Shyréa

Längst unbekannte ehemalige Rassen haben in den Tiefen des grünen Rankenwaldes Götter verehrt, die mit ihnen verschwunden sind. Doch ein Tempel steht noch. Birgt er Schätze oder Gefahren? Niemand weiß es, doch die, die loszogen, kehrten nicht zurück.
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Maruka
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Donnerstag 4. Oktober 2018, 09:24

Stian und Erida wechselten einen bedeutungsschwangeren Blick und die Heilerin sagte:
„Ich glaube ihr … so verrückt es klingt, ich glaube ihr...“
DANKE!
, war Marukas einfache Empfindung.
„... Es ist deine Entscheidung, Stian, aber ich glaube es könnte helfen. Wenn nicht uns, dann vielleicht denen, die in der Zukunft dem bösen gegenüberstehen.“
Der Inquisitor betrachtete Maruka noch eine Weile nachdenklich, dann nickte er zögerlich.
„Kaîr ist der Mann, den wir verfolgen. Er hat ein mächtiges Artefakt gestohlen und ist hierher geflohen … oder auch gezielt gegangen. Bedenkt man, wie gut er auf das, was ihm hier begegnete, reagierte, wohl eher letzteres....“
Anscheinend war er eine Zeit lang mit ihnen zusammen...
„Erida und ihre Gefährten waren bereit, mich auf dieser Suche zu begleiten. Auf … auf meiner Queste....Wäre nicht mein Versagen gewesen, er hätte es nie bekommen. Deswegen habe ich es zu meiner Aufgabe gemacht, ihn aufzuhalten.“
Scham und Reue wanderten über seine Züge, er schloss die Augen und schüttelte den Kopf. In seinen Blick kehrte Entschlossenheit zurück.
Ich kenne das Gefühl, etwas wieder gut machen zu wollen und er ...benimmt sich wie ein Tapferer.
„Aber das ist eine andere Geschichte...“
...die ich gerne einmal hören würde.
„ … das Artefakt ist ein Amulett. Eine kleine, metallene Phiole, über und über mit Runenschrift überzogen. Es ist eingefasst in ein kleines eisernes Rad und hängt an einer eisernen Kette. Man kann damit Dämonen fangen und kontrollieren – wenn der Magier stark genug ist – wie genau das funktioniert, kann ich dir nicht sagen. Ich schätze die kurze, unbefriedigende Antwort ist: Magie. ...Kaîr hat alle Templer, die das Amulett bewachten, getötet und es gestohlen...“
Oh oh... waren das seine Freunde?
Da Maruka Begriffe wie Inquisitoren oder Templer nicht geläufig waren, ging sie einfach von Freunden aus.
„... Sein Weg führte ihn direkt ins Herz des Kapayu und er war uns stets einen Schritt voraus. Wir wussten nichts über diesen Ort, bis wir dem Wächter begegnet sind. Nachdem wir ihn überzeugt hatten, dass wir ihm helfen wollten, verriet er uns von diesem bösen Ort, den er bewacht, und warnte uns, dass ein düsterer Geist hier wohnt, der, wenn Kaîr ihn findet, die Dinge ungleich schlimmer machen würde. Deswegen hoffen wir, ihn zu finden, bevor er noch größeres Unheil anrichtet … aber mit Sryella in diesem Zustand hege ich die Befürchtung, dass unsere Chancen gerade erheblich abgenommen haben. Sie ist … unsere Expertin in Sachen Dämonen.“
Er verzog dabei den Mund, so als hinterließ der letzte Satz einen bitteren Geschmack auf seiner Zunge. Syrella lachte kalt.
„Keine Angst, ich werde schon wieder, Morgenstern.“
, grollte sie und fuhr sich etwas fahrig mit der Hand übers Gesicht. Dann nahm sie einen Schluck aus einer Wasserflasche und reichte diese dann an Maruka weiter.
Hier versteckt sich sicher auch eine interessante Geschichte, die ich zu gern hören würde.
, dachte Maruka und musterte die Frau in Schwarz neugierig.
Erida wartete noch ab, bis nun auch die Hybridin einen Schluck genommen hatte und sagte dann:
„Lass mich dir mit den Kopfschmerzen helfen.“
Maruka rückte näher und Erida griff ihr seitlich an die Schläfen und schloss konzentriert die Augen. Ein Kribbeln entstand wo Eridas Finger lagen und zog immer weitere Kreise bis es ihren gesamten Schädel erfasste. Dann brach es plötzlich ab und der Schmerz war verschwunden. Erida nickte zufrieden und löste ihre Hände.
Hui, tolle Fähigkeit! ...Kopfschmerz weg....und ich bin immernoch hier. Ist das gut? Ist das schlecht? Ich weiß nicht.
, dachte sie erleichtert.
„Was die Zeitreise betrifft … ich glaube, niemand hier hat Erfahrung damit und könnte dir wirklich sagen, ob es eine ist, oder nicht. Ich persönlich habe sie immer für unmöglich gehalten. Aber wo ich mir ganz sicher bin, ist, dass dein Hiersein einen Grund haben muss. Einer, der hoffentlich zu deinen und unseren Gunsten ist. Du sagst, dass da ein Nekromant etwas böses losgelassen hat?“
Maruka nickte eifrig.
„... Vielleicht ist es uns gelungen, den Dämonenbeschwörer auf zu halten, aber das Böse ist noch immer hier? Oder wir waren nur teilweise erfolgreich und konnten es … ihn … nur … nun … ‚verbannen‘ aber nicht auslöschen? Vielleicht hat der Nekromant unsere Arbeit zunichte gemacht, ich weiß es nicht – für uns ist es noch nicht passiert. Vielleicht wird dir etwas, dass wir hier tun, helfen, in der Zukunft erfolgreich zu sein. Es ist jedenfalls gut zu hören, dass der Wächter sich wieder erholt hat.“
Stian saß grübelnd da und murmelte vor sich hin.
„Ja, möglicherweise wollte jemand eine wichtige Information weiter geben …“
Maruka hatte aufmerksam zugehört, aber bei dem Gedanken, dass „Jemand“ ausgerechnet SIE hier her geschickt hatte um Informationen zu beschaffen und durch die Zeit zu tragen, fiel ihr nur eins ein:
„TOLL! Und das mir, und meinem drei Sekundengedächtnis!!!“
Sie hatte deutlich sarkastisch geklungen, schüttelte sich aber dann und atmete tief durch. Es brachte nichts, mit den Aufgeben zu hadern, die einem das Leben stellte. Das Schicksal kam und nahm sich das, was es wollte und die lebenden Wesen der Welt hatten tapfer zu kämpfen mit den Umständen klar zu kommen. Das war nun mal das Leben. Und Maruka war einst eine jener Tapferen gewesen und trug noch immer die Einstellung ins sich, dass sie um jeden Fingerbreit Raum im Leben kämpfen würde. Also straffte sie die Schultern und sah ernst in die Runde. Sie sah von einem zum Anderen, versuchte sich Einzelheiten einzuprägen und auf jedes Detail fortan zu achten. Aber insgeheim wusste sie auch, viel würde sie wieder vergessen. Zu hoffen blieb, dass es nichts wichtiges sein würde. Wie sie so die Anderen betrachtete fragte sie:
„Ihr kennt nun meine Geschichte. Ich kenne eure noch gar nicht. Ich denke, wenn ich mehr über auch weiß, kann ich vielleicht besser die Zusammenhänge verstehen, wenn es darauf ankommt. Ich kenne ja nicht mal alle Namen...“
Aufmerksam sah sie in die Runde und auch die beiden abseits stehenden Wächter beäugte sie neugierig.
„Wie wird man Experte für Dämonen und was ist Inquisitos? Was sind Templer? Wo kommt ihr her und was hat euch zusammen gebracht? Kanntet ihr euch schon vorher? Wichtig, wie steht ihr zueinander? Und... ...und es wäre gut zu wissen, was genau ihr nun vor hattet...habt.“
Nur für den Fall, dass ich euch an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte verliere, oder so. Vielleicht holt mich Manthala wieder ab, oder ich wach irgendwo auf, oder Revien küsst mich wach... ach ja, das wäre schön... nicht träumen, MARUKA! Reis dich zusammen! Konzentration! Warum auch immer du hier bist, es ich wichtig! Es könnte später Revien das Leben retten... oder mir selbst.
Das ganze „Warum“, „Was wenn“ und „Könnte, wäre, vielleicht“ muss weg!
Maruka schüttelte sich, putzte noch einmal über ihre Handgelenke. Diese Handlungen kamen aus ihren Instinkten und wirkten beruhigend. Sie tat sie nicht bewusst. Es war ein einfacher Drang, dem sie nachgab, aber sich dann manchmal noch ein bisschen dafür schämte. Zumal sie gerade vor Fremden saß und aufmerksam wirken wollte. Etwas peinlich berührt, klemmte sie dann ihre Hände unter die Arme, verschränkte sie so vor der Brust und lauschte. Das klappte aber nicht lange, genauer gesagt, eben nur drei Sekunden lang, dann begann der Schwanz hin und her zu schlagen, so dass sie die Hände wieder löste und den Schwanz fest hielt. Während sie zu hörte, fing sie dann geistesabwesend an, eben jenes Körperteil zu putzen.

Irgendwann zwischendurch,sofern die Situation es ergab, wollte sie noch etwas fragen:
„Mich beschäftigt da leider doch noch was und vielleicht habt ihr ja eine Idee dazu?... Wenn ich vielleicht so eine Art...Beobachter in der Geschichte bin... meint ihr...ich könnte überhaupt etwas verändern? Oder habe ich dann schon etwas verändert, weil ich einfach nur hier bin? Hat das überhaupt Auswirkungen? Wenn ich hier etwas irgendwo hin male, wird das in meiner Realität dann auch da sein? Oder ist es vielleicht schon da, weil ich jetzt gerade daran denke, es aber noch gar nicht gemalt habe? Das ist alles so verwirrend!“
Ich hab doch gesagt, dass ganze „Warum“, „Was wenn“ muss weg! Warum denkst du wieder drüber nach?... Weil... weil ich doch helfen will und es mir einfach nicht liegt, nichts tun zu können! Ich würde gern etwas tun können. Ich hab einfach Angst etwas zu vergessen oder etwas falsch zu machen. Wenn ich etwas verändern könnte, könnte ich mich selbst vielleicht warnen oder an etwas in der Zukunft erinnern... Du bist anstrengend!
Innerlich streckte die Menschenfrau der Bestie die Zunge raus. Einmal mehr lagen Instinkt und Menschlichkeit nicht ganz auf einer Wellenlänge, aber das war vielleicht auch einfach den besonderen Umständen zuzuschreiben. Rein äußerlich wirkte es vielleicht ein bisschen so, als träumte sie mal wieder, oder sie putzte sich mal wieder als „Ersatzhandlung“.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Samstag 13. Oktober 2018, 17:03

Maruka hatte aufmerksam zugehört, aber bei dem Gedanken, dass „Jemand“ ausgerechnet SIE hier her geschickt hatte um Informationen zu beschaffen und durch die Zeit zu tragen, fiel ihr nur eins ein:
„TOLL! Und das mir, und meinem drei Sekundengedächtnis!!!“
Sie hatte deutlich sarkastisch geklungen, schüttelte sich aber dann und atmete tief durch. Es brachte nichts, mit den Aufgeben zu hadern, die einem das Leben stellte. Das Schicksal kam und nahm sich das, was es wollte und die lebenden Wesen der Welt hatten tapfer zu kämpfen mit den Umständen klar zu kommen. Das war nun mal das Leben. Und Maruka war einst eine jener Tapferen gewesen und trug noch immer die Einstellung ins sich, dass sie um jeden Fingerbreit Raum im Leben kämpfen würde. Also straffte sie die Schultern und sah ernst in die Runde. Sie sah von einem zum Anderen, versuchte sich Einzelheiten einzuprägen und auf jedes Detail fortan zu achten. Aber insgeheim wusste sie auch, viel würde sie wieder vergessen. Zu hoffen blieb, dass es nichts wichtiges sein würde. Wie sie so die Anderen betrachtete fragte sie:
„Ihr kennt nun meine Geschichte. Ich kenne eure noch gar nicht. Ich denke, wenn ich mehr über auch weiß, kann ich vielleicht besser die Zusammenhänge verstehen, wenn es darauf ankommt. Ich kenne ja nicht mal alle Namen...“
Aufmerksam sah sie in die Runde und auch die beiden abseits stehenden Wächter beäugte sie neugierig.
„Wie wird man Experte für Dämonen und was ist Inquisitos? Was sind Templer? Wo kommt ihr her und was hat euch zusammen gebracht? Kanntet ihr euch schon vorher? Wichtig, wie steht ihr zueinander? Und... ...und es wäre gut zu wissen, was genau ihr nun vor hattet...habt.“
Nur für den Fall, dass ich euch an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte verliere, oder so. Vielleicht holt mich Manthala wieder ab, oder ich wach irgendwo auf, oder Revien küsst mich wach... ach ja, das wäre schön... nicht träumen, MARUKA! Reis dich zusammen! Konzentration! Warum auch immer du hier bist, es ich wichtig! Es könnte später Revien das Leben retten... oder mir selbst.
Das ganze „Warum“, „Was wenn“ und „Könnte, wäre, vielleicht“ muss weg!


Syrella nickte verständnisvoll und begann die Anwesenden vorzustellen.
„Erida, unsere Wassermagierin und Heilerin,“
Sie deutete auf die Frau neben sich.
„Und mich, Syrella, kennst du bereits. Orléan …“
Sie deutete auf den ‚Diener‘.
„Ist unser Spezialist für hrmm … verdeckte Operationen. Derzeit Wache hält Anselm von Trollbruch, der große Rothaarige Krieger. Wenn du ihn einmal nicht aus der Ferne siehst, wirst du sehen, dass er ein paar zu viele Waffen bei sich trägt – er ist gern für jeden Fall ausgerüstet. Und ebenfalls Wache hält Borgon, der einzige Zwerg unserer Runde, er hat ein Händchen für mechanische Dinge und ist ein helles Köpfchen.“
Sie leckte sich einmal über die Lippen und musterte Maruka für einen Augenblick forschend.
„Expertin für Dämonen wird man, wenn man Ritualmagier ist.“
Stian verzog den Mund als sie dies feststellte. Möglicherweise war diese ‚Ritualmagie‘ der Grund für die Aversion zwischen Beiden. Dieser sprach jetzt:
„Ein Inquisitor, genauso wie ein Templer, ist ein Anhänger Lysanthors und Mitglied dessen Kirche. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das böse in dieser Welt zu bekämpfen und vernichten, wo es nur geht.“
Stian warf einen weiteren leicht verstimmten Blick in richtung Syrella, die überraschenderweise grinste um ihm die Zunge heraus zu strecken, was ihn die Augen rollen ließ und bei Erida ein überraschtes Lachen auslöste.
„Nachdem das Artefakt gestohlen wurde, hat mein Lehrmeister und Mentor mir nahe gelegt mit Erida zu sprechen, um mir bei der Suche zu helfen.“

Maruka schüttelte sich, putzte noch einmal über ihre Handgelenke. Diese Handlungen kamen aus ihren Instinkten und wirkten beruhigend. Sie tat sie nicht bewusst. Es war ein einfacher Drang, dem sie nachgab, aber sich dann manchmal noch ein bisschen dafür schämte. Zumal sie gerade vor Fremden saß und aufmerksam wirken wollte. Etwas peinlich berührt, klemmte sie dann ihre Hände unter die Arme, verschränkte sie so vor der Brust und lauschte. Das klappte aber nicht lange, genauer gesagt, eben nur drei Sekunden lang, dann begann der Schwanz hin und her zu schlagen, so dass sie die Hände wieder löste und den Schwanz fest hielt. Während sie zu hörte, fing sie dann geistesabwesend an, eben jenes Körperteil zu putzen.

Nun war Erida an der Reihe, die etwas verwundert in Marukas Richtung sah:
„Wir reisen schon seit einigen Jahren zusammen, Syrella, Orléan, Anselm, Borgon und ich. Und wir haben auch schon ein paar Katstrophen und waghalsige Heldentaten auf dem Kerbholz.“
Sie schmunzelte bei der Erinnerung daran.
„Als der Grünschnabel mit einem Gruß Robarts, seines Mentors, zu mir kam, haben wir ihn begleitet. Missionen, die einen ungewissen Ausgang haben, nicht autorisiert sind und unter Zeitdruck stehen sind unsere Spezialität – davon abgesehen hatte wir auch genau die Fähigkeiten, die die Aufgabe erforderte.“
Stian verzog etwas das Gesicht, als sie ihn als Grünschnabel bezeichnete.
Wo die ‚Ritualmagierin‘ es erwähnte, fiel Maruka auf, dass es durchaus einen Altersunterschied zwischen Stian und den Anderen gab. Wo dieser eher wie Anfang zwanzig wirkte, waren die Anderen sicher um die 10 Jahre älter.

Irgendwann zwischendurch, sofern die Situation es ergab, wollte sie noch etwas fragen:
„Mich beschäftigt da leider doch noch was und vielleicht habt ihr ja eine Idee dazu?... Wenn ich vielleicht so eine Art...Beobachter in der Geschichte bin... meint ihr...ich könnte überhaupt etwas verändern? Oder habe ich dann schon etwas verändert, weil ich einfach nur hier bin? Hat das überhaupt Auswirkungen? Wenn ich hier etwas irgendwo hin male, wird das in meiner Realität dann auch da sein? Oder ist es vielleicht schon da, weil ich jetzt gerade daran denke, es aber noch gar nicht gemalt habe? Das ist alles so verwirrend!“
Ich hab doch gesagt, dass ganze „Warum“, „Was wenn“ muss weg! Warum denkst du wieder drüber nach?... Weil... weil ich doch helfen will und es mir einfach nicht liegt, nichts tun zu können! Ich würde gern etwas tun können. Ich hab einfach Angst etwas zu vergessen oder etwas falsch zu machen. Wenn ich etwas verändern könnte, könnte ich mich selbst vielleicht warnen oder an etwas in der Zukunft erinnern... Du bist anstrengend!
Innerlich streckte die Menschenfrau der Bestie die Zunge raus. Einmal mehr lagen Instinkt und Menschlichkeit nicht ganz auf einer Wellenlänge, aber das war vielleicht auch einfach den besonderen Umständen zuzuschreiben. Rein äußerlich wirkte es vielleicht ein bisschen so, als träumte sie mal wieder, oder sie putzte sich mal wieder als „Ersatzhandlung“.


Maruka bemerkte nur am Rand das leichte Unbehagen bei Erida. Diese schien den Impuls zu unterdrücken, sie beruhigen zu wollen. Syrella und Stian ignorierten es lediglich, aber Orléan warf ihr einen geringschätzenden Blick zu – ob er sich an der katzischen Geste störte, oder daran, dass sie sich nicht unter Kontrolle hatte, vermochte Maruka nicht zu sagen.
Sryella zuckte mit bedauerndem Blick die Schultern.
„Ich kann es dir nicht sagen, Maruka. Alles ist möglich. Ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem Menschen tatsächlich durch die Zeit gereist sind … aber ich weis auch nicht alles. Du könntest die Zukunft beeinflussen – oder auch nicht. Wenn du es kannst, kommst du nicht darum herum, dass du schon Dinge verändert hast.“

Orléan sinnierte leise:
„Zum Beispiel indem sie dafür sorgt, dass wir nicht rechtzeitig eingreifen …“

Syrella fuhr unbeirrt fort:
„Vielleicht entsteht auch eine andere Realität, eine andere Zeitlinie. Vielleicht bist du auch gar nicht durch die Zeit gereist, sondern nur Zeugin einer Erinnerung, die du beeinflussen kannst. Ich weiß nicht, was auf deiner Seite passiert ist, und wie dort die Lage ist. Ich habe davon gehört, dass an Orten, denen viel Magie innewohnt, vieles, das unmöglich scheint, passieren kann. Wenn die Ströme durcheinander geraten sind ist und Magie wild durch die Ruinen wütet, könntest du in Erinnerungsfetzen gefangen werden.“
Sie hielt inne und dachte nach.
„Möglicherweise …“
Sie schluckte und schloss kurz die Augen als ihr Gesicht wieder blasser wurde.
„Möglicherweise habe ich dich mit hierher geholt. Somit wäre all das hier …“
Sie schluckte und ihre Augen wurden glasig während sie zitternd Luft holte.
„Shh …“
Besänftigte Erida die Andere.
„Sprich nicht darüber, denkt nicht darüber nach.“

Stian überbrückte die Zeit, die Syrella brauchte, um sich zu erholen, indem er verriet, was sie planten:
„Wir werden Kaîr stellen und vernichten. Wenn Syrella nicht plötzlich aufgeschrien hätte.“
Er warf einen Blick zum grimmigen ‚Experten für verdeckte Operationen‘
„Und wäre Orléan nicht über dich gestolpert, wir wären weiter auf der Suche nach ihm. Vielleicht hätten wir ihn auch schon gefunden… aber noch ist nichts verloren. Wir sollten los gehen, sobald Syrella sich erholt hat.“
Sein Blick verriet, dass er wohl wenig freundlich auf Dinge reagieren würde, die Syrellas Erholung verzögerten.
„Wir sind schon zuvor in ein paar Monster gelaufen, deswegen halten Anselm und Borgon wache. Und es liegt nahe, dass, je näher wir Kaîr kommen, desto mehr Opposition wird sich uns entgegenstellen. Der Großteil von uns wird sich damit beschäftigen, während Syrella und ich uns mit dem Magier befassen – sowie der Rest, sobald die Monster ausgeschaltet sind.“
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Sonntag 14. Oktober 2018, 13:33

Syrella nickte verständnisvoll und begann die Anwesenden vorzustellen.
„Erida, unsere Wassermagierin und Heilerin,“
Sie deutete auf die Frau neben sich und Maruka nickte freundlich lächelnd.
Wassermagie? Klingt ja toll. Was sie wohl kann?
„Und mich, Syrella, kennst du bereits...“
Na ja, nicht wirklich mehr als die anderen, aber ich mag dich irgendwie.
„... Orléan …“
Syrella deutete auf den ‚Diener‘.
„Ist unser Spezialist für hrmm … verdeckte Operationen...“
Ein Spion? Ein Assasine oder so was? Ist er auch magisch begabt? Das würde zumindest einiges erklären...
„...Derzeit Wache hält Anselm von Trollbruch, der große Rothaarige Krieger. Wenn du ihn einmal nicht aus der Ferne siehst, wirst du sehen, dass er ein paar zu viele Waffen bei sich trägt – er ist gern für jeden Fall ausgerüstet...“
Amseln...ah... da lag also mein Fehler. ...Kampfkraft und vorausschauend, gefällt mir.
„...Und ebenfalls Wache hält Borgon, der einzige Zwerg unserer Runde, er hat ein Händchen für mechanische Dinge und ist ein helles Köpfchen.“
Bisschen klein geraten, aber dafür sollen sie trinkfest sein...mechanische Dinge? Hm... so wie Räder bauen?
Maruka hatte da nicht die geringst Vorstellung. Syrella fuhr fort:
„Expertin für Dämonen wird man, wenn man Ritualmagier ist.“
Stian verzog den Mund als sie dies feststellte.
Ok...Rituale gibt es bestimmt viele...Wir hatten zu Hause das allabendliche Ritual zusammen zu essen, aber das hier ist bestimmt was anders. Außerdem hat sie irgendwas mit Dämonen zu tun... Dämonen... Harax... hm... Was weiß ich darüber? Nix.
Möglicherweise war diese ‚Ritualmagie‘ der Grund für die Aversion zwischen beiden. Stian sprach jetzt:
„Ein Inquisitor, genauso wie ein Templer, ist ein Anhänger Lysanthors und Mitglied dessen Kirche. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das böse in dieser Welt zu bekämpfen und vernichten, wo es nur geht.“
Klingt doch nett. Warum wirkt er dann so griesgrämig?
Stian warf einen weiteren leicht verstimmten Blick in Richtung Syrella, die überraschenderweise grinste um ihm die Zunge heraus zu strecken, was ihn die Augen rollen ließ und bei Erida ein überraschtes Lachen auslöste. Maruka lachte tatsächlich auch kurz auf und hielt sich dann beide Hände vor den Mund. Die zwischenmenschlichen Interaktionen zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern hatte es ihr angetan.
„Nachdem das Artefakt gestohlen wurde, hat mein Lehrmeister und Mentor mir nahe gelegt mit Erida zu sprechen, um mir bei der Suche zu helfen.“
Also wenn ich das richtig verstehe, so ist Syrella so etwas wie der 'dunkle' Part in der Gruppe und Stian der helle. Und er wird von seinem Mentor anwiesen das Dunkel um Hilfe zu bitten... um ein andres Dunkel wieder einzufangen.
Noch einmal griente Maruka, weil die Ironie schon trefflich war. Böses mit Bösem, Feuer mit Feuer..., ja manchmal brauchte es alle Schattierungen des Lebens um ein Ziel zu erreichen.

