Eleazars Elternhaus

Das elfische Wohnviertel wirkt schon selbst wie ein weiträumiger Palast. Dutzende schlossähnliche Häuser mit Zinnen und kleinen Rundtürmen, dazwischen gepflasterte Wege und breite Treppen aus Stein. Eine traumhafte Gegend, in der es sich wohnen lässt.
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Eleazars Elternhaus

Beitrag von Eleazar » Freitag 12. Oktober 2012, 16:09

Eleazar konnte kaum fassen, welchen Entschluss sie vor wenigen Augenblicken getroffen hatte. Ein Moment im pulsierenden Schlag der Gefühle hatte sich ihre ganze Sichtweise geändert. Ihr Herz drohte in der Brust zu zerspringen. Hin und her gerissen zwischen Angst, Vorfreunde und Sehnsucht musste Eleazar vor ihrer Haustür anhalten. Behutsam legte sie sich eine Hand auf ihre Brust, wo sie den schmerzenden Herzschlag fühlte. „Es kann nicht falsch sein“ flüsterte sie. Ein Windstoß löste ihren locker gewordenen Zopf, sodass ihre Haare nun auf ihre Schultern und ihr ins Gesicht fielen. Sie schloss die Augen und hielt einen Moment inne. Die Unruhe in ihr lies sich nicht fassen. Wie umher wehende Blätter in Sturm liefen ihre Gedanken kreuz und quer. Sollte sie hierbleiben, wo sie doch schon längst hätte gehen sollen. Ihre Mutter würde weinen, ihr Vater ihr das Vorhaben ausreden und Cailan... Würde er es ihr verzeihen, dass sie ihn nicht gesucht hatte? Palim wäre vielleicht zurück gekehrt, hätte es Esmara damals getan. Unwissend schlug Eleazar die Augen auf und strich sich die Haare aus dem Gesicht. Sie holte tief Luft um ihre Pflicht erfüllen zu können. Langsam öffnete sie die Tür und trat in das Haus ihrer Eltern ein.

Ihre Mutter war gerade dabei zu nähen und Fabienne half ihr. Ihre beste Freundin war öfters bei Isar um noch mehr über das Handwerk zu lernen. Es gab keine bessere Lehrerin als Eleazars Mutter. Eleazar musste schwer schluckend, als sie daran dachte, dass sie das friedliche Gesicht ihrer Mutter eine Zeit lang nicht sehen würde. „Eleazar, Liebling“ Isar hatte sie entdeckt „Ist dein Unterricht heute früher vorbei?“ Eleazar trat näher und sah schutzsuchend zu Boden. Wahrheitsgemäß nickte sie. Es war nämlich wahr, der Unterricht war heute früher vorbei. Isar kannte ihre Tochter nur zu gut und merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Ihre Tochter war ganz und gar nicht so wie immer. Sie bedeutete Fabienne mit der Arbeit aufzuhören und erhob sich von ihrem Stuhl. „Eleazar? Was ist los?“ Die junge Elfin hob den Blick und staunte, wie hübsch ihre Mutter heute wieder aussah und bereute es ihr einen so großen Schmerz zufügen zu müssen. „Mutter, ich werde gehen... „ Das letzte Wort flüsterte sie, sodass Isar näher kommen musste. Unsicher hielt sie die Hände vor ihrem Oberkörper und sah verwirrt auf ihre Tochter. „Wohin wirst du gehen? Spazieren?“ Traurig schüttelte Eleazar den Kopf. Isar erschrak und hielt sich die Hände vor dem Mund „Aber, du willst doch nicht..“ sie wollte diese grässlichen Worte nicht aussprechen. Fabienne trat nun auch vorsichtig näher. Die gefallenen Worte hatte sie gehört. „Du willst ihm folgen, nicht?“ Eleazar sah in die Augen ihrer Freundin und war beruhigt. Fabiennes Blick war nicht erschreckt oder gar vorwurfsvoll, wie der ihrer Mutter. Nein, ihr Blick war voller Hoffnung. Daran musste Eleazar denken, Hoffnung auf ein gutes Ende. „Fabienne!“ fauchte Isar, sodass Eleazar und Fabienne über die Intensität der Worte verwundert aufblickten „Sag nicht solche Worte, was fällt dir ein. Eleazar würde niemals so etwas dummes tun.“ Sie schluchzte und presste die Worte krampfhaft hervor „Sie würde ihre Familie nicht verlassen, sie würde niemals... nie..“ Die letzten Worte verschwanden in Eleazars Schulter, als diese ihre Mutter umarmte. „Fabienne, bitte geh doch meinen Vater aus der Backstube holen...“ Fabienne nickte und lies Mutter und Tochter allein. Behutsam strich Eleazar durch die Haare ihrer Mutter, die ihre Tränen nicht so leicht aufhalten konnte. Vielmehr lag es in ihrer Natur ihre Gefühle nach außen zu tragen. „Du sollst nicht traurig sein. Ich muss gehen, aber ich werde wieder kommen. Mutter, das ist eben das Schicksal, das ich ausgesucht habe. Verstehst du, er fehlt... wie kann ich in einer unvollständigen Welt leben?“ Isar seufzte und schaute auf. Ihre Augen waren ganz rot und auf ihren Wangen hingen noch die Tränen der Trauer. „Ich wusste, dass du gehst. Ich habe mich so vor der Zeit gefürchtet... mit jeden Tag, wurde die Angst größer..“

