsichtig", raunte sie Devin abermals zu und ergriff seine Hand. Eine gute Idee, denn nichts wäre schlimmer, als wenn sie sich hier verlieren würden und jeder auf eigene Faust versuchte wieder heraus zu finden. Wer wusste schon, wie groß und verschlungen das Höhlensystem hier war. Ein kalter Schauder bemächtigte sich ihres Rückens und sie versuchte, sich selbst zu beruhigen. Nichts sehen zu können, war schrecklich und jeden Moment rechnete sie mit einem Ungeheuer, das sich aus der Dunkelheit auf sie stürzte. Schrittweise zwang sie sich, weiter voran zu gehen und sie bewunderte im Stillen Devins Mut, den sie hier, in der völligen Dunkelheit nicht fähig war, aufzubringen. Sie bemühte sich, auf dem glitschigen Untergrund nicht auszurutschen, nur einmal fiel sie fast, fing sich aber schnell genug wieder.

Der Weg kam ihr unglaublich lang vor und irgendwann überlegte sie, ob sie sich vielleicht verlaufen hatten, im Kreis liefen oder eine falsche Abzweigung genommen hatten. Doch dann: Licht! Aleas Herz machte einen deutlichen Sprung. "Ja, ich sehe es! Manthala sei Dank", sprach sie das aus, was ihr als erstes in den SInn kam, ohne über die Worte nachzudenken. Sie wollte die Worte, die auf Devin vielleicht abschreckend wirken könnten, gerade überspielen, als sie merkte, wie Devin wegrutschte. Der Fall kam so plötzlich, dass sie ihn nicht mehr festhalten konnte, als er zu Boden fiel. "Geht es dir gut?", flüsterte sie und war erleichtert, als er das bestätigte und wieder aufstand. Unauffällig schaute sie sich um, konnte aber noch immer keine Gefahr entdecken. Eigentlich sah sie nichts außer dieses schwache Licht am Ende des Ganges. Es ging weiter und auch Alea beschleunigte unbewusst das Tempo. Sie wollte wissen, was dort vorne am Ende des Gangs auf sie wartete.

Devin sprach es aus, bevor sie es sah und hinter ihm her eben in diese stolperte. Die Schatzhöhle! Alea glaubte zu träumen, blieb abrupt stehen und starrte mit großen Augen den Haufen von Gold und Juwelen und Schmuck und Kisten und Truhen einfach nur an. "Das ist unglaublich", flüsterte sie ehrfürchtig und konnte tatsächlich nicht glauben, was sie da sah. So viel Schmuck und Gold! Das konnte nur ein Traum sein! Sie brauchte viele Momente, um sich klar zu werden, dass das hier kein Traum war. Dass sie tatsächlich mitten in einer Schatzhöhle stand, mitten drin, wie wunderbar. Der Traum einer jeder Diebin war für sie die pure Realität. "Devin!" Begeisterung schlug ihm aus ihrem Gesicht entgegen und helle Aufregung. "Die Schatzhöhle!" Sie lachte und stürmte auf den Jungen zu, den sie aufgebracht umarmte und vor Glück fest an sich drückte. "Sieh dir das an, wir sind reich, wir haben einen Berg an Schätzen gefunden, das kann nicht wahr sein!" Mit einem gelösten Lachen entließ sie Devin wieder auf ihrer Umarmung und begann, zunächst ziellos, kreuz und quer in der Höhle auf und ab zu gehen, die dunklen Augen glitzernd auf die vielen Schätze gerichtet. Hier und da strichen ihre Finger über Truhen, die vermutlich voller Gold und weiteren wertvollen Dingen waren, sie strich über Juwelen, hob Kronen und Ringe auf und fühlte sich wie im Paradies.
"Ich glaube, General hat die nächsten Tage etwas zu tun." Sie lachte und sah sich schon in all dem Gold schwimmen. Wie das Gold hier her gekommen war, interessierte sie nicht und auch an einen möglichen Besitzer verschwendete sie keinen Gedanken. Nur einer schimmerte mit jeder Minute mehr durch das Verlangen nach den glitzernden Schätzen durch. Die Schriftrolle. Beinahe hätte sie sie vergessen. Doch nun schweiften auch ihre Augen umher auf der Suche nach der Schriftrolle oder einem möglichen Versteck, da sie nicht vermutete, sie würde einfach so hier herum liegen und ihr in die Arme fallen.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. November 2011, 16:30

Von weit draußen, jenseits des in Finsternis liegenden Tunnels, durch den Alea und Devin gekommen waren, drang das Rauschen des Meeres in die geheimnisvolle Höhle, die sie gefunden hatten. Sanft schlich es sich in die Präsenz der Schatzhöhle, harmonierte mit dem Glitzern, Leuchten und Schimmern all der Reichtümer, auf die die beiden Gefährten soeben gestoßen waren. Golden funkelten unzählige Münzen, so dass sich güldene Auren um die Berge legten, zu denen sie aufgetürmt waren. Derer gab es auch Silberne, wenn hauptsächlich Lysanthemer übereinander gestapelt worden waren. Dazwischen tauchten Edelsteine verschiedenster Gattungen den Anblick in farbenfrohe Nuancen des Lichtspiels auf ihren Facetten. Smaragde, Rubine, Saphire, Topase, es nahm kein Ende. Ein Regenbogen aus schillerndem Reichtum. Wer auch immer diese Schätze hier angehäuft hatte, musste bereits im Luxus schwelgen. Niemand versteckte die Möglichkeit, ein sorgenfreies Leben führen zu können, in einer Höhle. Es sei denn, der Eigentümer war vor lauter Gier hinaus gefahren, um noch mehr zu plündern und schließlich ein Opfer der See geworden. Dann gehörte niemandem dieser Schatz. Man brauchte ihn nur finden, nehmen und fortschaffen.
"Und du bist nur nach einem Stück aufgerollten Papier her, Alea?", hauchte Devin, den endlich auch die Ehrfurcht gepackt hatte. Er wagte kaum noch, sich zu rühren, als das farbige Lichterspiel der Schätze begonnen hatte. Wie gebannt starrte er auf all das, was man am Ende glorreicher Heldengeschichten dem tapferen Recken zugestand. Er konnte sich nicht satt sehen, hätte am liebsten etwas angefasst oder aufgehoben, nur um heraus zu finden, dass es sich nicht um einen Traum handelte. Aber nicht einmal der sonst so kecke Bursche wagte es nun. Andächtig ließ er den Blick schweifen. "Werden wir alles mitnehmen?", fragte er, ohne sich Gedanken zu machen, wie zwei Menschen das überhaupt bewerkstelligen, geschweige denn wohin sie es bringen sollten.
Schließlich brach der Bann, als Alea den Namen ihres Begleiters voller Begeisterung ausstieß. Sein Echo hallte in der Höhle wider, brachte gar einige Juwelen leise zum Zittern, dass ein klirrener Unterton entstand. Der Junge setzte ein Grinsen auf, als er zu der Diebin herüber schaute. Er nickte. Ja, da hatten sie wahrlich etwas Großes entdeckt. Freude strahlte aus seinen Augen und um diese zu feiern, erwiderte er Aleas stürmische Umarmung energisch. Er drückte ihren Körper fest an sich, lachte gegen ihre Schulter und klopfte ihr den Rücken. "Wir sind richtige Abenteurer, nicht?" Der gefundene Schatz übertraf seine Vorstellungen, so dass ihm nicht einmal in den Sinn kam, dass er nun alles sein könnte. Goldgier kam bei Devin nicht auf. Er spürte nur instinktiv, dass sie hier etwas Unglaubliches gefunden hatten. Nämlich einen waschechten Schatz. Welcher Junge konnte schon behaupten, dass sich dieser Traum tatsächlich einmal erfüllt hatte? Devin ging es jedenfalls nicht um den Reichtum, der hier lag, sondern um die Tatsache, dass er und Alea es waren, die ihn gefunden hatten und seine Geschichte erzählen würden.
Das Herz des Jungen schlug höher, das musste Alea einfach spüren. Es hämmerte wild gegen seine Brust, aber er konnte es nicht beruhigen. "Glaubst du, ich könnte meinem Onkel etwas von dem Schatz zukommen lassen? Er war mir nie ein sonderliches Vorbild, aber er würde sich darüber bestimmt freuen, nicht?" Devin stakte Alea hinterher, betrachtete sich die Entdeckung und überlegte, was er davon wohl mitnehmen würde. In jedem Fall musste es ein Edelstein sein. Den würde er aufbewahren und sich in ein Schmuckstück einfassen lassen. Einen Ring vielleicht, den er irgendwann einmal seiner großen Liebe schenken konnte, wenn er sie denn antraf. Devin war da klassisch romantisch veranlagt und in seinem Kopf entstanden kreative Geschichten, die sich um ein fröhliches Leben ohne Sorgen rankten, gespickt mit Romanzen, weiteren Abenteuern, Drachen, Einhörnern und noch mehr Schätzen, mit denen er sogar Gutes tun könnte. Seine Augen glitzerten.

Indes sollte Alea mehr finden, als ihre leuchtenden Augen bisher ausgemacht hatten. Inmitten all der Juwelen, Schatzkisten und Berge aus Gold und Silber erhob sich plötzlich eine Gestalt. Sie waren nicht allein hier! Jemand hatte den Schatz vor ihnen gefunden - der Besitzer vielleicht? Er hob sich auf einmal von all dem Reichtum ab wie ein schwarzer Schatten vor der heißen Wüstensonne. Zuerst mochte man meinen, das Licht unzähliger Amethyste reflektierte sich auf seinem Körper, aber dann wurde ersichtlich, dass seine Haut einen Violett-Ton aufwies. Das Weiß seiner Augen leuchtete stark im Kontrast zu den schwarzen Perlen, die Iris und Pupille bildeten.
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Langsam richtete sich dieser Fremde auf. Er trug eine Art langen Rock, wie es manche Männer in Sarma auch gern taten. Der seine bestand aus Purpur farbenem Stoff und wurde mit einem goldenen Gürtel gehalten. Gleiches galt für sein Oberteil, obwohl es nicht einmal im Ansatz dieser Beschreibung entsprechen wollte. Im Grunde trug er lediglich goldende Schulterplatten, sehr filigran gearbeitet, was darauf schließen ließ, dass sie mehr der Zierde denn des Schutzes dienten. Sie wurden mit einer Kette aus goldenen Ringgliedern zusammengehalten, von der drei ebenfalls goldene, tropfenförmige Verschlüsse herab hingen. Unter dieser Schulterplatte schwangen sich zu beiden Seiten der Arme jeweils eine Bahn purpurner Seide wie Schärpen um seine schlanke Gestalt. Er war mehr als schlank, richtig hager und unglaublich groß. Dieser Mann musste mindestens zwei Meter bis zur Decke hinauf reichen, wenn nicht gar noch mehr, aber er wirkte so schmal!
Kahlheit zierte seinen Schädel, das Haar müsste allerdings schwarz sein, denn seine feinen Brauen waren es ebenfalls. Sie zogen sich soeben zusammen, mehr in Verwunderung oder Überraschung denn in Ärger. Die Züge seines Gesichts waren glatt wie ein Spiegel und entspannt. Er schien in Alea und Devin keinen Feind zu sehen. Dann entdeckte er hinter den beiden den bisher sehr brav gebliebenen General. Das Pferd gab nun ein Schnauben von sich.
Die schwarzen Augen des Fremden schweiften über die Eindringlinge. "Hallo", sagte er schließlich. Seine Stimme war ein sanft tiefes Timbre, das dem zarten Raunen eines Diebes in den Schatten gleich kam, ohne den Beigeschmack verräterischer Bedrohung. "In welcher Sprache träumt dieser Mann? Ich kenne sie nicht." Mit Faszination lag der Blick des Fremden auf Rejan. Er blieb ganz ruhig, ließ sich nicht von Alea oder Devin ablenken. Letzteren fasste plötzlich das Unbehagen. Langsam trat er dichter an die Wüstendiebin heran, um sich halb hinter ihr zu verbergen. "Er ist violett. Was ist er?", wisperte er Alea zu. Die kannte doch bestimmt die Antwort. Sie war eine Heldin!
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Samstag 3. Dezember 2011, 20:14

"Natürlich kannst du ihm etwas geben. Mit dem Schatz hätten wohl all unsere Verwandten und Bekannten für den Rest ihres Lebens ausgesorgt", erwiderte Alea fröhlich auf Devins Frage und fühlte sich selbst schon fast sorgenfrei. Inmitten dieses Berges aus Gold fiel es ihr schwer, nicht der Geldgier zu verfallen. Sie selbst überlegte bei Devins Frage, wem sie alles etwas von dem Schatz abgeben könnte, denn so viel konnte kein Mensch der Welt alleine ausgeben. Sie könnte Caitlin und die anderen Amazonen mit Gold und Schmuck überhäufen. Sie könnte den Wüstendieben einen großen Dienst damit erweisen, denn Geld würde der Gilde viele Türen öffnen. Sie könnte das Geld an die Straßenkinder in Sarma verteilen, denn auch ihr hätte dieses in der Vergangenheit gut getan und vielleicht ein anderes Leben ermöglicht. Und dann könnten Rejan und sie den Rest ihres Lebens tun und lassen, was sie wollten und im goldenen Glück schwelgen. Für Alea taten sich schon ganz andere Welten auf.

