Die Küstenstraße

Der Urwald oder, wie viele ihn nennen, der Dschungel erstreckt sich sehr weit. Hier verbergen sich verschiedene Rassen wie die Affenmenschen. Doch es gibt auch das sogenannte Paradies Shyána Nelle, welches sich in der großen Senke befindet.
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Die Küstenstraße

Beitrag von Erzähler » Montag 12. November 2012, 21:14

(Marga kommt von:Das Königreich Grandessa – (nördliches Waldgebiet) - Auf den Spuren des Vaters)

Fast eine Stunde lang setzten sie ihren Weg schweigend fort und der Wagen bahnte sich rumpelnd seinen Weg durch den dichten Wald. Sie kamen nur langsam vorwärts, denn es gab keine Straße oder befestigten Wege und ab und an musste Orok abspringen um eine Wurzel oder einen Ast aus den massiven Rädern des Wagens zu befreien oder um ihnen den Weg, mit seiner gewaltigen Axt, zu verbreitern wenn es nicht mehr voran ging. Sie erreichten kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit, selbst dann wenn keine Hindernisse auf ihrem Weg lagen, also hatten sie viel Zeit sich zu unterhalten. Orok nahm diese Chance wahr um sein Versprechen einzulösen ihr ein paar Worte auf Krz'ner bei zu bringen. Er war kein guter Lehrer, deshalb musste Marga ihm immer das Wort sagen, was sie wissen wollte und er übersetzte es dann in seine Sprache. Jede Störung brachte ihn jedoch aus dem Konzept und sie musste häufiger das bereits gesagte wiederholen, sodass ihr Unterricht nur langsam Fortschritte machte. Vielleicht war es besser sich von ihm einen kleineren Wortschatz zuzulegen, mit einzelnen starken Stichworten, die auf den Inhalt eines Gesprächs schließen lassen würden. Wörter wie: Blut, Krieg, Falle, Dunkelelfen, … und was ihr sonst noch so einfiel. Ihre Reisezeit verging gemächlich und nordöstlich. Neben den persönlichen Dingen hatte Orok noch einen kleinen Käfig mit einer Brieftaube hinter dem Kutschbock. Es war ein ausgesprochen hässliches und mageres Exemplar. Das Gefieder war matt und dunkelgrau gefleckt. Eine bereits in Wachs getauchte kleine Rolle war an einem Fuß der Taube befestigt. Vielleicht weckte sie Margas Neugierde, jedoch würde das Aufbrechen der Ummantlung nicht unbemerkt bleiben und Orok bewachte den Käfig mit Argusaugen. Als Marga ihn einmal etwas länger betrachtete, erklärte er dazu:
„Ich Befehl von Morg haben, dass frei lassen, wenn wir andere Truppe treffen.“
Weitere Erläuterungen gab es nicht, da Orok einfach nicht mehr wusste. Orok korrigierte ein paar mal ihren Kurs um dichte Waldstücke zu vermeiden. An manchen Stellen musste er ihnen regelrecht eine Schneise schlagen, doch dann wurde es langsam besser. Ab und an wurden sie von Affen beobachtet die hoch oben in den Bäumen saßen und sie mit kleinen Dingen bewarfen, wenn sie zu nah kamen. Orok ließ sich davon nicht stören. Er erklärte, dass sie noch gut einen Tagesmarsch von stillen Ebene entfernt waren und von dort aus schneller nach Norden reisen würden. Fast den ganzen Tag kämpften sie sich noch durch das dichte Unterholz und auch wenn es nicht wirklich viel für Marga zu tun gab, als ab und zu Orok bei zu schweren Baumstämmen zu helfen, oder nach den beiden Elfen zu sehen, die sich die ganze Zeit an schwiegen, so verging die Zeit doch wie im Fluge. In der stillen Ebene würden sie mit den anderen zusammen schneller voran kommen, versprach Orok. Er bot ihr auch an, das Steuern der Wargs vor der Kutsche zu lernen, da auch dies wieder etwas anderes war als das Reiten. Die Wargs vor dem Gefängniswaren reagierten vor allem auf bestimmte Laute, die Margas Begleiter ab und zu von sich gab. Doch bevor sie damit beginnen konnte sie zu lernen, erreichten sie endlich die Küstenstraße und so wurde auch der Umgang mit dem Wagen leichter. Die Aussicht zeigte eine malerische Bucht über der dicke dunkelgraue Wolken hingen und die sich weiträumig geschwungen an die felsige Küste bettete. Man ritt hoch über der Brandung, die gegen die steil abfallenden Klippen donnerte und nah am Waldrand entlang. Der Wind nahm stetig zu und zerrte unangenehm eisig an Margas Haaren. Es roch nach Regen und Sturm und die bald heraufziehende Nacht versprach ungemütlich zu werden. Fast konnte man die beiden Elfen um ihren geschützten Wagen beneiden. Sie waren gerade auf den Weg nach Norden eingebogen, da hörten sie schrille Pfiffe im schneidenden Wind hinter sich. Ein Orkspäher kam auf seinem Warg schnell heran gesprintet und stoppte neben ihnen. Orok stand auf, sah auf ihn herab, knurrte ihn kräftig an und schien so erst einmal seine Überlegenheit kundzutun. Erst dann begannen sie miteinander zu sprechen:
„Du Späher vom Trupp der von Grandea nach Andunie reist?“
Blaffte Orok ihn in wenig netten Ton an. Der Wargreiter zuckt sogar ein wenig zusammen und schien sich nicht ganz sicher was er von Oroks Erscheinung halten soll. Sein Blick huschte zu Marga und dem vergitterten Wagen.
„J...ja. Was macht ihr hier?“
„Reite zurück! Sagen Anführer, wir hier warten auf euch. Ich Befehle für Gefangenentransport. Los!“