Eleazar wollte gerade etwas sagen, als die Tür aufsprang. Ihr Vater, Fabienne und Brodo stürmten herein. Soda ging direkt auf seine Tochter und umarmte sie. „Mein kleines Mädchen, passe gut auf dich auf.“ Isar schluchzte noch mehr als sie die Worte ihres Mannes hörte, denn sie bedeuteten, dass er seine Tochter nicht aufhalten würde. Ermüdet von der Trauer setzte sie sich auf einen Stuhl und versuchte ruhig durch zu atmen. „Danke Vater“ gab Eleazar von sich als Zeichen der Anerkennung, da er sie nicht aufzuhalten versuchte. Eleazar wandte sich an Brodo „Du hast mir gezeigt, was ich tun muss. Du hast mir schon früh beigebracht dem Leben entgegen zu treten. Ich will nicht mehr warten, ich muss was tun“ Brodo nickte „Wie wahr kleine Blume. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass du die in die Welt aufmachst. Ich habe dir viel beigebracht, doch das Wissen ist unendlich wie der Himmel, dort draußen wirst du noch viel mehr lernen. Mehr, als ich dir beizubringen vermache.“ Isar funkelte den alten Elfen böse an. Brodo zuckte nur mit den Schultern, als er das bemerkte „Isar, sei vernünftig. Sie folgt ihrem Herzen. Man muss auch immer etwas Gutes an den Sachen sehen“ Soda der alles beobachtete räusperte sich „Wo wirst du zu erst hingehen mein Kind?“ Eleazar schaute nachdenklich rein „Ich denke ich werde zuerst nach Neryan reisen, es ist nicht weit weg und dort kann ich vielleicht seine Familie ausfindig machen. Sein Bruder Damos lebt dort oder soll dort leben...“ Isar sprang auf „Und vielleicht ist Cailan dort wegen irgendetwas und du kannst ganz schnell wieder zurück kommen“ Eleazar nickte leicht, obwohl sie nicht daran glaubte, dass Cailan dort war. Wäre er das, wäre er schon längst wieder her gekommen. Ihre Mutter klatschte die Hände zusammen, da sie die leise Hoffnung barg, dass Eleazar binnen weniger Tage wieder zu Hause ist. „Soda bitte hole Proviant für Eleazar, Fabienne die braune Tasche, die wir geschneidert haben, du weißt doch, die aus dem braunen Leder. Sie ist zwar noch nicht gefärbt worden, doch erfüllt sie auch unhübsch ihren Zweck.“ Fabienne eilte los und schenkte Eleazar ein aufmunterndes Lächeln „Danke Mutter“ Isar nickte und ging Soda nach, um Proviant für Eleazar zusammen zu suchen. Brodo ging zu Eleazar und hielt ihr etwas hin. Ein kleines Päckchen, dass in einem weißen Baumwolltuch gehüllt war. Fragend nahm diese es entgegen und schaute es sich an. In dem weißen Baumwolltuch eingewickelt war eine alte Karte und ein Dolch. „Danke, danke Brodo“ Brodo schüttelte den Kopf „Du musst dich nicht bedanken. Es ist nur geliehen“ Er zwinkerte ihr zu „Da draußen ist es gefährlich, falls du Gefahr spürst, dann verstecke dich. Du wirst durch den Kapayu Urwald gehen müssen, passe auf, dass du dich nicht verläufst. Erinnere dich an die Stunden mit Cailan im Wald. Sobald du in einem Dorf kommst, kümmer dich um Proviant“ Eleazar nickte „Verstanden! Ich werde vorsichtig sein. Mit deiner Karte werde ich es auf jeden Fall einfacher haben.“ Beschwörend hob Brodo einen Finger „Das Wichtigste, was du dir merken musst, ist: Vertraue niemanden, keinem, hast du verstanden?“ Wieder nickte Eleazar und hielt Brodos Geschenk noch fester in den Händen. Isar, Soda und Fabienne kamen wieder zurück. Während Isar die Tasche mit Proviant füllte, nahm Soda seine Tochter zur Seite. „Hier, nimm das. Du wirst es gebrauchen, aber gehe bedacht damit um“ Soda gab Eleazar 100 Fuchsmünzen in einem kleinen Stoffbeutel „Und bitte passe gut auf dich auf!“ Eleazar sah ihren Vater liebevoll an und umarmte ihn zum Abschied „Ich bin bald wieder da“ Dann wandte sie sich zu Fabienne „Achte auf meine Mutter“ Fabienne nickte eifrig und fiel ihrer besten Freundin um den Hals „Das tue ich Eleazar und du kommst schnell wieder. Und wenn du Cailan mitbringst, dann ziehen wir ihm seine kümmerlichen neldorethischen Ohren lang“ Eleazar kicherte, Fabienne konnte sie schon immer zum Lachen bringen. Dann hieß es auch Abschied nehmen bei ihrer Mutter. Isar gab ihr die Tasche und umarmte sie „Seien Florencia und Phaun immer bei dir. Ich bin es in meinem Herzen.“ Eleazar gab ihr einen Kuss auf die Wange und wandte sich zur Tür. Kurz bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal um. Da standen sie. Ihre Familie, ihre Freunde, ihr bisheriges Leben. Fabienne, ihre beste Freundin. Mit ihr hatte sie eine glückliche Kindheit verbracht und konnte jedes Geheimnis mit ihr teilen. Sie würde immer ihre Freundin bleiben. Brodo, ihr Lehrer, der immer schon alle Hoffnungen in sie gesetzt hatte. All das Wissen Eleazars kam von ihm. Und ihre Eltern, die ihr beigebracht haben das Leben zu achten und zu lieben. Sie waren immer für Eleazar da und würden alles für sie tun. Ein Lächeln huschte über Eleazars Gesicht, als sie an all das Gute dachte, was zu Hause auf sie warten würde. „Wir sehen uns bald wieder“ Mit diesen Worten ging sie aus der Tür und machte sich auf den Weg ins ungewisse.