Sie verklärten die Realität vor ihr so sehr, dass sie die fremdartige Gestalt viel zu spät wahrnahm. Mit einem Schrei fiel ihr Blick auf die Gestalt, die sich schon halb erhoben hatte. Unweigerlich legten sich ihre Hände an Dolch und Langdolch, doch ohne diese vom Gürtel zu lösen. Dafür bewegte sich die Gestalt zu langsam, als führte sie keinen Angriff im Schilde. Tatsächlich war die Wüstendiebin von ihrem Anblick auch viel zu sehr eingenommen. So etwas hatte sie noch nie zuvor gesehen. Aus Reflex hatte sie einen Satz nach hinten gemacht und war dort in Angriffsstellung gegangen. In dieser verharrte sie nun staunend und beobachtete mit offenem Mund, was sich dort aus den Bergen von Gold, Juwelen und anderen Dingen von Wert erhob. Sie schaute hinauf zu diesem unglaublich großen und hageren Mann und versuchte seine Absichten zu analysieren. Aus seiner fast schon freundlichen Begrüßung und der seltsamen Frage wurde sie jedoch nicht viel schlauer. Alea zitterte. Vor Aufregung oder Angst hätte sie selbst nicht sagen können. Ihr Brustkorb hob und senkte sich hektisch und ihr Blick schweifte unruhig umher, als erwartete sie, dass sich jeden Moment weitere dieser seltsamen Gestalten erhoben.

Sie spürte Devin hinter sich und positionierte sich unweigerlich so, dass sie schützend vor dem Jungen stand. Ihm sollte nichts geschehen. "Das wüsste ich auch gerne", wisperte sie ihm auf gleiche Weise zurück und betrachtete den violetten Mann in seiner ganzen Größe. Sie schluckte und überlegte, was sie tun sollte. Doch die Neugierde, die wissen wollte, was das vor ihr war, siegte über die Angst, die ihr riet, einfach wegzulaufen.
"Hallo", antwortete sie schließlich, als sie all ihren Mut gefunden und zusammen genommen hatte. Ihre Worte klangen kratzig und kleinlaut. Sie folgte dem Blick der männlichen Gestalt zu Rejan und rief sich seine Frage in Erinnerung. Eine wirklich seltsame Frage. In welcher Sprache er träumte? Was war das nur für ein Wesen?
"Er wurde von Schatten verzaubert", antwortete sie ihm. Ob das eine ausreichende Antwort war? Sie wusste nicht einmal, wie die Frage überhaupt gemeint war. Mit einer Mischung aus Neugierde, Angst, Vorsicht und Ehrfurcht beobachtete sie das Wesen vor sich ganz genau. Die Hände umfassten krampfhaft die Griffe ihrer Dolche. Eine unbedeutender Halt, wenn man sich die Andersartigkeit des Fremden vor Augen hielt, die einem durch jeden Zentimeter seines Sein entgegen schrie.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Sonntag 4. Dezember 2011, 18:07

Ihnen stellte sich offenbar ein Problem in den Weg. Aus war es mit "ihrem" Schatz, denn vor Alea und Devin war ganz eindeutig schon jemand Anderes hier gewesen. Kein Pirat oder Plünderer, jedenfalls sah er nicht danach aus. Seine Haut schimmerte violett, was ihm kein vertrauenserweckenderes Äußeres gab. Devin schüchterte es sogar ein. Nun war seine Abenteuerlust scheuer Angst gewichen. Er versteckte sich halb hinter Alea. Dass er als junger Mann vielleicht eher sie hätte verteidigen sollen, kam ihm dabei nicht in den Sinn. Er war ein Junge aus einfachem Hause, der Heldengeschichten nur kannte, bisher aber nicht erlebt hatte. Er fürchtete sich. Wer sollte ihm seine Angst vor etwas derart Fremden schon vorwerfen? Und dass es sich bei dem seltsamen Fremden um jemanden handelte, den man im alltäglichen Leben eines Tavernenburschen nicht antraf, dazu musste man kein Gelehrter sein, um dies zu wissen.
Der ominöse Mann schien jedoch nicht feindlich gesonnen. Er griff zumindest nicht blindlings an, was schon einmal von Vorteil war. Tatsächlich stand er Alea und Devin nur aufrecht gegenüber, zwischen all den Schätzen und Reichtümern. Er hatte nicht einmal eine Waffe gezückt. Er trug gar keine! Ob er magisch begabt war, dass er kein Schwert benötigte, sich zu verteidigen? Er machte einen seltsamen Eindruck, das ließ sich nicht bestreiten.

Der Fremde hatte den Kopf leicht schief gelegt, nachdem Alea ein Schrei entfleucht war. Jetzt richtete er ihn wieder gerade aus, ohnehin wirkte seine gesamte Haltung etwas steif - zugleich konnte man jedoch von einer grazilen Anmut sprechen, die zwar nicht mit elfischer Eleganz mithalten konnte, aber durchaus ihren eigenen mysteriösen Charme besaß. Möglicherweise lag es aber auch nur an seiner Größe in Verbund mit seiner schlanken Gestalt.
Er hielt ein Pergament in Händen, das er nun langsam einrollte. Den Blick ließ er nicht von Alea, beobachtete sie mit einer tiefen Ruhe, die sogar wie eine Aura nach außen strahlte und ihn in unsichtbarem Schein umgab. Er schien vollkommen gelassen zu sein, ohne sich dadurch aber als arrogant dazustellen und Aleas Fähigkeiten einer waschechten Wüstendiebin zu unterschätzen. Nun ja, er wusste nicht einmal, was sie war. Das beruhte aber auch auf Gegenseitigkeit.
"Ich bin allein", sagte er plötzlich. Seine Worte verhallten unter der gewölbten Decke der Lagune. Seine Augen schlossen und öffneten sich. Allein diese für die meisten Menschen instinktiv natürliche Bewegung machte bei ihm eine Menge aus. Sie zog in ihren Bann, man musste daraufhin einfach einen Blick auf sein Gesicht werfen. Dort verzog sich immer noch keine Miene. Als Alea aber eine Erklärung zu Rejans derzeitigem Zustand abgab, wandte der Fremde ihm endlich den Blick zu. Er musterte den auf dem Pferd sitzenden Mann, der so leblos und blass wirkte.
Er machte einen Schritt nach vorn, nur einen einzigen. Erneut rauschten die schwarzen Perlenaugen zu der Diebin. "Ihr fürchtet mich?" Aufrichtige Überraschung lag im Tonfall des Fremden, als sei es von vorneherein ersichtlich, dass er so harmlos war, wie er offenkundig vorgab. Er selbst hielt sich hier wohl in größerer Gefahr als die Hinzugekommenen. Seine Aufmerksamkeit haftete nur noch kurz auf Alea, das Interesse an Rejan war geweckt. "Schattenmagie möglicherweise. Seine Gedanken sind konfus und ich verstehe sie nicht. Er hätte mir das nicht mitteilen können." Der Fremde trat immer dichter an Alea heran, nahm sie aber nur beiläufig wahr. Er konnte nicht aufhören, Rejan anzuschauen.
Devin drückte sich noch dichter an den Körper der Diebin, er klammerte richtig. Sein Zittern ging bereits auf sie über und auch wenn diese violette Gestalt ihnen indirekt klar gemacht hatte, ihn nicht fürchten zu müssen, so hatte der Junge immer noch immense Angst. Er quiekte erschrocken auf, als die Perlenaugen ihn streiften und sich die Gestalt direkt an ihn und seine Begleiterin wandte. Er streckte eine Hand hervor. "Wenn er von Schatten verzaubert wurde, könnt ihr hiermit vielleicht etwas anfangen. Mehr als ich, denn mir entziehen sich diese Zauber. Ich bin kein Schattenmagier, brauche aber die Hilfe eines Kundigen. Ich bin klug genug dies zu erkennen und besitze nicht den Stolz, Hilfe zu verweigern. Bitte, lest das, wenn Ihr könnt." Das untere Ende berührte der Pergamentrolle berührte Aleas Fingerspitzen. Konnte es sein? War dies ...?
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Alea hat die Schriftrolle der Schattenmagie entdeckt
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 4. Dezember 2011, 22:42

Alea konnte einfach nicht ihren Blick von dem violetten, hageren Mann losreißen. Der Blick aus seinen schwarzen Augen beunruhigte sie und seine Absichten ließen sich für die Diebin nicht erahnen. Noch immer stand seine Andersartigkeit im Vordergrund und auch wenn er sich im Grunde ruhig verhielt, fiel es ihr schwer, auch an seine guten Absichten zu glauben. So blieb sie zunächst einmal misstrauischer als vermutlich notwendig war. Hinzu kam, dass sie ihn auf keine Art und Weise einzuordnen wusste. Weder konnte sie sagen, welcher Rasse er angehörte, noch woher er wohl stammte. Sein gesamtes Wesen war ihr fremd und auf Fremdes reagierte man zumeist misstrauisch - die Wüstendiebin auf jeden Fall.

Ihr Blick fiel auf die Pergamentrolle, die der Mann in den Händen hielt und in diesem Moment zusammen rollte. Ihr Mund öffnete sich vor Staunen und die Frage, ob das etwa die Schriftrolle der Schattenmagie war, wäre ihr fast über die Lippen gestolpert. Doch im letzten Moment fing sie die Worte noch auf und entließ sie nicht nach draußen. Die Unsicherheit in ihr überwog noch immer. Sie konnte nicht sagen, wie der Mann auf ihre Frage reagieren würde. Wenn sie ihm zeigte, was sie begehrte, dann würde er dieses Wissen vielleicht ausnutzen. Es würde sie angreifbar machen und vielleicht abhängig von der fremden Gestalt machen. Das wollte sie in jedem Fall vermeiden. Ihre Augen konnte sie aber nicht mehr von der Schriftrolle nehmen und wachsam verfolgte sie jede seiner Bewegungen, die etwas mit ihr zu tun hatten.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, versicherte er ihr plötzlich, dass er alleine hier war. Die Worte beruhigten sie - ob von ihm beabsichtigt oder nicht - und sie wusste auch nicht wieso. Schließlich kannte sie ihn nicht. Trotzdem glaubte sie ihm unwillkürlich und fühlte sich schon etwas sicherer. Als er sie fragte, ob sie sich vor ihm fürchtete - in ihren Ohren klang es sowieso mehr nach einer Feststellung denn einer Frage - fühlte sie sich unangenehm ertappt. Im Grunde erkannte sie seine friedliche Absicht. Doch das Misstrauen saß stets tief in Alea und sie brauchte Zeit, Vertrauen zu fassen. Schon normalen Menschen gegenüber. Und er, er war wohl nicht einmal ein Mensch. Dass er ahnte, dass sie ihm misstraute, obwohl er offenbar nichts im Schilde führte, tat ihr auf einmal leid, obwohl es ihr hätte egal sein können. Trotzdem wusste sie, dass es ihr stets schwer fiel, das Gute in einem Fremden zu sehen und sie wollte diesen hier auch nicht unnötig kränken.
Trotzdem besaßen weder sein Aussehen noch sein Blick etwas beruhigendes. Vor allem unter seinem Blick konnte sie sich nicht entspannen. Als er dann Stück für Stück ein um den anderen Schritt auf sie zumachte, musste sie sich gegen den Drang wehren, auf gleiche Weise vor ihm zurück zu weichen. Sie wollte ihn eigentlich nicht ungerecht behandeln und an das Gute glauben. Doch in der Praxis sah das anders aus. "Ich.. nein, nicht direkt. Glaube ich", zwang sie sich schließlich zu einer Antwort, wobei die Worte nicht viel selbstsicherer klangen als jene zuvor. "Aber ich habe noch nie jemanden wie Euch gesehen. Was seid Ihr?"