Dem Reiter schien nicht zu gefallen sich von Orok in diesem befehlshabenden Ton ansprechen zu lassen, aber er wendete seinen Warg und ritt nach Süden davon. Sie waren wieder allein. Orok sah Marga an:
„Ich ihm sagen, dass er Anführer Bescheid geben soll. Wir hier warten bis sie aufschießen.“
Dann griff er auch schon hinter sich und nahm den kleinen Käfig auf den Schoß. Er öffnete mit seinen groben Fingern das einfach Steckschloss und griff nach dem zarten Tier, dass allein davon schon fast eine Herzattacke bekommen hatte. Er hielt den Vogel erstaunlich vorsichtig in der Hand und streckte sie dann weit über seinen Kopf um das Tier frei zu lassen. Die Geste war sicher gut gemeint, doch es sah so aus, als ob der arme Täuberich noch unter Schock stand. Er rührte sich nicht und so bekam Oroks Haltung schon etwas äußerst amüsantes, wie er so da saß und darauf wartete, dass das Tier sich erholte. Er schien gerade die Geduld zu verlieren, als ganz plötzlich der Vogel von der Seite in die Senkrechte bewegte und sich fast panisch in die Luft erhob. Das Tier suchte instinktiv so schnell es ging das Weite. Orok nahm seinen Arm runter und rieb ihn. Orkarme waren für fiel Kraft geschaffen, nicht für langes, unbequemes Stillhalten! Er sah wieder Marga an und lächelte.
„Sie bald kommen.“
Er sah nach vorne und erblickte eine etwas breitere Stelle wo sie den Wagen von der Straße lenken konnten um dort ihr Lager aufschlagen zu können. Er schnalzte wider mit der Zunge und lenkte den Wagen dort hin.
„Wir heute bestimmt nicht mehr weiter reisen. Hier gut. Wenn andere kommen, du immer in meiner Nähe bleiben. Orkmänner nicht alle so …“
Ihm schien das Wort nicht einzufallen, was er suchte.
„Orkmänner manchmal Blödmänner!“
Das war wohl war, sonst gäbe es Marga wohl vermutlich nicht. Die Anspielung machte aber auch deutlich, dass das Zusammentreffen mit den Anderen nicht ganz ungefährlich für sie sein könnte. Trotzdem schien sich Orok doch ein bisschen darauf zu freuen. Sie bauten gerade ihr Lager ganz in der Nähe des Wagens auf, so dass auf der übrigen Wiese noch ordentlich Platz blieb, da hörte man schon leise erste Pfiffe. Orok klopfte Marga auf die Schulter und lächelte sie breit an.
„Ich machen das schon. Du keine Sorge. Ich auf dich aufpassen!“
Er ging breitbeinig zur Straße um sich dort zu voller Größe aufzubauen. Dann kam der Konvoi auch langsam in Sicht. Marga staunte nicht schlecht und zählte in Gedanken heimlich mit. Eine Kolonne von drei Lastenwagen mit Waffen, soweit sie wusste, gezogen von jeweils sechs Wargs und einem Orkkutscher und einem Bogenschützen (zusammen sechs), 16 berittene Orks auf Wargs als Geleitschutz, drei Dunkelelfen auf ihren Wargs, die höchstwahrscheinlich Offiziere der dunklen Arme waren. Einer davon wirkte wie ein hoher Adeliger, der jedoch durchaus kampferprobt aussah. Die beiden anderen waren Elitekämpfer der Dunkelelfen, das sah man sofort und Marga erkannte sie als größte Gefahr zwischen all den anderen ebenso tödlich anmutenden Orks. Zusammen waren sie mit ihrem einen schwerer Gefängniswagen auf ihrer Seite, gezogen von vier Wargs, zwei Angebunden, zwei Elfen im Innern und 1,5 Orks oben auf (Marga und Orok) dann also zusammengezählt = 26,5 Kämpfer. Ohne die 43 Wargs, auch wenn diese im Kampf besser waren als jedes Pferd, und ohne die gefangenen Elfen gerechnet, was eine durchaus stattliche Truppe war. Eine schlecht gelaunte Truppe!
Die Begrüßung fiel erstaunlich knapp aus. Orok hatte sich auf den Weg gestellt und einer der fremden Orks war heran geritten um mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Es ging anscheinend um den Lagerplatz, den Orok zeigte grob in ihre Richtung und seine Entscheidung wurde abgenickt. Ohne zu stoppen näherte sich der Konvoi weiter und die schwer beladenen Wagen rollten rumpelnd und vor Metall klirrend an ihr vorbei an die schnell zugewiesenen Plätze. Marga wurde mit gemischten Blicken gemustert, doch erst einmal wurde erstaunlich still das Lager aufgebaut. Schnell bemerkte Marga auch warum alles so leise verlief. Die beiden Dunkelelfen hatten den Haufen fest im Blick und ließen keinen Raum für Gespräche. Aus der Ferne sah Marga wie Orok auf sie zu marschierte und dem Adeligen