Nun war Erida an der Reihe, die etwas verwundert in Marukas Richtung sah, weil diese ihre Instinkte eben nicht so ganz beherrschte.
„Wir reisen schon seit einigen Jahren zusammen, Syrella, Orléan, Anselm, Borgon und ich. Und wir haben auch schon ein paar Katastrophen und waghalsige Heldentaten auf dem Kerbholz...Als der Grünschnabel mit einem Gruß Robarts, seines Mentors, zu mir kam, haben wir ihn begleitet. Missionen, die einen ungewissen Ausgang haben, nicht autorisiert sind und unter Zeitdruck stehen sind unsere Spezialität – davon abgesehen hatte wir auch genau die Fähigkeiten, die die Aufgabe erforderte.“
Stian verzog etwas das Gesicht, als sie ihn als Grünschnabel bezeichnete. Die Anderen wirkten aber tatsächlich um die 10 Jahre älter. Da es gerade eine Pause entstand, fragte Maruka:
„Mich beschäftigt da leider doch noch was und vielleicht habt ihr ja eine Idee dazu?... Wenn ich vielleicht so eine Art...Beobachter in der Geschichte bin... meint ihr...ich könnte überhaupt etwas verändern? Oder habe ich dann schon etwas verändert, weil ich einfach nur hier bin? Hat das überhaupt Auswirkungen? Wenn ich hier etwas irgendwo hin male, wird das in meiner Realität dann auch da sein? Oder ist es vielleicht schon da, weil ich jetzt gerade daran denke, es aber noch gar nicht gemalt habe? Das ist alles so verwirrend!“
Erida schien den Impuls zu unterdrücken, sie beruhigen zu wollen.
Hab ich wieder?...na klar, ich hab wieder!
Wieder einmal hatte ihr Körper sich verselbständigt und das Tier war deutlich zu sehen.
Syrella und Stian ignorierten es lediglich, aber Orléan warf ihr einen geringschätzenden Blick zu – ob er sich an der katzentypischen Geste störte, oder daran, dass sie sich nicht unter Kontrolle hatte, vermochte Maruka nicht zu sagen. Sryella zuckte mit bedauerndem Blick die Schultern und antwortete auf ihre Theorien:
„Ich kann es dir nicht sagen, Maruka. Alles ist möglich. Ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem Menschen tatsächlich durch die Zeit gereist sind … aber ich weis auch nicht alles. Du könntest die Zukunft beeinflussen – oder auch nicht. Wenn du es kannst, kommst du nicht darum herum, dass du schon Dinge verändert hast.“
Orléan sinnierte leise:
„Zum Beispiel indem sie dafür sorgt, dass wir nicht rechtzeitig eingreifen …“
Oh nein...
, dachte Maruka erschrocken. Was wenn sie womöglich an allem Schuld war? Syrella fuhr jedoch unbeirrt fort:
„Vielleicht entsteht auch eine andere Realität, eine andere Zeitlinie. Vielleicht bist du auch gar nicht durch die Zeit gereist, sondern nur Zeugin einer Erinnerung, die du beeinflussen kannst. Ich weiß nicht, was auf deiner Seite passiert ist, und wie dort die Lage ist. Ich habe davon gehört, dass an Orten, denen viel Magie innewohnt, vieles, das unmöglich scheint, passieren kann. Wenn die Ströme durcheinander geraten sind ist und Magie wild durch die Ruinen wütet, könntest du in Erinnerungsfetzen gefangen werden.“
Sie hielt inne und dachte nach.
„Möglicherweise …“
Sie schluckte und schloss kurz die Augen als ihr Gesicht wieder blasser wurde.
Was?
„Möglicherweise habe ich dich mit hierher geholt. Somit wäre all das hier …“
Sie schluckte und ihre Augen wurden glasig während sie zitternd Luft holte.
WAS?
„Shh …“
Besänftigte Erida die Andere.
„Sprich nicht darüber, denkt nicht darüber nach.“
Doch...ich verstehe nicht. Was meint sie?
Maruka sah verwirrt drein, traute sich aber auch nicht so recht nachzufragen. Ihre Ohren zuckten fragend. Stian überbrückte die Zeit, die Syrella brauchte, um sich zu erholen, indem er verriet, was sie planten:
„Wir werden Kaîr stellen und vernichten. Wenn Syrella nicht plötzlich aufgeschrien hätte...“
Er warf einen Blick zum grimmigen ‚Experten für verdeckte Operationen‘
„...und wäre Orléan nicht über dich gestolpert, wir wären weiter auf der Suche nach ihm. Vielleicht hätten wir ihn auch schon gefunden… aber noch ist nichts verloren. Wir sollten los gehen, sobald Syrella sich erholt hat.“
Also hab ich allein schon durch mein Hiersein etwas verändert... Puh...
Maruka raufte sich die Mähne. Sein Blick verriet, dass er wohl wenig freundlich auf Dinge reagieren würde, die Syrellas Erholung verzögerten.
„Wir sind schon zuvor in ein paar Monster gelaufen, deswegen halten Anselm und Borgon wache. Und es liegt nahe, dass, je näher wir Kaîr kommen, desto mehr Opposition wird sich uns entgegenstellen. Der Großteil von uns wird sich damit beschäftigen, während Syrella und ich uns mit dem Magier befassen – sowie der Rest, sobald die Monster ausgeschaltet sind.“
Maruka schwieg ein paar Atemzüge lang. Das ganze nahm sie doch ganz schön mit, aber gleichzeitig war ihr Wille zu helfen ungebrochen. Sie stand auf und ging ein paar Schritte hin und her.
Ganz schön schwierige Situation, aber aus irgendeinem Grund bin ich jetzt nun mal hier. Revien wird überleben, dass weiß ich. Ich würde gern zu ihm, aber das hier ist wichtiger. Syrella wird von dem Nekromanten versklavt und bekommt diesen Stein in die Stirn eingesetzt. Was mit den Anderen passiert, weiß ich nicht genau, da sprach Syrella nur von 'alle sterben'... was nicht gut ist. Weiß ich noch was, das helfen könnte???... Na ich hoffe einfach mal, dass mir etwas einfallen wird, wenn ich es brauche.
Dann nickte sie in die Runde und blieb einen Moment lang länger an Stiams Augen hängen, da er trotz seiner Jungend doch anscheinend irgendwie das Sagen hatte.
„In Ordnung! Ich helfe euch wo ich kann! Was soll ich tun?“
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Sonntag 11. November 2018, 23:24

„In Ordnung! Ich helfe euch wo ich kann! Was soll ich tun?“
Sprach die Hybridin mutig.
Ein anerkennendes dankbares Lächeln huschte über Stians Gesicht und er nickte Maruka zu.
„Dann lasst uns gehen! Erst einmal finden wir ihn, dann entscheiden wir, was zu tun ist.“

Die Gefährten beschlossen – unter leisem murren Seitens Orléans – gemeinsam aufzubrechen. Sie gingen primär schweigend und relativ leise voran, wobei sich Orléan schnell von der Gruppe löste, um vor zu spähen. Der Hybridin juckte es in den Fingern, dasselbe zu tun. Gerade auch, weil Orléans überfall sie in einem ‚schlechten Licht‘ hatte stehen lassen! Sie war besser als das und sie wollte wetten, dass sie weit ungesehener und besser herausfinden konnte, wo der Feind war, als der Mensch.
Allerdings musste sie zugeben, dass er durchaus nicht schlecht war, nach nur wenigen Schritten, verschmolz er mit den Schatten des Unterholzes … was regelrecht magisch anmutete.

Liam schien ihre innere Unruhe zu bemerken und berührte leicht ihren Arm, um ihre Aufmerksamkeit zu erwecken. Aber statt ihre Rastlosigkeit zu adressieren, sprach er etwas anderes an:
„Maruka … wegen Liam. Ich weiß nicht, was mit dem Mann geschehen ist, dem du begegnet bist, aber der Bruder, den ich kenne, ist kein ehrbarer Mann. Er war der Erbe meiner Familie – der Erstgeborene. Mein Vater hat ihm vertraut und er hätte uns beinahe in den Ruin getrieben. Deswegen trage ich jetzt das Schwert meiner Ahnen und den Titel des Erben und nicht er … sei ihm gegenüber Vorsichtig!“
Stian klopfte an seine Seite, wo ein elegantes, wenn auch schlichtes Schwert hing. Dieser schien sich diesmal merklich zurück zu halten, damit der Zorn, den er seinem Verwandten gegenüber empfand, nicht so deutlich aus seinen leisen Worten sprach.
„Ich weiß nicht, ob er den Titel bekommen hat … selbst nach meinem …“
Er stockte und ließ den Satz unbeendet ins Leere laufen.

Die Gruppe bewegte sich langsam zu der Ruine, in die auch Maruka geflüchtet war und in der sie dem Dunkelelfen ein Ende gesetzt hatte, dort gingen sie in Deckung und warteten auf Orléans Rückkehr.
Bedrückendes schweigen war eingekehrt und die Helden um Maruka herum begannen sich vorzubereiten.
Erida meditierte mit ruhigem Gesichtsausdruck, Borgon überprüfte ein paar Gefäße in einem Gürtel, den er umgeschlungen hatte, Anselm lockerte diverse Waffen in ihre Scheiden und Halterungen während Stian leise zu Beten begann. Syrella studierte indessen eine Schriftrolle.
Die Zeit fühlte sich seltsam für die junge Hybridin an. Sie wusste, dass sie eine Weile warten würden, aber von einem Augenblinzeln auf das andere trat Orléan aus dem Schatten. Wortwörtlich.
Auch wenn die Anderen derlei Auftritte gewohnt sein mussten, bemerkte sie nicht nur bei einem von ihnen ein leichtes Zucken. Anselm hatte eines seiner Schwerter schon halb gezogen, bevor er innehielt und leise grollte.
„Irgendwann einmal …“
Orléan ignorierte ihn und flüsterte.
„Ich habe ihn gefunden.“
Alle Augen waren ohnehin auf den Späher gerichtet gewesen, und so fuhr er nach wenigen Augenblicken fort.
„Etwa Fünfzehn Minuten von hier auf einer Anhöhe. Der Bereich ist nur so überflutet von seltsam verzerrten Geschöpfen. Halb Elf, halb Bestie. Es sieht aus, wie die schlimmsten Fälle von Hybriden Virus, die ihr Euch vorstellen könnt, nur doppelt so schlimm!“
Orléan klang tatsächlich leicht erschüttert.
„Und sie verhalten sich seltsam … ich könnte schwören, dass ein paar von ihnen zum Teil verschwunden sind und an anderen Orten wieder auftauchten … ich habe mich nicht weiter hineingewagt, aber in einem verfallenen großen Baumhaus ist eine Art dunkler Energie, die von keinem anderen als Kaîr kommen kann…“
Borgon, der Zwerg, schluckte schwer und auch Anselm runzelte besorgt die Stirn.
„Das klingt nicht gut.“
Brummte der kleine Mann.
„Haben wir überhaupt eine Chance?!“
Er blickte besorgt zu Maruka. Offenbar hatte er zumindest ihre Warnung mitbekommen.
„Macht es einen Unterschied?“
Fragte Erida.
„Wir könnten einfach umdrehen, wie sie vorgeschlagen hat.“
Brummte Orléan. Ausnahmsweise war da kein Spott in seiner Stimme. Alle in der Runde befindlichen hatten Angst.
„Was ihr auch entscheidet … ich bin hier, um meine Pflicht zu tun. Ich werde gehen.“
Stellte Stian fest und öffnete den Mund, um noch mehr hinzu zu fügen, wurde aber von Syrella unterbrochen.
„Nein. Wenn wir es nicht tun, dann wird ihn niemand aufhalten! Und ich glaube nicht, dass du es allein schaffst, Stian! Ich werde dich begleiten.“
Die Ritualmagierin klang äußerst bestimmt.
„Ach verdammter Scheißdreck.“
Donnerte Anselm und bekam einige mahnende Blicke und ein *sch* zu hören.
Stille kehrte ein, ein paar wortlose Blicke wurden getauscht und dann nickten sie einander zu. Maruka kam sich dabei seltsam entrückt und wie ein Zuschauer vor, während die Katastrohe sich langsam entfaltete.

Wie auf Kommando hin standen die 6 Frauen und Männer auf und gingen los. Orléan schien sich bereits einen Weg ausgesucht zu haben und führte sie auf verschlungen Wegen, die Maruka – selbst gut darin, sich lautlos im Wald zu bewegen – als den günstigsten Pfad erkannte, um möglichst ungesehen und ungehört zu bleiben, selbst wenn sie noch nicht zu schleichen begannen.
Ohnehin war die halbe Miete der lautlosen unentdeckten Bewegung im Wald die Wahl des richtigen Pfades. So suchten sie Deckung hinter zerfallenen Mauern und rar gesätem Unterholz während riesige halb verrottete Bäume sie wie Zwerge wirken ließen.
Alles war erhellt durch ein diffuses ungesund grünlich bläuliches Licht, dessen Quelle sich nicht bestimmen ließ und sie in einem unangenehmen Zwielicht zurückließ. Die ersten zwölf Minuten herrschte um sie herum fast gespenstisch Stille und nur ab und an erhaschten Marukas scharfe Ohren ein Knacken und Rascheln in der Ferne, wie von einem Großen Tier, dass sich durch den Wald bewegte. Niemand sonst schien es zu bemerken, selbst Orléan nicht.

Das Terrain begann anzusteigen und sie bewegten sich langsam bergauf. Orléan hielt inne und bedeutete ihnen allen, zu schleichen, was keine leichte Aufgabe für einige der Anwesenden sein würde. Gerade Anselm und Stian standen vor einem nicht unerheblichen Problem, da sie Platte und Kettenhemd trugen, was nach jeder zweiten Bewegung ein rascheln oder klappern auslöste. Sie behalfen sich mit Lederlappen, die zwischen die schlimmsten Stellen geklemmt wurden – was wiederum die Bewegung einschränkte – aber immerhin für etwas mehr ruhe sorgte.
Ein ungutes Gefühl in Marukas Magengegend meldete sich. Sie würde fast leiser sein, wenn sie normal lief, als die Beiden schleichend!
Trotzdem schlichen sie nach den erhobenen Maßnahmen gegen klappernde Platten weiter – ohrenbetäubend laut für Marukas feine Sinne.
Erida murmelte etwas fast lautlos und Nebel begann sie einzuhüllen und senkte sich wie ein dämpfendes Tuch über ihre Gruppe.
Das Problem der Geräusche war damit vielleicht etwas gelöst, dafür sahen sie aber nun selbst nicht mehr gut! Nervosität packte die Hybridin und ließ sie unruhig werden. Der Rest der Gruppe schien dagegen enervierend ruhig und konzentriert. Kurzerhand schloss Maruka zu Orléan auf – nicht etwa, weil sie ihn so gern mochte, sondern vielmehr, weil sie auf gar keinen Fall blind in eine Falle tappen wollte. Auch wenn Nebel und Zwielicht die Sicht und auch das Hören erschwerten waren doch ihre Sinne die Schärfsten in der Gruppe.

Der Späher war zu konzentriert, um ihr auch nur einen zweiten Blick zuzuwerfen und schien ausnahmsweise keine Zeit zu haben, ihr seine Missbilligung gegenüber auszudrücken – sicher half dabei auch, dass Reden eine verdammt schlechte Idee war, wenn man gern leise sein wollte.
Sie schritten leise durch den Nebel, während ihre Umgebung sich ab einigen Metern Entfernung in dunkle Schatten und weiche Umrisse verwandelte. Maruka wunderte sich darüber, wie Orléan bei diesen Bedingungen den Weg fand, entdeckte dann aber ein paar vereinzelte abgebrochene Zweige und andere subtile Wegzeichen. Die Gruppe ging nicht das erste Mal so vor und der Späher hatte den Weg entsprechend markiert, so dass er ihm auch zu diesen Bedingungen folgen konnte. Klug aber auch riskant, sollte jemand auf die Hinweise stoßen. Allerdings bedurfte es dazu einer Person, mit ähnlichen Fähigkeiten wie Maruka. Eines Jägers oder Spähers.

Je weiter sie kamen, desto häufiger hörte sie ein schnauben, oder sogar kreischen und knurren in der Umgebung. Orléan schien sie so gut zu leiten, dass die Geräusche meist in einiger Entfernung lagen und so kamen sie verhältnismäßig gut voran.
Ein seltsames Schauf ließ die Hybridin aufhorchen und kurz lauschend innehalten, während der Späher weiter voran ging. Waren das nicht Schritte, die sie da hörte? Nicht etwa von Schuhen aber von weichen Pfoten die sich sachte und beinahe lautlos über den Boden bewegten. Aber der Nebel machte es schwer die Quelle eines Geräuschs zu identifizieren. Während der Mensch in ihr noch versuchte, sich einen Reim aus dem zu machen, was sie hörte, reagierte das Tier einfach instinktiv. Sie machte einen kleinen Satz nach vorn, und riss dann Orlean, eine Hand auf seinem Mund, damit er nicht vor Schreck aufschrie, zurück.

Sie stießen Beide gegen Anselms massive Brust, so dass sie nicht weiter nach hinten stürzten. Orléan wollte sich frei Kämpfen, da trat an die Stelle, vor der der Späher gerade noch gehockt hatte, ein großes aufrechtstehendes Geschöpf. Er wirkte wie ein Leopard, aber mit einer Mischung aus menschlicher und tierischer Anatomie. Auf zwei Beinen stehend, aber seltsam verkrümmt, weil seine Hüfte nicht für den aufrechten Gang geschaffen war. Die sonst anmutigen Leoparden Züge waren verzerrt, der Kiefer saß schief und die Nase wirkte verkrümmt und zu kurz, das Gesicht zu lang. Alle Anwesenden hielten Mucksmäuschen still, wie die Maus vor der Schlange. Einem Wunder gleich wandte sich der Kopf der Bestie zur anderen Seite und nach einigen nervenzerreißenden Augenblicken, ging sie weiter.
Orléan stieß zitternd die angehaltene Luft aus und löste sich von Maruka. In diesem Augenblick sah sie blanke Angst, Überraschung und Erleichterung in seinen Augen. Er schluckte und nickte ihr zu.
„Danke.“
Flüsterte er kaum hörbar mit rauer Stimme. Dann schaffte er es, seine Gesichtsmimik wieder unter Kontrolle zu bringen und tat so, als wäre nichts passiert.
Anselm klopfte Maruka auf die Schulter, grinste sie an und nickte anerkennend. Sie warteten ein paar Sekunden, bis sie sicher waren, dass nichts ihren Weg kreuzen würde, dann ging es weiter. Sie folgten Orléans Pfad, aber er begann mehr und mehr, auf Marukas scharfe Sinne zu vertrauen, und wann immer ihr Pfad gefährlich nahe zu den immer dichter gesäten Alptraumgestalten kam, vertraute er auf ihr Kommando zum Gehen oder Stoppen.

Sie blieben schließlich hinter den Resten eines Zerfallenen und herunter gefallenen Baumhauses Stehen. Der Zustand des dereinst kunstvoll bearbeiteten Holzes war um einiges besser, als man unter den Bedingungen oder der Zeit, die es schon hier lag, erwartet hätte.
Orléan bedeutete allen, sich in einem Kreis einzufinden und der Nebel um sie herum verdichtete sich weiter, bis sie nur die Gesichter und Körper der Anderen um sicher herum sehen konnten.
„Wir sind fast da, die letzte Anhöhe hinauf habe ich das Baumhaus und die dunkle Energie gesehen … das Problem ist nur … selbst ich traue mir nicht völlig zu, ungesehen dorthin zu kommen …, höchstens wenn ich Glück habe … vielleicht.“
Diese Bescheidenheit war neu bei ihm. Er hielt inne, so als müsste er an den nächsten Worten erst einmal kauen.
„Ich denke, unser Neuzugang würde es auch schaffen, aber ich sehe nicht, dass einer von Euch dorthin kommt. Wir brauchen eine Ablenkung – etwas, dass uns den Weg frei macht.“
„Hrm.“
Brummte Stian und Borgon tippte sich nachdenklich ans Bartbedeckten Kinn.
„Hrm!“
Echote er Stians Brummen mit etwas mehr Enthusiasmus. Syrella wirkte entschlossen und meinte.
„Wir haben schon schwierigeres geschafft, vielleicht etwas wie damals vor Troman?“
Erida, die leicht abgelenkt wirkte, schüttelte den Kopf.
„Der Hang macht uns da einen Strich durch die Rechnung … und wir hatten Verstärkung. Es muss subtiler sein, vielleicht etwas wie damals, als wir die Kannibalen von ihrem Lager weg locken mussten um Borgon aus ihren Topf zu fischen.“
Der Zwerg wirkte etwas beleidigt. Leise wurden weitere Vorschläge ausgetauscht. Anselm brummte verstimmt und zog sich aus dem Kreis zurück, offenbar nicht daran interessiert, den Diskussionen bei zu wohnen. Maruka wollte ihm zu flüstern, sich nicht zu weit zu entfernen, da sah sie, wie er langsam die Lederlappen aus den ritzen seiner Plattenrüstung zupfte. ER warf ihr noch einen kurzen Blick zu, wackelte bedeutend mit den Augenbrauen und stürzte los, aus der Deckung heraus.

Nicht nur sie sah ihm entsetzt und geschockt nach.
Ein beeindruckender und lauter Kriegsschrei hallte durch die Luft und wurde beantwortet von lautem brüllen, fauchen und kreischen.
Stian war sofort auf den Füßen, zog sein Schwert und wollte losstürzen, da hielt ihn Eridas Hand auf. Die Wassermagierin sah so aus, als wäre ihr schlecht und Sorge und Verzweiflung ließen sie blass wirken.
„Nicht! Wir müssen diese Chance nutzen!“
Stian starrte sie ungläubig an.
„Wie kannst du so etwas sagen?! Er ist dein Freund!“
Erida schien den Tränen nahe.
„Wir können ihn nicht retten, allerhöchstens mit ihm sterben.“
Es war der Magierin anzusehen, wie sehr sie die Worte schmerzten.
„Los.“
Grollte Syrella und die Gruppe setzte sich in Bewegung. In jedem war anzusehen, wie sehr es sie schmerzte, Anselm den Rücken zu kehren, aber sie taten es trotzdem.
Stian blieb wie angewurzelt stehen und starrte den vier nach. Dann sah er Maruka an, eine ungestellte Frage im Gesicht. ‚Wie können sie nur?!‘
Kampfeslärm drang an ihre Ohren, Eine Klinge die durch Fleisch schnitt und kreischen aus unmenschlichen Kehlen.
Zusammen mit dem Streiter Lysanthors sah sie sich einer unmöglichen Situation gegenüber. Man ließ doch niemanden zurück, wenn er in Not war! Aber die Schreie und das Kreischen verrieten, dass der Feind so zahlreich war, dass sie selbst mit gesammelten Kräften kaum eine Chance hatten. Und Anselms Gefährten kehrten ihm nur den Rücken zu!
Unter diesen Umständen blieb ihnen nichts anderes übrig, als zusammen mit Anselm den Heldentod sterben, oder eine Kampfgefährten kalt den Rücken zu zu kehren.
Aber war das stoppen Kaîrs nicht Stians Mission?
Im Moment sah er so aus, als könnte er es nicht über sich bringen, Anselm den Rücken zu kehren, dabei Eilte die Zeit! Waren die Anderen etwa bereit, sie Beide zurück zu lassen?
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Montag 12. November 2018, 19:26

Liam schien ihre innere Unruhe zu bemerken und berührte leicht ihren Arm.
„Maruka … wegen Liam. Ich weiß nicht, was mit dem Mann geschehen ist, dem du begegnet bist, aber der Bruder, den ich kenne, ist kein ehrbarer Mann...“
Nanu, was kommt jetzt?
Maruka ließ ihm Zeit.
„... Er war der Erbe meiner Familie – der Erstgeborene. Mein Vater hat ihm vertraut und er hätte uns beinahe in den Ruin getrieben. Deswegen trage ich jetzt das Schwert meiner Ahnen und den Titel des Erben und nicht er …“
Also ging es um Land und Titel bei dem Streit?
„... Sei ihm gegenüber vorsichtig!“
Stian klopfte an seine Seite, wo ein elegantes, wenn auch schlichtes Schwert hing. Er schien sich diesmal merklich zurück zu halten, damit der Zorn, den er seinem Verwandten gegenüber empfand, nicht so deutlich aus seinen leisen Worten sprach.
„Ich weiß nicht, ob er den Titel bekommen hat … selbst nach meinem …“
Er stockte und ließ den Satz unbeendet ins Leere laufen.
...nach deinem Verschwinden.
Beendete Maruka gedanklich den Satz und musterte ihn vorsichtig von der Seite unter ihren langen Wimpern hervor. Er wirkte so tief verwurzelt in seinem Hass, aber sie wollte einfach nicht glauben, dass Stiams Seele nur noch dieses eine Gefühl für seinen Bruder aufbringen konnte. Das durfte einfach nicht sein.
„Ich verstehe...“
, meinte sie leise.
Ein bisschen wenigstens... denke ich.
„Seine Familie kann man sich nicht aussuchen und in manchen ist es schlimmer als in anderen. Ich hatte wohl Glück mit meiner, aber andere nicht.“
Sie seufzte einmal tief und begann zu erzählen:
„Weist du, dort wo ich her komme legen wir auch viel Wert auf Ehrlichkeit und Tapferkeit. ...meine Freundin Jenna.. sie ist wohl ein bisschen wie Liam, denke ich. Sie ist das schwarze Schaf der Familie, wie man so sagt. Sie ist laut, säuft, tanzt und hat jede Nacht einen anderen Jungen in ihr Bett geholt. Ihre Familie ist darüber nicht glücklich und ihre Schwester hasst sie. Aber weist du was sie mir dazu einmal gesagt hat?“
Maruka sah nun einmal kurz zu Stiam um sich zu überzeugen, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte.
„Sie meinte, ihre Schwester hasst sie vor allem, weil sie im Gegensatz zu ihr wirklich 'lebt'. Ich denke, das größte Problem das sie miteinander hatten, war das sie die eigenen Begierden, die der jeweils andere auslebte, einfach nicht ertragen konnten. Jenna wollte von ihren Eltern geliebt werden, aber die liebten ihre Schwester mehr. Ihre Schwester wollte mehr leben, aber hielt sich immer an die Regeln“
Eine kleine Pause entstand, dann fuhr Maruka fort:
„Jenna ist kein von Grund auf schlechter Mensch. Sie mag halt nur keine Regeln die sie einengen und liebt das Leben. Manchmal macht sie auch Sachen die anderen Leuten nicht gefallen. Dabei hat sie auch schon Sachen gemacht, die anderen 'weh'-getan haben...also vor allen den Jungs...und eben ihrer Schwester. Geschwister können einander hassen, das kenne ich... Aber als Jenna an den Falschen geraten war und verletzt worden ist...tja, da war ihre Schwester für sie da, obwohl sie ihr den Freund ausgespannt hatte.“
Maruka seufzte.
„Ich denke, so ähnlich ist es auch bei Liam. Er hasst dich vielleicht genauso wie du ihn.“
Sie zuckte mit den Schultern.
„Aber wenn es um Familie geht, hält man im Ernstfall zusammen. Ich denke, deshalb sucht er dich.“
Damit war ihre kleine Geschichte zu Ende. Maruka zuckte mit dem Mundwinkeln und lief neben ihm schweigend weiter. Manchmal konnten Geschichten wie Medizin sein. Manchmal brachten sie einen zum Nachdenken. Manchmal waren es auch einfach nur Geschichten.