Zusätzlich beunruhigte es sie, dass sein Interesse an Rejan augenscheinlich höher war als an ihr selbst. Wie sollte sie ihn verteidigen? Auch wenn sie es nicht wollte, das Misstrauen ließ sich nicht so einfach abschalten. Dennoch gelang es ihr mit jeder Minute, die verstrich, sich etwas zu entspannen und wenigstens die Angriffsstellung aufzugeben. Mit jeder Geste und jedem Wort vermittelte er ihr, dass keine Gefahr von ihm ausging und langsam fruchtete sein Bemühen.
Schattenmagie. Sie nickte und bestätigte seine Worte zusätzlich mit einem kurzen, zustimmenden Laut. Ihr Blick huschte nun immer wieder zwischen ihrem Geliebten und dem Fremden hin und her, wobei sie unter dem Blick des Letzteren immer wieder von neuem erstarrte. "Könnt.. könnt Ihr ihm helfen?" Sie griff nach jedem Strohhalm, den sie fassen konnte, und wenn dieser Fremde erkannte, was Rejan verzaubert hatte, konnte er vielleicht auch etwas dagegen unternehmen.

Doch Aleas Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern auch übertroffen. Zunächst lauschte sie nur seinen Worten, doch als er immer weiter sprach, konnte sie ihn nur noch erstaunt anschauen. Zuletzt bohrte sich ihr Blick in die Pergamentrolle, die er ihr einfach so entgegen hielt. Wie gebannt starrte sie die Schriftrolle einige Sekunden lang einfach nur an. Konnte das sein? Sollte ihre Suche hier ein Ende haben, nach all den Zweifeln doch von Erfolg gekrönt sein? Sie wollte nachhaken, ob er sich sicher sei, ihr die Rolle geben zu wollen, doch sie fürchtete sich auch davor, dass er es sich dann noch einmal anders überlegen würde. Deshalb griff sie zu. Als wäre das Papier so zerbrechlich wie ein rohes Ei, umfasste sie die Schriftrolle sehr vorsichtig. "Danke", hauchte sie nur, in dem Wissen, dass kein Wort der Welt fähig dazu wäre, ihre Dankbarkeit auszudrücken, und umfasste die Schriftrolle einen Moment ganz still. Tief atmete sie ein und hoffte mehr als alles andere, dass sie die Worte des Mannes richtig verstanden hatte.
Noch ein bedeutungsschwerer Blick zu Devin, dann entrollte sie die Pergamentrolle Stück für Stück. Atemlos starrte sie auf die Wörter, die sich ihr eröffneten. Sie tat, wie der Verfasser der Schriftrolle ihr riet. Sie schwieg und ihre Aufmerksamkeit lag allein auf dieser Rolle. Während sie las, konnte sie noch immer nicht daran glauben, dass sie in diesem Moment tatsächlich die lang gesuchte Schriftrolle in den Händen hielt. Das war unglaublich! Es war das selbe Gefühl, als sie die Reichtümer in dieser Höhle entdeckt hatte. Als wäre es ein Traum. Ihre Hände zitterten und auf ihren Lippen tauchte ein Lächeln auf, das immer glücklicher wurde, je mehr sie sich darüber bewusst wurde, dass sie sich in der Wirklichkeit befand.

"Ich danke Euch vielmals. Ihr wisst gar nicht, wie wertvoll dieses Wissen für mich ist." Dankbarkeit spiegelte sich auch in ihren Augen wider, als sie die Schriftrolle komplett gelesen hatte und den Blick zu dem Fremden hob. Laut Sethek musste sie sich weiter in der Schattenmagie schulen, um Rejan von diesen zu befreien. Nichts außer dieser Schriftrolle hätte ihr helfen können. Und der Fremde hatte sie ihr einfach so überreicht.
"Das ist tatsächlich die Schriftrolle", sagte sie schließlich zu Devin, als ihr klar wurde, dass er womöglich die ganze Zeit gespannt darauf wartete, zu erfahren, ob es die gesuchte Rolle war, falls er es nicht selbst lesen konnte.
"Ich stehe tief in Eurer Schuld. Ihr sagtet, Ihr benötigt die Hilfe eines Kundigen. Ich weiß nicht, ob ich Euch helfen kann, aber ich versuche mein Bestes." Diese letzte Handlung hatte ihr die Augen geöffnet. Der Fund, das Gefühl, die Schriftrolle nach der langen Suche endlich in den Händen zu halten, löste die Anspannung in ihr und damit fiel auch die Angst vor dem Fremden. Er hatte ihr das Wertvollste überlassen, das es für sie gab. Der Schatz war gleichgültig in Anbetracht der Worte, die ihren Rejan retten konnten. Sie blieb zwar noch immer auf körperlichem Abstand, doch ihre funkelnden Augen und der gelöste Gesichtsausdruck zeigten, dass sie ihm gegenüber tiefe Dankbarkeit und ein Stück weit auch Verbundenheit verspürte.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. Dezember 2011, 22:38

Wäre er nicht violett gewesen, hätte man ihn für einen glatzköpfigen Menschen mit überaus interessanten Augen halten können. Ein schlanker, sehr hoch gewachsener Mensch, aber offenbar war er das nicht. Allein sein Verhalten Alea und Devin gegenüber und seine bemerkenswerte Faszination für Rejan bezeugten es. Kein Mensch, jedenfalls vermutlich keiner, den Alea kannte, würde ihr angesichts der hier aufgetürmten Schätze so friedlich gegenüber stehen wie dieser Fremde. Er kümmerte sich irgendwie überhaupt nicht um die funkelnde Pracht. Was also machte er dann hier?
Nun, zumindest war er ein Überbringer guter Nachrichten, wenn auch unbewusst, denn er überließ Alea ein Schriftstück, nach dem sie die ganze Zeit schon gesucht hatte: die Schriftrolle der Schattenmagie. Endlich befand sie sich in ihrem Besitz und was auf dem verwitterten Pergament geschrieben stand, war für eine Anwenderin wie sie mehr als Gold wert. Jemand hatte dort Macht niedergeschrieben, den Schlüssel zu unsagbarer magischer Macht. Und vielleicht ein Ausweg für die Notlage ihres Geliebten. Das machte den Fremden noch merkwürdiger. Er überließ ihr dieses Wissen, diese Rolle an schattenmagischer Macht, einfach so? Ohne Haken?
"Ihr habt danach gesucht."
"Hast du das? Wird sie deinem Freund jetzt helfen?", fragte Devin neugierig hinterher. Der Junge begleitete sie nun schon ein paar Tage. Er kannte sie bereits besser als der Unbekannte und doch schien dieser ihre Gedanken und Motive viel besser ergründen zu können. Nein, das war das falsche Wort. Er wusste über sie Bescheid, wie auch immer er das anstellte. Und dann setzte er noch einen drauf: "Euer Misstrauen ist unberechtigt. Warum sollte ich Euch oder Euren Gefährten etwas antun? Dazu mangelt es an einem Grund. Ich bin bisher nicht mehr als ein Fremder und das lässt sich ändern." Er verneigte sich tief, dass seine Schärpen beinahe den Boden berührten. Alea erhielt einen Blick auf seinen kahlen Schädel und den schlanken Rücken. Überall schimmerte es violett. "Die meinen nennen mich Jhin Aviskârta. Ich bin ... man könnte mich einen Forscher und Entdecker nennen. Einen Suchenden, denn ich suche. Und ich bin Teil der Tha'Roon."
"Mir wird der Kerl immer unheimlicher", flüsterte Devin. Seine Abenteuerlust hatte einen Nullpunkt erreicht. "Du hast doch jetzt deinen Schatz. Lass uns gehen, ja?" Er zupfte an ihrer Kleidung. Jhin musterte den sonst so gewitzten Knaben. Dann wanderte sein Blick zurück zur Wüstendiebin. "Alea wird demnach Euer Name sein? Auch Euer verzauberter Gefährte nannte ihn. Ich wusste nicht, ob es Teil der Sprache ist, die ich nicht verstehe."
Der Tha'Roon wandte sich um. Er schenkte Alea und Devin ganz offenkundig mehr Vertrauen als die beiden ihm gegenüber zusammen besaßen. Niemand würde sonst vor Unbekannten einfach so seinen ungeschützten Rücken präsentieren. Jhin betrachtete sich die Schatzhöhle. Er breitete seine Arme aus. So lang und filigran, sie erinnerten an gefärbtes und sehr kunstvoll hergestelltes Glas - abgesehen davon, dass man nicht durch sie hindurch schauen konnte. Schließlich sprach er, seine Stimme immer noch ein mysteriöses Timbre: "Diese Höhle ist voll von etwas, das von vielen begehrt wird. Mir nützt es nichts. Mein Volk begehrt es nicht, ich begehre es nicht. Was ich suchte, war diese Schriftrolle und nein ... ich kann Euch nicht helfen. Meine Hoffnung ist, dass Ihr mir helfen könnt oder wollt. Ihr beherrscht diese Gabe. Die Tha'Roon brauchen ihre Kraft."
"Oh, hört doch endlich auf in Rätseln zu sprechen! Die versteht ja niemand!" Es war einfach so aus Devin heraus geplatzt. Er hatte seinen Mund nicht halten können. Jetzt schlug er die Hände davor und verkroch sich noch mehr hinter Alea. Er wollte keinen Blick auf die magische Schriftrolle werfen und er wollte auf einmal so überhaupt nicht mehr auffallen. Noch immer machte ihm dieses Wesen - dieser Tha'Roon, was immer das war - Angst. Jhin drehte sich um. "Ich spreche in Rätseln?" Er schien sich dessen ganz und gar nicht bewusst zu sein. "Was wollt ihr, dass ich euch erkläre? Ich bin bereit, Fragen zu beantworten, nun, da ihr mir bei meinem Problem helfen wollt. Erfolg oder nicht, ihr werdet es versuchen und das muss mir genügen." Er setzte sich auf einen Felsen, der nicht von Reichtümern überladen war. Wieder suchten seine schwarzen Augen Aleas Blick. Jhin glaubte, dass von ihr eher eine Frage zu erwarten war als von dem Jungen.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Donnerstag 22. Dezember 2011, 21:26

"Ja." Auch wenn es keine Frage war, bestätigte sie seine Worte. Mit ganzem Herzen hatte sie nach dieser Schriftrolle gesucht. Dass er es einfach wusste, so viel zu wissen schien, ohne, dass sie etwas sagen musste, war seltsam. Und doch war es für sie in diesem Moment, in dem sie voller Glückseligkeit in Anbetracht der Schriftrolle in ihren Händen, die Rejan zurück in diese Welt holen würde, vor ihm stand, völlig normal. Es war in Ordnung.
Sie schaute Devin kurz an und nickte. "Und wir haben sie endlich gefunden. Damit werde ich Rejan retten können", wisperte sie, erregt vor Freude und Glück und ehrfürchtig vor der ihr bevor stehenden Aufgabe. Wie lange es wohl dauern würde, all diese Zauber zu lernen? Wie lange es dauern würde, genug zu können, um Rejan zu helfen? Darüber hatte sie bis jetzt noch nicht nachgedacht. Unliebsame Gedanken, die sie auch jetzt wieder zur Seite schob. Das erste Ziel war erreicht, zuerst wollte sie diesen Triumpg genießen.

Die nächsten Worte des Fremden klangen schlüssig. Für sie jedenfalls. Sie nickte und mit der Schriftrolle war auch das Misstrauen verschwunden. Jedenfalls für diesen Moment noch, in dem sie sich noch immer wie in einem Traum gefangen fühlte. Doch er hatte ihr die Schriftrolle gereicht, einfach so. Da war das mindeste, das sie tun konnte, ihm ein wenig Vertrauen entgegen zu bringen. Ihr Blick fiel auf seinen kahl geschorenen Kopf und den Rücken und fasziniert betrachtete sie die violette Haut des Mannes, der so besonders schimmerte, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatte. Als er sich aufrichtete und seine Vorstellung beendete, klappte ihr für einen Moment die Kinnlade herunter. "Ihr seid ein Tha'Roon?" Ein Hügelgeist, ging es ihr sogleich durch den Kopf, worauf ein ertappter Blick in seine Richtung folgte. Hat er das gehört? Bestimmt kann er das auch hören. Denk an was anderes. Sag irgendetwas. "Was tut Ihr dann hier?" Sie wusste nicht viel über Tha'Roon. Genau genommen nichts weiter, als das sie auch Hügelgeister genannt wurden, denn diese Bezeichnung war sogar bis nach Sarma vorgedrungen.