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Re: Eleazars Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. Oktober 2012, 22:53

„Wir sehen uns bald wieder“
Wie falsch diese Worte doch klangen, wie unpassend und kläglich in Anbetracht von Eleazars unerwarteten Abschied. Schließlich ließ sie ihre gesamte Familie zurück, ihre beste Freundin, den gütigen Lehrmeister, all die guten Seele, die ihr in all den Jahren zur Seite gestanden hatten. Sie hatten sie durch ihr ganzes Leben begleitet, von Kindesbeinen an waren sie Teil ihrer heilen Welt gewesen, einer Welt in der Leid kaum zu spüren war, wo Streit nie länger als Tage andauerte und sich stets durch gegenseitige Versöhnung wieder aufhob. Ja wahrlich, Shyána Nelle war ein Paradies auf Erden ein Ort des Friedens und der Geborgenheit, mehr noch - es war ihr Zuhause. Doch obwohl ihr ihre Heimat soviel bedeutete und sie der Gedanke, die Elfenstadt zu verlassen schmerzte, spürte sie doch tief in ihrem Inneren, dass es für sie die richtige Entscheidung war. Zu lange schon hatte etwas gefehlt - nicht etwas sondern jemand - jemand dessen Abwesenheit die Pracht des Paradieses zu schmälern schien und die all der Glückseligkeit um sie herum daran hinderte in ihr Herz einzudringen. Denn dieser Platz war schon längst von ihm eingenommen worden, von dem Mann auf dessen Suche sie sich nun machte. Fabienne hatte das sofort begriffen, hatte fast schon damit gerechnet dass Eleazar sich für diesen Weg entscheiden würde. Auch Brodo war nicht überrascht davon gewesen, schließlich kannte er seine kleine Blume schon ihr ganzes Leben lang, hatte sie aufwachsen und reifen sehen und obwohl es schon viele Jahre her war, so hatte er doch auch erfahren was Liebe war und wozu einem diese mystische Urkraft nicht alles beflügeln konnte. Und Eleazars Vater hatte ebenfalls ihre Entscheidung akzeptiert und sich ihr nicht in den Weg gestellt. Natürlich machte er sich Sorgen um das Wohlergehen seiner Tochter - doch war genau dies der Grund warum er sie auch ziehen lies. Soda konnte es nicht länger ertragen seine geliebte Tochter so zu sehen, in dunklen Gedanken gefangen und mit dem Schicksal hadernd, ohne ihr schlussendlich helfen zu können. Dies konnte sie nur selbst, das wusste er. Und ganz tief in ihren Herzen, wusste es Isar auch. Eleazars Mutter hatte am heftigsten reagiert, hatte es nicht zulassen wollen, dass ihr einzige Tochter, ihr Geschenk von Phaun und Florencia selbst, sich aufmachen wollte um sie zu verlassen. Wenn ihr etwas geschehen würde, wenn sie in Schwierigkeiten geraten würde... All diese finsteren Gedanken ließen sie nicht los und sie schien sich nur noch umso enger an ihre Tochter zu klammern. Doch schlussendlich hatte es auch sie eingesehen. Sie konnte Eleazar nicht aufhalten, sie wusste wie stur ihre Tochter sein konnte, wenn sie sich einmal in Ziel gesetzt hatte. Und wenn Isar sie schon nicht überzeugen konnte zu Hause zu bleiben, so wollte sie ihr doch zumindest etwas mitgeben, dass ihr auf ihrer Reise helfen konnte.

Als sie den Garten vor dem Anwesen ihrer Eltern durchquert hatte, blieb sie noch ein letztes Mal stehen und sah über die Schulter zu der Türschwelle hinüber, welche sie gerade vor wenigen Sekunden überquert hatte, in der Absicht sie eine für lange Zeit nicht mehr zu betreten. Dort standen sie alle versammelt, alle die sie einen Platz in ihrem Herzen hatten. Sie winkten ihr zu, jeder von ihnen mit anderen Emotionen in ihren Gesichtern. Eleazar erkannte Angst, Besorgnis und einen Anflug von Kummer, aber auch Ermutigung, Stolz und Zuversicht. Doch was in den Augen von jeden von ihnen geschrieben stand war das Versprechen, auf sie zu warten, bis sie zurückgekommen war, die stumme Versicherung, dass Eleazar nach ihrer Reise wieder ihren Platz in ihrer Mitte einnehmen können würde - egal wie es ihr auf der Suche nach Cailan auch ergehen würde. Ihr Anblick rührte Eleazar und fast war sie versucht wieder umzukehren und ihnen allen um den Hals zu fallen, denn wie konnte sie nur Freunde wie diese zurücklassen? Doch sie hatte ein Ziel vor Augen und ihr Beschluss stand bereits fest. Deshalb schenkte sie ihnen tapfer ein aufmunterndes Lächeln und wandte sich nun endgültig dem Weg vor sich zu, der von ihrem Haus wegführte. Sie schloss kurz die Augen und holte tief Luft. Dann ging sie, Schritt für Schritt weiter ohne weiter darauf zu achten was hinter ihr lag. Sie konzentrierte sich nur auf ihre Füße, setzte einen vor den anderen und bald schon hörten die Kniehe auf zu zittern und sie hatte wieder ihr Ziel vor Augen.