Die Gruppe bewegte sich langsam zu der Ruine, in die auch Maruka geflüchtet war und in der sie dem Dunkelelfen ein Ende gesetzt hatte, dort gingen sie in Deckung und warteten auf Orléans Rückkehr. Die Helden um Maruka herum begannen sich jeder auf seine Art vorzubereiten. Dann trat Orléan aus dem Schatten. Wortwörtlich und Maruka zuckte heftig zusammen.
Bei Manthalas...!!! … Moment! ja genau! Jetzt kapier ich es! Der schummelt! Das muss irgendetwas mit Magie sein!
Der große Anselm hatte auch gezuckt und mehr! Eines seiner Schwerter war schon halb gezogen, bevor er innehielt und leise grollte:
„Irgendwann einmal …“
Maruka grinste und musste sich ein Lachen verkneifen. Die Reaktion des großen Kriegers gefiel ihr. Orléan ignorierte ihn und flüsterte:
„Ich habe ihn gefunden.“
Sofort war die Stimmung ernst.
„Etwa fünfzehn Minuten von hier auf einer Anhöhe. Der Bereich ist nur so überflutet von seltsam verzerrten Geschöpfen. Halb Elf, halb Bestie. Es sieht aus, wie die schlimmsten Fälle von Hybriden Virus, die ihr euch vorstellen könnt, nur doppelt so schlimm!...Und sie verhalten sich seltsam … ich könnte schwören, dass ein paar von ihnen zum Teil verschwunden sind und an anderen Orten wieder auftauchten …“
Wie ich? Nein... ich bin in meiner Zeit verschwunden und in einer anderen wieder aufgetaucht... Konzerntrier dich Maruka!
„... Ich habe mich nicht weiter hineingewagt, aber in einem verfallenen großen Baumhaus ist eine Art dunkler Energie, die von keinem anderen als Kaîr kommen kann…“
Da müssen wir also hin!
Borgon, der Zwerg, schluckte schwer und auch Anselm runzelte besorgt die Stirn.
„Das klingt nicht gut.“
, brummte der kleine Mann.
„Haben wir überhaupt eine Chance?!“
Er blickte besorgt zu Maruka. Offenbar hatte er zumindest ihre Warnung mitbekommen. Der dicke Klos in ihrem Hals war sofort zurück und ihre Ohren sackten herab. Da hatte sich Manthala, die Göttin der Diebe und Händler ja eine tolle Dienerin angeschafft... eine die nicht mal lügen konnte! Spionieren, schleichen, stehlen...also tauschen...borgen...oder so was in der Art... das ja! Aber Lügen? Nein, dafür war ihr Körper nicht gemacht.
„Macht es einen Unterschied?“
, fragte Erida und die Hybridin schüttelte leicht den Kopf, da es vermutlich wirklich keinen Unterschied machte.
Es ist sowieso alles schon geschehen, egal was ihr tut. Vermutlich würde jetzt nicht mal eine Flucht noch etwas bringen. Die Zeit würde einfach einen anderen Weg finden euch zu töten und die Monster euch hinterher schicken, wenn ihr nicht zu ihren geht.
„Wir könnten einfach umdrehen, wie sie vorgeschlagen hat.“
, brummte Orléan und sprach damit fast ihre Gedanken aus. Ausnahmsweise war da auch kein Spott in seiner Stimme und das machte Maruka fast noch mehr Angst.
„Was ihr auch entscheidet … ich bin hier, um meine Pflicht zu tun. Ich werde gehen.“
, stellte Stian fest und öffnete den Mund, um noch mehr hinzu zu fügen, wurde aber von Syrella unterbrochen.
„Nein. Wenn wir es nicht tun, dann wird ihn niemand aufhalten! Und ich glaube nicht, dass du es allein schaffst, Stian! Ich werde dich begleiten.“
Die Ritualmagierin klang äußerst bestimmt.
Tapfer und mutig.. ...und vielleicht müsst ihr alle sterben, damit es nicht noch schlimmer wird...
So langsam bekamen Marukas Gedanken Übung in Sachen Paranoia und Düsternis.
„Ach verdammter Scheißdreck.“
, donnerte Anselm und bekam einige mahnende Blicke und ein *sch* zu hören. Maruka hatte instinktiv sich hin gekauert und beobachtete die Umgebung. Stille kehrte ein, ein paar wortlose Blicke wurden getauscht, in der sie wieder aufstand und dann nickten sie einander zu. Maruka kam sich dabei seltsam entrückt und wie ein Zuschauer vor, während die Katastrophe sich langsam zu ihrer vollen Tragweite entfaltete. Wie ein drohender Schatten legte sich Schwermut auf ihre Seele.
...und ich kann nichts dagegen machen...oder tu ich es gerade?...was ist meine Rolle dabei?...egal...jetzt oder nie!
Wie auf Kommando hin standen die 6 Frauen und Männer auf und gingen los. Die ersten zwölf Minuten herrschte um sie herum fast gespenstisch Stille und nur ab und an erhaschten Marukas scharfe Ohren ein Knacken und Rascheln in der Ferne, wie von einem Großen Tier, dass sich durch den Wald bewegte. Niemand sonst schien es zu bemerken, selbst Orléan nicht.
Sollte ich ihnen mitteilen, dass hier noch mehr lauert?... Davon wird ihre Angst nicht besser und die kann ich schon fast riechen. Wenn es zu nah kommt, kann ich sie immernoch warnen.
Das Terrain begann anzusteigen und sie bewegten sich langsam bergauf. Orléan hielt inne und bedeutete ihnen allen, zu schleichen, was keine leichte Aufgabe für einige der Anwesenden sein würde. Gerade Anselm und Stian standen vor einem nicht unerheblichen Problem, da sie Platte und Kettenhemd trugen, was nach jeder zweiten Bewegung ein Rascheln oder Klappern auslöste. In diesem Moment war Maruka sehr glücklich über ihre gehärtete Lederrüstung der Dunkelelfen. Sie war wie für einen Spion gemacht, lautlos und tödlich. Die beiden mussten sich mit Lederlappen behelfen, die sie zwischen die schlimmsten Stellen klemmten – was wiederum die Bewegung einschränkte – aber immerhin für etwas mehr Ruhe sorgte. Ein ungutes Gefühl in Marukas Magengegend meldete sich und gesellte sich zu den vielen anderen Sorgen.
Ich würde leiser sein, wenn ich normal laufe, als die beiden schleichend!
Trotzdem schlichen sie nach den erhobenen Maßnahmen gegen klappernde Platten weiter – ohrenbetäubend laut für Marukas feine Sinne.
Schepper, TAMTAM..Tschingderassabum!!!
Gedanklich packte sie die beiden in dicke Schafwolle und dieses Mal erriet die Wassermagierin anscheinend ihre Gedanken. Erida murmelte etwas fast lautlos und Nebel begann sie einzuhüllen und senkte sich wie ein dämpfendes Tuch über ihre Gruppe.
Klasse! Magie ist doch ab und an ganz nützlich.
Das Problem der Geräusche war damit vielleicht etwas gelöst, dafür sahen sie aber nun selbst nicht mehr gut! Nervosität packte die Hybridin.
Das halt ich nicht aus!
Der Rest der Gruppe schien dagegen enervierend ruhig und konzentriert. Sie waren das vermutlich gewöhnt. Kurzerhand schloss Maruka zu Orléan auf – nicht etwa, weil sie ihn so gern mochte, sondern vielmehr, weil sie auf gar keinen Fall blind in eine Falle tappen wollte und ihre geschärften Sinne weiter vorne außerhalb des magischen Nebels nützlich sein könnten. Sie schritten leise voran, während ihre Umgebung sich ab einigen Metern Entfernung in dunkle Schatten und weiche Umrisse verwandelte. Ihre Katzenaugen konnten vielleicht etwas weiter blicken als die der Menschen, aber Maruka wunderte sich darüber, wie Orléan bei diesen Bedingungen den Weg fand, doch dann entdeckte sie ein paar vereinzelte abgebrochene Zweige und andere subtile Wegzeichen. Der Späher hatte den Weg entsprechend markiert. Klug aber auch riskant, sollte jemand auf die Hinweise stoßen. Allerdings bedurfte es dazu einer Person, mit ähnlichen Fähigkeiten wie Maruka. Eines Jägers oder Spähers und das waren die meisten Raubtiere.
Hatte er nicht gesagt, dass hier jede Menge wie ich herum laufen sollen?
Je weiter sie kamen, desto häufiger hörte sie ein Schnauben, oder sogar Kreischen und Knurren in der Umgebung. Orléan schien sie so gut zu leiten, dass die Geräusche meist in einiger Entfernung lagen und so kamen sie verhältnismäßig gut voran.
Ein seltsames *Schnauf* ließ die Hybridin aufhorchen und kurz lauschend innehalten, während der Späher weiter voran ging. Waren das nicht Schritte, die sie da hörte? Nicht etwa von Schuhen aber von weichen Pfoten die sich sachte und beinahe lautlos über den Boden bewegten. Aber der Nebel machte es schwer die Quelle eines Geräuschs zu identifizieren. Während der Mensch in ihr noch versuchte, sich einen Reim aus dem zu machen, was sie hörte, reagierte das Tier einfach instinktiv. Sie machte einen kleinen Satz nach vorn, und riss dann Orlean, eine Hand auf seinem Mund, damit er nicht vor Schreck aufschrie, zurück und hielt ihn fest an sich gepresst. Orléan wollte sich gerade frei kämpfen, da trat an die Stelle, vor der der Späher gerade noch gehockt hatte, ein großes aufrecht stehendes Geschöpf.
Nicht atmen!
Er wirkte wie ein Leopard, aber mit einer Mischung aus menschlicher und tierischer Anatomie. Auf zwei Beinen stehend, aber seltsam verkrümmt, weil seine Hüfte nicht für den aufrechten Gang geschaffen war. Die sonst anmutigen Leoparden Züge waren verzerrt, der Kiefer saß schief und die Nase wirkte verkrümmt und zu kurz, das Gesicht zu lang. Alle Anwesenden hielten Mucksmäuschenstill, wie die Maus vor der Schlange.
Wehe es scheppert jetzt einer!!! Dann bring ich euch eigenhändig um! ...
Einem Wunder gleich wandte sich der Kopf der Bestie zur anderen Seite und nach einigen nerven zerreißenden Augenblicken, ging sie weiter.
Puh... Magie ist doch klasse! Danke Erida!
, sagte ihr Blick. Orléan stieß zitternd die angehaltene Luft aus und löste sich von Maruka. In diesem Augenblick sah sie blanke Angst, Überraschung und Erleichterung in seinen Augen. Er schluckte und nickte ihr zu.
„Danke.“
, flüsterte er kaum hörbar mit rauer Stimme und sie hätte ihm am liebsten gleich wieder dem Mund zugehalten. Dann nickte sie aber kurz. Er schaffte er es, seine Gesichtsmimik wieder unter Kontrolle zu bringen und tat so, als wäre nichts passiert. Anselm klopfte Maruka auf die Schulter, grinste sie an und nickte anerkennend, was irgendwie gut tat zwischen der ganze Anspannung. Sie warteten ein paar Sekunden, bis sie sicher waren, dass nichts anderes ihren Weg kreuzen würde, dann ging es weiter. Sie folgten Orléans Pfad, aber er begann mehr und mehr, auf Marukas scharfe Sinne zu vertrauen, und wann immer ihr Pfad gefährlich nahe zu den immer dichter gesäten Alptraum-gestalten kam, vertraute er auf ihr Kommando zum Gehen oder Stoppen.
Aye, bin doch zu was gut, nicht war?
Es fühlte sich einfach gut an, gebraucht zu werden. Irgendwann blieben sie schließlich hinter den Resten eines zerfallenen und herunter gefallenen Baumhauses stehen. Der Zustand des dereinst kunstvoll bearbeiteten Holzes war um einiges besser, als man unter den Bedingungen oder der Zeit, die es schon hier lag, erwartet hätte.
Wer hier wohl früher gewohnt hat?
Manche Gegenstände konnten genauso Geschichten erzählen, wie Orte oder Menschen. Orléan bedeutete allen, sich in einem Kreis einzufinden und der Nebel um sie herum verdichtete sich weiter, bis sie nur die Gesichter und Körper der Anderen um sicher herum sehen konnten. Marukas Ohren füllten sich mit Watte und sie konnte kaum noch nach draußen lauschen. Das war ein guter Schutz, das konnte sie neidlos anerkennen, aber es machte sie kirre.
„Wir sind fast da, die letzte Anhöhe hinauf habe ich das Baumhaus und die dunkle Energie gesehen … das Problem ist nur … selbst ich traue mir nicht völlig zu, ungesehen dorthin zu kommen …, höchstens wenn ich Glück habe … vielleicht.“
Diese Bescheidenheit war neu bei ihm. Er hielt inne, so als müsste er an den nächsten Worten erst einmal kauen.
„Ich denke, unser Neuzugang würde es auch schaffen, aber ich sehe nicht, dass einer von Euch dorthin kommt. Wir brauchen eine Ablenkung – etwas, dass uns den Weg frei macht.“
Moment mal! Ich?!? Ich soll da rauf und den Oberbösnickel töten?
„Hrm.“
, brummte Stiam und Borgon tippte sich nachdenklich ans Bart bedeckte Kinn.
„Hrm!“
, echote er Stiams Brummen mit etwas mehr Enthusiasmus. Syrella wirkte entschlossen und meinte.
„Wir haben schon schwierigeres geschafft, vielleicht etwas wie damals vor Troman?“
Erida, die leicht abgelenkt wirkte, schüttelte den Kopf.
Wovon reden die da?
„Der Hang macht uns da einen Strich durch die Rechnung … und wir hatten Verstärkung. Es muss subtiler sein, vielleicht etwas wie damals, als wir die Kannibalen von ihrem Lager weg locken mussten um Borgon aus ihren Topf zu fischen.“
Der Zwerg wirkte etwas beleidigt. Leise wurden weitere Vorschläge ausgetauscht, die Maruka allesamt nicht verstand. Anselm brummte verstimmt und zog sich aus dem Kreis zurück, offenbar nicht daran interessiert, den Diskussionen bei zu wohnen. Irgendwie verstand sie ihn, fühlte ihm nach. Das war nicht der Ort um lange über Pläne zu diskutieren, selbst mit magischer Nebelwolke um sie herum. Maruka wollte ihm zu flüstern, sich nicht zu weit zu entfernen, da sah sie, wie er langsam die Lederlappen aus den Ritzen seiner Plattenrüstung zupfte. Er warf ihr noch einen kurzen Blick zu, wackelte bedeutend mit den Augenbrauen und stürzte los, aus der Deckung heraus. Maruka konnte nicht anders. Sie musste grinsen. Dieser Amseln könnte einer der Tapferen aus ihrer Heimat sein! Ein beeindruckender und lauter Kriegsschrei hallte durch die Luft und wurde beantwortet von lautem Brüllen, Fauchen und Kreischen. Stian war sofort auf den Füßen, zog sein Schwert und wollte losstürzen, da hielt ihn Eridas Hand auf. Die Wassermagierin sah so aus, als wäre ihr schlecht und Sorge und Verzweiflung ließen sie blass wirken.
„Nicht! Wir müssen diese Chance nutzen!“
Stian starrte sie ungläubig an.
„Wie kannst du so etwas sagen?! Er ist dein Freund!“
Erida schien den Tränen nahe.
„Wir können ihn nicht retten, allerhöchstens mit ihm sterben.“
Es war der Magierin anzusehen, wie sehr sie die Worte schmerzten.
„Los.“
, grollte Syrella und die Gruppe setzte sich in Bewegung. In jedem war anzusehen, wie sehr es sie schmerzte, Anselm den Rücken zu kehren, aber sie taten es trotzdem. Stian blieb wie angewurzelt stehen und starrte den vier nach. Dann sah er Maruka an, eine ungestellte Frage im Gesicht. ‚Wie können sie nur?!‘ Kampfeslärm drang an ihre Ohren, Eine Klinge die durch Fleisch schnitt und kreischen aus unmenschlichen Kehlen. Zusammen mit dem Streiter Lysanthors sah sie sich einer unmöglichen Situation gegenüber. Aber die Schreie und das Kreischen verrieten, dass der Feind so zahlreich war, dass sie selbst mit gesammelten Kräften kaum eine Chance hatten. Unter diesen Umständen blieb ihnen nichts anderes übrig, als zusammen mit Anselm einen glorreichen, wenn auch unsinnigen Heldentod sterben, oder seinem Kampfgefährten den Rücken zu zu kehren und damit den Feind zu besiegen.
So stehen unsere Chancen besser... komm schon Stiam! Mut! Tapferkeit! ...und ein bisschen Torheit braucht diese Stunde! Er ist sicher nicht der letzte, der heute seinen Tod finden wird!
War das Stoppen Kaîrs nicht Stiams Mission?!? Im Moment sah er so aus, als könnte er es nicht über sich bringen, Anselm den Rücken zu kehren, dabei eilte die Zeit! Waren die Anderen etwa bereit, sie beide zurück zu lassen? Syrella hatte sich da deutlich ausgedrückt. Sie war am Gelingen genauso interessiert wie Stiam und ausgerechnet der zögerte jetzt?
Das geht gar nicht!
Maruka packte den Inquidingsbums am Arm und raunte so leise es ging:
„ER kämpft für deine Sache! Lass ihn nicht sinnlos sterben!“
Dann würde sie ihn notfalls in die richtige Richtung schubsen, damit er weiter ging. Sie mussten zu diesem Baumhaus, das Orléan beschrieben hatte! Ins Zentrum von all diesem Bösen und es vernichten und wenn das nicht ging, dann wenigstens es soweit schwächen, dass es die Zeit überdauern und nicht so einfach neu erstarkten konnte! Das würde auch Revien wollen!
Revien!!!
Der Gedanke an ihren Freund machte ihr mehr Mut als alles andere! Sollte sie heute sterben, dann wusste Maruka wenigstens, wofür sie es tat und das machte es zu einer guten Sache.
„Heute ist ein guter Tag zum sterben!“
Ihre Stimme war leise, aber bestimmt, auch wenn sie mehr zu sich selbst, als zu Stiam gesprochen hatte. Nicht vielen war es bestimmt einen heldenhaftes Ende zu finden und die Tapferen Mantrons trachteten seit je her danach ihren Ahnen Ehre zu bereiten, auf das ihre Namen nie in den Liedern und Geschichten verklungen. Gern hätte Maruka ihren eigenen Namen auf den Steinen in Mantron gewusst, aber solange die Götter um ihre Tapferkeit wussten, war das Ehre genug.
Bevor sie also den schützenden Bereich von Eridas Nebel verloren, musste sich Stiam in Bewegung setzen, ob er nun wollte oder nicht. Heute war kein Tag zum Zweifeln! Heute war ein Tag zum Handeln! Ohne Entscheidungen gab es keine Veränderung und das hier und jetzt hatte eine Veränderung dringend nötig! Einmal mehr in ihrem Leben war es an der jungen Hybridin einen Kerl aus seiner Starre zu befreien und voran zu treiben, aber darin hatte sie ja schon ein bisschen Übung. Nur dieses Mal hatte sie keine Wochen Zeit um eine von Schuldgefühlen zerfressene Seele zu heilen, dieses Mal musste sie innerhalb von Sekunden einen großen schweren Mann einen Hügel hinauf treiben. Dafür gab es keine Anleitung, keine Regeln, keine schlauen Ideen, also griff sie auf das zurück was sie hatte.
Krallen!
Die Hand an Stiams Arm, die Finger leicht gebeugt, fuhr sie die Krallen aus um ihn Beine zu machen. Leicht, nicht doll, stach sie damit an einer weichen Stelle seiner Rüstung, vermutlich am Übergang von Handschuh zu Armschiene, in seine Haut. Manchmal konnte ein kleiner Schmerz Wunder bewirken. Hoffentlich setzte er sich damit dann endlich in Bewegung und vergaß seine Angst, seine Sorge um den Freund und erinnerte sich daran, WARUM sein Freund starb!
„Los!“
Vielleicht hätte es auch ein Klaps auf den Po getan, aber das war ihr zu spät eingefallen. Instinkte waren einfach schneller. Zwischen ihren leisen, geflüsterten Sätzen hatten auch nur Herzschläge gelegen, aber jetzt wurde es knapp. Maruka musste los! Der Nebel wurde langsam lichter, da die Anderen voran gegangen waren und ihr Ziel verfolgten. Auch für sie, nicht nur für die Gruppe dieser Zeit, war es wichtig das das Böse diesen Ort verließ! Sie hatte da ihre ganz eigene intrinsische Motivation und fühlte mit jeder Faser ihres Körpers die Verderbtheit dieses Ortes. Sie würde sie wie zuvor darauf verlassen, wo ihre von Revien gegeben, Instinkte, der Funken seiner Magie sie hin führte. Sie war entschlossen und noch ein anderes Gefühl machte sich da in ihr bemerkbar... klein und vielleicht nicht ganz passend, aber doch da.
Maruka war glücklich.
Sie hatte eine klare Richtung, einen Zweck in ihrem Leben gefunden, Menschen die sie brauchten, eine Göttin die ihren Namen kannte, Funkenfreunde für die es sich zu sterben lohnte, aber was noch wichtiger war. Es gab da jemanden für den es sich zu leben lohnte!
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Montag 12. November 2018, 22:46

...nach deinem Verschwinden.
Beendete Maruka gedanklich den Satz und musterte ihn vorsichtig von der Seite unter ihren langen Wimpern hervor. Er wirkte so tief verwurzelt in seinem Hass, aber sie wollte einfach nicht glauben, dass Stiams Seele nur noch dieses eine Gefühl für seinen Bruder aufbringen konnte. Das durfte einfach nicht sein.
„Ich verstehe...“
, meinte sie leise.
Ein bisschen wenigstens... denke ich.
„Seine Familie kann man sich nicht aussuchen und in manchen ist es schlimmer als in anderen. Ich hatte wohl Glück mit meiner, aber andere nicht.“
Sie seufzte einmal tief und begann zu erzählen:
„Weist du, dort wo ich her komme legen wir auch viel Wert auf Ehrlichkeit und Tapferkeit. ...meine Freundin Jenna.. sie ist wohl ein bisschen wie Liam, denke ich. Sie ist das schwarze Schaf der Familie, wie man so sagt. Sie ist laut, säuft, tanzt und hat jede Nacht einen anderen Jungen in ihr Bett geholt. Ihre Familie ist darüber nicht glücklich und ihre Schwester hasst sie. Aber weist du was sie mir dazu einmal gesagt hat?“
Maruka sah nun einmal kurz zu Stian um sich zu überzeugen, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte.

Dieser schien ganz Ohr zu sein. Wobei sein halb interessiert, halb skeptisches Gesicht nicht unbedingt das vielversprechendste war.

„Sie meinte, ihre Schwester hasst sie vor allem, weil sie im Gegensatz zu ihr wirklich 'lebt'. Ich denke, das größte Problem das sie miteinander hatten, war das sie die eigenen Begierden, die der jeweils andere auslebte, einfach nicht ertragen konnten. Jenna wollte von ihren Eltern geliebt werden, aber die liebten ihre Schwester mehr. Ihre Schwester wollte mehr leben, aber hielt sich immer an die Regeln“
Eine kleine Pause entstand, dann fuhr Maruka fort:
„Jenna ist kein von Grund auf schlechter Mensch. Sie mag halt nur keine Regeln die sie einengen und liebt das Leben. Manchmal macht sie auch Sachen die anderen Leuten nicht gefallen. Dabei hat sie auch schon Sachen gemacht, die anderen 'weh'-getan haben...also vor allen den Jungs...und eben ihrer Schwester. Geschwister können einander hassen, das kenne ich... Aber als Jenna an den Falschen geraten war und verletzt worden ist...tja, da war ihre Schwester für sie da, obwohl sie ihr den Freund ausgespannt hatte.“
Maruka seufzte.
„Ich denke, so ähnlich ist es auch bei Liam. Er hasst dich vielleicht genauso wie du ihn.“
Sie zuckte mit den Schultern.
„Aber wenn es um Familie geht, hält man im Ernstfall zusammen. Ich denke, deshalb sucht er dich.“
Damit war ihre kleine Geschichte zu Ende. Maruka zuckte mit dem Mundwinkeln und lief neben ihm schweigend weiter. Manchmal konnten Geschichten wie Medizin sein. Manchmal brachten sie einen zum Nachdenken. Manchmal waren es auch einfach nur Geschichten.

Stian indessen wirkte nicht gerade überzeugt, konnte man seinem leicht empörten Gesichtsausdruck glauben. Einen weiteren Kommentar verbiss er sich jedoch und brummte nur als Antwort.

[…]

Maruka packte den Inquidingsbums am Arm und raunte so leise es ging:
„ER kämpft für deine Sache! Lass ihn nicht sinnlos sterben!“

Stian, offenbar noch etwas in Starre, blinzelte und sah sie gequält an. Sie gab ihm einen sachten Schubser, was ihn allerdings nur fester stehen ließ, wobei Maruka eher von einer rein instinktiven Reaktion ausging als tatsächlichem Widerstand.
Sie mussten zu diesem Baumhaus, das Orléan beschrieben hatte! Ins Zentrum von all diesem Bösen und es vernichten und wenn das nicht ging, dann wenigstens es soweit schwächen, dass es die Zeit überdauern und nicht so einfach neu erstarkten konnte! Das würde auch Revien wollen!
Revien!!!
Der Gedanke an ihren Freund machte ihr mehr Mut als alles andere! Sollte sie heute sterben, dann wusste Maruka wenigstens, wofür sie es tat und das machte es zu einer guten Sache.
„Heute ist ein guter Tag zum sterben!“
Ihre Stimme war leise, aber bestimmt, auch wenn sie mehr zu sich selbst, als zu Stian gesprochen hatte.


Dieser blinzelte, als hätte er sie zumindest zum Teil verstanden und endlich geriet Bewegung in ihn.

Nicht vielen war es bestimmt einen heldenhaftes Ende zu finden und die Tapferen Mantrons trachteten seit je her danach ihren Ahnen Ehre zu bereiten, auf das ihre Namen nie in den Liedern und Geschichten verklungen. Gern hätte Maruka ihren eigenen Namen auf den Steinen in Mantron gewusst, aber solange die Götter um ihre Tapferkeit wussten, war das Ehre genug.
Bevor sie also den schützenden Bereich von Eridas Nebel verloren, musste sich Stiam in Bewegung setzen, ob er nun wollte oder nicht. Heute war kein Tag zum Zweifeln! Heute war ein Tag zum Handeln! Ohne Entscheidungen gab es keine Veränderung und das hier und jetzt hatte eine Veränderung dringend nötig! Einmal mehr in ihrem Leben war es an der jungen Hybridin einen Kerl aus seiner Starre zu befreien und voran zu treiben, aber darin hatte sie ja schon ein bisschen Übung. Nur dieses Mal hatte sie keine Wochen Zeit um eine von Schuldgefühlen zerfressene Seele zu heilen, dieses Mal musste sie innerhalb von Sekunden einen großen schweren Mann einen Hügel hinauf treiben. Dafür gab es keine Anleitung, keine Regeln, keine schlauen Ideen, also griff sie auf das zurück was sie hatte.
Krallen!
Die Hand an Stiams Arm, die Finger leicht gebeugt, fuhr sie die Krallen aus um ihn Beine zu machen. Leicht, nicht doll, stach sie damit an einer weichen Stelle seiner Rüstung, vermutlich am Übergang von Handschuh zu Armschiene, in seine Haut. Manchmal konnte ein kleiner Schmerz Wunder bewirken. Hoffentlich setzte er sich damit dann endlich in Bewegung und vergaß seine Angst, seine Sorge um den Freund und erinnerte sich daran, WARUM sein Freund starb!
„Los!“
Vielleicht hätte es auch ein Klaps auf den Po getan, aber das war ihr zu spät eingefallen. Instinkte waren einfach schneller. Zwischen ihren leisen, geflüsterten Sätzen hatten auch nur Herzschläge gelegen, aber jetzt wurde es knapp. Maruka musste los! Der Nebel wurde langsam lichter, da die Anderen voran gegangen waren und ihr Ziel verfolgten. Auch für sie, nicht nur für die Gruppe dieser Zeit, war es wichtig das das Böse diesen Ort verließ! Sie hatte da ihre ganz eigene intrinsische Motivation und fühlte mit jeder Faser ihres Körpers die Verderbtheit dieses Ortes. Sie würde sie wie zuvor darauf verlassen, wo ihre von Revien gegeben, Instinkte, der Funken seiner Magie sie hin führte. Sie war entschlossen und noch ein anderes Gefühl machte sich da in ihr bemerkbar... klein und vielleicht nicht ganz passend, aber doch da.
Maruka war glücklich.
Sie hatte eine klare Richtung, einen Zweck in ihrem Leben gefunden, Menschen die sie brauchten, eine Göttin die ihren Namen kannte, Funkenfreunde für die es sich zu sterben lohnte, aber was noch wichtiger war. Es gab da jemanden für den es sich zu leben lohnte!