Mit einem Mal fühlte sie sich bedeutend unwohler. Sie hatte früher viele Gruselgeschichten über die Tha'Roon gehört, auch Rejan und andere Wüstendiebe hatten sich einen Spaß daraus gemacht, das neue Mitglied der Bande mit Schauermärchen zu gruseln. Und diese, eigentlich scherzhaft gemeinten, Geschichten hatten ihre Wirkung bis zum jetzigen Zeitpunkt, da sie einem wahrhaftigen Tha'Roon gegenüber stand, nicht verfehlt. Je unbekannter einem etwas war, desto mehr Angst hatte man davor. Und Alea hatte ja nicht einmal gewusst, dass die Tha'Roon diese seltsame Hautfarbe besaßen. Einzig ihr Beiname "Hügelgeister" war ihr geläufig. Devin schien das selbe wie sie zu denken. Sie spürte sein Drängen und seine Angst förmlich. Ihr selbst ging es ja nicht viel anders, sie versuchte, selbstbewusst zu wirken, doch es gelang ihr nicht wirklich in Anbetracht dieser großen Gestalt, die zwar jetzt einen Namen hatte, aber deren Herkunft sie nun auch kannte. Er erriet ihren Namen und wieder nickte sie. Obwohl sie am liebsten einfach weggerannt wäre, blieb sie. Sie war ihm etwas schuldig und hatte ihm ein Versprechen gegeben. Vielleicht war es nur eine Kleinigkeit, für die er ihre Hilfe brauchte. Hoffte sie. Also blieb sie und auch seine seltsam formulierten Worte ließen sie weiter hier verweilen. "Er.. er ist Rejan. Was für eine Sprache spricht er?"

Sie schaute Jhin an und beobachtete ihn mit einer Mischung aus Neugierde und Besorgnis. Wie Devin verstand auch sie nicht wirklich, was er brauchte. Doch anders als ihr junger Begleiter behielt sie ihre Meinung für sich. Instinktiv stellte sie sich noch ein wenig mehr vor Devin und schaute ihn verwundert wie auch warnend, aber nicht belehrend, an. Sie holte tief Luft und ihr Blick kehrte zu Jhin zurück, doch der schien nicht erzürnt über Devins Ausbruch zu sein. Stattdessen forderte er sie sogar auf, Fragen zu stellen. Diese Chance wollte sich Alea nicht entgehen lassen und selbst wenn Devin gewollt hätte, die Wüstendiebin öffnete schneller ihren Mund.
"Wieso habt Ihr die Schriftrolle gesucht, wenn Ihr nichts damit anfangen könnt? Und wie meint Ihr das, Ihr könnte mir nicht helfen? Ihr habt mir diese Schriftrolle überlassen, das ist mehr als genug, denke ich. Von was für einer Gabe sprecht ihr, was sollte ich schon können? Und was für eine Kraft ist das? Und woher wisst Ihr so vieles, das ich Euch nie gesagt habe? Wisst Ihr denn auch, was mit Rejan geschehen ist und wie ich ihm genau helfen kann?" Die Worte purzelten nur so heraus, als hätte sie nur darauf gewartet, eine Frage stellen zu dürfen. Als der Wortschwall fürs Erste beendet war, holte sie tief Luft. Sie brannte auf die Antworten dieser Fragen und hoffte, Jhin würde endlich deutlicher werden.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Montag 26. Dezember 2011, 11:18

Devin lächelte Alea zu. Er freute sich für sie und er war gespannt darauf, wie sie ihren Freund nun mittels eines Stück Papiers retten würde. Das Abenteuer war noch nicht vorbei. Der Junge war neugierig, wie Rejan wohl sein würde. Vermutlich war er ebenso nett wie Alea. Doch ein wenig Sorge lag auch in seinem Blick, als er zu der Diebin aufschaute. Nicht wegen des Tha'Roon, sondern wegen der Bindung, die Alea und Rejan miteinander teilten. Vielleicht könnte Devin zum fünften Rad am Karren werden, wenn der Mann erst einmal wiederhergestellt war. Hoffentlich nicht. Er mochte Alea und hatte an ihrer Seite bereits mehr Abenteuerhaftes erlebt als er es in einer alten Dorftaverne je könnte! Er wollte bei ihr bleiben, ihr folgen und weiterhin einem aufregenden Leben nachgehen - Drachen töten, Schätze finden ... Der Junge schielte zu Jhin Aviskârta. Dieses Wesen war ihm immer noch unheimlich. Eine negative Seite der Abenteuer, aber machte sie das nicht aus? Dieser Nervenkitzel, nicht zu wissen, was der nächste Schritt brachte?
Jhin stand ganz ruhig da. Er reagierte nicht einmal auf die herab gefallene Kinnlade Aleas, sondern nickte nur. "Ihr kennt die Tha'Roon - wir sind keine Hügelgeister." Vielleicht doch. Es schien, als spukte er in ihrem Kopf herum. Als könnte er ihre Gedanken aufgreifen und darauf antworten, noch ehe sie ansetzte, diese offen zu formulieren. Und tatsächlich ... "Gewissermaßen kann ich Eure Gedanken wahrnehmen, ja. Ich höre sie nicht. Es ist ... schwer zu beschreiben. Ich kann sie lesen, als seien es meine eigenen und doch sind sie es nicht. Jeder Tha'Roon beherrscht diese Gabe und das macht mein Volk zu etwas Erhabenem." Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Er neigte den Kopf leicht. Es erinnerte an die eleganten Bewegungen einer Elfe. Alea war bei den Amazonen auf Vertreter des schönen Volkes getroffen, weshalb sie durchaus Vergleiche ziehen konnte. Und doch war es bei einem Tha'Roon anders. Er zielte nicht auf Eleganz ab, seine Gesten wirkten eher, als durchdachte er sie genau. Jedes noch so kleine Verhaltensmerkmal schien vorher analysiert und anschließend für vorzeigbar befunden worden zu sein. "Es mag in Euren Ohren arrogant klingen, wenn ich das sage", fuhr Jhin fort. "Aber es ist Fakt. Ich kenne keinen vom Volk der Menschen, der Gedanken lesen kann." Er ließ seinen Blick schweifen. Das glitzernde Licht der unzähligen Münzen, Edelsteine und Juwelen reflektierte sich im Glanz seiner schwarzen Augen. "Ihr seid anders. Beispielsweise interessiert ihr euch für diese Schätze, denen ich nichts abgewinnen kann."
"Was tut Ihr dann hier?"
Jhin drehte den Kopf langsam, so dass er Alea wieder musterte. Erneut schob sich Devin hinter die Diebin. Diese dunklen Perlen von Augen machten ihn nervös. Er hatte den Blick des Tha'Roon nicht gern auf sich fokussiert. Das violette Wesen hob den Arm. Es deutete auf die Schriftrolle der Schattenmagie, die Alea noch immer in Händen hielt. "Ich habe danach gesucht und es gefunden. Leider nutzt mir das Schriftstück allein nicht, trotz des Wissens, von dem die Tha'Roon schöpfen können." Er seufzte. Es klang bedauernd. Er hatte ganz offensichtlich ein unerwartetes Ziel erreicht.
Langsam bewegte sich Jhin an Alea und Devin vorbei. Man hörte seine Schritte kaum auf dem steinigen Boden der Lagune, obwohl die gewölbte Höhlendecke es um ein Dutzendfaches verstärkte. Das lag daran, dass Jhin feine Stoffschuhe trug. Keine Lederstiefel oder richtig festes Schuhwerk. Gleichermaßen abgewetzt sahen die im Grunde fein gearbeiteten Schuhe auch aus. Er ging zu General herüber, auf dessen Rücken immer noch Rejan wie ein nasser Sack festgezurrt war. Das Pferd scheute, tänzelte und legte die Ohren an. Jhin Aviskârta blieb in sicherer Distanz stehen. Er unterließ es, das Tier direkt anzuschauen. Seine Aufmerksamkeit galt dem Wüstendieb. "Ich kenne die Sprache nicht, die er benutzt. Sie klingt ... fremd, als stamme er weit von hier. Die Worte, die er nutzt, erscheinen mir beinahe sinnlos. Eine Aneinanderreihung staubiger Silben, die einem die Kehle auf Dauer ausdörren würden."
Selbst Devin runzelte bei der Beschreibung die Stirn. Alea würde es allerdings bekannt vorkommen. Viele Nicht-Sarmaer verwendeten Begriffe wie trocken, sandig oder staubig, wenn sie versuchten, die Sprache der Wüstenbewohner zu umschreiben. Sendli war trocken, in einer lauen Mondscheinnacht konnten leise geraunte Worte ihrer Muttersprache aber durchaus mehr als angenehm klingen. Vor allem aus dem Munde eines Mannes, dessen Herz voller Leidenschaft pochte.
"Er träumt", sagte Jhin. "Soviel weiß ich. Aber mehr kann ich über seine Gedanken nicht sagen, außer dass immer wieder Euer Name fällt, Alea." Damit wurde Rejan für den Tha'Roon offensichtlich wieder uninteressant. Er ließ sich auf einem Stein nieder und bot an, ihm Fragen zu stellen. Alea ging auch nach anfänglichem Zögern darauf ein und plötzlich platzten die Fragen nur so aus ihr heraus. Sie sprudelten wild wie aus einer jungen Bergquelle hervor. Jhin blinzelte. Er schloss für einen Moment die Augen, ging die vielen Informationen durch, die er geben sollte. Er überlegte, was er überhaupt mitteilen würde.
"Der Reihe nach. Ich beginne dort, wo es am sinnvollsten ist: am Anfang." Erneut fixierte er Alea. Devin verschwand nun vollkommen hinter dem Rücken der Diebin. "Ich kann Euch wohl genug vertrauen, um die erste Frage beantworten zu können. Vielleicht habt Ihr bemerkt, dass das Land von fremden Wesen nach und nach erobert wird. Sie erinnern an Menschen, haben jedoch spitz zulaufende Ohren, dunklere Haut und eine mindestens so finstere Seele. Ein kleines Dorf, das von Zwergen bewohnt wird und in dem mein Volk Willkommen ist, wurde bereits unter die Herrschaft dieser dunklen Gestalten gezwungen. Die Tha'Roon befürchten ein ähnliches Schicksal, sollte man unsere Heimat entdecken. Deshalb benötigen wir Mittel und Wege, uns noch tiefer im Nebel zu verbergen. Im Zwielicht kann man nicht gesehen werden, deshalb sandte man mich aus, um nötiges Wissen über die Schattenmagie in Erfahrung zu bringen." Wiederholt seufzte er. "Leider hatte meine Mission einen Haken. Ich bin der Schattenmagie nicht fähig, kann also nicht einmal sagen, ob meinem Volk die Schriftrolle allein helfen wird. Diese Magie-Art ist uns fremd. Ich sitze seit zwei Tagen in dieser Höhle und studiere das Pergament. Die Erkenntnis daraus ist, dass ich damit allein nicht in meine Heimat zurückkehren kann. Ich brauche Kundige. Ihr seid eine solche, behauptet aber, trotz der Gabe nichts bewegen zu können? Es würde mir genügen, wenn Ihr mir Informationen gebt, wo ich bessere Schattenmagier als Euch finde." Er erhob sich, klopfte sich über das Gewand, das um seine Hüften hing. "Ich überließ Euch die Schriftrolle und Ihr könnt sie vorerst behalten. Wie bereits gesagt, allein nützt sie mir nicht. Aber ich werde Euch in diesem Fall begleiten müssen, bis ich einen Weg finde, die niedergeschriebene Magie für mein Volk nutzbar zu machen. Ich hoffe, das bereitet Euch keine Unannehmlichkeiten bei der Rettung von ... Rejan." Jhin räusperte sich. "Entschuldigt. Es ist schwer, die Gabe des Gedankenlesens abzulegen, wenn ich die Sprache verstehe, in der Ihr Eure Gedanken verfasst."
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Samstag 18. Februar 2012, 16:13

Verdammt, schoss es ihr durch den Kopf. Er konnte also doch Gedanken lesen und fügte sogleich hinzu, dass sein Volk keine Hügelgeister wären. Nun ja, Alea würde sich ja auch nie offen als Wüstendiebin bezeichnen. Der Wahrheitsgehalt seiner Worte blieb in ihren Augen also ungewiss. Vielleicht hätte sie das denken sollen, nachdem er ihr bestätigte, dass er ihre Gedanken wahrnehmen konnte. Die Augen der Diebin wurden größer, als er ihr diese Fähigkeit offenbarte. Sie hatte nicht gewusst, dass jemand dazu im Stande war, noch dazu ein ganzes Volk! Wieso wusste davon niemand etwas? Und tatsächlich nickte Alea, bevor sie darüber nachdachte, als er meinte, es würde arrogant in ihren Ohren klingen, wenn er sagte, das machte sein Volk zu etwas Erhabenen. Tatsächlich schien dieser Tha'Roon sehr von sich selbst überzeugt zu sein. Alea kannte nur sehr wenige Menschen, deren Selbstbewusstsein an das des Mannes vor ihr herangereicht hätte. "Ich kenne auch keinen Menschen. Ich wusste nicht, dass so etwas wie Gedankenlesen überhaupt möglich ist", musste sie dann jedoch zugeben und bestätigte seine Worte damit.
"Ihr seid anders. Beispielsweise interessiert ihr euch für diese Schätze, denen ich nichts abgewinnen kann." Bei diesen Worten stieg Alea die Röte ins zarte Gesicht. Was sollte sie dazu auch sagen? Sie liebte Schmuck wie nichts anderes auf dieser Welt. Nicht nur Schmuck, auch Juwelen und alles andere, das glitzerte, musste die Wüstendiebin besitzen. Nicht zuletzt dieser Umstand hatte sie in dieses Abenteuer gestürzt. Und ohne dieses wäre sie jenen, die sie heute ihre Freunde nannte, nicht begegnet. Sie dachte kurz an Azlar zurück, ihre Aufmerksamkeit legte sich aber schnell wieder auf Jhin, der den Kopf bewegte um ihr zu antworten.