Während sie ging, strich ihre Hand mehrmals über die braune Ledertasche, die ihre Mutter ihr geschenkt hatte. Wie alles was sie je gefertigt hatte war es ein richtiges Kunstwerk, so fein waren die Stickereien und Muster in das glatte Leder eingearbeitet, dass sie das Fehlen einer exotischen Farbe gar nicht weiter kümmerte. Es tat gut zu wissen, dass diese Tasche allein für sie gemacht worden war, von ihrer Mutter und ihrer besten Freundin. Und nicht nur die Tasche war ein Geschenk an sie gewesen. All die Gaben, die sie zuvor erhalten hatte verwahrte sie in ihr auf, in ihrer direkten Nähe, griffbereit für den Moment, wenn sie über sie verfügen würde müssen. Das Wasser und der Laib Brot würden für drei, wenn sie sparsam damit umging möglicherweise noch mehr Tage lang reichen, doch würde sie mithilfe ihrer Orientierungsfähigkeiten die sie sich von Cailan abgeschaut hatte und der Karte, die ihr der gute Brodo gegeben hatte, in der Zeit bestimmt schon das Dorf ereicht haben. Dort konnte sie ihren Proviant wieder mit einem Teil des Geldes aufstocken, dass ihr Vater ihr ausgehändigt hatte. Den einzigen Gegenstand den sie mit gemischten Gefühlen entgegengenommen hatte, war der Dolch, der trotz all den schönen Schnörkeln und Verzierungen in Griff und Klinge einzig und allein dafür geschmiedet worden war um zu verletzen - und im Notfall um zu töten. Eleazar wusste, dass Brodo ihr die Waffe mitgegeben hatte um sicher zu gehen, dass sich die junge Elfe auch verteidigen konnte, wenn sie in Gefahr geraten sollte. Doch obwohl sie schon zuvor ein paar Mal in Übungen die Chance gehabt hatte Erfahrung mit dieser Art von Kampfwerkzeug zu sammeln, so war sie noch lange kein Experte darin - und richtig wohl hatte sie sich dabei niemals gefühlt. So hoffte sie, dass sie dieses eine Geschenk auf ihrer Reise nicht verwenden zu brauchen musste.

Die Sonne Stand hoch am Himmel und tauchte die ohnehin schon so prachtvolle Elfenstadt mit ihren warmen Strahlen in ein goldenes Licht, als Eleazar so durch die Straßen ging, in Richtung des Stadttors, dem Portal zwischen dem Paradies selbst und dem Urwald Kapayu, um den sich zahlreiche Legenden rankten. Auf ihrem Weg begegnete sie immer wieder Elfen, die sie freundlich grüßten und ihr ab und zu kleine Komplimente machten. Eleazar wunderte sich, wie sie wohl reagieren würden, wenn sie später erfahren würden, dass sie die Stadt verlassen hatte - vermutlich sogar für eine längere Zeit. Würden sie es verstehen? Vermutlich nicht. Die Leute hier waren so von den Göttern mit Glück und Freude gesegnet, dass sie praktisch blind für die Welt außerhalb der Stadtmauern waren. Warum auch sollten sie auch nur den Gedanken aufkommen lassen, länger als unbedingt nötig ihrer Heimat den Rücken zuzukehren? Hier hatte jeder alles was er brauchte, konnte frei wählen welchem Handwerk er nachgehen konnte, welches Talent es zu perfektionieren galt, oder welche Vergnügen er in seiner freien Zeit frönen sollte. Was konnte ihnen die Welt dort draußen nur bieten, wofür es sich lohnen würde all das hier aufzugeben.

„Ich glaube da hat jemand seine Wahl getroffen...“ Die gütige Stimme kam Eleazar sofort bekannt vor und als sie den Kopf hob, um sich umzusehen, erkannte sie, dass ihre Sinne sie nicht getäuscht hatten. Neben der Straße, auf einer einfachen hölzernen Bank saß Esmara und lächelte sie an. Neben ihr auf dem Boden stand ein kleiner, geflochtener Korb in dem Eleazar rötliche Beeren erkennen konnte, jedoch hingen sie noch vereinzelt an kleinen Zweiglein oder klebten mit ihrem hellen Saft an runden Blattstücken. Auf Esmeras Schoß ruhte eine grobe Holzschüssel in die sie, nachdem sie die einzelnen Beeren von jeglichem Blatt- oder Zweigwerk gereinigt hatte, hineinwarf. Sie klopfte auf den leeren Platz zu ihrer linken. „Komm Kindchen, sei doch so lieb und geh mir kurz zur Hand. Nebenbei kannst du mir gleich erzählen warum du so zielsicher in Richtung Tor unterwegs bist.“
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Re: Eleazars Elternhaus

Beitrag von Eleazar » Samstag 20. Oktober 2012, 15:20

Und erneut zuckte Eleazars Herz zusammen, erneut drohte der Turm aus selbstaufgebauten Mut, Naivität und Hoffnung zu zerspringe. Gerade erst hatte sie den schlimmsten Teil ihrer beginnenden Reise hinter sich gebracht, den Abschied. Nun musste sie erneut einer Person auf Wiedersehen sagen. Esmara war ihr immer lieb gewesen. Sie war für ihre Klugheit und Güte bekannt, doch was würde sie zu Eleazars Plan sagen. Was würde sie sagen, wenn sie wüsste woher ihre Entschlossenheit kam? Eleazars schaute schnell zu Boden und schluckte, dann nahm sie nochmal ihre ganze innere Stärke zusammen und widmete sich Esmara „Sei gegrüßt Esmara, du sorgst wohl wieder für Nachschub?“ Esmara war bekannt dafür, die Natur sich zu eigen zu machen. Ob Tee, Pasten oder Heilmittel oder, wie Eleazar vermutete, Haarfarben in den schillersten Farben. Besonders die jüngeren Elfinnen bitten Esmara darum. Eigentlich war es Eleazar egal, sie wollte nur weg, schnell weg. In ihrem Kopf hatte sie ihre Reise schon ein paar Mal beendet und sich das glückliche Ende vor Augen geführt. Doch wie könnte sie Esmara etwas abschlagen, daher setzte sie sich neben die alte Elfin und legte ihre Ledertasche ab.