Wer hätte Gedacht, dass die junge Frau ihrer mantronischen Natur gerade im Kapayu so nahe kommen würde? Keiner der Anwesenden verstand den Waffenstarrenden Krieger Anselm so gut, wie die junge Frau, das wusste Maruka tief in ihrem Herzen. Seine Weggefährten betrauerten ihn und erkannten sein Opfer, aber sie begriffen nicht die Glorie seines Tuns. Hoffentlich würde es jemanden geben, der von seinen Taten berichten konnte. Und wenn es Maruka war.

Stian war einige Schritte hinter Maruka gefolgt. Er legte einen Zahn zu, als sie zusätzlich zu dem Zerren an seinem Handgelenk noch die scharfen Krallen durch das Leder bohrte. Etwas verärgert riss er sich los, wobei der Handschuh riss – und sicher auch die Haut darunter. Sie schlossen dafür aber zu den anderen auf.

Auf schnellen Beinen, die Schritte verhüllt vom Nebel und dem Geschrei der Bestien und des Berserkers, eilten die Helden die Anhöhe herauf. Dort angekommen lichtete sich der Nebel. Jetzt konnte Maruka Anselm in all seiner Glorie sehen. Er schwang zwei Äxte, die mancher Mann mit zwei Händen hätte halten müssen, um sich herum und zerschnitt Fleisch, Sehnen und Gliedmaßen. Ein Schwert nagelte einen Körper, halb Insekt, halb Elf, an einen Baum und das Geschöpf rupfte an seiner Brust, um sich zu befreien und verteilte Chitin Platten und Fleisch auf dem Boden. Ein Morgenstern hatte sich in dem Leichnam eines dünnen, haarigen Geschöpfs verfangen. Ein Kreis aus toten lag um den Krieger, aber ein Meer wartete um ihn herum darauf, ihm das Fleisch von den Knochen zu zerren. Gerade Spalt er einem leoparden Geschöpf den Schädel, während ein dünnes Wesen das Ähnlichkeit mit einer gigantischen Gottesanbeterin hatte, einen langen Riss durch sein Kettenhemd zog.

„Herr des Lichts, schenke ihm Kraft und halte deine schützende Hand über Anselm.“
Sprach Stian leise ein Gebet, küsste ein Amulett, das er um den Hals hielt und wandte sich dann um, um seiner Bestimmung zu folgen. Nun, zumindest nachdem Maruka ihn in die richtige Richtung geschubst hatte.
Vor sich sahen sie ein großes, relativ gut intaktes niedrig liegendes Baumhaus. Eine instabil wirkende Treppe führte gut zwei Meter hinauf.
Das Gebäude war einmal kreisrund gewesen – um den größten Baum herum gebaut, den sie je gesehen hatte. Vom Dach war nur noch der Dachstuhl übrig, wobei viele Balken eingestürzt waren. Über diesem waberte eine dunkle Wolke. An den Stellen, an denen diese den Baum berührte, sah man zum Teil völlig gesunde Barke und grün und an einigen anderen graues, völlig verrottetes Holz. Die beiden Stati wechselten in unregelmäßiger Frequenz mit einem flimmern.

Sie stürzten die Treppe herauf, in der Hoffnung, den Überraschungsmoment mit genug Geschwindigkeit zu behalten. Leichtfüßig und in Schatten gehüllt sprang zuerst Orléan die Stufen herauf, dann folgte Stian. Trotz der schweren Rüstung war er flink und trat halbwegs leise auf, auch wenn er die hinter ihm gehenden durch seine vorsichtigeren Schritte etwas abbremste. Orléan und Stian verschwanden im inneren des Baumhauses, dicht gefolgt von Erida. Das singen einer Klinge erklang, dann ein kurzes Kreischen und etwas Schweres fiel zu Boden, direkt gefolgt von einem zweiten Körper.

Wie durch ein Wunder hatte die wacklige Treppe unter ihrer aller Gewicht gehalten und als Maruka schließlich in der Ruine stand, lagen zwei niedergestreckte Gestalten am Boden, Beide eine Mischung aus Insekt und Mensch.

Ansonsten bot sich ihnen ein seltsamer Anblick. Ein Mann, gehüllt in dunkle dreckige Roben, kniete am Boden, den Rücken zum Baum, der das Zentrum des Gebäudes bildete. Er hatte den Kopf gen Baumkrone gerichtet und ein seliges, wahnsinnig anmutendes Lächeln lag auf seinen Lippen. Der Umriss des Verhüllten waberte, so als gäbe es durchsichtige Schatten von ihm mit anderen Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen, die sich von ihm lösten und dann wieder in ihn hinein schmolzen. Nichts von dem Krach schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben. Um ihn herum lag eine magische Barriere aus durchsichtigen schwarzen Schatten. Im Raum selbst waren ein großer zerbrochener Tisch, ein paar halb zerfallene Bücherregale und etwas, das wie ein Käfig aussah, wobei die rostigen Eisenstangen an einer Stelle gebrochen und nach außen gewölbt waren. Erida ließ probeweise eine kleine Nadel aus Wasser aus ihrer Hand gegen die Barriere fliegen. Sie klatschte wirkungslos dagegen.

„Borgon, Orléan, Maruka, sichert den Eingang und wartet darauf, dass wir den Schutzkreis um Kaîr gebrochen haben. Stian und Syrella werden sich darum kümmern.“
Raunte Erida mit leiser, ruhiger Stimme.
Borgon begann sofort, drei große Eisenkugeln aus seinem Rucksack auf dem Boden vor sich auszubreiten, wobei er jede vor dem Ablegen genausten untersuchte und sicherstellte, dass sie nicht wegrollten.
Währenddessen legte Syrella mit einem roten, eigenartig schweren dünnen Seil einen Kreis um sich und legte ein paar metallene Zeichen darum aus. Erida begann das Wasser aus einer Flasche an ihrer Seite mit flüssigen eleganten Handbewegungen heraus zu ziehen, so dass es in einem Liquiden Ball vor ihr in der Luft schwebte. Dann fuhr sie fort indem sie überall aus ihrer Umgebung weitere winzige Wassertropfen zog und vergrößerte damit die Kugel.

Stian trat vor und begann eine geflüsterte Litanei an Lysanthor und sachtes, weißgoldenes Licht umhüllte ihn.
Die Umrisse um den Mann verschmolzen zu einer Person und er blickte den Inquisitor an.
„Du!“
Stellte er fest, als er erkannte, wer vor ihm stand.
„Kommst du also doch, kleine Kirchenmaus? Ich hatte gar nicht mehr mit dir gerechnet.“
Spottete er und lachte über seinen eigenen Scherz. Dann erhob er sich und streckte seinen rechten Zeigefinger aus um damit auf Stian zu deuten. Seine Hand war von einer Kette umschlungen, an der eine runenbeschriebene kleine Phiole hing. Der Kreis, der die Barriere um Kaîr hielt, verdunkelte und verdichtete sich und schwarze Tentakel schossen daraus hervor. Sie folgten seinem Fingerzeig und flogen direkt auf den Streiter Lysanthors zu um ihn zu umschließen. Das goldene Licht um diesen herum glühte auf und hielt den Angriff auf.
Der Dämonenbeschwörer hob die andere Hand und der Strom aus Schwarz wurde dicker und fester. Die goldene Barriere glühte auf, flackerte und zerbarst dann in kleine Scherben aus Licht. Die Tentakel umschlossen Stian von Kopf bis Fuß. Sein schmerzerfüllter Schrei wurde schnell von der schwarzen Masse erstickt.

Ein anderer ungebremster Schrei erklang von draußen, voller Schmerz und Wut. Er endete in einem erstickten gurgeln und einem triumphalen heulen, dass den Anwesenden das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Anselm.“
Hauchte Orléan mit ausdrucksloser Stimme.
Borgon riss die Augen auf und deutete nach draußen.
„Sie kommen!“
Orléan zog drei Wurfdolche, die er in eine dunkle Flüssigkeit tauchte. Neben ihm nahm Borgon Position ein, in den Händen eine große zweihändige Axt.

Das erste Geschöpf hatte die Anhöhe erreicht. Wild und mit langen ledrigen Schwingen flatternd machte es große Sätze, die es kurz über den Boden gleiten ließen. Sein Brustkorb war beinahe menschlich, aber ab dem Hals aufwärts ähnelte es einer Alptraumhaften riesigen Fledermaus. Hinter ihm schlossen unzählige andere Monster auf und kämpften sich den Hang hinauf.




[ooc: Wenns dir nach Monstern schnetzeln ist, tob dich gern ein bisschen aus, es sind weit mehr als genug für alle da. Wenn du dich lieber mit dem Magier befassen möchtest, beschreibe, was du vorhast, dann übernehme ich wieder.]
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Dienstag 13. November 2018, 11:06

Nach dem Gespräch mit Stiam ging Maruka noch so einiges durch den Kopf, aber sie beließ es bei Gedanken. Sie wusste, sie würde die Brüder nicht aussöhnen können. Etwas das mächtiger war als alles stand dem im Wege und das war Gevatter Tod selbst. Stiam würde heute sterben und gegen dieses Schicksal war sie nun mal machtlos. WIE er starb, DAS würde in die Geschichte eingehen. Manche Brücken waren einfach nicht zu überwinden und hier gab es einfach nicht die Zeit für gute Taten, aber damit konnte sie leben.

Das Abenteuer ging voran und das Chaos spitzte sich zu. Mit jedem Schritt, mit jedem geflüsterten Wort, mit jeder kleinen Tat schritt die Geschichte unaufhaltsam fort.

Amseln …
Das war ein Mann, den sie gern besser kennen gelernt und gerne Freund genannt hätte. Ihre Seelen trugen eine gewisse Verwandtschaft in sich, die andere nicht verstanden. Er war ein Held und Maruka würde seine Geschichte erzählen. Seine Tat, sein Mut an diesem Tag würde nicht vergessen werden!
Amseln, der Schlächter des Bösen!
Sein Name sollte nieder geschrieben werden zwischen glorreichen Helden. Niemals würde sie sein Antlitz vergessen, wie er mit Freude und Humor sich in die Schlacht stürzte. Das Funkeln seiner Augen im Angesicht seines Schicksals. Sie war stolz jemanden wie ihn kennen gelernt zu haben.

Auf schnellen Beinen, die Schritte verhüllt vom Nebel und dem Geschrei der Bestien und des Berserkers, eilten die Helden die Anhöhe herauf. Dort angekommen lichtete sich der Nebel. Jetzt konnte Maruka Anselm in all seiner Glorie sehen. Er schwang zwei Äxte, die mancher Mann mit zwei Händen hätte halten müssen. Um ihn herum und zerschnitt Fleisch, Sehnen und Gliedmaßen. Ein Kreis aus Toten lag um den Krieger, aber ein Meer wartete um ihn herum darauf, ihm das Fleisch von den Knochen zu zerren. Gerade spaltete er einem Leoparden Geschöpf den Schädel, während ein dünnes Wesen das Ähnlichkeit mit einer gigantischen Gottesanbeterin hatte, einen langen Riss durch sein Kettenhemd zog. Stian sprach leise ein Gebet in einer Sprache, die Maruka nicht verstand, küsste ein Amulett, das er um den Hals hielt und wandte sich dann um, um seiner Bestimmung zu folgen. Nun, zumindest nachdem Maruka ihn in die richtige Richtung geschubst hatte.
Vor sich sahen sie ein großes, relativ gut intaktes niedrig liegendes Baumhaus. Eine instabil wirkende Treppe führte gut zwei Meter hinauf. Das Gebäude war einmal kreisrund gewesen – um den größten Baum herum gebaut, den sie je gesehen hatte. Vom Dach war nur noch der Dachstuhl übrig, wobei viele Balken eingestürzt waren. Über diesem waberte eine dunkle Wolke. An den Stellen, an denen diese den Baum berührte, sah man zum Teil völlig gesunde Barke und grün und an einigen anderen graues, völlig verrottetes Holz. Die beiden Stati wechselten in unregelmäßiger Frequenz mit einem flimmern.
Zeitmagie...?
Sie stürzten die Treppe herauf, in der Hoffnung, den Überraschungsmoment mit genug Geschwindigkeit zu behalten. Leichtfüßig und in Schatten gehüllt sprang zuerst Orléan die Stufen herauf, dann folgte Stian. Als Maruka schließlich in der Ruine stand, lagen zwei niedergestreckte Gestalten am Boden, beide eine Mischung aus Insekt und Mensch.
Soweit so gut.
Ansonsten bot sich ihnen ein seltsamer Anblick. Ein Mann, gehüllt in dunkle dreckige Roben, kniete am Boden, den Rücken zum Baum, der das Zentrum des Gebäudes bildete. Er hatte den Kopf gen Baumkrone gerichtet und ein seliges, wahnsinnig anmutendes Lächeln lag auf seinen Lippen. Der Umriss des Verhüllten waberte, so als gäbe es durchsichtige Schatten von ihm mit anderen Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen, die sich von ihm lösten und dann wieder in ihn hinein schmolzen.
Mist! Der Kerl, ist nicht nur hier er ist auch noch WANN anders. Wie soll man so etwas bekämpfen?
Nichts von dem Krach schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben. Um ihn herum lag eine magische Barriere aus durchsichtigen schwarzen Schatten.
„Borgon, Orléan, Maruka, sichert den Eingang und wartet darauf, dass wir den Schutzkreis um Kaîr gebrochen haben. Stian und Syrella werden sich darum kümmern.“
, raunte Erida mit leiser, ruhiger Stimme. Borgon, Syrella und Erida begannen sich jeder auf seine Art vorzubereiten. Maruka hielt sich in Deckung in den Schatten. Sie wollte nicht zu früh in Erscheinung treten, am besten gar nicht auffallen, aber der Kerl schien vollkommen abgelenkt. Stian trat vor und begann eine geflüsterte Litanei an Lysanthor und sachtes, weiß goldenes Licht umhüllte ihn. Die Umrisse um den Mann verschmolzen zu einer Person und er blickte den Inquisitor an.
Jetzt ist er ganz hier.
„Du!“
, stellte er fest, als er erkannte, wer vor ihm stand.
„Kommst du also doch, kleine Kirchenmaus? Ich hatte gar nicht mehr mit dir gerechnet.“
, spottete er und lachte über seinen eigenen Scherz. Dann erhob er sich und streckte seinen rechten Zeigefinger aus um damit auf Stian zu deuten. Da sah Maruka es! Sie Erinnerte sich an einen Satz: „... sagtest du nicht, dass der Dämon, den Kaîr im Artefakt mit sich trägt, die Zeit beeinflussen kann?“ Seine Hand war von einer Kette umschlungen, an der eine mit Runen beschriebene kleine Phiole hing.
Das muss es sein! Das Ding muss ich haben!
Maruka musterte die Beschaffenheit der Kette und des Kleinods ganz genau. Jeder Schmuck hatte eine Schwachstelle und wahrscheinlich würde die Kette nicht nachgeben, aber mit einem schnellen heftigen Ruck war vielleicht die Phiole zu lösen, wenn sie heran kam. Gab es einen Haken, eine Öse? Der Kreis, der die Barriere um Kaîr hielt, verdunkelte und verdichtete sich und schwarze Tentakel schossen daraus hervor. Sie folgten seinem Fingerzeig und flogen direkt auf den Streiter Lysanthors zu um ihn zu umschließen.
Mist!!!
Maruka erzitterte in ihrem Innern. Das war alles so falsch, so verdorben, aber jeder hier hatte seinen Part zu spielen. … auch sie.
Das goldene Licht um Stiam herum glühte auf und hielt den Angriff auf.
Halt aus! Syrella braucht Zeit! Die brauchen wir alle! Der Dämonenbeschwörer hob die andere Hand und der Strom aus Schwarz wurde dicker und fester. Die goldene Barriere glühte auf, flackerte und zerbarst dann in kleine Scherben aus Licht.
NEIN!!!
Die Tentakel umschlossen Stian von Kopf bis Fuß. Sein schmerzerfüllter Schrei wurde schnell von der schwarzen Masse erstickt. Am liebsten wäre Maruka vor gestürmt, aber ganz hatte sie ihre Vernunft noch nicht verlassen. Trotzdem war es hart das mitanzusehen! Ein anderer ungebremster Schrei erklang zeitgleich von draußen, voller Schmerz und Wut. Er endete in einem erstickten gurgeln und einem triumphalen Heulen, dass den Anwesenden das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Anselm.“
, hauchte Orléan mit ausdrucksloser Stimme. Die Ereignisse überstürzten sich.
Sie fallen...sie sterben...alle nacheinander... WAS KANN ICH TUN?!?
Borgon riss die Augen auf und deutete nach draußen.
„Sie kommen!“
Orléan zog drei Wurfdolche, die er in eine dunkle Flüssigkeit tauchte. Neben ihm nahm Borgon Position ein, in den Händen eine große zweihändige Axt. Das erste Geschöpf hatte die Anhöhe erreicht. Wild und mit langen ledrigen Schwingen flatternd machte es große Sätze, die es kurz über den Boden gleiten ließen. Sein Brustkorb war beinahe menschlich, aber ab dem Hals aufwärts ähnelte es einer Alptraumhaften riesigen Fledermaus. Hinter ihm schlossen unzählige andere Monster auf und kämpften sich den Hang hinauf.
Maruka dachte nicht mehr nach... es war mehr ein Gefühl, dem sie folgen wollte.
Das Gefühl entsprang einer einzelnen Wahrheit, die nur sie kannte. Heute würden hier alle sterben! Syrella würde gefangen genommen werden und zu lebendem Tod verdammt werden und daran konnte sie vermutlich nichts ändern. Oder?
Aber was sie vielleicht ändern konnte war ihre eigene Rolle in diesem Szenario.
Sie war nicht Teil dieser Geschichte. Maruka gehörte genau sowenig hier her wie diese Phiole..wie der Dämon. Sie gehörte in eine andere Zeit und wenn ein Zeitdämon dieses ganze Chaos angerichtet hatte, dann musste sie und niemand anders sich dem stellen, denn das hatten sie gemeinsam. Und noch etwas anderes, etwas sehr kleines, aber doch mächtiges gab ihr Hoffnung hier und jetzt das richtige zu tun. Es war der Funken Leben, den Revien ihr geschenkt hatte. Irgendwie hatte sie die abstruse Idee, dass dieser Funke genau das war, dass sie nun geben konnte um das hier zu etwas besserem zu verändern. Diese Dunkelheit, die der Magier um sich hüllte, mit der er Stiam umschlungen hielt, ihn erstickte, diese Dunkelheit war es die auch Revien bekämpft hatte. Der Gedanke war einfach: Ihr Licht gegen diese Dunkelheit!
Das wäre doch ein Handel in Manthalas Sinne. … infiziere die Dunkelheit mit Licht!!!
Aber es war nicht das Licht wie Lysanthor es sandte, es was Reviens Licht...reines Leben, dass ihr diese Fähigkeit zum schnellen Heilen geschenkt hatte.
… Ich nehme mir deine Zeit und gebe dir dafür das Leben.
In solchen Momenten raffte sich die Zeit und Entscheidungen fielen in Bruchteilen eines Herzschlages. Maruka nutzte IHRE Zeit, die Ablenkung die der Kampf bot und die Konzentration der Gegner aufeinander. Sie würde den rechten Moment abpassen müssen, in dem Syrella ihre Magie nutzen würde nutzen. Sie bewegte sich in einen toten Winkel aus dem sie sich dem rechen Arm des Magiers nähern konnte, wenn die Barriere brüchig wurde. Er musste seine Energien schließlich auf Stiam konzentrieren. Dann, wenn es soweit war...
Dann würde sie die Hand ausstrecken und die Phiole gegen ihren Lebensfunken tauschen. Das war ihre Hoffnung.

Hoffnung... ...ein mächtiges Wort in einer solchen Situation.

Was erhoffte sie sich von dem ganzen? Es war ein kleiner Wunsch an die Göttin der Schatten, der vielleicht die Geschichte ein klein wenig verändern könnte, zu etwas besserem. Es war die Vorstellung, dass der Magier seine dämonische Rückendeckung verlor, im hier und jetzt gefangen werden würde und das Leben selbst seine Macht schwächen würde, dass es eine Chance gab, diese Verderbnis doch aufzuhalten und ein paar Leben wenn nicht zu retten, dann doch ihrem Tod einen Sinn zu geben. Dabei dachte Maruka am wenigsten an sich selbst. Sie hatte tausend Wünsche in sich. Einige waren, dass Stiam seinem Bruder vergeben könnte, dass Amselns Tod nicht umsonst wäre, dass Orléan nicht in diesem Loch enden würde und Borgons Kugeln ihr Ziel treffen würden... Sie wünschte der Gruppe einfach Glück. Sie wollte einfach Syrella nicht leiden sehen. Sie wollte sie in der Zukunft nicht sterben lassen, selbst wenn es bedeuten würde, selbst in einer anderen Zeit gefangen zu bleiben oder schlimmeres. Wenn sie seines verstanden hatte, dass es nicht darauf ankam was die Vergangenheit einem antat, sondern dass was die eigenen Taten der Zukunft brachten und Maruka war sich ihrer Rolle jetzt gerade ziemlich sicher. Sie war hier und jetzt eine Wächterin des Waldes! Sie hatte das Leben zu beschützen! Dämonen gehörten einfach nicht in diese Welt!
Wenn das was sie vor hatte, tatsächlich funktionieren würde, dann ...nun ja... hätte sie vielleicht im schlimmsten Fall einen schmerzvollen Tod vor sich, im besten Fall, eine Phiole 'getauscht' und einen Zeitdämon in der Hand. Wie es dann weiter ging? Das würde sich dann zeigen und manchmal kam sowieso alles ganz anderes als man dachte, aber eines blieb immer bis zum Schluss:
Die Hoffnung.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 14. November 2018, 21:45

Marukas Plan war gefasst, ein funken Leben gegen eine Phiole, in der ein Dämon gefangen war!
Es war schwer, einfach nur zu zusehen, selbst wenn sie sich selbst daran erinnerte, dass ohnehin alles schon passiert war, passieren würde … was auch immer.

Menschen (und Zwerge) waren in Gefahr und wurden verletzt – würden wahrscheinlich sogar sterben! Und sie stand tatenlos daneben und wartete auf den richtigen Moment.

Die ersten Wurfdolche aus Orléans Händen flogen auf das geflügelte Wesen zu und bohrten sich in dessen Leib. Die Messer selbst hielten es nicht auf, aber nach dem zweiten Hopser brach es schlichtweg bewegungslos zusammen.

Mehr Wurfdolche flogen und mehr Geschöpfe brachen zusammen. Allerdings bei weitem nicht genug. Borgon passte einen der schnelleren mit der Axt ab, der nicht den Messern des Diebes zum Opfer gefallen war und schlitzte seinem geschuppten Gegner die Leibesmitte auf. Dieser brach mit lauten Schmerzensschreien zusammen.

Syrella spie etwas in einer fremd wirkenden Sprache aus und die Tentakel zerbarsten zu schwarzem Glibber, der zu Boden klatschte. Kaîr schrie erzürnt auf. Aus dem dunklen Wust tauchte der Inquisitor wieder auf. Stian stolperte und fiel auf ein Knie, während er sich auf sein Schwert stützte. Noch immer lag ein dünner schwarzer Film über ihm. Wasser, geleitet von Eridas Willen, umspülte ihn und wusch den Glibber von seiner Haut. Er schüttelte den Kopf einmal, wie um ihn zu klären, und fuhr nach kurzer Verzögerung mit der Litanei fort. Seine Stimme klang zuerst schwach, aber mit jedem Wort wurde sie wieder stärker und seine Entschlossenheit kehrte zu ihm zurück. Das goldene Licht umhüllte ihn mit neuer Kraft und Intensität.

Eine erste Welle aus Monstern war zurückgeschlagen, aber mehr waren nur Minuten davon entfernt, die Hütte zu erreichen. Borgon warf seine Axt zur Seite und hob stattdessen eine der Kugeln. Ein klicken ertönte, als er auf zwei gegenüber liegende Knöpfe darauf drückte, dann warf er die Kugel, wobei er laut:
„In Deckung!“
Brüllte. Orléan und er machten einen Hechtsprung vom Eingang weg. Ein ohrenbetäubendes Knallen erschütterte die Luft. Eine Feuersbrunst zerstörte den Großteil der Monster auf der Ebene, sowie die Treppe und einen Teil der Wand.

Maruka, die zum Glück weit genug von der Explosion entfernt gestanden hatte, rieb sich die Klingelnden Ohren.
Noch immer wartete sie auf den richtigen Moment. Erida, Syrella uns Stian reagierten nicht auf die Explosion, so konzentriert waren sie auf ihren Gegner. Der Inquisitor schritt weiter voran, während Kaîr, immer verzweifelter werdend, Zauber um Zauber nach ihm warf. Diese ließ entweder Syrella zerbersten, oder Erida fing sie mit einer Fontäne aus Wasser ab. Dadurch hervorragend verteidigt erreichte der Inquisitor die Barriere und mit einem Streich seines lichtumhüllten Schwerts durchschnitt er die Barriere.

Maruka, ihre Chance sehend, spurtete los und wäre fast von einem Dolch getroffen worden, den Orléan warf. Statt Kaîr zu treffen durchschlug der Dolch die Kette, mit der das Amulett gehalten wurde. Das Artefakt flog zu Boden. Entsetzt schrie Kaîr auf, aber ein Schwert in seiner Brust verwandelte das Brüllen in ein Gurgeln. Seine Augen wurden Tellergroß und während er noch ungläubig starrte, verließ mit jeder Sekunde das Leben seinen Leib.