Aleas Blick folgte Jhins Geste hinunter auf die Schriftrolle. "Ich habe danach gesucht und es gefunden. Leider nutzt mir das Schriftstück allein nicht, trotz des Wissens, von dem die Tha'Roon schöpfen können." Sie verfolgte seine Bewegungen, die ihn an Devin und ihr vorbei führten, wachsam, aber nicht mehr so ängstlich wie noch am Anfang. Er erschien ihr noch immer nicht vollkommen vertrauenswürdig, aber es ging wohl keine Gefahr von ihm aus. Ganz wohl war ihr trotzdem nicht, als er zu Rejan hinüber ging. Trotzdem verharrte sie an Ort und Stelle, immerhin machte er keine Anstalten, dem treuen Pferd oder ihrem Geliebten allzu nah zu kommen. Als er die Sprache, die Rejan sprach, beschrieb, ging Alea allerdings ein Licht auf. Sie wusste, wovon er sprach und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Diese Sprache meint ihr wohl?", fragte sie und kam nicht umhin, ihn etwas frech anzugrinsen, weil sie sich dieses eine Mal im Vorteil fühlte. "Es die Sprache, die wir in unserer Heimat Sarma sprechen", erklärte sie dann, vorwiegend Devin, da sie vor allem diesen darüber aufklären wolle. Dass Jhin ihre Muttersprache nicht verstand, das konnte ihr nur zum Vorteil gereichen. Dann versteht Ihr also auch das nicht? In ihren Augen blitzte es kurz herausfordernd auf.

Rejan träume also. Ja, das hatte sie sich schon gedacht. Die Erinnerung an ihren letzten Traum kehrte für einen kurzen Moment in ihr Bewusstsein zurück. Ein Ort, an dem Rejan und sie zusammen gewesen waren. An dem er zu ihr gesprochen hatte. Wäre es nicht so abwegig, sie wünschte sich fast, in diesen Traum zurückzukehren, nur um bei ihm zu sein. Sie musste lächeln, als Jhin ihr erzählte, ihr Name würde immer wieder in Rejans Träumen fallen. Er dachte an sie und vermutlich glaubte er auch an sie und ihrem Vorhaben. Und ganz langsam schien dieses wirklich Gestalt anzunehmen. Sie musste die Schriftrolle studieren, um Rejan zu retten. Der erste Schritt war getan und als Dank war sie Jhin verpflichtet, der ihr nun hoffentlich all ihre Fragen beantworten würde.

Aufmerksam hörte sie ihm zu und konzentrierte sich allein auf die Worte, die Jhins Mund verließen. Sie wollte Klarheit haben und war froh, dass er ihr diese auch vermitteln wollte und sie nicht völlig im Dunkeln ließ. Er erzählte ihr von fremden Spitzohren, die das Land erobern wollten. Und ob sie davon gehört hatte. "Dunkelelfen", sagte sie nur, damit er diesen Wesen auch eine Rasse zuordnen konnte. Es war immer gut, seine Feinde zu kennen. Alea fröstelte, als sie davon hörte, dass sie schon ein Dorf der Zwerge eingenommen hatten. Wie weit würde das führen? Wie sah es mit ihrer Heimat aus? Jhins Sorge um die seine konnte sie sehr gut nachvollziehen. Auch sie würde alles dafür tun, Sarma vor einem Krieg zu retten. Sie wusste ja nicht, was bisher in ihrer Heimat vorgegangen war. Ein Umstand, der sie noch mehr mit Jhin mitfühlen ließ. Der Plan seines Volkes ließ sie aufhorchen. Sie wollten sich mit der Schattenmagie weiter und besser vor fremden Völkern verbergen? Was für ein gewitzter Plan, Alea wäre wohl nie auf so etwas gekommen. Es war eine Mischung aus Wahnsinn und Bewunderung, die sie für diesen Plan empfand.

"Ich brauche Kundige. Ihr seid eine solche, behauptet aber, trotz der Gabe nichts bewegen zu können? Es würde mir genügen, wenn Ihr mir Informationen gebt, wo ich bessere Schattenmagier als Euch finde." Alea wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Woher sollte sie denn das wissen? Sie kannte keine anderen Schattenmagier, jedenfalls keine, die bedeutend mehr als sie konnten. Bis sie jemanden gefunden hatten, der diese Magieart also vollkommen beherrschte, würde er sie bei der Suche nach dieser Person begleiten? Alea wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie wusste ja nicht einmal, wo sie so eine Person finden sollten. Woher sollte denn ausgerechnet sie, die von einer kleinen Insel Celcias stammte, einen kennen?
Sie seufzte und verschränkte die Arme vor der Brust, über dieses Problem nachgrübelnd. Da kam ihr plötzlich und ganz unverhofft ein Gedanke, der sie in ihren Überlegungen stocken ließ. Ihr war ein Ort eingefallen. Rejan hatte mit ihr vor vielen Jahre die Schattenmagie geübt und ihr die wenigen Zauber, die sie beherrschte, beigebracht. Damals hatte er sie aber auch oft im Scherz davor gewarnt, dass er nicht mit den Fähigkeiten eines Magiers aus Zyranus mithalten konnte. Das war der Ort für Magier. "Zyranus", wisperte sie leise und sah dann auf, direkt zu Jhin hinüber und strahlte ihn mit erhellter Miene an. "Zyranus, die Stadt der Magier!" Sie lächelte, ganz offenbar gefiel ihr der Einfall, den sie gehabt hatte. "Ich war noch nie dort und ich weiß nicht, ob es das richtige Ziel ist. Aber wo mag man einen fähigen Schattenmagier finden, wenn nicht dort?"

Wieso war sie bisher nicht darauf gekommen? Die ganze Zeit war sie davon ausgegangen, dass sie selbst die Schriftrolle studieren und die vielen Zauber erlernen musste. Doch auf einen fremden Magier zurück zu greifen, diese Idee war ihr bisher nicht gekommen. "Wenn wir in Zyranus sind, kann ein Schattenmagier Rejan von seinem Fluch befreien und eurem Volk helfen. Dass ich darauf nicht früher gekommen bin!", rief sie aus. Der Gedanke, an diese naheliegende Lösung für all ihre Probleme, beflügelte ihr Herz. Freudestrahlend wandte sie sich mit einem breiten Grinsen an Devin. "Was hälst du davon? Hast du Lust, nach Zyranus zu reisen und Magier kennen zu lernen?"

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Samstag 25. Februar 2012, 00:04

Jhin zeigte keine Regung, als Alea sich bewusst wurde, dass er in ihrem Kopf herumstöbern konnte. Er musterte die Diebin lediglich, schweigend. Auf Devin machte er so nur einen noch unheimlicheren Eindruck. Der Junge ärgerte sich insgeheim, dass er es war, der sich hinter Alea verbarg und nicht umgekehrt. Eigentlich, so glaubte er, sollte er sie doch beschützen. Schließlich begleitete er sie, um Abenteuer zu erleben. Er wollte ein kleiner Held werden - die romantischen Träume eines Burschen seines Alters. Und nun stand er hier, dicht hinter seine Gefährtin gedrängt, nur vorsichtig aus der Deckung schauend. Ein schöner Held war er! Aber Jhin bereitete ihm immer noch Unbehagen.
Dabei gab es noch jemanden in der Höhle, der den jungen Devin möglicherweise gehörig hätte erschrecken können. Es war nicht klar, wie das Wesen hatte hierher gelangen können, noch, was es überhaupt darstellte. Es war da und es beobachtete die Szene. Der violette Kerl gefiel ihm auch nicht. Der hatte die ganze Zeit herum gesessen und überhaupt nicht auf seine Spielereien reagiert. Die Frau und der Junge wirkten da empfänglicher. Das Wesen kratzte sich an der dicken Knollennase. Wie würde es wohl weitergehen? Ob es sich nähern sollte? Vorsichtig setzte es einen der runden Füße vor den anderen.
Unterdessen erhob sich der Tha'Roon, zusammen mit seiner Stimme. Noch immer strahlte sie ein ruhiges Timbre aus, was ein wenig das Unbehagen glättete, zugleich ihm aber auch eine mysteriöse Aura verlieh. "Ich werde mich bemühen, nicht in Eure Gedanken einzudringen. Ich spüre, dass es Euch missfällt. Wenn Ihr in der anderen Sprache denkt, verstehe ich es ohnehin nicht." Er neigte den Kopf. "Vielleicht kann ich auf diese Weise Euer Vertrauen gewinnen, dass Ihr meinem Volk helfen werdet." Leider musste Alea diese Hilfe bereits im Ansatz ablehnen, denn eine wirklich gut ausgebildete Schattenmagierin war sie nicht. Sie konnte ihm lediglich die Information geben, dass ihre Muttersprache in Sarma angewandt wurde. Das interessierte Jhin sogar. Er wandte sich kurzzeitig von General ab, auf dem Rejan noch immer aufgebunden war wie ein Mehlsack. Seine dunklen Augen musterten Alea lange. Wieder zeigte seine Mimik kaum eine Reaktion. Lediglich das Leuchten in seinen schwarzen Perlen, die seine Augen darstellten, zeugte von Neugier. "Sarma. Wo liegt das?"
"Du kommst wohl auch nicht viel herum", brach es aus Devin heraus. Im nächsten Moment schob er sich jedoch wieder enger hinter Alea. Er hatte seinen Mund nicht halten können und fürchtete nun, es zu bereuen. Aber Jhin zeigte sich weder empört ob seines vorlauten Mundes noch wütend wegen der anmaßenden Wortwahl. Er guckte den Jungen nur an, entschied, dass er auf seinen Kommentar nicht antworten brauchte und fixierte wieder die Wüsentdiebin. "Was immer Ihr gedacht habt, es ähnelt der Sprache, die Rejan in seinen Träumen verwendet. Aber nein, ich verstehe sie nicht. Sarma ... hmmm." Er berührte seine Schläfe und schloss kurz die Augen. Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte der Tha'Roon abwesend, als dachte er lange nach. Tatsächlich jedoch kommunizierte er mit den seinen, suchte nach Informationen über dieses Sarma. Kein Tha'Roon konnte ihm helfen, denn keiner war bisher in der Wüste gesehen worden. So hob er die Lider, blinzelte kurz. "Ich möchte mehr über Sarma erfahren. Erzählt mir bitte davon, wenn sich eine Gelegenheit ergibt."