seine Befehle übergeben wollte. Er wurde von zwei weiteren Orks gestoppt und wartete bis sich dann der Elf näherte und die Rolle des Schamanen an sich nahm. Der Blick des Mannes hob sich in Margas Richtung und die Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Während sie näher kamen, hörte Marga ein paar Worte in der dunklen melodischen Sprache der Elfen, doch sie verstand sie nicht und jede Silbe jagte einem ungeübten Hörer kalte Schauer über den Rücken. Der Klang war erfüllt von Magie und Marga wunderte sich nicht, dass diese bösartigen Wesen so leicht Macht über die abergläubischen Orks gewonnen hatten. Marga wurde kaum mit einem Blick bedacht, als sie an ihr vorüber zum Gefängniswaren gingen. Nur einer der Elitekämpfer musterte sie aus dem Augenwinkel, ging jedoch ebenfalls weiter. Orok stellte sich neben Marga und ergriff ihre Hand, während der Anführer in den Wagen hinein spähte. Das dunkel Volk Celcias brauchte kein Licht um die Schatten im Innern zu durchdringen und ein süffisantes Lächeln umspielte kurz seine die Lippen. Marga betrachtete ihn von der Seite her genauer, da er offensichtlich hier das Sagen hatte. Seine Haut war pechschwarz und stand so im krassen Gegensatz zu seinen langen weißen Haaren die ihm offen bis in die Kniekehlen hingen und ihm fast etwas weibisches gaben, aber das konnte täuschen. Der Körperbau war etwas Schmaler als bei den anderen beiden, für Marga fast hager zu nennen. Seine Augen waren stechend violett und seine Gesichtszüge hart und grausam. Lippen und Nase waren gerade und schmal. Er trug eine reich verzierte, fein gearbeitete Kettenrüstung Ton in Ton mit einem schwarzen Umhang. Die einzigsten Farben die man bei allen drei erkennen konnte, sowie bei allen aus der Truppe, waren eine Armbinde über dem linken Oberarm, die in Farbe und Motiv dem grandessarischen Wappen glichen. Selbst wenn er bösartige Ideen in sich trug, was er mit den beiden Gefangenen hätte anstellen können, so machte ihm diesen Abend die Natur einen Strich durch sein Vergnügen. Es begann zu regnen und der Wind verwandelte die kalten Böen schnell in äußerst unangenehme Peitschenhiebe. Der Dunkelelf wandte sich mit seinen Begleitern ab und sie verschwanden in Richtung ihres eigenen Zeltes. Orok atmete einmal erleichtert auf und flüsterte:
„Ich hoffen, dass die da nicht zu viel Interesse für deine Freunde. Ich nicht mögen! Viel böse Magie!“
Viel länger konnten sie nicht hier draußen im Sturm stehen und rings herum zogen sich die Orks in selbstgebaute Unterkünfte zurück. Die Natur hatte heute Nacht etwas gegen eine Weiterreise und protestierte in ihrer unangenehmsten Weise. Orok kroch vor ihr ins Zelt und die feste Teerplane flatterten laut im Wind. Dies sollte keine ruhige Nacht werden, aber andererseits bot der Sturm auch Schutz vor zu neugierigen Blicken. Bei diesem Wetter jagte man keinen Hund vor die Tür. Den Wargs hingegen machte es kaum etwas aus. Nachdem sie abgespannt und gefüttert worden waren, legten sie sich alle eng zueinander, so das sie aussahen wie ein großer Haufen stinkender Fellfetzen und schiefen schnell ein. Das Unwetter zog von norden über sie und verfing sich in den Wäldern, so dass sie nicht mit ganzer Kraft getroffen wurden. Trotzdem hörte man die ganze Nacht das Donnern der Wellen an den Klippen. Orok hatte bestimmt keine Angst vor dem Sturm, aber zusammen mit Margas Einflüsterungen fühlte er sich wohl doch nicht ganz wohl. Kaum hatten sie sich hingelegt, brummelte er:
„Ich jetzt schlafen, du mich später wecken wenn zu müde. Wir einander bewachen, dann nix kann passieren.“
Er drehte ihr den massigen Rücken zu, der aber eine angenehme Wärme ausstrahlte, im Gegensatz zum Rest der Umgebung. Orks hatten ein enorm gutes Immunsystem und Marga war soweit sie sich erinnern konnte auch nie krank gewesen, nicht einmal Gift hatte ihr wirklich schaden können. Trotzdem war diese Nacht schon empfindlich kalt und die Feuchtigkeit die der Sturm mit sich brachte zog durch jeden Winkel. Sie hatten ihr Zelt so aufgebaut, dass Marga sich nun an Orok anlehnen konnte und ab und an den Eingang öffnen und zum Gefängniswagen direkte Sicht hatte.
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Re: Die Küstenstraße