Etwas durch den Dolch verlangsamt kam Maruka in griffreichweite der Phiole die langsam von dem Dämonenbeschwörer weg rollte. Ihre Fingerspitzen berührten deren Rand, als etwas ihr die Phiole entriss.

Das Gefäß hatte urplötzlich die Richtung gewechselt, aber nicht etwa von allein! Die dunkle Wolke hatte sich abgesenkt und formte aus ihrer diffusen Masse etwas Handähnliches. Über der Hütte schwebte noch immer die Zeitanomalie.

Nicht bereit sich geschlagen zu geben setzte Maruka der Wolke nach um wieder nach dem Amulett zu greifen. Sie schnellte blitzschnell vor und als ihre Hand den schwarzen Rauch berührten, schoss eisiger schmerz hindurch und ließ sie zurückzucken. Raureif bedeckte das Gliedmaß und ihre Finger waren steif geworden. Inzwischen hatte sich die Phiole weiter zurück zu Kaîrs Hand bewegt und er schloss seine kraftlosen zitternden Finger darum.

Ein Ruck ging durch seinen Leib und ein schriller hoher Ton malträtierte Marukas Ohren. Um sich abzuschirmen hielt sie ihre Hände über Beide Ohren, aber nichts schien den Ton aufhalten zu können. Der Raum schwanke kurz und sie ging in die Knie. Ungläubig sah sie mit an, wie sich Stians Schwert aus der Brust Kaîrs schob. Auf dessen Brust verblieb keinerlei Spur vom tödlichen Stoß der Waffe. Erida, Borgon und Orléan schrien gleichzeitig auf. Flimmernde Luft umhüllte sie. Borgon krümmte sich schmerzerfüllt zusammen. Unweit entfernt sank Orléan nieder, weiße strähnen begannen sein braunes Haar zu durchziehen. Ähnliches passierte Erida, wobei es sie am stärksten traf, da sie Kaîr am nächsten stand.

Die schwarze Wolke, die dem Dämonenbeschwörer die Phiole gegeben hatte, umhüllte ihn und verschmolz dann mit seinem Körper bis sie verschwand. Nur seine Augen wurden mitternachts schwarz und verloren jegliches weiß. Ein dunkles Lachen, mit einer Stimme die tiefer war, als er sie vorher besessen hatte, drang aus seinem Mund. Währenddessen schrie Stian wütend auf, und versuchte sein Schwert erneut in die Brust des Dämonenbeschwörers zu stoßen. Das Goldene Licht, das ihn umhüllte, schien ihn zu schützen, aber seine Klinge bewegte sich keinen Zentimeter.
Syrella, die ebenfalls durch den Kreis, den sie um sich gezogen hatte, geschützt war, sah mit großen angsterfüllten Augen auf ihre Gefährten, denen Jahre ihres Lebens innerhalb von Minuten aus dem Leib gesogen wurden.

Das Fiepen in Marukas Ohren verursachte ihr Kopfschmerzen, aber sie bleib von den Effekten des Zaubers, den Kaîr auf die Anderen geworfen hatte, verschont. Sie richtete sich unter dröhnenden Kopfschmerzen auf und taumelte auf den schwarzäugigen Dämonenbeschwörer zu. Noch war es nicht zu spät!

Syrella geriet ebenfalls in Bewegung, wobei sie in dem Moment, in dem sie den Kreis durchbrach, ebenfalls von dem Lebenskraft raubenden Zauber befallen wurde. Sie schrie auf und fiel auf ein Knie, rappelte sich dann aber hoch.

Stian lehnte noch immer mit verzerrtem, angestrengten Gesicht gegen sein Schwert, das unverrückbar in der Luft hing.
„Dummkopf. Du kannst mich nicht besiegen, genauso wenig wie deine lächerlichen Brüder. Genauso wenig wie der Wächter. Ihr seid verloren!“
Verhöhnte Kaîr den Inquisitor mit volltönender Stimme.

Maruka wankte weiter, wobei jeder Schritt eine neue Welle aus Schmerz durch ihren Schädel fahren ließ. Syrella kam ähnlich langsam voran, aber die Hybrid war näher. Der Dämonenbeschwörer erkannte im letzten Moment ihren Plan und wollte einen Schritt zur Seite machen, um ihr auszuweichen, da schrie Stian ein Gebet an Lysanthor aus voller Lunge und sein Schwert wanderte, umgeben von goldenem Licht, einige Zentimeter vorwärts, bis die Schwerspitze den Stoff auf der Brust Kaîrs durchschnitt.

Maruka nutzte den Moment der Ablenkung und griff nach dem Amulett. Ihre Hand schloss sich um die des Dämonenbeschwörers und die Phiole darin. Die Hybrin schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Wärme in ihrem Inneren. Je mehr sie sich Fokussierte, desto stärker wich der Schmerz, bis sie nur noch Wärme und Leben in sich fühlte. Fast konnte sie Reviens Zuneigung und Hingabe in sich Spüren und auch das vage Gefühl der Funkenfreunde um sie herum wurde stärker. Dann dachte sie daran, dass sie die Phiole zurück in ihre Zeit, weg vom Dämonenbeschwörer bringen wollte. Dachte an all die Leben, die sie retten wollte und daran, dass sie sich wünschte, Syrella zu retten. Die wärme floss aus ihr heraus und ließ sie leer und einsam zurück.

Sie öffnete die Augen in der Erwartung von … ja, was hatte sie erwartet?

Ihre Hand lag auf der Kaîrs, der noch immer die Phiole in den Händen hielt. Syrella hatte bis zu Maruka aufschließen können und auch ihre Hand lag jetzt um Kaîrs Hand. Die Magierin schien völlig verwirrt und sah die Hybridin fragend an. Dann schien sie sich zu erinnern, was sie eigentlich vorgehabt hatte und …

… alles gefror in der Bewegung. Wie aus weiter Ferne sah Maruka die vorher jungen Gesichter der Helden, die aufgebrochen waren um Kaîr aufzuhalten. Altersflecken und Runzeln bedeckten jetzt die Gesichter der Menschen. Das Haar des Zwerges war grau geworden. Wo einst jugendliche Energie pulsierte, sah man nun Müdigkeit und Schwäche.

Maruka spürte die Geister derer um sie herum und mehr. Da war etwas Fremdartiges, das nicht von dieser Welt war. Es war wütend und halb verrückt davon, an seinen Fesseln zu zerren. Der Dämon. Ein junger Geist, der sich in der Auflösung befand.Kaîr. Und etwas uraltes Böses, dem der Gestank des Todes und der Krankheit anhing.Ein böser Geist?
Marukas Gedanken gerieten ins Stolpern. Woher wusste sie das so genau?
Stian war nicht stark genug, um den Dämon zu besiegen und meine Willenskraft reichte nicht aus, um mich gegen Kaîr und den Geist durchzusetzen, der sich mit ihm verbunden hatte.
Die Hybridin blinzelte irritiert … das waren NICHT ihre Gedanken.
Ich musste einen anderen Weg finden – und der einzige, der mir ein fiel, war der Dämon …
Die eingefrorene Szene bewegte sich in Zeitlupe weiter. Syrellas Augen huschten zu Stian, und ihrer Beider blicke trafen sich. Eine unausgesprochene Frage lag in ihren Augen und der Inquisitor nickte. Syrella griff mit ihrer freien Hand an sein Handgelenk und ein Ruck ging durch den Körper des Kämpfers.

Es bedurfte mehr Kraft als meiner, um Kaîr und das Geschöpf ihn ihm in der Kontrolle über den Dämon zu übertrumpfen. Deswegen habe ich Stians Kraft genommen.
Reue, die nicht ihre eigene war, ließ Marukas Brust enger werden.
Ich habe geschworen, kein Geschöpf seines freien Willens zu berauben und so verhandelte ich mit dem Dämon, statt ihn zu zwingen. Ich überzeugte ihn davon Kaîr und den Geist ihre eigene Medizin kosten zu lassen und so sperrte der Dämonen sie Beide ein. Aber der Dämon nahm keine Rücksicht auf umstehende … Stian und mich nahm er ebenfalls mit.

Die Zeit lief weiter. Stians Kopf ruckte nach hinten, seine Augen rollten nach oben, bis nur noch das weiße zu sehen war, dann sackte er kraftlos zu Boden. Syrella und Kaîr starrten einander an, dann öffnete sich unter den dreien ein Abgrund und verschlang sie. Die Phiole schlug auf Planken, rollte ein gutes Stück und fiel dann durch ein Loch im Boden. Maruka hatte danach greifen wollen aber sie hatte keinen Körper mehr, mit dem sie irgendetwas tun konnte! Panik bahnte sich an und ganz verschwommen sah sie Orléan, Borgon und Erida wie ertrinkende Luft holen. Nichts von den Bestien war mehr zu sehen, genauso wenig ihre beiden Gefährten und der Dämonenbeschwörer. Einzig ein dunkler wabernder Riss markierte, wo sie gestanden hatten.

Marukas Sicht verdunkelte sich bis alles um sie herum schwarz war. Sie riss die Augen auf und rang nach Luft.

...

Die ersten paar Atemzüge war sie nur froh darüber, Augenlider und Lungen zu haben (und den ganzen Rest, der dazu gehörte). Als das Echo der Körperlosigkeit sie verließ, warf sie einen Blick um sich herum. Sie stand genau da, wo sie die Phiole zerschlagen hatte, mit den Füßen in Wasser und noch immer in dem Keller.

Ihre Umgebung fühlte sich anders an, feindseliger, düsterer. Und sie spürte, dass sie sich bei dem Handgemenge mit dem Dunkelelfen blaue Flecken und Prellungen geholt haben musste.

Vor ihr stand eine farblose durchsichtige Syrella. Zerfetzte Roben schlotterten über ihrer mageren Gestalt, ihr Gesicht zeigte noch immer die offene Wunde, in der der Fokus eingelassen gewesen war. Es sah schrecklich aus! Aber dann erblühte ein warmes Licht in ihrer Brust und die Frau vor ihr wandelte sich von dem, wie sie geendet hatte, zu der jungen Frau, die Maruka in einem anderen Leben kennen gelernt hatte.
Erschrocken und Überrascht sah die nun fast stofflich wirkende Frau die Hybridin an.

„Was … was …“
Stammelte sie.
„Was hast du getan?!“

Ein Funkenfreund streichelte tröstend über Marukas Haar.


[ooc: Wenn Maruka sich umsieht, kann sie den toten Dunkelelfen im Keller finden.]
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Donnerstag 15. November 2018, 17:32

Wäre Zeit gewesen, dann hätte Maruka vielleicht noch ein paar Pfeile abgefeuert, aber dann brach auch schon der Harax los. Überall um sie herum tobte der Kampf und die Ereignisse überschlugen sich. Da konnte man nicht an zwei Orten gleichzeitig sein, außer man hatte vielleicht einen Zeitdämon bei sich...
Im ersten Moment kam sie sich vollkommen hilflos vor, wie ein Zuschauer aus der Ferne, doch das änderte sich schnell. Sie sah ihre Chance, spurtete los und wäre fast von einem Dolch getroffen worden, den Orléan warf. Statt Kaîr zu treffen durchschlug der Dolch die Kette, mit der das Amulett gehalten wurde. Das Artefakt flog zu Boden. Die Hybridin setzte hinterher. Zeitgleich schrie Kaîr auf, aber ein Schwert in seiner Brust verwandelte das Brüllen in ein Gurgeln. Seine Augen wurden Teller groß und während er noch ungläubig starrte, verließ mit jeder Sekunde das Leben seinen Leib. Maruka kam in Griffreichweite der Phiole die langsam von dem Dämonenbeschwörer weg rollte. Ihre Fingerspitzen berührten deren Rand, als etwas ihr die Phiole entriss. Das Gefäß hatte urplötzlich die Richtung gewechselt, aber nicht etwa von allein! Die dunkle Wolke hatte sich abgesenkt und formte aus ihrer diffusen Masse etwas Hand-ähnliches. Über der Hütte schwebte noch immer die Zeitanomalie.
NEIN! DU entwischt mir nicht!
Nicht bereit sich geschlagen zu geben setzte Maruka der Wolke nach um wieder nach dem Amulett zu greifen. Sie schnellte blitzschnell vor und als ihre Hand den schwarzen Rauch berührten, schoss eisiger Schmerz hindurch und ließ sie zurückzucken. Raureif bedeckte ihren Arm und ihre Finger waren steif geworden. Inzwischen hatte sich die Phiole weiter zurück zu Kaîrs Hand bewegt und er schloss seine kraftlosen zitternden Finger darum.
Nein, das darf nicht passieren!
Ein Ruck ging durch seinen Leib und ein schriller hoher Ton malträtierte Marukas Ohren. Um sich abzuschirmen hielt sie ihre Hände über beide Ohren, aber nichts schien den Ton aufhalten zu können. Der Raum schwanke kurz und sie ging in die Knie. Ungläubig sah sie mit an, wie sich Stians Schwert aus der Brust Kaîrs schob.
Nein...!
Auf dessen Brust verblieb keinerlei Spur vom tödlichen Stoß der Waffe.
Verdammt!
Erida, Borgon und Orléan schrien gleichzeitig auf. Flimmernde Luft umhüllte sie. Borgon krümmte sich schmerzerfüllt zusammen. Unweit entfernt sank Orléan nieder, weiße Strähnen begannen sein braunes Haar zu durchziehen. Ähnliches passierte Erida, wobei es sie am stärksten traf, da sie Kaîr am nächsten stand.
Sie altern...
Die schwarze Wolke, die dem Dämonenbeschwörer die Phiole gegeben hatte, umhüllte ihn und verschmolz dann mit seinem Körper bis sie verschwand. Nur seine Augen wurden mitternachts schwarz und verloren jegliches weiß. Ein dunkles Lachen, mit einer Stimme die tiefer war, als er sie vorher besessen hatte, drang aus seinem Mund. Währenddessen schrie Stian wütend auf, und versuchte sein Schwert erneut in die Brust des Dämonenbeschwörers zu stoßen. Das goldene Licht, das ihn umhüllte, schien ihn zu schützen, aber seine Klinge bewegte sich keinen Zentimeter.
Syrella, die ebenfalls durch den Kreis, den sie um sich gezogen hatte, geschützt war, sah mit großen angsterfüllten Augen auf ihre Gefährten, denen Jahre ihres Lebens innerhalb von Minuten aus dem Leib gesogen wurden.
Das darf nicht sein!
Das Fiepen in Marukas Ohren verursachte ihr Kopfschmerzen, aber sie blieb von den Effekten des Zaubers, den Kaîr auf die Anderen geworfen hatte, verschont.
Das ist alles so seltsam... als...
Ein merkwürdiger Gedanke schoss ihr durch den Kopf.
...als wäre ich gar nicht wirklich da... Er scheint mich nicht mal richtig zu bemerken... was ja auch vielleicht gut ist...oder nicht... ach verdammt! Mein Kopf!
Sie richtete sich unter dröhnenden Kopfschmerzen auf und taumelte auf den schwarzäugigen Dämonenbeschwörer zu. Noch war es nicht zu spät! Syrella geriet ebenfalls in Bewegung, wobei sie in dem Moment, in dem sie den Kreis durchbrach, ebenfalls von dem Lebenskraft raubenden Zauber befallen wurde. Sie schrie auf und fiel auf ein Knie, rappelte sich dann aber hoch. Stian lehnte noch immer mit verzerrtem, angestrengten Gesicht gegen sein Schwert, das unverrückbar in der Luft hing.
„Dummkopf. Du kannst mich nicht besiegen, genauso wenig wie deine lächerlichen Brüder. Genauso wenig wie der Wächter. Ihr seid verloren!“
, verhöhnte Kaîr den Inquisitor mit voll tönender Stimme.
Ich muss...
Maruka wankte weiter, wobei jeder Schritt eine neue Welle aus Schmerz durch ihren Schädel fahren ließ. Syrella kam ähnlich langsam voran, aber die Hybrid war näher. Der Dämonenbeschwörer erkannte im letzten Moment ihren Plan und wollte einen Schritt zur Seite machen, um ihr auszuweichen, da schrie Stian ein Gebet an Lysanthor aus voller Lunge und sein Schwert wanderte, umgeben von goldenem Licht, einige Zentimeter vorwärts, bis die Schwerspitze den Stoff auf der Brust Kaîrs durchschnitt.
...jetzt...!
Maruka nutzte den Moment der Ablenkung und griff nach dem Amulett. Ihre Hand schloss sich um die des Dämonenbeschwörers und die Phiole darin. Die Hybridin schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Wärme in ihrem Inneren. Je mehr sie sich fokussierte, desto stärker wich der Schmerz, bis sie nur noch Wärme und Leben in sich fühlte. Fast konnte sie Reviens Zuneigung und Hingabe in sich spüren und auch das vage Gefühl der Funkenfreunde um sie herum wurde stärker. Dann dachte sie daran, dass sie die Phiole zurück in ihre Zeit, weg vom Dämonenbeschwörer bringen wollte. Dachte an all die Leben, die sie retten wollte und daran, dass sie sich wünschte, Syrella zu retten. Die Wärme floss aus ihr heraus und ließ sie leer und einsam zurück. Sie öffnete die Augen in der Erwartung von … ja, was hatte sie erwartet?
Ist irgendwas passiert? Hab ich etwas bewirken können? Irgendetwas?
Das Gefühl von Nutzlosigkeit flammte kurz auf.
War es vergebens?
Ihre Hand lag auf der Kaîrs, der noch immer die Phiole in den Händen hielt.
Nichts?
Syrella hatte bis zu Maruka aufschließen können und auch ihre Hand lag jetzt um Kaîrs Hand. Die Magierin schien völlig verwirrt und sah die Hybridin fragend an.
WAS?!
, dachte Maruka schon fast in einem frustrierten Tonfall. Dann schien Syrella sich zu erinnern, was sie eigentlich vorgehabt hatte und …

… alles gefror in der Bewegung. Wie aus weiter Ferne sah Maruka die vorher jungen Gesichter der Helden, die aufgebrochen waren um Kaîr aufzuhalten. Altersflecken und Runzeln bedeckten jetzt die Gesichter der Menschen. Das Haar des Zwerges war grau geworden. Wo einst jugendliche Energie pulsierte, sah man nun Müdigkeit und Schwäche. Maruka spürte die Geister derer um sie herum und mehr. Da war etwas Fremdartiges, das nicht von dieser Welt war. Es war wütend und halb verrückt davon, an seinen Fesseln zu zerren. Der Dämon.
Irgendwie konnte sie das sogar nachempfinden. Gefesselt zu sein war schlicht und einfach scheiße!
Dann war da noch ein junger Geist, der sich in der Auflösung befand. Kaîr.
Auch um ihn tat es ihr fast leid. So irregeleitet und vergehend fühlte sich keine Daseinsform gut an.
Und dann war da etwas uraltes Böses, dem der Gestank des Todes und der Krankheit anhing. Ein böser Geist?
Marukas Gedanken gerieten ins Stolpern.
Woher weiß das so genau?
Stian war nicht stark genug, um den Dämon zu besiegen und meine Willenskraft reichte nicht aus, um mich gegen Kaîr und den Geist durchzusetzen, der sich mit ihm verbunden hatte.
Die Hybridin blinzelte irritiert … das waren NICHT ihre Gedanken.
Wer redet da mit mir? Syrella?
Ich musste einen anderen Weg finden – und der einzige, der mir ein fiel, war der Dämon …
Die eingefrorene Szene bewegte sich in Zeitlupe weiter. Syrellas Augen huschten zu Stian, und ihrer beider Blicke trafen sich. Eine unausgesprochene Frage lag in ihren Augen und der Inquisitor nickte. Syrella griff mit ihrer freien Hand an sein Handgelenk und ein Ruck ging durch den Körper des Kämpfers. Irgendetwas hoch magisches ging hier vor sich und Maruka verstand rein gar nichts!
Opfert sich Stian gerade um dir mehr Macht zu geben?
Es bedurfte mehr Kraft als meiner, um Kaîr und das Geschöpf ihn ihm in der Kontrolle über den Dämon zu übertrumpfen. Deswegen habe ich Stians Kraft genommen.
Reue, die nicht ihre eigene war, ließ Marukas Brust enger werden und ein paar kleine Zahnräder begannen ineinander zu greifen, ihr ein diffuses Gefühl von Verstehen zu vermitteln.
Ich habe geschworen, kein Geschöpf seines freien Willens zu berauben und so verhandelte ich mit dem Dämon, statt ihn zu zwingen. Ich überzeugte ihn davon Kaîr und den Geist ihre eigene Medizin kosten zu lassen und so sperrte der Dämonen sie beide ein. Aber der Dämon nahm keine Rücksicht auf umstehende … Stian und mich nahm er ebenfalls mit.
Maruka verstand nicht alles was die Stimme in ihr da sprach. Vor allem war die Vergangenheitsform irritierend. Das alles war zu verwirrend. Das alles passierte doch gerade jetzt, oder? Die Zeit lief weiter. Stians Kopf ruckte nach hinten, seine Augen rollten nach oben, bis nur noch das weiße zu sehen war, dann sackte er kraftlos zu Boden. Eine Welle des Mitleids rollte durch Marukas Seele. Mitleid, weil er seinem Bruder nicht mehr vergeben konnte, aber da war auch Stolz, denn jetzt hatte er doch seinen glorreichen Tod gefunden und nicht gezögert.
Syrella und Kaîr starrten einander an, dann öffnete sich unter den dreien ein Abgrund und verschlang sie. Die Phiole schlug auf Planken, rollte ein gutes Stück und fiel dann durch ein Loch im Boden. Maruka hatte danach greifen wollen aber sie hatte keinen Körper mehr, mit dem sie irgendetwas tun konnte! Panik bahnte sich an und ganz verschwommen sah sie Orléan, Borgon und Erida wie ertrinkende Luft holen. Nichts von den Bestien war mehr zu sehen, genauso wenig ihre beiden Gefährten und der Dämonenbeschwörer. Einzig ein dunkler wabernder Riss markierte, wo sie gestanden hatten. Marukas Sicht verdunkelte sich bis alles um sie herum schwarz war. Sie riss die Augen auf und rang nach Luft.

...

Die ersten paar Atemzüge war sie nur froh darüber, Augenlider und Lungen zu haben (und den ganzen Rest, der dazu gehörte). Als das Echo der Körperlosigkeit sie verließ, warf sie einen Blick um sich herum. Sie stand genau da, wo sie die Phiole zerschlagen hatte...
Moment?! Hier hatte ich den Fokus-stein zerschlagen.
Sie stand mit den Füßen im Wasser und noch immer in dem Keller.
Was...???
Ihre Umgebung fühlte sich anders an, feindseliger, düsterer. Und sie spürte, dass sie sich bei dem Handgemenge mit dem Dunkelelfen blaue Flecken und Prellungen geholt haben musste.
Au.
Vor ihr stand eine farblose durchsichtige Syrella. Zerfetzte Roben schlotterten über ihrer mageren Gestalt, ihr Gesicht zeigte noch immer die offene Wunde, in der der Fokus eingelassen gewesen war. Die Erinnerung an den Tod, den Maruka ihr gebracht hatte, rollte über sie hinweg.

...Sie ergriff den Kopf der Frau mit beiden Händen und drehte ruckartig. Ein Knirschen erklang und der Körper der Frau verlor jedwede Spannung und sank zu Boden. Ihr Kopf, den Maruka mit dem Leib zu Boden sinken ließ, hing lose, nur durch Muskeln Sehnen und Gewebe gehalten am Körper. Ein letzter Atemzug verließ die nun verstummte Frau und das leuchten des Steins wurde schwächer. Sie löste den Stein aus der Augenhöhle, der nur durch ein paar dünne Drähte an Ort und Stelle gehalten wurde und sich leicht lösen ließ. Darunter kam nässendes Gewebe und blanke Knochen zum Vorschein..

Es sah schrecklich aus! Aber dann erblühte ein warmes Licht in ihrer Brust und die Frau vor ihr wandelte sich von dem, wie sie geendet hatte, zu der jungen Frau, die Maruka in einem anderen Leben kennen gelernt hatte. Erschrocken und überrascht sah die nun fast stofflich wirkende Frau die Hybridin an, die genauso erschrocken und überrascht zurück starrte!
„Was … was …“
, stammelte sie.
„Was hast du getan?!“
Marukas Kinnlade klappte nach unten und exakt drei Herzschläge lang, starrte sie das Geister-artige Wesen einfach nur reglos an. …
...
Dann brach etwas in ihr und sie sprudelte heraus:
„Was heißt, hier, WAS HAB ICH GETAN?!? Das müsstest du doch am besten wissen! DU hast doch deine Hand auf meine gelegt und irgendwas gemacht!?! Sie sind alle gealtert, und du auch! Und dann war der Kerl plötzlich mit der Wolke verbunden und die Phiole...Ich hab keine Ahnung was passiert ist!!!...“
Maruka redete ohne Atem zu holen weiter und fuchtelte wild mit den Händen, wobei sie nebenbei den toten Dunkelelfen wahr nahm.
„...und was macht der Kerl hier? Wo sind wir überhaupt? Ist das jetzt wieder meine Zeit? Warum sind wir zurück und überhaupt, bin ich jetzt komplett über geschnappt? Das ist doch die Stelle, wo ich den Stein zerstört hab... Ich hab nasse Füße...und DU! Du sahst eben noch ganz anders aus!...“
Maruka hatte sich wieder Syrella zugewandt und begann langsam am ganzen Körper zu zittern. Der Schock setzte langsam ein.
„...Du bist immernoch tot! Ihr seid alle tot und gestorben und du stehst hier und fragst mich, was ICH gemacht habe? Ich verrate dir was! Ich - weiß - es - nicht! Ich hab nur gehofft, das etwas besser sein müsste, dass ich irgendetwas tun könnte...“
Sie raufte sich mit beiden Händen die Haarmähne.
„...Jetzt bin ich zurück und hab nichts bewirkt! NICHTS! Ich bin immernoch genauso doof wie vorher! Wie soll ich denn jetzt ...“
Sie riss sich aus versehen ein paar Haarsträhnen aus und schüttelte sie unwirsch beiseite. Hysterie müsste wohl genau SO aussehen. Die junge Frau verstand nicht viel von Magie. Woher auch. Sie handelte instinktiv. Die Erklärungen die während des ganzen Vorgangs sie in ihrem Kopf gehört hatte, die waren zwar angekommen, aber sie verstand sie nicht. Sie hatte mitten in einem Kampf so viel verarbeiten müssen, so viel aufnehmen müssen, dass sie jetzt gerade einfach damit überfordert war.
„Ich hab nichts erreicht! Ich konnte nicht helfen. Ich weiß nichts neues, was das hier beenden kann und... ich.. ich fühle, dass das ganze immernoch aktiv ist. Das Böse ist hier.“
Maruka hörte auf herum zu rennen und hockte sich bebend auf den Boden, nahe der Pfütze wo alles angefangen hatte.
„Kann ich zurück? Kann ich versuchen es besser zu machen?“
Mit riesigen Augen sah sie zu Syrella auf und begriff nicht, dass vielleicht sich doch etwas verändert hatte. Allein, dass der Geist der Frau ein gänzlich anderes Aussehen hatte, zeigte, dass 'etwas' sich verändert haben musste, aber Maruka hatte gerade ein anderes gravierendes Problem. Sie stand unter Schock.
Schon wieder hatte man sie 'versetzt' ...diesmal nicht von Ort zu Ort wie es Manthala getan hatte, dieses Mal war es von Zeit zu Zeit geschehen. Für eine kaum 19 Winter zählende junge Frau , die die letzten Monate ständig auf der Flucht gewesen war, war das alles vielleicht ein bisschen viel. Maruka blinzelte und wiegte sich vor und zurück.