Nicht nur Jhin war an Alea interessiert. Da war noch dieses kleine Wesen. Es war dicht an die Gruppe heran gewatschelt. Nun verbarg es sich hinter einem aufgetürmten Haufen Goldmünzen. Von dort aus konnte es die Gruppe sehr gut beobachten, aber ihm fiel auch noch etwas Anderes ins Auge. Oho, das funkelte fein! Es gefiel dem Kerlchen sehr. Das gäbe doch ein tolles Geschenk ab, dachte es sich. Da zuckte Jhin zusammen. Er hatte den Gedankengang wahrgenommen, runzelte nun die Stirn und schaute sich in der Höhle um. Als er jedoch niemanden entdeckte, beschied er, seine Aufmerksamkeit wieder auf Alea und Devin zu richten. Schließlich erbat er die Hilfe der Frau, die der Schattenmagie fähig war. Dass sie darin nicht sonderlich gut ausgebildet war, ahnte er nicht. Dafür kannte sie die spitzohrigen Wesen, die sich neuerdings im Reich der Dunsthügel herum trieben. Dunkelelfen nannten sie sich laut Aleas Aussage. Jhin nickte, speicherte die Information im Geiste ab. Er würde sie mit den Tha'Roon teilen, sobald er mehr Ruhe hatte, um geistigen Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Noch war dafür keine Zeit. Alea bereicherte ihn mit Wissen. Sie gab ihm viele Informationen preis.
Jhin trat näher. Er war um so vieles größer als die Diebin und so schlank. Es konnte einschüchternd wirken, jedenfalls bei Devin. Noch immer war ihm dieser Fremdling nicht geheuer. Alea schien jedoch keine Angst vor ihm zu haben. Er bewunderte sie dafür. In seinen Augen war sie die tapferste Person, der er jemals begegnet war. Ein Vorbild.
"Ihr könnt mir also nicht weiterhelfen. Zu bedauerlich." Jhin stieß einen Seufzer aus. Doch in diesem Moment erreichte Alea ein Gedankenblitz und sie sprach ihn sofort an. "Zyranus", wiederholte Jhin mit ebensolchem Interesse in der Stimme, wie er es schon bei Sarma gezeigt hatte. Das Wesen, das die drei beobachtete, horchte ebenfalls auf. Zyranus, die Stadt kannte er. Dort wurde viel gezaubert. Also war die Frau eine Magierin, so vermutete es das Kerlchen. Sie würde sich über etwas Magisches sicherlich freuen. Schon schnappten kleine Finger nach einem Gegenstand, den er bereits zuvor für sie auserkoren hatte. Der würde ihr sicher sehr gefallen, zumal tatsächlich ein wenig Magie darin steckte, wenn auch in besonderer Form. Sie würde schon Zugang zu dem Zauber bekommen. Das Geschenk musste nun also nur noch überbracht werden. Das Wesen setzte sich in Bewegung. Devin war der einzige, dem es auffiel. Gebannt starrte er auf dieses herum huschende, in rot gekleidete Männchen. Es trug eine lange Zipfelmütze mit weißem Bommel und hatte sich etwas Blinkendes um den Bauch geschoben. Damit rannte es nun zwischen den Reichtümern umher, bis es fast an Alea heran war. Devin hielt die Luft an. Was war das für ein Ding?! Er brachte keinen Ton heraus, aber ein leises Fiepen wäre unter Aleas freudigem Ausbruch ohnehin untergegangen.
"Wir gehen nach Zyranus. Ich würde Euch gern begleiten, denn mir scheint, dieser Ort liegt nicht im Reich der Dunsthügel. Ich bin niemals über die heimatlichen Grenzen hinweg ausgezogen, aber ich bin nicht unerfahren. Während unserer Reise würde ich mein Wissen und auch alle anderen Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Ich werde Euch nicht zur Last fallen. Bringt mich nur in dieses Zyranus. Notfalls kümmere ich mich anschließend allein um das Wohl der Tha'Roon."
Die Entscheidung schien getroffen. Alea war Feuer und Flamme, in die Stadt der Magier zu kommen. Dort würde es doch jemanden geben, der ihr helfen könnte. Jemand, der Rejan retten und Jhins Volk unterstützen könnte. Vielleicht würde sie sogar für ihre Hilfsbereitschaft belohnt. Die Reichtümer in der Höhle konnte sie schließlich unmöglich allein mitnehmen. Aber möglicherweise ließen sich die Tha'Roon später noch dafür einspannen. Bis dahin ließen sich vielleicht einige Kleinigkeiten mitnehmen. Beispielsweise dieser wunderschönde Goldring, der direkt in Aleas Blickfeld fiel. Er besaß einen eingefassten, sternförmigen Stein. Dieser leuchtete und schimmerte in allen Regenbogenfarben. Er hatte aber doch vorher nicht dort am Boden gelegen. Wo war er nur hergekommen.
"Z-Zyranus?" Endlich meldete sich Devin zu Wort. Er wirkte blass, starrte auf den Ring und zeigte schließlich dorthin. "Da ... da war eben ... hm, nicht so wichtig." Das Wesen hatte den Ring abgelegt, sie aber nicht angegriffen. Ob es auch friedlich war? Devin jedoch war sofort abgelenkt. In seinen Geist drang die Bedeutung von Aleas Worten. Mit großen Augen blickte er sie an. "Wir gehen nach Zyranus? Ich habe Geschichten gehört. Eine ganze Stadt voller Zauberer, natürlich möchte ich dorthin! Das wird spannender als die Schatzsuche! Glaubst du, sie werden uns etwas vorzaubern?"
Die nicht, aber der Ring, kicherte das kleine Wesen in sich hinein und freute sich bereits auf die Zukunft. Selbst würde sie diese nicht miterleben, aber Alea beschenkt zu haben, bereitete dem kleinen Kerlchen genug Freude. Es gab noch so viele Wesen auf Celcia, die es ebenfalls auf diese Weise mit einer kleinen Gabe beglücken musste und es blieb so wenig Zeit! Rasch huschte es zwischen den Reichtümern hindurch und auf und davon.




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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Freitag 6. April 2012, 19:57

Alea verspürte Genugtuung, als Jhin ihr versicherte, er würde möglichst nicht mehr in ihre Gedanken eindringen. Er verstand Sendli also auch nicht, wenn sie darin dachte. Interessant. Sie würde sich darum bemühen müssen, nicht mehr in der allgemeinen Sprache zu denken, doch vermutlich gewöhnte man sich auch daran. Sie nickte zustimmend. Seine Zurückhaltung würde ihr Vertrauen sehr stärken, dessen war sie sich sicher. Wie sollte man sich auch vor jemanden sicher fühlen, der die eigenen Gedanken und damit die nächsten Schritte wusste, bevor man sie durchführte? Das war gruselig. Sie fragte sich, ob die Tha'Roon noch andere Fähigkeiten außer dem Gedankenlesen beherrschten. Mit seinem Wort fiel es ihr auch ein wenig leichter, seinem Blick standzuhalten, als er sie plötzlich so durchdringend ansah. Er wollte wissen, wo Sarma lag. Alea musste kurz lächeln. Es gab also Dinge, die er nicht wusste und in denen sie ihm überlegen war. Das zu wissen war seltsam beruhigend. "Sarma liegt auf der Insel Belfar", erwiderte sie bereitwillig und beobachtete ihn dabei, wie er die Augen schloss und plötzlich schwieg. Was tat er? Die Laute, die er von sich gab, klangen unbefriedigend. Die Erklärung gab er gleich danach, zumindest verstand Alea es so, dass keiner der anderen Tha'Roon etwas über Sarma wusste. So bat er sie seine Wissenslücken zu füllen. "Das tue ich gerne." Echte Freude schwang in ihren Worten mit. Welche Frau und welcher Mann erzählte nicht gerne von seiner Heimat? Vor allem wenn sie soweit weg von dieser waren und im Grunde nichts weiter wollten, als dahin zurück zu kehren, in eine Zeit, in der alles noch in Ordnung war. Sie sah zu Rejan und dachte an die Wüste. Sie sah dort Dünen und Kamele, sie sah die Dächer Sarmas, verhüllte Frauen und bärtige Männer, die Säbel trugen. Sollte Jhin diese Bilder in ihrem Kopf ruhig sehen. Auch wenn sie nicht wusste, ob das möglich war, war es doch Absicht. Es war die Realität, ein Vorgeschmack auf das, was sie ihm erzählen sollte. Sie hoffte nur, er hatte Zeit, dachte sie sich grinsend.

Doch zunächst stand eine andere Stadt Celcias im Mittelpunkt: Zyranus. Jhin schien schnell überzeugt zu sein und die Diebin verspürte etwas Stolz über ihre plötzliche Idee. "Ich muss Euch jedoch warnen, Jhin Aviskârta", sagte sie dann und grinste kurz verschmitzt, "Ich habe keine Ahnung, wo Zyranus liegt. Außer Sarma kenne ich fast nichts.. Naja .. bis auf die weite Wüste, das Meer, die Amazoneninsel, Rumdett und Ganda." Erst als sie es erwähnte, fiel ihr ein, wo sie überall schon gewesen war. Für ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen, war das ziemlich viel, überlegte sie einen Moment. Nie hätte sie sich träumen lassen, so weit zu reisen und all diese Orte kennen zu lernen.

Devin holte sie aus den Bildern der vergangenen Reisen zurück und schien ihr nicht zu glauben, dass die Reise nach Zyranus gehen würde. Sie hörte das Stottern und glaubte, dass etwas nicht in Ordnung mit ihm war, drehte den Kopf und sah in das blasse Gesicht des Burschen. "Was hast du?", fragte sie und folgte seinem Finger mit den Augen. Ihr fiel der goldene Ring sofort ins Auge. Aleas Augen wurden größer. Was für ein schöner Ring! Wie konnte ihr dieser nicht aufgefallen sein. "Sehr gut, Devin, deine Augen werden immer besser", lachte sie und knuffte ihm kurz in die Seite. Ein Dieb musste stets überall seine Augen haben. Während Devin noch über Zyranus nachdachte, begab sich Alea zu dem Ring. "Vielleicht finden wie jemanden, der uns ein paar Tricks zeigt. Und jemanden, der die Schatten aus Rejan vertreibt." Ihre nachdenkliche Miene hellte sich bei dem Anblick des Schmuckstücks auf. Behutsam nahm sie es zwischen Dauen und Zeigefinger und betrachtete den sanft golden schimmernden Ringe von allen Seiten. "Wie wunderschön." Sie betrachtete den Stein, der in Form eines Sterns gefertigt worden war, und wie der Regenbogen selbst strahlte. Was für ein wunderschönes Stück das war. Einen Moment verharrte die Diebin in stiller Bewunderung, dann streifte sie sich den Ring über den Zeigefinger der linken Hand und streckte sie von sich, um den Ring an ihrer Hand lächelnd zu bewundern. "Ein wirklich schöner Fund, Devin", sagte sie und schaute grinsend zu ihm hinüber.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. April 2012, 12:43

Jhin war nicht umsonst ein Forscher der Tha'Roon. Er besaß eine für sein Volk überdurchschnittliche Neugier, die es ihm erlaubte, Unbekanntes besonders faszinierend zu finden und gelegentlich aufgrund dessen seine Vernunft in den Hintergrund zu stellen. Die Tha'Roon akzeptierten diesen Forscherdrang, solange er ihre Heimat nicht in Gefahr brachte. Bisher hatte sich Jhin allerdings nur selbst dadurch in Situationen begeben, von denen er einige im Nachhinein noch immer ein wenig bedauerte. Aber noch lebte er und er war bereit, zum Wohl seines Volkes mehr über Celcia heraus zu finden. Sendli und Sarma waren ihm fremd. Zu weit im Norden, zu fern seines Reiches der Dunsthügel. Er bezweifelte, dass ein Tha'Roon jemals so weit gekommen war. Er kannte jedenfalls keinen. Umso mehr interessierte ihn diese geheimnisvolle Stadt, von der er nicht einmal den Namen kannte. Sicher, in Rumdett hatte man schon häufig von Sarma gehört. Dorthin lieferte man die Sklaven aus, die auch in der Piratenstadt sehr beliebt waren. Hier scherte man sich nicht groß um ein Leben, außer es brachte gut Geld ein. Aber Jhin war nie in Rumdett gewesen. Er hatte sich auf Anraten der Zusammenkunft der Weisen - der gemeinsamen, regierenden Instanz - von diesem Ort ferngehalten. Es ging ein dunkles, ein gefährliches Pulsieren von dort aus. Die Tha'Roon wollten ihren Forscher nicht an eine solche Gegend verlieren. Aber wie stand es mit Zyranus? Jhin blinzelte einen Moment. Er kommunizierte mit seiner Heimat, ohne dass Alea oder Devin davon erfahren würden. Er nahm Kontakt zur Zusammenkunft der Weisen auf, aber gegenwrärtig antwortete ihm niemand. So entschied er selbst. Wenn es für sein Volk die Rettung bedeuten konnte, würde er es wagen. In Zyranus gab es Schattenmagier mit größerem Können als es Alea versprach. Sie würden ihm helfen, notfalls müsste er sie dazu zwingen. Doch Jhin schmiedete keine Pläne in einem Feuer, von dem er nicht wusste, womit es brannte. Er konnte sich darüber noch immer Gedanken machen, wenn sie erst einmal in dieser ominösen Magierstadt angelangt waren. Wie weit sie wohl entfernt liegen mochte? Auch das wusste der Tha'Roon nicht. Noch nicht, entschied er schweigend.