„Dir entgeht nichts“ Behutsam nahm sie sich ein Zweig aus den Korb und hielt ihren Blick auf die Beeren. Sie war sich unsicher, sollte sie ihr die Wahrheit erzählen? Vielleicht hatte sie dann Schuldgefühle und fühlte sich schlecht. Das wollte Eleazar nicht, niemand sollte sich wegen ihr schlecht fühlen, niemand. Langsam fing Eleazar an die Beeren zu pflücken und hielt jede einzelnen zwischen ihren grazilen Finger und drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger, bevor sie diese in die Holzschüssel warf. Esmaras Blick brannte ihr aufs Gesicht. „Ich werde …. gehen Esmara“ Aus den Augenwinkeln traute sie sich, der Elfin einen Blick zu zuwerfen, doch in ihren Augen erkannte sie keine Regung. „Er ist schon so lange weg...“ Mit einem Seufzer widmetet sie ihren Blick wieder den Beeren zu. Es war unnötig seinen Namen auszusprechen. Es war unnötig überhaupt ein Wort zu verlieren, denn Eleazar sprach mit ihren Taten ganze Bänder. „Ich habe es gehört.“ flüsterte Eleazar, denn sie fürchtete, dass ihre nächsten Worte wie Messer in Esmara einstechen würden „Brodo hat mir erzählt, dass.. als... also damals...“ Vorsichtig schaute sie zu Esmara, diese hatte jedoch die Augen geschlossen und nickte. „Palim“ Ihr war so, als würde die alte Elfin bei diesen Namen zusammenzucken. „Ich habe versucht mein Herz zu sagen, dass es aufhören soll zu schmerzen“ Verzweifelt lächelte Eleazar „Aber so ist das mit dem Herzen, es hört nicht auf einen. Es geht nun mal nur anders herum. Ich habe Angst, was passiert, wenn ich warte“ Sie warf die letzte Beere in die Schüssel „Brodo sagte du hast es dir nie verziehen, Esmara. Dann begriff ich, ich will mir verzeihen können.“ Ihr Blick wanderte starr geradeaus.

Ein paar Elfen gingen spazieren. Sie grüßten in feinster Manier und Eleazar nickte ihnen zu. Es war seltsam, sonst hatte sie sich immer als einen Teil des Ganzen betrachtet. Doch so schön der heutige Tag auch war, nun schien sie nicht dazu zugehören. Shyána Nelle war ihr zu Hause, doch das musste sie nun verlassen, um sich nicht zu verlieren. So fühlte es sich an anders zu sein, einen Plan zu verfolgen. Brodo riet ihr schon früh einen eigenen Weg zu suchen und das tat sie. Daher wurde sie auch keine Schneiderin wie Fabienne oder ihre Mutter. Deswegen lernte sie Sprachen und kannte mehr über die Völker außerhalb als die meisten anderen Elfen hier. Ein paar junge Elfinnen gingen kichernd an ihnen vorbei, wahrscheinlich kamen sie gerade aus der Schule und würden nun zusammen etwas unternehmen. Ob sie jemals die Stadt verlassen werden? Eleazar dachte plötzlich daran, warum nur wenige Elfen die Stadt verlassen und bekam Angst. Hier war es sicher, es war schön, nahe zu perfekt. Da draußen war es gefährlich, dunkel und grau. Tiere, Menschen, andere Völker, voller Grausamkeiten. Bemitleidenswerte Kreaturen, die Harmonie und Glückseligkeit nicht kannten. Mit leichten Kopfschütteln befreite sich Eleazar aus den dunklen Gedanken. Sie durfte nicht noch länger warten, um nicht vollends den Mut zu verlieren. Sie war immerhin gerade erst ein paar Meter weit gekommen. Doch da war eine Frage, die ihr auf der Seele brannte und deren Antwort sie wissen musste. Nun schaute sie Esmara direkt in die Augen.
„Wie hälts du das nur aus?“

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Re: Eleazars Elternhaus

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 24. Oktober 2012, 23:48

Unter den weisen, wissenden Augen die auf ihr ruhten und ihr bis in die Seele hinein zu schauen vermochten, setzte sich Eleazar auf die Holzbank und leistete der alten Elfin Gesellschaft. Ihr war natürlich klar, dass das Beerenpflücken nur ein Vorwand war und es Esmera in erster Linie ging um mit ihr zu reden. Trotzdem war sie dankbar für die Beschäftigung denn es tat gut ihren schlanken Fingern beim Arbeiten zuzusehen, einfache Abfolgen von Handgriffen zu wiederholen, während sie spürte wie die aufbrausenden Gefühle und Gedanken in ihrem Kopf allmählich ruhiger wurden. Natürlich verstummten sie nicht gänzlich, dafür war sie im Moment viel zu aufgeregt, doch half es ein wenig dabei Ordnung in dem wirren Chaos zu schaffen und wieder ihr Ziel ins Auge zu nehmen. Esmara drängte sie zu nichts und so vergingen einige Sekunden in denen sie beide nur dasaßen und Beeren aussortierten. Die Alte gab Eleazar genug Zeit, sich ihre Worte gut zu überlegen und sie in Gedanken abzuwägen während sie sie von der Seite musterte. Es machte Eleazar leicht nervös doch war es nicht böse gemeint sondern genau der kleine Anstoß den sie brauchte, um Esmera ihr Herz zu öffnen.