Ein Funkenfreund streichelte tröstend über Marukas Haar.
Erst bemerkte sie ihn gar nicht und schaukelte einfach ein bisschen weiter. Trotzdem zeigte die Berührung Wirkung. Langsam beruhigte sie sich etwas und sie starrte auf die Spiegelung der Pfütze. Sie sah sich selbst und das kleine grüne Glühen, dass nicht von ihrer Seite wich. Da ließ sie sich auf ihren Hintern plumpsen und streckte vorsichtig die Handfläche aus, damit der Funkenfreund landen konnte. Ein erstes Lächeln erschien auf ihren Lippen und sie flüsterte:
„Was machst du denn hier?... müsstest du nicht ...“
Sie sprang auf, während sie rief:
„... bei Revien sein?!?“
Die Servali wirbelte um die eigene Achse und sah sich um.
„Ich muss hier raus! Ich muss zu Revien!“
Einzig irgendwo in ihrem Hinterkopf, rumorte das Gefühl wieder etwas wichtiges vergessen zu haben. Zum Beispiel, was aus der Phiole geworden war? Lag sie immernoch dort, wo der Kerl sie hatte fallen lassen? War der Fokusstein ein Teil von ihr oder anders herum? Oder was war aus dem Dämonenbeschwörer geworden? War er und der Nekromant ihrer Zeit die gleiche Person? Dann war da noch dieser 'böse Geist'... eben alles ein bisschen viel. Aber vielleicht konnte Syrellas Geist die aufgebrachten Gedanken der Katze entwirren, bevor sie sich kopflos ins nächste Abenteuer stürzte.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. Januar 2019, 19:02

Dann brach etwas in ihr und sie sprudelte heraus:
„Was heißt, hier, WAS HAB ICH GETAN?!? Das müsstest du doch am besten wissen! DU hast doch deine Hand auf meine gelegt und irgendwas gemacht!?! Sie sind alle gealtert, und du auch! Und dann war der Kerl plötzlich mit der Wolke verbunden und die Phiole...Ich hab keine Ahnung was passiert ist!!!...“


Verdattert und überrollt trat der Geist Syrellas ein paar Schritte zurück und hob beschwichtigend die Hände. Ihr Mund öffnete sich, wie um zu erklären aber…Maruka redete ohne Atem zu holen weiter und fuchtelte wild mit den Händen, wobei sie nebenbei den toten Dunkelelfen wahr nahm.

„...und was macht der Kerl hier? Wo sind wir überhaupt? Ist das jetzt wieder meine Zeit? Warum sind wir zurück und überhaupt, bin ich jetzt komplett über geschnappt? Das ist doch die Stelle, wo ich den Stein zerstört hab... Ich hab nasse Füße...und DU! Du sahst eben noch ganz anders aus!...“
Maruka hatte sich wieder Syrella zugewandt und begann langsam am ganzen Körper zu zittern. Der Schock setzte langsam ein.

Die ältere Frau sah sie flehend an, reue sprach aus ihren Augen. Ganz offenbar rang sie um Worte, was der verwirrten und entsetzten Maruka keinerlei Hilfe bot.

„...Du bist immernoch tot! Ihr seid alle tot und gestorben und du stehst hier und fragst mich, was ICH gemacht habe? Ich verrate dir was! Ich - weiß - es - nicht! Ich hab nur gehofft, das etwas besser sein müsste, dass ich irgendetwas tun könnte...“
Sie raufte sich mit beiden Händen die Haarmähne.
„...Jetzt bin ich zurück und hab nichts bewirkt! NICHTS! Ich bin immernoch genauso doof wie vorher! Wie soll ich denn jetzt ...“


„Das aber … aber das stimmt doch nicht.“
Beteuerte Syrella mit schwacher Stimme.

Maruka riss sich ausversehen ein paar Haarsträhnen aus und schüttelte sie unwirsch beiseite. Hysterie müsste wohl genau SO aussehen. Die junge Frau verstand nicht viel von Magie. Woher auch. Sie handelte instinktiv. Die Erklärungen die während des ganzen Vorgangs sie in ihrem Kopf gehört hatte, die waren zwar angekommen, aber sie verstand sie nicht. Sie hatte mitten in einem Kampf so viel verarbeiten müssen, so viel aufnehmen müssen, dass sie jetzt gerade einfach damit überfordert war.
„Ich hab nichts erreicht! Ich konnte nicht helfen. Ich weiß nichts neues, was das hier beenden kann und... ich.. ich fühle, dass das ganze immernoch aktiv ist. Das Böse ist hier.“
Maruka hörte auf herum zu rennen und hockte sich bebend auf den Boden, nahe der Pfütze wo alles angefangen hatte.
„Kann ich zurück? Kann ich versuchen es besser zu machen?“
Mit riesigen Augen sah sie zu Syrella auf und begriff nicht, dass vielleicht sich doch etwas verändert hatte. Allein, dass der Geist der Frau ein gänzlich anderes Aussehen hatte, zeigte, dass 'etwas' sich verändert haben musste, aber Maruka hatte gerade ein anderes gravierendes Problem. Sie stand unter Schock.


Der Geist der Runenmagierin kniete vor ihr und redete sachte und leise auf sie ein, aber sie hätte genauso gut Schweigen können. Nichts konnte ihren erschütterten Geist erreichen.

Schon wieder hatte man sie 'versetzt' ...diesmal nicht von Ort zu Ort wie es Manthala getan hatte, dieses Mal war es von Zeit zu Zeit geschehen. Für eine kaum 19 Winter zählende junge Frau , die die letzten Monate ständig auf der Flucht gewesen war, war das alles vielleicht ein bisschen viel. Maruka blinzelte und wiegte sich vor und zurück.

Ein Funkenfreund streichelte tröstend über Marukas Haar.
Erst bemerkte sie ihn gar nicht und schaukelte einfach ein bisschen weiter. Trotzdem zeigte die Berührung Wirkung. Langsam beruhigte sie sich etwas und sie starrte auf die Spiegelung der Pfütze. Sie sah sich selbst und das kleine grüne Glühen, dass nicht von ihrer Seite wich. Da ließ sie sich auf ihren Hintern plumpsen und streckte vorsichtig die Handfläche aus, damit der Funkenfreund landen konnte. Ein erstes Lächeln erschien auf ihren Lippen und sie flüsterte:
„Was machst du denn hier?... müsstest du nicht ...“
Sie sprang auf, während sie rief:
„... bei Revien sein?!?“
Die Servali wirbelte um die eigene Achse und sah sich um.
„Ich muss hier raus! Ich muss zu Revien!“


Der kleine Funkenfreund umarmte sie ein weiteres Mal and sandte ihr ruhe und Zuneigung.
„MARUKA!“
Brüllte Syrella die Hybridin an. Die Wangen des Geistes waren, in Imitation von Leben, gerötet und ihr Haar ähnlich gerauft wie das der jungen lebenden Frau.
„Du hast MICH zurück gebracht ... geheilt! Du hast etwas bewirkt! Mehr, als ich je für möglich gehalten hätte…“
Ein kühler hauch strich über Marukas Arm und ließ ihre rastlose Suche stoppen. Eine leicht durchsichtige Hand umgriff ihr Handgelenk. Sie spürte nichts außer leichter Kühle und einem leichten Schauer.
„Bitte nimm dir einen Moment Zeit um inne zu halten. Wenn du in diesem Zustand in einen Kampf rennst, wirst du sterben!“
Betonte Syrella und fuhr fort.
„Es ist meine Schuld … ich wollte dir zeigen, was passiert ist, wollte dich warnen, bevor dich dasselbe Schicksal wie uns ereilt! Du konntest nichts an der Vergangenheit ändern … wenn überhaupt kann das nur der Dämon und das wäre nicht richtig! Niemand sollte an der Vergangenheit drehen. Es war ein Traum … oder besser eine Erinnerung. Meine Erinnerung.“
Tränen liefen ihr über die Wangen und sie Umarmte Maruka – vermutlich um diese zu trösten. Kühle umfing die junge Frau und ließ sich ihr Fell aufplustern. Es war nicht gänzlich unangenehm, vielmehr fühlte es sich einfach unglaublich seltsam an.
Die Umarmung endete schnell und Syrella sah sie beschwörend an.
„Der Nekromant, der mich gefangen genommen hat … er hat das Gefängnis, in dem der Dämon uns alle hielt, geschwächt! Kaîr … der Geist … sie alle werden bald wieder frei sein und dann ist alles, wofür wir gekämpft haben, vergebens!“
Die ältere Frau musterte Maruka traurig und sagte nun leiser:
„Und ich glaube, wenn du dort gewesen wärst, hättest du vielleicht etwas ändern können … du hast bereits geändert, an was ich mich erinnert habe … aber es ist gleichgültig was war, wichtig ist, was wird!“
Betonte sie, ihre Stimme war wieder entschlossen.
„Ich weiß nicht, woher du die kraft genommen hast, um mich zu heilen und mich hier zu halten, aber ich danke dir. Ich verspreche dir, ich werde alles tun, damit dein Opfer nicht umsonst gebracht wurde!“


[ooc: der Meister hat sich verschrieben: Du hast recht der Fokus wurde hier zerschlagen, nicht die Phiole]
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Freitag 4. Januar 2019, 19:52

Maruka sah ihren kleinen Funkenfreund an.
„Was machst du denn hier?... müsstest du nicht ...“
Sie sprang auf, während sie rief:
„... bei Revien sein?!?“
Die Servali wirbelte um die eigene Achse und sah sich um.
„Ich muss hier raus! Ich muss zu Revien!“
Der kleine Funkenfreund umarmte sie ein weiteres Mal und sandte ihr Ruhe und Zuneigung.
„MARUKA!“
Brüllte Syrella die Hybridin an. Maruka zuckte zusammen und blieb still stehen. Ihre Augen waren groß und weit auf den Geist gerichtet und jetzt endlich kehrte so etwas wie „Normalität“ in ihren Verstand ein. Etwas beschämt, da sie so ausgerastet war, neigte sie den Kopf zu Boden, aber wandte den Blick nicht ab. Die Wangen des Geistes waren, in Imitation von Leben, gerötet und ihr Haar ähnlich gerauft wie das der jungen lebenden Frau.
„Du hast MICH zurück gebracht ... geheilt! Du hast etwas bewirkt! Mehr, als ich je für möglich gehalten hätte…“
Ein kühler Hauch strich über Marukas Arm und ließ ihre rastlose Suche stoppen. Eine leicht durchsichtige Hand umgriff ihr Handgelenk. Sie spürte nichts außer leichter Kühle und einem leichten Schauer.
„Bitte nimm dir einen Moment Zeit um inne zu halten. Wenn du in diesem Zustand in einen Kampf rennst, wirst du sterben!“
Betonte Syrella und fuhr fort und Maruka zitterte leicht. Der Schock ließ endlich nach und ihr Körper versuchte das Adrenalin los zu werden, die erstarrten Muskeln zu lockern, in dem er sie ein paar mal schüttelte.
„Es ist meine Schuld … ich wollte dir zeigen, was passiert ist, wollte dich warnen, bevor dich dasselbe Schicksal wie uns ereilt! Du konntest nichts an der Vergangenheit ändern … wenn überhaupt kann das nur der Dämon und das wäre nicht richtig! Niemand sollte an der Vergangenheit drehen. Es war ein Traum … oder besser eine Erinnerung. Meine Erinnerung.“
Tränen liefen ihr über die Wangen und sie umarmte Maruka – vermutlich um diese zu trösten. Kühle umfing die junge Frau und ließ sich ihr Fell aufplustern. Es war nicht gänzlich unangenehm, vielmehr fühlte es sich einfach unglaublich seltsam an und doch verfehlte es seine Wirkung auf die Hybridin nicht. Maruka bebte kurz, räusperte sich und dann stieg ein kleines Schnurren in ihrer Kehle auf. Die Kühle war sogar in der Urwaldumgebung willkommen. Die Umarmung endete jedoch schnell und Syrella sah sie beschwörend an.
„Der Nekromant, der mich gefangen genommen hat … er hat das Gefängnis, in dem der Dämon uns alle hielt, geschwächt! Kaîr … der Geist … sie alle werden bald wieder frei sein und dann ist alles, wofür wir gekämpft haben, vergebens!“
Nein - Das darf nicht sein!
Die ältere Frau musterte Maruka traurig und sagte nun leiser:
„Und ich glaube, wenn du dort gewesen wärst, hättest du vielleicht etwas ändern können … du hast bereits geändert, an was ich mich erinnert habe … aber es ist gleichgültig was war, wichtig ist, was wird!“
, betonte sie. Ihre Stimme war wieder entschlossen.
„Ich weiß nicht, woher du die Kraft genommen hast, um mich zu heilen und mich hier zu halten, aber ich danke dir. Ich verspreche dir, ich werde alles tun, damit dein Opfer nicht umsonst gebracht wurde!“
Marukas Gesicht zuckte ein paar Mal, als könnte es sich nicht entscheiden, wie es aussehen sollte. Die junge Hybridin war nun deutlich ruhiger und die Umarmung, wenn auch etwas kühl, hatte geholfen. Noch verunsichert versuchte sie die Worte die Syrella da von sich gab zu verstehen...was ihr nicht so ganz gelang, also fragte sie nach:
„Du... Du lebst nicht. ...aber ich habe dich trotzdem ...irgendwie...geheilt?!...“
Es war einfach eine nochmalige Feststellung für sie selbst und Leid schwang in Marukas leiser Stimme mit, aber dann fasste sie sich langsam.
„Ich... ich war in deiner Erinnerung? Wie ist so was mö...ach egal!“
Sie schüttelte ihren Kopf und sah Syrella mit großen Augen an.
„Du hast mir gezeigt, was damals passiert ist. ...Das ...Das ist unglaublich!!!“
Ihre Ohren waren steil aufgerichtet und ihr Schwanz zuckte immernoch heftig in kurzen Intervallen, als Zeichen, dass das Erlebte sie immernoch mit nahm. Aber sie hatte sich langsam wieder unter Kontrolle.
„Ich weiß nicht wie mir das alles helfen kann...wird... ich ...ich fühl mich etwas ...überfordert und ..unsicher, ABER ich werde alles tun, damit so etwas schreckliches nicht noch mal passiert!“
Sie ballte ein paar mal die Hände zu Fäusten und pumpte so das Blut kräftiger durch ihre Adern. Der Schock hatte tief gesessen und Maruka stand noch ein bisschen unter Strom.
„Ich … Ich bin glücklich, dass es dir besser geht. Dass du... so ...bist...und du das gut findest.“
Dabei wies sie grob auf ihre Gestalt und meinte wohl 'alles' an ihr.
„Entschuldige, dass ich so ausgerastet bin... Das war alles ein bisschen viel... TOLL! Wahnsinnig und aufregend! Aber auch ein bisschen viel.“
Sie lächelte etwas schief und kicherte leise, während sie ihren Funkenfreund betrachtete, der gerade auf ihrem Unterarm kreise drehte.
„Am liebsten...würde ich jetzt gerne irgendwo ein sonniges Plätzchen suchen und eine Woche lang schlafen, aber ich glaube nicht das das geht.“
Unter ihren langen Wimpern und zwischen den Schnurrhaaren sah sie den Geist an und fragte leise und noch etwas unsicher:
„Wie geht es jetzt weiter? ...In meinem Kopf schwirren so viele Eindrücke herum. Ich weiß nicht genau, was davon noch Erinnerung und was real war...ist.“
Sie kratzte sich einmal nervös hinterm Ohr.
„Es tut mir leid. Ich komme mir grade so unglaublich hilflos, dumm und verwirrt vor...alles gleichzeitig. Was habe ich jetzt zu erwarten? Wo soll ich weiter machen? Kann ich dieses Mal etwas besser machen? ...und ...ich frage mich auch, wo Revien ist.“
Maruka atmete einmal schwer, was einem Seufzen gleich kam.
„Kannst du noch ein bisschen bleiben und mir helfen?“
, fragte sie vorsichtig. Sie wollte Syrellas Geist nicht davon abhalten dort hin zu gehen, wo sie glaubte, dass alle Seelen einmal hin gingen – zu ihren Lieben, den Ahnen, den Göttern um ihre Geschichten zu erzählen. Trotzdem musste sie fragen, denn sie fühlte sich unsicher und verwirrt. 'Versetzt' zu werden, passierte ihr zwar in letzter Zeit recht häufig, aber gewöhnen würde sie sich vermutlich nie daran... auch wenn sie es insgeheim unglaublich aufregend fand!!!
„Das Böse hier muss endlich enden!“
, flüsterte sie noch leise als Nachsatz, aber mit nicht weniger Inbrunst. Das war ihr Ziel. Weiter wagte ihr kleines Herz noch nicht zu träumen.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. Januar 2019, 21:49

Marukas Gesicht zuckte ein paar Mal, als könnte es sich nicht entscheiden, wie es aussehen sollte. Die junge Hybridin war nun deutlich ruhiger und die Umarmung, wenn auch etwas kühl, hatte geholfen. Noch verunsichert versuchte sie die Worte die Syrella da von sich gab zu verstehen...was ihr nicht so ganz gelang, also fragte sie nach:
„Du... Du lebst nicht. ...aber ich habe dich trotzdem ...irgendwie...geheilt?!...“
Es war einfach eine nochmalige Feststellung für sie selbst und Leid schwang in Marukas leiser Stimme mit, aber dann fasste sie sich langsam.


Syrella, die die rethorische Frage hatte ahnen müssen, nickte leicht und murmelte.
„Ich bin tot. Das ist nicht zu ändern.“

„Ich... ich war in deiner Erinnerung? Wie ist so was mö...ach egal!“
Sie schüttelte ihren Kopf und sah Syrella mit großen Augen an.
„Du hast mir gezeigt, was damals passiert ist. ...Das ...Das ist unglaublich!!!“
Ihre Ohren waren steil aufgerichtet und ihr Schwanz zuckte immernoch heftig in kurzen Intervallen, als Zeichen, dass das Erlebte sie immernoch mit nahm. Aber sie hatte sich langsam wieder unter Kontrolle.


Syrella zuckte nur mit den Schultern, so als wisse sie selbst nicht, wie sie das alles zustande gebracht hatte.

„Ich weiß nicht wie mir das alles helfen kann...wird... ich ...ich fühl mich etwas ...überfordert und ..unsicher, ABER ich werde alles tun, damit so etwas schreckliches nicht noch mal passiert!“
Sie ballte ein paar mal die Hände zu Fäusten und pumpte so das Blut kräftiger durch ihre Adern. Der Schock hatte tief gesessen und Maruka stand noch ein bisschen unter Strom.

„Ich … Ich bin glücklich, dass es dir besser geht. Dass du... so ...bist...und du das gut findest.“
Dabei wies sie grob auf ihre Gestalt und meinte wohl 'alles' an ihr.

„Entschuldige, dass ich so ausgerastet bin... Das war alles ein bisschen viel... TOLL! Wahnsinnig und aufregend! Aber auch ein bisschen viel.“
Sie lächelte etwas schief und kicherte leise, während sie ihren Funkenfreund betrachtete, der gerade auf ihrem Unterarm kreise drehte.
„Am liebsten...würde ich jetzt gerne irgendwo ein sonniges Plätzchen suchen und eine Woche lang schlafen, aber ich glaube nicht das das geht.“
Unter ihren langen Wimpern und zwischen den Schnurrhaaren sah sie den Geist an und fragte leise und noch etwas unsicher:
„Wie geht es jetzt weiter? ...In meinem Kopf schwirren so viele Eindrücke herum. Ich weiß nicht genau, was davon noch Erinnerung und was real war...ist.“
Sie kratzte sich einmal nervös hinterm Ohr.

„Es tut mir leid. Ich komme mir grade so unglaublich hilflos, dumm und verwirrt vor...alles gleichzeitig. Was habe ich jetzt zu erwarten? Wo soll ich weiter machen? Kann ich dieses Mal etwas besser machen? ...und ...ich frage mich auch, wo Revien ist.“
Maruka atmete einmal schwer, was einem Seufzen gleich kam.
„Kannst du noch ein bisschen bleiben und mir helfen?“
, fragte sie vorsichtig. Sie wollte Syrellas Geist nicht davon abhalten dort hin zu gehen, wo sie glaubte, dass alle Seelen einmal hin gingen – zu ihren Lieben, den Ahnen, den Göttern um ihre Geschichten zu erzählen. Trotzdem musste sie fragen, denn sie fühlte sich unsicher und verwirrt. 'Versetzt' zu werden, passierte ihr zwar in letzter Zeit recht häufig, aber gewöhnen würde sie sich vermutlich nie daran... auch wenn sie es insgeheim unglaublich aufregend fand!!!
„Das Böse hier muss endlich enden!“
, flüsterte sie noch leise als Nachsatz, aber mit nicht weniger Inbrunst. Das war ihr Ziel. Weiter wagte ihr kleines Herz noch nicht zu träumen.


Syrella musterte sie voller Stolz und Trauer.
„Oh Maruka. Du bist alles andere als dumm! Jung vielleicht, aber nicht dumm. Und mutig wie eine Löwin!
Ich wollte gehen … hatte mich verabschiedet, wollte nur noch sicherstellen, dass jemand Bescheid weiß … aber jetzt, nachdem ich nicht mehr dieses zerstörte Geschöpf bin und du mir das Geschenk einer geheilten Seele gemacht hast … das mindeste, dass ich tun kann, ist bleiben und sicherstellen, dass das alles hier gut endet.

Aber für dich entscheiden? Das kann ich nicht. Du hast schon recht. Das böse muss aufgehalten werden! Und ich werde dabei helfen. Danach wird mir vielleicht Ruhe vergönnt sein.

Der Traum ist vorbei. Alles was passiert, ist echt, jede Entscheidung die du triffst hat Konsequenzen. Ich weis nicht wo Revien ist, aber ich spüre etwas Mächtiges vor Leben sprühendes in der Nähe, also gehe ich davon aus, dass es ihm gut gehen muss.

Das wissen, dass du in den Händen hältst und das du mit mir zurück gebracht hast könnte den Unterschied machen -> und die Phiole.

Es gibt etwas, dass du dich selbst fragen solltest: Bist du bereit, dein Leben zu riskieren und einem Feind entgegen zu treten, dessen Macht du nicht gewachsen bist und den du nicht verstehst? Oder gibst du dein Wissen und meine Bürde weiter und kehrst zurück in die mundane Welt?

Ich weis, was es mich gekostet hat – und meine Gefährten. Selbst wenn sie doch überlebt haben, so hat sie der Kampf auf ewig gezeichnet und ich glaube nicht, dass es spurlos an dir vorbei gehen wird.

Du hast mir einen Ausweg gelassen, obwohl ich eine große Hilfe sein kann, es ist jetzt an mir, dir diesen Ausweg zu zeigen. Ich glaube, auch du könntest eine große Hilfe sein, schon im erinnerten Kampf hast du instinktiv das richtige getan. Allerdings befürchte ich, dass der Preis, den du dafür zahlst, hoch sein könnte.“

Syrella sah sie todernst an und studierte Marukas Reaktion.

