Auf der Suche

Ehemals die von vielen Rassen bewohnte und im Grün gelegene Stadt Férensis, hat sich seit dem Schlaf des Eisdrachens eine weite weiße Schneewelt gebildet und auch die Stadt blieb nicht verschont.
Antworten
Benutzeravatar
Xiara
Gast
Gast

Auf der Suche

Beitrag von Xiara » Montag 29. August 2011, 21:13

Xiara zog die Kapuze ihres Capes tiefer ins Gesicht. Der Wind fegte kalt um sie herum, doch es erschien ihr angenehm. Einen allerletzten Blick warf die junge Halbelfe zurück, als sie das Tor passierte und die Eisstadt Estria verließ und diese schon bald nur noch ein Punkt am Firmament zu sein schien. Sie wusste nicht, wann sie zurückkehren würde. Ob sie es überhaupt täte? Nicht einmal verabschiedet hatte sie sich von ihren Eltern. Sie hatte gewartet, bis sie schlafen gingen und war aus dem Haus geschlichen. Es war besser so. Ihre Mutter Elunee hätte es nie zugelassen, dass sie sich auf eine so gefährliche Reise begab. Für Elunee war Xiara noch immer ein Eiselfenkind, noch Grün hinter den Ohren, keine Lebenserfahrung. Sie hörte schon fast die Stimme ihrer Mutter, wie sie zeterte, doch nur aus Sorge um ihr einziges Kind.
Stumm schlang der Mischling die Arme um sich und wandte den Blick nach vorn. Wieder fegte der Wind über die weiten Ebenen des Eisreiches und wirbelte den Pulverschnee auf. Xiara verengte die Augen zu Schlitzen und brummte mürrisch, dann kramte sie in ihrer kleinen Ledertasche herum und zog die Karte hervor, die sie zuvor eingesteckt hatte. Ihre schmalen Finger wanderten über die Karte und hielten inne, als sie Rugta fand. Die Zwergensiedlung war ihr erster Anlaufspunkt, zwar nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in die Wüste Sar, doch vielleicht fand sie dort einen Begleiter?
Sie mochte den Gedanken nicht, alleine durch Celcia zu wandern, kannte sie sich doch nirgendwo aus, außer in Estria.
Estria war ihre Heimat, sie kannte das Eisreich wie ihre Westentasche. Hier lag ihr Herz. Umso schwieriger war es ihr gefallen, ihre Heimat zu verlassen. Doch sie musste... Sie musste Antworten auf ihre Fragen finden!
Stumm strich sie sich über den rechten Unterarm und schob das Cape hoch. Schwarze Flecken benetzten ihre sonst so blasse Haut. Xiara fletschte die Zähne. Die Flecken gehörten nicht zu ihrem natürlichen Erscheinungsbild. Erst seit wenigen Wochen waren diese da. Einfach so. Sie waren nicht normal, soviel stand fest, schließlich brannten sie wie Feuer auf ihrer Haut. Am liebsten hätte sie sich die Haut vom Fleisch gerissen. Es fühlte sich an, als würde ihre Haut von Säure zersetzt werden. Die junge Halbelfe hatte sich in die Bibliothek begeben und in Büchern gesucht, doch hatte sie nirgendwo eine Antwort oder gar einen Hinweis auf diese ominösen Flecken finden können. Und einen Rat hatte man ihr auch nicht geben können. Ihren Eltern hatte sie nichts davon. Einzig und allein einem alten Eiselfen namens Urît hatte sie sich anvertraut. So weise dieser Elf auch sein mochte, konnte er ihr keine Antwort auf ihre Frage geben, was die Flecken zu bedeuten hatte. Er hatte ihr die Karte in die Hand gedrückt und sie fortgeschickt, mit den Worten, dass sie sich auf die Suche nach Antworten begeben musste. Sie solle in der Wüste und der Stadt dort beginnen.
Bis sie die Wüste Sar erreichen würde, würden mindestens 10 Tagesmärsche vergehen. Und dann? Wenn sie dort war? Was sollte sie dann tun? Wen sollte sie aufsuchen? Wen um Rat fragen? Fragen überrannten sie, doch sie versuchte diese beiseite zu schieben. Sie wollte noch nicht darüber nachdenken. Und auch nicht darüber, dass die Stadt dort von Banditen nur so wimmelten. Angst machte sich in ihr breit und sie begann sich zu schütteln. Sie hatte keine Kampferfahrung, außer die, die sie mit ihrem Vater Rîhan sammeln durfte. Sie war nicht ungeschickt mit ihren sichelartigen Schwertern, hatte sie jahrelang damit trainiert. Doch einem richtigen Kampf hatte sie bisher nie ins Auge blicken müssen. Würde sie es überhaupt schaffen, gegen einen kräftigen Gegner anzukommen?
Fragen blickte sie an sich herab.
Die Halbelfe war von zierlicher Statur, bei 1,60Metern war dies nicht verwunderlich. Sie wog nicht sonderlich viel. Dennoch war sie stark. Zumindest stark genug, um ihren Vater im Kampf zu bezwingen, der gelinde gesagt ein Bulle von Mann war.
Xiara strich sich die feuerroten Haare aus dem Gesicht, die fast bis zu ihren Kniekehlen reichten. Ihre dunkelblauen Augen nahmen etwas nachdenkliches an. Tja, es war wohl an der Zeit ihre Kampfkünste unter Beweis zu stellen. Ein merkwürdiges Gefühl machte sich in ihr breit. War es die Lust auf Abenteuer? Nie hatte sie Estria verlassen. Nie hatte sie irgendetwas aufregendes erlebt. Und doch verfolgte sie der sehnliche Wunsch, einmal ein Abenteuer zu bestreiten, schon so lange. Getraut hatte sie sich nur noch nie.
Oft hatte sie von Helden gelesen oder gehört, die die Weiten Celcia's durchschritten hatten und ein Abenteuer nach dem anderen erlebten. Sie wollte auch so sein! Sie wollte die Welt erkunden! Sie wollte die Wesen dieser Welt kennen lernen, die Weiten erforschen. Kurz machte ihr Herz einen Sprung.
Doch erst einmal musste sie Rugta erreichen.

Xiara stapfte durch den hohen Schnee und atmete tief ein. Sie vermisste schon jetzt die kalte Luft, die durch ihre Lungen strömte und ein angenehmes Brennen in ihnen hinterließ. Wehmütig sah sie sich um, während sie das Eisreich durchschritt und der Grenze vom Eisreich zum Reich der Dunsthügel näher kam.

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4237
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Auf der Suche

Beitrag von Erzähler » Montag 29. August 2011, 23:44

In Estria war die Dunkelheit früh zugegen und Xiara verließ die Stadt im Schutze derselben. So traf sie beim letzten Lauf durch die Stadt auf keine in ihrer Gunst ganz unten stehenden Mengen von Leuten und auch keine Passanten, die an ihrer ungewöhnlichen Haarfarbe Anstoß nahmen.
Das Eistor war offen, aber nicht sonderlich bewacht. Ein junger Bursche, der sich an die Wand presste, um nicht allzu viel Wind abzubekommen, hielt nur halbherzig Ausschau nach draußen und ihn interessierte die Schwertkämpferin kaum, die an ihm vorbeilief. Ihr Pech, wenn sie sich in der Wildnis verirrte und erfror - noch bevor sie verhungerte. Doch anhand der knallroten Haaren – und er nahm natürlich an, dass sie gefärbt waren – würde man ihren Leichnam wenigstens finden.

[und es geht weiter im Eisreich - auf den Eisfeldern]
Bild

Antworten

Zurück zu „Die Eisstadt Estria“