Als Eleazar schließlich zu sprechen begann, zögerlich und bedacht, hatte sie Esmaras volle und ungeteilte Aufmerksamkeit, die auch nicht von den vereinzelt vorbeigehenden Passanten gestört wurde. Neben dem Geräusch der auf dem hölzernen Schüsselboden aufschlagenden Früchten weite die junge Elfin Esmara knapp in ihren Plan ein und erwartete fast von ihr unterbrochen und kritisiert zu werden, doch geschah das nicht. Esmara wusste sehr wohl, dass es ihre Worte gewesen waren, die Eleazar zu diesem Entschluss gebracht hatten. Sie hatte einen Keim in ihr Herz eingepflanzt, einen Samen der Hoffnung der schon zu sprießen begann, als sie den Wald verlassen hatte um Brodos Unterricht zu besuchen. Esmara kante die Elfe nun schon ihr ganzes Leben lang, sie war es, die Eleazar das erste Mal in den Armen gehalten hatte, die erste die ihren Blick auf sich gezogen hatte. Sie konnte sich noch sehr gut an jene Nacht erinnern, der Festnacht des neuen Anfangs, in der zwei frisch gebackene Eltern mitsamt ihres neugeborenen Kindes den Palast der Königin betraten hatten. Sie war dabei gewesen, doch nicht wegen des Festes wegen. Sie hatte schon vielen Müttern durch die Wehen geholfen und nicht wenige Elfen die nun in Shyana Nelle lebten, hatte sie mit ihrer Hilfe zur Welt gebracht. In Wahrheit hatte sie Eleazar nie ganz richtig aus den Augen gelassen, hatte sich schon seit ihrer Kindheit für ihren Werdegang interessiert. Mit einer Art wohlwollenden Stolz hatte sie aus dem Schatten mit angesehen, wie sie fremde Sprachen lernte und meisterte, wie sie die Schneiderkunst zu schätzen und anzuwenden lernte - und wie sie sich in Cailan, einen Fremden verliebt hatte. Esmara war nicht überrascht Eleazar aufbruchsbereit und entschlossen zu sehen - sie hatte nichts anderes von ihr erwartet.

„Ich habe es gehört.“ Die alte Elfin, immer noch Beeren pflückend, runzelte leicht die Stirn, fragte aber nicht nach sondern wartete darauf, dass Eleazar sich erklärte. Eine leise Vorahnung, wie sie Wesen mit ihrer großen Anzahl an Jahren und Lebenserfahrung häufiger hatten, ging durch ihren Kopf und sie schloss kurz die Augen. „Brodo hat mir erzählt, dass.. als... also damals...Palim“ Sie zuckte leicht zusammen als sie diesen Namen hörte, diesen Namen den man in ihrer Gegenwart höchst hinter vorgehaltener Hand in das Ohr eines anderen Elfen raunte, eines alten Elfen, denn nur wenige hier zählten die benötigte Anzahl von Jahren um sich an die Trägerin dieses Namens zu erinnern. Nach einem kurzen Moment öffnete Esmara die Augen und sah Eleazars verzweifelte Miene. Kurz sah sie auf ihre Hände und bemerkte die zerdrückten Beeren in ihrer Handfläche. Der Saft der aus ihnen heraustrat sah fast so aus wie Blut. Während Eleazar ihr Leid schilderte zog die alte Elfe ein feines Tuch aus ihrer Seitentasche und reinigte ihre Hände damit, dann stellte sie die Schüssel neben sich auf die Bank.

Sie suchte Eleazars Blick und wich ihm auch nicht aus, als sie die Frage stellte, die sie sich selbst oft stellte. In den ruhigen Stunden, den einsamen Stunden. Den Stunden, in denen man selbst im Paradies von Shyana Nelle, in der Vergangenheit schwelgt. „Die Nacht in der mich Palim verlassen hat, war nicht der schwärzeste in meinem Leben.“ Sie sah in die Ferne während Eleazar neben ihr die Schüssel wegstellte. Dann sah sie zu ihr und ihre Blicke trafen sich. „Damals hatte ich nämlich noch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sie wieder zurückkehren würde und sie und ihre Mutter sich wieder vertragen würde...so wie sie es schon so oft getan hatten.“ Ihre Stimme veränderte sich drastisch, die angenehme Ruhe schwand aus ihr und hinterließ Wehmut und Bedauern, das so gar nicht zu ihr passen zu schien. „Jeden darauffolgenden Tag habe ich sie an meiner Tür erwartet, war bereit ihr alles gesagte zu verzeihen.“ Die Elfin wischte immer noch mit dem Tuch an ihren Händen herum, obwohl ihre Handflächen schon längst sauber waren. „Mehr als einmal habe ich eine Reisetasche mit dem Nötigsten zusammengepackt und wollte ihr hinterher, dort hinaus in die Welt, von der ich ihr erzählt habe, dass sie so böse und hinterlistig ist, sie in Sicherheit wiegen und im entscheidenden Moment zuschlagen wird. So oft wollte ich sie suchen...“ Mit dem Kopf nickte Esmara zu dem Stadttor, dass von der Stelle an der sie beide saßen schon zu sehen war. „Nur um dann im letzten Moment aufgehalten zu werden. Von besorgten Eltern, deren Kinder einen schlimmen Husten hatten, von Jägern, die sich bei der Jagd verletzt hatten und von schwangeren Frauen, die um meine Dienste bei der Geburt baten.“ Sie schaute wieder zu Eleazar. „Verstehst du Kindchen? Ich konnte hier einfach nicht weg. Die Leute brauchten mich, brauchen mich immer noch.“ Die Bitternis in ihrer Stimme klang so ungewohnt, anders als alles was Eleazar je in einer Stimme mitschwingen gehört hatte. Sie erzählte von einer Erfahrung, die sie, in ihren jungen Jahren, unmöglich hätte machen können. „Aber weißt du wofür ich mich schäme Eleazar?“ So direkt von ihr angesprochen zu werden erschreckte sie ein wenig. „Immer als ich im letzten Moment aufgehalten worden bin, war ich ganz tief in mir drinn erleichtert darüber. Habe mich darauf vertröstet, dass sie immer noch genau so gut zurückkehren könnte...obwohl ich wusste, dass es nicht so sein würde. Ich...hatte einfach zu viel Angst das alles hier zurückzulassen...“