„So oder so, wir sollten deinen Freund finden, denn im Gegensatz zu dir hat er keine Wahl. Danach werden wir entweder gemeinsam dem Feind entgegentreten oder getrennte Wege gehen.“
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Dienstag 8. Januar 2019, 09:31

„Das Böse hier muss endlich enden!“
, flüsterte sie noch leise als Nachsatz, aber mit nicht weniger Inbrunst. Das war ihr Ziel. Weiter wagte ihr kleines Herz noch nicht zu träumen. Syrella musterte sie voller Stolz und Trauer.
„Oh Maruka. Du bist alles andere als dumm! Jung vielleicht, aber nicht dumm. Und mutig wie eine Löwin!...“
Maruka schaute kurz etwas irritiert. Löwen an sich kannte sie nur aus Erzählungen. Riesenhafte Katzen, aber sie kannte einen Leoniden, der mutig, aber ein bisschen dumm gewesen war. Trotzdem hörte es sich wie ein Kompliment an. Sie musste ein bisschen schmunzeln und fühlte sich bei dem Lob doch gleich ein bisschen besser. Syrella fuhr fort und sie hörte aufmerksam zu:
„Ich wollte gehen … hatte mich verabschiedet, wollte nur noch sicherstellen, dass jemand Bescheid weiß … „
Trauer durchzog Marukas Minenspiel. Sie mochte Syrella und die Erinnerungen waren noch sehr nah... an all die Schrecken und das Leid. Sie war ein mitfühlendes Wesen und das stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Maruka versteckte nichts.
„...aber jetzt, nachdem ich nicht mehr dieses zerstörte Geschöpf bin und du mir das Geschenk einer geheilten Seele gemacht hast … das mindeste, dass ich tun kann, ist bleiben und sicherstellen, dass das alles hier gut endet. ...“
Ihre Miene hellte sich wieder auf.
„...Aber für dich entscheiden? Das kann ich nicht. Du hast schon recht. Das Böse muss aufgehalten werden! Und ich werde dabei helfen. Danach wird mir vielleicht Ruhe vergönnt sein... Der Traum ist vorbei. Alles was passiert, ist echt, jede Entscheidung die du triffst hat Konsequenzen. Ich weiß nicht wo Revien ist, aber ich spüre etwas mächtiges vor Leben sprühendes in der Nähe, also gehe ich davon aus, dass es ihm gut gehen muss.“
Maruka vibrierte regelrecht vor Erregung, als sie das hörte, hüpfte ein paar mal schnell auf und ab, aber hörte weiter zu.
„Das wissen, dass du in den Händen hältst und das du mit mir zurück gebracht hast könnte den Unterschied machen -> und die Phiole.“
Sofort war die Hybridin wieder ernst, stand still und nickte finster.
„Es gibt etwas, dass du dich selbst fragen solltest: ...“
Maruka stellte die Ohren auf.
„...Bist du bereit, dein Leben zu riskieren und einem Feind entgegen zu treten, dessen Macht du nicht gewachsen bist und den du nicht verstehst?...“
Ja klar, wenn man die Konsequenzen betrachtet, wenn es sonst keiner tut.
, dachte sie ein klein bisschen naiv und vielleicht etwas vorschnell.
„... Oder gibst du dein Wissen und meine Bürde weiter und kehrst zurück in die mundane Welt?“
Äh...
„...Ich weiß, was es mich gekostet hat – und meine Gefährten. Selbst wenn sie doch überlebt haben, so hat sie der Kampf auf ewig gezeichnet und ich glaube nicht, dass es spurlos an dir vorbei gehen wird... Du hast mir einen Ausweg gelassen, obwohl ich eine große Hilfe sein kann, es ist jetzt an mir, dir diesen Ausweg zu zeigen. Ich glaube, auch du könntest eine große Hilfe sein, schon im erinnerten Kampf hast du instinktiv das richtige getan. Allerdings befürchte ich, dass der Preis, den du dafür zahlst, hoch sein könnte.“
Syrella sah sie todernst an und studierte Marukas Reaktion. Genauso tot ernst schaute Maruka ihren Funkenfreund in ihrem Fell an und grübelte:
...Kampf...Bürde...Preis... Das alles klingt mächtig heftig...
„So oder so, wir sollten deinen Freund finden, denn im Gegensatz zu dir hat er keine Wahl. Danach werden wir entweder gemeinsam dem Feind entgegentreten oder getrennte Wege gehen.“
„Dann lass uns einen Schritt nach dem anderen machen. Und danke, dass du bei mir bleibst.“
Maruka lächelte breit.
„Eine Frage noch... Was heißt 'mundane'?“
Syrella erklärte der Hybridin sicher gern, dass sie damit die 'normale Welt' gemeint hatte und Maruka überlegte danach nicht lange, sondern antwortete:
„Sieh mich an. An mir ist nix 'normal oder banal'. Ich würde überhaupt nicht in eine 'mundane' Welt passen. Ich wurde meiner Welt gewaltsam entrissen, wurde abgerichtet zu töten, konnte fliehen, wurde von einem Dämon verfolgt, von einer Göttin 'versetzt', hab die Liebe kennen gelernt und 'spiele' nun mit Mächten die ich nicht mal ansatzweise verstehe. Aber eins weiß ich!...“
Maruka schaute Syrella ernst in die Augen.
„Ich werde tun, was ich kann um dieses Übel zu beenden.“
Ihr Mundwinkel zuckte und sie fügte an:
„Mein Papa sagte mal, das Böse würde siegen, wenn das Gute untätig bleibt.“
Sie ballte die Fäuste und erklärte inbrünstig:
„Ich werde nicht zusehen oder nur daneben stehen, wenn andere kämpfen. Ich werde meinen Teil beitragen.... egal wie der aussehen mag.“
Letzteres war wieder etwas unsicher, da sie halt einfach nicht wusste, wie genau ihr Teil aussehen würde.
„Du hast gesagt, du spürst Leben in der Nähe. Kannst du mich hin führen?“
Maruka raffte schnell alle ihre Habseligkeiten zusammen und folgte dann Syrellas geisterhaften Erscheinung.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 10. Januar 2019, 22:39

„Dann lass uns einen Schritt nach dem anderen machen. Und danke, dass du bei mir bleibst.“
Maruka lächelte breit.
„Eine Frage noch... Was heißt 'mundane'?“
Syrella erklärte der Hybridin sicher gern, dass sie damit die 'normale Welt' gemeint hatte und Maruka überlegte danach nicht lange, sondern antwortete:
„Sieh mich an. An mir ist nix 'normal oder banal'. Ich würde überhaupt nicht in eine 'mundane' Welt passen. Ich wurde meiner Welt gewaltsam entrissen, wurde abgerichtet zu töten, konnte fliehen, wurde von einem Dämon verfolgt, von einer Göttin 'versetzt', hab die Liebe kennen gelernt und 'spiele' nun mit Mächten die ich nicht mal ansatzweise verstehe. Aber eins weiß ich!...“
Maruka schaute Syrella ernst in die Augen.
„Ich werde tun, was ich kann um dieses Übel zu beenden.“


Syrella lachte auf und bemerkte:
„Bei dieser Historie ist es allerdings überhaupt kein Wunder, dass du vor der Herausforderung nicht zurückschreckst.“

Ihr Mundwinkel zuckte und sie fügte an:
„Mein Papa sagte mal, das Böse würde siegen, wenn das Gute untätig bleibt.“
Sie ballte die Fäuste und erklärte inbrünstig:
„Ich werde nicht zusehen oder nur daneben stehen, wenn andere kämpfen. Ich werde meinen Teil beitragen.... egal wie der aussehen mag.“
Letzteres war wieder etwas unsicher, da sie halt einfach nicht wusste, wie genau ihr Teil aussehen würde.
„Du hast gesagt, du spürst Leben in der Nähe. Kannst du mich hin führen?“
Maruka raffte schnell alle ihre Habseligkeiten zusammen und folgte dann Syrellas geisterhaften Erscheinung.


Syrella betrachtete die junge Frau in einer Mischung aus Bewunderung und Sorge.
„So sei es. Folge mir.“
Sie wandte sich um und steuerte in richtung des Lagers des Nekromanten.
Maruka war noch immer vorsichtig und bewegte sich so still und heimlich wie ihr möglich war. Als das Lager in Sicht kam, staunte sie nicht schlecht.
Die Hybridin schlich an einem umrankten Baum vorbei und stellte erschreckt fest, dass unter den Ranken nicht nur ein Baum war, sondern auch ein Dunkelelf! Sein Gesicht – das, was noch unter den Ranken zu sehen war, war erstarrt in einem schmerzverzerrtem, panischen Gesichtsausdruck. Seine Augen blickten tot in die Leere.

Ein Ork floh grob in ihre Richtung, Angst im Gesicht. Ein Ast schwang plötzlich herab und traf den Krieger im Rücken und schleuderte in noch einige Meter vorwärts. Das Morsche Holz hielt der Belastung nicht stand und brach vom Baum ab und zerquetschte den Ork unter sich. In den Zweigen meinte Maruka ein leichtes grünes Leuchten zu erkennen, das von sprang.
Der Zeltplatz war verwüstet worden und keiner der Aufbauten stand mehr. Tote lagen vereinzelt am Boden, zerschmettert durch herabgefallenes Holz oder zerquetscht durch Ranken, die sie umschlungen hatten.

Ein großer Haufen aus Knochen lag etwas zerstreut am Rand des Lagers. Rüstungen und Waffen bildeten einen starken Kontrast zum weiß der Gebeine.

Revien stand, von gold grünem Licht umhüllt, in der Mitte des Platzes. Vor ihm kniete der Nekromant, eine Sphäre aus Rauch umhüllte ihn, wurde aber immer schwächer und zerbarst schließlich. Der Dunkelelf schrie panisch auf und begann von Revien weg zu robben. Dieser musterte ihn nur mit eiskalten grünen Augen und zischte:
„Lauf.“

Der Dunkelelf rappelte sich auf, raffte seine Roben und rannte so schnell ihn seine langen dünnen Beine trugen.
Reviens Silhouette verschwamm und in Sekundenbruchteilen stand statt dem Waldelfen ein großer Panther zwischen den Zelten. Er wirkte fast gelassen als er in ein paar leichtfüßigen Sätzen dem Mann hinterhersetzte. Der Jäger ließ sich Zeit, foppte den panischen Mann indem er ihm tiefe Kratzer zufügte und dessen Roben in Fetzen riss.

Dann bemerkte der Wächter Maruka und Erkennen und Freude blitzen in seinen intelligenten Augen. Die Serval bemerkte die Einladung zur Jagd, aber der Mensch in ihr schreckte zurück.

Dies hier war der Feind und es war Katzen eigen mit ihrer Beute zu spielen. Der Gegner war offensichtlich zerschmettert und das Spiel war halbwegs ungefährlich. Allerdings war es auch äußerst grausam einen unterlegenen und besiegten Feind zum Spaß zu jagen, bevor man ihm ein Ende setzte. Vielleicht war es der dunkle Einfluss des Bösen um sie herum, vielleicht war diese Düsternis auch Teil Reviens. Jedenfalls lud er Maruka gerade dazu ein, dem Peiniger Syrellas ein langsames Ende zu setzen.
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Sonntag 13. Januar 2019, 17:54

Maruka folgte Syrella und was sie vor fanden war unglaublich. Der Zeltplatz war verwüstet worden und keine der Aufbauten stand mehr. Tote lagen vereinzelt am Boden, zerschmettert durch herabgefallenes Holz oder zerquetscht durch Ranken, die sie umschlungen hatten. Die Funkenfreunde hatten ganze Arbeit geleistet und einen sah sie noch einen Ork erledigen und grinste zu ihm hinauf. Ein großer Haufen aus Knochen lag etwas zerstreut am Rand des Lagers. Rüstungen und Waffen bildeten einen starken Kontrast zum weiß der Gebeine und Maruka fragte sich:
Kochen? Alt oder frisch abgenagt?
Aber es blieb keine Zeit das genauer zu untersuchen, denn Revien stand, von goldgrünem Licht umhüllt, in der Mitte des Platzes.
Revien...
, dachte Maruka glücklich ihn lebendig wieder zu sehen und spürte ihr Herz kräftig klopfen. Die Sorge um ihn, ließ sie jetzt da sie ihn sah tief durch atmen. Dann viel ihr Blick von seinem Gesicht ein Stück tiefer. Vor ihm kniete der Nekromant, eine Sphäre aus Rauch umhüllte ihn, wurde aber immer schwächer und zerbarst schließlich. Der Dunkelelf schrie panisch auf und begann von Revien weg zu robben. Dieser musterte ihn nur mit eiskalten grünen Augen und zischte:
„Lauf.“
Der Dunkelelf rappelte sich auf, raffte seine Roben und rannte so schnell ihn seine langen dünnen Beine trugen. Reviens Silhouette verschwamm und in Sekundenbruchteilen stand statt dem Waldelfen ein großer Panther zwischen den Zelten. Marukas Fell zuckte und sie spürte das Tier in sich an die Oberfläche drängen.
Das ist mein Partner!
, empfand sie voller Stolz. Er wirkte fast gelassen als er in ein paar leichtfüßigen Sätzen dem Mann hinterher setzte. Der Jäger ließ sich Zeit, foppte den panischen Mann indem er ihm tiefe Kratzer zufügte und dessen Roben in Fetzen riss. Maruka folgte der spielenden Großkatze langsam.
Anscheinend hat er alles gut im Griff...
Der Wächter sah Maruka und Erkennen und Freude blitzen in seinen intelligenten Augen. Die Servali bemerkte die Einladung zur Jagd, aber der Mensch in ihr schreckte zurück.
Einem besiegten Gegner gewährt man einen ehrenvollen Tod... will spielen!...allerdings … los komm schon!... ist dies hier kein gewöhnlicher Gegner, der einen schnellen Tod verdient!...LOS!
Dies hier war der Feind und es war Katzen eigen mit ihrer Beute zu spielen und das fühlte die Hybridin als starken Instinkt in sich, also umrundete sie den Schauplatz heimlich. Der Gegner war offensichtlich zerschmettert und das Spiel war halbwegs ungefährlich. Jedenfalls lud Revien Maruka gerade dazu ein, dem Peiniger Syrellas ein langsames Ende zu setzen und einer solchen Einladung konnte die Servali einfach nicht ablehnen.
Aber... Was ist mit...
Die Raubkatze in ihr preschte vor, als Revien dem Nekromanten gerade einmal so viel Raum ließ, dass jener hoffen konnte vielleicht doch zu entkommen. Sie hatte sich so positioniert, dass er den Mann direkt auf sie zu trieb. Maruka hatte sich geduckt und in Deckung gehalten, sprang hervor und schlug mit ihren Krallen nun gezielt nach seiner Kniekehle, dorthin, wo er stark bluten und schwächer werden würde. Sie wirbelte dabei um die eigene Achse und ging gleich wieder auf Abstand. Ihre Lust am Spiel mischte sich mit dem Hass auf den Mann, den sie noch kurz zuvor in diesem Traum-Erinnerungs-Dings-Gebilde hatte bekämpfen wollen. So schwiegen erst einmal alle Einwände, die sie hätten abhalten können. Der Frust so lange nichts gegen ihre eigenen Peiniger tun zu können nährte noch zusätzlich ihre Wut. Maruka hatte sich nie wirklich rächen können, war immer nur entkommen und immer hatten die Bösen ein Hintertürchen gefunden um ihrer Strafe zu entgehen. Damit war jetzt Schluss!
Sie spang auf den Mann, riss ihn zu Boden und schnitt mit ihren Krallen über seine Kopfhaut, sprang auf und um schlich ihn wieder lauernd.
Dieser Mann, der Nekromant der Syrella so lange gefoltert und ihre Seele verschlaft hatte, stand auf einmal für alles was in Marukas Leben falsch gelaufen war. Sie sah in ihm den Piraten, der sie auf seinem Schiff gefoltert hatte, sie sah in ihm den Händler der sie getreten hatte, ihren manipulativen Herrn Sademos, seine Schergen, die sie gequält hatten, sie lehrten selbst grausam zu sein und doch durften all dieser Dreck immernoch leben, wo andere gute Seelen viel zu früh hatten gehen müssen.
Sie kam langsam knurrend näher und ihre Augen wanderten zu seiner Kehle.
Die Angst in seinen Augen fühlte sich gut an...zu gut vielleicht, aber die Wut in ihr war stärker als jedes Mitleid, das er auch nicht verdient hätte. Aber da gab es noch ein leises Stimmchen in ihr... ein kleiner Rest Vernunft.
...was ist mit der Phiole...
Ihre Augen suchten das Band, das er in Syrellas Traum-Erinnerungs-Dings getragen hatte.
Er darf erst sterben, wenn dieses Ding auch vernichtet ist!
Die Katze in ihr wollte protestieren, wollte mehr Blut sehen, wollte sein Fleisch zwischen ihren Zähnen schmecken, aber der kleine Rest Verstand ließ sie zögern. Sie blieb stehen und beobachtete ihn, wie er langsam ein paar Schritt zurück robbte. Sie ließ es zu. Schnell sah sie sich um wo Revien war. Er durfte ihn nicht töten bevor sie das hier auch wirklich zu ende bringen konnten. Sie maunzte:
„Revien, hast du eine Phiole bei ihm gesehen? Sie ist wichtig!“
Sie behielt den Nekromanten im Auge. Alles in ihr wollte ihn töten, aber noch war das hier nicht vorbei. Sie musste sicher sein.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 16. Januar 2019, 22:38

Der Nekromant war nicht in Syrellas Träumen erschienen. Sein Name war nicht Sademos gewesen, er war kein Händler und auch nicht der Pirat, der sie gefoltert hatte. Aber er war böse und verdorben, hatte Syrella zerbrochen und ihre leblose schwache Hülle leidend links liegen gelassen.
Er hatte das alles hier verdient. Für Jahrtausende! Auf Ewig! Er sollte seine eigene Medizin kosten, sollte an seiner Angst ersticken und sich hilflos fühlen. Wie sie alle, diese sadistischen Mistkerle die überall andere Menschen quälten!

Es war die Serval, die dem Ruf der Jagt folgte, aber der Mensch in Maruka genoss die Genugtuung, dieses Mal nicht das hilflose Opfer zu sein. Jetzt hielt sie die Macht in Händen, leben zu nehmen und zu geben. Sie diktierte, wann das Leid dieses Monsters beendet war.
Aber sie vergaß dabei nicht, worauf es ankam.

„Revien, hast du eine Phiole bei ihm gesehen? Sie ist wichtig!“

„Nein.“

Grollte er zurück und auch, als Maruka einen genaueren Blick auf ihr Opfer warf, war da nichts. Die Phiole musste noch dort sein, wo sie zu Boden gefallen war.

Es gab keinen Grund mehr, den Mann am Leben zu lassen und fast schmerzte es sie, dass das Spiel so schnell vorbei sein würde. Allerdings bot der Nekromant nicht gerade viel widerstand, was auf Dauer ganz schön langweilig wurde. Für den Serval.

Die unterdrückte Wut und Hilflosigkeit kochte wieder in Maruka hoch und sie verpasste dem Nekromanten einen Schlag, der ihm die Wange aufriss. Aber sie erinnerte sich auch, dass es jemanden Gab, der noch viel mehr Grund zur Wut hat. Jemanden, der jedes Recht hatte, dieses Leben zu nehmen.

Sie blickte zu Syrella, die jetzt etwas durchsichtiger wirkte. Sie betrachtete das Geschehen reserviert und traurig. Ohne zu zögern bot sie der verstorbenen Runenmagierin an, Rache zu nehmen.

„Nein. Ich werde kein Leben beenden. Das, was von meiner Seele blieb, hast du gerettet. Ich werde es nicht damit beschmutzen, Rache zu üben – und sei es nur durch meinen Befehl.“

Der Geist betrachtete einen Moment den geschlagenen Mann am Boden.

„Ihr werdet ihn nicht verschonen … aber beendet es wenigstens schnell.“

Stellte sie fest, als sie in erhitze Gesichter blickte.

„Und Maruka … die Art wie du deinen Feinden begegnest sagt mehr über dich aus, als über sie.“

Die junge Frau war noch immer halb im Rausch und Syrellas Worte erreichten sie noch nicht. Dafür waren die Schatten, die über dem Nekromanten am Boden lagen, zu stark. All diese verfluchten Dunkelelfen, die ihr böses angetan hatten.

Sie war eine Jägerin und es war Zeit, die Beute zu erledigen.

Sie schnellte vor und sprang dem Mann auf die Brust. Ihre Krallen bohrten sich durch zerfetzten Stoff in sein Fleisch und Blut quoll aus den Schnitten. Er schrie auf, seine Stimme war schwach und heiser geworden, sein widerstand kaum spürbar. Maruka sah ihm tief in die Augen, schmeckte die Angst und holte dann mit der Hand aus und Schnitt mit ihren Krallen in seine Kehle. Es sprudelte los, aber der Schnitt war nicht tief genug.

Sie hieb ein weiteres Mal, die Wunde wurde tiefer. Aber es war noch nicht tief genug. Ein weiterer Schlag folgte, dann noch einer und dann noch einer.

Erst als ihre Krallen über Knochen schabten, hielt sie inne. Der Mann unter ihr war leblos, ihre Arme und ihre Brust blutbeschmiert.
Sie hatte so oft zuschlagen müssen … für all die Hilflosigkeit, all die Angst die sie hatte durchleiden müssen. Und auch für Syrella, selbst wenn sie nicht um Rache bat.

Schwer atmend stand sie auf und stolperte etwas von der Leiche weg. Der Panther stupste sie an und begann, ihre Hände zu säubern. Auch wenn Syrella sie mit großen traurigen Augen ansah, so schien Revien schlichtweg zu akzeptieren … ja sogar zuzustimmen, denn hatte er sie nicht an diesen Punkt geführt?

Maruka hatte Rache gekostet und sie schmeckte süß auf der Zunge. Der Preis dafür war lediglich die Unschuld. Und Unschuld war etwas für Opfer.
Revien beendete die zärtliche Säuberung und löste sich von ihr, um in einem Regen aus Gold und Grün wieder als Mann vor ihr zu stehen.

„Maruka.“

Sprach er und schaffte es, in das kurze Wort eine Vielzahl an Emotionen zu binden. Freude, Erleichterung, Sehnsucht und Stolz.

„Ich dachte für einen Moment ich hätte dich verloren … allein die Waldgeister haben mir verraten dass du noch hier und am Leben bist! Was ist passiert?“

Syrella schien Revien noch gar nicht bemerkt zu haben.
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Sonntag 20. Januar 2019, 12:19

Unterdrückte Wut und Hilflosigkeit kochte in Maruka, als sie dem Nekromanten einen Schlag, der ihm die Wange aufriss, verpasste. Aber es gab noch jemanden, der noch viel mehr Grund zur Wut hatte. Jemanden, der jedes Recht hatte, dieses Leben zu nehmen. Sie blickte zu Syrella, die jetzt etwas durchsichtiger wirkte. Sie betrachtete das Geschehen reserviert und traurig. Ohne zu zögern bot Maruka der verstorbenen Runenmagierin an, Rache zu nehmen.
„Nein. Ich werde kein Leben beenden. Das, was von meiner Seele blieb, hast du gerettet. Ich werde es nicht damit beschmutzen, Rache zu üben – und sei es nur durch meinen Befehl.“
Der Geist betrachtete einen Moment den geschlagenen Mann am Boden.
„Ihr werdet ihn nicht verschonen … aber beendet es wenigstens schnell.“
Die Hybridin nickte nur kurz. Sie selbst wollte weiter machen...
„Und Maruka … die Art wie du deinen Feinden begegnest sagt mehr über dich aus, als über sie.“
Die junge Frau war noch immer halb im Rausch und Syrellas Worte erreichten sie noch nicht. Sie war eine Jägerin und es war Zeit, die Beute zu erledigen. Sie schnellte vor und sprang dem Mann auf die Brust. Erst nach fünf oder mehr Schlägen hörte der Körper des Nekromanten auf zu zucken. Der Mann unter ihr war leblos, ihre Arme und ihre Brust blutbeschmiert. So leicht war ein Wesen mit bloßen Krallen nicht zu töten. Sie hatte so oft zuschlagen müssen … für all die Hilflosigkeit, all die Angst die sie hatte durchleiden müssen. Und auch für Syrella, selbst wenn sie nicht um Rache bat. Schwer atmend stand sie auf und stolperte etwas von der Leiche weg. War es Rache gewesen, was sie angetrieben hatte? Nicht das Maruka darüber nach dachte in diesem Augenblick. In ihr hatte all die Zeit einfach dieses junge unschuldige Ding in der hintersten Ecke ihrer Seele gehockt und vor sich hin gewimmert. Sie hatte durch das Tier in ihr gelernt sich zu wehren, zu überleben, aber sie hatte das Leid nie verarbeitet. Es war wie ein 'Knack' von brechendem Eis durch sie hindurch gegangen. Das Knacken seiner Knochen, das Reißen seines Fleisches, das Fließen seines Blutes unter ihren Krallen hatte geholfen nun auch den letzten Rest 'Opfer' von ihr zu spülen.
Schwer atmend stand sie da. Nein, sie fühlte kein Mitleid mit diesem Wesen.
Der Panther stupste sie an und begann, ihre Hände zu säubern. Auch wenn Syrella sie mit großen traurigen Augen ansah, so schien Revien schlichtweg zu akzeptieren, ja sogar zuzustimmen, denn hatte er sie nicht an diesen Punkt geführt? Maruka hatte dieses Blut gekostet und es schmeckte süß auf der Zunge. Der Preis dafür war lediglich die Unschuld. Und Unschuld war etwas für Opfer, etwas dass sie nie wieder sein wollte!
Revien beendete die zärtliche Säuberung und löste sich von ihr, um in einem Regen aus Gold und Grün wieder als Mann vor ihr zu stehen.
„Maruka.“
, sprach er und schaffte es, in das kurze Wort eine Vielzahl an Emotionen zu binden. Freude, Erleichterung, Sehnsucht und Stolz. Maruka stürzte in seine Arme und hielt sich an ihm fest. Seine Stimme klang wunderbar weich durch ihre Haare an ihrem Nacken.
„Ich dachte für einen Moment ich hätte dich verloren … allein die Waldgeister haben mir verraten dass du noch hier und am Leben bist! Was ist passiert?“
Die Hybridin atmete tief seinen Duft ein und ein Teil von ihr, wollte ihn für immer fest halten. Ein anderer Teil wollte aber in seine schönen grünen Augen sehen und ihm antworten, als löste sie sich seufzend von ihm so weit, dass sie zu ihm hoch schauen konnte.
„Ich bin gefallen.... in ein Loch gefallen und dann...“
Maruka sah sich nach Syrella um. Revien schien sie noch gar nicht bemerkt zu haben.
„... dann hab ich den Fokus zerstört und bin irgendwie ein Syrellas Erinnerungen gerutscht. Hat sich angefühlt wie eine Zeitreise. Ich hab gesehen, was damals passiert ist und ...Ich hab sie geheilt...nicht vom Tod, das geht nicht, aber irgendwie geht es ihr jetzt besser und sie wird uns helfen. Ich...wir müssen diese Phiole mit dem Zeitdämon darin finden und zerstören!“
Das dieser Bericht sehr kurz und unzulänglich war, war ihr vor lauter Glückseligkeit ihn wieder zu sehen, grade nicht ganz bewusst. Aber es gab ja noch Syrella und der Geist konnte sicher viel besser dem Wächter des Waldes erklären, was da genau passiert war, so hoffte Maruka. Zumindest ging sie davon aus, dass Revien sie sehen und hören konnte. Wenn dem nicht so war, würde sie natürlich „übersetzten“ und alles so gut erklären wie sie eben konnte...

Danach würde sie versuchen Revien zu überzeugen, weiter zu machen.
„Ich glaube, ich weiß noch ungefähr, wo das Ding runter gefallen ist.“
, bezog sich Maruka auf den Ort der Phiole.
„Ich muss mich umsehen und dieses Baumhaus finden... wenn es noch steht... Wenn nicht, muss ich den Hügel finden auf dem es stand und dort suchen.“
Auch wenn Maruka vielleicht müde sein sollte, nach allem was in letzter Zeit passiert war, so war sie Adrenalin geladen und voller Tatendrang.
„Lasst uns die Phiole suchen und das hier endlich zu Ende bringen!“
...und danach was fressen!
Ja, ...Hunger hatte die Servali immer.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Freitag 19. April 2019, 13:48

Revien blinzelte überrascht bei Marukas knappem Bericht und sah sie erstaunt an.
„Du … du hast die Kraft, die ich dir gegeben habe, dazu genutzt ihren Geist zu heilen … dass … ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt möglich ist.“
Stellte er fest, offenbar selbst noch unsicher, wie er dazu stand.

Konzentriert kniff er die Augen zusammen und ließ seinen Blick wandern, bis dieser schließlich an Maruka hängen blieb.
„Ich befürchte, ich kann diese Syrella nicht wahrnehmen … aber etwas ist anders um dich herum ... vielleicht ist ihr Geist jetzt mit dir verbunden.“
Zumindest behauptete Revien nicht, dass Maruka schlichtweg verrückt sei, sondern glaubte ihr auch ohne Syrella zu sehen.
Allerdings nahm er nicht ohne Beweis einfach an, dass die Entität, die sich für Syrella ausgab, auch wirklich sie war.
Reviens erste Frage bezog sich auf das erste Mal, als die Beiden einander begegneten – ohne Zweifel ein Test – den Syrella bestand. Allerdings wurde die Beiden sich sehr schnell darüber einige, dass es keine ‚Sicherheit‘ darüber gab, ob sie wirklich sie war. Am Ende machte Marukas Integrität den Unterschied und Revien konnte sich zumindest darauf verlassen, dass auf Marukas Urteil verlass war. Die Hybridin war überaus erleichtert, als diese Unterhaltung endlich beendet war. Die ganze Zeit als Sprachrohr zu dienen war anstrengend genug, aber dann noch bei einem so ermüdenden Thema?