Beitrag von Marga » Samstag 17. November 2012, 14:51

Ihre ganze Überlegungen am Vorabend waren in der Erkenntnis gemündet, dass sie auf keinen Fluchtplan kam. Ihr fehlte das nötige Wissen, die Raffinesse und die Mittel, einen großartigen Plan auf die Beine zu stellen. Sie war wie eine Köchin, die nicht wusste, welches Gericht von ihr verlangt wurde. Aber wenn sie schon Zeit hatte, dann würde sie Zutaten sammeln, um am Ende bereit zu sein.

Sie brauchte Belenus und sie brauchte eine Laiya, die wieder sie selbst war, sie wollte Wargs, sie wollte Proviant und ganz besonders wollte sie Orok. Er hatte Muskeln, Waffen, Mut und wusste über die Orks Bescheid. Und sie wollte sich nicht gegen ihren Freund stellen.
Deswegen hatte sie das mit dem schlechten Traum erzählt. Sie hatte gehofft, er würde nachhaken und sich über den Traum erkundigen, aber da hatte sie falsch gedacht. Das hielt sie aber nicht davon ab, zu erzählen: „Mein Vater war da. Er hat Warnung gesprochen. Wir uns hüten vor Verrat!“
Das war eine Lüge, aber die Warnung war wichtig und richtig und deshalb war es gerechtfertigt, falsch über ihren Vater zu sprechen. Und sie drückte sich bewusst vage aus, damit sie es später so deuten konnte, wie sie wollte.

Das war also der Urwald. Es war kühl und feucht. Marga mochte diese Gegend nicht. Man sollte das ganze roden, und zwar mit Axt und Feuer und danach bewirtschaften. Die Warnungen über Raubkatzen und Riesenspinnen hatten sich nicht bewahrheitet. Stattdessen war die hiesige Vegetation mit ihren hartnäckigen Wurzeln das einzige Problem. Die Wargs liefen einfach darüber, aber der Wagen selbst blieb hängen, sodass die Zugtiere schlagartig gestoppt wurden. Und dieses ständige Anhalten und Weiterfahren mochten die Wargs nicht. Also musste Orok den Weg frei räumen und das zwischen vier verärgerten Riesenwölfen. Gelegentlich brauchte er dabei auch die Hilfe von Marga, die kräftig mit anpackte.