"Unsere gemeinsame Reise wird mir viele Vorteile einbringen. Ich freue mich, von Euch zu lernen, was ich kann und was meinem Volk nutzen wird." Seine ruhige Mimik signalisierte tatsächlich auf eine bizarre Art und Weise aufrichtige Freude, auch wenn er nicht einmal mit der Wimper zuckte. "Berichtet mir, so viel Ihr wisst, während wir unterwegs sein werden. Es wird den Marsch angenehmer gestalten."
"Wir müssen nicht laufen", fiel Devin doch tatsächlich ein. Er schien endlich seine Scheu abzulegen oder aber sein Mund reagierte schneller als sein Kopf. Mit einem Nicken wies er auf General. "Wir haben nicht nur das Pferd, sondern auch einen Karren, unten am Strand. Wir können fahren."
"Interessant", gab er Tha'Roon nur zurück. "Aber ob mit Pferd und Karren oder ohne. Wir kennen den Weg nicht." Erneut schloss er seine Augen. Erneut versuchte er, Kontakt mit den Weisen aufzunehmen. Es dauerte eine Weile, in der Jhin einfach reglos da stand, als schien er in eine Tranve verfallen zu sein. Diese Zeit konnte Alea nutzen, sich bei Devin über dessen plötzliches Stammeln zu erkundigen und prompt erhielt sie eine Antwort in Form eines ausgestreckten Fingers, der zu einem wundervoll schimmernden Ring zeigte. Natürlich gewann dieses Schmuckstück sofort Aleas volle Aufmerksamkeit. Da schien sie wie eine Elster: sie konnte sich schimmernden Gegenständen einfach nicht entziehen. Es blieb gerade noch Zeit für ein keckes Lob an Devin, der bei dem Knuff zusammenzuckte. Schon war sie dabei, den Ring sowohl mit Augen und Händen zu begutachten. Er war golden, so dass er wie ein kleiner Schatz strahlte, wenn Licht auf ihn fiel. Ein bunter, sternförmiger Stein war auf der Oberseite eingefasst. Er schillerte in allen Regenbogenfarben und kaum, dass Alea ihn übergestreift hatte, nahm er ein helles bis heiteres Gelb an, das beinahe aus dem Ring heraus leuchtete. Doch das war noch nicht alles. Ein fröhliches Lachen, glockenhell, erfüllte die gesamte Lagune. Selbst Jhin Aviskârta zog es in seinen Bann, dass er die Augen aufschlug und sich umsah.
"Was war denn das?", fragte Devin neugierig und noch ehe einer seiner Gefährten etwas sagen konnte, kam ein freches "Na, ich war das!" als Antwort zurück. Es hallte als Echo von den Wänden, doch die Quelle war schnell zu erraten. Aleas Sternenring funkelte verschwörerisch in einem Gemisch aus Blau und Rosa. Dann blinzelte der Stern. Ein Auge starrte sie an.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Dienstag 1. Mai 2012, 11:23

Alea zuckte zusammen, als das plötzliche Lachen erklang, das so hell und fröhlich von den Höhlenwänden zurück geworfen wurde, dass sie sofort wusste, dass der Laut nicht von Devin und erst recht nicht von Jhin stammen konnte. Wirklich bedrohlich war es auch nicht, dennoch wandte sich ihr Kopf schnell nach links und rechts auf der Suche nach dessen Urheber. Ihre beiden Begleiter schreckten bei dem Lachen ebenfalls auf, was ihre Theorie bestätigte. Was war das? Doch ihr junger Begleiter kam ihr mit der lauten Frage zuvor.
Ein weitere mal zuckte sie zusammen, war doch die Quelle der darauf folgenden Antwort schnell auszumachen. Reglos stand Alea da und starrte zu dem Ring an ihrem Finger hinunter. Ihre Augen weiteten sich, als sie sah, wie der Stern blinzelte und kurz darauf ein Auge sie anstarrte. Der Diebin klappte der Mund hinunter. Sie wusste nicht, was sie sagen oder denken sollte. Ein sprechender und blinzelnder Ring?! Sie brauchte einige Momente, um sich soweit wieder zu fassen, etwas von sich zu geben. Dennoch starrte sie den unscheinbaren Ring an ihrem Finger unentwegt ungläubig an. Sie konnte es einfach nicht fassen.
"Du.. du bist ein Ring", stammelte sie zuerst und blinzelte ein paar Mal, als wäre diese Erkenntnis etwas völlig neues. "Du sprichst." Auch das hatte der Ring anschaulich bewiesen. Niemals hätte sie sich träumen lassen, dass es Schmuck gab, der sprechen konnte! Wäre der Ring nicht fest auf ihren Finger gesteckt, sie hätte ihn wohl einfach fallen gelassen, so absurd kam ihr das Geschehen hier vor.

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. Mai 2012, 21:59

Das Auge im Stern des Rings blinzelte einmal. Dann schaute es nach links und rechts, ehe es sich wiederholt auf Alea richtete. "Hübsche Zunge", sprach die Stimme aus dem Ring, als der Diebin die Kinnlade herunter klappte. Devin sprang ein Stück zurück, rutschte auf einigen Münzen und einem goldenen Teller aus, so dass er auf dem Hosenboden landete. "Autsch!" Er rieb sich den Hintern, wagte es aber nicht, aufzustehen. Sein Blick haftete an dem Ring und obwohl er nicht einmal das Auge gesehen hatte, war ihm dieses sonderbare Schmuckstück plötzlich suspekt. "Ist es ... verflucht? Hoffentlich sitzt da kein Monster drin!"
Gleichermaßen weckte der Ring Faszination bei dem Tha'Roon. Er reckte etwas den Hals und machte einen Schritt auf Alea zu. Näher kam Jhin jedoch nicht. Er wollte abwarten und beobachten. Die Zeit lief ihm nicht dermaßen davon, dass er binnen Sekunden das Geheimnis eines Rings entschlüsseln musste, wegen dem er sich nicht einmal in der geheimen Lagune befand. Ihm ging es nach wie vor um das Wohl seines Volkes, um die Schriftrolle der Schattenmagie. Unterdessen hatte sich Alea wieder soweit gefasst, dass sie ihre Stimme wiederfand. Die Stimme des Rings kicherte. "Ich bin doch kein Ring, ich sitz nur in einem fest. Aber langsam gewöhn ich mich dran. Hab es mir hier schön eingerichtet, aber die Wärme einer Hand ist mal etwas Anderes. Und ja, ich kann sprechen. Kann doch jeder. Ich sogar in ..."
"Gaianya", beendete Jhin den Satz. "Die Sprache der Kobolde und Feen."
"Oh, du bist gescheit, wer immer du bist. Heee, hübsches Mädchen, dreh den Ring doch mal etwas, damit ich den anderen auch sehen kann. Ich mag zwar dein Gesicht auch, aber ich bin neugierig. Nach über 100 Jahren wurde der Anblick der Höhlenwand und der vierzehn Goldmünzen am Boden, sowie des kleinen Rubins und so weiter recht langweilig. Beweg den Ring, ich möchte mich umschauen, ja? Kriegst auch was gezaubert, ich kann nämlich ganz toll zaubern." Vor allem konnte er plappern wie ein Wasserfall, da machte er Devin schon beinahe Konkurrenz. Der Junge hatte sich inzwischen aufgerafft und war sogar mutig genug, sich wieder Alea und dem Ring zu nähern. Auch seine Neugier war geweckt worden.
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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 6. Mai 2012, 11:24

Alea blinzelte irritiert zu dem fragwürdigen Kompliment des Ringes. Sie hörte es im Hintergrund klirren und Devins Lautäußerung gab ihr auch gleich Aufschluss darüber, was passiert sein musste. Sie konnte sich zwar noch auf den Beinen halten, aber im ersten Moment hatte auch sie sich beherrschen müssen, nicht vor dem Ring zurück zu weichen.
"Ich weiß es nicht", raunte sie zu Devins Frage, den Kopf vom Ring abgewandt und leise sprechend, damit dieser sie nach Möglichkeit nicht hörte. Dass ein Monster in der Fassung steckte, glaubte sie zwar kaum, jedenfalls wenn von der glockenhellen Stimme auf das Wesen zu schließen war.. aber ob er verflucht war? Gründe, die dagegen sprachen, fielen ihr im ersten Moment so nicht ein. Doch der Ring erklärte direkt von sich aus, was er war.

"Ich bin doch kein Ring, ich sitz nur in einem fest. Aber langsam gewöhn ich mich dran. Hab es mir hier schön eingerichtet, aber die Wärme einer Hand ist mal etwas Anderes. Und ja, ich kann sprechen. Kann doch jeder." Den Rest verstand Alea jedoch nicht. Eine fremde Sprache, derer sie nicht fähig war. Doch Jhin klärte sie schnell auf und Aleas Augen weiteten sich ein weiteres mal. "Feen und Kobolde?", wiederholte sie verwundert. Das war doch ein Scherz? "Die gibt es doch nicht wirklich", entfuhr es ihr dann unüberlegt, aber aus tiefer Überzeugung. Feen und Kobole gab es nur in Geschichten! Sie stammten aus alten Büchern oder aus den Mündern der Alten, die ihre Kinder gruseln oder belustigen wollten mit den Abenteuern einer Fee oder eines Kobolds. Die Diebin konnte nicht glauben, dass solch eine Gestalt tatsächlich existierte. Der Ring - oder das Wesen im Ring - pflichtete Jhin bei.

Stutzig starrte Alea den Ring an ihrem Finger noch immer an, bis sie dazu aufgefordert wurde, den Ring zu bewegen, damit sie sich umschauen konnte. Jetzt sprach sie auch noch vom Zaubern! Bereitwillig hob Alea die Hand und bewegte sie hier und dorthin, drehte sich dabei langsam um die eigene Achse. Wieso sie das machte, wo sie es doch völlg für unmöglich hielt, dass eine Fee oder ein Kobold in dem Schmuckstück steckte, wusste sie nicht. Sie nutzte die wenigen Momente, um sich wieder zu fangen und die Fragen in ihrem Kopf zu sammeln, die wild durcheinander darin herum flogen.
"Du bist doch nicht wirklich eine Fee? Oder ein Kobold? So etwas gibt es doch gar nicht..", wiederholte sie noch einmal, weiterhin ungläubig und fuhr direkt weiter, "Wie kommst du in den Ring? 100 Jahre hast du hier gelegen?"