Das plötzliche Eingeständnis schien Eleazar zu schockieren, doch die alte Elfin war noch nicht fertig. „Ich erzähle dir das Kindchen, nicht um dir deine Entscheidung zu bestätigen, genau so wenig um sie zu verwerfen.“ Sie seufzte und das gütige Lächeln trat wieder auf ihr Gesicht. „Es ist deine Entscheidung was du tun wirst, allein deine. Ich weiß, dass du Cailan liebst, genauso wie ich weiß, dass er dich liebt. Zu sehr, um dich ohne triftigen Grund für so lange Zeit zu verlassen.“ SIe griff nach ihrer Hand und drückte sie leicht. „Nur kann es sein, dass du während deiner Reise deine Entscheidung bereuen wirst, Shyána den Rücken zugekehrt zu haben. Genauso wie du es bereuen könntest, hier zu bleiben.“ SIe sah sie für einen Augenblick sehr ernst an und Eleazar dachte über Esmaras Worte nach. Dann setzte sie jedoch noch etwas hinzu, was sie wiederum bestärkte und an ihren Plan glauben ließ. „Aber für welchen Weg du dich auch entscheidest mein Kind. Es gibt immer Hoffnung.“
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Re: Eleazars Elternhaus

Beitrag von Eleazar » Donnerstag 15. November 2012, 23:48

Gebannt beobachtete Eleazar ihre alte Freundin und konnte kaum glauben, welche Worte ihr da aus dem Mund entschwanden. Sie hatte sich überlegt wie Esmara nur ihre Tochter hatte gehen lassen können, ohne nach ihr zu suchen. Es war schwer in Esmara etwas zu zu finden, was dieses Verhalten hätte erklären können, doch da gab es nichts. Nun war Eleazar auch klar, warum nichts zu finden war, es gab nichts, zumindest nicht viel. Die ganzen Jahre hatte sie nie gemerkt wie sehr die alte Frau doch eingenommen wurde. Stand eine Geburt an, so wurde sie gerufen. War jemand krank, schickte man ihn sofort zu Esmara. Hatte man ein Anliegen, dass mit ein paar Kräutern und viel Wissen erledigt werden konnte, so wandte man sich an Esmara. Wie eine Schlange krochen die Schuldgefühle in ihren Verstand hinein und Eleazar musste zu Boden schauen, da sie sich schämte. Sie hatte nicht nur falsch über Esmara gedacht, sondern die ganzen Jahre nie gemerkt wie egoistisch sie doch war. Sie selbst war oft genug bei Eleazar um sie um die nichtigsten Kleinigkeiten zu bitten. So viel Hilfe hatte sie schon von der alten Elfin erhalten, und sie selbst? Wer half denn Esmara? Damals ist niemand losgelaufen und hatte ihr geholfen Palim zu finden. Doch vielleicht ist dies einfach so im Paradies. Wer geht der geht und es wäre nicht in Sinne des Götterpaars andere zu zwingen, ebenfalls die schützenden Mauern der Stadt zu verlassen. „Es tut mir leid, Esmara“ Immer noch mied sie den Blick, den ihr Herz schmerzte. „Ich wünschte du hättest gehen können...“