„Ich, Du. Ja, nein. Fleisch. Wasser. Gefangen. Krieg. Elf. Ork. Dunkelelf. Befehl. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Geist. Mensch. Halb. Reiten. Eis, Feuer.“ Über den Verlauf der Stunden fragte sie diese Worte nach, mehr nicht. Sie wiederholte die Worte auf Krz'ner und fragte später erneut nach der Übersetzung. Erst wenn sie die richtige Übersetzung kannte, bevor Orok sie nannte, war sie zufrieden.
Mit von der Partie war ein kleines, unauffälliges Brieftäubchen. Doch sie würde irgendwo irgendwem irgendeinen Bericht bringen und das gefiel Marga nicht. Sie dachte darüber nach, die Taube umzubringen. Sie konnte ihr nicht einfach den Hals durchdrehen. Aber wofür hatte sie denn ihre Magie? Ihre Hand setzte sie ganz unauffällig neben den Käfig. Bei diesen Wetter wäre eine erfrorene Taube doch kein Wunder, nicht wahr? Aber die orkischen Vokabeln, das Kutschenlenken und die nächsten Hindernisse lenkten sie ab. Nicht nur dass ihr die Konzentration fehlte, sie vergaß nach ein paar Minuten ihr Vorhaben völlig.

Zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie das Meer. Es war kein freudiger Anblick, denn der kalte Wind ließ das Wasser hoch wellen und die Brandung spritzte und der Himmel darüber sah düster auf. Und das schlimmste: Es war eine nicht enden wollende Geräuschquelle, mit seinen Rauschen und seinen hässlichen, krächzenden Seevögeln.
Mit einem schrillen Pfeifen kündigte sich ein orkischer Reiter an. Marga drehte sich um und verfolgte die ausgetauschten Worte zwischen den Orks. Sie verstand nur ein paar Worte und die Städtenamen, die in allen Sprachen fast gleich klangen.
Orok sendete die gefiederte Ratte fort und fuhr dann zu einem geeigneten Lagerplatz weiter. Weil sie vorerst allein waren, nahm Marga sich den Schlüssel zum Wagen von Orok und machte ihn auf. Im Wagen war ein Eimer für die Notdurft der Gefangenen, den sie ausleerte und sie gab den beiden Elfen je eine Scheibe von ihrem Schinken. „Nächste Tage nicht viel essen bekommen können. Auf Wagen sein Hafergrütze, mich kochen Brei für euch. Und ich tun, als ob grob und gemein.“
Sie schloss wieder zu. Sie fasste den Plan, immer eine Kleinigkeit in den Brei mit unter zu kochen. Honig oder etwas Fleisch, damit die beiden gesund und stark blieben. Außerdem hoffte sie, dass Belenus Erfolg bei Laiya hatte.
Der Schinken, der sie seit Jersa begleitet hatte, war in den kalten Tagen nicht schlecht geworden, aber lange würde er nicht halten. Also verfütterte sie die letzte ganze Scheibe als kleines Leckerli an Ragna und aß selber die letzte halbe.