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Kobold » Freitag 11. Mai 2012, 16:16

Selbst wenn Alea hätte vor dem Ring zurückweichen wollen, wäre das nur eine erfolglos verschwendete Liebesmüh gewesen, denn der Ring steckte ihr am Finger und wenn sie Distanz zwischen sich und das Schmuckstück bringen wollte, so müsste sie es schon abnehmen oder sich schlimmstenfalls den Finger abhacken. Keine sonderlich angenehme Vorstellung. Aber bis auf die Tatsache, dass der Ring mit ihr sprach und sie mit einem großen Auge anglotzte, unterschied er sich nicht von anderen Ringen. Er war ein hübsches Schmuckstück, sicherlich wertvoll, aber jetzt besaß er noch eine geradezu magische Note. Genauer gesagt, ein Hauch von Feenstaub, denn wie Jhin behauptete, sprach das Etwas im Ring die Sprache der Feen und Kobolde.
Der Tha'Roon, welcher nun noch ein Stück näher kam und den Hals reckte, um auch das Auge im Ring sehen zu können, nickte daraufhin. "Die Sprache nennt sich Gaiayna und eigentlich beherrschen nur Feen, Geister und die gewitzten Kobolde sie. Ich darf mich stolz schätzen, dass ich bereits einem Kobold begegnete und mir die Sprache beibringen ließ. Es hat mich viel gekostet, aber ich besitze seither ein Wissen, das mich von den übrigen meines Volkes abhebt. Bis heute ist es mir nicht gelungen, einem anderen Gaianya beizubringen. Etwas Seltsames und Faszinierendes zugleich, besonders für mich." Er musterte den Ring. "Wer steckt nun dort drinnen? Eine Fee, ein Kobold, ein Geist?"
Alea hielt das ganze für einen schlechten Scherz. Und war es ihr zu verübeln? Welcher Mensch, vor allem aus der Wüste, sah denn heutzutage schon solche Sagengestalten? Man erzählte sich Geschichten und Legenden von ihnen. In Sarma vielleicht seltener, aber dort auch. Doch niemals sah man die Figuren aus jenen Märchen! Sie waren ... Aberglaube?
"Oh, ich bin ganz echt, jaja! Könnt ihr mir ruhig glauben und mich gibt's auch richtig. Ich sitz eben nur hier drin fest, in diesem kleinen Ring. Vielleicht könnt ihr mich rausholen?" Das Wesen verstummte, als Alea den Ring durch die Lagune gleiten ließ. Offenbar schaute es sich um und schließlich prallte ein fröhliches Jauchzen gegen den Stein der geheimen Höhle, dass es wieder in den Ohren klingelte. Devin presste sofort seine Hände gegen den Kopf. Das Ringwesen aber kicherte begeistert. "Ohhhh, ich muss hier heraus! Es ist ja wundervoll, wo ich schon ewig hier herum liege! Will mir das genau ansehen, will es anfassen! Kommt schon, nehmt mich wenigstens mit. Ich werde auch ganz artig sein. Kein Wort soll den Mund des Kobolds Ruckzuck-Zappeldi-Witz von Hier-zu-Lande-und-dort-drüben Dingsbums-Da verlassen, wenn ihr es nur sagt. Ach übrigens, meine Freunde nennen mich Hoppla oder Günther! Ihr dürft gern Rabaukenheimer zu mir sagen."
Devin begann plötzlich zu lachen. Er prustete und hielt sich den Bauch. "Was für ein Name!" Schon wischte er sich erste Lachtränen aus den Augenwinkeln. "Ruckzuck... wie war der Rest? Günther? Warum Günther?"
"Warum nicht Karlheinz?", entgegnete der Kobold im Ring fröhlich. "Du, kleiner Mann, darfst mich Knurpsel nennen, nach meinem allerliebsten Spitznamen."
"Knurpsel also", erwidete der Tha'Roon mit einem Blick auf Alea. "Da habt Ihr Euch aber ein sehr faszinierendes Schmuckstück ausgesucht. Vielleicht könnte man den Ring einschmelzen, um zu sehen, was mit dem Kobold darin passiert." Sofort ging ein großes Gekreische los. Devin und Alea konnten wohl kein Wort verstehen, denn Knurpsel fluchte und schimpfte in sehr akzentreichem Gaianya. Lediglich Jhin hielt sich die Ohren zur und beteuerte, mit dem Ring nichts anzustellen. Da beruhigte sich der Kobold wieder. "Wenn ihr mich schon nicht rauslasst, nehmt mich wenigstens mit und schwenk den Ring ab und zu ein bisschen, hübsches Mädchen. Damit ich die Welt sehen kann. Bitteeeeee! Ja, ich hab hier 100 lange Jahre gelegen, nachdem ich hier in der Höhle eine ganz tolle Lampe gefunden und sie sauber gerieben habe. Da kam ein munterer Geselle heraus, sag ich euch. An seinen Namen erinnere ich mich nicht mehr, aber drei Wünsche ließ er sich abluchsen und beim letzten sagte ich, dass ich nichts lieber hab als bunt glitzernden Schmuck und am liebsten in einem Ringhaus leben würde. Schwupps, saß ich hier drin und konnte nur noch hören, wie der Hinterlistige in die Freiheit entwich, die ich ihm beschert hatte. Blöder Tausch, blödes Spiel. Ich fass nie wieder Lampen an und mach nie wieder sauber, jawohl, nein nein!"

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Alea » Sonntag 17. Juni 2012, 15:27

Gaiayna. Alea hatte nie etwas von dieser Sprache gehört. Jhin verstand diese sogar. Einen Moment schwirrte der Diebin der Kopf vor lauter unbekannter Neuigkeiten. Mal wieder fiel ihr auf, wie wenig sie von dieser Welt kannte. Feen, Kobolde und Geister! Gut, von Geistern hatte sie schon gehört und spätestens seit der Begegnung mit diesem finsteren Verzauberer glaubte auch sie, dass es sie gab. Diese Illusionen, die er vor ihren Augen beschworen hatte, die konnten nicht von dieser Welt stammen. Sollte es sich wirklich um ein solches Wesen handeln? Es selbst schien von seiner Existenz jedoch mehr als überzeugt. Ob sie es dort herausholen könnte? Alea fragte sich eher, ob sie das wollte. Sie traute diesem Ding noch immer nicht und blieb zuerst einmal misstrauisch.

Als das Wesen so erfreut jauchzte und kicherte, zuckte sie erschrocken zusammen, konnte sich im nächsten Moment jedoch nicht gegen ein kleines Schmunzeln erwehren. Falls die Geschichte stimmte, und das Wesen in dem Ring gut war, so tat es ihr sogar ein wenig leid, in diese missliche Lage gekommen zu sein. Außerdem schien es recht fröhlich zu sein und lustig dazu. Neben Devin musste auch Alea lachen, als es sich mit vollem Namen vorstellte. Ruckzuck-Zappel-waswusstesieschon also. Er war also tatsächlich ein Kobold! Sie wusste nicht, ob sie dem Glauben schenken konnte. Da er jedoch die Sprache der Feen und Kobolde sprach, war die Wahrscheinlichkeit, dass er die Wahrheit sprach, ziemlich hoch. Trotzdem schien der Gedanke, nicht nur, dass Kobolde überhaupt existierten, sondern sie einen von ihnen sogar an ihrem Finger trug, noch zu absurd für die Diebin, um völlig überzeugt davon zu sein. Trotzdem konnte sie nichts gegen die gute Laune tun, die er verbreitete und die auch sie ansteckte. Auch Devin schien sich mit dem Wesen anfreunden zu können und sie verfolgte grinsend den Schlagabtausch zwischen den beiden.

Die Situation schien sich zum ersten Mal, seit sie dem Tha’Roon begegnet waren, zu entspannen, denn auch er riss plötzlich einen Witz, was Alea ihm gar nicht zugetraut hätte. Auch wenn sie alles, was danach kam aufgrund des Gekreische des Kobolds nicht verstand, musste Alea erst einmal lachen. Als der Kobold endlich schwieg, wischte sie sich die Tränen aus den Augenwinkeln.
"Also gut, Ruckzuck-äh.. Rabaukenheimer.. ja, wir werden dich mitnehmen. Aber wie sollen wir dich aus dem Ring holen? Das tun wir aber erst, wenn du mir mehr über die Kobolde erzählt hast. Übrigens, ich bin Alea. Leider habe ich nicht so einen schönen, langen und klangvollen Namen wie du." Sie musste erneut leicht kichern. Bei dem Wesen des Kobols fiel es nun nicht mehr ganz so schwer, Vertrauen zu fassen und sich auf diese Geschichte einzulassen, wenn auch nur vorerst. "Ich habe noch nie etwas von Kobolden gehört. Also erzähl mir ein bisschen was, während wie unterwegs sind!"

Die Geschichte darüber, wie er überhaupt erst in den Ring gekommen war, verfolgte Alea fasziniert. Sofort fühlte sie sich an eine weitere Geschichte aus ihrer Kindheit erinnert. Kein Gruselmärchen von Rejan und auch keine Geschichten der Alten. Nein, es war eine Geschichte von einer Wunderlampe, voller Zauber und Wunder. Auch ein Dschinn war darin vorgekommen.
"Du meinst.. einen richtigen Dschinn?", hakte sie mit offenem Mund nach. "Das kann doch nicht sein. In Sarma, in der Wüste auf Belfar, von der ich komme, da kommt in fast jeder Geschichte ein Dschinn vor, der einem Wünsche erfüllt. Bisher dachte ich immer, ich würde in einer ganz normalen Welt leben. Und plötzlich werden alle Geschichten und Märchen wahr." Sie musste tief ein und ausatmen, um das alles ansatzweise verarbeiten zu können. Im Moment fühlte sie sich, als würde ihr ganzes Leben, die ganze Welt auf den Kopf gestellt werden! Wenigstens hatte sie schon einmal eines gelernt. Sollte sie einmal einem Dschinn begegnen, sie würde sich, so sehr sie Schmuck auch liebte und die Finger nicht davon lassen konnte, nie ein Ringhaus wünschen!

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Re: Das Versteck an der Küste

Beitrag von Erzähler » Freitag 29. Juni 2012, 07:47

Ob Alea weiterhin misstrauisch gegenüber dem Kobold war oder nicht, er konnte ihr scheinbar nichts anhaben, denn er steckte in diesem Ring fest und war auch die letzten 100 Jahre nicht heraus gekommen. Warum also gerade jetzt? Wer blieb schon freiwillig ein ganzes Jahrhundert auf so engem Raum eingesperrt? Nein, ohne Hilfe konnte er wohl wirklich nichts ins Freie gelangen und stellte somit auch keine Gefahr dar. Zudem schien der gewitzte Kerl nicht die Spur bedrohlich zu sein, sah man einmal von seinem Wesen ab, Leute durch sein plötzliches Jauchzen im ersten Moment etwas zu erschrecken.

"Fein, fein, dann sehe ich mal wieder was von der Welt", rief der Kobold mit den vielen Namen, der von Devin fortan allerdings als Knurpsel bezeichnet werden würde. Denn dieser Name gefiel dem verträumten Wirtshausburschen am besten. "Sag mal, Knurpsel..."
"Günther! Oder Karlheinz ... oder ... oder ... Lachmichtot von und zu Hoppsala! Haha, ja der ist gut!"
"Ich würde gern bei Knurpsel bleiben. Nun sag schon, Knurpsel", der Junge wirkte plötzlich ganz aufgeregt, "kannst du eigentlich auch zaubern? Wie im Märchen?"
"Natürlich!", entgegnete der Kobold. "Aber das mach ich nur, wenn ich Lust dazu habe und jetzt hab ich sie nicht. Will endlich nach draußen, mal wieder die Sonne sehen. Gibt es Urks eigentlich noch? Ach bestimmt, hihihihi. Na los, nehmt mich endlich mit, hoho. Ich bin aufgeregter als eine Katze zur Brunftzeit!" Alea war damit ja auch einverstanden. Sie würde den Kobold im Ring nicht zurücklassen. Vermutlich zeigte sich da die Neugier der Diebin, denn sie knüpfte eine Bedingung an ihr Angebot. Sie wollte mehr über die Kobolde erfahren. "Soso, Nächstenliebe ist wohl ausgestorben, aber gut. Ich erzähl ja gern von mir, kann ich dir ruhig von den Kobolden erzählen. Was willst du denn wissen? Hä, häääää? Vielleicht, dass wir immer nur Feste feiern in unserer Heimat? Oder dass sie Urks heißt? Oder dass ich sofort einen Weg dorthin zeigen könnte, wenn ich wollte? Na, naaaaaa?! Sprich mit mir Alea mit dem nicht so schönen Namen wie ich ihn habe, haha!"
"Also ich mag deinen Namen", murmelte Devin an ihrer Seite, während er von der Nasenspitze bis zu den Ohren hin rot anlief. Der Tha'Roon, der bislang wieder zurückhaltender gewesen war, hob nun eine Braue, woraufhin Devin nur noch röter wurde. Hastig winkte er ab, brabbelte etwas davon, dass er seine Gedanken gern für sich behalten würde und drehte sich etwas weg. Daraufhin legte Jhin den Kopf schief. "Warum soll sie es nicht wissen?", fragte er, bekam aber keine Antwort.

Derweil hatte sich Alea näher mit ihrem neuen Gefährten auseinander gesetzt und von ihm erfahren, dass es ein Dschinn gewesen war, der ihn in den Ring gesperrt hatte. "Wenn es kein echter Dschinn gewesen wäre, säße ich nicht in dem Ring fest. Ohoho, ja der war echt und er wollte mir auch drei Wünsche erfüllen. Das hat er sogar gemacht, aber danach wurde ich in den Ring verbannt und er war frei - flog jauchzend davon. Ich freue mich ja, dass er endlich wieder so fröhlich war, aber nun sitze ich hier fest und bin gar nicht mehr soooo fröhlich. Es ist nämlich nach hundert Jahren ganz schön eng in diesem Schmuckstück geworden. Du, sag mal, soll ich dir nicht drei Wünsche erfüllen? Ich kann schließlich auch zaubern, wie der Dschinn. Achwas, noch besser! Jawohl!"
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