Der Rest war dagegen ein Klacks. Revien war schnell auf den neuesten Stand gebracht und alle offenen Fragen flux beantwortet. Jetzt blieb nur noch eins: Handeln!
„Ich denke, ich weiß, von welchem Ort du sprichst. Ich kann uns dorthin führen.“
Stellte der Wächter fest.
„Wir beide sollten das Baumhaus, selbst wenn dort noch jemand ist, lautlos und ungesehen erreichen können. Die Frage ist nur, was passiert, wenn wir die Phiole zerstören …“
Syrella beantwortete dies:
‚Das wahrscheinlichste ist, dass der Dämon frei kommt. Was danach passiert, liegt an ihm … ich hoffe jedoch, dass er schlichtweg nach Hause zurückkehrt. Im schlimmsten Fall beschließt er, zuerst Rache zu nehmen … und hoffentlich nicht an uns.‘
Maruka übersetzte und Revien nickte nachdenklich.
„Er muss halb wahnsinnig sein … und so wie es klingt sehr mächtig. Wer weiß, was er tun könnte, wenn er frei ist. Aber kein Geschöpf verdient es, eingesperrt und versklavt zu werden. Die Ketten zu lösen, die ihn halten, ist das Richtige.“
Stellte Revien in einer Innbrunst fest, aus der sprach, dass er wohl nur allzu gut wusste, wie der Dämon sich fühlte. Syrella war nicht gänzlich von der Weisheit in diesem Handeln überzeugt, aber auch sie war kein Freund davon, andere Geschöpfe in ihrer Freiheit einzuschränken. Sie fürchtete vielmehr das Chaos, dass eine unkontrollierte Befreiung auslösen könnte. Allerdings bat sie Maruka nicht, ihre Bedenken zu übersetzen.

Gold grünes Licht umtanzte den Waldelfen und seiner statt stand ein großer Panther neben Maruka. Wortlos aber in flüssiger Symmetrie liefen ein größerer und ein kleinerer schwarzer Schatten los. Der Boden war weich und dämpfte das Geräusch ihrer weichen Tatzen. Dadurch, dass die wenigsten Pflanzen auch nur eine Chance auf Wachstum hatten und die meiste andere Vegetation verrottet oder verschwunden war, blockte um einiges weniger ihr Fortkommen, als es in einem Dschungel sonst der Fall gewesen wäre.

Schon bald erspähte Maruka Terrain, dass ihr nur allzu bekannt vorkam. Syrellas Erinnerung war erstaunlich akkurat gewesen. Ab hier hätte auch Maruka die Führung übernehmen können, aber sie erreichten die Anhöhe in einem etwas anderen Winkel und so überließ sie es erst einmal Revien den richtigen Pfad zu finden.

Je näher sie dem Ort kamen, desto schlechter wurde das Gefühl in ihrem Magen. Sie war sich nicht ganz sicher, ob all die schlechten Ahnungen nur mit ihrer eigenen Nervosität zusammenhingen, oder ob sich hier auch etwas anderes zusammenbraute. Jedenfalls wurden ihre Gedanken düsterer je näher sie dem Ziel kam.

Erinnerungen an Morgheria und das Piratenschiff wollten an die Oberfläche schwappen. Kleine Fetzten aus Angst, Reue und Zorn begannen ihr hässliches Gesicht zu zeigen, als ihre Gedanken immer mehr drohten, in Richtung der Vergangenheit zu wandern. Es war ein signifikanter aufwand an Willenskraft nötig, damit Maruka sich auf das hier und jetzt konzentrieren konnte. Revien führte sie dabei auf direktem Weg zu ihrem Ziel.
Jemand musste sich zu irgendeinem Zeitpunkt die Mühe gemacht haben, das Baumhaus von einem Großteil der zerstörten Balken zu befreien. So war nicht mehr viel von dem eigentlichen Gebäude übrig bis auf eine Rückwand und die löchrige Plattform.

Der Riss, den sie aus ihrer Erinnerung kannte, war verschwunden. Dafür lagen allerlei Paraphernalien um ein Pentagramm herum, dass an der Stelle gemalt worden war, an der sie den Riss vermutet hatte.

Der Panther wirkte seltsam unfokussiert und umrundete das zerstörte Gebäude bis er die Stelle erreichte, an der die Treppe einst gestanden hatte und sprang mit überraschender Leichtsinnigkeit auf die Plattform des Baumhauses. Eine seltsame Idee, bedachte man, dass er an fast jeder Stelle hätte landen können und die besagte Position keinerlei Vorteil brachte. Seine übliche Wachsamkeit schien von ihm abgefallen. Seine Ohren und auch sein Schwanz zuckten nervös und er lief etwas Geduckt.

Eine schwere hatte sich auf Marukas Brust niedergelassen, die jeden Atemzug ein bisschen mühsamer machte, als er sein sollte. Syrella hatte sich während ihres Laufs stets nah bei ihr gehalten, aber jetzt stand sie so nah, dass sie einander fast berührten.
‚Etwas stimmt nicht …‘
Sprach sie das offensichtliche aus. Sie blickte neugierig in richtung des Pentagramms, aber sie wusste auch, dass Maruka die Phiole suchen wollte, also blieb sie still.

[ooc: fühl dich gern dazu eingeladen, ein paar Erinnerungsfetzen an die Oberfläche kommen zu lassen ;)]
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Montag 22. April 2019, 13:59

Je näher sie dem Ort kamen, desto schlechter wurde das Gefühl in Marukas Magen und das lag nicht am Hunger. Sie war sich nicht ganz sicher, ob all die schlechten Ahnungen nur mit ihrer eigenen Nervosität zusammenhingen, oder ob sich hier auch etwas anderes zusammenbraute. Die tote Umgebung gab ihr übriges und da wo sie sonst weiches grünes Gras unter ihren Pfoten hatte spüren sollen, da trat sie nun teilweise auf toten Sand.
Totensand...
Jedenfalls wurden ihre Gedanken düsterer je näher sie dem Ziel kam.
Eine Stimmung wie in Morgeria...
Ihre Gedanken wanderten in Richtung Vergangenheit.

Wo bin ich nun wieder hinein geraten?!
Von oben rieselte ihr feiner Sand entgegen und sie musste kurz den Blick abwenden um ihn nicht in die Augen zu bekommen. Das nächste was sie erblickte waren die Schatten zweier Platten die sich von den steil abfallenden Rändern des Schachtes entfernt wurden und eine Stimme erschallte.
„MEINE FREUNDE DES KAMPFES, DIESE SCHLACHT IST NOCH LANGE NICHT GESCHLAGEN! WIR HABEN NOCH ZWEI WEITERE BESONDERE KÄMPFER FÜR SIE!“
Katze verstand nicht jedes einzelne Wort, aber doch den Inhalt. Das Publikum wurde durch das Anheizen des Ansagers schon fast hysterisch und der Lärm den die vielen Zuschauer verursachten war wahrscheinlich in fast ganz Morgerias zu hören. Tosenden Beifall setze ein und ließ die feinen Sandkörner unter ihren Füßen erzittern. Katzes große Ohren erzitterten ebenso bei den Lautstärke. Die Plattform auf der sie standen begann sich ruckelnd zu heben.
„HEIßEN SIE UNSERE NEUEN KÄMPFER HERZLICH WILLKOMMEN UND MÖGE DAS GEMETZEL WEITERGEHEN!!!“
Maruka konnte erst nur die Ränge erblicken, auf denen sich die für Blut geifernden Gäste versammelt hatten und dem Spektakel entgegen schrien.
Gemetzel wollt ihr also. DAS könnt ihr haben!
Innerlich peitsche sie sich selbst, beschwor die Bestie in sich zur Besonnenheit und lauerte auf das was kommen würde. Um so weiter sich die Plattform hob, um so mehr wurde ihr bewusst, dass sie und ihr Begleiter, sich nicht nur wortwörtlich auf einem Präsentierteller befanden. Verstecken war keine Option, so gern sie es auch getan hätte. Hier nützte ihr das Tier der Nacht nicht viel. Hier gab es keine Deckung, keine Möglichkeit sich heimlich an seinen Gegner heranzuschleichen. Das hier war ein Kampfplatz, allein zum öffentlichen Sterben erdacht, was letztendlich auch die toten Orks bestätigten.
Gegner ausmachen, einschätzen und Taktik wählen.
So hatte es ihr ihr Vater beigebracht. Gegner gab es viele, doch die einzig greifbaren waren ein Ork und ein ebenso großer und monströser … Kater?
Überraschung huschte über ihr Gesicht. Katze hielt ihre kampfbereite Peitsche eng am Körper, so dass man sie nur bei genauer Betrachtung nicht als ein Teil der Kleidung ausmachen konnte. Ihre Aufmerksamkeit huschte zu dem lauernden Ork und zurück zu dem ihr erstaunlich ähnlichen Artgenossen. Ungläubig starrte sie ihn für zwei lange Sekunden an, bis die Plattform zum stehen gekommen war.
Was …? Er … ist doch ein Er? Ja! ...aber so groß! Was ist er? Ist er wie … ich? Gibt es noch mehr von meiner … Art? Er wirkt viel wilder! Bei Ventha, seine Schnauze … ! Ob er damit überhaupt sprechen kann?
Während ihre Gedanken beim Anblick des unbekannten Leoniden rasten, näherte sich das Monster, was noch viel mehr tierische Anteile wie Maruka in sich hatte und vollführte Drohgebärden. Maruka versuchte noch immer den Ork nicht aus den Augen zu verlieren, aber hoffte, das Raflat ebenso vorsichtig vor ging. Bis jetzt hatte es keinen Angriff gegeben. Vielleicht hatten sie eine Chance das hier zu überleben, also flüsterte sie Raflat so unauffällig wie möglich zu:
„Nicht bewegen.“
So angespannt wie er aussieht, sollten wir keine hastigen Bewegungen machen. Er scheint sich jedoch erst mal für Raflat zu interessieren … OH!
In diesem Moment hatte der Katzenartige sie erreicht und ihren Begleiter, den Rattenhybrid auch schon bei der Kehle gepackt. Auch wenn Maruka noch nie in ihrem Leben einen Löwen gesehen hatte, so war sie doch beeindruckt von seiner Kraft und Größe. Auch sein Geruch hatte etwas verwirrend vertrautes an sich. Da er sich nun eingehend mit Raflat beschäftigte, konnte sie sich mit ihm beschäftigen, ohne dass er es gleich merkte. Sie stand seitlich zu ihm und ihr Blick hielt Raflat fest, als könnte sie ihm mental zurufen, dass er aushalten solle. Gleichzeitig hielt sie ihre Peitsche gleich einer Garrotte in den Händen, bereit sie im Notfall dem Kater durch die weiche Gurgel zu ziehen, wenn gleich ein innerer Widerstand es nicht tun wollte. Der Löwe beschnupperte gerade den Hybriden ausgiebig und Maruka befürchtete schon, dass er jeden Moment zubeißen würde. Langsam neigte sie ihren Kopf ein wenig näher und raunte ganz leise in das schwarze verhältnismäßig kleine Ohr:
„Kein Futter!“
Sofort hatte sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Er ließ Raflat los und beschnupperte nun sie. Seine mit Klauen bewährten Pranken berührten sie zögerlich, vorsichtig, ja fast zärtlich.
Oh, oh … das war nicht ganz das was ich … beabsichtigt hatte. Vorsicht Junge, noch weiter unten und du bist dein bestes Stück los!
Still ließ sie jedoch die Untersuchung über sich ergehen, presste die Zähne aufeinander, bewegte sich nicht einen Millimeter und nur ihre Augen zuckten immer wieder zum Ork, der wohl auch nicht ganz verstand was hier vor sich ging. Das Schnurren, was aus der Brust des Schreckens vor ihr drang, erinnerte sie stark an ihr eigenes, wenn sie sich wohl fühlte, doch zu verwirrend war es in dieser so unwirklichen Situation. Dann ganz plötzlich und unvorhergesehen, wandelte sich das Verhalten des Monsters. Es löste sich von ihr, brüllte auf und ergriff seine Äxte die noch im Boden zu ihren Füßen steckten. Dann richtete er sich zu voller Größe auf und trat daraufhin mit einem weiteren provozierenden Brüllen auf den Bastardschwert schwingenden Ork zu.
Über Marukas Gesicht huschte so etwas wie ein kurzes Grinsen.
Puh, gut gegangen! Ein Verbündeter... oder so was ähnliches ...
Sofort zischte sie Raflat zu:
„Da, die Waffen.“
...

Und einmal mehr war sie in Begleitung einer schwarzen Raubkatze. Wenn gleich Revien nicht mit dem Leoniden von damals zu vergleichen war. Außer diesen Kater und den Rattenhybrideden hatte sie in Morgerias mit Totensand gefüllten Kampfarena noch nie andere Hybriden kennen gelernt. Und doch erinnerte sich Maruka gerade an diese Szene gut. Dieses Gefühl einem ungewissen Schicksal ausgeliefert zu werden, das Kribbeln unter dem Fell, wenn ein Kampf bevor stand, die Kälte auf der Haut, wenn man ahnte, dass Gevatter Tod umher streifte. Es hatte Parallelen. Sie hatte wieder einen Begleiter an ihrer Seite und wieder hatte der Boden zu ihren Füßen Blut gekostet.
Es war ein signifikanter Aufwand an Willenskraft nötig, damit Maruka sich auf das hier und jetzt konzentrieren konnte und in die Realität zurück fand.
Revien führte sie dabei auf direktem Weg zu ihrem Ziel.

Jemand musste sich zu irgendeinem Zeitpunkt die Mühe gemacht haben, das Baumhaus von einem Großteil der zerstörten Balken zu befreien. So war nicht mehr viel von dem eigentlichen Gebäude übrig bis auf eine Rückwand und die löchrige Plattform. Eilig erklommen sie das Baumhaus und begannen ihre Suche. Der Riss, den sie aus ihrer Erinnerung kannte, war verschwunden. Dafür lagen allerlei Paraphernalien um ein Pentagramm herum, dass an der Stelle gemalt worden war, an der sie den Riss vermutet hatte.
Der Panther wirkte seltsam unfokussiert und das bereitete Maruka Sorgen. Vorsichtig strich sie an ihm vorbei, wann immer er sich ihr näherte. Eine Schwere hatte sich auf Marukas Brust niedergelassen, die jeden Atemzug ein bisschen mühsamer machte, als er sein sollte. Syrella hatte sich während ihres Laufs stets nah bei ihr gehalten, aber jetzt stand sie so nah, dass sie einander fast berührten.
‚Etwas stimmt nicht …‘
Sprach sie das Offensichtliche aus. Sie blickte neugierig in Richtung des Pentagramms, aber sie wusste auch, dass Maruka die Phiole suchen wollte, also blieb sie still.

Das Hier und Jetzt war so anders als die Vergangenheit und doch gab es Vertrautes.
‚Etwas stimmt nicht …‘ … Das kann man so sagen.
Maruka hielt sich die ganze Zeit geduckt und bewegte sich so leise sie konnte. Sie behielt Revien im Auge, da sein Verhalten etwas verunsichert hatte, aber sie behielt ihr Ziel im Auge. Sie musste die Phiole finden... und wenn der Lauf der Zeit etwas verändert hatte? Wenn es gar keine Phiole mehr gab? War der Dämon schon frei, oder hatte er eine andere Form angenommen? Hatten dunkle Mächte sich seiner bedient und ihn in ein neues Gefäß gesperrt? War er noch gefangen? Von „Gefangenschaft“ verstand Maruka so einiges, weshalb sie auch Reviens frühere Aussage so gut verstand. Kein Wesen sollte in Gefangenschaft leben müssen.
Fast könnte er einem leid tun...
Maruka schüttelte sich.
...aber nur fast!
Außerdem hatte ihr Vater ihr einmal etwas gesagt, als sie noch sehr jung war und Angst hatte, das erste Mal zu Elin Meerseegen mitzukommen:
„Hab keine Angst vor Magie! Magie an sich ist nicht böse, nur der der sie lenkt und damit böse Absichten verfolgt.“
Er hatte noch mehr gesagt, aber ihre Gedanken an Mantron, ihren Vater, ihre Familie, die Menschen die sie zurück gelassen hatte, sie erdrückten sie in diesem Moment fast.Die alten Gefühle von Schmerz, Verlust und Heimweh kehrten mit Macht zurück und schnürten ihr die Kehle zu. Auch wenn sie hatte geglaubt das hinter sich gelassen zu haben, war es doch noch ein Teil von ihr. Sie hatte hier ihr Zuhause gefunden, hatte in Revien ihren Anker hier gefunden und doch... Selbstmitleid war eine ebenso starke Emotion wie zuvor die Wut über ihr Schicksal im Totensand.
Noch einmal schüttelte Maruka ihr Fell, rieb sich kurz, aber heftig mit den Händen durchs Gesicht und fokussierte sich wieder auf ihre Suche. Sie hatte eine Aufgabe!
Ich will einen Dämonen befreien!
Mit dem festen Vorsatz nicht zu viel zu denken und dafür mehr zu suchen, pirschte sie durch das Baumhaus. Die Bretter waren alt und sicher teils brüchig, weshalb sie vorsichtig vor ging. Auch das Pentagramm wurde genaustens untersucht, auch wenn sie nichts von Ritualmagie verstand. Ihre erste Intension war, die Linien einfach kaputt zu machen, aber ihr Verstand riet ihr diesen Gedanken noch zurück zu halten und dafür besser ihre geisterhafte Begleiterin zu befragen:
„Siehst du hier irgendetwas? Irgendeinen Hinweis? Etwas Interessantes?“
, wandte sie sich leise an Syrella.
„Was muss ich tun?“
Sie stand vor den Paraphrenalien und zerbrach sie schon in Gedanken.
Aber manchmal war „Plan 1a, alles kaputt machen“, nicht immer der Weg zur Lösung eines Problems. Und das hier ein Ritualmagier am Werk gewesen war, NACHDEM die Dinge aus der Vergangenheit geschehen war, das war offensichtlich. Also musste sie erst einmal Syrella sich umschauen lassen. Sie war ihr „Ass auf der Hinterhand“, ihr geheimer Verbündeter aus der Vergangenheit. Maruka hoffte, dass das zu etwas gut war. Ansonsten fiel ihr nicht viel mehr ein, als alles gründlich zu durchsuchen und ggf. doch auf Plan 1a zurück zu greifen und hier alles zu zerstören.
Während sie auf Syrellas Reaktion wartete, behielt sie auch die ganze Zeit Revien im Auge.
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Re: Shyréa

Beitrag von Erzähler » Montag 15. Juli 2019, 21:29

„Siehst du hier irgendetwas? Irgendeinen Hinweis? Etwas Interessantes?“
, wandte sie sich leise an Syrella.
„Was muss ich tun?“


‚Ich bin mir nicht ganz sicher, dieser Kreis macht den Anschein eines Bannkreises … möglicherweise hat ihn der Nekromant um den Riss gezogen …‘
Syrella kniff die Augen zusammen und starrte auf den Kreis, dann riss sie die Augen überrascht auf.
‚Der Kreis, er wurde an einer Stelle durchbrochen!‘
Verkündete sie.

Maruka hatte währenddessen weiter den Boden untersucht, Revien immer mindestens im Augenwinkel behaltend. Dabei wusste sie nicht so recht, worauf sie sich konzentrieren wollte. Der Waldelf wirkte immer abwesender und murmelte irgendetwas Waldelfisches, während er sich in der Ruine umsah, als wäre dort mehr zu entdecken, als morsches Holz. Und unter den Planken bewegte sich ein Schatten.

Marukas Nackenfell sträubte sich, als sie ein leises schnüffeln und das scharren von Krallen auf Holz hörte. Da bewegte sich etwas unter dem Baumhaus und schlängelte sich durch Balken und Wurzeln. Ihr Blick war zuerst in Richtung des Loches gewandert, durch das Phiole gefallen war und hatte sich dann langsam suchend weiterbewegt. Dabei war er auf den Schatten getroffen. Und einige Schritte weiter fing sich das schummrige Licht in einer reflektierenden Oberfläche. Die Phiole!!!!

Blitzschnell stieß sie sich ab und rannte sie auf das Glitzern zu, während der Schatten unter ihr, dasselbe Ziel zu haben schien. Nur dass sie hier oben schneller war! Leichtfüßig wetzte sie über die morschen Bretter, sprang über Löcher und balancierte über fast gänzliche Passagen, bis sie abrupt zum Stillstand kam und ihre Krallen tiefe furchen im Holz hinterließen. Unter ihr ein zwei Hände breites Loch, auf dessen Grund der Schlüssel zur Freiheit des Dämonen lag! Sie wollte gerade vorschnellen da sah sie, wie jemand hinter Revien stand und Syrella rief gleichzeitig erschreckt auf.

‚Vorsicht!‘

Noch immer völlig abwesend war Revien in den Kreis hineingetreten und schien sich mit der Luft in Waldelfisch zu streiten. Schräg hinter ihm stand eine in dunkle Lumpen gehüllte Gestalt. Doch statt einer erwarteten Waffe hielt sie nur ein Stück Kreide in der Hand und war dabei, sich zu dem Kreis hinab zu beugen.

Revien hörte Syrella leider noch immer nicht, aber Maruka war sich ziemlich sicher, dass selbst ein Brüllen den Waldelfen gerade nicht erreicht hätte. Wenn sie jetzt weiter zögerte dann würde, was auch immer da unten herumkroch, die Phiole bekommen!


Sollte sie die Phiole schnappen oder den Berobten aufhalten? Welcher Verlust würde schwerer wiegen? So oder so ihre Entscheidung könnte den Verlauf der herannahenden Auseinandersetzung verändern.
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Re: Shyréa

Beitrag von Maruka » Donnerstag 18. Juli 2019, 11:05

Alles ging so schnell!
Eben hatte sie noch den Boden abgesucht und war umher gelaufen, da sah sie plötzlich den Schatten der unter den brüchigen Bodendielen umher huschte und auch die Phiole zu suchen schien.
Warum jetzt? Warum, wenn wir hier sind... die Gegenseite hatte doch Jahrzehnte Zeit...
Sie verstand einzelne Abläufe nicht, aber das war auch nicht von Bedeutung. Was von Bedeutung war, dass die Gegenseite nicht in Besitz des Kleinods kommen durfte, also rannte sie ohne zu zögern los. Die Bretter unter ihr knirschten an manchen Stellen ganz schön, aber sie hatte ihr Ziel entdeckt. Adrenalin schoss in ihren Körper. Jetzt galt es schnell zu sein und das war sie! Blitzschnell stieß sie sich ab und rannte sie auf das Glitzern zu, während der Schatten unter ihr, dasselbe Ziel zu haben schien. Nur dass sie hier oben schneller war!
Nein! Diesmal läuft das anders!
Leichtfüßig wetzte sie über die morschen Bretter, sprang über Löcher und balancierte über fast gänzlich zerstörte Passagen, bis sie abrupt zum Stillstand kam und ihre Krallen tiefe Furchen im Holz hinterließen. Unter war ihr ein zwei Hände breites Loch, auf dessen Grund der Schlüssel zur Freiheit des Dämonen lag! Sie wollte gerade vorschnellen da sah sie, wie jemand hinter Revien stand und Syrella rief gleichzeitig erschreckt auf.
‚Vorsicht!‘
Noch immer völlig abwesend war Revien in den Kreis hineingetreten und schien sich mit der Luft in Waldelfisch zu streiten. Schräg hinter ihm stand eine in dunkle Lumpen gehüllte Gestalt. Doch statt einer erwarteten Waffe hielt sie nur ein Stück Kreide in der Hand und war dabei, sich zu dem Kreis hinab zu beugen. Revien hörte Syrella leider noch immer nicht, aber Maruka war sich ziemlich sicher, dass selbst ein Brüllen den Waldelfen gerade nicht erreicht hätte. Wenn sie jetzt lange zögerte dann würde, was auch immer da unten herumkroch, die Phiole bekommen!
Es war wohl mehr ihr Instinkt, als ihr logisches Denken, dass sie Handeln ließ. Da drüben war Revien, hier sie. Revien zu erreichen und zu retten, wo der Magier hinter ihm nur einen Handstrich von seinem Erfolg entfernt war, war unmöglich. Selbst wenn sie sich so schnell wie ein Gedanke bewegen hätte könnte, was sie nicht konnte, so war das Schließen des Bannkreises um Revien nichts was sie noch aus ihrer Position verhindern konnte. Und selbst wenn, würde die Phiole abermals in die falschen Hände gelangen und das Unheil würde sich wieder und wieder wiederholen. Auch wenn es eine unbewusste Entscheidung war und sie sich später mit den Konsequenzen auseinander setzten würde, so würde sie nicht noch einmal in Selbstgeißelung verfallen. Das wichtigste war, dass die Phiole und damit die Quelle dieser dunklen Machenschaften ausgeschaltet wurde. Diese Macht durfte nicht mehr benutzt werden! Unter ihr war das Loch und ohne zu zögern griff sie hinein. Ihre Finger umschlossen das Kleinod. Schnell richtete sie sich wieder auf und brachte mit einem beherzten Sprung noch etwas mehr Abstand zwischen sich und der Stelle, denn wer wusste schon, wie der Schatten da unten reagierte, wenn er nicht das bekam was er wollte. Das Holz unter ihre war morsch und leicht zu durchbrechen, also wollte sie wenigstens so viel Abstand haben, um noch reagieren und ausweichen zu können.
Mit der Phiole in der Hand stand sie einen Herzschlag lang still und drückte dann zu, so fest sie konnte. Das Ding einfach auf den Boden zu werfen und einen neuen Verlust zu riskieren kam nicht in Frage! Aber waren ihre Hände stark genug um so einen Gegenstand zu zerstören? Einer vielleicht vollkommen wahnsinnigen Eingebung folgend, hob sie ihre Hand und stopfte sich die Phiole in den Mund!!

Ihr Herz schlug laut und starrte mit weit aufgerissenen Augen die Gestalt an, die hinter Revien den Bannkreis sicher schon geschlossen hatte. Sie drückte die Phiole zwischen ihre Eckzähne, öffnete leicht den Mund, damit alle sehen konnten, was geschah, grinste etwas verrückt und in Erwartung von scharfen Splittern, Schmerz und Blut …

...biss sie zu!
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"Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein."
Stephen King

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