Orok hatte die Wargs gefüttert und ein Zelt aufgeschlagen. Es war nicht das große geräumige Zelt vom Orklager, sondern ein winziges Ding, das gerade groß genug für zwei nebeneinander liegende Personen war. Marga erklärte, dass sie auf den Schlüssel aufpassen würde. Sie würde ihn nicht benutzen, wenn Orok nicht dabei war, um so zu tun, als ob er die Gefangenen an der Flucht hinderte.
Dann kam schon der Konvoi. Viele, viele Orks, mehr Wargs als sie zählen konnte, und wenige Dunkelelfen, die Anführer der Gruppe. Schwer bepackte Karren, vermutlich hatten sie Waffen und Rüstzeug geladen, aber Marga fragte nicht nach. Sie hielt bei allen den Kopf gesenkt und schaute niemanden in die Augen. Auch fing sie kein Gespräch an und vor den Dunkelelfen tat sie etwas, wofür sie sich dreckig vorkam. Sie knickste. Die Offiziere sahen hochnäsig und gehässig aus, also höchstwahrscheinlich waren sie von edlem Geblüt. Adelige wollten Zeichen des Respekts. Nichtsdestotrotz wandten sie sich an den Gefängniswagen und blickten hinein. Die Halborkin befürchtete, dass die dunklen Elfen sich an den hellen vergreifen konnten.
Was sie aber retteten war das Wetter. Es war weder besonders viel, noch besonders kalter Regen, aber der Wind machte die Tropfen schnell und hart und die Elfen und Orks bezogen Unterschlupf in ihren Zelten. Nur einige Wachen standen auf der windabgewandten Seiten von Bäumen und hielten Ausschau. Die Wargs rotteten sich, soweit es ihre Ankettung zuließen in kleinen Grüppchen zusammen, um sich zu wärmen. Marga blieb noch eine Weile stoisch im Regen stehen. Ihre Augen verfolgten die Dunkelelfen, deren helle Haare auch in der Dämmerung herausstachen. Sie wollte die ihre Zelte kennen und ob jeder ein eigenes Zelt hatte und ob sie bewacht wurden. Dann suchte auch sie das Weite und verkroch sich im Zelt.

Sie stimmte Orok zu, dass sie sich mit dem Wachen abwechselten. Sie setzte sich im Schneidersitz hin, wobei sie ihren Rücken senkrecht zu Oroks Rücken legte, damit sie sich gegenseitig wärmten. Marga hatte von hier einen Blick auf den Wagen. Sie sorgte sich um die Elfen. Würde der gemeine Dunkelelf ihnen etwas antun? Wie konnte sie für deren Schutz sorgen?
In der Dunkelheit grübelte die Schülerin über Mord.