Langsam stand Eleazar auf und hielt ihre Tasche fester den je, denn sie hatte Angst. Esmara hatte Recht, keiner konnte ihr sagen, ob das was sie tat richtig war oder falsch. Nachdenklich lies sie ihren Blick über die Straßen gleiten. Ihr zu Hause. Jeden Augenblick, den sie länger blieb, lies den Abschied schwerer werden. Würde es ihr wirklich leid tun, gegangen zu sein? Es war ein zweischneidiges Schwert. Es gab kein richtig oder falsch. Doch wie Esmara es ausdrückte, gab es immer Hoffnung. Farblos wie die Luft, beständig wie die Erde, kraftvoll wie das Feuer und wie des Wassers Strom, der einen einfach mitzog, ob man wollte oder nicht. Es war keine Entscheidung mehr für Eleazar, den ihr Herz hatte diese schon längst gefällt. „Ich habe dich schon so oft um etwas gebeten, dass ich mich schäme es noch einmal tun zu müssen. Sie drehte sich zu Esmara um „Pass bitte auf Mutter auf..“ Zum Abschied umarmte Eleazar die Alte und versprach ihr in ihrem inneren nach Palim Ausschau zu halten. „Ich werde wiederkommen.“ Nun lächelte Eleazar. „Vielen Dank Esmara, deine Worte sind Balsam für die Seele. Ich werde mein zu Hause auf jeden Fall vermissen, doch ich weiß, ich kann immer zurück kommen. Außerdem habe ich auch gar nicht vor solange weg zu bleiben“ Ein kindliches Kichern huschte aus Eleazar heraus und sie sah verlegen zu Boden. „Also, ich werde nun gehen.. ich will als erstes zu Cailans Dorf reisen und ich will keine Zeit mehr verlieren.“ Mit diesen Worten verabschiedete sie sich endgültig von Esmara und war froh sie noch getroffen zu haben. Nun wurde es aber Zeit die Reise anzutreten. Der Weg würde schon beschwerlich genug werden, da konnte sie es sich nicht leisten von der Dunkelheit überrascht zu werden. Cailan hatte ihr oft erzählt, dass der Wald nachts ein anderer ist, als am Tag. Er war gefährlicher und tückischer. Nach einen letzten Blick setzte sich Eleazar in Bewegung und schritt entschlossen Richtung Stadttor. Beim Vorbeigehen versuchte sie so viel wie möglich von Shyána Nelle in sich aufzunehmen. Sie wollte dieses schützende Gefühl für immer bei sich behalten.

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Re: Eleazars Elternhaus

Beitrag von Gestalt » Sonntag 18. November 2012, 20:42

Esmara legte beschwichtigend eine Hand auf Eleazars schmale Schulter. Es war nicht ihre Absicht gewesen, die junge Elfe mit ihrer eigenen schmerzhaften Vergangenheit zu belasten, hatte sie doch selbst für ihr junges Leben schon genug Kummer. Sie war gerade dabei ihren Platz im Leben zu finden und ein so wichtiger und grundlegender Baustein ihrer Zukunft war ihr abhandengekommen, dass sein Fehlen es ihr nicht mehr ermöglichte weiterzustreben, bis sie die Gewissheit über sein Verbleiben erlangt hatte. Ein Großteil der Elfen würde ihren überstürzten Aufbruch nicht verstehen. Esmara konnte sich nur zu gut vorstellen, wie die stolze Isar über das Vorhaben ihrer Tochter bestürzt gewesen war, doch schien sie schließlich nachgegeben haben und sie im Guten gehen lassen, denn die kunstvolle Tasche an ihrer Seite hatte sie zuvor noch nie an ihr gesehen. Sie vermutete dass Brodo und Soda die Wichtigkeit und die Bedeutung der Reise für Eleazar erkannt und ihre Mutter so überredet hatten, genau wusste sie es aber nicht. Esmara war froh, dass ihre Familie und Freunde die Wahl der Elfe akzeptiert hatten und natürlich war es auch sie, denn sie wollte nur dass Eleazar glücklich war. Auch wenn das bedeutete, dass sie den Ort, der für viele das Paradies, der Himmel auf Erden war, verlassen musste.

Wie der Moment des Abschieds gekommen zu sein schien, erhob sich die alte Elfe und legte sacht den Arm um die noch heranwachsende, doch schon so erwachsen wirkende Frau. „Es braucht dir nicht Leid tun Kindchen. Ich habe mich für euch entschieden, für dich und alle anderen die hier meine Hilfe brauchen. Das war meine Entscheidung und ich stehe zu ihr, selbst wenn es manchmal schwer ist.“ Die freundlichen, warmen Augen sahen in ihre und spendeten ihr Trost. „Und du musst zu deiner stehen Eleazar. Suche Cailan und lass dich nicht durch Zweifel von deinem Weg abbringen.“ Sie trat einen Schritt zurück und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. „Sorge dich nicht um Isar, sie ist eine sehr starke Frau. Genau wie ihre Tochter...“ Esmara wusste, dass solange Eleazar nicht zu Hause war, ihre Mutter sich große Sorgen machen würde. Sie liebte ihr Kind über alles und machte sich bestimmt schon Vorwürfe, sie so schnell gehen gelassen zu haben. Doch das sollte ihre Sorge sein, nicht die von Eleazar.

Als die junge Elfe ihre Vorgehensweise mit ihr teilte, hörte Esmara ihr aufmerksam zu. Sie war stolz auf Eleazar, auf ihre Entschlossenheit und den Ehrgeiz, der in ihrer Stimme mitschwang. Solange sie diese Einstellung auf ihrer Reise aufrecht erhielt, konnte sie so schnell nichts von ihrem Vorhaben abbringen. „Dann will ich dich nicht länger aufhalten Kindchen. Pass auf dich auf und lass nie dein Ziel aus den Augen. Die Welt da draußen mag zwar eine andere sein, aber solange du die Hoffnung nicht aufgibst, kann sie dir nichts anhaben.“ Nachdem sie ihr die letzten Ratschläge mit auf den Weg gegeben hatte, wandte sich die tapfere Elfe um und ging in Richtung Tor, dabei ihre Heimat zu verlassen. Für wie lange, das wussten nur die Sterne. Esmara stand noch einige Zeit da, sah ihr gedankenversunken nach. „Viel Glück Eleazar.“ Ihr Murmeln war für keinen anderen als für sich selbst bestimmt. „Ich hoffe die Götter verzeihen mir, dass ich dir nicht alles erzählt habe...“ Dann nahm sie den Korb und die Holzschüssel mit den Beeren von der Bank und machte sich auf den Weg nach Hause.

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