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Re: Die Küstenstraße

Beitrag von Erzähler » Sonntag 18. November 2012, 18:42

„Mein Vater war da. Er hat Warnung gesprochen. Wir uns hüten vor Verrat!“
Als Marga weiter von ihrem Traum erzählte, wurde Orok noch ruhiger, richtig verschlossen. Träume, Geister, eben alles was man nicht mit einer Axt bekämpfen konnte, war ihm unheimlich und er fühlte sich sichtlich unwohl, um so mehr Marga auf ihrer gemeinsamen Reise von ihren Träumen erzählte. Das sie seine Sprache lernen wollte, ermunterte ihn jedoch wieder und sprach sie ein Wort richtig aus, so strahlte er als sähe er ihre gemeinsame Zukunft in den sprichwörtlichen rosa Farben.
„Ich, Du. Ja, nein. Fleisch. Wasser. Gefangen. Krieg. Elf. Ork. Dunkelelf. Befehl. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Geist. Mensch. Halb. Reiten. Eis, Feuer.“
Es war nicht viel, aber es sollte für den Anfang reichen.
Nachdem sie auf den Konvoi getroffen waren, und das Lager zur Nacht aufgeschlagen worden war, bemerkte Marga vor allem die angespannte Stimmung der Orks hier. Sie wirkten aggressiver, aber auch disziplinierter als sie sie bisher durch Orok kennen gelernt hatte. Die Anwesenheit der drei Dunkelelfen hatte sie vollkommen verändert. Marga kümmerte sich um die beiden eingesperrten Elfen.
„Nächste Tage nicht viel essen bekommen können. Auf Wagen sein Hafergrütze, mich kochen Brei für euch. Und ich tun, als ob grob und gemein.“
Belenus nickte nur und Laiya reagierte gar nicht. Sie saß in der hintersten Ecke, war dick mit Fellen umwickelt, worum ihr Mann sich sicher gekümmert hatte, und starrte ins Leere. So waren vor allem ihre weiblichen Reize den Dunkelelfen vorerst verborgen geblieben. Nachdem
Marga sich zur Nacht einen guten Beobachtungspunkt gesucht hatte, Ragna mit dem restlichen Schinken gefüttert hatte, lehnte sie sich an Orok, der schnell eingeschlafen war, als würde sich keinerlei Gefahr für Marga in der Nähe befinden. Das mochte stimmen, solange sie in seiner Nähe blieb, aber sie rechnete sich nicht all zu gute Chancen aus, sollte sie alleine durch das Lager wandern wollen. Ein paar gierige Blicke hatte sie schon gesehen, als der Konvoi angekommen war, doch der erste wirklich unangenehme Moment ließ nicht lange auf sich warten. Marga saß dicht hinter dem Zelteingang und öffnete diesen immer wieder, wenn draußen in der Nähe des Wagens Geräusche zu hören waren. So beobachtete sie bald, dass fünf Wachen regelmäßig ihre Runden drehten und auch an ihrem Wagen nah vorbei patrouillierten. Der scharfe, kalte Regen biss jedes Mal in ihr Gesicht und fast ebenso bissig sahen die Wächter auch zu ihrem Zelteingang, wenn sie ihn öffnete. Marga merkte sehr schnell, dass sie wohl möglich den Wagen, bzw. dessen Inhalt, genauer untersucht hätten, wenn sie ihn unbeobachtet gelassen hätte. So sahen die groben breiten Kerle nur zu ihr hinüber, grinsten dreckig und einer schien es ganz besonders auf Marga abgesehen zu haben. Vielleicht wollte er sie nur von Orok weg aus dem Zelt heraus locken, aber die Art wie er dies tat, jagte ihr kalte Schauer über den Rücken. Es war offensichtlich, dass sie ihre Aufgabe sehr ernst nahm und genau das schien der extrem dunkelgrüne Ork mit dem kahl geschorenen Schädel auszunutzen. Er stellte sich neben den Wagen, legte sein Ohr an die Holzplanken und lauschte. Dann sah er wieder zu Marga hinüber, machte einen Schritt weg von den Gefährt und sprang dann unvermittelt an die obere Dachkante, so dass der Wagen mit einem Ruck ächzte und zu schaukeln begann. Ein leiser überraschter Laut aus dem Inneren, drang durch das Rauschen des Regens bis zu Marga und der Ork lachte. Diesem Sadist schien es Freude zu machen die Gefangenen zu erschrecken und wollte anscheinend Marga damit „necken“ und ihr so ein Lächeln entlocken. Margas Sorge um ihre beiden Freunde hätten sie fast in die Falle tappen lassen, aber sie konzentrierte sich auf die Eisesskälte ihres Herzens und blieb ruhig. Nach ein paar Minuten verlor so der Schabernack des Orks, mit dem er ihr imponieren wollte, seinen Reiz und er trollte sich. Zum Glück zeigte dieser Orks in seinem seltsamen Balzritual nicht all zu viel Ausdauer. Sicher trug auch das schlechte Wetter dazu bei, aber so oder so war Marga sicher erleichtert, als er abzog. Andere Wächter kamen und gingen und die Sorge um Belenus und Laiya hielt Marga erstaunlich lange wach. Weit nach Mitternacht flaute der Sturm endlich etwas ab und es wurde ruhiger. Einer der Elitekämpfer der Dunkelelfen kam am Wagen vorbei und musterte ihn. Seine ganze Haltung strotzte nur so vor Selbstsicherheit und Arroganz. Jeder Schritt wurde mit Bedacht gesetzt, jeder Blick nahm auch das winzigste Detail in sich auf, so dass es Marga abermals kalt den Rücken hinunter lief, als er sich ihrem Zelt näherte. Er musterte sie von oben herab, da er stand und sie saß. Er betrachtete sie wie ein missratenes Experiment und zog die Augenbrauen hoch. Seine kalte klare Stimme war wie glühendes Eisen auf ihrer Nerven, als er leise, wohl mehr zu sich selbst sprach:
„Wie unglaublich … hässlich!“
Marga verstand die düster klingenden Worte nicht, aber der Ausdruck, sowie der Klang sagte alles. Er schüttelte ganz kurz den Kopf, als müsste er sich ihren Anblick gewaltsam aus dem Gedächtnis verbannen. Zum Glück schlenderte auch dieser nächtliche Besucher weiter. Als er sich abwandte, konnte sie aber noch einen guten Blick auf die im Rücken gekreuzten langen Schwerter werfen. Sie waren von einer ungewöhnlichen schlanken Eleganz und Tödlichkeit, dass Marga diesen Mann derzeit als größte Bedrohung in der ganzen Truppe einschätzte. Er wanderte mit auf dem Rücken ineinander gelegten Händen weiter durch das Lager und überall wo er auf einen wachen Ork traf, senkten sich demütig, ja fast ängstlich die Blicke. Nach einer weiteren Stunde in der Marga keine Ruhe fand, bemerkte sie aber, dass ihr Körper nach Schlaf verlangte. Trotz der noch immer rotierenden Gedanken wäre es nicht klug die ganze Nacht zu wachen, also weckte sie Orok. Sie musste ihn ein paar Mal in Seite knuffen, damit er murmelnd die Augen öffnete und bei ihrem Anblick sofort wieder zu lächeln begann. Sein Arm zog sie kurz tiefer ins Zelt neben sich, flüsterte:
„Ich noch nie so gut geschlafen! Du wunderbar! Ich sehr glücklich, dass bei mir sein.“
Dann küsste er sie leidenschaftlich und drückte sich mit seinem massigen Körper näher an sie heran. Vielleicht hatte er ja etwas besonders schönes geräumt? Sein Atem roch etwas muffig, aber sie roch auch sicher nicht viel besser und in ein paar Tagen würden sie sicher beide stinken wie tote Frettchen. Er seufzte einmal tief, schaute sehnsüchtig zu der „Hochzeitskeule“, wie Marga nun wusste und griff sich in den Schritt um anscheinend etwas mit Gewalt zu „bezwingen“. Orok machte ein etwas gequälten Gesichtsausdruck und rollte sich zum Ausgang des Zeltes, um hinaus zu gehen. Draußen streckte er sich einmal kräftig und ließ die Knochen krachen. Er war schon ein Berg von einem Mann! Dann beugte er sich noch einmal zum Eingang hinein und raunte:
„Ich aufpassen. Du schnell schlafen! Ich nicht glauben, dass Trupp warten bis Sonne da. Wargs auch gut Nachts sehen. Wenn aufhören regnen, wir weiter.“
Damit wandte er sich ab und ging auf den Gefängniswagen zu um nach dem Rechten zu sehen. Marga fielen die Augen zu. Vielleicht hatte sie ihn sogar noch etwas fragen wollen, doch als die Anspannung ihrer Wache nachließ und ihr Körper den erholsamen Schlaf erwartete, da waren auf einmal die vorgewärmten Decken von Orok zu einladend und zu weich um sie noch einmal von sich zu stoßen. Schnell hüllte sich ihr Geist in wohlige Dunkelheit und sie schlief ein.
„Marga, aufstehen.“
Hatte sie sich nicht eben grade erst hin gelegt? Hatte sie geschlafen? Sie konnte sich nicht daran erinnern und hatte auch kaum das Gefühl wirklich erholt zu sein. Es war noch irritierend dunkel draußen vorm Zelt und Orok hielt ihr ein Stück Trockenfleisch entgegen.
„Schnell essen und fertig machen. Andere auch schon aufstehen. Wir nicht nachhängen dürfen, sonst negativ auffallen. Am besten gar nicht auffallen.“
Damit hatte er sicher Recht! Um so weniger sie von den Anderen bemerkt wurden, um so besser sie sich anpassten, desto weniger Ärger war zu erwarten. Es gab kein Wasser zum Waschen und das Fleisch war auch schnell herunter geschlungen. Als sie den Kopf aus dem Zelt streckte, traf ihr Blick den des Orks der gestern Nacht ihr den „Hof“ gemacht hatte. Sollte sie Orok davon erzählen? Würde er eifersüchtig werden? Würden sie sich wohl möglich prügeln und was war wenn Orok gegen diesen Kerl unterlag? Wäre sie dann Freiwild für die kleine Orkarmee? Sie musste vorsichtig sein und klug handeln, denn die Orks würden es sicher nicht tun. Orok stand noch bei ihren Wargs und fütterte sie, als am anderen Ende der kleinen Lichtung der erste Wagen, angeführt von den Dunkelelfen, sich schon wieder in Bewegung setzte. Ein grunzender Laut ging durch die Menge und alle Orks saßen auf. Orok und Marga beeilten sich anzuschießen. Dann setzte sich der Konvoi wieder Richtung Norden die Küstenstraße entlang in Bewegung. Die Sonne wartete noch gut eine Stunde, bis sie sich zeigte und schickte dann auch nur durch dichte Wolken ihr Licht zu Erde. Der Wind blies noch immer stürmisch von der Seeseite her und klebte Margas Haare bald salzig verkrustet an ihre rechte Wange. Der große Vorteil der Küstenstraße war, dass sie nun gleich dreimal so schnell voran kamen. Orok meinte irgendwann flüsternd zu ihr:
„Wenn weiter so schnell, dann wir bald in stille Ebene.“

(weiter bei: südliche Stille Ebene -Die Schlinge zieht sich zu.)
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